2388/2022
Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln
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Sachstandsbericht Rat /Ausschuss
3739 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
VIII/57/574
Vorlagen-Nummer
2388/2022
Stand: 31.01.2024
Sachstandsbericht
Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln
Beschluss:
Der Rat nimmt die Ergebnisse des Projektes „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die
Stadt Köln“ zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung:
die Ergebnisse in das Verwaltungshandeln zu integrieren und perspektivisch auf wei-
tere vulnerable Gruppen auszuweiten,
wirksame Maßnahmen weiterzuentwickeln bzw. zusätzliche Maßnahmen zu erarbei-
ten,
als ersten Schritt einer Verstetigung einen „Runden Tisch Hitzeaktionsplan“ mit den
wesentlichen internen und externen Akteur*innen zu initiieren und
über die Umsetzung der Maßnahmen jährlich zu berichten.
Die Maßnahme löst einen Bedarf von 1,0 Mehrstellen EG 13 und somit Personalkosten iHv
87.500 € p.a. sowie von Sachaufwendungen in Höhe von 12.800 € p.a. (Gesamtkosten
100.300 € p.a. Brutto) aus. Die Finanzierung wurde durch das Dezernat VIII sichergestellt.
Die Finanzierung der vorgenannten Aufwendungen i.H.v. 100.300 € erfolgt aus veranschlag-
ten Sachmitteln für die Klimafolgenanpassung i.H.v. 500.000 € p.a. im Teilergebnisplan 1401
Umweltordnung, -vorsorge in Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen.
Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haushalts-
satzung 2023/2024.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
Mit dem Projekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.2019-06.2022)
wurde der Grundstein für einen umfassenderen Hitzeaktionsplan gelegt. Dieser beinhaltet alle
Ebenen der Prävention für das Wohlergehen der Menschen im Alter und wird nun schrittweise
auf weitere vulnerable Gruppen und letztendlich die gesamte Bevölkerung der Stadt Köln aus-
geweitet. Durch die Einbindung der maßgeblichen Dienststellen in die Maßnahmenentwick-
lung wird die Hitzeaktionsplanung in das Verwaltungshandeln integriert.
2
Als ersten Schritt zur Verstetigung wurde der „Runde Tisch Hitzeaktionsplanung“ mit den we-
sentlichen internen und externen Akteur*innen erfolgreich implementiert. Das Arbeitsgremium
trifft sich zweimal jährlich im Frühjahr als Vorbereitungstreffen und einmal im Herbst als Evalu-
ationstreffen. Organisiert und koordiniert wird dieser Arbeitskreis vom Umwelt- und Verbrau-
cherschutzamt der Stadt Köln.
Das Ziel des Runden Tisches Hitzeaktionsplanung ist es, gemeinsam mit den Vertreter*innen
der Stadtverwaltung, dem Gesundheitswesen sowie der Zielgruppen bereits im Projekt entwi-
ckelte Maßnahmen abzustimmen, zusätzliche Aktionen auch für weitere vulnerable Gruppen
zu erarbeiten sowie konkrete Aufgaben zu verteilen und Arbeitsschritte festzulegen. Diese Zu-
sammenarbeit gewährleistet die fortlaufende Weiterentwicklung und Umsetzung von Maßnah-
men. Die im Projekt angestoßene gemeinsame Arbeit wird durch den "Runden Tisch Hitzeak-
tionsplanung“ weitergeführt.
Es ist vorgesehen, über die Umsetzung der Maßnahmen und Aktionen jährlich im 1. Quartal
mit einem Jahresbericht detailliert zu informieren. Der Jahresbericht 2023 ist in Vorbereitung
und wird erstmalig im Frühjahr 2024 erscheinen.
Nächste Schritte:
Ein kontinuierlicher Kommunikations- und Arbeitsprozess gewährleistet die Fortführung des
Hitzeaktionsplans für die Stadt Köln. Durch die Weiterentwicklung wirksamer bzw. Erarbeitung
zusätzlicher Maßnahmen und das Einbeziehen neuer Akteur*innen werden weitere vulnerable
Gruppen integriert und somit der Hitzeaktionsplan stetig erweitert.
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
Ein weiterer Sachstandsbericht ist nicht geplant. Der Sachstandsbericht wird durch den Jah-
resbericht abgelöst.
Sachstandsbericht Rat /Ausschuss - Alt (1)
7263 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
VIII/57/574
Vorlagen-Nummer
2388/2022
Stand: 03.08.2023
Sachstandsbericht
Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln
Beschluss:
Der Rat nimmt die Ergebnisse des Projektes „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die
Stadt Köln“ zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung:
die Ergebnisse in das Verwaltungshandeln zu integrieren und perspektivisch auf wei-
tere vulnerable Gruppen auszuweiten,
wirksame Maßnahmen weiterzuentwickeln bzw. zusätzliche Maßnahmen zu erarbei-
ten,
als ersten Schritt einer Verstetigung einen „Runden Tisch Hitzeaktionsplan“ mit den
wesentlichen internen und externen Akteur*innen zu initiieren und
über die Umsetzung der Maßnahmen jährlich zu berichten.
Die Maßnahme löst einen Bedarf von 1,0 Mehrstellen EG 13 und somit Personalkosten iHv
87.500 € p.a. sowie von Sachaufwendungen in Höhe von 12.800 € p.a. (Gesamtkosten
100.300 € p.a. Brutto) aus. Die Finanzierung wurde durch das Dezernat VIII sichergestellt.
Die Finanzierung der vorgenannten Aufwendungen i.H.v. 100.300 € erfolgt aus veranschlag-
ten Sachmitteln für die Klimafolgenanpassung i.H.v. 500.000 € p.a. im Teilergebnisplan 1401
Umweltordnung, -vorsorge in Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen.
Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haushalts-
satzung 2023/2024.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
Mit dem Projekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.2019-06.2022)
wurde der Grundstein für einen umfassenderen Hitzeaktionsplan gelegt. Dieser umfasst alle
Ebenen der Prävention für das Wohlergehen der Menschen im Alter und wird nun schrittweise
auf weitere vulnerable Gruppen und letztendlich die gesamte Bevölkerung der Stadt Köln aus-
geweitet. Durch die Einbindung der maßgeblichen Dienststellen in die Maßnahmenentwick-
lung werden die Ergebnisse in das verwaltungshandeln integriert.
2
Als ersten Schritt zur Verstetigung des Hitzeaktionsplans wurde der „Runde Tisch Hitzeakti-
onsplan“ mit den wesentlichen internen und externen Akteur*innen eingerichtet. Die ersten
drei Arbeitstreffen fanden im Frühjahr 2023, vorbereitend für diesen Sommer, mit den wesent-
lichen Vertreter*innen der Stadtverwaltung (Amt für Soziales, Arbeit und Senioren, Amt für
Kinder, Jugend und Familie, Gesundheitsamt, Umwelt und Verbraucherschutzamt, Berufsfeu-
erwehr Köln), dem Gesundheitswesen (GeoHealth Centre des Universitätsklinikum Bonn,
Institut für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln, KlimaDocs, Landeszentrum Gesundheit NRW)
sowie Vertreterinnen der Zielgruppen (Seniorenvertretung Köln-Ehrenfeld, Liga) statt. Es wur-
den bereits im Projekt entwickelte Maßnahmen abgestimmt, zusätzliche Aktionen erarbeitet
sowie konkrete Aufgaben verteilt und Arbeitsschritte festgelegt. Darüber sind auch weitere
Zielgruppen (Obdachlose, werdende Eltern und Kinder) in den Fokus gerückt worden. Der 4.
Runde Tisch Hitzeaktionsplan ist für Herbst 2023 geplant und wird zurzeit vorbereitet. Zukünf-
tig werden zwei Vorbereitungstreffen im Frühjahr und ein Evaluationstreffen im Herbst durch-
geführt. Somit wird die im Projekt angestoßene gemeinsame Arbeit durch den "Runden Tisch
Hitzeaktionsplanung“ weitergeführt. Organisiert und koordiniert wird dieser Arbeitskreis vom
Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln.
Ein weiterer intensiver fachlicher Austausch findet regelmäßig bilateral mit den maßgeblichen
Ämtern (Amt für Soziales, Arbeit und Senioren, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Gesund-
heitsamt, Umwelt und Verbraucherschutzamt, Berufsfeuerwehr Köln) und externen Akteur*in-
nen (KlimaDocs, Uniklinik Köln) statt. Hierbei werden Maßnahmen erarbeitet und diskutiert,
die sich auch auf weitere vulnerable Gruppen beziehen.
In Kooperation mit dem Umwelt- und Verbraucherschutzamt sowie dem Gesundheitsamt
wurde beispielsweise der Ratgeber der KlimaDocs e.V. „Klimaschutz ist Kinderschutz – Ein
Ratgeber für Eltern“ um wichtige Hitze-Infos für die Risikogruppe der Säuglinge und (Klein-)
Kinder erweitert. Die Infobroschüre ist auf dem Hitzeportal zum Download erhältlich und soll
demnächst auch in gedruckter Form zur Verfügung stehen. Die Verbreitung erfolgt in Abspra-
che mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie dem Gesundheitsamt.
Die Sensibilisierung von Menschen im Alter wird weiterhin fortgeführt. Das Umwelt- und Ver-
braucherschutzamt war in den Monaten April und Mai in verschiedenen Stadtbezirken beim
Runden Tisch für Seniorenarbeit sowie bei Informationsveranstaltungen und Stadtfesten ver-
treten und hat Vorträge zum Thema Hitze und Gesundheit gehalten. Die Broschüre „Der Hit-
zeknigge“ für die vulnerable Gruppe der Menschen im Alter wurde aktualisiert und an Pflege-
heime, Arztpraxen, verschiedene Netzwerke und Vereine sowie persönlich an interessierte
Bürger*innen vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt versendet.
Als weiteres Maßnahmenbeispiel werden sogenannte Hitzespaziergänge in ausgewählten
Stadtbezirken von den Seniorenkoordinatoren und SeniorenNetzwerken organisiert. Gemein-
sam mit Senior*innen wird die nähere Umgebung nach schattigen Sitzmöglichkeiten, Trink-
und Toilettenstandorten, aber auch Stolperfallen abgesucht. Das Umwelt- und Verbraucher-
schutzamt koordiniert die Aktion und unterstützt mit Kartenmaterial. Die Ergebnisse sollen in
handlichen Karten bzw. Flyern aufbereitet und allen Bürger*innen zur Verfügung gestellt wer-
den.
Im Juli war das Gesundheitsamt auf Wochenmärkten in Nippes, Bocklemünd und Höhenhaus
vertreten, auf denen Bürger*innen von Medizinerinnen beraten und Informationsbroschüren
und Giveaways des Hitzeaktionsplans verteilt wurden.
Das Kölner Hitzeportal mit aktuellen Informationen und Tipps zum richtigen Verhalten bei
Hitze wird kontinuierlich aktualisiert. Neben der überarbeiteten Übersichtskarte „Hitze, Trink-
wasserbrunnen und Toilettenstandorte“ ist auf dem Hitzeportal die neu eingerichtete interak-
tive Karte „Kühle Orte in Köln“ zu finden. Bürger*innen können hier ihre schattigen Plätze und
Abkühlungsmöglichkeiten selbständig in eine digitale Karte eintragen und allen Kölner*innen
zur Verfügung stellen.
Eine weitere neue Maßnahme, die zurzeit erprobt wird, ist das Hitzetelefon. Das Gesundheits-
amt hat über die Sommermonate (21.06. - 22.09.2023) für ratsuchende Bürger*innen ein ärzt-
3
lich geleitetes Hitzetelefon eingerichtet. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse werden in ei-
nem wöchentlichen Austausch zwischen dem Umwelt- und Verbraucherschutzamt und dem
Gesundheitsamt besprochen und das Angebot entsprechend weiterentwickelt.
Weitere Maßnahmen, die diesen Sommer durchgeführt werden, sind die Ausstellung zum Hit-
zeaktionsplan und zur Klimawandelanpassung in der Magistrale des Stadthauses in Deutz,
der Verleih von Rollups mit 11 Hitze Tipps für z.B. Bürgerämter und Veranstaltungen sowie
die Vorbereitung der Aktion „Cooling Cologne“.
Nächste Schritte:
Der 4. Runde Tisch Hitzeaktionsplan ist für Herbst 2023 geplant und wird zurzeit vorbereitet.
Über die Umsetzung der Maßnahmen wird erstmalig im 1. Quartal 2024 detailliert berichtet.
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
31.12.2023
Beschlussvorlage Rat
20156 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VIII/57/574 Vorlagen-Nummer 2388/2022 Freigabedatum 08.11.2022 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat nimmt die Ergebnisse des Projektes „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung: die Ergebnisse in das Verwaltungshandeln zu integrieren und perspektivisch auf weitere vul- nerable Gruppen auszuweiten, wirksame Maßnahmen weiterzuentwickeln bzw. zusätzliche Maßnahmen zu erarbeiten, als ersten Schritt einer Verstetigung einen „Runden Tisch Hitzeaktionsplan“ mit den wesentlichen internen und externen Akteur*innen zu initiieren und über die Umsetzung der Maßnahmen jährlich zu berichten. Die Maßnahme löst einen Bedarf von 1,0 Mehrstellen EG 13 und somit Personalkosten iHv 87.500 € p.a. sowie von Sachaufwendungen in Höhe von 12.800 € p.a. (Gesamtkosten 100.300 € p.a. Brutto) aus. Die Finanzierung wurde durch das Dezernat VIII sichergestellt. Die Finanzierung der vorgenannten Aufwendungen i.H.v. 100.300 € erfolgt aus veranschlagten Sachmit- teln für die Klimafolgenanpassung i.H.v. 500.000 € p.a. im Teilergebnisplan 1401 Umweltordnung, - vorsorge in Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haushaltssatzung 2023/2024. Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 17.11.2022 Gesundheitsausschuss 22.11.2022 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 24.11.2022 Finanzausschuss 05.12.2022 Rat 08.12.2022 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: 2023 a) Personalaufwendungen 87.500,00 € b) Sachaufwendungen etc. 12.800.00 € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung 1. Hintergrund Die Verstetigung des Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter ist Teil der beim Umwelt- und Verbrau- cherschutzamt geplanten Koordinationsstelle „KlimawandelAnpassungsManagement (KAM)“, im Rah- men der integrierten Klimawandelanpassungsstrategie. Mit der Ratsvorlage AN/2624/2021 wurden die Stadtverwaltung und die städtischen Beteiligungen aufge- fordert, Projekte aus den Arbeitsfeldern für eine Bestandsaufnahme zu benennen, eine integrierte Klima- folgenanpassungsstrategie zu erarbeiten und Sofortmaßnahmen zu benennen. Im Zuge des Klimawandels nehmen auch in Köln die heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad Cel- sius und Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad Celsius deutlich zu. Die Studie "Klimawandelge- rechte Metropole Köln" zeigt, dass Temperaturen von über 40 Grad Celsius erreicht werden können. Langanhaltende Hitzeperioden heizen insbesondere die stark versiegelten Stadtquartiere zunehmend auf. Kinder, Kranke, Menschen im Alter und Menschen mit Behinderung reagieren besonders anfällig auf solche Belastungen durch Hitze. 2. Projekt Hitzeaktionsplan (HAP-Köln) Die Zunahme von Hitze aufgrund des fortschreitenden globalen Klimawandels entwickelt sich insbeson- 3 dere wegen der Gefährdung vulnerabler Personengruppen zu einem relevanten Gesundheitsproblem. Dies gilt insbesondere für dicht bebaute, hoch versiegelte Großstädte wie Köln. Das dreieinhalbjährige Forschungsprojekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.01.2019-30.06.2022) wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Si- cherheit und Verbraucherschutz im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) im Förderpro- gramm zur Entwicklung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Förder- schwerpunkt 3), als kommunales Leuchtturmvorhaben gefördert. Es zeichnet sich durch seinen Modellcharakter für den städtischen Raum aus und ist wegweisend für andere Städte. Es vereint unterschiedliche lokale und regionale Akteur*innen aus Kommunalverwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung. Das Projekt wurde in der Federführung des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes gemeinsam mit dem GeoHealth Centre des Instituts für Hygiene & Public Health des Universitätsklinikums Bonn und mit Un- terstützung der RheinEnergie AG sowie des Gesundheitsamtes durchgeführt. Im Hinblick auf den demographischen Wandel hat das Verbundprojekt "Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln" (HAP-Köln) einen besonderen Fokus auf über 65-jährige Personen gelegt. In dieser Altersgruppe können Hilfebedürftigkeit und soziale Isolierung dazu führen, dass Maßnahmen, wie zum Beispiel ausreichendes Trinken und das Kühlen der Innenräume, unterlassen werden. In Hitzeperi- oden wurden höhere Sterberaten festgestellt und das wärmere Stadtklima führt zu vermehrten gesund- heitlichen Belastungen und Risiken. Der Anteil der Einwohner*innen über 65 Jahren liegt in Köln bei etwa 18 Prozent. In dieser Altersgruppe leben 40 Prozent in den Hitzebelastungsgebieten der Klassen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze (76.936 Einwohner*innen). Nur eine sehr geringe Anzahl an Menschen im Alter wohnen in der günstigs- ten Klasse 5 (457 Einwohner*innen). Ziel des Forschungsprojektes war, für Menschen im Alter gesundheitliche Risiken durch Hitzeperioden zu minimieren, in dem ein Informationssystem und ein Aktionsplan aufgebaut und entwickelt werden. Zudem ist untersucht worden, inwiefern Hitzewarnungen alleinlebende ältere Menschen erreichen und sie Maßnahmen zur Hitzevorsorge treffen. Dabei stand im Vordergrund, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten und weiterzugeben. Das Projekt umfasste folgende Arbeitspakete: soziodemographische und sozioökonomische, zeitlich und räumlich differenzierte Erhebung der subjektiven Hitzebelastung von Menschen im Alter in großstädtischer Lebensumwelt Erfassung und Analyse des Informationsflusses bezüglich Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Landesumweltamtes (LANUV NRW) und anderer Quellen zu Men- schen im Alter in unterschiedlichen großstädtischen Lebenskontexten Entwicklung von Instrumenten zur Optimierung der Information von Menschen im Alter über Hitze, gesundheitliche Belastungen durch Hitze und Adaptionsmöglichkeiten Entwicklung geeigneter Maßnahmen und Instrumente zur Förderung hitzeangepasster, gesund- heitsschützender und -fördernder Verhaltensweisen für Menschen im Alter Als Basis für die Erarbeitung von geeigneten Maßnahmen zur Abmilderung gesundheitlicher Risiken diente eine Erhebung mittels qualitativer und quantitativer Methoden. In den untersuchten Stadtvier- teln und Sozialräumen (Pesch, Nippes, Blumenberg/Chorweiler/Seeberg, Höhenberg/Vingst) wurden ältere Menschen zu ihren Informationsquellen, ihrem Wissensstand und ihren aktuellen Verhaltenswei- sen befragt. Zudem ist untersucht worden, ob Senioreneinrichtungen ihr Handeln auf Hitzewarnungen einstellen, Maßnahmen umsetzen und eine Verhaltensänderungen der Bewohner*innen eintritt. Als weitere Erkenntnisquelle sind die Akteur*innen und Multiplikator*innen der Seniorenarbeit einbe- zogen und zu ihren Aktivitäten sowie weiteren geeigneten Maßnahmen befragt worden. Aus dieser Netzwerkarbeit, in Verbindung mit den Erkenntnissen der Befragung, ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog entstanden, der verschiedene zeitliche Horizonte und Handlungsebenen abdeckt. In einem konkreten Hitzeeinsatzplan wurden erste verbindliche Aktionen mit den Akteur*innen verein- bart und in die Anwendung gebracht. Diese sollen weiterverfolgt und ausgebaut werden. Auf der Basis der gewonnenen Ergebnisse wurde eine evidenzbasierte, gezielte Öffentlichkeitsarbeit entwickelt, die sich an Menschen im Alter in verschiedenen Lebenssituationen und verschiedenen Stadt- vierteln wendet. 4 3. Ergebnisse Die zu Beginn des Projekts gestellten Fragen konnten zusammenfassend beantwortet werden: Welche subjektive Hitzebelastung empfinden Menschen 65+ in verschiedenen großstädtischen Lebensumwelten und unterscheidet sich die Belastung in Stadtvierteln mit unterschiedlicher ob- jektiver Hitzebelastung bzw. sozio-ökonomische Struktur? 86,7 % aller Befragten haben eine Zunahme von heißen Tagen, 84,1 % eine Zunahme von Hit- zewellen wahrgenommen. Weibliche Befragte gaben deutlich häufiger als männliche an, dass sie eine deutliche oder sehr starke Belastung empfanden. Im innenstadtnahen Nippes wurde am häufigsten angegeben, eine deutliche oder sehr starke allgemeine Hitzebelastung zu empfinden. Auch in den beiden Sozialräumen ist dies häufig der Fall. Nur im klimatisch unbelasteten weniger besiedelten Pesch mit einer ausgeprägten Blau- und Grünstruktur wurde die Belastung häufiger als mittelmäßig oder weniger stark empfunden. Betrachtet man die Wahrnehmung der gesund- heitlichen Belastung bei Hitze in den unterschiedlichen Stadtviertel, dann fällt auf, dass in Pesch die meisten Teilnehmer*innen eine mittelmäßige, aber weniger häufig als in den anderen Gebie- ten eine deutliche oder sehr starke Belastung empfunden wird. Die häufigsten spontan genann- ten Gesundheitssymptome während Hitzewellen sind Müdigkeit, Schlafprobleme und Schwitzen. Wie reagieren Einrichtungen der Seniorenbetreuung auf Hitze? Rund 72% der Einrichtungen gaben an, Hitzewarnungen zu erhalten. Ein Großteil der Einrichtun- gen gab an, einen schriftlich festgelegten Handlungsplan für heiße Tage zu haben, der in den meisten Fällen konkrete Maßnahmen für heiße Tage und Hitzewellen enthält. Einrichtungen mit Handlungsplänen bejahten überwiegend, dass die Umsetzung der Maßnahmen und des Hand- lungsplans dokumentiert werde. Die Maßnahmen zur Hitzeanpassung umfassten nächtliches Lüf- ten, Verschattung am Tage, besonders Augenmerk auf Flüssigkeitszufuhr in den meisten Fällen durch Trinkprotokolle und einen angepassten Speiseplan. Weiterhin wurden leichtere Kleidung und kühlende Waschungen angeboten. Die Hälfte der befragten Einrichtungen bestätigte, dass eine hitzebedingte Anpassung von Medikamenten in Absprache mit Hausärzt*innen erfolge. Auf- grund des häufigen Personalmangels ist eine Anpassung des Personalschlüssels in den meisten Fällen nicht möglich. Auch klimatisierte Aufenthaltsräume gehören in Senioreneinrichtungen eher zur Ausnahme. Welche Akteur*innen und Multiplikator*innen sind in Köln im Themenfeld Hitze und Gesundheit für die Zielgruppe 65+ bereits aktiv? Das bestehende Akteursnetzwerk des Hitzeaktionsplans für Köln setzt sich aus den verschiede- nen Bereichen der Stadtverwaltung, Wissenschaft, Pflege und Gesundheitswesen, Landes- und Bundesbehörden, Zivilgesellschaft und Netzwerke, Politik sowie Städtischen Unternehmen und Stadtwerken zusammen. Dies dokumentiert, dass eine Vielzahl an Akteur*innen mit jeweils spe- zifischem Blick heute bereits tätig sind. Demnach gilt es insbesondere, diese Aktivitäten weiter zu verzahnen und gegebenenfalls noch auszubauen. Es zeigt aber auch die Komplexität und den Umfang der Aufgabe in einer Großstadt wie Köln. Wie können diese Akteur*innen und Multiplikator*innen in einen Hitzeaktionsplan eingebunden werden? Für die Integration der genannten Akteur*innen und Multiplikator*innen wurden verschiedene tri- sektorale (Kick-Off-Meeting, Akteursworkshops, Abschlussveranstaltung, Runder Tisch Senio- renarbeit) durchgeführt. Außerdem wurden die Akteur*innen regelmäßig per Rundbrief über den aktuellen Projektstand sowie weitere wichtige Informationen im Zusammenhang mit Hitze und Gesundheit informiert. 5 Über welche Kommunikationsformate kann die Kommunikation mit der Zielgruppe strukturiert und optimiert werden und welche Maßnahmen sind geeignet, die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze für die Zielgruppe zu mildern? So unterschiedlich die Wege der Kommunikation, so verschieden und zum Teil ungewöhnlich, waren auch die im Projekt erprobten Formate. So wurden Maßnahmen zum Gesundheitsschutz bei Hitze mit einem Song und Imagefilm von einer Kölschen Band beworben. Zudem ist die Band live in Alteneinrichtungen aufgetreten. Musik eignet sich gerade für die Zielgruppe in Kölscher Mundart, da sie bei älteren und oder dementen Menschen Wohlbefinden und ein Gefühl der Ver- bundenheit auslösen, sowie einen Bezug zur Identität herstellen kann. Die im Projekt erstellten Fächer fanden großen Anklang und konnten auch von Menschen mit Demenz intuitiv genutzt werden. Auch die Hitzetipps wurden in lokaler Adaption mit der Zahl 11 als 11 Hitzetipps ge- druckt. Es wurde deutlich, dass diese plakativen Maßnahmen eine gute Erreichbarkeit der Ziel- gruppe erzielen und eine hohe Aufmerksamkeit für den Song, aber auch für die Informationsin- halte erzeugen Auf welchen Wegen kann die Zielgruppe der Menschen 65+ am besten erreicht werden? Während der Weg über die Pflegeeinrichtungen klar vorgegeben war, stellte sich der Kontakt zu in eigenem Wohnraum Lebenden differenzierter dar. Hier war wichtig, die Menschen in ihren Le- benswelten zu erreichen. Verschiedenste Multiplikator*innen sind hier mit unterschiedlichen An- geboten einzubinden. So können Informationen über ambulante Pflegedienste weitergegeben und diese auf notwenige Vorsorgemaßnahmen aufmerksam gemacht werden. Aber auch bei Au- ßerhaus-Kontakten, wie zum Beispiel Arzt- und Apothekenbesuche, Bäckereien und auf Stadtteil- festen kann der Kontakt direkt mit den Menschen hergestellt werden. Im Projektverlauf wurde, nach dem dies aufgrund der Covid-19-Pandemie wieder möglich war, auf Stadtteilfesten für das Thema geworben. Eine besondere Herausforderung stellen die Alleinlebenden dar, die möglicherweise mobilitäts- eingeschränkt nur noch wenige soziale Kontakte pflegen. Hier kann die Aktivierung der Nachbar- schaft und anderer sozialer und konfessioneller Netzwerke einen guten Weg der Hilfestellung darstellen. Ein systematisches, aktives Angebot stellt die aufsuchende Hilfe dar, die möglicherweise ausge- baut und um die Aufgabe Hitzeprävention erweitert werden muss. 4. Verstetigung Die Rolle einer kommunalen Verwaltung bei der Entwicklung eines Hitzeaktionsplans kann nicht allum- fassend sein. Erst durch Allianzen mit anderen stadtgesellschaftlichen und auch externen Akteur*innen kann die Aufgabe gelingen. Dies ist eine wichtige Botschaft aus dem Leuchtturmprojekt. Die zeitlich be- grenzte Struktur eines Projektes birgt jedoch auch die Gefahr, dass mit dem Wegfall einer koordinieren- den Stelle diese Allianzen mit Personalveränderungen, zeitlichen Verzögerungen etc. wieder „einschla- fen“. Zur Verstetigung des Hitzeaktionsplanes ist daher eine Übergabe an eine koordinierende Stelle in kommunalen Strukturen sinnvoll. Der vorliegende Bericht (s. Anlage) legt den Grundstein für einen Hitzeaktionsplan, der alle Ebenen der Prävention für das Wohlergehen von Menschen im Alter in Köln umfassen soll. Es wurde die Basis für eine intensive und regelmäßige Zusammenarbeit der maßgeblichen Akteur*innen gelegt. Hierauf gilt es jetzt und in Zukunft aufzubauen. Denn vieles wird bereits getan – oft jedoch noch nicht flächendeckend und miteinander verzahnt. Bei den nächsten Schritten wird es immer wieder wichtig sein, möglichst konkrete Vereinbarungen zu treffen damit klar definiert ist, wer, wann und auf welche Weise aktiv wird. Denn von der Verlässlichkeit der Maßnahmen hängt ab, ob es gelingt, Menschen im Alter ihre Selbständigkeit zu erhalten. Ak- teur*innen müssen deshalb überzeugt werden, sich mit Verbindlichkeit einzubringen. Hierfür sind noch viele Gespräche, Absprachen und Vereinbarungen notwendig. Wo finanzielle Ressourcen ein Problem darstellen, muss möglicherweise finanziell interveniert werden. Dies gilt etwa für den wichtigen Bereich 6 der aufsuchenden Hilfe. Im Zuge der Zusammenarbeit von Wissenschaft, kommunalen Akteur*innen, Wirtschaft und der enga- gierten Zivilgesellschaft sind Ideen zu weitergehenden Maßnahmen entstanden bzw. vorgeschlagen worden, die nach ihrer Wirkung priorisiert und weiterverfolgt werden sollen. Viele von ihnen zielen nicht nur auf ältere Menschen, sondern auf die gesamte Bevölkerung ab und wei- sen bereits den Weg in Richtung einer Ausweitung des im HAP-Köln Projekt erstellten Hitzeaktionsplans auf weitere vulnerable Gruppen, wie Kinder, Menschen mit Behinderung oder im Freien körperlich arbei- tende Menschen. Das Sofortprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Ver- braucherschutz (BMUV) für die Anpassung an den Klimawandel soll die Kommunen mit vielfältigen Maßnahmen unterstützen, unter anderem mit einem Beratungsprogramm zur Erstellung von Hitzeakti- onsplänen. Die deutsche Gesundheitsministerkonferenz hat 2020 zudem beschlossen, dass die Erstel- lung von kommunalen Hitzeaktionsplänen als Anpassungsmaßnahme dringend innerhalb eines 5- Jahreszeitraums erforderlich ist. Mit dem „HAP-Köln“ ist die Stadt Köln bereits einen Schritt weiter als die meisten anderen Kommunen, so dass andere Städte von den Erfahrungen profitieren können und das Kölner Vorgehen als Blaupause dienen kann. Das Projekt hat neue Vernetzungen initiiert und erprobt. So wurden nicht nur innerhalb der Stadt Köln neue Wege der Zusammenarbeit eröffnet, sondern auch über die kommunalen Grenzen hinweg ein deutschlandweiter Städtedialog initiiert. Diese neuen Wege haben sich als wichtige Grundlage erwiesen um ein komplexes und neues Aufgabenfeld wie die Hitzeaktionsplanung in einer Kommune zu veran- kern. Die offene Diskussion erzeugte eine Vernetzung auf Augenhöhe. Die Einbindung lokaler Ak- teur*innen in einen Hitzeeinsatzplan und die Nutzung vorhandener lokaler Netzwerke, ist ein Weg der weiter ausgebaut werden sollte, weil so eine gebündelte Informationsweitergabe über Multiplikator*innen an die Zielgruppe aufgebaut werden konnte. Diese Wege konnten auch in der Covid-19-Pandemie ge- nutzt werden. 5. Finanzierung Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt beabsichtigt den Hitzeaktionsplan weiter voranzutreiben und die personellen Ressourcen hierfür auch über die Projektlaufzeit hinaus bereitzustellen. Während des Projektes wurde die Stelle über Fördermittel vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz zu 65 % refinanziert. Um eine kontinuierliche Netzwerkarbeit zukünftig sicherstellen zu können ist sie bis zum 31.12.2022 unter Inanspruchnahme der Mittel aus dem Teiler- gebnisplan 1401 Umweltordnung, -vorsorge, bei der Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen verlängert worden. Ab 2023 ist vorgesehen, die Gesamtaufwendungen i.H.v. 100.300 € dauerhaft aus dem Teilergebnisplan 1401 Umweltordnung, -vorsorge, aus zur Verfügung stehenden Sachmitteln der Teilplanzeile 13, Auf- wendungen für Sach- und Dienstleistungen, zu finanzieren. Die Stelle wird zum Stellenplan 2023 mit entsprechender Kompensation angemeldet. Das Dezernat Umwelt, Klima und Liegenschaften wird im Rahmen der Haushaltsaufstellungsprozesse 2025ff innerhalb des zur Verfügung gestellten Budgets, ggf. durch Umschichtungen die erforderlichen Mittel vorsehen. Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haus- haltssatzung 2023/2024. Die Fortführung der Hitzeaktionsplanung stellt eine Maßnahme des Sofortprogramms der integrierten Klimafolgenanpassung (s. Ratsbeschluss AN/2624/2021) dar und ist Teil der geplanten Koordinations- stelle „KlimawandelAnpassungsManagement (KAM)“. Anlagen Projektendbericht Im Sinne der Ressourcenschonung wird die Anlage nur digital im Ratsinformationssystem bereitgestellt.
Anlage 1 Hitzeaktionsplan
490640 Zeichen
Hitzeaktionsplan
für Menschen im
Alter für die Stadt Köln
1
Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter
für die Stadt Köln (HAP-Köln)
Gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
als kommunales Leuchtturmprojekt.
2
Autor*innen
Umwelt- und
Verbraucherschutzamt, Stadt Köln
Yvonne Wieczorrek
Bianka Marcol
Johanna Grünewald
Marita Hey
GeoHealth Centre des Instituts
für Hygiene & Public Health,
Universitätsklinikum Bonn
Silvia Schäffer-Gemein
Juliane Kemen
Heike Müller
Thomas Kistemann
Mitwirkende
Nils Becker
Annette Boms
Marius Brinaru
Eleni Giannakidou-Jordan
Lena Gorges
Katharina Jung
Bruno Neff
Christina Peklo
Jessica Remy
Stefan Schiffmann
Marie Scholz
Rebecca Vogel
Gerhard-Andreas Wiesmüller
Mit freundlicher Unterstützung von
RheinEnergie AG
Gesundheitsamt, Stadt Köln
Amt für Soziales, Arbeit und Senioren, Stadt Köln
Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stadt Köln
Amt für Recht, Vergabe und Versicherungen, Stadt Köln
Innerhalb des Hitzeaktionsplans wurde bei jeglichen
Erhebungen das eingetragene Geschlecht abgefragt,
wodurch in Teilen nur das „männliche“ und „weibliche“
Geschlecht berücksichtigt wurde.
3
4
Geleitwort
Liebe Leser*innen,
der jüngste Bericht des Weltklimarates
IPCC (Intergovernmental Panel on Climate
Change) beschreibt in erschreckender Weise
die Auswirkungen der Klimakrise und unzu-
reichende Maßnahmen zur Gegensteuerung. Die massiven Folgen
für Mensch und Natur sind eine globale Herausforderung, der sich
auch die Stadt Köln zu stellen hat. Wir müssen uns auf deutlich
längere Hitzeperioden mit Tagen über 30 °C, auf lang anhaltende
Trockenperioden und auf häufigere Starkregenereignisse mit Über-
flutungen einstellen.
Klimaschutz und Klimaanpassung sind in Deutschland bisher keine
kommunalen Pflichtaufgaben. Die Dringlichkeit der Lage erfor -
dert es jedoch, dass Kommunen selbst aktiv werden und eigene
Lösungsansätze zum Umgang mit dem Klimawandel entwickeln.
Gerade die Prävention von Gesundheitsgefährdungen durch Hitze -
wellen ist in dicht bebauten Stadtteilen von besonderer Bedeutung.
Insbesondere ältere Menschen sind nachweislich von Hitze belastet
und spüren gesundheitliche Einschränkungen, auch wenn diese
oft unspezifisch und damit nicht direkt zuzuordnen sind. Gerade
die Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden leben, benötigen
unsere besondere Aufmerksamkeit.
Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln (HAP-Köln)
5
Mit Hitzeaktionsplänen, wie sie im europäischen Ausland zum Teil
bereits implementiert sind und zunehmend auch für deutsche Kom -
munen diskutiert werden, haben wir die Möglichkeit, auf verschie -
denen Handlungsebenen zielgerichtete Maßnahmen zur Vorsorge
zur ergreifen.
Als besonders betroffene Großstadt war es der Stadt Köln wichtig,
als eine der ersten Kommunen ein Projekt zur Initiierung eines Hitze -
aktionsplans für Menschen im Alter gemeinsam mit dem GeoHealth
Centre am Institut für Hygiene und Public Health des Universitäts -
klinikums Bonn auf den Weg zu bringen. Das Gesundheitsamt der
Stadt Köln und die RheinEnergie AG haben sich als weitere wichtige
Partner hierbei eingebracht.
Der vorliegende Bericht, der die Ergebnisse der Projektlaufzeit
zusammenfasst, wäre jedoch nicht ohne die Mitwirkung der vielfäl-
tigen internen und externen Akteur*innen, die sich für das Wohler -
gehen von älteren Menschen einsetzen, entstanden.
Hierfür bedanke ich mich herzlich bei allen, die hieran mitgewirkt
haben, und lade dazu ein, sich weiterhin intensiv einzubringen und
gemeinsam am Kölner Hitzeaktionsplan weiterzuarbeiten.
Ihr
William Wolfgramm
Beigeordneter für Klima, Umwelt,
Grün und Liegenschaften der Stadt Köln
Köln, Juli 2022
6
Geleitwort
Liebe Leser*innen,
die Folgen des Klimawandels werden spür-
bar. Er äußert sich nicht nur durch Erwär-
mung, sondern auch durch die Zunahme von
extremen Wetterereignissen. Nicht zuletzt
die Flutkatastrophe in vielen Kommunen des Rheinlandes hat
uns dies im Sommer 2021 unmittelbar und schrecklich vor Augen
geführt.
Der Anstieg der mittleren jährlichen Lufttemperatur führt dazu, dass
extreme Hitzeereignisse im Sommer immer häufiger, intensiver und
länger anhaltend werden.
Die zunehmende Hitzebelastung ist auch von erheblicher gesund -
heitlicher Relevanz, da sie den menschlichen Organismus stark
beansprucht und insbesondere zu Problemen des Herz-Kreis -
lauf-Systems führt. In den Hitzesommern 2003, 2006 und 2015
verstarben in Deutschland insgesamt etwa 20.000 Menschen an
den Folgen der Hitzebelastung. Pro °C Temperaturanstieg wird eine
Steiger ung hitzebedingter Sterblichkeit um 1–6 Prozent prognos-
tiziert. Ältere Menschen und Personen mit chronischen Vo rerkran-
kungen sind besonders gefährdet.
Vor diesem Hintergrund ist es dringend notwendig, vorsorgend zu
handeln. Das Europäische Parlament hat 2019 eine Klima-Notlage
ausgerufen und die Europäische Kommission aufgefordert, alle rele -
vanten Gesetzes- und Haushaltsvorschläge mit dem Ziel des Pari -
ser Übereinkommens abzustimmen, die Erderwärmung auf unter
1,5°C zu begrenzen. Die deutsche Gesundheitsministerkonferenz
hat 2020 konkordant beschlossen, dass die Erstellung von kom-
munalen Hitzeaktionsplänen als Anpassungsmaßnahme dringend
erforderlich ist.
Prof. Dr. med.
Dr. h.c. mult.
Wolfgang Holzgreve,
MBA
Ärztlicher Direktor und
Vorstandsvorsitzender
Universitätsklinikum
Bonn
7
In einem vom Bundesumweltministerium
geförderten Leuchtturmvorhaben wurde dies
nun für die Stadt Köln und für die besonders
gefährdete Gruppe älterer Menschen umge -
setzt. Ein Team des Instituts für Hygiene
und Public Health, Universitätsklinikums
Bonn (UKB) hat mit seiner fachlichen Expertise als wissenschaft -
licher Partner zum Gelingen des Projekts beitragen dürfen, hat
umfangreiche empirische Grundlagen ermittelt und auch den Pro -
zess der praktischen Umsetzung aktiv begleitet. Neben den weit
über Köln hinaus wichtigen Erkenntnissen zur Hitzeaktionsplanung
für Großstädte ist dieses Projekt damit auch ein gelungenes Bei -
spiel für die Kooperation des UKB mit Partner*innen der kommu-
nalen Verwaltung in der Region Rheinland, der es sich in vielfältiger
Weise verbunden und verpflichtet fühlt.
Ihr
Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve, MBA
Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender
Universitätsklinikum Bonn
Prof. Dr. med. Nico T. Mutters, MPH
Direktor des Instituts, für Hygiene und Public Health,
Universitätsklinikum Bonn
Bonn, Juli 2022
Prof. Dr. med.
Nico T. Mutters,
MPH
Direktor des Instituts
für Hygiene und
Public Health,
Universitätsklinikum
Bonn
8
Inhalt
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort Stadt Köln ................................................................ 4
Geleitwort Universitätsklinikum Bonn ................................................. 6
1. Zusammenfassung ......................................................... 12 – 15
2. Einleitung .................................................................. 16 – 23
2.1 Hintergrund und Problemstellung .............................................. 18
2.2 Fragestellungen und Ziele .................................................... 22
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund ............................. 24 – 49
3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) ......................................... 26
3.2 Die Stadt Köln ............................................................... 28
3.2.1 Lage und regionales Klima .............................................. 28
3.2.2 Klimatische Besonderheiten der Kölner Bucht ............................ 28
3.2.3 Menschen in Köln ...................................................... 30
3.2.4 Stadtstruktur .......................................................... 31
3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln ......................................... 31
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung ...................... 34
3.4.1 Zunahme der Wärmebelastung .......................................... 34
3.4.2 Hitzebelastete Einwohnende in Köln ..................................... 36
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln ................................................. 41
3.5.1 Definition Sozialraum ................................................... 41
3.5.2 Integriertes Handlungskonzept „Starke Veedel – Starkes Köln“ ............ 42
3.6 Klimawandel und Gesundheit ................................................. 46
3.7 Von der klimawandelgerechten Metropole ..................................... 49
zu hitzeangepasstem Leben in Köln
4. Projektvorstellung ......................................................... 50 – 61
4.1 Förderung als Leuchtturmvorhaben im Rahmen ................................ 53
der Deutschen Anpassungsstrategie
4.2 Projektpartner ............................................................... 53
4.3 Projektplan und Meilensteine ................................................. 56
4.4 Wissenschaftlicher Beirat .................................................... 59
5. Methodik ................................................................. 62 – 85
5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete ........................................... 64
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete ...................................... 66
5.2.1 Pesch ................................................................. 68
5.2.2 Nippes ................................................................ 68
5.2.3 Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/Seeberg-Nord ....................... 69
5.2.4 Sozialraum Höhenberg/Vingst .......................................... 74
9
5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender ..................... 75
Menschen im Alter
5.4 Erhebung II: Quantitative Befragung von Pflegeeinrichtungen ................... 77
5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit ............................ 78
von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse)
5.6 Identifikation von lokalen und kommunalen Akteur*innen ....................... 82
5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen ................................ 83
6. Ergebnisse ............................................................... 86 – 141
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im ............................. 88
Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.1 Demografische und sozioökonomische .................................. 88
Charakterisierung der Stichprobe
6.1.2 Gesundheit ............................................................ 92
6.1.3 Hitzewarnungen und Information . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
6.1.4 Wahrnehmung von heißen Tagen und Hitzewellen ........................ 96
6.1.5 Gesundheitssymptome bei Hitzewellen ................................. 102
6.1.6 Ärztliche Gespräche zu Hitze und ihren Auswirkungen ................... 104
6.1.7 Hilfe während der Hitzewelle ........................................... 105
6.1.8 Individuelle Schutzmaßnahmen bei Hitze ................................ 106
6.1.9 Trink- und Essverhalten ................................................ 108
6.1.10 Soziale Kontakte ..................................................... 110
6.1.11 Verschobene Aktivitäten .............................................. 111
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter ............. 112
6.2.1 Hitzewarnung und Information ......................................... 112
6.2.2 Hitzebelastung und bauliche Gegebenheiten ............................ 113
6.2.3 Hitzeanpassung ....................................................... 114
6.2.4 Medizinische und pflegerische Maßnahmen ............................. 116
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit .............................. 117
von Grünflächen in Köln
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen ....................... 124
bei der Stadt Köln
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen ........................................... 130
6.5.1 Trisektorale Vernetzung................................................ 130
6.5.2 Interkommunale Vernetzung ........................................... 136
6.6 Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen / ................................... 141
Maßnahmen / Publikationen
10
Inhalt
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventionsmaßnahmen ............... 142 – 169
7.1 Kommunikation.............................................................. 147
7.2 Kernelemente und Maßnahmen .............................................. 160
8. Maßnahmenkatalog ...................................................... 170 – 217
8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre .................... 174
Zusammenarbeit
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems .............................. 178
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation .............................. 183
8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen ........................ 196
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen ...................... 198
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme ............. 205
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen ..................... 210
8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen .................. 216
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet ................................ 218 – 237
9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
9.1.1 Vulnerabilitätsanalyse ................................................. 221
9.1.2 Was berichten uns Menschen im Alter? ................................. 221
9.1.3 Wie ist die Lage in den Betreuungseinrichtungen ........................ 224
für Senior*innen?
9.2 Interaktion, Vernetzung und Kommunikation .................................. 224
9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: ................................ 225
Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan
9.4 Erreichbarkeit der Zielgruppe ................................................ 228
9.5 Fazit ....................................................................... 229
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder ........................ 232
des Projekts
10. Herausforderungen und Ausblick ....................................... 238 – 241
Danke! ........................................................................... 242
Literaturverzeichnis ............................................................... 243
Abkürzungsverzeichnis ............................................................ 250
Anlagen .......................................................................... 252
A1 Projekt-Meilensteine ......................................................... 252
A2 Rundbrief ................................................................... 253
A3 Liste Statistischer Quartiere, Erreichbarkeit von Grünflächen ................... 255
A4 Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen / Maßnahmen / Publikationen ......... 257
Die Heinzelmännchen zu Köln, sie sind geflüchtet,
als „Hitzemännchen“ nun gesichtet
Vers 1
Wie ist zu Köln es doch seitdem
Mit „Hitzemännchen“ so bequem.
Denn ist es heiß, man lege sich
Hin auf die Bank und pflege sich:
Da kommen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Stadt, Uni Bonn und RheinEnergie
Ein Projekt akquiriert, das gab‘s so noch nie.
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,
Der Start der Kampagne bereits ward gemacht.
Vers 2
Plan von Aktionen und das gegen Hitze
Zum Schutz der Gesundheit – ich mach keine Witze
Studierten und probierten
Debattierten und kooperierten
Und planten
Und kühlten
Für die Menschen im Veedel – sehr edel.
Ob Chorweiler, Pesch, in Deutz oder Nippes
Das kühle Nass von Kölle, stets nipp es!
Vers 3
Die Ämter sehr rege zu planen den Schatten,
Trinkflaschen im Fundus als Spende sie hatten
Und warnt vor Hitze der DWD,
Laufbänder vor Ort realisiert KVB.
Berichten die Pflichten
Dem Beirat und Stadtrat – welch Wohltat.
Es gilt nun zu schützen, zunächst mal die Alten,
Erholung beim Nachbarn, an Orten im Kalten.
Dies möge Ihr Ziel sein übers Ende hinaus
Viel Glück für die Zukunft – ein Projekt mit Applaus!
Hans-Guido Mücke 2022, basierend auf und frei angepasst
nach August Kopisch 1836 „Die Heinzelmännchen zu Köln“
11
1. Zusammenfassung
14
1. Zusammenfassung
Im Zuge des Klimawandels nehmen
auch in Köln die heißen Tage mit Tem pe-
raturen über 30 °C und die Sommertage mit
Temperaturen über 25 °C deutlich zu. Die
Studie „Klimawandelgerechte Metropole
Köln“ zeigt, dass Tempe raturen von über
40 °C erreicht werden können.
Lang anhaltende Hitzeperioden heizen
insbesondere die stark versiegelten Stadt -
quartiere zunehmend auf. Kinder, Kranke,
Menschen im Alter und Menschen mit
Behinderung reagieren besonders anfällig
auf solche Belastungen durch Hitze.
Im Hinblick auf den demografischen Wandel
legt das Verbundprojekt „Hitzeaktions -
plan für Menschen im Alter für die Stadt
Köln“ (HAP-Köln) einen besonderen Fokus
auf über 65-jährige Personen. In dieser
Altersgruppe können Hilfebedürftigkeit und
soziale Isolierung dazu führen, dass Maß -
nahmen, wie zum Beispiel ausreichendes
Trinken und das Kühlen der Innenräume, zu
wenig beachtet werden. Für Hitzeperioden
wurden höhere Sterberaten konstatiert
und das wärmere Stadtklima führt zu ver-
mehrten gesundheitlichen Belastungen und
Risiken.
Ziel des Projekts war, gesundheitliche
Risiken durch Hitzeperioden für Menschen
im Alter zu reduzieren, indem ein Informati-
onssystem und ein Aktionsplan aufgebaut
und entwickelt werden. Zudem ist unter-
sucht worden, inwiefern Hitzewarnungen
alleinlebende ältere Menschen erreichen
und wie sie Maßnahmen zur Hitzevorsorge
treffen. Dabei stand im Vordergrund, Infor-
mationen zu beschaffen, aufzubereiten und
weiterzugeben.
Als Basis für die Erarbeitung von geeigneten
Maßnahmen zur Abmilderung gesundheit-
licher Risiken diente eine Erhebung mittels
qualitativer und quantitativer Methoden. In
Stadtvierteln und Sozialräumen wurden
ältere Menschen zu ihren Informationsquel-
len, ihrem Wissensstand und ihren aktuellen
Verhaltensweisen befragt. Darüber hinaus
ist untersucht worden, ob Einrichtungen für
ältere Menschen, ihr Handeln auf Hitzewar-
nungen einstellen, Maßnahmen umsetzen
und eine Verhaltensänderung der dort Woh-
nenden eintritt.
Als weitere Erkenntnisquelle sind Akteur*in-
nen und Multipli kator*innen der Senioren-
arbeit einbezogen und zu ihren Aktivitäten
sowie weiteren geeigneten Maßnahmen
befragt worden.
Aus dieser Netzwerkarbeit, in Verbindung
mit den Erkenntnissen der Befragung, ist ein
umfangreicher Maßnahmenkatalog entstan -
den, der alle zeitlichen Horizonte und Hand-
lungsebenen abdeckt. In einem konkreten
Hitzeeinsatzplan wurden erste verbindliche
Aktionen mit den Akteur*innen vereinbart
und in die Anwendung gebracht. Diese sol-
len weiterverfolgt und ausgebaut werden.
15
2. Einleitung
18
2. Einleitung
2.1 Hintergrund und Problemstellung
2.1 Hintergrund und Problemstellung
Der neueste Bericht des International
Panel on Climate Change (IPCC 2022)
machte drastische und äußerst alar m-
ierende Aussagen:
• Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Men -
schen die Atmosphäre, die Ozeane und die
Landflächen erwärmt hat.
• Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen
im gesamten Klimasystem ist in histo -
rischer Zeit beispiellos.
• Die globale Oberflächentemperatur wird
bis mindestens Mitte des Jahrhunderts
weiter ansteigen. Eine globale Erwärmung
von 1,5 °C und 2 °C wird im Laufe des 21.
Jahrhunderts überschritten werden, wenn
nicht in den kommenden Jahrzehnten
drastische Reduktionen der CO 2- und
anderer Treibhausgasemissionen gelingen.
Extrem heiße Sommer werden zukünftig
häufiger auftreten – auch in Deutschland
(Deutschländer & Mechel 2017). Das ver-
gangene Jahrzehnt (2011–2020) war das
wärmste seit Beginn der Wetteraufzeich-
nungen im Jahr 1881 (Deutscher Wetter-
dienst, DWD 2021). Die Anzahl und Intensi-
tät der Hitzetage (maximale Lufttemperatur
>30 °C) je Sommer steigt und wird sich bis
Ende des 21. Jahrhunderts auf ca. 40 ver -
dreifachen (Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, nukleare Sicherheit und Ver-
braucherschutz, BMU 2020). Vor allem aus-
geprägte und lang anhaltende Hitzeereig -
nisse, wie 2018 im Rhein-Main-Gebiet von
fast dreiwöchiger Dauer (UBA 2019), haben
erheblichen Einfluss auf die menschliche
Gesundheit und stellen eine Herausforde -
rung für das Gesundheitswesen dar.
Das außergewöhnliche Hitzeextrem vom
August 2003 traf Europa völlig unvorbereitet
und verursachte in Westeuropa über 70.000
zusätzliche Todesfälle, darunter 7.300 in
Deutschland (Robine et al. 2008). Während
der Hitzeextreme der Sommer 2006, 2010,
2013 und 2015 starben in Deutschland
jeweils zwischen 3.300 und 6.200 Men -
schen zusätzlich (an der Heiden et al. 2019).
In Berlin starben zwischen 2018 und 2020
1.400 Menschen an den Folgen von Hitze.
Insbesondere die ungewöhnlich hohen
Sommertemperaturen in den Jahren 2018–
2020 führten zu einer statistisch signifikan -
ten Anzahl von Sterbefällen in Deutschland:
Eine Abschätzung ergab etwa 8.700 hit-
zebedingte Sterbefälle im Jahr 2018, etwa
6.900 im Jahr 2019 und etwa 3.700 im
Jahre 2020 (Winklmayr et al. 2022).
Auch an akuten Krankheitsereignissen lässt
sich zeigen, dass Hitze ein ernst zu neh -
mendes Gesundheitsproblem ist. So nimmt
z. B. die Häufigkeit der Herzinfarkte bei
Hitzeextremen zu (Chen et al. 2019). In allen
Bereichen der Gesundheitsversorgung in
Deutschland ist während Hitzeperioden die
Inanspruchnahme signifikant erhöht (Schillo
et al. 2019).
Vor diesem Hintergrund besteht mittlerweile
allgemeiner Konsens, dass ein dringender
Handlungsbedarf bezüglich der Abmilde -
rung der gesundheitlichen Folgen des Kli -
mawandels in Deutschland besteht.
2.1 Hintergrund und Problemstellung
19
Im Jahr 2008 hat die Bundesregierung
die Deutsche Anpassungsstrategie an den
Klimawandel (DAS) beschlossen. Sie legt
den Rahmen des Bundes zur Anpassung an
den Klimawandel fest und gibt eine Orien -
tierung für die Handelnden. Ziel der Anpas -
sungsstrategie ist es, die Verwundbarkeit
gegenüber den Folgen des Klimawandels
zu mindern, die Anpassungsfähigkeit natür-
licher, gesellschaftlicher und ökonomischer
Systeme zu erhalten oder zu steigern und
mögliche Chancen zu nutzen.
Unter anderem soll die Strategie das
Bewusstsein für den Klimawandel und seine
Folgen verstärken und wichtige Akteur*in-
nen für eigenes Handeln sensibilisieren
(UBA 2018). Hitzeaktionspläne sind dabei
ein zentrales Instrument.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
bemängelt ein Missverhältnis zwischen
einer klaren Evidenz für die gesundheitliche
Belastung durch Hitze und der nur langsa -
men Implementierung von Hitzeaktionsplä -
nen (WHO Europe 2021). Sie hatte bereits
2008 empfohlen, Hitzeaktionspläne zu ent-
wickeln (Matthies et al. 2008).
In Deutschland ist die Erstellung von Hit-
zeaktionsplänen auf Bundes-, Landes- bzw.
kommunaler Ebene jedoch bislang nicht
gesetzlich verankert. Im Aktionsplan II der
DAS (BMU 2016) wurde von der Bundes-
regierung angeregt, zu prüfen, ob die Län -
der Hitzeaktionspläne erarbeiten können.
Die Bund/Länder-Ad-hoc-Arbeitsgruppe
‚Gesundheitliche Anpassung an die Folgen
des Klimawandels (GAK)‘ hat daraufhin
hierzu 2017 eine Empfehlung erarbeitet
(Straff & Mücke 2017).
Im Policy Brief für Deutschland des „Lancet
Countdown on Health and Climate Change“
wird gefordert, die Umsetzung von Hitzeak-
tionsplänen zum Schutz der menschlichen
Gesundheit gemäß den Empfehlungen der
GAK zu beschleunigen (Watts et al. 2021).
Im Rahmen ihrer 93. Konferenz sprachen
sich die Gesundheitsminister*innen der
Länder am 1.10.2020 für die Erstellung von
kommunalen Hitzeaktionsplänen innerhalb
eines 5-Jahreszeitraums aus (GMK 2020).
Dies wurde durch die 97. Konferenz der
Ressortleitenden und Senatsmitglieder für
Arbeit und Soziales der Länder im November
2020 bestätigt.
Im Aktionsplan Anpassung III der DAS (BMU
2020) wurde eine unterstützend durchzu-
führende Bestandserhebung, Analyse und
Evaluation von bestehenden bzw. geplanten
Hitzeaktionsplänen festgeschrieben.
Auch die Stadt Köln hat erkannt, dass nach
der Bilanzierung der Klimawandelfolgen
und der Darstellung der Handlungsfelder
im Rahmen des Projekts „Klimawandelge -
rechte Metropole Köln“ (LANUV 2013) die
Identifizierung, Vorbereitung und Durchfüh-
rung konkreter Maßnahmen ein notwendiger
nächster Schritt sein muss.
Für Köln stehen die Hitzebelastung und die
Zunahme von Starkregenereignissen im
Vordergrund. So werden in Zukunft heiße
Tage mit Temperaturen über 30 °C und
Sommertage mit Temperaturen über 25 °C
in Köln deutlich zunehmen (LANUV 2013).
Dabei können Maximaltemperaturen von
über 40 °C erreicht werden.
20
2. Einleitung
2.1 Hintergrund und Problemstellung
Die Zahl der Sommertage wird bis Mitte
des 21. Jahrhunderts für das Stadtgebiet
Köln im Vergleich zu den klimatischen Ver-
hältnissen am Anfang des Jahrhunderts
um 30–70 Prozent zunehmen. Die Zahl der
heißen Tage wird sich voraussichtlich sogar
verdoppeln. Die Warming Stripes für Köln
zeigen anschaulich die stadtklima tische Ent-
wicklung von 1881 bis 2021 (Abb. 2.1). Eine
einfache, aber prägnante Symbolisierung,
um den Klimawandel zu visualisieren, entwi -
ckelte der Klimawissenschaftler Ed Hawkins.
Die sogenannten Warming Stripes stellen
für einen bestimmten Ort oder eine Region
die mittlere Jahrestemperatur dar.
Die Daten werden dabei chronologisch
seit Messbeginn aufgetragen. Die einzel-
nen Jahre werden als farbcodierte Streifen
dargestellt, das kälteste Jahr erscheint
dunkelblau, das wärmste dunkelrot. Es ist
leicht zu erkennen, dass in den letzten Jahr -
zehnten die roten Streifen zugenommen
haben. Das kälteste Jahr in Köln war 1888
mit 8,84 °C, das wärmste Jahr war 2020
mit 12,53 °C Durchschnittstemperatur.
Auch bei gesunden Menschen kann Hitze
zu Erschöpfung und eingeschränkter Leis -
tungsfähigkeit führen. Das wärmere Stadt-
klima führt für alle Men schen zu vermehrten
gesundheitlichen Belastungen und Risiken.
1881 1901 1921 1941
2.1 Hintergrund und Problemstellung
21
Besonders schwer aber trifft die zuneh -
mende Aufheizung der Stadtquartiere bei
lang anhaltenden sommerlichen Hitzeereig -
nissen Kinder, Kranke, Menschen mit Behin-
derung und Menschen im Alter.
Denn mit steigendem Lebensalter erhöht
sich die Vulnerabilität gegenüber extremer
Hitze. Sie stellt hohe Anforderungen an das
kardiovaskuläre und respiratorische System.
Für ältere Menschen ist es schwierig, ihre
Körperkerntemperatur konstant zu halten
(Bunz & Mücke 2017). Diese physiologi-
schen Veränderungen können zu Dehyd-
ratation, erhöhter Blutviskosität und damit
zu gesteigertem Thromboserisiko führen.
Heiße und trockene Luft reizt zudem die
Atemwege.
Insbesondere Menschen mit Vorerkrankun-
gen sind gefährdet. Der Klimawandel ist ein
Umweltstressor, der zudem zu psychischen
Beschwerden wie Angststörungen oder
Depressionen führen kann. Das Zusammen -
treffen von Klimawandel und demografi-
schem Wandel fordert insofern besondere
Konzepte und angepasste Maßnahmen
für die Bevölkerungsgruppe der älteren
Menschen.
1961 1981 2001 2021
9° 12°
Abb. 2.1: Warming Stripes für die Stadt Köln, 1881–2021.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUV NRW
22
2. Einleitung
2.2 Fragestellungen und Ziele
2.2 Fragestellungen und Ziele
Die Zunahme von Hitze aufgrund des fortschreitenden globalen
Klimawandels entwickelt sich insbesondere wegen der Gefährdung
vulnerabler Personengruppen zu einem relevanten Gesundheits -
problem. Dies gilt insbesondere für dicht bebaute, hoch versiegelte
Großstädte wie Köln.
Das dreieinhalbjährige Forschungs- und Entwicklungspro -
jekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“
(01.01.2019–30.06.2022) wurde durch das Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
als kommunales Leuchtturmprojekt gefördert (FKZ 67DAS120A).
Es vereint unterschiedliche lokale und regionale Akteur*innen aus
Kommunalverwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung.
Ziel des Vorhabens war die Verminderung gesundheitlicher Risiken
durch Hitzeperioden für Menschen im Alter 65+ durch den Aufbau
eines Informationssystems und Aktionsplans, mit einem besonde -
ren Fokus auf diese vulnerable Bevölkerungsgruppe.
Folgende Fragen sollten durch das Projekt beantwortet werden:
• Welche subjektive Hitzebelastung empfinden Menschen im
Alter in verschiedenen großstädtischen Lebensumwelten?
• Unterscheidet sich die Belastung in Stadtvierteln mit unterschied -
licher objektiver Hitzebelastung bzw. sozioökonomischer Struktur?
• Welche Akteur*innen und Multiplikator*innen sind in Köln
im Themenfeld Hitze und Gesundheit für die Zielgruppe 65+
bereits aktiv?
• Wie können diese Akteur*innen und Multiplikator*innen in einen
Hitzeaktionsplan eingebunden werden?
• Wie kann die Kommunikation mit der Zielgruppe strukturiert
und optimiert werden?
• Welche Maßnahmen sind geeignet, die gesundheitlichen
Auswirkungen von Hitze für die Zielgruppe zu mildern?
2.2 Fragestellungen und Ziele
23
Das Projekt umfasste folgende Arbeitspakete:
• soziodemografische und sozioökonomische, zeitlich und räumlich
differenzierte Erhebung der subjektiven Hitzebelastung von Men -
schen im Alter in großstädtischen Lebensumwelten
• Erfassung und Analyse des Informationsflusses bezüglich Hitze -
warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Landes -
umweltamtes (LANUV NRW) und anderer Quellen zu Menschen im
Alter in unterschiedlichen großstädtischen Lebenskontexten
• Entwicklung von Instrumenten zur Optimierung der Information
von Menschen im Alter über Hitze, gesundheitliche Belastungen
durch Hitze und Anpassungsmöglichkeiten
• Entwicklung geeigneter Maßnahmen und Instrumente zur Förde -
rung hitzeangepasster, gesundheitsschützender und -fördernder
Verhaltensweisen für Menschen im Alter
Auf der Basis der gewonnenen Ergebnisse sollte eine evidenz -
basierte, gezielte Öffentlichkeitsarbeit entwickelt werden, die sich
an Menschen im Alter in unterschiedlichen Lebenssituationen und
verschiedenen Stadtvierteln wendet.
3. Theoretischer und
konzeptioneller
Hintergrund
26
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS)
3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS)
Im Jahr 2008 hat die Bundesregierung die Deutsche Anpassungs -
strategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Sie legt den
Rahmen des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel fest und
möchte eine Orientierung für die Handelnden bieten.
Die DAS schafft einen Rahmen zur Anpassung an die Folgen des
Klimawandels in Deutschland. Sie zielt darauf ab, den Grundstein für
einen mittelfristigen Prozess zu legen, in dem schrittweise Risiken
identifiziert, Handlungsbedarfe benannt, Ziele definiert sowie mögli -
che Anpassungsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Die
DAS folgt einem integralen Ansatz zur Bewertung von Risiken und
Handlungserfordernissen, sie unterstützt eine nachhaltige Entwick -
lung und reflektiert die internationale Verantwortung Deutschlands.
Die Anpassungsstrategie hat das erklärte Ziel, die Verwundbar -
keit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu mindern und die
Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomi-
scher Systeme zu erhalten oder zu steigern.
Um Vorsorge im privaten, wissenschaftlichen, unternehm er-
ischen sowie behördlichen, nachhaltigen Planen und Handeln
zu ermöglichen, werden in der DAS folgende Aspekte als
un verzichtbar hervorgehoben:
• Verbesserung der Wissensbasis, um Chancen und Risiken
besser benennen und vermitteln sowie Handlungsmöglichkeiten
aufzeigen zu können;
• Transparenz und Beteiligung durch einen breit angelegten
Kommunikations- und Dialogprozess;
• Unterstützung der verschiedenen Akteur*innen, indem
z. B. Entscheidungsgrundlagen und -hilfen bereitgestellt werden;
• Unterstützung der Bewusstseinsbildung und Information durch
breite Öffentlichkeitsarbeit;
• Entwicklung von Strategien zum Umgang mit Unsicherheiten.
Unter anderem soll die Strategie das Bewusstsein für den Klima -
wandel und seine Folgen verstärken und wichtige Akteur*innen für
eigenes Handeln sensibilisieren (UBA 2018). Hitzeaktionspläne sind
dabei erklärtermaßen ein wichtiges Instrument.
3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS)
27
28
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.2 Die Stadt Köln
3.2 Die Stadt Köln
Köln ist mit knapp 1,1 Millionen Einwohn-
er*innen die viertgrößte Stadt Deutschlands.
Die kreisfreie Stadt liegt im Südwesten
des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen
am Rhein und ist das Zentrum der Metro -
polregion Rhein-Ruhr. Köln gliedert sich in
9 Stadtbezirke und 86 Stadtteile (Statis -
tisches Landes amt Nordrhein-Westfalen
2018).
3.2.1 Lage und regionales Klima
Die Stadt Köln liegt im Südwesten von
Nordrhein-Westfalen in der Kölner Bucht.
Dies ist der südliche Ausläufer des Nie -
derrheinischen Tieflandes, welches zu den
klimatischen Gunsträumen in den mittleren
Breiten Europas zählt.
Das Klima der Kölner Bucht wird, wie im
ganzen Westen Deutschlands, stark von
der geografischen Nähe zur Nordsee und
zum Atlantik bestimmt und somit maßgeb-
lich vom Golfstrom beeinflusst. Diese Lage
sorgt für ein maritim beeinflusstes Klima
mit milden Wintern und bis in die jüngere
Vergangenheit gemäßigten Sommern. Im
Bereich der vorherrschenden Westwinddrift
überwiegen Tiefausläufer, die vom Atlan-
tik kommend Deutschland regelmäßig
überqueren und Niederschläge bringen.
Bei weniger häufigen, bisweilen aber sta -
bilen Hochdruckwetterlagen nehmen die
Tiefdruckgebiete nördliche oder südliche
Zugbahnen, sodass sich länger anhaltende,
trockene Perioden einstellen können.
3.2.2 Klimatische Besonderheiten
der Kölner Bucht
Im Mittel hat die Kölner Bucht eine Höhe
von ca. 40 m über Normalnull (ü. NN). Links -
rheinisch erstreckt sich der Höhenzug der
Ville mit einer Höhe von maximal 205 m
ü. NN entlang des Rheintals, welcher in
Richtung Norden ausläuft. Das Rheinische
Schiefergebirge umrahmt die Bucht und
erhebt sich mit der linksrheinisch gelegenen
Eifel sowie dem rechtsrheinisch gelegenen
Bergischen Land und dem Siebengebirge
bis über 600 bzw. 500 m ü. N N.
Durch die markante Reliefgestalt und
süd-nördliche Ausrichtung der Kölner Bucht
werden bodennahe Luftströmungen kana -
lisiert und der Wind schwenkt nach Norden
oder Süden in Richtung des Rheinverlaufs.
Grundsätzlich sind in Köln zwei vorherr-
schende Wetterlagen zu unterscheiden:
zyklonale und antizyklonale.
Bei den zyklonalen Wetterlagen herrschen
westliche Windrichtungen (NW–SW) vor, die
meist mit höheren Windgeschwindigkeiten
einhergehen. Aufgrund dessen stellt sich
bei diesen Wetterlagen bis in höhere Lagen
eine relativ gleichförmige Situation ein.
Antizyklonale Wetterlagen sind in der Regel
durch Schwachwinde geprägt und werden
auch autochthon genannt, da sie nicht dem
Einfluss großräumiger Windsysteme unter-
liegen.
Die Niederschläge werden durch die Erhe -
bungen des quer zur Hauptwindrichtung
verlaufenden Rheinischen Schiefergebirges
beeinflusst. Dies führt zu ausgeprägten Luv-
und Lee-Effekten (Luv ist die dem Wind
zugekehrte Seite und Lee die dem Wind
abgewandte Seite).
3.2 Die Stadt Köln
29
Die aus westlicher Richtung anströmenden
Luftmassen überqueren das Hohe Venn
und die Eifel. Bei ihrem Abstieg in die Kölner
Bucht werden sie erwärmt und geben nur
wenig Niederschlag ab, da wärmere Luft
mehr Feuchtigkeit speichern kann (Föhn-
effekt). Der Anstieg zum Bergischen Land
östlich des Rheins verursacht hingegen eine
Stauung und Abkühlung der Luftmassen.
Dies führt dort zu deutlich höheren Nieder -
schlägen.
Aus regionalen Klimauntersuchungen
(Hartwig et al. 2022) auf dem Stadtgebiet
ist bekannt, dass sich bei sommerlichen
(autochthonen) Strahlungswetterlagen in
den ersten Nachtstunden thermische Flur-
winde ausbilden, die in der zweiten Nacht-
hälfte durch einen regionalen Kaltluftabfluss
vom Siebengebirge entlang des Rheintales
überlagert werden. Dieses Phänomen ist
auch im Kölner Norden nachweisbar.
Dieser „Rheintalwind“ tritt in der Kölner
Bucht bei stadtklimatisch relevanten
Schwachwindwetterlagen auf und wird
durch das Rheintal kanalisiert, sodass eine
südsüdöstliche Windrichtung vorherrscht.
Dieser Kaltluftabfluss kann Mächtigkeiten
bis über 100 m erreichen. Es gibt keine
topografischen Hindernisse auf Kölner
Stadtgebiet.
Die regional bedeutsame Kaltluftströmung
im Rheintal wird insbesondere von kräftigen
Kaltluftzuflüssen aus den Rheinnebentälern
(linksrheinisch: Eifeltäler, Ahrtal; rechtsrhei-
nisch: Siegtal, Sülztal, Wahnbachtal, Agger-
tal etc.) gespeist. Im südlichen Bereich der
Kölner Bucht bildet sich hierdurch eine Kalt-
luftströmung mit hoher Intensität aus.
Die auf geeigneten Flächen des Kölner
Stadtgebietes lokal gebildete Kaltluft wird
im Laufe der Nacht verfrachtet und mit
dem regionalen Hangabwindsystem mitge-
schleppt, sodass diesen lokalen Kaltluftent -
stehungsgebieten ebenfalls eine klimatische
Bedeutung zukommt.
