AFW/0001/2016
Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen
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CDU-Fraktion in der BV West An den Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster – West Herrn Stephan Brinktrine Pantaleonplatz 7 AFW/0001/2016 48161 Münster Münster, 31. Januar 2016 Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen Die Verwaltung möge der Bezirksvertretung West umfassend berichten, insbesondere zu den folgenden Fragen: 1. Der Berichterstattung in der Presse ist seit mehreren Tagen zu entnehmen, dass Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen aufgetreten sind. Sind solche Feststellungen im Stadtbezirk West getroffen worden? 2. Falls nein, gab es hierzu Untersuchungen oder Hinweise Dritter? 3. Falls solche Feststellungen getroffen worden sind, sind Ursachen für Verunreinigungen festgestellt worden und welche? 4. Welche Gefahren gehen von den Verunreinigungen aus? 5. Wie bauen sich die Verunreinigungen ab? 6. In der Berichterstattung wird zumindest teilweise aussickernde Flüssigkeit aus Silage als Ursache genannt. Sofern dies zutrifft bzw. als Ursache nicht ausgeschlossen werden kann, müsste dies ja nicht nur im Umfeld von Biogasanlagen auftreten können. Ist der Verwaltung bekannt, ob dies auch an anderen Standorten festgestellt worden ist? gezeichnet: Bernd Krekeler Peter Hamann Christian Hinzmann Christa Neugebauer Thomas Lilge Markus v. Diepenbroick-Grüter Peter Wolfgarten Nils Schappler
Antwort der Verwaltung vom 16.02.2016
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AFW JOOOA[2046 67.30.0030 16.02.2016 Christof Hecker/Lutz Hirschmann STADT MÜNSTER 23. FEB. 2016 Ami Kür Einger- u. Kaisssrvice Bezirksverwaltung West Bezirksvertretung Münster-West Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen Anfrage der CDU-Fraktion in der BV West AFW/0001/2016 (siehe Anlage) Zu Fragen 1 und 2: Von insgesamt zehn Biogasanlagen in der Stadt Münster befinden sich sechs im Stadtbezirk Münster- West. In der Nähe von drei Anlagen wurden Gewässerverunreinigungen festgestellt. Zu Frage 3: Die Ursachen der Gewässerverunreinigungen sind unterschiedlich. Ein Hauptgewässer war im Bereich einer Dränageeinleitung sowie der Einmündung eines Seiten- grabens entlang einer Hofstelle nur leicht mit Abwasserpilzen beaufschlagt. Die Kontrolle der La- geranlagen und Hofentwässerung ergab allerdings keinen Auffälligkeiten, so dass die Ursache in den insgesamt hohen Nährstoffkonzentrationen (im Vergleich zur nur geringen Abflussmenge) zu sehen ist. In einem anderen Fall lag die Ursache in der nicht sachgemäß durchgeführten Flächenversicke- rung der vorher in einem Becken gesammelten Silagesickersäfte sowie eines Rohrablaufes aus diesem Becken in das Gewässer. Nach Abstellen der Belastungsquellen haben sich die Abwas- serpilze aufgrund von Nahrungsmittelmangel wieder zurückentwickelt. Im dritten Fall ist ein Seitengraben zu einem Hauptgewässer auf einer Länge von fast 400 m mit Abwasserpilzen verunreinigt. Die Ursache liegt hier in den Einleitungen aus der Hof- und Silage- entwässerung. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen die Analysen der Laboruntersuchungen noch nicht vor. Dem Betreiber wurden Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen aufgegeben. Zu Frage 4: . Abwasserpilz ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Lebensgemeinschaft aus fädigen Pilzen und diversen Bakterien, vor allem Sphaerotilus natans, die organische Verbindungen ver- werten und auf Substraten massenhaft vorkommen können in Form von langen Fäden oder fellar- tigen Überzügen. Sie gelten als Verschmutzungszeiger der Gewässergüteklasse Ill-IV (=sehr stark verschmutzt) und kommen mit sehr geringen Sauerstoffgehalten aus. Gewässerflora und -fauna können nachhaltig geschädigt werden. Abwasserpilze entziehen den Pflanzen, Tieren, Larven, Krebsen und damit auch den Fischen die Lebensgrundlage. Der Abwasserpilz entsteht beispielsweise dadurch, dass massiv organische Stoffe aus landwirt- schaftlichen Abwässern wie z.B. aus’ Biogasanlagen oder Tierzuchtbetrieben in Gräben, Bäche und Flüsse gelangen und diesen den Sauerstoff entziehen. Dabei entsteht eine gallertartige Mas- se, die als "biologischer Rasen" den Grund bedeckt. Bei kühleren Temperaturen können zudem noch auf der Wasseroberfläche große mit Gas gefüllte Blasen entstehen, von denen sich lange, dünn verzweigte Pilzfäden ausbreiten. Platzen diese Blasen, entweicht faulig stinkendes Gas. Zu Frage 5: Nach Auskunft ‘des Landesumweltamtes (LANUV) sind Sanierungsmaßnahmen, z.B. in Form einer Sohiräumung nicht generell erforderlich, da sich ein Gewässer auch durch die natürliche „Selbst- reinigung“ infolge mikrobiellen Abbaus mit der Zeit wieder erholen kann, wenn die Belastungsquel- le identifiziert und abgestellt wurde. Zu Frage 6: Gewässerverunreinigungen wurden im Stadtgebiet auch im Bereich von Hofstellen ohne Biogasan- lagen festgestellt. Brinkheetker
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AFW/0001/2016
- Typ
- Anfrage in der BV West
- Datum
- 01.02.2016
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37