1229/2018
Vergabe der Konzeptionsförderung in der Sparte Theater, Haushaltsjahre 2019-2022
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/41/41/2 Vorlagen-Nummer 1229/2018 Freigabedatum 14.06.2018 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Vergabe der Konzeptionsförderung in der Sparte Theater, Haushaltsjahre 2019-2022 Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat beschließt – vorbehaltlich des Vorliegens der haushaltsrechtlichen Bedingungen – im Teil- plan 0416 – Kulturförderung in der Teilplanzeile 15 – Transferaufwendungen für den Zeitraum vom 01. Januar 2019 bis 31. Dezember 2022 – Konzeptionsfördermittel in Höhe von 1.369.000,- € zu ge- währleisten, diese werden für Zuschüsse zur Konzeptionsförderung (institutionelle Förderung) für folgende Theaterhäuser bzw. Ensembles aufgeteilt: Angie Hiesl Produktion 88.000,- € Casamax Theater e.V. 50.000,- € c.t.201 Freies Theater Köln e.V. 40.000,- € Freies Werkstatt Theater Köln 245.000,- € Freihandelszone – Ensemblenetzwerk Köln 136.000,- € Kölner Künstler Theater 100.000,- € Orangerie-Theater im Volksgarten e.V. 150.000,- € studiobühneköln 136.000,- € Theater der Keller 200.000,- € Theater im Bauturm e.V. 224.000,- € Ausschuss Kunst und Kultur 19.06.2018 Finanzausschuss 02.07.2018 Rat 05.07.2018 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 1.369.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung 1. Ausgangssituation: Mit Beschluss vom 16.12.2014 wurde zuletzt die Vergabe der Konzeptionsförderung in der Sparte Theater für den Zeitraum 01.01.2015 bis 31.12.2018 vergeben. Für die Jahre 2019 bis 2022 plant die Verwaltung im Zuge der Umsetzung des Leitprojektes des Kul- turamtes die Aufstockung der Konzeptionsförderung ab Januar 2019 in Höhe von 200.000,- €. Somit sollen bei der Vergabe der Konzeptionsförderung für den Zeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2022 insgesamt 1.369.000,- € zur Verfügung gestellt werden. Erstmalig seit der Einführung der Konzeptionsförderung im Jahr 2002 ist das Comedia Theater in der aktuellen Antragsrunde nicht Gegenstand der Beratung durch den Theaterbeirat. In Gesprächen mit der Kulturverwaltung, den Kulturpolitischen Sprechern und der Landesregierung wird derzeit die Mög- lichkeit einer Umstrukturierung des Betriebs in ein interdisziplinäres Kinderkulturhaus, das den erhöh- ten Bedarfen nach Kulturangeboten für Kinder und Jugendliche sowie nach Angeboten der kulturellen Bildung für diese Zielgruppe, die sich allein durch den zu erwartenden demografischen Wandel erge- ben werden, intensiv geprüft. Um den Ergebnissen dieser Prüfung nicht vorzugreifen und um den Handlungsspielraum der Verwaltung für eine möglichst adäquate Gestaltung des Umstrukturierungs- prozesses nicht einzuschränken, wurde die Beratung über das Comedia Theater in dieser Antrags- runde abgekoppelt. Die bisherige institutionelle Förderung in Höhe 405.000 € für das Comedia Thea- ter steht somit bei der Vergabe der Konzeptionsförderung im Zeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2022 nicht zur Verfügung. Hintergrund 2014 standen Mittel in Höhe von 1.269.500,- € zur Verfügung. In der o.g. Ratssitzung wurde be- 3 schlossen, die Anzahl der institutionell geförderten Theater ab Januar 2015 von neun auf dreizehn Theater anzuheben, entsprechend einem Votum des Theaterbeirats, der diese Theater in zweiter Priorität ebenfalls für förderwürdig erachtete, sofern weitere Mittel dafür bereitgestellt würden. Die Verwaltung wurde beauftragt einen Vorschlag zur Finanzierung für die folgenden vier Theater vorzulegen: Theater der Keller, Casamax Theater, Theater Tiefrot und Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste. Durch Umschichtungen, die zunächst größtenteils zu Lasten der übrigen Thea- terszene erfolgten, wurden