Betrachtet man die langjährigen Tempe-
raturmittel, zeigt sich die Kölner Bucht
während der Winter als eine der wärmsten
Regionen Deutschlands. Längere Frostpe -
rioden oder dauerhafte Schnee decken sind
die Ausnahme.
Die Studie „Klimawandelgerechte Metro-
pole Köln“ hat gezeigt, dass die Stadt Köln
sich auf länger anhaltende Hitzewellen mit
Spitzentemperaturen von mehr als 40 °C
einstellen muss.
Aufgrund der Wärmeentwicklung in den
dicht bebauten Stadtteilen, mit dem zusätz -
lichen urbanen Wärmeinseleffekt, ist die
Durchlüftung der Stadt und insbesondere
der Wohngebiete von zentraler Bedeutung
für ein gesundes Stadtklima.
30
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.2 Die Stadt Köln
3.2.3 Menschen in Köln
Großstädte sind für die Folgen des Kli -
mawandels besonders anfällig, da dichte
Bebauung mit geringem Grün- und Was-
serflächenanteil zur Speicherung von
Hitze beiträgt. In Deutschland leben rund
64 Millionen Menschen in städtischen
Agglomerationen, das sind etwa 77 Prozent
der Wohnbevölkerung (Destatis 2019). Zu
den städtischen Agglomerationen zählen
79 Großstädte mit mehr als 100.000 Ein-
wohnenden (Zech 2018).
Köln ist die größte Stadt im bevölkerungs-
reichsten Bundesland Nordrhein-West-
falen. Sie zählt neben Berlin, Hamburg und
München zu den vier deutschen Millionen -
städten.
In der Stadt Köln leben 1.088.040 Men -
schen auf einer Fläche von 40.489 Hektar
(Quelle Stadt Köln – Amt für Stadtent-
wicklung und Statistik 2020, Statistisches
Informationssystem & Raumbezugssystem).
Damit liegt die mittlere Bevölkerungs-
dichte bei 2.690 Menschen/km². Im Ver-
gleich zu den anderen Millionenstädten
ist Köln deutlich weniger dicht besiedelt
als München (4.790 Menschen/km²) und
Berlin (4.112 Menschen/km²), verfügt
aber über eine höhere Dichte als Hamburg
(2.453 Menschen/km²).
Zur Altersklasse über 65 Jahre gehören
192.109 Einwohnende in Köln. Dies ent-
spricht einem Prozentsatz von 17,7 Prozent.
Ein Drittel dieser Menschen ist 80 Jahre und
älter.
Bevölkerung
insgesamt
Altersgruppe 65–69 Altersgruppe 70–74 Altersgruppe 75–79 Altersgruppe 80
und älter
1.088.040 49.034 (4,5 %) 43.172 (4,0 %) 37.883 (3,5 %) 62.020 (5,7 %)
Tabelle 3.1: Anzahl der Einwohnenden in Köln gesamt und 65+ in vier Altersklassen
Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Statistik und Einwohner wesen, 2020
Zur Altersklasse über
65 Jahre gehören
192.109 Einwohnende
in Köln.
Dies entspricht einem
Pro zentsatz von
17,7 Prozent. Ein Drittel
dieser Menschen
ist 80 Jahre und älter.
3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln
31
3.2.4 Stadtstruktur
Köln ist administrativ in neun Stadtbezirke gegliedert. Dies sind
Chorweiler, Nippes, Ehrenfeld, Lindenthal und Rodenkirchen auf der
linken Rheinseite. Mülheim, Kalk und Porz liegen auf der rechten
Rheinseite. Die Innenstadt erstreckt sich über beide Rheinseiten.
Die Stadtbezirke sind flächendeckend in 86 Stadtteile unterteilt,
wovon 51 auf der linken und 35 auf der rechten Rheinseite liegen.
Für kleinräumigere Untersuchungen werden die Stadtteile weiter in
Statistische Quartiere unterteilt.
Statistische Quartiere sind durch Teilung, Zusammenfügen oder
Beibehalten von Stadtvierteln mit dem Ziel entstanden, homoge -
nere demografische Strukturen zu bilden, indem die Bevölkerungs -
zahl eines Gebietes zwischen 1.000 und 3.000 liegen sollte. Als
weiteres Ziel wurde die Zuordnung aller bewohnten Kölner Adressen
formuliert. Adressen in Außenlagen sind als Exklave dem nächstge -
legenen Statistischen Quartier im gleichen Stadtteil zugeordnet.
3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln
Zusammen mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucher-
schutz NRW (LANUV), dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und
den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB) hat die Stadt Köln
das Projekt „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ durchgeführt
und die Ergebnisse im Jahr 2013 im LANUV-Fachbericht 50: Kli -
mawandelgerechte Metropole Köln – Abschlussbericht publiziert.
Diese Studie hat deutlich gezeigt, dass es zukünftig in Köln wärmer
wird und extreme Wettersituationen zunehmen werden. Schon zum
Zeitpunkt der Studie bestand eine deutliche Aufheizung (Wärme -
insel) der dicht bebauten Stadtteile gegenüber dem Umland mit
Temperaturdifferenzen von mehr als 10 °C.
32
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln
Für die Stadt Köln bedeutet dies, dass län -
gere Hitzeperioden mit Temperaturen über
25 °C (Sommertage) und über 30 °C (heiße
Tage) vermehrt auftreten. Im Vergleich mit
dem Referenzzeitraum (1971 bis 2000)
zeigen Klimaprojektionen eine Zunahme
der Sommertage um 30 bis 70 Prozent und
der heißen Tage um 60 bis 150 Prozent.
Dabei können Maximaltemperaturen von
über 40 °C erreicht werden. Neben der
Überwärmung der dicht bebauten Stadtteile
aufgrund des zusätzlichen Wärmeinselef-
fekts ist die Durchlüftung der Stadt und ins -
besondere der Wohngebiete von zentraler
Bedeutung für ein gesundes Stadtklima.
Im Rahmen der Studie wurde die „Planungs -
hinweiskarte Hitze“ entwickelt (Abb. 3.1). Sie
stellt eine synthetische Klimaanalysekarte
dar, welche die zukünftig zu erwartenden
stadtklimatischen Gegebenheiten in Köln
in einer flächenhaften Übersicht darstellt.
Grundlage für die Karte sind die Berech -
nungen der Anzahl der heißen Tage für die
Periode 2021 bis 2050, die der Deutsche
Wetterdienst mit dem Stadtklimamodell
MUKLIMO_3 simuliert hat.
Die Karte unterscheidet fünf Klassen; es
werden die klimatisch belasteten Siedlungs -
gebiete und die klimaaktiven Freiflächen
dargestellt.
Die Klassen 1 und 2 zeigen die beiden
höchsten Belastungsklassen an. Hier sind
sehr hoch und hoch belastete Siedlungs -
flächen dargestellt, die durch einen sehr
ausgeprägten Wärmeinseleffekt gekenn -
zeichnet sind.
Diese beiden Klassen sind zudem durch
einen hohen Versiegelungsgrad und eine
dichte Bebauung charakterisiert. Die Grün -
anteile sind sehr gering. Daher erfolgt kaum
Abkühlung durch Verdunstung. Tagsüber
findet eine starke Aufheizung statt, eine
nächtliche Abkühlung ist stark vermindert.
Die dichte Bebauung beeinträchtigt lokale
Windsysteme und mindert die Frischluftzir-
kulation.
Die Klasse 3 stellt eine stadtklimatische
Übergangszone dar, die heterogen gestaltet
ist und sowohl dichte Bebauung als auch
weniger dichte Bebauung und angrenzende
Freiflächen aufweist. Diese Randlagen
können auch aus Grün- und Verkehrsflä-
chen bestehen. Je nach Vegetationsbe -
stand kann lokal eine hohe Abkühlung
stattfinden (z. B. Friedhofsflächen). Die
nächtliche Abkühlung ist etwas höher als
in den Klassen 1 und 2, jedoch immer noch
eingeschränkt. Lokale Winde werden durch
Bebauung behindert oder abgebremst.
Die Klassen 4 und 5 stellen klimaaktive und
sehr klimaaktive Freiflächen dar, die sich
durch einen ausgeprägten Tagesgang von
Temperatur und Feuchte auszeichnen. Sie
sind windoffen, weisen eine starke Frisch-
und Kaltluftproduktion auf und sind von
hoher Sensibilität gegenüber Nutzungsän -
derungen, z. B. Bebauung. In bewaldeten
Gebieten findet tagsüber durch die Ver-
schattung eine geringe Aufheizung statt und
die Verdunstung über die Blätter trägt zu
einer Kühlwirkung bei.
3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln
33
Abb. 3.1: Planungshinweiskarte Hitze für die Stadt Köln.
Quelle: LANUV 2013.
Kaltluft nach 4h
Klasse 5 stark klimaaktive Flächen
Klasse 4 klimaaktive Flächen
Klasse 3 belastete Siedlungsflächen
Klasse 2 hoch belastete Siedlungsflächen
Klasse 1 sehr hoch belastete Siedlungsflächen
Die Planungshinweiskarte Hitze zeigt
die zukünftige Wärmebelastung (Periode
2021-2050) in 5 Klassen. Grundlage ist
eine MUKLIMO_3-Berechnung für die
Anzahl der heißen Tage mit CLM. Die ein -
gezeichneten Pfeile stellen den Kaltluft -
abfluss nach 4 Stunden Simulationszeit mit
dem Model KLAM dar. Die Windrichtungs -
verteilung (Windrose) wurde an der DWD
Station am Flughafen Köln Bonn gemessen
(1981 bis 2010).
Planungshinweiskarte Hitze
34
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
3.4 Fortschreitender Klimawandel
und belastete Bevölkerung
3.4.1 Zunahme der Wärmebelastung
Seit Erstellung der Studie „Klimawandelgerechte Metropole Köln“
ist die Wärmebelastung weiter gestiegen. Das LANUV hat 2022 im
Rahmen des Klimafolgen- und Anpassungsmonitorings langjährige
Zeitreihen für Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Die Daten zeigen
für die temperaturbezogenen Indikatoren eine deutliche Zunahme
der klimatologischen Kenntage, insbesondere in der jüngeren Ver-
gangenheit.
Das LANUV hat für Nordrhein-Westfalen seit 1891, bei großer
Variabilität, einen signifikanten Anstieg der mittleren Anzahl der
Sommertage und der heißen Tage sowie ab 1951 einen Anstieg
der Anzahl der Tropennächte dokumentiert. Seit 1951 nahmen
die Sommertage im Mittel um rund 21 Tage, die heißen Tage um
etwa 7 Tage zu.
Heiße Tage
Sommertage
80
70
60
50
40
30
20
10
0
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Abb. 3.2: Mittlere Anzahl der Sommertage und heißen Tage pro Jahr in NRW
im Zeitraum 2012 bis 2021. Quelle: LANUV / Datengrundlage: DWD 2022
Abb. 3.2: LANUV.
Quelle: www.klimafolgenmonitoring.nrw.de
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
35
Bei der Betrachtung der gesamten Zeitreihe der Sommertage fällt
das Jahr 2018 als absoluter Spitzenreiter bei der Anzahl der Som -
mertage auf. Mit rund 76 Sommertagen setzt sich dieses außerge -
wöhnliche Jahr deutlich von den anderen Rekordjahren ab. Bei den
heißen Tagen wurde trotz ständig neuer Temperaturrekorde der
Spitzenplatz von 23 heißen Tagen aus dem Jahr 1947 noch nicht
durch aktuellere Jahrgänge eingestellt. Allerdings häufen sich unter
den Top 10 auffällig viele Jahre nach 2000. Bei der Anzahl der Tro-
pennächte liegt nach wie vor das Jahr 1994 mit 2,3 Tropennächten
im gesamten Landesmittel vorne, dicht gefolgt von sechs Jahrgän -
gen nach 2000.
Temperatur -
kenntage
Anzahl pro Jahr
Trend
1891–2021
Mittelwert
1891–2021
Änderung
1891–2021
Trend
1951–2021
Mittelwert
1951–2021
Änderung
1951–2021
Sommertage 28 + 13 30 + 21
Heiße Tage 5 + 4 6 + 7
Tropen-
nächte 0,4 + 0,6
Trend mit Trendumkehr – zuerst fallend, dann steigend
steigender Trend
ausstehender Trend
Abb. 3.3: Entwicklung der Häufigkeit
von Temperaturkenntagen auf dem
Gebiet von Nordrhein-Westfalen.
Quelle: LANUV / Datengrundlage:
DWD 2022
Trendbewertung
36
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
3.4.2 Hitzebelastete Einwohnende in Köln
Die Stadt Köln ist eine weiterhin wachsende
Stadt. Die Zahl der Einwohnenden
nimmt zu; gleichzeitig und aufgrund der
Alterung sogar überproportional nimmt
die Anzahl der vulnerablen Menschen zu,
die durch die sommerliche Hitzebelastung
gesundheitliche Einschränkungen
erleiden.
Die zunehmende Aufheizung der Stadtquar-
tiere bei lang anhaltenden sommerlichen
Hitzeereignissen trifft besonders Kinder,
Kranke, Menschen mit Behinderung und
Menschen im Alter. Aber auch bei gesun-
den Menschen kann Hitze zu Erschöpfung
und eingeschränkter Leistungsfähigkeit
führen. Bei Hitzeperioden werden höhere
Sterberaten gemessen und das wärmere
Stadtklima führt zu vermehrten gesund -
heitlichen Belastungen und Risiken. Mobi -
litätseinschränkungen, Hilfsbedürftigkeit
und soziale Vereinsamung älterer Menschen
führen zudem nicht selten dazu, dass
Maßnahmen wie z. B. ausreichende Flüssig-
keitsversorgung und Flüssigkeitsaufnahme
sowie Abkühlungsmaßnahmen (Duschen,
Fußbäder, Wasservernebelung etc.) unter-
lassen werden. Das Zusammentreffen von
Klimawandel und demografischem Wandel
fordert insofern besondere Konzepte und
angepasste Maßnahmen für die Bevölke -
rungsgruppe der älteren Menschen.
Die Auswertung der heute schon vor-
handenen Betroffenheit der Bevölkerung
durch Hitze zeigt, dass insgesamt 43,3
Prozent aller Kölner Einwohnenden (Bezug
Einwohnerdaten 2020, Stadt Köln) hitzebe-
lastet sind, d. h., sie wohnen in den Belas -
tungsgebieten der Hitzeklassen 1 und 2
der Planungshinweiskarte Hitze. Dies sind
470.432 Personen.
Die Belastung ist in den Stadtteilen
am höchsten, in denen ein hoher Versiege -
lungsgrad die Wohngebiete prägt. In diesen
Bereichen ist es besonders nachteilig, wenn
durch Nachverdichtung nicht nur die Erwär-
mung insgesamt zunimmt, sondern zu sätz-
lich auch die Durchlüftung eingeschränkt
wird.
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
37
Abb. 3.4: Hitzebelastete Bevölkerung nach Stadtteilen. Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwick -
lung und Statistik 2020. Planungshinweiskarte Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013.
Hohe / sehr hohe belastete Siedlungsflächen der Planungshinweiskarte Hitze aus der Studie Klimawandel -
gerechte Metropole Köln.
Hitzebetroffenheit der Einwohnenden in den Stadtteilen
Anzahl absolut Betroffene in Klassen 1 und 2
< 3.000
3.001–6.000
6.001–10.000
10.001–25.000
>25.000
Dargestellt ist die Hitzebetroffenheit der
Einwohnenden in den Stadtteilen. Grundlage
der Hitzebetroffenheit sind die Klassen 1 (sehr
hoch) und 2 (hoch) der Planungshinweiskarte
Hitze.
38
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
Betroffenheit der
Altersgruppe 65+ von Hitze
Das Alter summiert verschiedene Risiko -
faktoren für die Beeinträchtigungen durch
Hitze, wie bestehende körperliche und
mentale Erkrankungen, die Einnahme von
Medikamenten oder Pflegebedürftigkeit
(Herrmann & Sauerborn 2018). Eine einheit-
liche Definition, was ältere Menschen sind,
liegt nicht vor (Wolter 2017).
Das Deutsche Zentrum für Altersfragen
(DZA) legt die Altersgrenze für ältere Men-
schen ab 65 Jahren fest. Üblicherweise
wird ab einem Alter von 65–74 Jahren von
frühen Älteren gesprochen und ab 75 Jah-
ren von späten älteren Menschen (Orimo et
al. 2006) (www.dza.de).
Der Anteil der Einwohnenden über 65 Jah-
ren liegt in Köln bei etwa 18 Prozent. In
dieser Altersgruppe leben 40 Prozent in
den Hitzebelastungsgebieten der Klassen 1
und 2 (76.936 Personen).
Der Tabelle liegt eine Auswertung der
Wohnadressen der Einwohnenden nach
Altersklassen zu den hitzebelasteten Klas -
sen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze
zugrunde. Die Zuordnung zeigt, dass nur
eine sehr geringe Anzahl an Menschen im
Alter in der günstigsten Klasse 5 wohnen.
Die Auswertung der räumlichen Verteilung
der Altersgruppe 65+, deren Wohnadresse
in den Hitzeklassen 1 und 2 liegt, zeigt die
Statistischen Quartiere auf, in denen eine
hohe Anzahl hitzebelasteter Bewohner*in-
nen leben (siehe Abb. 3.5 „Hitzebelastete
Einwohnende der Altersgruppe 65+ in den
Statistischen Quartieren“). Dies sind die
dicht bebauten Bereiche der Kernstadt,
d. h. die Innenstadt und die angeglieder-
ten Stadtteile Ehrenfeld, Nippes, Sülz und
andere, die zwischen Innerem und Äußerem
Grüngürtel liegen.
Hitzebelas -
tungsklasse
1
sehr hoch
belastet
2
hoch belastet
3
belastet
4
klimaaktiv
5
sehr klimaaktiv
Altersgruppe
65–69 7.989 11.428 25.680 3.640 135
Altersgruppe
70–74 7.133 10.211 22.449 3.115 91
Altersgruppe
75–79 6.214 8.845 19.980 2.566 92
Altersgruppe
80+ 9.673 15.443 32.825 3.790 139
Summen 31.009 45.927 100.934 13.111 457
Tabelle 3.2: Zuordnung der Altersgruppe 65+ in die fünf Hitzeklassen.
Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020.
Planungshinweiskarte Hitze: Planungshinweiskarte Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und
Verbraucherschutzamt 2013.
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
39
Abbildung 3.5: Hitzebelastete Einwohnende der Altersgruppe 65+ in den Statistischen Quartieren;
ausgewertet wurde die Wohnadresse in den Hitzeklassen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze.
Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020.
Planungshinweiskarte Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013.
Hitzebetroffenheit der Altersgruppe 65+ in Statistischen Quartieren
Anzahl absolut Betroffene in Klassen 1 und 2
0
<=75
76–150
151–250
>251
40
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung
Aus der Abbildung wird deutlich, dass in den blau dargestellten Sta -
tistischen Quartieren keine hitzebelasteten Menschen der Gruppe
65+ wohnen. Deutlich treten auch die Hitze-Hotspots in weiter von
der Kernstadt entfernten Bereichen hervor. Hier sind u. a. zu nennen:
rechtsrheinisch Stammheim, Höhenhaus, Rath-Heumar, Porz-Fin -
kenberg, linksrheinisch Worringen, Weiden, Bocklemünd. Die Karte
macht deutlich, dass die Altersgruppe 65+ insbesondere in den
dicht bebauten Wohngebieten einer hohen bzw. sehr hohen Hitze -
belastung ausgesetzt ist.
Diese Wohngebiete sind nicht nur in der Kernstadt innerhalb des
Äußeren Grün gürtels zu finden, sondern auch in der Peripherie.
Durch den fortschreitenden Klimawandel, die angestrebte Nachver -
dichtung städtischer Baustruktur sowie die Ausweisung zusätzlicher
Baugebiete zur Schaffung von Wohnraum werden diese Belastun -
gen zunehmen.
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln
41
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln
3.5.1 Definition Sozialraum
Die Stadt Köln definiert Sozialräume als Gebiete, die „im Vergleich
zur gesamten Stadt überdurchschnittlich stark von sozialer Benach -
teiligung betroffen sind“. 2005 wurde das Rahmenkonzept „Sozial-
raumorientierte Hilfsangebote in Köln“ mit dem Ziel entwickelt,
die Lebens bedingungen der Einwohnenden in derzeit elf festge -
legten „Sozialraum gebieten“ zu verbessern (Größe: i. d. R. 20.000–
30.000 Einwohnende).
Dies soll durch die Verankerung einer ressort- und fachübergreifen -
den Praxis aufseiten der Verwaltung und der freien Träger bewirkt
werden, die sozialraumorientierte und kooperative Arbeitsformen
intensiviert, vorhandene Dienste und Angebote optimiert und Prä -
vention in den Vordergrund rückt.
Die wesentlichen Handlungsfelder sind dabei: Kinder, Jugend
und Familie, Soziales, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Stadtent -
wicklung, Sport, Kultur, Integration, Wirtschaft und Arbeit sowie
Gemein wesen entwicklung. Mit dem Rahmenkonzept streben
die Stadt Köln und die beteiligten Wohlfahrtsverbände an, das
soziale und solidarische Köln zu stärken und zukunftsfest zu
machen (Stadt Köln 2005).
42
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln
3.5.2 Integriertes Handlungskonzept
„Starke Veedel – Starkes Köln“
Die Grundlage des Integrierten Handlungs -
konzeptes „Starke Veedel – Starkes Köln“
(2015) bildet das Programm „Lebenswerte
Veedel – Bürger- und Sozialraumorientie-
rung in Köln“, der seit 2006 insbesondere
im Jugend- und Sozialbereich praktizierte
Ansatz der Sozialraumorientierung in
benachteiligten Stadtquartieren.
Ziel des Integrierten Handlungskonzeptes ist
es, die von sozialer Benachteiligung beson-
ders betroffenen Stadtquartiere in Köln zu
stärken, Armut zu bekämpfen, den sozialen
Zusammenhalt zu stärken, Prävention zu
systematisieren und die Lebenssituation der
in diesen Quartieren lebenden Menschen
nachhaltig zu verbessern.
Mithilfe des Monitorings Stadtentwicklung
wurde geprüft, ob es sich bei den elf in der
Stadt Köln definierten Sozialräumen des
Programms „Lebenswerte Veedel – Bürger-
und Sozialraumorientierung in Köln“ noch
um die Gebiete mit besonderen Handlungs -
erfordernissen handelt, die im Vergleich zur
Gesamtstadt überdurchschnittlich stark von
sozialer Benachteiligung betroffen sind.
Betrachtet wurden in einer einheitlichen
Vorgehensweise (Indexwerte) verschiedene
Themenfelder, unter anderem soziale Lage,
demografischer Wandel und Wohnen.
Wirtschaftliche
Benachteiligung
Politisch-kulturelle
Benachteiligung
Gesundheitliche
Benachteiligung
• SGB-II-Empfänger*innen zwischen 15 und 65 Jahren (S)
• Empfänger*innen von Hilfen zur Erziehung (S)
• Unter 15-Jährige in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften (S)
• Empfänger*innen von Grund sicherung im Alter (SGB XII) (S)
• Von Armut bedrohte Haushalte (U)
• Beurteilung der eigenen wirtschaftliche Lage (U)
• Jugendarbeitslosigkeit (S)
• Nichtwähleranteil Bundestagswahl (S)
• Personen, die keine kulturellen Angebote in Anspruch nehmen (U)
• Personen, die keine kostenintensiven Freizeitangebote in
Anspruch nehmen (U)
• Keine ehrenamtliche Tätigkeit (U)
• Übergewichtige Kinder (Schuleingangsuntersuchung) (S)
• Personen, die keiner sportlichen Betätigung nachgehen (U)
• U8-Teilnahmequote (S)
Abbildung 3.6: Zusammensetzung des Index Soziale Lage.
Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln
43
Sozialraumgebiete – Lebenswerte Veedel in Köln
Abb. 3.7: Lage der 11 definierten Sozialräume im Kölner Stadtraum.
Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2014
44
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln
Für die Auswahl der elf Sozialräume wurde
der Index „Soziale Lage“ zugrunde gelegt,
der verschiedene Aspekte von Benach -
teiligung berücksichtigt: wirtschaftliche,
politisch-kulturelle und gesundheitliche
Benachteiligung. Er setzt sich zusammen
aus verschiedenen Statistikdaten sowie aus
Ergebnissen der Umfrage „Leben in Köln“
und berücksichtigt somit sowohl „harte“
statistische Daten als auch „subjektive“ Ein -
schätzungen der Befragten (Abb. 3.6).
Der Index wird durch die Vielfalt an Indi -
katoren der Tatsache gerecht, dass sich
Benachteiligung in weit mehr als nur mone -
tären Aspekten widerspiegelt.
Die räumliche Grundlage der Berechnung
des Indexes sind die 86 Kölner Stadtteile.
Für die räumliche Abgrenzung wurden
Stadtteile zusammengefasst, um in etwa
gleich große Räume von ca. 20.000 Einwoh-
ner*innen und Räume mit einer vergleich-
baren sozioökonomischen Bevölkerungs-
struktur bilden zu können. Die bestehenden
Sozialräume, die im Programm „Lebens-
werte Veedel“ enthalten sind, zählen so gut
wie alle zu den Gebieten mit besonderen
Handlungserfordernissen und wurden in
das Integrierte Handlungskonzept „Starke
Veedel – Starkes Köln“ mit geringfügigen
Veränderungen der Gebietszuschnitte über-
nommen.
Alle Sozialräume, einheitlich und ver-
gleichend zur Gesamtstadt betrachtet,
weisen einen erhöhten Handlungsbedarf
hinsichtlich der Armutsbekämpfung und
Ausgrenzungsvermeidung auf, jedoch auch
Unterschiede ihrer Problemlagen und ihres
Betroffenheitsgrads je nach Themenfeld.
Hinsichtlich der sozialen und demogra-
fischen Situation ist u. a. in allen elf Sozi-
alraumgebieten ein überdurchschnittlich
hoher Anteil an Personen mit Migrations-
hintergrund sowie an Haushalten, die Trans-
fereinkommen beziehen, zu verzeichnen.
Die kulturelle Vielfalt bildet verschiedene
Anknüpfungspunkte für ein kreatives Milieu,
birgt aber auch Konfliktpotenziale (z. B. zwi-
schen unterschiedlichen ethnischen Grup -
pen). Gleichzeitig zeigt sich in einzelnen
Quartieren eine Überalterung. Bei älteren
Einwohnenden nimmt die Gefahr der Alters-
armut zu.
Hier ist frühe Förderung aller Altersgruppen,
die Aktivierung aller SGB II-Bezieher*innen
und Langzeitarbeitslosen durch zielgrup -
penspezifische Angebote, die Stärkung
der Partizipation und Teilhabe der Bewoh-
nerschaft sowie die Verbesserung der
Integration und des Zugangs zu Information,
Beratungs- und Bildungsangeboten rele -
vant. Das Ziel sind früh angesetzte Hilfen
in verbesserten Bildungsstrukturen, erhöh -
tes (Aus-)Bildungsniveau und gestärkte
gesundheitliche Situation.
Im Bereich des öffentlichen Raums der
Sozialraumgebiete ergeben sich durch
gemischte Baustrukturen (von gründer-
zeitlichen Gebäudebeständen bis hin zu
Großwohnsiedlungen) und unterschiedli-
che städtebauliche Ausgangssituationen
verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten.
Der öffentliche Raum im Sozialraumgebiet
wird intensiv von unterschiedlichen Bewoh-
nergruppen genutzt. Im Alltag zeigen sich
immer wieder Konflikte zwischen den ver-
schiedenen Gruppen oder Schwierigkeiten
im Umgang mit dem öffentlichen Raum
(z. B. Müllproblematik).
3.5 Sozialräume in der Stadt Köln
45
Gleichzeitig bietet die intensive Nutzung
Ansatzpunkte zur Steigerung der Iden -
tifikation mit dem Wohnumfeld. Hand-
lungsbedarfe zeigen sich vor allem bei der
Behebung städtebaulicher Mängel (z. B.
Gestaltung von Plätzen, Straßen sowie
Frei- und Brachflächen und des Wohnum-
feldes) zur Schaffung und Aufwertung des
öffentlichen Raums, Identifikation, Teilhabe,
Verantwortung, Stärkung des Dialogs im
Sozialraum mit Eigentümer*innen und
Reduzierung von Barrieren.
Außerdem zeigen sich Bedarfe in Mängeln
des Wohnungsbestandes und des Erschei-
nungsbildes des Wohnumfeldes, das sich
zum Teil in einem ungepflegten Zustand
befindet. Auch wenn teilweise bereits Sanie -
rungsprogramme umgesetzt wurden (z. B.
durch Kooperationsstruktur mit der GAG
Immobilien GmbH), sind weitere Sanierungs-
und Modernisierungsmaßnahmen, die
Stärkung des Verantwortungsbewusstseins
der Bewohner*innen für ihr Wohnquartier,
Verbesserung des Wohnumfeldes, die Akti-
vierung der Eigentümerschaft sowie die Ini-
tiierung von Dialogen, insbesondere mit der
Wohnungs wirt schaft, nötig.
Hinsichtlich der klimatischen und ökologi-
schen Situation ist die überwiegende Zahl
der Sozialräume durch Defizite an Grün-
und Erholungsflächen gekennzeichnet.
Gleichzeitig bieten angrenzende Grün-
und Freiflächen durch mögliche Wege-
verbindungen Potenziale. In den Sozialraum-
gebieten sind zukünftig weiter steigende
Wärmebelastungen im Zuge des Klimawan-
dels aufgrund hoher Versiegelung zu erwar-
ten. Verdichtete innenstadtnahe Gebiete,
die zudem oft stärker von Lärm- und
Luftschadstoffbelastungen betroffen sind,
werden stärker davon berührt als die Rand -
lagen. Mit wachsenden Einwohnerzahlen
und einhergehendem Flächenbedarf sind
Entsiegelungsmaßnahmen gegen Neuin -
anspruchnahme von Flächen abzuwägen.
Dieser Konflikt umschließt die Gestaltung
und Aufwertung von Grün- und Freiflächen,
die Entsiegelung sowie Informationen zum
Klimawandel und Umweltbildung. Ziel ist es,
den öffentlichen Raum sowie die Wohnfunk-
tionen hinsichtlich Umweltgerechtigkeit,
Luftreinhaltung und Lärmminderung als
lebenswertes, ökologisch gerechtes und
Klimawandel-angepasstes Wohn- und
Lebensumfeld zu gestalten (Stadt Köln, Amt
für Stadtentwicklung und Statistik 2019).
Trotz einer Vielzahl bereits bestehender
kommunaler Präventionsangebote in den elf
Kölner Sozialraumgebieten für die einzelnen
Lebensphasen verschiedener Altersgruppen
(z. B. Zielgruppen-ausgerichtete Bildung,
Freizeit, Integrations-, Gesundheits- und
Sportförderung) ist die Armut dort insbe -
sondere bei Menschen im Alter überdurch -
schnittlich hoch.
Bislang fehlt eine ganzheitliche Analyse
möglicher Lücken bzw. Optimierungsbe-
darfe in der kommunalen Präventionskette.
Durch eine Neuorientierung der Hilfesys-
teme sollen bisher voneinander getrennt
erbrachte Leistungen und Angebote auf-
einander abgestimmt und koordiniert wer-
den, um eine durchgängige Unterstützung
zu gestalten – unabhängig davon, wer sie
erbringt. Hierfür ist eine Aktivierung der
Bewohnerschaft notwendig.
46
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.6 Klimawandel und Gesundheit
3.6 Klimawandel und Gesundheit
Die gesundheitlichen Auswirkungen
des Klimawandels sind vielfältig
und eine Folge komplexer Wechsel-
wirkungen. Hitzewellen, die das
Herz-Kreislauf-System, die Atemwege,
aber auch die Psyche belasten
können, wirken sich als Extrem ereignisse
unmittelbar auf die menschliche
Gesundheit aus (Kistemann et al. 2019).
Infolge des Klimawandels steigt auch
in Deutschland die Wahrscheinlichkeit
für intensive, länger andauernde Hitze -
ereignisse. Ausgeprägte und lang anhal-
tende Hitzeereignisse haben einen er -
heb lichen Einfluss auf die menschliche
Ge sund heit und stellen zudem eine enorme
Herausforderung für das Gesundheits -
wesen dar. Dass sich die Morbidität und
Mortalität durch Hitzewellen erhöht hat,
ist sowohl global als auch für Deutschland
nach gewiesen (Mora et al. 2017; Muthers
et al. 2017; Steul et al. 2019).
Die zunehmende Aufheizung von urbanen
Räumen bei lange anhaltenden sommerli -
chen Hitzeereignissen trifft besonders vul-
nerable Gruppen.
Dazu gehören insbesondere kleine Kinder
und Säuglinge, Menschen mit schweren
Vor- und Grunderkrankungen, Menschen im
Alter und mit Behinderung sowie Menschen,
die überwiegend ungeschützt draußen
arbeiten (Basu & Samet 2002).
Mit steigendem Lebensalter erhöht sich
die Vulnerabilität gegenüber extremen
Hitze ereignissen (Umweltbundesamt (UBA)
2019). Aber auch bei gesunden Menschen
kann Hitze zu Konzentrationsschwierigkei-
ten, Erschöpfung und eingeschränkter Leis -
tungsfähigkeit führen.
3.6 Klimawandel und Gesundheit
47
Vor dem Hintergrund des demografischen
Wandels sollte der Fokus der Maßnahmen
zur Hitzeanpassung insbesondere auf älte -
ren Menschen liegen, da die Bevölkerung
in Deutschland weiter altern wird (Desta -
tis 2019).
Wer zur Gruppe der älteren Menschen zählt,
wird zum Teil unterschiedlich beschrieben.
Eine einheitliche Definition liegt nicht vor.
Die Gruppe ist zudem sehr heterogen. Zu
den über 65-Jährigen zählen mindestens
zwei Generationen, die sich aufgrund ver-
schiedener kultureller Hintergründe, durch
wachsende Individualisierung der Lebens -
stile, aber auch durch wachsende soziale
Ungleichheit auszeichnen (Wolter 2017).
Speziell in Großstädten werden die Lebens -
stile älterer Menschen immer individueller.
Auch in der Stadt Köln wächst der Anteil
der über 65-Jährigen, auch wenn die rela -
tive Altersstruktur des Jahres 2040 gemäß
aktuellen Prognosen durch den permanen -
ten Zuzug von Studierenden, Auszubilden-
den und jungen Erwerbstätigen weitgehend
derjenigen des Jahres 2017 entsprechen
wird. Da die geburtenstarken 1960er-Ge -
burtsjahrgänge („Babyboomer-Genera -
tion“) in die höheren Altersklassen rücken,
gewinnt die Alterspyramide zukünftig vor
allem im oberen Drittel an Breite. Insbeson -
dere bei den über 80-Jährigen werden hohe
relative und absolute Zuwächse eintreten.
Ihr Anteil an der Kölner Bevölkerung wird
sich bis zum Jahr 2030 um ein Fünftel und
bis 2040 sogar um zwei Fünftel vergrößern.
Die höchste absolute Zunahme verzeichnen
künftig die 65- bis unter 80-Jährigen (Stadt
Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statis -
tik 2019).
Die Lancet-Kommission für Gesundheit und
Klimawandel benennt mögliche physische
und psychische gesundheitliche Auswir-
kungen von Hitzestress (Watts et al. 2015).
Hitzeperioden stellen hohe Anforderungen
an das kardiovaskuläre und respiratorische
System (UBA 2019). Ältere Menschen
haben eine schlechtere Hautdurchblutung
und eine reduzierte Schweißdrüsenfunktion.
Infolgedessen ist es schwierig für sie, ihre
Körperkerntemperatur konstant zu halten.
Dies kann zu Dehydratation, erhöhter Blut-
viskosität und gesteigertem Thrombose -
risiko führen. Die heiße und trockene Luft
reizt zudem die Atemwege.
Insbesondere ältere Menschen mit bereits
bestehenden chronischen Erkrankungen
sind belastet (Bunz & Mücke 2017). Der Kli-
mawandel ist auch ein Umweltstressor, der
zu psychischen Beschwerden wie Angststö-
rungen, Depressionen oder Traumata führen
kann (Bunz & Mücke 2017). Eine Mehrheit
der Menschen nimmt den Klimawandel als
sehr bedrohlich wahr (BMUB & UBA 2017).
Zusätzlich führen Mobilitätseinschränkun -
gen, Hilfebedürftigkeit und soziale Verein-
samung älterer Menschen oft dazu, dass
Maßnahmen wie z. B. ausreichende Flüssig-
keitsversorgung und Flüssigkeitsaufnahme
sowie Abkühlung (Duschen, Fußbäder, Was-
servernebelung etc.) unterlassen werden.
Als Folge der Klimaveränderungen treten
neben der Hitzebelastung weitere verän -
derte Umweltbedingungen mit indirekten
gesundheitlichen Auswirkungen und Risi-
ken auf.
48
3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund
3.6 Klimawandel und Gesundheit
Hierzu gehören u. a. die Beeinträchtigung
der Qualität und Quantität von Trinkwasser
und Lebensmitteln, das veränderte bzw.
verlängerte Auftreten von Allergenen wie
z. B. Pollen sowie von tierischen Krank-
heitsüberträgern, sogenannten Vektoren,
wie Zecken, Stechmücken oder z. B. dem
Eichenprozessionsspinner (Traidl-Hoffmann,
2020).
Als Antwort auf die gesundheitlichen Her-
ausforderungen wurden verschiedene
Strategien und Maßnahmen entwickelt.
Vorbeugende Gesundheitsvorsorge ist auch
aus gesundheitsökonomischer Perspektive
sinnvoll: Es ist günstiger, prophylaktisch zu
arbeiten, als nachträglich Schäden auszu-
gleichen (Bunz & Mücke 2017).
„Die physischen und sozialen Gegebenhei -
ten in einer Stadt können die menschliche
Gesundheit stark beeinflussen“ (Sieber
2017). Diesem Zusammenhang trägt unter
anderem das Baugesetzbuch (BauGB)
Rechnung, indem es die „allgemeinen
Anforderungen an gesunde Wohn- und
Arbeitsverhältnisse“ thematisiert. Gesund -
heitsthemen in der Stadtplanung und
Stadtentwicklung können sich auf die
Gesundheitsdefinition der Weltgesundheits-
organisation (WHO*) und die Ottawa-Charta
zur Gesundheitsförderung (1986) berufen.
Danach ist Gesundheit nicht nur die Abwe -
senheit von Krankheit, sondern sie ist durch
ein vollständiges körperliches, psychisches
und soziales Wohlbefinden charakterisiert.
Dieses Wohlbefinden lässt sich durch die
selbst bestimmte und gesundheitsfördernde
Gestaltung der Verhältnisse in der alltägli -
chen Lebens welt beeinflussen.
Der „Health-in-all-Policies“-Ansatz der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt
dieses umfassende Gesundheitsverständnis
auf. Er postuliert, Gesundheit durch eine
Einbettung der Thematik in alle Politikfel-
der wirksam zu fördern. Im Sinne dieses
Ansatzes muss Gesundheitsförderung
daher auch ein Handlungsfeld der Aktivitä -
ten von Stadt entwicklung sein (Baumgart
et al. 2018). Von ihm können auch sozial
schwache Bevölkerungsgruppen profitieren,
die von Umweltrisiken tendenziell stärker
betroffen sind (Zeeb et al. 2018).
Da in Kliniken und Pflegeheimen von ausrei -
chendem Fachwissen und einer kontinuierli-
chen Betreuung ausgegangen werden kann,
liegt das Hauptproblem im Zugangsweg von
allein lebenden, älteren Menschen.
Die Erfahrungen z. B. aus Frankreich zeigen,
dass hierfür andere Wege, wie aufsuchende
ehrenamtliche Versorgung, gefunden wer-
den müssen (Becker et al. 2019; Schach
2019). Faktoren, die das Sterberisiko erhö-
hen, sind ein niedriger sozioökonomischer
Status, eine Wohnung in höheren Stockwer-
ken und die Nähe zum Stadtzentrum.
* “Health is a state of complete physical, mental and
social well-being and not merely the absence of
disease or infirmity.”
Preamble to the Constitution of the World Health
Organization as adopted by the International He -
alth Conference, New York, 19
June–22 July 1946; signed on 22 July 1946 by the
representatives of 61 States (Official Records of
the World Health
Organization, no. 2, p. 100) and entered into force
on 7 April 1948. The definition has not been amen -
ded since 1948.
3.7 Von der klimawandelgerechten Metropole zu hitzeangepasstem Leben in Köln
49
Als effektiv schützende Faktoren erwei -
sen sich unter anderem Klimaanlagen,
erreichbare Mobilitätsoptionen, eine grüne
Umgebung, körperliche Aktivität sowie eine
erhöhte Trinkmenge (Basu & Samet 2002).
Ein zentraler Anlaufpunkt für das Thema
„Klimawandel und Gesundheit“ ist die
Datenbank auf der Website des Aktions-
programms Umwelt und Gesundheit/APUG
(www.apug.de). Sie enthält mehr als 300
Aktivitäten und Maßnahmen und zeigt
Handlungsoptionen für Vorsorgemaßnah-
men und erfolgreiche Beispiele aus der Pra -
xis auf.
3.7 Von der klimawandelgerechten
Metropole zu hitzeangepasstem
Leben in Köln
In einem ersten wichtigen Schritt hat die
Stadt Köln auf die beschriebenen Heraus -
forderungen mit dem Projekt „Klimawandel-
gerechte Metropole Köln“ (Laufzeit 2009–
2013) reagiert. Hierbei ging es zunächst
um eine kleinräumige, quantitative, stadt-
klimatologische Bestandsaufnahme und
Prognose der bestehenden und zukünftig
zu erwartenden Auswirkungen des globalen
Klimawandels auf das Kölner Stadtklima.
Die Planungshinweiskarte Hitze ist ein
wichtiges Produkt dieses Projekts (siehe
Kap. 3.3). Um angemessene und zielsichere
Strategien zur Anpassung an die Herausfor-
derungen des Klimawandels zu entwickeln,
müssen allerdings neben den klimatischen,
mit naturwissenschaftlichen Verfahren
messbaren Parametern unbedingt auch
demografische, soziale, ökonomische, kul-
turelle und verhaltensbezogene Aspekte,
Haltungen und Prägungen der Risikobe -
völkerungen in möglichst hoher räumlicher
Auflösung berücksichtigt werden.
Der Klimawandel und die sich daraus erge -
benden Konsequenzen für die menschliche
Gesundheit sind seit Längerem ein beson -
ders wichtiges Thema der geografischen
Gesundheitsforschung, die einen solchen
holistischen Ansatz verfolgt (Semenza et al.
2012): Sie beschäftigt sich in umfassender
Weise mit dem räumlich-zeitlichen Kontext
von menschlicher Gesundheit und Krank-
heit. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das
komplexe Zusammenspiel natürlicher, anth-
ropogener, sozialer und kultureller Faktoren
die Verteilung von gesundheitlichen Chan-
cen und Risiken innerhalb und zwischen
menschlichen Bevölkerungsgruppen beein-
flusst. Hinter diesen Verteilungen stehen
beeinflussende Faktoren aus unterschied -
lichen Bereichen, die erst in ihrem Zusam -
menspiel beobachtete räumlich-zeitliche
Muster generieren (Kistemann et al. 2019).
Das Projekt „HAP-Köln“ ist insofern der
konsequente nächste Schritt, um auf der
Grundlage der stadtklimatologischen Vor-
arbeiten die wahrscheinlich am stärksten
betroffene Risikogruppe, Menschen im Alter,
auf die Anpassung an die in ihrer Lebens -
welt spürbaren Folgen des globalen Klima -
wandels vorzubereiten.
Der Umbau zu einer klimaangepassten
Stadt und die Berücksichtigung der Klima -
anpassungserfordernisse setzen fach- und
ebenenübergreifende Konzepte und Stra-
tegien voraus. Zur Entwicklung und Umset-
zung sind Akteursnetzwerke unverzichtbar,
in die nicht nur der Gesundheitsbereich,
sondern auch die Akteur*innen aus Wissen -
schaft, Wirtschaft und Umwelt sowie Vertre -
ter*innen der Zivilgesellschaft eingebunden
sind.
4. Projektvorstellung
52
4. Projektvorstellung
Abbildung 4.1: Das inter- und transdisziplinäre Team des Projekts „HAP-Köln“ (UVA, IHPH, RE)
bei der Abschlussveranstaltung im Mai 2022
Eine Besonderheit des Projekts besteht
in der inter- und transdisziplinären Zusammen-
arbeit von Wissenschaft und Forschung,
kommunaler Verwaltung und einem regionalen,
mehrheitlich in Kommunalbesitz befindlichen
Energie ver sor gungsunternehmen für Strom-,
Gas-, Wasser- und Wärmeversorgung
und der Zusammenführung der jeweiligen
spezifischen Kenntnisse und Stärken.
53
4.1 Förderung als Leucht turm vorhaben im Rahmen der Deutschen Anpas sungs strategie
4.2 Projektpartner
4.1 Förderung als Leucht -
turm vorhaben im Rahmen der
Deutschen Anpas sungs strategie
Das Forschungsprojekt „HAP-Köln“ wurde
im Rahmen der Deutschen Anpassungs -
strategie (DAS) im Förderprogramm zur
Entwicklung von Maßnahmen zur Anpas-
sung an die Folgen des Klimawandels,
Förderschwerpunkt 3, als kommunales
Leuchtturmvorhaben gefördert. Es zeichnet
sich durch seinen Modellcharakter für den
städtischen Raum aus und ist weg weisend
für andere Städte.
Das Projekt mit einer Laufzeit von drei -
einhalb Jahren (1. Januar 2019 bis
30. Juni 2022) wurde vom Bundesmini-
sterium für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz unter
dem Förderkennzeichen 03DAS120A (Stadt
Köln) bzw. 03DAS120B (Universitätsklini-
kum Bonn) gefördert.
Der Projektträger Zukunft – Umwelt –
Gesellschaft gGmbH (ZUG) hat im Auftrag
des Bundesumweltministeriums das Förder-
programm begleitet.
4.2 Projektpartner
Eine Besonderheit des Projekts besteht in
der inter- und trans disziplinären Zusam-
menarbeit von Wissenschaft und Forschung,
kommunaler Verwaltung und einem regi-
onalen, mehrheitlich in Kommunalbesitz
befindlichen Energieversorgungsunterneh-
men für Strom-, Gas-, Wasser- und Wär-
meversorgung und der Zusammenführung
der jeweiligen spezifischen Kenntnisse und
Stärken.
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt
der Stadt Köln brachte seine Expertise in
der kommunalen Klimawandelanpassung,
der wissenschaftliche Partner, das GeoHe -
alth Centre des Instituts für Hygiene & Public
Health des Universitätsklinikums Bonn,
seine Erfahrungen aus wissenschaftlichen
Vorarbeiten im Bereich Klimawandel und
Gesundheit und die RheinEnergie AG prak-
tische Aspekte zum Themenfeld Trinkwas-
ser in den Hitzeaktionsplan ein. Bei Fragen
und Themen, die Aufgabenbereiche des
öffentlichen Gesundheitsdienstes berühr-
ten, wurde das Gesundheitsamt der Stadt
Köln eingeladen, sich einzubringen.
Federführend im Projekt ist die Abtei -
lung Umweltplanung und -vorsorge des
Umwelt- und Verbraucherschutzamtes der
Stadt Köln, bei der das Themenfeld Klima -
wandelanpassung angesiedelt ist. Weitere
Umweltvorsorgethemen wie die Luftreinhal-
tung, die Lärmaktionsplanung, die Umwelt-
bildung sowie die Untere Bodenschutzbe-
hörde sind Schwerpunkte der Arbeit dieser
Abteilung.
54
4. Projektvorstellung
4.2 Projektpartner
Umweltinformationen und Umweltdaten
werden im Rahmen von Umweltverträglich-
keitsprüfungen aufbereitet, bewertet und
städtischen Dienststellen oder Investor*in-
nen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus
werden eigene Forschungsprojekte initiiert.
Bereits 2009–2012 hat das Umwelt- und
Verbraucherschutzamt zusammen mit dem
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbrau-
cherschutz NRW (LANUV), dem Deutschen
Wetterdienst (DWD) und den Stadtentwäs-
serungsbetrieben Köln (StEB) das Projekt
„Klimawandelgerechte Metropole Köln“
durchgeführt. In diesem Vorhaben konnten
wichtige Grundlagendaten zur Betroffen-
heit der Stadt Köln durch den Klimawandel
ermittelt werden. Darüber hinaus wurden
Anpassungsmaßnahmen und Planungsemp -
fehlungen formuliert. Diese werden fortlau-
fend in das Verwaltungshandeln integriert
(Ratsbeschluss Februar 2015).
Darauf aufbauend startete im Januar 2019
das Forschungs- und Entwicklungsvorha-
ben „HAP-Köln“, das in das Stadtentwick-
lungsprogramm „Starke Veedel – Starkes
Köln“ integriert ist. Neben inhaltlichem
Fachwissen zu Hitze in urbanen Räumen war
die Abteilung Umweltplanung und -vorsorge
des UVA maßgeblich für die Steuerung des
Forschungsprojekts zuständig.
Hierzu gehörten unter anderem die Orga -
nisation von regelmäßigen Partnertreffen,
die Koordination der anstehenden Projekt-
aufgaben und die Vernetzung stadtinterner
wie auch externer Akteur*innen. Das Amt
für Stadtentwicklung und Statistik stellte
die Bevölkerungsdaten zur Verfügung und
unterstützte das Umwelt- und Verbraucher-
schutzamt mit Analysen und Auswertungen.
Im GeoHealth Centre des IHPH des Uni -
versitätsklinikums Bonn arbeitet ein inter-
disziplinäres wissenschaftliches Team aus
Medizin und Gesundheitswissenschaften,
Biologie und Mikrobiologie, Geografie, GIS,
Geostatistik und Informatik gemeinsam an
zahlreichen gesundheitsbezogenen For-
schungsvorhaben in den Bereichen Wasser,
Stadt, Entwicklung und Planetary Health.
Geografische Gesundheitsforschung ist der
inhaltlich verbindende Kern des GeoHealth
Centre, der größten Forschungsgruppe die-
ser Ausrichtung in Deutschland.
Es arbeitet an der Schnittstelle von Geo -
grafie und Medizin/Public Health und
beschäftigt sich mit dem räumlich-zeitlichen
Kontext von menschlicher Gesundheit und
Krankheit. Dabei werden geografische The -
orien, Konzepte und Paradigmen, Methoden
und Werkzeuge auf Probleme angewendet,
die mit menschlicher Gesundheit zusam -
menhängen. Im Mittelpunkt steht die Frage,
wie natürliche, anthropogene, soziale und
kulturelle Faktoren die Verteilung von
gesundheitlichen Chancen und Risiken
innerhalb und zwischen menschlichen
Populationen beeinflussen.
Mit gesundheitlichen Klimafolgen beschäf-
tigt sich das GeoHealth Centre bereits seit
2007. Die thematischen Schwerpunkte
umfassen hierbei Fragen zur Bedeutung
des Klimawandels für lebensmittel- und
wasserassoziierte Infektionskrankhei -
ten, zur gesundheitlichen Bedeutung
städtischer Grünräume (Stadtgrün) und
Gewässer (Stadtblau) im Kontext des glo-
balen Klimawandels sowie zu Adaptions-
strategien. Mehrere Forschungsvorhaben
wurden im Auftrag des European Centre
for Disease Prevention and Control (ECDC)
durchgeführt.
4.2 Projektpartner
55
Das GeoHealth Centre des IHPH war der
wissenschaftliche Projektpartner, der den
inhaltlichen Bereich Gesundheit und Klima -
wandel bearbeitete. Sein Projektteam war
für die wissenschaftliche Expertise in den
Bereichen Public Health, Umweltmedizin
und Gesundheitsgeografie verantwortlich.
Federführend kümmerte sich das IHPH
zudem um die Projekt-Dokumentation
sowie Präsentationen und Veröffentlichun-
gen zum Projekt.
Als weiterer Kooperationspartner des Pro -
jekts fungiert die Abteilung Wasserwirt -
schaft der RheinEnergie AG, ein Tochter-
unternehmen der Stadtwerke Köln GmbH,
die als Holding einige wichtige Eigengesell-
schaften der Stadtverwaltung beinhaltet.
Die RheinEnergie AG versorgt die Kölner
Region seit 150 Jahren mit Energie und
Trinkwasser. Neben dem nachhaltigen
Ansatz des vorbeugenden Gewässerschut-
zes liegt der Schwerpunkt der Arbeit
darin, jederzeit die Trinkwasserqualität
und -menge bereitzustellen, die nach den
gesetzlichen Vorgaben vorgeschrieben ist.
Für die Versorgung in Spitzenlastzeiten,
wie z. B. bei Hitzewellen, werden in den
Wasserwerken ausreichende Kapazitäten
vorgehalten. Um in derartigen Extremsi -
tuationen auch in Zukunft Lieferengpässe
ausschließen zu können, bedarf es der kon -
tinuierlichen Anpassung. Geändertes Ver-
brauchsverhalten von Kund*innen ist dabei
eine wichtige Eingangsgröße, zu dessen
besserem Verständnis durch das Projekt
beigetragen werden soll.
Neben der Sicherstellung der Grundver-
sorgung der Kölner Bevölkerung mit Trink-
wasser über ein mehr als 3.000 km langes
Trinkwassernetz sieht die RheinEnergie AG
auch die Information und Aufklärung über
den richtigen und gesundheitsgerechten
Konsum von Trinkwasser und die Trinkwas-
serqualität als ihre Aufgabe an. Diese Auf-
gabe wird über unterschiedliche Kommuni-
kationskanäle wie Internet, Broschüren oder
den Einsatz von mobilen Wassertheken auf
zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt
wahrgenommen.
Die Abteilung Infektions- und Umwelthygi-
ene des Gesundheitsamtes der Stadt Köln
hat fachliche Expertise im umweltbezoge -
nen Gesundheitsschutz. Die Aufgabe der
Abteilung ist unter anderem die Begleitung
und Überwachung von Maßnahmen zur Ver-
hütung von Krankheiten und Gesundheits -
schäden der Bevölkerung. Hierzu zählte
auch das Projekt zum Hitzeaktionsplan.
Die im Rahmen des Projekts gewonnenen
Erkenntnisse zur Vorbeugung oder Minde-
rung hitzebedingter nachteiliger Gesund-
heitseinflüsse sollen bei der Aufgabener-
ledigung berücksichtigt werden und damit
zur Verstetigung und Nachhaltigkeit der
Projekt ergebnisse beitragen.
Hierbei stehen vulnerable Gruppen
(schwangere Frauen, Kinder, Kranke, Men-
schen im Alter und Menschen mit Behin -
derung) sowie Einrichtungen wie Kinderta-
gesstätten, Schulen, Krankenhäuser sowie
Einrichtungen für Menschen im Alter und
für Menschen mit Behinderung besonders
im Fokus.
56
4. Projektvorstellung
4.3 Projektplan und Meilensteine
4.3 Projektplan und Meilensteine
Das Projekt „HAP-Köln“ gliederte sich
in drei Phasen und bestand aus acht
Arbeitspaketen (AP). Jedes Arbeitspaket
wurde mit dem Erreichen eines definierten
Meilensteins abgeschlossen (siehe Tabelle
Meilensteinplanung, Anlage A1).
Die erste Phase „Planung“ beinhaltete das
Vorbereiten des Vorhabens, das Erarbeiten
von Grundlagedaten zur stadtklimatischen
Belastung und Bevölkerung der Stadt Köln
und etablierte gleichzeitig die inter- und
transdisziplinäre Zusammenarbeit der
Projektbeteiligten. Hierzu gehörten regel-
mäßige Treffen zum organisatorischen
Austausch und zur inhaltlichen Weiterent-
wicklung.
Zu Beginn des Projekts fanden diese im
Wechsel in Köln und Bonn beim jeweiligen
Projektpartner (Umwelt- und Verbraucher-
schutzamt bzw. IHPH) statt.
Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurden
diese anschließend online per Videokonfe -
renz durchgeführt. Durch eine bereits hier
implementierte begleitende Qualitätssiche -
rung wurde sichergestellt, dass die Kriterien
zur Erreichung der Meilensteine erfüllt wur-
den. Stadtviertel und Sozialräume für die
Durchführung der Feldstudien wurden mit-
tels objektiver Kriterien (Wärmebelastung,
Sozioökonomie) ausgewählt. Außerdem
konnte bei einer öffentlichen Auftaktver-
anstaltung mit 37 Teilnehmenden im Kölner
Stadthaus ein erstes Vernetzungstreffen
mit sowohl städtischen als auch externen
Akteur*innen implementiert werden.
In der zweiten Projektphase „Erhebung“
standen die Durchführung von Erhebungen
mittels qualitativer und quantitativer Metho-
den sowie die Auswertung und Bewertung
dieser Ergebnisse im Mittelpunkt der
Arbeiten.
Maßnahmen
• AP 5 Entwicklung
von Interventions -
maßnahmen
• AP 6 Umsetzung
Erhebung
• AP 2 Erhebung
• AP 3 Auswertung
• AP 4 Bewertung
Planung
• AP 1 Grundlagen
Abb. 4.2: Projektphasen und Arbeitspakete
AP 8 Projektsteuerung
AP 7 Qualitätssichernde Begleitung + Projektpräsentation
4.3 Projektplan und Meilensteine
57
In vier Stadtvierteln und Sozialräumen wurden ältere Menschen zu
ihren Informationsquellen, ihrem Wissensstand und ihren aktuellen
Verhaltensweisen bezüglich Klimawandel, Hitzewellen und Anpas-
sungsstrategien befragt. Zudem wurde stadtweit untersucht, ob und
wie Einrichtungen für Senior*innen ihr Handeln auf Hitzewarnungen
einstellen, Maßnahmen umsetzen und eine Verhaltensänderung der
dort Wohnenden veranlassen können.
Basierend auf den empirischen Untersuchungsergebnissen wurden
in der dritten Phase „Maßnahmen“ des Projekts Maßnahmen konzi -
piert, implementiert und teils hinsichtlich ihrer Wirksamkeit geprüft.
Hierzu gehörten Interventionsmaßnahmen wie beispielsweise
die gezielte Öffentlichkeitsarbeit über verschiedene Medien für
Menschen im Alter in unterschiedlichen Lebenssituationen und
Stadtvierteln, der Einsatz von Multiplikator*innen, verschiedene
Vorsorgemaßnahmen sowie Hinweise zu Verhaltensänderungen.
Diese wurden in einem umfangreichen Maßnahmenkatalog zusam -
mengetragen.
Diese drei Projektphasen verliefen zeitlich teils parallel, teils nach -
einander. Dies wird durch die Quervernetzungen visualisiert (siehe
Abb. 4.2). Hinzu kamen als weitere Arbeitspakete die phasenüber -
greifende qualitätssichernde Begleitung und Projektpräsentation
(AP 7) sowie die Projektsteuerung (AP 8).
Fortlaufend erfolgte die qualitätssichernde Begleitung über einen
Qualitätssicherungsplan in Form eines Logbuches. Die Projektprä -
sentation erfolgte kontinuierlich auf der Internetseite der Stadt Köln
anhand eines Rundbriefs, der regelmäßig digital an alle Beteiligten
und Akteur*innen versandt wurde, und durch regelmäßige Vernet-
zungstreffen. Auch durch mehrere Fachpublikationen und -vorträge,
akademische Lehrveranstaltungen sowie Antworten auf Pressean -
fragen wurden das Thema Hitzeaktionsplan sowie die Folgen des
Klimawandels für die Stadt Köln in Fachkreisen diskutiert sowie der
allgemeinen Öffentlichkeit kommuniziert.
58
4. Projektvorstellung
4.3 Projektplan und Meilensteine
Die phasenübergreifende Projektsteuerung (AP 8) diente zur
Sicherstellung des geordneten Projektablaufs, zur Einhaltung des
Zeit- und Ressourcenmanagements und zur Koordinierung aller
Projektbeteiligten. Diese beinhaltete ein internes Kick-off-Meeting,
eine Abschlussveranstaltung und die fortlaufende projektbeglei -
tende Berichterstattung und Ergebnispräsentation. Zur Vernetzung
und Rückkopplung mit anderen Projekten zur Anpassung an den
Klimawandel aus dem DAS-Förderprogramm Anpassung an den
Klimawandel im Förderschwerpunkt 3 fanden mehrere Vernetzungs-
treffen statt.
Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten verschiedene Projekt-
aktivitäten nicht wie ursprünglich geplant in dem angegebenen
Fälligkeitszeitraum durchgeführt werden. Im Zuge einer kosten -
neutralen Projektverlängerung bis zum 30.06.2022 konnten die
Arbeitspakete 6, 7 und 8 um sechs Monate verschoben werden.
Besonders die Durchführung verschiedener Maßnahmen im öffent -
lichen Raum (z. B. Informationstage) und die notwendige Einbindung
von Akteursgruppen in das Projektnetzwerk konnten nicht immer
wie geplant durchgeführt werden. Dazu zählten vor allem Personen
aus dem medizinischen Bereich, die durch das Gesundheitsamt der
Stadt Köln eingebunden werden sollten.
Da das Gesundheitsamt seit Anfang 2020 jedoch pandemiebe -
dingt kaum Kapazitäten in das Projekt einbringen konnte und der
Gesundheitsbereich insgesamt andere Prioritäten setzen musste,
konnte eine Vernetzung mit diesen Akteursgruppen nicht im
ursprünglich vorgesehenen Umfang realisiert werden.
Die Abschlussveranstaltung des Projekts am 03.05.2022 fand im
Gegensatz zur Auftaktveranstaltung, die als reine Präsenzveranstal-
tung durchgeführt wurde, als Hybridveranstaltung statt. Dies hatte
den Vorteil, dass deutschlandweit viele Akteur*innen aus Verwal-
tung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik teilnehmen konnten.
4.4 Wissenschaftlicher Beirat
59
4.4 Wissenschaftlicher Beirat
Nicht zuletzt wegen des Charakters als Leuchtturmprojekt sollte
durch die Berufung eines national besetzten wissenschaftlichen
Beirats sichergestellt werden, dass das Projekt „HAP-Köln“ diesem
Anspruch gerecht wird und verschiedene fachliche Perspektiven
(Klimawandel, Public Health, Geriatrie) sowie „Flughöhen“ (kommu-
nal, landesweit, national, international) adäquat gehört und berück -
sichtigt werden.
Zur Unterstützung des Erarbeitungsprozesses und der Qualitätssi -
cherung wurde deshalb projektbegleitend ein wissenschaftlicher
Beirat fest in die Projektstruktur integriert. Dieser Beirat bestand
aus Fachgrößen aus Bundes- und Landesämtern, der Geriatrie/
Gerontologie und der Seniorenvertretung der Stadt Köln.
Der wissenschaftliche Beirat begleitete das Projekt fortlaufend im
Rahmen von Beiratstreffen, die mehrmals pro Jahr stattfanden.
Hierdurch wurde eine kontinuierliche Arbeitsstruktur aufgebaut und
die einzelnen Projektphasen wurden durch das Gremium wissen -
schaftlich und inhaltlich begleitet.
Durch den kontinuierlichen Austausch mit dem Beirat und durch
das Feedback zu den Projektergebnissen aus dem jeweiligen fach -
lichen Blickwinkel der Beiratsmitglieder konnten wertvolle ergän -
zende Erkenntnisse für die Fortführung des Projekts gewonnen und
die Evaluation der bisherigen Ergebnisse durchgeführt werden.
60
4. Projektvorstellung
4.4 Wissenschaftlicher Beirat
Der wissenschaftliche Beirat
umfasste folgende Personen:
Dr. rer. nat. Jutta-Maria Litvinovitch
— Dipl.-Geo grafin —
Referatsleiterin, T III 2 „Gesundheit im
Klimawandel“ im Bundes ministerium
für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz,
am 1. Dienstsitz Bonn
Dr. Ulrich Lindemann
— Dipl.-Sportlehrer —
Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart,
Sportwissenschaftler (DSHS Köln) und
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Klinik
für Geriatrische Rehabilitation
Forschungsschwerpunkte: körper liche
Leistungsfähigkeit und Aktivität
älterer Menschen sowie deren interne
und externe Einflussfaktoren
Dr. rer. nat. Ulrike Dapp
— Dipl.-Geografin —
Forschungskoordinatorin der Medizinisch-
Geriatrischen Abt. für Forschung und
Dokumentation im Albertinen Haus,
Zentrum für Geriatrie und Gerontologie,
wissenschaftliche Einrichtung an der
Universität Hamburg
Seit 2000 Leitung der Longitudinalen
Urbanen Cohorten-Alters-Studie (LUCAS)
mit anfänglich über 3.300 selbstständig
lebenden älteren Menschen in Hamburg.
Seit 2018 stellv. Leitung der Fachstelle
„Hamburger Hausbesuch für Seniorinnen
und Senioren“
4.4 Wissenschaftlicher Beirat
61
Dr. rer. nat. Hans-Guido Mücke
— Dipl.-Geograf —
Umweltbundesamt (UBA), Abteilung
„Umwelthygiene“, stellv. Fachgebietsleitung
„Umweltmedizin, gesundheitliche
Bewertung“, Dienstsitz Berlin.
Head des WHO Collaborating Centre for Air
Quality Management & Air Pollution Control
Dr. rer. nat. Thomas Claßen
— Dipl.-Geograf —
Landeszentrum Gesundheit
Nord rhein-Westfalen (LZG.NRW)
Fachbereich Gesunde Lebenswelten
Gesundheitscampus, Bochum
Referent für Gesundheit und Planung
Schwerpunkte: Bewegungs- und Gesund-
heitsförderliche Kommunalentwicklung,
Klima und Gesundheit, Hitzeaktionsplanung
Dr. Martin Theisohn
Sprecher der Seniorenvertretung
der Stadt Köln (bis Januar 2022)
Lilly Liebig
Seniorenvertretung
Köln-Ehrenfeld
5. Methodik
64
5. Methodik
5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete
5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete
Der Klimawandel wirkt sich räumlich sehr
differenziert aus. Dabei beeinflussen sowohl
klimatische Veränderungen als auch sozio-
ökonomische Faktoren die Möglichkeiten,
sich an die Auswirkungen des Klimawan-
dels anzupassen. Um eine Bewertung und
Abschätzung der Klimawandel-Betroffen -
heit durchzuführen und auf die raumspe-
zifischen Herausforderungen sachgerecht
eingehen zu können, bedarf es flächende -
ckender Analysen in Bezug auf Vulnerabilität
und Betroffenheit des Untersuchungsraums
(UBA 2015, S. 34). Dazu werden sogenannte
Vulnerabilitätsanalysen durchgeführt, durch
welche Handlungsbedarfe erkannt und pri -
orisiert werden können (UBA 2017, S. 8). Der
Begriff Vulnerabilität lässt sich dabei defi -
nieren als „die Neigung oder Prädisposition,
nachteilig betroffen zu sein. Vulnerabilität
umfasst eine Vielzahl von Konzepten und
Elementen, wie unter anderem Empfindlich-
keit oder Anfälligkeit gegenüber Schädigung
und die mangelnde Fähigkeit zur Bewälti-
gung und Anpassung.“ (IPCC 2014, S. 5).
Zu Beginn einer Vulnerabilitätsanalyse müs-
sen der Zweck der Untersuchung klar defi-
niert und die methodische Vorgehensweise
geklärt sein. Je nach Datenmenge, Qualität
und Ziel kann die Vulnerabilitätsanalyse
entweder quantitativ oder qualitativ durch -
geführt werden. Eine quantitative Analyse
basiert auf statistischen Daten und macht
dann Sinn, wenn Ziel der Untersuchung
ist, sich durch die Analyse einen Überblick
zu verschaffen, und Vergleiche zwischen
Gruppen, Orten oder anderen Merkmalen
erforderlich sind. Bei einer qualitativen
Untersuchung hingegen sind detaillierte,
individuelle Erkenntnisse Zweck der Analyse
(UBA 2017, S. 24 f.)
Ziel der Vulnerabilitätsanalyse im Rahmen
des Projekts war es, die Betroffenheit der
in der Stadt Köln lebenden Bevölkerung ab
65 Jahren in Bezug auf Wärmebelastungen
räumlich differenziert zu erfassen und zu
bewerten und auf diesem Wege Stadtteile
mit überdurchschnittlicher Wärmebelas -
tung zu identifizieren. Deshalb wurde eine
quantitative Vulnerabilitätsanalyse durch-
geführt, sodass ein Vergleich zwischen
Stadtteilen und Sozialräumen untereinander
als Entscheidungshilfe zur Bestimmung der
Untersuchungsgebiete für die Befragung
selbstständig lebender Menschen im Alter
genutzt werden konnte.
Da die Datenwahl bei einer quantitativen
Vulnerabilitätsanalyse ausschlaggebend ist,
müssen einige wichtige Punkte berücksich -
tigt werden. Zum einen sollten flächende -
ckend Daten des gesamten Untersuchungs-
gebiets vorhanden sein, um vergleichbare
Ergebnisse erzielen zu können. Für räumlich
spezifische Ergebnisse müssen die Daten
außerdem auf einer einheitlichen Bezugse-
bene vorliegen. Idealerweise sind die Daten
aktuell und liegen zusätzlich für die nahe
Zukunft vor, sodass die Ergebnisse die aktu-
elle Situation des Untersuchungsgebiets
abbilden (UBA 2017, S. 26 f.).
Für die Vulnerabilitätsanalyse des Projekts
wurden Daten zur stadtklimatischen Belas -
tung der Stadt Köln herangezogen, aus
denen hervorgeht, welche Stadtteile eine
hohe bzw. sehr hohe klimatische Belastung
aufweisen. Die Daten stammen aus dem
Projekt „Klimawandelgerechte Metropole
Köln“, im Rahmen dessen für die Stadt Köln
Klimasimulationen durchgeführt wurden.
5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete
65
Die Ergebnisse zeigen, wie sich die Hitze -
belastung durch den prognostizierten Kli -
mawandel auf die Stadt Köln für die Periode
2021 bis 2050 auswirken wird. Dazu wurden
die beiden meteorologischen Kenngrößen
„Heiße Tage“ und „Sommertage“ verwendet.
Die Bevölkerungsdaten der Stadt Köln wur-
den nach Erstellung eines Datenschutzkon-
zepts und einem positiven Bescheid durch
die Ethikkommission (beides Universitäts-
klinikum Bonn) durch das Amt für Stadtent-
wicklung und Statistik in Blockabschnitten
zur Verfügung gestellt. Sie beinhalten
sowohl das Alter der Bevölkerung als auch
den Straßennamen des Wohnorts in Köln.
Des Weiteren wurden die Standorte der Köl-
ner Dauerpflegeeinrichtungen ausgewertet,
deren Daten (Lage, Größe, Träger, Kontakt-
daten) ebenfalls vom Amt für Stadtentwick-
lung und Statistik zur Verfügung gestellt
wurden.
Zur Ermittlung der klimatischen Belastung
der Wohnquartiere und der Einrichtungen
für Menschen im Alter wurde die Analyse
mittels der Geoinformationssoftware Arc -
Map (Version 10.6.1) durchgeführt. Dazu
wurden die vorhandenen Bevölkerungs-
daten, Standorte Kölner Dauerpflegeein -
richtungen sowie die Daten der stadtkli-
matischen Belastung verschnitten und
ausgewertet. Somit konnten für die Dar-
stellung der Ergebnisse sowohl Karten- als
auch Tabellenformate gewählt werden, die,
je nach Fragestellung, die Ergebnisse veran-
schaulichen können.
