V/0234/2021
Ergebnisse der Mobilitätsbefragung 2019 zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Münsteraner Bevölkerung
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Anlage - Kurzbericht Mobilitätsbefragung
49403 Zeichen
MOBILITÄTSBEFRAGUNG 2019
zum werktäglichen Verkehrsverhalten
der Bevölkerung in Münster
Ingenieurbüro Helmert
Wilhelmstraße 89
52070 Aachen
MOBILITÄTSBEFRAGUNG
ZUM WERKTÄGLICHEN VERKEHRSVERHALTEN
DER BEVÖLKERUNG IN DER
STADT MÜNSTER
KURZBERICHT
Aachen, 08.06.2020
Auftraggeber: Stadt Münster
- Amt für Mobilität und Tiefbau -
Abteilung Mobilitätsplanung
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Auftragnehmer: Ingenieurbüro Helmert
Wilhelmstr. 89
52070 Aachen
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert II
Aachen
Inhalt
1. METHODIK ........................................................................................................... 1
2. MOBILITÄTSKENNZIFFERN ..................................................................................... 2
3. FAHRZEUGAUSSTATTUNG DER HAUSHALTE ............................................................ 2
4. MOBILITÄT: AUßER-HAUS-ANTEIL UND WEGEANZAHL ............................................ 4
5. VERKEHRSMITTELWAHL ........................................................................................ 6
6. ZEITLICHE ASPEKTE ........................................................................................... 11
7. ENTFERNUNGEN................................................................................................. 14
8. GESCHWINDIGKEITEN ......................................................................................... 16
9. RÄUMLICHE ZIELE .............................................................................................. 16
10. WEGEZWECKE ................................................................................................... 18
11. ZUSAMMENFASSUNG .......................................................................................... 22
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert III
Aachen
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Besitz E-Bikes, Lastenräder, E-Scooter nach Anzahl der Fahrräder im
Haushalt ................................ ................................ ................................ ...... 3
Abbildung 2: Nutzungshäufigkeit der Verkehrsmittel ................................ ........................ 4
Abbildung 3: Wegehäufigkeit nach aktueller Tätigkeit und Geschlecht ............................ 5
Abbildung 4: Wegehäufigkeit nach Altersgruppe ................................ .............................. 5
Abbildung 5: Verkehrsmittelwahl (Gruppen) nach räumlichen Verkehrsarten ................... 6
Abbildung 6: Verkehrsmittelwahl nach Stadtbezirk ................................ .......................... 7
Abbildung 7: Verkehrsmittelwahl nach Altersgruppen ................................ ...................... 7
Abbildung 8: Verkehrsmittelwahl seit 1982 ................................ ................................ ...... 9
Abbildung 9: Verkehrsmittelwahl im Städtevergleich ................................ ...................... 10
Abbildung 10: Mittlere Wegedauer nach Verkehrsmittel ................................ ................... 11
Abbildung 11: Wegedauer nach Altersgruppen ................................ ................................ 11
Abbildung 12: Durchschnittliche Wegedauer je Reisezweck ................................ ............ 12
Abbildung 13: Tagespegel nach Verkehrsmittel ................................ ............................... 13
Abbildung 14: Tageszeitliche Verteilung je Reisezweck ................................ ................... 13
Abbildung 15: Mittlere Entfernungen nach Verkehrsmittel ................................ ................ 14
Abbildung 16: Entfernung je Weg nach Altersgruppe ................................ ....................... 15
Abbildung 17: Verkehrsmittel nach Entfernungsklasse ................................ .................... 15
Abbildung 18: Mittlere Geschwindigkeit je Verkehrsmittel ................................ ................ 16
Abbildung 19: Verkehrsverflechtungen Gesamtverkehr zwischen den Stadtbezirken
(Relationen > 800 Wege) ................................ ................................ .......... 17
Abbildung 20: Reisezweckverteilung ................................ ................................ ............... 18
Abbildung 21: Reisezweckverteilung nach Geschlecht ................................ .................... 19
Abbildung 22: Reisezweckverteilung - Historie ................................ ................................ 20
Abbildung 23: Verkehrsmittel nach Reisezweck ................................ ............................... 21
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Datengrundlage ................................ ................................ .......................... 1
Tabelle 2: Mobilitätskennzahlen ................................ ................................ ................... 2
Tabelle 3: Fahrzeugausstattung der Haushalte ................................ ........................... 2
Tabelle 4: Modal Split der Verkehrsleistung ................................ ................................ . 8
Tabelle 5: Verkehrsbeziehungen innerhalb der Stadt Münster (hochgerechnete
Werte) ................................ ................................ ................................ ....... 18
Tabelle 6: Reisezweckverteilung der Verkehrsleistung ................................ .............. 21
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 1
Aachen
1. Methodik
Die Mobilitätsbefragung in der Stadt Münster wurde im November 2019 – außerhalb der Schul-
und Semester ferien - durchgeführt. Sie basiert auf einer freiwilligen Teilnahme der
Bevölkerung. Die Stichprobe wurde zufallsverteilt aus der Einwohnermeldestatistik über das
Stadtgebiet verteilt gezogen. Die Grundgesamtheit bilden die Einwohner mit Haupt - und
Nebenwohnsitz in der Stadt Münster.
Für die Mobilitätsbefragung wurden die Formen der schriftlichen, telefonischen und online-
Befragung gewählt. Alle in der Stichprobe ausgewählten Haushalte erhielten ein Anschreiben
des Oberbürgermeisters, das die Hintergründe der Mobilitätsbefragung aufzeigte, die
Datenschutzerklärung und die Aufforderung zur Teilnahme enthielt. Auch d ie Zugangsdaten
zum Online-Fragebogen waren im Anschreiben gedruckt. So konnten die Haushalte direkt an
der Befragung teilnehmen. Dem Anschreiben lag weiter der schriftliche Fragebogen (siehe
Anhang) bei, den die Haushalte ausfüllen und kostenlos zurücksenden konnten. Weiter
konnten sie hierüber ihre Bereitschaft zur telefonischen Befragung signalisieren.
Es wurde jeweils der gesamte angeschriebene Haushalt mit allen Haushaltsmitgliedern befragt
und der gesamte Tagesablauf jedes Befragten erfasst. Dabei wurde zu jedem Weg der Start,
das Ziel, Beginn und Ende des Weges, das genutzte Verkehrsmittel und der Zweck erhoben.
In drei Wellen wurden insgesamt 19.900 Haushalte angeschrieben. 4.205 Haushalte mit 9.024
Personen nahmen an der Befragung teil. Mit der Mobilitätsbefragung wurden somit 2,9% der
Münsteraner Einwohnerinnen und Einwohner erreicht. Damit sind die Ergebnisse statistisch
gesichert und repräsentativ.
Tabelle 1: Datengrundlage
Haushalte Personen Wege
Altstadt 232 444 1.286
Innenstadtring 823 1.639 5.376
Mitte-Süd 456 949 3.057
Mitte-Nordost 486 980 3.153
Münster-West 825 1.892 5.736
Münster-Nord 269 580 1.707
Münster-Ost 325 718 2.055
Münster-Südost 362 851 2.372
Münster-Hiltrup 427 971 2.699
Münster 4.205 9.024 27.441
Die Daten der Erhebung wurden in einem Gewichtungsverfahren an die Grundgesamtheit aller
Einwohner der Stadt Münster angepasst. Dabei wurden die Kriterien Alter, Geschlecht und
Stadtteil genutzt. Im Erg ebnis werden Aussagen von überrepräsentierten Personengruppen
weniger gezählt, während die von unterrepräsentierten Personengruppen gestärkt werden.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 2
Aachen
2. Mobilitätskennziffern
An einem normalen Werktag legt jede Bürgerin und jeder Bürger der Stadt Münster
durchschnittlich 3,0 Wege zurück. 11% aller Befragten verließen am Stichtag das Haus aus
verschiedenen Gründen nicht. Bei der Betrachtung nur der Personen, die am Stichtag Wege
zurücklegten, erhöht sich die Anzahl werktäglicher Wege auf durchschnittlich 3,4.
Tabelle 2: Mobilitätskennzahlen der Stadt Münster
Wege pro Tag 3,0
Bus&Bahn 0,3
Fahrrad 1,3
zu Fuß 0,3
Kfz 1,0
Mittlere Wegelänge 9,1 km
Mittlere Wegedauer 21 min
Unterwegszeit 71 min
3. Fahrzeugausstattung der Haushalte
Die Verfügbarkeit verschiedener Verkehrsmittel beeinflusst grundlegend die Entscheidung des
Einzelnen, wie die Wege an Werktagen zurückgelegt werden. Nachfolgende Auswertungen
zeigen die Verfügbarkeit der verschiedenen Verkehrsmittel und Tickets sowie die
Zugangszeiten für die Haushalte in Münster.
