Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln
Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss 2388/2022 vom 08.11.2022
Stand: Am 08.12.2022 im Rat ungeändert beschlossen.
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Sachstandsbericht Rat /Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VIII/57/574 Vorlagen-Nummer 2388/2022 Stand: 31.01.2024 Sachstandsbericht Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln Beschluss: Der Rat nimmt die Ergebnisse des Projektes „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung: die Ergebnisse in das Verwaltungshandeln zu integrieren und perspektivisch auf wei- tere vulnerable Gruppen auszuweiten, wirksame Maßnahmen weiterzuentwickeln bzw. zusätzliche Maßnahmen zu erarbei- ten, als ersten Schritt einer Verstetigung einen „Runden Tisch Hitzeaktionsplan“ mit den wesentlichen internen und externen Akteur*innen zu initiieren und über die Umsetzung der Maßnahmen jährlich zu berichten. Die Maßnahme löst einen Bedarf von 1,0 Mehrstellen EG 13 und somit Personalkosten iHv 87.500 € p.a. sowie von Sachaufwendungen in Höhe von 12.800 € p.a. (Gesamtkosten 100.300 € p.a. Brutto) aus. Die Finanzierung wurde durch das Dezernat VIII sichergestellt. Die Finanzierung der vorgenannten Aufwendungen i.H.v. 100.300 € erfolgt aus veranschlag- ten Sachmitteln für die Klimafolgenanpassung i.H.v. 500.000 € p.a. im Teilergebnisplan 1401 Umweltordnung, -vorsorge in Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haushalts- satzung 2023/2024. Status in Bearbeitung erledigt Aktueller Bearbeitungsstand: Mit dem Projekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.2019-06.2022) wurde der Grundstein für einen umfassenderen Hitzeaktionsplan gelegt. Dieser beinhaltet alle Ebenen der Prävention für das Wohlergehen der Menschen im Alter und wird nun schrittweise auf weitere vulnerable Gruppen und letztendlich die gesamte Bevölkerung der Stadt Köln aus- geweitet. Durch die Einbindung der maßgeblichen Dienststellen in die Maßnahmenentwick- lung wird die Hitzeaktionsplanung in das Verwaltungshandeln integriert. 2 Als ersten Schritt zur Verstetigung wurde der „Runde Tisch Hitzeaktionsplanung“ mit den we- sentlichen internen und externen Akteur*innen erfolgreich implementiert. Das Arbeitsgremium trifft sich zweimal jährlich im Frühjahr als Vorbereitungstreffen und einmal im Herbst als Evalu- ationstreffen. Organisiert und koordiniert wird dieser Arbeitskreis vom Umwelt- und Verbrau- cherschutzamt der Stadt Köln. Das Ziel des Runden Tisches Hitzeaktionsplanung ist es, gemeinsam mit den Vertreter*innen der Stadtverwaltung, dem Gesundheitswesen sowie der Zielgruppen bereits im Projekt entwi- ckelte Maßnahmen abzustimmen, zusätzliche Aktionen auch für weitere vulnerable Gruppen zu erarbeiten sowie konkrete Aufgaben zu verteilen und Arbeitsschritte festzulegen. Diese Zu- sammenarbeit gewährleistet die fortlaufende Weiterentwicklung und Umsetzung von Maßnah- men. Die im Projekt angestoßene gemeinsame Arbeit wird durch den "Runden Tisch Hitzeak- tionsplanung“ weitergeführt. Es ist vorgesehen, über die Umsetzung der Maßnahmen und Aktionen jährlich im 1. Quartal mit einem Jahresbericht detailliert zu informieren. Der Jahresbericht 2023 ist in Vorbereitung und wird erstmalig im Frühjahr 2024 erscheinen. Nächste Schritte: Ein kontinuierlicher Kommunikations- und Arbeitsprozess gewährleistet die Fortführung des Hitzeaktionsplans für die Stadt Köln. Durch die Weiterentwicklung wirksamer bzw. Erarbeitung zusätzlicher Maßnahmen und das Einbeziehen neuer Akteur*innen werden weitere vulnerable Gruppen integriert und somit der Hitzeaktionsplan stetig erweitert. Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den: Ein weiterer Sachstandsbericht ist nicht geplant. Der Sachstandsbericht wird durch den Jah- resbericht abgelöst. -
Beschlussvorlage Rat
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Dezernat, Dienststelle VIII/57/574 Vorlagen-Nummer 2388/2022 Freigabedatum 08.11.2022 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat nimmt die Ergebnisse des Projektes „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung: die Ergebnisse in das Verwaltungshandeln zu integrieren und perspektivisch auf weitere vul- nerable Gruppen auszuweiten, wirksame Maßnahmen weiterzuentwickeln bzw. zusätzliche Maßnahmen zu erarbeiten, als ersten Schritt einer Verstetigung einen „Runden Tisch Hitzeaktionsplan“ mit den wesentlichen internen und externen Akteur*innen zu initiieren und über die Umsetzung der Maßnahmen jährlich zu berichten. Die Maßnahme löst einen Bedarf von 1,0 Mehrstellen EG 13 und somit Personalkosten iHv 87.500 € p.a. sowie von Sachaufwendungen in Höhe von 12.800 € p.a. (Gesamtkosten 100.300 € p.a. Brutto) aus. Die Finanzierung wurde durch das Dezernat VIII sichergestellt. Die Finanzierung der vorgenannten Aufwendungen i.H.v. 100.300 € erfolgt aus veranschlagten Sachmit- teln für die Klimafolgenanpassung i.H.v. 500.000 € p.a. im Teilergebnisplan 1401 Umweltordnung, - vorsorge in Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haushaltssatzung 2023/2024. Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 17.11.2022 Gesundheitsausschuss 22.11.2022 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 24.11.2022 Finanzausschuss 05.12.2022 Rat 08.12.2022 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: 2023 a) Personalaufwendungen 87.500,00 € b) Sachaufwendungen etc. 12.800.00 € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung 1. Hintergrund Die Verstetigung des Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter ist Teil der beim Umwelt- und Verbrau- cherschutzamt geplanten Koordinationsstelle „KlimawandelAnpassungsManagement (KAM)“, im Rah- men der integrierten Klimawandelanpassungsstrategie. Mit der Ratsvorlage AN/2624/2021 wurden die Stadtverwaltung und die städtischen Beteiligungen aufge- fordert, Projekte aus den Arbeitsfeldern für eine Bestandsaufnahme zu benennen, eine integrierte Klima- folgenanpassungsstrategie zu erarbeiten und Sofortmaßnahmen zu benennen. Im Zuge des Klimawandels nehmen auch in Köln die heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad Cel- sius und Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad Celsius deutlich zu. Die Studie "Klimawandelge- rechte Metropole Köln" zeigt, dass Temperaturen von über 40 Grad Celsius erreicht werden können. Langanhaltende Hitzeperioden heizen insbesondere die stark versiegelten Stadtquartiere zunehmend auf. Kinder, Kranke, Menschen im Alter und Menschen mit Behinderung reagieren besonders anfällig auf solche Belastungen durch Hitze. 2. Projekt Hitzeaktionsplan (HAP-Köln) Die Zunahme von Hitze aufgrund des fortschreitenden globalen Klimawandels entwickelt sich insbeson- 3 dere wegen der Gefährdung vulnerabler Personengruppen zu einem relevanten Gesundheitsproblem. Dies gilt insbesondere für dicht bebaute, hoch versiegelte Großstädte wie Köln. Das dreieinhalbjährige Forschungsprojekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.01.2019-30.06.2022) wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Si- cherheit und Verbraucherschutz im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) im Förderpro- gramm zur Entwicklung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Förder- schwerpunkt 3), als kommunales Leuchtturmvorhaben gefördert. Es zeichnet sich durch seinen Modellcharakter für den städtischen Raum aus und ist wegweisend für andere Städte. Es vereint unterschiedliche lokale und regionale Akteur*innen aus Kommunalverwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung. Das Projekt wurde in der Federführung des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes gemeinsam mit dem GeoHealth Centre des Instituts für Hygiene & Public Health des Universitätsklinikums Bonn und mit Un- terstützung der RheinEnergie AG sowie des Gesundheitsamtes durchgeführt. Im Hinblick auf den demographischen Wandel hat das Verbundprojekt "Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln" (HAP-Köln) einen besonderen Fokus auf über 65-jährige Personen gelegt. In dieser Altersgruppe können Hilfebedürftigkeit und soziale Isolierung dazu führen, dass Maßnahmen, wie zum Beispiel ausreichendes Trinken und das Kühlen der Innenräume, unterlassen werden. In Hitzeperi- oden wurden höhere Sterberaten festgestellt und das wärmere Stadtklima führt zu vermehrten gesund- heitlichen Belastungen und Risiken. Der Anteil der Einwohner*innen über 65 Jahren liegt in Köln bei etwa 18 Prozent. In dieser Altersgruppe leben 40 Prozent in den Hitzebelastungsgebieten der Klassen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze (76.936 Einwohner*innen). Nur eine sehr geringe Anzahl an Menschen im Alter wohnen in der günstigs- ten Klasse 5 (457 Einwohner*innen). Ziel des Forschungsprojektes war, für Menschen im Alter gesundheitliche Risiken durch Hitzeperioden zu minimieren, in dem ein Informationssystem und ein Aktionsplan aufgebaut und entwickelt werden. Zudem ist untersucht worden, inwiefern Hitzewarnungen alleinlebende ältere Menschen erreichen und sie Maßnahmen zur Hitzevorsorge treffen. Dabei stand im Vordergrund, Informationen zu beschaffen, aufzubereiten und weiterzugeben. Das Projekt umfasste folgende Arbeitspakete: soziodemographische und sozioökonomische, zeitlich und räumlich differenzierte Erhebung der subjektiven Hitzebelastung von Menschen im Alter in großstädtischer Lebensumwelt Erfassung und Analyse des Informationsflusses bezüglich Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Landesumweltamtes (LANUV NRW) und anderer Quellen zu Men- schen im Alter in unterschiedlichen großstädtischen Lebenskontexten Entwicklung von Instrumenten zur Optimierung der Information von Menschen im Alter über Hitze, gesundheitliche Belastungen durch Hitze und Adaptionsmöglichkeiten Entwicklung geeigneter Maßnahmen und Instrumente zur Förderung hitzeangepasster, gesund- heitsschützender und -fördernder Verhaltensweisen für Menschen im Alter Als Basis für die Erarbeitung von geeigneten Maßnahmen zur Abmilderung gesundheitlicher Risiken diente eine Erhebung mittels qualitativer und quantitativer Methoden. In den untersuchten Stadtvier- teln und Sozialräumen (Pesch, Nippes, Blumenberg/Chorweiler/Seeberg, Höhenberg/Vingst) wurden ältere Menschen zu ihren Informationsquellen, ihrem Wissensstand und ihren aktuellen Verhaltenswei- sen befragt. Zudem ist untersucht worden, ob Senioreneinrichtungen ihr Handeln auf Hitzewarnungen einstellen, Maßnahmen umsetzen und eine Verhaltensänderungen der Bewohner*innen eintritt. Als weitere Erkenntnisquelle sind die Akteur*innen und Multiplikator*innen der Seniorenarbeit einbe- zogen und zu ihren Aktivitäten sowie weiteren geeigneten Maßnahmen befragt worden. Aus dieser Netzwerkarbeit, in Verbindung mit den Erkenntnissen der Befragung, ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog entstanden, der verschiedene zeitliche Horizonte und Handlungsebenen abdeckt. In einem konkreten Hitzeeinsatzplan wurden erste verbindliche Aktionen mit den Akteur*innen verein- bart und in die Anwendung gebracht. Diese sollen weiterverfolgt und ausgebaut werden. Auf der Basis der gewonnenen Ergebnisse wurde eine evidenzbasierte, gezielte Öffentlichkeitsarbeit entwickelt, die sich an Menschen im Alter in verschiedenen Lebenssituationen und verschiedenen Stadt- vierteln wendet. 4 3. Ergebnisse Die zu Beginn des Projekts gestellten Fragen konnten zusammenfassend beantwortet werden: Welche subjektive Hitzebelastung empfinden Menschen 65+ in verschiedenen großstädtischen Lebensumwelten und unterscheidet sich die Belastung in Stadtvierteln mit unterschiedlicher ob- jektiver Hitzebelastung bzw. sozio-ökonomische Struktur? 86,7 % aller Befragten haben eine Zunahme von heißen Tagen, 84,1 % eine Zunahme von Hit- zewellen wahrgenommen. Weibliche Befragte gaben deutlich häufiger als männliche an, dass sie eine deutliche oder sehr starke Belastung empfanden. Im innenstadtnahen Nippes wurde am häufigsten angegeben, eine deutliche oder sehr starke allgemeine Hitzebelastung zu empfinden. Auch in den beiden Sozialräumen ist dies häufig der Fall. Nur im klimatisch unbelasteten weniger besiedelten Pesch mit einer ausgeprägten Blau- und Grünstruktur wurde die Belastung häufiger als mittelmäßig oder weniger stark empfunden. Betrachtet man die Wahrnehmung der gesund- heitlichen Belastung bei Hitze in den unterschiedlichen Stadtviertel, dann fällt auf, dass in Pesch die meisten Teilnehmer*innen eine mittelmäßige, aber weniger häufig als in den anderen Gebie- ten eine deutliche oder sehr starke Belastung empfunden wird. Die häufigsten spontan genann- ten Gesundheitssymptome während Hitzewellen sind Müdigkeit, Schlafprobleme und Schwitzen. Wie reagieren Einrichtungen der Seniorenbetreuung auf Hitze? Rund 72% der Einrichtungen gaben an, Hitzewarnungen zu erhalten. Ein Großteil der Einrichtun- gen gab an, einen schriftlich festgelegten Handlungsplan für heiße Tage zu haben, der in den meisten Fällen konkrete Maßnahmen für heiße Tage und Hitzewellen enthält. Einrichtungen mit Handlungsplänen bejahten überwiegend, dass die Umsetzung der Maßnahmen und des Hand- lungsplans dokumentiert werde. Die Maßnahmen zur Hitzeanpassung umfassten nächtliches Lüf- ten, Verschattung am Tage, besonders Augenmerk auf Flüssigkeitszufuhr in den meisten Fällen durch Trinkprotokolle und einen angepassten Speiseplan. Weiterhin wurden leichtere Kleidung und kühlende Waschungen angeboten. Die Hälfte der befragten Einrichtungen bestätigte, dass eine hitzebedingte Anpassung von Medikamenten in Absprache mit Hausärzt*innen erfolge. Auf- grund des häufigen Personalmangels ist eine Anpassung des Personalschlüssels in den meisten Fällen nicht möglich. Auch klimatisierte Aufenthaltsräume gehören in Senioreneinrichtungen eher zur Ausnahme. Welche Akteur*innen und Multiplikator*innen sind in Köln im Themenfeld Hitze und Gesundheit für die Zielgruppe 65+ bereits aktiv? Das bestehende Akteursnetzwerk des Hitzeaktionsplans für Köln setzt sich aus den verschiede- nen Bereichen der Stadtverwaltung, Wissenschaft, Pflege und Gesundheitswesen, Landes- und Bundesbehörden, Zivilgesellschaft und Netzwerke, Politik sowie Städtischen Unternehmen und Stadtwerken zusammen. Dies dokumentiert, dass eine Vielzahl an Akteur*innen mit jeweils spe- zifischem Blick heute bereits tätig sind. Demnach gilt es insbesondere, diese Aktivitäten weiter zu verzahnen und gegebenenfalls noch auszubauen. Es zeigt aber auch die Komplexität und den Umfang der Aufgabe in einer Großstadt wie Köln. Wie können diese Akteur*innen und Multiplikator*innen in einen Hitzeaktionsplan eingebunden werden? Für die Integration der genannten Akteur*innen und Multiplikator*innen wurden verschiedene tri- sektorale (Kick-Off-Meeting, Akteursworkshops, Abschlussveranstaltung, Runder Tisch Senio- renarbeit) durchgeführt. Außerdem wurden die Akteur*innen regelmäßig per Rundbrief über den aktuellen Projektstand sowie weitere wichtige Informationen im Zusammenhang mit Hitze und Gesundheit informiert. 5 Über welche Kommunikationsformate kann die Kommunikation mit der Zielgruppe strukturiert und optimiert werden und welche Maßnahmen sind geeignet, die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze für die Zielgruppe zu mildern? So unterschiedlich die Wege der Kommunikation, so verschieden und zum Teil ungewöhnlich, waren auch die im Projekt erprobten Formate. So wurden Maßnahmen zum Gesundheitsschutz bei Hitze mit einem Song und Imagefilm von einer Kölschen Band beworben. Zudem ist die Band live in Alteneinrichtungen aufgetreten. Musik eignet sich gerade für die Zielgruppe in Kölscher Mundart, da sie bei älteren und oder dementen Menschen Wohlbefinden und ein Gefühl der Ver- bundenheit auslösen, sowie einen Bezug zur Identität herstellen kann. Die im Projekt erstellten Fächer fanden großen Anklang und konnten auch von Menschen mit Demenz intuitiv genutzt werden. Auch die Hitzetipps wurden in lokaler Adaption mit der Zahl 11 als 11 Hitzetipps ge- druckt. Es wurde deutlich, dass diese plakativen Maßnahmen eine gute Erreichbarkeit der Ziel- gruppe erzielen und eine hohe Aufmerksamkeit für den Song, aber auch für die Informationsin- halte erzeugen Auf welchen Wegen kann die Zielgruppe der Menschen 65+ am besten erreicht werden? Während der Weg über die Pflegeeinrichtungen klar vorgegeben war, stellte sich der Kontakt zu in eigenem Wohnraum Lebenden differenzierter dar. Hier war wichtig, die Menschen in ihren Le- benswelten zu erreichen. Verschiedenste Multiplikator*innen sind hier mit unterschiedlichen An- geboten einzubinden. So können Informationen über ambulante Pflegedienste weitergegeben und diese auf notwenige Vorsorgemaßnahmen aufmerksam gemacht werden. Aber auch bei Au- ßerhaus-Kontakten, wie zum Beispiel Arzt- und Apothekenbesuche, Bäckereien und auf Stadtteil- festen kann der Kontakt direkt mit den Menschen hergestellt werden. Im Projektverlauf wurde, nach dem dies aufgrund der Covid-19-Pandemie wieder möglich war, auf Stadtteilfesten für das Thema geworben. Eine besondere Herausforderung stellen die Alleinlebenden dar, die möglicherweise mobilitäts- eingeschränkt nur noch wenige soziale Kontakte pflegen. Hier kann die Aktivierung der Nachbar- schaft und anderer sozialer und konfessioneller Netzwerke einen guten Weg der Hilfestellung darstellen. Ein systematisches, aktives Angebot stellt die aufsuchende Hilfe dar, die möglicherweise ausge- baut und um die Aufgabe Hitzeprävention erweitert werden muss. 4. Verstetigung Die Rolle einer kommunalen Verwaltung bei der Entwicklung eines Hitzeaktionsplans kann nicht allum- fassend sein. Erst durch Allianzen mit anderen stadtgesellschaftlichen und auch externen Akteur*innen kann die Aufgabe gelingen. Dies ist eine wichtige Botschaft aus dem Leuchtturmprojekt. Die zeitlich be- grenzte Struktur eines Projektes birgt jedoch auch die Gefahr, dass mit dem Wegfall einer koordinieren- den Stelle diese Allianzen mit Personalveränderungen, zeitlichen Verzögerungen etc. wieder „einschla- fen“. Zur Verstetigung des Hitzeaktionsplanes ist daher eine Übergabe an eine koordinierende Stelle in kommunalen Strukturen sinnvoll. Der vorliegende Bericht (s. Anlage) legt den Grundstein