Im darauffolgenden Schritt wurden vier
Untersuchungsgebiete für die Erhebung
selbstständig lebender Menschen im Alter
ausgewählt.
Dazu wurden zunächst die Altersstruktur
ab 65 Jahren sowie die stadtklimatische
Belastung der jeweiligen Stadtteile vergli-
chen. Die Altersstruktur der ausgewählten
Gebiete sollte möglichst ähnlich sein und
einen hohen Anteil von Menschen 65+
aufweisen. Da in Erhebung I ausschließ -
lich allein lebende Menschen 65+ befragt
werden sollten, wurde außerdem darauf
geachtet, dass möglichst wenige Dauerpfle -
geeinrichtungen für Menschen im Alter in
den ausgewählten Untersuchungsgebieten
vorhanden sind. Damit anschließend ein
Vergleich der unterschiedlichen Lebensbe-
dingungen in den vier ausgewählten Unter-
suchungsräumen bezogen auf die Themen
Hitze und Gesundheit möglich war, wurden
die vier Untersuchungsgebiete folgender-
maßen ausgewählt: zwei Stadtteile, jeweils
einer stark hitzebelastet und einer weniger
hitzebelastet, sowie zwei sozial schwache
Sozialräume, jeweils einer stark hitzebelas -
tet und einer weniger hitzebelastet.
66
5. Methodik
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
Die Befragung von selbstständig lebenden
Menschen 65+ wurde in folgenden
Untersuchungsgebieten in Köln durch-
geführt, die nach dem oben beschriebenen
Verfahren ausgewählt worden waren:
• Stadtteil Pesch im Stadtbezirk Chorweiler
• Stadtteil Nippes im Stadtbezirk Nippes
• Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/
Seeberg-Nord im Stadtbezirk Chorweiler
• Sozialraum Höhenberg/Vingst im
Stadtbezirk Kalk
Die Sozialräume Blumenberg/Chorweiler/
Seeberg-Nord und Höhenberg/Vingst
sind zwei von elf Sozialräumen in Köln
(Stadt Köln 2015). Der Stadtteil Pesch und
der Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/
Seeberg-Nord sind Beispiele für Siedlungs -
gebiete, die unter vergleichsweise geringer
Wärmebelastung stehen. Dementgegen ste -
hen der Stadtteil Nippes und der Sozialraum
Höhenberg/Vingst unter sehr hoher Wär-
mebelastung (Abb. 5.1) (Stadt Köln 2019b).
Neben der Wärmebelastung unterscheiden
sich die Stadtteile und Sozialräume hinsicht-
lich ihrer sozialen Differenzierung.
Davon ausgehend, dass sich soziale Diffe -
renzierung in räumlicher Differenzierung
niederschlägt, ist es hilfreich, die für die
Umfrage ausgewählten Stadtteile genauer
zu betrachten, um die dort erhobenen Daten
interpretieren zu können. Hoffmeyer-Zlotnik
(2001) nennt diese sozial-räumliche Diffe-
renzierung Wohnquartier: „Man siedelt unter
Seinesgleichen in einem potentiellen Sys-
tem sozialer Beziehungen“.
Im Folgenden werden die vier ausgewählten
Untersuchungsgebiete vorgestellt.
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
67
Abb. 5.1: Lage und Wärmebelastung der vier für die Erhebung I ausgewählten Wohnquartiere in Köln.
Quelle: Stadt Köln, Umwelt und Verbraucherschutzamt 2019b
Klasse 5 stark klimaaktive Flächen
Klasse 4 klimaaktive Flächen
Klasse 3 belastete Siedlungsflächen
Klasse 2 hoch belastete Siedlungsflächen
Klasse 1 sehr hoch belastete
Siedlungsflächen
Dauerpflegeeinrichtungen
Darstellung der Befragungsgebiete in Abhängigkeit der Wärmebelastung
nicht sozial benachteiligte Stadtteile
1 Pesch (klimatisch unbelastet)
2 Nippes (klimatisch belastet)
sozial benachteiligte Stadtquartiere
3 Blumenberg/Chorweiler/Seeberg-Nord
(klimatisch unbelastet)
4 Höhenberg/Vingst (klimatisch belastet)
68
5. Methodik
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
5.2.1 Pesch
Pesch ist ein Stadtteil im linksrheinischen
Stadtbezirk Köln-Chorweiler. Der Stadt-
teil Pesch umfasst 2,83 Quadratkilometer,
davon 16,5 Prozent Erholungsflächen
(inklusive Friedhöfe). Pesch hat 7.807 Ein-
wohnende (Stand 31.08.2018) und ist mit
2.735 Einwohnenden pro Quadratkilometer
einer der weniger dicht besiedelten Köl-
ner Stadtteile. Das Durchschnittsalter der
Bevölkerung von Pesch ist mit 47,9 Jahren
das höchste aller Kölner Stadtteile (Stadt
Köln 2018, 2019a).
An Pesch angrenzend befindet sich mit
dem Escher und dem Pescher See sowie
der ländlichen Umgebung eine ausgeprägte
Blau- und Grünstruktur. Pesch zählt zu den
Stadtvierteln des Stadtbezirks Chorweiler,
die in Kontrast zu anderen Stadtteilen des
Bezirks mit positiven Eigenschaften wie
„grüner, ruhiger, gelassener“ beschrieben
werden (Stadt Köln 2019a). Vor 1950 war
Pesch ländlich-agrarisch geprägt. In den
1960er-Jahren begann die Urbanisierung.
Einige Hochhäuser, ein hohes Aufkommen
an Durchgangsverkehr und drei Großtank-
stellen gehören zum Stadtteilbild. Da das
Wohngebiet nicht nach einem Generalbe -
bauungsplan entstanden ist, gibt es keinen
allgemeinen Ortskern mit Konsumzentrum
oder Spielstraße (Sattler 2008, S. 123).
Die medizinische Versorgung wird im Ver-
gleich zu gesamt Köln als überdurchschnitt-
lich gut bewertet (Stadt Köln 2019, S. 5).
Weitere Stärken des Stadtteils sind laut
Pescher Bevölkerung das gute Gemein-
schafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl
und die gute Verkehrsanbindung an Auto-
bahn- und Straßennetz (Sattler 2008).
Die schlechte Erreichbarkeit des ÖPNV und
die fehlenden Freizeitangebote für Men-
schen 65+ werden als negativ bewertet
(Stadt Köln 2019a).
5.2.2 Nippes
Der linksrheinische Stadtteil Nippes ist Teil
des gleichnamigen Kölner Stadtbezirks
und grenzt im Süden an den Stadtbezirk
Innenstadt. Er ist der Einzige der für diese
Umfrage ausgewählten vier Stadtteile,
der an die Innenstadt Kölns grenzt. Er
umfasst 3,00 Quadratkilometer. Davon sind
23,4 Prozent Erholungsflächen (inklusive
Friedhöfe). 36.574 Menschen leben in die-
sem Stadtteil. Mit 12.211 Einwohnenden
pro Quadratkilometer ist Nippes der Kölner
Stadtteil mit der zweitdichtesten Besie -
delung (nach dem Stadtteil Neustadt-Süd
im Stadtbezirk Innenstadt). Das Durch -
schnittsalter der Nippeser Bevölkerung
beträgt 40,4 Jahre (Stadt Köln 2018).
Nippes gehört seit seiner Eingemeindung
1888 zu Köln. Im 19. Jahrhundert nahm die
Bevölkerungszahl rapide zu. Dies lag vor
allem an der Ansiedlung von Industrieunter-
nehmen wie dem Gummiwerk Clouth oder
der Auer Mühle als große Arbeitgeber. Die
Architektur aus Gründerzeit und Jugendstil
prägt auch heute noch einige Straßenzüge
in Nippes (Leipziger Platz, Eisenachstraße
etc.), was den Stadtteil zu einer attraktiven
Wohngegend macht (Website der Stadt
Köln).
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
69
Nippes ist ein lebendiger Stadtteil mit der
bekannten Einkaufsmeile auf der Neusser
Straße, die sich von Norden nach Süden
durch Nippes zieht. Ein weiterer städti-
scher Anziehungspunkt ist der tägliche Fri -
schmarkt auf dem Wilhelmplatz. Im „Sech -
zigviertel“ (Sechzigstraße, Hartwichstraße
und Nebenstraßen) wurde eine autofreie
Nachbarschaft eingeführt. An den Rändern
von Nippes befinden sich Grün- und Erho -
lungsflächen wie Lohsepark, Toni-Stein-
gass-Park, Nordpark und Johannes-Gies -
berts-Park. Des Weiteren hat der Stadtteil
eine ausgeprägte Veranstaltungs- und
Kulturprogramm-Landschaft.
5.2.3 Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/
Seeberg-Nord
Zwei der für diese Studie ausgewählten
Gebiete fallen unter die von der Stadt
Köln räumlich definierten Sozialräume: der
Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/See-
berg-Nord und der Sozialraum Höhenberg/
Vingst (Stadt Köln 2015).
Der Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/
Seeberg-Nord liegt innerhalb des linksrhei -
nischen Stadtbezirks Köln-Chorweiler, dem
nördlichsten der neun Kölner Stadtbezirke,
und erstreckt sich mit 2,21 Quadratkilome-
tern über die Siedlungsgebiete der Stadt-
teile Blumenberg und Chorweiler sowie
Teile des Siedlungsgebiets Seeberg (See-
berg-Nord).
Ein Großteil der Bebauung besteht aus
öffentlich gefördertem Geschosswohnungs -
bau durch Wohnungsbaugesellschaften
aus den 1970er-Jahren. In Teilen von See-
berg-Nord und Chorweiler-Nord kamen ab
den 1980er-Jahren Reihenhaussiedlungen
hinzu. Am nördlichen Rand Chorweilers und
in Teilen Blumenbergs überwiegt die Einfa-
milienhausbebauung. Diese drei Stadtteile
Blumenberg, Chorweiler und Seeberg wei -
sen untereinander teils erhebliche Differen -
zen auf (Stadt Köln 2015).
Der Sozialraum ist komplett von Grün- und
Freiflächen umgeben. Teilweise ziehen sich
Grünflächen auch durch die Wohngebiete.
Es gibt zudem viele Freizeitmöglichkeiten,
wie zum Beispiel zwei Schwimmbäder,
einige Spielplätze, eine Kletterhalle und
das benachbarte Naherholungsgebiet Füh -
linger See.
Aufgrund der stark verdichteten Bauweise
mit Hochhäusern sind Blumenberg, Chor-
weiler und Seeberg-Nord mit einer Bevöl-
kerungszahl von insgesamt 27.000 im Ver-
gleich zu den anderen Sozialräumen eines
der einwohnerstärksten Gebiete.
Blumenberg, Chorweiler und Seeberg-Nord
sind durch eine junge Bevölkerungsstruktur
gekennzeichnet. Der Anteil an Personen,
die Grundsicherung im Alter erhalten, ist
verglichen mit den gesamtstädtischen
Zahlen überdurchschnittlich hoch. Etwa
zwei Drittel der Einwohnenden haben einen
Migrationshintergrund und prägen das mul-
tikulturelle Bild des Sozialraums.
Blumenbergs Bevölkerung weist einen
jüngeren Altersdurchschnitt (38,3 Jahre)
als Kölns Gesamtaltersdurchschnitt (41,9
Jahre) auf. Blumenberg wird durch seine
Randlage und Nähe zum Fühlinger See von
seinen Ortsansässigen als grüner Stadtteil
bewertet (Stadt Köln 2019a).
70
5. Methodik
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
Auch der Stadtteil Seeberg wird durch seine
unmittelbare Nähe zum Fühlinger See von
seiner Bevölkerung als grün beschrieben –
aber auch als unscheinbar und arm (Stadt
Köln 2019a, S. 48). Die Fahrradfreund-
lichkeit und ÖPNV-Erreichbarkeit rufen in
Seeberg wiederum eine hohe Zufriedenheit
hervor (Stadt Köln 2019a).
Der Stadtteil Chorweiler wird ebenfalls
durch seine Stadtrandlage und Nähe zum
Fühlinger See als grün eingeschätzt. Die
Parks und Grünflächen werden von der
Chorweiler Bevölkerung als überdurch-
schnittlich positiv eingeschätzt. Negative
Eigenschaften, die der Chorweiler Bevöl-
kerung über ihren Stadtteil einfallen, sind
arm, schlicht, unscheinbar, vernachlässigt,
unbeweglich und eintönig. Chorweiler zählt
nach Blumenberg zu den Stadtteilen, mit
denen ihre Bevölkerung am unzufriedensten
ist (Stadt Köln 2019a; Ellerbrock 2014).
Der Stadtteil Chorweiler unterscheidet
sich durch seine soziodemografische und
architektonische Struktur deutlich von den
Stadtteilen Seeberg und Blumenberg. Chor -
weiler entstand 1957 als Antwort auf den
Wohnungsmangel in Köln mehr oder weni-
ger „‚aus dem Nichts‘, also nicht basierend
auf gewachsenen Strukturen“ (Ellerbrock
2014). Ziel war die Erschaffung einer „Stadt
der kurzen Wege“ (Ellerbrock 2014), die die
Daseinsgrundfunktionen Arbeit, Wohnen
und Freizeit auf engstem Raum vereint.
Der zentrale Teil Chorweilers wurde mit
30-stöckigen Plattenbauten geplant. Nach
Norden (Blumenberg) und nach Süden (See -
berg) sollte die Bebauung niedriger werden
(ein- bis vierstöckig).
Der Stil des Futurismus mit Beton als
Hauptbaumaterial führten zu dem mono -
strukturierten Projekt Chorweiler, der
heute größten Plattenbausiedlung in Nord-
rhein-Westfalen (Ellerbrock 2014).
Den Kern des Sozialraums bildet Chorwei-
ler-Mitte mit seiner zum Teil sehr domi-
nanten Hochhausbebauung, in denen sich
zahlreiche öffentlich geförderte Wohnungen
befinden. Die 2016 drohende Zwangsver-
steigerung in diesem Gebiet konnte die
GAG Immobilien AG durch die Übernahme
von insgesamt 1.211 Wohnungen verhin-
dern.
Heute beherbergt der Stadtteil 13.070 Men-
schen, davon 77,3 Prozent mit Migrations-
hintergrund (Köln gesamt hat 35,0 Prozent
Menschen mit Migrationshintergrund) (Kur-
tenbach 2016; Ellerbrock 2014). In der Lite-
ratur wird Chorweiler als schwierige, arme,
ethnisch diverse, sozial benachteiligte und
hochgradig segregierte Nachbarschaft mit
einer exkludierten Bevölkerung beschrie-
ben (Stadt Köln 2019a; Kurtenbach 2017b,
2017a, 2016). So weist der für Köln über-
durchschnittlich hohe Anteil an Sozialwoh-
nungen mit Mietpreisbindung auf Anwoh-
nende in sozioökonomisch benachteiligten
Positionen hin (Kurtenbach 2016, S. 81).
Chorweiler wird als Ort der sozialen und
physischen Unordnung beschrieben. Bewäl-
tigungsstrategien und Reaktionen der
Chorweiler Bevölkerung sind Resignation
und Frustration – aber auch gesundheitliche
Reaktionen wie Depression können Folgen
der Wohnverhältnisse sein (Kurtenbach
2017b, 2017a).
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
71
Solche Beobachtungen stützen sich auf
statistische Zahlen, die auf besondere Pro -
bleme der Chorweiler Bevölkerung weisen:
„Die Jugendarbeitslosenquote ist doppelt so
hoch wie in Köln; mehr als jedes zweite Kind
in Chorweiler […] lebt am Existenzminimum;
Chorweiler [rangiert] im oberen Drittel […] in
der Rangfolge der Kölner Stadtteile mit dem
höchsten Jugendhilfe-Bedarf“ (Ellerbrock
2014); der Anteil an alleinerziehenden Haus-
halten – meistens Mütter – ist in Chorweiler
doppelt so hoch wie in Köln insgesamt (Kur-
tenbach 2016). Zudem ist das Armutsniveau
dieser Haushaltsform in Chorweiler doppelt
so hoch (90 %) wie in Gesamt-Köln (43 %)
(Kurtenbach 2016). Die Wohnverhältnisse,
insbesondere die Baubestände sind teil-
weise problematisch: Immobilien sind von
Schimmel befallen, gering isoliert, Auf -
zugsanlagen sind über lange Zeiten defekt
(Kurtenbach 2016). Die Gebäudezustände
variieren jedoch stark je nach Vermietenden
(Stadt Köln 2015).
Chorweiler-Mitte ist das urbane und verwal-
tungstechnische Zentrum des Stadtbezirks
Chorweiler. Als ÖPNV-Knotenpunkt sowie
mit seinen weiterführenden Schulen, seiner
Bezirkssportanlage, einem großen Einkaufs -
zentrum mit rund 100 Betrieben und Ein-
richtungen der städtischen Verwaltung wirkt
Chorweiler urbaner als andere Stadtteile
des Stadtbezirks (Stadt Köln 2015).
In den letzten Jahren hat sich eine breite
Infrastruktur im kulturellen und sozialen
Bereich herausgebildet. Dazu zählen Bera -
tungs- und Hilfsangebote. Diese werden
in der Chorweiler Bevölkerung als positiv
bewertet, stehen jedoch nicht in ausrei -
chendem Maß zur Verfügung.
Insgesamt ist im Sozialraum Blumenberg/
Chorweiler/Seeberg-Nord als Folge von
mangelnder Instandhaltung ein schlechter
Zustand eines Großteils der Wohnungs-
bebauung zu verzeichnen. Mit Ausnahme
der Gebiete mit Einfamilienhausbebauung
weist der Sozialraum eine hohe Anzahl an
SGB-II-Leistungsberechtigten auf. Insge -
samt ist der Sozialraum von einer prob-
lematischen Sozialstruktur geprägt. Des
Weiteren ist er durch seine junge Bevölke-
rungsstruktur und seinen hohen Anteil von
ca. 66 Prozent Menschen mit Migrationshin-
tergrund geprägt.
Die Unterschiede zwischen den verschie -
denen Stadtteilen des Sozialraums fallen
besonders beim Anteil der SGB-II-Leis -
tungsbeziehenden auf: „In den Quartieren
Chorweiler-Nord Geschosswohnen West
und Chorweiler-Mitte Bezirkszentrum
betrifft dies jede vierte Einwohnerin bezie -
hungsweise jeden vierten Einwohner. In
den Reihenhaussiedlungen [in Teilen
Blumenbergs sowie am nördlichen Rand
Chorweilers] liegt die Quote hingegen bei
2 bis 3 Prozent“ (Stadt Köln 2015). Des
Weiteren ist die Bildungsteilhabe im gesam-
ten Sozialraum Blumenberg/Chorweiler /
Seeberg-Nord geringer als im Mittel der
Gesamtstadt (Stadt Köln 2015).
Die Nahversorgungssituation zeichnet
sich durch die Versorgungszentren in Blu-
menberg und Chorweiler-Mitte zwar als
quantitativ gut aus, weist jedoch qualita-
tive Mängel auf. Zudem liegt die Kaufkraft
der Einwohnenden der Stadtteile Seeberg
und Chorweiler auf den letzten Plätzen
im Vergleich aller elf Kölner Sozialräume.
Dies liegt insbesondere an der hohen
Arbeitslosigkeitsquote.
72
73
74
5. Methodik
5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete
5.2.4 Sozialraum Höhenberg/Vingst
Der 2006 ernannte Sozialraum der histo-
risch zusammengewachsenen Stadtteile
Höhenberg/Vingst liegt im rechtsrheini -
schen Kölner Stadtbezirk Kalk und erstreckt
sich mit 1,86 Quadratkilometern über die
Siedlungsgebiete des Stadtteils Höhenberg
(nördlicher Teil des Sozialraums) und Vingst
(südlicher Teil des Sozialraums) (Stadt Köln
2015). Das Siedlungsgebiet wird begrenzt
durch die Autobahn A4 im Süden, die Bun -
desstraße B55a im Norden sowie Grün -
flächen der Merheimer Heide im Westen
und einen ausgedehnten Rangierbahnhof
im Osten. Der Sozialraum Höhenberg/
Vingst zählt mit 25.707 Personen (Stand
31.12.2017) zu den drei personenstärksten
der elf Sozialräume (Homepage der Stadt
Köln.) Aufgrund umfangreicher Bautä-
tigkeit ist die Zahl der Einwohnenden in
den letzten Jahren stetig gestiegen. Das
Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt
39,8 Jahre (Stadt Köln 2018).
Der Sozialraum Höhenberg/Vingst besteht
vornehmlich aus Wohnhäusern, die in
Schlichtbauweise in den 1950er- und
1960er-Jahren errichtet wurden. Im Rah-
men der Durchführung eines Sanierungs -
programms in der Zeit von 1993 bis 2008
konnten umfangreiche Sanierungs- und
Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt
werden, die für das Wohngebiet posi-
tive Veränderungen erzielten. Dennoch
bestehen in einigen Quartieren weiterhin
wahrnehmbare städtebauliche Mängel. Die
Bebauungsstruktur ist eine überwiegend
geschlossene Bauweise mit Geschoss -
wohnungen. Größtenteils befinden sich die
Wohnungen im Besitz der GAG Immobilien
AG. Kleinräumig befindet sich am nördli-
chen und südlichen Ende des Sozialraums
jeweils eine Einfamilienhausbebauung.
Mit der Olpener Straße in Höhenberg und
der Ostheimer Straße in Vingst hat der Sozi -
alraum zwei Versorgungszentren, die eine
gute Nahversorgung ermöglichen.
Der Sozialraum ist über Stadtbahnlinien gut
an den öffentlichen Personennahverkehr
sowie sehr gut an das Autobahnnetz ange -
bunden (Stadt Köln 2015).
2007 bis 2013 gab es eine rapide Zunahme
von Einwohnenden mit Migrationshinter-
grund, wodurch sich ein multikulturelles
Stadtteilbild ergibt. Heute besitzen mehr
als 50 Prozent der Bewohnerschaft einen
Migrationshintergrund (Stadt Köln 2015).
Des Weiteren ist der Anteil an alleinerzie -
henden Müttern sowie Familienhaushalten
im Vergleich zur Gesamtstadt deutlich
höher. Mit einem überdurchschnittlich
großen Anteil an Jugendlichen ist der Sozi-
alraum Höhenberg/Vingst ein sehr junger
Sozialraum (Homepage der Stadt Köln
Stadt Köln 2015).
Der Sozialraum weist mit 25 Prozent einen
sehr hohen Anteil an SGB-II-Leistungs -
beziehenden auf. Dabei gibt es räumliche
Unterschiede: Besonders hoch ist der Anteil
der Leistungsbeziehenden im Quartier
Höhenberg-Süd. Unter den Einwohnenden
des Sozialraums ist besonders bei den
Frauen und Menschen ohne deutschen Pass
eine hohe Arbeitslosenquote zu verzeichnen,
was zu „einem hohen Anteil an von Armut
bedrohten Menschen mit fehlenden Mög -
lichkeiten zur Teilhabe“ (Stadt Köln 2015)
führt. Unter allen elf Kölner Sozialräumen
hat Höhenberg/Vingst absolut gesehen die
höchste Anzahl an Langzeitarbeitslosen.
5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender Menschen im Alter
75
Unter den älteren Menschen ist im Sozial-
raum zunehmende Altersarmut zu verzeich-
nen: 13,5 Prozent beziehen Grundsicherung
im Alter (im Vergleich dazu 7,6 Prozent in
gesamt Köln) (Homepage der Stadt Köln;
Stadt Köln 2015).
Des Weiteren ist ein konstant hoher
Jugendquotient zu verzeichnen sowie eine
geringe Bildungsteilhabe: ein geringer Anteil
an Gymnasialschüler*innen bei überdurch -
schnittlicher Gesamtschulquote.
Den Sozialraum Höhenberg/Vingst zeichnet
eine große Zahl Ehrenamtlicher und sozialer
Akteure aus. Dazu zählen zahlreiche Bür -
gervereine und die Beratungsangebote von
Kirchen oder der GAG Immobilien AG.
Im gesamtstädtischen Vergleich weist der
Sozialraum Höhenberg/Vingst überdurch-
schnittlich viele einkommensschwache
Haushalte auf.
Der Sozialraum grenzt an das Naherho -
lungsgebiet Merheimer Heide sowie das
Naturfreibad Vingst. Er weist im Vergleich
zur Gesamtstadt wenig Grün- und Freizeit-
flächen auf. Bei den vorhandenen Flächen
handelt es sich überwiegend um Freizeit-
und Erholungsflächen wie Parks, Grünan -
lagen und Sportplätze. Die vorhandenen
Grün- und Freizeitflächen sind durch grüne
Wegeverbindungen zwar gut vernetzt, es
ist jedoch eine „Optimierung der Sauberkeit
und des Sicherheitsempfindens notwendig“.
(Homepage der Stadt Köln; Stadt Köln 2015).
5.3 Erhebung I: Quantitative
Befragung selbstständig
lebender Menschen im Alter
Für Erhebung I mit selbstständig leben -
den Menschen im Alter in Köln wurden
die Stadtteile Nippes und Pesch sowie die
Sozialräume Blumenberg/Chorweiler/See-
berg-Nord und Höhenberg/Vingst ausge -
wählt.
Im Vorfeld der Befragung wurden die
politischen Gremien der Stadt Köln (Aus -
schuss Klima, Umwelt und Grün, zuständige
Bezirksvertretungen) in Kenntnis gesetzt.
Wichtig war zudem die Information der
Öffentlichkeit über Pressemitteilungen und
einen Artikel in der Tagespresse, um die
Befragung anzukündigen und Irritationen
in der Bevölkerung möglichst zu vermeiden.
Am 19.07.2019 berichtete zum Beispiel der
Kölner Stadtanzeiger über die Aktion mit
dem Titel „Stadt befragt Senioren zu Hitze“.
Auf der Basis einer wissenschaftlichen
Recherche zu qualitativen und quantita-
tiven Erhebungen im Bereich Hitze und
ältere Menschen wurden die Erhebungs-
instrumente für Erhebung I erarbeitet. Ein
Fragebogen wurde entworfen, der die
Bereiche Hitzewarnung und Information,
Hitzebelastung im Stadtviertel, Hitzeanpas -
sung, Mobilität, soziale Kontakte / soziales
Netz, gesundheitliche Auswirkungen von
Hitze, allgemeine Gesundheit und Fragen zu
Person und Haushalt abdeckten. Es wurden
keine personenbezogenen Daten erfragt.
Dieser Fragebogen wurde mit dem wissen -
schaftlichen Beirat beraten.
Für Erhebung I wurde ein Pretest mit einer
Stichprobengröße von sechs Personen
durchgeführt. Im Anschluss fand nochmals
eine Anpassung des Fragebogens statt.
76
5. Methodik
5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender Menschen im Alter
Der Fragebogen wurde sowohl als schrift-
licher Fragebogen als auch in digitaler
Form entwickelt. Es wurden Versionen in
deutscher, türkischer und russischer Spra-
che erstellt. Zur Sicherung der Überset-
zungsqualität wurden die türkischen und
russischen Fragebögen unabhängig ins
Deutsche rückübersetzt. Zur Vorbereitung
des mehrköpfigen Interview-Teams wurde
ein mehrstündiger Workshop „Durchfüh-
rung quantitativer Interviews“ entwickelt
und durchgeführt. Dieser diente sowohl
der inhaltlichen als auch methodischen
Vorbereitung und sollte dazu beitragen, eine
Verzerrung der Ergebnisse durch unter-
schiedliches Verhalten der Interviewenden
zu reduzieren.
In Zusammenarbeit mit der Datenschutz-
beauftragten des Universitätsklinikums
Bonn konnte ein Datenschutzkonzept zum
Schutz der Daten der Befragten erstellt
und verschiedene Dokumente, die den
Befragten zu Beginn der Befragung vor-
gelegt werden sollten, entwickelt werden:
ein Informationsschreiben zur Aufklärung
über den Datenschutz und den Ablauf des
Projekts sowie eine Einwilligungserklä-
rung. Ein Ethikantrag für die Durchführung
epidemiologischer Studien wurde bei der
Ethikkommission des Universitätsklinikums
Bonn eingereicht, dem nach geringfügigen
Änderungen stattgegeben werden konnte.
Auf Basis der Daten aus dem Melderegister
(Name, Geburtsdatum und Adresse aller
gemeldeten Personen im Alter von 65 Jah -
ren oder älter) wurde die Grundgesamtheit
und Stichprobengröße nach Kriterien der
repräsentativen Stichprobenbestimmung
berechnet. Pro Stadtteil bzw. Sozialraum
sollte eine Stichprobengröße von 69 Perso -
nen erreicht werden.
Ausgehend von einer erwarteten Rücklauf-
quote von etwa 10 Prozent wurden persön-
liche Anschreiben an 690 Personen im Alter
65+ je ausgewähltem Untersuchungsgebiet
verschickt. Auf diese Weise wurde über
das Projekt und über die interviewenden
Personen informiert und um die Teilnahme
an der persönlichen Befragung innerhalb
der nächsten Wochen gebeten. Die abgebil-
deten Interviewenden (siehe Fotos) verein-
fachten den Zugang für die Menschen 65+,
da sie Sicherheit über die Legitimation der
interviewenden Personen lieferten (Anhang
A2, Anschreiben an die Bevölkerung). Die
Erhebung wurde von Anfang August 2019
bis Anfang Oktober 2019 durch Mitarbei -
tende des Universitätsklinikums Bonn und
des Umwelt- und Verbraucherschutzsamtes
der Stadt Köln durchgeführt. Insgesamt
wurden 255 Interviews in Haushalten der
Befragten durchgeführt und die Antworten
direkt digital (mithilfe von Tablets) erfasst.
Folgende Daten wurden erhoben:
• Selbst bewerteter Gesundheitszustand
• LUCAS-Funktionsindex, der die funktionale
Kompetenz anhand körperlicher und sozi-
al-teilhabender Merkmale erfasst
• Erhalt und Informationen zu
Hitzewarnungen
• Subjektive Wahrnehmung heißer Tage und
Hitzewellen
• Ärztliche Beratung zu Hitze und ihren
Auswirkungen
• Gewissheit über vulnerable Gruppen
• Wünsche an die Stadt Köln
• Zur Situation während Hitzewellen:
• Subjektiv wahrgenommene
Gesundheitssymptome
• Ergriffene Schutzmaßnahmen
• Erhaltene Unterstützung und Hilfe
• Trink- und Essverhalten
• Soziale Kontakte und Aktivitäten
5.4 Erhebung II: Quantitative Befragung von Pflegeeinrichtungen
77
Die Erhebung erfasste zudem Angaben zum
verfügbaren Einkommen (nach Klassen), zur
Schulbildung und Ausbildung, zu Beruf und
Wohnsituation.
Insgesamt 258 Personen 65+ aus den bei-
den Kölner Stadtteilen Pesch und Nippes
und den beiden Sozialräumen Blumenberg/
Chorweiler/Seeberg-Nord sowie Höhen-
berg/Vingst nahmen an der Erhebung teil
(Teilnahmequote: 15 %).
5.4 Erhebung II: Quantitative
Befragung von Pflegeeinrichtungen
Für Erhebung II in Betreuungseinrichtungen
für ältere Menschen wurde eine quantitative
Befragung aller 130 Einrichtungen ausge -
wählt. Die jeweiligen Ansprechpersonen
wurden im Vorfeld angeschrieben und um
eine Teilnahme gebeten.
Für die Befragung der Fachkräfte der Lei-
tungsebene der Betreuungseinrichtungen
für Menschen im Alter in Köln wurde ein
Datenschutzkonzept erstellt und abge-
stimmt. Der Fragebogen wurde nach
humangeografischen und gesundheits -
wissenschaftlichen Forschungsmethoden
erarbeitet und mit dem wissenschaftlichen
Beirat abgestimmt.
Der Fragebogen beinhaltete die Themen -
blöcke „Hitzewarnung und Information“,
„Hitzebelastung und bauliche Gegeben -
heiten“, „Hitzeanpassung“, „Medikamente/
Medizinisch zu beachtende Maßnahmen“
und „Allgemeines zur Einrichtung“. Es
wurden keine personenbezogenen Daten
erhoben.
Zudem wurden die Inhalte und die geplante
Art der Durchführung der Interviews mit
Mitarbeitenden des Amtes für Soziales,
Arbeit und Senioren (Heimaufsicht) sowie
Mitarbeitenden des Gesundheitsamts der
Stadt Köln beraten.
Eine Liste aller Kölner Betreuungseinrich-
tungen für Menschen im Alter sowie deren
Träger stellte das Gesundheitsamt der Stadt
Köln zur Verfügung. Die Träger der Einrich-
tungen erhielten ein Informationsschreiben
mit der Beschreibung des Projekts, der
Ankündigung der geplanten Befragung
sowie der Bitte um Unterstützung.
Als Hemmnisse und Störfaktoren konnten
die allgemein hohe Arbeitsbelastung und in
den Betreuungseinrichtungen für Menschen
im Alter festgestellt werden.
Die Erhebung in den Betreuungseinrichtun-
gen für Menschen im Alter erfolgte mithilfe
von Fragebögen, die an insgesamt 130 Ein-
richtungen in Köln versendet wurden. Es
handelte sich damit um eine Vollerhebung,
die sich bei kleinen Grundgesamtheiten gut
durchführen lässt. Ein frankierter und adres -
sierter Rückumschlag wurde beigelegt. Der
Fragebogen enthielt sowohl quantitative als
auch qualitative Elemente und richtete sich
an die Leitung bzw. die stellvertretende Lei-
tung der Einrichtungen.
78
5. Methodik
5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse)
Auf die schriftliche Anfrage zur Teilnahme
an der Befragung meldeten sich 32 Einrich-
tungen mit einem ausgefüllten Fragebogen
zurück (Teilnahmequote: 25 %). 16 dieser
32 Einrichtungen sendeten zusätzlich Hand-
reichungen für ihr Personal zum Verhalten
in Hitzeperioden zu. Die teilnehmenden
Einrichtungen waren überwiegend voll-
stationäre Pflegeeinrichtungen und zu
geringeren Anteilen Mischeinrichtungen
aus vollstationärer und Kurzzeitpflege sowie
vollstationärer Pflege kombiniert mit betreu-
tem Wohnen und Tagespflege. Die Träger
der Einrichtungen sind Wohlfahrtsverbände,
öffentliche, private oder kirchliche Träger.
Folgende Daten wurden erhoben:
• Erhalt und Informationen zu
Hitzewarnungen
• Kommunikation zu Hitzewarnungen im
Team
• Handlungspläne und Dokumentationen für
heiße Tage
• Informationen und Fortbildungen zum
Thema Hitze
• Hitzebelastung, bauliche Gegebenheiten
und Grünflächen
• Anpassung bei Hitzewellen:
• Kühlung von Innenräumen
• Anpassung des Trinkverhaltens und des
Speiseangebots
• Kleidung bzw. Wäsche
• Kühlende Waschungen
• Erhöhung des Personalschlüssels
• Sonstiges:
• Medikamentenanpassung und andere
medizinische Maßnahmen
• Anteil bettlägeriger Personen in den
Einrichtungen
• Fragen, Anregungen oder Wünsche der
Einrichtungen
5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur
Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
(Distanzanalyse)
Grundlage war eine Analyse von Daten mit-
hilfe der Geoinformationssoftware ArcMap
(Version 10.6.1). Die Auswertung wurde auf
der Basis der 570 Statistischen Quartiere
sowie der Bevölkerungsdaten (Stichtag:
31.12.2020) der Stadt Köln vorgenommen.
Zur Bewertung der Hitzebelastung diente
die Planungshinweiskarte Hitze (LANUV
2013). Zur Beurteilung der Erreichbarkeit
von Grünflächen wurde eine Geoinforma-
tionssystem (GIS)-basierte Analyse in der
Software Esri ArcGIS Pro durchgeführt.
Datengrundlage hierfür war der adressba -
sierte Bevölkerungsdatensatz der Stadt
Köln (Stichtag: 31.12.2020) und ein im
Folgenden beschriebener Datensatz zu
Grünflächeneingängen. Weiterhin wurde
zur Bewertung der Hitzebelastung die Pla -
nungshinweiskarte Hitze (LANUV 2013)
herangezogen.
Im Rahmen der Auswertung wurden Men -
schen im Alter betrachtet. Aufgrund des
eingeschränkten Bewegungsradius von
Menschen 65+ zählt die Erreichbarkeit
von kühlen Orten und von medizinischer
Versorgung („Stadt der 15 Minuten“) zu
den wesentlichen Indikatoren für eine gute
Aufenthaltsqualität bei Hitzeereignissen.
Als Grundlage der Auswertung wurde die
Verteilung der relevanten Personengruppe
65+ in verschiedenen Altersklassen in den
Statistischen Quartieren ermittelt.
Die vorliegende Auswertung soll zunächst
die Frage beantworten, welche Wegstre-
cken Menschen über 65 Jahren von ihrem
Wohnort zu Fuß zur nächsten Grünfläche
zurücklegen müssen.
5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse)
79
Die Qualität der Grünfläche wurde dabei
nicht betrachtet. Aus datenschutzrechtli-
chen Gründen wurden die Analysen in der
Abteilung Statistik und Informationsma-
nagement durchgeführt (Amt für Stadtent-
wicklung und Statistik).
Zur Berechnung der Wegstrecken wurde
eine Netzwerkanalyse mittels des Geopro -
zessierung-Tools ‚Start-Ziel-Kostenmatrix
erstellen‘ durchgeführt.
Der Algorithmus berechnet für
jeden Startpunkt in einem Daten -
satz (Wohnadresse einer Person
65+) die Wegstrecke entlang
eines Netzwerks zum nächst-
gelegenen Zielpunkt in einem
anderen Datensatz (Zugang
Grünfläche). Zur Identifikation
der Zielpunkte wurden eine Luftbildaus -
wertung durchgeführt und die Zugänge zu
Grünflächen als Punktdaten digitalisiert. Als
Startpunkte wurde der gesamte adress -
basierte Bevölkerungsdatensatz nach
vier Altersklassen gefiltert (65–69, 70–74,
75–79, 80 Jahre und älter) und jeweils ein
Datensatz mit Startpunkten erstellt. Der
benötigte Netzwerk-Datensatz wurde aus
dem OpenStreetMap-Wegenetz für Köln
generiert.
Aufgrund des eingeschränkten
Bewegungs radius von
Menschen 65+ zählt die Er reich-
barkeit von kühlen Orten und
von medizinischer Versorgung
(„Stadt der 15 Minuten“) zu den
wesentlichen Indikatoren für
eine gute Aufenthaltsqualität
bei Hitzeereignissen.
80
5. Methodik
5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse)
In Abbildung 5.2 ist da s Prinzip der Analyse beispielhaft dargestellt.
Adressen mit Personen in einer Altersklasse bilden die Startpunkte
(rote Kreise), die als Punkte digitalisierten Eingänge zu Grünflächen
sind die Zielpunkte (rote Quadrate). Der Algorithmus berechnet für
jede Adresse die Strecke zur nächstgelegenen Grünfläche entlang
des Wegenetzes (kontinuierliche blaue Linien). Die Zuordnung einer
Adresse zu einer Grünfläche wird über die Luftlinie (gestrichelte rote
Linie) angezeigt.
Für den gesamtstädtischen Vergleich wurden für die adressbasier -
ten Ergebnisse die Kennzahlen Mittelwert, Median, Minimum, Maxi -
mum und Standardabweichung auf drei Ebenen der kommunalen
Gebietsgliederung (Stadtbezirk, Stadtteil, Statistisches Quartier)
bestimmt. In der Auswertung wurden die Statistischen Quartiere
und der Median-Wert betrachtet. Zur Bewertung der Betroffenheit
der Zielgruppe von Hitze wurden die Ergebnisse der Studie Klima -
wandelgerechte Metropole Köln (LANUV 2013) herangezogen. Hier-
bei waren die fünf Klassen der Planungshinweiskarte Hitze (siehe
Kap. 3) maßgeblich.
Abb. 5.2: Bestimmung der Distanz zwischen der Wohnadresse von
Menschen 65+ und dem nächstgelegenen Zugang zu einem öffentlichen Park.
Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
81
82
5. Methodik
5.6 Identifikation von lokalen und kommunalen Akteur*innen
5.6 Identifikation von lokalen und
kommunalen Akteur*innen
Der Austausch und die Zusammenarbeit mit
lokalen und kommunalen Akteur*innen bzw.
Institutionen sind für die erfolgreiche Aus -
arbeitung eines Hitzeaktionsplans entschei -
dend. Für die Bildung eines Netzwerkes
wurden potenzielle Akteur*innen anhand
ihrer Rollen bzw. Aufgaben und des Bezugs
zum Thema Hitze und Gesundheit identi -
fiziert und ausgewählt.
Neben verschiedenen Fachämtern der
Stadtverwaltung und kommunalen Unter-
nehmen sind Akteur*innen aus Wissen -
schaft, Gesundheitswesen, Politik sowie
umwelt- und gesundheits bezogenen
Landes- und Bundesbehörden für eine
ressortüber greifende Zusammenarbeit zu
einem Hitzeaktionsplan wichtig.
Je nach Zielgruppe ist es von hoher Bedeu-
tung, auch spezifische lokale Netzwerke und
Vereine miteinzubeziehen. So zählten für
das Projekt „HAP-Köln“ insbesondere die
Akteur*innen aus dem Senioren- und Sozial-
bereich zu den wichtigen lokalen Unter-
stützenden.
Da alleinstehende ältere Personen häufig
schwierig zu erreichen sind, spielen zudem
informelle Nachbarschaftshilfen, Ehrenamt-
liche, Kirchgemeinden und Hausärzt*innen
eine wichtige Rolle.
Für die Erarbeitung eines Hitzeaktionsplans
für Menschen im Alter sind zusammenfas -
send Akteur*innen aus folgenden Aufgaben -
feldern in unterschiedlicher Tiefe förderlich:
• Stadtverwaltung
• Kommunale Unternehmen
• Wissenschaft
• Landes-, Bundesbehörden
• Gesundheitswesen
• Pflegeeinrichtungen
• Zivilgesellschaft, informelle Netzwerke
• Politik
• Verbraucherschutz
• Privatunternehmen
Die verschiedenen Handlungsschwerpunkte
und Interessenlagen sind komplex und
für eine zielgerichtete Zusammenarbeit her-
ausfordernd. Daher setzt ein Hitzeaktions -
plan in einer Großstadt wie Köln von Anfang
an eine kooperative und zukunftsorientierte
Zusammenarbeit voraus.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der
Akteur*innen sowie die Auseinandersetzung
mit möglichen Konfliktpunkten stehen auch
im Mittelpunkt von Empfehlungen der Bun-
deszentrale für gesundheitliche Aufklärung
zur Thematik Hitze und Hitzeschutz:
www.klima-mensch-gesundheit.de/
hitzeschutz/kommunen/
5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen
83
5.7 Trisektorale und
interkommunale Vernetzungen
Das Ziel eines Hitzeaktionsplans ist der
Schutz der Bevölkerung vor den gesund-
heitsschädlichen Auswirkungen von Hitze.
Die Herausforderung liegt in der Vielschich -
tigkeit der notwendigen Anpassungsmaß -
nahmen, die sowohl verschiedene Elemente
(u. a. Information und Kommunikation, Vor-
bereitung der Gesundheitssysteme, Stadt-
planung und Bauwesen) als auch zeitliche
Dimensionen (während der Hitzeperiode,
Vorbereitung vor dem Sommer, langfristige
Planung) enthalten.
Die Beteiligung von Akteur*innen aus ver-
schiedenen Bereichen (siehe Kap. 5.6) sowie
die Vernetzung auf allen Ebenen spielt eine
wichtige Rolle, da vielfältige Kenntnisse,
Erfahrungen und Tätigkeitsfelder ausge-
tauscht, aber auch unterschiedliche Rah -
menbedingungen und Erwartungen erkannt
und einbezogen werden müssen.
Nur in einer transparenten und konsensua -
len Kooperation kann die Erstellung eines
Hitzeaktionsplans gelingen.
Für diese komplexe Aufgabe ist sowohl eine
trisektorale als auch interkommunale Ver-
netzung Voraussetzung.
Als trisektorale Vernetzung versteht man
grundsätzlich die Zusammenarbeit von
Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Dabei geht es um die Einbindung möglichst
unterschiedlicher, vorzugsweise lokaler
Akteur*innen, die gesellschaftliche Heraus -
forderungen, wie die Hitzeanpassung, aus
verschiedenen Perspektiven betrachten
und sich zu einer gemeinsamen Herange -
hensweise sowie Problemlösung zusam-
menschließen. Wichtig dabei ist der regel-
mäßige Austausch, um Maßnahmen, hier
zur Minderung gesundheitlicher Folgen bei
Hitzeereignissen, erfolgreich entwickeln und
umsetzen zu können.
Die Beteiligung von Akteur*innen
aus verschiedenen Bereichen sowie
die Vernetzung auf allen Ebenen
spielt eine wichtige Rolle, da vielfältige
Kenntnisse, Erfahrungen und Tätig-
keitsfelder ausgetauscht, aber auch
unterschiedliche Rahmenbedingungen
und Erwartungen erkannt und einbe -
zogen werden müssen.
84
5. Methodik
5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen
Im Projekt „HAP-Köln“ vernetzten sich die
Sektoren Kommune, Gesundheitswesen
und Zivilgesellschaft. Das Ziel der trisek -
toralen Vernetzung ist die Bildung einer
gemeinsamen Arbeitsplattform, die aus
drei Schwerpunkten besteht: Zunächst
gilt es, Multiplikator*innen zu identifizieren,
miteinzubeziehen und zum Thema Hitze und
Gesundheit zu sensibilisieren, damit diese
das Wissen an die Zielgruppe weitertragen
können.
Dann ist die Rückkopplung der Akteur*in -
nen von Bedeutung. Dadurch können
bereits bestehende, noch nicht allen
bekannte Maßnahmen aufgegriffen, Lücken
analysiert und ein angepasster Handlungs -
bedarf ausgearbeitet werden. Ein dritter
wichtiger Aspekt der trisektoralen Vernet-
zung ist der Austausch der verschiedenen
Akteursgruppen untereinander, um Erfah-
rungen aus der Praxis weiterzutragen, neue
Ideen aufzugreifen und diese in die eigene
Arbeit zu integrieren.
Schon zu Beginn des Projekts wurden alle
Beteiligten im Rahmen des Kick-off-Mee-
tings zusammengeführt, mit dem Ziel, erste
Informationen auszutauschen und den
Kenntnisstand zum Thema Klimawandel
mit den Auswirkungen von Hitze auf die
Gesundheit anzugleichen. Hierauf aufbau-
end wurde das gemeinsame Ziel definiert,
in Bezug auf die vulnerable Gruppe der
Menschen im Alter, einen Hitzeaktionsplan
aufzubauen. Das erste Vernetzungstreffen
(Kick-off-Meeting) fand im Frühjahr 2019
als gemeinsamer Fachworkshop im Kölner
Stadthaus statt. Es nahmen insgesamt
37 Personen teil.
Die Gruppe setzte sich aus Akteur*innen
aus anderen Städten wie Bonn und Düs -
seldorf, aus dem Gesundheitswesen, wie
Ärzt*innen und Pflegekräfte, aus Ämtern der
Stadt Köln, wie dem Amt für Landschafts -
pflege und Grünflächen und dem Amt für
Feuerschutz, Rettungsdienst und Bevölke -
rungsschutz sowie aus Wissenschaft und
Forschung, wie RWTH Aachen, zusammen.
Eine weitere Einbindung der fach- und
handlungskompetenten Akteur*innen fand
im Frühjahr 2021 im Rahmen von drei kon-
sekutiven Akteursworkshops statt, in denen
in einem intensiven fachlichen Austausch
verschiedene Inhalte erarbeitet wurden. Die
zunächst geplanten Präsenzveranstaltun -
gen wurden aufgrund der Covid-19-Pan-
demie als Videokonferenzen organisiert.
Der Vorteil einer Online-Veranstaltung
ist insbesondere die größere Flexibilität
der Teilnehmenden, die sonst eine weitere
zudem klimabelastende Anreise hätten
durchführen müssen. Allerdings bieten Prä-
senz-Veranstaltungen eher die Möglichkeit
eines intensiven persönlichen Austauschs
und Kennenlernens.
An den Akteursworkshops nahmen jeweils
etwa 20 Personen aus den Bereichen
Stadtverwaltung Köln, Stadtwerke Köln, Wis-
senschaft, ärztlicher Dienst, Pflegedienste,
Seniorenvertretung, Sozialraumkoordination
und zivilgesellschaftliche Netzwerke teil.
Gemeinsam wurden bereits existierende
Prozesse sowie nützliche Informationen und
Adressen erfasst, die zur Erstellung eines
Hitzeeinsatzplans für die Stadt Köln und
für die geplante Broschüre „Hitzeknigge“
bedeutsam sein könnten.
5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen
85
Es wurde analysiert, wie Maßnahmen zur
Hitzeprävention umgesetzt und in die tägli -
che Arbeit integriert werden können.
Als gezielte Möglichkeit der lokalen Vernet-
zung insbesondere mit Akteur*innen aus
dem Bereich der Seniorenarbeit in Köln
bot sich das zentrale Informations-, Aus-
tausch- und Vernetzungsgremium „Runder
Tisch Seniorenarbeit“ an. In jedem Stadt -
bezirk finden vierteljährlich Treffen für die
Seniorenarbeit statt. Diese werden von der
Seniorenkoordination als Geschäftsführung
moderiert und durchgeführt. Die im Bereich
der Versorgungs- und Teilhabestrukturen
für ältere Menschen tätigen Akteur*innen
des Runden Tisches informieren sich über
bestehende Angebote im Bezirk und nut-
zen den Runden Tisch zur Kooperation und
Kontaktpflege mit allen im Bezirk tätigen
Haupt- und Ehrenamtlichen im Bereich der
Seniorenarbeit. Im Frühjahr/Sommer 2021
und 2022 wurde das Projektteam zu diesen
Vernetzungstreffen eingeladen, um Pro-
jektinhalte vorzustellen und das erarbeitete
Informationsmaterial an die Akteur*innen
weiterzugeben.
Neben der trisektoralen, intrakommunalen
ist auch die interkommunale Vernetzung für
das Erarbeiten eines Hitzeaktionsplans von
hoher Bedeutung. Die Erfahrungen anderer
Kommunen mit vergleichbaren Problemla-
gen können im Sinne von Lessons Learned
in die eigene Arbeit integriert und neue
Impulse für weitere Maßnahmen aufgenom-
men werden. Vor diesem Hintergrund wurde
durch das Projekt der „Städtedialog Hitze -
anpassung“ ins Leben gerufen.
Das Format diente dem kontinuierlichen
Austausch der interessierten Kommunen,
die sich mit dem Thema Klimawandelan -
passung im Allgemeinen und der Hitzeprä -
vention im Besonderen auseinandersetzen.
Ziel ist es, voneinander zu lernen, sich über
Chancen und Hemmnisse auszutauschen
und eine bundesweite Vernetzung zu
schaffen.
Während der Projektlaufzeit konnten zwei
interkommunale Vernetzungstreffen gestal-
tet werden (s. auch Kap. 6.5). Hierfür wurden
Umwelt- und Gesundheitsämter mehrerer
Städte, die sich bereits mit dem Thema
befassten, zu einem Austausch eingeladen.
Im September 2020 fand mit 5 deutschen
Kommunen das erste und im September
2021 mit 19 Kommunen das zweite virtu-
elle Vernetzungstreffen statt. Aufgrund der
großen Zahl der Teilnehmenden wurde das
Projektteam beim zweiten interkommunalen
Vernetzungstreffen von einer Moderations-
agentur bei der Organisation, Moderation
und Dokumentation unterstützt.
Als letztes Vernetzungstreffen im Rah -
men des Projekts fand im Mai 2022 die
Abschlussveranstaltung statt. Eingeladen
waren Personen, die sich sowohl lokal als
auch bundesweit am Projekt beteiligt hat-
ten. Die Hybridveranstaltung (Präsenz- und
Onlineteilnahme per Livestream) wurde
dazu genutzt, alle erarbeiteten Projektfort -
schritte vorzustellen und Möglichkeiten der
Verstetigung aufzuzeigen. Die Hybridveran-
staltung ermöglichte es Interessierten, auch
ohne zeitaufwendige Anreise an der Veran-
staltung teilzunehmen.
6. Ergebnisse
88
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1 Erfahrungen selbstständig leben -
der Menschen im Alter mit Hitze und
Hitzewellen
6.1.1 Demografische und sozio -
ökonomische Charakterisierung
der Stichprobe
An der Befragung selbstständig lebender
Menschen 65+ nahmen insgesamt 258 Ein-
wohnende aus je zwei Kölner Stadtteilen
und Sozialräumen teil. Die Teilnehmenden
wohnen zu gleichen Anteilen in den Stadt-
teilen Pesch (69; 26,7 %) und Nippes (69;
26,7 %) und zu nahezu gleichen Anteilen
in den Sozialräumen Blumenberg, Chor-
weiler und Seeberg-Nord (59; 22,9 %)
sowie Höhenberg und Vingst (61; 23,6 %).
Unter den Teilnehmenden sind Männer
und Frauen zu nahezu gleichen Anteilen
vertreten (weiblich: 131 / 50,8 %; männlich:
127 / 49,2 %).
Die Befragten sind zwischen 65 und 93 Jah-
ren alt. Hinsichtlich der Altersgruppen sind
über die Hälfte der Befragten zwischen
65 und 74 Jahren (142; 55 %) und über ein
Drittel zwischen 75 und 84 Jahren alt (95;
36,8 %). Gut 8 Prozent der Befragten sind
85 Jahre oder älter (21; 8,1 %) (Abb. 6.1).
Hinsichtlich des monatlichen verfügbaren
Einkommens gaben nur wenige Befragte
an, in ihrem Haushalt über weniger als 500
Euro (6; 2,3 %) oder zwischen 500 und
1.000 Euro (10; 3,9 %) zu verfügen. Etwa
ein Drittel der Befragten gab ein Einkom -
men zwischen 1.000 und 2.000 Euro an
(72; 27,9 %), ein Fünftel zwischen 2.000
und 3.000 Euro (48; 18,6 %). Ein weiteres
knappes Viertel verfügt über 3.000 Euro
oder mehr (60; 24 %). Keine Angabe über
ihr Einkommen wollten etwa 23 Prozent der
Befragten machen.
In Bezug auf die Bildung nannten 106 Per-
sonen (43,3 %) den Haupt-/Volksschulab-
schluss als ihren höchsten Bildungsab -
schluss. Mehr als jede dritte Person schloss
die Schule mit Abitur ab (91; 37,1 %). 41 der
Befragten (16,7 %) gaben einen Realschul-
abschluss an. Wenige (3; 1,2 %) nannten
die Hauswirtschaftsschule als höchsten
Schulabschluss.
Eine berufliche Ausbildung schlossen etwa
zwei Drittel der befragten Personen ab
(162; 64,3 %). Eine akademische Ausbildung
absolvierte ein Viertel der Teilnehmenden
(26,6 %). Jede zehnte Person gab an, keine
Ausbildung abgeschlossen zu haben (26;
10,3 %).
Als ihre hauptsächliche (früher) ausge-
führte Tätigkeit nannte knapp die Hälfte der
Befragten (114; 44,2 %) sonstige Angestellte
oder Beamt*in, ein Viertel (62; 24,2 %) lei-
tende*r Angestellte oder Beamt*in. Jede*r
Zehnte (30; 11,6 %) gab eine Tätigkeit als
Fachkraft oder im Handwerk, eine selbst -
ständige Tätigkeit oder einen freien Beruf an
(21; 8,2 %). Sieben Personen (2,7 %) gaben
Hausfrau/-mann an.
Fast alle Teilnehmenden gaben an, aktuell
Rente zu beziehen (253; 98,1 %) und 5 Pro-
zent (13), gehen noch einer Erwerbstätigkeit
nach.
Mehr als ein Drittel der Befragten gab an,
allein zu leben (95; 36,8 %). Über die Hälfte
lebt mit einer weiteren Person bzw. der*dem
festen Partner*in zusammen (150; 58,4 %);
12 Personen leben mit mehreren anderen
Personen in einem Haushalt (4,7 %).
Geschlecht nach Altersgruppe
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
89
Abb. 6.1: Alters- und Geschlechtsverteilung der Stichprobe.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.2: Monatlich verfügbares Einkommen der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.3: Höchster Schulabschluss der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
11
39
81
10
5661
%
%
20
10
0
0
65–75 Jahre
< 500 €
Hauptschule,
Volksschule
Realschule Abitur Hauswirtschaft Kein
Abschluss
500 bis
< 1.000€
1.000 bis
< 2.000€
2.000 bis
< 3.000€
> 3.000€ Keine
Angaben
75–84 Jahre über 84 Jahre
Frauen
Männer
n=245
Einkommensklasse
Schulabschlüsse
30
50
40
30
20
10
n=285
n=258
90
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
Abb. 6.4: Frühere berufliche Tätigkeit der Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
45,6 %
8,4 %
6,4 %
2,8 %
24,8 %
12,0 %
Angestellte oder Beamt/innen
Leitende Angestellte oder Beamt/innen
Facharbeiter/innen oder Handwerker/innen
Selbstständige oder freie Berufe
Sonstige Arbeiter/innen oder Hilfskräfte
Hausfrau/Hausmann
n=250
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
91
Zwei Drittel der Teilnehmenden bewohnen
ein Haus (170; 65,9 %), die anderen Teilneh-
menden (88; 34,1 %) eine Wohnung. Die
durchschnittliche Wohnungsgröße liegt im
Stadtteil Pesch bei 113,9 m²; im Stadtteil
Nippes bei 88,9 m²; im Sozialraum Blumen-
berg/Chorweiler/Seeberg-Nord bei 92,1 m²,
im Sozialraum Höhenberg/Vingst bei 73 m².
Pro Person liegt die Wohnfläche bei
durchschnittlich 68 m² in Nippes, 67 m²
in Pesch, 59 m² in Höhenberg und Vingst
sowie 56 m² in Blumenberg, Chorweiler
und Seeberg-Nord.
Abb. 6.5: Mittlere Wohnungsgrößen der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.6: Mittlere Wohnfläche pro Person der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
113,9 m2
92,1 m2 88,9 m2 73,0 m2
Pesch Sozialraum: Blumenberg,
Chorweiler, Seeberg-Nord
≤ 40 m² > 40 bis 60 m² > 60 bis 80 m² > 80 bis 100 m² > 100 m²
Nippes Sozialraum:
Höhenberg, Vingst
Wohnungsgrößen
Wohnfläche pro Person
%
0
40
30
20
10
n=251
n=250
92
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.2 Gesundheit
Der selbst bewertete Gesundheitszustand der Befragten ist über -
wiegend gut (106; 41,9 %) bzw. mittelmäßig (97; 38,3 %). Etwa je ein
Fünftel kategorisieren den Gesundheitszustand als sehr gut bzw.
schlecht ein. Nur sieben Personen schätzen ihre Gesundheit als
sehr schlecht ein. Die befragten Frauen schätzen ihre Gesundheit
seltener als die Männer als sehr gut oder gut ein.
Subjektive Gesundheit nach Geschlecht
Der LUCAS-Funktionsindex, der die funktionale Kompetenz der
befragten Personen anhand körperlicher und sozial-teilhabender
Merkmale misst, zeigt ein ähnliches Bild. Dabei geben die Befrag -
ten Auskunft über Gewichtsverlust innerhalb der letzten sechs
Monate sowie eine Verschlechterung hinsichtlich der Fähigkeit
und Weise, einen Kilometer zu Fuß zurückzulegen, Treppen zu
steigen oder in ein Auto einzusteigen.
Darüber hinaus beantworten sie die Fragen danach, ob und wie
viel Sport sie treiben, ob sie einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach -
gehen, ob sie gefallen sind oder dies befürchten. Der aus diesen
Merkmalen gebildete Funktionsindex gibt einen Anhaltspunkt
über das komplexe Phänomen der gesundheitlichen und sozialen
Situation.
Abb. 6.7: Subjektiver Gesundheitszustand der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Sehr gut Gut Mittelmäßig Schlecht Sehr schlecht
Frauen
Männer
7,8 %
37,2 % 41,9 %
9,3 %
3,9 %
8,1 %
46,8 %
34,7 %
8,9 %
1,6 %
n=253
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
93
Der überwiegende Teil der Befragten gehört
zur Gruppe der Robusten, die viele Reser-
ven und keine oder nur wenige Risiken
haben. Jeweils etwa 10 Prozent gehören
den Postrobusten mit vielen Reserven und
einigen Risiken, den Prä-Gebrechlichen
(PreFrail) mit wenigen Reserven und weni-
gen Risiken und den Gebrechlichen (Frail)
mit wenigen Reserven und vielen Risiken an.
Ein Blick auf die BMI-Klassen nach WHO
zeigt, dass viele Befragte Normalgewicht
oder leichtes Übergewicht (Prä-Adipositas)
angaben.
LUCAS-Funktionsindex
BMI-Klassen nach Geschlecht
Robust
starkes
Untergewicht
leichtes
Untergewicht
Normalgewicht Präadipositas Adipositas
Grad I
Adipositas
Grad II
Adipositas
Grad III
PostRobust PreFrail Frail
71 %
13 % 9 % 8 %
Abb. 6.9: Body-Mass-Index der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.8: Funktionale Kompetenz der befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Frauen
Männer
0 % 0 %
43,6 %
34,2 %
14,5 %
6,8 %
0,9 % 0,9 % 0,9 %
35,9 %
43,6 %
12,8 %
5,1 %
0,9 %
n=226
n=238
94
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.3 Hitzewarnungen und Information
Im Jahr 2019 haben 84,3 Prozent der
Befragten Hitzewarnungen empfangen.
Die Medien oder Informationswege, über
die Hitzewarnungen empfangen wurden,
waren deutlich an erster Stelle:
das Fernsehen ...................... 41,1 %
gefolgt von Radio ................... 19,3 %
Zeitungen ........................... 19,1 %
Webseiten .......................... 11,5 %
Apps ................................ 6,6 %
In wenigen Fällen kam die Meldung über:
Freunde oder Bekannte............... 1,4 %
andere Quellen ....................... 0,5 %
sowie per E-Mail...................... 0,2 %
Bei dieser Frage waren Mehrfach nennungen möglich.
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
95
Die häufigsten Zeitungen, denen Hitzewar-
nungen entnommen wurden, waren der
Kölner Stadtanzeiger (53; 20,5 %) sowie der
Express (10; 3,9 %). Die unterschiedlichen
Radiosender des Westdeutschen Rund-
funks sowie Radio Köln sind die am häufigs-
ten als Quelle für Hitzewarnungen angege -
benen Radiosender. Am häufigsten wurden
WDR 2 und WDR 4 mit jeweils einem Fünf-
tel der Radiohörenden (18; 20 %) genannt.
Radio Köln wurde von etwas weniger Radio-
hörerenden als Quelle von Hitzewarnungen
angegeben (16; 18,2%). Relativ häufig wurde
auch WDR generell (17; 9,3 %) bzw. WDR 5
(9; 10,2 %) genannt.
Die zur Information über Hitzewarnung
herangezogenen Fernsehsender waren vor
allem öffentlich-rechtliche Sender wie ARD,
ZDF und WDR (256; 91,4 %) sowie einige
private Sender wie RTL und Sat 1 (24; 8,6 %).
Mehrfachnennungen waren möglich.
Fragte man nach dem Wunsch-Medium,
über welches Warnungen empfangen wer-
den sollen, entsprachen die gegebenen
Antworten etwa dem aktuellen Status quo.
Am häufigsten wurden Fernsehen (198;
37 %), Radio (112; 20,9 %) und Zeitung (105;
19,6 %) genannt. Onlinemedien wie Web-
seiten, Apps und E-Mail rangierten auf den
hinteren Plätzen der Nennungen.
Explizit gefragt, ob sie die Warnungen des
Deutschen Wetterdienstes kennen, bejah -
ten dies 2,5 Prozent der Menschen 65+.
Empfangen wurden die Warnungen aller-
dings nur von einer einzigen Person.
Abb. 6.10: Informationswege, über die Hitzewarnungen die
befragten Menschen 65+ erreichten (Mehrfachnennungen möglich).
Quelle: eigene Erhebung 2019
Quelle der Hitzewarnung
%
0
50
30
20
10
Fernsehen Radio Zeitung Website App Freunde
oder
Bekannte
Andere
Quelle
E-Mail
40
n=214
Abb. 6.11: Subjektiv empfundene Hitzebelastung durch die befragten Menschen 65+.
Quelle: eigene Erhebung 2019
96
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.4 Wahrnehmung von heißen Tagen
und Hitzewellen
Die Zunahme von heißen Tagen und Hitze-
wellen wird von vielen der befragten Per-
sonen wahrgenommen: 86,7 Prozent aller
Befragten haben eine Zunahme von heißen
Tagen, 84,1 Prozent eine Zunahme von Hit-
zewellen wahrgenommen.
Diese Wahrnehmung unterscheidet sich
zwischen den unterschiedlichen Stadtvier -
teln/Sozialräumen. Insbesondere in Pesch
und im Sozialraum Höhenberg/Vingst
haben weniger Ältere die Wahr nehmung,
dass es eine Zunahme von Hitzewellen gibt.
Die meisten Personen gaben an, sich mittel-
mäßig belastet zu fühlen. Viele empfinden
jedoch auch eine deutliche bzw. sehr starke
Hitzebelastung.
In den verschiedenen untersuchten Stadt-
gebieten zeigte sich diesbezüglich eine
Differenzierung: Im innenstadtnahen Nip -
pes wurde am häufigsten angegeben, eine
deutliche oder sehr starke Hitzebelastung
zu empfinden. Auch in den beiden Sozial-
räumen ist dies häufig der Fall. Nur in Pesch
wird die Belastung häufiger als mittelmäßig
oder weniger stark empfunden.
Nach Geschlecht differenziert, zeigen sich
deutliche Unterschiede. Weibliche Befragte
gaben deutlich häufiger als männliche an,
dass sie eine deutliche oder sehr starke
Belastung empfinden. Eine mittelmäßige
Belastung gaben jedoch mehr Männer an
(48 % Männer vs. 36 % Frauen). Zwischen
den Altersgruppen zeigten sich keine deut-
lichen Unterschiede in der wahrgenomme -
nen Belastung.
Gar nicht
hitzebelastet
Wenig
hitzebelastet
Mittelmäßig
hitzebelastet
Deutlich
hitzebelastet
Sehr
hitzebelastet
%
0
50
30
20
10
40
Empfundene Hitzebelastung
n=238
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
97
Gar nicht
Wenig
Mittelmäßig
Deutlich
Sehr
Empfundene Hitzebelastung nach Stadtvierteln / Sozialraum
Empfundene Hitzebelastung nach Geschlecht
%
0
50
30
20
10
40
Nippes
Gar nicht
hitzebelastet
Pesch
Wenig
hitzebelastet
Blumberg
Chorweiler
Seeberg-Nord
Deutlich
hitzebelastet
Mittelmäßig
hitzebelastet
Höhenberg
Vingst
Sehr
hitzebelastet
Abb. 6.12: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene Hitzebelastung, differenziert
nach untersuchten Stadtvierteln. Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.13: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene Hitzebelastung,
differenziert nach Geschlecht. Quelle: eigene Erhebung 2019
%
0
50
30
20
10
40
Frauen
Männer
n=238
n=238
98
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
Persönlich gesundheitlich belastet fühlt
sich ein großer Anteil der Befragten. So gab
mehr als 30 Prozent an, sich deutlich oder
sehr belastet zu fühlen.
Betrachtet man die Wahrnehmung der
gesundheitlichen Belastung bei Hitze in den
unterschiedlichen Stadtvierteln, dann fällt
auf, dass in Pesch die meisten Teilnehm-
enden eine mittelmäßige Belastung empfin -
den, aber weniger häufig als in den anderen
Gebieten eine deutliche oder sehr starke
Belastung empfunden wird. Das Bild ist für
die drei anderen untersuchten Stadtviertel
recht ähnlich.
Ebenso wie bei der Hitzebelastung der
Stadtviertel fällt auf, dass die empfun -
dene gesundheitliche Belastung bei Hitze
für die verschiedenen Gruppen gemäß
LUCAS-Funktionsindex variiert. Relativ viele
der Post-Robusten, Prä-Gebrechlichen und
Gebrechlichen empfinden eine deutliche bis
sehr starke gesundheitliche Belastung, wäh -
rend von den Robusten nur etwa ein Viertel
angibt, deutlich oder sehr belastet zu sein
(Abb. 6.15).
Die offene Frage, warum sich die Befrag -
ten als gar nicht oder wenig hitzebelastet
empfunden haben, wurde im Rahmen der
Auswertung klassifiziert (Mehrfachnennun -
gen möglich). Die Antworten ließen sich
den Kategorien wenig hitzeempfindlich (24;
40,7 %), angepasstes Verhalten (22; 37,7 %),
allgemein guter Gesundheitszustand (13;
22,0 %), hitzeliebend (8; 13,6 %) und sonsti-
gen Antworten zuordnen (3; 5,1 %).
Bei den Gründen, warum eine mittelmä -
ßige bis starke Belastung empfunden wird,
wurden diverse Ursachen benannt: Viele
Personen nehmen sich als hitzeempfind -
lich wahr (44; 24,0 %), sprechen von einem
allgemein schlechten Gesundheitszustand
(37; 20,2 %) oder von der Müdigkeit, die aus
der Hitze resultiert (35; 19,1 %). Weitere
häufig genannte Ursachen für das deutliche
Belastungsempfinden sind Aktivitätsein -
schränkungen, Herz-/Kreislaufbeschwerden,
starkes Schwitzen und Atemnot. Seltener
genannt werden UV-Belastung, allgemei-
nes Unwohlsein, Schwindel und sonstige
Gründe.
Das Risiko eigener Beeinträchtigungen
durch Hitzewellen wird von einem guten
Drittel der Befragten als mittelmäßig ein -
geschätzt. Ein weiteres Drittel schätzt das
Risiko als sehr gering oder gering ein, ein
knappes Drittel als hoch oder sehr hoch.
Bei Auswertung nach den Untergruppen
des LUCAS-Funktionsindex zeigte sich ein
ähnliches Bild wie bei der Hitzebelastung
der Stadtviertel und der gesundheitlichen
Belastung durch Hitze: Je höher die körper-
liche und soziale Teilhabe einer Person ist
(Gruppe der Robusten), desto geringer wird
das Gesundheitsrisiko eingeschätzt.
Gar nicht
belastet
Sehr gering
Gar nicht
belastet
Wenig
belastet
Gering
Wenig
belastet
Deutlich
belastet
Hoch
Deutlich
belastet
Mittelmäßig
belastet
Mittelmäßig
Mittelmäßig
belastet
Sehr
belastet
Sehr hoch
Sehr
belastet
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
99
Abb. 6.14: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.15: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze,
differenziert nach funktionaler Kompetenz. Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.16: Von den befragten Menschen 65+ selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko bei Hitze.