Tabelle 3: Fahrzeugausstattung der Haushalte
Anzahl pro
Haushalt
0 22,1% 91,3% 6,0%
1 51,4% 6,5% 15,7%
2 22,7% 1,8% 28,9%
3 3,0% 0,3% 17,6%
>3 0,7% 0,1% 31,8%
Mittelwert-MS 1,1 0,1 2,8
Mittelwert NRW 1,1 0,2 1,7
Im Vergleich zu Durchschnittswerten für Nordrhein-Westfalen ist sowohl die Anzahl Autos als
auch di e Anzahl Motorräder pro Haushalt auf gleichem Niveau. Deutlich höher ist der
Besitzstand von Fahrrädern in Münsteraner Haushalten. Im nordrhein -westfälischen
Durchschnitt besitzt ein Haushalt 1,7 Fahrräder (Quelle: Mobilität in Deutschland 2017).
Immer mehr Haushalte in Münster nutzen elektrisch betriebene Fahrzeuge, sei es ein E-Bike,
Lastenrad oder ein E -Auto. Das Elektroauto findet sich häufig als zweites Fahrzeug im
Haushalt. Der Anteil der Elektrofahrzeuge insgesamt liegt bei 1%, in Haushalten mit mehr als
zwei Autos bei 6%.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 3
Aachen
Elektrofahrräder und Lastenräder sind in deutlich größerer Anzahl in den Haushalten
vorhanden. Über 20 % aller Fahrräder in den Münsteraner Haushalten sind elektrisch
betrieben. 18 % sind E-Bikes und knapp 2 % stellen die Lastenräder. Bundesweit liegt dieser
Wert mit 12% im Jahr 2019 deutlich niedriger (Quelle: DESTATIS). Im Vergleich zur Befragung
aus dem Jahr 2013 hat sich der Bestand an E -Bikes mehr als vervierfacht. 2013 besaßen im
Mittel 4,8% der Haushalte ein E-Bike.
92,9
81,7 78,1
69,7 67,8
79,8
6,7
17,4 20,6
28,1
24,8
18,1
0,7 0,9 1,9
6,9
1,8
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
1 Fahrrad /
Haushalt
(N=660)*
2 Fahrräder /
Haushalt
(N=1.216)*
3 Fahrräder /
Haushalt
(N=739)*
4 Fahrräder /
Haushalt
(N=700)*
>4 Fahrräder /
Haushalt
(N=637)*
Gesamt
(N=4.205)*
Besitz E-Bikes, Lastenräder, E-Scooter
nach Anzahl Fahrräder im Haushalt
E-Scooter
Lastenräder
E-Bikes
Fahrräder
* Haushalte
Abbildung 1: Besitz E-Bikes, Lastenräder, E-Scooter nach Anzahl der Fahrräder im Haushalt
31,5 % aller befragten Personen besitzen eine ÖPNV Zeitkarte. Es sind vor allem
Studierende, Auszubildende, Schüler(innen) und Rentner(innen), die eine solche
Karte besitzen.
Die Erreichbarkeit des ÖPNV in fußläufiger Entfernung ist ein wichtiges Kriterium für die
Nutzung des ÖPNV. Die zum Wohnort nächstgelegene Bushaltestelle ist innerhalb 4 min zu
erreichen. Dieser Wert unterscheidet sich im Stadtgebiet etwas: 3 min in der Innenstadt, bis zu
5 min in Münster-Hiltrup und -Südost.
Der Weg zum nächstgelegenen Bahnhof dauert aufgrund der deutlich geringeren Anzahl
Bahnhöfe im Stadtgebiet mit 18 min deutlich länger (14 min in der Innenstadt, 24 min in
Münster-Südost).
Nicht alle Befragten kennen den nächstgelegenen Standort einer Car-Sharing-
Station. Die Entfernung wird mit durchschnittlich 9 min angegeben. In der
Betrachtung nach den Stadtteilen zeigt sich die Konzentration der Stationen auf
die Innenstadt, wo innerha lb 6-7 Minuten die Car -Sharing-Station erreicht wird, während für
die entfernt vom Stadtzentrum gelegenen Stadtteile 10-14 Minuten erhoben wurden.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 4
Aachen
24 %
21 %
12 %
20%
4%
42%
7%
15%
10%
17%
20%
6%
3%
13%
48%
96%
96%
21%
92%
97%
87%
15%
16%
100% 80% 60% 40% 20% 0% 20% 40% 60% 80% 100%
Car-Sharing
Kraftrad
Pkw
E-Scooter
Lastenrad
E-Bike
Fahrrad
Bus&Bahn
Nutzungshäufigkeit der Verkehrsmittel
Abbildung 2: Nutzungshäufigkeit der Verkehrsmittel
Von allen Verkehrsmitteln nutzen die Bürgerinnen und Bürger in Münster das Fahrrad am
häufigsten. Zwei Drittel der Befragten geben an, täglich bzw. mehrmals je Woche das Rad zu
nutzen. Für den Pkw geben dies weniger als die Hälfte der Befragten an. Es sind also mehr
Personen in Münster täglich bzw. mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad unterwegs als dem
Pkw. Dies wird sowohl im bundesweiten Vergleich als auch in zahlreichen vergleichbaren
Studien genau anders herum erhoben.
Den ÖPNV nutzen knapp 20% der Befragten täglich bzw. mehrmals in der Woche. E -Bikes
werden von 20% der 65 -80-Jährigen und 13% der 50 -64-Jährigen täglich bzw. mehrmals je
Woche genutzt. In den übrigen Altersgruppen werden Elektroräder kaum genutzt. Die übrigen
Verkehrsangebote werden in deutlich geringerem Umfang im werktäglichen Verkehr genutzt,
Lastenrad, Motorrad und Car-Sharing fast nie.
4. Mobilität: Außer-Haus-Anteil und Wegeanzahl
In Münster waren 10,9% der Befragten am Stichtag nicht außer Haus. Dieser Wert liegt etwas
unter dem Wert der Studie „Mobilität in Deutschland“ (MID) für NRW (13,0%) aus 2017.
Die Wegehäufigkeit aller Einwohner von Münster liegt bei 3,0 Wegen pro Person und Tag.
Betrachtet man nur die mobilen Personen, beträgt die Wegehäufigkeit 3,4 Wegen pro Person
und Tag. Mit der letzten Befragung aus dem Jahr 2013 wurde e ine Mobilität von 3,4 Wegen
pro Person und Tag bzw. 4,0 Wege pro mobiler Person und Tag erhoben. Die Wegehäufigkeit
ist somit in den letzten Jahren zurückgegangen.
Auch im deutschlandweiten Trend wurde eine Reduktion der täglichen Wegehäufigkeit
feststellt. Mit der aktuellen Erhebung „Mobilität in Deutschland“ aus 2017 wurde für NRW eine
Wegehäufigkeit für alle Personen von 3,1 Wegen /Tag ermittelt. Die vorangegangene
Erhebung 2008 hatte 3,5 Wege pro Tag erhoben.
Teilzeitbeschäftigte Frauen sind mit 3,7 Wegen am Tag mit Abstand die mobilste
Personengruppe. Auch Studierende und Hausfrauen unternehmen überdurchschnittlich viele
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 5
Aachen
Wege. Die geringste Wegehäufigkeit haben Kinder, die noch nicht eingeschult sind (2,2). Unter
dem Gesamtdurchschnitt liegen zudem Rentner(innen). Frauen sind insgesamt etwas häufiger
am Tag unterwegs als Männer.
3,1
3,7
2,8
3,3 3,3
2,8
2,1
3,13,0
3,2
2,8 2,9 3,0
2,3
2,9
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
Vollzeit
erwerbstätig
Teilzeit
erwerbstätig
Schüler(in)
Student(in)
Hausfrau /
Hausmann
Rentner(in) /
Pensionär(in)
Kindergartenkind
Gesamt
Wegehäugfigkeit
nach aktueller Tätigkeit und Geschlecht
Frauen Männer
Abbildung 3: Wegehäufigkeit nach aktueller Tätigkeit und Geschlecht
2,1
2,8
3,0
3,3 3,2 3,1
2,2
3,0
2,7
3,0
3,5 3,5
3,4
3,6
3,0
3,4
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
0-6 7-16 17-29 30-49 50-64 65-80 >80 Münster
Anzahl Wege/Tag
Wegehäufigkeit
nach Altersgruppe
Mobilität (alle Personen) Mobilität (mobile Personen)
Abbildung 4: Wegehäufigkeit nach Altersgruppe
Personen zwischen 30 und 64 Jahre legen die meisten täglichen Wege zurück. Im Mittel ist es
ein Weg mehr am Tag als die Mobilität bei den Jüngsten (bis 6 Jahre) und den Ältesten (über
80 Jahre).
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 6
Aachen
5. Verkehrsmittelwahl
Wie bewegen sich die Bürgerinnen und Bürger an einem normalen Werktag? Welche
Verkehrsmittel werden genutzt? Welche Einflussgrößen auf diese Wahl gibt es ? Diese
zentralen Elemente der Mobilitätsbefragung werden nachfolgend dargestellt.