für einen Hitzeaktionsplan, der alle Ebenen der Prävention für das Wohlergehen von Menschen im Alter in Köln umfassen soll. Es wurde die Basis für eine intensive und regelmäßige Zusammenarbeit der maßgeblichen Akteur*innen gelegt. Hierauf gilt es jetzt und in Zukunft aufzubauen. Denn vieles wird bereits getan – oft jedoch noch nicht flächendeckend und miteinander verzahnt. Bei den nächsten Schritten wird es immer wieder wichtig sein, möglichst konkrete Vereinbarungen zu treffen damit klar definiert ist, wer, wann und auf welche Weise aktiv wird. Denn von der Verlässlichkeit der Maßnahmen hängt ab, ob es gelingt, Menschen im Alter ihre Selbständigkeit zu erhalten. Ak- teur*innen müssen deshalb überzeugt werden, sich mit Verbindlichkeit einzubringen. Hierfür sind noch viele Gespräche, Absprachen und Vereinbarungen notwendig. Wo finanzielle Ressourcen ein Problem darstellen, muss möglicherweise finanziell interveniert werden. Dies gilt etwa für den wichtigen Bereich 6 der aufsuchenden Hilfe. Im Zuge der Zusammenarbeit von Wissenschaft, kommunalen Akteur*innen, Wirtschaft und der enga- gierten Zivilgesellschaft sind Ideen zu weitergehenden Maßnahmen entstanden bzw. vorgeschlagen worden, die nach ihrer Wirkung priorisiert und weiterverfolgt werden sollen. Viele von ihnen zielen nicht nur auf ältere Menschen, sondern auf die gesamte Bevölkerung ab und wei- sen bereits den Weg in Richtung einer Ausweitung des im HAP-Köln Projekt erstellten Hitzeaktionsplans auf weitere vulnerable Gruppen, wie Kinder, Menschen mit Behinderung oder im Freien körperlich arbei- tende Menschen. Das Sofortprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Ver- braucherschutz (BMUV) für die Anpassung an den Klimawandel soll die Kommunen mit vielfältigen Maßnahmen unterstützen, unter anderem mit einem Beratungsprogramm zur Erstellung von Hitzeakti- onsplänen. Die deutsche Gesundheitsministerkonferenz hat 2020 zudem beschlossen, dass die Erstel- lung von kommunalen Hitzeaktionsplänen als Anpassungsmaßnahme dringend innerhalb eines 5- Jahreszeitraums erforderlich ist. Mit dem „HAP-Köln“ ist die Stadt Köln bereits einen Schritt weiter als die meisten anderen Kommunen, so dass andere Städte von den Erfahrungen profitieren können und das Kölner Vorgehen als Blaupause dienen kann. Das Projekt hat neue Vernetzungen initiiert und erprobt. So wurden nicht nur innerhalb der Stadt Köln neue Wege der Zusammenarbeit eröffnet, sondern auch über die kommunalen Grenzen hinweg ein deutschlandweiter Städtedialog initiiert. Diese neuen Wege haben sich als wichtige Grundlage erwiesen um ein komplexes und neues Aufgabenfeld wie die Hitzeaktionsplanung in einer Kommune zu veran- kern. Die offene Diskussion erzeugte eine Vernetzung auf Augenhöhe. Die Einbindung lokaler Ak- teur*innen in einen Hitzeeinsatzplan und die Nutzung vorhandener lokaler Netzwerke, ist ein Weg der weiter ausgebaut werden sollte, weil so eine gebündelte Informationsweitergabe über Multiplikator*innen an die Zielgruppe aufgebaut werden konnte. Diese Wege konnten auch in der Covid-19-Pandemie ge- nutzt werden. 5. Finanzierung Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt beabsichtigt den Hitzeaktionsplan weiter voranzutreiben und die personellen Ressourcen hierfür auch über die Projektlaufzeit hinaus bereitzustellen. Während des Projektes wurde die Stelle über Fördermittel vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz zu 65 % refinanziert. Um eine kontinuierliche Netzwerkarbeit zukünftig sicherstellen zu können ist sie bis zum 31.12.2022 unter Inanspruchnahme der Mittel aus dem Teiler- gebnisplan 1401 Umweltordnung, -vorsorge, bei der Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen verlängert worden. Ab 2023 ist vorgesehen, die Gesamtaufwendungen i.H.v. 100.300 € dauerhaft aus dem Teilergebnisplan 1401 Umweltordnung, -vorsorge, aus zur Verfügung stehenden Sachmitteln der Teilplanzeile 13, Auf- wendungen für Sach- und Dienstleistungen, zu finanzieren. Die Stelle wird zum Stellenplan 2023 mit entsprechender Kompensation angemeldet. Das Dezernat Umwelt, Klima und Liegenschaften wird im Rahmen der Haushaltsaufstellungsprozesse 2025ff innerhalb des zur Verfügung gestellten Budgets, ggf. durch Umschichtungen die erforderlichen Mittel vorsehen. Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haus- haltssatzung 2023/2024. Die Fortführung der Hitzeaktionsplanung stellt eine Maßnahme des Sofortprogramms der integrierten Klimafolgenanpassung (s. Ratsbeschluss AN/2624/2021) dar und ist Teil der geplanten Koordinations- stelle „KlimawandelAnpassungsManagement (KAM)“. Anlagen Projektendbericht Im Sinne der Ressourcenschonung wird die Anlage nur digital im Ratsinformationssystem bereitgestellt. -
Sachstandsbericht Rat /Ausschuss - Alt (1)
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Dezernat, Dienststelle VIII/57/574 Vorlagen-Nummer 2388/2022 Stand: 03.08.2023 Sachstandsbericht Hitzeaktionsplanung der Stadt Köln Beschluss: Der Rat nimmt die Ergebnisse des Projektes „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung: die Ergebnisse in das Verwaltungshandeln zu integrieren und perspektivisch auf wei- tere vulnerable Gruppen auszuweiten, wirksame Maßnahmen weiterzuentwickeln bzw. zusätzliche Maßnahmen zu erarbei- ten, als ersten Schritt einer Verstetigung einen „Runden Tisch Hitzeaktionsplan“ mit den wesentlichen internen und externen Akteur*innen zu initiieren und über die Umsetzung der Maßnahmen jährlich zu berichten. Die Maßnahme löst einen Bedarf von 1,0 Mehrstellen EG 13 und somit Personalkosten iHv 87.500 € p.a. sowie von Sachaufwendungen in Höhe von 12.800 € p.a. (Gesamtkosten 100.300 € p.a. Brutto) aus. Die Finanzierung wurde durch das Dezernat VIII sichergestellt. Die Finanzierung der vorgenannten Aufwendungen i.H.v. 100.300 € erfolgt aus veranschlag- ten Sachmitteln für die Klimafolgenanpassung i.H.v. 500.000 € p.a. im Teilergebnisplan 1401 Umweltordnung, -vorsorge in Teilplanzeile 13, Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Die Umsetzung der Maßnahme steht unter dem Vorbehalt des Inkrafttretens der Haushalts- satzung 2023/2024. Status in Bearbeitung erledigt Aktueller Bearbeitungsstand: Mit dem Projekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.2019-06.2022) wurde der Grundstein für einen umfassenderen Hitzeaktionsplan gelegt. Dieser umfasst alle Ebenen der Prävention für das Wohlergehen der Menschen im Alter und wird nun schrittweise auf weitere vulnerable Gruppen und letztendlich die gesamte Bevölkerung der Stadt Köln aus- geweitet. Durch die Einbindung der maßgeblichen Dienststellen in die Maßnahmenentwick- lung werden die Ergebnisse in das verwaltungshandeln integriert. 2 Als ersten Schritt zur Verstetigung des Hitzeaktionsplans wurde der „Runde Tisch Hitzeakti- onsplan“ mit den wesentlichen internen und externen Akteur*innen eingerichtet. Die ersten drei Arbeitstreffen fanden im Frühjahr 2023, vorbereitend für diesen Sommer, mit den wesent- lichen Vertreter*innen der Stadtverwaltung (Amt für Soziales, Arbeit und Senioren, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Gesundheitsamt, Umwelt und Verbraucherschutzamt, Berufsfeu- erwehr Köln), dem Gesundheitswesen (GeoHealth Centre des Universitätsklinikum Bonn, Institut für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln, KlimaDocs, Landeszentrum Gesundheit NRW) sowie Vertreterinnen der Zielgruppen (Seniorenvertretung Köln-Ehrenfeld, Liga) statt. Es wur- den bereits im Projekt entwickelte Maßnahmen abgestimmt, zusätzliche Aktionen erarbeitet sowie konkrete Aufgaben verteilt und Arbeitsschritte festgelegt. Darüber sind auch weitere Zielgruppen (Obdachlose, werdende Eltern und Kinder) in den Fokus gerückt worden. Der 4. Runde Tisch Hitzeaktionsplan ist für Herbst 2023 geplant und wird zurzeit vorbereitet. Zukünf- tig werden zwei Vorbereitungstreffen im Frühjahr und ein Evaluationstreffen im Herbst durch- geführt. Somit wird die im Projekt angestoßene gemeinsame Arbeit durch den "Runden Tisch Hitzeaktionsplanung“ weitergeführt. Organisiert und koordiniert wird dieser Arbeitskreis vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln. Ein weiterer intensiver fachlicher Austausch findet regelmäßig bilateral mit den maßgeblichen Ämtern (Amt für Soziales, Arbeit und Senioren, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Gesund- heitsamt, Umwelt und Verbraucherschutzamt, Berufsfeuerwehr Köln) und externen Akteur*in- nen (KlimaDocs, Uniklinik Köln) statt. Hierbei werden Maßnahmen erarbeitet und diskutiert, die sich auch auf weitere vulnerable Gruppen beziehen. In Kooperation mit dem Umwelt- und Verbraucherschutzamt sowie dem Gesundheitsamt wurde beispielsweise der Ratgeber der KlimaDocs e.V. „Klimaschutz ist Kinderschutz – Ein Ratgeber für Eltern“ um wichtige Hitze-Infos für die Risikogruppe der Säuglinge und (Klein-) Kinder erweitert. Die Infobroschüre ist auf dem Hitzeportal zum Download erhältlich und soll demnächst auch in gedruckter Form zur Verfügung stehen. Die Verbreitung erfolgt in Abspra- che mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie dem Gesundheitsamt. Die Sensibilisierung von Menschen im Alter wird weiterhin fortgeführt. Das Umwelt- und Ver- braucherschutzamt war in den Monaten April und Mai in verschiedenen Stadtbezirken beim Runden Tisch für Seniorenarbeit sowie bei Informationsveranstaltungen und Stadtfesten ver- treten und hat Vorträge zum Thema Hitze und Gesundheit gehalten. Die Broschüre „Der Hit- zeknigge“ für die vulnerable Gruppe der Menschen im Alter wurde aktualisiert und an Pflege- heime, Arztpraxen, verschiedene Netzwerke und Vereine sowie persönlich an interessierte Bürger*innen vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt versendet. Als weiteres Maßnahmenbeispiel werden sogenannte Hitzespaziergänge in ausgewählten Stadtbezirken von den Seniorenkoordinatoren und SeniorenNetzwerken organisiert. Gemein- sam mit Senior*innen wird die nähere Umgebung nach schattigen Sitzmöglichkeiten, Trink- und Toilettenstandorten, aber auch Stolperfallen abgesucht. Das Umwelt- und Verbraucher- schutzamt koordiniert die Aktion und unterstützt mit Kartenmaterial. Die Ergebnisse sollen in handlichen Karten bzw. Flyern aufbereitet und allen Bürger*innen zur Verfügung gestellt wer- den. Im Juli war das Gesundheitsamt auf Wochenmärkten in Nippes, Bocklemünd und Höhenhaus vertreten, auf denen Bürger*innen von Medizinerinnen beraten und Informationsbroschüren und Giveaways des Hitzeaktionsplans verteilt wurden. Das Kölner Hitzeportal mit aktuellen Informationen und Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze wird kontinuierlich aktualisiert. Neben der überarbeiteten Übersichtskarte „Hitze, Trink- wasserbrunnen und Toilettenstandorte“ ist auf dem Hitzeportal die neu eingerichtete interak- tive Karte „Kühle Orte in Köln“ zu finden. Bürger*innen können hier ihre schattigen Plätze und Abkühlungsmöglichkeiten selbständig in eine digitale Karte eintragen und allen Kölner*innen zur Verfügung stellen. Eine weitere neue Maßnahme, die zurzeit erprobt wird, ist das Hitzetelefon. Das Gesundheits- amt hat über die Sommermonate (21.06. - 22.09.2023) für ratsuchende Bürger*innen ein ärzt- 3 lich geleitetes Hitzetelefon eingerichtet. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse werden in ei- nem wöchentlichen Austausch zwischen dem Umwelt- und Verbraucherschutzamt und dem Gesundheitsamt besprochen und das Angebot entsprechend weiterentwickelt. Weitere Maßnahmen, die diesen Sommer durchgeführt werden, sind die Ausstellung zum Hit- zeaktionsplan und zur Klimawandelanpassung in der Magistrale des Stadthauses in Deutz, der Verleih von Rollups mit 11 Hitze Tipps für z.B. Bürgerämter und Veranstaltungen sowie die Vorbereitung der Aktion „Cooling Cologne“. Nächste Schritte: Der 4. Runde Tisch Hitzeaktionsplan ist für Herbst 2023 geplant und wird zurzeit vorbereitet. Über die Umsetzung der Maßnahmen wird erstmalig im 1. Quartal 2024 detailliert berichtet. Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den: 31.12.2023 -
Anlage 1 Hitzeaktionsplan
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Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln 1 Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln (HAP-Köln) Gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz als kommunales Leuchtturmprojekt. 2 Autor*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Stadt Köln Yvonne Wieczorrek Bianka Marcol Johanna Grünewald Marita Hey GeoHealth Centre des Instituts für Hygiene & Public Health, Universitätsklinikum Bonn Silvia Schäffer-Gemein Juliane Kemen Heike Müller Thomas Kistemann Mitwirkende Nils Becker Annette Boms Marius Brinaru Eleni Giannakidou-Jordan Lena Gorges Katharina Jung Bruno Neff Christina Peklo Jessica Remy Stefan Schiffmann Marie Scholz Rebecca Vogel Gerhard-Andreas Wiesmüller Mit freundlicher Unterstützung von RheinEnergie AG Gesundheitsamt, Stadt Köln Amt für Soziales, Arbeit und Senioren, Stadt Köln Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stadt Köln Amt für Recht, Vergabe und Versicherungen, Stadt Köln Innerhalb des Hitzeaktionsplans wurde bei jeglichen Erhebungen das eingetragene Geschlecht abgefragt, wodurch in Teilen nur das „männliche“ und „weibliche“ Geschlecht berücksichtigt wurde. 3 4 Geleitwort Liebe Leser*innen, der jüngste Bericht des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) beschreibt in erschreckender Weise die Auswirkungen der Klimakrise und unzu- reichende Maßnahmen zur Gegensteuerung. Die massiven Folgen für Mensch und Natur sind eine globale Herausforderung, der sich auch die Stadt Köln zu stellen hat. Wir müssen uns auf deutlich längere Hitzeperioden mit Tagen über 30 °C, auf lang anhaltende Trockenperioden und auf häufigere Starkregenereignisse mit Über- flutungen einstellen. Klimaschutz und Klimaanpassung sind in Deutschland bisher keine kommunalen Pflichtaufgaben. Die Dringlichkeit der Lage erfor - dert es jedoch, dass Kommunen selbst aktiv werden und eigene Lösungsansätze zum Umgang mit dem Klimawandel entwickeln. Gerade die Prävention von Gesundheitsgefährdungen durch Hitze - wellen ist in dicht bebauten Stadtteilen von besonderer Bedeutung. Insbesondere ältere Menschen sind nachweislich von Hitze belastet und spüren gesundheitliche Einschränkungen, auch wenn diese oft unspezifisch und damit nicht direkt zuzuordnen sind. Gerade die Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden leben, benötigen unsere besondere Aufmerksamkeit. Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln (HAP-Köln) 5 Mit Hitzeaktionsplänen, wie sie im europäischen Ausland zum Teil bereits implementiert sind und zunehmend auch für deutsche Kom - munen diskutiert werden, haben wir die Möglichkeit, auf verschie - denen Handlungsebenen zielgerichtete Maßnahmen zur Vorsorge zur ergreifen. Als besonders betroffene Großstadt war es der Stadt Köln wichtig, als eine der ersten Kommunen ein Projekt zur Initiierung eines Hitze - aktionsplans für Menschen im Alter gemeinsam mit dem GeoHealth Centre am Institut für Hygiene und Public Health des Universitäts - klinikums Bonn auf den Weg zu bringen. Das Gesundheitsamt der Stadt Köln und die RheinEnergie AG haben sich als weitere wichtige Partner hierbei eingebracht. Der vorliegende Bericht, der die Ergebnisse der Projektlaufzeit zusammenfasst, wäre jedoch nicht ohne die Mitwirkung der vielfäl- tigen internen und externen Akteur*innen, die sich für das Wohler - gehen von älteren Menschen einsetzen, entstanden. Hierfür bedanke ich mich herzlich bei allen, die hieran mitgewirkt haben, und lade dazu ein, sich weiterhin intensiv einzubringen und gemeinsam am Kölner Hitzeaktionsplan weiterzuarbeiten. Ihr William Wolfgramm Beigeordneter für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften der Stadt Köln Köln, Juli 2022 6 Geleitwort Liebe Leser*innen, die Folgen des Klimawandels werden spür- bar. Er äußert sich nicht nur durch Erwär- mung, sondern auch durch die Zunahme von extremen Wetterereignissen. Nicht zuletzt die Flutkatastrophe in vielen Kommunen des Rheinlandes hat uns dies im Sommer 2021 unmittelbar und schrecklich vor Augen geführt. Der Anstieg der mittleren jährlichen Lufttemperatur führt dazu, dass extreme Hitzeereignisse im Sommer immer häufiger, intensiver und länger anhaltend werden. Die zunehmende Hitzebelastung ist auch von erheblicher gesund - heitlicher Relevanz, da sie den menschlichen Organismus stark beansprucht und insbesondere zu Problemen des Herz-Kreis - lauf-Systems führt. In den Hitzesommern 2003, 2006 und 2015 verstarben in Deutschland insgesamt etwa 20.000 Menschen an den Folgen der Hitzebelastung. Pro °C Temperaturanstieg wird eine Steiger ung hitzebedingter Sterblichkeit um 1–6 Prozent prognos- tiziert. Ältere Menschen und Personen mit chronischen Vo rerkran- kungen sind besonders gefährdet. Vor diesem Hintergrund ist es dringend notwendig, vorsorgend zu handeln. Das Europäische Parlament hat 2019 eine Klima-Notlage ausgerufen und die Europäische Kommission aufgefordert, alle rele - vanten Gesetzes- und Haushaltsvorschläge mit dem Ziel des Pari - ser Übereinkommens abzustimmen, die Erderwärmung auf unter 1,5°C zu begrenzen. Die deutsche Gesundheitsministerkonferenz hat 2020 konkordant beschlossen, dass die Erstellung von kom- munalen Hitzeaktionsplänen als Anpassungsmaßnahme dringend erforderlich ist. Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve, MBA Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender Universitätsklinikum Bonn 7 In einem vom Bundesumweltministerium geförderten Leuchtturmvorhaben wurde dies nun für die Stadt Köln und für die besonders gefährdete Gruppe älterer Menschen umge - setzt. Ein Team des Instituts für Hygiene und Public Health, Universitätsklinikums Bonn (UKB) hat mit seiner fachlichen Expertise als wissenschaft - licher Partner zum Gelingen des Projekts beitragen dürfen, hat umfangreiche empirische Grundlagen ermittelt und auch den Pro - zess der praktischen Umsetzung aktiv begleitet. Neben den weit über Köln hinaus wichtigen Erkenntnissen zur Hitzeaktionsplanung für Großstädte ist dieses Projekt damit auch ein gelungenes Bei - spiel für die Kooperation des UKB mit Partner*innen der kommu- nalen Verwaltung in der Region Rheinland, der es sich in vielfältiger Weise verbunden und verpflichtet fühlt. Ihr Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve, MBA Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender Universitätsklinikum Bonn Prof. Dr. med. Nico T. Mutters, MPH Direktor des Instituts, für Hygiene und Public Health, Universitätsklinikum Bonn Bonn, Juli 2022 Prof. Dr. med. Nico T. Mutters, MPH Direktor des Instituts für Hygiene und Public Health, Universitätsklinikum Bonn 8 Inhalt Inhaltsverzeichnis Geleitwort Stadt Köln ................................................................ 