V/0765/2010
Bericht zur Einzelhandelsentwicklung
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Berichtsvorlage
10140 Zeichen
V/0765/2010 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung Betrifft Bericht zur Einzelhandelsentwicklung Beratungsfolge 10.02.2011 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Bericht Bericht: Mit dem Beschluss über das Einzelhandels- und Zentrenkonzept – Fortschreibung 2009 – ist die Verwaltung beauftragt worden, das Monitoring zur Einzelhandelsentwicklung in Münster fortzu- führen und fortlaufend über den Stand der Konzeptumsetzung zu berichten. Der vorliegende Be- richt steht in der Kontinuität vorangegangener Berichterstattungen und vertieft die Analyse und Bewertung der Einzelhandelsentwicklung in Münster auf der Basis der Zielsetzungen und Maß- stäbe des fortgeschriebenen Einzelhandelskonzepts 2009. Neben dem Monitoring zur allgemei- nen Einzelhandelsentwicklung in Münster soll der Bericht Antworten geben auf die Fragen, ob und inwieweit es gelungen ist bzw. gelingt: • günstige Rahmenbedingungen für eine positive Einzelhandelsentwicklung zur Stärkung der zentralen Versorgungsbereiche (City / Innenstadt, Stadtbereichs- und Grundversorgungszent- ren) zu schaffen, • die Ansiedlung zentrenschädlicher Einzelhandelseinrichtungen an dezentralen Standorten auszuschließen bzw. zu verhindern und • die wohnungsnahe Grundversorgung zu sichern. In einer Schlussbetrachtung werden Handlungsbedarfe herausgestellt, die sich für die zukünftige Entwicklung im Sinne der Zielsetzungen des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts ableiten las- sen. Ergebnisse des Monitorings: Bei der Bewertung der Einzelhandelsentwicklung ist zu berücksichtigen, dass sich die Auswir- kungen des bundesweiten Strukturwandels im Einzelhandel auch in Münster niederschlagen und durch das Einzelhandelskonzept kaum bzw. nur indirekt beeinflusst werden können. Nur auf die räumliche Steuerung des Einzelhandels im Stadtgebiet hat die Stadt Münster über die Umset- zung des Einzelhandelskonzepts direkten Einfluss. Vorlagen-Nr.: V/0765/2010 Auskunft erteilt: Herr Hopp Ruf: 492 61 17 E-Mail: Hopp@stadt-muenster.de Datum: 24.01.2011 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0765/2010 A) Allgemeine Entwicklung Münsteraner sind gut versorgt, der Einzelhandel in Münster wird seiner oberzentralen Funktion gerecht. Doch auch in Münster sind Tendenzen festzustellen, die dem Trend in ganz Deutsch- land entsprechen: • Rasantes Verkaufsflächenwachstum hält an: bei einem durchschnittlichen Nettowachstum von 10.000 qm pro Jahr klettert der Verkaufsflächenbestand auf 640.000 qm zum Stand 12/2009. • Anzahl der Geschäfte geht zurück: seit 1993 sind im Saldo 290 Einzelhandelsgeschäfte aus dem Markt ausgeschieden, der Geschäftsrückgang konnte jedoch in den letzten Jahren stabi- lisiert werden. • In der Tendenz schließen kleinflächige Fachgeschäfte, darunter auch Lebensmittelgeschäfte. • Großflächiger Einzelhandel baut seine Stellung aus: starkes Wachstum der Anzahl der Be- triebe mit mehr als 700 qm Verkaufsfläche. Eine Besonderheit des Münsteraner Einzelhandels ist sicherlich das deutliche Wachstum der Zweiradbranche in den letzten Jahren. B) Nahversorgung im Fokus • Kleine Lebensmittelgeschäfte auf dem Rückzug: die kleinen, z. T. noch privat geführten Le- bensmittelgeschäfte sind dem Konkurrenzdruck der modernen großen Märkte häufig nicht gewachsen und scheiden zunehmend aus dem Markt aus. • Spezialanbieter ausländischer Lebensmittel un d Naturkost- / Biomärkte auf dem Vormarsch: die Betriebe dieser Angebotssegmente gewinnen an Präsenz. Sie nehmen als Nachfolgenut- zung oft die aufgegebenen Standorte / Ladenlokale kleiner Vollsortimenter ein. • Lebensmitteldiscounter expandieren zu Lasten der Supermärkte: während sich die Anzahl der Supermärkte verringert hat und ihre Verkaufsfläche stagniert, haben die Discounter ihren Be- triebsbestand verdoppelt, ihre Verkaufsfläche sogar verdreifacht. • Ausdünnung des Angebotes in der Fläche hinterlässt Lücken im Versorgungsnetz: die Kon- zentration im Lebensmitteleinzelhandel auf weniger, aber größere Standorte führt tendenziell zur Verschlechterung für die fußläufige Erreichbarkeit in der Nahversorgung. • Unterschiedliche Versorgung im Lebensmittelsektor: einer Marktsättigung in einigen Teilräu- men steht ein Ansiedlungsbedarf in anderen Teilräumen gegenüber. Ansiedlungen sollten daher möglichst wohnortnah erfolgen und nach Möglichkeit eine große Anzahl an Einwohnern im zugeordneten Einzugsbereich versorgen. • Wettbewerb um die strategisch besten Standorte: da das Standortnetz der Wettbewerber im Lebensmittelbereich weitgehend ausgereizt ist, wird der Wettbewerb unter den Betreibern um die strategisch besten Standorte innerhalb des Einzelhandelskonzepts härter. • Siedlungsbereiche mit hohem Anteil älterer Menschen sind besonders „nahversorgungssen- sibel“: ältere Mitbürger sind in besonderem Maße auf eine funktionierende Nahversorgung angewiesen. C) Umsetzung des Einzelhandelskonzepts Die Prüfung, inwieweit die Ziele de s Einzelhandelskonzepts umgesetzt werden konnten, bringt folgende Ergebnisse: • Zentrenstärkung erfolgreich: Neuansiedlungen und Erweiterungen stärken nachhaltig die Att- raktivität und Funktionsfähigkeit der zentralen Versorgungsbereiche. • Der Einzelhandelsstandort City / Innenstadt boomt: die City / Innenstadt kann mit einem Plus von fast 30.000 qm Verkaufsfläche und 34 Betrieben seit Ende 2003 einen deutlichen Ent- wicklungsschub verzeichnen. 3 V/0765/2010 • Stadtbereichszentren – Wachstum der kompakten Ergänzungszentren: die Entwicklung der Stadtbereichszentren findet überwiegend in den Ergänzungszentren statt. Die Geschäftsla- gen an den Ausfall- bzw. Einkaufsstraßen leiden unter dem allg. Strukturwandel. • Grundversorgungs- / Stadtteilzentren im Aufwind: Zuwachs an Geschäften und Verkaufsflä- che in diesen wohnortnahen Versorgungsbereichen. • Verhinderung dezentraler Standorte ist wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Entwick- lung der Zentren: nur dadurch konnten in vielen Fällen die Chancen für eine erfolgreiche Ein- zelhandelsentwicklung zur Stärkung der Zentren genutzt werden. • Kleine Versorgungsstandorte bleiben Sorgenkinder: die Nahbereichszentren und integrierten Geschäftsstandorte konnten ihre Position bisher nicht halten. • Zentren schädigende Einzelhandelsansiedlungen an dezentralen Standorten eingedämmt – aber „altes“ Planungsrecht wirkt nach: die trotz Einzelhandelssteuerung realisierten Ansied- lungen des zentrenrelevanten Einzelhandels auf Gewerbegebietsstandorten gehen auf be- stehendes und nur entschädigungspflichtig zu verhinderndes Planungsrecht zurück. • Bauleitplanung sichert Umsetzung des Einzelhandelskonzepts: rd. 30 Verfahren zur Aufstel- lung oder Änderung von Bebauungsplänen wurden in den letzten 10 Jahren eingeleitet; die meisten davon sind mittlerweile rechtsverbindlich. • Einzelhandelskonzept gewinnt an Bedeutung: nach dem Wegfall von § 24a Landesentwick- lungsprogramm NRW als verpflichtende gesetzliche Norm gewinnen kommunale Einzelhan- delskonzepte zur räumlichen Steuerung der Einzelhandelsentwicklung vor Ort an Bedeutung. Schlussbetrachtung - Handlungsbedarfe Aus den Erfahrungen mit der Umsetzung des Einzelhandelskonzepts, unterstützt durch die Er- kenntnisse des Monitorings, lassen sich wichti ge Handlungsbedarfe für die zukünftige räumliche Einzelhandelssteuerung in Münster ableiten: • Die Absicherung der Zielsetzungen des Einzelhandelskonzepts durch die Bauleitplanung ist konsequent weiter zu verfolgen. • Die erreichten raum- und versorgungsstrukturellen Qualitäten des Einzelhandelsangebotes (funktionierende Zentren, ausgewogene Versorgung in der Fläche) sind zu sichern und – so- weit sinnvoll und möglich – zu ergänzen und auszubauen. • Die Schaffung von Angebotsüberkapazitäten des Einzelhandels mit ungewollten Auswirkun- gen auf Versorgungs- und Standortstrukturen ist zu vermeiden. • Vor dem Hintergrund der zunehmenden Marktsättigung in Teilräumen sind Neuansiedlungen und Betriebserweiterungen im Lebensmittelbereich konsequent nach den Kriterien im Kontext der vorgeschlagenen Standorte des Einzelhandelskonzepts zu bewerten und entsprechend räumlich zu steuern. Standorte mit einer hohen Mantelbevölkerung und einer unterdurch- schnittlichen Versorgung im Einzugsbereich sind deutlich zu priorisieren. • Die Sicherung vorhandener und auch – soweit möglich – die Schaffung zusätzlicher Angebo- te der wohnungsnahen Versorgung in den kleineren Versorgungszentren und Wohngebieten hat in Anbetracht der älter werdenden Bevölkerung hohe Priorität. • Die Einzelhandelsentwicklung auf dezentralen Standorten ist weiterhin gezielt zu steuern, um Zentren schädigende Auswirkungen zu verhindern. Besonderer Prüfung bedarf in diesem Zu- sammenhang die Ansiedlung von zentrenrelev anten Randsortimenten, bspw. in Möbelhäu- sern oder Baumärkten. • Durch den Wegfall von § 24a Landesentwicklungsprogramm NRW gewinnt das Einzelhan- dels- und Zentrenkonzept der Stadt Münster an Bedeutung. Nur eine weiterhin konsequente Einhaltung des durch Ratsbeschluss vom 11. Februar 2009 selbst gesetzten Entwicklungs- rahmens für den Einzelhandel sichert die durchgängige Steuerungswirkung des Konzeptes, insbesondere auch in möglichen Gerichtsverfahren. 4 V/0765/2010 • Die vielfältige Kommunikation und Kooperation mit den zahlreichen Akteuren und Organisati- onen des Einzelhandels in Münster ist für di e konsensfähige Umsetzung des Einzelhandels- konzepts von hoher Bedeutung und soll fortgesetzt werden. • Das Monitoring liefert wertvolle Erkenntnisse zur Bewertung der Einzelhandelsentwicklung und soll fortgesetzt werden. Die Verwaltung wird den nächsten Bericht zur Einzelhandelsent- wicklung voraussichtlich im Jahr 2012 vorlegen. Bewertungsgrundlage des Monitoringberichts sind die formalen und räumlichen Kategorien des Einzelhandelskonzepts mit Aussagen auf gesamtstädtischer und teilräumlicher Ebene. I. V. gez. Schultheiß Stadtdirektor Anlage: Monitoringbericht zur Einzelhandelsentwicklung 2010
