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AFW/0001/2016

Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen

Anfrage in der BV West 01.02.2016

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-West, Sitzung am 25.02.2016, TOP 4.2

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Antwort der Verwaltung vom 16.02.2016

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Originalanfrage

1449 Zeichen

CDU-Fraktion in der BV West 
 
 
 
An den 
Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster – West 
Herrn Stephan Brinktrine 
Pantaleonplatz 7              AFW/0001/2016 
48161 Münster 
 
 
Münster, 31. Januar 2016 
 
 
 
Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen 
 
Die Verwaltung möge der Bezirksvertretung West umfassend berichten, insbesondere zu 
den folgenden Fragen: 
 
1. Der Berichterstattung in der Presse ist seit mehreren Tagen zu entnehmen, dass 
Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen aufgetreten 
sind. Sind solche Feststellungen im Stadtbezirk West getroffen worden? 
2. Falls nein, gab es hierzu Untersuchungen oder Hinweise Dritter? 
3. Falls solche Feststellungen getroffen worden sind, sind Ursachen für Verunreinigungen 
festgestellt worden und welche? 
4. Welche Gefahren gehen von den Verunreinigungen aus? 
5. Wie bauen sich die Verunreinigungen ab? 
6. In der Berichterstattung wird zumindest teilweise aussickernde Flüssigkeit aus Silage als 
Ursache genannt. Sofern dies zutrifft bzw. als Ursache nicht ausgeschlossen werden 
kann, müsste dies ja nicht nur im Umfeld von Biogasanlagen auftreten können. Ist der 
Verwaltung bekannt, ob dies auch an anderen Standorten festgestellt worden ist? 
 
 
 
 
gezeichnet: 
Bernd Krekeler   
Peter Hamann  
Christian Hinzmann  
Christa Neugebauer 
Thomas Lilge 
Markus v. Diepenbroick-Grüter 
Peter Wolfgarten  
Nils Schappler

Antwort der Verwaltung vom 16.02.2016

3363 Zeichen

AFW JOOOA[2046

67.30.0030 16.02.2016
Christof Hecker/Lutz Hirschmann

STADT MÜNSTER
23. FEB. 2016

Ami Kür Einger- u. Kaisssrvice
Bezirksverwaltung West

Bezirksvertretung
Münster-West

Verunreinigungen von Oberflächengewässern im Umfeld von Biogasanlagen
Anfrage der CDU-Fraktion in der BV West AFW/0001/2016 (siehe Anlage)

Zu Fragen 1 und 2:
Von insgesamt zehn Biogasanlagen in der Stadt Münster befinden sich sechs im Stadtbezirk

Münster- West. In der Nähe von drei Anlagen wurden Gewässerverunreinigungen festgestellt.

Zu Frage 3:
Die Ursachen der Gewässerverunreinigungen sind unterschiedlich.

Ein Hauptgewässer war im Bereich einer Dränageeinleitung sowie der Einmündung eines Seiten-
grabens entlang einer Hofstelle nur leicht mit Abwasserpilzen beaufschlagt. Die Kontrolle der La-
geranlagen und Hofentwässerung ergab allerdings keinen Auffälligkeiten, so dass die Ursache in
den insgesamt hohen Nährstoffkonzentrationen (im Vergleich zur nur geringen Abflussmenge) zu
sehen ist.

In einem anderen Fall lag die Ursache in der nicht sachgemäß durchgeführten Flächenversicke-
rung der vorher in einem Becken gesammelten Silagesickersäfte sowie eines Rohrablaufes aus
diesem Becken in das Gewässer. Nach Abstellen der Belastungsquellen haben sich die Abwas-
serpilze aufgrund von Nahrungsmittelmangel wieder zurückentwickelt.

Im dritten Fall ist ein Seitengraben zu einem Hauptgewässer auf einer Länge von fast 400 m mit
Abwasserpilzen verunreinigt. Die Ursache liegt hier in den Einleitungen aus der Hof- und Silage-
entwässerung. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen die Analysen der Laboruntersuchungen noch nicht
vor. Dem Betreiber wurden Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen aufgegeben.

Zu Frage 4: .
Abwasserpilz ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Lebensgemeinschaft aus fädigen

Pilzen und diversen Bakterien, vor allem Sphaerotilus natans, die organische Verbindungen ver-
werten und auf Substraten massenhaft vorkommen können in Form von langen Fäden oder fellar-
tigen Überzügen. Sie gelten als Verschmutzungszeiger der Gewässergüteklasse Ill-IV (=sehr stark
verschmutzt) und kommen mit sehr geringen Sauerstoffgehalten aus. Gewässerflora und -fauna
können nachhaltig geschädigt werden. Abwasserpilze entziehen den Pflanzen, Tieren, Larven,
Krebsen und damit auch den Fischen die Lebensgrundlage.

Der Abwasserpilz entsteht beispielsweise dadurch, dass massiv organische Stoffe aus landwirt-
schaftlichen Abwässern wie z.B. aus’ Biogasanlagen oder Tierzuchtbetrieben in Gräben, Bäche
und Flüsse gelangen und diesen den Sauerstoff entziehen. Dabei entsteht eine gallertartige Mas-
se, die als "biologischer Rasen" den Grund bedeckt. Bei kühleren Temperaturen können zudem
noch auf der Wasseroberfläche große mit Gas gefüllte Blasen entstehen, von denen sich lange,
dünn verzweigte Pilzfäden ausbreiten. Platzen diese Blasen, entweicht faulig stinkendes Gas.

Zu Frage 5:

Nach Auskunft ‘des Landesumweltamtes (LANUV) sind Sanierungsmaßnahmen, z.B. in Form einer
Sohiräumung nicht generell erforderlich, da sich ein Gewässer auch durch die natürliche „Selbst-
reinigung“ infolge mikrobiellen Abbaus mit der Zeit wieder erholen kann, wenn die Belastungsquel-
le identifiziert und abgestellt wurde.

Zu Frage 6:
Gewässerverunreinigungen wurden im Stadtgebiet auch im Bereich von Hofstellen ohne Biogasan-

lagen festgestellt.

Brinkheetker

Beratungsverlauf (1)

25.02.2016 Bezirksvertretung Münster-West
TOP 4.2 Anfrage Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
AFW/0001/2016
Typ
Anfrage in der BV West
Datum
01.02.2016
Erstellt
06.10.2020 14:37