4 Geleitwort Universitätsklinikum Bonn ................................................. 6 1. Zusammenfassung ......................................................... 12 – 15 2. Einleitung .................................................................. 16 – 23 2.1 Hintergrund und Problemstellung .............................................. 18 2.2 Fragestellungen und Ziele .................................................... 22 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund ............................. 24 – 49 3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) ......................................... 26 3.2 Die Stadt Köln ............................................................... 28 3.2.1 Lage und regionales Klima .............................................. 28 3.2.2 Klimatische Besonderheiten der Kölner Bucht ............................ 28 3.2.3 Menschen in Köln ...................................................... 30 3.2.4 Stadtstruktur .......................................................... 31 3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln ......................................... 31 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung ...................... 34 3.4.1 Zunahme der Wärmebelastung .......................................... 34 3.4.2 Hitzebelastete Einwohnende in Köln ..................................... 36 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln ................................................. 41 3.5.1 Definition Sozialraum ................................................... 41 3.5.2 Integriertes Handlungskonzept „Starke Veedel – Starkes Köln“ ............ 42 3.6 Klimawandel und Gesundheit ................................................. 46 3.7 Von der klimawandelgerechten Metropole ..................................... 49 zu hitzeangepasstem Leben in Köln 4. Projektvorstellung ......................................................... 50 – 61 4.1 Förderung als Leuchtturmvorhaben im Rahmen ................................ 53 der Deutschen Anpassungsstrategie 4.2 Projektpartner ............................................................... 53 4.3 Projektplan und Meilensteine ................................................. 56 4.4 Wissenschaftlicher Beirat .................................................... 59 5. Methodik ................................................................. 62 – 85 5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete ........................................... 64 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete ...................................... 66 5.2.1 Pesch ................................................................. 68 5.2.2 Nippes ................................................................ 68 5.2.3 Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/Seeberg-Nord ....................... 69 5.2.4 Sozialraum Höhenberg/Vingst .......................................... 74 9 5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender ..................... 75 Menschen im Alter 5.4 Erhebung II: Quantitative Befragung von Pflegeeinrichtungen ................... 77 5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit ............................ 78 von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse) 5.6 Identifikation von lokalen und kommunalen Akteur*innen ....................... 82 5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen ................................ 83 6. Ergebnisse ............................................................... 86 – 141 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im ............................. 88 Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.1 Demografische und sozioökonomische .................................. 88 Charakterisierung der Stichprobe 6.1.2 Gesundheit ............................................................ 92 6.1.3 Hitzewarnungen und Information . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 6.1.4 Wahrnehmung von heißen Tagen und Hitzewellen ........................ 96 6.1.5 Gesundheitssymptome bei Hitzewellen ................................. 102 6.1.6 Ärztliche Gespräche zu Hitze und ihren Auswirkungen ................... 104 6.1.7 Hilfe während der Hitzewelle ........................................... 105 6.1.8 Individuelle Schutzmaßnahmen bei Hitze ................................ 106 6.1.9 Trink- und Essverhalten ................................................ 108 6.1.10 Soziale Kontakte ..................................................... 110 6.1.11 Verschobene Aktivitäten .............................................. 111 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter ............. 112 6.2.1 Hitzewarnung und Information ......................................... 112 6.2.2 Hitzebelastung und bauliche Gegebenheiten ............................ 113 6.2.3 Hitzeanpassung ....................................................... 114 6.2.4 Medizinische und pflegerische Maßnahmen ............................. 116 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit .............................. 117 von Grünflächen in Köln 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen ....................... 124 bei der Stadt Köln 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen ........................................... 130 6.5.1 Trisektorale Vernetzung................................................ 130 6.5.2 Interkommunale Vernetzung ........................................... 136 6.6 Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen / ................................... 141 Maßnahmen / Publikationen 10 Inhalt 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventionsmaßnahmen ............... 142 – 169 7.1 Kommunikation.............................................................. 147 7.2 Kernelemente und Maßnahmen .............................................. 160 8. Maßnahmenkatalog ...................................................... 170 – 217 8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre .................... 174 Zusammenarbeit 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems .............................. 178 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation .............................. 183 8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen ........................ 196 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen ...................... 198 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme ............. 205 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen ..................... 210 8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen .................. 216 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet ................................ 218 – 237 9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 9.1.1 Vulnerabilitätsanalyse ................................................. 221 9.1.2 Was berichten uns Menschen im Alter? ................................. 221 9.1.3 Wie ist die Lage in den Betreuungseinrichtungen ........................ 224 für Senior*innen? 9.2 Interaktion, Vernetzung und Kommunikation .................................. 224 9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: ................................ 225 Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan 9.4 Erreichbarkeit der Zielgruppe ................................................ 228 9.5 Fazit ....................................................................... 229 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder ........................ 232 des Projekts 10. Herausforderungen und Ausblick ....................................... 238 – 241 Danke! ........................................................................... 242 Literaturverzeichnis ............................................................... 243 Abkürzungsverzeichnis ............................................................ 250 Anlagen .......................................................................... 252 A1 Projekt-Meilensteine ......................................................... 252 A2 Rundbrief ................................................................... 253 A3 Liste Statistischer Quartiere, Erreichbarkeit von Grünflächen ................... 255 A4 Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen / Maßnahmen / Publikationen ......... 257 Die Heinzelmännchen zu Köln, sie sind geflüchtet, als „Hitzemännchen“ nun gesichtet Vers 1 Wie ist zu Köln es doch seitdem Mit „Hitzemännchen“ so bequem. Denn ist es heiß, man lege sich Hin auf die Bank und pflege sich: Da kommen bei Nacht, Ehe man’s gedacht, Die Stadt, Uni Bonn und RheinEnergie Ein Projekt akquiriert, das gab‘s so noch nie. Und eh ein Faulpelz noch erwacht, Der Start der Kampagne bereits ward gemacht. Vers 2 Plan von Aktionen und das gegen Hitze Zum Schutz der Gesundheit – ich mach keine Witze Studierten und probierten Debattierten und kooperierten Und planten Und kühlten Für die Menschen im Veedel – sehr edel. Ob Chorweiler, Pesch, in Deutz oder Nippes Das kühle Nass von Kölle, stets nipp es! Vers 3 Die Ämter sehr rege zu planen den Schatten, Trinkflaschen im Fundus als Spende sie hatten Und warnt vor Hitze der DWD, Laufbänder vor Ort realisiert KVB. Berichten die Pflichten Dem Beirat und Stadtrat – welch Wohltat. Es gilt nun zu schützen, zunächst mal die Alten, Erholung beim Nachbarn, an Orten im Kalten. Dies möge Ihr Ziel sein übers Ende hinaus Viel Glück für die Zukunft – ein Projekt mit Applaus! Hans-Guido Mücke 2022, basierend auf und frei angepasst nach August Kopisch 1836 „Die Heinzelmännchen zu Köln“ 11 1. Zusammenfassung 14 1. Zusammenfassung Im Zuge des Klimawandels nehmen auch in Köln die heißen Tage mit Tem pe- raturen über 30 °C und die Sommertage mit Temperaturen über 25 °C deutlich zu. Die Studie „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ zeigt, dass Tempe raturen von über 40 °C erreicht werden können. Lang anhaltende Hitzeperioden heizen insbesondere die stark versiegelten Stadt - quartiere zunehmend auf. Kinder, Kranke, Menschen im Alter und Menschen mit Behinderung reagieren besonders anfällig auf solche Belastungen durch Hitze. Im Hinblick auf den demografischen Wandel legt das Verbundprojekt „Hitzeaktions - plan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (HAP-Köln) einen besonderen Fokus auf über 65-jährige Personen. In dieser Altersgruppe können Hilfebedürftigkeit und soziale Isolierung dazu führen, dass Maß - nahmen, wie zum Beispiel ausreichendes Trinken und das Kühlen der Innenräume, zu wenig beachtet werden. Für Hitzeperioden wurden höhere Sterberaten konstatiert und das wärmere Stadtklima führt zu ver- mehrten gesundheitlichen Belastungen und Risiken. Ziel des Projekts war, gesundheitliche Risiken durch Hitzeperioden für Menschen im Alter zu reduzieren, indem ein Informati- onssystem und ein Aktionsplan aufgebaut und entwickelt werden. Zudem ist unter- sucht worden, inwiefern Hitzewarnungen alleinlebende ältere Menschen erreichen und wie sie Maßnahmen zur Hitzevorsorge treffen. Dabei stand im Vordergrund, Infor- mationen zu beschaffen, aufzubereiten und weiterzugeben. Als Basis für die Erarbeitung von geeigneten Maßnahmen zur Abmilderung gesundheit- licher Risiken diente eine Erhebung mittels qualitativer und quantitativer Methoden. In Stadtvierteln und Sozialräumen wurden ältere Menschen zu ihren Informationsquel- len, ihrem Wissensstand und ihren aktuellen Verhaltensweisen befragt. Darüber hinaus ist untersucht worden, ob Einrichtungen für ältere Menschen, ihr Handeln auf Hitzewar- nungen einstellen, Maßnahmen umsetzen und eine Verhaltensänderung der dort Woh- nenden eintritt. Als weitere Erkenntnisquelle sind Akteur*in- nen und Multipli kator*innen der Senioren- arbeit einbezogen und zu ihren Aktivitäten sowie weiteren geeigneten Maßnahmen befragt worden. Aus dieser Netzwerkarbeit, in Verbindung mit den Erkenntnissen der Befragung, ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog entstan - den, der alle zeitlichen Horizonte und Hand- lungsebenen abdeckt. In einem konkreten Hitzeeinsatzplan wurden erste verbindliche Aktionen mit den Akteur*innen vereinbart und in die Anwendung gebracht. Diese sol- len weiterverfolgt und ausgebaut werden. 15 2. Einleitung 18 2. Einleitung 2.1 Hintergrund und Problemstellung 2.1 Hintergrund und Problemstellung Der neueste Bericht des International Panel on Climate Change (IPCC 2022) machte drastische und äußerst alar m- ierende Aussagen: • Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Men - schen die Atmosphäre, die Ozeane und die Landflächen erwärmt hat. • Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im gesamten Klimasystem ist in histo - rischer Zeit beispiellos. • Die globale Oberflächentemperatur wird bis mindestens Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen. Eine globale Erwärmung von 1,5 °C und 2 °C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden, wenn nicht in den kommenden Jahrzehnten drastische Reduktionen der CO 2- und anderer Treibhausgasemissionen gelingen. Extrem heiße Sommer werden zukünftig häufiger auftreten – auch in Deutschland (Deutschländer & Mechel 2017). Das ver- gangene Jahrzehnt (2011–2020) war das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeich- nungen im Jahr 1881 (Deutscher Wetter- dienst, DWD 2021). Die Anzahl und Intensi- tät der Hitzetage (maximale Lufttemperatur >30 °C) je Sommer steigt und wird sich bis Ende des 21. Jahrhunderts auf ca. 40 ver - dreifachen (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Ver- braucherschutz, BMU 2020). Vor allem aus- geprägte und lang anhaltende Hitzeereig - nisse, wie 2018 im Rhein-Main-Gebiet von fast dreiwöchiger Dauer (UBA 2019), haben erheblichen Einfluss auf die menschliche Gesundheit und stellen eine Herausforde - rung für das Gesundheitswesen dar. Das außergewöhnliche Hitzeextrem vom August 2003 traf Europa völlig unvorbereitet und verursachte in Westeuropa über 70.000 zusätzliche Todesfälle, darunter 7.300 in Deutschland (Robine et al. 2008). Während der Hitzeextreme der Sommer 2006, 2010, 2013 und 2015 starben in Deutschland jeweils zwischen 3.300 und 6.200 Men - schen zusätzlich (an der Heiden et al. 2019). In Berlin starben zwischen 2018 und 2020 1.400 Menschen an den Folgen von Hitze. Insbesondere die ungewöhnlich hohen Sommertemperaturen in den Jahren 2018– 2020 führten zu einer statistisch signifikan - ten Anzahl von Sterbefällen in Deutschland: Eine Abschätzung ergab etwa 8.700 hit- zebedingte Sterbefälle im Jahr 2018, etwa 6.900 im Jahr 2019 und etwa 3.700 im Jahre 2020 (Winklmayr et al. 2022). Auch an akuten Krankheitsereignissen lässt sich zeigen, dass Hitze ein ernst zu neh - mendes Gesundheitsproblem ist. So nimmt z. B. die Häufigkeit der Herzinfarkte bei Hitzeextremen zu (Chen et al. 2019). In allen Bereichen der Gesundheitsversorgung in Deutschland ist während Hitzeperioden die Inanspruchnahme signifikant erhöht (Schillo et al. 2019). Vor diesem Hintergrund besteht mittlerweile allgemeiner Konsens, dass ein dringender Handlungsbedarf bezüglich der Abmilde - rung der gesundheitlichen Folgen des Kli - mawandels in Deutschland besteht. 2.1 Hintergrund und Problemstellung 19 Im Jahr 2008 hat die Bundesregierung die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Sie legt den Rahmen des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel fest und gibt eine Orien - tierung für die Handelnden. Ziel der Anpas - sungsstrategie ist es, die Verwundbarkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu mindern, die Anpassungsfähigkeit natür- licher, gesellschaftlicher und ökonomischer Systeme zu erhalten oder zu steigern und mögliche Chancen zu nutzen. Unter anderem soll die Strategie das Bewusstsein für den Klimawandel und seine Folgen verstärken und wichtige Akteur*in- nen für eigenes Handeln sensibilisieren (UBA 2018). Hitzeaktionspläne sind dabei ein zentrales Instrument. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bemängelt ein Missverhältnis zwischen einer klaren Evidenz für die gesundheitliche Belastung durch Hitze und der nur langsa - men Implementierung von Hitzeaktionsplä - nen (WHO Europe 2021). Sie hatte bereits 2008 empfohlen, Hitzeaktionspläne zu ent- wickeln (Matthies et al. 2008). In Deutschland ist die Erstellung von Hit- zeaktionsplänen auf Bundes-, Landes- bzw. kommunaler Ebene jedoch bislang nicht gesetzlich verankert. Im Aktionsplan II der DAS (BMU 2016) wurde von der Bundes- regierung angeregt, zu prüfen, ob die Län - der Hitzeaktionspläne erarbeiten können. Die Bund/Länder-Ad-hoc-Arbeitsgruppe ‚Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels (GAK)‘ hat daraufhin hierzu 2017 eine Empfehlung erarbeitet (Straff & Mücke 2017). Im Policy Brief für Deutschland des „Lancet Countdown on Health and Climate Change“ wird gefordert, die Umsetzung von Hitzeak- tionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit gemäß den Empfehlungen der GAK zu beschleunigen (Watts et al. 2021). Im Rahmen ihrer 93. Konferenz sprachen sich die Gesundheitsminister*innen der Länder am 1.10.2020 für die Erstellung von kommunalen Hitzeaktionsplänen innerhalb eines 5-Jahreszeitraums aus (GMK 2020). Dies wurde durch die 97. Konferenz der Ressortleitenden und Senatsmitglieder für Arbeit und Soziales der Länder im November 2020 bestätigt. Im Aktionsplan Anpassung III der DAS (BMU 2020) wurde eine unterstützend durchzu- führende Bestandserhebung, Analyse und Evaluation von bestehenden bzw. geplanten Hitzeaktionsplänen festgeschrieben. Auch die Stadt Köln hat erkannt, dass nach der Bilanzierung der Klimawandelfolgen und der Darstellung der Handlungsfelder im Rahmen des Projekts „Klimawandelge - rechte Metropole Köln“ (LANUV 2013) die Identifizierung, Vorbereitung und Durchfüh- rung konkreter Maßnahmen ein notwendiger nächster Schritt sein muss. Für Köln stehen die Hitzebelastung und die Zunahme von Starkregenereignissen im Vordergrund. So werden in Zukunft heiße Tage mit Temperaturen über 30 °C und Sommertage mit Temperaturen über 25 °C in Köln deutlich zunehmen (LANUV 2013). Dabei können Maximaltemperaturen von über 40 °C erreicht werden. 