V/0738/2013
25 Jahre Beratung zu Aids und sexueller Gesundheit
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Berichtsvorlage
22179 Zeichen
V/0738/2013
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Gesundheit, Veterinär- und
Lebensmittelangelegenheiten
Betrifft
25 Jahre Beratung zu Aids und sexueller Gesundheit
Beratungsfolge
16.10.2013 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht
Bericht:
Einleitung
1982 wurden in Deutschland und 2 Jahre später dann auch in Münster die ersten Erkrankungen
aufgrund einer HIV-Infektion gemeldet. Über den Verlauf der Krankheit und die Übertragungswe-
ge war damals noch wenig bekannt. Verschiedenste Stellen entwickelten beängstigende Szena-
rien zum weiteren Fortschreiten der Pandemie. Bei den Betroffenen, überwiegend schwule Män-
ner, aber auch in der Allgemeinbevölkerung zeigte sich ein besonderer Aufklärungs-, Beratungs-
und Betreuungsbedarf.
1986 startete die AidsHilfe Münster e.V. als eine der ersten im Land und mit kommunaler Förde-
rung die Arbeit in einer eigenen Beratungsstelle. Im Gesundheitsamt waren alle Ärztinnen und
Ärzte Ansprechpartner für Fragen zu HIV; die sozialmedizinische Beratungsaufgabe nahmen die
Mitarbeiterinnen der Geschlechtskrankenfürsorge (GK) wahr.
1988 wurde infolge einer Sachverständigenanhörung zur AIDS-Problematik in Münster eine ei-
genständige AIDS-Beratungsstelle mit einer Ärztin (1 Stelle gefördert durch Bundesmittel,
„Großmodell Gesundheitsämter“) und einer Sozialpädagogin (1 Stelle) im Gesundheitsamt einge-
richtet. Die Beratungsstellen der AidsHilfe Münster e.V. und des Gesundheitsamtes haben inzwi-
schen eine hohe Akzeptanz in der Allgemeinbevölkerung und bei Betroffenen erlangt.
Epidemiologische Ausgangslage:
Die HIV/AIDS-Pandemie hat sich seit Beginn der 80er Jahre weltweit ausgebreitet.
Nach Angaben von UNAIDS aus dem Jahr 2012 lebten 2011 weltweit 34 Millionen
Menschen mit HIV, etwa 2,5 Millionen hatten sich neu angesteckt und 1,7 Millionen sind an AIDS
verstorben.
Während in den meisten Ländern einschließlich Subsahara Afrika die Neuinfektionsrate zurück-
geht, steigt sie in Osteuropa und Zentralasien weiter an.
In Deutschland ist die Situation aufgrund früh begonnener effektiver Präventionsmaßnahmen
sehr viel günstiger. Dennoch wird vom Robert Koch Institut seit 2003 ein geringer aber stetiger
Vorlagen-Nr.:
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Auskunft erteilt:
Frau Brosda
Ruf:
492-5361
E-Mail:
BrosdaM@stadt-muenster.de
Datum:
01.10.2013
Öffentliche Berichtsvorlage
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Anstieg der Erstmeldungen über bestätigte positive HIV -Antikörpertests gemeldet (2003: 1977;
2012: 2954). Betroffen sind mit >70% Männer mit Mann-Mann-Kontakten.
Gleichzeitig wird eine Zunahme anderer sexuell übertragbarer E rkrankungen (STI) wie Gono r-
rhöe, Syphilis und Chlamydien beobachtet, durch die eine Infektion mit dem HI -Virus begünstigt
wird. Chlamydien sind weltweit verbreitet und sind Verursacher einer der häufigsten sexuell über-
tragbaren Infektionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Entwicklung für gemeldete HIV-Neudiagnosen und Syphi-
lisbefunde in Münster seit 2001.
Gemeldete HIV-Neudiagnosen für Münster im Zeitraum 2001 – 2012:
0
5
10
15
20
25
2001 2003 2005 2007 2009 2011
HIV-Neudiagnosen
Männer
Frauen
Bei den Daten von 2012 muss bedacht werden, dass das Robert Koch Institut seit Anfang 2013
einen Programmierfehler festgestellt hat und seitdem keine Daten für HIV erfasst werden können.
Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen für 2011 und 2012 noch steigen werden.