Anlage zur Vorlage V_0765_2010
64486 Zeichen
Monitoringbericht zur Einzelhandelsent-
wicklung 2010
Anlage zur Vorlage V/0765/2010
Monitoring Einzelhandel 2010
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Monitoring Einzelhandel 2010
3
Monitoringbericht zur Einzelhandelsentwicklung 2010
Seite:
1. Einleitung 4
2. Allgemeine Entwicklung 5
• Ladensterben und Verkaufsflächenexpansion – kein W iderspruch 5
• Der großflächige Einzelhandel baut seine Stellung aus 6
• Konzentrationsprozesse in fast allen Branchen 7
• Zweiradbranche legt stark zu 7
• Rückgang kleinflächiger Betriebe des Einzelhandels 8
3. Nahversorgung im Fokus 9
• Kleine Lebensmittelgeschäfte auf dem Rückzug 9
• „Spezialanbieter“ und Naturkost- / Biomärkte auf d em Vormarsch 10
• Discounter expandieren zu Lasten der Supermärkte 10
• Ausdünnung des Angebotes in der Fläche 11
• Marktsättigung bei Lebensmitteln in Teilräumen 12
• Wettbewerb um die strategisch besten Standorte wir d härter 13
• Siedlungsbereiche mit hohem Anteil älterer Mensche n besonders 14
„nahversorgungssensibel“
4. Umsetzung Einzelhandelskonzept 15
4.1. Räumliche Entwicklung 15
• Schwerpunkt des Einzelhandels in zentralen Lagen 15
• Zentrenstärkung erfolgreich 16
• Der Einzelhandelsstandort Innenstadt / City boomt 17
• Stadtbereichszentren – Entwicklung in den Ergänzun gszentren 18
• Grundversorgungs- / Stadtteilzentren im Aufwind 19
• Nahbereichszentren und integrierte Streulagen blei ben „Sorgenkinder“ 20
• Zentren schädigende Einzelhandelsansiedlungen an d ezentralen 21
Standorten eingedämmt – aber „altes“ Planungsrecht wirkt nach
4.2. Einsatz planerischer Instrumente 22
• Bauleitplanung sichert Umsetzung des Einzelhandels konzepts 22
• Einzelhandelskonzept gewinnt an Bedeutung 23
• Kooperation mit Einzelhandelsakteuren weiterhin wi chtig 23
• Leitlinie „Verkaufsoffene Sonntage“ flankiert Einz elhandelskonzept 23
5. Schlussbetrachtung – Handlungsbedarfe / Zusammen fassung 24
Verzeichnisse 25
Monitoring Einzelhandel 2010
4
1. Einleitung
Bereits mit dem Ratsbeschluss über das erste Einzel handelskonzept 2004 hat die Verwaltung den
Auftrag erhalten, die Einzelhandelsentwicklung in M ünster nach den Zielsetzungen und Regelun-
gen des Einzelhandelskonzepts zu steuern. Im Fokus stehen der Schutz und die Stärkung der
Zentren in ihrer Funktion als multifunktionale Räum e des Stadtlebens und als zentrale Versor-
gungsbereiche für die Bevölkerung. Das Monitoring z ur Einzelhandelsentwicklung ist integraler
Bestandteil der Konzeptumsetzung und dient der Erfo lgskontrolle. Im vorliegenden Bericht werden
neben der Analyse der allgemeinen Einzelhandelsentw icklung die Erfolge in der Konzeptumset-
zung und sich abzeichnende Schwachstellen und Abwei chungen von den Zielsetzungen heraus-
gearbeitet, die in Zukunft verstärkter Aufmerksamkeit bedürfen.
Der Bericht greift auf eine Datenbank zum Einzelhan del zurück, die seit Anfang der 90er Jahre
kontinuierlich gepflegt und weiterentwickelt wurde. Die letzte Aktualisierung der Einzelhandelsda-
ten fand zum 31.12.2009 statt. Die Analyse ist meth odisch als Ist-Ist-Vergleich der Einzelhandelsi-
tuation zu verschiedenen Zeitpunkten (Vollerhebunge n des Einzelhandels 12/1993, 06/2001,
12/2003, 12/2006, 12/2009) angelegt. Um die Steueru ngswirkung des Einzelhandelskonzepts
sichtbar zu machen, steht die Betrachtung der Zeitr äume vor (12/1993 bis 12/2003) und nach
(12/2003 bis 12/2009) Beschluss über das Einzelhand elskonzept im Frühjahr 2004 im Vorder-
grund.
Der Schutz der Zentren in Verbindung mit einer zent renorientierten Einzelhandelssteuerung ist
bereits seit Mitte der 90er Jahre eine wesentliche Grundlage der Stadtentwicklungspolitik und Ori-
entierung für das Verwaltungshandeln. Von den zahlr eichen Meilensteinen der Zentren- und Ein-
zelhandelsentwicklung in Müns-
ter, angefangen mit dem „Funkti-
ons- und Ordnungsmodell für die
zentrenorientierte Ansiedlung und
Entwicklung von öffentlichen und
privaten Versorgungsreinrichtun-
gen“ aus dem Flächennutzungs-
plan von 1980, ist besonders das
Zentrenkonzept von 1997 hervor-
zuheben. Als Bestandteil des
Raumfunktionalen Konzepts und
konzeptionelle Grundlage zur
Fortschreibung des Flächennut-
zungsplans der Stadt Münster
verlieh es der gezielten zentren-
orientierten Einzelhandelssteue-
rung erstmals flächendeckend für
die Gesamtstadt einen konkreten
räumlichen und verbindlichen
Rahmen. Viele Zentren- und Ein-
zelhandelsplanungen bzw. Pro-
jekte, die bereits deutlich vor Be-
Meilensteine der Zentrenentwicklung und Einzelhan-
delssteuerung
1980 Funktionsmodell im FNP „Zentrenstruktur und
Versorgungsbereiche“
1988 Prognos-Gutachten zur „Oberzentralen Einzelhan-
delsfunktion“
1993 Fortschreibung Einzelhandelspolitik (Vorlage)
1995 Programm zur Stärkung von Stadtteilzentren (Vor-
lage)
1997 Zentrenkonzept – Modell der räumlichen Ordnung
im RFK (als konzeptionelle Grundlage zur Fort-
schreibung des FNP 2000)
1998 Konzeption „Entwicklungsschwerpunkte für Zent-
renfunktionen“ als Beiplan zum FNP (Entwurf), er-
langte mit der Fortschreibung des FNP im Jahr
2004 Behördenwirksamkeit, war allerdings schon
in den Jahren zuvor intern steuerungsrelevant
2000 Monitoringbericht „Großflächiger Einzelhandel“
2004 Einzelhandelskonzept Münster – Leitlinien der
räumlichen Entwicklung – (Ratsbeschluss
24.05.2004)
2009 Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2009 / Fort-
schreibung (Ratsbeschluss 11.02.2009)
Monitoring Einzelhandel 2010
5
stehen des Einzelhandelskonzepts angestoßen und ein geleitet wurden, gehen auf dieses erste
Zentrenkonzept zurück.
2. Allgemeine Entwicklung
Ladensterben und Verkaufsflächenexpansion – kein Widerspruch
Zum Stichtag 31.12.2009 gab es in Münster 2.037 Ein zelhandelsbetriebe mit insgesamt 637.368
qm Verkaufsfläche. Mit einer Verkaufsflächenausstat tung von rd. 2,3 qm Verkaufsfläche je Ein-
wohner liegt Münster erheblich über dem Bundesdurch schnitt von rd. 1,4 qm Verkaufsfläche je
Einwohner. Auch im Vergleich mit den benachbarten O berzentren Dortmund und Osnabrück sind
die Münsteraner in quantitativer Hinsicht gut mit E inzelhandelsverkaufsflächen ausgestattet. Der
Münsteraner Einzelhandel erreicht in nahezu allen B ranchen oberzentrale Kaufkraftbindungsquo-
ten von 150 % und mehr.
Die Einzelhandelszentrali-
tät bewegt sich seit Jah-
ren auf einem hohen Ni-
veau (Zentralität 2010=
136,9, GFK Nürnberg).
Der Einzelhandel in
Münster wird seiner ober-
zentralen Funktion gerecht.
Seit 1993 hat die Verkaufsfläche um knapp 160.000 q m (+ 25 %) zugenommen. Dies entspricht
einem durchschnittlichen Zuwachs von 10.000 qm pro Jahr. Am starken Anstieg der Verkaufsflä-
chen haben die Ansiedlungen und Erweiterungen des g roßflächigen Möbeleinzelhandels (z. B.
Möbel Finke, Poco) und insbesondere die Entwicklung sdynamik in der Innenstadt (Münster-
Arkaden, Hanse-Carré / Stubengasse) einen großen An teil. Mit dem kontinuierlichen Flächen-
wachstum hat auch die durchschnittliche Verkaufsflä che der Geschäfte zugenommen. Sie ist im
Zeitraum 1993 bis 2009 um 107 qm je Betrieb (+ 52 %) gewachsen.
Zeitlich parallel zum anhalten-
den Verkaufsflächenwachstum
ist die Anzahl der Einzelhan-
delsgeschäfte, auch als „La-
densterben“ beschrieben, wei-
ter zurückgegangen. Seit 1993
sind in Münster im Saldo rd.
290 Einzelhandelsgeschäfte
aus dem Markt ausgeschie-
den. Die leichte Zunahme der
Betriebsanzahl im Zeitraum
2003 bis 2006 (+ 47) ist als
temporärer Effekt im Wesentli-
chen der boomenden Einzel-
Tabelle 1: Einzelhandelsbestand 1993 - 2009
Stand:
1993 06/2001 2003 2006 2009
Betriebe (Anz.) 2.325 2.090 2.012 2.059 2.037
Verkaufsfläche (m²) 478.074 562.220 581.917 617.234 637.368
durchschntl. Be-
triebsgröße (m²) 205,6
269,0 289,2 299,8 312,9
'12/1993 '06/2001 '12/2003 '12/2006 '12/2009
80
90
100
110
120
130
140
Verkaufsfläche
Betriebe
(% )
Grafik 1: Einzelhandelsentwicklung 1993 - 2009
Monitoring Einzelhandel 2010
6
handelsentwicklung in der Innenstadt geschuldet und wurde durch die Initialwirkung des Projektes
Münster-Arkaden ausgelöst. Seit 2006 geht die Anzah l der Einzelhandelsbetriebe wieder zurück (-
22).
Der großflächige Einzelhandel baut seine Stellung aus
Das Versorgungsnetz und das „Gesicht“ des Münsteraner Einzelhandels werden durch die vielen
Standorte und Lauflagen der nicht großflächigen Ges chäfte mit ihren Ladeneingängen und Schau-
fenstern geprägt, auf die aller-
dings in der Summe relativ
wenig Verkaufsfläche entfällt.
Die Anzahl der Betriebe nimmt
mit steigender Verkaufsflä-
chengröße stark ab. Nur
knapp 10% der Einzelhan-
delsbetriebe haben mehr als
700 qm Verkaufsfläche, verei-
nen jedoch 2/3 der Gesamt-
verkaufsfläche auf sich (vgl.
Grafik 2). Von den 90 % der
nicht großflächigen Betriebe (<
700 qm) hat der größte Anteil
eine Verkaufsfläche von weni-
ger als 100 qm.