20 2. Einleitung 2.1 Hintergrund und Problemstellung Die Zahl der Sommertage wird bis Mitte des 21. Jahrhunderts für das Stadtgebiet Köln im Vergleich zu den klimatischen Ver- hältnissen am Anfang des Jahrhunderts um 30–70 Prozent zunehmen. Die Zahl der heißen Tage wird sich voraussichtlich sogar verdoppeln. Die Warming Stripes für Köln zeigen anschaulich die stadtklima tische Ent- wicklung von 1881 bis 2021 (Abb. 2.1). Eine einfache, aber prägnante Symbolisierung, um den Klimawandel zu visualisieren, entwi - ckelte der Klimawissenschaftler Ed Hawkins. Die sogenannten Warming Stripes stellen für einen bestimmten Ort oder eine Region die mittlere Jahrestemperatur dar. Die Daten werden dabei chronologisch seit Messbeginn aufgetragen. Die einzel- nen Jahre werden als farbcodierte Streifen dargestellt, das kälteste Jahr erscheint dunkelblau, das wärmste dunkelrot. Es ist leicht zu erkennen, dass in den letzten Jahr - zehnten die roten Streifen zugenommen haben. Das kälteste Jahr in Köln war 1888 mit 8,84 °C, das wärmste Jahr war 2020 mit 12,53 °C Durchschnittstemperatur. Auch bei gesunden Menschen kann Hitze zu Erschöpfung und eingeschränkter Leis - tungsfähigkeit führen. Das wärmere Stadt- klima führt für alle Men schen zu vermehrten gesundheitlichen Belastungen und Risiken. 1881 1901 1921 1941 2.1 Hintergrund und Problemstellung 21 Besonders schwer aber trifft die zuneh - mende Aufheizung der Stadtquartiere bei lang anhaltenden sommerlichen Hitzeereig - nissen Kinder, Kranke, Menschen mit Behin- derung und Menschen im Alter. Denn mit steigendem Lebensalter erhöht sich die Vulnerabilität gegenüber extremer Hitze. Sie stellt hohe Anforderungen an das kardiovaskuläre und respiratorische System. Für ältere Menschen ist es schwierig, ihre Körperkerntemperatur konstant zu halten (Bunz & Mücke 2017). Diese physiologi- schen Veränderungen können zu Dehyd- ratation, erhöhter Blutviskosität und damit zu gesteigertem Thromboserisiko führen. Heiße und trockene Luft reizt zudem die Atemwege. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankun- gen sind gefährdet. Der Klimawandel ist ein Umweltstressor, der zudem zu psychischen Beschwerden wie Angststörungen oder Depressionen führen kann. Das Zusammen - treffen von Klimawandel und demografi- schem Wandel fordert insofern besondere Konzepte und angepasste Maßnahmen für die Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen. 1961 1981 2001 2021 9° 12° Abb. 2.1: Warming Stripes für die Stadt Köln, 1881–2021. Quelle: Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUV NRW 22 2. Einleitung 2.2 Fragestellungen und Ziele 2.2 Fragestellungen und Ziele Die Zunahme von Hitze aufgrund des fortschreitenden globalen Klimawandels entwickelt sich insbesondere wegen der Gefährdung vulnerabler Personengruppen zu einem relevanten Gesundheits - problem. Dies gilt insbesondere für dicht bebaute, hoch versiegelte Großstädte wie Köln. Das dreieinhalbjährige Forschungs- und Entwicklungspro - jekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ (01.01.2019–30.06.2022) wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz als kommunales Leuchtturmprojekt gefördert (FKZ 67DAS120A). Es vereint unterschiedliche lokale und regionale Akteur*innen aus Kommunalverwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung. Ziel des Vorhabens war die Verminderung gesundheitlicher Risiken durch Hitzeperioden für Menschen im Alter 65+ durch den Aufbau eines Informationssystems und Aktionsplans, mit einem besonde - ren Fokus auf diese vulnerable Bevölkerungsgruppe. Folgende Fragen sollten durch das Projekt beantwortet werden: • Welche subjektive Hitzebelastung empfinden Menschen im Alter in verschiedenen großstädtischen Lebensumwelten? • Unterscheidet sich die Belastung in Stadtvierteln mit unterschied - licher objektiver Hitzebelastung bzw. sozioökonomischer Struktur? • Welche Akteur*innen und Multiplikator*innen sind in Köln im Themenfeld Hitze und Gesundheit für die Zielgruppe 65+ bereits aktiv? • Wie können diese Akteur*innen und Multiplikator*innen in einen Hitzeaktionsplan eingebunden werden? • Wie kann die Kommunikation mit der Zielgruppe strukturiert und optimiert werden? • Welche Maßnahmen sind geeignet, die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze für die Zielgruppe zu mildern? 2.2 Fragestellungen und Ziele 23 Das Projekt umfasste folgende Arbeitspakete: • soziodemografische und sozioökonomische, zeitlich und räumlich differenzierte Erhebung der subjektiven Hitzebelastung von Men - schen im Alter in großstädtischen Lebensumwelten • Erfassung und Analyse des Informationsflusses bezüglich Hitze - warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Landes - umweltamtes (LANUV NRW) und anderer Quellen zu Menschen im Alter in unterschiedlichen großstädtischen Lebenskontexten • Entwicklung von Instrumenten zur Optimierung der Information von Menschen im Alter über Hitze, gesundheitliche Belastungen durch Hitze und Anpassungsmöglichkeiten • Entwicklung geeigneter Maßnahmen und Instrumente zur Förde - rung hitzeangepasster, gesundheitsschützender und -fördernder Verhaltensweisen für Menschen im Alter Auf der Basis der gewonnenen Ergebnisse sollte eine evidenz - basierte, gezielte Öffentlichkeitsarbeit entwickelt werden, die sich an Menschen im Alter in unterschiedlichen Lebenssituationen und verschiedenen Stadtvierteln wendet. 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 26 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) 3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) Im Jahr 2008 hat die Bundesregierung die Deutsche Anpassungs - strategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Sie legt den Rahmen des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel fest und möchte eine Orientierung für die Handelnden bieten. Die DAS schafft einen Rahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Deutschland. Sie zielt darauf ab, den Grundstein für einen mittelfristigen Prozess zu legen, in dem schrittweise Risiken identifiziert, Handlungsbedarfe benannt, Ziele definiert sowie mögli - che Anpassungsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Die DAS folgt einem integralen Ansatz zur Bewertung von Risiken und Handlungserfordernissen, sie unterstützt eine nachhaltige Entwick - lung und reflektiert die internationale Verantwortung Deutschlands. Die Anpassungsstrategie hat das erklärte Ziel, die Verwundbar - keit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu mindern und die Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomi- scher Systeme zu erhalten oder zu steigern. Um Vorsorge im privaten, wissenschaftlichen, unternehm er- ischen sowie behördlichen, nachhaltigen Planen und Handeln zu ermöglichen, werden in der DAS folgende Aspekte als un verzichtbar hervorgehoben: • Verbesserung der Wissensbasis, um Chancen und Risiken besser benennen und vermitteln sowie Handlungsmöglichkeiten aufzeigen zu können; • Transparenz und Beteiligung durch einen breit angelegten Kommunikations- und Dialogprozess; • Unterstützung der verschiedenen Akteur*innen, indem z. B. Entscheidungsgrundlagen und -hilfen bereitgestellt werden; • Unterstützung der Bewusstseinsbildung und Information durch breite Öffentlichkeitsarbeit; • Entwicklung von Strategien zum Umgang mit Unsicherheiten. Unter anderem soll die Strategie das Bewusstsein für den Klima - wandel und seine Folgen verstärken und wichtige Akteur*innen für eigenes Handeln sensibilisieren (UBA 2018). Hitzeaktionspläne sind dabei erklärtermaßen ein wichtiges Instrument. 3.1 Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) 27 28 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.2 Die Stadt Köln 3.2 Die Stadt Köln Köln ist mit knapp 1,1 Millionen Einwohn- er*innen die viertgrößte Stadt Deutschlands. Die kreisfreie Stadt liegt im Südwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen am Rhein und ist das Zentrum der Metro - polregion Rhein-Ruhr. Köln gliedert sich in 9 Stadtbezirke und 86 Stadtteile (Statis - tisches Landes amt Nordrhein-Westfalen 2018). 3.2.1 Lage und regionales Klima Die Stadt Köln liegt im Südwesten von Nordrhein-Westfalen in der Kölner Bucht. Dies ist der südliche Ausläufer des Nie - derrheinischen Tieflandes, welches zu den klimatischen Gunsträumen in den mittleren Breiten Europas zählt. Das Klima der Kölner Bucht wird, wie im ganzen Westen Deutschlands, stark von der geografischen Nähe zur Nordsee und zum Atlantik bestimmt und somit maßgeb- lich vom Golfstrom beeinflusst. Diese Lage sorgt für ein maritim beeinflusstes Klima mit milden Wintern und bis in die jüngere Vergangenheit gemäßigten Sommern. Im Bereich der vorherrschenden Westwinddrift überwiegen Tiefausläufer, die vom Atlan- tik kommend Deutschland regelmäßig überqueren und Niederschläge bringen. Bei weniger häufigen, bisweilen aber sta - bilen Hochdruckwetterlagen nehmen die Tiefdruckgebiete nördliche oder südliche Zugbahnen, sodass sich länger anhaltende, trockene Perioden einstellen können. 3.2.2 Klimatische Besonderheiten der Kölner Bucht Im Mittel hat die Kölner Bucht eine Höhe von ca. 40 m über Normalnull (ü. NN). Links - rheinisch erstreckt sich der Höhenzug der Ville mit einer Höhe von maximal 205 m ü. NN entlang des Rheintals, welcher in Richtung Norden ausläuft. Das Rheinische Schiefergebirge umrahmt die Bucht und erhebt sich mit der linksrheinisch gelegenen Eifel sowie dem rechtsrheinisch gelegenen Bergischen Land und dem Siebengebirge bis über 600 bzw. 500 m ü. N N. Durch die markante Reliefgestalt und süd-nördliche Ausrichtung der Kölner Bucht werden bodennahe Luftströmungen kana - lisiert und der Wind schwenkt nach Norden oder Süden in Richtung des Rheinverlaufs. Grundsätzlich sind in Köln zwei vorherr- schende Wetterlagen zu unterscheiden: zyklonale und antizyklonale. Bei den zyklonalen Wetterlagen herrschen westliche Windrichtungen (NW–SW) vor, die meist mit höheren Windgeschwindigkeiten einhergehen. Aufgrund dessen stellt sich bei diesen Wetterlagen bis in höhere Lagen eine relativ gleichförmige Situation ein. Antizyklonale Wetterlagen sind in der Regel durch Schwachwinde geprägt und werden auch autochthon genannt, da sie nicht dem Einfluss großräumiger Windsysteme unter- liegen. Die Niederschläge werden durch die Erhe - bungen des quer zur Hauptwindrichtung verlaufenden Rheinischen Schiefergebirges beeinflusst. Dies führt zu ausgeprägten Luv- und Lee-Effekten (Luv ist die dem Wind zugekehrte Seite und Lee die dem Wind abgewandte Seite). 3.2 Die Stadt Köln 29 Die aus westlicher Richtung anströmenden Luftmassen überqueren das Hohe Venn und die Eifel. Bei ihrem Abstieg in die Kölner Bucht werden sie erwärmt und geben nur wenig Niederschlag ab, da wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann (Föhn- effekt). Der Anstieg zum Bergischen Land östlich des Rheins verursacht hingegen eine Stauung und Abkühlung der Luftmassen. Dies führt dort zu deutlich höheren Nieder - schlägen. Aus regionalen Klimauntersuchungen (Hartwig et al. 2022) auf dem Stadtgebiet ist bekannt, dass sich bei sommerlichen (autochthonen) Strahlungswetterlagen in den ersten Nachtstunden thermische Flur- winde ausbilden, die in der zweiten Nacht- hälfte durch einen regionalen Kaltluftabfluss vom Siebengebirge entlang des Rheintales überlagert werden. Dieses Phänomen ist auch im Kölner Norden nachweisbar. Dieser „Rheintalwind“ tritt in der Kölner Bucht bei stadtklimatisch relevanten Schwachwindwetterlagen auf und wird durch das Rheintal kanalisiert, sodass eine südsüdöstliche Windrichtung vorherrscht. Dieser Kaltluftabfluss kann Mächtigkeiten bis über 100 m erreichen. Es gibt keine topografischen Hindernisse auf Kölner Stadtgebiet. Die regional bedeutsame Kaltluftströmung im Rheintal wird insbesondere von kräftigen Kaltluftzuflüssen aus den Rheinnebentälern (linksrheinisch: Eifeltäler, Ahrtal; rechtsrhei- nisch: Siegtal, Sülztal, Wahnbachtal, Agger- tal etc.) gespeist. Im südlichen Bereich der Kölner Bucht bildet sich hierdurch eine Kalt- luftströmung mit hoher Intensität aus. Die auf geeigneten Flächen des Kölner Stadtgebietes lokal gebildete Kaltluft wird im Laufe der Nacht verfrachtet und mit dem regionalen Hangabwindsystem mitge- schleppt, sodass diesen lokalen Kaltluftent - stehungsgebieten ebenfalls eine klimatische Bedeutung zukommt. Betrachtet man die langjährigen Tempe- raturmittel, zeigt sich die Kölner Bucht während der Winter als eine der wärmsten Regionen Deutschlands. Längere Frostpe - rioden oder dauerhafte Schnee decken sind die Ausnahme. Die Studie „Klimawandelgerechte Metro- pole Köln“ hat gezeigt, dass die Stadt Köln sich auf länger anhaltende Hitzewellen mit Spitzentemperaturen von mehr als 40 °C einstellen muss. Aufgrund der Wärmeentwicklung in den dicht bebauten Stadtteilen, mit dem zusätz - lichen urbanen Wärmeinseleffekt, ist die Durchlüftung der Stadt und insbesondere der Wohngebiete von zentraler Bedeutung für ein gesundes Stadtklima. 30 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.2 Die Stadt Köln 3.2.3 Menschen in Köln Großstädte sind für die Folgen des Kli - mawandels besonders anfällig, da dichte Bebauung mit geringem Grün- und Was- serflächenanteil zur Speicherung von Hitze beiträgt. In Deutschland leben rund 64 Millionen Menschen in städtischen Agglomerationen, das sind etwa 77 Prozent der Wohnbevölkerung (Destatis 2019). Zu den städtischen Agglomerationen zählen 79 Großstädte mit mehr als 100.000 Ein- wohnenden (Zech 2018). Köln ist die größte Stadt im bevölkerungs- reichsten Bundesland Nordrhein-West- falen. Sie zählt neben Berlin, Hamburg und München zu den vier deutschen Millionen - städten. In der Stadt Köln leben 1.088.040 Men - schen auf einer Fläche von 40.489 Hektar (Quelle Stadt Köln – Amt für Stadtent- wicklung und Statistik 2020, Statistisches Informationssystem & Raumbezugssystem). Damit liegt die mittlere Bevölkerungs- dichte bei 2.690 Menschen/km². Im Ver- gleich zu den anderen Millionenstädten ist Köln deutlich weniger dicht besiedelt als München (4.790 Menschen/km²) und Berlin (4.112 Menschen/km²), verfügt aber über eine höhere Dichte als Hamburg (2.453 Menschen/km²). Zur Altersklasse über 65 Jahre gehören 192.109 Einwohnende in Köln. Dies ent- spricht einem Prozentsatz von 17,7 Prozent. Ein Drittel dieser Menschen ist 80 Jahre und älter. Bevölkerung insgesamt Altersgruppe 65–69 Altersgruppe 70–74 Altersgruppe 75–79 Altersgruppe 80 und älter 1.088.040 49.034 (4,5 %) 43.172 (4,0 %) 37.883 (3,5 %) 62.020 (5,7 %) Tabelle 3.1: Anzahl der Einwohnenden in Köln gesamt und 65+ in vier Altersklassen Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Statistik und Einwohner wesen, 2020 Zur Altersklasse über 65 Jahre gehören 192.109 Einwohnende in Köln. Dies entspricht einem Pro zentsatz von 17,7 Prozent. Ein Drittel dieser Menschen ist 80 Jahre und älter. 3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln 31 3.2.4 Stadtstruktur Köln ist administrativ in neun Stadtbezirke gegliedert. Dies sind Chorweiler, Nippes, Ehrenfeld, Lindenthal und Rodenkirchen auf der linken Rheinseite. Mülheim, Kalk und Porz liegen auf der rechten Rheinseite. Die Innenstadt erstreckt sich über beide Rheinseiten. Die Stadtbezirke sind flächendeckend in 86 Stadtteile unterteilt, wovon 51 auf der linken und 35 auf der rechten Rheinseite liegen. Für kleinräumigere Untersuchungen werden die Stadtteile weiter in Statistische Quartiere unterteilt. Statistische Quartiere sind durch Teilung, Zusammenfügen oder Beibehalten von Stadtvierteln mit dem Ziel entstanden, homoge - nere demografische Strukturen zu bilden, indem die Bevölkerungs - zahl eines Gebietes zwischen 1.000 und 3.000 liegen sollte. Als weiteres Ziel wurde die Zuordnung aller bewohnten Kölner Adressen formuliert. Adressen in Außenlagen sind als Exklave dem nächstge - legenen Statistischen Quartier im gleichen Stadtteil zugeordnet. 