V/0010/2009
Kulturgutachten NRW
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Anlage-V-0010-2009-Kultur
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Anlage 1
Kulturgutachten NRW: Handlungs- und Arbeitsfelder für Münster
1. Bildende Gegenwartskunst
1.1 Münsters Ruf und Potenzial als Stadt der bilde nden Kunst von internationalem Rang
Münster hat sich weltweit zu einem Referenzort für die Begegnung mit zeitgenössischer
bildender Kunst auf höchstem Niveau entwickelt. Die ser Ruf beruht überwiegend auf dem
großen internationalen Erfolg der Skulpturprojekte Münster, die im Abstand von zehn Jah-
ren 1977, 1987, 1997 und 2007 stattgefunden haben. Der Eventcharakter und die daraus
resultierende Beliebtheit der Skulpturprojekte mach t Münster im Zehnjahresrhythmus zu ei-
nem Mekka der Kunstinteressierten aus aller Welt. D arüber hinaus hat das kontinuierliche,
hochkarätige Angebot an Ausstellungen und Veranstal tungen von internationaler Qualität
Münsters Renommee als Kulturort, an dem zeitgenössi sche Kunst von exemplarischer
Qualität erlebt werden kann, immer wieder bestätigt . In der Stadt Münster gibt es eine Viel-
zahl von Institutionen, die auf nationalem und inte rnationalem Niveau arbeiten und immer
wieder in Kooperationen ihr programmatisches und st rukturelles Potenzial gemeinsam bün-
deln. Sie tragen maßgeblich zum fortwährend kontinu ierlichen Angebot von außergewöhn-
lichen Ausstellungen, innovativen Veranstaltungen u nd lebhaften Diskussionen zur zeitge-
nössischen bildenden Kunst bei. Zusammen mit den Sk ulpturprojekten sind sie das Fun-
dament des internationalen Rufes Münsters als Stadt der Bildenden Kunst. Hervorzuheben
sind dabei beispielsweise das LWL – Museum für Kuns t und Kulturgeschichte, das Grafik-
museum Pablo Picasso, der westfälische Kunstverein aber auch eine Vielzahl professionell
arbeitender Künstlervereinigungen und Ateliergemein schaften, die allesamt durch ihre Pro-
gramme und Infrastrukturen zum internationalen Renommee der Stadt beitragen.
Die Stadt mit einer der größten Universitäten Deut schlands, einer international ausgerichte-
ten Kunstakademie, einer Vielzahl von Institutionen und Veranstaltungsorten und einer
wachsenden freien Szene, in der Gegenwartskunst von höchster Qualität in unterschied-
lichsten Formen rezipiert werden kann, hat alle Vor aussetzungen, ihren internationalen Ruf
als „zeitgenössische bildende Kunst-Stadt" zu festi gen und weiterzuentwickeln. Für die
Entwicklungsperspektiven soll das Land als Partner gewonnen werden.
1.2 Die besondere Rolle der Kunstakademie und der Ausstellungshalle zeitgenössische
Kunst für die Junge Kunst
• Kunstakademie
Die Kunstakademie ist eine von zweien in NRW und gehört zu den acht größten Akade-
mien in Deutschland. Durch die Besetzung der in den vergangenen Jahren frei gewordenen
Professorenstellen durch international renommierte Künstler wie Guillaume Bijl, Daniele
Buetti, Suchan Kinoshita, Maik und Dirk Löbbert hat die Kunstakademie ihren Ruf als eine
der führenden Kunstakademien in Deutschland aufbaue n können. Der zweimal im Jahr
stattfindende Rundgang erfreut sich einer sehr groß en überregionalen Resonanz. Der We-
werka Pavillon ist das Ausstellungsforum der Kunsta kademie und zeigt - unterstützt vom
Kulturamt der Stadt - jährlich fünf bis sechs Ausst ellungen, darunter experimentelle Positio-
nen von Studenten der Kunstakademie und ausgewählte Projekte von auswärtigen jungen
Gastkünstlern.
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• Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster ( AZKM)
Europäische Vernetzung - Die AZKM versteht sich al s Forum für eine Auseinandersetzung
mit Gegenwartskunst auf höchstem Niveau. Internatio nale Positionen der wichtigsten bil-
denden Künstler der Gegenwart ebenso wie Kunstwerke von viel versprechenden jungen
Talenten werden in vier bis fünf Ausstellungen im J ahr präsentiert. Kooperationen mit den
wichtigsten Museen und Kunsthallen in Europa z. B. dem Bonnefantenmuseum Maastricht,
der Kunsthalle Zürich und der Pinakothek der Modern e München hat die AZKM zu einem
wichtigen Netzwerkpartner von europäischer und inte rnationaler Reichweite gemacht.
Durch die Beteiligung an dem Projekt Transfer NRW T ürkei, koordiniert vom NRW Kultur-
sekretariat Wuppertal, hat sich die AZKM als Ausste llungsforum, in dem Themen der euro-
päischen Identität reflektiert werden, profiliert.
AZKM - Netzwerkpartner für junge Kunst
Als Institution der Stadt Münster ist die AZKM ein Netzwerkpartner für junge Kunst und
steht in engem Austausch mit der Kunstakademie (jäh rliche Ausrichtung des Förderpreises
der Akademie) und verschiedenen Off-Space-Initiativ en der Stadt. Die AZKM versteht sich
als Katalysator, als Koordinator und partnerschaftl icher Berater für Projekte der jungen bil-
denden Kunst in Münster und NRW.
Die junge Szene der Stadt profitiert von der überr egionalen Medienöffentlichkeit der AZKM.
Aus dieser Initiative heraus entstanden in den let zten zwei Jahren herausragende und viel-
beachtete Projekte der „Jungen Kunst“, die befördert durch das Zusammenspiel von AZKM,
Kunstakademie und Zusammenschlüsse junger Kunstschaffender entstanden sind.