Sowohl die Anzahl (+ 38 %) als auch die Verkaufsflä che (+ 56 %) der großflächigen Betriebe ist
seit 1993 kontinuierlich gewachsen, während die Anzahl der Geschäfte mit weniger als 700 qm um
16 % zurückging und die Verkaufsfläche stagnierte ( vgl. Grafik 3). Das sog. „Ladensterben“ hat
sich fortgesetzt. Es geht jedoch im Saldo ausschließlich zu Lasten de r kleinen Betriebe unter 100
qm Verkaufsfläche.
Diese Entwicklung entspricht
dem langjährigen Trend in
Münster und auch bundes-
weit. Durch den Strukturwan-
del und die Konzentrations-
prozesse im Einzelhandel
scheiden in erster Linie klein-
flächige Fachgeschäfte aus
dem Markt aus. Die Gründe
hierfür liegen nicht selten dar-
in, dass die Inhaber aus Al-
tersgründen ihr Geschäft auf-
geben, keinen Nachfolger
finden und auch dem starken
Konkurrenzdruck der Fach-
1.843
90,5%
194
9,5%
214.090
33,6%
423.278
66,4%
< 700 m²
>= 700 m²
Betriebe Verkaufsfläche (m²)
Grafik 2: Stellenwert des großflächigen Einzelhande ls
(>= 700 qm VKF)
'12/1993 '06/2001 '12/2003 '12/2006 '12/2009
80
90
100
110
120
130
140
150
160
(% )
Betriebe
Verkaufsfläche
Verkaufsfläche
Betriebe
< 700 m²
>= 700 m²
Grafik 3: Entwicklung des großflächigen Einzelhande ls
1993 - 2009
Monitoring Einzelhandel 2010
7
marktangebote und der wechselnden Facheinzelhandels angebote (Saisonware) der Lebensmittel-
discounter (Aldi, Lidl etc.) nicht mehr standhalten können.
Konzentrationsprozesse in fast allen Branchen
In fast allen Branchengruppen gibt es dem allgemein en Trend folgend z. T. erhebliche Geschäfts-
rückgänge bei gleichzeitig starkem Verkaufsflächenw achstum (vgl. Grafik 4). Die relativ stärksten
Betriebsabgänge mit über 20 % ergeben sich in den B ereichen Druckerzeugnisse/Bürobedarf und
Einrichtung/Hausrat/Möbel sowie Bekleidung. Signifi kant sind auch die Abgänge in den Branchen
Elektrowaren und Nahrungs- und Genussmittel. Die au ffällige Negativentwicklung in der Bran-
chenklasse Verschiedene Waren (Waren-, Kaufhaus) mi t minus 43 % relativiert sich mit Blick auf
die geringe Anzahl der Geschäfte (25 Betriebe zum S tand 12/09) und in Anbetracht der Zugehö-
rigkeit von z. B. Schnäppchen- und Restpostenmärkte n zu dieser Branchengruppe. Einzig in den
drei Branchenklassen Zweiräder / Zubehör, Apotheke / Körperpflege und Sonstige Einzelhan-
delseinrichtungen sind neben dem Verkaufsflächenwac hstum auch Geschäftszuwächse zu ver-
zeichnen, wobei diese bei den Zweirädern mit 15 Bet rieben oder 24 % mit Abstand am höchsten
ausfallen.
Zweiradbranche legt stark zu
Der mit Abstand größte Zuwachs an Verkaufsflächen e ntfällt auf die Zweiradbranche (plus 133 %).
In dieser Branchengruppe sind neben den Fahrrädern auch Motorräder und Zubehör mit erfasst.
Trotzdem entfällt das Wachstum schwerpunktmäßig auf die Fahrräder. So hat allein seit 2003 die
Anzahl der Fahrradgeschäfte um 17 % und die Verkauf sfläche um knapp 30 % zugenommen. Der
Schwerpunkt nach Anzahl der
Geschäfte liegt eindeutig in
zentralen und integrierten La-
gen, der Hauptanteil der Ver-
kaufsfläche ist dagegen in de-
zentralen Lagen zu finden. Der
Positivtrend der Fahrradge-
schäfte ist durch die Steue-
rungswirkung des Einzelhan-
delskonzepts begünstigt wor-
den, das die Fahrräder zu den
zentrenrelevanten Sortimenten
rechnet. Dadurch gelang es,
Investitionsbegehrlichkeiten von
Fachmarktbetreibern, die auf
dezentrale Standorte in Gewer-
begebieten gerichtet waren,
abzuwehren und für die kleineren Fahrradfachgeschäf te in den zentralen Bereichen der Stadt
günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, die offensi chtlich auch genutzt wurden. Hervorzuhe-
ben sind auch die Zuwächse bei den Bau-, Gartenarti kel (plus 67 %) und im Segment Apotheke /
Körperpflege (plus 57 %). Beide Branchenklassen bef inden sich nach wie vor im Umbruch. Im Be-
Nahrungs- und
Genussmittel
Bekleidung
Hausrat, Einrichtung,
Möbel
Bau-, Gartenartikel
Elektrowaren
Druckerzeugnisse/
Bürobedarf
Zweiräder + Zubehör,
Kfz-teile/-Zubeh.
Foto, Optik,
Schmuck
Versch. Waren
(Waren-, Kaufhaus)
Apotheke,
Körperpflege
Tankstellen(Shop)
Spiel, Hobby, Sport
Sonst.
EH-Einrichtungen
0 20 40 60 80 100 120 140 -20 -40
Betriebe
Verkaufsfläche
Veränderung (% )
Branchenklasse
Grafik 4: Veränderung nach Branchen 1993 – 2009
Monitoring Einzelhandel 2010
8
reich Bau- und Gartenmärkte wurden in den letzten J ahren zwar mehrere kleinere Einheiten vom
Markt genommen (z. B. Bahr, Hellweg), doch gleichze itig gab es Neuansiedlungen bzw. Verlage-
rungen mit deutlich größeren Verkaufsflächen (z. B. Verlagerung Praktiker, Albersloher Weg). Dar-
über hinaus ist die Ansiedlung eines weiteren Bau- und Heimwerkermarktes im Stadtgebiet nur am
Albersloher Weg möglich. Die Flächenexpansion im Be reich der Körperpflegeprodukte ist dagegen
eher auf den intensivierten Wettbewerb der drei ver bliebenen großen Drogeriemarktketten dm,
Rossmann und Schlecker zurückzuführen. Hier wurden sowohl vorhandene Märkte erweitert als
auch durch Neuansiedlungen das Standortnetz ausgewe itet. Auch der Zuwachs in der Branchen-
klasse Nahrungs- und Genuss-
mittel (plus 32 %) erlangte eine
beachtliche Größe.
Der Trend zu immer größeren
Flächeneinheiten im Einzelhan-
del hält unvermindert an und
wird durch das Wachstum der
durchschnittlichen Geschäfts-
größen deutlich (vgl. Grafik 5).
Die größten Zuwächse weisen
flächenintensive Branchen mit
hohem Fachmarktanteil (z. B.
Bau-, Gartenartikel) auf, aber
auch in Branchen mit einem ho-
hen Besatz kleiner Fachgeschäf-
te ist die durchschnittliche Ver-
kaufsfläche je Betrieb trotz La-
densterbens gewachsen.
Rückgang kleinflächiger Betriebsformen des Einzelhandels
Die kleinflächigen Betriebsfor-
men des Lebensmittel- und
Facheinzelhandels haben seit
1993 zum Teil erheblich an Ge-
schäftsbestand eingebüßt (vgl.
Tab. 2). Im Lebensmitteleinzel-
handel sind Betriebsformen mit
weniger als 400 qm Verkaufsflä-
che betroffen: Ladenhandwerk,
SB-Laden/-Markt und kleine
Supermärkte, die neben dem
Geschäftsrückgang auch an
Verkaufsfläche eingebüßt ha-
ben. Bei den Fachgeschäften ist
trotz des deutlichen Geschäfts-
Nahrungs- und
Genussmittel
Bekleidung
Hausrat, Einrichtung,
Möbel
Bau-, Gartenartikel
Elektrowaren
Druckerzeugnisse/
Bürobedarf
Zweiräder + Zubehör,
Kfz-teile/-Zubeh.
Foto, Optik,
Schmuck
Versch. Waren
(Waren-, Kaufhaus)
Apotheke,
Körperpflege
Tankstellen(Shop)
Spiel, Hobby, Sport
Sonst.
EH-Einrichtungen
0 250 500 750 1.000 1.250 1.500 1.750 2.000
12/1993
12/2009
Branchenklasse
Verkaufsfläche(m²) pro Betrieb
Grafik 5: Durchschnittliche Verkaufsfläche der
Betri ebe nach Branche n 1993 und 2009
Tabelle 2: Veränderung nach Betriebsformen 1993 - 2009
Bestand
12/2009
Veränderungen
seit 1993
Betriebsformen-
gruppen
Betriebe
Verkaufs-
fläche Betriebe Verkaufs-
fläche
(Anz.) (m²) (Anz.) (m²)
Ladenhandwerk 231 7.296 -15 -1.378
SB-Laden/-Markt 30 5.248 -29 -2.804
Discount 38 26.656 19 16.910
Supermarkt 44 38.321 -5 -937
Verbrauchermarkt,
SB-Warenhaus 8
32.315 5 14.215
Waren-/Kleinwaren-
haus, Kaufhaus 20
75.655 6 14.302
Fachgeschäft 1.541 207.385 -266 18.207
Fachmarkt 125 244.492 -3 100.779
Summe: 2.037 630.072 -288 159.294
Monitoring Einzelhandel 2010
9
rückgangs gleichzeitig die Verkaufsfläche erkennbar gewachsen (Modernisierung, Spezialisierung
der verbleibenden Geschäfte). Tendenziell wird die Anzahl der Fachgeschäfte in Zukunft weiter
abnehmen.
3. Nahversorgung im Fokus
Kleine Lebensmittelgeschäfte auf dem Rückzug
Der deutliche Rückgang der Geschäfte (- 49 %) und V erkaufsfläche (- 35 %) der kleinen Lebens-
mittelvollsortimentgeschäfte SB-Laden und SB-Markt (weniger als 400 qm Verkaufsfläche) gegen-
über dem stetigen Wachstum
der großen und modernen Be-
triebsformen (Discount-, Super-
oder Verbrauchermarkt) ist ein
bedauernswerter bundesweiter
Trend (vgl. Grafik 6). Der damit
einhergehende Substanz- und
Bedeutungsverlust ist bedenk-
lich, da die kleinen Lebensmit-
telgeschäfte für die tägliche
Versorgung in der Fläche eine
wichtige Bedeutung haben und
auch in der Steuerung gemäß
Einzelhandels- und Zentren-
konzept besondere Berücksich-
tigung finden. Die Lebensmit-
telbranche leistet durch ihr Handeln dieser Entwick lung Vorschub. Die leichte Zunahme der klein-
flächigen Läden nach 2006 geht nicht auf Lebensmittelvollsortimentgeschäfte zurück, sondern wird
in erster Linie durch die Eröffnung von Bio-Märkten und Spezialanbietern (Lebensmittelprodukte
aus anderen Ländern) getragen. Diese neuen Angebote im Bereich von Spezialanbietern und
Naturkost / Bio mit ihrer spezifischen Sortimentsau srichtung können die abgegangenen kleinen
Läden, die i. d. R. über ein Vollsortiment verfügte n, nicht gleichwertig ersetzen. Die kleinen Le-
bensmittelvollsortimentgeschäfte, die als Überbleibsel der ehemaligen „Tante Emma-Läden“ gelten
können, sind auch weiterhin vom Ladensterben bedroh t. Der Rückgang dieser kleinflächigen Be-
triebsform ist eine symptomatische Folgewirkung der Konzentrationsprozesse in Verbindung mit
der Verkaufsflächenexpansion im Lebensmitteleinzelh andel. Das Verkaufsflächenwachstum im
Lebensmittelsektor seit 1993 um gut 30 % ist fast ausschließlich den großflächigen Betriebsformen
zuzurechnen. Eine Positionierung auch dieser Betrie bsformen an wohnortnahen Standorten ge-
winnt dadurch an Bedeutung.