Quelle: eigene Erhebung 2019
16,8 %
26,3 %
43,0 %
36,7 %
19,9 %
17,1 %
11,7 %
6,4 %
%
0
50
30
20
10
40
13,5 %
Wahrnehmung der gesundheitlichen Belastung bei Hitze
Selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko
Wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze nach LUCAS-Funktionsindex
8,6 %
Robust
PostRobust
PreFrail
Frail
n=256
n=225
n=258
Sehr gering Gering HochMittelmäßig Sehr hoch
100
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
Gefragt, ob sie Angst vor Hitzewellen hät-
ten, antwortete ein knappes Fünftel mit Ja
(n=256; 44; 17,2 %). Wovor genau sie Angst
haben, wurde mit einer offenen Frage abge -
fragt. Viele ältere Menschen mit Vorerkran -
kungen sind in Sorge, dass sich ihre gesund -
heitliche Situation verschlechtern könnte
und sie infolgedessen stärkere Belastung
durch Hitze erleben. Andere sind allgemein
in Sorge um die Folgen des Klimawandels
und die Auswirkungen auf die Umwelt.
Bei Hitze verlassen viele Menschen seltener
als sonst ihre eigene Wohnung. So gab die
Hälfte der Befragten an, die Wohnung selte -
ner zu verlassen, und 15,3 Prozent vermei-
den es gänzlich, auszugehen. Lediglich ein
Drittel der Befragten geht genauso häufig
wie sonst aus. Nur zwei Befragte gaben an,
die Wohnung häufiger als sonst zu verlassen
(Abb. 6.18).
Die Gründe, die Wohnung seltener oder gar
nicht mehr zu verlassen, sind vielfältig. Die
am häufigsten genannten Gründe lassen
sich zu der Aussage „draußen ist es zu
warm“ zusammenfassen. Darauf folgend
wurden Aussagen genannt, die allesamt
in die Kategorie „gesundheitliche Belas-
tung“ fallen. Viele Befragte gaben auch an,
Anstrengung vermeiden zu wollen oder bei
Hitze gar kein Bedürfnis mehr nach Bewe -
gung zu haben (Abb. 6.19).
Verlassen die Befragten bei Hitze das Haus,
berichtet ein Teil von ihnen von einer Viel-
zahl von Schwierigkeiten (n=116). Fehlen-
der Schatten wird deutlich am häufigsten
genannt (58; 50%) (Abb. 6.20).
Abb. 6.17: Von den befragten Menschen 65+ selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko bei Hitze,
differenziert nach funktionaler Kompetenz. Quelle: eigene Erhebung 2019
%
0
50
30
20
10
40
Robust
PostRobust
PreFrail
Frail
Selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko bei Hitze LUCAS-Funktionsindex
n=220
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
101
Abb. 6.19: Von den befragten Menschen 65+ angegebene Gründe dafür, dass sie ihre eigene Wohnung
bei Hitze seltener verlassen. Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.20: Von den befragten Menschen 65+ berichtete Schwierigkeiten auf Alltagswegen bei Hitze.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Verlassen der Wohnung bei Hitze
n=117
n=258
Gründe, seltener rauszugehen
Schwierigkeiten auf Alltagswegen bei Hitze
Abb. 6.18: Von den befragten Menschen 65+ angegebenes Verhalten bezüglich des
Verlassens ihrer eigenen Wohnung. Quelle: eigene Erhebung 2019
ja, seltener
als sonst
ja, genauso häufig
wie sonst
Ja, häufiger
als sonst
Nein, ich vermeide es,
rauszugehen
50,2 %
33,7 %
15,3 %
0,8 %
Draußen zu warm
Fehlender Schatten
Anstrengung vermeiden
Fehlende Sitzmöglichkeiten
Fehlender Schatten
Fehlendes Stadtgrün
Gesundh. Belastung
Gesundh./Körperl. Beschwerden
Fehlendes Bedürfnis
Drinnen bleiben/Nicht rausgehen wollen
Angst/Unsicherheit
Fehlendes Stadtblau
Fehlende Sitzmöglichkeiten
Unklimatisierter ÖPNV
Ärztl. Empfehlung
Aufgeheizte versiegelte Flächen
Sonstiges
Sonstiges
Fehlende Luftschneisen
0
0
30
30
20
20
10
10
%
%
70
60
6050
50
40
40
n=116
102
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.5 Gesundheitssymptome
bei Hitzewellen
Zur Erfassung der Gesundheitssymptome
während Hitzewellen wurden sowohl selbst
erinnerte Gesundheitsbeeinträchtigungen
aufgezeichnet als auch ein Set bekannter
typischer Beeinträchtigungen abgefragt.
Die spontan genannten Gesundheitssymp -
tome wurden klassifiziert. Die am häufigs -
ten genannten Symptome lassen sich unter
Müdigkeit, Herz-/Kreislaufbeschwerden
und starkem Schwitzen zusammenfassen.
Darunter litten etwa 11 Prozent der Befrag -
ten. Die Mehrzahl der Befragten gab
allerdings an, keinerlei Symptome oder
Erkrankungen durch Hitze erlebt zu
haben (n=237; 129; 54,4 %).
Ein anderes Bild zeigt sich bei expliziten
Fragen nach bestimmten Symptomen oder
Erkrankungen. Die häufigsten gesundheit-
lichen Beeinträchtigungen, die die Befrag -
ten während Hitzewellen erlebten, waren
Müdigkeit und Schlafprobleme, gefolgt von
Schwitzen und Durst.
Je etwa ein Drittel der Befragten berichte -
ten auch von Konzentrationsproblemen und
Schwindel. Auch unter Kopfschmerzen litt
etwa ein Fünftel der Befragten. Stärkere
Symptome bzw. Beeinträchtigungen wie
Austrocknung, Übelkeit, Angst, Sonnen -
brand, Sonnenstich, Erbrechen und Hitz -
schlag erlebten deutlich weniger Befragte.
Abb. 6.21: Von den befragten Menschen 65+ spontan berichtete Gesundheitssymptome bei Hitze.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Spontan genannte Gesundheitssymptome
Müdigkeit
Übelkeit
Starkes Schwitzen
Erkältung
Kopfschmerzen
Starker Durst
Herz-/Kreislaufbeschwerden
Unwohlsein
Schwindel
Konzentrationsprobleme
Atemnot
Sonnenbrand
Geschwollene Gliedmaßen
keine
Sonstiges
Schlafprobleme
Bluthochdruck
0 302010 %605040
n=237
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
103
Im Vergleich der Gesundheitssymptome
differenziert nach den vier Untersuchungs -
gebieten zeigt sich, dass in Nippes und dem
Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/See-
berg-Nord verhältnismäßig viele Menschen
unter den abgefragten Gesundheitssympto -
men leiden.
Im Vergleich der Summen der spontan
genannten und der abgefragten Symptome
während Hitzewellen wird ein großer Unter-
schied deutlich. Nur noch 35 statt 131 Per-
sonen geben an, keines der abgefragten
Symptome erlebt zu haben.
Abb. 6.22: Von den befragten Menschen 65+ bestätigte Gesundheitssymptome bei Hitze.
Quelle: eigene Erhebung 2019
Abb. 6.23: Summen der von den befragten Menschen 65+ spontan genannten und bestätigten
Gesundheitssymptome im Vergleich. Quelle: eigene Erhebung 2019
Gesundheitssymptome während der Hitzewellen
Summen der Symptome im Vergleich
Müdigkeit
Selbst genannte Symptome
Abgefragte Symptome
Angst
Schwitzen
Sonnenstich
Konzentrationsprobleme
Schlafprobleme
Sonnenbrand
Durst
Erbrechen
Schwindel
Kopfschmerzen
Hitzschlag
Austrocknung
Übelkeit
0 302010 %70605040
Anzahl
0
0
150
90
60
30
10987654321
120
n=223
n=240
104
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.6 Ärztliche Gespräche zu Hitze und
ihren Auswirkungen
Ein Fragenblock bezog sich auf den Aus-
tausch mit Hausärzt*innen.Die Befragten
brauchen im Durchschnitt knapp 13 Minu-
ten zu ihrer hausärztlichen Praxis, mit einer
großen Spannweite von 0 bis 70 Minuten.
Über 60 Prozent der Befragten haben eine
Reisezeit von 10 Minuten oder weniger. Ein
weiteres Fünftel wendet 11–20 Minuten auf,
um zur Hausarztpraxis zu gelangen. Jeweils
ein knappes Zehntel braucht bis zu 30 Minu-
ten oder sogar mehr.
0 Minuten Reisezeit erklären sich über
Hausbesuche bzw. Ehepartner*in als Haus -
ärzt*in.
Die Befragten sollten berichten, ob im
ärzt lichen Gespräch mit ihnen über ge -
sundheitsförderliches Verhalten während
Hitzeperioden, Hitze in Zusammenhang mit
den eigenen Erkrankungen oder Medika -
menten gesprochen wird sowie darüber,
wer sich im Notfall während einer Hitzepe -
riode um sie kümmern könnte. In wenigen
Fällen haben die entsprechenden Gesprä -
che statt gefunden.
Hinweise zu gesundheitsförderlichem Ver-
halten hatten 9 Prozent der Menschen 65+
erhalten. Über Krankheiten, Medikamente
oder eine Notfallsituation wurde nur mit
5–7 Prozent der Menschen 65+ gesprochen.
Abb. 6.24: Von den befragten Menschen 65+ angegebene Themen, die im hausärztlichen Gespräch
behandelt worden waren. Quelle: eigene Erhebung 2019
Ärztliches Gespräch
%
0
100
60
40
20
80
Verhalten Krankheiten Medikamente Kümmern
hat nicht stattgefunden
hat stattgefunden
n=257
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
105
6.1.7 Hilfe während der Hitzewelle
Fast 90 Prozent der Befragten empfinden
ältere Menschen als eine gefährdete und
vulnerable Gruppe bei Hitze und Hitzewel-
len. Gefragt danach, von wem man sich
Hilfe während einer Hitzewelle vorstellen
könnte, gab es viele unterschiedliche Ant-
worten. Etwa ein Drittel der Befragten gab
an, dass sie keinen Bedarf hätten, z. B., weil
sie sich selbst helfen würden bzw. ihnen
niemand einfalle.
Besonders häufig genannt wurden Fami -
lienangehörige (23; 9,8 %), das Rote Kreuz
(16; 6,8 %) und andere Hilfsorganisationen
(16; 6,8 %), gefolgt von Ärzt*innen, Pfle -
gevereinen, der Feuerwehr, der Stadt Köln
und Nachbarschaft (jeweils Nennungen
zwischen 4,3 und 5,3 %). Bei expliziter Nach-
frage wünschte sich mehr als die Hälfte
Hilfe durch die Stadt Köln. Folgende Hilfsan -
gebote wünscht man sich von der Stadt
Köln (Tab. 6.1).
Art der gewünschten Hilfe Anzahl der
Nennungen
Wasserspender/Trink-/Springbrunnen 25
Ausbau/Erhalt von Stadtgrün 22
Alltagsdienst bei Hitze 21
Informationen zu Hitzeverhalten 16
Informationen zu Hitzewarnungen 11
Hitzehotline, die Bürger/innen kontaktieren können 9
Telefondienst/Besuche, der Ältere kontaktiert 8
Zuschuss für priv. Klimaanl./Ventilator/Verdunkelung/Wasser 8
Oberflächen sprenkeln 5
(Mobile) kühle Räume 4
(Mobile) Beschattung 3
Verkehrsberuhigung 3
Bebauung anpassen (Entsiegeln, Luftschneisen) 3
Kostenl./Günstig. Schwimmbäder 3
Öffnungszeiten der Schwimmb. anpassen 3
Mehr Sitzmöglichkeiten 3
(Mobile) Ventilatoren 2
Notdienst bei Hitze 1
Mehr Wasserflächen 1
Fußbadmöglichkeiten 1
(Mobile) Klimaanlagen 1
Klimatisierter ÖPNV 1
Mehr Schwimmbäder 1
Öffnungszeiten der Geschäfte anpassen 1
Hitzeangepasste Freizeitangebote 1
Sonstiges 12
Tab. 6.1: Hilfen, die
sich die befragten
Menschen 65+ von
der Stadt Köln zum
Umgang mit Hitze -
belastung wünschen.
Quelle: eigene
Erhebung, 2019
106
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.8 Individuelle Schutzmaßnahmen bei Hitze
Schutzmaßnahmen, die bei Hitzewellen von den Befragten einge -
setzt werden, wurden sowohl als Spontannennung abgefragt
als auch zur Auswahl aus einem Set bewährter Verhaltensweisen
zur Auswahl angeboten.
Bei den spontan genannten Schutzmaßnahmen wurde am häufigs -
ten das Abdunkeln der Wohnung oder des Hauses genannt – über
50 Prozent der Befragten fiel diese Maßnahme ein. Die Anzahl der
spontan genannten Schutzmaßnahmen variierte dabei zwischen
1 und 6, mit einem Median von zwei Maßnahmen.
Nach bestimmten, aus einer Liste auszuwählenden Anpassungs -
maßnahmen gefragt, entsteht ein deutlich differenzierteres Bild.
Es werden deutlich mehr Maßnahmen bestätigt, als den Befragten
spontan einfielen. Das Tragen leichter Kleidung und das Lüften
scheint für die meisten selbstverständlich zu sein. Das Verwenden
leichter Bettwäsche, das Abdunkeln der Wohnräume, reduzierte
körperliche Bewegung und vermehrte Flüssigkeitsaufnahme
geben 80–92 Prozent der Befragten an. Auch das Verschieben von
Aktivitäten, ein anderes Essverhalten und Duschen sind für über
70 Prozent der befragten Menschen 65+ geläufige Anpassungsmaß -
nahmen. Einen Ventilator setzt hingegen nur knapp die Hälfte der
Befragten ein. Weit weniger angewendete Anpassungsmaßnahmen
sind das Nutzen nasser Handtücher sowie Arm- und Fußbäder. Eine
Klimaanlage besitzen nur 3,9 Prozent der Befragten.
Die Anzahl der abgefragten Anpassungsmaßnahmen liegt auch
wesentlich höher als die Anzahl der spontan genannten Maßnah -
men. Die Spannweite umfasste 2–13 Maßnahmen, der Median
lag bei 9.
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
107
Abb. 6.25: Von den befragten Menschen 65+ spontan benannte individuelle
Anpassungsmaßnahmen bei Hitze und Hitzewellen.
Quelle: eigene Erhebung, 2019
Abb. 6.26: Von den befragten Menschen 65+ bestätigte
individuelle Anpassungsmaßnahmen bei Hitze und Hitzewellen.
Quelle: eigene Erhebung, 2019
Spontan genannte Anpassungsmaßnahmen
Anpassungsmaßnahmen
Abdunkeln
Leichte Kleidung
Kühle Räume im Haus aufsuchen
Ventilator
Anders trinken
Leichte Wäsche
Schatten suchen/Sonne meiden
Nasses Handtuch
Wasserkühlung
Weniger bewegen
Lüften
Lüften
Balkon/Garten aufsuchen
Armbäder
Ventilator
Abdunkeln
Kühle Räume außer Haus aufsuchen
Fußbäder
Zu Hause bleiben
Mehr trinken
Weniger Anstrengung
Aktivitäten verlegen
Anders essen
Klimaanlage
Klimaanlage
Kleidung anpassen
Anders essen
Aktivitäten verschieben
Duschen
0
0
30
30
20
20
10
10
%
%
60
10080 907060
50
50
40
40
Sonstiges
n=251
n=258
108
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
6.1.9 Trink- und Essverhalten
Gefragt danach, welche Getränke die
Befragten im Alltag zu sich nehmen, gaben
über 80 % an, Mineralwasser zu trinken,
wohingegen Leitungswasser nur von etwa
40 % getrunken wird. Auch Kaffee und Tee
gehören zu den häufig getrunkenen Geträn -
ken.
In einer Hitzewelle mehr zu trinken, war
für knapp 80 % der Befragten selbstver-
ständlich (206; 79,8 %), wohingegen ein
knappes Fünftel angab, nicht mehr zu trin -
ken (46; 17,8 %). Für 22 Personen war der
Grund, die Trinkmenge nicht zu erhöhen,
fehlendes Durstgefühl. Weitere genannte
Gründe waren „ausreichende Trinkmenge“
(10; 20 %), Vergesslichkeit, Krankheit/Medi-
kamente und Schwitzen (je 4; 8 %). Häufiges
Wasserlassen wurde als weiterer Grund
benannt.
Die klassifizierte Trinkmenge lag bei den
meisten Befragten bei mehr als 1,5 Litern
Flüssigkeit pro Tag (Abb. 6.28). Im Vergleich
zwischen der Trinkmenge im Alltag und der
Trinkmenge bei Hitze zeigen sich deutliche
Unterschiede der Angaben. Ein Großteil der
Befragten trinkt bei Hitze mehr als 2 Liter
Flüssigkeit. Bei den über 84-Jährigen sind
dies alle.
Die meisten Befragten gaben an, täglich
eine oder zwei Portionen Obst und Gemüse
zu sich zu nehmen. 35,7 Prozent gaben an,
sowohl von Obst als auch Gemüse zwei oder
mehr Portionen täglich zu sich zu nehmen.
Viele Befragte gaben an, bei Hitze ihre
Ernährung anzupassen. Dabei essen sie
leichter (136; 50,6 %), kalte Speisen (74;
27,5 %), eine geringere Gesamtmenge (53;
19,7 %) oder zu einer anderen
Zeit (6; 2,2 %).
Abb. 6.27: Von den befragten Menschen 65+
genannte bevorzugte Getränke. Quelle: eigene
Erhebung, 2019
Abb. 6.28: Von den befragten Menschen 65+
genannte übliche Trinkmenge pro Tag.
Quelle: eigene Erhebung, 2019
Getränke im Alltag Klassifizierte Trinkmenge nach
Altersklassen
Mineralwasser
Saft
Leitungswasser
Kaffee
Alkoholische Getränke
Tee
Sonstige Getränke
%100500 25 75
%
0
65 bis 74 75 bis 84 über 84
60
20
40
Jahre
0,5–<1,0 L
1,0–<1,5 L
1,5–<2,0 L
>2,0 L
n=257 n=258
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
109
Portion Obst und Gemüse pro Tag
Abb. 6.29: Von den befragten Menschen 65+ angegebene tägliche Trinkmenge im Alltag sowie bei Hitze
und Hitzewellen. Quelle: eigene Erhebung, 2019
Abb. 6.30: Von den befragten Menschen 65+ angegebene alltäglich verzehrte Obst- und Gemüseportionen.
Quelle: eigene Erhebung, 2019
Klassifizierte Trinkmenge nach Alters klasse im Vergleich
Keine 1 Portion 2 Portionen 3 Portionen > 4 Portionen
%
100
50
25
0
75
0,5–<1,0 L
1,0–<1,5 L
1,5–<2,0 L
>2,0 L
Gemüse
Obst
%
60
20
0
40
65–74 65–7475–84 75–84>85
Klassifizierte Trinkmenge Klassifizierte Trinkmenge bei Hitze
>85 Jahre
n=258
n=254
110
6. Ergebnisse
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
Abb. 6.31: Von den befragten Menschen 65+ berichtete Änderung der Frequenz sozialer Kontakte bei
Hitze und Hitzewellen. Quelle: eigene Erhebung, 2019
Abb. 6.32: Von den befragten Menschen 65+ genannte Personen, die sie bei Hitze und Hitzewellen für einige
Tage versorgen würden. Quelle: eigene Erhebung, 2019
Veränderung der sozialen Kontakte
%
60
20
0
40
häufigere soziale
Kontakte
seltenere soziale
Kontakte
gleichbleibend
Versorgung für einige Tage durch …
(Schwieger-)Kinder
Nachbar/innen
Freund/innen / Bekannte
(Ehe-)Partner/in
Sonstige Familienmitglieder
Familien- und Krankenpflegeverein Köln-Pesch
Geschwister / Schwägerschaft
Enkel/innen
Sonstige
0 302010 %5040
n=254
n=234
6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen
111
6.1.10 Soziale Kontakte
Über 80 Prozent der Befragten geben an,
ein bis mehrmals pro Woche soziale Kon-
takte zu haben. Während Hitzewellen ver-
ändert sich das Sozialverhalten bei knapp
der Hälfte der Befragten. Wenige Personen
treffen sich häufiger mit ihren sozialen Kon -
takten (3; 2,0 %), über 40 Prozent hingegen
seltener (106; 41,7 %). Für über die Hälfte
bleiben die Kontakte in ihrer Häufigkeit auch
während Hitze bestehen (143; 56,3 %).
Personen, die in einer Bedarfssituation für
die Befragten sorgen würden, stammen
häufig aus der eigenen Familie.
Dabei wurden die Befragten durch Kinder
und Schwiegerkinder (41 %) und durch
(Ehe-)Partner/innen (36,3 %) versorgt.
Nachbarn und Freunde spielen ebenfalls
eine große Rolle.
6.1.11 Verschobene Aktivitäten
Viele der Menschen 65+ gaben an, dass sie
mindestens eine Aktivität auf eine andere
Tageszeit verschieben (198; 78,6 %). Akti-
vitäten werden demnach auf den Abend
(206; 62,0 %) und auf den Morgen verlegt
(126; 38 %).
Abb. 6.33: Von den befragten Menschen 65+ verschobenen Aktivitäten bei Hitze,
Quelle: eigene Erhebung, 2019
Verschobene Aktivitäten
Einkaufen
Hausarbeit
Spazieren
Sport/Körperliche Anstrengung
Gartenarbeit
Termine
Radfahren
Mit dem Hund rausgehen
Auto fahren
Sonstige
0 302010 %70605040
n=197
112
6. Ergebnisse
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs -
einrichtungen für Menschen im Alter
Auf die schriftliche Anfrage zur Teilnahme
an der Befragung meldeten sich 32 Einrich-
tungen mit einem ausgefüllten Fragebogen
zurück. 16 Einrichtungen stellten zusätzlich
Handreichungen für das Personal zum
Verhalten während Hitzeperioden zur Verfü-
gung.
Die teilnehmenden Einrichtungen sind über-
wiegend vollstationäre Pflegeeinrichtungen
(20; 62,5 %) und zu geringeren Anteilen
Mischeinrichtungen aus vollstationärer und
Kurzzeitpflege (6; 18,8 %), vollstationärer
Pflege kombiniert mit betreutem Wohnen
(2; 6,3 %) und Tagespflege (4; 12,5 %). Die
Träger der Einrichtungen sind Wohlfahrts-
verbände wie die AWO oder das DRK (15;
46,9 %), öffentliche Träger (5; 15,6 %), pri-
vate oder kirchliche Träger (je 4; 12,5 %)
oder freie/gemeinnützige Träger (3; 9,4 %).
Die meisten Einrichtungen haben zwischen
50 und 100 Mitarbeitende (17; 53,1 %),
einige auch unter 50 Mitarbeitende (12;
37,5 %) und zwei Einrichtungen haben mehr
als 100 Mitarbeitende (2; 6,3 %).
Der Anteil bettlägeriger Personen in den
Einrichtungen ist sehr unterschiedlich und
variiert zwischen 0 und 100 %, wobei der
Mittelwert bei der Hälfte liegt.
6.2.1 Hitzewarnung und Information
Die Mehrzahl der Einrichtungen gab an, Hit-
zewarnungen zu erhalten (23; 71,9 %). Emp-
fangen werden die Hitzewarnungen über
verschiedene öffentliche Medien, wie Fern -
sehen, Radio oder Zeitung (13; 50 %), als
direkte Benachrichtigungen des Deutschen
Wetterdienstes (8; 21,1 %), über Warn-Apps
oder das Internet, über Mitarbeitende oder
über die Stadt Köln.
Die Empfänger*innen von Hitzewarnungen
ist in den meisten Fällen die Leitung der Ein -
richtungen (23; 85,2 %), in wenigen Fällen
auch andere Mitarbeitende. Explizit nach
dem Empfang der Hitzewarnungen des
DWD gefragt, gaben knapp 70 % der Ein-
richtungen an, diese zu erhalten.
Auf die offene Frage, wie die Warnmeldun-
gen im Team kommuniziert werden, gaben
viele Einrichtungen an, dass sie diese im
Rahmen von Übergaben oder Teamsitzun-
gen ansprechen (19; 63,3 %). 18 Einrichtun-
gen (60 %) nannten auch schriftliche Ver-
haltensregeln oder Schutzkonzepte, die den
Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt wur-
den. Interne E-Mails mit Hitzewarnungen
wurden von 6 Einrichtungen (20 %) als inter-
nes Kommunikationsmedium angegeben,
weitere 2 (6,7 %) nannten das Telefon oder
die Verwendung eines Messenger-Dienstes.
In vielen Teams überbringt die Teamleitung
die Hitzewarnungen. Nach Angaben der Ein -
richtungen erfolgt die Kommunikation von
Warnmeldungen bzw. des Vorgehens bei
Hitze mit den Bewohnenden bei vier Fünftel
der Einrichtungen (25; 80 %) über persönli-
che Ansprache durch Mitarbeitende. Außer-
dem nutzen einige Einrichtungen Bewoh-
ner-Beirats-Sitzungen (3; 9,7 %) sowie
Aushänge oder Warnschilder (5; 16,1 %).
Ein Großteil der Einrichtungen (27; 84,4 %)
gab an, einen schriftlich festgelegten Hand -
lungsplan für heiße Tage zu haben, der in
den meisten Fällen (26; 92,9 %) konkrete
Maßnahmen für heiße Tage und Hitzewellen
enthält. Einrichtungen mit Handlungsplänen
bejahten überwiegend, dass die Umsetzung
der Maßnahmen und des Handlungsplans
dokumentiert werde (22; 78,6 %).
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter
113
Diese Dokumentation erfolgt meist durch
das Pflegepersonal (14; 63,6 %) oder sons-
tige Mitarbeitende (11; 50 %), seltener durch
die Pflegedienstleitung (5; 22,7 %). Die
Frage, ob Fortbildungen zum Thema Hitze
genutzt werden, verneinte etwa ein Drittel
der Einrichtungen (13; 36,2 %), ein weiteres
Drittel machte keine Angaben (11; 30,6 %).
Die restlichen Einrichtungen (12; 33,7 %)
gaben an, Übergaben, Mahlzeiten der
Arbeitsgruppen und Arbeitsgruppen-über-
greifende Teamsitzungen zur Besprechung
von Verfahrensanweisungen sowie Fachlite-
ratur zu nutzen, interne Schulungen und das
Qualitätsmanagement durchzuführen oder
themenbezogene Veranstaltungen der Stadt
Köln wahrzunehmen. Zudem gab jede fünfte
der befragten Einrichtungen an, Broschüren
oder anderes Infomaterial zum Thema Hitze
zu nutzen (19 %).
6.2.2 Hitzebelastung und
bauliche Gegebenheiten
Auf die Frage, wie belastet sich die Mit-
arbeitenden durch Hitze bei der Arbeit
fühlen, antwortete mehr als die Hälfte der
befragten Einrichtungen (17; 53,1 %), sich
mittelmäßig belastet zu fühlen; ein Viertel
gab an, deutlich belastet zu sein (8; 25 %),
während eine von zehn Einrichtungen die
gefühlte Hitzebelastung als gering kate -
gorisierte. Viele Einrichtungen (10; 31,3 %)
kommentierten, dass die subjektiv gefühlte
Belastung von unterschiedlichen Faktoren
abhinge, beispielsweise der Dauer und/
oder Temperatur der Hitzewelle, der (inner-)
städtischen Lage der Einrichtung, der Kli -
matisierung der Innenräume oder der Art
und dem Ort der Tätigkeit innerhalb der
Einrichtung (z. B. zusätzliche Hitzebelastung
in der Küche).
Die Hitzebelastung der Einrichtungen für
die Bewohner*innen schätzten über die
Hälfte der Einrichtungen (18; 56,30 %) als
mittelmäßig ein, jede fünfte Einrichtung
schätzte ihre Gebäude als für die dort
Wohnenden als deutlich hitzebelastet ein
(6; 18,8 %). Jede zehnte Einrichtung charak-
terisierte sich selbst für die dort Wohnen -
den (3; 9,40 %) als sehr hitzebelastet. Knapp
die Hälfte der befragten Einrichtungen
(14; 43,80 %) sahen die Hitzebelastung für
die dort Wohnenden abhängig von unter-
schiedlichen Faktoren, wie beispielsweise
der Geschosshöhe der Unterbringung oder
dem stark individuellen, oft reduzierten
Temperaturempfinden älterer Personen.
Auf die offene Frage nach den möglichen
Ursachen für die Hitzebelastungen in
ihren Einrichtungen nannten diese fehlen-
des Anpassungsverhalten (5; 18,5 %), die
Gebäudehöhe (4; 14,8 %), die Gebäudeaus-
führung (Flachdach, fehlende Dämmung;
4; 14,8 %) und fehlende Klimaanlage/aktive
Kühlung (5; 18,5 %) ähnlich häufig. Zu den
weniger häufig genannten Faktoren gehö -
ren eine erschwerte Durchlüftung (2; 7,4 %),
fehlender Schatten (1; 3,7 %), fehlende Ver-
dunkelungsmöglichkeiten (2; 7,5 %), Wärme-
belastung durch die Gebäudeausrichtung
und -lage (6; 22,2 %) sowie zu hohe Kosten
bzw. zu hoher Arbeitsaufwand (4; 14,8 %) zur
Reduzierung der Hitzebelastung.
Mit einer Ausnahme verfügte jede der
befragten Einrichtungen über einen Garten/
eine Grünanlage (31; 96,9 %).
114
6. Ergebnisse
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter
Die Größe dieser Gartenanlagen liegt zwi -
schen 400 m² und 6.000 m², die meisten
umfassen 1.000 m² oder weniger. Sechs
Einrichtungen gaben an über – teils über-
dachte – (Dach-)Terrassen zu verfügen,
die 16–100 m² groß sind. Weiterhin ver-
fügen einige Einrichtungen über einen
Hof oder ein Atrium. Etwa zwei Drittel der
Einrichtungen (20; 62,5 %) bestätigen das
Vorhandensein von Sitzmöglichkeiten in
den Außenanlagen, die durch Sonnen -
schirme, Mar kisen, Pavillons/Pergolen,
Baumbestände, Teilüberdachungen oder
den Gebäudeschatten beschattet wer-
den. Neben Sitzmöglichkeiten werden die
Außenanlagen von einigen Einrichtungen für
Freizeitangebote im Freien genutzt. Zudem
sind einige der Anlagen mit Wegen für Spa-
ziergänge ausgestattet. Viele der Einrich -
tungen charakterisierten die Nutzung der
Gärten und Grünanlagen durch die Bewoh -
ner*innen als umfassend und häufig. Drei
Viertel (24; 75 %) der Einrichtungen bejahten
die Frage, ob sich in ihrer unmittelbaren
Nähe Grünanlagen befänden, in denen sich
Bewohner*innen aufhalten könnten.
Hinsichtlich der Frage zu einrichtungs-
nahem Stadtblau teilten etwa zwei Drittel
der Einrichtungen mit (20; 62,5 %), dass
es eine Wasserstelle, das heißt einen Brun -
nen, einen Bach, einen Teich oder Ähnli-
ches in ihrer Einrichtung gäbe. Ein Drittel
(12; 37,5 %) verneinte dies. Unter den Ein-
richtungen kommentierten sechs (18,8 %),
dass sich ein Teich auf ihrem Gelände
befände. Drei Einrichtungen nannten einen
Brunnen/ein Wasserspiel (9,4 %). Drei wei-
tere beschrieben ein Regenauffangbecken
(9,4 %). Etwa ein Drittel der Einrichtungen
bejahte das Vorhandensein einer Wasser-
stelle in Einrichtungsnähe.
Sie führten den Blücherparkweiher (1; 3,1 %),
den Rhein (3; 9,3 %), den Stadtwaldweiher
(1; 3,1 %) sowie Teiche (1; 3,1 %), Brunnen/
Wasserspiele (2; 6,3 %) und ein Regenauf-
fangbecken (1; 3,1 %) auf.
Auf die offene Frage nach bereits beste -
henden weiteren baulichen oder techni-
schen Möglichkeiten zur Reduzierung der
Hitzebelastung nannten drei Viertel der
Einrichtungen (21; 75 %) die Ausstattung
der Gebäude mit Rollläden/Außenjalousien.
Mehr als jede dritte Einrichtung (11; 39,3 %)
gab die Beschattung durch Sonnenschirme,
Sonnensegel oder Markisen an. Jede dritte
bis vierte Einrichtung führte Klimageräte (8;
28,6 %) oder Vorhänge (6; 21,4 %) an. Viele
Einrichtungen (10; 35,7 %) besitzen Ventila-
toren zur Reduzierung der Hitzebelastung.
Eine Einrichtung nannte ein Belüftungssys-
tem (1; 3,6 %); vier Einrichtungen (4; 14,3 %)
gaben an, bisher über keine baulichen oder
technischen Möglichkeiten zur Hitzevermei-
dung zu verfügen.
6.2.3 Hitzeanpassung
Hinsichtlich der Maßnahmen zur Hitzean -
passung bejahten fast alle der befragten
Einrichtungen (30; 93,3 %) die Frage, ob
die Zimmer der dort Wohnenden nachts
gelüftet würden. Hier kommentierten sechs
Einrichtungen, dass dies individuell nach
Absprache/Wunsch der dort Wohnenden
erfolge. Schwierigkeiten oder Einschrän-
kungen sah jeweils eine Einrichtung durch
das Temperaturempfinden mancher dort
Wohnenden (Kälteempfinden trotz Hitze)
(1; 3,1 %) sowie potenziell nächtliche Ruhe-
störung durch unruhiges Verhalten der
Bewohner*innen bei geöffneten Fenstern
und dadurch Konfliktpotenzial mit Anwoh-
nenden der Einrichtung (1; 3,1 %).
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter
115
Weiterhin bestätigten mit einer Ausnahme
alle befragten Einrichtungen (31; 96,9 %) die
Möglichkeiten zur Verschattung der Zimmer
der Bewohnenden. Fast alle Einrichtungen
(31; 96,9 %) verneinten das Vorhandensein
von Klimaanlagen in den Zimmern. Ein
Großteil der Einrichtungen (25; 78,1 %)
stellt keine klimatisierten Aufenthaltsräume
für die Bewohnenden zur Verfügung. Nur
jede fünfte Einrichtung (7; 21,9 %) gab an,
darüber zu verfügen. Auf die Frage nach
weiteren klimatisierten oder kühlen Räu-
men für die Bewohnenden verwiesen drei
Einrichtungen auf die Räumlichkeiten in
den Erdgeschossen. Explizit nannten die
Einrichtungen den Eingangsbereich/das
Foyer (2), Cafeteria/Restaurant/Speisesäle
(4), Kapelle (3) sowie Flure (1) als kühle bzw.
klimatisierte Räume für Bewohnende. Jede
zehnte Einrichtung (4; 12,5 %) verwies auf
das Vorhandensein mobiler Klimageräte und
Ventilatoren. Sechs Einrichtungen (6; 18,7 %)
gaben an, über keine technisch klimatisier-
ten oder kühlen Räume zu verfügen. Keine
Einrichtung gab an, über Kühlwesten zur
Versorgung der Bewohnenden zu verfügen.
Alle befragten Einrichtungen (32; 100 %)
bestätigten, auf das Trinkverhalten der
Bewohner*innen an heißen Tagen beson-
ders zu achten. Sechs Einrichtungen
berichteten, dass sie die Bewohner*innen
regelmäßig zur Flüssigkeitsaufnahme ani-
mieren, beispielsweise durch zusätzliche
Trinkrunden und/oder ein besonderes und/
oder ein gekühltes Getränkeangebot. Fast
alle befragten Einrichtungen (30; 93,8 %)
bejahten, an heißen Tagen Trinkprotokolle
für Bewohner*innen zu führen.
Hier kommentierten die meisten Einrich-
tungen, dass das Trinkprotokoll abhängig
von dem individuellen Bedarf der älteren
Menschen nach Abschätzung der Pflege -
fachkräfte erfolgt, das heißt je nach Allge -
meinzustand, bestehenden Erkrankungen
sowie allgemeinem Trinkverhalten. Eine
Einrichtung verwies auf den Personalman-
gel, der ein Trinkprotokoll ausschließlich bei
ärztlicher Anordnung oder pflegerischer
Erforderlichkeit erlaubt.
Alle befragten Einrichtungen passen ihren
Speiseplan in Hitzeperioden an. Über die
Hälfte der Einrichtungen gab an, leichtere
Kost (15; 71,4 %), Kaltschalen (12; 57,1 %),
Eis (11; 52,4 %) und kühles Obst (11; 52,4 %)
anzubieten. Jede fünfte Einrichtung achtet
auf die Verpflegung mit wasserreicher Nah-
rung (4; 6,6 %) oder Salaten (5; 23,8 %). Drei
Einrichtungen (14,3 %) gaben an, den Spei-
seplan um kühle Getränke zu ergänzen.
Mit einer Ausnahme bejahten alle Einrich -
tungen, an heißen Tagen auf eine leichte
Bekleidung der Bewohnenden zu achten.
Zwei Tagespflegeeinrichtungen merkten
an, dass den ankleidenden Angehörigen
durch das Pflegepersonal zu leichter
Kleidung bzw. Wechselkleidung geraten
werde. Zudem kommentierten zwei Ein-
richtungen, dass die Bekleidung individuell
mit den Bewohnenden abgestimmt werde.
Außerdem kommentierte eine Einrichtung,
insbesondere im Freien auf schützende
Kopf bedeckungen zu achten. Zwei der Ein-
richtungen verwiesen zusätzlich auf eine
Anpassung der Bett wäsche.
116
6. Ergebnisse
6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter
Mit einer Ausnahme bejahten alle Ein-
richtungen die Durchführung kühlender
Waschungen oder weiterer kühlender Maß-
nahmen (z. B. Fuß- oder Armbäder) mit den
Bewohnenden. Drei Einrichtungen kom-
mentierten, dies individuell nach den Wün -
schen und Bedürfnissen der Bewohnenden
abzustimmen. Neben feuchten Tüchern
auf der Stirn und an den Handgelenken (2)
sowie Handbädern (1) führten zwei weitere
Einrichtungen das Aufstellen kleiner Was-
serbecken für Fußbäder als kühlende Maß -
nahmen an. Eine Einrichtung wies allerdings
auf die seltene Inanspruchnahme kühlender
Maßnahmen seitens der Bewohnenden trotz
Angebot hin.
Vier von fünf der befragten Einrichtungen
(25; 78,1 %) gaben an, den Personalschlüs -
sel in Hitzeperioden nicht anzupassen. Drei
Einrichtungen kommentierten, dass der
Personalmangel in der Pflege den Einsatz
zusätzlicher Pflegekräfte kaum zulasse.
Fünf andere Einrichtungen führten an, dass
bei Bedarf und Möglichkeit Anpassungen
der Wohnbereichs-/Tagespflegeleitungen
erfolgen oder bei besonderen Anlässen/ext-
remer Hitze Angehörige und Ehrenamtliche
zusätzlich unterstützen.
Auf die offene Frage nach Ideen für
Präventionsmaßnahmen hitzebedingter
gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei
Bewohnenden nannten acht Einrichtungen
die Kühlung der Innenräume durch Klima-
anlagen und regten finanzielle Zuschüsse an.
Weiterhin erwähnten Einrichtungen die
ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (2),
Sonnenschutz (z. B. Schaffung von Schat-
tenplätzen) (2), Kühlwesten (1), Schwimm-
möglichkeiten (1) für die Bewohnenden
sowie eine zusätzliche Begrünung der
Anlage und Dächer der Einrichtung (1).
6.2.4 Medizinische und
pflegerische Maßnahmen
Die Hälfte der befragten Einrichtungen (15;
50 %) bestätigte, dass eine hitzebedingte
Anpassung von Medikamenten in ärztlicher
Absprache erfolge. Eine Einrichtung berich -
tete, dass die Anpassung nach tempera -
turspezifischer Medikamentenverordnung
stattfinde. 13 Einrichtungen (40,6 %) gaben
an, bisher keine hitzebedingte Anpassung
von Medikamenten vorzunehmen. Die
Einrichtungen kommentierten, eine hitze-
bedingte Anpassung individuell nur nach
Absprache mit den behandelnden Hau-
särzt*innen vorzunehmen/zu empfehlen.
Zwei Einrichtungen verwiesen darauf, dass
viele der Bewohnenden bzw. ihre Ange-
hörigen in Kontakt mit den Hausärzt*innen
stehen.
Als bei Bedarf häufig durchgeführte Maß -
nahmen nannten zwei Einrichtungen die
Erhöhung der Trinkmenge, Infusionen sowie
die Reduktion von Diuretika. In zwei Drittel
der befragten Einrichtungen (20; 62,5 %)
erfolgt während Hitzeperioden eine engere
Kontrolle eines Teils der Bewohnenden
durch ihre Hausärzt*innen, in jeder zehn -
ten Einrichtung (3; 9,4 %) durch die Haus-
ärzt*innen aller Bewohnenden.
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
117
Als weitere Anregung äußerte eine Einrich-
tung den Wunsch, Hitzewarnungen gern per
Fax erhalten zu wollen. Zudem schlug eine
Einrichtung vor, ein stadt-/regioninternes
Netzwerk zwischen den Einrichtungen ein -
zurichten, über welches Frühwarnungen zu
Hitze, Infektionen etc. kommuniziert bzw.
geteilt werden könnten.
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse:
Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
Bei lang anhaltenden Hitzeperioden ist der
Aufenthalt an einem kühlen Ort am Tage
sehr wichtig. Im städtischen Umfeld kommt
dabei den vorhandenen öffentlichen Grün -
flächen wie Parks, Wäldern und Friedhöfen
eine besondere Bedeutung zu.
Städtische Grünflächen (urban green spa -
ces, UGS) sind definiert als alle in öffent -
lichem Besitz befindlichen bzw. öffentlich
zugänglichen Freiflächen mit einem hohen
Grad an Vegetationsbedeckung, z. B. Parks,
Wälder, Naturschutzgebiete und andere
Grünflächen. Sie können sowohl einen
gestalteten oder kulturellen als auch einen
eher natürlichen Charakter haben. Die Nut -
zung städtischer Grünflächen (UGS-Nut-
zung) wird definiert als jede Art von Besuch
einer städtischen Grünfläche, ohne auf
die Dauer des Aufenthalts, den Grund des
Besuchs oder die während des Besuchs
ausgeübte Tätigkeit zu achten; z. B. wird
auch der Durchgang auf dem Weg zu einem
Ziel gezählt (Schipperijn et al. 2010).
Stadtnatur reduziert Stress und fördert die
körperliche Gesundheit. Grüne Infrastruk-
tur in den Städten regt die dort lebenden
Menschen zu mehr Bewegung an und trägt
somit dazu bei, die körperliche Gesundheit
zu steigern.
Bewegungsmangel gehört zu den wesent-
lichen Ursachen der nicht-infektiösen, durch
die Lebensweise der Menschen in den
entwickelten westlichen Gesellschaften
bedingten Krankheiten. Alles, was Bewe -
gung fördert, reduziert Übergewicht, Dia -
betes und Bluthochdruck und leistet einen
wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der
Bevölkerung. Neben einer Steigerung der
Lebensqualität tragen Parks und Straßen -
bäume dazu bei, Ängste, depressive Störun -
gen, psychosomatische Beschwerden und
andere psychische Störungen zu mindern
(Spitzer 2019, WHO 2016).
Für die Zielgruppe Menschen im Alter ist
die stadtklimatische Qualität des grünen
Aufenthaltsortes entscheidend. Prägende
Faktoren sind das Vorhandensein von
hohen Bäumen, die einen entsprechenden
Schattenwurf aufweisen, und Blattwerk,
das durch eine Verdunstungsleistung eine
Kühlung des Umfeldes erzeugt. Zudem
sind auch wichtige Faktoren wie Sitzbänke,
Springbrunnen oder Trinkbrunnen ent-
scheidend, um die Aufenthaltsqualität bei
Hitzeereignissen zu steigern. Aufgrund von
altersbedingten Mobilitätseinschränkungen
spielt für Menschen im Alter die fußläufige
Erreichbarkeit von städtischen Parks eine
besondere Rolle (Artmann et al. 2017).
Zur Konkretisierung und weiteren Priorisie-
rung der Maßnahmenliste im Kölner Hitze -
aktionsplan für Menschen im Alter ist es
sinnvoll, Daten zur Bevölkerungsverteilung
und -entwicklung sowie zu hitzebelasteten
Siedlungsbereichen im Stadtgebiet aus -
zuwerten. Gerade für Menschen mit einer
eingeschränkten Mobilität ist das nähere,
fußläufig erreichbare Umfeld wichtig.
118
Zugang von Einwohnenden über 80 Jahren zu Grünflächen
Distanz zu Grünflächen > 80-jährige
< 160 m
160–240 m
240–320 m
320–400 m
> 400 m
Abbildung 6.34: Dargestellt ist die fußläufige Distanz/Erreichbarkeit von Grün flächen auf Basis der Sta -
tistischen Quartiere für die Altersgruppe der über 80-Jährigen unter Berücksichtigung der Verteilung der
Wohn adressen dieser Altersgruppe im Stadtraum. Datengrundlage: Einwohnerdaten 2020 und Statistische
Quartiere: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Stadtkarten: Stadt Köln.
6. Ergebnisse
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
119
Die Ist-Analyse der Infrastrukturen im näheren Umfeld kann als
Grundlage für eine Bedarfsplanung herangezogen werden, um eine
nachhaltige Stadtentwicklung und Bauleitplanung voranzubringen.
Zudem zeigt die Analyse relevanten Handlungsbedarf auf räumlicher
Ebene auf und hilft, gezielt Maßnahmen im Bestand zu verorten. In
Planungsvorhaben sollte zusätzlich zum Erhalt und zur Schaffung
von städtischen Parks auch deren fußläufige Erreichbarkeit („walka -
bility“) insbesondere durch Menschen 65+ berücksichtigt werden.
Dieser Ansatz wird auch durch die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verfolgt.
Unter dem Motto „niemanden zurücklassen“ wird das Ziel formuliert,
allgemeinen Zugang zu sicheren, inklusiven und leicht zugänglichen
grünen und öffentlichen Räumen zu schaffen, insbesondere für
Frauen und Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinde -
rungen. Die durchgeführte räumliche Analyse zur Erreichbarkeit von
Grünflächen in der Stadt Köln liefert wichtige Informationen zu die -
sem Faktor, durch den Hitzebelastung reduziert werden kann.
Abbildung 6.34 weist quartiersweise gemittelt in 5 Klassen die Dis-
tanz aus, die eine über 80-jährige Person von ihrer Wohn adresse zu
einem Park zurückzulegen hat. Eine deutliche Häufung von Wege -
beziehungen von über 400 Metern zeigt sich linksrheinisch in der
dicht bebauten Kernstadt vom Rhein bis zum äußeren Grüngürtel.
Dies betrifft u. a. die Zentren von Rodenkirchen, Sürth und Lövenich.
Rechtsrheinisch sind die betroffenen Quartiere über alle Stadtbe -
zirke verteilt. Besonders ungünstig ist die Situation in den Zentren
von Deutz, Mülheim, Porz und Kalk. Im Stadtbezirk Chorweiler
muss eine über 80-jährige Person hingegen keine langen Wege zur
nächsten Grünfläche zurücklegen.
120
Weite und nahe Wege von Einwohnenden über 65 Jahren zu Grünflächen
Wege über 400 m
Wege unter 160 m
Abb. 6.35: Dargestellt sind die Statistischen Quartiere mit dem kürzesten und den weitesten fußläufigen
Wegen zu Grün flächen für die Altersgruppe der über 65-Jährigen unter Berücksichtigung der Verteilung der
Wohn adressen dieser Altersgruppe im Stadtraum. Datengrundlage: Einwohnerdaten 2020 und Statistische
Quartiere: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Stadtkarten: Stadt Köln.
6. Ergebnisse
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
121
Abbildung 6.35 stellt die fußläufige Erreichbarkeit von öffentlich
zugänglichen Grünflächen für die Altersgruppe 65+ dar. Angegeben
ist die jeweils für die Statistischen Quartiere gemittelte Wegstre -
cke von der Wohnung zum nächstgelegenen Parkeingang. Darge -
stellt sind besonders weite Wege mit einer Strecke von mehr als
400 Metern und besonders kurze Wege mit einer Länge von unter
160 Metern. Dabei wird deutlich, dass kurze Wegstrecken zu Parks
nicht nur in den weiter vom Stadtzentrum entfernt gelegenen
Quartieren auftreten (z. B. Chorweiler– Turkuplatz, Bilderstöckchen
– Heinrich-Pesch-Str. Langel (lrh.)–Rheinkassel, Libur, Kölnberg),
sondern auch in der Innen stadt (z. B. Fachhochschule Deutz–Messe,
Gereons-Viertel–Klingelpützpark).
Auffällig sind die nebeneinander liegenden Quartiere nördlich der
Aachener Straße in Braunsfeld, Ehrenfeld, Bickendorf, die jeweils
eine weite Entfernung von über 400 Metern zu einer Grün fläche
aufweisen.
122
6. Ergebnisse
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
Abbildung 6.36 zeigt, in welchen Statisti -
schen Quartieren die Einwohnenden Wege
von über 400 Metern zu Grünflächen
zurücklegen müssen. Gleichzeitig sind
über 60 Prozent der Einwohnenden über
65 Jahren dieser Quartiere (sehr) hoch
hitzebelastet.
Die Hitzebelastung wurde anhand der
höchsten Hitzeklassen der Planungshin -
weiskarte Hitze (Klassen 1 und 2) definiert.
Auffällig ist die Häufung kritischer Bereiche
in den linksrheinischen Quartieren nördlich
der Aachener Straße (Innenstadt, Ehrenfeld,
Braunsfeld, Bickendorf).
Hot Spots
Abb. 6.36: Fußläufige Erreichbarkeit von Grün flächen für die Altersgruppe der über 65-Jährigen unter
Berücksichtigung der Verteilung der Wohn adressen dieser Altersgruppe im Stadtraum. Dargestellt sind
Statistische Quartiere, welche der weitesten Distanzklasse angehören und in denen zusätzlich mindestens
60 % der Altersgruppe 65+ gemäß Planungshinweiskarte Hitze (2013) hoch bzw. sehr hoch hitzebelastet
sind. Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Planungshinweiskarten
Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013. Stadtkarten: Stadt Köln.
Hot-Spot-Analyse: Weite Wege zu Grünflächen in Kombination
mit (sehr) hoher Hitzebelastung der Gruppe 65 +
6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln
123
Hier zeichnen sich mehrere, zusammenhän -
gende Quartiere durch diese Mehrfachbe -
lastung aus. Die Einwohnenden haben nicht
die Möglichkeit, sich bei Hitzeereignissen
in nahe gelegene, öffentlich zugängliche
Grünflächen zu begeben, ohne weitere Stre -
cken bewältigen zu müssen. Das Leitbild
der „Stadt der 15 Minuten“ kommt aus dem
stadtplanerischen Kontext und sieht vor,
dass alle wichtigen Anlaufstellen für die Ein -
wohnenden innerhalb von rund 15 Minuten
erreichbar sein sollen, ohne dass sie das
Auto nutzen müssen.
Es beschreibt, dass in der Stadt für alle Ein -
wohnenden Lebensmittelgeschäfte, haus -
ärztliche Versorgung, Erholungsräume und
Schulen in einer Entfernung von 3 bis 4 km
mit dem Rad oder 1 bis 1,5 km zu Fuß vom
Wohnort aus erreichbar sein sollen. Zu den
Städten, die dieses Konzept bereits umge -
setzt haben, gehören Bocholt (D), Nantes
(F), Paris (F), Oslo (NOR) und Madrid (E).
Für die Bewertung, wie weit eine 80-jährige
Person in 15 Minuten gehen kann, ist nicht
allein das biologische Alter maßgeblich,
sondern auch die gesundheitliche Verfas -
sung und/oder Vorerkrankungen. Darüber
hinaus spielt auch die gefühlte Entfernung
eine Rolle. So hat die Untersuchung von
Bjerke, T. et al. (2006) zur Patientenerreich-
barkeit von Gesundheitseinrichtungen erge-
ben, dass neben der rein physischen Entfer-
nung auch die gefühlte Reichweite aus Sicht
von Patient*innen eine Rolle spielen kann.
Auf der Basis der Analyse kann in den Sta -
tistischen Stadtquartieren Handlungsbedarf
aufgezeigt werden.
Die in diesem Projekt für Menschen im Alter
in Köln erstellten Analysen zur Erreichbar-
keit von Grün flächen geben wichtige, empi-
risch abge sicherte Hinweise auf Hot-Spot-
Gebiete mit weiterem Handlungsbedarf
zur Schaffung von öffentlich zugänglichen
Grünflächen im Rahmen der Stadtplanung
und Stadt entwicklung.
Auf der Ebene der Bauleitplanverfahren
können entsprechende Festsetzungen
getroffen werden. Im Rahmen von Stadt-
entwicklungskonzepten, zum Beispiel im
Rahmen von Städtebauförderprojekten wie
EFRE-Förderungen, können Fokusräume
identifiziert und einbezogen werden. Zur
Festlegung von konkreten Maßnahmen
sind weitere Auswertungen der Hot-Spot-
Gebiete auf Detailebene erforderlich.
Die Zugänge zu öffentlichen Parks wurden
bei der vorliegenden Auswertung durch
Luftbildauswertungen und Ortsbegehungen
identifiziert. Mögliche lokale „Trampelpfade“
und innerhalb von Wohnanlagen vorhan-
dene sogenannte „Pocket-Parks“ sind mög-
licherweise nicht erfasst worden.
Schon sehr kleine Pocket-Parks zwischen
den Wohngebäuden können einen schatti-
gen Aufenthalt bei Hitzeereignissen bieten,
wurden aber in der Auswertung nicht als
Park definiert.
Hier ergibt sich ein Ansatzpunkt für eine
weitere detailliertere Auswertung. Auch die
Verteilung und Anzahl der Wohnadressen in
den Statistischen Quartieren sind nicht in
der Auswertung betrachtet worden.
124
6. Ergebnisse
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
Die Erstellung eines Hitzeaktionsplans
sowie die Umsetzung von hitzepräven-
tiven Anpassungsmaßnahmen ist
eine Querschnittsaufgabe und setzt
die Zusammen arbeit unterschiedlicher
Akteur*innen voraus.
Das Akteur*innennetzwerk des Hitze -
aktionsplans für Köln setzt sich aus den
Bereichen Stadtverwaltung, Wissenschaft,
Pflege und Gesundheitswesen, Landes- und
Bundesbehörden, Zivilgesellschaft und
Netzwerke, Politik sowie städtische Unter-
nehmen und Stadtwerke zusammen.
Zu jeder dieser Gruppen gehören Akteur-
*innen, die eine bestimmte Funktion oder
Aufgabe besitzen. Aufgrund der verschie -
denen Rahmenbedingungen war die Bereit-
schaft zur Zusammenarbeit unterschiedlich
ausgeprägt. So engagierten sich besonders
ehrenamtliche Akteur*innen der Zivilgesell-
schaft und brachten sich entsprechend den
persönlichen Möglichkeiten intensiv bei der
Umsetzung von Maßnahmen ein. Die Ärzte -
schaft stellte demgegenüber, nicht zuletzt
vor dem Hintergrund der COVID-19-Pan-
demie, nur eingeschränkte Kapazitäten
für eine intensive Zusammenarbeit zur
Verfügung.
Für die Umsetzung des Hitzeaktionsplans
für Menschen im Alter wichtige Organisatio -
nen bzw. Institutionen werden im Folgenden
kurz beschrieben.
Stadtverwaltung
Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
Insbesondere vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels ist es Aufgabe
des Amtes, die Leistungen und Angebote für
ältere Menschen und Menschen mit Behin -
derungen weiter zukunftssicher auszurich-
ten. Damit das Leitbild „Seniorenfreund -
liches Köln“ auch zukünftig trägt, werden
Struktur und Inhalte der Senior*innenförde -
rung unter Berücksichtigung der finanziellen
Rahmenbedingungen und im Kontext der
gesetzlichen Anforderungen kontinuierlich
konzeptionell weiterentwickelt.
Seniorenberatung
Die Seniorenberatung bietet unabhän-
gige, vertrauliche und überkonfessionelle
Informationen, Beratung, Hilfen bei Behör-
denangelegenheiten, Vermittlung ambu-
lanter Hilfen und vieles mehr an. Mit den
Beratungsstellen für ältere Bürger*innen in
Köln ist ein vielfältiges, frühzeitiges und kos-
tenloses Beratungsangebot zu Themen wie
zum Beispiel Wohnen im Alter, ambulante
und stationäre Pflege, Ansprüche gegen -
über Kranken- und Pflegekasse geschaffen
worden.
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
125
Abb. 6.37: Darstellung des Akteur*innennetzwerks des HAP-Köln
Senioren -
vertretungen
Bezirksver-
tretungen
Ratsausschüsse
(Ausschuss für Klima,
Umwelt und Grün;
Gesundheitsausschuss)
Politik
UBA,
BBSR
Landeszentrum
Gesundheit NRW
Umweltministerien
(BMU, MULNV)
DWD LANUV
Landes- und
Bundesbehörden
Kölner Verkehrs-
Betriebe AG (KVB)
Stadtentwässerungs-
betriebe (StEB)
RheinEnergie AG
Städtische
Unternehmen/
Stadtwerke
Apotheken Pflegedienste
Krankenhäuser
Sozial-Betriebe-Köln
Pflegeheime und
Senioreneinrichtungen
Wohlfahrts verbände;
„Liga Wohlfahrt Köln“
Pflege und
Gesundheitswesen
Ärzt*innen
Universitäten
Forschungsinstitute/
Forschungseinrichtungen
z. B. Difu
Universitätskliniken
(GeoHealth Centre Bonn;
Zentrum für Geriatrie
und Gerontologie)
Wissenschaft
Vereine Gemeinden
Senior*innen -
netzwerke
Zivilgesellschaft
und Netzwerke
Senioren -
beratung
Berufsfeuerwehr, Amt
für Feuerschutz,
Rettungsdienst und
Bevölker ungsschutz
Senioren -
koordination
Stadt magazin
Kölner Leben
Amt für Soziales,
Arbeit und Senioren
Koordinationsstelle
Klimaschutz
Umwelt- und
Verbraucherschutzamt
Gesundheitsamt
Amt für
Stadt entwicklung
und Statistik
Sozialraum -
koordination
Amt für
Landschaftspflege
und Grünflächen
Stadtplanungsamt
Stadtverwaltung
126
6. Ergebnisse
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
Die Seniorenberatung ist in den Außenstel-
len des Sozialamtes in den Stadtbezirken
oder auch an den Standorten der folgenden
Wohlfahrtsverbände zu finden:
• Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Köln e. V.
• Diakonie gemeinnützige GmbH Köln und
Region
• Caritasverband für die Stadt Köln e. V.
• Der Paritätische in Köln
• Deutschen Rotes Kreuz
• Synagogen-Gemeinde Köln für jüdische
Mitbürger*innen
• Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
• Arbeiter-Samariter-Bund e. V.
Seniorenkoordination
Die Seniorenkoordination arbeitet auf struk-
tureller Ebene mit allen Akteur*innen jedes
Stadtbezirks zusammen. Sie unterstützt
deren Vernetzung und Zusammenarbeit und
schafft Transparenz bei den vorhandenen
Angeboten und Hilfen in den Stadtbezirken.
Dabei deckt sie neue Bedarfe und Entwick -
lungen auf und meldet diese an die Fach -
planung der Stadt Köln zurück. Die Senio -
renkoordination wird im Auftrag der Stadt
Köln durch die Wohlfahrtsverbände und die
Sozial-Betriebe-Köln (SBK) umgesetzt.
Sozialraumkoordination
Im Rahmen des Programms „Lebenswerte
Veedel – Bürger- und Sozialraumorientie-
rung in Köln“ ist in den Sozialraumgebieten
je ein*e Sozialraumkoordinator*in tätig.
Die bestehenden Hilfen und Angebote sol-
len bestmöglich miteinander vernetzt sowie
bedarfsgerecht und wirkungsvoll ausge -
richtet werden.
KölnerLeben
Das Stadtmagazin KölnerLeben bindet
Menschen ab 55 Jahren aktiv in das gesell-
schaftliche, kulturelle und soziale Leben
der Stadt ein. Das Magazin ist offizieller
Bestandteil des Beratungskonzeptes für
ältere Menschen der Stadt Köln. Ein Redak-
tionsteam der Stadt Köln, das zum Amt
für Soziales, Arbeit und Senioren gehört,
ist verantwortlich für die Redaktion und
bietet journalistisch aufbereitete Inhalte
zu aktuellen Themen. Die Zeitung ist ein
wichtiger Multiplikator, um das Thema Hitze
in der Stadt und gesundheitliche Präven-
tionsmaßnahmen für Menschen im Alter
bereitzustellen.
Feuerwehr und Rettungsdienste
Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerweh -
ren sowie weitere Rettungsdienste sind
wichtige Akteure im Kontext von Hitzebe-
lastung alter Menschen, da sie oft als Erste
gerufen werden, wenn gesundheitliche Pro-
bleme und Notsituationen auftreten.
www.stadt-koeln.de/service/
produkt/seniorenberatung-2
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/
soziales/senioren/seniorenberatung-
hilfe-den-stadtbezirken
www.stadt-koeln.de/
politik-und-verwaltung/presse/
seniorenkoordination-den-
stadtbezirken
www.koelnerleben-magazin.de
sozialraumkoordination.koeln
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
127
Wissenschaft
Forschungseinrichtungen, insbesondere
der Fachgebiete Public Health, Öffentliche
Gesundheit, aber auch Allgemeinmedizin,
die in der Stadt Köln und auch in der Region
an den diversen Hochschulen vertreten sind,
können eine wichtige Rolle bei der Entwick-
lung und Evaluation von Interventionen spie-
len. Zudem tragen sie neue Erkenntnisse als
akademische Lehreinrichtungen zu ihren
Studierenden.
Pflege und Gesundheitswesen
Sozial-Betriebe-Köln
Im Mittelpunkt der Arbeit der Sozial-Betrie -
be-Köln gemeinnützige GmbH (SBK; eine
Tochtergesellschaft der Stadt Köln) steht
die Bereitstellung von Wohn- und Pflege -
angeboten für ältere Menschen sowie von
vielfältigen Wohn- und Arbeitsangeboten
für Menschen mit Beeinträchtigung. Ergänzt
und flankiert werden diese durch nieder-
schwellige Service- und Beratungsangebote
für beide Zielgruppen.
Träger der freien Wohlfahrtspflege
Unter Freier Wohlfahrtspflege werden alle
Dienste und Einrichtungen verstanden, die
sich in freigemeinnütziger Trägerschaft
befinden und sich in organisierter Form im
sozialen Bereich und im Gesundheitswesen
betätigen. Sie arbeiten unabhängig und
partnerschaftlich mit den öffentlichen Sozi -
alleistungsträgern zusammen mit dem Ziel
einer sinnvollen und wirksamen Ergänzung
von sozialen Angeboten zum Wohle der
Hilfesuchenden.
Die „Liga Wohlfahrt Köln“ ist ein Zusam-
menschluss der sechs Verbände der Freien
Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Cari -
tas, Der Paritätische, Diakonisches Werk,
Deutsches Rotes Kreuz, Synagogen-Ge -
meinde). Die Weiterentwicklung der sozia-
len Arbeit und die Sicherung bestehender
Angebote innerhalb und außerhalb der
Kölner Verbände bilden den Grundstein
des gemeinsamen gesellschaftspolitischen
Engagements. Sie betreiben und initiieren
Projekte in der Sozial-, Jugend- und Seni -
or*innenarbeit und fördern das bürger-
schaftliche Engagement, den Zusammen -
halt und die Chancengerechtigkeit.
Arbeitsgemeinschaft
Offene Senior*innenarbeit
Die sechs Verbände der „Liga Wohlfahrt
Köln“ haben gemeinsam mit den SBK die
Arbeitsgemeinschaft Offene Senior*in -
nenarbeit gegründet, um ihre Angebote
miteinander zu koordinieren und abzustim-
men. Ein Träger hat jeweils für ein Jahr die
Federführung. Dieser Kreis konnte als wich -
tiger Multiplikator für den Hitzeaktionsplan
gewonnen werden.
Pflegedienste
Ambulante Pflegedienste unterstützen Pfle -
gebedürftige und ihre Angehörigen bei der
Pflege zu Hause. Sie bieten Familien Unter-
stützung und Hilfe im Alltag, damit pfle -
gende Angehörige zum Beispiel Beruf und
Pflege sowie Betreuung besser koordinieren
und organisieren können.
www.sbk-koeln.de
www.liga.koeln
128
6. Ergebnisse
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
Das Leistungsangebot des ambulanten
Pflegedienstes erstreckt sich über ver -
schiedene Bereiche. Dies sind vor allem
körperbezogene Pflegemaßnahmen, pfle -
gerische Betreuungsmaßnahmen, häusliche
Krankenpflege sowie Beratung der Pfle -
gebedürftigen und ihrer Angehörigen. Die
ambulante Pflege ermöglicht Betroffenen,
in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben.
In Köln bietet eine Vielzahl an Organisatio -
nen Leistungen der ambulanten Pflege an.
Haushaltsnahe Dienstleistungen /
präventive Hausbesuche
Das Amt für Soziales, Arbeit und Senio -
ren bietet in Kooperation mit der Freien
Wohlfahrtspflege Köln und den SBK für
Menschen ab 75 Jahren eine kostenlose,
qualifizierte, unabhängige und vertrauliche
Beratung zu Hause an. Für die Hausbesuche
für ältere Menschen gibt es in jedem Stadt -
bezirk eine Ansprechperson. Die Berater*in -
nen vermitteln wenn nötig unterstützende
Hilfen, damit ein Leben in den eigenen vier
Wänden so lange wie möglich sichergestellt
werden kann.
Apotheken
Apotheken stellen für Menschen im Alter
oft die erste Anlaufstelle dar, wenn es um
gesundheitliche Fragen geht, weil sie oft
wohnortnah erreichbar sind, dem Apothe -
kenpersonal in der Regel großes Vertrauen
entgegengebracht wird und zudem während
der Öffnungszeiten das Prinzip der offenen
Tür besteht.
Eine weitere wichtige Funktion von Apothe-
ken, die immer wieder diskutiert und ange -
führt wird, ist ihre mögliche Funktion als
„Cooling Center“ bei Hitzewellen.
Ärzt*innen
Die Hausärzteschaft hat eine zentrale
Bedeutung bei der ambulanten medizini-
schen Versorgung älterer Menschen. Ihnen
kommt eine wichtige, vermittelnde Funktion
zwischen Hitzeaktionsplanung und der Ziel-
gruppe zu. Insofern ist es für die Umsetzung
eines Hitzeaktionsplans sehr wichtig, die
Hausärzteschaft einzubinden. Dies kann
über die Kassenärztliche Vereinigung, aber
auch über andere Zusammenschlüsse gelin -
gen wie den Hausärztebund oder die von
Ärzt*innen gegründete und getragene Deut-
sche Allianz Klimawandel und Gesundheit
e. V. (KLUG) oder KlimaDocs e. V. – Ärzt*in-
nen für den Klimaschutz mit Sitz in Köln.
Landes- und Bundesbehörden
Bei den Umwelt- und Gesundheitsbehör-
den des Landes (LANUV, LZG) ebenso wie
des Bundes (UBA, RKI) findet sich große
Expertise für zahlreiche Fragen im Zusam -
menhang mit Klimawandel, Hitzebelastung
und Gesundheit. Es ist sehr sinnvoll, diese
Expertise in geeigneter Weise, zum Beispiel
durch die Schaffung eines wissenschaftli -
chen Beirats, zu gewinnen und einzubinden.
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese
Institutionen bzw. ihre ausgewiesenen Sach-
verständigen sich nur sehr eingeschränkt
auf kommunaler Ebene einbringen können.
www.stadt-koeln.de/artikel/63972
6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln
129
Zivilgesellschaft und Netzwerke
Senioren-Netzwerke
In den Senioren-Netzwerken gehen die
älteren Kölner*innen aktiv und produktiv
ihren Interessen nach. Seit 2002 entstan -
den in vielen Veedeln Nachbarschaftscafés,
Wander- und Fahrradgruppen, Heimwerker-
dienste und weitere Angebote.
Ziele sind die Verbesserung der Lebenswelt
von älteren Menschen sowie Angebote im
Bereich Gesundheit, Gesellschaft, Kultur
und Bildung zu erhalten oder zu entwickeln.
Mittlerweile sind es über sechzig Netzwerke
(ca. 30 selbstorganisiert und 30 mit Unter-
stützung von hauptamtlichen Kräften), die
das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden
etabliert hat.
Vereine und Gemeinden
Auch die großen Religionsgemeinschaften
bieten vielfältige Angebote für ältere Men -
schen an und stellen damit eine weitere
wichtige Säule der regionalen Akteur*innen
dar. Dies trifft ebenfalls für die breite Ver-
einslandschaft zu, in der Gleichgesinnte zu
den vielfältigsten Interessen und Themen
zusammenkommen und aktiv werden.
Politik
Stadtarbeitsgemeinschaft Seniorenpolitik
Die Stadtarbeitsgemeinschaft Seniorenpo -
litik berät den Rat, seine Ausschüsse, die
Bezirksvertretungen und die Verwaltung im
Vorfeld von Entscheidungen zu Fragen, die
ältere Menschen betreffen.
Seniorenvertretung Köln (SVK)
Die Seniorenvertretung Köln (SVK) ver-
tritt die Interessen der älteren Generation
gegenüber politischen Gremien und Einrich -
tungen, die für Senior*innen wichtig sind.
Sie stellt Kontakte her zu den zuständigen
Stellen der Stadt- und Bezirksverwaltung,
zu den Wohlfahrtsverbänden und zu allen
weiteren Organisationen. Sie berät in allen
für ältere Menschen relevanten Angelegen -
heiten und unterstützt persönliche Anliegen
mit Rat und Tat. Die Seniorenvertretung ist
in den Arbeitsgemeinschaften Seniorenpoli -
tik sowohl in den Stadtbezirken als auch auf
gesamtstädtischer Ebene tätig und in den
meisten Fachausschüssen des Rates.
Städtische Unternehmen und Stadtwerke
Stadtwerke Köln
Die Stadtwerke Köln GmbH (SWK) bietet der
Bevölkerung Kölns ein breites Angebot an
Dienstleistungen rund um Energie und Was-
ser, Mobilität, Sauberkeit und Abfallentsor-
gung, Gütertransport, Telekommunikations-
leistungen sowie Sport und Freizeit. Bei der
Leistungserbringung ist der Hitzeschutz der
Sachverständigen eine nicht zu vernachläs-
sigende Anforderung.
www.seniorennetzwerke-koeln.de
www.stadt-koeln.de/artikel/70233/
www.stadt-koeln.de/politik-und-ver -
waltung/ausschuesse-und-gremien/
seniorenvertretung-der-stadt-koeln
130
6. Ergebnisse
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
RheinEnergie AG
Als Trinkwasserversorger sieht die Rhein-
Energie AG die Information und Aufklärung
über den richtigen und gesundheitsgerech -
ten Konsum von Trinkwasser und die Trink-
wasserqualität als ihre Aufgabe an. Daher ist
sie auch Projektpartner des HAP- Köln.
Kölner Verkehrsbetriebe AG
Die Kölner Verkehrsbetriebe AG (KVB)
betreibt den öffentlichen Personennahver-
kehr der Stadt Köln. Informationen können
über die Werbeflächen der Busse und Bah -
nen sowie über die elektronischen Anzei -
getafeln verbreitet werden. Die KVB stellt
zudem auch klimatisierte Fahrzeuge als
Hitzeschutz für die Fahrgäste zur Verfügung.