Im Gesamtverkehr werden in Münster lediglich 34,2% aller Wege im motorisierten
Individualverkehr, also mit dem Auto oder Motorrad, zurückgelegt. 27,6% ihrer Wege legen die
Befragten am Steuer selbst zurück und 6,3% als Mitfahrer im Auto, während der Anteil der
Motorradfahrer weit unter 1% liegt. Die Verkehrsmittel des Umweltverbundes (ÖV, Rad, Fuß)
werden für die verbleibenden 65% der Wege genutzt. Dabei nimmt der Radverkehr den
bedeutendsten Anteil innerhalb des Umweltverbundes mit 43,5% an allen Wegen ein.
Im Binnenverkehr, also auf Wegen innerhalb des Stadtgebietes, reduziert sich der Anteil des
motorisierten Individualverkehr s nochmals auf insgesamt 29,6%. Die Verkehrsmittel des
Umweltverbundes entwickeln sich in dieser Betrachtung unterschiedlich: während der ÖPNV-
Anteil im Vergleich zum Gesamtverkehr leicht sinkt, steigt der Fahrradanteil deutlich und der
Anteil der Wege zu Fuß leicht.
Erwartungsgemäß finden Wege, die über die Stadtgrenzen hinausführen (Quell-Ziel-Verkehr),
häufiger mit dem Auto oder den öffentlichen Verk ehrsmitteln statt. Der ÖPNV wird für Wege
über die Stadtgebietsgrenzen hinaus mit 21,6% deutlich häufiger als im Binnenverkehr genutzt.
Hier sticht insbesondere die Bahn hervor. Die Anteile von Wegen mit dem Fahrrad und zu Fuß
fallen erwartungsgemäß gering aus.
12,7% 11,5%
48,2%
2,6%
43,5%
8,9%
21,6%
10,2%
29,6%
75,6%
34,2%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Binnenverkehr
(N=20.618)*
Quelle-Ziel-Verkehr
(N=3.961)*
Gesamt
(N=24.848)*
Verkehrsmittelwahl (Gruppen)
im Binnen- und Quell-Ziel-Verkehr
Kfz
Bus&Bahn
Fahrrad
zu Fuß
* Wege
Abbildung 5: Verkehrsmittelwahl (Gruppen) nach räumlichen Verkehrsarten
Einen bedeutenden Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl hat der Wohnort der Befragten
innerhalb der Stadt Münster. Die Stadtbezirke Altstadt und Innenstadtring im Zentrum weisen
einen Anteil von 80% für Wege mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes au f. Auch in
Mitte-Süd und Mitte Nordost werden über 70% aller Wege mit dem Umweltverbund realisiert.
In Mitte-Nordost wurde der höchste Radverkehrsanteil vor dem Stadtbezirk Innenstadtring mit
je über 50% aller Wege erhoben. Für die Altstadt wurde der höchste Fußwegeanteil ermittelt.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 7
Aachen
26,9
17,4
9,9 10,6 9,7 11,7 7,7 7,0 9,1 11,5
38,9
50,5
46,2 51,2
34,7 33,8
28,1 28,1 29,1
39,2
7,4 5,4
6,1 4,5
10,5 8,6
10,6 10,1 7,0
7,7
17,3 16,6
23,4 21,4
30,6 31,4 35,9 37,2 37,7
27,6
2,2 3,4 5,3 3,9 7,3 8,1 8,5 9,7 8,5 6,3
5,0 3,6
2,4 2,1
1,9 1,6
1,6 1,9 3,5
2,51,5 2,3
6,1
4,4
4,4 4,5
6,9 5,2 4,7
4,4
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Altstadt
(N=807)*
Innenstadtring
(N=5.645)*
Mitte-Süd
(N=3.025)*
Mitte-Nordost
(N=3.341)*
Münster-West
(N=5.800)*
Münster-Nord
(N=2.788)*
Münster-Ost
(N=2.032)*
Münster-
Südost
(N=2.640)*
Münster-
Hiltrup
(N=3.288)*
Gesamt
(N=29.367)*
Verkehrsmittelwahl
nach Stadtbezirk [in %]
Sonstiges (E-
Scooter, Skater)
motorisiertes
Zweirad
KFZ-Mitfahrer
/Taxi
KFZ-Selbstfahrer
Bahn
Bus
E-Bike
Fahrrad
zu Fuß
* Wege
Abbildung 6: Verkehrsmittelwahl nach Stadtbezirk
Betrachtet man die weiter vom Zentrum entfernt liegenden Stadtbezirke, so werden hier mehr
Wege mit dem Bus und dem Auto realisiert und entsprechend weniger Wege mit dem Fahrrad
oder zu Fuß. Der geringste Radwegeanteil und gleichzeitig höchste Kfz -Anteil wurde in MS -
Südost erhoben. In MS-West und MS-Nord werden anteilsmäßig gleich viele Wege mit dem
Fahrrad unternommen wie mit dem Pkw.
23,6
14,2 8,8 10,7 7,9
15,3 21,0
11,5
28,6 51,2 58,5
35,5
35,0 23,9 12,9
39,2
5,7
3,7 7,0 8,7
8,1
4,4
3,8
17,4 9,4
4,4 5,1 7,9 18,8
7,7
4,5
3,1 2,2
2,5
15,0
39,6 37,3 33,7 24,0
27,634,8
12,0
2,2 2,5 4,4 9,6 14,2
6,32,7
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
0-6
(N=1.194)*
7-16
(N=2.048)*
17-29
(N=6.176)*
30-49
(N=7.606)*
50-64
(N=5.633)*
65-80
(N=3.311)*
>80
(N=1.143)*
Gesamt
(N=27.111)*
Verkehrsmittelwahl
nach Altersgruppen Sonstiges (E-
Scooter,
Skater)
motorisiertes
Zweirad
KFZ-Mitfahrer
/Taxi
KFZ-
Selbstfahrer
Bahn
Bus
E-Bike
Fahrrad
zu Fuß
* Wege
Abbildung 7: Verkehrsmittelwahl nach Altersgruppen
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 8
Aachen
In der Gruppe der unter 17-Jährigen werden die meisten Wege mit den Verkehrsmitteln des
Umweltverbunds zurückgelegt.
Kinder bis 6 Jahre werden meist mit dem A uto mitgenommen. Danach folgen Wege mit dem
Fahrrad und zu Fuß auf den Plätzen zwei und drei. Der ÖPNV spielt eine sehr untergeordnete
Rolle in diesem Alter. Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren realisieren den
allergrößten Teil ihrer Wege zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV – der Spitzenwert über alle
Altersgruppen. Über die Hälfte aller Wege legen sie mit dem Fahrrad zurück.
Mit Erreichen der Volljährigkeit änder n sich die Möglich keiten in der Verkehrsmittelwahl
deutlich. Während in vielen anderen Städten mit dem Führerscheinbesitz die Wichtigkeit der
individuellen motorisierten Verkehrsmittel rapide zu nimmt, ist in der Stadt Münster diese
Tendenz kaum festzustellen. In der Gruppe der 17- bis 29-Jährigen wird das Kfz (inkl .
Mitfahrer und motorisiertes Zweirad) lediglich für 17,5% aller Wege genutzt und hat damit den
geringsten Wert unter allen Vo lljährigen. Ein Grund hierfür kann in der hohen Anzahl an
Studierenden liegen. Der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege ist in dieser
Altersgruppe maximal. Wege zu Fuß und mit dem ÖPNV nehmen eine nachgeordnete Rolle
ein.
Menschen im Alter zwisc hen 30 und 64 Jahre sind die Hochmobilen, mit den meisten
zurückgelegten Wegen am Tag. Hier steigt die Bedeutung des Kfz deutlich bis auf fast 40%
an. Dennoch werden auch in diesem Alter mehr als die Hälfte aller Wege mit dem
Umweltverbund realisiert . Die Bedeutung des ÖPNV ist in diesem Alter minimal. Der
Radverkehrsanteil bleibt recht konstant, ab 50-Jährige nutzen eher das E-Bike.
Mit Eintritt in das potentielle Rentenalter werden immer weniger Wege mit dem Kfz
unternommen und mehr Wege mit dem ÖPNV. Ab er auch Fußwege werden - geprägt durch
den Wandel vom Berufsleben zum Ruhestand - wieder deutlich häufiger . Der Anteil der
Radwege geht hingegen klar zurück, innerhalb des Fahrradanteils legen die E-Bikes nochmals
zu.