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
gemeldete Syphiliserkrankungen Münster 2001-2012
männlich
weiblich
Quelle:»Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat,
Datenstand: September 2013
Bei den Syphiliszahlen ist zu berücksichtigen, dass infolge einer Sensibilisierung für die Erkra n-
kung die Zahl der Untersuchungen ansteigt und mehr Infektionen aufgedeckt werden.
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Kumulierte Syphilismeldungen 2001-2012 nach Infektionsrisiko
0
20
40
60
80
100
120
unbekannt
hetero
msm
Mutter Kind
Quelle:»Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat,
Datenstand: September 2013
Erläuterung: msm = Männer, die Sex mit Männern haben
Gesetzliche Grundlagen der AIDS/STI-Beratung
Die Aufgaben der AIDS/STI -Beratung ergeben sich vorrangig aus dem Gesetz für den öffentl i-
chen Gesundheitsdienst des Landes Nordrhein Westfalen und dem Infektionsschutzgese tz. Da-
nach ist die Sicherstellung eines anonymen Beratungs - und Testangebots, sowie die Koordinat i-
on von Prävention, Beratung und Versorgung in Hinblick auf Aids und andere sexuell übertragba-
re Erkrankungen Pflichtaufgabe der unteren Gesundheitsbehörde (ÖG DG §§ 9, 15(2), 23). Nach
Infektionsschutzgesetz (IfSG §§ 19, 20(1) sowie §§ 3, 16, 17(4) ) haben die Gesundheitsämter
Beratung, Untersuchung und gegebenenfalls auch Therapie und spezielle Präventionsangebote
auch aufsuchend anzubieten.
AIDS/STI-Beratung im Gesundheitsamt
Die Inanspruchnahme von Beratungs - und Testangebot der AIDS/STI -Beratung des Gesun d-
heitsamtes bewegt sich seit Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau.
Der größte Teil der Klientinnen und Klienten lebt in Münster und informiert sich vorab im Internet
über das Angebot. Der Anteil von Männern mit Mann -Mann-Kontakten ist in der Zeit von 2011 -
7/2013 von 23,4% auf 27,8% gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist auch ein Anstieg der Besucher
und Besucherinnen mit erkennbarer Migrationsvorgeschichte um ungefähr 3% zu beobachten.
Seit 2010 ist das Untersuchungsangebot um de n HIV-Schnelltest erweitert worden, der beso n-
ders von Menschen, die ein eher niedriges Ansteckungsrisiko haben, nachgefragt wird. Auße r-
dem ist das Angebot für Beruf stätige attraktiv, die dann keinen neuen Termin für die Mitteilung
des Testergebnisses einplanen müssen.
Von Dezember 2012 bis September 2013 hat das Gesundheitsamt an eine r Studie teilgenom-
men, die auf die Verbesserung der Datenlage zu sexuell üb ertragbaren Infektionen abzielte. So-
wohl Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen als auch - in einem zweiten Studienzweig - Klienten und
Klientinnen in der HIV -Testberatung wurde eine anonyme und kostenfreie Untersuchung auf
Chlamydien und Gonorrhoe angeboten. Dadurch ist die steigende Z ahl der Untersuchungen auf
sexuell übertragbare Erkrankungen in den letzten beiden Jahren zu erklären.
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Aids-/STD-Beratung
in Zahlen
2008 2009 2010 2011 2012 2013
bis 31.07.
Beratungsgespräche 1.930 2.312 2.460 1.896 1.555 955
davon persönliche incl.
Ergebnisberatungen
1.222 1.468 1.680 1.435 1.462 803
telefonische
Beratungen1
708 844 780 678 187 152
E-mail-
Beratungen/Anfragen
- 167 432 461 334 178
Kurzanfragen - 961 621 563 1.430 1.038
HIV-Antikörpertests 561 640 791 678 675 379
davon Standard 364 444 339 168
Schnelltest 427 234 336 211
davon Frauen 261 302 353 278 277 148
Männer 300 338 438 386 398 231
positiv 3 3 6 0 1 0
Klienten/Klientinnen mit
erkennbarer Migrations-
vorgeschichte
65
9,6%
156
10,03%
47
12,4%
TPPA-Tests
(Syphilis-Nachweis)
87 82 118 103 188 112
davon Frauen 25 18 19 23 41 25
Männer 62 64 99 80 147 87
positiv 4 3 1 3 2 3
weitere Untersuchungen
Gonorrhoe, Clamydien, Pilze,
körperliche Untersuchungen
55 67 61 55 119 321
Therapien 3 6 9 4 3 8
Weiterleitung an Facharzt-
praxen (Wert ab 2007)
9 14 4 4 7 12
HIV/STI-Prävention – Zusammenspiel verschiedener Akteure
Die AidsHilfe Münster e.V.
