0365/2020
AN/0080/2020 Frischluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebiete im Stadtbezirk - gemeinsamer Antrag der Fraktionen CDU und Grüne sowie Frau Bastian (FDP)
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Mitteilung BV
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/57/574 Vorlagen-Nummer 0365/2020 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 7 (Porz) 12.03.2020 AN/0080/2020 Frischluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebiete im Stadtbezirk - gemeinsamer Antrag der Fraktionen CDU und Grüne sowie Frau Bastian (FDP) Die Verwaltung wird gebeten die Bedeutung von Frischluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebieten sowie deren Beeinflussung durch Bebauung darzustellen. Aus Kapazitätsgründen erfolgt die Beant- wortung der Anfrage schriftlich. Frischluftschneisen, Kaltluftproduktion und –abfluss (Begriffsbestimmung) Unter Kaltluftströmung werden alle Bewegungen von „kühleren“ Luftmassen zusammengefasst. Frischluft gilt dabei als unbelastete Luft. Dem gegenüber gestellt werden Luftmassen, die eine Belas- tung mit Luftschadstoffen (Autoabgase) z.B. an stark befahrenen Straßen aufweisen. In der Kölner Bucht setzt sich die nächtlich gebildete Kaltluft aufgrund der Topographie dem Gefälle folgend in Bewegung. Kaltluftabflüsse haben eine hohe stadtklimatische Relevanz, da sich am Tage stark erwärmte Stadt- gebiete durch Wärmespeicherung auch in der Nacht kaum abkühlen. Durch Kaltluftabflüsse kann es gezielt zu einem Luftaustausch kommen, wenn die Trassen für den Kaltluftabfluss offen bleiben und nicht durch Bebauung, Dämme, etc. zerteilt werden. Grundlage für eine hohe Kaltluftproduktion ist die Flächengröße (größer 200x200m), die Art des Bewuchses und die Kühlleistung des Bodens. Stadtklimatische Rahmenbedingungen Stadtklimatische Untersuchungen für das Kölner Stadtgebiet sind seit Mitte der 90er Jahre durchge- führt worden, um die stadtklimatischen Gegebenheiten zu beschreiben. Zuletzt hat das Landesamt für Umwelt- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) im Rahmen der Regionalplanfort- schreibung im „Fachbeitrag Klima für die Planungsregion Köln, 2018“ Kaltluftströmungen untersucht. Im Rahmen des o. g. Fachbeitrages wurde die Analyse der Nachtsituation mit den meteorologischen Parametern wie Temperaturfeld, Kaltluftvolumenstrom und autochthones Strömungsfeld modelliert und in ihrer flächenhaften Ausprägung dargestellt. Der Zeitpunkt 4 Uhr morgens wurde hierfür heran- gezogen, da er dem Auftreten des Temperaturminimums im Tagesgang entspricht und die Kaltluft- strömung in etwa ihr Maximum erreicht. Stadtklimatisch bedeutsam sind autochthone (vor Ort ausgebildet) Wetterlagen, die durch Schwach- winde geprägt sind. Hier kommt es, neben auf wenige Prozent der Jahresstunden beschränkten loka- len Kaltluftabflüssen vom bergischen Höhenrand und der Ville, zu einem regionalen Kaltluftabfluss vom Siebengebirge. Kanalisiert durch das Rheintal herrschen hier südsüdöstliche Windrichtungen vor, die schwach windig sind. Dieser Abfluss kann Mächtigkeiten bis über 100 m erreichen. Dieses regionale Windsystem wird auch als Rheintalwind bezeichnet. 2 Im Verlauf einer austauscharmer Sommernacht strömt aus dem relativ schmalen und tief eingeschnit- tenen Rheintal am Ende des Siebengebirges akkumulierte Kaltluft in die sich öffnende Kölner Bucht, in der bereits seit Beginn der Nacht unter den entsprechenden mikroklimatischen Voraussetzungen Kaltluft auf geeigneten Freiflächen gebildet wurde. Beide Kaltluftmassen beginnen in der fortgeschrit- tenen Nacht, gravitativ den leicht abfallenden Rheinterrassen folgend, talabwärts nach NW zu strö- men. Die Abbildung aus dem LANUV Fachbeitrag zeigt die nächtlichen