Es wurden kaum geschlechtsspezifische Unterschiede der Verkehrsmittelwahl erhoben. In
geringem Maß zeigt sich, dass Frauen etwas häufiger mit Bus&Bahn fahren, zu Fuß gehen
und als Mitfahrerinnen im Auto unterwegs sind als Männer.
Eine aufschlussreiche Betrachtung bietet nachfolgend die Ermittlung der Verkehrsmittelwahl
der Verkehrsleistung. Hierfür wi rd die durchschnittliche Wegean zahl mit der zurückgelegten
mittleren Entfernung des jeweiligen Verkehrsmittels in Verbindung gebracht und dadurch ein
auf die Wegelängen bezogener Modal Split ermittelt.
Tabelle 4: Modal Split der Verkehrsleistung
Verkehrsmittel Anteil an allen Wegen Anteil an zurückgelegten
Gesamtkilometern
Bus&Bahn 10,2% 24,6%
Kfz als Selbstfahrer 27,6% 51,4%
Kfz als Mitfahrer 6,3% 7,3%
Motorrad 0,2% 0,2%
Fahrrad 43,5% 15,1%
Zu Fuß 11,5% 1,3%
Sonstiges 0,6% 0,1%
Der öffentliche Verkehr hat in dieser Betrachtungsweise einen höheren Anteil am
Gesamtverkehr, da insbesondere mit der Bahn weite Strecken zurückgelegt werden. Der
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 9
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Kfz-Verkehr gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Dementsprechend fallen die Werte für Rad- und
Fußverkehr mit den üblicherweise weitaus kürzeren Distanzen deutlich geringer aus.
Im Jahr 1982 wurde in Münster die erste Haushaltsbefragung durchgeführt. In den
nachfolgenden Jahren fanden regelmäßig erneut Untersuchungen zum Mobilitätsverhalten
statt, sodass mittlerweile eine Zeitreihe über die vergangenen fast 40Jahre entstanden ist.
Die Erhebungsmethoden sind im Laufe der Zeit wieder und wieder verändert worden, sodass
ein direkter Vergleich nur bedingt möglich ist.
11,5%
21,7% 15,7% 13,4%
21,5% 21,2% 25,0%
43,5%
39,1%
37,6%
35,2%
31,7% 33,9% 29,2%
10,2%
10,2%
10,4%
10,9%
9,5% 6,6% 6,6%
34,2%
29,0%
36,4% 40,5% 37,3% 38,3% 39,2%
0,6%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2019 2013 2007 2001 1994 1990 1982
Verkehrsmittelwahl
Zeitreihe
Sonstiges
Kfz
Bus&Bahn
Fahrrad
zu Fuß
Abbildung 8: Verkehrsmittelwahl seit 1982
Es wird deutlich , dass der Kfz -Anteil an allen Wegen in Münster schon seit Beginn der
Erhebungen relativ gering war und bis heute gebli eben ist. Der Anteil Wege, die mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln realisiert werden, liegt seit fast 20 Jahren auf einem konstanten
Niveau von ca. 10 %. Mit nahezu durchgängiger Kontinuität steigt der Anteil der mit dem Rad
zurückgelegten Wege seit 1982 auf einen neuen Höchstwert im Jahr 2019.
Der Anteil zu Fuß zurückgelegter Wege schwankt im Laufe der Jahre sehr. Dies ist nicht
vollständig auf das sich verändernde Mobilitätsverhalten zurück zu führen , sondern auch auf
die Erhebungsmethodik. Offenbar wer den bei persönlichen Gesprächen in der Erhebung
(1982, 1990, 1994, 2013) Fußwege besser abgebildet als in vorwiegend schriftlichen
Erhebungen (2001, 2007, 2019) . Allerdings ist auch im bundesweiten Trend (MID 2017)
festgestellt worden, dass die Menschen weniger Wege zu Fuß gehen.1
Zur besseren Einordnung der aktuellen Ergebnisse zur Verkehrsmittelwahl in Münster ist der
Vergleich mit anderen Städten hilfreich. Hierfür wurden Städte ausgewählt, die ebenfalls stark
von einer großen Anzahl Studierender geprägt sind, und für die in der jüngeren Vergangenheit
eine Mobilitätsbefragung aktuelles Zahlenmaterial erhoben wurde.
1 Mobilität in Deutschland – MiD; Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr; Bundesministerium für Verkehr und digitale
Infrastruktur; Mai 2019; Seite 63.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 10
Aachen
10,2%
21,8%
14,0% 16,0% 17,0% 12,0% 10,0%
43,5% 20,7%
18,0%
34,0%
25,0%
14,0%
11,0%
11,5%
18,4%
17,0%
29,0%
24,0%
24,0%
22,0%
34,2% 39,2%
51,0%
21,0%
34,0%
50,0%
57,0%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Münster
2019
Mainz
2019
Bielefeld
2017
Freiburg
2016
Karlsruhe
2012
MID
Großstadt
2017
MID
Deutschland
2017
Verkehrsmittelwahl
im Städtevergleich
Sonstiges
Kfz
zu Fuß
Fahrrad
Bus&Bahn
Abbildung 9: Verkehrsmittelwahl im Städtevergleich
Bezogen auf den Fahrradanteil liegt Münster weiterhin deutlich an erster Stelle. Die
Universitätsstädte Freiburg, Karlsruhe und Mainz weisen ebenfalls einen überdurchschnittlich
hohen Radverkehrsanteil auf.
In Bezug auf den Fußgängeranteil wurde in Münster mit 11,5% ein minimaler Wert im
Vergleich zu den anderen Erhebungen ermittelt. Wie bereits beschrieben ist hier n eben der
auch in der deutschlandweiten Erhebung MiD festgestellte Rückgang von Wegen zu Fuß auch
ein methodischer Einfluss auf dieses Ergebnis zu sehen.
Der ÖV-Anteil mit 10,2% ist im Vergleich zu den anderen Städten am niedrigsten. Im Vergleich
mit den Ergebnissen der MiD für Großstädte ist der Wert in Münster leicht
unterdurchschnittlich.
Fasst man die drei Verkehrsmittel des Umweltverbundes zusammen, so liegt der Anteil in
Münster mit 65% sehr hoch. Nur Freiburg weist mit 79% einen höheren Wert auf.
Dementsprechend zeigt sich ein umgekehrtes Bild beim MIV-Anteil: hier liegt der Wert für
Münster im Städtevergleich sehr niedrig (34,2%) und wird nur in Freiburg untertroffen, wo nur
jeder fünfte Weg mit dem Auto zurückgelegt wird.
Im Vergleich mit der überregionalen Studie MiD zeigt sich, dass in Münster ein deutlich
größerer Anteil aller Wege mit Verkehrsmitteln des Umweltverbundes durchgeführt wird. Dabei
sticht insbesondere das Fahrrad hervor. Der Fußwegeanteil ist in Münster deutlich geringer
erhoben worden, während der ÖPNV-Anteil auf einem vergleichbaren Niveau mit Großstädten
liegt.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 11
Aachen
6. Zeitliche Aspekte
76 min
31 min
26 min
19 min 19 min 18 min 15 min 13 min 13 min
21 min
Bahn
(N= 682)*
Bus
(N= 2.085)*
KFZ-Selbstfahrer
(N= 7.476)*
KFZ-Mitfahrer
/Taxi
(N= 1.718)*
motorisiertes
Zweirad
(N= 67)*
E-Bike
(N= 1.189)*
Fahrrad
(N= 10.615)*
zu Fuß
(N= 3.121)*
Sonstiges (E-
Scooter, Skater)
(N= 158)*
Gesamt
(N= 27.111)*
Dauer pro Weg
nach Verkehrsmittel
*Wege
Abbildung 10: Mittlere Wegedauer nach Verkehrsmittel
Ein Weg dauert im Durchschnitt 21 min. Wege von Frauen dauern mit 19 min etwas weniger
lange als die von Männern mit 23 min, wobei Männer insbesondere mit der Bahn und im Kfz
als Selbstfahrer länger unterwegs sind. Die am längsten dauernden Wege werden mit der Bahn
zurückgelegt. Wege zu Fuß und mit dem konventionellen Rad dauern am kürzesten.
11 min
15 min
21 min 20 min
27 min
23 min
15 min
21 min
0 min
5 min
10 min
15 min
20 min
25 min
30 min
0-6 7-16 17-29 30-49 50-64 65-80 >80 Gesamt
Mittlere Dauer pro Weg
nach Altersgruppen
Abbildung 11: Wegedauer nach Altersgruppen
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 12
Aachen
Personen zwischen 50 und 64 Jahren sind in Münster nicht nur häufig unterwegs, sondern sie
legen auch die längsten Wege zurück. Die Gruppen der unter 17 -Jährigen und der über 80 -
Jährigen legen deutlich kürzere Wege zurück . Dies deutet darauf hin, dass die meisten
Aktivitäten in diesen Altersgruppen (Schule/Freizeit bzw. Einkaufen/priv. Erledigungen) in der
näheren Umgebung liegen.