Zwei Beispiele:
Initial Stadthausgalerie 2007
Während der Skulptur Projekte 2007 wurde das Ausstellungsprojekt „Initial“ in der Stadt-
hausgalerie realisiert. Das Kulturamt hat eine För dersumme von 15.000 Euro von der Kul-
turabteilung der Staatskanzlei des Landes NRW für d ieses Projekt erhalten. Fünf Künstler
der Kunstakademie Münster haben sechs Ausstellungen mit Positionen von jungen Künst-
lern aus Europa und ein umfangreiches Rahmenprogram m ausgerichtet. Kulturamt und
AZKM unterstützten das Kuratorenteam bei der Entwic klung der Ausstellungsreihe und
stellten Raum und Finanzmittel bereit. Ausschlaggeb end aber war die Teilhabe des Projek-
tes an dem international ausgerichteten Netzwerk, d ie durch die AZKM sichergestellt wur-
de. Die professionellen Strukturen der Halle bei d er Öffentlichkeitsarbeit standen dem Pro-
jekt ebenfalls zur Verfügung, so dass eine überregionale Aufmerksamkeit erreicht wurde.
Förderverein Aktuelle Kunst (F.A.K.) 2008
Der Förderverein Aktuelle Kunst (F.A.K.) in den Rä umen des Atelierhauses auf der Fres-
nostraße hat eine lange Tradition. Zunächst in den Räumen des Bunkers auf dem Her-
mannstattweg, ist er nun seit zehn Jahren in den Rä umen der Fresnostraße beheimatet.
Der Förderverein hat durch die aufgestockte finanz ielle Unterstützung des Kulturamtes,
durch Landesfördermittel und durch die infrastruktu relle Unterstützung der AZKM sein Pro-
gramm 2008 entwickelt. Das Ausstellungsprojekt stan d unter der Federführung eines jun-
gen Kurators, einem Studenten des kunsthistorischen Instituts in Münster.
In diesen Projekträumen entwickeln Nachwuchskünstl er aus Münster, auswärtige Künstler-
gruppen, junge Kunstkritiker und Kuratoren usw. ihr e Ideen und setzen sie um. Der rege
Kontakt mit jungen Kunstinitiativen belebt den Dial og über zeitgenössische Kunst in Müns-
ter und verankert die Stadt einmal mehr in der überregionalen Kulturlandschaft.
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Die Ausstellungsreihe des F.A.K. wird im Jahr 2009 mit einem neuen Kuratorenteam aus
ehemaligen Studierenden der Kunstakademie Münster fortgeführt.
1.3 Neue Impulse und mögliche Entwicklungsperspekti ven:
Perspektiven der freien jungen Kunstszene in Verb indung mit dem Ausbau kultur-
wirtschaftlicher Kompetenzen
Münster ist nicht nur eine Stadt, in der herausrag ende, richtungweisende Ausstellungen zu
wichtigen internationalen Positionen der Gegenwarts kunst gezeigt werden. Sie ist auch ei-
ne Stadt, in der sehr viel hochkarätige, sehr junge Kunst produziert und gezeigt wird. Diese
Kompetenz soll als Schwerpunkt in NRW entwickelt we rden. Mit diesem Ziel sollen Ge-
spräche mit dem Land geführt und die Perspektive wie folgt konkretisiert werden.
Dem Nachwuchs aus den Hochschulen und der Kunstaka demie sollen Arbeitsbedingun-
gen, Experimentierfelder und Räume, die den multipr ofessionellen Anforderungen des heu-
tigen Kunstbetriebes entsprechen, zur Verfügung gestellt werden. Neben den Künstlern sol-
len von dieser Unterstützung auch kulturnahe Profes sionen wie z.B. Kunsthistoriker/innen
profitieren. Sie sollen an das Arbeitsfeld der Kuns tkurator/in herangeführt werden und er-
halten die Gelegenheit, unter professionellen Rahme nbedingungen und vor einer sowohl
breiten als auch fachlichen Öffentlichkeit Erfahrun gen auf diesem Gebiet zu sammeln. Die
durch das Kulturamt und die AZKM geförderten Projek träume sollen nicht nur Initiativen für
experimentelle Positionen der jungen bildenden Kuns t sein, sondern auch Raum und Mög-
lichkeiten bieten, Fähigkeiten des Kulturmanagement s in einem realpraktischen Kontext
anzuwenden. Kulturwirtschaftliche Bezüge sind damit eng verbunden.
Bereits im Sommer 2009 wird das Engagement für die Junge Kunst mit einem Ausstel-
lungsprojekt fortgesetzt:
Geplant ist eine Veranstaltungsreihe, die von jung en Kunsthistorikern und Künstlern kura-
tiert wird. Ausgewählte Künstler und Kuratorengruppen sollen eingeladen werden, die in ih-
ren Heimatstädten Ausstellungsräume betreiben, um G astspiele in Münster zu realisieren.
Ein geballter Kommunikationsraum von Off-Spaces von überall aus Europa soll durch das
Münsterprojekt entstehen. Bespielt werden sollen l eerstehende Bürogebäude, Ladenlokale
und Lagerräume im Bahnhof, um die Temporalität des Projekts zu unterstreichen. Der Bo-
gen zum Hafen mit der dort ansässigen AZKM soll übe r eine Ausstellung des Projektes auf
der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens gespa nnt werden. Dort wird eine ver-
waiste Lagerhalle durch die Künstlergruppe KONSORTI UM aus Düsseldorf bespielt.
KONSORTIUM selbst betreibt seit vielen Jahren einen Ausstellungsraum in ihrer Heimat-
stadt, in dem bisher über 70 Ausstellungen gezeigt wurden. Gerade durch eine Zusam-
menarbeit mit der Gruppe KONSORTIUM soll ein noch n icht vorhandener Austausch mit
der Kunstszene in Düsseldorf hergestellt und intensiviert werden.
Der hier beschriebene Schwerpunkt „Zeitgenössische junge Kunst“ versteht sich als Ange-
bot Münsters an das Land, in Verbindung mit dem Wun sch, Münster in diesem Bereich be-
sonders zu fördern und so die Kunstlandschaft in NRW um einen innovativen Aspekt zu be-
reichern.