Kaltluftvolumenstrom und die nächt- liche Überwärmung des Siedlungsraumes (Quelle LANUV). Deutlich wird hier die thermische Ausgleichsfunktion des Freiraums u.a. im Porzer Süden, mit einer hohen, bzw. sehr hohen Kaltluftvolumenstromdichte um 4 Uhr morgens. Zudem werden Einwirkbereiche der Kaltluft dargestellt, in denen eine Kaltluftströmung in den the r- misch belasteten Siedlungsraum (nächtliche Überwärmung) erfolgen kann. Im Hinblick auf die Kaltluftströmungen findet durch Bebauung eine Modifizierung statt. Durch die er- zeugten künstlichen Oberflächen wird im beplanten Gebiet das Kaltluftentstehungspotential reduziert und die nächtliche Abkühlung des bisherigen Siedlungsrandes deutlich verringert. Zudem führt eine 3 Bebauung bodennah zu Veränderung der Strömungsgeschwindigkeiten, diese wird gestört und nega- tiv modifiziert. Die hier geschilderten Auswirkungen beziehen sich ausschließlich auf windschwache Strahlungswetterlagen, in denen auf den Ackerflächen eine deutliche Kaltluftproduktion zu verzeich- nen ist. Fazit Durch den Klimawandel wächst die Bedeutung der Freiräume mit ihren natürlichen Stadtortbedingun- gen. Dies hat auch die Studie „Klimawandelgerechte Metropole Köln“, LANUV Fachbericht 50 belegt. Die Studie hat gezeigt, dass in der Zukunft die heißen Tage, mit Temperaturen von über 30 °C, und die Sommertage, mit Temperaturen von über 25 °C, in Köln deutlich zunehmen werden. Dabei sind Maximaltemperaturen von über 40 °C möglich; diese sind auch schon erreicht worden. Schon heute zeigt sich eine deutliche Aufheizung (Wärmeinsel) der dicht bebauten Stadtteile und der Innenstadt gegenüber dem Umland mit Temperaturdifferenzen von bis zu 10 Grad. Dieses stadtklimatische Phä- nomen wird sich in Zukunft deutlich verstärken sodass einer nächtlichen Abkühlung der Siedlungsbe- reiche eine noch größere Bedeutung zukommt. Mit dem Stadtklimamodell „Muklimo_3“ des Deutschen Wetterdienstes konnte gezeigt werden, dass Landnutzungsänderungen durch Bebauung/ Versiegelung zu einer deutlichen Zunahme von Sommer- tagen bzw. heißen Tagen führen. Unversiegelte Ackerflächen und Freiflächen bilden im Verbund stadtklimatisch wertvolle Ausgleichs- flächen. Sie sind durch einen extremen Tages- und Jahresgang der Temperatur und Feuchte geprägt, sowie durch sehr geringe Windströmungsveränderungen. Damit ist eine intensive nächtliche Kaltluft- produktion verbunden, welche sich ausgleichend auf angrenzende Siedlungsbereiche auswirkt. Jede Landnutzungsänderung, insbesondere eine Versiegelung von Freiflächen, führt zu einer Redu- zierung des Kaltluftentstehungs- und Kühlleistungspotentials. Bei jedem Planvorhaben werden schon heute seitens der Umweltverwaltung die Belange zur Anpas- sung an den Klimawandel eingebracht. Zudem werden stadtklimatische Minderungsmaßnahmen for- muliert. Dabei ist die Anpassung an den Klimawandel einer von vielen Umweltbelangen. Diese wiede- rum werden mit anderen Belangen wie bspw. Wohnungsbedarf oder Arbeitsplätze gege neinander abgewogen. Die dargestellten stadtklimatischen Zusammenhänge können nicht isoliert auf Porz betrachtet wer- den. Derzeit arbeitet die Umweltverwaltung an einer Fortschreibung der Studie „Klimawandelgerechte Metropole Köln“. In Zusammenarbeit mit dem Deutsche Wetterdienst sollten die klimatischen Auswir- kungen der geplanten Neuversiegelungen (insbesondere im Rahmen der Regionalplanfortschreibung) im gesamten Stadtgebiet untersucht werden. Über die Erkenntnisse aus der Fortschreibung, insbe- sondere für den Stadtbezirk Porz, informiert die Verwaltung nach der Fertigstellung der Studie.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0365/2020
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 11.02.2020
- Erstellt
- 31.01.2020 09:43