26 min
38 min
14 min
25 min
19 min
14 min
23 min
17 min 17 min
13 min
21 min
0 min
5 min
10 min
15 min
20 min
25 min
30 min
35 min
40 min
45 min
zur Arbeit
(N=4.142)*
geschäftlich
unterwegs
(N=643)*
Schule/ Kinder-
tagesstätte
(N=1.573)*
Berufs-
ausbildung
(N=116)*
Universität /
Fachhochschule
(N=1.166)*
Einkauf
(N=2.240)*
Besuch (priv.
Erledigungen)
(N=1.099)*
Besorgungen
(Arzt, Bank)
(N=1.236)*
Freizeit
(N=2.601)*
Bringen /Holen
(N=701)*
Gesamt
(N=27.111)*
Durchschnittliche Wegedauer
je Reisezweck
* Wege
Abbildung 12: Durchschnittliche Wegedauer je Reisezweck
Bei der Vert eilung der mittleren Reisezeiten bzw. durchschnittlichen Wegedauern nach
Reisezwecken haben Wege zur Arbeit und geschäftliche Wege den jeweils höchsten
Zeitbedarf. Für diese Wege benötigen die Befragten im Durchschnitt 26 min (zur Arbeit) bzw.
38 min (geschäftlich unterwegs).
Die nachfolgende Grafik der tageszeitlichen Verteilung des Verkeh rs verdeutlicht, dass
insbesondere der öffentliche Verkehr s tark ausgeprägte , kurzzeitige Spitzenbelastungen
aufgrund des gleichzeitigen Auftretens von Schul - und Berufsverkehren zu bewältigen hat.
Fußwege werden zu verschiedenen Zwecken und über den gesam ten Tag verteilt
unternommen und weisen mehrere Spitzen im Tagesverlauf aus.
Wenn mittags ab 13 Uhr der Schulunterricht endet, erreichen die von Schülern bevorzugten
Verkehrsmittel des ÖV und das Rad wieder höhere Pegel. Zur Feierabendzeit steigen die
Anteile aller Verkehrsmittel ab etwa 15 Uhr wieder deutlich an und erreichen in der Zeit
zwischen 15 und 18 Uhr nochmals Höchstwerte.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 13
Aachen
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
Kfz 0 0 0 0 0 1 4 11 7 4 5 5 5 6 7 8 9 10 8 4 2 2 2 0
Bus&Bahn 0 0 0 0 0 1 6 15 5 5 5 5 5 7 6 10 10 8 6 3 2 1 1 1
Fahrrad 0 0 0 0 0 0 2 11 8 5 5 4 5 6 7 8 10 9 8 5 3 2 2 1
zu Fuß 0 0 0 0 0 0 1 8 6 5 7 6 9 8 7 10 10 8 7 4 2 2 1 0
0
2
4
6
8
10
12
14
16
Anteil am Tagesverkehr [in %]
Tageszeitliche Verteilung des Verkehrs
nach Verkehrsmitteln [in %]
Uhrzeit
Abbildung 13: Tagespegel nach Verkehrsmittel
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
00:00
01:00
02:00
03:00
04:00
05:00
06:00
07:00
08:00
09:00
10:00
11:00
12:00
13:00
14:00
15:00
16:00
17:00
18:00
19:00
20:00
21:00
22:00
23:00
Uhrzeit
Tageszeitliche Verteilung je Aktivität
Bringen /Holen
Freizeit
Besorgungen
(Arzt, Bank)
Besuch (priv.
Erledigungen)
Einkauf
Universität /
Fachhochschule
Berufsausbildung
Schule/
Kindertagesstätte
geschäftlich
unterwegs
zur Arbeit
nach Hause
Verkehr
31% der Befragten
sind zu Hause
37% der Befragten
sind auf der Arbeit
29% der Befragten
sind bei der
Ausbildung
Bezugsgröße: Personen
Abbildung 14: Tageszeitliche Verteilung je Reisezweck
Die bestimmende „Aktivität“ über den gesamten Tag ist das Wohnen. Mehr als zwei Drittel des
Tages werden hierfür verwendet. Die meisten Aktivitäten außer Haus werden in der Zeit von
10:30 bis 11:00 Uhr durchgeführt. Hier sind nur etwa 31% der befragten Personen zu Hause,
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 14
Aachen
während sich zu dieser Zeit 37% auf der Arbeit und 29% in der Schule, der Ausbildung, an
der Universität oder FH befinden. Die meisten Schülerinnen, Schüler und Kindergartenkinder
sind 9 Uhr an der Schule oder im Kindergarten, bei Studierenden sind die meisten 11 Uhr an
der Universität / der FH und die meisten Personen in einer Berufsausbildung sind ab 12Uhr
vor Ort.
Im Tagesverlauf schwankt die Verkehrsaktivität der Befragten zwischen minimal 5,2% und
maximal 19,8%. Die Verteilung über den Tag entspricht den klassischen Stoßzeiten des
Berufsverkehrs.
7. Entfernungen
Die mittlere Distanz aller Wege und Fahrten liegt in Münster bei 9,1 km. Im Vergleich zum Jahr
2013 (8 km) legen die Münsteraner etwas längere Wege zurück.
Die mit Abstand längsten Wege werden mit der Bahn zurückgelegt, gefolgt von Wegen mit
dem Auto. Der Bus wird für Wege genutzt, die im Durchschnitt 7,5 km lang sind. Wege mit dem
E-Bike sind im Durchschnitt einen Kilometer länger als die mit einem herkömmlichen Fahrrad.
Wie bereits die Wegedauer im Vergleich nach Geschlecht gezeigt hat, legen Männer auch die
weiteren Distanzen zurück. Wege von Männern sind im Mittel 11,4 km lang, die von Frauen
7,1 km. Der größte Unterschied zeigt sich bei Fahrten mit der Bahn (Männer: 71,1 km, Frauen:
59,4 km) und als Kfz-Selbstfahrer (Männer: 21,4 km, Frauen: 12,4 km).
7,5
16,9
10,5
5,8 4,1 3,1
1,1 1,7
9,1
Bahn
(N = 682)*
Bus
(N = 2.085)*
KFZ-Selbstfahrer
(N = 7.476)*
KFZ-Mitfahrer /Taxi
(N = 1.718)*
Motorrad
(N = 67)*
E-Bike
(N = 1.189)*
Rad
(N = 10.615)*
Fuß
(N = 3.121)*
Sonstiges (E-
Scooter, Skater)
(N = 158)*
Gesamt
(N = 27.111)*
[km]
Mittlere Entfernungen/Tag
nach Verkehrsmittel
* Wege
65,7
Abbildung 15: Mittlere Entfernungen nach Verkehrsmittel
Die Personengruppe der Hochmobilen (30 – 64 Jahre) legt Wege mit deutlich weiteren
Entfernungen zurück als alle anderen Personen. Dieser Un terschied ist auf die
unterschiedliche räumliche Entfernung zwischen Wohnort und dem jeweils in einer
Altersgruppe maßgeblichen Tätigkeitsort zurückzuführen: Schulen sind meist wohnungsnäher
als Arbeitsplätze. Vor allem im hohen Alter sind viele Menschen a uf Einkauf s- und
Versorgungsmöglichkeiten angewiesen, die fußläufig erreichbar sind (>80 Jahre: 3,8 km).
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 15
Aachen
2,1
3,6
8,5
10,5
13,4
8,4
3,8
9,2
0
2
4
6
8
10
12
14
16
0-6 7-16 17-29 30-49 50-64 65-80 >80 Gesamt
[km]
Entfernung je Weg
nach Altersgruppe
Abbildung 16: Entfernung je Weg nach Altersgruppe
51%
16%
7% 3%
40%
64%
63%
60%
52%
40% 36%
27% 23% 17% 12%
3%
7%
9%
12%
15% 17%
17%
20%
21%
18%
24%
7%
17% 22% 28% 34%
44% 46%
55% 57% 62%
70% 75%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
0 - 1
km
1 - 2
km
2 - 3
km
3 - 4
km
4 - 5
km
5 - 6
km
6 - 7
km
7 - 8
km
8 - 9
km
9 - 10
km
10 - 20
km*
> 20
km*
Häufigkeit
Entfernungen
Verkehrsmittel
nach Entfernungsklasse
Kfz
Bus&Bahn
Fahrrad/E-
Bike
Fuß
Abbildung 17: Verkehrsmittel nach Entfernungsklasse
Die obige Abbildung zeigt die Anteilswerte der Verkehrsmittel in den jeweiligen
Entfernungsklassen. Es zeigt sich:
Der Fußverkehr hat seinen Höchstwert beim ersten Kilometer. Bereits Entfernungen von
1 bis 2 km werden ebenso oft mit dem Auto wie zu Fuß zurückgelegt.