zusätzlich 180.000,- € zur Neuvergabe an diese vier Theater generiert, wobei von vorn herein beabsichtigt war, durch evtl. Haushaltsverbesserungen 2015, die Reduzierun- gen bei den Projektmitteln wieder rückgängig zu machen. Im Zuge weiterer Mittelaufstockungen im Doppelhaushalt 2016/2017 wurden zunächst 45.000 Euro an Verstärkungsmitteln für die institutionelle Förderung zugesetzt. Diese wurden auf alle konzepti- onsgeförderten Theater linear mit einer Summe von jeweils 3.500 Euro aufgeteilt. Weitere 55.000 Euro wurden im Haushaltsjahr 2017 bei der Konzeptionsförderung zugesetzt. Diese Summe wurde mit deutlichen Akzentsetzungen durch ein Votum des Theaterbeirats an vier Häuser und Gruppen vergeben. Es profitierten von dieser Aufstockung das Theater der Keller, das Orangerie Theater, das Künstlernetzwerk Freihandelszone, sowie Drama Köln. 2. Antragsverfahren: Intention der Förderung ist es, Kölner Theaterhäusern und Ensembles von herausragender künstleri- scher Qualität eine deutlich verbesserte Planungssicherheit für ihre Weiterentwicklung – sowohl in künstlerischer als auch struktureller Hinsicht – zu ermöglichen. Darin eingeschlossen ist auch die In- tention, die Theater darin zu unterstützen, sich den aktuellen Richtwerten einer fairen Honorierung von Künstlerinnen und Künstlern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzunähern. In der Konsequenz werden im Rahmen der Konzeptionsförderung auch anfallende Kosten für Betrieb und Struktur unterstützt. Diese Förderform stellt daher neben der inhaltlichen Qualität der Arbeit be- sondere Anforderungen an das Rechnungs- und Verwaltungswesen eines Theaterhauses bzw. En- sembles. Voraussetzungen für die Bewerbung waren demzufolge: 1. herausragende professionelle künstlerische Leistung von Theatern mit oder ohne eigene Spielstätte 2. ein eindeutiger künstlerischer Arbeitsschwerpunkt in Köln 3. der Nachweis mehrjähriger künstlerischer Erfolge und einer kontinuierlichen öffentlichen Prä- senz (regelmäßiger Spielbetrieb) 4. eine professionelle Betriebs- und Organisationsstruktur Entsprechend wurde den Bewerbern auferlegt, nicht nur Nachweise zur bisherigen künstlerischen Laufbahn und ein Konzept zur geplanten künstlerischen und strukturellen Entwicklung einzureichen, sondern auch Angaben zur Organisations- und Honorarstruktur und zur öffentlichen Präsenz (Vorstel- lungsstatistik) zur Verfügung zu stellen. Zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage des Betriebes und dessen weiterer Entwicklung wurden zusätzlich die Wirtschaftspläne für die Jahre 2019 bis 2022 sowie ein Nachweis über die Ist-Zahlen des Jahres 2016 (Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung oder Einnahmeüberschussrechnung) verlangt. Interessierte Bewerber konnten bis zum 28.02.2018 einen Förderantrag stellen. Insgesamt haben sich 14 Theaterhäuser bzw. Ensembles beworben. Das noch im letzten Förderzyklus geförderte The- ater Tiefrot reichte aus Krankheitsgründen keinen neuen Antrag ein. 3. Votum des Beirats Für die Beurteilung der Anträge wurden folgende Kriterien durch den Beirat festgelegt: 4 Die Formulierung einer klaren Konzeption auf der Basis der bisherigen Arbeit mit einer auf vier Jahre ausgelegten Perspektive sollte sichtbar sein. Das Theater sollte über hohe künstlerische Qualität in Verbindung mit Professionalität des Managements (Finanzen, PR, Marketing) verfügen. Die Arbeit des Theaters sollte auf dem Fundament eines tragfähigen Finanzierungskonstrukts ruhen und über mehr als eine gesicherte Einnahmequelle verfügen. Die Konzeption sollte einen ganzjährigen Spielbetrieb (feste Häuser), bzw. eine zufriedenstel- lende Anzahl von Vorstellungen (freie Gruppen) enthalten. Mit Blick auf das Gesamtangebot sollten bei entsprechender künstlerischer Qualität gezielt