Als Selbsthilfegruppe mit aktuell fünf hauptamtlich Beschäftigten und 30 - 70 ehrenamtlich Enga-
gierten ist die Ai dsHilfe Münster e.V. ein wichtiger und verlä sslicher Kooperationspartner. Sie
wird seit ihrer Gründung 1986 von der Sta dt Münster finanziell gefördert. Die finanzielle Zuwen-
1 Seit 2012 werden aufgrund personeller Umstrukturierung telefonische Beratungsgespräche nur
noch von der Ärztin der Beratungsstelle geführt. Dadurch erklärt sich der Rückgang bei der An-
zahl der telefonischen Beratungen und die erhebliche Zunahme der Kurzanfragen, bei denen es
sich überwiegend um Terminvereinbarungen handelt.
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dung der Stadt Münster beträgt z. Z. 172.010,00 Euro, zuzüglich 74.600,00 Euro aus kommunali-
sierten Landesmitteln.
Zielgruppenspezifische Prävention
Die AidsHilfe Münster e.V. versteht sich als
Ansprechpartner für Menschen mit HIV und Aids.
Sie bietet Beratung, Betreuung und Begleitung für Betroffene an
Präventionsangebote für msm (Männer, die Sex mit Männern haben) werden von der Her-
zenslust AG in Form personalkommunikativer Aktionen vor Ort in Szenelokalen, auf Partys
und an Treffpunkten angeboten.
Beratung und Untersuchung in Kooperation mit der Ärztin des Gesundheitsamtes in einem
schwulen Saunabetrieb (2008 bis 2010)
Das Angebot endete 2010, da in dem eher familiären Betrieb die Gäste selten wechselten,
das Angebot des Gesundheitsamtes bald den meisten Gästen bekannt war und in der Fo l-
gezeit auch zu den Beratungszeiten im G esundheitsamt weiter in Anspruch genommen
wurde.
Prävention in Schulen und außerschulischen Einrichtungen
Obwohl Jugendliche in Bezug auf HIV nicht zu einer besonders gefährdeten Gruppe gehören,
sind Informationen und Gesprächsangebote zu dem Thema eingebunden in sexualpädagogische
Konzepte für junge Menschen, auf dem Weg zur Entwicklung einer eigenen sexuellen Identität
wichtig und hilfreich.
Die Präventionsangebote der AidsHilfe Münster e.V. werden häufig für Schülerinnen und Schüler
der Klassen 7-9, aber auch von berufsbildenden Schulen nachgefragt. Weiterhin wird eine große
Zahl von Jugendlichen über Angebote in Einrichtungen der Jugendhilfe erreicht. Darüber hinaus
finden Multiplikatorenfortbildungen für Lehrpersonal, Pflegekräfte und Auszubildende statt.
Etwa ein Drittel der Präventionsveranstaltungen sind Kooperationsprojekte von AidsHilfe Münster
e.V. und anderen sexualpädagogischen Einrichtungen in der Stadt Münster.
Leistungsvereinbarung mit der AidsHilfe Münster e.V
Im Mai 2012 wurden die Aufgaben der Aids Hilfe Münster e.V. in einer Leistungsvereinbarung
zunächst bis 2014 verbindlich festgeschrieben. Darin werden die zielgruppenspezifischen Pr ä-
ventionsmaßnahmen besonders auch im schulischen Bereich an die AidsHilfe Münster e.V. über-
tragen. Auch die Beratungsangebote für die Bevölkerung und die Betreuung von Menschen mit
HIV und Aids und deren Angehörige zählen nach wie vor zum Aufgabenbereich. Als Qualitätssi-
cherungsinstrument wurde bis zum Vorliegen einer Datenerfassung auf Landesebene eine D o-
kumentation vereinbart, die die Arbeit des Vereins wirklichkeitsnäher als bisher abbildet. Ein
wichtiger Aspekt der Leistungsvereinbarung ist die mindestens einmal jährlich stattfindende
Rücksprache mit der AIDS-Koordinatorin des Gesundheitsamtes, um aktuelle Bedarfe im Präven-
tions- und Beratungsbereich rechtzeitig zu erkennen und die Arbeit den aktuellen Erfordernissen
anpassen zu können.