Der Radverkehr hat seinen Höchstwert zwischen 1-2 km. Die Bedeutung des Radverkehrs
nimmt in den höheren Entfernungsklassen nur langsam ab.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 16
Aachen
Die Bedeutung von Bus&Bahn wächst ab einem mittleren Entfernungsbereich von 4 km.
Wege ab 9 km Länge werden häufiger mit dem ÖPNV realisiert als mit dem Rad.
Das Kfz wird auf kurzen Strecken bis 7 km Länge wenig genutzt. Erst mit deutlich
zunehmenden Entfernungen steigen die Anteile des Kfz an.
8. Geschwindigkeiten
Die Geschwindigkeit eines Weges über alle Verkehrsmittel liegt bei durchschnittlich 20 km/h.
Damit liegt Münster unter der für deutsche Großstädte ermittelten Durchschnitts -
geschwindigkeit von 24,8 km/h.2 Dies erklärt sich durch den überproportional hohen
Radverkehrsanteil gegenüber anderen deutschen Großstädten
Die höchsten Geschwindigkeiten können erwartungsgemäß Bahn (Nah + Fern) und Kfz
realisieren.
54
14
38
31
20
14 12
5 7
20
0
10
20
30
40
50
60
Bahn
(N=682)*
Bus
(N=2.085)*
KFZ-Selbstfahrer
(N=7.476)*
KFZ-Mitfahrer /Taxi
(N=1.718)*
motorisiertes
Zweirad
(N=67)*
E-Bike
(N=1.189)*
Fahrrad
(N=10.615)*
zu Fuß
(N=3.121)*
Sonstiges (E-
Scooter, Skater)
(N=158)*
Gesamt
(N=27.111)*
[km/h]
Mittlere Geschwindigkeit
je Verkehrsmittel
* Wege
Abbildung 18: Mittlere Geschwindigkeit je Verkehrsmittel
9. Räumliche Ziele
90% der werktäglichen Wege werden innerhalb des Stadtgebiets unternommen.
In der nachfolgenden Grafik zeigen sich starke Verkehrsverflechtungen innerhalb der Stadt .
Besonders stark ausgeprägt sind diese zwischen den Stadtbezirken Gievenbeck/Sentrup und
den Innenstadtbezirken (Altstadt, City -Ring). Die Verkehrsverflechtungen der peripher
gelegenen Stadtbezirke wie z.B. MS-Ost, MS-Hiltrup sind sehr stark auf den Innenstadtbereich
konzentriert.
2 Quelle: MiD 2017, nach regionalstatistischem Gemeindetyp
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 17
Aachen
Im Quell-Ziel Verkehr sind die Verflechtungen vor allem mit den direkt an die Stadt Münster
angrenzenden Kommunen und Kreisen zu beobachten. Darüber hinaus bestehen bedeutende
Verflechtungen nach Dortmund und Osnabrück.
Abbildung 19: Verkehrsverflechtungen Gesamtverkehr zwischen den Stadtbezirken (Relationen >
800 Wege)
Die Verkehrsverflechtungen in den Westen der Stadt wurden aufgrund der Lage der Universität
in den Stadtteilen Gievenbeck/Sentrup differenziert ausgewertet.
Kreis Steinfurt
Kreis Warendorf
Kreis Coesfeld
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 18
Aachen
Tabelle 5: Verkehrsbeziehungen innerhalb der Stadt Münster (hochgerechnete Werte)
Altstadt
City-Ring
Mitte-Süd
Mitte-Nordost
Gievenbeck/Sentrup
Mecklenbeck
Albachten
Roxel
Nienberge
Münster-Nord
Münster-Ost
Münster-Südost
Münster-Hiltrup
Summe Binnenverkehr
Altstadt 18.740 23.340 6.910 10.300 8.030 2.090 890 1.070 930 4.540 5.480 4.260 4.700 91.280
City-Ring 24.060 44.460 13.100 19.340 17.210 2.980 1.340 1.060 1.690 7.740 8.210 6.190 5.700 153.080
Mitte-Süd 6.470 13.040 26.620 5.160 5.690 4.270 640 890 570 2.500 1.970 2.990 6.810 77.620
Mitte-Nordost 10.300 20.160 5.040 20.200 5.970 1.330 430 680 930 8.090 8.040 4.970 3.690 89.830
Gievenbeck/Sentrup 8.380 17.530 5.360 5.840 36.840 2.180 640 3.130 2.460 4.530 1.960 2.320 1.810 92.980
Mecklenbeck 1.910 2.840 4.340 1.420 2.250 4.200 1.140 1.750 350 550 690 440 1.380 23.260
Albachten 890 1.310 690 430 650 1.070 4.530 690 40 150 280 260 380 11.370
Roxel 1.090 1.150 900 480 3.070 1.890 590 5.410 140 500 530 240 590 16.580
Nienberge 790 1.510 500 790 2.860 410 40 140 5.970 1.460 300 350 430 15.550
Münster-Nord 4.530 7.770 2.430 8.170 4.590 550 140 500 1.470 26.220 2.250 1.220 1.290 61.130
Münster-Ost 5.330 7.750 1.780 8.680 2.000 720 170 440 320 2.410 18.830 2.880 1.720 53.030
Münster-Südost 4.100 6.690 3.060 5.050 2.160 460 330 330 450 1.210 2.620 36.920 5.530 68.910
Münster-Hiltrup 4.640 5.280 6.890 3.780 1.760 1.320 440 470 360 1.280 1.520 6.040 51.630 85.410
Summe Binnenverkehr 91.230 152.830 77.620 89.640 93.080 23.470 11.320 16.560 15.680 61.180 52.680 69.080 85.660 840.030
10. Wegezwecke
zur Arbeit
27%
geschäftlich unterwegs
4%
Schule/
Kindertagesstätte
10%
Berufsausbildung
1%
Universität /
Fachhochschule
8%
Einkauf
14%
Besuch (priv. Erledigungen)
7%
Besorgungen (Arzt,
Bank)
8%
Freizeit
17%
Bringen /Holen
5%
Reisezweckverteilung
N = 15.500 Wege (ohne Wege nach Hause)
Abbildung 20: Reisezweckverteilung
Der dominierende Reisezweck ist „Arbeit“ inklusive „geschäftlich unterwegs“ mit rund 31%
der Verkehrswege , gefolgt von Wegen zur „Ausbildung“ (Schule/Kita, Berufsausbildung,
Universität/FH) mit insgesamt 18% aller Wege. An dritter Stelle finden sich mit einem Anteil
von 17% Wege zu Freizeitaktivitäten.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 19
Aachen
„Bringen/Holen“ beinhaltet alle Servicewege zum Holen und Bringen von Kindern (z.B. zum
Kindergarten, zur Schule) und Erwachsenen (z.B. zum Arzt).
29,4% 24,4%
6,1%
2,5%
10,6%
9,8%
0,8%
0,7%
6,8%
8,2%
13,0%
15,6%
6,1%
7,9%
6,8% 8,9%
17,0% 16,5%
3,3% 5,6%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Männer (N=7.085)* Frauen (N=8.359)*
Reisezweckverteilung
nach Geschlecht
Bringen /Holen
Freizeit
Besorgungen (Arzt,
Bank)
Besuch (priv.
Erledigungen)
Einkauf
Universität /
Fachhochschule
Berufsausbildung
Schule/
Kindertagesstätte
geschäftlich
unterwegs
zur Arbeit
* Wege
Abbildung 21: Reisezweckverteilung nach Geschlecht
In der Differenzierung nach Frauen und Männern ergeben sich die „klassischen“
geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Über ein Drittel aller Wege der Männer sind Wege zur, von oder während der Arbeit ; bei den
Frauen ist es etwas mehr als ein Viertel aller Wege. Auch geschäftliche Reisen sind bei
Männern etwas stärker vertreten als bei Frauen. Genau umgekehrt verhält es sich bei m
Reisezweck „Einkaufen“. Dieser wird von Frauen in 15,6% aller Fälle als Wegezweck
angegeben, von den Männern zu 13,0%. Das Bringen und Holen von Personen nimmt im
Gesamtwegeaufkommen von Männern einen etwas geringen Anteil als bei den Frauen ein.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 20
Aachen
26,7% 22,3% 20,8%
4,1%
2,6% 2,4%
29,5%
25,7%
39,5%
18,4%
16,3%
13,5%
16,8%
26,5%
15,6%
4,5% 6,6% 7,4%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Münster
2019
Münster
2013
Münster
2007
Reisezweckverteilung
- Historie -
Bringen / Holen
Freizeit
Schule / Studium /
Ausbildung
Einkauf / Behörde /
Arzt
geschäftlich /
dienstlich
Arbeiten
Abbildung 22: Reisezweckverteilung - Historie
Verglichen mit der Befragung in der Stadt Münster aus dem Jahr 2013 ergeben sich teils
methodenbedingt Verschiebungen der Anteilswerte. Der größte Unterschied zeigt sich bei
Wegen zu Freizeitzwecken. Die Menge der zu Freizeitzwecken dokumentierten Wege ist
deutlich zurückgegangen. Dies ist sicherlich ebenfalls eine Auswirkung der unterschiedlichen
Befragungsmethodik, die im Jahr 2013 im Rahmen telefonischer Interviews die Rückfragen zu
gegebenenfalls vom Haushalt vergessenen kurzen Fuß- / Freizeitwegen ermöglichte.