3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln Zusammen mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucher- schutz NRW (LANUV), dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB) hat die Stadt Köln das Projekt „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ durchgeführt und die Ergebnisse im Jahr 2013 im LANUV-Fachbericht 50: Kli - mawandelgerechte Metropole Köln – Abschlussbericht publiziert. Diese Studie hat deutlich gezeigt, dass es zukünftig in Köln wärmer wird und extreme Wettersituationen zunehmen werden. Schon zum Zeitpunkt der Studie bestand eine deutliche Aufheizung (Wärme - insel) der dicht bebauten Stadtteile gegenüber dem Umland mit Temperaturdifferenzen von mehr als 10 °C. 32 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln Für die Stadt Köln bedeutet dies, dass län - gere Hitzeperioden mit Temperaturen über 25 °C (Sommertage) und über 30 °C (heiße Tage) vermehrt auftreten. Im Vergleich mit dem Referenzzeitraum (1971 bis 2000) zeigen Klimaprojektionen eine Zunahme der Sommertage um 30 bis 70 Prozent und der heißen Tage um 60 bis 150 Prozent. Dabei können Maximaltemperaturen von über 40 °C erreicht werden. Neben der Überwärmung der dicht bebauten Stadtteile aufgrund des zusätzlichen Wärmeinselef- fekts ist die Durchlüftung der Stadt und ins - besondere der Wohngebiete von zentraler Bedeutung für ein gesundes Stadtklima. Im Rahmen der Studie wurde die „Planungs - hinweiskarte Hitze“ entwickelt (Abb. 3.1). Sie stellt eine synthetische Klimaanalysekarte dar, welche die zukünftig zu erwartenden stadtklimatischen Gegebenheiten in Köln in einer flächenhaften Übersicht darstellt. Grundlage für die Karte sind die Berech - nungen der Anzahl der heißen Tage für die Periode 2021 bis 2050, die der Deutsche Wetterdienst mit dem Stadtklimamodell MUKLIMO_3 simuliert hat. Die Karte unterscheidet fünf Klassen; es werden die klimatisch belasteten Siedlungs - gebiete und die klimaaktiven Freiflächen dargestellt. Die Klassen 1 und 2 zeigen die beiden höchsten Belastungsklassen an. Hier sind sehr hoch und hoch belastete Siedlungs - flächen dargestellt, die durch einen sehr ausgeprägten Wärmeinseleffekt gekenn - zeichnet sind. Diese beiden Klassen sind zudem durch einen hohen Versiegelungsgrad und eine dichte Bebauung charakterisiert. Die Grün - anteile sind sehr gering. Daher erfolgt kaum Abkühlung durch Verdunstung. Tagsüber findet eine starke Aufheizung statt, eine nächtliche Abkühlung ist stark vermindert. Die dichte Bebauung beeinträchtigt lokale Windsysteme und mindert die Frischluftzir- kulation. Die Klasse 3 stellt eine stadtklimatische Übergangszone dar, die heterogen gestaltet ist und sowohl dichte Bebauung als auch weniger dichte Bebauung und angrenzende Freiflächen aufweist. Diese Randlagen können auch aus Grün- und Verkehrsflä- chen bestehen. Je nach Vegetationsbe - stand kann lokal eine hohe Abkühlung stattfinden (z. B. Friedhofsflächen). Die nächtliche Abkühlung ist etwas höher als in den Klassen 1 und 2, jedoch immer noch eingeschränkt. Lokale Winde werden durch Bebauung behindert oder abgebremst. Die Klassen 4 und 5 stellen klimaaktive und sehr klimaaktive Freiflächen dar, die sich durch einen ausgeprägten Tagesgang von Temperatur und Feuchte auszeichnen. Sie sind windoffen, weisen eine starke Frisch- und Kaltluftproduktion auf und sind von hoher Sensibilität gegenüber Nutzungsän - derungen, z. B. Bebauung. In bewaldeten Gebieten findet tagsüber durch die Ver- schattung eine geringe Aufheizung statt und die Verdunstung über die Blätter trägt zu einer Kühlwirkung bei. 3.3 Klimawandelgerechte Metropole Köln 33 Abb. 3.1: Planungshinweiskarte Hitze für die Stadt Köln. Quelle: LANUV 2013. Kaltluft nach 4h Klasse 5 stark klimaaktive Flächen Klasse 4 klimaaktive Flächen Klasse 3 belastete Siedlungsflächen Klasse 2 hoch belastete Siedlungsflächen Klasse 1 sehr hoch belastete Siedlungsflächen Die Planungshinweiskarte Hitze zeigt die zukünftige Wärmebelastung (Periode 2021-2050) in 5 Klassen. Grundlage ist eine MUKLIMO_3-Berechnung für die Anzahl der heißen Tage mit CLM. Die ein - gezeichneten Pfeile stellen den Kaltluft - abfluss nach 4 Stunden Simulationszeit mit dem Model KLAM dar. Die Windrichtungs - verteilung (Windrose) wurde an der DWD Station am Flughafen Köln Bonn gemessen (1981 bis 2010). Planungshinweiskarte Hitze 34 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung 3.4.1 Zunahme der Wärmebelastung Seit Erstellung der Studie „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ ist die Wärmebelastung weiter gestiegen. Das LANUV hat 2022 im Rahmen des Klimafolgen- und Anpassungsmonitorings langjährige Zeitreihen für Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Die Daten zeigen für die temperaturbezogenen Indikatoren eine deutliche Zunahme der klimatologischen Kenntage, insbesondere in der jüngeren Ver- gangenheit. Das LANUV hat für Nordrhein-Westfalen seit 1891, bei großer Variabilität, einen signifikanten Anstieg der mittleren Anzahl der Sommertage und der heißen Tage sowie ab 1951 einen Anstieg der Anzahl der Tropennächte dokumentiert. Seit 1951 nahmen die Sommertage im Mittel um rund 21 Tage, die heißen Tage um etwa 7 Tage zu. Heiße Tage Sommertage 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Abb. 3.2: Mittlere Anzahl der Sommertage und heißen Tage pro Jahr in NRW im Zeitraum 2012 bis 2021. Quelle: LANUV / Datengrundlage: DWD 2022 Abb. 3.2: LANUV. Quelle: www.klimafolgenmonitoring.nrw.de 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung 35 Bei der Betrachtung der gesamten Zeitreihe der Sommertage fällt das Jahr 2018 als absoluter Spitzenreiter bei der Anzahl der Som - mertage auf. Mit rund 76 Sommertagen setzt sich dieses außerge - wöhnliche Jahr deutlich von den anderen Rekordjahren ab. Bei den heißen Tagen wurde trotz ständig neuer Temperaturrekorde der Spitzenplatz von 23 heißen Tagen aus dem Jahr 1947 noch nicht durch aktuellere Jahrgänge eingestellt. Allerdings häufen sich unter den Top 10 auffällig viele Jahre nach 2000. Bei der Anzahl der Tro- pennächte liegt nach wie vor das Jahr 1994 mit 2,3 Tropennächten im gesamten Landesmittel vorne, dicht gefolgt von sechs Jahrgän - gen nach 2000. Temperatur - kenntage Anzahl pro Jahr Trend 1891–2021 Mittelwert 1891–2021 Änderung 1891–2021 Trend 1951–2021 Mittelwert 1951–2021 Änderung 1951–2021 Sommertage 28 + 13 30 + 21 Heiße Tage 5 + 4 6 + 7 Tropen- nächte 0,4 + 0,6 Trend mit Trendumkehr – zuerst fallend, dann steigend steigender Trend ausstehender Trend Abb. 3.3: Entwicklung der Häufigkeit von Temperaturkenntagen auf dem Gebiet von Nordrhein-Westfalen. Quelle: LANUV / Datengrundlage: DWD 2022 Trendbewertung 36 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung 3.4.2 Hitzebelastete Einwohnende in Köln Die Stadt Köln ist eine weiterhin wachsende Stadt. Die Zahl der Einwohnenden nimmt zu; gleichzeitig und aufgrund der Alterung sogar überproportional nimmt die Anzahl der vulnerablen Menschen zu, die durch die sommerliche Hitzebelastung gesundheitliche Einschränkungen erleiden. Die zunehmende Aufheizung der Stadtquar- tiere bei lang anhaltenden sommerlichen Hitzeereignissen trifft besonders Kinder, Kranke, Menschen mit Behinderung und Menschen im Alter. Aber auch bei gesun- den Menschen kann Hitze zu Erschöpfung und eingeschränkter Leistungsfähigkeit führen. Bei Hitzeperioden werden höhere Sterberaten gemessen und das wärmere Stadtklima führt zu vermehrten gesund - heitlichen Belastungen und Risiken. Mobi - litätseinschränkungen, Hilfsbedürftigkeit und soziale Vereinsamung älterer Menschen führen zudem nicht selten dazu, dass Maßnahmen wie z. B. ausreichende Flüssig- keitsversorgung und Flüssigkeitsaufnahme sowie Abkühlungsmaßnahmen (Duschen, Fußbäder, Wasservernebelung etc.) unter- lassen werden. Das Zusammentreffen von Klimawandel und demografischem Wandel fordert insofern besondere Konzepte und angepasste Maßnahmen für die Bevölke - rungsgruppe der älteren Menschen. Die Auswertung der heute schon vor- handenen Betroffenheit der Bevölkerung durch Hitze zeigt, dass insgesamt 43,3 Prozent aller Kölner Einwohnenden (Bezug Einwohnerdaten 2020, Stadt Köln) hitzebe- lastet sind, d. h., sie wohnen in den Belas - tungsgebieten der Hitzeklassen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze. Dies sind 470.432 Personen. Die Belastung ist in den Stadtteilen am höchsten, in denen ein hoher Versiege - lungsgrad die Wohngebiete prägt. In diesen Bereichen ist es besonders nachteilig, wenn durch Nachverdichtung nicht nur die Erwär- mung insgesamt zunimmt, sondern zu sätz- lich auch die Durchlüftung eingeschränkt wird. 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung 37 Abb. 3.4: Hitzebelastete Bevölkerung nach Stadtteilen. Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwick - lung und Statistik 2020. Planungshinweiskarte Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013. Hohe / sehr hohe belastete Siedlungsflächen der Planungshinweiskarte Hitze aus der Studie Klimawandel - gerechte Metropole Köln. Hitzebetroffenheit der Einwohnenden in den Stadtteilen Anzahl absolut Betroffene in Klassen 1 und 2 < 3.000 3.001–6.000 6.001–10.000 10.001–25.000 >25.000 Dargestellt ist die Hitzebetroffenheit der Einwohnenden in den Stadtteilen. Grundlage der Hitzebetroffenheit sind die Klassen 1 (sehr hoch) und 2 (hoch) der Planungshinweiskarte Hitze. 38 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung Betroffenheit der Altersgruppe 65+ von Hitze Das Alter summiert verschiedene Risiko - faktoren für die Beeinträchtigungen durch Hitze, wie bestehende körperliche und mentale Erkrankungen, die Einnahme von Medikamenten oder Pflegebedürftigkeit (Herrmann & Sauerborn 2018). Eine einheit- liche Definition, was ältere Menschen sind, liegt nicht vor (Wolter 2017). Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) legt die Altersgrenze für ältere Men- schen ab 65 Jahren fest. Üblicherweise wird ab einem Alter von 65–74 Jahren von frühen Älteren gesprochen und ab 75 Jah- ren von späten älteren Menschen (Orimo et al. 2006) (www.dza.de). Der Anteil der Einwohnenden über 65 Jah- ren liegt in Köln bei etwa 18 Prozent. In dieser Altersgruppe leben 40 Prozent in den Hitzebelastungsgebieten der Klassen 1 und 2 (76.936 Personen). Der Tabelle liegt eine Auswertung der Wohnadressen der Einwohnenden nach Altersklassen zu den hitzebelasteten Klas - sen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze zugrunde. Die Zuordnung zeigt, dass nur eine sehr geringe Anzahl an Menschen im Alter in der günstigsten Klasse 5 wohnen. Die Auswertung der räumlichen Verteilung der Altersgruppe 65+, deren Wohnadresse in den Hitzeklassen 1 und 2 liegt, zeigt die Statistischen Quartiere auf, in denen eine hohe Anzahl hitzebelasteter Bewohner*in- nen leben (siehe Abb. 3.5 „Hitzebelastete Einwohnende der Altersgruppe 65+ in den Statistischen Quartieren“). Dies sind die dicht bebauten Bereiche der Kernstadt, d. h. die Innenstadt und die angeglieder- ten Stadtteile Ehrenfeld, Nippes, Sülz und andere, die zwischen Innerem und Äußerem Grüngürtel liegen. Hitzebelas - tungsklasse 1 sehr hoch belastet 2 hoch belastet 3 belastet 4 klimaaktiv 5 sehr klimaaktiv Altersgruppe 65–69 7.989 11.428 25.680 3.640 135 Altersgruppe 70–74 7.133 10.211 22.449 3.115 91 Altersgruppe 75–79 6.214 8.845 19.980 2.566 92 Altersgruppe 80+ 9.673 15.443 32.825 3.790 139 Summen 31.009 45.927 100.934 13.111 457 Tabelle 3.2: Zuordnung der Altersgruppe 65+ in die fünf Hitzeklassen. Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Planungshinweiskarte Hitze: Planungshinweiskarte Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013. 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung 39 Abbildung 3.5: Hitzebelastete Einwohnende der Altersgruppe 65+ in den Statistischen Quartieren; ausgewertet wurde die Wohnadresse in den Hitzeklassen 1 und 2 der Planungshinweiskarte Hitze. Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Planungshinweiskarte Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013. Hitzebetroffenheit der Altersgruppe 65+ in Statistischen Quartieren Anzahl absolut Betroffene in Klassen 1 und 2 0 <=75 76–150 151–250 >251 40 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.4 Fortschreitender Klimawandel und belastete Bevölkerung Aus der Abbildung wird deutlich, dass in den blau dargestellten Sta - tistischen Quartieren keine hitzebelasteten Menschen der Gruppe 65+ wohnen. Deutlich treten auch die Hitze-Hotspots in weiter von der Kernstadt entfernten Bereichen hervor. Hier sind u. a. zu nennen: rechtsrheinisch Stammheim, Höhenhaus, Rath-Heumar, Porz-Fin - kenberg, linksrheinisch Worringen, Weiden, Bocklemünd. Die Karte macht deutlich, dass die Altersgruppe 65+ insbesondere in den dicht bebauten Wohngebieten einer hohen bzw. sehr hohen Hitze - belastung ausgesetzt ist. Diese Wohngebiete sind nicht nur in der Kernstadt innerhalb des Äußeren Grün gürtels zu finden, sondern auch in der Peripherie. Durch den fortschreitenden Klimawandel, die angestrebte Nachver - dichtung städtischer Baustruktur sowie die Ausweisung zusätzlicher Baugebiete zur Schaffung von Wohnraum werden diese Belastun - gen zunehmen. 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln 41 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln 3.5.1 Definition Sozialraum Die Stadt Köln definiert Sozialräume als Gebiete, die „im Vergleich zur gesamten Stadt überdurchschnittlich stark von sozialer Benach - teiligung betroffen sind“. 2005 wurde das Rahmenkonzept „Sozial- raumorientierte Hilfsangebote in Köln“ mit dem Ziel entwickelt, die Lebens bedingungen der Einwohnenden in derzeit elf festge - legten „Sozialraum gebieten“ zu verbessern (Größe: i. d. R. 20.000– 30.000 Einwohnende). Dies soll durch die Verankerung einer ressort- und fachübergreifen - den Praxis aufseiten der Verwaltung und der freien Träger bewirkt werden, die sozialraumorientierte und kooperative Arbeitsformen intensiviert, vorhandene Dienste und Angebote optimiert und Prä - vention in den Vordergrund rückt. Die wesentlichen Handlungsfelder sind dabei: Kinder, Jugend und Familie, Soziales, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Stadtent - wicklung, Sport, Kultur, Integration, Wirtschaft und Arbeit sowie Gemein wesen entwicklung. Mit dem Rahmenkonzept streben die Stadt Köln und die beteiligten Wohlfahrtsverbände an, das soziale und solidarische Köln zu stärken und zukunftsfest zu machen (Stadt Köln 2005). 42 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln 3.5.2 Integriertes Handlungskonzept „Starke Veedel – Starkes Köln“ Die Grundlage des Integrierten Handlungs - konzeptes „Starke Veedel – Starkes Köln“ (2015) bildet das Programm „Lebenswerte Veedel – Bürger- und Sozialraumorientie- rung in Köln“, der seit 2006 insbesondere im Jugend- und Sozialbereich praktizierte Ansatz der Sozialraumorientierung in benachteiligten Stadtquartieren. Ziel des Integrierten Handlungskonzeptes ist es, die von sozialer Benachteiligung beson- ders betroffenen Stadtquartiere in Köln zu stärken, Armut zu bekämpfen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, Prävention zu systematisieren und die Lebenssituation der in diesen Quartieren lebenden Menschen nachhaltig zu verbessern. Mithilfe des Monitorings Stadtentwicklung wurde geprüft, ob es sich bei den elf in der Stadt Köln definierten Sozialräumen des Programms „Lebenswerte Veedel – Bürger- und Sozialraumorientierung in Köln“ noch um die Gebiete mit besonderen Handlungs - erfordernissen handelt, die im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich stark von sozialer Benachteiligung betroffen sind. Betrachtet wurden in einer einheitlichen Vorgehensweise (Indexwerte) verschiedene Themenfelder, unter anderem soziale Lage, demografischer Wandel und Wohnen. Wirtschaftliche Benachteiligung Politisch-kulturelle Benachteiligung Gesundheitliche Benachteiligung • SGB-II-Empfänger*innen zwischen 15 und 65 Jahren (S) • Empfänger*innen von Hilfen zur Erziehung (S) • Unter 15-Jährige in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften (S) • Empfänger*innen von Grund sicherung im Alter (SGB XII) (S) • Von Armut bedrohte Haushalte (U) • Beurteilung der eigenen wirtschaftliche Lage (U) • Jugendarbeitslosigkeit (S) • Nichtwähleranteil Bundestagswahl (S) • Personen, die keine kulturellen Angebote in Anspruch nehmen (U) • Personen, die keine kostenintensiven Freizeitangebote in Anspruch nehmen (U) • Keine ehrenamtliche Tätigkeit (U) • Übergewichtige Kinder (Schuleingangsuntersuchung) (S) • Personen, die keiner sportlichen Betätigung nachgehen (U) • U8-Teilnahmequote (S) Abbildung 3.6: Zusammensetzung des Index Soziale Lage. Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln 43 Sozialraumgebiete – Lebenswerte Veedel in Köln Abb. 3.7: Lage der 11 definierten Sozialräume im Kölner Stadtraum. Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2014 44 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln Für die Auswahl der elf Sozialräume wurde der Index „Soziale Lage“ zugrunde gelegt, der verschiedene Aspekte von Benach - teiligung berücksichtigt: wirtschaftliche, politisch-kulturelle und gesundheitliche Benachteiligung. Er setzt sich zusammen aus verschiedenen Statistikdaten sowie aus Ergebnissen der Umfrage „Leben in Köln“ und berücksichtigt somit sowohl „harte“ statistische Daten als auch „subjektive“ Ein - schätzungen der Befragten (Abb. 3.6). Der Index wird durch die Vielfalt an Indi - katoren der Tatsache gerecht, dass sich Benachteiligung in weit mehr als nur mone - tären Aspekten widerspiegelt. Die räumliche Grundlage der Berechnung des Indexes sind die 86 Kölner Stadtteile. Für die räumliche Abgrenzung wurden Stadtteile zusammengefasst, um in etwa gleich große Räume von ca. 20.000 Einwoh- ner*innen und Räume mit einer vergleich- baren sozioökonomischen Bevölkerungs- struktur bilden zu können. Die bestehenden Sozialräume, die im Programm „Lebens- werte Veedel“ enthalten sind, zählen so gut wie alle zu den Gebieten mit besonderen Handlungserfordernissen und wurden in das Integrierte Handlungskonzept „Starke Veedel – Starkes Köln“ mit geringfügigen Veränderungen der Gebietszuschnitte über- nommen. Alle Sozialräume, einheitlich und ver- gleichend zur Gesamtstadt betrachtet, weisen einen erhöhten Handlungsbedarf hinsichtlich der Armutsbekämpfung und Ausgrenzungsvermeidung auf, jedoch auch Unterschiede ihrer Problemlagen und ihres Betroffenheitsgrads je nach Themenfeld. Hinsichtlich der sozialen und demogra- fischen Situation ist u. a. in allen elf Sozi- alraumgebieten ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Personen mit Migrations- hintergrund sowie an Haushalten, die Trans- fereinkommen beziehen, zu verzeichnen. Die kulturelle Vielfalt bildet verschiedene Anknüpfungspunkte für ein kreatives Milieu, birgt aber auch Konfliktpotenziale (z. B. zwi- schen unterschiedlichen ethnischen Grup - pen). Gleichzeitig zeigt sich in einzelnen Quartieren eine Überalterung. Bei älteren Einwohnenden nimmt die Gefahr der Alters- armut zu. Hier ist frühe Förderung aller Altersgruppen, die Aktivierung aller SGB II-Bezieher*innen und Langzeitarbeitslosen durch zielgrup - penspezifische Angebote, die Stärkung der Partizipation und Teilhabe der Bewoh- nerschaft sowie die Verbesserung der Integration und des Zugangs zu Information, Beratungs- und Bildungsangeboten rele - vant. Das Ziel sind früh angesetzte Hilfen in verbesserten Bildungsstrukturen, erhöh - tes (Aus-)Bildungsniveau und gestärkte gesundheitliche Situation. Im Bereich des öffentlichen Raums der Sozialraumgebiete ergeben sich durch gemischte Baustrukturen (von gründer- zeitlichen Gebäudebeständen bis hin zu Großwohnsiedlungen) und unterschiedli- che städtebauliche Ausgangssituationen verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Der öffentliche Raum im Sozialraumgebiet wird intensiv von unterschiedlichen Bewoh- nergruppen genutzt. Im Alltag zeigen sich immer wieder Konflikte zwischen den ver- schiedenen Gruppen oder Schwierigkeiten im Umgang mit dem öffentlichen Raum (z. B. Müllproblematik). 