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2. Tanz in Münster
2.1 Münsters Tanzszene: Innovativ und experimentell aus Tradition
Dass das heute weltberühmte Deutsche Tanztheater s eine Wurzeln in Münster hat, ist
selbst unter Fachleuten kaum bekannt. In Münster be gann Mitte der zwanziger Jahre die
choreografische Karriere des legendären Ausdruckstä nzers, Choreografen und Pädagogen
Kurt Joos, dem späteren Mitgründers der Essener „Fo lkwang-Schule", wo in den fünfziger
Jahren Pina Bausch, Reinhild Hoffmann und (zumindes t indirekt auch) Susanne Linke sei-
ne Meisterschülerinnen wurden und in den 80er Jahre n als Jooss-„Enkel" Münsters jetziger
Tanztheaterleiter Daniel Goldin studierte. Jooss' „ Neue Tanzbühne Münster" wurde syn-
onym mit Avantgarde-Tanz in Deutschland. Hier, in der Stadt des „Westfälischen Friedens",
sammelte Jooss am Vorabend des 2. Weltkriegs gemein sam mit seinen langjährigen Mitar-
beitern Hein Heckroth, dem Maler und Bühnenausstatt er, und Fritz Cohen, dem damaligen
Münsterschen Musikdirektor und Komponisten, erste I deen für sein Antikriegs-Ballett „Der
Grüne Tisch", das mit der Pariser Uraufführung 1932 seinen Triumphzug durch die Welt
begann.
• Theater im Pumpenhaus
Von Tanz-Avantgarde war nach Jooss in Münster lang e nicht mehr die Rede. Heute aller-
dings werden die neuen Trends im „Pumpenhaus" präse ntiert und koproduziert. Experi-
mentelle Tanz und richtunggebende Companies und Sol isten aus Europa, den USA und
Japan - von Dumb Type, Meg Stuart und den ERosas" b is Sasha Waltz, Raimund Hoghe
und Samir Akika gehören zu seinen Gästen.
Die Tanzkoproduktionen des Pumpenhauses sind weltw eit unterwegs und gastieren auf
dem legendären Festival in Avignon und im Februar 2 009 in den vier größten Städten In-
diens. Der Name „Theater im Pumpenhaus Münster“ hat internationale Dimension und ein
sehr gutes Flair. Raimund Hoghe, ein langer Partner des Pumpenhauses wurde 2008 zum
Tänzer des Jahres nominiert und mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Münster
geehrt. Samir Akika, der „Tarantino“ des deutschen Tanzes hat seine Arbeitsbasis auch in
Münster und ist einer von den vier Choreografen, di e ab 2009 in den Genuss der Spitzen-
förderung Tanz des Landes NRW kommen. Und rückblick end sei daran erinnert, dass
selbst der Argentinier Daniel Goldin, von Pina Bau sch nach Deutschland gelockt, seine
ersten Aufführungen in Münster im Pumpenhaus machte und ebenso Gregor Zöllig, der jet-
zige Leiter des Osnabrücker Tanztheaters.
• Tanztheater der Städtischen Bühnen Münster
Die Erfolgsbilanz des Tanztheaters der Städtischen Bühnen Münsters ist beeindruckend. In
12 Jahren konnten Daniel Goldin und das Ensemble re gional, national und auch internatio-
nal einen beachtlichen Ruf aufbauen. Über 20 Stücke hat Daniel Goldin in dieser Zeit cho-
reographiert, die das Ensemble mit Gastspielen quer durch Deutschland führten. Auch in-
ternational gab es in Los Angeles, Lyon, Bozen, Ber n und Trento überaus erfolgreiche
Tourneen.
Darüber hinaus wurde das Tanztheater Münster dreim al zur Internationalen Tanzmesse
NRW und in der Spielzeit 2006/07 zur ersten Tanzpla ttform von Nordrhein-Westfalen „tanz
nrw 07“ eingeladen. Kritiker und Tanzjournalisten b erichten regelmäßig in Fachpublikatio-
nen sowie in der regionalen und überregionalen Pres se. Sie stellen die Arbeit in internatio-
nalen Kritikerumfragen immer wieder heraus. Koopera tionen mit anderen Institutionen und
kulturellen Einrichtungen in Münster, aber auch übe rregional, finden in jeder Spielzeit statt
und stärken die Verankerung des Ensembles in NRW.
• Weitere Tanzszene
Die Tanzszene Münsters ist mit dem Tanztheater der Städtischen Bühnen und dem Thea-
ter im Pumpenhaus aber nicht umfassend beschrieben: Sie ist undenkbar ohne das Dut-
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zend an Tanzschulen und Tanzprojekten. Es gibt eine sehr große Szene, die von Klassik
bis Street-Dance reicht. Die etablierten großen Tan zschulen, „grass-root“ Projekte im Hi-
pHop-Bereich und die erstklassigen, (preisgekrönten !) Arbeiten aus dem Bereich Tanz in
Schulen schaffen eine Tanzlandschaft seltener Dicht e. Kurzum: Tanz hat eine lebensweltli-
che Fundierung im Leben der Stadt. Wir haben Künstl er, produzierende Institutionen, die
hier kontinuierlich arbeiten und ein Publikum, das seherfahren und begeisterungsfähig ist,
aktiv und neugierig.
Schaufenster für die professionelle freie Tanzszen e Münsters ist die Veranstaltungsreihe
„Tanzspektrum“ mit regelmäßigen Aufführungen der ak tuellen Produktionen im Kleinen
Haus der Städtischen Bühnen. Das „Tanzfestival Münster“ gibt jährlich im Herbst im jeweils
ausverkauften Großen Haus der Städtischen Bühnen ei nen Überblick über das aktuelle
Geschehen der Tanzschaffenden Münsters.
2.2 Neue Impulse und mögliche Entwicklungsperspekt iven:
Internationales Tanzfestival 2010 und Europäische Koproduktionen "Dance presen-
ted in Münster"
Das derzeit in Planung befindliche Internationale Tanzfestival 2010, das vom Tanztheater
der Städtischen Bühnen und dem Theater im Pumpenhau s gemeinsam getragen wird, birgt
die Chance, Münster als Tanzstadt auch überregional zu platzieren. Die beiden künstleri-
schen Stränge nationale und internationale Avantgar de (Pumpenhaus) und Ausdruckstanz/
Folkwangtradition (Tanztheater der Städtischen Bühnen) versprechen ein aufregendes Pro-
gramm.
In dem groß gewordenen Europa haben sich Koprodukt ionsstrukturen zwischen internatio-
nal positionierten Theatern/Festivals und Initiativ en entwickelt, die neue Themen und
Sichtweisen, große internationale Tendenzen (Neuer Orient, ChinaMoves, Under the Ra-
dar, New Visions u. ä.) bearbeiten und dem Publikum vorstellen.