Stadtentwässerungsbetriebe Köln
(StEB Köln)
Die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB)
Köln engagieren sich für blau-grüne Infra-
struktur und liefern auf diese Weise einen
langfristigen Beitrag zum klimawandelge-
rechten Umbau des öffentlichen Raums.
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
Die oben genannten Akteur*innen in die
Arbeit am Hitzeaktionsplan der Stadt Köln
zu integrieren, war eines der wichtigsten
Ziele des Projekts. Hierfür wurden ver-
schiedene trisektorale, aber auch interkom -
munale Vernetzungstreffen durchgeführt.
Außerdem wurden die Akteur*innen regel-
mäßig per Rundbrief über den aktuellen
Projektstand sowie weitere wichtige Infor-
mationen im Zusammenhang mit Hitze und
Gesundheit informiert.
6.5.1 Trisektorale Vernetzung –
Fachworkshop (Kick-off-Meeting) Früh -
jahr 2019
Das erste Vernetzungstreffen diente dazu,
sich als Projektteam bei den geladenen
Akteur*innen vorzustellen, die Fragestellung,
die Ziele und die Herangehensweise des
Projekts „HAP-Köln“ darzustellen und erste
Ideen zu sammeln. Für das Hintergrundwis-
sen sorgten drei Impulsvorträge:
• Herr Dr. Hans-Guido Mücke, Umweltbun-
desamt: „Handlungsempfehlungen zur
Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum
Schutz der menschlichen Gesundheit“
• Frau Kerstin Conrad, ILS Institut für Landes-
und Stadtentwicklungsforschung gGmbH
Dortmund: „Summer in the City - Empiri -
sche Befunde zum Erleben und Verhalten
älterer Menschen bei Hitze“
• Frau Dr. Alina Herrmann, Kurpfalzkran-
kenhaus Heidelberg und Uniklinikum
Heidelberg: „Die Rolle von medizinischem
Personal beim Schutz älterer Menschen in
Hitzewellen“
In daran anschließenden aktiven Work-
shop-Phasen wurden an drei Thementi -
schen (I. Hitzeaktionsplan; II. Maßnahmen
und Best Practice und III. Information und
Kommunikation) unterschiedliche Leitfra-
gen bearbeitet.
Bei den Ergebnissen handelt es sich um
Ideen und Vorschläge der Teilnehmenden,
die anschließend diskutiert wurden. Dabei
wurde unter anderem festgestellt, dass das
Pflegepersonal in Langzeitpflegeeinrichtun -
gen bzgl. der Themen Hitze und Gesundheit
bereits viele eigene Ideen aus der Praxis hat.
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
131
Außerdem wurde deutlich, dass die perso -
nellen Engpässe während der Sommermo -
nate problematisch sind, da der Mehrbedarf
an Arbeitskräften gerade während Hitzewel-
len aufgrund von erhöhter Urlaubsabwesen-
heit oft nicht gedeckt werden kann.
Ein weiterer interessanter Punkt war der
Austausch der Akteur*innen zur Erreich-
barkeit der Menschen im Alter. Hier wurde
auf bereits bestehende Senior*innen-Netz -
werke, Kirchengemeinden und Nachbar-
schaftshilfen hingewiesen.
Dennoch gestaltet sich die Umsetzung häu-
fig schwierig, da bestimmte Routinen zum
Beispiel in Pflegeheimen nicht kurzfristig
bei Hitzeperioden angepasst werden kön -
nen. Speisepläne werden beispielsweise
bereits 6 Wochen im Voraus geplant und
lassen sich für die hohe Anzahl an Men -
schen 65+ nicht kurzfristig ändern. Als
Chance sollten Erfahrungen von Menschen
aus „heißen“ Herkunftsländern genutzt und
diese auf die deutsche Lebensweise über-
tragen werden. Angepasste Öffnungszeiten
bei der Mittagshitze wäre ein Beispiel.
Als weiteres Ergebnis wurde festgehalten,
dass eine Vernetzung nicht nur innerhalb
der jeweiligen Stadt, sondern auch inter-
kommunal sinnvoll ist, um sukzessiv einen
flächendeckenden Hitzeaktionsplan für
Deutschland etablieren und sich unter-
einander vernetzen und austauschen zu
können. Daraus entstand die Idee für den
Städtedialog Hitzeanpassung.
Akteursworkshops
Im Frühjahr 2021 fanden drei Akteurs-
workshops zum Austausch mit lokalen
Akteur*innen statt. Unter den jeweils
ca. 20 Teilnehmenden auf operativer Ebene
waren verschiedene Akteur*innen aus den
Bereichen Stadtverwaltung und Stadtwerke
Köln, Wissenschaft, Ärzteschaft, Senioren -
vertretung und weiteren zivilgesellschaft-
lichen Netzwerken vertreten. Gemeinsam
wurden relevante Prozesse sowie nützliche
Informationen erfasst, die zur Erstellung
eines Hitzeeinsatzplanes für die Stadt Köln
und eines Köln-spezifischen „Hitzeknigge“
bedeutsam sind.
Im ersten Workshop standen die Vernet-
zung der verschiedenen Akteur*innen und
die Sensibilisierung für das Thema Hitze im
Vordergrund. Neben der Projektvorstellung
wurden maßgebliche Akteur*innen für die
Erstellung eines Hitzeeinsatzplans erfasst
und die Ist-Situation erhoben.
In zwei Arbeitsgruppen wurden Maßnah -
men mit hohem Praxisnutzen identifiziert.
So wurden beispielsweise Maßnahmen
mit einem hohen Aufwand genannt, wie
Trinkwasserbrunnen, Stadtbegrünung und
Verschattungssysteme. Zu den genannten
Maßnahmen mit geringem Aufwand zählen
verschiedene Vernetzungs- und Öffentlich-
keitsarbeiten sowie angepasste Informati-
onsmaterialien, die zur Sensibilisierung für
Hitze helfen.
Anschließend kamen erste Schwierigkeiten
und Hemmnisse zur Sprache. Zu den wich -
tigsten Punkten gehören die Erreichbarkeit
und Sensibilisierung der Menschen im Alter
und die mangelnden Ressourcen (personell,
finanziell).
132
6. Ergebnisse
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
Bei der Analyse der Ergebnisse des ersten
Akteursworkshops wurde deutlich, dass
im gesamten Stadtgebiet einerseits und in
den Veedeln andererseits unterschiedliche
Maßnahmen benötigt werden (Abb. 6.38).
Dieser Ansatz wurde im zweiten Workshop
aufgegriffen und diente der Konkretisie-
rung sowie Ergänzung bisher identifizierter
Maßnahmen.
Für die Hitzeeinsatzplanung in Köln sollen
ausgewählte Maß nahmen als zentrale Ele-
mente konkretisiert werden und somit eine
breite Basis für die gemeinsame Umsetzung
eines Hitzeeinsatzplans geschaffen werden.
Die Aufgabe der Akteur*innen war es, zu
benennen, wann sie welche Maßnahmen zur
Hitzeprävention umsetzen wollen bzw. wie
sie diese in die tägliche Arbeit integrieren
und zu ihrer Umsetzung beitragen können.
Dabei sollte zwischen mittel- / langfristi-
gen Maßnahmen („vor dem Sommer“) und
kurz fristigen /akuten Maßnahmen wäh -
rend der Hitzeereignisse sowie zwischen
stadtweiten Maßnahmen und Maßnahmen
für einzelne Veedel unterschieden werden.
Anschließend erfolgte eine Priori sierung der
Maßnahmen durch die Teilnehmenden des
Akteursworkshops.
Das Ergebnis zeigt, dass der Fokus in den
Veedeln auf Sensibilisierungsmaßnah-
men und stadtweit auf Öffentlichkeitsar-
beit / Veranstaltungen, Akteur*innennetz-
werken sowie auf gepflegten öffentlichen
Toiletten liegt (siehe Abb. 6.39). Dabei
wurde von den Beteiligten darauf hingewie-
sen, dass es bereits ausreichende Wege
der Informationsweitergabe gibt. So können
beispielsweise bereits bestehende Web-
seiten, Zeitschriften oder Telefonhotlines
genutzt werden.
Abb. 6.38: Differenzierung der Maßnahmen: Stadtweit und Veedel (eigene Darstellung).
Veedel
Stadtweit
Cooling
Center
Sensibilisierung
Ernährung
Quartiers-
konzepte
Ventilatoren
Verbreitung
Informations-
material
Sensibilisierung
des sozialen
Netzes
Ansprechen von
Gewerbe -
betreibenden
Aktives
Hitzetelefon
Nette
Toilette
Projektsong
„Drinke“
Bekanntmachung
DWD-Newsletter
Akteur*innen-
Netzwerk
Senior*innen-
Website
Öffentlichkeits-
arbeit auf
Veranstaltungen
KVB-
Laufband
Unter-
stützende
Dienste
Netzwerk-
aufbau
Integration von Hitze
in die vorsorgenden
Hausbesuche
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
133
Das Ziel des dritten Workshops war neben
der Vervollständigung der Elemente des Hit-
zeeinsatzplans mit Aufgaben- und Zustän -
digkeitsverteilung der Akteur*innen sowie
einem möglichst geeigneten Umsetzungs -
zeitraum der einzelnen Maßnahmen die
Diskussion zur Erstellung des „Hitzeknigge“.
Hierzu wurden erste Ideen für eine lokal
adaptierte Informationsbroschüre erarbeitet
(siehe Maßnahme „Hitzeknigge“). Als Idee
wurde genannt, die Broschüre mit stadt-
weiten Informationen an zentralen „Sam-
melpunkten“, wichtigen Institutionen und
kühlen Standorten auszulegen. Als weitere
Möglichkeit wurde genannt, die Inhalte der
Broschüre nach Stadtbezirken zu gliedern.
Für den Hitzeeinsatzplan stellte das Pro -
jektteam einen ersten Entwurf vor, der
gemeinsam mit den Akteur*innen diskutiert
und ausgearbeitet wurde. Der Aufbau und
die Vorgehensweise des Hitzeeinsatzplans
werden in Kapitel 7.1 beschrieben.
In Zukunft soll der Hitzeeinsatzplan auf wei -
teren Vernetzungstreffen vorgestellt und bei
Workshops gemeinsam mit den Akteur*in-
nen aktualisiert und weiter ausgearbeitet
werden. Alle Teilnehmenden des Workshops
sprachen sich für eine Weiterführung der
Zusammenarbeit aus mit dem Ziel, die
gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze in
der Stadt Köln zu reduzieren, und sind gerne
bereit, sich aktiv einzubringen, sei es im
Rahmen des Hitzeeinsatzplans oder weite -
rer Vernetzungstreffen.
Runder Tisch Seniorenarbeit
Der Runde Tisch Seniorenarbeit ist das zen -
trale Informations-, Austausch- und Vernet-
zungsgremium für die Senior*innenarbeit im
Stadtbezirk.
Viermal im Jahr werden in jedem Stadtbe -
zirk Informationen für Menschen im Alter
zusammengetragen und es findet ein Aus -
tausch über aktuelle Themen statt. Im Rah -
men des Projekts wurden in den Stadtbe -
zirken Nippes, Kalk, Lindenthal, Chorweiler,
Innenstadt und Mülheim die Ergebnisse zum
Projekt vorgestellt und Informationsmaterial
zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurde
dieser Kreis genutzt, weitere Multiplika -
tor*innen anzuwerben und Maßnahmen
in den jeweiligen Bezirken umzusetzen.
Hierbei stand die Sensibilisierungsarbeit im
Fokus, die von den Mitwirkenden mithilfe
des zur Verfügung gestellten Informations-
materials an die Zielgruppe weitergegeben
wird.
In Anschluss an die Veranstaltungen ist die
Nachfrage nach dem Hitzeknigge, dem Pos -
ter mit 11 Hitzetipps und dem Hitze-Fächer
angestiegen und es mussten Sensibilisie -
rungsprodukte nachbestellt werden.
Abschlussveranstaltung Frühjahr 2022
Die Abschlussveranstaltung des Projekts
wurde als Hybrid-Veranstaltung durchge-
führt. Im VHS-Forum der Volkshochschule
Köln wurden Fachvorträge zu den Ergebnis-
sen gehalten.
134
6. Ergebnisse
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
Abb. 6.39: Die nach Einschätzung der Teilnehmenden des 2. Akteursworkshops
wichtigsten Maßnahmen in den Veedeln und in der gesamten Stadt (eigene Darstellung).
In den Veedeln:
Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Maßnahmen,
um zukünftig Hitzeereignisse gut zu überstehen?
Quartierskonzept Hitze 61
56
39
39
33
28
22
11
6
0
Netzwerkaufbau
Angebot von unterstützenden
Diensten bei Hitze
Verbreitung von
Informationsmaterial
Sensibilisierung des sozialen Netzes
Identifikation und Bekanntma -
chung von Cooling Centern
Sensibilisierung Ernährung
Integration von Hitze in die
vorsorgenden Hausbesuche
Ansprechen von
Gewerbebetreibenden
Ventilatoren langfristig besorgen
0 25 50 75 100 %
Stimmen der Teilnehmenden
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
135
65
59
41
41
35
24
18
12
Stadtweit:
Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Maßnahmen,
um zukünftig Hitzeereignisse gut zu überstehen?
Öffentlichkeitsarbeit auf
Veranstaltungen
(Seniorenfeste, Straßenfeste)
Akteur*innennetzwerk
Nette Toilette für Testgebiet
Laufband zur Hitzewarnung in
der KVB im Sommer
Aktives Hitzetelefon
Projektsong „Drinke“ mit Video
zur Sensibilisierung
Senior*innen-Website
Bekanntmachung
DWD-Newsletter
0 25 50 75 100 %
Stimmen der Teilnehmenden
136
6. Ergebnisse
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
Diese waren gleichzeitig online verfügbar.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die
Ergebnisse der Befragung von Menschen im
Alter ebenso wie die Maßnahmen zur Hitze -
prävention dargestellt. Auch der Hitzeein-
satzplan und die identifizierten Akteur*in -
nen /Multiplikator*innen wurden vorgestellt.
Der Kölner Hitzeaktionsplan wurde zudem
aus den unterschiedlichen Perspektiven
Kommune, Land und Bund kommentiert und
bewertet. Eine begleitende Poster-Ausstel-
lung im Forum zeigte die Projektergebnisse
auf. Musikalisch wurde die Veranstaltung
von der Band Klabes mit dem Projektsong
„Drinke“ begleitet.
6.5.2 Interkommunale
Vernetzung – Städtedialog I
Am ersten interkommunalen Vernetzungs-
treffen waren die Städte Berlin, Düsseldorf,
Frankfurt am Main, München, Neuss und
Köln beteiligt. Im Rahmen dieses Erfah -
rungsaustausches wurden die Auswirkun-
gen des Klimawandels im urbanen Raum
diskutiert. Dabei stellten die Kommunen
ihre aktuellen und geplanten Aktivitäten zur
Klimawandelanpassung dar.
Der Schwerpunkt des Austausches waren
die Überlegungen zu Erstellung eines
kommunalen Hitzeaktionsplans. Die Pro -
jektbeteiligten stellten in einer interaktiven
Diskussionsrunde die Kölner Aktivitäten im
Rahmen des Projekts vor und regten einen
Ideenaustausch für mögliche Maßnahmen
zur Verminderung der gesundheitlichen Risi-
ken in Hitzeperioden an.
Die gesammelten Ideen wurden diskutiert,
sodass Chancen und Hindernisse sowie
wichtige Akteur*innen herausgestellt wer-
den konnten. Bei dem ideenreichen und
informativen Dialog wurden nicht nur Erfah-
rungen im Umgang mit Hitzewellen ausge-
tauscht, sondern gemeinsam neue Ideen
und mögliche Interventionsmaßnahmen
erarbeitet.
Die Kommunen waren sich einig, dass Kli -
mawandelanpassung eine Querschnittsauf -
gabe ist, die durch viele Akteur*innen in der
Verwaltung ausgeführt werden muss. Eine
Vernetzung der verschiedenen Akteur*innen
ist sinnvoll. Auch das Thema Wasser in der
Stadt mit der Aufstellung von Trinkbrunnen
und Wasservernebelung zur Kühlung wurde
diskutiert. Das Thema „Nette Toilette“ muss
dabei mit betrachtet werden. Die teilneh-
menden Kommunen identifizierten auch
den Hitzeschutz im öffentlichen Raum und
die Sensibilisierung u. a. durch Hitzekarten
und Hitzespaziergänge als wichtige Themen.
Aus- und Fortbildungen u. a. für medizini-
sches Personal, Architekt*innen zum Thema
Hitzeschutz sollten angeboten werden.
Städtedialog II
Der zweite Städtedialog im September 2021
unter dem Motto „Kommunale Hitzeanpas -
sung“ wurde als virtuelles Vernetzungs-
treffen organisiert. An der Veranstaltung
nahmen 19 deutsche Städte sowie zwei
Referierende aus Wien teil.
Nach einem Rückblick zum letzten Städte -
dialog von 2020 bot eine Umfrage per Men-
timeter die Chance, den Kreis der Teilneh-
menden besser kennenzulernen und erste
inhaltliche Statements abzugeben.
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
137
Alle teilnehmenden Kommunen waren sich
einig, dass zur aktiven Durchführung von
Hitzevorsorge am dringendsten qualifi-
ziertes Personal, Bewusstsein, Vernetzung,
Best-Practice-Beispiele und finanzielle Res -
sourcen benötigt werden.
Die Abbildung 6.42 zeigt, dass die teil-
nehmenden Kommunen unterschiedliche
Maßnahmen bereits umsetzen bzw. planen.
Wichtige Themen sind Öffentlichkeitsarbeit,
Vernetzung der Beteiligten und Begrünung.
Aber auch Maßnahmen während akuter Hit-
zewellen und stadtplanerische Maßnahmen
werden genannt.
In Impulsvorträgen wurden Best-Prac tice-
Maßnahmen zur Hitzevorsorge aus Wien
vorgestellt. Die Stadt Wien hat viele klein -
räumige Projekte wie Trinkbrunnen oder
Sprinkleranlagen flächendeckend im Stadt -
gebiet realisiert. Neben der erfolgreichen
Finanzierung von Maßnahmen stellt sich am
Wiener Beispiel heraus, dass insbesondere
die behördenübergreifenden Kooperationen
mit weiteren Akteur*innen eine schnellere
und weitreichendere Umsetzung möglich
macht.
Dresden und Erfurt stellten zusammen das
gemeinsame Projekt HeatResilientCity II
sowie Aktivitäten der interkommunalen
Zusammenarbeit vor. In zwei parallelen
Arbeitsgruppen konnten sich die Teilneh-
menden über ihre Erfahrungen austauschen.
Schwerpunktmäßig wurde über die Erstel-
lung von Hitzeaktionsplänen und Maßnah -
men zum Thema Wasser bzw. Trinkbrunnen
in der Stadt diskutiert.
Die Kommunen waren sich einig,
dass Klimawandelanpassung eine
übergreifende Herausforderung
darstellt, die durch die Zusammen-
arbeit vieler Akteur*innen ausgeführt
werden muss.
Eine Vernetzung der verschiedenen
Akteur*innen ist sinnvoll.
138
6. Ergebnisse
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
Städtedialog Hitzeanpassung 2021
Abb. 6.40: Übersicht der Kommunen, die am zweiten Städtedialog Hitzeanpassung
teilnahmen (eigene Darstellung).
• München
• Nürnberg
• Würzburg
• Frankfurt
• Mannheim
• Karlsruhe
• Erfurt
• Kassel
• Hamburg
• Münster
• Hamm
• Oberhausen
• Duisburg
Dresden •
Ludwigsburg •
Köln •
• Düsseldorf
• Leverkusen
• Bonn
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
139
Abb. 6.41: Ergebnisse einer Mentimeter-Umfrage im Rahmen des zweiten Städtedialogs (eigene Darstellung).
Was benötigen Sie derzeit am dringendsten, um die
Hitzevorsorge in Ihrer Kommune voranzubringen?
Personal
Bewusstsein
Vernetzung
Politischer Wille
Mehr Grünflächen
Personalkapazität
strategische Ausrichtung
Verbindlichkeiten
Öffentlichkeit
VerordnungWeniger KfZ-Verkehr
Geld
Ziele
Kompetenzen
Finanzen
Strukturaufbau
Ratsbeschluss
Vernetzung von Ämtern
Personelle Ressourcen
Finanzielle Ressourcen
Best-Practice-Beispiele
Commitment
Blauflächen
Klare Ziele und Maßnahmen
Politisches Bewusstsein
Ämterzusammenarbeit
Politisches Interesse
Gesetzliche Regelung
Quantifizierung
Akzeptanz Klimaanpassung
Finanzierung
Verwaltungsinterne Zusammenarbeit
Rechtliche Grundlagen
140
6. Ergebnisse
6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen
Abb. 6.42: Maßnahmen zur Hitzevorsorge in 19 deutschen Kommunen (eigene Darstellung).
Welche Art von Maßnahmen zur Hitzevorsorge sind in
Ihrer Kommune geplant bzw. werden bereits umgesetzt?
Wichtige Erkenntnisse waren hierbei, dass
Forschungsprojekte wie das Projekt Heat-
ResilientCity II oder der HAP-Köln einen
guten Einstieg für den Aufbau einer ersten
Struktur mit drittmittelfinanziertem Perso -
nal darstellen. Eine anschließende Verste -
tigung der entwickelten Hitzeanpassungs -
maßnahmen ist notwendig.
Die gesetzlichen Grundlagen und Anforde -
rungen für diese Aufgabe müssen nach Ein -
schätzung der kommunalen Vertretungen
gestärkt und Hitzevorsorge als gesetzliche
Pflichtaufgabe etabliert werden, damit die
Bemühungen um Hitzeanpassung mittel-
und langfristig erfolgreich sind.
Der gemeinsame Dialog hat wichtige
Aspekte zur Hitzevorsorge hervorgehoben.
Aufgrund der positiven Rückmeldungen der
teilnehmenden Kommunen und der erfolg-
reichen Umsetzung der beiden Städtedia -
loge zur Hitzeanpassung ist eine Fortset -
zung der kommunalen Vernetzung geplant.
Der Schwerpunkt zukünftiger Treffen soll
weiterhin die Entwicklung der kommunalen
Hitzeaktionspläne sein. Die Organisation
und Durchführung können im Wechsel von
interessierten Kommunen übernommen
werden. Für den Städtedialog im Oktober
2022 konnte die Stadt Dresden gewonnen
werden.
4 noch unklar
22 Öffentlichkeitsarbeit /
Informations vermittlung
14 Etablierung
von Warnsystem
16 Maßnahmen während
akuter Hitzewellen
16 stadtplanerische
Maßnahmen
18
Begrünungs maßnahmen
Maßnahmen der 12
gesundheitlichen
Prävention
Vernetzung 20
Akteur*innen
6.6 Öffentlichkeitswirksame Veranstal tungen / Maßnahmen / Publikationen
141
6.6 Öffentlichkeitswirksame
Veranstal tungen / Maßnahmen /
Publikationen
Die Vorgehensweise und die Ergebnisse des
Projekts sind im Rahmen von wissenschaft -
lichen Publikationen und Vorträgen bei
Fachveranstaltungen präsentiert worden.
Sie dienten gleichzeitig auch als Grundlage
für die Erstellung von wissenschaftlichen
Abschlussarbeiten. Neben dem wissen -
schaftlichen Erkenntnisgewinn diente das
Projekt der Sensibilisierung und Vernet-
zung von Akteur*innen. Um diese für den
Hitzeeinsatzplan zu gewinnen und den
Bekanntheitsgrad des Projekts zu steigern,
organisierte das Projektteam Workshops
und Treffen mit Beteiligten und nahm selbst
an regelmäßig stattfindenden Netzwerk -
treffen teil.
Über Printmedien, Radio und TV-Beiträge
wurde das Projekt in der Öffentlichkeit vor-
gestellt. Besonders hervorzuheben ist, dass
der HAP-Köln bei der Nominierung zum
Bundespreis „Blauer Kompass 2022“ unter
240 Einsendungen in die Runde der besten
20 Projekte ausgewählt worden ist.
Im Anhang A4 ist eine Übersicht über die
einzelnen Projekt akti vitäten zu finden.
Abb. 6.43: Nominierung des Projekts HAP-Köln für den „Blauen Kompass 2022“.
7. Entwicklung und
Umsetzung von
Interventions-
maßnahmen
144
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
Die Hitzeprävention ist im Vergleich
zu anderen Handlungsfeldern in der
städtischen Gesellschaft in der Regel
bislang noch wenig präsent.
Die Stadt Köln ist eine der ersten
Kommunen in Deutschland, die sich
vor dem Hintergrund der zunehmenden
Klimawandelfolgen dem Thema Hitze-
aktionsplanung widmet.
Somit bedarf es einer strategischen
Ausrichtung der Kommunikationsaktivitäten
sowohl innerhalb der Verwaltung als auch
in Richtung Öffentlichkeit zur Erreichung
der Zielgruppen, zur Akzeptanzförderung
und um ein Umdenken hin zu einem Primat
der gesundheitlichen Prävention anzu-
stoßen. Sommerliche Hitzeereignisse mit
den negativen Folgen für die Gesundheit
werden oft noch wenig als Bedrohung
wahrgenommen. Tatsächlich jedoch hat
kein Aspekt des aktuellen Klimawandels
größere Bedeutung für die menschliche
Gesundheit, für Morbidität und Mortalität.
Zielgruppenorientierte Botschaften und
geeignete Kommunikationskanäle müssen
den Wissens- und Ergebnistransfer zur Hit-
zeaktionsplanung schaffen.
Weitere Ziele einer Kommunikationsstra-
tegie sind die Bereitstellung von Informa-
tionen, insbesondere zu den erarbeiteten
Zielen und Maßnahmen des Hitzeak-
tionsplans, um eine aktive Teilhabe und
Mitarbeit der Bevölkerung sowie relevanter
Akteur*innen in verschiedenen Bereichen
zu erreichen.
Auf Grundlage der empirischen Befra -
gungsergebnisse (Kapitel 6.1 und 6.2) und
der vom Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz (BMU) entwickelten
„Handlungsempfehlungen zur Erstellung
von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der
menschlichen Gesundheit“ wurden für den
HAP-Köln geeignete Maßnahmen abgeleitet.
145
I. Zentrale Koordinierung und
interdisziplinäre Zusammenarbeit
II. Nutzung eines Hitzewarnsystems
III. Information und Kommunikation
IV. Reduzierung von Hitze in Innenräumen
V. Besondere Beachtung von
Risikogruppen
VI. Vorbereitung der Gesundheits-
und Sozialsysteme
VII. Langfristige Stadtplanung und
Bauwesen
VIII. Monitoring und Evaluation der
Maßnahmen
Die Ableitung berücksichtigt die räum-
lich-zeitlich sowie soziodemografisch dif-
ferenzierte Identifikation von städtischen
Hitzebelastungen, daraus abzuleitende Kri -
terien sowie eine bedarfsorientierte Priori -
sierung. Hierzu gehört die Berücksichtigung
der Erreichbarkeit der Menschen im Alter.
Als eine der ersten deutschen Kommu-
nen, für die ein Hitzeaktionsplan erarbeitet
wurde, bot sich die Orientierung an dieser
Handlungsempfehlung an.
Sie konnte gleichzeitig auf ihre Anwendbar-
keit und Praxistauglichkeit überprüft wer-
den. Die deutsche Handlungsempfehlung,
die auf der von der Weltgesundheitsorga-
nisation (WHO) veröffentlichten Leitlinie
für die Erarbeitung eines Hitzeaktionsplans
sowie auf den Ergebnissen der von der
Fachhochschule Fulda durchgeführten
hessischen HEAT-Studie (2009–2012)
basiert, besteht aus den folgenden acht
Kernelementen:
146
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
Monitoring und
Evaluation
Abb. 7.1: Schematische Darstellung der für die Umsetzung der Kernelemente
eines Hitzeaktionsplans von der WHO vorgesehenen Zeithorizonte.
Quelle: BMU 2015.
Vorbereitungen vor
dem Sommer
Schutz während
des Sommers
Spezielle Maßnahmen
während akuter
Hitzeperioden /
Hitzewellen
Langfristige
Entwicklung und
Planung
7.1 Kommunikation
147
Für die Umsetzung der acht Kernelemente
empfiehlt die WHO ein Vorgehen in fünf
Zeit horizonten (siehe Abb. 7.1).
Dabei werden kurzfristige Maßnahmen
beschrieben, die in einer akuten Hitze -
welle durchgeführt werden, mittelfristige
Maßnahmen, die vor bzw. während des
Sommers durchgeführt werden, bis hin zu
langfristigen Maßnahmen der Entwicklung
und Planung. Im Gegensatz zu langfristigen
planungsbezogenen Maßnahmen sollten
kurzfristige Sofortmaßnahmen ohne große
Investitionen durchgeführt werden können.
Im Rahmen des HAP-Köln-Projekts konn -
ten Maßnahmen aus den verschiedenen
Zeithorizonten angestoßen bzw. umgesetzt
werden. Beispielsweise wurde als Vorberei-
tung auf den Sommer die Hitzewarnung des
Deutschen Wetterdienstes automatisiert
in die Webseite der Stadt Köln integriert
oder der Hitzeknigge gemeinsam mit den
Akteur*innen um Köln-spezifische Beson-
derheiten und Ansprechpartner*innen
erweitert. Dieser wurde in gedruckter Form
über die Multiplikator*innen oder direkt an
die Zielgruppe vor und während Hitzeperio -
den verteilt und auf der Webseite der Stadt
Köln als PDF zum Download angeboten.
Zur Sensibilisierung der Zielgruppe sind
Fächer und Trinkflaschen mit dem Pro-
jekt-Logo bedruckt und verteilt worden.
Insbesondere die Fächer haben sich als
ein sehr geeignetes Kommunikationsmittel
herausgestellt, weil zum Beispiel auch Men -
schen mit Demenz oder mit Sprachbarrieren
den Fächer intuitiv einsetzen können. Dies
konnte bei Terminen in den Einrichtungen
für ältere Menschen und bei Stadtteilfesten
eindrücklich beobachtet werden. Die Fächer
wurden zusammen mit dem Hitzeknigge
und mit Trinkflaschen während der akuten
Hitzewelle und als Vorbereitung verteilt.
Langfristige Maßnahmen im Rahmen der
Bauleitplanung konnten nur skizziert wer-
den. Der Zeitraum der Maßnahmenumset-
zung von der Konzeptphase bis zur verbind-
lichen Festsetzung ist ein langfristiger und
vielschichtiger Prozess.
7.1 Kommunikation
Die Sensibilisierung vulnerabler Personen -
gruppen für die gesundheitlichen Folgen
des Klimawandels steht im Mittelpunkt des
HAP-Köln-Projekts. Hier ist das Ziel, die
Gruppen zu erreichen und anzuregen, das
eigene Verhalten zu hinterfragen und anzu-
passen und somit die gravierenden gesund -
heitlichen Folgen zu reduzieren. Besonders
hitzeempfindlich sind
• Ältere Menschen,
• Menschen mit chronischer Erkrankung
oder physischer bzw. psychischer B eein-
trächtigung bzw. Behinderung, die in der
Kommune allein leben,
• Schwangere und Säuglinge,
• Menschen, die regelmäßig im Freien
arbeiten, und
• Menschen, die in Gemeinschaftsunter-
künften leben, sowie Wohnungslose.
www.umweltbundesamt.de/en/
publikationen/hitzeknigge
www.stadt-koeln.de/artikel/67953
148
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.1 Kommunikation
Dabei ist neben der direkten Ansprache
der Zielgruppen auch die Kommunikation
mit/über Multiplikator*innen vor Ort ein
wichtiges Instrument, um die Menschen in
ihren Lebenswelten zu erreichen. Hierzu gilt
es, Akteur*innen und Multiplikator*innen
im Bereich Gesundheit und Klimawande -
lanpassung in der Stadt Köln zu vernetzen,
neue Strukturen zu schaffen und Hand -
lungsabläufe zu vereinbaren.
Der konzeptionelle Ansatz des Projekts
beinhaltete die exemplarische Erarbeitung
eines Hitzeaktionsplans für eine definierte
Zielgruppe. Die Vorgehensweisen und Inst-
rumente sollten jedoch allgemein anwend-
bar und auf weitere vulnerable Gruppen
übertragbar sein.
Die folgenden Schritte zeigen den Weg von
der Ermittlung der Zielgruppe bis hin zu den
Interventionsmaßnahmen zusammenfas-
send auf.
Festlegung der Zielgruppe und
Zielgruppenanalyse
Das Verbundprojekt legte vor dem Hinter-
grund des demografischen Wandels einen
besonderen Fokus auf über 65-jährige Per-
sonen. Sie machen einen Anteil von 17,7 %
der Bevölkerung Kölns aus (über 65-Jährige,
2020) und stellen somit eine bedeutsame
Gruppe dar.
Der Anteil der 80-Jährigen und Älteren
vergrößert sich bis 2030 um ein Fünftel und
bis 2040 sogar um 38,9 Prozent. Damit wird
ihre Zahl bis 2040 auf 75.400 Personen
anwachsen (Basis der Prognose: 2017).
Daher ist es von besonderer Bedeutung, bei
dieser vulnerablen Gruppe gesundheitliche
Risiken durch Hitzeperioden zu reduzieren
und die Gesundheitskompetenz, insbeson -
dere bei alleinlebenden Menschen über 65
Jahren, zu erhöhen.
In vier Fokusgebieten in ausgewählten
Stadtvierteln und Sozialräumen sind über
eine quantitative sowie qualitative Erhe-
bung/Befragung unter älteren Menschen
Informationen zu ihren Informationsquellen
und ihrem Wissensstand über Hitze und
Gesundheit sowie über ihre hitzebezoge-
nen Verhaltensweisen gewonnen worden.
Zudem wurde untersucht, ob Einrichtungen
für ältere Menschen ihr Handeln auf Hit-
zewarnungen anpassen, Maßnahmen
umsetzen und ob Verhaltensänderungen
der Bewohnenden eintreten.
Auf Basis der Fachgespräche konnten
Erkenntnisse zur Informationsaufnahme
älterer Menschen, zu physiologischen Pro -
zessen bei Hitzeereignissen und gesund -
heitsförderlichen Verhaltensweisen ermittelt
werden. Durch die Einzelinterviews der
Menschen 65+ wurden bevorzugte Kom-
munikationskanäle identifiziert und konnten
so bei der anschließenden Maßnahmenent -
wicklung berücksichtigt werden.
Zielgruppengerechte
Maßnahmenkonzeption
Basierend auf den Ergebnissen der
Fachgespräche und Interviews wurden
anschließend in enger Kooperation mit den
Akteur*innen der Stadtgesellschaft Maß -
nahmen konzipiert, implementiert und hin -
sichtlich ihrer Wirksamkeit getestet.
7.1 Kommunikation
149
Aufgrund der Vielzahl der im komplexen
Themenfeld handelnden Personen und
Institutionen war die Kommunikation und
Informationsverbreitung auf allen Ebenen
ein wichtiger Umsetzungsschritt. Es wurden
Akteur*innen und Multiplikator*innen iden-
tifiziert und mehrere Workshops zur Einbin-
dung der fach- und handlungskompetenten
Personen durchgeführt.
Ziel war es, durch den Aufbau eines Informa -
tionssystems und Aktionsplans Mitwirkende
zu koordinieren und somit die vulnerable
Bevölkerungsgruppe vor Ort besser zu
erreichen.
Durch die Nutzung der Kompetenzen und
Erfahrungen aller Akteur*innen im Rahmen
der neu etablierten Art der Zusammenarbeit
konnten zielgruppengerechte Maßnahmen
gemeinsam erarbeitet und erste Projekte
konzipiert und umgesetzt werden.
Darüber hinaus ergaben sich neue Ansatz -
punkte für weitere Maßnahmenumset-
zungen und Wirkungen in die gesamte
Stadtgesellschaft. Gleichzeitig wurde das
Bewusstsein für die gesundheitlichen Fol-
gen des Klimawandels und für die nötigen
Anpassungsmaßnahmen für Menschen im
Alter gesteigert.
Wichtige Schritte auf dem Weg zur Umset-
zung von Maßnahmen des Hitzeaktions -
plans für Menschen im Alter waren:
• neue Erkenntnisse zur Wahrnehmung und
zum gesundheitsbewussten Verhalten
der Zielgruppe bei Hitzeereignissen durch
eigene empirische Erhebungen
• trisektorale und interkommunale Vernet-
zung (Akteursworkshops, Städtedialog)
• Identifikation von Multiplikator*innen in der
Stadtgesellschaft
Zahlreiche Maßnahmen, z. B. zur Sensibili-
sierung, wurden im Rahmen des Projekts
bereits umgesetzt.
Das HAP-Köln-Projekt wurde als kommuna-
les Leuchtturmprojekt angelegt und ist auf
andere Kommunen übertragbar. Das wird
auch als Erkenntnis aus den interkommu-
nalen Vernetzungstreffen (Städtedialog Hit-
zeanpassung) hervorgehoben. Ausgehend
vom Städtedialog hat sich ein reger Aus -
tausch mit interessierten Kommunen wie
Mannheim, Düsseldorf und Dresden etab -
liert, die besonderen Wert auf Erfahrungs -
austausch über die im Rahmen des Projekts
bereits umgesetzten Maßnahmen legen.
Aktivierungsmaßnahmen
Die Informationsweitergabe sowie Ver-
breitung von Botschaften mit dem Ziel der
Verhaltensänderung war ein sehr wichtiges
Handlungsfeld des Projekts, welches mittels
verschiedener Medien und Angebote durch -
geführt werden konnte.
Die entwickelten Maßnahmen wurden
ausgerichtet auf:
• Erhöhung des Bewusstseins für die Not-
wendigkeit der Klimawandelanpassung
• Erhöhung der Handlungskompetenz für die
Klimawandelanpassung
• Motivation für die konkrete Umsetzung
angepassten Verhaltens
• Erhöhung der Akzeptanz für das
Anpassungshandeln anderer
150
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.1 Kommunikation
Auf der Grundlage der gewonnenen
Erkenntnisse wurden folgende Aktionen
bzw. Maßnahmen erprobt:
• Etablierung des DWD-Hitzewarnsystems
auf der Internetstartseite der Stadt Köln
• Hitzewarnungen auf den elektronischen
Anzeigetafeln der Kölner Verkehrsbe-
triebe (KVB) an Haltestellen und in den
Fahrzeugen
• Tour der Kölner Band Klabes durch Wohn-
und Pflegeeinrichtungen für ältere Men -
schen mit dem Projekt-Song „Drinke“
• Plakat „11 Hitzetipps“ zum Aushang in
ärztlichen Praxen, Apotheken und anderen
Einrichtungen der Gesundheitsversorgung
• Broschüre Köln-spezifischer Hitzeknigge
• Mega-Light-Kampagne
• Hitze-Portal Köln auf der Webseite der
Stadt Köln. Hier sind alle Informationen
rund um das Thema Klimawandel, Hitze
und Gesundheit für Köln gebündelt.
• Fächer und Trinkflaschen wurden verteilt.
Der Nutzen von Maßnahmen zur Gesund -
heitsvorsorge ist monetär nur sehr schwer
quantifizierbar. Es ist aber nicht zu bezwei-
feln, dass sich jedes gesundheitsbewusste
Handeln des*der Einzelnen, das durch eine
erfolgreiche Sensibilisierungskampagne
ausgelöst wurde, gesundheitlich positiv aus -
wirkt.
Weiter verfeinerte GIS-Analysen (wohnort-
scharf), etwa zu den Wegebeziehungen zur
Erreichbarkeit von öffentlichen Grünflächen,
können zur weiteren Maßnahmenplanung
und Priorisierung genutzt werden. Neben
der Verstetigung ist eine Evaluation der
Maßnahmen sinnvoll, die der Erreichung der
Zielgruppe dienen sollen.
Kommunikation bei akuten Hitze -
ereignissen / Hitzeeinsatzplan
Bei akuten Hitzeereignissen ist es wichtig,
dass alle Betroffenen, die Hilfesysteme
sowie die Unterstützungsstrukturen über
die erforderlichen Präventionsmaßnahmen
informiert sind. Dabei ist die Zuständigkeit
und Verantwortlichkeit vorab festzulegen
und zu definieren, welche Inhalte zu wel-
chem Zeitpunkt einer Hitzeperiode über
welches Medium wem kommuniziert wer-
den sollen.
Diese Festlegungen werden im Hitzeein-
satzplan dokumentiert und bilden für die
Akteur*innen die Grundlage für erforderli -
che Aktionen.
Ein Einsatzplan ist ein auf die speziellen
Auswirkungen eines definierten Krisenfalls
abgestimmter, umfassender Leitfaden für
disziplinübergreifende Maßnahmen und
Vorgehensweisen zum Schutz des gefähr-
deten Objektes (wie z. B. beim Hochwasser-
schutz).
Ein Beispiel für eine entsprechende Kom -
munikationskaskade, hier für alle relevanten
vulnerablen Gruppen, ist in Abbildung 7.2
dargestellt.
An die Bevölkerung ist zu vermitteln, wann
und wo mit einer Hitzewelle zu rechnen
ist, für wen das Risiko hitzebedingter
Gesundheitsschäden besonders hoch
ist und welche Verhaltensanpassungen
von Bedeutung sind. Die hitzebezogenen
Gesundheitsinformationen für die Bevölke-
rung sind adressatengerecht zu erarbeiten
und aktiv zu verbreiten (ggf. mehrsprachig,
senior*innengerecht, über verschiedene
Kommunikationskanäle).
7.1 Kommunikation
151
Abb. 7.2: Beispiel einer möglichen Kommunikationskaskade. Quelle: Hochschule Fulda Public
Health Zentrum Fulda, Arbeitshilfe zur Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplans
für Städte und Kommunen, Juni 2021.
Deutscher Wetterdienst
Beauftragte Stadt
Öffentliche Sicherheit
und Ordnung
Stadt-
entwicklung
Soziales,
Jugend und
Wohnen
Bildung und
Sport
Schulen
Sportvereine
Kindertages -
stätten
Bevölkerungsschutz,
Arbeitskreis aller
Rettungsdienste und
der Polizei
Tourist
Information
Unternehmen
Menschen,
die im Freien
arbeiten
Eltern bzw. KinderObdachloseBevölkerung
allg.
Krankenhäuser
Praxen der
Gesundheits-
berufe
Apotheken
Ambulante
Pflegedienste
Pflegeheime
Chronisch
Kranke,
Beeinträchtigte
Menschen
> 75 Jahre
Frühe Hilfen
Seniorenbeirat
Behinderten -
beirat
Psychiatrie-
Koordination
Obdachlosen -
hilfe
Hitzewarnung, Vorinformation
Informationen über notwendige Maßnahmen
Adressaten in
der Bevölkerung
Gesund heits amt
152
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.1 Kommunikation
7.1 Kommunikation
153
Kölner Hitzeeinsatzplan
Im Rahmen des HAP-Köln-Projekts wurde
ein erster Entwurf für einen Hitzeeinsatz -
plan für Köln erarbeitet. Der Hitzeeinsatz -
plan dient dazu, zunächst möglichst alle
Handelnden in einer Kommune, die sich mit
dem Thema Hitze und Gesundheit befassen,
zu identifizieren und deren unterschied-
liche Zuständigkeiten darzustellen. Auf
dieser Basis vereinbaren die handelnden
Akteur*innen eine aufeinander abgestimmte
und verbindliche Vorgehensweise vor, wäh-
rend und ggf. nach Hitzeereignissen, die
eine optimale Information und Unterstüt-
zung der vulnerablen Bevölkerungsgrup-
pen ermöglicht. Zudem entsteht so eine
Übersicht aller Maßnahmen, einschließlich
zeitlichem Ablauf, Reichweite und Vorberei-
tungszeit, sodass auch fehlende oder ergän -
zend sinnvolle Maßnahmen identifiziert
werden können.
Bei den im Frühjahr 2021 durchgeführten
trisektoralen Akteursworkshops wur-
den gemeinsam mit den verschiedenen
Akteur*innen erste Schritte in Richtung
eines Hitzeeinsatzplans unternommen.
Zunächst ist die Ist-Situation erhoben wor-
den, um bereits bestehende Maßnahmen
für den Hitzeeinsatzplan zusammenzufas -
sen und um weiteren Maßnahmenbedarf zu
identifizieren. Die beteiligten Akteur*innen
teilten zudem mit, wann sie welche Maßnah -
men umsetzen bzw. wie sie zu ihrer Umset-
zung beitragen können. Der so entstandene
Hitzeeinsatzplan legte die grundlegende
Struktur fest.
Um das Netzwerk zu erweitern, sind im
Anschluss insgesamt 75 Akteur*innen ange -
schrieben und gebeten worden, an einer
Umfrage teilzunehmen. 22 ausgefüllte Fra-
gebögen wurden anschließend in den ersten
Hitzeeinsatzplanentwurf eingepflegt.
Alle Akteur*innen haben sich bereit erklärt,
Informationsmaterial wie z. B. den Hitze-
knigge und die DWD-Hitzewarnung an Men-
schen im Alter, Institutionen oder Gewer-
betreibende weiterzugeben. Über 70 % der
Rückmeldungen adressierten die Sensibili -
sierung zum Thema Hitze und Gesundheit
von Menschen 65+ selbst oder des sozialen
Netzwerkes im Viertel (z. B. durch die Infor-
mationsweitergabe an andere Multiplika-
tor*innen wie Kirchen, Apotheken, Vereine,
Angehörige, Nachbar*innen).
Etwas geringer fiel die Bereitschaft der
Akteur*innen aus, sich aktiv zu beteiligen
bei z. B. unterstützenden Diensten bei Hitze
oder Hitzespaziergängen. Der Integration
von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche
wurde von 25 % der Angeschriebenen zuge-
stimmt. Das Deutsche Rote Kreuz Kreis -
verband Köln e.V. (DRK KV Köln e.V.) bietet
beispielsweise im Rahmen der Senior*in-
nenberatung stadtweite Informationen über
unterstützende Dienste und Hitzespazier-
gänge an, die von Senior*innen-Netzwerken
angeboten werden.
154
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.1 Kommunikation
Aktionen/ Maßnahmen
Institutionen/
Multiplikator*innen
Verbreitung von Informationsmaterial
Hitzeknigge, 11 Hitzetipps Poster etc.
Reichweite: stadtweit
Vorbereitungsbeginn: März–April
Aufgabe des Umweltamtes: Erstellt
Infomaterial und verteilt es an
Menschen im Alter und Multiplika -
tor*innen (zur Weiterverbreitung)
Kölner Verkehrsbetriebe KVB
(stadtweit)
Informationsverbreitung
Seniorenkoordination Kalk
Caritasverband für die Stadt Köln e.V./
Runder Tisch Seniorenarbeit
Informationsverbreitung
(Verteiler: Senior*innenarbeit)
KölnerLeben
Zeitung für Senior*innen
Informationsverbreitung,
Artikel zur Hitzeprävention, Werbung
für den Hitzeknigge
SeniorenNetzwerk Kalk
Bürgerverein Köln-Neubrück e.V.
Koordination, inhaltliche Mitarbeit
und Informationsverbreitung auf
Präventionsveranstaltungen
Deutsches Rotes Kreuz
Kreisverband Köln e.V.
Senior*innenarbeit (stadtweit)
Informationsverbreitung und Koordi -
nation (im Rahmen der Beratung zur
Pflege, in der ambulanten Pflege, bei
Kooperationspartnern über die Senio -
renberatung & SeniorenNetzwerke)
Aufbau des Hitzeeinsatzplans
Die Struktur des Hitzeeinsatzplans
für Köln orientiert sich an den von der
WHO empfoh lenen Zeithorizonten:
• Spezielle Maßnahmen während
akuter Hitzewellen
• Schutz während des Sommers /
vorbereitend vor dem Sommer
Horizontal werden Maßnahmen bzw.
Aktionen mit Informationen zur
Reichweite, Vorbereitungsbeginn
und der Aufgabe der koordinierenden
Person bzw. Institution
dargestellt.
Vertikal sind die entsprechenden Institu-
tionen mit Kontaktinformationen aufgeführt.
Aus datenschutztechnischen Gründen
wurden die Namen, Rufnummern und
E-Mail-Adressen der Akteur*innen
für die Darstellung in diesem Bericht
weg ge lassen.
Diese sind nur für den internen Gebrauch
gedacht. Der Hitzeeinsatzplan beinhaltet
konkrete Handlungen der verantwortlichen
Akteur*innen und Multiplikator*innen.
7.1 Kommunikation
155
Aktionen/ Maßnahmen
Institutionen/
Multiplikator*innen
Verbreitung von Informationsmaterial
Hitzeknigge, 11 Hitzetipps Poster etc.
Reichweite: stadtweit
Vorbereitungsbeginn: März–April
Aufgabe des Umweltamtes: Erstellt
Infomaterial und verteilt es an
Menschen im Alter und Multiplika -
tor*innen (zur Weiterverbreitung)
Kölner Verkehrsbetriebe KVB
(stadtweit)
Informationsverbreitung
Seniorenkoordination Kalk
Caritasverband für die Stadt Köln e.V./
Runder Tisch Seniorenarbeit
Informationsverbreitung
(Verteiler: Senior*innenarbeit)
KölnerLeben
Zeitung für Senior*innen
Informationsverbreitung,
Artikel zur Hitzeprävention, Werbung
für den Hitzeknigge
SeniorenNetzwerk Kalk
Bürgerverein Köln-Neubrück e.V.
Koordination, inhaltliche Mitarbeit
und Informationsverbreitung auf
Präventionsveranstaltungen
Deutsches Rotes Kreuz
Kreisverband Köln e.V.
Senior*innenarbeit (stadtweit)
Informationsverbreitung und Koordi -
nation (im Rahmen der Beratung zur
Pflege, in der ambulanten Pflege, bei
Kooperationspartnern über die Senio -
renberatung & SeniorenNetzwerke)
Verbreitung der DWD-Hitzewarnung
Reichweite: stadtweit
Vorbereitungsbeginn: März–April
Aufgabe des Umweltamtes: Verbreitet den
Newsletter des DWD und die Hitzewar -
nung auf verschiedenen Kanälen. Weiter -
leitung der Hitzewarnung vom DWD an
die Akteur*innen
Sammlung von kühlen Standorten
z. B. Schattenplätze, kühle Räume,
Sitzbänke etc .
Reichweite: stadtweit
Vorbereitungsbeginn: fortlaufend
Aufgabe des Umweltamtes: Sammelt kühle
Standorte, Einbindung Hitze-Portal Köln,
Kartendarstellung
Anbieten von Hitzespaziergängen
für eine hitzegerechte Wegeführung
vor der eigenen Haustür.
Reichweite: stadtweit
Vorbereitungsbeginn: März-April
Aufgabe des Umweltamtes: Integration
Hitzespaziergänge in interaktive Karte /
Hitze-Portal Köln, Kartenaufbereitung
Informationsverbreitung (Warnmeldungen
für die dynamischen Fahrgastanzeigen
an den Haltestellen und Ausgabe von
Trinkwasser)
Inhaltliche Mitarbeit
Sitzbänke an oberirdischen Haltestellen
als Rastplätze für ältere Menschen.
Prüfung von U-Bahn-Zwischenebenen als
kurzfristige Schattenplatzspender
/
Informationsverbreitung Informationsverbreitung
(Verteiler: Senior*innenarbeit)
/
/ / Hinweis auf Spaziergänge
Informationsverbreitung Informationsverbreitung, Koordination und
inhaltliche Mitarbeit z.B. beim Erstellen
der Karte
Koordination, inhaltliche Mitarbeit,
gemeinsamer Spaziergang wird
durchgeführt
Informationsverbreitung Koordination (Seniorenkoordination) Informationsverbreitung
z.B. im Rahmen der vorhandenen
Angebote in den SeniorenNetzwerken
Tab. 7.1: Ausschnitt aus dem Hitzeeinsatzplan für Köln
Diese wirken direkt auf die Bevölkerung und
bilden nicht zwingend die in den Maßnah -
menblättern (s. Kapitel 8) beschriebenen
Verantwortlichen ab.
156
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.1 Kommunikation
Zeithorizont „Spezielle Maßnahme während akuter Hitzeperiode“
Beispiel: Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD
Wenn der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung veröffentlicht,
erhält das Umwelt- und Verbraucherschutzamt diese Information
durch den DWD-Newsletter sowie per DWD-WarnWetter-App. Zur
Verbreitung der Information werden im Vorfeld definierte Multiplika-
tor*innen kurzfristig informiert. Die Warnung wird zum Beispiel an
die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) weitergeleitet.
Die Aufgabe der*s Ansprechpartner*in bei der KVB ist es, die War -
nung an die Leitstelle weiterzutragen und den vorbereiteten Text für
die dynamischen Fahrgastanzeigen an Bus- und Bahnhaltestellen
sowie in den KVB-Fahrzeugen freizuschalten. Auf diese Weise
wird die Öffentlichkeit an und in den öffentlichen Verkehrsmitteln
erreicht und zum Beispiel auf ausreichendes Trinken hingewiesen.
Hitzeknigge
Erstellung und Druck der Broschüre Hitzeknigge durch das
Projektteam in Kooperation mit weiteren Akteur*innen
Senior*innen
Newsletter des
Hausärzteverbands VeranstaltungenZeitschrift
„KölnerLeben“
Runder Tisch
Seniorenarbeit
Per Post versenden Verteilen durch
Multiplikator*innen
Auslegen in
ärztlichen Praxen
Direkt verteilen
Abb. 7.3: Schema zur Umsetzung der Maßnahme KE 3.2: Köln-spezifischer Hitzeknigge.
7.1 Kommunikation
157
Zeithorizont „Vorbereitung
vor dem Sommer“
Beispiel: Köln-spezifischer Hitzeknigge
Die Köln-spezifische Broschüre „Hitze-
knigge“ liegt dem Umwelt- und Verbrau-
cherschutzamt sowohl digital als auch in
gedruckter Fassung vor. Sie kann in digitaler
Form jederzeit direkt von Interessierten
vom Hitze-Portal Köln auf der Webseite der
Stadt Köln heruntergeladen werden.
Die gedruckte Fassung wird kurz vor Som -
merbeginn durch verschiedene Medien
beworben und an interessierte Bürger*in-
nen verteilt:
1. Artikel zum Hitzeknigge in der Zeitschrift
Kölner Leben – auf Nachfrage Versand der
Broschüre
2. Information durch das Umwelt- und Ver-
braucherschutzamt beim Runden Tisch
Seniorenarbeit – Anforderung der Bro -
schüre durch Seniorenkoordinator*innen,
SeniorenNetzwerke, Pflegedienste usw.
– Verteilung durch die Multiplikator*innen
an die Zielgruppe auf Festen, Senior*in-
nentreffen, in Pflegeheimen usw.
3. Werbung per Newsletter des Hausärzte -
verbands – auf Nachfrage Versand der
Broschüre an hausärztliche Praxen – Aus -
legen der Broschüren im Wartezimmer
4. Werbung auf Veranstaltungen des
Umwelt- und Verbraucherschutzamtes
(z. B. Klabes-Konzerttour, Abschluss-
veranstaltung) – Verteilen der Bro-
schüre direkt an die Zielgruppe oder an
Multiplikator*innen
Abb. 7.4: Screenshot der Internetseite des Hausärzteverbandes Nordrhein e. V.
158
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.1 Kommunikation
Zeithorizont „Schutz während des Sommers“
Beispiel: Verteilung Poster mit 11 Hitzetipps
Eine weitere Sensibilisierungsmaßnahme, die während der Sommer -
zeit zum Einsatz kommt, sind die Poster mit 11 knapp formulierten
Hitzetipps. Sie können online beim Hitze-Portal Köln herunterge -
laden oder von Mitwirkenden aus sozialen Einrichtungen, Vereinen
sowie Beauftragten aus Wohnungswirtschaft, Gesundheit, ehren-
und hauptamtliche Akteur*innen, zum Beispiel aus Kirchengemein -
den und religiösen Einrichtungen, beim Umwelt- und Verbraucher-
schutzamt als DIN A3-Poster angefordert werden.
Zeithorizont „Schutz während des Sommers“
Beispiel: Sammlung von kühlen Orten, um der Hitze zu entfliehen
Kühle Orte bieten bei hohen Temperaturen bei lang anhaltenden
Hitzewellen einen angenehmen Aufenthalt. Das sind neben Parks,
Wäldern und Grünflächen auch ungewöhnliche Orte. So halten
Kirchen mit ihren dicken Mauern die Hitze draußen, aber auch
klimatisierte Einkaufszentren können einen angenehmen kühlen
Aufenthalt bieten. Ziel ist es, diese heterogenen Orte zu sammeln
und in der interaktiven Karte im Hitze-Portal Köln darzustellen.
Zeithorizont „Schutz während des Sommers“
Beispiel: Anbieten von Hitzespaziergängen für eine hitzegerechte
Wegeführung vor der eigenen Haustür
Einwohnende kennen ihr Veedel am besten. Gemeinsam sollen
Wege gefunden werden, die bei Hitze bevorzugt begangen werden
können. Wege, die Schatten bieten oder eine Trinkmöglichkeit,
werden aufgezeigt.
7.1 Kommunikation
159
Weiterentwicklung des Hitzeeinsatzplans
Als Werkzeug der Zusammenarbeit liegt der Einsatzplan bei allen
beteiligten Akteur*innen und Multiplikator*innen vor und wird im
eigenen Handeln berücksichtigt. Er muss kontinuierlich mit allen
Beteiligten gepflegt und fortgeschrieben werden und setzt eine
kontinuierliche Koordination voraus.
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt übernimmt die Koordinie-
rung des Hitzeeinsatzplans und beobachtet die Umsetzung. Nach
der Evaluation der durchgeführten Maßnahmen können bei jährlich
stattfindenden Workshops die Inhalte diskutiert und gegebenenfalls
fortgeschrieben werden.
Abb. 7.5: Schema zur Umsetzung der Maßnahme KE 3.5: Hitzeeinsatzplan
Fortschreibung des
Hitzeeinsatzplans
Zeitraum:
Winter /Frühjahr
Inkraftsetzung des
aktualisierten
Hitzeeinsatzplans
Zeitraum: Frühjahr
Umsetzung der
Maßnahmen / Aktionen
laut Hitzeeinsatzplan
Zeitraum:
in Hitzeperioden
Evaluierung der
durchgeführten
Maßnahmen / Aktionen
Zeitraum: Herbst
Sammlung von
Informationen
im Workshop mit
Akteur*innen /
Multiplikator*innen
Zeitraum:
Herbst /Winter
Federführung: Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Federführung: Akteur*innen / Multiplikator*innen
160
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
Im Rahmen des Projekts konnten bereits
eine Reihe von Maßnahmen konkret umge-
setzt bzw. erprobt werden. Diese werden,
strukturiert nach den zugrunde liegenden
Kernelementen, im Folgenden kurz darge -
stellt.
Kernelement I: Zentrale Koordinierung
und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Im Kernelement I empfiehlt die WHO die
Einrichtung einer zentralen koordinierenden
Stelle, welche die Aufgabe hat, die behör-
denübergreifende Zusammenarbeit zu orga-
nisieren, ein übergreifendes Netzwerk aller
Beteiligten einzurichten und sicherzustellen,
dass Handelnde identifiziert und Maßnah -
men umgesetzt werden.
Die Stadt Köln plant, ein Klimaanpassungs -
management als zentrale Koordinierungs-
stelle einzurichten, um die Verstetigung der
Projektergebnisse zu gewährleisten und
gleichzeitig eine Ausweitung der Hitzeakti-
onsplanung auf andere vulnerable Gruppen
und die gesamte Bevölkerung zu ermögli-
chen, Maßnahmen umzusetzen und Stake -
holder*innen zu benennen.
Netzwerke zur interdisziplinären Zusam-
menarbeit sind auf verschiedenen Ebenen
aufgebaut worden. Einerseits wurde ein
Stakeholder*innen-Netzwerk initiiert, das
externe Akteur*innen (u. a. Ärzt*innen, Pfle -
gedienste, Seniorenvertreter*innen, Sozi-
alraumkoordinator*innen) mit den Ämtern
der Stadt Köln vernetzt. Die Durchführung
von interdisziplinären Workshops diente der
gemeinsamen Analyse der Ist-Situation, der
Prozessanalyse und der Konzeption von ziel-
gruppengerechten Maßnahmen.
Auch die Umsetzung von Maßnahmen
wurde eingeleitet. Wichtig war dabei die
Möglichkeit der Integration in vorhandene
Strukturen und Netzwerke. Zudem wurden
mit allen Akteur*innen die Prozesse erfasst,
die zur Erstellung eines Hitzeeinsatzplanes
für die Stadt Köln bedeutsam sind.
Über die Stadt Köln hinaus wurde mit dem
Format des Städtedialoges ein interkom-
munales Netzwerk etabliert, um für einen
Wissenstransfer über kommunale Grenzen
hinweg nötige Strukturen zu schaffen.
Kernelement II: Nutzung eines
Hitzewarnsystems
Die WHO empfiehlt die Nutzung eines vali -
den Hitzewarnsystems. In Deutschland wird
ein entsprechendes Warnsystem vom Deut-
schen Wetterdienst (DWD) betrieben und ist
seit mehr als zehn Jahren etabliert. In den
BMU-Handlungsempfehlungen (2017) wird
angeregt, Hitzeaktionspläne auf Basis des
Hitzewarnsystems des DWD zu entwickeln.
Das Kernelement II hatte im vorliegenden
Projekt eine hohe Bedeutung, da die Hit-
zewarnung ein wichtiger Auslöser bei den
Akteur*innen und Multiplikator*innen zur
Maßnahmenumsetzung ist und gleichzeitig
die Bevölkerung und die Zielgruppe direkt
gewarnt und sensibilisiert werden.
Auf der Internetstartseite der Stadt Köln
erscheint automatisiert die Hitzewarnung
des Deutschen Wetterdienstes (DWD),
wenn für mindestens zwei Tage in Folge
eine hohe Wärmebelastung erwartet wird.
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
161
Projektbegleitend ist das Hitze-Portal Köln
eingerichtet worden, um gebündelt Infor-
mationen zum Thema Hitze in der Stadt
und deren gesundheitlichen Auswirkun-
gen sowie Verhaltenstipps bereitzustellen.
Gleichzeitig werden die verschiedenen
Akteur*innen und die Bevölkerung über
Newsletter und das Hitze-Portal angeregt,
sich für die automatisierten Hitzewarnungen
des DWD anzumelden.
Zudem erscheint die Hitzewarnung auch auf
den elektronischen Anzeigetafeln der Köl-
ner Verkehrsbetriebe an allen Haltestellen
sowie in Bussen und Straßenbahnen und
informiert die Fahrgäste mit dem folgenden
Text: „Achtung Hitzewarnstufe 1 * Bitte trin-
ken Sie ausreichend Wasser und meiden die
Sonne“. Diese Maßnahme wurde auch im
Sommer 2022 mit dem Text „Achtung Hitze!
Trinkt ausreichend Wasser und meidet die
Sonne! Weitere Infos und Maßnahmen zur
Abkühlung: www.stadt-koeln.de/hitzeportal“
durchgeführt.
Abb. 7.6: Internetstartseite der Stadt Köln
mit Hitzewarnung vom 18.07.2022.
162
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
Kernelement III: Information und Kommunikation
Die WHO empfiehlt die Erstellung und Kommunikation von hitze-
bezogenen Gesundheitsinformationen für die Bevölkerung. Diese
sollen zielgruppengerecht sein und den zeitlichen Ereignishorizont
berücksichtigen. Im Projekt wurden verschiedene Medien einge -
setzt, um die Zielgruppe zu erreichen. Gleichzeitig sind die Maß -
nahmen in den zeitlichen Kontext gesetzt worden. Die Kommunika -
tionsinhalte sowie die Kommunikationswege wurden gemeinsam
mit dem Stakeholder*innen-Netzwerk im Rahmen von drei durch -
geführten Akteursworkshops erarbeitet.
Eine Maßnahme zur Sensibilisierung der Zielgruppe während aku-
ter Hitzeperioden ist der Song „Drinke“, produziert von der Kölner
Liedermacher-Formation Klabes. Der Song vermittelt in kölschem
Dialekt einfache Maßnahmen bei Hitzeereignissen zur Gesundheits -
prävention, wie das ausreichende Trinken.
Abb. 7.7: Hitzewarnung auf einer elektronischen Anzeigetafel an einer Stadtbahn-Haltestelle
der KVB im Sommer 2022
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
163
Der Dialekt erleichtert den Zugang zur Zielgruppe und regt auf
unterhaltsame und amüsante Art Verhaltensmaßnahmen an.
Zusammen mit Auszubildenden der Stadt Köln wurde außerdem
ein Musikvideo zu diesem Projektsong produziert. Das Video wurde
auf allen gängigen Plattformen veröffentlicht und ist auch im städti -
schen Hitze-Portal abrufbar.
Der Film mit dem Projektsong in kölscher Sprache bietet einen nie -
derschwelligen Zugang zum Thema gesundheitlicher Schutzmaß -
nahmen gerade für Menschen im Alter, die in Köln aufgewachsen
sind und so den Zugang zur Mundart haben. Auch der musikalische
Ansatz ist eine Möglichkeit, Menschen z. B. mit Demenz besser zu
erreichen. Im Juli 2021 ging die kölsche Band Klabes in Begleitung
des Projektteams mit dem Song „Drinke“ auf Tour durch fünf Kölner
Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Senior*innen.
Abb. 7.8: Die Kölner Band Klabes. Standbild aus der
Produktion des Videoclips.
Abb. 7.9: Klabes-Tour durch Kölner
Senior*inneneinrichtungen im Sommer 2021.
www.youtube.com/
watch?v=n7O68J4oqTI
164
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
Ziel dieser Öffentlichkeitsmaßnahme war es,
Menschen über 65 Jahren in kölscher Spra -
che über Maßnahmen zum Schutz vor som -
merlicher Hitze und zunehmenden Hitzewel-
len zu informieren. Die Auftaktveranstaltung
fand im Festsaal der Sozial-Betriebe-Köln
(SBK) in Riehl statt, gefolgt von weiteren
Einrichtungen in Blumenberg, Ehrenfeld und
Porz. Neben wichtigen Hitzetipps und dem
Song Drinke gab das Trio jeweils ein knapp
einstündiges Konzert. Das Publikum genoss
in guter Stimmung die Musik bei nicht zu
heißen Temperaturen, teils unter freiem
Himmel.
Der vom Umweltbundesamt (UBA) zur
Verfügung gestellte Hitzeknigge ist eine
Broschüre zur Sensibilisierung der Bevöl-
kerung bei Hitzeereignissen. Die Broschüre
wurde erweitert und auf lokale Bedürfnisse
angepasst. Die zahlreichen Tipps und Hin -
weise für den Alltag im Sommer wurden
mit lokalen Informationen für die Stadt Köln
zielgruppengerecht gebündelt.
Diese speziell für die Stadt Köln bereit-
gestellten Informationen und Angebote
sind in Kooperation mit lokalen Kölner
Akteur*innen und Institutionen zusam-
mengestellt worden und unterstützen die
Sensibilisierungsarbeit. So bietet der Kölner
Hitzeknigge neben Beratungsangeboten für
Menschen im Alter, Informationen zu öffent-
lichen Trinkmöglichkeiten und Toiletten in
Köln auch Hinweise zur Medikamentenein-
nahme sowie wertvolle Tipps zum richtigen
Verhalten bei Hitze.
Der Köln-spezifische Hitzeknigge ist nicht
nur im Hitze-Portal abrufbar, sondern
wird auch in gedruckter Form direkt an
Menschen 65+ oder bei Stadtteilfesten
durch Multiplikator*innen verteilt. Derzeit
wird bereits die dritte Auflage (insgesamt
6.000 Stück) des Hitzeknigge gedruckt,
der somit sehr gut angenommen wird.
Abb. 7.10: Titelseite des Kölner Hitzeknigge (2021)
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
165
11 Hitzetipps
Das gedruckte Plakat mit 11 Hitzetipps wurde für den Aushang in
Wartezimmern von ärztlichen Praxen oder in Apotheken konzipiert.
Die Kernbotschaft „Spitze bei Hitze“ erzeugt einen Wiedererken -
nungswert und bringt die Inhalte in kurzer prägnanter Form auf den
Punkt. Die Beschränkung auf 11 Hitzetipps dient der Übersichtlich-
keit und Eingängigkeit.
Abb. 7.11:
Plakat mit 11 Tipps
zum richtigen Verhalten
bei Hitze.
166
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
Mega-Light-Kampagne
Die Mega-Light-Kampagne hat eine hohe
Reichweite und ist auf die Gesamtbevöl-
kerung ausgerichtet. Sie kommuniziert
das Thema breit in die Bevölkerung und zu
Multipli kator*innen. Auch hier konnte die
Kernbotschaft den Wiedererkennungseffekt
steigern.
Hitze-Portal Köln
Das Hitze-Portal Köln bündelt alle Infor-
mationen zu sommerlichen Hitzeereignissen,
Klimawandelanpassung und gesundheit-
lichen Präventionsmaßnahmen.
Abb. 7.12: Mega-Light-Kampagne im Sommer 2022.
www.stadt-koeln.de/
hitzeportal Abb. 7.13: Das Hitze-Portal, Screenshot.
Das Hitze-Portal Köln bietet unter schiedliche
Informationen an und bündelt diese an einer Stelle.
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
167
Basisinformationen:
Stadtklimatische Grundlagen; wie entwi -
ckelt sich der Klimawandel in Köln; wie ist
das Kaltluftgeschehen; Projektinformatio -
nen zum Hitzeaktionsplan.
Verhaltenstipps:
Temperaturen um oder über 30 °C über
mehrere Tage belasten viele Menschen und
schränken die Leistungsfähigkeit ein. 11 Hit-
zetipps und der Kölner Hitzeknigge dienen
als Vorbereitung für die nächste Hitzewelle.
Warnstufen:
Der Deutsche Wetterdienst warnt mit einem
zweistufigen System in den Sommermona -
ten vor Hitze, wenn eine bestimmte Tem-
peraturschwelle überschritten wird. Hier
wird beschrieben, welche Warnstufen bei
Hitze ereignissen veröffentlicht werden und
welche Warnmedien und Informationen
der DWD bereitstellt.
Auswirkungen von Hitze auf
die Gesundheit:
Hier wird beschrieben, wer bei Hitze beson -
ders gefährdet ist und welche gesundheit-
lichen Auswirkungen Hitze hat.
Wasser und Trinken:
Trinken ist bei Hitze eine wichtige Maß-
nahme. Eine interaktive Karte zeigt die
Kölner Trinkbrunnen und die hitzebelasteten
Stadtteile auf.
Abkühlung bei Hitze in Badeseen und
Schwimmbädern.
Kernelement IV: Reduzierung
von Hitze in Innenräumen
Die WHO empfiehlt die Reduzierung der
Hitze in Innenräumen, um durch kurz- oder
mittelfristige Maßnahmen den Anstieg der
Innenraumtemperatur bei extremer Hitze zu
bremsen.
Dieses Kernelement zielt auf technische
bzw. bauliche Maßnahmen wie z. B. außen-
liegende Verschattungen ab. Hier ist der
Handlungsrahmen der Kommune einge-
schränkt, da die Umsetzung in der Verant-
wortung der Hauseigentümer*innen bzw.
der Immobilienwirtschaft liegt. Möglich sind
Informationskampagnen und Stakeholder-
Dialoge, unter anderem mit Wohnungsbau-
gesellschaften, oder Förderprogramme,
die einen Anreiz zur Umsetzung hitzeredu-
zierender Maßnahmen setzen können. Die
Kommune kann beispielhaft und vorbildlich
Maßnahmen an ihren eigenen Gebäuden
umsetzen.