3.5 Sozialräume in der Stadt Köln 45 Gleichzeitig bietet die intensive Nutzung Ansatzpunkte zur Steigerung der Iden - tifikation mit dem Wohnumfeld. Hand- lungsbedarfe zeigen sich vor allem bei der Behebung städtebaulicher Mängel (z. B. Gestaltung von Plätzen, Straßen sowie Frei- und Brachflächen und des Wohnum- feldes) zur Schaffung und Aufwertung des öffentlichen Raums, Identifikation, Teilhabe, Verantwortung, Stärkung des Dialogs im Sozialraum mit Eigentümer*innen und Reduzierung von Barrieren. Außerdem zeigen sich Bedarfe in Mängeln des Wohnungsbestandes und des Erschei- nungsbildes des Wohnumfeldes, das sich zum Teil in einem ungepflegten Zustand befindet. Auch wenn teilweise bereits Sanie - rungsprogramme umgesetzt wurden (z. B. durch Kooperationsstruktur mit der GAG Immobilien GmbH), sind weitere Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins der Bewohner*innen für ihr Wohnquartier, Verbesserung des Wohnumfeldes, die Akti- vierung der Eigentümerschaft sowie die Ini- tiierung von Dialogen, insbesondere mit der Wohnungs wirt schaft, nötig. Hinsichtlich der klimatischen und ökologi- schen Situation ist die überwiegende Zahl der Sozialräume durch Defizite an Grün- und Erholungsflächen gekennzeichnet. Gleichzeitig bieten angrenzende Grün- und Freiflächen durch mögliche Wege- verbindungen Potenziale. In den Sozialraum- gebieten sind zukünftig weiter steigende Wärmebelastungen im Zuge des Klimawan- dels aufgrund hoher Versiegelung zu erwar- ten. Verdichtete innenstadtnahe Gebiete, die zudem oft stärker von Lärm- und Luftschadstoffbelastungen betroffen sind, werden stärker davon berührt als die Rand - lagen. Mit wachsenden Einwohnerzahlen und einhergehendem Flächenbedarf sind Entsiegelungsmaßnahmen gegen Neuin - anspruchnahme von Flächen abzuwägen. Dieser Konflikt umschließt die Gestaltung und Aufwertung von Grün- und Freiflächen, die Entsiegelung sowie Informationen zum Klimawandel und Umweltbildung. Ziel ist es, den öffentlichen Raum sowie die Wohnfunk- tionen hinsichtlich Umweltgerechtigkeit, Luftreinhaltung und Lärmminderung als lebenswertes, ökologisch gerechtes und Klimawandel-angepasstes Wohn- und Lebensumfeld zu gestalten (Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2019). Trotz einer Vielzahl bereits bestehender kommunaler Präventionsangebote in den elf Kölner Sozialraumgebieten für die einzelnen Lebensphasen verschiedener Altersgruppen (z. B. Zielgruppen-ausgerichtete Bildung, Freizeit, Integrations-, Gesundheits- und Sportförderung) ist die Armut dort insbe - sondere bei Menschen im Alter überdurch - schnittlich hoch. Bislang fehlt eine ganzheitliche Analyse möglicher Lücken bzw. Optimierungsbe- darfe in der kommunalen Präventionskette. Durch eine Neuorientierung der Hilfesys- teme sollen bisher voneinander getrennt erbrachte Leistungen und Angebote auf- einander abgestimmt und koordiniert wer- den, um eine durchgängige Unterstützung zu gestalten – unabhängig davon, wer sie erbringt. Hierfür ist eine Aktivierung der Bewohnerschaft notwendig. 46 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.6 Klimawandel und Gesundheit 3.6 Klimawandel und Gesundheit Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sind vielfältig und eine Folge komplexer Wechsel- wirkungen. Hitzewellen, die das Herz-Kreislauf-System, die Atemwege, aber auch die Psyche belasten können, wirken sich als Extrem ereignisse unmittelbar auf die menschliche Gesundheit aus (Kistemann et al. 2019). Infolge des Klimawandels steigt auch in Deutschland die Wahrscheinlichkeit für intensive, länger andauernde Hitze - ereignisse. Ausgeprägte und lang anhal- tende Hitzeereignisse haben einen er - heb lichen Einfluss auf die menschliche Ge sund heit und stellen zudem eine enorme Herausforderung für das Gesundheits - wesen dar. Dass sich die Morbidität und Mortalität durch Hitzewellen erhöht hat, ist sowohl global als auch für Deutschland nach gewiesen (Mora et al. 2017; Muthers et al. 2017; Steul et al. 2019). Die zunehmende Aufheizung von urbanen Räumen bei lange anhaltenden sommerli - chen Hitzeereignissen trifft besonders vul- nerable Gruppen. Dazu gehören insbesondere kleine Kinder und Säuglinge, Menschen mit schweren Vor- und Grunderkrankungen, Menschen im Alter und mit Behinderung sowie Menschen, die überwiegend ungeschützt draußen arbeiten (Basu & Samet 2002). Mit steigendem Lebensalter erhöht sich die Vulnerabilität gegenüber extremen Hitze ereignissen (Umweltbundesamt (UBA) 2019). Aber auch bei gesunden Menschen kann Hitze zu Konzentrationsschwierigkei- ten, Erschöpfung und eingeschränkter Leis - tungsfähigkeit führen. 3.6 Klimawandel und Gesundheit 47 Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sollte der Fokus der Maßnahmen zur Hitzeanpassung insbesondere auf älte - ren Menschen liegen, da die Bevölkerung in Deutschland weiter altern wird (Desta - tis 2019). Wer zur Gruppe der älteren Menschen zählt, wird zum Teil unterschiedlich beschrieben. Eine einheitliche Definition liegt nicht vor. Die Gruppe ist zudem sehr heterogen. Zu den über 65-Jährigen zählen mindestens zwei Generationen, die sich aufgrund ver- schiedener kultureller Hintergründe, durch wachsende Individualisierung der Lebens - stile, aber auch durch wachsende soziale Ungleichheit auszeichnen (Wolter 2017). Speziell in Großstädten werden die Lebens - stile älterer Menschen immer individueller. Auch in der Stadt Köln wächst der Anteil der über 65-Jährigen, auch wenn die rela - tive Altersstruktur des Jahres 2040 gemäß aktuellen Prognosen durch den permanen - ten Zuzug von Studierenden, Auszubilden- den und jungen Erwerbstätigen weitgehend derjenigen des Jahres 2017 entsprechen wird. Da die geburtenstarken 1960er-Ge - burtsjahrgänge („Babyboomer-Genera - tion“) in die höheren Altersklassen rücken, gewinnt die Alterspyramide zukünftig vor allem im oberen Drittel an Breite. Insbeson - dere bei den über 80-Jährigen werden hohe relative und absolute Zuwächse eintreten. Ihr Anteil an der Kölner Bevölkerung wird sich bis zum Jahr 2030 um ein Fünftel und bis 2040 sogar um zwei Fünftel vergrößern. Die höchste absolute Zunahme verzeichnen künftig die 65- bis unter 80-Jährigen (Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statis - tik 2019). Die Lancet-Kommission für Gesundheit und Klimawandel benennt mögliche physische und psychische gesundheitliche Auswir- kungen von Hitzestress (Watts et al. 2015). Hitzeperioden stellen hohe Anforderungen an das kardiovaskuläre und respiratorische System (UBA 2019). Ältere Menschen haben eine schlechtere Hautdurchblutung und eine reduzierte Schweißdrüsenfunktion. Infolgedessen ist es schwierig für sie, ihre Körperkerntemperatur konstant zu halten. Dies kann zu Dehydratation, erhöhter Blut- viskosität und gesteigertem Thrombose - risiko führen. Die heiße und trockene Luft reizt zudem die Atemwege. Insbesondere ältere Menschen mit bereits bestehenden chronischen Erkrankungen sind belastet (Bunz & Mücke 2017). Der Kli- mawandel ist auch ein Umweltstressor, der zu psychischen Beschwerden wie Angststö- rungen, Depressionen oder Traumata führen kann (Bunz & Mücke 2017). Eine Mehrheit der Menschen nimmt den Klimawandel als sehr bedrohlich wahr (BMUB & UBA 2017). Zusätzlich führen Mobilitätseinschränkun - gen, Hilfebedürftigkeit und soziale Verein- samung älterer Menschen oft dazu, dass Maßnahmen wie z. B. ausreichende Flüssig- keitsversorgung und Flüssigkeitsaufnahme sowie Abkühlung (Duschen, Fußbäder, Was- servernebelung etc.) unterlassen werden. Als Folge der Klimaveränderungen treten neben der Hitzebelastung weitere verän - derte Umweltbedingungen mit indirekten gesundheitlichen Auswirkungen und Risi- ken auf. 48 3. Theoretischer und konzeptioneller Hintergrund 3.6 Klimawandel und Gesundheit Hierzu gehören u. a. die Beeinträchtigung der Qualität und Quantität von Trinkwasser und Lebensmitteln, das veränderte bzw. verlängerte Auftreten von Allergenen wie z. B. Pollen sowie von tierischen Krank- heitsüberträgern, sogenannten Vektoren, wie Zecken, Stechmücken oder z. B. dem Eichenprozessionsspinner (Traidl-Hoffmann, 2020). Als Antwort auf die gesundheitlichen Her- ausforderungen wurden verschiedene Strategien und Maßnahmen entwickelt. Vorbeugende Gesundheitsvorsorge ist auch aus gesundheitsökonomischer Perspektive sinnvoll: Es ist günstiger, prophylaktisch zu arbeiten, als nachträglich Schäden auszu- gleichen (Bunz & Mücke 2017). „Die physischen und sozialen Gegebenhei - ten in einer Stadt können die menschliche Gesundheit stark beeinflussen“ (Sieber 2017). Diesem Zusammenhang trägt unter anderem das Baugesetzbuch (BauGB) Rechnung, indem es die „allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse“ thematisiert. Gesund - heitsthemen in der Stadtplanung und Stadtentwicklung können sich auf die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheits- organisation (WHO*) und die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (1986) berufen. Danach ist Gesundheit nicht nur die Abwe - senheit von Krankheit, sondern sie ist durch ein vollständiges körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden charakterisiert. Dieses Wohlbefinden lässt sich durch die selbst bestimmte und gesundheitsfördernde Gestaltung der Verhältnisse in der alltägli - chen Lebens welt beeinflussen. Der „Health-in-all-Policies“-Ansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt dieses umfassende Gesundheitsverständnis auf. Er postuliert, Gesundheit durch eine Einbettung der Thematik in alle Politikfel- der wirksam zu fördern. Im Sinne dieses Ansatzes muss Gesundheitsförderung daher auch ein Handlungsfeld der Aktivitä - ten von Stadt entwicklung sein (Baumgart et al. 2018). Von ihm können auch sozial schwache Bevölkerungsgruppen profitieren, die von Umweltrisiken tendenziell stärker betroffen sind (Zeeb et al. 2018). Da in Kliniken und Pflegeheimen von ausrei - chendem Fachwissen und einer kontinuierli- chen Betreuung ausgegangen werden kann, liegt das Hauptproblem im Zugangsweg von allein lebenden, älteren Menschen. Die Erfahrungen z. B. aus Frankreich zeigen, dass hierfür andere Wege, wie aufsuchende ehrenamtliche Versorgung, gefunden wer- den müssen (Becker et al. 2019; Schach 2019). Faktoren, die das Sterberisiko erhö- hen, sind ein niedriger sozioökonomischer Status, eine Wohnung in höheren Stockwer- ken und die Nähe zum Stadtzentrum. * “Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.” Preamble to the Constitution of the World Health Organization as adopted by the International He - alth Conference, New York, 19 June–22 July 1946; signed on 22 July 1946 by the representatives of 61 States (Official Records of the World Health Organization, no. 2, p. 100) and entered into force on 7 April 1948. The definition has not been amen - ded since 1948. 3.7 Von der klimawandelgerechten Metropole zu hitzeangepasstem Leben in Köln 49 Als effektiv schützende Faktoren erwei - sen sich unter anderem Klimaanlagen, erreichbare Mobilitätsoptionen, eine grüne Umgebung, körperliche Aktivität sowie eine erhöhte Trinkmenge (Basu & Samet 2002). Ein zentraler Anlaufpunkt für das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ ist die Datenbank auf der Website des Aktions- programms Umwelt und Gesundheit/APUG (www.apug.de). Sie enthält mehr als 300 Aktivitäten und Maßnahmen und zeigt Handlungsoptionen für Vorsorgemaßnah- men und erfolgreiche Beispiele aus der Pra - xis auf. 3.7 Von der klimawandelgerechten Metropole zu hitzeangepasstem Leben in Köln In einem ersten wichtigen Schritt hat die Stadt Köln auf die beschriebenen Heraus - forderungen mit dem Projekt „Klimawandel- gerechte Metropole Köln“ (Laufzeit 2009– 2013) reagiert. Hierbei ging es zunächst um eine kleinräumige, quantitative, stadt- klimatologische Bestandsaufnahme und Prognose der bestehenden und zukünftig zu erwartenden Auswirkungen des globalen Klimawandels auf das Kölner Stadtklima. Die Planungshinweiskarte Hitze ist ein wichtiges Produkt dieses Projekts (siehe Kap. 3.3). Um angemessene und zielsichere Strategien zur Anpassung an die Herausfor- derungen des Klimawandels zu entwickeln, müssen allerdings neben den klimatischen, mit naturwissenschaftlichen Verfahren messbaren Parametern unbedingt auch demografische, soziale, ökonomische, kul- turelle und verhaltensbezogene Aspekte, Haltungen und Prägungen der Risikobe - völkerungen in möglichst hoher räumlicher Auflösung berücksichtigt werden. Der Klimawandel und die sich daraus erge - benden Konsequenzen für die menschliche Gesundheit sind seit Längerem ein beson - ders wichtiges Thema der geografischen Gesundheitsforschung, die einen solchen holistischen Ansatz verfolgt (Semenza et al. 2012): Sie beschäftigt sich in umfassender Weise mit dem räumlich-zeitlichen Kontext von menschlicher Gesundheit und Krank- heit. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das komplexe Zusammenspiel natürlicher, anth- ropogener, sozialer und kultureller Faktoren die Verteilung von gesundheitlichen Chan- cen und Risiken innerhalb und zwischen menschlichen Bevölkerungsgruppen beein- flusst. Hinter diesen Verteilungen stehen beeinflussende Faktoren aus unterschied - lichen Bereichen, die erst in ihrem Zusam - menspiel beobachtete räumlich-zeitliche Muster generieren (Kistemann et al. 2019). Das Projekt „HAP-Köln“ ist insofern der konsequente nächste Schritt, um auf der Grundlage der stadtklimatologischen Vor- arbeiten die wahrscheinlich am stärksten betroffene Risikogruppe, Menschen im Alter, auf die Anpassung an die in ihrer Lebens - welt spürbaren Folgen des globalen Klima - wandels vorzubereiten. Der Umbau zu einer klimaangepassten Stadt und die Berücksichtigung der Klima - anpassungserfordernisse setzen fach- und ebenenübergreifende Konzepte und Stra- tegien voraus. Zur Entwicklung und Umset- zung sind Akteursnetzwerke unverzichtbar, in die nicht nur der Gesundheitsbereich, sondern auch die Akteur*innen aus Wissen - schaft, Wirtschaft und Umwelt sowie Vertre - ter*innen der Zivilgesellschaft eingebunden sind. 4. Projektvorstellung 52 4. Projektvorstellung Abbildung 4.1: Das inter- und transdisziplinäre Team des Projekts „HAP-Köln“ (UVA, IHPH, RE) bei der Abschlussveranstaltung im Mai 2022 Eine Besonderheit des Projekts besteht in der inter- und transdisziplinären Zusammen- arbeit von Wissenschaft und Forschung, kommunaler Verwaltung und einem regionalen, mehrheitlich in Kommunalbesitz befindlichen Energie ver sor gungsunternehmen für Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmeversorgung und der Zusammenführung der jeweiligen spezifischen Kenntnisse und Stärken. 53 4.1 Förderung als Leucht turm vorhaben im Rahmen der Deutschen Anpas sungs strategie 4.2 Projektpartner 4.1 Förderung als Leucht - turm vorhaben im Rahmen der Deutschen Anpas sungs strategie Das Forschungsprojekt „HAP-Köln“ wurde im Rahmen der Deutschen Anpassungs - strategie (DAS) im Förderprogramm zur Entwicklung von Maßnahmen zur Anpas- sung an die Folgen des Klimawandels, Förderschwerpunkt 3, als kommunales Leuchtturmvorhaben gefördert. Es zeichnet sich durch seinen Modellcharakter für den städtischen Raum aus und ist weg weisend für andere Städte. Das Projekt mit einer Laufzeit von drei - einhalb Jahren (1. Januar 2019 bis 30. Juni 2022) wurde vom Bundesmini- sterium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz unter dem Förderkennzeichen 03DAS120A (Stadt Köln) bzw. 03DAS120B (Universitätsklini- kum Bonn) gefördert. Der Projektträger Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH (ZUG) hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums das Förder- programm begleitet. 4.2 Projektpartner Eine Besonderheit des Projekts besteht in der inter- und trans disziplinären Zusam- menarbeit von Wissenschaft und Forschung, kommunaler Verwaltung und einem regi- onalen, mehrheitlich in Kommunalbesitz befindlichen Energieversorgungsunterneh- men für Strom-, Gas-, Wasser- und Wär- meversorgung und der Zusammenführung der jeweiligen spezifischen Kenntnisse und Stärken. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln brachte seine Expertise in der kommunalen Klimawandelanpassung, der wissenschaftliche Partner, das GeoHe - alth Centre des Instituts für Hygiene & Public Health des Universitätsklinikums Bonn, seine Erfahrungen aus wissenschaftlichen Vorarbeiten im Bereich Klimawandel und Gesundheit und die RheinEnergie AG prak- tische Aspekte zum Themenfeld Trinkwas- ser in den Hitzeaktionsplan ein. Bei Fragen und Themen, die Aufgabenbereiche des öffentlichen Gesundheitsdienstes berühr- ten, wurde das Gesundheitsamt der Stadt Köln eingeladen, sich einzubringen. Federführend im Projekt ist die Abtei - lung Umweltplanung und -vorsorge des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes der Stadt Köln, bei der das Themenfeld Klima - wandelanpassung angesiedelt ist. Weitere Umweltvorsorgethemen wie die Luftreinhal- tung, die Lärmaktionsplanung, die Umwelt- bildung sowie die Untere Bodenschutzbe- hörde sind Schwerpunkte der Arbeit dieser Abteilung. 54 4. Projektvorstellung 4.2 Projektpartner Umweltinformationen und Umweltdaten werden im Rahmen von Umweltverträglich- keitsprüfungen aufbereitet, bewertet und städtischen Dienststellen oder Investor*in- nen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus werden eigene Forschungsprojekte initiiert. Bereits 2009–2012 hat das Umwelt- und Verbraucherschutzamt zusammen mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbrau- cherschutz NRW (LANUV), dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und den Stadtentwäs- serungsbetrieben Köln (StEB) das Projekt „Klimawandelgerechte Metropole Köln“ durchgeführt. In diesem Vorhaben konnten wichtige Grundlagendaten zur Betroffen- heit der Stadt Köln durch den Klimawandel ermittelt werden. Darüber hinaus wurden Anpassungsmaßnahmen und Planungsemp - fehlungen formuliert. Diese werden fortlau- fend in das Verwaltungshandeln integriert (Ratsbeschluss Februar 2015). Darauf aufbauend startete im Januar 2019 das Forschungs- und Entwicklungsvorha- ben „HAP-Köln“, das in das Stadtentwick- lungsprogramm „Starke Veedel – Starkes Köln“ integriert ist. Neben inhaltlichem Fachwissen zu Hitze in urbanen Räumen war die Abteilung Umweltplanung und -vorsorge des UVA maßgeblich für die Steuerung des Forschungsprojekts zuständig. Hierzu gehörten unter anderem die Orga - nisation von regelmäßigen Partnertreffen, die Koordination der anstehenden Projekt- aufgaben und die Vernetzung stadtinterner wie auch externer Akteur*innen. Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik stellte die Bevölkerungsdaten zur Verfügung und unterstützte das Umwelt- und Verbraucher- schutzamt mit Analysen und Auswertungen. Im GeoHealth Centre des IHPH des Uni - versitätsklinikums Bonn arbeitet ein inter- disziplinäres wissenschaftliches Team aus Medizin und Gesundheitswissenschaften, Biologie und Mikrobiologie, Geografie, GIS, Geostatistik und Informatik gemeinsam an zahlreichen gesundheitsbezogenen For- schungsvorhaben in den Bereichen Wasser, Stadt, Entwicklung und Planetary Health. Geografische Gesundheitsforschung ist der inhaltlich verbindende Kern des GeoHealth Centre, der größten Forschungsgruppe die- ser Ausrichtung in Deutschland. Es arbeitet an der Schnittstelle von Geo - grafie und Medizin/Public Health und beschäftigt sich mit dem räumlich-zeitlichen Kontext von menschlicher Gesundheit und Krankheit. Dabei werden geografische The - orien, Konzepte und Paradigmen, Methoden und Werkzeuge auf Probleme angewendet, die mit menschlicher Gesundheit zusam - menhängen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie natürliche, anthropogene, soziale und kulturelle Faktoren die Verteilung von gesundheitlichen Chancen und Risiken innerhalb und zwischen menschlichen Populationen beeinflussen. Mit gesundheitlichen Klimafolgen beschäf- tigt sich das GeoHealth Centre bereits seit 2007. Die thematischen Schwerpunkte umfassen hierbei Fragen zur Bedeutung des Klimawandels für lebensmittel- und wasserassoziierte Infektionskrankhei - ten, zur gesundheitlichen Bedeutung städtischer Grünräume (Stadtgrün) und Gewässer (Stadtblau) im Kontext des glo- balen Klimawandels sowie zu Adaptions- strategien. Mehrere Forschungsvorhaben wurden im Auftrag des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) durchgeführt. 4.2 Projektpartner 55 Das GeoHealth Centre des IHPH war der wissenschaftliche Projektpartner, der den inhaltlichen Bereich Gesundheit und Klima - wandel bearbeitete. Sein Projektteam war für die wissenschaftliche Expertise in den Bereichen Public Health, Umweltmedizin und Gesundheitsgeografie verantwortlich. Federführend kümmerte sich das IHPH zudem um die Projekt-Dokumentation sowie Präsentationen und Veröffentlichun- gen zum Projekt. Als weiterer Kooperationspartner des Pro - jekts fungiert die Abteilung Wasserwirt - schaft der RheinEnergie AG, ein Tochter- unternehmen der Stadtwerke Köln GmbH, die als Holding einige wichtige Eigengesell- schaften der Stadtverwaltung beinhaltet. Die RheinEnergie AG versorgt die Kölner Region seit 150 Jahren mit Energie und Trinkwasser. Neben dem nachhaltigen Ansatz des vorbeugenden Gewässerschut- zes liegt der Schwerpunkt der Arbeit darin, jederzeit die Trinkwasserqualität und -menge bereitzustellen, die nach den gesetzlichen Vorgaben vorgeschrieben ist. Für die Versorgung in Spitzenlastzeiten, wie z. B. bei Hitzewellen, werden in den Wasserwerken ausreichende Kapazitäten vorgehalten. Um in derartigen Extremsi - tuationen auch in Zukunft Lieferengpässe ausschließen zu können, bedarf es der kon - tinuierlichen Anpassung. Geändertes Ver- brauchsverhalten von Kund*innen ist dabei eine wichtige Eingangsgröße, zu dessen besserem Verständnis durch das Projekt beigetragen werden soll. Neben der Sicherstellung der Grundver- sorgung der Kölner Bevölkerung mit Trink- wasser über ein mehr als 3.000 km langes Trinkwassernetz sieht die RheinEnergie AG auch die Information und Aufklärung über den richtigen und gesundheitsgerechten Konsum von Trinkwasser und die Trinkwas- serqualität als ihre Aufgabe an. Diese Auf- gabe wird über unterschiedliche Kommuni- kationskanäle wie Internet, Broschüren oder den Einsatz von mobilen Wassertheken auf zahlreichen Veranstaltungen in der Stadt wahrgenommen. Die Abteilung Infektions- und Umwelthygi- ene des Gesundheitsamtes der Stadt Köln hat fachliche Expertise im umweltbezoge - nen Gesundheitsschutz. Die Aufgabe der Abteilung ist unter anderem die Begleitung und Überwachung von Maßnahmen zur Ver- hütung von Krankheiten und Gesundheits - schäden der Bevölkerung. Hierzu zählte auch das Projekt zum Hitzeaktionsplan. Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Erkenntnisse zur Vorbeugung oder Minde- rung hitzebedingter nachteiliger Gesund- heitseinflüsse sollen bei der Aufgabener- ledigung berücksichtigt werden und damit zur Verstetigung und Nachhaltigkeit der Projekt ergebnisse beitragen. Hierbei stehen vulnerable Gruppen (schwangere Frauen, Kinder, Kranke, Men- schen im Alter und Menschen mit Behin - derung) sowie Einrichtungen wie Kinderta- gesstätten, Schulen, Krankenhäuser sowie Einrichtungen für Menschen im Alter und für Menschen mit Behinderung besonders im Fokus. 56 4. Projektvorstellung 4.3 Projektplan und Meilensteine 4.3 Projektplan und Meilensteine Das Projekt „HAP-Köln“ gliederte sich in drei Phasen und bestand aus acht Arbeitspaketen (AP). Jedes Arbeitspaket wurde mit dem Erreichen eines definierten Meilensteins abgeschlossen (siehe Tabelle Meilensteinplanung, Anlage A1). Die erste Phase „Planung“ beinhaltete das Vorbereiten des Vorhabens, das Erarbeiten von Grundlagedaten zur stadtklimatischen Belastung und Bevölkerung der Stadt Köln und etablierte gleichzeitig die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit der Projektbeteiligten. Hierzu gehörten regel- mäßige Treffen zum organisatorischen Austausch und zur inhaltlichen Weiterent- wicklung. Zu Beginn des Projekts fanden diese im Wechsel in Köln und Bonn beim jeweiligen Projektpartner (Umwelt- und Verbraucher- schutzamt bzw. IHPH) statt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurden diese anschließend online per Videokonfe - renz durchgeführt. Durch eine bereits hier implementierte begleitende Qualitätssiche - rung wurde sichergestellt, dass die Kriterien zur Erreichung der Meilensteine erfüllt wur- den. Stadtviertel und Sozialräume für die Durchführung der Feldstudien wurden mit- tels objektiver Kriterien (Wärmebelastung, Sozioökonomie) ausgewählt. Außerdem konnte bei einer öffentlichen Auftaktver- anstaltung mit 37 Teilnehmenden im Kölner Stadthaus ein erstes Vernetzungstreffen mit sowohl städtischen als auch externen Akteur*innen implementiert werden. In der zweiten Projektphase „Erhebung“ standen die Durchführung von Erhebungen mittels qualitativer und quantitativer Metho- den sowie die Auswertung und Bewertung dieser Ergebnisse im Mittelpunkt der Arbeiten. Maßnahmen • AP 5 Entwicklung von Interventions - maßnahmen • AP 6 Umsetzung Erhebung • AP 2 Erhebung • AP 3 Auswertung • AP 4 Bewertung Planung • AP 1 Grundlagen Abb. 4.2: Projektphasen und Arbeitspakete AP 8 Projektsteuerung AP 7 Qualitätssichernde Begleitung + Projektpräsentation 4.3 Projektplan und Meilensteine 57 In vier Stadtvierteln und Sozialräumen wurden ältere Menschen zu ihren Informationsquellen, ihrem Wissensstand und ihren aktuellen Verhaltensweisen bezüglich Klimawandel, Hitzewellen und Anpas- sungsstrategien befragt. Zudem wurde stadtweit untersucht, ob und wie Einrichtungen für Senior*innen ihr Handeln auf Hitzewarnungen einstellen, Maßnahmen umsetzen und eine Verhaltensänderung der dort Wohnenden veranlassen können. Basierend auf den empirischen Untersuchungsergebnissen wurden in der dritten Phase „Maßnahmen“ des Projekts Maßnahmen konzi - piert, implementiert und teils hinsichtlich ihrer Wirksamkeit geprüft. Hierzu gehörten Interventionsmaßnahmen wie beispielsweise die gezielte Öffentlichkeitsarbeit über verschiedene Medien für Menschen im Alter in unterschiedlichen Lebenssituationen und Stadtvierteln, der Einsatz von Multiplikator*innen, verschiedene Vorsorgemaßnahmen sowie Hinweise zu Verhaltensänderungen. Diese wurden in einem umfangreichen Maßnahmenkatalog zusam - mengetragen. Diese drei Projektphasen verliefen zeitlich teils parallel, teils nach - einander. Dies wird durch die Quervernetzungen visualisiert (siehe Abb. 4.2). Hinzu kamen als weitere Arbeitspakete die phasenüber - greifende qualitätssichernde Begleitung und Projektpräsentation (AP 7) sowie die Projektsteuerung (AP 8). Fortlaufend erfolgte die qualitätssichernde Begleitung über einen Qualitätssicherungsplan in Form eines Logbuches. Die Projektprä - sentation erfolgte kontinuierlich auf der Internetseite der Stadt Köln anhand eines Rundbriefs, der regelmäßig digital an alle Beteiligten und Akteur*innen versandt wurde, und durch regelmäßige Vernet- zungstreffen. Auch durch mehrere Fachpublikationen und -vorträge, akademische Lehrveranstaltungen sowie Antworten auf Pressean - fragen wurden das Thema Hitzeaktionsplan sowie die Folgen des Klimawandels für die Stadt Köln in Fachkreisen diskutiert sowie der allgemeinen Öffentlichkeit kommuniziert. 58 4. Projektvorstellung 4.3 Projektplan und Meilensteine Die phasenübergreifende Projektsteuerung (AP 8) diente zur Sicherstellung des geordneten Projektablaufs, zur Einhaltung des Zeit- und Ressourcenmanagements und zur Koordinierung aller Projektbeteiligten. Diese beinhaltete ein internes Kick-off-Meeting, eine Abschlussveranstaltung und die fortlaufende projektbeglei - tende Berichterstattung und Ergebnispräsentation. Zur Vernetzung und Rückkopplung mit anderen Projekten zur Anpassung an den Klimawandel aus dem DAS-Förderprogramm Anpassung an den Klimawandel im Förderschwerpunkt 3 fanden mehrere Vernetzungs- treffen statt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten verschiedene Projekt- aktivitäten nicht wie ursprünglich geplant in dem angegebenen Fälligkeitszeitraum durchgeführt werden. Im Zuge einer kosten - neutralen Projektverlängerung bis zum 30.06.2022 konnten die Arbeitspakete 6, 7 und 8 um sechs Monate verschoben werden. Besonders die Durchführung verschiedener Maßnahmen im öffent - lichen Raum (z. B. Informationstage) und die notwendige Einbindung von Akteursgruppen in das Projektnetzwerk konnten nicht immer wie geplant durchgeführt werden. Dazu zählten vor allem Personen aus dem medizinischen Bereich, die durch das Gesundheitsamt der Stadt Köln eingebunden werden sollten. Da das Gesundheitsamt seit Anfang 2020 jedoch pandemiebe - dingt kaum Kapazitäten in das Projekt einbringen konnte und der Gesundheitsbereich insgesamt andere Prioritäten setzen musste, konnte eine Vernetzung mit diesen Akteursgruppen nicht im ursprünglich vorgesehenen Umfang realisiert werden. Die Abschlussveranstaltung des Projekts am 03.05.2022 fand im Gegensatz zur Auftaktveranstaltung, die als reine Präsenzveranstal- tung durchgeführt wurde, als Hybridveranstaltung statt. Dies hatte den Vorteil, dass deutschlandweit viele Akteur*innen aus Verwal- tung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik teilnehmen konnten. 4.4 Wissenschaftlicher Beirat 59 4.4 Wissenschaftlicher Beirat Nicht zuletzt wegen des Charakters als Leuchtturmprojekt sollte durch die Berufung eines national besetzten wissenschaftlichen Beirats sichergestellt werden, dass das Projekt „HAP-Köln“ diesem Anspruch gerecht wird und verschiedene fachliche Perspektiven (Klimawandel, Public Health, Geriatrie) sowie „Flughöhen“ (kommu- nal, landesweit, national, international) adäquat gehört und berück - sichtigt werden. Zur Unterstützung des Erarbeitungsprozesses und der Qualitätssi - cherung wurde deshalb projektbegleitend ein wissenschaftlicher Beirat fest in die Projektstruktur integriert. Dieser Beirat bestand aus Fachgrößen aus Bundes- und Landesämtern, der Geriatrie/ Gerontologie und der Seniorenvertretung der Stadt Köln. Der wissenschaftliche Beirat begleitete das Projekt fortlaufend im Rahmen von Beiratstreffen, die mehrmals pro Jahr stattfanden. Hierdurch wurde eine kontinuierliche Arbeitsstruktur aufgebaut und die einzelnen Projektphasen wurden durch das Gremium wissen - schaftlich und inhaltlich begleitet. Durch den kontinuierlichen Austausch mit dem Beirat und durch das Feedback zu den Projektergebnissen aus dem jeweiligen fach - lichen Blickwinkel der Beiratsmitglieder konnten wertvolle ergän - zende Erkenntnisse für die Fortführung des Projekts gewonnen und die Evaluation der bisherigen Ergebnisse durchgeführt werden. 60 4. Projektvorstellung 4.4 Wissenschaftlicher Beirat Der wissenschaftliche Beirat umfasste folgende Personen: Dr. rer. nat. Jutta-Maria Litvinovitch — Dipl.-Geo grafin — Referatsleiterin, T III 2 „Gesundheit im Klimawandel“ im Bundes ministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, am 1. Dienstsitz Bonn Dr. Ulrich Lindemann — Dipl.-Sportlehrer — Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, Sportwissenschaftler (DSHS Köln) und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Klinik für Geriatrische Rehabilitation Forschungsschwerpunkte: körper liche Leistungsfähigkeit und Aktivität älterer Menschen sowie deren interne und externe Einflussfaktoren Dr. rer. nat. Ulrike Dapp — Dipl.-Geografin — Forschungskoordinatorin der Medizinisch- Geriatrischen Abt. für Forschung und Dokumentation im Albertinen Haus, Zentrum für Geriatrie und Gerontologie, wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Hamburg Seit 2000 Leitung der Longitudinalen Urbanen Cohorten-Alters-Studie (LUCAS) mit anfänglich über 3.300 selbstständig lebenden älteren Menschen in Hamburg. Seit 2018 stellv. Leitung der Fachstelle „Hamburger Hausbesuch für Seniorinnen und Senioren“ 4.4 Wissenschaftlicher Beirat 61 Dr. rer. nat. Hans-Guido Mücke — Dipl.-Geograf — Umweltbundesamt (UBA), Abteilung „Umwelthygiene“, stellv. Fachgebietsleitung „Umweltmedizin, gesundheitliche Bewertung“, Dienstsitz Berlin. Head des WHO Collaborating Centre for Air Quality Management & Air Pollution Control Dr. rer. nat. Thomas Claßen — Dipl.-Geograf — Landeszentrum Gesundheit Nord rhein-Westfalen (LZG.NRW) Fachbereich Gesunde Lebenswelten Gesundheitscampus, Bochum Referent für Gesundheit und Planung Schwerpunkte: Bewegungs- und Gesund- heitsförderliche Kommunalentwicklung, Klima und Gesundheit, Hitzeaktionsplanung Dr. Martin Theisohn Sprecher der Seniorenvertretung der Stadt Köln (bis Januar 2022) Lilly Liebig Seniorenvertretung Köln-Ehrenfeld 5. Methodik 64 5. Methodik 5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete 5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete Der Klimawandel wirkt sich räumlich sehr differenziert aus. Dabei beeinflussen sowohl klimatische Veränderungen als auch sozio- ökonomische Faktoren die Möglichkeiten, sich an die Auswirkungen des Klimawan- dels anzupassen. Um eine Bewertung und Abschätzung der Klimawandel-Betroffen - heit durchzuführen und auf die raumspe- zifischen Herausforderungen sachgerecht eingehen zu können, bedarf es flächende - ckender Analysen in Bezug auf Vulnerabilität und Betroffenheit des Untersuchungsraums (UBA 2015, S. 34). Dazu werden sogenannte Vulnerabilitätsanalysen durchgeführt, durch welche Handlungsbedarfe erkannt und pri - orisiert werden können (UBA 2017, S. 8). Der Begriff Vulnerabilität lässt sich dabei defi - nieren als „die Neigung oder Prädisposition, nachteilig betroffen zu sein. Vulnerabilität umfasst eine Vielzahl von Konzepten und Elementen, wie unter anderem Empfindlich- keit oder Anfälligkeit gegenüber Schädigung und die mangelnde Fähigkeit zur Bewälti- gung und Anpassung.“ (IPCC 2014, S. 5). Zu Beginn einer Vulnerabilitätsanalyse müs- sen der Zweck der Untersuchung klar defi- niert und die methodische Vorgehensweise geklärt sein. Je nach Datenmenge, Qualität und Ziel kann die Vulnerabilitätsanalyse entweder quantitativ oder qualitativ durch - geführt werden. Eine quantitative Analyse basiert auf statistischen Daten und macht dann Sinn, wenn Ziel der Untersuchung ist, sich durch die Analyse einen Überblick zu verschaffen, und Vergleiche zwischen Gruppen, Orten oder anderen Merkmalen erforderlich sind. Bei einer qualitativen Untersuchung hingegen sind detaillierte, individuelle Erkenntnisse Zweck der Analyse (UBA 2017, S. 24 f.) Ziel der Vulnerabilitätsanalyse im Rahmen des Projekts war es, die Betroffenheit der in der Stadt Köln lebenden Bevölkerung ab 65 Jahren in Bezug auf Wärmebelastungen räumlich differenziert zu erfassen und zu bewerten und auf diesem Wege Stadtteile mit überdurchschnittlicher Wärmebelas - tung zu identifizieren. Deshalb wurde eine quantitative Vulnerabilitätsanalyse durch- geführt, sodass ein Vergleich zwischen Stadtteilen und Sozialräumen untereinander als Entscheidungshilfe zur Bestimmung der Untersuchungsgebiete für die Befragung selbstständig lebender Menschen im Alter genutzt werden konnte. Da die Datenwahl bei einer quantitativen Vulnerabilitätsanalyse ausschlaggebend ist, müssen einige wichtige Punkte berücksich - tigt werden. Zum einen sollten flächende - ckend Daten des gesamten Untersuchungs- gebiets vorhanden sein, um vergleichbare Ergebnisse erzielen zu können. Für räumlich spezifische Ergebnisse müssen die Daten außerdem auf einer einheitlichen Bezugse- bene vorliegen. Idealerweise sind die Daten aktuell und liegen zusätzlich für die nahe Zukunft vor, sodass die Ergebnisse die aktu- elle Situation des Untersuchungsgebiets abbilden (UBA 2017, S. 26 f.). Für die Vulnerabilitätsanalyse des Projekts wurden Daten zur stadtklimatischen Belas - tung der Stadt Köln herangezogen, aus denen hervorgeht, welche Stadtteile eine hohe bzw. sehr hohe klimatische Belastung aufweisen. Die Daten stammen aus dem Projekt „Klimawandelgerechte Metropole Köln“, im Rahmen dessen für die Stadt Köln Klimasimulationen durchgeführt wurden. 5.