Münster empfiehlt sich damit auch gegenüber dem La nd NRW als Produktionsstandort für
Zeitgenössischen Tanz im Rahmen von internationalen Projekten und Koproduktionen.
Münster hat dafür – auch in Abgrenzung und Ergänzun g zu anderen Tanzstandorten in
NRW (z. B. Essen, Wuppertal) – gute Voraussetzungen durch die bestehende Kooperati-
onsbasis zwischen den wichtigen Projektpartnern in der Stadt.
Erste Partner, die ein hohes Maß an Kompetenz für eine starke internationale Ausrichtung
mitbringen, sind sowohl das Theater im Pumpenhaus, das recht kurzfristig und agil reagie-
ren kann, als auch das Tanztheater der Städtischen Bühnen mit seinen längerfristigen Pla-
nungsnotwendigkeiten. Dazu gehören auch neue Kooper ationen zwischen der Musikhoch-
schule, der Kunstakademie und den Tanzschaffenden, die stimuliert werden müssen. Bin-
deglieder sind in jedem Fall die Choreografenpersön lichkeiten, die in Münsters Theatern
arbeiten. Über sie lässt sich eine organische Verz ahnung erreichen, die über kurzfristige
„Gastaufenthalte“ oder folgenlose "Residencies" hinausgeht.
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3. „Case NRW“
Initiativen im Bereich „CASE NRW“ und die Bewerbun g für die Ausbildung von Tanzpäda-
gogik an der staatlichen FH Münster bei „Tanzplan D eutschland“ bieten zusätzliche An-
knüpfungspunkte In Verbindung mit Aus- und Weiterbi ldungsprogramme für Kulturmana-
gement, Kulturproduktion und Kuratorenqualifikation , die entweder an existierende Ausbil-
dungsprogramme angekoppelt werden müssen oder in ei n „CASE NRW“ integriert werden
könnten.
Die Dichte der kulturellen Institutionen in Münste r zusammen mit dem Potenzial der Hoch-
schulen, der Kunstakademie und Musikhochschule mach t Münster zu einem idealen
Standort für die Ansiedlung des „CASE NRW - Center for advanced studies in Art, Science
and Economy“.
Gute Voraussetzungen zu diesbezüglichen, vertiefen den Gesprächen mit dem Land beste-
hen auch durch die an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft bereits
vorhandene Kooperationspraxis der Arbeitsstelle Forschungstransfer-AFO der Uni Münster,
dem European Research Center for Information System s (ERCIS) der Uni Münster, weite-
ren Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Wirts chaft und Einrichtungen wie dem
Künstlerdorf Schöppingen. Nicht zuletzt wurde berei ts aufgrund erfolgreicher gemeinsamer
Vorhaben im Rahmen dieser Kooperationsstrukturen ab Mitte 2008 ein neu geschaffenes
Modellprojekt der Staatskanzlei im Künstlerdorf Schöppingen angesiedelt. Dabei handelt es
sich um ein Stipendienprogramm zur Förderung von kü nstlerischen Projekten an der
Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Wirtschaf t. Es richtet sich an Künstlerinnen und
Künstlern mit interdisziplinärem Forschungsinteresse aber auch an Wissenschaftler, Gradu-
ierte oder Experten aus den Bereichen Wissenschaft oder Wirtschaft mit künstlerischer
Fragestellung in ihren Projekten. Bei der Ansiedlun g des Modellvorhabens in dem Künst-
lerdorf Schöppingen war für die Staatskanzlei aussc hlaggebend, dass die Stiftung in den
vergangenen Jahren bei verschiedenen Projekten Erfa hrungen in der interdisziplinären Zu-
sammenarbeit mit Partnern aus Kunst, Wissenschaft u nd Wirtschaft gesammelt hat, die
dem Stipendienprojekt zugute kommt. Die mit dem nun im zweiten Jahr befindlichen Mo-
dellprojekt vertieften Erfahrungswerte - auch in de r Zusammenarbeit mit der Universität
Münster, der Kunstakademie, der Arbeitsstelle Forsc hungstransfer-AFO etc. - könnten mit
Einsicht auch der Einrichtung eines CASE NRW zugute kommen.
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4. Literatur
4.1 Zur Situation in NRW
NRW selbst kann nicht unbedingt als eigenständige literarische Region in der Bundesrepu-
blik angesehen werden.
Das liegt vor allem daran, dass hier die großen Ve rlage fehlen. Diese sitzen historisch be-
dingt in Frankfurt, München, Hamburg und Berlin. Au toren leben und arbeiten immer noch
häufig in Verlagsnähe. Autoren für bestimmte Medien wie Hörspiele, Feature etc. orientie-
ren sich aus ähnlichen Gründen ans Rheinland. Immer hin sind von den 100 größten deut-
schen Verlagen 19 in NRW beheimatet.
Regionale Verankerung und Internationalität schließ en einander nicht aus, das beweist
nicht nur die deutsche Literatur der letzten 50 Jah re mit Böll, Grass und Walser, das bewei-
sen auch die Literaturbüros. Internationalität ist für viele literarische Institutionen in NRW
Programm, sei es für das Literaturhaus Köln, sei es das Haus für Sprache und Literatur in
Bonn, sei es für das Künstlerdorf Schöppingen mit s einen Stipendiaten. Das von Norbert
Wehr herausgegebene "Schreibheft", eine der wichtig sten deutschsprachigen Literaturzeit-
schriften, präsentiert den Leserinnen und Lesern im mer wieder Entdeckungen aus der ge-
samten literarischen Welt.
4.2 Literatur und Münster
In NRW gibt es eine „Rezeptions-Lücke“ für literar ische Produktionen, die Münster zum Teil
schon füllt und künftig gemeinsam mit dem Land NRW schließen könnte: Dabei geht es
darum, Wahrnehmbarkeit und Strahlkraft für Europäische Poesie zu erzeugen.
Literatur und Dialog haben einen sinnfälligen Bezug. Die Skulptur von Eduardo Chillida „To-
leranz durch Dialog“ greift diesen Bezug auf. Damit dokumentiert sich eine enge Beziehung
zwischen Literatur, Skulptur und die in beider Sinn „lesenswerte Stadt“.