Die Aufteilung der Verkehrsmittel nach Reisezwecken zeigt, dass der Anteil des
Umweltverbundes (Bus&Bahn, Fahrrad, Fuß) außer bei geschäftlichen Wegen und Wegen
zum Bringen und Holen stets überwiegt.
Das Fahrrad ist bei allen Reisezwecken sehr stark vertreten und wird besonders für die Wege
zur Universität /FH genutzt. I n der Freizeit, beim Einkauf sowie zur Schule und Ausbildung
wird es in etwa der Hälfte der Fälle genutzt.
Öffentliche Verkehrsmittel werden meist auf Wegen zur Schule / KiTa, Berufsau sbildung und
zur Universität / FH genutzt. Bei Wegen zum Bringen und Holen wird der ÖPNV am wenigsten
genutzt.
Die mit Abstand größte Bedeutung für den Fußverkehr haben Wege zum Einkauf, für
Besorgungen und zur Schule / KiTa. Da Wege zu Fuß im Mittel 1,1 km lang sind, zeigt sich
hier, dass die Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten in Münster im nahen Umfeld
der Befragten erreicht werden können.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 21
Aachen
4% 6%
16%
5% 8%
22%
11%
19% 16% 10% 12%
42%
24%
47%
51%
71% 40%
37%
33%
48%
32%
44%
11%
9%
14%
17%
16%
6%
11%
12%
8%
3%
10%
42%
59%
21% 26%
5%
32% 41% 36%
28%
54%
34%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
zur Arbeit
(N=4.142)*
geschäftlich
unterwegs
(N=643)*
Schule/
Kindertagesstätte
(N=1.573)*
Berufs-
ausbildung
(N=116)*
Universität /
Fachhochschule
(N=1.166)*
Einkauf
(N=2.240)*
Besuch (priv.
Erledigungen)
(N=1.099)*
Besorgungen
(Arzt, Bank)
(N=1.236)*
Freizeit
(N=2.601)*
Bringen /Holen
(N=701)*
Gesamt
(N=15.518)*
Häufigkeit
Reisezweck
Modal Split
nach Reisezweck
Sonstiges
Kfz
Bus&Bahn
Fahrrad
zu Fuß
*Wege
Abbildung 23: Verkehrsmittel nach Reisezweck
Tabelle 6: Reisezweckverteilung der Verkehrsleistung
Reisezweck Anteil an allen Wegen Anteil an zurückgelegten
Gesamtkilometern
zur Arbeit 26,7% 44,1%
geschäftlich unterwegs 4,1% 15,1%
Schule/ Kindertagesstätte 10,1% 4,0%
Berufsausbildung 0,7% 1,0%
Universität / Fachhochschule 7,5% 4,9%
Einkauf 14,4% 6,2%
Besuch (priv. Erledigungen) 7,1% 8,0%
Besorgungen (Arzt, Bank) 8,0% 4,3%
Freizeit 16,8% 9,8%
Bringen /Holen 4,5% 2,5%
In dieser Betrachtung erhöht sich der Anteil der Arbeitswege und insbesondere der geschäftlich
indizierten Wege von ursprünglich 31% (Arbeit und geschäftlich unterwegs) aller Wege auf
59% der gefahrenen Gesamtkilometer. Der Anteil aller weiteren Reisezwecke reduziert si ch
teils deutlich bzw. bleibt konstant. Das bedeutet: auf Wegen zur Arbeit und Geschäftsreisen
werden deutlich größere Distanzen zurückgelegt, während die Ziele bei Einkaufs-, Freizeit-
und Ausbildungswegen näherliegen.
Mobilitätsbefragung – Münster 2019
Ingenieurbüro Helmert 22
Aachen
11. Zusammenfassung
Die Mobilitätsbefragung 2019 wurde sowohl als schriftliche, telefonische und o nline-
Stichprobenbefragung durchgeführt. Es lieg en Wegeprotokolle von 9.024 Personen aus
4.205 Haushalten vor, die wichtige Erkenntnisse zum werktäglichen Verkehrsverhalten liefern.
Mit der Erhebung wurden insgesamt 2,9% der Bevölkerung der Stadt Münster erreicht, sodass
die Untersuchung als statistisch gesichert und repräsentativ anzusehen ist.
An einem normalen Werktag verlassen 89% der Bevölkerung das Haus. Es w erden am Tag
durchschnittlich 3,0 Wege pro Person unternommen. Jeder Weg dauert im Mittel 21 min, dabei
werden 9,1 km zurückgelegt. Pro Tag werden insgesamt etwa 71 min für Ortsveränderungen
aufgewendet.
65% aller Wege der Münsteranerinnen und Münsteraner werden mit den Verkehrsmitteln des
'Umweltverbundes' zurückgelegt. Dabei werden die Verkehrsmittel des öffentlichen Verkehrs
für 10%, das Rad für 44% und „Zu Fuß gehen“ für 12% aller Wege gewählt. Der Vergleich mit
den Mobilitätsbefragungen 200 7 und 2013 zeigt eine Steigerung des Radverkehrsanteils,
einen stabilen Anteil des ÖPNV und Abnahmen in der Anzahl der Wege zu Fuß. Die Abnahme
der Wege, die zu Fuß zurückgelegt werden, ist einerseits auch im deutschlandweiten Tren d
erhoben worden, andererseits in dem erhobenen Umfang auch auf Einflüsse der
Befragungsmethodik 2019 zurückzuführen.
34% aller Wege entfallen auf den Kfz-Verkehr. Wege, die innerhalb des Stadtgebietes sowohl
starten als auch enden (Binnenverkehr) werden nur zu 30% mit dem Kfz zurückgelegt. Auf
kurze Distanzen bis zu 3 km Entfernung entfallen nur 20% der Wege mit dem Kfz. Diese kurzen
Entfernungen werden hauptsächlich mit dem Rad realisiert: 58% aller Radverkehre und 95%
aller Fußwege sind kürzer als 3 km. Der ÖV wird v.a. für längere Wege genutzt. Nur 15% der
ÖV-Wege sind kürzer als 3km.
Hauptreisezwecke sind Wege zur Arbeit (27%), zur Ausbildung ( 18%) sowie zu
Freizeitaktivitäten (17%). 14% aller Wege führen zum Einkauf.
Die verschiedenen Lebensstadien der Befragten beeinflussen deutlich das ind ividuelle
Verkehrsverhalten. So sind etwa in T eilzeit arbeitende Frauen mit 3,7 Wegen/Tag deutlich
häufiger unterwegs als beispielsweise Rentner(innen) mit 2,9 Wegen pro Tag.
Kinder und Jugendliche (7-16 Jahren) unternehmen 18,4% aller Wege mit Bus und Bahn und
51,6% mit dem Rad. Kinder bis 6 Jahre laufen einerseits häufiger, jedoch werden sie auch für
mehr als jeden dritten Weg mit dem Auto mitgenommen. Mit Erreichen der Volljährigkeit bleibt
die Bedeutung des Umweltverbundes erfreulicherweise weiter hoch . Es werden nochmals
mehr Wege mit dem Rad realisiert. Erst im Alter zwischen 30 und 64 Jahren gewinnt das Auto
unverkennbar an Bedeutung. Im Rentenalter steigt der Anteil der Wege zu Fuß wieder an. Bei
den hochbetagten Personen ü ber 80 Jahre nimmt der Kfz -Anteil zugunsten des Ö PNV und
weiterer Fußwege spürbar ab.
Betrachtet man die Ergebnisse der Mobilitätsbefragung im Vergleich zu Mobilitätskennziffern
anderer Städte, so zeigt si ch, dass die Mobilität in Münster mit 3,0 Wegen/Person und Tag
leicht unterdurchschnittlich ist . Hinsichtlich der mobilen Personen, d.h. d er Menschen, die
mindestens einmal pro Tag das Haus verlassen , werden 3,4 Wege/Tag zurückgelegt . Im
Vergleich zu den Vorjahren ist dieser Wert leicht rückläufig.
In den Vergleichsstädten wurde ebenfalls ein hoher Anteilswert für den Um weltverbund
erhoben. In Münster wurde allerdings der höchste Radverkehrsanteil ermittelt. Auch in anderen
Universitätsstädten werden relativ wenige Kfz -Wege unternommen. Hierbei sticht
insbesondere Freiburg hervor: Dort wird nur jeder dritte Weg mit dem Kfz zurückgelegt.