Kernelement V: Besondere
Beachtung von Risikogruppen
Die WHO empfiehlt die besondere Betrach -
tung von vulnerablen Risikogruppen. Mit
dem vorliegenden Projekt hat die Stadt Köln
einen ersten Baustein für einen umfassen -
den Hitzeaktionsplan entwickelt. Dieser
setzt die Menschen im Alter in den Fokus.
Weitere Gruppen sollten im Zuge der Ver-
stetigung des Hitzeaktionsplans berücksich -
tigt werden. Hier sind auch weitere Multi-
plikator*innen einzubinden.
168
7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
Kernelement VI: Vorbereitung der
Gesundheits- und Sozialsysteme
Die WHO-Empfehlungen in diesem Kern-
element richten sich an die Gesundheits-
und Sozialsysteme. Diese sollen durch
Aus- und Fortbildungen wichtige Inhalte
zu adäquatem Handeln erlangen. Im Rah -
men des Projekts konnten Stakeholder aus
den Bereichen Gesundheit und Soziales
erreicht und aktiviert werden. Die Einbin -
dung wurde einerseits durch die Akteurs -
workshops sichergestellt, aber auch durch
die konti nuierliche Information über einen
Rundbrief. Zudem wurden Grundlagen
für den Einbezug von Hitze in Forschung
und Lehre erarbeitet.
Kernelement VII: Langfristige
Stadtplanung und Bauwesen
Die WHO beschreibt mit diesem Kernele -
ment die Notwendigkeit der langfristig
ausgerichteten Maßnahmen im Themenfeld
Stadtentwicklung und Stadtplanung.
In beiden Themenfeldern liegen kommunale
Kernkompetenzen, um eine klimawandel-
gerechte Gestaltung etwa von Neubau-
gebieten für die Zukunft zu gewährleisten.
Somit ist die Einbindung des Themenfeldes
Stadtklima, Klimawandelanpassung, Hit -
zeentwicklung in das Bauleitplanverfahren
ein wichtiger langfristiger Baustein im
Gesamtkontext.
Zu klären ist hier, welche Maßnahmen über
Festsetzungen in Bebauungsplänen reali -
siert werden können. Die Festlegung von
verbindlichen Vorgaben für den Hitzeschutz
in Planungsverfahren erfordert eine inten -
sive Vorbereitung und Abstimmung.
Zudem setzt sie einen stadtentwicklungs -
politischen Willen voraus, da die Vorgaben
bei Investor*innen als Einschränkung emp-
funden werden können.
Gleiches gilt für die Einbindung in Ziel-
setzungen der Stadtentwicklung. Diese
Einbindung erfolgt in der Stadt Köln durch
das Umwelt- und Verbraucherschutzamt.
Maßnahmen im Bestand sind durch das
Fehlen eines formellen Beteiligungs ver-
fahren, bei dem alle Träger öffentlicher
Belange gehört und eingebunden werden,
schwierig zu realisieren. Dies gilt besonders
für Maßnahmen, die stadtweit umgesetzt
werden sollen.
Neben der reinen Stadtplanung sollten in
dieses Kernelement auch weitere bauliche
Maßnahmen zur Minderung von Hitze zuge-
ordnet werden. Zur Kühlung von Hitzehot-
spots im Bestand, also auf Stadtplätzen
oder in Straßen, kann Wasser eingesetzt
werden. Die Stadt Köln arbeitet an der
Entwicklung eines stadtweiten Konzepts (s.
KE 3.8, Kühlung öffentlicher Plätze mit Was-
ser). Im Sommer 2022 wurde ein Pilotver-
such durchgeführt, bei dem ein mit Düsen
ver sehener Feuerwehrschlauch auf einem
Innenstadtplatz getestet wurde.
Dabei wurden die technischen Voraus-
setzungen ebenso geprüft wie die Hand -
habung, der Personaleinsatz und das
Nutzer*innenverhalten in einer Umfrage.
An diesem heißen Tag herrschten Tem-
peraturen von etwa 35 °C.
7.2 Kernelemente und Maßnahmen
169
Rund 90 Prozent der Befragten haben das
Angebot sehr positiv bewertet und ange -
geben, eine deutliche Abkühlung zu spüren.
Sie wünschten sich eine Wiederholung.
Nicht nur Kinder haben sich in dem Wasser-
nebel aufgehalten. Gerade am Nachmittag
waren Menschen aller Altersgruppen vor
Ort, die sich abgekühlt haben.
Die Ergebnisse der Pilotierung müssen noch
weiter ausgewertet und für eine stadtweite
Konzeption angepasst werden. Hier sind
auch bauliche Änderungen der Plätze mit
einzuplanen (u. a. Hydranten-Anschluss,
Platzbelag und Gefälle).
Kernelement VIII: Monitoring und
Evaluation der Maßnahmen
Die WHO empfiehlt eine zeitnahe epidemio -
logische Beobachtung und die Evaluation
der Hitzeschutzmaßnahmen.
Die empfohlenen Monitoringsysteme sind
nachgeschaltet, um die Wirksamkeit von
Maßnahmen zu prüfen und zu dokumentie-
ren. Im Zuge der Verstetigung der Ergeb-
nisse des Projekts sollen geeignete und
messbare Indikatoren entwickelt werden.
Fraglich ist derzeit allerdings, ob und wie
das komplexe Wirkgefüge der durchgeführ-
ten Maßnahmen in einer Großstadt mit Indi -
katoren abgebildet werden kann. Auch die
Datenverfügbarkeit ist zu klären.
Abb. 7.14: Cooling Cologne, Pilotierung zur Kühlung mit Wasser, Sommer 2022. Foto Stadt Köln 2022
8. Maßnahmenkatalog
172
8. Maßnahmenkatalog
Im Zuge des HAP-Köln-Projekts wurden mögliche Maßnahmen zum
Schutz der Bevölkerung gegen Hitze identifiziert und in einer Maß -
nahmenübersicht in Anlehnung an die acht Kernelemente der WHO
für Hitzeaktionspläne strukturiert beschrieben. Jede Einzelmaß -
nahme wird in einem Steckbrief detailliert dargestellt.
Neben einer allgemeinen Beschreibung der Maßnahme werden der
Umsetzungszeithorizont, die Reichweite, der Kostenrahmen (soweit
einschätzbar), Hemmnisse sowie lokale Kölner Besonderheiten
beschrieben. Der Maßnahmenkatalog soll auch interessierten Kom -
munen die Möglichkeit eröffnen, Impulse für die eigene Maßnah -
menentwicklung aufzugreifen.
WHO-Kernelement Kategorie Maßnahme Seite
Kernelement I
Zentrale Koordinierung
und interdisziplinäre
Zusammenarbeit
KE 1.1 Klimaanpassungsmanagement (KAM) 174–175
KE 1.2 Trisektorale Vernetzung 176
KE 1.3 Interkommunale Vernetzung 177
Kernelement II
Nutzung eines
Hitzewarnsystems
KE 2.1 Verbreitung des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“
und „UV-Warnung“ 178–179
KE 2.2 Verbreitung der App Luftwarnung (UBA) für erhöhte
bodennahe Ozonwerte 180–181
KE 2.3 Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD 181–182
Kernelement III
Information und
Kommunikation
KE 3.1 Interaktive Erfrischungskarte 183
KE 3.2 Köln-spezifischer Hitzeknigge 184–186
KE 3.3 Lebensmittel Trinkwasser 187–188
KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne 188–190
KE 3.5 Hitzeeinsatzplan 191
KE 3.6 Pressearbeit und Veröffentlichungen 192
KE 3.7 Projektsong „Drinke“ mit Imagefilm 193
KE 3.8 Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser 194–195
173
WHO-Kernelement Kategorie Maßnahme Seite
Kernelement IV
Reduzierung von Hitze
in Innenräumen
KE 4.1 Förderung von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen
an Wohngebäuden 196
KE 4.2 Informationskampagne zur Kühlung von Innenräumen 197
Kernelement V
Besondere Beachtung von
Risikogruppen
KE 5.1 Telefonische Beratungsmöglichkeiten während der Hitzepe -
riode 198–199
KE 5.2 Vulnerabilitätsanalyse 199
KE 5.3 Zielgruppengerechte Informationsmaterialien 200
KE 5.4 Manual zum Selbst-Check 201
KE 5.5 Unterstützende Dienste bei Hitze anbieten & Integration
von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche 202–203
KE 5.6 Auswertung Wegebeziehungen / Erreichbarkeiten 204
Kernelement VI
Vorbereitung der Gesund-
heits- und Sozialsysteme
KE 6.1
Zusammenstellen von
Ausbildungsunterlagen für medizinisches
Personal und Apothekenpersonal
205
KE 6.2 Einbezug von Hitze in Forschung und Lehre 206
KE 6.3 Durchführen von Schulungen zur
Sensibilisierung von Multiplikator*innen 207
KE 6.4 Verstärkte Berücksichtigung sommerlicher Hitzeereignisse
im Qualitätsmanagement der Pflegeeinrichtungen 208
KE 6.5 Etablierung von Hitzesprechstunden bei Ärzt*innen 209
Kernelement VII
Langfristige Stadtplanung
und Bauwesen
KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die
Bauleitplanung 210–212
KE 7.2 Ausbildungsunterlagen für Architekt*innen und Stadtpla -
ner*innen 213
KE 7.3 Satzung zur Begrünung und Bepflanzung von
Vorgärten zur Hitzeminderung 214–215
Kernelement VIII
Monitoring und Eval uation
der Maßnahmen
KE 8.1 Evaluation der durchgeführten Maßnahmen des
Hitzeaktionsplans 216–217
Tab. 8.1: Übersicht über die Maßnahmen-Steckbriefe
174
8. Maßnahmenkatalog
8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
KE 1.1 Klimaanpassungsmanagement (KAM)
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Organisation der Arbeitsstruktur
Beschreibung
Das Thema Klimawandelanpassung hat aufgrund des fortschreitenden Klimawandels im
kommunalen Handeln an Bedeutung gewonnen und ist auch auf Bundes- und Landesebene in
den Fokus gerückt. Dies zeigt sich unter anderem durch eine Vielzahl von Förderprogrammen
auf Bundesebene im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS), aber auch auf NRW-
Landesebene mit dem seit dem 1. Juli 2021 beschlossenen Klimaanpassungsgesetz NRW
und der damit verbundenen 15-Punkte-Offensive. Das Landesgesetz bestärkt die Aktivitäten
zur Klimawandelanpassung und versteht diese als Querschnittsaufgabe in den planerischen,
gesundheitlichen und sozialen Handlungsfeldern der Kommunen.
Auch der Bund sieht die Notwendigkeit einer zentralen Steuerung der Anpassungsmaßnahmen in
Form eines Klimaanpassungsmanagements. So wurde neben der Entwicklung von Klimawandel-
Anpassungskonzepten in Kommunen der Einsatz von Klimaanpassungsmanager*innen zur
Konzepterstellung und Umsetzung gefördert.
Ziel der Maßnahme
Das Klimaanpassungsmanagement ist ein zentraler Anlaufpunkt zu den verschiedenen Themen
der Klimawandelanpassung für Verwaltung, Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Bevölke -
rung.
Der ganzheitliche Ansatz erfordert die Betrachtung aller gesamtstädtischen Zusammenhänge
und Querschnittsfragen. Die zentrale Koordination strukturiert, vereinheitlicht und kommuni -
ziert den Prozess und treibt die Umsetzung von Maßnahmen voran. Aufgrund der Vielzahl der
beteiligten Akteur*innen mit vielfältigen Strukturen ist die Vereinbarung einer abgestimmten
Vorgehensweise auf Basis der ermittelten Grundlagendaten eine wichtige Voraussetzung.
Es werden Prioritäten aufgrund vorhandener wissenschaftlicher Erkenntnisse gesetzt, Synergi -
en erkannt und Zielkonflikte gemeinsam mit den Akteur*innen gelöst sowie die Umsetzung von
Anpassungsmaßnahmen strukturiert.
8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
175
KE 1.1 Klimaanpassungsmanagement (KAM)
Stadt Köln
Klimaanpassungsmanagement (KAM) als zentrale Koordination
Die Entwicklung und Umsetzung von Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen als Grundlage für
die resiliente Stadt der Zukunft ist in einer Großstadt wie Köln besonders in den Bereichen Stark -
regenvorsorge und Hitzeprävention voranzutreiben. Aufbauend auf die Studie „Klimawandel -
gerechte Metropole Köln“ liegt der Fokus in Köln jetzt auf einer Umsetzungsstrategie.
Das Themenfeld Hitze in der Stadt und die Hitzeaktionsplanung sind Querschnittsaufgaben
der Stadtverwaltung und betreffen viele Fachressorts und Disziplinen. Da die Bearbeitung
der Aufgabe ein koordiniertes Zusammenarbeiten aller relevanten Fachämter sowie externer
Akteur*innen erfordert, plant das Umwelt- und Verbraucherschutzamt die Einrichtung einer
zentralen Koordinationsstelle mit einer auskömmlichen personellen Ausstattung.
Folgende Aufgaben sollen wahrgenommen werden:
• die strategische Ausrichtung und Fortentwicklung des gesamtstädtischen Klimawandelanpas -
sungsprozesses,
• die Initiierung und ressortübergreifende, interdisziplinäre, gesamtstädtische, prozessorientierte
Koordinierung von Klimawandelanpassungsprojekten,
• die Vernetzung mit und Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteur*innen zur Erreichung
der städtischen Anpassungsziele,
• (Fördermittel-) Beratung,
• Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
• verwaltungsinterne und externe Kommunikation,
• Projektleitung Hitzeaktionsplan,
• Geschäftsführung Arbeitskreis Klimawandelanpassung, gemeinsam mit den Stadtentwässe -
rungsbetrieben (StEB) Köln,
• Vertretung in Arbeitskreisen und regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken.
Das KAM soll als zentraler Anlaufpunkt zu den Themen Klimawandelanpassung und Hitzeak -
tionsplan für Verwaltung, Politik, Unternehmen, Wissenschaft, stadtnahe Beteiligungen und
Bevölkerung dienen.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt-und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
In Köln bedingt die Größe der Verwaltung eine Zusammenarbeit von vielen Dienststellen. Diese
führen die Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen im Rahmen ihrer originären Aufga -
benwahrnehmung durch und benötigen hierfür gegebenenfalls zusätzliche Ressourcen. Zudem
muss zunächst ein gemeinsames Verständnis für die Notwendigkeit von Anpassungsmaß -
nahmen und deren Koordination geschaffen werden. Die Umsetzung von teilweise komplexen
Anpassungsmaßnahmen erfordert neue Routinen der Zusammenarbeit, die noch geschaffen
werden müssen.
Kosten Personalkosten und Sachkosten (hoch)
Verstetigung Fortlaufende Finanzierung muss gegeben sein.
Weitere Infos
Das zentrale Klimaanpassungsmanagement ist auch in anderen Kommunen ein aktuelles The -
menfeld.
Regensburg: Der Klimaanpassungsmanager wurde als Stabsstelle im Büro des Bürgermeisters
angesiedelt, um die Bedeutung der Aufgabe hervorzuheben und eine thematisch übergreifende
Zusammenarbeit mit den Fachämtern zu erleichtern.
Münster und Bremen: Das Anpassungsmanagement wurde im Umweltressort implementiert.
Düsseldorf: Düsseldorf stattet die vorhandenen Stellen mit weiteren Ressourcen aus und richtet
zukünftig ein eigenes Sachgebiet im Umweltamt ein.
Hamburg: Die Stabsstelle Klimafolgenanpassung/RISA koordiniert die Aktivitäten zur Anpas -
sung an die Folgen des Klimawandels und fungiert als Leitstelle für die Umsetzung des Prozesses
zur Regeninfrastrukturanpassung.
Frankfurt am Main: Die Bildung eines eigenen Referates für Klimawandelanpassung ist geplant.
Bonn, Dortmund, Leverkusen, Neuss, Solingen und Remscheid: Das Themenfeld wurde jeweils
mit unterschiedlichen Schwerpunkten besetzt.
176
8. Maßnahmenkatalog
8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
KE 1.2 Trisektorale Vernetzung
Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite gezielt (Akteur*innen und Multiplikator*innen)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
verschiedene Ämter, Apotheken, Ärzt*innen, Pflegedienste, Sozialraum- und Seniorenkoor -
dinator*innen, Seniorenberater*innen, Netzwerke, aufsuchende Hilfe, Feuerwehr, Verbraucher -
zentrale, Bäckereien etc.
Beschreibung
Eine erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung zielgruppengerechter Maßnahmen zur Minderung
gesundheitlicher Folgen von Hitzeereignissen ist nur durch die Zusammenarbeit aller Akteur*in -
nen einer Stadtgesellschaft möglich. Die trisektorale Vernetzung dient dazu, entsprechende Mul -
tiplikator*innen und Akteur*innen im Zusammenhang mit Hitze und Gesundheit zu identifizieren,
sich auszutauschen und zu vernetzen. Dies kann durch regelmäßig stattfindende Akteurswork -
shops, Arbeitskreise oder Runde Tische erfolgen. Multiplikator*innen in relevanten Institutio -
nen oder Vereinigungen bzw. im Gesundheitswesen zu identifizieren hilft dabei, anschließend
Informationsmaterial und Botschaften an die Zielgruppen weiterzugeben. Der Austausch mit
verschiedenen Akteur*innen hilft, bereits bestehende Strukturen zu erkennen und zu nutzen,
und erleichtert die Zusammenarbeit untereinander.
Ziel der Maßnahme
• Einbindung der Akteur*innen in den Hitzeaktionsplan
• Schaffen einer gemeinsamen Arbeitsplattform
• Identifizieren von Multiplikator*innen
• Etablieren eines gemeinsamen Hitzeeinsatzplans
Stadt Köln
Zum Projektbeginn wurde ein gemeinsamer Fachworkshop (Kick-off-Meeting) mit ins gesamt 37
Teilnehmenden durchgeführt. Eine weitere Einbindung der fach- und handlungs kompetenten Ak -
teur*innen in Köln fand im Frühjahr 2021 im Rahmen von drei Workshops statt, in denen in einem
intensiven fachlichen Austausch verschiedene Inhalte erarbeitet wurden. Unter den ungefähr 20
Beteiligten auf operativer Ebene waren verschiedene Akteur*innen aus den Bereichen Stadt -
verwaltung und Stadtwerke Köln, Wissenschaft, Ärzteschaft, Seniorenvertretung und weiteren
zivilgesellschaftlichen Netzwerken vertreten. Per Videokonferenz sind gemeinsam relevante
Prozesse sowie nützliche Informationen erfasst worden, die zur Erstellung des Hitzeeinsatz -
planes für die Stadt Köln und des Köln-spezifischen „Hitzeknigge“ bedeutsam sind. Es wurde
analysiert, wie Maßnahmen zur Hitzeprävention umgesetzt und in die tägliche Arbeit integriert
werden können.
Weitere trisektorale Vernetzungstreffen fanden 2021 und 2022 bei den sogenannten Runden
Tischen für Seniorenarbeit in den einzelnen Stadtbezirken statt. Dort wurde das Projekt vor -
gestellt, das Thema Hitze und Gesundheit angesprochen und entsprechendes Informations -
material an die Multiplikator*innen verteilt.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Seniorenkoordinator*innen der einzelnen Stadtbezirke
Hemmnisse/
Störfaktoren
Datenschutz
Kosten Ggf. Kosten für Agenturbeauftragung, Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) (hoch)
Verstetigung
Durch die Etablierung eines regelmäßigen ‚Runden Tisches-Hitzeaktionsplan‘ soll das geknüpfte
Netzwerk weitergeführt werden. Dieses Gremium, das aus den wesentlichen Akteur*innen der
Ver waltung, des Gesundheitswesens sowie Vertreter*innen der Zielgruppe zusammengesetzt ist,
soll die weitere Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen begleiten. Ziel ist, eine Arbeits -
struktur zu schaffen, die sowohl die fachlich-wissenschaftliche Beschreibung von Maßnahmen
zum Inhalt hat als auch die konkrete Umsetzung in den jeweiligen Zuständigkeitsbereichen
abstimmt und vorantreibt. Dieser Arbeitskreis soll vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt
der Stadt Köln organisiert und koordiniert werden.
Der Runde Tisch Seniorenarbeit findet vierteljährlich statt. Jedes Jahr im Frühjahr sollen die
Multiplikator*innen aktuelles Informationsmaterial zur Weiterleitung an die Zielgruppe erhalten.
Weitere Infos Ergebnisse Akteursworkshops siehe Kapitel 6.5
8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
177
KE 1.3 Interkommunale Vernetzung
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite bundesweit
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
gezielt (Umwelt- und Gesundheitsämter anderer Städte, Expert*innen für Hitze und Gesundheit)
Beschreibung
Im Rahmen eines interkommunalen Erfahrungsaustausches werden die Auswirkungen des Kli -
mawandels im urbanen Raum mit anderen Städten diskutiert. Bei den jeweiligen Treffen können
verschiedene Schwerpunkte, wie z. B. die Erstellung von Einsatzplänen, thematisiert werden.
Mögliche Maßnahmen zur Verminderung der gesundheitlichen Risiken in Hitzeperioden werden
bewertet, Chancen und Hindernisse diskutiert sowie wichtige Akteur*innen identifiziert.
Die Kommunen stellen ihre aktuellen und geplanten Aktivitäten zur Hitzeanpassung dar und tei -
len ihre Erfahrungen. Best-Practice-Bespiele können dazu dienen, von den Erfahrungen anderer
Städte zu profitieren.
Ziel der Maßnahme
Vernetzung und gegenseitiger kommunaler Informationsaustausch zum Thema Hitze und Ge -
sundheit/Hitzeaktionsplanung. Ziel ist ein offener Austausch auf Augenhöhe, der regelmäßig
stattfindet. Einen Vorteil bieten hierzu Online-Videokonferenzen.
Stadt Köln
Der Städtedialog Hitzeanpassung wurde im Rahmen des Projekts ins Leben gerufen. Das erste
Treffen fand am 23. September 2020 mit den Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main,
München, Neuss und Köln statt. Am 16.09.2021 wurde das zweite Treffen mit 18 Kommunen (44
Teilnehmenden) durchgeführt. Vorgetragen haben neben der Stadt Köln die Städte Wien sowie
Dresden und Erfurt.
Anzusprechende
Partner*innen
Kommunen (Umwelt- und Gesundheitsämter)
Hemmnisse/
Störfaktoren
keine
Kosten Bindung von personellen Ressourcen der ausrichtenden Kommune; externe Moderation des
Städtedialogs empfehlenswert (mittel)
Verstetigung
Aufgrund des großen Interesses und der guten Resonanz soll das Format „Städtedialog Hitze -
anpassung“ mit rotierender Organisation in regelmäßigen Abständen (z. B. jährlich im Frühjahr)
fortgeführt werden. Das nächste kommunale Vernetzungstreffen wird von der Stadt Dresden
und Erfurt im Herbst 2022 ausgeführt und vom Projektteam unterstützt.
Weitere Infos Ergebnisse Städtedialog 2020 + 2021 (siehe Kapitel 6.5)
178
8. Maßnahmenkatalog
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems
KE 2.1 Verbreitung des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“
Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit; gezielt für Multiplikator*innen u. Akteur*innen
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung sowie Multiplikator*innen für die Verbreitung des Newsletters
Beschreibung
Wer den Newsletter des Deutschen Wetterdienstes abonniert hat, erhält die Hitzewarnungen
sowie UV-Warnungen per Mail zugeschickt. Um eine möglichst weite Verbreitung der Hitze -
warnung zu erreichen, soll der Newsletter bei der Bevölkerung wie auch bei verschiedenen Multi -
plikator*innen durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen beworben werden. Hierzu
gehören Stadt- und Seniorenfeste sowie die Veröffentlichung in unterschiedlichen Medien, wie
Zeitungsartikel, Internetportale zum Thema Hitze und Gesundheit und Informationsbroschüren.
Hitzewarnung:
Eine Hitzewarnung wird herausgegeben, wenn als Schwellenwert die gefühlte Temperatur an
zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 32 °C liegt und zusätzlich nur eine geringe Abkühlung in
der Nacht zu erwarten ist (starke Wärmebelastung).
Die gefühlte Temperatur dient der Beschreibung des thermischen Empfindens. Das thermische
Empfinden wird berechnet als eine Funktion aus den meteorologischen Variablen Lufttem pe-
ratur, Windgeschwindigkeit, Wasserdampfdruck, mittlere Strahlungstemperatur und der
metabolischen Rate sowie der Wärmeisolation der Bekleidung. Die Warnung „Extreme
Wärmebe lastung“ wird herausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur über 38 °C erwartet
wird.
Ultraviolette (UV-) Strahlung:
Die natürliche UV-Strahlung wird von der Sonne abgegeben und hängt vom Breitengrad, von
der Jahreszeit, von der Tageszeit und der Bewölkung ab. Die Strahlung ist für den Menschen
nicht erkennbar und wirkt gesundheitsschädlich an Haut und den Augen. UV-Strahlungen kön -
nen Sonnenbrand, Binde- und Hornhautentzündungen sowie langfristige Gesundheitsschäden,
zum Beispiel vorzeitige Hautalterung, Hautkrebs oder „Grauen Star“ (Katarakt), verursachen.
Die Intensität der UV-Strahlung wird weltweit ständig überwacht und als UV-Index veröffentlicht.
Eine UV-Warnung wird entweder im Frühling/Frühsommer herausgegeben, wenn für die Jahres -
zeit ungewohnte Werte des UV-Index erreicht werden (gering bewölkt, sonnenbrandwirksame
UV-Strahlung in der Größenordnung von 20 % über dem Dekadenmittel und mind. UV-Index 5),
oder wenn für die Region eine ungewohnte UV-Belastung und absolut erhöhte Werte des UV-In -
dex im Bereich sehr hoher UV-Indizes erreicht werden (langjährige Häufigkeit des Auftretens in
der Größenordnung von 1 % der Tage).
Ziel der Maßnahme
Mithilfe von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen sollen die Bevölkerung und Multiplikator*in -
nen motiviert werden, den DWD-Newsletter zu abonnieren und die Warnung bei hoher Hitze-
und UV-Belastung an relevante Personengruppen weiterzuleiten. Dadurch wird die Verbreitung
von Hitze- und UV-Warnungen erreicht und die Bevölkerung sensibilisiert.
Stadt Köln
Im Rahmen des Projekts erfolgte die Verbreitung des DWD-Hitzenewsletters durch Öffentlich -
keitsarbeit wie beispielsweise durch Veröffentlichung auf der Internet-Projektseite, dem
Hitze-Portal Köln und im Rundbrief des Projekts, der halbjährlich versendet wurde. Auch die im
Jahr 2021 erarbeitete Informationsbroschüre Hitzeknigge wurde für die Bewerbung des News -
letters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ eingesetzt.
Anzusprechende
Partner*innen
Deutscher Wetterdienst
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Nur Online-Registrierung möglich (nicht für alle Altersgruppen geeignet)
Kosten keine
Verstetigung
Eine kontinuierliche Verbreitung erfolgt z. B. auf dem städtischen Hitze-Portal. Geplant ist
außerdem eine automatische E-Mail-Weiterleitung, die die Hitzewarnung des Deutschen Wetter -
dienstes zusammen mit wichtigen Verhaltenstipps bei Hitze (z. B. PDF-Datei Hitzeknigge) an
das eigene Akteur*innennetzwerk weitergibt.
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems
179
KE 2.1 Verbreitung des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“
Weitere Infos
Quellen:
www.klima-mensch-
gesundheit.de
www.bfs.de/DE/
themen/opt/uv/uv_node
DWD GesundheitsWetter-App
www.dwd.de/DE/leistungen/gesundheitswetter/gesundheitswetter
Die GesundheitsWetter-App des DWD informiert das Gesundheitswesen, besonders betroffene
Menschen und Risikogruppen sowie die allgemeine Öffentlichkeit zur aktuellen Warn- und
Wettersituation in Bezug auf die aktuellen Gesundheitseinflüsse.
DWD WarnWetter-App
www.dwd.de/DE/leistungen/warnwetterapp/warnwetterapp
Mit der WarnWetter-App versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen seines gesetzlichen
Auftrages die breite Öffentlichkeit und die Einsatzkräfte aus dem Katastrophen-, Bevölker -
ungs- und Umweltschutz mit wichtigen Hinweisen zur aktuellen Warn- und Wettersituation. Die
all gemeine Gefährdungslage für Deutschland kann auf einer eingefärbten Warnkarte schnell
erfasst und zusätzlich ergänzende Detailinformationen abgerufen werden.
Hitzewarnung DWD
www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/hitzewarnung
www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_gemeinden/warnWetter_node
DWD-Newsletter
https://www.dwd.de/DE/service/newsletter/newsletter_node.html
UV-Gefahrenindex
https://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesuvi/gefahrenindexuvi.html
Hitze-Portal Köln
https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzewarnung
180
8. Maßnahmenkatalog
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems
KE 2.2 Verbreitung der App Luftqualität (UBA) für erhöhte bodennahe Ozonwerte
Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit; gezielt für Multiplikator*innen u. Akteur*innen
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung sowie Multiplikator*innen, für die Verbreitung der App
Beschreibung
Das farblose und giftige Spurengas Ozon bildet in der Atmosphäre in einer Höhe von 20 bis
30 Kilometern die natürliche Ozonschicht. Dort schützt es die Erde vor der schädlichen
UV-Strahlung der Sonne. Bei sommerlichen Hitzewellen mit hohen Lufttemperaturen und starker
Sonneneinstrahlung wird die Entstehung von bodennahem Ozon begünstigt und kann in hohen
Konzentrationen der Gesundheit schaden. Die Folge sind Reizungen der Atemwege, Husten,
Kopfschmerzen oder Atembeschwerden und Einschränkung der Lungenfunktion. Empfindliche
Menschen oder Personen mit Atemwegserkrankungen sollten bei hohen Ozonwerten körper liche
Anstrengungen im Freien vermeiden.
An rund 300 Messstationen in Deutschland wird die Ozonkonzentration in der bodennahen Luft
gemessen und von den zuständigen Behörden der Länder zeitnah im Internet veröffentlicht. Das
Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht aktuelle Ozondaten für ganz Deutschland in Kartenform
und als Tabellen unter www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten. Hier
werden auch deutschlandweite Ozonvorhersagen für den aktuellen Tag und die beiden Folge -
tage veröffentlicht. Zudem stellt die UBA-App „Luftqualität“ jederzeit aktuelle Ozon-Stunden -
werte und Warnmeldungen bereit: www.umweltbundesamt.de/app-luftqualitaet.
Als Zielwert für den Schutz der menschlichen Gesundheit wird ein Ozonwert von 120 µg/m3
angestrebt. Ab einem Ozonwert von 180 µg/m 3 (1-Stunden-Wert) ist die Informationsschwelle
erreicht und es werden durch das UBA über die Medien Ozonwarnungen und Verhaltensem p-
fehlungen an die Bevölkerung, auch via Radio, Fernsehen oder Tageszeitungen weitergegeben.
Die Alarmschwelle liegt bei 240 µg/m3 (1-Stunden-Wert).
Ziel der Maßnahme
Durch eine gezielte Informationskampagne werden die Einflüsse von bodennahem Ozon auf
die Gesundheit kommuniziert und die Bevölkerung und Multiplikator*innen angeregt, die App
„Luftqualität“ zu abonnieren und die Warnung bei hoher Ozonbelastung an relevante Personen -
gruppen weiterzuleiten. Dadurch wird eine Verbreitung von Ozonwarnungen erreicht und die
Bevölkerung sensibilisiert.
Stadt Köln Informationen zu Ozonwarnungen stehen online im Hitze-Portal Köln zur
Verfügung.
Anzusprechende
Partner*innen
Umweltbundesamt (UBA)
Hemmnisse/
Störfaktoren
Nur Online-Registrierung möglich (nicht alle Altersgruppen geeignet)
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems
181
KE 2.2 Verbreitung der App Luftqualität (UBA) für erhöhte bodennahe Ozonwerte
Kosten keine
Verstetigung Kontinuierliche Verbreitung durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln, z. B.
auf der städtischem Hitze-Portal-Seite
Weitere Infos
Quellen:
www.lanuv.nrw.de/umwelt/
luft/immissionen/
aktuelle-luftqualitaet/ozon-o3
www.umweltbundesamt.de/
daten/luft/ozon-belastung
Aktuelle Ozondaten
www.dwd.de/DE/forschung/atmosphaerenbeob/
zusammensetzung_atmosphaere/ozon/o3_ozon_node.html
App Luftqualität
www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftqualitaet/app-luftqualitaet
KE 2.3 Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD
Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle
Reichweite stadtweit
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Um die negativen Folgen der Hitze zu reduzieren, werden vom Deutschen Wetterdienst (DWD)
Warnungen zu Hitze und erhöhter UV-Strahlung herausgegeben. Die Hitzewarnungen sensibili -
sieren die Bevölkerung für das Extremwetterereignis und regen zu Schutzmaßnahmen an. Neben
der Aufforderung zum Abonnieren des DWD-Newsletters können Kommunen die Hitzewarnung
und Verhaltensinformationen durch weitere Medien wie z. B. elektronischen Werbetafeln,
Webseiten, TV und Radio kommunizieren, um eine möglichst weite Verbreitung zu erreichen.
Ziel der Maßnahme Stadtweite Bekanntmachung der DWD-Warnungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung als
zusätzliche Informationsquelle während einer Hitzeperiode.
Stadt Köln
Die Stadt Köln verbreitet die Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes auf verschiedenen
Kanälen:
Auf der Startseite des Internetauftritts www.stadt-koeln.de wird automatisch die Hitzewarnstufe
eingeblendet. Bürger*innen stehen weitere Informationen zur Hitzewarnung und zu Verhaltens -
maßnahmen im Hitze-Portal Köln zur Verfügung.
Die Hitzewarnung wird darüber hinaus von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) an den Halte -
stellen der Stadtbahnen auf der interaktiven Informationsanzeige in den heißesten Stunden
des Tages gezeigt. Auf den KVB-Anzeigetafeln erscheint z. B. der Text: „Achtung Hitze! Trinkt
aus reichend Wasser und meidet die Sonne! Weitere Infos und Maßnahmen zur Abkühlung:
www.stadt-koeln.de/hitzeportal “.
182
8. Maßnahmenkatalog
8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems
KE 2.3 Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD
Anzusprechende
Partner*innen
Deutscher Wetterdienst, Kölner Verkehrsbetriebe, Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Die Hitzewarnung des DWD muss aktiv an die Kölner Verkehrsbetriebe weitergeleitet werden.
Der zeitliche Vorlauf muss berücksichtigt werden.
Kosten keine
Verstetigung
Die automatisierte Darstellung der Warnstufen auf der Internetstartseite der Stadt Köln wurde
eingerichtet und wird nach Projektende weiter fortgesetzt. Das Hitze-Portal Köln wird fort -
laufend aktualisiert.
Weitere Infos
www.stadt-koeln.de/hitzeportal
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
183
KE 3.1 Interaktive Erfrischungskarte
Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle
Reichweite stadtweit
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Die Erfrischungskarte zeigt Orte im Stadtgebiet, an denen der kühle Aufenthalt bei Hitzeereig -
nissen möglich ist. Diese Orte bieten zum Beispiel Menschen, die in Dachgeschosswohnungen
leben, die sich bei Hitze besonders aufheizen, die Gelegenheit der Abkühlung und Erholung.
Hier werden auch Standorte von Trinkbrunnen dargestellt, da die ausreichende Versorgung mit
Trinkwasser ein zentrales Element der Hitzeprävention darstellt.
Insbesondere ältere Menschen verzichten auf das Trinken, wenn sie die eigene Wohnung ver -
lassen, weil sie Toilettengänge vermeiden möchten. Daher ist die Information über öffentlich
zugäng liche Toiletten-Standorte als Voraussetzung einer angepassten Verhaltensweise wichtig.
Darüber hinaus spielen Orte eine große Bedeutung, die einen erholsamen Aufenthalt in einem
Hitzesommer ermöglichen. Diese Aufenthaltsqualität bieten Parks, Grünflächen, Friedhöfe mit
hohen schattenspendenden Bäumen und Sitzbänken.
„Coole Orte“ können auch klimatisierte Einkaufszentren oder Kirchen sein. Die Erfrischungs -
karte zeigt Orte auf, die auf lokaler Ebene (Stadtviertel) direkt vor der Haustür zu erreichen sind.
Je nach städtischen Gegebenheiten können diese Orte sehr individuell auf das Viertel bezo -
gen sein.
Durch das Anbieten von Hitzespaziergängen oder Rikschafahrten können „kühle“ Orte aufge -
sucht, die Gegend erkundet und hitzegerechte Wegeführung vor der eigenen Haustür zusam -
mengestellt werden.
Ziel der Maßnahme
Durch die Identifizierung und Darstellung von öffentlichen Orten zur Abkühlung bzw. Erfrischung
wie z. B. Aufenthaltsräume, Toiletten, Trinkwasserbrunnen, Refill-Stationen und die Veröffent -
lichung auf der kommunalen Internetseite erhalten die Einwohnenden Informationen für die
Eigenvorsorge.
Stadt Köln
Eine erste interaktive Karte der hitzebelasteten Gebiete (Planungshinweis karte Hitze) und der
Standorte der Kölner Trinkbrunnen wird im Hitze-Portal Köln dargestellt. Geplant ist, die Karte
sukzessiv zu erweitern.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Die regelmäßige Aktualisierung der Daten muss sichergestellt werden.
Kosten keine
Verstetigung Schrittweise Erweiterung der interaktiven Karte; Evaluierung der Standorte
Weitere Infos
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzeportal-koeln/
planungshinweiskarte-hitze-trinkbrunnen
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
184
8. Maßnahmenkatalog
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
185
KE 3.2 Köln-spezifischer Hitzeknigge
Zeithorizont Vorbereitung vor dem Sommer
Reichweite mittel
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter und Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Das Umweltbundesamt (UBA) stellt im Rahmen der Mitmach-Kampagne „Schattenspender“
eine Broschüre, den sogenannten „Hitzeknigge“, zur Sensibilisierung der Bevölkerung vor und
bei Hitzeereignissen mit zahlreichen allgemeinen Tipps und Hinweisen für den Alltag im Sommer
zur Verfügung. Das UBA ermöglicht den Kommunen, die Broschüre mit lokalen Informationen
zu ergänzen.
Der Hitzeknigge sollte digital und als Druckerzeugnis zur Verfügung gestellt werden, damit eine
möglichst breite Verteilung sichergestellt werden kann. Zudem bietet das Druckerzeugnis die
Möglichkeit, dieses zur Sensibilisierung in den Stadtteilen gezielt einzusetzen.
Ziel der Maßnahme
Durch Anpassung des Infomaterials werden die individuellen, auf die Kommune bezogenen
Informationen und Kontaktdaten aufgenommen und es wird zum Thema Hitze und Gesundheit
sensibilisiert.
Stadt Köln
Im Rahmen von Workshops wurden die handelnden Akteur*innen und Multiplikator*innen der
Stadtgesellschaft in die Erstellung des Köln-spezifischen Hitzeknigge eingebunden. Ziel war es,
das vorhandene Fachwissen in die Broschüre zu integrieren. So bietet der Hitzeknigge neben
allgemeinen Beratungsangeboten für Menschen im Alter, Informationen zu öffentlichen Trink -
möglichkeiten und Toiletten in Köln auch Hinweise zur Medikamenteneinnahme sowie wertvolle
Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze.
Der Hitzeknigge kann als barrierefreie PDF-Datei vom Hitze-Portal Köln heruntergeladen wer -
den. Druckexemplare können beim Umwelt- und Verbraucherschutzamt oder dem Gesundheits -
amt angefordert werden.
Derzeit wird der dritte Nachdruck beauftragt. Eine Gesamtauflage von 6.000 gedruckten Exem -
plaren wird damit erreicht. Die meisten Exemplare sind an Senior*innenvertretungen und Netz -
werke, die als Multiplikator*innen die Broschüre an die Zielgruppe weitergeben, verteilt worden.
An die Bezirksämter der Stadt Köln, die Caritas und die Kölner Bank wurden ebenfalls Exemp -
lare ausgegeben. Auch bei den Menschen 65+ der Stadt Köln ist das Interesse groß. Nachdem
ein Artikel zum Hitzeknigge in der städtischen Zeitschrift für ältere Menschen „Kölner Leben“
erschienen war, wurden über 200 Exemplare von Privatpersonen angefordert. Größere Mengen
sind unter anderem an Senior*innennetzwerke, Pflegeheime, Altenzentren, Koordinator*innen für
ältere Menschen verschickt worden. Auf Veranstaltungen wie Senior*innen- und Stadtteilfesten
in den einzelnen Veedeln wurde der Hitzeknigge an die Bevölkerung verteilt.
Darüber hinaus wurde die Information zum Hitzeknigge auch in den Newsletter des Hausärzte -
verbandes Nordrhein e. V. aufgenommen. Auch über dieses Medium sind zahlreiche Exemplare
angefordert worden.
186
8. Maßnahmenkatalog
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
KE 3.2 Köln-spezifischer Hitzeknigge
Anzusprechende
Partner*innen
Umweltbundesamt; Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
keine
Kosten Druckkosten (mittel)
Verstetigung
Der Köln-spezifische Hitzeknigge ist auf dem Hitze-Portal Köln abrufbar und kann in gedruckter
Form angefordert werden. Es ist geplant, den Hitzeknigge fortlaufend zu aktualisieren, weitere
Zielgruppen zu ergänzen und ihn entsprechend fortzuschreiben.
Weitere Infos
Neben Köln haben auch die Städte Dortmund, Hanau, Ratingen, Ingelheim, Wetzlar und Worms
sowie die Gemeinde Maisach einen lokalen Hitzeknigge erstellt und in Umlauf gebracht. In Bam -
berg wurde ein regional angepasster Hitzeknigge in allen Apotheken der Stadt sowie im Rathaus
ausgelegt.
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/
hitzeportal-koeln/hitze-verhaltenstipps
www.umweltbundesamt.de/publikationen/
klimawandel-gesundheit-tipps-fuer-sommerliche-hitze
Kontakt: Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt unter
kompass@uba.de mit dem Betreff „Hitzeknigge individuell“
Informationen und Anleitung zum Hitzeknigge
www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpas -
sung-an-den-klimawandel/anpassung-auf-kommunaler-ebene/schattenspender-die-
mitmach-kampagne-des-uba
Newsletter des Hausärzteverbandes Nordrhein e.V.
www.hausaerzte-nordrhein.de/service/newsletter
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
187
KE 3.3 Lebensmittel Trinkwasser
Zeithorizont Schutz während des Sommers
Reichweite nahe Umgebung (mittel)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung
Beschreibung
In heißen Sommern ist es wichtig, ausreichend zu trinken, denn das Durstgefühl setzt erst ein,
wenn bereits viel Flüssigkeit verloren wurde. Das Durstempfinden kann bei Menschen im Alter
gestört sein. Leitungswasser ist zu empfehlen, auch da es in Deutschland zu den am besten
kontrollierten Lebensmitteln zählt. Leitungswasser kommt gut temperiert aus dem Wasserhahn
und steht rund um die Uhr zur Verfügung. Es müssen keine Wasserkästen getragen und auch
Verpackungsmaterial kann eingespart werden.
Die Verbreitung der Trinkwassernutzung kann durch zusätzliche Maßnahmen, wie die erleichter -
te Vergabe von Gaststätten-Konzessionen bei Trinkwasserausgabe, oder durch die Installation
von Trinkwasser-Spendern an öffentlich zugänglichen (geschützten) Orten, wie z. B. Innenstadt -
plätzen, Parks, Spiel- und Sportplätzen, gesteigert werden. Auch temporäre Trinkwasserbrunnen
auf Stadtfesten und bei öffentlichen Events können aufgestellt werden.
Die deutschlandweit tätige Non-Profit-Organisation Refill setzt sich für die Vermeidung von
Plastikmüll ein, indem sogenannte Refill-Stationen gegründet werden. Sie motiviert beispiels -
weise Bäckereien, Geschäfte, Restaurants und Büros, kostenlos Leitungswasser für Bürger*in -
nen zur Verfügung zu stellen. Auf einer interaktiven Karte werden die Standorte angezeigt, an
denen mitgebrachte Trinkgefäße kostenfrei befüllt werden können.
Ziel der Maßnahme
Die Bevölkerung soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Trinkwasser aus dem Hahn zu
den am besten kontrollierten Lebensmitteln zählt und überall zur Verfügung steht. Außerdem soll
ein Bewusstsein geschaffen werden, während Hitzewellen ausreichend zu trinken.
Stadt Köln
In der Stadt Köln sind derzeit 12 Trinkwasserbrunnen in verschiedenen Stadtbezirken installiert
und auf einer interaktiven Karte auf dem Hitze-Portal Köln aufgeführt (s. auch KE 3.1). Auch die
Refill-Stationen sind dort verlinkt. Bei Veranstaltungen und Workshops wurden Mitwirkende
informiert und dazu motiviert, selbst zur Refill-Station zu werden oder andere dazu anzu regen.
Im Rahmen des Projekts wurden außerdem Trinkflaschen bedruckt und an die Zielgruppe
verteilt. Der Aufdruck „Drinke! Drinke! Drinke!“ soll zum Handeln anregen. Das abgedruckte
Projekt-Logo steigert den Wiedererkennungswert für das Projekt. Es wurden hochwertige Trink -
flaschen ausgewählt, die eine lange Lebensdauer haben, schadstofffrei sind und Projekte der
internationalen Entwicklungszusammenarbeit unterstützen. Die Flasche bietet die Möglichkeit,
auch aus einem integrierten Becher zu trinken.
Der Einsatz der Trinkflaschen kann bei gezielten Kampagnen genutzt werden (Leitungswasser -
kampagne, Senior*innenfeste, Stadtfeste).
Ein Ergebnis der Befragung 2019 war, dass ein Großteil der Zielgruppe Trinkwasser in Flaschen
kauft. Mit der Verteilung der Trinkflaschen sollen das Trinkverhalten von Menschen 65+ beein -
flusst werden und die Vorteile der Nutzung von Leitungswasser herausgestellt werden.
Im Sommer 2021 wurden auf der Konzerttour der Band Klabes in Kölner Einrichtungen für ältere
Menschen Trinkflaschen an das Pflegepersonal verteilt. Das Personal ist Multiplikator und
gleichzeitig selbst von sommerlicher Hitze betroffen.
Anzusprechende
Partner*innen
RheinEnergie AG als Trinkwasserversorger für Köln
Hemmnisse/
Störfaktoren
keine
Kosten Flaschenkauf, Druckkosten (mittel)
Miet- und Aufstellungskosten von Trinkbrunnen (hoch)
188
8. Maßnahmenkatalog
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
KE 3.3 Lebensmittel Trinkwasser
Verstetigung
In Köln wurden 12 Trinkbrunnen in verschiedenen Stadtbezirken installiert. Die Stadt Köln hat
die RheinEnergie AG mit der Aufstellung und dem Betrieb beauftragt. In Zukunft sind weitere
Standorte für öffentlich zugängliche Trinkbrunnen vorgesehen. Aktuell werden die bestehenden
Trinkbrunnen von der RheinEnergie AG evaluiert und das Stadtplanungsamt befasst sich mit ge -
eigneten weiteren Standorten. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen ist federführend
und erarbeitet einen politischen Beschluss für die Aufstellung weiterer Trinkbrunnen. Vorschläge
der Bevölkerung werden aufgegriffen und mit in die Prüfung aufgenommen.
Weitere Infos
www.atiptap.org
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/
klima/hitzeportal-koeln/hitze-wasser-trinken
www.refill-deutschland.de
KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne
Zeithorizont Spezielle Maßnahme während einer akuten Hitzewelle; Schutz und Sensibilisierung während
des Sommers
Reichweite stadtweit
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Maßnahmen auf Veranstaltungen, Wochenmärk -
ten, Senior*innen- und Straßenfesten können die Bevölkerung sowie soziale Netzwerke, Vereine
und Gemeinden auf das richtige Verhalten und ausreichendes Trinken während Hitzeperioden
aufmerksam gemacht und mögliche Fragen direkt beantwortet werden. Verschiedene Schu -
lungen, Kochkurse und spezielle Informationsveranstaltungen können eine frische und leichte
Ernährung anregen.
Entsprechendes Promotions- und Informationsmaterial wie bspw. bedruckte Trinkflaschen,
Fächer und die Broschüre „Hitzeknigge“ können die Sensibilisierungsarbeit unterstützen. Ein
Gewinnspiel bestärkt die Aufmerksamkeit und mithilfe einer mobilen Wassertheke wird die
Bevölkerung zum Thema Trinken informiert.
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
189
KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne
Beschreibung
Einsatz digitaler Formate:
Anhand digitaler Medien werden Informationen zum Thema Hitze und Gesundheit zur
Verfügung gestellt.
Ein „Hitze-Portal“ ist beispielsweise eine Internetseite, die gebündelte Informationen zum The -
ma Hitze und Gesundheit zusammenfasst. Neben allgemeinen Basisinformationen stehen die
Aufklärung über die gesundheitlichen Auswirkungen sowie wichtige Hinweise zum Verhalten bei
Hitze im Mittelpunkt.
Mega-Light-Kampagne:
Eine Mega-Light-Außenwerbung ist besonders plakativ und erreicht somit eine breite Bevölke -
rungsschicht. Im Sommer können hier knappe Informationen zum Verhalten bei Hitze eingespielt
und auf weiterführende Informationsquellen, wie z. B. ein Hitze-Portal, hingewiesen werden.
Einsatz von Printmedien:
Eine weitere Möglichkeit, um möglichst viele Bürger*innen zu erreichen, sind Poster, die bei -
spielsweise in ärztlichen Praxen, Apotheken, Bäckereien, Bezirksämtern usw. veröffentlicht wer -
den können. Auch hier können knapp formulierte Hitzetipps einen ersten Hinweis zum richtigen
Verhalten bei Hitze geben.
Apps und Radio- / Fernsehwerbung:
Diese könnten weitere sinnvolle Medien sein.
Ziel der Maßnahme
Anhand verschiedener Medien werden Informationen zum Thema Hitze und Gesundheit einer
möglichst breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, um für das richtige Verhalten bei Hitze zu
sensibilisieren.
Stadt Köln
Für die Stadt Köln wurde im Rahmen des Projekts ein Hitze-Portal erstellt. Neben allgemeinen
Informationen zu Hitze und Gesundheit werden hier auch Hinweise speziell für die Kölner Bevöl -
kerung bereitgestellt. Es werden die Kölner Badeseen und Schwimmbäder vorgestellt und auf
einer interaktiven Karte öffentliche Trinkwasserbrunnen aufgezeigt. Auch bereits bestehende
Projekte sowie bereits umgesetzte Sensibilisierungsmaßnahmen, wie der Projektsong „Drinke“
der Band Klabes, der Hitzeknigge, ein Hitze-Quiz und ein Kreuzworträtsel, die als Downloaddatei
zur Verfügung stehen, sind auf dem Internetportal zu finden.
Im Rahmen des Projektes wurde das Plakat „Spitze gegen Hitze“ mit 11 knappen und eingän -
gigen Hitzetipps erstellt und in der Größe DIN A3 gedruckt. Erste Plakate konnten bereits an
Seniorenkoordinator*innen verteilt werden, um diese in Senior*innen- und Pflegeheimen auszu -
hängen.
Die Mega-Light-Werbetafeln wurden erstmals für den Zeitraum 28.06. – 04.07.2022 gemietet.
An 55 Standorten wurde mit einem Poster die Stadtbevölkerung auf die 11 Hitze-Tipps und auf
weiterführende Informationen auf dem Hitze-Portal aufmerksam gemacht.
Promotions- und Informationsmaterialien, wie Trinkflaschen und Fächer, wurden hergestellt.
Die Trinkflaschen aus nachhaltigem Material und die Fächer wurden mit dem Projektlogo
bedruckt, sodass ein Wiedererkennungswert erreicht werden konnte.
Covid-19-bedingt konnten im Sommer 2021 das erste Mal auf der Klabes-Konzerttour in fünf
Kölner Pflegeeinrichtungen öffentlichkeitswirksame Arbeit durchgeführt und die Promotions-
und Informationsmaterialien verteilt werden.
Auf verschiedenen Fachveranstaltungen, der Projektabschlussveranstaltung, dem ÖGD-Forum
und Workshops wurden verschiedene Akteur*innen und Multiplikator*innen zum Thema Hitze
und Gesundheit sensibilisiert. Außerdem stellte das Projektteam das Informationsmaterial Multi -
plikator*innen zur Verfügung. So konnten unter anderem im Sommer 2022 die Produkte auf dem
ersten Aktiv-Tag „Gut älter werden im Stadtbezirk Mülheim!“ und auf dem SeniorenSommerFest
der SeniorenNetzwerke im Stadtbezirk Kalk an die Bevölkerung verteilt werden.
190
8. Maßnahmenkatalog
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne
Anzusprechende
Partner*innen
Presseamt, Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Seniorenkoordinator*innen
Hemmnisse/
Störfaktoren
Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten die Maßnahmen vor Ort nicht wie ursprünglich ange -
dacht durchgeführt werden, da so gut wie alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt wurden.
Kosten
Grafik- und Layoutkosten, Mietkosten der Mega-Light-Werbetafeln, Produktions- und Druck -
kosten für Trinkflaschen (504 Stück), Fächer (500 Stück), Broschüre Hitzeknigge (6.000 Stück),
Poster (1.000), Roll-ups (10); Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten)
Verstetigung
Das Hitze-Portal wird stetig aktualisiert und soll weiter ausgebaut werden. Die Poster mit
11 Hitze tipps werden an weitere Multiplikator*innen versendet. Außerdem soll mit den Mega-
Light-Werbetafeln in Zukunft jährlich zu Beginn des Sommers die Bevölkerung auf das richtige
Verhalten bei Hitze aufmerksam gemacht werden. Weitere öffentlichkeitswirksame Arbeit
wird in den Sommermonaten und bei Hitzewellen durchgeführt.
Außerdem sollen jährlich vor dem Sommer Sensibilisierungsveranstaltungen für verschiedenen
Akteur*innen und Multiplikator*innen durchgeführt werden.
Weitere Infos
Weitere Städte, die bereits ein Hitze-Portal erstellt haben:
Hitze-Portal Erfurt:
www.erfurt.de/ef/de/leben/oekoumwelt/stadtklima/hitze/index
Hitzeportal Lübeck:
www.luebeck.de/de/stadtentwicklung/klimaschutz/hitzeportal/
Hitzeknigge und das Kreuzworträtsel sind online auf dem Hitze-Portal Köln
frei zum Download verfügbar:
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/
hitzeportal-koeln/hitze-verhaltenstipps
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
191
KE 3.5 Hitzeeinsatzplan
Zeithorizont Vorbereitung vor dem Sommer, langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Verschiedene Akteur*innen und Multiplikator*innen aus dem Bereich Hitze, Gesundheit, Seni -
or*innen- und Sozialarbeit, Verwaltung
Beschreibung
Der Hitzeeinsatzplan identifiziert und dokumentiert die Handelnden in einer Kommune, macht
die konkreten Aktionen mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten in ihrem zeitlichen Ablauf
transparent und stimmt sie aufeinander ab. Noch fehlende, notwendige Maßnahmen werden
identifiziert und Verantwortlichkeiten festgelegt.
Ein Hitzeeinsatzplan sollte sowohl Maßnahmen während akuter Hitzeperioden als auch vorberei -
tende Maßnahmen beinhalten.
So können beispielsweise bei einer Hitzewelle die Warnstufen an die Multiplikator*innen kom -
muniziert werden, die diese Information dann gemeinsam mit Verhaltenshinweisen an die vul -
nerablen Gruppen weitergeben.
Der Einsatzplan ist kollaborativ mit allen Beteiligten zu erarbeiten und abzustimmen. Nach der
Erstellung ist er an die beteiligten Akteur*innen und Multiplikator*innen zur Übersicht zu vertei -
len, die Umsetzung ist zu beobachten und die Inhalte sind gegebenenfalls fortzuschreiben.
Ziel der Maßnahme
Ziel ist eine abgestimmte, transparente und verbindliche Vorgehensweise vor und während
Hitzeereignissen zur optimalen Information und Unterstützung der vulnerablen Bevölkerungs -
gruppen.
Stadt Köln
Im Rahmen von drei Akteursworkshops wurde ein erster Hitzeeinsatzplan entworfen. Anschlie -
ßend sind die Akteur*innen aufgefordert worden, einen Fragebogen zu ihren Rollen (z. B. Koor -
dination, inhaltliche Mitarbeit, Informationsverbreitung) auszufüllen. Die Informationen wurden
ausgewertet und der Hitzeeinsatzplan entsprechend ergänzt.
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln hat somit eine Übersichtsliste aller rele -
vanten Kontakte vorliegen, die im Fall einer Hitzewelle oder vorbereitend auf den Sommer
zur Zusammenarbeit aktiviert werden können.
Bislang beschränken sich die Aktionen im Wesentlichen auf die Weitergabe von Informationen
(z. B. Hitzeknigge, Poster mit 11 Hitzetipps), die durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt
zur Verfügung gestellt werden.
Wird vom DWD eine Hitzewarnung herausgegeben, veranlassen die Kölner Verkehrsbetriebe als
Multiplikator die Meldung auf den elektronischen Bus- und Bahnanzeigetafeln, um die Bevöl -
kerung auf die steigenden Temperaturen aufmerksam zu machen. Die Aktion erfolgt auf Zuruf
durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt. Gemeinsam wird der Text für die elektronische
Warnung abgestimmt.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Festlegung von Umsetzungsverantwortlichkeiten für noch nicht realisierte Aktionen kann
aufgrund von unzureichenden personellen und finanziellen Ressourcen problematisch sein.
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten)
Verstetigung
Eine Weiterleitung der DWD-Hitzewarnung an die im Hitzeeinsatzplan aufgeführten Akteur*in -
nen soll automatisiert werden. Der Hitzeeinsatzplan soll vervollständigt und regelmäßig aktuali -
siert sowie auf weitere Zielgruppen ausgeweitet werden.
Weitere Infos Beschreibung Hitzeeinsatzplan (Kapitel 7.1)
192
8. Maßnahmenkatalog
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
KE 3.6 Pressearbeit und Veröffentlichungen
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung; Vorbereitung vor dem Sommer
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung; medizinisches Personal, Ärzt*innen
Beschreibung
Die Informationsweitergabe während einer akuten Hitzeperiode über verschiedene Medien,
wie Printmedien (Zeitungsartikel), Rundfunk und Fernsehen (lokale Radio- und TV-Sender) und
Onlinemedien (E-Mail-Verteiler, soziale Medien, Onlinezeitungen und Online-Streamingdiens -
te), ermöglicht eine breite Streuung von Verhaltenshinweisen bei Hitze. Es kann sich dabei um
kurze Ansprachen handeln, z. B. bei den Wetternachrichten, oder um längere TV- und/oder
Radio-Spots.
Besonders Rundfunkmedien werden vermehrt von der Zielgruppe (Menschen über 65 Jahren)
genutzt und haben somit eine hohe Reichweite.
Durch Veröffentlichungen in Zeitschriften, die an die Zielgruppe adressiert sind (z. B. die Apo -
theken-Umschau), können neben zahlreichen allgemeinen Tipps und Hinweisen für den Alltag im
Sommer auch medizinisch relevante Informationen in Leichter Sprache vermittelt werden.
Die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zielen darauf ab, medizinisches Personal und
Ärzt*innen über das Thema Hitze und medizinische Auswirkungen sowie präventive Maßnahmen
zu sensibilisieren und zu informieren. Als Multiplikator*innen für die Zielgruppe können sie die
Informationen und Maßnahmen bei Hitze individuell an ihre Klientel weitergeben.
Ziel der Maßnahme Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung direkt oder mittelbar durch Multiplikator*innen,
wie medizinisches Personal und Ärzt*innen.
Stadt Köln
Für die Stadt Köln wurde von der Band Klabes der Song „Drinke“ (KE 3.7) produziert, der online
auf allen gängigen Musikplattformen abrufbar ist und auch im Sommer live auf Konzerttouren der
Band gespielt wurde.
Außerdem erschienen einige Fachartikel mit Informationen zum Projekt sowie Artikel zu
Verhaltenshinweisen bei Hitze in Zeitschriften wie der Apotheken-Umschau, Kölner Leben,
Johanniterzeitung.
Eine Zusammenstellung aller erschienenen Fachartikel zum Projekt ist im Anhang A4 zu finden.
Anzusprechende
Partner*innen
Lokale Mediensender; Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Universitätsklinikum Bonn
Hemmnisse/
Störfaktoren
Hohe Kosten für Spots und fraglich ist, ob dies eine rein kommunale Aufgabe ist.
Kosten Produktionskosten für Radio- und TV-Spots hoch, Fachartikel binden Personalressourcen
Verstetigung Weitere Artikel, z. B. im Rheinischen Ärzteblatt, werden im Anschluss an das Projekt publiziert.
Weitere Infos keine
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
193
KE 3.7 Projektsong „Drinke“ mit Imagefilm
Zeithorizont Während des Sommers; spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung
Beschreibung Entwicklung eines Songs sowie Produktion eines Musikvideos zur Verbreitung in Hitzeperioden;
verfügbar über alle gängigen Musikstreamingdienste und über das Hitze-Portal Köln.
Ziel der Maßnahme
Durch den Song in kölschem Dialekt wird das Thema Trinken bei Hitzeereignissen zur Gesund-
heitsprävention kommuniziert. Der Dialekt erleichtert den Zugang zur Zielgruppe und zeigt auf
vergnüglich-unterhaltsame Art Verhaltensmaßnahmen auf.
Stadt Köln
Die Kölner Band Klabes produzierte im Auftrag der Stadt Köln den Song „Drinke“, der Maß -
nahmen thematisiert, die während Hitzeperioden empfohlen werden. Um den Song medien -
gerecht aufzubereiten, wurde zusammen mit zwei Auszubildenden der Stadt Köln ein passendes
Musikvideo gedreht. Da der Song auf Kölsch gesungen wird, wurden zum besseren Verständ-
nis im Video Untertitel eingefügt.
Der Song ist zusammen mit dem Video im Jahr 2021 veröffentlicht worden. Im Sommer 2021
ging die Band gemeinsam mit dem Projektteam auf Tour durch fünf Kölner Pflegeeinrichtungen.
Das Musikvideo wurde auch auf der Internetseite der Stadt Köln platziert und am 03.05.2022
im WDR Lokalfernsehen („Lokalzeit“) im Rahmen eines Berichts zur Abschlussveranstaltung
präsentiert.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Band Klabes; Pflegeeinrichtungen
Hemmnisse/
Störfaktoren
Die Radiosender müssen angesprochen und motiviert werden, den Song zu spielen; eine direkte
Einflussnahme ist nicht möglich.
Kosten Produktionskosten, Songrechte, Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten)
Verstetigung
Geplant ist, Kontakt mit Radiosendern aufzunehmen, um für das Thema zu sensibilisieren und
den Song während Hitzeperioden im Radio spielen zu lassen. Dabei sollen vor allem Sender im
Fokus stehen, die bei der Befragung in den Stadtteilen als Quelle für Hitzewarnungen genannt
worden sind. Außerdem soll das Video Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen im Sommer
gezeigt oder nur das Lied gespielt werden.
Weitere Infos
„Drinke“ von Klabes bei YouTube:
www.youtube.com/watch?v=n7O68J4oqTI
Song „Drinke“ im Hitzeportal Köln:
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzeportal-koeln/
hitze-wasser-trinken
194
8. Maßnahmenkatalog
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
KE 3.8 Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser
Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle
Reichweite nahe Umgebung (mittel)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Als Vorbereitung für den nächsten heißen Sommer ist eine Strategie erforderlich, wie die Men -
schen in der stark verdichteten Stadt durch wasserspendende, mobile Elemente Kühlung erhal -
ten können.
Folgende temporäre Wasserelemente kommen infrage:
• Sprühnebelduschen
• Perforierte Sprühschläuche
• Trinkwassertheken
Durch das Versprühen von Wasser können unter optimalen Bedingungen (sehr hohe Temperatur
und geringe Luftfeuchte) Temperaturreduzierungen von bis zu 12 °C im Radius von 1 m um eine
Düse erreicht werden.
Ein Experiment von Huang et al. (2017) während der Shanghai Expo hat gezeigt, dass der Kühl -
effekt durch veränderte Randbedingungen, wie eine geringere Windgeschwindigkeit oder eine
Wasserdruck-Erhöhung, gesteigert werden kann. Auch die Tröpfchengröße spielt eine Rolle.
Ziel der Maßnahme Schaffung von kühlen öffentlichen Plätzen mit einem niederschwelligen Zugang in akuten
Hitzeperioden zur Steigerung der Resilienz
Stadt Köln
Wasser im öffentlichen Raum „Cooling Cologne – Sommer Sprüher“
Als eine Maßnahme zur Klimawandelanpassung wurde mit der RheinEnergie AG gemeinsam die
Verwendung von „Sprühschläuchen“ zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in Hitzeperioden
pilotiert.
Es wurden im Vorfeld auch Sprühnebelduschen, wie sie die Stadt Wien verwendet, in Betracht
gezogen. Diese können jedoch nicht ohne Weiteres auf Köln übertragen werden, da hier andere
technische Gegebenheiten vorhanden sind (Hydrant, Wasserdruck). Zudem wird die feine
Vernebelung von Wasser aus gesundheitlichen Aspekten kritisch gesehen, da durch den Nebel
Luftschadstoffe und Allergene aus der Luft ausgewaschen, gebunden und als Aerosol ggf. einge -
atmet werden können. Dies könnte vulnerable Gruppen zusätzlich belasten.
Als wasserspendende Kühlelemente werden daher in Köln vorerst etwa 10 m lange Wasser -
schläuche auf zentralen Plätzen verlegt. Diese werden an den Trinkwasserhydranten ange -
schlossen und erzeugen einen etwa 4–6 m hohen Wasserstrahl, der die Umgebungsluft abkühlt
und einen angenehmen Aufenthalt ermöglicht. Hierbei findet keine Feinstvernebelung statt.
Die Auswahl der öffentlichen Räume erfolgte nach folgenden Standortkriterien:
• hohe stadtklimatische Belastung
• hohe Besucherfrequenz, z. B. Neumarkt oder Rudolfplatz
• stadtweite Bedeutung
• hoher Stellenwert für die Bürger*innen / Beliebtheit
• Aufwertung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität
• identitätsbildend, Raum wird zum Anziehungspunkt
Nicht geeignet sind Räume mit internationaler Bedeutung (wie der Domvorplatz) oder zu kleintei -
lige öffentliche Bereiche.
Gemeinsam mit der RheinEnergie AG wird ein Pilotprojekt auf einem zentralen Platz durchge -
führt, um die Handhabbarkeit und die Funktionalität der „Sommerspritzer“ zu testen. An einem
Sommertag mit Temperaturen über 25 °C wird ein Test mit einem Sprühschlauch durchgeführt
und dokumentiert. Dabei ist eine Testlaufzeit von etwa 4 Stunden vorgesehen. Die RheinEnergie
AG ist mit Aufsichtspersonen vor Ort. Gleichzeitig werden die Reaktion und das Nutzungsverhal -
ten der Bevölkerung in einer begleitenden Befragung dokumentiert.
Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse des Testbetriebs werden ausgewertet und auf dieser
Basis ein Machbarkeitskonzept für die Anwendung ab 2023 entwickelt.
8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation
195
KE 3.8 Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser
Stadt Köln
Ziele des Probelaufs:
• Funktions- und Machbarkeitstest im Realbetrieb, Handhabung, Ermittlung des Ressourcen -
aufwands (Vorbereitungen, Aufbau, Betriebsphase, Abbau, Reinigung, Trocknung, Lagerung,
Nachbegehung)
• Prüfung der relevanten Rahmenbedingungen (Standortkriterien etc.), Vorlaufzeiten, Beobach -
tung des Nutzungsverhaltens, Akzeptanz in der Bevölkerung
Weitere Aspekte, die berücksichtigt werden müssen:
• Untergrund / Bodenpflasterung
• Hydrantenverfügbarkeit und -entfernung
• Verfügbarkeit des Platzes (Stadtteilfeste, Märkte)
• Entwässerungskapazitäten / Wasserablauf
• Hygienekonzept
• Passant*innenaufkommen / Befragung
• Hitzeinsel / Verschattung
• Ausweichmöglichkeiten
• Angrenzende Nutzungsbereiche wie z. B. Cafés oder Restaurants
Anzusprechende
Partner*innen
Für Stadt Köln: Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Gesundheitsamt, Stadtplanungsamt,
Ordnungsamt, Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung, RheinEnergie AG
Hemmnisse/
Störfaktoren
Umfangreicher Klärungs- und Organisationsaufwand unter Einbeziehung verschiedener Stellen:
hygienische Sicherheit / Hygienekonzept; ordnungsbehördliche Nutzungsgenehmigung für den
Platz; Nutzbarkeit des Platzes (Märkte, Feste, Außengastronomie); technische Voraussetzungen
(Wasserdruck, Verfügbarkeit von Hydranten); verkehrliche Fragestellungen; personelle Ver -
fügbarkeiten; vertragliche Regelungen; Lagerung und Reinigung der Schläuche; Akzeptanz bei
der Bevölkerung; Standortfaktoren im öffentlichen Raum
Kosten Anschaffungskosten Schlauch; Verbrauchskosten Wasser; Bindung personeller Ressourcen
(Personalkosten)
Verstetigung
Nach der Pilotierung im Sommer 2022 auf einem zentralen Platz in der Innenstadt und der
Prüfung und Dokumentation der Randbedingungen ist geplant, weitere Plätze auszuwählen
und zusätzliche Schläuche zu beschaffen. Auf Grundlage der Erfahrungen der Pilotierung
soll die RheinEnergie AG mit der operativen Umsetzung beauftragt werden.
Weitere Infos
Konzeption aus Wien: Dort werden verschiedene Abkühlungsmaßnahmen an öffentlichen
Orten bei Hitzeperioden eingesetzt. Wiener Wasser hat Sprühnebelduschen entwickelt, die
auf Hy dranten zur Abkühlung an Hitzetagen installiert werden. Diese sind mit Zeitschaltuhren
ver sehen und können so zentral an heißen Tagen gesteuert werden. Darüber hinaus werden
an ver schiedenen Orten Sprühschläuche verlegt, die im Intervallbetrieb für Abkühlung sorgen.
www.wien.gv.at/umwelt/cooleswien
196
8. Maßnahmenkatalog
8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen
KE 4.1 Förderung von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen an Wohngebäuden
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Eigentümer*innen von Wohngebäuden, Wohnungsbaugesellschaften
Beschreibung
Um Eigentümer*innen von Wohngebäuden einen erhöhten Anreiz für die kostenaufwendige
Nachrüstung der Bestandsgebäude mit außenliegendem Sonnenschutz zu liefern, bietet es sich
an, zusätzlich zu den Förderprogrammen des Bundes (BAFA oder KfW) kommunale Zusatzför -
derungen anzubieten.
Ziel der Maßnahme Durch Nachrüstung von Wohngebäuden im Bestand; Reduzierung von Hitze in Innenräumen
Stadt Köln
Anfang April 2022 ist das Förderprogramm „Gebäudesanierung und Erneuerbare Energien –
klimafreundliches Wohnen“ der Stadt Köln in Kraft getreten. Es stehen Fördermittel von bis
zu vier Millionen Euro zur Verfügung.