Dass Münster eine Stadt der Bildung ist, zeigt sic h auch im literarischen Leben der Stadt.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Hochschulen u nd die Schulen sowie die literarischen
Zirkel in der Stadt.
Vor diesem „produzierenden“ Hintergrund hat sich e ine starke Vermittlungsebene etabliert.
Die Vermittlung der Literatur erfolgt überwiegend ü ber literarische Einrichtungen und Ge-
sellschaften, die als wichtige Drehscheibe zwischen Literaturproduktion und Literaturrezep-
tion, kontinuierlichem Diskurs, schriftstellerische r Arbeit und der öffentlichen Auseinander-
setzung fungieren. Diese Einrichtungen und Gesellsc haften bieten darüber hinaus eine
kompetente Beratung und vielfältige Serviceleistung en für Autorinnen und Autoren, Publi-
kum und Literaturinteressierte: Lehrende, Studieren de, Journalisten, Wissenschaftler,
Schüler und Schülerinnen. Lokal verankert wirken si e über die Stadtgrenzen hinaus, grenz-
überschreitend sowohl regional als auch landesweit bis international.
Münster hat ein großes Potenzial, diese lokal vera nkerte und weit wirkende Drehscheiben-
funktion zu erfüllen. Diese so effektiv wie möglich zu gestalten ist Aufgabe der kommunalen
Literaturförderung.
Dazu gehören u. a. folgende maßgebliche Akteure im Bereich der Literatur in Münster:
Literaturverein Münster, GWK, Literaturzeitschrift Am Erker, Droste Gesellschaft, Verband
Deutscher Schriftsteller etc.; dazu kommen öffentli che Institutionen (Landschaftsverband,
Westfälische Wilhelms - Universität, Stadt Münster etc.) und Medien (z. B. WDR).
Das Kulturamt fördert diese Szene durch eine abges timmte und ausgewogene Palette von
Förderinstrumenten. Dazu gehören: Autorenförderung, Stipendienvergaben, ein Veranstal-
tungsangebot mit Buch- und Verlagspräsentationen, L esungen und Diskussionsveranstal-
tungen, Vorträge, Kinder- und Jugendprogramme, Hörs pielveranstaltungen, Ausstellungen
etc.
Schon dieses „Blitzlicht“ in die Literaturlandscha ft zeigt, dass die Voraussetzungen für eine
vielfältige und effektiv arbeitende literarische „Szene“ in Münster gegeben sind.
Das sind unter anderem:
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Autoren und Autorinnen, die in Münster und im Müns terland leben und literarisch tätig sind
oder die nach Münster kommen, um vor dem hiesigen P ublikum zu lesen, Veranstalter,
Gesellschaften und Vereine, die das literarische An gebot in der Stadt ermöglichen, die eine
Plattform für die einheimischen Autoren und Autorin nen bieten und auch die auswärtigen
Literaten in die Stadt holen, Förderer, die die Literatur mit Zuschüssen, Stipendien und Lite-
raturpreisen unterstützen, Verlage, Literaturzeitsc hriften, die der Literatur die Öffentlichkeit
ermöglichen ...
Die kulturelle Förderung in Münster dient auch daz u, Experimentierfelder zu ermöglichen,
Avantgarde aufzuspüren und ein breites Spektrum zei tgenössischer Literatur zu unterstüt-
zen.
Neue Entwicklungen auf diesem Gebiet sind z. B. di e Poetry Slams im C.U.B.A. Im Rah-
men des „NRW Poetry Slams“, der künftig jährlich an einem anderen Ort geplant ist, wurde
ein mehrtägiger Dichterwettstreit ausgetragen, bei dem selbst geschriebene Texte in einer
bestimmten Zeit dem Publikum vorgetragen werden. Bewertet werden sowohl der Inhalt der
Texte als auch die Art des Vortrags. Der Wettstreit wird begleitet von einem Programm aus
Lesungen, Konzerten, Partys und einer Buchmesse, um die Vielfalt und Lebendigkeit der
Off-Literatur-Szene in Nordrhein-Westfalen zu unterstreichen.
Neben dem Poetry Slam organisieren die TatWort Mac her Lesungen, Ausstellungen und
bringen dann und wann das Literaturfanzine Zettelwirtschaft heraus.
Die Entwicklung im Bereich der neuen Medien bietet neue Chancen für die Vermittlung von
Literatur. So bietet die im Jahr 2001 entstandene „ Literaturline“ einen umfassenden Über-
blick über die Literaturszene in Münster und im Mün sterland mit ausführlichen Informatio-
nen über Autoren und Autorinnen, Literaturveranstal tern, Literaturförderern und einem
ständig aktualisierten Literaturkalender. Auch Lesungen sind über Internet abrufbar.
Die hier skizzierten Aspekte der Literaturarbeit i n Münster erheben keinen Anspruch auf
quantitative Vollständigkeit, sie zeigen nur Eckpfeiler auf.
Grundsätzlich wird so deutlich, dass in Münster ei ne effektive Literaturarbeit geleistet wird,
die durch strukturell gut angelegte Kooperationen d er maßgeblich Beteiligten und durch ein
hohes Maß an Engagement und Fachkompetenz Einzelner getragen wird.
4.3 Lyrikertreffen Münster und Preis der Stadt Müns ter für Europäische Poesie
Jede Sparte braucht ihre herausragenden Ereignisse , die zusammenbinden und Sichtbar-
keit erzeugen, auch für Produktionen, die sich eher an interessierte Kreise wenden und
kein großes Publikum erwarten können.
Diese Funktion hat neben anderen auch das Lyrikert reffen.
Es wird im Biennale-Rhythmus durchgeführt im Rahme n einer Kooperation zwischen Stadt
Münster, Literaturverein Münster, Gesellschaft zur Förderung Westfälischer Kulturarbeit,
WWU u. a.
Das Lyrikertreffen Münster hat sich seit Ende der siebziger Jahre (1979) zu einer der be-
deutendsten internationalen Veranstaltungen seiner Art entwickelt. Das Lyrikertreffen wird
als Biennale in ungeraden Jahren ausgerichtet. Nebe n den Gruppenlesungen, in den Städ-
tischen Bühnen Münsters, finden regelmäßig Schulles ungen in den Jahrgangsstufen 9 -13
in münsterschen Gymnasien statt. Es beteiligen sich durchschnittlich 15 Schulen mit insge-
samt 25 – 30 Lesungen.