DRK Landesverband Westfalen Lippe
Beim DRK-Landesverband Westfalen Lippe ist eine über kommunalisierte Landesmittel geförder-
te Youthworkerstelle angesiedelt. Vor Jahren wurde dort das „Body & Grips Mobil“ entwickelt : ein
interaktiver Parcours zu verschiedenen Aspekten von Gesundheit, unter anderem auch zu Sex u-
alität, Verhütung und HIV/Aids.
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Schwerpunkt der Arbeit ist landeswe ite sexualpädagogische Prävention in Schulen und Qualif i-
zierung von Multiplikatoren in der Jugendarbeit. Auch an Schulen in Münster wurde das „Body
&Grips Mobil“ erfolgreich eingesetzt.
Angebot für homosexuelle Jugendliche
2011 startete der Jugendtreff „ Track“ als offenes Beratungsangebot für schwule und lesbische
Jugendliche und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Anlaufpunkt auch für Jugendliche
aus der Region. Initiiert wurde das Projekt von unterschiedlichen Trägern, die mit sexualpädag o-
gischen Angeboten aktiv sind. Jugendliche unterschiedlicher sexueller Orientierungen haben
einen geschützten Raum, um andere Jugendliche kennen zu lernen und finden professionelle
Ansprechpartner für ihre Probleme. Es besteht eine gute Kooperation mit der AIDS/S TI-
Beratungsstelle des Gesundheitsamtes.
Prävention für Menschen mit Migrationsvorgeschichte
Prävention für Menschen mit Migrations vorgeschichte besteht in erster Linie darin, einen nie d-
rigschwelligen und angstfreien Zugang zum Gesundheits - und Hilfesystem zu schaffen. Aufs u-
chende Arbeit und Ansprache in der Muttersprache sind dabei effektive Türöffner . Bis 2010 nutz-
te das Gesundheitsamt regelmäßig vorhandene Strukturen wie Sprachkurse und Frauenfrühstück
für Info rmationsvermittlung zu wichtigen Aspekten von Gesundheit und Infektionsschutz. Au f-
grund zune hmender Nachfrage nach Testberatungen und fehlender personeller Ressourcen
musste diese Arbeit vorübergehend aufgegeben werden. Die Teilnahme an der Outreach -Studie
des Robert Koch Instituts bot Gelegenheit, die Arbeit bei einer besonders vulnerablen Zielgruppe
– Sexarbeiterinnen aus Bulgarien und Rumänien – wieder aufzunehmen. (s. auch Bericht zur
Gesundheitlichen Situation von Sexarbeiterinnen in Münster)
Medizinische Versorgung und psychosoziale Betreuung
Die medizinische Betreuung von HIV - und AIDS-Patientinnen und -Patienten findet in Münster
vornehmlich in zwei Schwerpunktpraxen und in der HIV -Ambulanz der Universitätsklinik statt.
Betreut werden 700 - 800 Menschen, davon sind ca. 40% aus Münster.
Die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten hat dazu geführt, dass der direkte Betreuung s-
bedarf bei AIDS-Erkrankten rückläufig ist, der Bedarf an Lebens - und Sozialberatung aber deu t-
lich zugenommen hat. Die AIDS-Hilfe Münster berichtet in ihrem Jahresrück blick 2012 von Kon-
takten zu 200 Personen mit HIV und AIDS, dazu zählen 70 Frauen, die über die Sprechstunde in
der HIV-Ambulanz der Universitätsklinik erreicht werden konnten.
Wenn häusliche Betreuung notwendig ist, wird sie von Pflegediensten und/oder eh renamtlichen
Mitarbeitern der AidsHilfe Münster e.V. geleistet.
Für weiterführende Diagnostik und die effektive Behandlung bei Infektionen mit Syphilis und a n-
deren Erregern besteht ein kleines aber gut funktionierendes Netzwerk mit engagierten niederge-
lassenen Fachärzten und Fachärztinnen.
Personelle Veränderung und Aufgabenzuschnitte
Im Zuge verschiedener Umstrukturierungsma ßnahmen wurden 2006 die Aids -Beratung und die
frühere Geschlechtskrankenberatung zur Beratungsstelle für Aids und andere sexuelle Erkran-
kungen (AIDS/STI-Beratung) zusammengelegt. Seit 2011 werden die Aufgaben der AIDS/STI –
Beratungsstelle mit ½ Arztstelle unterstützt durch 1 Mitarbeiterin (0,25 Stelle) für Terminvereinba-
rung via Telefon und E -Mail und Dokumentationsaufgaben und 1 Mit arbeiterin (0,25 Stelle) für
Testberatung und Desinfektion von Untersuchungsinstrumenten bewältigt.