Berichtsvorlage
5789 Zeichen
V/0234/2021 V/0234/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Ergebnisse der Mobilitätsbefragung 2019 zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Bevölkerung in Münster Beratungsfolge 06.05.2021 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Bericht Bericht: Nach 1982, 1990, 1994, 2001, 2007, 2013 wurde in 2019 mit der siebten Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung in Münster die Zeitreihe fortgeschrieben. Mit der aktuellen Befra- gung zum Verkehrsverhalten und zur Verkehrsmittelwahl der Münsteraner wurden die notwendigen verkehrsrelevanten Datengrundlagen für eine nachhaltige Stadt-, Umwelt- und Verkehrsplanung der Stadt Münster auf den aktuellen Stand gebracht. Diese Daten bilden, neben weiteren Erhebungen zum Verkehrsgeschehen, die wesentliche Basis zur Analyse und Darstellung des Münsteraner „Ver- kehrsbildes“ sowie für die Ausarbeitung des zukunftsweisenden Masterplans Mobilität Münster 2035+. Konnte der Umweltverbund in den letzten 6 Jahren weiter ausgebaut werden? Welche Rolle spielen mittlerweile E-Bikes und Pedelecs bei der Bewältigung der täglichen Wege? Wie hoch ist die Pkw- Nutzung im Nahbereich? Wie wirkt sich der demografische Wandel und die zunehmende Digitalisie- rung auf die Mobilität aus? Hatte der Umzug großer Arbeitgeber aus der Innenstadt in die Loddenhei- de / Hessenweg Auswirkungen auf den Modal Split? Hat der Radverkehrsanteil weiter zugelegt? Diese und viele weitere Fragen konnten mit der Mobilitätsbefragung zum werktäglichen Verkehrsver- halten der Bevölkerung in Münster beantwortet werden. Die wesentlichen Ergebnisse sind in einer Kurzfassung zusammengefasst worden und können im Ratsinformationssystem der Stadt Münster unter folgendem Link: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/info.php heruntergela- den werden. Als Kernaussage der Mobilitätserhebung können folgende einzelne Schwerpunkte identifiziert wer- den: Mobilität nimmt ab Noch im Jahr 2007 legte jeder Einwohner der Stadt Münster 3,8 Wege am Tag zurück, im Jahr 2019 sind es noch 3,0. Zum Teil liegt der Rückgang in der Befragungsmethodik begrün- det, aber auch im deutschlandweiten Vergleich (MID) ist eine kontinuierliche Abnahme festzu- Amt für Mobilität und Tiefbau 20.04.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Grimm Telefon: 492-6600 Grimm@stadt-muenster.de - 2 - V/0234/2021 stellen: 2002 legten die Bundesbürger noch 3,5 Wege am Tag zurück, während 2017 noch 3,1 Wege am Tag erhoben wurden. Kontinuierliche Zunahme im Radverkehr Der Radverkehrsanteil am Modal Split ist nochmals angestiegen. Seit der ersten Erhebung 1982 ist demnach eine kontinuierliche Zunahme festzustellen. Die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit bezüglich der Elektromobilität ist auch in Münster klar in den Zahlen erkennbar. Insbesondere Menschen ab 50 Jahre nutzen gern die Unterstützung des Elektromotors auf dem Fahrrad. Fast jeder fünfte Haushalt besitzt derzeit mindestens ein E-Bike, deutlich mehr als im deutschlandweiten Vergleich. Wege die mit dem E-Bike zurückgelegt werden, sind im Durchschnitt 1 km länger als mit einem konventionellen Rad. ÖPNV stabil Der Anteilswert des ÖPNV ist im Rahmen der Mobilitätsbefragungen seit vielen Jahren kon- stant. Hauptsächlich nutzen Schüler, Auszubildende und Studierende, die über entsprechende Dauerkarten verfügen, die öffentlichen Verkehrsmittel. Menschen in den mittleren Jahren hin- gegen fahren kaum Bus und Bahn. Erst im Rentenalter wird der ÖPNV wieder häufiger ge- nutzt. Deutlich andere Mobilität Stadtzentrum – Aussenstadtteile Menschen, die im Stadtzentrum (Altstadt, Innenstadtring, Mitte) leben, nutzen deutlich weniger das Kfz. Zusammengefasst finden nur 23,7 % aller Wege von Menschen aus diesem Stadtbe- zirk im Auto statt. Einwohner der Stadtbezirke West, Nord, Ost und Hiltrup realisieren 42,3 % ihrer Wege mit dem Auto. Dies zeigt sich auch im Besitzstand von Kfz in den Haushalten. Haushalte im Stadtzentrum besitzen im Durchschnitt 1,0 Kfz, Haushalte außerhalb 1,4. Die meisten Wege zu Fuß finden in der Altstadt statt, während die Menschen aus dem Innen- stadtring, Mitte-Süd und Mitte-Nordost über die Hälfte aller ihrer Wege mit dem Fahrrad zu- rücklegen. Vergleich zu anderen Universitätsstädten Das Verkehrsmittelwahlverhalten in Münster, Mainz, Freiburg und Karlsruhe ist gekennzeich- net durch eine große Anzahl Studierende in der Stadt. Allen diesen Städten ist ein sehr gerin- ger Kfz-Anteil von maximal 34 % gemein. Die Verteilung des verbleibenden Verkehrs auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes ist jedoch deutlich verschieden. In Münster werden die meisten Wege im Umweltverbund mit dem Fahrrad zurückgelegt. Zwei Drittel der Wege von Studierenden finden mit dem Rad statt – der höchste Anteilswert in der Differenzierung der Verkehrsmittelwahl nach der aktuellen Tätigkeit der Befragten. In Mainz finden neben zahlrei- chen Wegen mit dem Fahrrad auch zahlreiche Wege mit dem ÖPNV und zu Fuß statt, ebenso in Karlsruhe. In Freiburg kennzeichnet ein besonders hoher Fußwegeanteil den Modal Split. Es wird empfohlen, die Zeitreihe der Haushaltsbefragung, die eine der wesentlichen verkehrsplaneri- schen Datengrundlagen darstellt, auch in Zukunft turnusmäßig fortzuschreiben. So wird bspw. mit der nächsten Haushaltsbefragung (vrstl. im Jahr 2025) u. a. interessant zu erfahren sein, inwieweit die andauernde Pandemielage sowie verbesserte Angebote für den Umweltverbund (z. B. Ausweitung On Demand Verkehr, Ausbau Radverkehrsinfrastruktur, Ausbau Busbeschleunigung) ggf. zu einem veränderten Verkehrsverhalten der Münsteranerinnen und Münsteraner führen werden. - 3 - V/0234/2021 i.V. gez. Robin Denstorff Stadtbaurat Anlage: Anlage A
Anlage A
1622 Zeichen
Anlage A zur V/0234/2021
Kurzüberblick
Ergebnisbericht zur Mobilitätsbefragung 2019 zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Bevölke-
rung in Münster.
Ziele/Teilziele/Zielerreichung
Mit der Mobilitätsbefragung 2019 wurde eine wichtige Datenbasis für die Erstellung des Mas-
terplans Mobilität Münster 2035+ geschaffen. Die Mobilitätserhebung war nach 1982 die sieb-
te Haushaltsbefragung zum Verkehrsverhalten der Bevölkerung in Münster. Mit der aktuellen
Befragung wurde unteranderem festgestellt, der der Radverkehrsanteil auf fast 45 % am Mo-
dal Split angestiegen ist. Somit ist die Stadt Münster Ihrem selbstgesteckten Ziel von 50 %
Radverkehrsanteil am Modal Split einen großen Schritt nähergekommen.
Aber nicht nicht nur in diesem Bereich hat sich das Verkehrsverhalten der münsteraner Be-
völkerung geändert. Insgesamt werden von jedem Einzelnen deutlich weniger Wege unter-
nommen. Ein bundesweiter Trend, der auch auf Münster zutrifft. Eine logische Konsequenz
zunehmender Digitalisierung (Home-Office, Online-Shopping, ….).
Finanzierung
Produktgruppe: Nr. der PG Bezeichnung der PG
Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein X
Auswirkungen auf den Finanzplan Ja Nein X
Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein X teilw.
Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein X teilw.
Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein
Bereits veranschlagt? Ja Nein X
Pflichtigkeitsgrad
Die Maßnahme/Leistung ist vollständig
pflichtig
überwiegend
pflichtig
überwiegend
freiwillig
X vollständig
freiwillig
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (3)
- Wilhelmstraße 89
- Hessenweg
- Albersloher Weg 33
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0234/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 31.03.2021
- Erstellt
- 16.03.2021 11:13