Das Lyrikertreffen Münster bietet im Übrigen die e inmalige Gelegenheit für Schulen und
Schulklassen sich an einer Veranstaltung internatio nalen Zuschnitts zu beteiligen und
hochkarätige Autoren und Autorinnen zu sich einzuladen.
Die Vergabe des Europäischen Preises für Poesie, d er im Rahmen des Lyrikertreffens ver-
geben wird, stellt das international wahrgenommene literarische Aushängeschild für Müns-
ter dar. Mit diesem Preis werden alle zwei Jahre ei n international rezipierter Lyrikband und
seine eigenständige Übersetzung prämiert. Die Auslo bung des Preises erfolgt durch eine
hochkarätig besetzte unabhängige Fachjury. Als das Lyrikertreffen 1979 erstmals stattfand,
hatte die Lyrik Hochkonjunktur. Es spricht für die Stadt, dass das Lyrikertreffen sich 1993
durch die Einbindung der Verleihung des Poesiepreis es weiter profilieren konnte und heute
eine der wichtigsten und renommiertesten Kulturvera nstaltungen im städtischen Kulturka-
lender ist.
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Seit 1993 verleiht die Stadt Münster im Rahmen die ses alle zwei Jahre stattfindenden Tref-
fens den "Preis für Europäische Poesie", der einen herausragenden Gedichtband und des-
sen Übersetzung aus dem Deutschen oder ins Deutsche auszeichnet. Seit 1995 sind die
mit diesem Preis verbundene Thematik und die jeweil igen Preisträger ein integraler Be-
standteil des Lyrikertreffens:
Die Preisträgerinnen und Preisträger besitzen in i hrem Land längst den Rang eines „mo-
dernen Klassikers“ und Ihr Einfluss auf die zeitgenössische Lyrik ist unbestritten.
Am 7. November 2008 hat die Jury die Preisträger f ür den Preis der Stadt Münster für Eu-
ropäische Poesie 2009 ermittelt. Der Preis wird im Rahmen des Lyrikertreffens am 29. März
2009 im Festsaal des Erbdrostenhofes verliehen.
4.4 Neue Impulse und mögliche Entwicklungsperspekti ven
Für weitere Gespräche mit dem Land, bieten sich in erster Linie das Lyrikertreffen und der
Preis für Europäische Poesie an, die gemeinsam das Potenzial haben, Münster gemeinsam
mit NRW europäisch zu positionieren.
Bereits in 2009 wird eine Zusammenarbeit des Lyrik ertreffens mit unterschiedlichen Part-
nern wie der Initiative TatWort, der Literaturzeits chrift Am Erker, der Filmwerkstatt Münster
und vor allen Dingen dem münsterschen Verlag Kleinh einrich zu einer Aufwertung des Lyri-
kertreffens führen und die maßgebliche Kompetenzen im Bereich der „Poesie“ in Münster
unter Beweis stellen.
Im Reigen der unterschiedlichen literarischen Posi tionierungen der Regionen und Städte in
NRW (z. B. „Krimiregion“ Hellweg, LitCologne Köln e tc.) empfiehlt sich eine Schwerpunkt-
setzung für Münster auf dem Gebiet der Lyrik und Po esie. Eine klare Basis mit deutlichen
und erwiesenen Kompetenzen in diesem Bereich existi ert in Münster in jedem Fall. Unter
verbesserten Rahmenbedingungen könnte die Bündelung und Verstetigung von Gewinn
bringenden Kooperationen als Voraussetzung für eine landesweit führende Rolle auf dem
Gebiet der Lyrik und Poesie erreicht werden. Münste r könnte sich damit eine eigene Positi-
on in NRW schaffen und auch eine regionale Spitzenr olle als kompetenter Partner einneh-
men.
Eine Weiterentwicklung der Positionierung des Euro päischen Preises für Poesie gemein-
sam mit dem Land NRW könnte die Veranstaltung auf e in noch qualifizierteres und me-
diengerechteres Niveau heben. Ein entsprechendes Ge spräch sollte mit dem Land geführt
werden, um die Chancen für eine Aufwertung des Prei ses und damit auch des Lyrikertref-
fens auszuloten.
Die Weiterentwicklung der Strukturen und Rahmenbed ingungen für die aktuellen Entwick-
lungen in der Literaturarbeit im Kontext der NRW Ku lturpolitik bietet sich damit ebenfalls als
Gegenstand für ein Gespräch mit dem Land an.
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5. Film
5.1 Münster als Filmstadt
Die Liebe zur Welt des Films währt in Münster scho n lange. Wenn es auch vermessen
scheint, die Stadt perspektivisch als Filmhochburg positionieren zu wollen, so gilt Münster
doch durchaus als Filmstadt, was sich durch verschiedene Faktoren verdeutlicht.
• Die Kinos
Auf den ersten Blick erscheint die Kinolandschaft in Münster nicht besonders vielfältig. So
existieren mit dem Cineplex, dem Schlosstheater und dem Cinema nur noch drei Kinohäu-
ser. Die Kinobesucher in Münster profitieren allerd ings von der fehlenden Konkurrenzsitua-
tion, die zu einer ambitionierten Sortierung des Fi lmangebotes durch den großen Kino-
betreiber in Münster geführt hat: Da alle Kinos in einer Hand liegen, ist das Gesamtpro-
gramm nicht von Konkurrenz sondern von Kooperation bestimmt, die eine Vielfalt garan-
tiert. So gehört etwa das Filmkunstkino Schlossthea ter zu den Gründungsmitgliedern der
renommierten Gilde deutscher Filmkunsttheater und wird seit vielen Jahren ebenso wie das
Cinema regelmäßig vom Land NRW und durch den Bund m it Preisen für eine „herausra-
gende Programmgestaltung“ ausgezeichnet.
• Filmclub Münster
Der Filmclub Münster ist der älteste in Deutschlan d. Er wurde 1948 von engagierten Men-
schen gegründet, um wieder einen neuen, offenen Bli ck auf die Welt werfen, andere Le-
bens- und Gesellschaftskonzepte diskutieren zu könn en, den Film als Transportmedium für
ästhetische und kulturelle Verfasstheiten zu verste hen. Der Filmclub spielt sein Programm
regelmäßig im Schlosstheater.