'12/1993 '06/2001 '12/2003 '12/2006 '12/2009
40
50
60
70
80
90
100
110
120
130
140
150
(% )
Betriebe
Verkaufsfläche
Betriebe
Verkaufsfläche
SB-Laden/-Markt (< 400 qm)
Discount/Super-/Verbrauchermarkt
(>= 400 qm)
Grafik 6: Entwicklung von Betriebsformen des Lebensmit-
teleinzelha ndels 1993 - 2009
Monitoring Einzelhandel 2010
10
„Spezialanbieter“ und Naturkost- / Biomärkte auf dem Vormarsch
Von den ehemals (1993) 59
kleinen Lebensmittelgeschäf-
ten (Tante Emma-Läden) sind
im Saldo 30 übrig geblieben.
Ein Teil davon wurde durch
Betriebe von Spezialanbietern
und Anbietern im Bereich Na-
turkost/Biolebensmittel abge-
löst. Während 1993 nur zwei
Spezialanbieter und drei Na-
turkost / Biolebensmittelmärkte
existierten, waren Ende 2009
11 Spezialanbieter und 8 Geschäfte im Bereich Natur kost / Bio im Stadtgebiet vertreten. Zum Jah-
resende 2009 gab es in Münster nur noch 9 kleine Le bensmittelvollsortimentgeschäfte (darunter 3
Lebensmittelketten) in der Größenordnung unter 400 qm Verkaufsfläche. Positiv ist zu bewerten,
dass Bioanbieter einem zukunftsträchtigen Nachfrage trend entsprechen und Spezialanbieter meist
als private Familienbetriebe geführt werden und mit ihrer betriebswirtschaftlichen Konzeption dem
sich verschärfenden Strukturwandel der Lebensmittelbranche weniger stark ausgesetzt sind.
Discounter expandieren zu
Lasten der Supermärkte
Der Konkurrenzkampf zwischen
Supermärkten und Discountern
(vgl. Grafik 7) geht eindeutig zu
Gunsten der Discounter aus. Die
Supermärkte haben deutlich an
Präsenz verloren, während die
Discounter eine rasante Positiv-
entwicklung verzeichnen. Die
Schließung der 6 Kaiser’s Märkte
im September 2009 hat diese
Entwicklung stark beschleunigt.
Ende 2009 gab es noch 44 Su-
permärkte in Münster, ein Minus
von 5 Betrieben gegenüber 1993.
Die Anzahl der Discounter hat
sich dagegen von 19 auf 38 ver-
doppelt, die Verkaufsfläche ist
von 10.000 qm auf fast 27.000
qm angestiegen und hat sich
gegenüber 1993 fast verdreifacht.
Tabelle 3: Strukturwandel kleiner Lebensmittelgeschäfte
Betriebstyp (Lebensmit-
telgeschäfte bis max.
400 qm Verkaufsfläche)
Anzahl 12/93 Anzahl 12/09
privat geführtes Le-
bensmittelgeschäft 35 6
Lebensmittelkette 18 3
Spezialanbieter 2 11
Naturkost-/Biomarkt 3 8
Tankstellenshop ab 250
qm Verkaufsfläche 1 2
Summe: 59 30
Tabelle 4: Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufsfläche
Supermarkt und Lebensmitteldiscounter
∅∅ ∅∅ VK-Fläche in qm Veränderung seit 1993
Betriebstyp 12/93 12/09 qm %
Supermarkt 801 871 70 8,7
Discounter 513 701 188 37
'12/1993 '06/2001 '12/2003 '12/2006 '12/2009
80
100
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140
160
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200
220
240
260
280
(% )
Betriebe
Verkaufsfläche
Verkaufsfläche
Betriebe
Discounter
Supermärkte
Grafik 7: Entwicklung Supermarkt / Discounter 1993 -
2009
Monitoring Einzelhandel 2010
11
Die Verkaufsfläche je Betrieb ist bei den Discounte rn seit 1993 mehr als viermal so schnell ge-
wachsen (plus 37 %) wie bei den Supermärkten (plus 8,7 %). Ein ähnliches Bild lässt sich für die
Verbrauchermärkte zeichnen. Die Anzahl der Märkte d ieses Betriebstyps hat sich seit 1993 ver-
dreifacht, die Verkaufsfläche hat sich um gut 100 % auf rd. 16.500 qm erhöht. Zweifellos sind diese
Tendenzen auch Ergebnis des Käuferverhaltens.
Ausdünnung des Angebotes in der Fläche
Durch den Strukturwandel im Lebensmitteleinzelhande l sind in den vergangenen Jahren zahlrei-
che kleinere Lebensmittelgeschäfte aus dem Markt au sgeschieden (vgl. Karte 1). Darunter befin-
den sich z. B. die ehemaligen Lebensmittelgeschäfte in Rumphorst: Spar / Rumphorstweg,
Sentrup: Edeka / Waldeyerstr., Aaseestadt: Lebensmi ttelgeschäft / Kleihorststr., Sudmühle: Spar /
Dyckburgstr., Mauritz-Mitte: Edeka / Schifffahrter Damm). Diese Geschäftsschließungen, ohne
adäquate Nachfolgenut-
zung, hinterlassen räumli-
che Lücken im Versor-
gungsnetz (gelbe Kreise)
und wirken sich ungünstig
auf die Nahversorgungs-
strukturen aus. Ende 2009
wohnten 197.000 Einwoh-
ner (rd. 70 % der wohnbe-
rechtigten Bevölkerung)
innerhalb von 500 m Ra-
dien um bestehende Le-
bensmittelgeschäfte >=
200 qm Verkaufsfläche
(rote Kreise) und konnten
von kurzen Wegen zum
Lebensmitteleinkauf profi-
tieren. Der 500 m Radius
gilt als planerisch aner-
kanntes Maß (max. 10 Mi-
nuten zu Fußweg) für die
fußläufige Erreichbarkeit
von Nahversorgungsge-
schäften. Nicht durch die
Naheinzugsbereiche der
bestehenden Lebensmit-
telgeschäfte erfasst (violet-
te Flächen) sind vor allem
die kleineren, z. T. peripher
gelegenen Siedlungsberei-
che wie Angelmodde-Dorf,
Gelmer oder auch Sentrup,
Karte 1: Nahversorgung - Raumabdeckung und Versorgungslücken
Monitoring Einzelhandel 2010
12
sowie Siedlungsrandbereiche wie Gremmendorf-Ost, Do rbaum-Nord oder Albachten-Süd. Aller-
dings sind auch in diesen Siedlungsbereichen in vie len Fällen immer noch günstige Fahrradentfer-
nungen gegeben.
Das Ladensterben im Lebensmitteleinzelhandel ist ein schleichender Prozess, dessen Ausmaß nur
rückblickend in der Zusammenschau verdeutlicht werd en kann. Insgesamt sind in Münster seit
Anfang der 90er Jahre rd. 50 kleinere Lebensmittelg eschäfte mit einer Verkaufsfläche unter 400
qm ohne adäquate Nachfolgenutzung ausgeschieden.
Marktsättigung bei Lebensmitteln in Teilräumen
Während die Rahmenbedingungen der räumlichen Nahversorgung in den letzten Jahren durch das
Ladensterben immer ungünstiger geworden sind, hat d ie quantitative Angebotsentwicklung im Be-
reich Nah- und Grundver-
sorgung mittlerweile die
Schwelle der Vollversor-
gung auf der Ebene der
Gesamtstadt und zahlrei-
cher städtischer Teilräu-
me überschritten. Dass
die sortimentsspezifische
Kaufkraft für Lebensmittel
in Münster in Teilräumen
rechnerisch vollständig
durch die vorhandenen
Angebote abgedeckt
wird, wurde bereits mit
der Fortschreibung des
Einzelhandelskonzepts
2009 festgestellt. Die
quantitative Ausstattung
der Bevölkerung mit Ver-
kaufsflächen im Bereich
Nahrungs- und Genuss-
mittel ist seit 1993 um rd.
30 % angestiegen und
liegt mit 0,44 qm je Ein-
wohner über dem Bun-
desdurchschnitt von 0,38
qm.
Eine Grundlage für die
Einschätzung der aktuel-
len teilräumlichen Ver-
sorgungssituation ist der
Ausstattungsgrad mit
Karte 2: Verkaufsflächenausstattung Nahrungs- und G enussmittel in
statistischen Bezirken (qm Verkaufsfläche je Einwohner)
Monitoring Einzelhandel 2010
13
Lebensmittelverkaufsfläche je Einwohner auf der kle inräumlichen Ebene der statistischen Bezirke.
Als im Münsteraner Maßstab durchschnittlich versorg t können die Bezirke gelten, die sich in der
mittleren Gruppe in einer Spannweite (0,34 qm bis 0 ,54 qm Verkaufsfläche je Einwohner) um den
gesamtstädtischen Durchschnittswert von 0,44 qm bew egen. Hierunter fallen am unteren Ende
dieser Gruppe Stadtteile bzw. Bezirke wie Coerde od er Aaseestadt und oberen Ende Roxel oder
Wolbeck. Deutlich unterdurchschnittlich ausgestatte t sind einige Bezirke in der Innenstadt (z. B.
Kreuzviertel oder Schloss), aber auch peripher gele gene Stadtteile (z. B. Sprakel oder Amelbsü-
ren), die aufgrund geringer Mantelbevölkerung und f ehlender Anbindung der Versorgungsstandor-
te an das überörtliche Verkehrsstraßennetz (keine Mitnahmeeffekte durch Pendler-Kaufkraft) keine
ausreichende Attraktivität für Ansiedlungen des Leb ensmitteleinzelhandels aufweisen. In einigen
der als unterdurchschnittlich ausgestattet dargeste llten Stadtteile bzw. Bezirke (z. B. Kinderhaus,
Nienberge oder Gremmendorf) verbessert sich die Ver sorgungssituation durch die laufende oder
auch schon abgeschlossene Realisierung von Ansiedlu ngsvorhaben im Lebensmitteleinzelhandel,
die in der zugrundeliegenden Analyse zum Monitorin gbericht (Stichtag 31.12.2009) nicht berück-
sichtigt werden konnten. In Coerde ist dagegen zurz eit eine schlechtere als die dargestellte Ver-
sorgung gegeben, da im Frühjahr 2010 ein großer Sup ermarkt geschlossen hat. Zu den über-
durchschnittlich ausgestatteten Stadteilen zählen Gievenbeck, Dom / Bahnhof oder Berg Fidel. Die
überdurchschnittliche Ausstattung insbesondere von Berg Fidel ergibt sich durch einen hohen
Anteil dezentral gelegener Lebensmittelstandorte z. B. an der Geringhoffstraße (Hit-Markt) und der
Siemensstrasse (Aldi u. Lidl). Hier ist zwar eine q uantitativ überdurchschnittliche Versorgung fest-
zustellen, die aber nicht auf eine starkes Angebot im Stadtteilzentrum oder gute Nahversorgungs-
strukturen in den integrierten Wohngebieten schließ en lässt. Im Gegenteil ist davon auszugehen,
dass diese (dezentralen) Standorte den zentralen Versorgungsbereichen Kaufkraft entziehen.