un- terschiedliche Genres und Zielgruppen (Diversität des Angebots) Berücksichtigung finden. Ebenso sollte die Attraktivität und Relevanz einer Konzeption für die Gesamtstruktur der Köl- ner Theaterlandschaft mitbewertet werden. Folgende Aspekte wurden als Ausschlusskriterien durch den Beirat festgelegt: Keine Anfängerförderung Keine Förderung bei nicht begründeten gravierenden Rückgängen in Bezug auf Auffüh- rungszahlen, Zuschauer oder Finanzmitteln. Keine Förderung bei Fehlen von Ko-Finanzierung Keine Förderung bei Unvollständigkeit des Antrags Der Beirat schlägt nach Prüfung der Anträge mit Blick auf das Vorliegen der Kriterien folgende Thea- terhäuser bzw. Ensembles zur Förderung vor, die Tabelle dient hier zur Information über die in 2018 voraussichtlich gewährten Zuschüsse des Landes NRW und der vorhandenen Mietkosten der Thea- ter. Institution Grün- dungs- jahr Ensemble oder Thea- ter-haus Höhe Lan- des- zuschuss in 2018 Höhe Miete in 2018 Höhe Konzep- tionsför- derung in 2018 Höhe Kon- zep- tionsför- derung ab 2019 (jähr- lich) Angie Hiesl Pro- duktion Anfang 1980 Theater- ensemble 45.000,- € 22.600,- € 83.600,- € 88.000,- € Casamax Theater e.V. 1986 Theater- haus 12.000,- € 22.200,- € 41.000,- € 50.000,- € c.t.201 Freies Theater Köln e.V. 1993 Theater- ensemble 0 € keine Miet- kosten 0 € 40.000,- € Freies Werkstatt Theater Köln 1981 Theater- haus 117.770,- € 24.284,- € Instandhal- tungspau- schale 206.300,- € 245.000,- € Freihandelszone - Ensemblenetz- werk Köln 2004 Theater- ensemble 15.000,- € 30.000,- € 107.100,- € 136.000,- € Kölner Künstler Theater 1995 Theater- haus 12.000,- € 53.104,- € 83.600,- € 100.000,- € Orangerie- Theater im Volksgarten e.V. 1990 Theater- haus 0 € 23.471,- € 98.600,- € 150.000,- € studiobühneköln 1974 Theater- haus 0 € keine Miet- kosten 99.600,- € 136.000,- € 5 Theater der Keller 1955 Theater- haus 67.730,- € 43.200,- € 163.500,-€ 200.000,- € Theater im Bau- turm e.V. 1983 Theater- haus 43.830,- € 30.200,- € 206.300,- € 224.000,- € Angie Hiesl Produktion Die Gruppe um Angie Hiesl arbeitet interdisziplinär im Grenzbereich zwischen Theater, Tanz und Bil- dender Kunst und ist international erfolgreich. Sie ist weit über die Stadt Köln hinaus bekannt und hat innerhalb Kölns eine singuläre Stellung. Schwerpunktmäßig finden ihre Performances im öffentlichen und halböffentlichen Raum statt, für welchen sich die Gruppe in besonderem Maße qualifiziert hat. Die Gruppe plant im Konzeptionszeitraum ihre nationalen und internationalen Verbindungen, sowie ihre Präsenz in Köln weiter auszubauen und sich dabei verstärkt mit den Bedingungen des Arbeitens im öffentlichen Raum auseinanderzusetzten. Außerdem sieht der Antrag vor, das bisherige Werk der Künstlerin in Form von Ausstellungen und Dokumentationen in seiner Gesamtheit stärker zu erfassen und für das Publikum zugänglich zu machen. Aufgrund dieses Aspektes, sowie der hohen Professio- nalität bei der Bespielung öffentlicher Flächen, plädiert der Beirat für die Fortsetzung der Förderung inklusive einer leichten Anhebung. Casamax Theater e.V. Als kleine Spielstätte ist das Casamax Theater auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche ausgerich- tet. Trotz der beengten Bedingungen der Spielstätte bietet das Haus ganzjährig ein regelmäßiges Theaterprogramm für Kinder und Jugendliche ab 3 Jahre an mit aktuell 15 Repertoirestücken sowie Theaterworkshops und pädagogische Vor- und Nachgespräche. Der Beirat schätzt die Leistung der beiden Leiterinnen, die ein zeitgenössisches und interessantes Programm für junge Menschen, vor allem im Umfeld des Hauses, anbieten und votiert für die Fortset- zung der Konzeptionsförderung. Einschränkend weist der Beirat auf die begrenzte räumliche Situation hin, die keine optimale Entwicklungsmöglichkeit