Mit dem neuen Förderprogramm werden auch durch den Bund unterstützte Maßnahmen einfach
und transparent zusätzlich finanziert. Es besteht die Möglichkeit, unter anderem eine zusätzliche
Förderung in Höhe von 10 Prozent der förderfähigen Kosten zum bestehenden Bundesprogramm
zu erhalten. Bei den Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle ist auch die Anbringung von außen -
liegendem Sonnenschutz förderfähig.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel
Kosten hoch – 10 % der förderfähigen Kosten je Maßnahme
Verstetigung
Das Förderprogramm der Stadt Köln ist seit dem 01.04.2022 in Kraft. Wie die Akzeptanz für die
Installation von Sonnenschutz sein wird und wie hoch der Kostenanteil hierfür ist, ist noch nicht
absehbar.
Weitere Infos
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/
foerderprogramm-gebaeudesanierung-erneuerbare-energien-klimafreundliches-wohnen
www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/effiziente_gebaeude_node
www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien
8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen
8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen
197
KE 4.2 Informationskampagne zur Kühlung von Innenräumen
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Bewohner*innen, Hauseigentümer*innen; Bauträger, Architekt*innen
Beschreibung
Bei Hitze heizen sich Räume und Wohnungen (insbesondere im Dachgeschoss) stark auf und
beeinträchtigen das Wohlbefinden sowie die Gesundheit. Verschiedene Maßnahmen sind
ge eignet, das Raumklima positiv zu beeinflussen. Vorrangiges Ziel sollte sein, die Sommerhitze
erst gar nicht in die Räume zu lassen.
Einfache Tipps, die jede*r Bewohner*in berücksichtigen kann, werden von verschiedenen Insti -
tutionen wie z. B. den Verbraucherschutzzentralen zur Verfügung gestellt. Diese Tipps umfassen
Hinweise zum richtigen Lüften, zum Sonnenschutz und zur Nutzung von Ventilatoren oder Kli -
mageräten. Es ist jedoch sinnvoll, zu Beginn einer Hitzeperiode die Bevölkerung erneut auf diese
Tipps hinzuweisen.
Neben dem richtigen Verhalten bei Hitze sind auch die baulichen Gegebenheiten von besonderer
Bedeutung. Der außenliegende Sonnenschutz, eine gute Wärmedämmung, die richtigen Fenster
und Maßnahmen zur Verschattung sind wichtig. Hauseigentümer*innen können für die Nachrüs -
tung und energetische Sanierung Fördermittel, die von Bund, Land NRW und Kommune zur Ver -
fügung gestellt werden, in Anspruch nehmen.
Beim Neubau schreibt das Gebäudeenergie-Gesetz (GEG) den sommerlichen Hitzeschutz be -
reits vor. Er muss bei Planung und Bau eingeplant werden. Bei Bestandsgebäuden ist dies nicht
der Fall. Daher ist es wichtig, auch Bauträger und Architekt*innen für die Berücksichtigung von
Hitzeschutz bei der Sanierung zu sensibilisieren. Eine auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtete
Kampagne hilft, diese Informationen zu verbreiten.
Ziel der Maßnahme Kühlmanagement für Gebäude
Stadt Köln Eine Kampagne muss konzipiert und geplant werden. Hierzu ist entsprechendes
Fachwissen nötig.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Sensibilisierung der Zielgruppe, Vorgaben, Erhöhung der Baukosten, Fachkenntnisse
Kosten Sachkosten, je nach Umfang der Kampagne gering bis mittel
Verstetigung
Öffentlichkeitswirksame Arbeit in den Sommermonaten und bei Hitzewellen mit unterschied -
lichen Schwerpunkten ist geplant.
Bei der Aufnahme weiterer Zielgruppen, wie z. B. Kinder, in den Hitzeaktionsplan ist auch
die Kühlung von städtischen Gebäuden (z. B. Kindertagesstätten und Schulen) ein wichtiges
Handlungsfeld.
Weitere Infos
www.bmwsb.bund.de/Webs/BMWSB/DE/themen/bauen/energieeffizientes-bauen-sanieren/
gebaeudeenergiegesetz/gebaeudeenergiegesetz-node.html
www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/energetische-sanierung/
hitzeschutz-im-sommer-einfache-tipps-fuer-zu-hause-27952
198
8. Maßnahmenkatalog
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
KE 5.1 Telefonische Beratungsmöglichkeiten während der Hitzeperiode
Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter; selbstständig lebende Personen
Beschreibung
Ein Hitzetelefon bietet einen niederschwelligen Zugang zu Beratungsangeboten und
Verhal tenshinweisen für Menschen im Alter, die nicht in Pflegeeinrichtungen wohnen.
Bei einem aktiven Angebot werden Menschen 65+ angerufen, nach ihrem Wohlbefinden
gefragt und Tipps zum richtigen Verhalten weitergegeben.
Bei einem passiven Hitzetelefon wird eine Telefonnummer eingerichtet, unter der Informationen
abgerufen werden können.
Diese Angebote können mit Hilfen für den Alltag, Begleitung bei Einkäufen, Spaziergängen
oder auch Botengängen kombiniert werden.
Ziel der Maßnahme Niederschwelliger Zugang zu Beratungsangeboten und Verhaltenshinweisen für Menschen im
Alter in Hitzeperioden mit dem Ziel, das Verhalten anzupassen und somit die Resilienz zu steigern
Stadt Köln
Beide Alternativen wurden im Rahmen von Akteursworkshops besprochen. Eine aktive Kontakt -
aufnahme von Menschen über einer bestimmten Altersschwelle wurde aufgrund vermehrter
Betrugsversuche wie dem „Enkeltrick“ kritisch gesehen. Somit ist die Nutzung bereits vorhan -
dener Strukturen und Netzwerke präferiert worden.
In Köln wird ganzjährig ein zentrales Beratungstelefon für Menschen 65+ und Menschen mit
Behinderung angeboten, das in Zeiten der Sommerhitze auch entsprechende Informationen zur
Hitzeprävention bereitstellen kann.
Eine weitere Möglichkeit ist die Kontaktaufnahme mit dem Bürgertelefon der Stadt Köln. Es
erteilt Auskünfte zu sämtlichen Bereichen der Stadtverwaltung und unterstützt die Fachdienst -
stellen mit vertieftem Wissen. Die Servicezeiten sind Mo.–Fr. 07:00 bis 18:00 Uhr. Jährlich
werden rd. 1,1 Mio. Gespräche entgegengenommen.
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt stellt die Informationen zur Hitzevorsorge zur
Verfügung und hält diese auf dem aktuellen Stand.
In der Broschüre Hitzeknigge sind alle wichtigen Beratungsangebote und Kontaktpersonen
für Menschen im Alter aufgeführt.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt; zentrales Beratungstelefon für Menschen 65+ und Men -
schen mit Behinderung der Stadt Köln (Amt für Soziales, Arbeit und Senioren); Bürgertelefon
Hemmnisse/
Störfaktoren
Die Informationen müssen auf dem aktuellen Stand gehalten werden.
Kosten Bei der Stadt Köln werden bereits bestehende Strukturen genutzt. Daher fallen keine zusätzli -
chen Kosten an.
Verstetigung
Das Team des zentralen Beratungstelefons ist Teil des Hitzeeinsatzplanes und erhält vor dem
Sommer aktuelle Informationsbroschüren und Hinweise, wie z. B. den Hitzeknigge zur inhalt -
lichen Vorbereitung.
Auf Ebene der Stadtviertel sollen die vorhandenen ehrenamtlichen Netzwerke und Nachbar -
schaftshilfen (z. B. Nebenan.de, Helfende Hände) ebenfalls eingebunden, sensibilisiert und
Informationen zur Verfügung gestellt werden.
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
199
KE 5.1 Telefonische Beratungsmöglichkeiten während der Hitzeperiode
Weitere Infos
Beispiele aus anderen Kommunen:
Aktives Hitzetelefon:
Das Gesundheitsamt Region Kassel bietet seit elf Jahren in Zusammenarbeit mit dem Senioren -
beirat das „Hitzetelefon Sonnenschirm“ an. Hier werden Menschen im Alter zwischen 8.30 und
12.00 Uhr kostenfrei angerufen. Neben dem Hinweis auf die bevorstehende Hitze gibt das Hitze -
telefon-Team bei Bedarf auch allgemeine Tipps, wie man sich als älterer Mensch vor einer zu
großen Hitzebelastung schützen kann. Während des Telefongesprächs achten die ehrenamtli -
chen Mitglieder des Hitzetelefons außerdem auf Hinweise einer gesundheitlichen Beeinträch -
tigung. In Metz (Frankreich) haben Menschen im Alter die Möglichkeit, sich zentral zu registrieren
mit dem Ziel, sich im Rhythmus von zwei Tagen telefonisch kontaktieren zu lassen. Hier wird das
Allgemeinbefinden abgefragt, zu Verhaltensweisen bei extremen Temperaturen beraten und ein
Hinweis auf kühle öffentliche Orte weitergegeben.
Passives Hitzetelefon:
In Dortmund haben Menschen im Alter die Möglichkeit, ein Hitzetelefon anzurufen und gleich -
zeitig Alltagshilfen wie Hilfen oder Begleitungen bei Einkäufen, Spaziergängen oder auch Boten -
gänge durch ehrenamtliche Mitarbeitende anzufordern.
KE 5.2 Vulnerabilitätsanalyse
Zeithorizont Mittelfristig; langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Städtische Ämter
Beschreibung
Eine Vulnerabilitätsanalyse zeigt die Verwundbarkeit, Verletzlichkeit oder Anfälligkeit vor dem
Hintergrund der klimawandelbedingten Veränderungen auf.
Die Einschätzung der Beeinträchtigung auf räumlicher Ebene ist die Grundlage für eine Bewer -
tung der Folgen des Klimawandels. Die Ermittlung regionaler Betroffenheiten ermöglicht eine
strukturierte, räumlich verortete Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen.
Ziel der Maßnahme
Bewertung der räumlichen Verteilung und Betroffenheit der vulnerablen Gruppen als Grund-
lage für die Entwicklung von raumbezogenen Maßnahmen in besonders hitzegefährdeten
Stadtgebieten
Stadt Köln
Die Grundlagen der Vulnerabilitätsanalysen sind die räumlich differenzierte Hitzebelastung in
Abhängigkeit der städtischen Nutzungen und die Anzahl und der Wohnort der Personengruppe
65+ im Stadtgebiet.
Im Rahmen des Projekts wurde die Betroffenheit der in Köln lebenden Bevölkerung ab 65 Jahren
in Bezug auf Wärmebelastungen räumlich differenziert bewertet. Die Vulnerabilitätsanalyse
diente der Festlegung der Stadtteile und Sozialräume für die Befragung der dort lebenden Bevöl -
kerung über 65 Jahre zur Hitzeanpassung und zu gesundheitlichen Aspekten.
Zudem können die Ergebnisse zur Verortung von Maßnahmen genutzt werden.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Hemmnisse/
Störfaktoren
keine
Kosten keine
Verstetigung Die Analyse soll mit aktualisierten Eingangsdaten fortgeschrieben werden
Weitere Infos keine
200
8. Maßnahmenkatalog
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
KE 5.3 Zielgruppengerechte Informationsmaterialien
Zeithorizont Vorbereitend vor dem Sommer; Schutz während des Sommers
Reichweite gezielt auf die vulnerable Zielgruppe
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Informationsmaterialien sind zielgruppengerecht zur Verfügung zu stellen, um eine bestmögliche
Wirkung zu erzielen. Hierbei stehen sowohl die Wahl des Mediums als auch die auf die Bedürf -
nisse der Zielgruppe ausgerichteten Inhalte im Fokus
Die Zielgruppe der Menschen im Alter (65+) informiert sich laut der im HAP-Köln-Projekt
durchgeführten Befragungen vorwiegend über die Medien TV, Radio oder Tageszeitung. Hieran
angepasst sind die Kommunikationsformate und -kanäle auszuwählen, damit die Zielgruppe
bestmöglich erreicht werden kann.
Die Inhalte müssen sich nicht auf eine rein sachliche Informationsweitergabe beschränken,
sondern können auch auf eine unterhaltsame Art und Weise aufbereitet werden, wie zum
Beispiel mit Kreuzworträtsel und Hitze-Quiz.
Ziel der Maßnahme Sensibilisierung von Menschen 65+, Verbreitung von Informationen
Stadt Köln
In einer quantitativen Befragung der Menschen im Alter über 65 Jahren vor Ort wurden die
wesentlichen Kommunikationskanäle der Zielgruppe ermittelt. Gleichzeitig wurden in Akteurs -
workshops Multiplikator*innen identifiziert, die über eigene Kommunikationskanäle die Ziel -
gruppe erreichen können. Im Rahmen des Projekts konnten passende Formate erarbeitet und
zum Teil bereits umgesetzt werden. Es wurde ein Hitze-Kreuzworträtsel entwickelt, das auch
ausgedruckt genutzt werden kann. Trinkflaschen und Fächer sind zur Sensibilisierung eingesetzt
worden. Zielgruppenspezifische Informationen stehen im gedruckten Hitzeknigge bereit.
Die persönliche Ansprache ist besonders wichtig. Die Menschen 65+ und die Multiplikator*innen
konnten jedoch erst nach der kritischen Phase der Covid-19-Pandemie wieder persönlich auf
Stadtteilfesten u. a. in Mülheim, Porz und Lindenthal im Sommer 2022 angesprochen werden.
Informationen für Multiplikator*innen sind das Hitze-Portal Köln auf der Webseite der Stadt
Köln, das Plakat „Spitze gegen Hitze“ mit 11 Hitzetipps, das Manual zum Selbst-Check und das
Frage-Antwort-Quiz mit hitzerelevanten Begriffen und Tipps. Die Materialien können an Multi -
plikator*innen und in Wartezimmern bei Hausärzt*innen verteilt werden.
Auch der Akteursworkshop stellt einen eingespielten Kommunikationskanal dar. Er wurde als
partizipativer Prozess gestartet, der kontinuierlich fortgeführt werden soll.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Kreuzworträtsel und Selbst-Check:
Universitätsklinikum Bonn
Hemmnisse/
Störfaktoren
Covid-19-Pandemie erschwerte die Erreichbarkeit der Zielgruppe insbesondere der allein
lebenden Menschen 65+.
Eine einzelne Kommune ist aufgrund der weiten Verbreitung nicht der geeignete Akteur, um
Fernsehspots zu produzieren. Hier können lediglich ein Impuls und eine fachliche Unterstützung
gegeben werden.
Kosten Layout- und Druckkosten (mittel)
Verstetigung
Hitze-Quiz und -Kreuzworträtsel sind online im Hitze-Portal Köln verfügbar und könnten bei der
Fortschreibung des „Hitzeknigge“ integriert werden. Kontinuierliche Fortführung der Akteurs -
workshops und Einbindung der Akteur*innen im Hitzeeinsatzplan.
Weitere Infos
www.stadt-koeln.de/hitzeportal
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
201
KE 5.4 Manual zum Selbst-Check
Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; Schutz während des Sommers
Reichweite geringer Einflussbereich
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Mithilfe eines Selbst-Checks, den die Zielgruppe manuell ausfüllen kann, soll eine Sensi -
bilisierung zum Thema Hitzeperioden und individuelle Risikofaktoren bzw. Gefährdung erfolgen.
Über den Selbst-Check soll bei den Menschen 65+ das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer
Risikogruppe in Hitzeperioden verstärkt oder geschaffen werden. Der Test stellt eine nieder -
schwellige Maßnahme dar und kann über das Hitze-Portal zur Verfügung gestellt werden. Zudem
kann der Selbst-Check in den Hitzeknigge mit aufgenommen und an Multiplikator*innen und in
Wartezimmern bei Hausärzt*innen etc. in gedruckter Form verteilt werden.
Der Selbst-Check basiert konzeptionell auf dem Selbsttest „Sturzgefahr“, der von der Medizi -
nisch-Geriatrischen Abteilung für Forschung und Dokumentation im Albertinen Haus, Zentrum
für Geriatrie und Gerontologie (Dr. Ulrike Dapp), entwickelt wurde und in Hamburg seit vielen
Jahren angeboten und eingesetzt wird.
Ziel der Maßnahme Informationen, die bereits in Maßnahmen zum Selbstschutz übersetzt worden sind, werden in
einen Selbst-Check überführt mit dem Ziel, dass Menschen im Alter in Hitzewellen schneller
reagieren können.
Stadt Köln
Es wurde ein erster Entwurf erstellt und umfasst sowohl Risikofaktoren als auch Präventions -
maßnahmen. Er ist derzeit in der Überarbeitung und Abstimmung zwischen den Projektpartnern
und mit Unterstützung der wiss. Projektbeirätin Dr. Ulrike Dapp.
Anzusprechende
Partner*innen
IHPH Universitätsklinikum Bonn
Hemmnisse/
Störfaktoren
Bereitstellung für allein lebende Menschen 65+
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten)
Verstetigung Geplant ist die Umsetzung nach Projektende durch das IHPH des Universitätsklinikums Bonn
in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln.
Weitere Infos
Link zum Selbsttest Sturzgefahr:
www.hamburg.de/contentblob/895024/7b11f5ac1ecf5841d658a82f9fbfe64d/data/
broschuere-sicher-gehen.pdf
202
8. Maßnahmenkatalog
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
KE 5.5 Unterstützende Dienste bei Hitze anbieten & Integration
von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche
Zeithorizont Spezielle Maßnahmen während akuter Hitzeperioden/Hitzewellen; langfristige Entwicklung
und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Menschen im Alter
Beschreibung
Die Versorgung selbstständig lebender Menschen im Alter bei Hitze ist oft nicht geklärt. Die
Erhebung des HAP-Köln-Projekts ergab zum Beispiel, dass nur etwa 40 % der selbstständig
lebenden Menschen 65+ Unterstützung von Kindern oder Schwiegerkindern erwarten. Von der
Hausärzteschaft kann diese Aufgabe nicht allein übernommen werden.
Perspektivisch könnten Hilfsorganisationen eingebunden werden, die bei einer Hitzewarnung
nach hausärztlichen Vorgaben erste Maßnahmen umsetzen und für weitere Schritte das soziale
Netz der Betroffenen aktivieren.
Hierzu sollte die Zielgruppe gezielt angeschrieben werden und sich vorsorglich für den vorsor -
genden Hausbesuch anmelden, damit bei einer Hitzewelle eine aktuelle Adressliste vorliegt.
Ziel der Maßnahme Die Versorgung selbstständig lebender Menschen im Alter soll in konkreten Hitzebelastungs -
situationen gestärkt und gesichert werden.
Stadt Köln Im Projektverlauf erfolgten erste Überlegungen und Diskussionen. Ein Gespräch mit möglichen
Partner*innen wird angestrebt.
Anzusprechende
Partner*innen
In Köln tätige Hilfsorganisationen: Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Caritas,
Arbeiter-Samariterbund, Malteser Hilfsdienst, Johanniter Unfallhilfe u. a. m.
Hemmnisse/
Störfaktoren
Finanzierung, Personalmangel
Kosten Hoch (qualifiziertes und geschultes Personal)
Verstetigung Wird angestrebt
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
203
KE 5.5 Unterstützende Dienste bei Hitze anbieten & Integration
von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche
Weitere Infos
National und international gibt es eine Reihe von positiven Beispielen für zielführende Angebote
aufsuchender Hilfe:
Der „Hamburger Hausbesuch für Seniorinnen und Senioren“ ist ein kostenloses Angebot der
Stadt Hamburg. Menschen im Alter, die kürzlich ihren 80. Geburtstag gefeiert haben, erhalten
postalisch ein Besuchsangebot; geschulte Personen besuchen die alten Menschen, um über
die vielfältigen präventiven gesundheitlichen Angebote, Hilfen bei gesundheitlichen Problemen,
gegen Vereinsamung, bei Pflegebedürftigkeit oder für Unterstützungsbedarf im Haushalt zu
informieren und auf Wunsch Hilfen zu vermitteln. Je nach Bedarf informieren die Fachkräfte über
bestehende Unterstützungsmöglichkeiten und soziale Angebote, wie zum Beispiel über Treff -
punkte oder Besuchs- und Begleitdienste. Auf Wunsch stellt die Fachkraft auch den Kontakt zu
passenden Angeboten und den Pflegestützpunkten her.
www.hamburg.de/hamburger-hausbesuch/
In Metz (Frankreich) führt das Centre Communal d‘Action Sociale (CCAS) der Stadt ein Register
der gefährdeten Personen, die sich freiwillig registrieren lassen. Als gefährdet gelten Perso -
nen, die 65 Jahre und älter oder über 60 Jahre alt und als arbeitsunfähig anerkannt sind sowie
Erwachsene mit Beeinträchtigungen. Bei einer Hitzewarnung kontaktieren Sozialarbeitende des
CCAS die erfassten Personen im Rhythmus von zwei Tagen telefonisch, um sich zu informieren,
wie es ihnen geht. Sie beraten, wie sie sich bei extremen Temperaturen verhalten sollen, und
verweisen sie an kühle öffentliche Unterkünfte. Die Stadt Metz kann auch Hilfsorganisationen
mobilisieren, um gefährdete Menschen in ihrem Wohnumfeld aufzusuchen und sie bei Bedarf an
kühle Orte zu bringen. Bei medizinischem Hilfebedarf werden die Registrierten vom ärztlichen
Bereitschaftsdienst aufgesucht.
www.tout-metz.com/plan-canicule-metz-2020-48736.php
In Bologna (Italien) geht jährlich an 5.000 Bürger*innen, die über 65 Jahre alt sind, allein leben
oder gesundheitlich beeinträchtigt sind, ein Schreiben, das für die gesundheitlichen Risiken bei
Hitze sensibilisiert und auf eine kostenlose Nummer aufmerksam macht, den „Hitzewellen-
Telefonservice der Gemeinde“. Hält eine Hitzewelle länger als drei Tage an, werden vulnerable
Bevölkerungsgruppen aktiv angerufen. Es wird telefonisch geklärt, wie es um die Verfügbarkeit
von häuslichen Pflegeleistungen wie etwa die Lieferung von Medikamenten und Mahlzeiten, den
Transport zu medizinischen Untersuchungen und klimatisierten Einrichtungen steht. Darüber
hinaus ist ein Dienst von örtlichen Pflegefachkräften aktiv, der sich aufsuchend um gesundheit -
liche Risikosituationen kümmert und auch die Intervention eines notärztlichen Dienstes einfor -
dern kann.
www.comune.bologna.it/news/prevenzione-delle-ondate-di-calore
204
8. Maßnahmenkatalog
8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen
KE 5.6 Auswertung Wegebeziehungen / Erreichbarkeiten
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung (mittel)
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stadtplanungsamt
Beschreibung
Die Planung, Konkretisierung und Priorisierung von Maßnahmen erfolgen sinnvollerweise auf
der Basis einer räumlichen Analyse, in der Daten zur Bevölkerungsverteilung und -entwicklung,
zu hitzebelasteten Siedlungsbereichen sowie gegebenenfalls zu weiteren Faktoren ausgewertet
werden.
Die Auswertung mithilfe eines geografischen Informationssystems (GIS) bietet die Möglichkeit,
Daten zu verschneiden und Auswertungen mit differenzierter räumlicher Tiefe zu erzeugen.
Ziel der Maßnahme Priorisierung von Maßnahmen, Ermittlung von Hot-Spots mit besonderem Handlungsbedarf
Stadt Köln
Auf Basis der Statistischen Quartiere wurde eine Auswertung zur Erreichbarkeit von Parks als
kühlen Räumen vorgenommen. Diese gliedert sich in zwei Schwerpunkte. Einerseits findet die
Identifikation und Beschreibung der Orte und des Lebensumfelds der vulnerablen Gruppe statt
und im weiteren Schritt werden der Zugang zu grüner Infrastruktur und die Wegeverbindungen
ausgewertet.
Zur besonderen Beachtung der Belastungsgebiete ist eine vertiefte Auswertung von hitzebe -
lasteten Gebieten und vulnerabler Bevölkerung durchgeführt worden, um die Wegstrecke von
der Wohnadresse der Gruppe 65+ zum nächstgelegenen Park zu quantifizieren. Die Ergebnisse
können für eine bedarfsscharfe Entwicklung von Maßnahmen im Bereich grüner Infrastruktur
genutzt werden.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Hemmnisse/
Störfaktoren
keine
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten)
Verstetigung Vertiefende lokale Auswertungen zur Verortung von Maßnahmen unter Einbeziehung weiterer
wichtiger Orte, wie z. B. hausärztlicher Praxen und Apotheken, sind geplant.
Weitere Infos keine
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
205
KE 6.1 Zusammenstellen von Ausbildungsunterlagen für
medizinisches Personal und Apothekenpersonal
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung, Vorbereitung vor dem Sommer
Reichweite gezielt für Multiplikator*innen aus dem medizinischen Bereich
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Medizinisches Personal; Apothekenpersonal
Beschreibung
Es werden Ausbildungsunterlagen für medizinisches Personal und Apothekenpersonal in Bezug
auf hitzeassoziierte Gesundheitsprobleme für Menschen im Alter erstellt und für die Schulung
des in der ambulanten Pflege tätigen Personals zur Verfügung gestellt.
Ziel der Maßnahme Sensibilisierung des Pflegepersonals und der Apotheker*innen schützt Menschen 65+ während
der Hitzeperiode
Stadt Köln 2021 wurden Gespräche mit Unikliniken, der Caritas-Akademie und Apotheken aufgenommen.
Eine Veranstaltung, um das Konzept der Schulung vorzustellen, ist noch in Planung.
Anzusprechende
Partner*innen
Gesundheitsamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Bindung von personellen Ressourcen für die Recherche und Erstellung von Material
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) für die Recherche und Erstellung von Material
Verstetigung Stetige Aktualisierung erforderlich
Weitere Infos
Bildungsmodule für medizinische Fachangestellte:
www.klinikum.uni-muenchen.de/Bildungsmodule-Aerzte/de/bildungsmodule-mfa/
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
206
8. Maßnahmenkatalog
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
KE 6.2 Einbezug von Hitze in Forschung und Lehre
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite angestrebt: bundesweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
In der ersten Phase: Medizinstudierende der Universitäten Bonn und Köln
Beschreibung
Seminaraufgabe im 6. klinischen Semester, Studiengang Humanmedizin an der
Universität Bonn
Durch Einbindung des Themas in Seminare und Übungen im Studium der Medizin sollen
Studierende schon frühzeitig für das Thema sensibilisiert werden. Am Universitätsklinikum Bonn
erfolgt dies z. B. seit 2020 im Seminar zum Thema „Öffentliches Gesundheitswesen“ im Rahmen
des Kurses Querschnittsbereich III (Gesundheitsökonomie, Gesundheitssysteme, Öffentliches
Gesundheitswesen)
Ziel der Maßnahme Sensibilisierung im Studium
Stadt Köln
Am 30.06.2022 fand ein erster Austausch zwischen IHPH und Prof. Dr. med. Beate Müller, Ins -
titut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln, mit dem Ziel statt, das Thema Hitze und
Gesundheit auch an der Universität zu Köln für Studierende der Medizin zu implementieren
Hintergrund: Etwa drei Viertel der zukünftig in Köln tätigen Ärzt*innen kommen aus der Region
und werden auch in der Region studiert haben (Kistemann & Schroer, 2007).
Anzusprechende
Partner*innen
Prof. Dr. med. Thomas Kistemann, IHPH Universitätsklinikum Bonn;
Prof. Dr. med. Beate Müller, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln
Hemmnisse/
Störfaktoren
Die bundesweite Implementierung muss über die Aufnahme des Themas in den nationalen
Gegenstandskatalog erfolgen.
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) für die Recherche und Entwicklung
Verstetigung Stetige Aktualisierung erforderlich
Weitere Infos
wp2.geohealth-centre.de/studium/lehrangebote-medizin/
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
207
KE 6.3 Durchführen von Schulungen zur Sensibilisierung von Multiplikator*innen
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite gezielt für verschiedene Gruppen von Multiplikator*innen (z. B. Apotheker*innen, Architekt*in -
nen, Senioreneinrichtungen) (mittel)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Multiplikator*innen
Beschreibung
Durch das Angebot von Schulungen zum Themenfeld Hitze und Gesundheit können Multiplika -
tor*innen sensibilisiert und ein breites Basiswissen aufgebaut werden(z. B. für Apotheker*innen,
Architekt*innen, Pflegeeinrichtungen). Dies umfasst auch Vorträge vor der Apotheker- bzw.
Architektenkammer, die für die besonderen Bedürfnisse der Zielgruppe bei Hitze sensibilisieren.
Das Schulungsmaterial soll zielgruppengerecht aufbereitet und angeboten werden.
Zum Beispiel können Apotheker*innen auf die Notwendigkeit der Anpassung der Medikamenten -
einnahme durch den veränderten Flüssigkeitshaushalt aufmerksam gemacht werden.
Architekt*innen erhalten Hinweise, warum z. B. ausreichende Verschattung und die Planung von
Grünelementen von besonderer Bedeutung sind.
Ziel der Maßnahme Anbieten von gezielten Schulungen zur Hitzesensibilisierung
Stadt Köln Möglicher Vortrag vor der Architektenkammer durch Prof. Dr. Kistemann, IHPH UK Bonn
Anzusprechende
Partner*innen
Gesundheitsamt
Universitätsklinikum Bonn
Prof. Dr. med. Beate Müller, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln
Hemmnisse/Störfak -
toren
Setzt die Bereitschaft der Multiplikator*innen voraus;
Kontakt zur Architektenkammer und zur Apothekerkammer muss noch aufgenommen werden
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) (mittel)
Verstetigung Regelmäßige Veranstaltungen (z. B. alle zwei Jahre) werden angestrebt
Weitere Infos keine
208
8. Maßnahmenkatalog
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
KE 6.4 Verstärkte Berücksichtigung sommerlicher Hitzeereignisse im
Qualitätsmanagement der Pflegeeinrichtungen
Zeithorizont Kurz- bis mittelfristig
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Leitung von Wohneinrichtungen für Senior*innen
Beschreibung
Die in Hitzeperioden erforderlichen Anpassungsmaßnahmen im Pflegealltag sollten sich in
den festgelegten Routinen (z. B. Qualitätsmanagementsysteme) der Pflegeeinrichtungen wider -
spiegeln. Hierbei können Checklisten ein hilfreiches Instrument darstellen.
Beispiele: Personalschlüssel in Pflegeeinrichtungen an heißen Tagen anpassen / Urlaubszeiten
berücksichtigen, Medikamentengabe in Absprache mit Hausärzt*innen anpassen;
Prüfung des Pflegeplans hinsichtlich Maßnahmen bei Hitze (Best-Practice-Beispiel: Johanniter
Qualitätshandbuch)
Ziel der Maßnahme
Verstärkte Berücksichtigung von hitzebedingten Pflegeanforderungen im Pflegealltag
gemäß § 6 Abs. 4 der Verordnung zur Durchführung des Wohn- und Teilhabegesetzes
(Wohn- und Teilhabegesetz-Durchführungsverordnung – WTG DVO)
Stadt Köln Die Stadt Köln bindet das Thema verstärkt im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Kontroll -
funktion (Heimaufsicht) ein.
Anzusprechende
Partner*innen
Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
Hemmnisse/
Störfaktoren
Hohe Arbeitsbelastung in den Wohneinrichtungen für Senior*innen
Kosten gering
Verstetigung Zunächst ist eine Abstimmung mit dem Amt für Soziales, Arbeit und Senioren vorgesehen; nach
einer Erstimplementierung ist eine regelmäßige Revision erforderlich, z. B. alle 3 Jahre.
Weitere Infos Johanniter Qualitätshandbuch
8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
209
KE 6.5 Etablierung von Hitzesprechstunden bei Ärzt*innen
Zeithorizont Vorbereitung vor dem Sommer; Schutz während des Sommers
Reichweite gezielt auf die vulnerable Zielgruppe
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Patient*innen
Beschreibung
Hitzesprechstunde bei den Hausärzt*innen als präventive Beratungsmaßnahme
Im Rahmen von normalen Sprechstunden-Kontakten kann die Anpassung an die Folgen des
Klimawandels thematisiert werden, wie z. B. Medikamentenanpassung bei Hitzeperioden wegen
des veränderten Flüssigkeitshaushalts. Aufgrund des engen und in der Regel vertrauensvollen
Verhältnisses zwischen Patient*in und Ärzt*in kann eine individuelle und niederschwellige Bera -
tung zu Maßnahmen gegen Kompilationen aufgrund von Hitze erfolgen.
Als Vorbereitung kann eine hitzebezogene Medikamentenverordnung angeregt werden, die lang -
fristig geplant und in der Hitzeperiode akut umgesetzt wird.
Ziel der Maßnahme Versorgung der (älteren) Bevölkerung mit medizinisch relevanten Informationen; Optimierung der
medizinischen Versorgung
Stadt Köln
Ein erster Kontakt zu Univ.-Prof. Dr. Beate Müller wurde hergestellt. Sie ist Leiterin des neu -
gegründeten Instituts für Allgemeinmedizin und Lehrstuhlinhaberin der neu eingerichteten
W3-Professur für Allgemeinmedizin an der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät.
Zusammen mit ihrem Team bietet sie in einer neuen Hochschulambulanz Allgemeinmedizin
Sprechstunden an.
Anzusprechende
Partner*innen
Gesundheitsamt
Prof. Dr. med. Beate Müller, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln
KlimaDocs e.V., Köln
Hemmnisse/
Störfaktoren
Nicht in Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vorgesehen
Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) für die Recherche, Entwicklung und
Informationsmaterial
Verstetigung
Es ist geplant, Kontakt mit Kölner Hausärzt*innen aufzunehmen und gemeinsam die Umsetzung
einer Klimasprechstunde zu planen und zu etablieren. Im nächsten Schritt sollen alle Kölner
Hausärzt*innen über die Möglichkeit und den Mehrwert einer Klimasprechstunde informiert und
aufgeklärt werden. Entsprechende Veröffentlichungen in relevanten Medien wie Ärzteblatt und
Apotheken Umschau sollen sich anschließen.
Das Gesundheitsamt der Stadt Köln könnte die Thematik in die Gesundheitskonferenz
einbringen.
Weitere Infos
www.klimadocs.de/
210
8. Maßnahmenkatalog
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Bauträger; Wohnungsbaugesellschaften, Investor*innen,
Amt für Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
Beschreibung Festlegung von verbindlichen und praktikablen Vorgaben zum Hitzeschutz in der Bauleitplanung
nach § 9 BauGB.
Ziel der Maßnahme
Aufgrund der hohen Betroffenheit und Verwundbarkeit von Städten durch die Klimaverän -
derungen weist bereits die Deutsche Anpassungsstrategie von 2008 der Stadtplanung eine
strategisch wichtige Rolle für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu. Einen hohen
Stellenwert hat in diesem Zusammenhang die Bauleitplanung, da diese unter Berücksichtigung
aller relevanten Belange – auch des Klimawandels – die städtebauliche Entwicklung und die
Bodennutzung der Gemeinde regelt.
Mit der Klimanovelle des Baugesetzbuches hat der Bund der Klimafolgenanpassung 2011
einen höheren Stellenwert im Zuge der planungsrechtlichen Abwägung eingeräumt. Durch
die Klimaschutzklausel im § 1a Abs. 5 BauGB werden zudem die Anpassungsbelange bei der
planungsrechtlichen Abwägung aufgewertet. Die Städte und Gemeinden werden durch die
Änderungen des Baugesetzbuches dazu veranlasst, die Koordinierungs- und Steuerungsfunktion
der Bauleitplanung voll auszuschöpfen, um den in § 1 Abs. 6 Nr. 1 BauGB geforderten „allge -
meinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der
Wohn- und Arbeitsbevölkerung“ gerecht zu werden.
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
211
KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung
Stadt Köln
Um verbindliche Vorgaben zur Berücksichtigung des Themas Hitzeschutz in der Bauleitpla -
nung voranzutreiben, wurde der Arbeitskreis „Klimawandel in der Bauleitplanung“ gegründet.
Zunächst wurde ein Statuspapier erarbeitet, das den aktuellen Arbeits- und Diskussionsstand
in Köln zusammenfasst. Dieses dient als Grundlage für die weiteren Diskussionen und Abstim -
mungen.
Angewendet wird bereits ein Musterkatalog an textlichen Festsetzungen im Bebauungsplan:
• § 9 Abs. 1 Nr. 14 BauGB:
z. B. Rückhaltung und Versickerung von Niederschlagswasser, Stauvolumina bei Starkregen
• § 9 Abs. 1 Nr. 16 BauGB:
z. B. Regelung des Wasserabflusses, Starkregenvorsorge, multifunktionale Flächennutzung
zur Regenrückhaltung
• § 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB:
z. B. Pflanzung von Bäumen, Baumreihen, freiwachsenden Hecken
• § 9 Abs. 1 Nr. 25 BauGB:
z. B. Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen, Anforderungen an
Stellplatzbegrünung, Dachbegrünung und Fassadenbegrünung (z. B. Substratschichtdicken,
Kombination Grün und Photovoltaik etc.)
• Gestalterische Festsetzungen gemäß § 9 Abs. 4 BauGB i.V.m § 89 Abs. 1 und 2 BauO NRW:
z. B. Teilversiegelung von Zufahrten zu Garagen und Stellplätzen sowie Hauszuwegungen,
Begrünung von Stellplätzen
• Fachrechtliche Hinweise: ortsnahe Versickerung von Niederschlagswasser gemäß
§ 44 Landeswassergesetz (LWG) in Verbindung mit § 55 Abs. 2 Wasserhaushaltsgesetz)
Zum Themenfeld Hitze sollten zusätzliche Bausteine ergänzt werden, um den Baukasten zu ver -
vollständigen bzw. zu konkretisieren:
• Fassadenbegrünung, bodengebundene und / oder wandgebundene Fassadenbegrünung, Was -
serrückhalt und direkte Wirkung der Verdunstungsleistung und Kühlung in der Straße, Ausrich -
tung Fassade (Süd-West)
• Kaltluftströmung, Transportmöglichkeit von nächtlich gebildeter Kaltluft von den Freiflächen
in die Wohngebiete, Durchströmung des Plangebietes (keine Gebäuderiegel und sonstige
Strömungshindernisse)
• Kombination der Maßnahmen (Verschattung / Begrünung / Verdunstung,
Blau-Grün-Kombination)
• Baustein Bäume Bewertung: Bäume / m² / EW Bezugsgröße muss bestimmt werden, Baum -
erhalt, Bewertung der klimatischen Funktion, Ausgleich vor Ort
• Schutz vulnerabler Gruppen (u. a. Kinder, Menschen im Alter), spezielle Maßnahmen und
Beachtung beim Bau von Schulen, Kitas, Altenheimen, barrierefreien Wohnungen. Schutzziel
wird berücksichtigt (u. a. schattige Sitzgelegenheiten und Spielplätze, Schattenbäume mit
Anschluss an gewachsenen Boden, Pocket-Parks, gebäudebezogene Maßnahmen, Außenver -
schattung und Innenraumklima)
Anzusprechende
Partner*innen
Stadtplanungsamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Klimawandelanpassung unterliegt dem Abwägungsgebot gem. § 1 Abs. 7 BauGB.
Anpassungsmaßnahmen werden häufig von potenziellen Investor*innen als überflüssiger
Kosten faktor angesehen.
Die Umsetzung der festgesetzten Maßnahmen muss kontrolliert und gegebenenfalls ordnungs -
rechtlich eingefordert werden.
Kosten Bindung von personellen Ressourcen der beteiligten Fachämter (Personalkosten);
ggf. Sachkosten für die Moderation des Erarbeitungs- und Abstimmungsprozesses
212
8. Maßnahmenkatalog
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung
Verstetigung
Als erster Schritt zu verbindlichen Vorgaben für die Klimawandelanpassung in der Bauleit planung
wird in einer internen Arbeitsgruppe unter Federführung des Stadtplanungsamtes
(erster Termin Juni 2022) das Thema Fassadenbegrünung bearbeitet. Es werden folgende
Fragen / Aspekte geklärt:
• Vorgaben für Fassadenbegrünung bereits früh im Planungsprozess berücksichtigen
(z.B. in den Wettbewerbs- und Werkstattverfahren)
• Erarbeitung prüfbarer Kriterien zur Beurteilung der Planentwürfe
• Beschreibung der Wohlfahrtseffekte als Begründung für die Abwägung
• Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Straßenplanung (Pflanzfläche für Fassaden -
begrünung im Gehwegbereich)
• Bewässerung, Regenwasserspeicherung, Brandschutz
• Formulierung von konkreten Vorgaben
Ziel ist die Formulierung von textlichen Festsetzungen für die Verwendung
im Bauleitplanverfahren.
Weitere Infos
www1.isb.rwth-aachen.de/BESTKLIMA/download/Klima-Check-Final_interaktiv.pdf
www.remscheid.de/wirtschaft-stadtentwickung/stadtplanung/download-pool/
rechtsverbindliche-bps/BP_675_Entscheidungsbegruendung_Anlage_2.pdf
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
213
KE 7.2 Ausbildungsunterlagen für Architekt*innen und Stadtplaner*innen
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite gezielt für Multiplikator*innen aus der Stadtplanungs- und Baubranche
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Studierende der Architektur und Stadtplanung oder ähnlicher Berufe aus dem Baubereich
Beschreibung
Die Aufgabe der Architekt*innen ist die Konzeption und Gestaltung der gebauten Umwelt.
Im Mittelpunkt der architektonischen Aufgaben stehen die Beziehung zwischen Mensch und
Gebäude, Gebäude und Umgebung – städtebaulich und landschaftlich – und das Erkennen und
Verarbeiten der übergreifenden kulturellen, politischen, ökologischen und ökonomischen Zusam -
menhänge, die einem stetigen Wandel unterliegen.
Die Stadtplanung beschäftigt sich mit der Entwicklung der Stadt sowie mit den räumlichen
und sozialen Strukturen in der Stadt. Darauf aufbauend erarbeitet sie Planungskonzepte unter
gerechter Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange mit dem Ziel der Konfliktminimie -
rung.
Damit das Thema Anpassung an den Klimawandel und hier insbesondere der Hitzeschutz stärker
in den Fokus der Hochschulausbildung gerückt wird, sind entsprechende Ausbildungsunterlagen
zu erarbeiten bzw. Hintergrundinformationen zur Verfügung zu stellen.
Die grundlegenden Erkenntnisse zum Klimawandel werden dargestellt, die Notwendigkeit
der Anpassung erläutert, aktuelle wissenschaftliche und technische Erkenntnisse zusammen -
getragen und Umsetzungsmöglichkeiten anhand von Best-Practice-Beispielen anschaulich
dargestellt.
In Kooperation mit einer Hochschule werden zunächst die aktuellen Lehrinhalte untersucht und
hierauf aufbauend ein Schulungskonzept erarbeitet. Der fachliche Input wird von der jeweiligen
Fachpartei (Stadtklimatologie durch das Umweltamt, die technischen Inhalte von der Hoch -
schule) zur Verfügung gestellt bzw. erarbeitet.
Diese Unterlagen können anderen interessierten Hochschulen zur Verfügung gestellt werden.
Möglicherweise kommt auch eine Kooperation mehrerer Einrichtungen infrage.
Für ausgebildete Architekt*innen kann das Konzept ggf. in Zusammenarbeit mit der Architekten -
kammer, entsprechend angepasst, auch als Lehrgang angeboten werden.
Weitere Kooperationspartner können die Verbraucherschutzzentralen oder wissenschaftliche
Institute wie z. B. das Wuppertal Institut sein.
Ziel der Maßnahme Architekt*innen und Stadtplaner*innen frühzeitig zu klimaangepasstem Planen und Bauen
sensibilisieren und informieren
Stadt Köln Bisher wurde durch die Stadt Köln die Erarbeitung von Ausbildungsunterlagen noch nicht
angestoßen.
Anzusprechende
Partner*innen
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
Kooperationspartner müssen gefunden und für das Thema gewonnen werden;
knappe personelle Ressourcen bei den beteiligten Institutionen
Kosten
Bindung von personellen Ressourcen im Umwelt- und Verbraucherschutzamt und ggf. weiterer
städtischer Ämter (Personalkosten); Sachkosten für die Aufbereitung der Lehrinhalte als didakti -
sche Produkte
Verstetigung
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln wird mit der Technology Arts Sciences
TH Köln sowie der Architektenkammer NRW Kontakt aufnehmen und das Interesse für eine
entsprechende Kooperation ausloten.
Weitere Infos keine
214
8. Maßnahmenkatalog
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
KE 7.3 Satzung zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten zur Hitzeminderung
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite stadtweit (groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Gesamtbevölkerung
Beschreibung
Eine „Freiraumsatzung“ beinhaltet Vorgaben zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten. Sie
dient der Reduzierung der Versiegelung und Verschotterung von Flächen.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Erlass einer entsprechenden Satzung sind von Bun -
desland zu Bundesland unterschiedlich.
Durch das Gesetz zur Modernisierung des Bauordnungsrechts in Nordrhein-Westfalen ist zum
1. Januar 2019 die Norm des § 86 Abs. 1 Nr. 4 BauO NRW a. F. geändert worden und kann nun
nicht mehr als Ermächtigungsgrundlage für die Regelung der Begrünung und Bepflanzung von
Vorgärten durch Satzung herangezogen werden.
In anderen Bundesländern sind Freiraumsatzungen möglich. In Frankfurt ermächtigt § 91 Abs.
1 Satz 1 Nr. 5 Hessische Bauordnung zum Beispiel zum Erlass von Satzungen zur Regelung der
„Gestaltung und Bepflanzung der Grundstücksfreiflächen“. Auch in Bayern ermächtigt Art. 81
Abs. 1 Nr. 5 Bayerische Bauordnung dazu, Satzungen zur „Gestaltung und Bepflanzung der
unbebauten Flächen“ zu erlassen.
In NRW ist allenfalls der Erlass von „Verschotterungsverbotssatzungen“ auf der Grundlage
des § 89 Abs. 1 Nr. 5 BauO NRW n.F. möglich, wenn man den Begriff der „Gestaltung“ dahing -
ehend auslegt, dass zwar Vorgaben zur „gärtnerischen“ Gestaltung ausgeschlossen, jedoch
Vorgaben zur Art der Bodenbedeckung und der Belagsbeschaffenheit der nicht überbauten
Flächen zu lässig sind. Das Verbot der Verschotterung würde möglicherweise eine solche
Vorgabe darstellen.
Ziel der Maßnahme
Eine Freiraumsatzung dient der Reduzierung der Versiegelung und Verschotterung von Flächen
im Sinne einer nachhaltigen Innenentwicklung. Sie wertet das Stadtbild auf, verbessert das
Stadtklima und leistet einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt.
Wesentliche Handlungsfelder sind zum einen die behutsame Weiterentwicklung der bebauten
Innenbereiche bei gleichzeitiger Steigerung der Freiraumqualitäten im öffentlichen wie im pr iva-
ten Bereich. Zum anderen wird die Notwendigkeit formuliert, das Stadtwachstum umwelt- und
klimagerecht zu gestalten.
Stadt Köln Bei der Stadt Köln wurde bislang keine entsprechende Satzung erlassen.
8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
215
KE 7.3 Satzung zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten zur Hitzeminderung
Anzusprechende
Partner*innen
Bauaufsichtsamt, Rechtsamt
Hemmnisse/
Störfaktoren
In Nordrhein-Westfalen ist der Erlass einer „Freiraumsatzung“ nach der aktuellen Rechtslage
nicht möglich. Möglich wäre, eine Gestaltungssatzung in Form einer „Verschotterungsverbots -
satzung“ zu erlassen, die jedoch näher zu begründen wäre. Allerdings ist offen, ob die Auslegung
des § 89 Abs. 1 Nr. 5 BauO NRW n.F. von allen Verwaltungsgerichten anerkannt wird. Der Erlass
einer entsprechenden Satzung ist daher mit dem Risiko behaftet, dass die Satzung für unwirksam
erklärt werden könnte.
Kosten Bindung von personellen Ressourcen der beteiligten Fachämter (Personalkosten)
Verstetigung Konkrete Planungen bestehen noch nicht.
Weitere Infos
Frankfurt
www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/gestaltungssatzungen_5330.html
München
stadt.muenchen.de/dam/jcr:765486e0-9f71-48c8-94e9-a3f71d8300cd/vorgarten_web.pdf
www.bauportal.nrw/bauenbauaufsicht/informationen-baurecht/
weiterfuehrende-informationen/bauvorschriften
216
8. Maßnahmenkatalog
8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen
KE 8.1 Evaluation der durchgeführten Maßnahmen des Hitzeaktionsplans
Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung
Reichweite bundesweit (sehr groß)
Zielgruppe zur
Maßnahmenumsetzung
Kommunen
Beschreibung
Die Hitzeaktionsplanung hat das Ziel, die gesundheitlichen Auswirkungen bis hin zu zusätzlichen
hitzebedingten Todesfällen bei lang anhaltenden Hitzeperioden, insbesondere für vulnerable
Personengruppen, zu reduzieren.
In der „Arbeitshilfe zur Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplans für Städte
und Kommunen“ wird die Bedeutung der Wirksamkeitskontrolle von Präventionsmaßnahmen
im Rahmen des Hitzeaktionsplans in einem Evaluationsprozess beschrieben. Hiermit ist
sicher zustellen, dass Maßnahmen des Hitzeaktionsplans die beabsichtigte Wirkung erzielen
(Effek tivität), kosteneffektiv sind (Effizienz) und die Akzeptanz der Zielgruppe finden. Dieser
Evaluations prozess soll mit messbaren Indikatoren durchgeführt werden.
Auch in den „Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz
der menschlichen Gesundheit“ kommt dem Themenfeld Monitoring und Evaluation als achtes
Kernelement der WHO eine besondere Bedeutung zu. So sollen die Maßnahmen des Hitzeak -
tionsplans evaluiert werden, um Hitzeereignisse und deren Folgen quantitativ zu erfassen, zu
bewerten und um gegebenenfalls Nachbesserungen und Weiterentwicklungen der Interven -
tionsmaßnahmen zu veranlassen.
Im Rahmen der Arbeitshilfe wird empfohlen, zur Evaluation auf kommunaler Ebene eine Doku -
mentation der umgesetzten Maßnahmen, eine Bewertung der Akzeptanz der Maßnahmen durch
Nutzer*innen und ein Monitoring der Krankheitslast anhand der Notfalleinweisungen in örtliche
Krankenhäuser durchzuführen. Ein Monitoring des Sterbegeschehens bei Hitzeextremen sollte in
der Regel auf Landesebene erfolgen. Hier ist die Verfügbarkeit von aussagekräftigen Daten, die
zeitnah zur Verfügung stehen müssen, ein zentraler Ansatzpunkt.
Kommunen haben die Möglichkeit, ihre durchgeführten Interventionsmaßnahmen zu beschrei -
ben und im Rahmen eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zu dokumentieren. Dieser
Prozess sollte mit den beteiligten Multiplikator*innen durchgeführt werden, um entsprechende
Hemmnisse und zusätzliche Potenziale zur Verbesserung gemeinsam zu erarbeiten.
Das Monitoring sowie die Evaluation setzen dann an, wenn erste Anpassungsmaßnahmen
implementiert wurden, und sind daher als langfristige Aufgaben zu verstehen.
Auch die Handlungsempfehlungen beschreiben, dass dieser eher langfristige Aspekt zunächst
nicht erforderlich ist und dass die Implementierung erster Anpassungsmaßnahmen zunächst
vorrangig ist.
Die Entwicklung möglicher Indikatoren zur Kontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen ist
vielschichtig. Indikatoren wie die Anzahl der verteilten Informationsmaterialien oder die Erfas -
sung der Zugriffszahlen auf das kommunale Hitze-Portal sind in der Kommune relativ leicht zu
erfassen.
Die Auswertung von Einsatzzahlen von Rettungsdiensten bei Hitzeereignissen stellt einen Ein -
zelindikator dar, der das komplexe Themenfeld „Hitzeereignis in einer Großstadt“ nicht in Gänze
abbilden kann und von weiteren Indikatoren begleitet werden sollte.
Eine gesicherte Aussage über die Verringerung der Übersterblichkeit bei Hitzeereignissen
von Menschen im Alter durch Maßnahmen eines Hitzeeinsatzplans ist grundsätzlich schwer
zu treffen, da diese Entwicklungen von anderen überlagert werden können.
8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen
8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen
217
KE 8.1 Evaluation der durchgeführten Maßnahmen des Hitzeaktionsplans
Ziel der Maßnahme Wirksamkeit der Interventionsmaßnahmen bewerten und Maßnahmen verbessern, um den
Gesundheitsschutz der Bevölkerung weiter zu optimieren.
Stadt Köln
Im Rahmen des Projekts wurde bislang keine Evaluation durchgeführt, da die Maßnahmen
erst im Rahmen des Projekts initiiert wurden.
Es wurde jedoch geprüft, ob Daten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zur Erstellung der
kleinräumigen Gesundheitsberichterstattung Köln den Einfluss von verschiedenen Umwelt -
faktoren auf das Erkrankungsgeschehen erkennbar machen. Die kleinräumige Gesundheits -
berichterstattung soll innerstädtische kleinräumige Unterschiede im Erkrankungsgeschehen
aufzeigen. Für den Umweltfaktor Hitze war keine eindeutige Signifikanz für bestimmte Erkran -
kungen sichtbar. Möglicherweise waren jedoch die zur Verfügung gestellten Grundlagendaten
nicht geeignet, diese Fragestellung zu klären.
Eine Auswertung von hitzebedingten Einsatzzahlen der Rettungsdienste / Feuerwehr ist geplant.
Hier muss die Datenverfügbarkeit und Qualität der Daten noch geprüft werden.
Anzusprechende
Partner*innen
Rettungsdienst/Feuerwehr, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Amt für Umwelt- und
Verbraucherschutz, Gesundheitsamt
Hemmnisse/Störfak -
toren
Bindung von personellen und finanziellen Ressourcen;
Datenverfügbarkeit und Qualität
Kosten noch keine Einschätzung möglich; bei Kauf der KV-Daten: hoch
Verstetigung
Weitere Infos
„Arbeitshilfe zur Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplans für Städte und
Kommunen“, die im Rahmen des UBA-Projekts „HAP-DE. Analyse von Hitzeaktionsplänen und
gesundheitlichen Anpassungsmaßnahmen an Hitzeextreme in Deutschland“ erstellt wurde;
„Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschli -
chen Gesundheit“, UBA
9. Welche
Erkenntnisse der
HAP-Köln bietet
220
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen
Das Verbundprojekt HAP-Köln, das vom
Bundesministerium für Umwelt, Natur-
schutz, nukleare Sicherheit und Verbrau-
cherschutz über 3,5 Jahre als Leuchtturm-
projekt gefördert wurde, ist in mehrfacher
Hinsicht außergewöhnlich:
• Erstmals wurde ein Hitzeaktionsplan für
eine deutsche Millionenstadt auf den
Weg gebracht.
• Erstmals konzentriert sich ein Hitzeaktions -
plan auf die besonders vulnerable Gruppe
von Menschen 65+.
• In das Projekt integriert ist die bisher
umfangreichste empirische Studie zur sub-
jektiven Betroffenheit von Menschen 65+
in vier verschiedenen Stadtvierteln.
• Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel für
transdisziplinäre Kooperation von kom-
munaler Verwaltung, Wirtschaft und einer
universitären Forschungseinrichtung.
Das Projekt ist eingebunden in die wissen -
schaftliche Arbeit der Stadt Köln zum Thema
Klimawandelanpassung, z. B. mit folgenden
Projekten: Im Rahmen des Projekts „Klima -
wandelgerechte Metropole Köln“ wurden
erste Hitze-Betroffenheiten der Bevöl-
kerung ermittelt und das Handlungsfeld
Gesundheit definiert. Durch das vorliegende
Leuchtturmprojekt wurden Menschen 65+
detailliert betrachtet und das Handlungsfeld
Gesundheit mit umfangreichen Maßnahmen
in den Fokus gerückt.
Das Projekt „iResilience – Soziale Innovati-
onen und intelligente Stadtinfrastrukturen
für die resiliente Stadt der Zukunft (iRes)“
mit einer Laufzeit vom 01.11.2018 bis
30.06.2022 hat in einem handlungsorien -
tierten Ansatz (Reallabore) neue Formate
zur Kollaboration, Beteiligung und Aktivie-
rung der verschiedenen Akteur*innen erar-
beitet und somit einen sozialwissenschaft-
lichen Forschungsansatz verfolgt. Es liefert
Erkenntnisse für die partizipative Zusam-
menarbeit, die auch bei der Fortführung von
HAP-Köln genutzt werden können.
9.1 Erkenntnisse aus den empirischen
Untersuchungen
Im Projektverlauf hat es sich als sehr wichtig
erwiesen, mit verschiedenen stadtklimato -
logischen (diese standen aus dem Vorgän-
gerprojekt zur Verfügung), geostatistischen
und sozialempirischen Untersuchungen
zunächst eine gründliche und belastbare
empirische Basis zu legen. Erst nach die -
sen Arbeiten war es möglich, ein klares
Verständnis für die dem Projekt gestellte
Aufgabe zu entwickeln: die Erstellung eines
Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter.
Die Ergebnisse des Projekts „Klimawan -
delgerechte Metropole Köln“ lieferten hoch
aufgelöste Informationen zur zukünftig
(2021–2050) erwarteten thermischen
Belastung des Stadtraums. Die thermisch
ungünstigen Konsequenzen von hoher Ver-
dichtung und Versiegelung sowie fehlenden
grünen und blauen Freiflächen treten deut-
lich hervor, sodass die thermisch hoch und
sehr hoch belasteten Siedlungsgebiete auf
einer Planungshinweiskarte Hitze deutlich
ausgewiesen werden konnten.
9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen
221
9.1.1 Vulnerabilitätsanalyse
In einer mehrschrittigen Vulnerabilitäts -
analyse wurden die modellierten Daten der
thermischen Belastungssituation zunächst
mit den hoch aufgelösten vorliegenden
demografischen Daten der Stadt Köln ver-
schnitten. Auf diese Weise konnten Gebiete
identifiziert werden, in denen einerseits
das Potenzial einer hohen thermischen
Belastung besteht und andererseits die Zahl
der Menschen 65+, eingeteilt nach 5-Jah -
res-Altersklassen, besonders hoch ist. Auf
diese Weise konnte deutlich werden, wo der
Handlungsbedarf besonders groß ist.
Im zweiten Schritt der Vulnerabilitäts-
analyse sind die demografischen Daten
mit Daten zur Verteilung von öffentlich
zugänglichen Grünflächen im Stadtraum
verschnitten worden, denn Stadtgrün ist ein
wichtiger Faktor, wenn es um hitzeadaptier-
tes Verhalten geht. Für jeden Menschen im
Alter wurde die reale Wegdistanz von seiner
Wohnadresse zum nächstgelegenen Zugang
einer öffentlichen Grünfläche ermittelt. Die
ermittelten Distanzen unterschieden sich
erheblich und lagen für die extremen Klas -
sen unter 160 m bzw. über 400 m.
In einem weiteren Schritt der Vulnerabili-
tätsanalyse wurde zusätzlich die modellierte
Hitzebelastung an den Wohnadressen
aller Menschen 65+ berücksichtigt und
diejenigen Gebiete ausgewählt, in denen
mindestens 60 % der Menschen 65+ am
Wohnort mit hoher oder sehr hoher ther-
mischer Belastung konfrontiert sind. Auf
diese Weise konnte die Vulnerabilität für
die Statistischen Quartiere nach drei Merk -
malen bestimmt werden: modellierte ther-
mische Situation, demografische Situation,
Grünflächenangebot.
Dieses Vorgehen lieferte ein sehr differen -
ziertes Bild der Belastung der Zielgruppe
(Menschen 65+) und damit eine solide Basis
für die Auswahl von Untersuchungsräumen
für die sozialempirischen Erhebungen. Das
Verfahren ist zwar aufwendig, kann aber
als Grundlage für die Identifizierung von
Hot-Spots und Handlungsbedarfen für die
differenzierte Entwicklung eines kommuna-
len Hitzeaktionsplans ohne Einschränkung
empfohlen werden.
9.1.2 Was berichten uns
Menschen im Alter?
Mit dem dargestellten Verfahren der Vul-
nerabilitätsanalyse gelang es, vier Unter-
suchungsgebiete auszuwählen, die sich
hinsichtlich der Hitzebelastung und der
sozio ökonomischen Situation deutlich
unterscheiden. Das war die Grundlage
für eine vergleichende Untersuchung zur
subjektiven Hitzebelastung der Zielgruppe.
Wenn auch Einschränkungen aufgrund
strikter Datenschutzbestimmungen hinge -
nommen werden mussten, so konnten doch
wichtige Erkenntnisse generiert werden.
Die wahrgenommene Hitzebelastung sowie
die wahrgenommene gesundheitliche
Belastung bei Hitze sind jeweils in drei der
vier Untersuchungsgebiete recht ähnlich.
Nur in dem Gebiet, das doppelt begüns -
tigt ist (Pesch: ökonomisch stark, geringe
thermische Belastung), wird die Situation
subjektiv von den Befragten als weniger
belastend angegeben. Im thermisch wenig
belasteten, aber ökonomisch schwachen
Vergleichsraum (Sozialraum Blumenberg/
Chorweiler/Seeberg-Nord) wird die objek-
tive thermische Gunst subjektiv nicht wahr-
genommen. Bezüglich der Frequenz von
Symptomen bei Hitzebelastung bestätigt
sich dieses Bild.
222
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen
Die Menschen im Sozialraum Blumenberg/
Chorweiler/Seeberg-Nord empfinden nicht
nur mehr Hitze, sie leiden auch häufiger an
Symptomen.
Dieses Ergebnis ist sehr wichtig, denn es
weist darauf hin, dass neben den für die
Quartiere modellierten thermischen Belas -
tungen andere, soziale Faktoren eine sehr
wichtige Rolle spielen müssen, wenn es
darum geht, wie Hitze empfunden wird. Vor
dem Hintergrund der sorgfältig begründe -
ten Auswahl und Charakterisierung der vier
Untersuchungsgebiete kann davon aus-
gegangen werden, dass diese Erkenntnis
sowohl auf den gesamten Stadtraum Kölns
als auch auf andere Kommunen übertragbar
ist.
Zu den unsystematischen, teils anekdoti-
schen Beobachtungen während der Befra -
gungen in den Wohnungen der Menschen
65+ zählen:
• fehlende Außenverschattungen,
• selbst bei Südexposition fehlende
oder nur notdürftig improvisierte
Innenverschattungen,
• schlechte Gebäudeisolierung,
• schlecht schließende Fenster und Türen
sowie
• hohe Wohndichte.
Diese Umstände führen in den Innenräumen
etwa der Hochhäuser von Chorweiler zu
einer thermischen Belastung, die durch die
für den Außenraum modellierte Hitzebelas -
tung nicht wiedergegeben wird.
Diese Erkenntnis ist besonders wichtig vor
dem Hintergrund, dass zwei Drittel der Men -
schen 65+ angaben, bei Hitze ihre Wohnung
möglichst gar nicht oder doch zumindest
deutlich seltener zu verlassen. Sie begrün -
den dies mit fehlendem Schatten auf ihren
Alltagswegen.
Die Lebenswirklichkeit dieser Menschen
spielt sich also bei Hitzebelastung im
Wesentlichen in ihrer Wohnung ab. Das ver-
deutlicht noch einmal die große Bedeutung
des Kernelements IV der WHO-Systematik
für Hitzeaktionspläne: Reduzierung von
Hitze in Innenräumen.
Viele Maßnahmen zum Schutz vor Hitze
sind den Menschen 65+ bekannt. Ledig -
lich das gezielte Kühlen der Extremitäten
durch Bäder oder feuchte Tücher wird
selten eingesetzt. Auch technische Lösun -
gen (Ventilator, Klimaanlage) spielen eine
untergeordnete Rolle. Die Wissensdefizite
der Menschen 65+ sind also überschaubar.
Möglicherweise ist aber der aktive Einsatz
in eigener Initiative problematischer, denn
spontan wurden deutlich weniger Anpas -
sungsstrategien genannt.
Für Kommunikationskonzepte im Hitzeak-
tionsplan bedeutet dies, dass neben Infor -
mation vor allem Motivation im Vordergrund
stehen sollte.
Bezüglich der Informationsquellen, die Men-
schen 65+ bevorzugt nutzen, wurde deut-
lich: Die klassischen Medien (Fernsehen,
Radio, Tageszeitung) liegen ganz klar vorn.
9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen
223
Die Vermutung, dass mobile Technolo-
gien und soziale Medien (z. B. Apps) in
den vergangenen Jahren einen enormen
Bedeutungszuwachs erfahren haben und
unter den Nutzer*innen dieser Medien
zunehmend Menschen aller Altersklassen
und Gesellschaftsschichten vertreten sind,
hat sich in dieser Untersuchung nicht bestä -
tigt. Auch wenn diese Plattformen eine sehr
große Reichweite bieten und zudem im
Vergleich zu traditionellen Medien sehr kos-
tengünstig sind, muss diese Erkenntnis für
Informations- und Motivationskampagnen
unbedingt berücksichtigt werden. Allenfalls
können Multiplikator*innen, wie jüngere
Angehörige oder Nachbar*innen, erreicht
werden, die diese Informationen und Hand-
lungsempfehlungen an die Menschen 65+
weitergeben können.
Die Frage nach Unterstützung bei Hitze -
belastung zeigte, dass nur etwa 40 % der
Befragten ihre Kinder in dieser Funktion
sehen, während fast genauso viele die*den
Ehepartner*in angaben. Dies ist natürlich
oft wegen ähnlichen Alters keine adäquate
Lösung. Hier wird deutlich, dass insbeson -
dere gebrechliche, aber noch selbstständig
lebende Menschen 65+ ein zusätzliches,
niederschwelliges Unterstützungsangebot
benötigen. Dies sollte möglichst schon vor
der Hitzewelle organisiert sein, damit die
Umsetzung in der Krise schnell erfolgen
kann. Dies verweist auf Kernelement 5.5
(Unterstützende Angebote bei Hitze, Integ-
ration von Hitze in vorsorgende Hausbesu-
che) der WHO-Handlungsempfehlungen für
die Erstellung von Hitzeaktionsplänen, für
das nach den vorliegenden Erkenntnissen
prioritär Ressourcen bereitgestellt werden
sollten.
Denn eine hitzebedingte Gesundheitskrise
kann rasch das Ende selbstständigen
Lebens bedeuten. Internationale Erfahrun -
gen mit Hitzeaktionsplänen können auch
auf der kommunalen Ebene Inspiration
bieten, um konkrete Maßnahmen zum
Gesundheitsschutz bei Hitzewellen zu ent-
wickeln. Es ist deshalb zu empfehlen, sich
mit geeigneten Städten, mit denen ggf.
durch eine Städtepartnerschaft ohnehin
Kontakt besteht, darüber auszutauschen,
wie die Umsetzung der Hitzeaktionspläne
dort funktioniert, welche Hindernisse bei
der Umsetzung auftreten und welchen Rat
sie für die Erstellung und erfolgreiche Imple -
mentierung eines kommunalen Hitzeakti -
onsplans geben würden.
Sehr deutlich wurde, dass in den hausärzt -
lichen Praxen die Thematik Hitzebelas -
tung bislang wenig thematisiert wird. Hier
schlummern daher Potenziale der Informa-
tion und Motivation, denn die Beziehung
zwischen Hausärzt*in und Patient*in ist in
der Regel stabil und vertrauensvoll. Erste
Bemühungen, diese Lücke zu schließen,
wurden von der Deutschen Allianz Klima -
wandel und Gesundheit (KLUG) initiiert. Das
Netzwerk gründete sich 2017 mit Akteur*in-
nen aus dem gesamten Gesundheitsbereich,
um deutlich zu machen, welche weitrei-
chende Folgen der Klimawandel auf die
Gesundheit hat.
www.klimawandel-gesundheit.de
224
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.2 Interaktion, Vernetzung und Kommunikation
9.1.3 Wie ist die Lage in den Betreu-
ungseinrichtungen für Senior*innen?
Die Betreu ungseinrichtungen für Senior*in-
nen erwiesen sich als überwiegend gut
informiert und vorbereitet auf Hitzebelas -
tungen. Fast drei Viertel empfangen selbst
Warnungen vom DWD und sind insofern
frühzeitig informiert. Drei Punkte sind aller-
dings herauszuheben, hinsichtlich derer
Verbesserungspotenzial deutlich wurde:
• die bauliche Situation, einschließlich des
Angebots kühler, möglicherweise klimati-
sierter Gemeinschaftsräume,
• die personelle Situation, die insbesondere
im Sommer, wenn Hitzebelastung und
Urlaubszeit zusammentreffen, knapp ist
und nur wenig Kapazitäten für erforderliche
Anpassungsmaßnahmen bietet,
• die Anpassung der Medikation, die in
immerhin 40 % der Einrichtungen bisher
nicht stattfindet .
Hinsichtlich des letztgenannten Punkts
wurde deutlich, dass es sich hier zumindest
teilweise auch um ein Schnittstellen-Prob -
lem zwischen Einrichtung und Hausärzt*in -
nen handelt. Eine systematische Inter-
vention könnte helfen, diese Situation zu
verbessern, die auch damit zusammenhängt,
dass typischerweise nicht eine Person die
hausärztliche Betreuung aller Bewohnen -
den übernimmt, sodass die Kommunikation
für alle Beteiligten aufwendig ist. Darüber
hinaus stellt sich die Frage, ob die gesetz-
lichen Vorgaben in Einrichtungen, wie z. B.
das Führen von Trinkprotokollen, für lang
anhaltende Hitzeperioden ausreichend sind.
Weitergehende Prüfungen auf spezielle Risi-
ken in Hitzeperioden könnten in die Bestim-
mungen für Einrichtungen für ältere Men-
schen eingebunden werden oder könnten
im Hitzeaktionsplan bzw. Hitzeeinsatzplan
aufgegriffen werden.
9.2 Interaktion, Vernetzung und
Kommunikation
Bezüglich Interaktion, Vernetzung und
Kommunikation von Partner*innen und
Akteur*innen aus ganz verschiedenen
Bereichen wurde im Projekt HAP-Köln
ein umfangreicher Aufwand betrieben:
Zunächst arbeitete das Projektteam selbst
inter- und transdisziplinär und tauschte sich
in mindestens monatlichen Projekttreffen
aus. Diese enge Kooperation zwischen
Kommune und Hochschule erwies sich als
sehr zielführend.
Auch außerhalb geförderter, aber stets zeit-
lich befristeter Forschungs- und Entwick-
lungsvorhaben kann diese Form der engen
Kooperation für beide Seiten ertragreich
sein: Mit der Kommune als „Reallabor“ fin -
den die Erfahrungen aus der kommunalen
Verwaltungspraxis Eingang in Forschung
und Lehre. Wissenschaftliche Erkenntnisse
können umgekehrt rasch und praxisnah
erprobt und umgesetzt werden. Die Verwal-
tung profitiert von der Nähe und Zugäng -
lichkeit neuer aktueller Forschung.
Darüber hinaus gab es in verschiedenen
Formaten einen kontinuierlichen, der Ver-
netzung und Interaktion dienenden Aus -
tausch:
• mehrere ganztägige trisektorale Treffen mit
lokalen Akteur*innen und Multiplikator*in-
nen aus verschiedenen Bereichen von Poli-
tik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft,
karitativen Organisationen, Senior*innen-
verbänden und Stadtteilvertretungen,
• mehrere ganztägige interkommunale Ver-
netzungstreffen mit zuletzt knapp 20 teil-
nehmenden Kommunen,
9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan
225
• regelmäßige Treffen mit dem wissenschaft-
lichen Beirat, der viel Zeit in den Austausch
innerhalb des Projekts investierte und für
den Projektfortschritt aus unterschiedli -
cher Perspektive wichtige und unverzicht-
bare Impulse setzte.