In der Theorie sollte eine Vollversorgung in den Be zirken auf der Grundlage des Zentrensystems
gem. Einzelhandelskonzept angestrebt werden, d. h. Angebot und Nachfrage sollten sich decken
(die sortimentsspezifische Kaufkraft für Lebensmitt el wird zu 100% durch die vorhandenen Ange-
bote gedeckt). In der Praxis ist die Vollversorgung jedoch für viele Grundversorgungszentren bzw.
-räume unrealistisch, da ein Teil der Kaufkraft auß erhalb des Wohnstadtteils verbleibt (z. B. Ein-
kauf auf dem Weg zur Arbeit). Als realistisches Maß für die Außenstadtteile in der Funktion von
Grundversorgungszentren kann daher ein Korridor zwi schen etwa 0,3 qm bis 0,4 qm Verkaufsflä-
che je Einwohner angenommen werden. Für die Versorg ungsräume bzw. Zentren mittelzentraler
Stufe mit überörtlichem Einzugsbereich (z. B. Hiltr up-Mitte), sind jedoch auch deutlich überdurch-
schnittliche Ausstattungswerte nicht selten, da Ver sorgungsleistungen für benachbarte schwach
ausgestattete Versorgungsräume übernommen werden un d sich dort zu den normalen Lebensmit-
telgeschäften z. B. spezialisierte Lebensmittelgesc häfte gesellen, die die Kaufkraftbindung erhö-
hen. Liegen die Ausstattungswerte deutlich über dem Durchschnitt (z. B. Berg Fidel), fließt nen-
nenswert Kaufkraft von außerhalb des zugeordneten Grundversorgungsraumes zu.
Wettbewerb um die strategisch besten Standorte wird härter
Für viele Teilräume im Stadtgebiet kann daher von e iner quantitativen Marktsättigung gesprochen
werden. In deutschen Städten ist diese Situation vo r dem Hintergrund des anhaltenden Expansi-
onskurses des Lebensmitteleinzelhandels nicht unübl ich. Der Wettbewerb um die strategisch bes-
ten Standorte wird auch an zentralen und integriert en Standorten entsprechend härter. Bei Neuan-
Monitoring Einzelhandel 2010
14
siedlungen des großflächigen Lebensmitteleinzelhand els gilt es daher das mögliche Potenzial von
schädigenden Umverteilungs- und Verdrängungseffekten zu prüfen
Siedlungsbereiche mit hohem Anteil älterer Menschen besonders „nahversorgungssensi-
bel“
Die Aufgabe einer verträglichen und wohnungsnahen S teuerung der weiteren Entwicklung im Be-
reich des Lebensmittelseinzelhandels hat besonders in Anbetracht der Zunahme älterer und weni-
ger mobiler Menschen einen hohen Stellenwert. Der d urchschnittliche Anteil der über 65-jährigen
innerhalb der Wohnsiedlungsbereiche in Münster liegt bei 17,6 %. Auf der Basis der aktuellen Nah-
versorgungssituation wird deutlich, dass zahlreiche Wohnsiedlungsbereiche mit einem überdurch-
schnittlichen Anteil über 65-jähriger außerhalb der Naheinzugsbereiche von Lebensmittelgeschäf-
ten liegen (vgl. Karte 3, dunkle Flächen).
Während die innerstädti-
schen Wohnquartiere ei-
nen eher unterdurch-
schnittlichen Anteil dieser
Altersgruppe aufweisen,
zeigen viele Außenstadttei-
le deutliche Alterungsten-
denzen. Die Siedlungsbe-
reiche mit einem hohen
Anteil älterer Menschen,
der z. T. über 50 % liegt (z.
B. Aaseestadt, St. Mau-
ritz), müssen vor dem Hin-
tergrund der tendenziell
abnehmenden Mobilität
dieser Bevölkerungsgrup-
pe als besonders „nahver-
sorgungssensibel“ einge-
stuft werden. Aufmerksam-
keit gilt insbesondere den
Räumen, in denen schon
heute keine fußläufig er-
reichbare Nahversorgung
vorhanden ist und die zu-
dem einen hohen Anteil
älterer Menschen aufwei-
sen.
Gem. Einzelhandels- und
Zentrenkonzept der Stadt
Münster sollte die grund-
sätzliche Zielsetzung, die
Karte 3: Räumliche Nahversorgung unter altersstrukt urellen Aspek-
ten
Monitoring Einzelhandel 2010
15
wohnortnahe Versorgung innerhalb eines Netzes mögli chst fußläufig erreichbarer Versorgungs-
standorte zu sichern, gleichberechtigt neben die St ärkung der Zentren gestellt werden. Umvertei-
lungs- und Verdrängungseffekte sollten nur dann noc h hingenommen werden, wenn mit dem je-
weiligen Vorhaben auch positive Effekte (Schließung von Versorgungslücken, Stärkung von zent-
ralen Versorgungsbereichen etc.) für die Nahversorg ung nachgewiesen und / oder erheblich posi-
tive städtebauliche Wirkungen erzielt werden können . Eine möglichst wohnungsnahe Versorgung
ist auch bei der Ansiedlung neuer Vorhaben zu gewäh rleisten. Des Weiteren sind Initiativen des
Handels oder auch von privater Seite konstruktiv un d offensiv zu unterstützen, die auf neue Ver-
sorgungs- bzw. Kleinflächenkonzepte oder auch mobil e Versorgung (rollender Verkaufswagen)
innerhalb von schlecht versorgten Wohnquartieren setzten.
4. Umsetzung des Einzelhandelskonzepts
4.1 Räumliche Entwicklung
Nur auf die räumliche Steuerung der Einzelhandelsen twicklung hat die Stadt Münster über die
Umsetzung des Einzelhandelskonzepts in Verbindung m it dem Bau- und Planungsrecht unmittel-
baren Einfluss. Der generelle Strukturwandel des Ei nzelhandels – verbunden mit der Tendenz zur
Großflächigkeit auch im Lebensmitteleinzelhandel – kann dagegen nur gering beeinflusst werden.
Schwerpunkt des Einzelhandels in zentralen Lagen
Die Verteilung des Einzelhandels auf die unterschie dlichen Raumkategorien zeigt mit 85 % aller
Betriebe einen deutlichen Schwerpunkt in den zentra len, integrierten Lagen (vgl. Tab. 5). Der
Hauptanteil der Geschäfte entfällt naturgemäß auf d ie City / Innenstadt (671 Betriebe, 33%) und
Stadtbereichszentren
(441 Betriebe, 22 %).
Die zentralen, integ-
rierten Lagen binden
jedoch nur 57 % der
Verkaufsfläche, wie-
derum angeführt
durch die City / In-
nenstadt (172.500
qm, 27 %) und die
Stadtbereichszentren
(94.500 qm, 15 %).
Tabelle 5: Verteilung des Einzelhandels nach Raumkategorien (12/2009)
Raumkategorien EH-
Einrichtungen Verkaufsflä-
che(m²)
Anz. (%) (m²) (%)
City/Innenstadt 671 33 172.487 27
Stadtbereichszentren 441 22 94.882 15
Grundversorgungszentren 200 10 34.072 5
Nahbereichszentren 82 4 14.394 2
Integrierte Streulagen 340 17 47.580 7
zentrale, integ-
rierte Lagen
Summe: 1.734 85 363.415 57
Sonderstandort/Fachmarkt-
zentrum 146
7 204.469 32
Dezentrale Streulagen 118 6 55.274 9
Streulagen im Außenbe-
reich 39
2 14.210 2
dezentrale
Lagen
Summe: 303 15 273.953 43
Gesamtsumme: 2.037 100 637.368 100
Monitoring Einzelhandel 2010
16
Allein 204.500 qm (32 %) der
Verkaufsfläche befindet sich
an den dezentralen Agglome-
rationsstandorten des Einzel-
handels (Sonderstandort /
Fachmarktzentrum) und weite-
re 55.600 qm (9 %) in dezen-
tralen Streulagen (i.d.R. Ge-
werbe- und Industriegebiete).
Innerhalb dieser beiden Kate-
gorien entfallen jeweils 30 %
der Verkaufsfläche auf zent-
renrelevante Hauptsortimente,
die sich potenziell Zentren
schädigend auswirken können
und der besonderen Steue-
rung durch das Einzelhandels-
konzept unterliegen.
Zentrenstärkung erfolgreich
Die zentralen Versorgungsbereiche der City / Innen stadt, Stadtbereichs- und Grundversorgungs-
zentren bilden das Kerngerüst der Zentren- und Vers orgungsstruktur in Münster. Die Einzelhan-
delsentwicklung in den Stadtbereichszentren hat bereits, auf der Basis des Raumfunktionalen Kon-
zepts (RFK) aus den 90er Jahren, vor 2003 ihren Höh epunkt erreicht, z. B. York-Center / Gieven-
beck, Roxeler Str. / E-Center,
Friedr.-Ebert-Str., und soll durch
aktuelle Projekte und Planungen
(z. B. in Kinderhaus, in Mecklen-
beck, am Schifffahrter Damm /
Warendorfer Str., am Hansaring)
positiv fortgesetzt werden. Für
die Innenstadt und die Grund-
versorgungszentren ist für den
Zeitraum nach 2003 eine erfreu-
liche Positiventwicklung zu ver-
zeichnen. Geschäftsneuansied-
lungen und -erweiterungen stär-
ken nachhaltig die Attraktivität
und Funktionsfähigkeit dieser
zentralen Versorgungsbereiche.
Die Anzahl der Geschäfte hat
wieder leicht zugenommen und die Verkaufsflächen s ind z. T. erheblich angewachsen (City / In-
nenstadt). Dies ist umso erfreulicher, als dass diese Zunahme auf der Neuansiedlung und Erweite-
rung von Geschäften mit innenstadt- bzw. zentren- u nd nahversorgungsrelevanten Sortimenten
1.734
85,1%
303
14,9%
363.415
57,0%
273.953
43,0%
zentrale, integrierte Lagen
dezentrale Lagen
Betriebe Verkaufsfläche(m²)
Grafik 8: Anteil Einzelhandel innerhalb und außerhalb
zentraler, integrierter Lagen
'12/1993 '06/2001 '12/2003 '12/2006 '12/2009
0
100
200
300
400
500
600
700
800
Betriebe
City/Innenstadt
Stadtbereichszentren
integrierte Streulagen
Grundversorgungszentren
Nahbereichszentren
Grafik 9: Entwicklung der Anzahl der Geschäfte nach
Raumkategorien
Monitoring Einzelhandel 2010
17
basiert, die für die Funktionsfähigkeit der Zentren unabdingbar sind. Dies kann auch als Beleg für
die Wirksamkeit des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts gewertet werden.