erlaube und plädiert deshalb nur für eine moderate Anhebung der Förderung. c.t.201 Freies Theater Köln e.V. Das Theater c.t.201 gehört zu den ältesten freien Theatergruppen der Stadt und wurde in der Ver- gangenheit bereits vielfach ausgezeichnet. Unter der neuen Leitung von Manuel Moser erfuhr der Theaterverein ab 2015 eine starke Umstrukturierung. Durch die Aufnahme zahlreicher neuer künstle- rischer Mitglieder, die Steigerung der Vorstellungszahlen und Einnahmen hat die Gruppe eine deutli- che Professionalisierung erfahren. Inhaltlich legt die Gruppe den Fokus auf kommunikatives Theater, das die Zuschauer einbindet und alle Projekte stets partizipativ und inklusiv konzipiert. Das Selbstver- ständnis der Gruppe als interkulturelles Ensemble, das sich den gesellschaftspolitischen Themen aus verschiedenen Perspektiven annimmt, bestärkte den Beirat darin, die Gruppe erneut in die Konzepti- onsförderung aufzunehmen und mit einer Förderung auszustatten, die über die Projektarbeit auch ein strukturelles Fundament gewährleistet. Freies Werkstatt Theater Köln Das Theater gehört zu den leistungsstärksten Theaterorten der Stadt und besteht seit 40 Jahren. Es wurde im Rahmen einer Städtebauförderungsmaßnahme errichtet und verfügt u.a. über zwei kleine Spielstätten, Probebühnen auf mehreren Etagen sowie eine Künstlerwohnung. Der vorhandene Miet- vertrag läuft noch bis 2030. Es unterhält heute einen Spielbetrieb von 220 bis 240 Veranstaltungen 6 jährlich plus Gastspiele außerhalb Kölns. Seit dem Leitungswechsel 2012 hat sich das Theater immer stärker für eine Zusammenarbeit mit starken Kölner Gruppen geöffnet und an seiner überregionalen Vernetzung gearbeitet. Der aktuelle Konzeptionsantrag überzeugt den Beirat, da er auf die Schaffung von Synergieeffekten zwischen zwei geförderten Häusern abzielt, ohne jedoch die Selbständigkeit der Häuser zunächst anzutasten. In Kooperation mit dem Orangerie Theater sollen jährlich zwei Kopro- duktionen mit freien Gruppen, davon eine Kölner und eine überregionale Gruppe, realisiert werden, die in den Räumen des FWT produziert und auf der Bühne der Orangerie aufgeführt werden sollen. Die Auswahl und die Betreuung der Gruppen erfolgt durch gemeinsame Entscheidung der Häuser. Der Beirat sieht in diesem Konzeptentwurf zukunftsweisende Ansätze für die Arbeitsweise als Pro- duktionszentrum, von der beide Häuser profitieren können, und von der starke Impulse für die Szene ausgehen können. Aus diesem Grund plädiert der Beirat für eine Akzentsetzung durch deutliche Auf- stockung der Förderung im FWT und in der Orangerie. Freihandelszone – Ensemblenetzwerk Köln Das Ensemblenetzwerk nimmt innerhalb der Kölner Theaterszene als Zusammenschluss von vier Theatergruppen und einer Tanzkompanie eine Sonderstellung ein. Der Antrag der Gruppe setzt auf die weitere Stärkung als Produktionszentrum für seine Mitglieder sowie für eingeladene Residenz- gruppen. Die Residenzen kommen vorzugsweise jungen Künstlern zugute, stehen jedoch auch für internationale Gäste im Zusammenhang von Koproduktionen zur Verfügung. Die Arbeit des Freihan- delszone Ensemblenetzwerkes zielt sowohl auf internationale Vernetzung durch Koproduktionen und Festivaleinladungen ab, als auch auf die Schaffung neuer diskursiver Formate, von denen Impulse für die gesamte Theaterlandschaft ausgehen. Der Beirat schätzt den Zusammenschluss der FHZ als modernes, zeitgemäßes Konstrukt, welches einige der interessantesten Kölner Gruppen einbindet und votiert deshalb für die Fortsetzung und Anhebung der Förderung. Kölner Künstler Theater Das Kölner Künstler Theater verfügt seit dem Umzug des Theaters in neue Räume im Jahr 2013 über einen der attraktivsten Theatersäle der Stadt, dessen technische Ausstattung, seine Raumhöhe, die mögliche Bestuhlung für 143 