Die AIDS/STI-Beratungsstelle ist der Abteilung Infektionsschutz zugeordnet.
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Perspektive
Ziel der Arbeit ist, entsprechend den Ausführungen des Landeskonzepts, v. a. die HIV- Neuinfek-
tionen weiter zu minimieren.
Neben der Kooperation der Akteure vor Ort ist dazu auch eine Absicherun g der beste-
henden Angebote seitens des Landes NRW unbedingt notwendig.
Eine große Herausforderung an die Prävention in Münste r besteht darin, geeignete A n-
sprache für schwer erreichbare Zielgruppen zu finden. Dazu zählen insbesondere Me n-
schen, die sexuelle Kontakte über Internetplattformen herstellen und für Präventionsa n-
gebote unsichtbar bleiben.
Stärker als bisher müssen zukünf tig die Aspekte Infektionsschutz und sexuelle Gesun d-
heit miteinander verknüpft und kommuniziert werden. Dies gilt besonders für die Prävent i-
on bei Sexarbeiterinnen und Zuwanderern. Bestehende Netzwerke gilt es auszubauen
und die Kommunikation durch Sprach- und Kulturmittler zu sichern.
In Schulen ist ein kontinuierliches und altersangemessenes Angebot zu etablieren, das
ergänzend zum Biologie- und Sexualkundeunterricht Wissenslücken schließt und den J u-
gendlichen Handlungskompetenz für die individuelle Lebenssituation vermittelt.
Das Beratungs- und Testangebot des Gesundheitsamtes muss insbesondere unter dem
Aspekt, dass eine frühe Diagnose und rechtzeitige Therapie zu einer deutlichen Verbe s-
serung der Lebensdauer und Lebensqualität führt , kontinuierlich bei Menschen, die hohe
Risiken eingehen, bekannt gemacht werden.
Um die Präventionsarbeit auf kommunaler Ebene weiter zu stärken , wird in naher Zukunft auch
die Arbeit des DRK Landesverbandes Westfalen Lippe durch den Abschluss einer Leistungsve r-
einbarung enger eingebunden werden.
Überblick über relevante Entwicklungen auf Landesebene
HIV- Schnelltest
Das Gesundheitsamt Münster bietet seit 2009 den HIV-Schnelltest kostenpflichtig an. Seit 2010
übernimmt das Land die Kosten für den HIV -Schnelltest im Rahmen der Testberatung an den
Gesundheitsämtern.
Kostenübernahme für Syphilisuntersuchungen
Vor dem Hintergrund der kontinuierlich steigenden Syphiliszahlen besonders bei Männern, die
Sex mit Männern haben, übernimmt das Land 2011 bis auf weiteres die Kosten f ür die Syphilis-
untersuchungen im Rahmen des AIDS/STI-Testangebots der Gesundheitsämter. Es entfallen die
Laborkosten, die bisher von der Stadt Münster getragen wurden.
Kommunalisierung der Landesförderung im Bereich der Sucht- und Aidshilfe
Im Januar 200 7 w urden auf Landesebene die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für die
Kommunalisierung der Landesförderung im Bereich Sucht- und Aidshilfe geschaffen. Seitdem
wird den Kommunen die Landesförderung als zweckgebundene fachbezogene Pauschale zug e-
wiesen. Der Prozess „Kommunalisierung der Landesmittel“ sorgt e sowohl bei den freien Trägern
als Zuwe ndungsempfänger als a uch bei den Kommunen für erhebliche Aufregung. Die freien
Träger befürchte ten Willkürverhalten der Kommunen bei der Verteilung der Landesmi ttel, die
Kommunen eine Kürzung durch Umverteilung der Mittel. Auch in Münster schl ugen die Wellen
hoch. Immerhin handelte es sich um einen Förderbetrag von 100.200 Euro, mit dem zum größten
Teil die Arbeit der AidsHilfe Münster e.V., mit einem kleineren Teil die Youthworkstelle beim DRK
Landesverband gefördert wird.