Mit dem Einzelhandelskonzept
wurde das Ziel verankert, die
Zentren als Ansiedlungsstandor-
te gegenüber den dezentralen
Standorten zu stärken und die
Entwicklung des zentrenrelevan-
ten Einzelhandels außerhalb der
Zentren und integrierten Lagen
möglichst zu unterbinden. Daher
kommt der Entwicklung des zent-
renrelevanten Einzelhandels in
den einzelnen Raumkategorien
besondere Bedeutung zu. Es ist
somit nicht nur von Interesse, ob
es Ansiedlungen des zentrenre-
levanten Einzelhandels in zentra-
len und integrierten Lagen gege-
ben hat, sondern auch, ob die
Entwicklung des zentrenrelevanten Einzelhandels auf dezentralen Standorten (Gewerbegebiete)
eingedämmt werden konnte (vgl. Grafiken 11 u. 12). Bei der Bewertung der Umsetzungserfolge
des Einzelhandelskonzepts ist der Zeitraum nach 200 3 von Interesse, da ab dem Frühjahr 2004
die Zielsetzungen und Regelungen des Einzelhandelsk onzeptes als Handlungsleitlinie zur Steue-
rung des Einzelhandels zugrunde liegen.
Der Einzelhandelsstandort Innenstadt / City boomt
Der Einzelhandelshandelstandort Innenstadt als ober zentraler Einkaufsstandort für Münster und
das Münsterland hatte bis Anfang dieses Jahrzehnts unter z. T. erheblichen Verlusten zu leiden.
Rund 130 Geschäfte und 10.000 qm Verkaufsfläche gin gen zwischen 1993 und 2003 verloren. Die
Nichtverwirklichung des Preußenpark-Einkaufszentrum s an der Hammer Str. im Jahr 2000 in Ver-
bindung mit der „Schutzwirkung“ des Einzelhandelskonzepts aus dem Jahre 2004 hat die in den
letzten Jahren eingetretene positive Innenstadtentw icklung sicherlich begünstigt. Inzwischen hat
die City insbesondere bei den wichtigen zentren- bz w. innenstadtrelevanten Geschäften gegen-
über dem Tiefststand Ende 2003 wieder um 34 Betrieb e und knapp 30.000 qm Verkaufsfläche
zugelegt. Die leichten Verluste im Bereich nicht ze ntrenrelevanter Geschäfte sind auch durch die,
im Zusammenhang mit den Projekten Stubengasse und P arkhaus Asche entstandenen Umzüge
bzw. Fluktuation von Möbelgeschäften (z. B. Ventana ) zu erklären. Bisher hat die City das Einzel-
handelswachstum, von dem insbesondere die Ludgerist raße und der Bereich Stubengasse / Han-
se-Carré profitieren, gut verkraftet. Auch in nahez u allen anderen Hauptgeschäftsstraßen der In-
nenstadt sind Geschäfts- und Verkaufsflächenzunahme n zu verzeichnen. Selbst in den Nebenla-
gen und Randbereichen der Geschäftscity sind Leerst ände kaum zu finden und nur selten länger-
fristig.
'12/1993 '06/2001 '12/2003 '12/2006 '12/2009
0
25.000
50.000
75.000
100.000
125.000
150.000
175.000
VKF (m²)
City/Innenstadt
Stadtbereichszentren
integrierte Streulagen
Grundversorgungszentren
Nahbereichszentren
Grafik 10: Entwicklung der Verkaufsfläche nach
Raumkategorien
Monitoring Einzelhandel 2010
18
Die Initialwirkung der Münster-Arkaden in Verbindun g mit dem Hanse-Carré und der Bebauung
des ehemaligen Parkplatzes Stubengasse führen zu ei ner deutlichen Steigerung der Attraktivität
des Einzelhandelsstandortes Münster. Durch die Syn ergiewirkung mit den baulichen Maßnahmen
und Projekten in den Bereichen Kultur (z. B. Picasso-Museum) und öffentlicher Raum (neue Plätze
und Wegeverbindungen bzw. Rundläufe) hat sich nicht nur die Einzelhandelsinnenstadt Münster
zumindest tlw. neu erfunden. Damit ist ein wesentli ches Ziel des Einzelhandelskonzepts, nämlich
die Sicherung und Entwicklung der oberzentralen Fun ktionen der Innenstadt, auch als Kompetenz-
standort für den Einzelhandel und als Identifikatio nsraum, mehr als erfüllt. Mit der laufenden Um-
strukturierung und Neunutzung des ehemaligen Stando rtes der Deutschen Bank im Bereich Bült /
Alter Fischmarkt, die auch nennenswerte Verkaufsflä chen umfasst, wird der Einzelhandelsstandort
auch im östlichen Innenstadtbereich attraktiviert und fortentwickelt.
Stadtbereichszentren – Entwicklung in den Ergänzungszentren
In den Stadtbereichszentren ist die Zahl der Einzel handelsgeschäfte seit 1993 nach wie vor rück-
läufig. Die zentrenrelevanten Verkaufsflächen sind dagegen seit 1993 um rund 22.000 qm oder
fast 40% angestiegen. Die stärkste Wachstumsdynamik ist dabei bereits vor dem Jahr 2003 zu
verzeichnen und geht auf die Entwicklung von weiteren Stadtbereichszentren wie dem York-Center
an der Grevener Str., dem an der Friedrich-Ebert-St r. und dem an der Roxeler Str. in Gievenbeck
zurück. Diese Standortentwicklung war u. a. Folge der Einzelhandelspolitik der 90er Jahre, wonach
Raumkategorien
City/Innenstadt
Stadtbereichs-
zentren
Grundversor-
gungszentren
Nahbereichs-
zentren
integrierte
Streulagen
Sonderstandort/
Fachmarktzentrum
Dezentrale
Streulagen
Streulagen im
A ußenbereich
0
20
40
-20
-40
-60
-80
-100
-120
-140
0
20
40
-20
-40
-60
-80
-100
-120
-140
12/1993 - 12/2003 (zentrenrel.)
12/1993 - 12/2003 (nicht zentrenrel.)
12/2003 - 12/2009 (zentrenrel.)
12/2003 - 12/2009 (nicht zentrenrel.)
Betriebe
Grafik 11: Entwicklung der Einzelhandelsbetriebe na ch Zentrenrelevanz in
den Zeiträumen 1993 – 2003 und 2003 - 2009
Monitoring Einzelhandel 2010
19
der u. a. auf die Innenstadt gerichtete, dort aber damals nicht zu verortende Expansionsdruck auf
andere integrierte, möglichst an Ausfallstrassen ge legene Entwicklungsstandorte umzulenken war.
Konzeptionelle Grundlage für die Entwicklung der ne uen Versorgungsstandorte an den „Kopfen-
den“ der Ausfallstraßen war das Zentrenkonzept aus Mitte der 90er Jahre, das bereits wesentliche
Zielsetzungen des späteren Einzelhandelskonzepts vo rwegnahm. Dadurch konnte auch der An-
siedlungsdruck von der „grünen Wiese“ auf geeignete integrierte Standorte umgelenkt werden.
Die gewachsenen Strukturen an den Ausfallstraßen (W arendorfer Str., Wolbecker Str., Hammer
Str.) konnten allerdings nur bedingt von diesen pos itiven Entwicklungen an ihren „Kopfenden“ pro-
fitieren. Zum einen leidet der in diesen Einkaufsla gen vorhandene traditionelle Fachgeschäftebe-
satz generell unter den Folgen des Strukturwandels im Einzelhandel (Konkurrenz der Fachmärkte
und Discounter, Nachfolgeproblematik bei altersbedi ngter Geschäftsaufgabe etc.), zum anderen
erschweren dichte Bebauungsstrukturen, verwinkelte und z. T. sehr kleine Ladenlokale und feh-
lende Stellplatzmöglichkeiten die Schaffung von großflächigen und modernen Verkaufsflächen. Als
Folge dieser Entwicklung sind eine z. T. hohe Flukt uation, vereinzelte Leerstände und ein schlei-
chender funktionaler Erosionsprozess zu beobachten. So werden z. B. nicht selten ehemalige Ge-
schäftslokale des Einzelhandels durch Fast-Food-Ket ten oder Telefonshops abgelöst. Umso be-
deutsamer ist es, Initiativen von Eigentümern und d es Handels zur nachhaltigen Stärkung dieser
wichtigen gewachsenen Einkaufslagen zu unterstützen und eine verträgliche Einzelhandelsent-
wicklung sicherzustellen.
Grundversorgungs- / Stadtteilzentren im Aufwind
Das Bewusstsein und die Sensibilität für die Funkti on der Stadtteilzentren als multifunktionale
Räume, mit ihrer Bedeutung für die wohnungsnahe Ver sorgung, das öffentliche Leben sowie die
Identifikation der Bevölkerung, sind stark gewachse n. Besonders die Auseinandersetzung über die
Auswirkungen dezentraler Ansiedlungen auf die Innen stadt und die Stadtteilzentren im Zuge der
Aufstellung des Einzelhandelskonzepts, hat bei weit en Teilen der Akteure zu einem Bewusst-
seinswandel geführt. Jetzt können die Früchte der l angjährigen Bemühungen und Aktivitäten zum
Schutz und zur Entwicklung der Stadtteilzentren gee rntet werden. Zahlreiche Planungen, Maß-
nahmen und Projekte zur Stärkung der Zentren konnte n realisiert werden. Beispielhaft zu nennen
sind hier, jeweils in Verbindung mit konkreten Einz elhandelsmaßnahmen, Entwicklungen in den
Stadtteilzentren Gievenbeck (Ansiedlung Lidl / Arhe imweg), Roxel (Ansiedlung K&K, Verlagerung
und Erweiterung Plus / Netto) oder Wolbeck (Ansiedl ung Lidl / Hiltruper Straße, Verlagerung und
Erweiterung Aldi / Münsterstraße). Weitere Maßnahme n und Projekte zur Sicherung und Verbes-
serung der Angebotsstrukturen in den Grundversorgun gs- und Stadtteilzentren befinden sich dar-
über hinaus derzeit in der Umsetzung oder sind bereits im Laufe des Jahres 2010 realisiert worden
(z. B. Nienberge: Ansiedlung K&K/Sebastianstraße, M ecklenbeck: Erweiterung des Stadtteilzent-
rums mit Ansiedlung Lidl und weiteren Geschäften/Dingbänger Weg, Kinderhaus: Erweiterung des
Stadtteilzentrums mit großflächigen Geschäften/West hoffstraße oder Wolbeck: Verlagerung und
Erweiterung des Edeka-Marktes / Hiltruper Straße). Insgesamt konnte seit Ende 2003 sowohl die
Anzahl der Geschäfte (+ 11), als auch die Verkaufsfläche (+7.000 qm) spürbar zulegen.
Die positive Entwicklung der Grundversorgungsangebo te in den Stadtteilzentren ist sehr erfreulich
und ein Indiz für die Wirksamkeit des Einzelhandels konzepts, aber auch ein Auftrag für die Zu-
Monitoring Einzelhandel 2010
20
kunft, den eingeschlagenen Weg der Zentrenstärkung konsequent weiter zu verfolgen. Gerade die
Grundversorgungs- und Stadtteilzentren standen seit Mitte der 90er Jahre im Focus der Bemü-
hungen der Sicherung wohnungsnaher Versorgungsstruk turen. Hier ist es gelungen, die Anforde-
rungen insbesondere der Lebensmittelbranche (Superm ärkte und Discounter) nach größeren Flä-
cheneinheiten an integrierten zentralen Standorten umzusetzen und dadurch gleichzeitig die Att-
raktivität und Zukunftsfähigkeit der gewachsenen Ze ntren zu stärken. Dabei zeigen die Erfahrun-
gen mit der Ansiedlungsplanung des großflächigen ze ntrenrelevanten Einzelhandels, insbesonde-
re im Lebensmittelbereich, dass in vielen Fällen nur durch die Abwehr von investorenseitig begehr-
ten Standorten am Ortsrand oder in Gewerbegebieten die Chancen für eine erfolgreiche Einzel-
handelsentwicklung zur Stärkung der Zentren offenge halten werden konnte. Somit erweist sich die
Verhinderung dezentraler Standorte, verbunden mit d er Aktivierung zentraler großflächiger Stand-
orte, als eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung der Zentren.