• Filmservice Münster.Land
Münster ist eine der wenigen Städte in Deutschland mit einer Filmservicestelle, die öffent-
lich getragen wird. Der Filmservice hat die Aufgabe , Münster als Produktionsstandort zu
qualifizieren. Mit den Reihen „Tatort“ aus Münster (ARD) und „Wilsberg“ (ZDF) hat diese
Arbeit seit einigen Jahren großen Erfolg.
Grenzüberschreitend ist die Ausschreibung des Dreh buchförderpreises „Geschichten aus
der Provinz“, der im Rahmen des Filmfestivals verli ehen wird. Der Filmservice Müns-
ter.Land macht damit jungen Filmemachern aus Deutsc hland und den Niederlanden Mut,
ihre Drehbücher in den Provinzen diesseits und jenseits der Grenze anzusiedeln.
• Die Filmwerkstatt Münster
Der europäische filmkulturelle Austausch ist auch ein Hauptanliegen der Filmwerkstatt
Münster. Seit 1981 ist sie als regionales Zentrum f ür den Film in Münster, in Nordrhein-
Westfalen und über dessen Grenzen hinaus aktiv und bekannt. Die Mitglieder des Vereins
der Filmwerkstatt Münster - Filmemacher, Produzente n und Filmenthusiasten - sowie eine
große Zahl freier Mitarbeiter sorgen mittlerweile f ür ein breites Angebot im gesamten Be-
reich des Filmschaffens: die Produktion, Seminare, das Filmfestival Münster, einzelne Me-
dien- und Filmprojekte sowie der Filmclub Münster s ind laufende Schwerpunkte der Arbeit
in der Filmwerkstatt Münster. Seit über 25 Jahren bietet die Filmwerkstatt Münster Aus- und
Weiterbildungsseminare zu vielen Bereichen der Film produktion an. Sie verfügt somit über
große Erfahrung vor allem in der Fortbildung von Autodidakten und Nachwuchsfilmern.
Regelmäßig organisiert die Filmwerkstatt Münster R eihen zu europäischen Kinematogra-
phien. Es treffen sich deutsche und andere europäis che Regisseure und Regisseurinnen,
Produzenten und Produzentinnen, um gemeinsames und spezifisches zu diskutieren und
um mögliche Kooperationen zu finden. Internationale Stars des Films wie Peter Greena-
way, Rutger Hauer, Inger Nilsson oder auch Tom Tykw er sind dabei regelmäßig Gast der
Filmwerkstatt.
Seit über fünf Jahren konzipiert die Filmwerkstatt Münster Kinoabende an ungewöhnlichen
Orten. Mit großem Erfolg: Sei es zur Eröffnung der Regionale 2004 in den ehemaligen Os-
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mo-Industriehallen am Münsteraner Stadthafen oder J ames Camerons Blockbuster
TITANIC im Stadtbad Mitte - überall stießen die Veranstaltungen auf großen Anklang.
Dabei gehört die Vorführung aktueller Kassenschlag er ebenso zum Repertoire wie die
Durchführung anspruchsvoller filmischer Kulturevent s: Von Stummfilmklassikern mit musi-
kalischer Untermalung durch Orchester und Opernchor über Veranstaltungen zu histori-
schen Jahrestagen bis hin zu Filmen mit spezifischem Regionalbezug.
• Das Filmfestival Münster
Alle zwei Jahre ist das Filmfestival Münster ein v erlässliches Barometer für innovatives
Filmschaffen, neue Themen im Film und gute Unterhal tung. Von den 1981 ins Leben geru-
fenen „Tagen des unabhängigen Films“ über die „Film zwerge“ bis hin zum „Filmfestival
Münster“ wurde das Konzept kontinuierlich erweitert . So ist das Festival zu einer festen
Größe in der deutschen Festivallandschaft herangewa chsen. Abseits der zentralen Me-
dienstandorte hat es sich durch seine Programmquali tät behaupten können. Von Mal zu
Mal hat sich die Veranstaltung immer mehr zu einem Publikumsfestival entwickelt.
Das Filmfestival Münster versteht sich als europäi sche Plattform für den regionalen und
nationalen künstlerisch und inhaltlich anspruchsvollen Film.
Der deutschlandweit einmalige Länderschwerpunkt „N iederlande“ mit jeweils aktuellen Fil-
men aus dem Nachbarland ist fester Bestandteil des Festivals. Der traditionelle und bei
Filmemachern, Filmhochschulen und Produzenten gleic hermaßen beliebte europäische
Kurzfilmwettbewerb wird seit 2005 durch den seiner zeit neu eingeführten europäischen
Spielfilmwettbewerb für die beste Regie ergänzt.
Seitens des Landes gibt es wirtschaftliche und kul turell orientierte Filmförderung. Die
Staatskanzlei fördert insbesondere den künstlerischen Film:
Darunter fällt auch die Förderung regional, überre gional und international bedeutender
Filmfestivals, wie:
• Internationale Kurzfilmtage in Oberhausen, Duisbur ger Filmwoche,
• Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln u nd andere
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung von Ein richtungen, die sich der Qualifikation
und Fortbildung widmen. Zu nennen sind hier:
die Filmwerkstätten in Düsseldorf und Münster sowi e die Filmhäuser in Köln und Bielefeld.
2007 standen für Filmfestivals im Bereich künstler ischer Film etwa 640.000 Euro landessei-
tig zur Verfügung. Davon gingen allein in die Kurzf ilmtage Oberhausen etwa 300.000 Euro.
Spezielle Festivalförderung erhielten auch die Duis burger Filmwoche und das Dortmunder
Frauenfilmfestival.
5.2 Neue Impulse und mögliche Entwicklungsperspekti ven
Stärkung des Filmfestivals und der Aus- und Weiter bildung
Der künstlerische Stellenwert des Münsteraner Film festivals ist ähnlich hoch anzusiedeln
wie die oben genannten und hat seinen eigenen regio nalen und künstlerischen Stellenwert.
Eine dauerhafte adäquate und stabile Finanzierungs beteiligung durch das Land ist wün-
schenswert und Grundvoraussetzung, angesichts der langen Vorläufe in der Planung. Da-
zu und zu den künftigen künstlerischen Entwicklunge n des Festivals sollen Gespräche mit
dem Land geführt werden.