Zuschauer sowie der großzügige Cafébereich und die Nebenräume ein vielfältiges professionelles Arbeiten ermöglichen. Der Beirat würdigt die Aufbauarbeit der beiden The- aterleiter, die den Spielort zu einem wichtigen Standort für professionelles Kinder- und Jugendtheater in der Stadt entwickelt haben. Insbesondere beeindruckt die gelungene Kombination aus Kinder- und Jugendtheaterproduktionen mit einem umfangreichen Workshop-Bereich, der das Haus für unter- schiedlichste Zielgruppen interessant macht, u.a. auch für ein kulturfernes Publikum und - aufgrund der Barrierefreiheit der Räume- auch für ein inklusives Publikum. Der Beirat votiert für die Fortsetzung der Förderung und eine Anhebung zur weiteren Stabilisierung der Haus- und Personalstruktur. Orangerie-Theater im Volksgarten e.V. Das Orangerie Theater wurde 1990 als Spielort für freie Gruppen, die nicht über eigene Räumlichkei- ten verfügen, gegründet. Seitdem hat sich der Ort in verschiedenen Leitungsmodellen sehr gut entwi- ckelt und erhält seit 2007 Konzeptionsförderung. Unter der künstlerischen Leitung und Geschäftsfüh- rung von Marko Berger seit 2012 hat sich der Ort sowohl organisatorisch als auch programmatisch deutlich weiter stabilisiert. Das Haus realisiert derzeit ca. 25 Kooperationen mit freien Ensembles und Künstlernetzwerken im Jahr und bindet zahlreiche starke Akteure der Theater- und Tanzszene an sich und konnte außerdem die Publikumsnachfrage deutlich steigern. Seit 2012 wurden gleichzeitig die Bemühungen um den Erhalt des Gebäudebestands und der Betriebsfähigkeit des Hauses intensi- viert. Ersten Plänen zur Vollsanierung des Ortes wurde seitens der Stadt 2012 allerdings noch nicht 7 zugestimmt. Jedoch ließen sich Einzelmaßnahmen, wie u.a. der Erhalt der Zugänglichkeit des Keller- geschosses, die Ausbesserung des Daches sowie die Verbesserung der Heizbarkeit des Theaters und die Sanierung der maroden Fenster durch Zuschüsse an den Verein ermöglichen. Alle bisherigen Maßnahmen wurden durch das Theater selber mit Unterstützung des Architektenbüros ‚raumwerkar- chitekten‘ erfolgreich und in Abstimmung mit dem laufenden Theaterbetrieb umgesetzt. Der zuletzt gefasste Beschluss, Mittel für die Vollsanierung der Orangerie in Höhe von 1,8 Millionen Euro in den Haushalt 2018 einzustellen, wertet den Spielort für die freie Szene stark auf und eröffnet weitere sehr positive Entwicklungschancen für die Kölner Szene. Der Theaterbeirat begrüßt die Sa- nierungsentscheidung einstimmig und plädiert dafür, auch die kommenden Baumaßnahmen in enger Abstimmung mit der Theaterleitung und unter Berücksichtigung des Spielbetriebs durchzuführen, um die Existenz der Orangerie als Theaterort für die freie Szene nicht aufs Spiel zu setzen. Aktuell finden Abstimmungen mit den Beteiligten statt, in denen u.a. die rechtliche Position des Orangerie e.V. ge- klärt werden muss. Erst danach lässt sich ein Zeitplan für die konkrete Umsetzung festlegen. Wie bereits oben erwähnt begrüßt der Beirat die geplante Kooperation mit dem Freien Werkstatt The- ater als neue konzeptionelle Idee des Hauses, die für beide Orte Synergien schafft. Er plädiert aus diesem Grund für die Fortsetzung der Förderung sowie eine deutliche Akzentsetzung durch die Auf- stockung der Mittel. Studiobühneköln Die Studiobühne versteht sich, trotz ihrer Anbindung an die Universität zu Köln, als experimentelles Theaterhaus für die Stadt Köln und die Region, das durch eigene Produktionen, nationale und inter- nationale Koproduktionen, Festivals und Gastspiele die aktuellen Entwicklungen des freien Theaters abbildet und mitgestaltet. Dabei werden sämtliche anfallenden strukturellen Kosten von der Universi- tät getragen, ebenso wie die Kosten der praktischen Angebote für die Studierenden. Sämtliche För- dermittel