Nahbereichszentren und integrierte Streulagen bleiben „Sorgenkinder“
In den Nahbereichszentren ist die Anzahl der Geschä fte und Verkaufsflächen kontinuierlich rück-
läufig. Diese Entwicklung ist bedenklich, da gerade die Nahbereichszentren (z. B. Sentrup, Hiltrup-
Ost, Metzer Straße/Elsässer Straße oder St. Mauritz /Mondstraße) wichtige Versorgungsfunktionen
als Ergänzung zum Netz der Grundversorgungszentren übernehmen und für die Feinmaschigkeit
des Standortnetzes für den täglichen Bedarf sorgen. Diese Entwicklung bestätigt die Einschätzung
der letzten Jahre, dass die Grundversorgung in den kleineren integrierten Versorgungszentren vor
City/Innenstadt
Stadtbereichs-
zentren
Grundversor-
gungszentren
Nahbereichs-
zentren
integrierte
Streulagen
Sonderstandort/
Fachmarktzentrum
Dezentrale
Streulagen
Streulagen im
A ußenbereich
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
70.000
80.000
90.000
-10.000
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
-10
12/1993 - 12/2003 (zentrenrel.)
12/1993 - 12/2003 (nicht zentrenrel.)
12/2003 - 12/2009 (zentrenrel.)
12/2003 - 12/2009 (nicht zentrenrel.)
VKF (m²)
Grafik 12: Entwicklung der Einzelhandelsverkaufsflä che nach Zentrenre-
levanz in den Raumkategorien, Zeiträume 1993 – 2003 und 2003 - 2009
Raumkategorien
Monitoring Einzelhandel 2010
21
dem Hintergrund der Konzentrationsprozesse des Lebe nsmitteleinzelhandels stark unter Druck
geraten ist. Um das Ziel einer verbraucher- bzw. wohnungsnahen G rundversorgung, gerade auch
vor dem Hintergrund des zunehmenden Anteils älterer und weniger mobiler Menschen zu errei-
chen, besteht in der Sicherung der Nahbereichszentren eine besondere Aufgabe und Herausforde-
rung.
Diese Einschätzung gilt ebenfalls für die Geschäft sstandorte in integrierten Streulagen. Der auffäl-
lig starke Rückgang der Geschäfte dürfte in erster Linie durch die Aufgabe von privat geführten
kleinen Facheinzelhandelsgeschäften (z. B. im Berei ch Bekleidung oder Elektro) und auch kleinen
Lebensmittelgeschäften zu erklären sein. Zwar hat s ich in dieser Kategorie ein leichtes Wachstum
der Verkaufsfläche ergeben, das aber auf wenige grö ßere Neuansiedlungen (z. B. Lidl an der Dor-
baumstraße in Handorf) zurückzuführen ist. Diese so litären Maßnahmen können die allgemeine
Ausdünnung der Einzelhandelsangebote in der Fläche nicht aufhalten.
Zentren schädigende Einzelhandelsansiedlungen an de zentralen Standorten eingedämmt –
aber „altes“ Planungsrecht wirkt nach
In den 80er und 90er Jahren fand auf den dezentrale n Standorten eine stürmische Einzelhandels-
entwicklung statt (+ 90.000 qm Verkaufsfläche in de r Kategorie Sonderstandort / Fachmarktzent-
rum, darunter fast 20.000 qm zentrenrelevanter Einz elhandel). Die aus heutiger Sicht als Fehlent-
wicklungen zu bewertenden Ansiedlungen des zentrenr elevanten Einzelhandels an diesen Stand-
orten (darunter auch zahlreiche Lebensmittelgeschäf te) gaben Anlass zur Aufstellung des Einzel-
handelskonzepts 2004 und sollen durch dessen konsequente Umsetzung reduziert bzw. verhindert
werden. Die Analyse zeigt, dass dies gelingt. Durch die Anpassung der Gewerbegebietsbebau-
ungspläne an die Zielsetzungen des Einzelhandels- u nd Zentrenkonzepts ist die Zulässigkeit von
zentrenrelevantem Einzelhandel in dezentralen Agglo merationsräumen und dezentralen Streula-
gen in den vergangenen Jahren in zahlreichen Gebieten reduziert worden.
Der Zuwachs an zentrenrelevanter Verkaufsfläche auf diesen Standorten hat seit 2003 im Ver-
gleich zum vorhergehenden Betrachtungszeitraum (199 3 bis 2003) sichtbar abgenommen. Trotz-
dem ist nach 2003 immer noch ein Zuwachs an Einrich tungen mit zentrenrelevanten Hauptsorti-
menten an dezentralen Standorten (Sonderstandort / Fachmarktzentrum und Streulagen) zu ver-
zeichnen. Grund hierfür ist im Wesentlichen bestehe ndes Planungsrecht, das vor Aufstellung des
Einzelhandelskonzepts im Jahr 2004 Rechtskraft erla ngte und seitens der Stadt Münster nur unter
der Inkaufnahme von Entschädigungszahlungen an die Ziele des Einzelhandelskonzepts hätte
angepasst werden können. Auf dieser Basis fanden z. B. die Ansiedlungen des Fahrradfachmark-
tes BOC an der Siemensstraße und der Fachmärkte Dän isches Bettenlager und Tedox am Schiff-
fahrter Damm statt. Die Entscheidungen über die Zul assung dieser vom Grundsatz her nicht kon-
zeptkonformen Einzelhandelsansiedlungen wurden in j edem Einzelfall vor dem Hintergrund des
möglichen Gefährdungspotenzials für die Zentren abg ewogen. Vergleichbare Fallgestaltungen,
nach denen es zu Entwicklungen des zentrenrelevante n Einzelhandels an dezentralen Standorten
kommt, sind auch in Zukunft nicht auszuschließen. D arüber hinaus erklärt sich der Zuwachs durch
die Ansiedlung von in Gewerbe- und Industriegebiete n zulässigen Gewerbe- oder Dienstleistungs-
betrieben, die auf untergeordneten Flächen selbst h ergestellte oder verarbeitete Waren verkaufen
(z. B. Getränkegroßhandel oder Großbäckerei mit ang egliedertem untergeordnetem Verkauf an
Endverbraucher).
Monitoring Einzelhandel 2010
22
Streulagen im Außenbereich
Der Außenbereich bietet nur in ganz speziellen Fäll en eine Zulässigkeit für den Einzelhandel und
spielt für die Steuerung der Einzelhandelsentwicklu ng in Münster keine nennenswerte Rolle. Im
Saldo hat sich in dieser Raumkategorie seit Anfang der 90er Jahre die Anzahl zentrenrelevanter
Geschäfte erkennbar verringert, die Verkaufsfläche hat sich jedoch nicht verändert.
4.2 Einsatz planerischer Instrumente
Die Stadt Münster hat bereits frühzeitig in den 90e r Jahren den besonderen Wert funktionierender
und attraktiver Zentren- und Versorgungsstrukturen erkannt und sich intensiv um deren Sicherung
und Entwicklung bemüht. Vor dem Hintergrund des anh altenden und tiefgreifenden Strukturwan-
dels im Einzelhandel mit seinen z. T. negativen Aus wirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Zent-
ren und die wohnungsnahen Versorgungsstrukturen hat auch der Gesetzgeber auf Bundes- und
Landesebene reagiert. Durch die Novellierungen der einschlägigen Rechtsvorschriften auf Bun-
des- und Landesebene wurde den Kommunen ein umfasse ndes Instrumentarium für eine städte-
baulich verträgliche Steuerung des Einzelhandels an die Hand gegeben.
Bauleitplanung sichert Umsetzung des Einzelhandelskonzepts
Die Stadt Münster hat diese zur Verfügung gestellte n rechtlichen und planerischen Möglichkeiten
konsequent eingesetzt. So wurden zur bauleitplaneri schen Steuerung des Einzelhandels im Sinne
des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts seit Anfang des Jahrzehnts rd. 30 Verfahren zur Aufstel-
lung oder Änderung von Bebauungsplänen eingeleitet; die meisten davon sind mittlerweile rechts-
verbindlich. Darunter befinden sich zahlreiche Baul eitplanverfahren zur Sicherung und Stärkung
von Stadtteilzentren i. V. mit der Ansiedlung von M agnetbetrieben (Gievenbeck-Mitte, Roxel-Mitte,
Mecklenbeck-Mitte oder Kinderhaus-Mitte), Bebauungs pläne zur bestimmungsgemäßen Ansied-
lung- oder Erweiterung von großflächigem, nicht zen trenrelevantem Einzelhandel auf Sonder-
standorten (z. B. Erweiterung Möbel-Finke im Gewerbgebiet BAB 1 / Steinfurter Str. bei Nienberge)
oder auch ein Bebauungsplan zur gezielten Steuerung des Einzelhandels in sog. unbeplanten In-
nenbereichen nach § 34 BauGB (Albachten Osthoffstr. / Sendener Stiege). Die mit Abstand meis-
ten Verfahren stellen jedoch Bebauungspläne zur Beg renzung der Zulässigkeit von Einzelhandels-
nutzungen in Gewerbe- und Industriegebieten (z. B. in den Gewerbegebieten Kinderhaus / Coer-
mühle, Mecklenbeck / An der Hansalinie oder Gremmendorf / Höltenweg) dar.
Innerhalb von Bauantragsverfahren für Einzelhandels nutzungen wird regelmäßig die Übereinstim-
mung mit dem geltenden Planungsrecht i. V. mit den Regelungen des Einzelhandelskonzepts ab-
geprüft. In turnusmäßigen Terminen unter Beteilung aller relevanten städtischen Dienststellen wer-
den Bauvoranfragen, Bauanträge und auch grundsätzli che Anfragen des Einzelhandels bespro-
chen und geprüft. Rückmeldungen an die anfragenden Investoren oder Antragsteller können so
immer kurzfristig erteilt werden. Im Fokus steht da bei häufig die Überprüfung der Verkaufsflächen-
anteile für zentrenrelevante Randsortimente (z. B. Haushaltswaren, Heim- und Haustextilien oder
Lampen/Leuchten), die bei der Ansiedlung von Möbel- oder Baumärkten nicht selten einen erhebli-
chen Umfang einnehmen. Übersteigen die Randsortimen tsflächen das zulässige bzw. verträgliche
Maß, müssen die Ansiedlungskonzepte modifiziert ode r, wenn dies nicht möglich ist, auch abge-
lehnt werden. Die konsequente bauleitplanerische St euerung des Einzelhandels auf der Basis des
Monitoring Einzelhandel 2010
23
Einzelhandels- und Zentrenkonzepts wurde bereits in zwei Klageverfahren gerichtlich überprüft
und vom Oberverwaltungsgericht des Landes NRW in Mü nster (B-Plan Siemensstr.) bzw. Bundes-
verwaltungsgericht in Leipzig (Erweiterung Zentrum Kinderhaus) bestätigt.