Ein klares Bekenntnis der Stadt zu ihrem Festival könnte zu einer festen Position im Ran-
king der Festivallandschaft in NRW beitragen. Dass dies auch zu einer Stärkung der Positi-
on der Filmwerkstatt Münsters in NRW beitragen kann, versteht sich von selbst.
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6. Abschließende Bemerkung
Die hier angeführten Vorschläge greifen die Kernan liegen aus den Anträgen von CDU (Kul-
turgutachten NRW – Chancen für Münster nutzen) und SPD (Die richtigen Lehren aus dem
NRW-Kulturgutachten ziehen – Stärken im Kulturberei ch weiter profilieren) auf, die unter
Umständen erfolgreich in die Gespräche mit der Land esregierung eingebunden werden
können. Sie betreffen die Sparten und Genres, in denen eine „Stärkung europäischer Struk-
turen“ auch auf Interessen beim Land stoßen können.
Die profilierenden Konzepte, die die Stadt Münster aus eigener Kraft entwickeln und um-
setzen kann bzw. muss, sind noch nicht Gegenstand d ieser Überlegungen. Sie werden im
weiteren Verfahren entwickelt und im Kulturausschus s vorgestellt. Dazu gehören auch wei-
tere in den Anträgen aufgeführte Anliegen, wie beis pielsweise die im CDU – Antrag ange-
sprochene Profilierung im Bereich Barock. Hier wurd e bereits mit der Spielzeit 2007 / 2008
ein neues Festival bei den Städtischen Bühnen in Zu sammenarbeit mit der Westfälischen
Schule für Musik aus der Taufe gehoben: „Tage der B arockmusik“. Nach dem Auslaufen
des „Barockfestes Münster“ - bzw. dem zwischenzeitl ichen Barockfestival Münsterland –
wird hier zurzeit ein neues Veranstaltungsformat gefestigt, das mittlerweile wieder einen gu-
ten Publikumszuspruch erfährt.
Der große Bereich der kulturellen Bildung ist im Z usammenhang mit dem Kulturgutachten
NRW nicht thematisiert worden - für Münster aber ei n wichtiges Element, in dem auch der
Musik eine besondere Bedeutung zukommt.
Berichtsvorlage
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V/0010/2009 DER OBERBÜRGERMEISTER Kulturamt Betrifft Kulturgutachten NRW Antrag der SPD-Fraktion an den Rat Nr. A-R/0040/2008 Antrag der CDU-Fraktion an den Kulturausschuss vom 11.08.2008 Beratungsfolge 22.01.2009 Kulturausschuss Bericht Bericht: Die Staatskanzlei NRW und die Kunststiftung NRW haben eine zehnköpfige Expertenkommission beauftragt, Stärken und Schwächen der Kultur und der Kulturförderung in Nordrhein Westfalen zu analysieren, auf ihre nationale und internationale Positionierung zu überprüfen und bisher brach- liegende Potenziale aufzuzeigen. Die Veröffentlichung des Gutachtens im Juni 2008 hat eine intensive Diskussion im Land NRW und auch in der Stadt Münster hervorgerufen. Es wurden zahlreiche kritische Stellungnahmen veröffentlicht, u. a. von der Kulturdezernentin der Stadt Münster, vom Senatsausschuss für Kunst und Kultur der WWU, vom Filmbüro NRW, Lan- desmusikrat NRW, um nur einige zu benennen. Auch der Kulturausschuss des Landtags NRW hat sich in seiner Sitzung am 20.08.08 mit den Vorschlägen beschäftigt. Die Staatskanzlei geht davon aus, dass nun ein intensiver Diskurs zur Kultur mit den Kommunen im Land NRW geführt wird. Dazu will Münster auf Grundlage dieses Berichts gerne einen Beitrag leisten. Aus münsterscher Sicht kann festgestellt werden, dass der Bericht Münster und das Münsterland kaum erwähnt. Münster bzw. das Münsterland tauc hen lediglich en passant im Kontext von Lite- ratur und Tanz auf. In ersten Stellungnahmen wurde dies im Kulturausschuss bereits parteiübergreifend kritisch an- gemerkt. Einigkeit war auch zu erkennen in der kritischen Bewertung des Landesvorhabens, mit Hilfe der Kultur Landesmarketing zu betreiben – mit Folgen für die kulturelle Unterstützung in den Landesteilen. Als Gewinner dieses Ansatzes wurden allein das Ruhrgebiet und das Rhein- land gesehen. In Münster haben daher sowohl die CDU – Fraktion mit Antrag vom 11. 08. 2008 als auch die SPD – Fraktion mit Antrag vom 18. 08. 2008 die Verwaltung gebeten, das Kulturgutachten in Be- Vorlagen-Nr.: V/0010/2009 Auskunft erteilt: Frau Schnell Herr Ermeling Ruf: 492-4100 492-4103 E-Mail: Schnell@stadt-muenster.de Ermeling@stdt-muenster.de Datum: 15.01.2009 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0010/2009 zug auf den Kulturstandort Münster auszuwerten und Handlungsansätze aufzuzeigen, wie die Münsteraner Stärken im Kulturbereich weiter profiliert werden können. Dabei sind auch zum Teil bereits konkrete Aufgabenfelder benannt worden. Die Anträge wurden zur weiteren Beratung an den Kulturausschuss verwiesen (siehe auch Vor- lage an den Hauptausschuss Nr. V/0733/2008). Die Anlage 1 zu dieser Vorlage gibt einen ersten Überblick über ausgewählte Arbeitsfelder, die in ihrer Bedeutung für Münster genauer betrachtet werden. Nach Einschätzung der Verwaltung bieten sich diese dargestellten Kulturbereiche zur weiteren Diskussion mit dem Land an, da sie nicht nur lokale Bedeutung für Münster, sondern auch für NRW Potential haben. Sollte das Land NRW die Vorschläge aus Münster als Element zur Strukturierung der Landeskulturpolitik nutzen, ist damit zu rechnen, dass parallel dazu eine entsprechende Stärkung dieser Bereiche durch die Kommune erforderlich wird. I. V. gez. Dr. Hanke Stadträtin Anlage
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Fresnostraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0010/2009
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 07.01.2009
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37