Die Identifikation, Ansprache und erfolgrei -
che Einbindung der zahlreichen Akteur*in-
nen in den verschiedenen Formaten der
Zusammenarbeit war arbeitsintensiv, aber
wegen der Vielschichtigkeit der Anforderun-
gen rund um einen kommunalen Hitzeak-
tionsplan unverzichtbar. Waren die beiden
Befragungen der Menschen 65+ und der
Senior*inneneinrichtungen noch vor Aus-
bruch der Covid-19-Pandemie abgeschlos-
sen, konnten viele geplante Interventionen
auf z. B. Stadtteilfesten oder Festen in
Senioreneinrichtungen pandemiebedingt
nicht stattfinden. Gerade die Ansprache der
Zielgruppe des Projekts gelang nur mit der
Unterstützung der lokal in den „Veedeln“ gut
vernetzten Akteur*innen, die als Multiplika -
tor*innen für Menschen 65+ dienten.
Zukünftig sollte noch stärker darauf geach -
tet werden, bereits existierende Netzwerke
für die neue Aufgabenstellung zu nutzen,
um Synergien konsequent realisieren zu
können.
Erst eine gründliche Nachanalyse wird zei-
gen, ob für den weiteren Prozess zusätzliche
Akteur*innen gewonnen werden sollten,
die bisher nicht berücksichtigt wurden,
wie zum Beispiel Vertretungen der großen
Religionsgemeinschaften.
9.3 Interventionen, Maßnahmen,
Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum
Hitzeaktionsplan
Das Thema Anpassung an den Klimawan -
del wird in den Kommunen durch die hohe
Betroffenheit und Verwundbarkeit von Städ-
ten durch die zunehmenden Klimaverände-
rungen immer präsenter und gehört zu den
zentralen Zukunftsaufgaben der Städte.
2011 hat der Bund das Baugesetzbuch
(BauGB) durch die sogenannte „Klima-
schutzklausel“ im § 1a Abs. 5 BauGB erwei-
tert und damit auch Maßnahmen der Klima -
wandelanpassung stärker im kommunalen
Bauleitplanverfahren verankert.
Im Rahmen der 93. Konferenz der Gesund-
heitsminister*innen der Länder (GMK) am
1.10.2020 wurde postuliert, dass der Klima -
wandel sowohl zu einer Zunahme direkter
Gesundheitsbeeinträchtigungen als auch
zu indirekten negativen gesundheitlichen
Auswirkungen und Risiken führt. Die GMK
sprach sich für die Erstellung von kommu-
nalen Hitzeaktionsplänen innerhalb eines
5-Jahres-Zeitraums aus (GMK 2020). Offen
bleibt die konkrete Ausgestaltung in der
Kommune.
226
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan
Durch das Klimaanpassungsgesetz NRW
(2021) erhält die Anpassung an den Klima -
wandel die erforderliche Gewichtung, ist
präsenter und verbessert den Zugang zu
Anpassungsmaßnahmen. Das Thema Klima -
wandelanpassung ist eine Querschnittsauf -
gabe. Dies hat die NRW-Landesregierung
durch die Einbindung der verschiedenen
Ressorts beschrieben und verankert. Auch
auf kommunaler Ebene lassen sich nur dann
sinnvolle Anpassungsmaßnahmen durch-
führen, wenn auch hier das Thema als Quer -
schnittsaufgabe gesehen wird.
Diese Betrachtung ist auch maßgeblich für
eine kommunale Hitzeaktionsplanung. Das
vorliegende Projekt hat durch die sektor-
übergreifende Vernetzung und Zusammen-
arbeit neue Arbeitsstrukturen und Grundla -
gen geschaffen, die über den gesetzlichen
Rahmen weit hinausgehen.
Auch das neue Landesgesetz beschreibt
im § 3 Abs. 2 Klimawandel als Teil der
Daseinsvorsorge, u. a. mit dem Ziel des
Gesundheitsschutzes, aber eine Verpflich -
tung erwächst den Kommunen hieraus nicht.
Daher ist es von besonderer Bedeutung, wie
die Ausgestaltung des Klimaanpassungs -
gesetzes sein wird, das auf Bundesebene
vorgelegt werden soll. Klimaanpassung
kann bei den im urbanen Raum vorhande -
nen vielfältigen Nutzungskonkurrenzen nur
umgesetzt werden, wenn diesem Belang ein
schwereres Gewicht im Rahmen der Abwä-
gung eingeräumt werden kann, als dies
heute der Fall ist.
Zu den WHO-Kernelementen eines Hit-
zeaktionsplans lässt sich mit den Erfah -
rungen des HAP-Köln-Projekts Folgendes
feststellen:
• Nicht für alle Kernelemente I–VIII besitzt
eine Kommune die erforderlichen Möglich-
keiten zur Umsetzung. Grundlage ist zudem
immer die Verfügbarkeit entsprechender
Ressourcen.
• Kernelement I (Zentrale Koordinierung und
interdisziplinäre Zusammenarbeit): Von der
WHO wird die Einrichtung einer zentralen
Koordinierung empfohlen, die die behör-
denübergreifenden Zuständigkeiten sowie
Einleitung, Umsetzung und Evaluation der
Maßnahmen koordiniert. Diese Aufgabe
erfüllte für die Stadt Köln das Projekt -
team des HAP-Köln-Verbundprojekts. Es
erwies sich als unverzichtbar, über eine
solche Stelle zu verfügen. Nach Projekt -
ablauf ist nun eine entsprechende zentrale
Koordinierung im Rahmen des Klimaan-
passungsmanagements geplant. Neben
personellen Ressourcen ist ein Budget zur
Maßnahmenumsetzung unabdingbar. Grö-
ßere bauliche Maßnahmen erfordern eine
zusätzliche Finanzierung.
• Kernelement II (Nutzung eines Hitzewarn-
systems) beinhaltet schnelle und für Kom-
munen einfach umsetzbare Maßnahmen,
wie das Abonnieren des DWD-Newsletters
„Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ und
Verbreiten der Hitzewarnung mit Hilfe
verschiedener Kanäle. Auch für die Bevöl-
kerung und Multiplikator*innen selbst ist
die kontinuierliche Nutzung sinnvoll und
einfach.
• Kernelement III (Information und Kom-
munikation) bietet einen breiten Rahmen
für Maßnahmen, die in unterschiedlicher
Detailtiefe entwickelt werden können.
Auch der Kostenaspekt lässt sich in diesem
Kernelement gut steuern.
9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan
227
• Bei Kernelement IV (Reduzierung von Hitze
in Innenräumen) sind die Einwirkungsmög-
lichkeiten einer Kommune durch die Eigen-
tumsverhältnisse naturgemäß begrenzt.
Die kommunale Aktivität wird sich auf die
Ertüchtigung städtischer Liegenschaften
einerseits, auf Informationskampagnen und
Fördermaßnahmen andererseits beschrän -
ken, solange nicht im Baurecht belastba -
rere Anforderungen formuliert werden.
• Das Kernelement V (Besondere Beachtung
von Risikogruppen) ist eine Grundvoraus-
setzung für eine zielgerichtete Hitzeakti -
onsplanung. Es ist sinnvoll Maßnahmen
und Aktionen für die unterschiedlichen
vulnerablen Gruppen zu konzipieren. Für
eine Großstadt kann es sinnvoll sein vorab
die Hitzeaktionsplanung zielgruppenspe -
zifisch zu gestalten und anschießend auf
weitere vulnerable Gruppen sukzessive
auszuweiten.
• Kernelement VI (Vorbereitung der Gesund-
heits- und Sozialsysteme) benötigt für eine
gute Umsetzung erheblichen Input von
medizinischer/gesundheitswissenschaft-
licher Seite. Die Realisierung gestaltet
sich teilweise schwierig und hängt von der
Kooperation der Multiplikator*innen und
Ämter ab. Der öffentliche Gesundheits -
dienst war im Projektverlauf, nicht zuletzt
infolge der Covid-19-Pandemie, nur sehr
eingeschränkt in der Lage, sich adäquat
einzubringen. Diese durch die Pandemie
scharf akzentuierte Erfahrung macht deut -
lich, dass ein Engagement („commitment“)
der beiden maßgeblichen kommunalen
Verwaltungsressorts (Umwelt, Gesundheit)
für die Aufstellung eines Hitzeaktionsplans
nicht verzichtbar ist und nur ausnahms-
weise Kompensation von extern gelingen
wird.
Dies kann im erforderlichen Umfang
nur gelingen, wenn aufgabenspezifische
Personalressourcen für beide Ressorts
eingeworben werden und dann auch zur
Verfügung stehen.
• Maßnahmen zum Kernelement VII (Lang-
fristige Stadtplanung und Bauwesen) konn-
ten nur beschrieben und vor allem nicht
im Rahmen der Projektlaufzeit umgesetzt
werden.
• Maßnahmen zu Kernelement VIII (Monito-
ring und Evaluation der Maßnahmen) wur-
den im Verlauf von HAP-Köln noch nicht
auf den Weg gebracht, weil die Laufzeit
der angestoßenen Maßnahmen für eine
substanzielle Evaluierung noch zu kurz ist.
Für die Bearbeitung müssen noch einige
grundsätzliche Fragen behandelt werden:
Welche Indikatoren müssen für ein sinnvol-
les Monitoring erhoben werden? Welche
Indikatoren sind geeignet, um einen Rück-
gang von Übersterblichkeit bei Hitze zu
erfassen? Welche gesundheitsbezogenen
Daten sind zur Durchführung eines Moni-
torings bzw. einer Evaluation von Maßnah-
men überhaupt verfügbar?
Nicht immer ist eine klare Zuordnung einer
geplanten Maßnahme zu einem Kernele-
ment möglich. Es bestehen Überschneidun -
gen. Dennoch erwies sich die Ordnung der
Maßnahmen nach den 8 Kernelementen
und den 5 Zeithorizonten als grundsätzlich
sehr hilfreich und sinnvoll. Die Handlungs-
empfehlung hierzu hat sich im kommunalen
Verwaltungsalltag als durchaus praxistaug -
lich erwiesen.
228
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.4 Erreichbarkeit der Zielgruppe
9.4 Erreichbarkeit der Zielgruppe
Eine wichtige Frage im Projekt war, auf wel-
chen Wegen die Zielgruppe der Menschen
65+ am besten erreicht werden kann.
Hierbei musste zwischen den Personen, die
in Einrichtungen der Pflegebetreuung leben,
und den Alleinlebenden unterschieden
werden. Während der Weg über die Pflege -
einrichtungen klar vorgegeben war, stellte
sich der Kontakt zu in eigenem Wohnraum
Lebenden differenzierter dar. Hier war wich -
tig, die Menschen in ihren Lebenswelten zu
erreichen. Verschiedenste Multiplikator*in-
nen sind hier mit unterschiedlichen Angebo -
ten einzubinden.
So können Informationen über ambulante
Pflegedienste weitergegeben und diese
auf notwendige Vorsorgemaßnahmen auf-
merksam gemacht werden. Aber auch bei
Außer Haus-Kontakten, wie zum Beispiel
ärztliche Sprechstunden und Apothekenbe -
suche, Bäckereien und auf Stadtteilfesten,
kann der Kontakt direkt mit den Menschen
hergestellt werden. Im Projektverlauf wurde,
nachdem dies aufgrund der Covid-19-Pan-
demie wieder möglich war, auf Stadtteilfes-
ten für das Thema geworben.
Eine besondere Herausforderung stellen
die Alleinlebenden dar, die möglicherweise
mobilitätseingeschränkt nur noch wenige
soziale Kontakte pflegen. Hier kann die
Aktivierung der Nachbarschaft und ande -
rer sozialer und konfessioneller Netzwerke
einen guten Weg der Hilfestellung dar-
stellen.
Ein systematisches, aktives Angebot stellt
die aufsuchende Hilfe dar, die möglicher-
weise ausgebaut und um die Aufgabe Hitze -
prävention erweitert werden muss (s. auch
Kap. 8, KE 5.5).
So unterschiedlich die Wege der Kommuni-
kation, so verschieden und zum Teil unge-
wöhnlich waren auch die im Projekt erprob -
ten Formate.
So wurden Maßnahmen zum Gesund -
heitsschutz bei Hitze mit einem Song und
Imagefilm von einer kölschen Band bewor-
ben. Zudem ist die Band live in Altenein -
richtungen aufgetreten. Musik eignet sich
gerade für die Zielgruppe in kölscher Mund -
art, da sie bei älteren und / oder dementen
Menschen Wohlbefinden und ein Gefühl
der Verbundenheit auslösen sowie einen
Bezug zur Identität herstellen kann. Die im
Projekt erstellten Fächer fanden großen
Anklang und konnten auch von Menschen
mit Demenz intuitiv genutzt werden. Auch
die Hitzetipps wurden in lokaler Adaption
mit der Zahl 11 als 11 Hitzetipps gedruckt.
Es wurde deutlich, dass diese plakativen
Maßnahmen eine gute Erreichbarkeit der
Zielgruppe erzielen und eine hohe Aufmerk-
samkeit für den Song, aber auch für die
Informationsinhalte erzeugen.
Das Projekt hat neue Vernetzungen initiiert
und erprobt. So wurden nicht nur innerhalb
der Stadt Köln neue Wege der Zusammen-
arbeit eröffnet, sondern auch über die kom -
munalen Grenzen hinweg ein Städtedialog
angestoßen. Diese neuen Wege haben sich
als wichtige Grundlage erwiesen, um ein
komplexes und neues Aufgabenfeld wie die
Hitzeaktionsplanung in einer Kommune zu
verankern. Die offene Diskussion erzeugte
eine Vernetzung auf Augenhöhe.
9.5 Fazit
229
Die Einbindung lokaler Akteur*innen in
einen Hitzeeinsatzplan und die Nutzung vor-
handener lokaler Netzwerke ist ein Weg, der
weiter ausgebaut werden sollte, weil so eine
gebündelte Informationsweitergabe über
Multiplikator*innen an die Zielgruppe aufge-
baut werden konnte. Diese Wege konnten
auch in der Covid-19-Pandemie genutzt
werden.
9.5 Fazit
In großer Übereinstimmung stellen die Pro-
jektpartner fest, dass das hier ausführlich
vorgestellte Vorgehen im Projekt HAP-Köln
insgesamt sinnvoll und notwendig war. Es
ist zu erwarten, dass es sich erfolgreich
auch auf andere Zielgruppen, andere Set-
tings und Kommunen übertragen lässt. Die
Umsetzung des Projekts mit umfangreichen
kommunikativen und interaktiven Elemen-
ten ist trotz der erheblichen Schwierigkeiten
infolge der Covid-19-Pandemie insgesamt
sehr gut gelungen. Der digitale Austausch
hat für die verschiedenen Formate eine
vorab weder erwartbare noch geplante
Bedeutung erlangt und hat dazu beigetra -
gen, dass das Projekt trotz der widrigen
Umstände realisierbar blieb.
Die zu Beginn des Projekts gestellten Fra -
gen konnten zusammenfassend wie folgt
beantwortet werden:
• Welche subjektive Hitzebelastung emp-
finden Menschen 65+ in verschiedenen
großstädtischen Lebensumwelten und
unterscheidet sich die Belastung in Stadt-
vierteln mit unterschiedlicher objektiver
Hitzebelastung bzw. sozioökonomischer
Struktur?
86,7 % aller Befragten haben eine Zunahme
von heißen Tagen, 84,1 % eine Zunahme
von Hitzewellen wahrgenommen.
Weibliche Befragte gaben deutlich häufiger
als männliche an, dass sie eine deutliche
oder sehr starke Belastung empfinden. Im
innenstadtnahen Nippes wurde am häu-
figsten angegeben, eine deutliche oder
sehr starke allgemeine Hitzebelastung zu
empfinden. Auch in den beiden Sozialräu-
men ist dies häufig der Fall. Nur im klima -
tisch unbelasteten, weniger besiedelten
Pesch mit einer ausgeprägten Blau- und
Grünstruktur wird die Belastung häufiger
als mittelmäßig oder weniger stark emp -
funden. Betrachtet man die Wahrnehmung
der gesundheitlichen Belastung bei Hitze
in den unterschiedlichen Stadtvierteln,
dann fällt auf, dass in Pesch die meisten
Teilnehmenden eine mittelmäßige, aber
weniger häufig als in den anderen Gebie -
ten eine deutliche oder sehr starke Belas -
tung empfinden. Die häufigsten spontan
genannten Gesundheitssymptome wäh-
rend Hitzewellen sind Müdigkeit, Schlaf-
probleme und Schwitzen (Kapitel 6.1).
• Wie reagieren Einrichtungen der Senior*in-
nenbetreuung auf Hitze?
Rund 72 % der Einrichtungen gaben an,
Hitzewarnungen zu erhalten. Ein Großteil
der Einrichtungen gab an, einen schrift-
lich festgelegten Handlungsplan für heiße
Tage zu haben, der in den meisten Fällen
konkrete Maßnahmen für heiße Tage und
Hitzewellen enthält. Einrichtungen mit
Handlungsplänen bejahten überwiegend,
dass die Umsetzung der Maßnahmen und
des Handlungsplans dokumentiert werde.
Die Maßnahmen zur Hitzeanpassung
umfassen nächtliches Lüften, Verschattung
am Tage, besonderes Augenmerk auf Flüs-
sigkeitszufuhr in den meisten Fällen durch
Trinkprotokolle und einen angepassten
Speiseplan.
230
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.5 Fazit
Weiterhin werden leichtere Kleidung und
kühlende Waschungen angeboten. Die
Hälfte der befragten Einrichtungen bestä -
tigte, dass eine hitzebedingte Anpassung
von Medikamenten in Absprache mit Haus -
ärzt*innen erfolge. Aufgrund des häufigen
Personalmangels ist eine Anpassung des
Personalschlüssels in den meisten Fällen
nicht möglich. Auch klimatisierte Auf-
enthaltsräume gehören in Einrichtungen
für ältere Menschen eher zur Ausnahme
(Kapitel 6.2).
• Welche Akteur*innen und Multiplikator*in-
nen sind in Köln im Themenfeld Hitze
und Gesundheit für die Zielgruppe 65+
bereits aktiv?
Das bestehende Akteursnetzwerk des
Hitzeaktionsplans für Köln setzt sich aus
den verschiedenen Bereichen der Stadt-
verwaltung, Wissenschaft, Pflege und
Gesundheitswesen, Landes- und Bundes -
behörden, Zivilgesellschaft und Netzwerke,
Politik sowie städtische Unternehmen und
Stadtwerke zusammen. Dies dokumentiert,
dass eine Vielzahl an Akteur*innen mit
jeweils spezifischem Blick heute bereits
tätig ist. Demnach gilt es insbesondere,
diese Aktivitäten weiter zu verzahnen und
gegebenenfalls noch auszubauen. Es zeigt
aber auch die Komplexität und den Umfang
der Aufgabe in einer Großstadt wie Köln
(Kapitel 6.4).
• Wie können diese Akteur*innen und Mul-
tiplikator*innen in einen Hitzeaktionsplan
eingebunden werden?
Für die Integration der genannten
Akteur*innen und Multiplikator*innen
wurden verschiedene trisektorale Treffen
(Kick-off-Meeting, Akteursworkshops,
Abschlussveranstaltung, Runder Tisch
Seniorenarbeit) durchgeführt.
Außerdem wurden die Akteur*innen regel-
mäßig per Rundbrief über den aktuellen
Projektstand sowie weitere wichtige Infor-
mationen im Zusammenhang mit Hitze und
Gesundheit informiert (Kapitel 6.5).
• Wie kann die Kommunikation mit der Ziel-
gruppe strukturiert und optimiert werden
und welche Maßnahmen sind geeignet, die
gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze
für die Zielgruppe zu mildern?
Es wurde die Basis für eine intensive und
regelmäßige Zusammenarbeit der maß -
geblichen Akteur*innen gelegt. Darauf auf -
bauend gilt es den Hitzeeinsatzplan weiter
auszuarbeiten, damit konkret und klar defi -
niert wird, wer, wann und auf welche Weise
aktiv wird, um bei einer Hitzeperiode den
Älteren den bestmöglichen Schutz vor den
gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze
bieten zu können. Zur Weiterentwicklung
und Verstetigung des Hitzeeinsatzplanes
sind fortlaufend Gespräche, Absprachen
und Vereinbarungen notwendig, die Zeit
und finanzielle und personelle Ressourcen
erfordern (Kapitel 8).
Die Rolle einer kommunalen Verwaltung bei
der Entwicklung eines Hitzeaktionsplans
kann nicht allumfassend sein. Erst durch
Allianzen mit anderen stadtgesellschaftli -
chen und auch externen Akteur*innen kann
die Aufgabe gelingen. Dies ist eine wichtige
Botschaft aus dem Leuchtturmprojekt. Die
zeitlich begrenzte Struktur eines Projekts
birgt jedoch auch die Gefahr, dass mit dem
Wegfall einer koordinierenden Stelle diese
Allianzen mit Personalveränderungen etc.
wieder „einschlafen“. Zur Verstetigung des
Hitzeaktionsplans ist daher eine Übergabe
an eine koordinierende Stelle in kommuna-
len Strukturen sinnvoll.
9.5 Fazit
231
232
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen
Beiratsmitglieder des Projekts
Dr. Ulrich Lindemann –
Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart
„Meine Motivation, dieses Projekt für einen
Hitzeaktionsplan in Köln zu unterstützen,
wird getragen von eigenen Studien, die von
unserer Arbeitsgruppe zum Thema Hitzebe -
lastung bei älteren Menschen durchgeführt
wurden. Dabei habe ich erfahren, dass
besonders pflegebedürftige ältere Men -
schen mit schwachem sozialem Netzwerk
unter der Hitze leiden.
Die wirksamen individuellen Maßnahmen
zur Reduktion von Hitzestress (trinken,
Körper kühlen, Wohnung kühlen, Verhalten
anpassen) sind trivial und werden von den
meisten betroffenen Personen instinktiv
angewandt. Die im Projekt erarbeiteten
Impulsgeber zur Sensibilisierung (z. B. Pro-
jekt-Song, Plakate mit 11 Verhaltensregeln,
Text-Laufbänder an KVB-Haltestellen etc.)
sind anspruchsvoll, aber nicht belehrend
und unterstützen diese eigenverantwort-
lichen Maßnahmen. Wichtig, aber bisher
ungeklärt ist der Automatismus der Akti -
onskaskade zur Umsetzung dieser Sensibi -
lisierungsmaßnahmen: Welcher Trigger ver-
anlasst wen was zu tun? Der Trigger dabei
ist eindeutig die Hitzewarnmeldung des
DWD. Es liegt nun an den im Projekt betei-
ligten Ämtern der Stadt Köln, eine Person
oder Dienststelle mit der entsprechenden
Aufgabe zu identifizieren (z. B. bei Erhalt der
DWD-Hitzewarnung für die Verbreitung des
Projektsongs/Videos beim WDR-Hörfunk/
Fernsehen zu sorgen oder bei Erhalt der
DWD-Hitzewarnung für die Schaltung der
Text-Laufbänder an KVB-Haltestellen zu
sorgen).
Die Grundlage für die Umsetzung der Maß -
nahmen wurde im Projekt in den Workshops
mit den Akteur*innen geschaffen. Her-
vorragend ist auch die im Projekt erstellte
Informationsbroschüre, „Der Hitzeknigge“.
Hier müssen noch die effektivsten Ver-
teiler angesprochen und gewonnen wer-
den, z. B. ärztliche Praxen und Apotheken.
Lobenswert ist auch der Austausch im Städ -
tedialog, wobei die Erfahrungen der Kom -
munen untereinander ausgetauscht werden.
Aus Sicht meiner Arbeitsgruppe etwas zu
kurz gekommen sind die pflegebedürftigen
und alleinlebenden älteren Menschen in
der Stadt, deren Situation sich nur durch
Information nicht verbessert. Die Versor-
gung dieser Personen bei Hitze ist oft nicht
geklärt und kann von Hausärzt*innen allein
nicht geregelt werden. Perspektivisch könn -
ten hier die im Katastrophenschutz orga -
nisierten Hilfsorganisationen (DRK, ASB,
MHD, JUH) ins Boot geholt werden, die bei
einer Hitzewarnung nach einer Liste von
Hausärzt*innen erste Maßnahmen umset-
zen und für weitere Schritte das soziale Netz
der Betroffenen organisieren und aktivieren.
Eine Pilotierung einer solchen Maßnahme
erscheint als Ergänzung für Folgeprojekte
sinnvoll.“
Dr. Hans-Guido Mücke –
Umweltbundesamt, Berlin
„Das Umweltbundesamt erarbeitete feder-
führend die Bund/Länder-Handlungsemp-
fehlungen zur Erstellung von Hitzeakti-
onsplänen zum Schutz der menschlichen
Gesundheit (2017 publiziert). Sie haben
insbesondere vulnerable Risikogruppen im
Blick, die bei Hitzeereignissen besonders
gefährdet und schutzbedürftig sind.
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts
233
Hierzu gehören Menschen mit Vorerkran-
kungen, in Pflegebedürftigkeit und unter
Umständen isoliert lebend oder hohen
Alters. Deutschland gehört zu den Staaten
mit dem höchsten Durchschnittsalter, hat
die zweitälteste Gesellschaft im globalen
Vergleich nach Japan und steht damit vor
wachsenden Herausforderungen bezüglich
gesundheitlicher Anpassung an die Folgen
des Klimawandels.
Die Handlungsempfehlungen sind seit
ihrer Publikation bundesweit verbreitet
und waren die Basis für das Verbundpro-
jekt ‚HAP-Köln‘, dem national ersten, das
die Umsetzung der Empfehlungen auf
kommunaler Ebene zum Ziel hatte. In der
Projektlaufzeit (2019–2022) wurde ein inter-
disziplinärer Ansatz unter Einbindung von
Forschung und Wissenschaft, eines Trink-
wasserversorgers und der Kommunaladmi -
nistration verfolgt, mit dem sehr erfolgreich
eine Struktur und ein Rahmen für einen
Hitzeaktionsplan mit zielführenden Hitzean -
passungsmaßnahmen geschaffen wurden.
Neben der wissenschaftlichen Basiserhe -
bung in ausgewählten Bezirken, der ämter-
übergreifenden Kooperation, die sich zu die-
sem Thema zu finden hatte, ist das Projekt
durch die motivierende Einbindung zivilge-
sellschaftlicher Akteur*innen, wie diverser
Senior*innennetzwerke in verschiedenen
Stadtteilen, des Rettungswesens, der Hau-
särzteschaft und der Kölner Verkehrsbe -
triebe, sowie deren insgesamt außerordent-
lich hohes Engagement bei der Mitwirkung
beispielgebend für nachfolgende Projekte.
Allen Beteiligten und Einwohnenden ist zu
wünschen, dass die erlangten Erfahrungen
und Erkenntnisse über das Projektende
hinaus dazu dienen mögen, die Gesund -
heitskompetenz in der Gesellschaft im
Allgemeinen und bei älteren Menschen im
Besonderen zu stärken, die gesundheitli -
chen Risiken durch Hitze zu minimieren und
die Resilienz gegenüber zukünftigen Hitze -
ereignissen dauerhaft zu erhöhen – in Köln
und darüber hinaus.“
Dr. Ulrike Dapp –
Albertinen Haus, Hamburg
„Alt werden verpflichtet. Dies gilt auch für
den hier vorliegenden Bericht des Pro-
jekts ‚HAP-Köln’. Seit dreieinhalb Jahren
arbeiten die kommunale Verwaltung mit
dem Um welt- und Verbraucherschutzamt
und dem Ge sund heitsamt, der Trinkwas-
serversorger RheinEnergie AG und das
Universitätsklinikum Bonn zum Thema Hitze
zusammen.
Insbesondere durch die wissenschaftlichen
Aktivitäten des GeoHealth Centre im Institut
für Hygiene & Public Health des Univer-
sitätsklinikums Bonn gelang es gleich zu
Projektbeginn im Jahr 2019, wichtige neue
Erkenntnisse direkt in und gemeinsam mit
der Zielgruppe des Hitzeaktionsplans der
Stadt Köln zu generieren. In vier ganz unter-
schiedlichen Stadtquartieren (Hitzebelas -
tung, sozioökonomische Situation) wurden
mehr als 250 repräsentativ ausgewählte,
mindestens 65-jährige Kölner Einwohnende
anhand eines standardisierten Fragebogens
befragt. Neben Alter, Geschlecht, Bildung
und Wohnumfeld waren die subjektive
Wahrnehmung von Hitze sowie das Verhal-
ten und die Kommunikation bei Hitze von
Interesse.
234
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts
Besonders an dieser Befragung war auch,
dass der gesundheitliche Allgemeinzu-
stand, die Mobilität im Alter und der Grad
der Selbstständigkeit in der Ausübung von
Alltagsaktivitäten – erfragt über den LUCAS-
Funktionsindex – berücksichtigt wurden.
Damit liegt für den jetzigen und zukünf-
tigen Hitzeaktionsplan der Stadt Köln ein
innovativer Datenschatz vor! Denn gemäß
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist
nicht das kalendarische Alter, sondern der
Grad der funktionalen Kompetenz (das bio -
logische Alter) entscheidend für Selbststän -
digkeit und Lebensqualität im Alter. Über die
Kölner Befragung konnten ältere Personen
mit funktionalen Problemen und Risikofak-
toren identifiziert werden (vulnerable Ziel-
gruppe), die Anlässe gaben zu vielfältigen,
passgenauen Maßnahmen.
Ich wünsche dem Kölner Hitzeaktionsplan
eine angemessene Aufmerksamkeit, Ver-
breitung und Weiterentwicklung und freue
mich schon, in Köln erfolgreich erprobte
Maßnahmen andernorts wiederzusehen!“
Dr. Martin Theisohn und Lilly Liebig –
Seniorenvertretung, Köln
„Die Seniorenvertretung Köln hat sich in den
vergangenen Jahren bei unterschiedlichen
Gelegenheiten dafür eingesetzt, dass die
Älteren Hitze besser managen können. So
haben wir die Schaffung von Trinkbrunnen
unterstützt.
Aus unseren Erfahrungen bei der Begehung
der Pflegeheime in Köln haben wir sowohl
im Rahmen der Mitgliederversammlung
der Landesseniorenvertretung als auch im
Ausschuss Alter und Pflege der Stadt Köln
angeregt, dass die Pflegeeinrichtungen bei
Hitzeperioden eine aktive Kühlung in den
Wohnbereichen zur Verfügung stellen. Dies
soll keine allgemeine Klimatisierung sein.
Wir waren deshalb erfreut, als wir zur Mit -
arbeit im Beirat und bei den verschiedenen
Workshops eingeladen wurden. Dort haben
wir aktiv mitgearbeitet und konnten unsere
Kenntnisse der Vernetzungsmöglichkeiten
in der Stadt Köln einbringen.
Im Rahmen der Information über aktuelle
Hitzeauswirkungen sollten zwei Wege
genutzt werden:
1. Information der Seniorenkoordinationen
auf der Ebene der Stadtbezirke. Diese
Personen haben im Rahmen des „Runden
Tischs Seniorenarbeit“ direkten Zugang zu
allen in der Altenpflege tätigen Hauptamt-
lichen und auch zu Ehrenamtlichen.
2. Über die Liga der Wohlfahrtsverbände
sollten die SeniorenNetzwerk-Koordina-
tor*innen angesprochen und damit auch
die vielen Einzelpersonen und Gruppen
erreicht werden, die die Information über
die Hitzeproblematik weitergeben können.
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts
235
Die Tätigkeit hat aber auch dazu geführt,
dass nun unsererseits Maßnahmen der
Stadt Köln eingefordert werden, die bei Hit-
zeperioden zum Schutz der älteren Gene -
ration führen könnten: Neben der akuten
Information sind dies auch Aktionen in den
Quartieren. So soll vermehrt auf Begrünung
geachtet werden.
Zum anderen braucht es während der Hit-
zeperioden Möglichkeiten, sich abzukühlen:
Dazu sind Brunnen, Rasenbewässerung,
aber auch gekühlte Räume sinnvoll. Diese
Treff-Räume sind notwendig, damit in Quar-
tieren Gemeinschaft und Nachbarschaft
wachsen und gelebt werden kann. Diese
Räume sollen deshalb auch Möglichkeiten
der aktiven Kühlung – keine Klimaanlage
– erhalten.“
Dr. Jutta-Maria Litvinovitch –
Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, nukleare Sicherheit
und Verbraucherschutz, Bonn
„Die Bundesregierung hat im Jahr 2008
unter Federführung des BMU die deutsche
Anpassungsstrategie an den Klimawandel
(DAS) vorgelegt und seitdem – im engen
Dialog mit den Ländern – kontinuierlich wei -
terentwickelt und als Daueraufgabe etab -
liert. Die Umsetzung konkreter Maßnahmen
der Bundesregierung erfolgt in den Aktions -
plänen I–III.
Das Cluster ‚Gesundheit’ ist ein zentrales
Thema der DAS. Sensible Personengruppen
wie beispielsweise ältere und kranke Men-
schen oder Schwangere und Kinder sind
dabei besonders gefährdet.
Der erste Fortschrittsbericht zur DAS
wurde Ende 2015 vom Bundeskabinett
verabschiedet. Es wurde ein regelmäßiges
Berichtswesen vereinbart, dazu gehören
aktuell Monitoringbericht 2019, Evaluie-
rungsbericht 2019, Fortschrittsbericht 2020
und Vulnerabilitätsanalyse 2021.
Seit der Initiierung des BMU Förderpro -
gramms „Maßnahmen zur Anpassung an
die Folgen des Klimawandels“ 2011 wurden
zahlreiche Einzelvorhaben an regionale und
lokale Akteur*innen bewilligt, darunter auch
dieses Leuchtturmprojekt.
Im Auftrag der Umweltminister*innenkon-
ferenz (UMK) hat die vom BMU geleitete
Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Gesund-
heitliche Anpassung an die Folgen des
Klimawandels“ die „Handlungsempfehlun-
gen für Hitzeaktionspläne zum Schutz der
Gesundheit“ erarbeitet, die 2017 vom BMU
veröffentlicht wurden. Handlungsfelder und
Zeitspannen basieren auf dem Hitzeakti -
onsplan der Weltgesundheitsorganisation
(WHO). Die Empfehlungen sind eine Blau-
pause für die kommunalen Behörden, um
regional bzw. lokal angepasste Aktionspläne
zu entwickeln. Ziel ist es, hitze- und UV-be -
dingte Erkrankungen und Todesfälle durch
Prävention zu vermeiden.
236
9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts
Jede zuständige Behörde soll hiermit
ermutigt werden, die Entwicklung von
Hitzeaktionsplänen voranzubringen und
für kommende Hitzesommer aus Sicht des
vorbeugenden Gesundheitsschutzes best-
möglich gewappnet zu sein. Die Zunahme
heißer Tage ist das in den Klimamodellen
deutlichste Klimasignal.
Zunehmend belasten Hitzewellen vor allem
die Gesundheit von Menschen in Ballungs -
gebieten, weil die enge Bebauung zu einem
urbanen Wärmeinseleffekt von bis zu 10°
Temperaturunterschied zwischen Umland
und Kernstadt führt. Bis zur Mitte des Jahr -
hunderts kann sich durch den Klimawandel
im Süden Ostdeutschlands und im Rheintal
die Anzahl der heißen Tage pro Jahr verdop-
peln.
Das Angebot des Zentrums KlimaAnpas -
sung (ZKA) wurde erweitert. Dazu zählt
auch ein auf Hitzeaktionspläne spezialisier-
tes Beratungsprogramm für Kommunen, um
die flächenhafte Erstellung solcher Pläne
voranzubringen. Bestehende Handlungs-
empfehlungen werden derzeit nur vereinzelt
umgesetzt und sollen jetzt bundesweit
vorangebracht werden. Das BMUV will die
Kommunen beim Schutz der Bevölkerung
unterstützen. Damit wird dem Wunsch der
Länder auf der 97. UMK und der kommuna-
len Spitzenverbände Rechnung getragen
und stärker für das Thema Hitzevorsorge
sensibilisiert.
Es bedarf nicht nur der sektorübergrei -
fenden Zusammenarbeit auf kommunaler
Ebene und Einbindung aller Stakeholder,
sondern auch des Bewusstseins der persön -
lichen Betroffenheit.
Allen Projektbeteiligten wünsche ich neben
der erfolgreichen Umsetzung und vielfälti -
gen Impulsgebung für andere Städte gute
Gesundheit.“
Dr. Thomas Claßen –
Landeszentrum Gesundheit NRW, Bochum
„Im Jahr 2019 habe ich mit großer Freude
wahrgenommen, dass sich die Stadt Köln im
Rahmen eines Bundesforschungsvorhabens
gemeinsam mit dem Institut für Hygiene
und Public Health des Universitätsklinikums
Bonn und der RheinEnergie etwas Großes
vorgenommen hat: die Erstellung eines Hit-
zeaktionsplans für ältere Menschen. Zum
damaligen Zeitpunkt war solch ein Ansatz
wirklich innovativ und ist im Übrigen in der
Ausrichtung bis heute einmalig und wegwei-
send in Deutschland.
Das Landeszentrum Gesundheit Nord -
rhein-Westfalen (LZG.NRW) hat u. a. die
Aufgabe, die Landesregierung ebenso wie
die Kommunen in NRW (und hier vor allem
den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)
in den Gesundheitsämtern) dahingehend
zu beraten, wie gesundheitliche Belange in
Planungsprozessen einem weiten Gesund-
heitsverständnis folgend und damit ganz im
Sinne vom ‚Health in All Policies‘-Gedanken
berücksichtigt werden können.
Doch das LZG.NRW hat auch die Aufgabe,
zu Hitze, UV-Strahlung und gesundheitli-
chen Wirkungen aufzuklären und die Kom-
munen zu sensibilisieren. So erstaunt es
kaum, dass die AG Gesundheitsorientierte
Planung des ÖGD in NRW bereits 2018 das
Thema ‚Hitze und Gesundheit‘ als ein zent -
rales für die nächste Dekade benannt hatte.
9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts
237
Die Qualifizierungsmaßnahmen waren
schon geplant, doch dann kam bekanntlich
Covid-19.
Ich freue mich deshalb umso mehr, dass
sich das Projekt davon nicht hat beirren las -
sen, dann eben im Online-Format unzählige
Abstimmungsprozesse eingeleitet und einen
wiederum wegweisenden Städtedialog ini -
tiiert hat. Entscheidend ist die Vielzahl an
– zuweilen unkonventionellen – Maßnahmen-
vorschlägen und konkreten Umsetzungs-
wegen (z. B. der Drinke-Song), bei denen
viele Akteure aus Überzeugung in die ‚Bütt‘
gehen und auch schon einmal selbst bei
Hitze die Füße ins Wasser stellen. Der Hitze -
knigge für Köln ist ein guter Anfang, aber die
Aktion ‚Spitze gegen Hitze‘ wird sicherlich in
weiteren Kommunen Schule machen.
Ich bin dankbar, dass ich Teil dieser Gemein-
schaft werden konnte, und wünsche dem
Team und dem Projekt weiterhin viel Erfolg
auf dem Weg zu einem vollumfänglichen
Hitzeaktionsplan für alle Menschen in Köln.
Das LZG.NRW wird diesen Prozess gerne
weiter begleiten und unterstützen.“
10. Herausforder ungen
und Ausblick
240
10. Herausforder ungen und Ausblick
Der vorliegende Bericht legt den Grundstein
für einen Hitzeaktionsplan, der alle Ebenen
der Prävention für das Wohlergehen von
Menschen im Alter in Köln umfassen soll.
Es wurde die Basis für eine intensive und
regelmäßige Zusammenarbeit der maß -
geblichen Akteur*innen gelegt. Hierauf gilt
es jetzt und in Zukunft aufzubauen. Denn
vieles wird bereits getan – oft jedoch noch
nicht flächendeckend und miteinander ver-
zahnt.
Bei den nächsten Schritten wird es immer
wieder wichtig sein, möglichst konkrete
Vereinbarungen zu treffen, damit klar defi-
niert ist, wer wann und auf welche Weise
aktiv wird. Denn von der Verlässlichkeit der
Maßnahmen hängt ab, ob es gelingt, die
Selbstständigkeit der Menschen im Alter
zu erhalten. Akteur*innen müssen deshalb
überzeugt werden, sich mit Verbindlich-
keit einzubringen. Hierfür sind noch viele
Gespräche, Absprachen und Vereinbarun-
gen notwendig. Wo finanzielle Ressourcen
ein Problem darstellen, muss möglicher-
weise finanziell interveniert werden. Dies
gilt etwa für den wichtigen Bereich der
aufsuchenden Hilfe. Im Zuge der Zusam -
menarbeit von Wissenschaft, kommunalen
Akteur*innen, Wirtschaft und der engagier -
ten Zivilgesellschaft sind Ideen zu weiter-
gehenden Maßnahmen entstanden bzw.
vorgeschlagen worden, die nach ihrer Wir-
kung priorisiert und weiterverfolgt werden
sollen.
Viele von ihnen zielen nicht nur auf ältere
Menschen, sondern auf die gesamte Bevöl-
kerung ab und weisen bereits den Weg in
Richtung einer Ausweitung des im HAP-
Köln-Projekt erstellten Hitzeaktionsplans
auf weitere vulnerable Gruppen, wie Kinder,
Menschen mit Behinderung oder im Freien
körperlich arbeitende Menschen. Bei der
Umsetzung benötigt die Stadt Köln jedoch
auch Unterstützung von Bundes- und
Landesebene.
Das Sofortprogramm des Bundesministe -
riums für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV)
für die Anpassung an den Klimawandel soll
die Kommunen mit vielfältigen Maßnahmen
unterstützen, unter anderem mit einem
Beratungsprogramm zu Hitzeaktionsplä -
nen. Mit dem „HAP-Köln“ ist die Stadt Köln
bereits einen Schritt weiter als die meisten
anderen Kommunen, sodass andere Städte
von den Erfahrungen profitieren können.
Von besonderer Bedeutung wird die Ausge-
staltung des Klimaanpassungsgesetzes sein,
welches das BMUV bis zur Mitte der Legis -
laturperiode vorlegen will. Die Verpflichtung,
dass Klimaanpassung in allen Planungen
und Entscheidungen der öffentlichen Hand
zu berücksichtigen ist, muss so verbindlich
formuliert werden, dass diesem Belang ein
größeres Gewicht im Rahmen von Abwä-
gungsprozessen eingeräumt werden kann,
als dies heute der Fall ist.
241
Nur so kann wirksame Klimaanpassung –
und damit wirksamer Hitzeschutz – im Rah -
men der kommunalen Planungen bei den
im urbanen Raum vorhandenen vielfältigen
Nutzungskonkurrenzen umgesetzt werden.
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt
der Stadt Köln wird sich für die Klimaanpas -
sung und insbesondere die Fortführung des
Hitzeaktionsplans bei der Stadt Köln ein -
setzen. Um dies kontinuierlich und für alle
Beteiligten verlässlich umsetzen zu können,
ist geplant, eine koordinierende Stelle ein -
zurichten und mit den notwendigen perso -
nellen und finanziellen Mitteln auszustatten.
Nur so kann das Versprechen, welches
das Projekt für die Zukunft gibt, eingelöst
werden.
Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt
bedankt sich herzlich bei allen, die dieses
Projekt auch weiterhin unterstützen wollen,
insbesondere beim wissenschaftlichen Bei -
rat, der Bereitschaft signalisiert hat, seine
Begleitung der Prozesse fortzusetzen, sowie
bei Prof. Thomas Kistemann, der nach dem
Abschluss des HAP-Köln-Projekts die Kölner
Hitzeaktionsplanung in diesem Gremium
begleiten wird.
242
Danke!
Danke!
Der Bericht zum HAP-Köln-Projekt „Hitze -
aktionsplan für Menschen im Alter für die
Stadt Köln“ ist ein Gemeinschaftswerk. Das
Projektteam bedankt sich bei den Mitglie -
dern des wissenschaftlichen Beirats, den
Teilnehmer*innen der Akteursworkshops,
den Vertreter*innen der Kommunen im
Rahmen des Städtedialogs sowie den Ver-
treter*innen der städtischen Ämter sowie
der Seniorenvertretung Köln, die an der
Erarbeitung der Ergebnisse mit ihren unter-
schiedlichen fachlichen Beiträgen maßgeb -
lich mitgewirkt haben.
Besonders wichtig war zudem die Bereit-
schaft der Teilnehmer*innen an der Befra-
gung, ihre Lebenssituation, persönliche Ein -
schätzung und Wünsche mit uns zu teilen,
sowie der Leiter*innen von Kölner Einrich-
tungen für ältere Menschen, zur Situation
ihrer Einrichtungen in Bezug auf Hitzebelas-
tungen Auskunft zu geben.
Ein Dank geht auch an das Bundesminis -
terium für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz mit der
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG)
gGmbH, das mit der Förderung als Leucht -
turmprojekt und mit der Projekt begleitung
diese Arbeit erst möglich gemacht hat.
Herzlich danken möchten wir den studenti-
schen Mitarbeitenden und Praktikumskräfte
des Universitätsklinikums Bonn und der
Stadt Köln für ihre wichtige Unterstützung
bei der Durchführung der Befragungen
sowie der Erstellung dieses Berichts.
Ein besonderer Dank geht auch an die
Kommunikationsbüros 4K | Kommuni-
kation für Klimaschutz GmbH und ecolo
GmbH & Co. KG Agentur für Ökologie und
Kommunikation, die den Prozess mitgestal-
tet haben, sowie an die Band Klabes und
ihr besonderes Engagement für die älteren
Menschen in Köln.
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10.1007/s00103-017-2554-5
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allergischer Erkrankungen in Zukunft noch
höher? In: Drug research 70 (S 01), S27-S28.
DOI: 10.1055/a-1119-2805
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Vulnerabilität Deutschlands gegenüber
dem Klimawandel. Sektorenübergreifende
Analyse des Netzwerks Vulnerabilität.
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heitsvorsorge im Klimawandel: Masterplan
für Hitzewellen. BMUB und UBA helfen
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verfügbar unter: https:/ /www.umwelt
bundesamt.de/sites/default/files/
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masterplan_hitzewellen.pdf, zuletzt geprüft
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Deutsche Anpassungsstrategie an den Kli -
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www.umweltbundesamt.de/themen/
klima-energie/klimafolgen-anpassung/
anpassung-auf-bundesebene/deutsche-an-
passungsstrategie#die-deutsche-anpas -
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zuletzt geprüft am 02.03.2020
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Online verfügbar unter https:/ /www.
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Watts, N. & Amann, M. & Arnell, N. &
Ayeb-Karlsson, S. & Beagley, J. & Belesova,
K. et al. (2021): The 2020 report of The
Lancet Countdown on health and climate
change: responding to converging crises. In:
The Lancet 397 (10269), S. 129–170. DOI:
10.1016/S0140-6736(20)32290-X
Winklmayr, C. & Muthers, S. & Niemann, H.
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1992 to 2021. In: Deutsches Ärzteblatt
international (Forthcoming). DOI: 10.3238/
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249
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Quartiere für alte Menschen – Herausforder-
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prevention-2021, zuletzt geprüft am:
04.07.2022
Zech, T. (2018): Stadt und Land: eine Bezie-
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https:/ /www.deutschland.de/de/topic/
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10.1007/s00103-018-2733-z.
250
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
Abs. Absatz
AP Arbeitspaket
ASB Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland
APUG Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit
BAFA Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
BauGB Baugesetzbuch
BauO NRW a.F. Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen alte Fassung
BauO NRW n.F. Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen neue Fassung
BBSR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
BMUV Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
CCAS Centre Communal d'Action Sociale
DAS Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel
Difu Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) gGmbH
DRK KV Köln e.V. Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Köln e.V.
DWD Deutscher Wetterdienst
ECDC European Centre for Disease Prevention and Control
EFRE Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
et al „und andere“
e. V. eingetragener Verein
FKZ Förderkennzeichen
GA Gesundheitsamt der Stadt Köln
GAG Immobilien GmbH oder AG Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (Wohnungsunternehmen)
GAK Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels
GEG Gebäudeenergie-Gesetz
GIS Geografisches Informationssystem
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GMK Gesundheitsministerkonferenz der Länder
GOÄ Gebührenordnung für Ärzte
HAP-Köln Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln
HEAT-Studie Hessischer Aktionsplan zur Vermeidung hitzebedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen der
Bevölkerung
IHPH Institut für Hygiene & Public Health (des Universitätsklinikums Bonn)
ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH Dortmund
iRes Projekt iResilience - Soziale Innovationen und intelligente Stadtinfrastrukturen für die resiliente
Stadt der Zukunft
IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change
JUH Johanniter-Unfall-Hilfe
KAM Klimaanpassungsmanagement
KE Kernelement
251
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau (Förderbank)
km² Quadratkilometer
KLUG Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.
KV Kassenärztlichen Vereinigung
KVB Kölner Verkehrsbetriebe AG
LANUV Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
LWG Landeswassergesetz
LZG.NRW Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen
m Meter
M Meilenstein
MHD Mindesthaltbarkeitsdatum
MULNV Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
MUKLIMO_3 Mikroskaliges urbanes Klimamodell
NRW Nordrhein-Westfalen
NW – SW Nordwest – Südwest
ÖGD Öffentlicher Gesundheitsdienst
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
RE RheinEnergie AG
RKI Robert Koch-Institut
SBK Sozial-Betriebe-Köln
SGB II-Bezieher*innen Zweites Buch des Sozialgesetzbuchs – Grundsicherung für Arbeitssuchende („Hartz IV“)
StEB Köln Stadtentwässerungsbetriebe Köln
SVK Seniorenvertretung Köln
SWK Stadtwerke Köln
UBA Umweltbundesamt
UGS urban green spaces (Städtische Grünflächen)
UKB Uniklinikum Bonn
UMK Umweltministerkonferenz
UVA Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln
UV UV
ü.NN über Normalnull
VHS Volkshochschule
WHO Weltgesundheitsorganisation
WDR Westdeutscher Rundfunk Köln
WTG DVO Wohn- und Teilhabegesetz-Durchführungsverordnung
ZKA Zentrum KlimaAnpassung
ZUG Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH
°C Grad Celsius
252
Anlagen
Anlagen
A1 Projekt-Meilensteine
A2 Rundbrief
A3 Liste Statistischer Quartiere, Erreichbarkeit von Grünflächen
A4 Öffentlichkeitswirksame Veranstal tungen / Maßnahmen /
Publikationen
Arbeitspaket Meilenstein Beschreibung Fälligkeit
(Monat)
AP1:
Grundlagen
Meilenstein 1
Priorisierung nach
Betroffenheit
Grundlagendaten liegen vor. Priorisierung von Stadtteilen und
Auswertung der Bevölkerungsverteilung. Erhebungsgebiet wird
nach Betroffenheit ausgewählt, Prioritäten und Indikatoren
liegen vor.
M 4
AP2:
Erhebung
Meilenstein 2
Erhebung liegt vor
Befragung von rund 20 Expert*innen und 100–200 Menschen
im Alter mittels qualitativer und quantitativer Erhebungs -
methoden.
M 14
AP3:
Auswertung
Meilenstein 3
Daten aus Erhebung
liegen aufbereitet vor
Statistische und qualitative Auswertung. M 20
AP4:
Bewertung
Meilenstein 4
Grundlagen der Inter -
vention liegen vor
Aufgrund der wissenschaftlichen Auswertung wird eine
belastbare Bewertung erstellt. Schwerpunkte und Handlungs -
bedarf wurden gebildet.
M 22
AP5:
Ableitung von Maßnahmen
Meilenstein 5
Aktionsplan liegt vor
Erstellung eines Maßnahmenkataloges und eines Kommuni -
kationskonzeptes zur Sensibilisierung älterer Menschen. M 25
AP6:
Umsetzung
Meilenstein 6
Maßnahmen wurden
durchgeführt
Anwendung der entwickelten Kommunikationsstrategie und
Maßnahmenumsetzung. M 34
AP7:
Qualitätssichernde Beglei -
tung + Projektpräsentation
Meilenstein 7
Dokumentation des
Qualitätsmanage -
ments liegt vor
Evaluation der
Sensibilisierungsstrategie. M 36
AP8:
Projektsteuerung
Meilenstein 8
Projektbericht
Der Projektbericht ist gedruckt und die Abschlusskonferenz
wurde durchgeführt.
Projekt ende
M 36
Tab. A 1 Meilensteine des Projekts „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“
253
254
Anlagen
Abb. A 2 Rundbrief an die Menschen 65+ in Vorfeld der Befragung
255
Statistische Quartiere
Wege über 400 m
Agnes-Viertel–Alte Feuerwache
Alt-Müngersdorf–Technologie Park
Apostel-Viertel
Belgisches Viertel–Brüsseler Platz
Belgisches Viertel–Lütticher Str.
Bickendorf–Am Rosenhof
Bickendorf–Gewerbegebiet
Bickendorf–Teichstr.
Bilderstöckchen–Hunsrückstr.
Braunsfeld–Aachener Str.
Braunsfeld–Pauliplatz
Braunsfeld–Technologie Park
Buchforst–Wildunger Str.
Buchheim–Hermann-Kunz-Str.
Buchheim–St. Mauritius
Dellbrück–Ernastr.
Ehrenfeld–Bezirkssportanlage Mitte
Ehrenfeld–Hansemannstr.
Ehrenfeld–Lichtstr.
Ehrenfeld–Pellenzstr.
Ehrenfeld–St. Josef
Ehrenfeld–Wißmannstr.
Finkenberg–Konrad-Adenauer-Str.
Ford-Siedlung–Pohlmanstr.
Garten-Siedlung
Gartenstadt-Nord–Altonaer Platz
GE Bayenthal
GE Braunsfeld
Germanen-Viertel–Thusneldastr.
Hafen Niehl
Heumar–Wikingerstr.
Holweide-Ost–Schnellweider Str.
Justiz-Viertel
Kalk–Trimbornstr.
Klettenberg–Honnefer Platz
Klettenberg–Nonnenstrombergstr.
Klettenberg–Stenzelbergstr.
Lövenich-Ost–Siedlung Haus Közal
Wege unter 160 m
Beethovenpark–Heinz-Mohnen-Platz
Bergische Siedlung–Mudersbacher Str.
Bilderstöckchen–Heinrich-Pesch-Str.
Blumenberg–Staffelsbergstr.
Böcking-Siedlung–Düsseldorfer Str.
Chorweiler–Turkuplatz
Chorweiler-Nord–Usedomstr.
Ehrenfeld-West–Gumprechtstr.
Eil-Süd–Wuppertaler Str.
Ensen–Gertrudenstr.
Fachhochschule Deutz–Messe
Gereons-Viertel–Klingelpützpark
Gereons-Viertel–St. Gereon
Hafen-Viertel
Höhenberg–Münchener Str.
Holweide-Ost–Gerhart-Hauptmann-Str.
Humboldt–Lahnstr.
Kalk–Vorsterstr.
Kalk-Nord–Eythstr.
Kölnberg–Alte Brühler Str.
Kölnberg–Brühler Landstr.
Langel (lrh.)–Rheinkassel
Libur
Media-Park
Melaten–Auferstehungskirche
Melaten–Clarenbachkanal
Neu-Bocklemünd–Börnestr.
Neu-Vogelsang
Neu-Weiden–Körnerstr.
Neu-Weiß–Pflasterhofweg
Nippes–Am Alten Stellwerk
Nippes–Edith-Stein-Schule
Nippes–Erzbergerplatz
Nippes–Leipziger Platz
Nordpark–Am Nordpark
Ober-Iddelsfeld
Ossendorf–Franziska-Anneke-Str.
Rath–An der Mollburg
256
Anlagen
Tab. A 3 Statistische Quartiere, welche hinsichtlich der Erreichbarkeit von Grünflächen für die
Altersgruppe 65+ der kürzesten sowie der weitesten Distanzklasse angehören
Wege über 400 m
Lövenich-West–Friedhof
Merheim-Mitte–Winterberger Str.
Mülheim-Nord–Berliner Str.
Neubrück–Hermann-Hesse-Weg
Neuehrenfeld–Eichendorffstr.
Neu-Lindenthal–Krieler Dom
Neumarkt-Viertel–St. Andreas
Nippes–Wartburgplatz
Nippes–Wilhelmplatz
Parkgürtel-Nord–Göppinger Str.
Parkgürtel-Süd–Böblinger Str.
Parkgürtel-Süd–Parkgürtel
Raderberg–Marktstr.
Rheinsteinstr.
Riehl–St. Engelbert
Rodenkirchen–Mildred-Scheel-Str.
Rodenkirchen–Rathaus
Rodenkirchen–St. Maternus
Rolshoven
Schlachthof-Nord
Schweden-Siedlung–Kierkegaardstr.
Siedlung Blauer Hof–Heidelberger Str.
Siedlung Weiße Stadt–Kopernikusstr.
Stegerwald-Siedlung–Gesamtschule
Südstadt–Elsaßstr.
Sülz–Kyllburger Str.
Sülz–Manderscheider Platz
Sülz–St. Borromäus
Sürth–Ströer-Allee
Uni-Viertel–Kliniken
Urbach–Fauststr.
Vogelsanger Str.–Fröbelplatz
Vogelsanger Str.–Keplerstr.
Vogelsanger Str.–Neptunplatz
Vogelsanger Str.–Vincenz-Statz-Schule
Weißhaus-Viertel–Räuberwäldchen
Weißhaus-Viertel–Weißhaus
Wege unter 160 m
Rathenau-Viertel–Dasselstr.
Rathenau-Viertel–Rathenauplatz
Rondorf-Ost–Merlinweg
Seeberg-Mitte
Seeberg-Nord–Henry-Ford-Realschule
Seeberg-Nord–Riphahnstr.
Severins-Viertel–An der Eiche
Siedlung Florastr.
Siedlung Humboldt
Siedlung Madaus–Auf dem Eichenbrett
Siedlung Mielenforst
Stadtgarten-Viertel–Bismarckstr.
Stadtgarten-Viertel–Colonius
Strunden–Mielenforster Heide
Südstadt–Campus Südstadt
Sürth–Dominikus-Böhm-Str.
Takufeld–Takuplatz
Ursula-Viertel
Vingst–Ansbacher Str.
Vingst–St. Theodor
Vorgebirgspark–Fritz-Hecker-Str.
Vorgebirgspark–Schwalbacher Str.
Westend–Ossendorfer Weg
Widdersdorf-Süd–Sportanlage
Wohnpark Bayenthal
Zollstock–Höninger Weg
Zündorf-Nord–Rosenhügel
257
Öffentlichkeitswirksame
Veranstaltungen / Maßnahmen /
Publikationen
Wissenschaftliche Publikationen
Kemen J., Kistemann T. (2019): Der Einfluss
urbaner Hitze auf die menschliche Gesund -
heit. In: Lozán, J. L., Breckle, S.-W., Graßl,
H., Kuttler, W., Matzarakis, A. (Hrsg.): Warn-
signal Klima: Die Städte: Wissenschaftliche
Auswertungen. Hamburg: 113–119.
Kemen J., Schäffer-Gemein S.,
Kistemann T (2020): Klimaanpassung
und Hitzeaktionspläne - Ein idealtyp -
isches Thema der geografischen
Gesundheitsforschung. In: Informationen
zur Raumentwicklung 47(1): 58-69
https:/ /www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/
veroeffentlichungen/izr/2020/1/izr-1-2020.
html
Kemen J., Schäffer-Gemein S., Grünewald
J., Kistemann T (2021): Heat Perception
and Coping Strategies: A Structured Inter-
view-Based Study of Elderly People in
Cologne, Germany. In: International Jour-
nal of Environmental Research and Public
Health 18(14): https:/ /doi.org/10.3390/
ijerph18147495
Kemen J. (2021): Heat-Health Action – Illus-
trating the link between heatwaves and drin-
king behaviour of older adults. In: WHO CC
Newsletter Water & Risk 31: 1–5.
Mücke H.-G., Kemen J., Schäffer-Gemein
S., Kistemann T. (2022): Kommunale Anpas-
sungsstrategien gegenüber Hitzestress.
In: Geographische Rundschau 5: 10–13.
Wissenschaftliche Vorträge
30.06.–05.07.2019
Juliane Kemen (IHPH UK Bonn): Heat and
the Elderly – What do we know about beha-
vior, knowledge and perception?
IMGS 2019 – International Medical Geogra -
phy Symposium, Queenstown, Neuseeland
04.09.2019
Yvonne Wieczorrek und Johanna Grünewald
(UVA): Projektvorstellung beim Forum für
„Klimaanpassung in Großstädten“, LANUV
Duisburg
26.–27.11.2019
Yvonne Wieczorrek (UVA): Hitzeaktionsplan
Köln in der Session Urbane Räume im Kli -
mawandel – Fokus Hitze und Gesundheit,
Nationaler Fachdialog „Klimawandelfolgen
in Deutschland – Bereit zu handeln für bes -
sere Vorsorge“, UBA Berlin
24.–26.09.2020
Juliane Kemen (IHPH UK Bonn): Hitzewellen
und Menschen im Alter: Gesundheit, Wahr-
nehmung und Verhalten von selbstständig
lebenden Senior*innen in Episoden ext-
remer Hitze. Jahrestagung des AK Medi -
zinische Geographie und Geographische
Gesundheitsforschung Remagen
https:/ /wp.med-geo.de/wp-content/
uploads/2020/10/akmedgeo2020_kemen_
hitzewellen.pdf
258
26.03.2021
Hans-Guido Mücke (UBA) und Thomas Kis -
temann (IHPH UK Bonn): Hitzeaktionsplan
für ältere Menschen in der Stadt Köln – Pra -
xiserfahrungen des Gesundheitsamtes Köln.
Fortbildungsveranstaltung für den
Öffent lichen Gesundheitsdienst 2021
https:/ /www.bfr.bund.de/cm/343/
hitzeaktionsplan-fuer-menschen-im-alter-
fuer-die-stadt-koeln-teil-2.pdf
30.06.2021
Yvonne Wieczorrek und Bianka Marcol
(UVA): Hitzeaktionspläne als wichtiger
Baustein, BEW Online-Live-Training: Hitze,
Dürre, Trockenheit, BEW – Das Bildungs-
zentrum für die Ver- und Entsorgungswirt-
schaft gGmbH
04.11.2021
Yvonne Wieczorrek (UVA): Vorstellung des
Hitzeaktionsplans der Stadt Köln, Veranstal-
tungsreihe „Gesundheit, Klima, Nachhal-
tigkeit – Jetzt gemeinsam handeln!“ Teil 2:
Klimastrategien in der Kommune. Organisa-
tion: Landesvereinigung für Gesundheit und
Akademie für Sozialmedizin Nds. e. V.
11.05.2022
Yvonne Wieczorrek (UVA): Thermische
Belastung und Klimawandelvorsorge, Hit-
zeaktionsplan Stadt Köln beim Regionalen
Fachdialog Klimawandelvorsorge, Region
Köln Bonn
24.03.-25.03.2022
Dr. Hans-Guido Mücke (UBA) und Yvonne
Wieczorrek (UVA): Hitzevorsorge durch Akti-
onspläne der Kommunen
Erste Vernetzungskonferenz, kommunale
Klimaanpassung im Dialog
17.02.2022
Yvonne Wieczorrek (UVA): „Hitzeaktionsplan
Köln - wie kann die Erreichung aller älte-
ren Menschen gelingen?“,Fachworkshop
des LMU Klinikums Vermeidung hitzere-
levanter Erkrankungen in Zeiten erhöhten
Infektionsschutzes
21.03.2022
Bianka Marcol (UVA): Vortrag im Rahmen
des Workshops „Klimawandel und Gesund-
heit“ auf der Satellitentagung zum Kongress
Armut und Gesundheit „Der ÖGD, ein
moderner Public Health-Dienst“ 2022
07.04.2022
Bianka Marcol (UVA): Gesundheitsgesprä-
che „Klimakrise – Hitzestress. Wie kann ich
mich schützen? Was tut die Stadt Köln?“ im
VHS-Forum Köln
09.06.2022
Thomas Kistemann (IHPH UK Bonn): Hitze -
aktionsplan für Menschen im Alter für die
Stadt Köln, Behördendialog „Gesundheit im
Klimawandel“, 5. Sitzung (digital)
24.06.2022
Heike Müller, Silvia Schäffer-Gemein, Juli-
ane Kemen, Thomas Kistemann (IHPH UK
Bonn): A Structured Interview-Based Study
above Heat Perception and Coping Strate-
gies of Elderly People in Cologne, Germany
IMGS – International Medical Geography
Symposium, Edinburgh, UK
29.06.2022
Yvonne Wieczorrek (UVA): Hitzeaktionsplan
Köln, Projekt und Verstetigung, Amtsleiter-
runde des Dezernats VIII, Stadt Köln
Anlagen
259
20.09.2022
Thomas Kistemann (IHPH UK Bonn):
Der Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter
für die Stadt Köln. Fachtagung Kommunale
Gesundheitsberichterstattung des LZG.
NRW, Ruhrgebiet
Wissenschaftliche Abschlussarbeiten
Juliane Kemen
Hitzewellen in der Stadt: Gesundheits -
förderliche und gesundheitsgefährdende
Faktoren für selbständig lebende Senioren.
Dissertation Geographie, Universität Bonn
(laufend)
Karla Luchterhand
Hitzewellen in Köln. Vulnerabilität und frei-
flächenbasierte Anpassungsstrategien.
Masterarbeit Geographie, Universität Bonn
(2021)
Christina Peklo
Zugang zu öffentlichen Toiletten für ältere
Menschen in Köln.
Masterarbeit Geographie, Universität Bonn
(laufend)
Vorstellung des Projekts in der
Öffentlichkeit
Printmedien, Radio, TV
• WDR-Redaktion Markt zu dem Thema
„Gesundheitliche Folgen der Hitzewelle“ im
August 2018
• Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg
zum Thema „Klimaresilienz“ im Februar
2019
• Westdeutscher Rundfunk (WDR) zum
Thema „Auswirkungen des Klimawandels
auf Köln und die Region“ im Juni 2019
• Kölner Stadtanzeiger zum Thema „Kli-
manotstand und Hitzemaßnahmen“ im
August 2019
• Pressemitteilung des Gesundheitsamtes
Köln am 22.07.2019 „Gesundheitsamt gibt
Hitze-Tipps“ während der Hitzewelle 2019
• Express zum Thema „Klimawandelfolgen
für Köln“ im Januar 2020
• Zeitschrift Gesunde Städte-Nachrichten
Ausgabe Nr. 1/ Mai 2020, Artikel über den
Hitzeaktionsplan der Stadt Köln
• Apotheken Umschau (A07/20), Schneider,
Achim Gerald (2020): Achtung, heiß! Hit-
zewellen. Die Warnungen in Deutschland
erreichen zu wenige Menschen. Frankreich
gibt ein Beispiel, wie man die Menschen
besser schützt.
• Interview mit der AOK 17.12.2020
• Die heiße Stadt – Klimawandel in den
Städten, WDR 5 Neugier genügt - das
Feature. 23.07.2020. 17:43 Min. ht t p s ://
www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/
neugier-genuegt/feature-der-klimawandel-
in-den-staedten-100.html, verfügbar bis
23.07.2021
• Deutsche Welle, Betonwüste – Klimawan-
del in der Stadt. 08.08.2020. 40:36 Min.
https:/ /ondemand-mp3.dradio.de/file/dra-
dio/2020/08/08/heisse_
betonwueste_klimawandel_in_der_stadt_
dlf_20200808_0910_ad224116.mp3,
verfügbar bis 08.08.2021
• Stadt intern – Magazin für die Beschäf-
tigten der Stadt Köln (A03/2021: 28f.)
Aktionsplan gegen Hitze: Ein „Trinklied“ aus
dem Umweltamt
• Kölner Stadtanzeiger (A14.06.2021),
„Drinke“ – ein Song für den
Hitzeaktionsplan
• Kölnische Rundschau (A10.07.2021), Drink
doch ene met … Hitzeaktionsplan für Senio -
ren: Band „Klabes“ bereitet ernstes Thema
musikalisch auf.
Anlagen
260
Anlagen
• Müller, Heike (2021), „Drinke, immer widder
jet drinke“, Hitzeaktionsplan für Menschen
im Alter für die Stadt Köln. Schwestern-
brief der Johanniter-Schwesternschaft e. V.
(A09/2021): Seite 6f.
• 23.07.2020 WDR5, Radio-Interview:
Thema: Hitze in der Stadt
• 08.08.2021 Deutschlandradio Interview:
Thema: Hitze in der Stadt
• Kölner Stadtanzeiger (A11.07.2022),
„Brunnen mit Trinkwasser zur Kühlung“
• WDR Lokalzeit Köln vom 12.07.2022,
Hitzewelle und Hitzeportal Köln
Vom Projektteam geplante und
durchgeführte Veranstaltungen
• 23.05.2019 Fachworkshop
(Kick-off-Meeting)
• 23.09.2020: 1. Städtedialog
• 18.03.2021: Akteursworkshop 1
• 15.04.2021: Akteursworkshop 2
• 29.04.2021: Akteursworkshop 3
• Sommer 2021: Klabes-Tour durch Kölner
Seniorenheime
• 16.09.2021: 2. Städtedialog
• 03.05.2022: Projekt-
Abschlussveranstaltung
Sonstiges
• Projekthomepage: www.stadt-koeln.de/
leben-in-koeln/
klima-umwelt-tiere/klima/hitzeaktions-
plan-
fuer-menschen-im-alter
• Projektbegleitender Versand von Rund-
briefen an die Akteur*innen in 2020 und
2021
• Vorstellung des Projekts: Runder Tisch
für Seniorenarbeit, Köln. In den Bezirken:
Nippes, Kalk, Lindenthal, Chorweiler,
Innenstadt, Mülheim
• Projektvorstellung: Sozialraum koordi-
nator*innen in Köln
• 07.09.2019 Infostand Veranstaltung
„Stadtklima“, VHS Forum Köln
• 15.09.2019 Infostand Stadtteilfest „Tag
des guten Lebens“, Köln
• Twitterbeitrag 24.08.2020 Durch den
#Klimawandel steigt die Wahrschein-
lichkeit auf intensive #Hitzeereignisse.
Das wirkt sich auch gesundheitlich
aus. In @Koeln entsteht ein #Hitze-
aktionsplan für Menschen im Alter:
https:/ /twitter.com/bbsr_bund/
status/1297889144224403456
• 20.06.2022 World-Café im Rah-
men des GAG Quartierskonzepts für
Bilderstöckchen
• 28.06.–04.07.2022 Mega-Light-Kampa-
gne „11 Hitzetipps“ in Köln
• 15.–16.8.2022 Feuerwehrsymposium
2022
• Nominierung zum Bundespreis „Blauer
Kompass” 2022: www.uba.de/tatenbank
Anlagen
Die Oberbürgermeisterin
Umwelt- und
Verbraucherschutzamt
Amt für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Gestaltung
Design Studio d_bilk
Bildnachweise
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Druck
Druckhaus Süd Medien GmbH
13-JG/574/2/400/10.2022
Kontakt
Stadt Köln
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Stadthaus, Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln
57-hitzeaktionsplan@stadt-koeln.de
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2388/2022
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 08.11.2022
- Erstellt
- 29.07.2022 12:22