Einzelhandelskonzept gewinnt an Bedeutung
Im Jahr 2009 ist die zentrale Kernvorschrift zur St euerung des großflächigen Einzelhandels in
Nordrhein-Westfalen (§ 24a Landesentwicklungsprogra mm) durch die aktuelle Rechtsprechung
des Oberwaltungsgerichtes in Münster (September 200 9) im Zusammenhang mit der Erweiterung
des „EOC-Outletcenter“ der Stadt Ochtrup aufgrund mangelnder Zielqualität und verfassungsrecht-
licher Aspekte zu Fall gebracht worden. Das Gesetz enthält demnach lediglich Grundsätze, die im
Rahmen der kommunalen Planungshoheit der Abwägung u nterliegen, d. h. keine zwingende Bin-
dungswirkung entfalten. Die Landesregierung arbeite t zurzeit an einer Neuformulierung des Ge-
setzes, um auch auf landesplanerischer Ebene die Pl anungssicherheit wiederherzustellen. Im Zu-
sammenhang mit dieser Rechtsprechung steigt die Bed eutung des Einzelhandels- und Zentren-
konzepts der Stadt Münster erheblich. Es stellt als beschlossenes städtebauliches Entwicklungs-
konzept den städtischen Planungswillen zur Steuerun g des Einzelhandels dar und ist damit
zugleich die unabdingbar erforderliche städtebaulic he Rechtfertigungsgrundlage zum Einsatz der
bauplanungsrechtlichen Instrumente des Baugesetzbuc hes. Die jüngste Rechtsprechung hat je-
doch auch klar gestellt, dass ein beschlossenes Ein zelhandelskonzept in dem Maße an Steue-
rungswirkung verliert, wie es durch abweichende Ent scheidungen für die Ansiedlung von nicht
Konzept konformen Einzelhandelsvorhaben durchbrochen wird.
Kooperation mit Einzelhandelsakteuren weiterhin wichtig
Neben dem unmittelbaren Einsatz der planerisch-rech tlichen Instrumente gehören zur Umsetzung
des Einzelhandelskonzepts aber auch zahlreiche ergä nzende kommunikative und flankierende
Maßnahmen und Aktivitäten, die auf Information und Akzeptanz der Regelungen zur Einzelhan-
delssteuerung in Münster ausgerichtet sind. Hierzu gehört die regelmäßige Beratung von Investo-
ren und Projektentwicklern, die auch gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Münster sicherge-
stellt wird. Ein wichtiges Instrument ist der im jä hrlichen Rhythmus sowie anlass- bzw. projektbe-
zogen mehrfach im Jahr stattfindende intensive und dialogorientierte Austausch mit den wesentli-
chen öffentlichen Akteuren des Einzelhandels in Mün ster (IHK-Nord Westfalen, Einzelhandelsver-
band Westfalen Münsterland, Bezirksregierung Münste r, Handwerkskammer Münster). Denn die
Entwicklung des Einzelhandels zum Wohle der Stadt k ann nur im Miteinander aller wichtigen Ak-
teure erfolgreich umgesetzt werden. Auch die versch iedenen Akteursrunden auf innerstädtischer
oder auch Stadtteilebene - an erster Stelle sei hie r die Initiative für eine starke Innenstadt genannt
(ISI) - liefern mit ihren Aktivitäten wertvolle Beiträge zur Umsetzung des Einzelhandelskonzepts.
Leitlinie „Verkaufsoffene Sonntage“ flankiert Einzelhandelskonzept
Der Rat der Stadt Münster hat im Jahr 2005 die „Lei tlinie zur Genehmigungspraxis bei der Freiga-
be von Verkaufssonntagen nach dem Ladenschlussgeset z“ beschlossen. Diese Leitlinie orientiert
sich an den Regelungen des Einzelhandelskonzepts zu m Schutz der städtischen Zentren und hat
sich in der Praxis bewährt. Dadurch wird z. B. verh indert, dass dezentral gelegene große Fach-
märkte (z. B. Möbelhäuser oder Elektronikmärkte) me hrfach im Jahr verkaufsoffene Sonntage
Monitoring Einzelhandel 2010
24
durchführen und so den Zentren Kaufkraft entziehen. Auch hieran wird der Wille des Stadtrates
deutlich, den Zielsetzungen des Einzelhandelskonzep ts konsequent durch geeignete Maßnahmen
zum Erfolg zu verhelfen.
5. Schlussbetrachtung – Handlungsbedarfe / Zusammenfassung
Die Analyse der Einzelhandelsentwicklung zeigt: das Einzelhandelskonzept wirkt. Die bisher kon-
sequente Umsetzung führt weitgehend zu den gewünsch ten Ergebnissen. Die Sicherung der ober-
zentralen (Einzelhandels-)Funktion Münsters, die St ärkung und Entwicklung der Innenstadt, der
Stadtbereichs- und Stadtteilzentren sowie die Eindä mmung der Einzelhandelsentwicklung mit
möglichen Zentren schädigenden Einzelhandelsansiedl ungen auf dezentralen Standorten belegen
die erfolgreiche Umsetzung des Einzelhandelskonzept s. Dass die zentrenorientierte Einzelhan-
delssteuerung bereits seit den 90er Jahren ein wese ntlicher Bestandteil der Stadtentwicklungspoli-
tik ist, zahlt sich aus. Beispielhafte Planungen un d Projekte, die nicht selten eines langen Atems
bedurften, schlagen sich in einer prosperierenden Innenstadt- und Zentrenentwicklung nieder. Eine
Ansiedlungspolitik mit Orientierung auf die „grüne Wiese“, wie sie in zahlreichen Städten stattfand
und zu maßgeblichen Fehlentwicklungen geführt hat, hat es in Münster nicht gegeben. Im Gegen-
teil wird die Entwicklung im Bestand immer häufiger zur gelebten Realität.
Wesentlich für den Erfolg ist die Absicherung der Z ielsetzungen des Einzelhandelskonzepts durch
die konsequente Anwendung bestehender Bebauungsplän e mit ihren konzeptkonformen Regelun-
gen sowie entsprechender Anwendung bei der Aufstell ung / Änderung von Bebauungsplänen. Die-
ser Weg ist weiter zu verfolgen, ohne den Anspruch zu verlieren, auf aktuelle Entwicklungen rea-
gieren zu können. Darüber hinaus ist die vielfältig e Kooperation und Kommunikation mit den zahl-
reichen Akteuren und Organisationen des Einzelhande ls weiterhin unverzichtbar. Für die Zukunft
gilt es, die erreichten raum- und versorgungsstrukt urellen Qualitäten des Einzelhandelsangebotes
zu sichern und – soweit sinnvoll und möglich – zu e rgänzen und auszubauen. Angebotsüberkapa-
zitäten des Einzelhandels mit ungewollten Auswirkun gen auf Zentren- und Versorgungsstrukturen
sind zu vermeiden. Besondere Aufmerksamkeit kommt, gerade auch in Anbetracht einer älter wer-
denden Bevölkerung, der Sicherung wohnungsnaher Gru ndversorgungsstandorte in den kleineren
Versorgungszentren und Wohngebieten zu. Vor dem Hin tergrund der teilräumlichen Marktsätti-
gung im Lebensmittelbereich wird die Ansiedlungsste uerung nach den Kriterien des Einzelhan-
delskonzepts immer wichtiger, um ungewollte Verdrängungseffekte zu vermeiden. Weiterhin ist die
Einzelhandelsentwicklung auf dezentralen Standorten gezielt zu steuern, um Zentren schädigende
Auswirkungen zu verhindern. Besonderer Prüfung beda rf in diesem Zusammenhang die Ansied-
lung von zentrenrelevanten Randsortimenten, bspw. in Möbelhäusern oder Baumärkten.
Nach dem Wegfall von § 24a Landesentwicklungsprogra mm NRW als verbindlicher Kernvorschrift
zur Steuerung des großflächigen Einzelhandels kommt dem städtischen Einzelhandelskonzept,
ohne diesen verpflichtenden Rahmen der Landesgesetz gebung, eine gesteigerte Bedeutung zu.
Nur eine Einhaltung des durch Ratsbeschluss selbst gesetzten Rahmens sichert die durchgängige
Steuerungswirkung des Konzeptes. Wird dieser Rahmen durch abweichende Beschlüsse verlas-
sen, sinkt sein Gewicht als Belang der Standortpoli tik und seine Bedeutung für die zukünftige
Steuerung des Einzelhandels.
Monitoring Einzelhandel 2010
25
Das Monitoring zur Einzelhandelsentwicklung soll fo rtgesetzt werden, da das Wissen um die tat-
sächlichen Veränderungen des Einzelhandels eine wes entliche Voraussetzung ist, um zukunftsfä-
hige Entscheidungen treffen zu können.
Verzeichnisse:
Seite:
Karten:
Karte 1: Nahversorgung - Raumabdeckung und Versorgungslücken 11
Karte 2: Verkaufsflächenausstattung Nahrungs- und Genussmittel in 12
statistischen Bezirken (in qm Verkaufsfläche je Einwohner)
Karte 3: Räumliche Nahversorgung unter altersstrukturellen Aspekten 14
Grafiken:
Grafik 1: Einzelhandelsentwicklung 1993 - 2009 5
Grafik 2: Stellenwert des großflächigen Einzelhandels (>= 700 qm VKF) 6
Grafik 3: Entwicklung des großflächigen Einzelhandels 1993 – 2009 6
Grafik 4: Veränderung nach Branchen 1993 – 2009 7
Grafik 5: Durchschnittliche Verkaufsfläche der Betriebe nach Branchen 1993 und 2009 8
Grafik 6: Entwicklung von Betriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels 1993 – 2009 9
Grafik 7: Entwicklung Supermarkt / Discounter 1993 – 2009 10
Grafik 8: Anteil Einzelhandel innerhalb und außerhalb zentraler, integrierter Lagen 16
Grafik 9: Entwicklung der Anzahl der Geschäfte in nach Raumkategorien 16
Grafik 10: Entwicklung der Verkaufsfläche nach Raumkategorien 17
Grafik 11: Entwicklung der Einzelhandelsbetriebe nach Zentrenrelevanz in den 18
Zeiträumen 1993 - 2003 und 2003 - 2009
Grafik 12: : Entwicklung der Einzelhandelsverkaufsfläche nach Zentrenrelevanz 20
in den Zeiträumen 1993 – 2003 und 2003 - 2009
Tabellen:
Tabelle 1: Einzelhandelsbestand 1993 - 2009 5
Tabelle 2: Veränderung nach Betriebsformen 1993 - 2009 8
Tabelle 3: Strukturwandel kleiner Lebensmittelgeschäfte 10
Tabelle 4: Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufsfläche Supermarkt 10
und Lebensmitteldiscounter
Tabelle 5: Verteilung des Einzelhandels nach Raumkategorien (12/2009) 15
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (28)
- Stubengasse
- Waldeyerstraße
- Kleihorststraße
- Dyckburgstraße
- Geringhoffstraße
- Siemensstraße
- Roxeler Straße
- Warendorfer Straße
- Hammer Straße
- Grevener Straße
- Wolbecker Straße
- Hiltruper Straße
- Münsterstraße
- Metzer Straße
- Steinfurter Straße
- Albersloher Weg
- Rumphorstweg
- Schifffahrter Damm
- Hansaring
- Höltenweg
- An der Hansalinie
- Alter Fischmarkt
- Sebastianstraße
- Elsässer Straße
- Sendener Stiege
- Mondstraße
- Kinderhaus
- Asche
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0765/2010
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 18.11.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37