der Stadt und weiterer Förderer werden für die künstlerische Arbeit und für Veranstaltungen verausgabt. Der Beirat begrüßt das künstlerische Konzept der Studiobühne, welches ihre Rolle als Initiator nationaler und internationaler Koproduktionen aufzutreten, sowie die überregionale Vernet- zung des Hauses durch Gastspiele zu verbessern, stärken möchte. Insbesondere begrüßt der Beirat die Absicht des Hauses, zukünftig eine vertretbare Honorarstruktur für koproduzierte Stücke aufzu- bauen. Er plädiert für die Fortsetzung und Aufstockung der Förderung für diese Zwecke. Theater der Keller Nach dem Intendantenwechsel 2013 hat das Haus tiefgreifende Veränderungen in wirtschaftlicher, struktureller und künstlerischer Hinsicht erfahren und einen Spielplan realisiert, der sehr konsequent auf neue Dramatik und gesellschaftspolitisch relevante Themen setzt. Im Mittelpunkt der künstleri- schen Arbeit stehen das Interesse an einer heutigen Schauspielästhetik und der besonderen indivi- duellen schauspielerischen Leistung in Verbindung mit relevanten, aktuellen und ggf. brisanten Stof- fen. In der zurückliegenden Förderperiode ist es dem Haus gelungen, seine Organisationsstruktur zu stabilisieren und sein wirtschaftliches Fundament durch eine hohe Auslastung zu verbessern. Der Beirat würdigt die konzeptionelle Weiterentwicklung des Theaters, die konsequent vorangetrieben wurde, und seine strukturelle Bedeutung für die Theater Landschaft in Köln und plädiert für die Fort- setzung der Förderung mit einer Akzentsetzung, die die Annäherung an die ursprüngliche Förderhöhe des Hauses beinhaltet. Theater im Bauturm e.V. Auch im Theater im Bauturm hat ein Leitungswechsel 2016 deutliche Veränderungen in der struktu- rellen, organisatorischen und künstlerischen Ausrichtung bewirkt, wobei der Anspruch gesellschaftlich 8 und politisch relevantes Theater auf hohem Niveau zu produzieren, erhalten geblieben ist. Das neue Leitungsteam setzt auf einen neuen kooperativen Führungsstil, in dem alle wichtigen Vorgänge des Theaters durch die drei Leiter gemeinsam entschieden werden, und in dem künstlerische, wirtschaftli- che und soziale Aspekte berücksichtigt werden. Durch Straffung der Personalstruktur, die Umgestal- tung der Spieltage sowie die vermehrte Zusammenarbeit mit Regisseuren und Autoren, die Stücke selber entwickeln, die auf die räumlichen Bedingungen des Hauses zugeschnitten sind, hat sich das Haus wirtschaftlich stabilisiert bei gleichzeitigem Zuwachs an Zuschauern. Der Beirat befürwortet den Richtungswechsel des Hauses und die erkennbare klare Konzeption, die zu einer erfreulichen Pro- fessionalisierung des Theaters sowie künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolgen geführt haben. Er plädiert für die Fortsetzung der Förderung auf höherem Niveau. Die Verwaltung schließt sich dem Votum des Beirats an. 4. Finanzierung Der Beschluss steht unter dem Vorbehalt des Vorliegens der haushaltsrechtlichen Bedingungen, da zum Zeitpunkt der Beschlussfassung noch kein Haushaltsplan für das Haushaltsjahr 2019 verab- schiedet wurde. Demzufolge ist eine Förderung der Theaterhäuser und Ensembles, entsprechend dieser Beschlussvorlage, nur möglich, sofern es die jeweilige Haushaltslage erlaubt. Begründung der Dringlichkeit Eine Beschlussfassung der Konzeptionsförderung ist dringend vor der Sommerpause nötig, da die in Aussicht gestellte städtische Förderung für die Theater und Ensembles die per städtischem Förder- konzept zugesagte Planungssicherheit garantiert, mit der die Institutionen zwingend nötige Drittmittel von weiteren öffentlichen Förderern beantragen und Verträge eingehen müssen.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1229/2018
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 14.06.2018
- Erstellt
- 16.04.2018 15:48