Auf Landesebene wurde eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern der Freien Wohlfahrt und
Vertretern der Kommunalen Spitzenverbände einberufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe war die Ver-
ständigung auf gemeinsame Rahmenvereinbarungen für die Umsetzung der Kommunalisierung
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ab 2008. Die Stadt Münster war und ist durch die Aidskoordinatorin in dieser und den daraus
folgenden Arbeitsgruppen vertreten.
Anmerkung:
Die Höhe der fachbezogenen Pauschale ist nic ht nur für Münster bis heute unverändert gebli e-
ben. In den sechs Jahren Kommunalisierung der Landesförderung ist es allerdings auch nicht zu
einem bedarfsgerechten Ausbau gekommen, da das Land die Fördermittel nicht erhöht hat.
Rahmenvereinbarung
Im Juli 2009 trat im Kontext der Kommunalisierung die Rahmenvereinbarung zwischen dem Land
NRW, den kommunalen Spitzenverbänden und der Freien Wohlfahrtpflege in Kraft. Ein „Ec k-
punktepapier“ beschreibt grundlegende Elemente der Kooperation der Akteure in der HIV/A ids-
Prävention. Die Rahmenvereinbarung ist inzwischen ausgelaufen. Wegen der o. g. unbefried i-
genden Gesamtfinanzierung ist es noch nicht zu einem Neuabschluss gekommen.
Landeskonzept zur Weiterentwicklung der HIV/AIDS -Prävention in Nordrhein -Westfalen,
Schwerpunkt „Neuinfektionen minimieren“
Als Weiterführung der Arbeit zum Eckpunktepa pier der Rahmenvereinbarung wurde 2009 und
2011 ein Konzept zur HIV/AIDS -Prävention erarbeitet. Ziel ist Empfehlungen für die Praxis zu
entwickeln, neue Impulse zu geben und die Kooperation der Akteure auf der Basis der je eigenen
Zuständigkeiten zu fördern (2-Säulen-Modell der Prävention). Nach Abstimmung im MGEPA wird
das Konzept 2013 veröffentlicht.
Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW
Als Konsequenz aus der Rahmenvere inbarung w urde 2011 die „Arbeitsgemeinschaft AIDS -
Prävention NRW“ eingerichtet. Neben dem Land Nordrhein -Westfalen, vertreten durch das für
den Gesundheitsbereich zuständige Ministerium, gehören ihr jeweils sechs Vertreterinnen bzw.
Vertreter der Kommunen und der Freien Wohlfahrtspflege an . Als eine der Vertreterinnen der
Kommunen wird die Aidskoordinatorin der Stadt Münster vom Städtetag benannt. Die Arbeitsg e-
meinschaft AIDS -Prävention NRW stellt den fachlichen Austausch zwischen den Akteuren der
HIV/AIDS-Prävention im Land Nordrhein-Westfalen sicher. Sie führt alle wesentlichen Informati o-
nen über aktuelle Entwicklungen in den verschiedenen Handlungsfeldern zusammen, entwickelt
fachliche Lösungsansätze und erarbeitet Empfehlungen für Fortentwicklungen der r egionalen
bzw. örtlichen und landesweiten AIDS -Präventions- und Hilfestrukturen. Im Jahr 2012 w urden
„Empfehlungen zur HIV -Prävention vor dem Hintergrund der Entwicklung der Syphilis in NRW“
verabschiedet und eine webbasierte landesweite Datenerhebung als Qualitätssicherungsinstru-
ment auf den Weg gebracht.
Die „Wie auch immer Kampagne“
Im Jahr 2012 startet e der Verband der AIDS -KoordinatorInnen NRW ein Projekt zur Corporate
Identity der AIDS/STI -Koordinations- und Beratungsstellen im öffentlichen Gesundhei tsdienst in
Nordrhein-Westfalen. Mit dem Motiv eines der ersten Plakate des Landes Nordrhein -Westfalen
zur AIDS -Kampagne wu rden moderne Materialien (Roll -ups, Beach -Flags, Visitenkarten, Flyer
etc.) erstellt und sowohl in den Beratungsstellen als auch bei Präventionsveranstaltungen der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Projekt wird vom Ministerium für Gesundheit, Emanzip a-
tion, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA NRW) gefördert. Für 2014 ist die
Veröffentlichung einer Informationsbros chüre zu Syphilis vorgesehen, die sich mit Inhalt und
Sprache an das Klientel der Gesundheitsämter richtet.
In Vertretung
gez.
Thomas Paal
Stadtrat
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0738/2013
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 25.09.2013
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37