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete 65 Die Ergebnisse zeigen, wie sich die Hitze - belastung durch den prognostizierten Kli - mawandel auf die Stadt Köln für die Periode 2021 bis 2050 auswirken wird. Dazu wurden die beiden meteorologischen Kenngrößen „Heiße Tage“ und „Sommertage“ verwendet. Die Bevölkerungsdaten der Stadt Köln wur- den nach Erstellung eines Datenschutzkon- zepts und einem positiven Bescheid durch die Ethikkommission (beides Universitäts- klinikum Bonn) durch das Amt für Stadtent- wicklung und Statistik in Blockabschnitten zur Verfügung gestellt. Sie beinhalten sowohl das Alter der Bevölkerung als auch den Straßennamen des Wohnorts in Köln. Des Weiteren wurden die Standorte der Köl- ner Dauerpflegeeinrichtungen ausgewertet, deren Daten (Lage, Größe, Träger, Kontakt- daten) ebenfalls vom Amt für Stadtentwick- lung und Statistik zur Verfügung gestellt wurden. Zur Ermittlung der klimatischen Belastung der Wohnquartiere und der Einrichtungen für Menschen im Alter wurde die Analyse mittels der Geoinformationssoftware Arc - Map (Version 10.6.1) durchgeführt. Dazu wurden die vorhandenen Bevölkerungs- daten, Standorte Kölner Dauerpflegeein - richtungen sowie die Daten der stadtkli- matischen Belastung verschnitten und ausgewertet. Somit konnten für die Dar- stellung der Ergebnisse sowohl Karten- als auch Tabellenformate gewählt werden, die, je nach Fragestellung, die Ergebnisse veran- schaulichen können. Im darauffolgenden Schritt wurden vier Untersuchungsgebiete für die Erhebung selbstständig lebender Menschen im Alter ausgewählt. Dazu wurden zunächst die Altersstruktur ab 65 Jahren sowie die stadtklimatische Belastung der jeweiligen Stadtteile vergli- chen. Die Altersstruktur der ausgewählten Gebiete sollte möglichst ähnlich sein und einen hohen Anteil von Menschen 65+ aufweisen. Da in Erhebung I ausschließ - lich allein lebende Menschen 65+ befragt werden sollten, wurde außerdem darauf geachtet, dass möglichst wenige Dauerpfle - geeinrichtungen für Menschen im Alter in den ausgewählten Untersuchungsgebieten vorhanden sind. Damit anschließend ein Vergleich der unterschiedlichen Lebensbe- dingungen in den vier ausgewählten Unter- suchungsräumen bezogen auf die Themen Hitze und Gesundheit möglich war, wurden die vier Untersuchungsgebiete folgender- maßen ausgewählt: zwei Stadtteile, jeweils einer stark hitzebelastet und einer weniger hitzebelastet, sowie zwei sozial schwache Sozialräume, jeweils einer stark hitzebelas - tet und einer weniger hitzebelastet. 66 5. Methodik 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete Die Befragung von selbstständig lebenden Menschen 65+ wurde in folgenden Untersuchungsgebieten in Köln durch- geführt, die nach dem oben beschriebenen Verfahren ausgewählt worden waren: • Stadtteil Pesch im Stadtbezirk Chorweiler • Stadtteil Nippes im Stadtbezirk Nippes • Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/ Seeberg-Nord im Stadtbezirk Chorweiler • Sozialraum Höhenberg/Vingst im Stadtbezirk Kalk Die Sozialräume Blumenberg/Chorweiler/ Seeberg-Nord und Höhenberg/Vingst sind zwei von elf Sozialräumen in Köln (Stadt Köln 2015). Der Stadtteil Pesch und der Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/ Seeberg-Nord sind Beispiele für Siedlungs - gebiete, die unter vergleichsweise geringer Wärmebelastung stehen. Dementgegen ste - hen der Stadtteil Nippes und der Sozialraum Höhenberg/Vingst unter sehr hoher Wär- mebelastung (Abb. 5.1) (Stadt Köln 2019b). Neben der Wärmebelastung unterscheiden sich die Stadtteile und Sozialräume hinsicht- lich ihrer sozialen Differenzierung. Davon ausgehend, dass sich soziale Diffe - renzierung in räumlicher Differenzierung niederschlägt, ist es hilfreich, die für die Umfrage ausgewählten Stadtteile genauer zu betrachten, um die dort erhobenen Daten interpretieren zu können. Hoffmeyer-Zlotnik (2001) nennt diese sozial-räumliche Diffe- renzierung Wohnquartier: „Man siedelt unter Seinesgleichen in einem potentiellen Sys- tem sozialer Beziehungen“. Im Folgenden werden die vier ausgewählten Untersuchungsgebiete vorgestellt. 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete 67 Abb. 5.1: Lage und Wärmebelastung der vier für die Erhebung I ausgewählten Wohnquartiere in Köln. Quelle: Stadt Köln, Umwelt und Verbraucherschutzamt 2019b Klasse 5 stark klimaaktive Flächen Klasse 4 klimaaktive Flächen Klasse 3 belastete Siedlungsflächen Klasse 2 hoch belastete Siedlungsflächen Klasse 1 sehr hoch belastete Siedlungsflächen Dauerpflegeeinrichtungen Darstellung der Befragungsgebiete in Abhängigkeit der Wärmebelastung nicht sozial benachteiligte Stadtteile 1 Pesch (klimatisch unbelastet) 2 Nippes (klimatisch belastet) sozial benachteiligte Stadtquartiere 3 Blumenberg/Chorweiler/Seeberg-Nord (klimatisch unbelastet) 4 Höhenberg/Vingst (klimatisch belastet) 68 5. Methodik 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete 5.2.1 Pesch Pesch ist ein Stadtteil im linksrheinischen Stadtbezirk Köln-Chorweiler. Der Stadt- teil Pesch umfasst 2,83 Quadratkilometer, davon 16,5 Prozent Erholungsflächen (inklusive Friedhöfe). Pesch hat 7.807 Ein- wohnende (Stand 31.08.2018) und ist mit 2.735 Einwohnenden pro Quadratkilometer einer der weniger dicht besiedelten Köl- ner Stadtteile. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung von Pesch ist mit 47,9 Jahren das höchste aller Kölner Stadtteile (Stadt Köln 2018, 2019a). An Pesch angrenzend befindet sich mit dem Escher und dem Pescher See sowie der ländlichen Umgebung eine ausgeprägte Blau- und Grünstruktur. Pesch zählt zu den Stadtvierteln des Stadtbezirks Chorweiler, die in Kontrast zu anderen Stadtteilen des Bezirks mit positiven Eigenschaften wie „grüner, ruhiger, gelassener“ beschrieben werden (Stadt Köln 2019a). Vor 1950 war Pesch ländlich-agrarisch geprägt. In den 1960er-Jahren begann die Urbanisierung. Einige Hochhäuser, ein hohes Aufkommen an Durchgangsverkehr und drei Großtank- stellen gehören zum Stadtteilbild. Da das Wohngebiet nicht nach einem Generalbe - bauungsplan entstanden ist, gibt es keinen allgemeinen Ortskern mit Konsumzentrum oder Spielstraße (Sattler 2008, S. 123). Die medizinische Versorgung wird im Ver- gleich zu gesamt Köln als überdurchschnitt- lich gut bewertet (Stadt Köln 2019, S. 5). Weitere Stärken des Stadtteils sind laut Pescher Bevölkerung das gute Gemein- schafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl und die gute Verkehrsanbindung an Auto- bahn- und Straßennetz (Sattler 2008). Die schlechte Erreichbarkeit des ÖPNV und die fehlenden Freizeitangebote für Men- schen 65+ werden als negativ bewertet (Stadt Köln 2019a). 5.2.2 Nippes Der linksrheinische Stadtteil Nippes ist Teil des gleichnamigen Kölner Stadtbezirks und grenzt im Süden an den Stadtbezirk Innenstadt. Er ist der Einzige der für diese Umfrage ausgewählten vier Stadtteile, der an die Innenstadt Kölns grenzt. Er umfasst 3,00 Quadratkilometer. Davon sind 23,4 Prozent Erholungsflächen (inklusive Friedhöfe). 36.574 Menschen leben in die- sem Stadtteil. Mit 12.211 Einwohnenden pro Quadratkilometer ist Nippes der Kölner Stadtteil mit der zweitdichtesten Besie - delung (nach dem Stadtteil Neustadt-Süd im Stadtbezirk Innenstadt). Das Durch - schnittsalter der Nippeser Bevölkerung beträgt 40,4 Jahre (Stadt Köln 2018). Nippes gehört seit seiner Eingemeindung 1888 zu Köln. Im 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerungszahl rapide zu. Dies lag vor allem an der Ansiedlung von Industrieunter- nehmen wie dem Gummiwerk Clouth oder der Auer Mühle als große Arbeitgeber. Die Architektur aus Gründerzeit und Jugendstil prägt auch heute noch einige Straßenzüge in Nippes (Leipziger Platz, Eisenachstraße etc.), was den Stadtteil zu einer attraktiven Wohngegend macht (Website der Stadt Köln). 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete 69 Nippes ist ein lebendiger Stadtteil mit der bekannten Einkaufsmeile auf der Neusser Straße, die sich von Norden nach Süden durch Nippes zieht. Ein weiterer städti- scher Anziehungspunkt ist der tägliche Fri - schmarkt auf dem Wilhelmplatz. Im „Sech - zigviertel“ (Sechzigstraße, Hartwichstraße und Nebenstraßen) wurde eine autofreie Nachbarschaft eingeführt. An den Rändern von Nippes befinden sich Grün- und Erho - lungsflächen wie Lohsepark, Toni-Stein- gass-Park, Nordpark und Johannes-Gies - berts-Park. Des Weiteren hat der Stadtteil eine ausgeprägte Veranstaltungs- und Kulturprogramm-Landschaft. 5.2.3 Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/ Seeberg-Nord Zwei der für diese Studie ausgewählten Gebiete fallen unter die von der Stadt Köln räumlich definierten Sozialräume: der Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/See- berg-Nord und der Sozialraum Höhenberg/ Vingst (Stadt Köln 2015). Der Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/ Seeberg-Nord liegt innerhalb des linksrhei - nischen Stadtbezirks Köln-Chorweiler, dem nördlichsten der neun Kölner Stadtbezirke, und erstreckt sich mit 2,21 Quadratkilome- tern über die Siedlungsgebiete der Stadt- teile Blumenberg und Chorweiler sowie Teile des Siedlungsgebiets Seeberg (See- berg-Nord). Ein Großteil der Bebauung besteht aus öffentlich gefördertem Geschosswohnungs - bau durch Wohnungsbaugesellschaften aus den 1970er-Jahren. In Teilen von See- berg-Nord und Chorweiler-Nord kamen ab den 1980er-Jahren Reihenhaussiedlungen hinzu. Am nördlichen Rand Chorweilers und in Teilen Blumenbergs überwiegt die Einfa- milienhausbebauung. Diese drei Stadtteile Blumenberg, Chorweiler und Seeberg wei - sen untereinander teils erhebliche Differen - zen auf (Stadt Köln 2015). Der Sozialraum ist komplett von Grün- und Freiflächen umgeben. Teilweise ziehen sich Grünflächen auch durch die Wohngebiete. Es gibt zudem viele Freizeitmöglichkeiten, wie zum Beispiel zwei Schwimmbäder, einige Spielplätze, eine Kletterhalle und das benachbarte Naherholungsgebiet Füh - linger See. Aufgrund der stark verdichteten Bauweise mit Hochhäusern sind Blumenberg, Chor- weiler und Seeberg-Nord mit einer Bevöl- kerungszahl von insgesamt 27.000 im Ver- gleich zu den anderen Sozialräumen eines der einwohnerstärksten Gebiete. Blumenberg, Chorweiler und Seeberg-Nord sind durch eine junge Bevölkerungsstruktur gekennzeichnet. Der Anteil an Personen, die Grundsicherung im Alter erhalten, ist verglichen mit den gesamtstädtischen Zahlen überdurchschnittlich hoch. Etwa zwei Drittel der Einwohnenden haben einen Migrationshintergrund und prägen das mul- tikulturelle Bild des Sozialraums. Blumenbergs Bevölkerung weist einen jüngeren Altersdurchschnitt (38,3 Jahre) als Kölns Gesamtaltersdurchschnitt (41,9 Jahre) auf. Blumenberg wird durch seine Randlage und Nähe zum Fühlinger See von seinen Ortsansässigen als grüner Stadtteil bewertet (Stadt Köln 2019a). 70 5. Methodik 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete Auch der Stadtteil Seeberg wird durch seine unmittelbare Nähe zum Fühlinger See von seiner Bevölkerung als grün beschrieben – aber auch als unscheinbar und arm (Stadt Köln 2019a, S. 48). Die Fahrradfreund- lichkeit und ÖPNV-Erreichbarkeit rufen in Seeberg wiederum eine hohe Zufriedenheit hervor (Stadt Köln 2019a). Der Stadtteil Chorweiler wird ebenfalls durch seine Stadtrandlage und Nähe zum Fühlinger See als grün eingeschätzt. Die Parks und Grünflächen werden von der Chorweiler Bevölkerung als überdurch- schnittlich positiv eingeschätzt. Negative Eigenschaften, die der Chorweiler Bevöl- kerung über ihren Stadtteil einfallen, sind arm, schlicht, unscheinbar, vernachlässigt, unbeweglich und eintönig. Chorweiler zählt nach Blumenberg zu den Stadtteilen, mit denen ihre Bevölkerung am unzufriedensten ist (Stadt Köln 2019a; Ellerbrock 2014). Der Stadtteil Chorweiler unterscheidet sich durch seine soziodemografische und architektonische Struktur deutlich von den Stadtteilen Seeberg und Blumenberg. Chor - weiler entstand 1957 als Antwort auf den Wohnungsmangel in Köln mehr oder weni- ger „‚aus dem Nichts‘, also nicht basierend auf gewachsenen Strukturen“ (Ellerbrock 2014). Ziel war die Erschaffung einer „Stadt der kurzen Wege“ (Ellerbrock 2014), die die Daseinsgrundfunktionen Arbeit, Wohnen und Freizeit auf engstem Raum vereint. Der zentrale Teil Chorweilers wurde mit 30-stöckigen Plattenbauten geplant. Nach Norden (Blumenberg) und nach Süden (See - berg) sollte die Bebauung niedriger werden (ein- bis vierstöckig). Der Stil des Futurismus mit Beton als Hauptbaumaterial führten zu dem mono - strukturierten Projekt Chorweiler, der heute größten Plattenbausiedlung in Nord- rhein-Westfalen (Ellerbrock 2014). Den Kern des Sozialraums bildet Chorwei- ler-Mitte mit seiner zum Teil sehr domi- nanten Hochhausbebauung, in denen sich zahlreiche öffentlich geförderte Wohnungen befinden. Die 2016 drohende Zwangsver- steigerung in diesem Gebiet konnte die GAG Immobilien AG durch die Übernahme von insgesamt 1.211 Wohnungen verhin- dern. Heute beherbergt der Stadtteil 13.070 Men- schen, davon 77,3 Prozent mit Migrations- hintergrund (Köln gesamt hat 35,0 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund) (Kur- tenbach 2016; Ellerbrock 2014). In der Lite- ratur wird Chorweiler als schwierige, arme, ethnisch diverse, sozial benachteiligte und hochgradig segregierte Nachbarschaft mit einer exkludierten Bevölkerung beschrie- ben (Stadt Köln 2019a; Kurtenbach 2017b, 2017a, 2016). So weist der für Köln über- durchschnittlich hohe Anteil an Sozialwoh- nungen mit Mietpreisbindung auf Anwoh- nende in sozioökonomisch benachteiligten Positionen hin (Kurtenbach 2016, S. 81). Chorweiler wird als Ort der sozialen und physischen Unordnung beschrieben. Bewäl- tigungsstrategien und Reaktionen der Chorweiler Bevölkerung sind Resignation und Frustration – aber auch gesundheitliche Reaktionen wie Depression können Folgen der Wohnverhältnisse sein (Kurtenbach 2017b, 2017a). 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete 71 Solche Beobachtungen stützen sich auf statistische Zahlen, die auf besondere Pro - bleme der Chorweiler Bevölkerung weisen: „Die Jugendarbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie in Köln; mehr als jedes zweite Kind in Chorweiler […] lebt am Existenzminimum; Chorweiler [rangiert] im oberen Drittel […] in der Rangfolge der Kölner Stadtteile mit dem höchsten Jugendhilfe-Bedarf“ (Ellerbrock 2014); der Anteil an alleinerziehenden Haus- halten – meistens Mütter – ist in Chorweiler doppelt so hoch wie in Köln insgesamt (Kur- tenbach 2016). Zudem ist das Armutsniveau dieser Haushaltsform in Chorweiler doppelt so hoch (90 %) wie in Gesamt-Köln (43 %) (Kurtenbach 2016). Die Wohnverhältnisse, insbesondere die Baubestände sind teil- weise problematisch: Immobilien sind von Schimmel befallen, gering isoliert, Auf - zugsanlagen sind über lange Zeiten defekt (Kurtenbach 2016). Die Gebäudezustände variieren jedoch stark je nach Vermietenden (Stadt Köln 2015). Chorweiler-Mitte ist das urbane und verwal- tungstechnische Zentrum des Stadtbezirks Chorweiler. Als ÖPNV-Knotenpunkt sowie mit seinen weiterführenden Schulen, seiner Bezirkssportanlage, einem großen Einkaufs - zentrum mit rund 100 Betrieben und Ein- richtungen der städtischen Verwaltung wirkt Chorweiler urbaner als andere Stadtteile des Stadtbezirks (Stadt Köln 2015). In den letzten Jahren hat sich eine breite Infrastruktur im kulturellen und sozialen Bereich herausgebildet. Dazu zählen Bera - tungs- und Hilfsangebote. Diese werden in der Chorweiler Bevölkerung als positiv bewertet, stehen jedoch nicht in ausrei - chendem Maß zur Verfügung. Insgesamt ist im Sozialraum Blumenberg/ Chorweiler/Seeberg-Nord als Folge von mangelnder Instandhaltung ein schlechter Zustand eines Großteils der Wohnungs- bebauung zu verzeichnen. Mit Ausnahme der Gebiete mit Einfamilienhausbebauung weist der Sozialraum eine hohe Anzahl an SGB-II-Leistungsberechtigten auf. Insge - samt ist der Sozialraum von einer prob- lematischen Sozialstruktur geprägt. Des Weiteren ist er durch seine junge Bevölke- rungsstruktur und seinen hohen Anteil von ca. 66 Prozent Menschen mit Migrationshin- tergrund geprägt. Die Unterschiede zwischen den verschie - denen Stadtteilen des Sozialraums fallen besonders beim Anteil der SGB-II-Leis - tungsbeziehenden auf: „In den Quartieren Chorweiler-Nord Geschosswohnen West und Chorweiler-Mitte Bezirkszentrum betrifft dies jede vierte Einwohnerin bezie - hungsweise jeden vierten Einwohner. In den Reihenhaussiedlungen [in Teilen Blumenbergs sowie am nördlichen Rand Chorweilers] liegt die Quote hingegen bei 2 bis 3 Prozent“ (Stadt Köln 2015). Des Weiteren ist die Bildungsteilhabe im gesam- ten Sozialraum Blumenberg/Chorweiler / Seeberg-Nord geringer als im Mittel der Gesamtstadt (Stadt Köln 2015). Die Nahversorgungssituation zeichnet sich durch die Versorgungszentren in Blu- menberg und Chorweiler-Mitte zwar als quantitativ gut aus, weist jedoch qualita- tive Mängel auf. Zudem liegt die Kaufkraft der Einwohnenden der Stadtteile Seeberg und Chorweiler auf den letzten Plätzen im Vergleich aller elf Kölner Sozialräume. Dies liegt insbesondere an der hohen Arbeitslosigkeitsquote. 72 73 74 5. Methodik 5.2 Die ausgewählten Untersuchungsgebiete 5.2.4 Sozialraum Höhenberg/Vingst Der 2006 ernannte Sozialraum der histo- risch zusammengewachsenen Stadtteile Höhenberg/Vingst liegt im rechtsrheini - schen Kölner Stadtbezirk Kalk und erstreckt sich mit 1,86 Quadratkilometern über die Siedlungsgebiete des Stadtteils Höhenberg (nördlicher Teil des Sozialraums) und Vingst (südlicher Teil des Sozialraums) (Stadt Köln 2015). Das Siedlungsgebiet wird begrenzt durch die Autobahn A4 im Süden, die Bun - desstraße B55a im Norden sowie Grün - flächen der Merheimer Heide im Westen und einen ausgedehnten Rangierbahnhof im Osten. Der Sozialraum Höhenberg/ Vingst zählt mit 25.707 Personen (Stand 31.12.2017) zu den drei personenstärksten der elf Sozialräume (Homepage der Stadt Köln.) Aufgrund umfangreicher Bautä- tigkeit ist die Zahl der Einwohnenden in den letzten Jahren stetig gestiegen. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 39,8 Jahre (Stadt Köln 2018). Der Sozialraum Höhenberg/Vingst besteht vornehmlich aus Wohnhäusern, die in Schlichtbauweise in den 1950er- und 1960er-Jahren errichtet wurden. Im Rah- men der Durchführung eines Sanierungs - programms in der Zeit von 1993 bis 2008 konnten umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt werden, die für das Wohngebiet posi- tive Veränderungen erzielten. Dennoch bestehen in einigen Quartieren weiterhin wahrnehmbare städtebauliche Mängel. Die Bebauungsstruktur ist eine überwiegend geschlossene Bauweise mit Geschoss - wohnungen. Größtenteils befinden sich die Wohnungen im Besitz der GAG Immobilien AG. Kleinräumig befindet sich am nördli- chen und südlichen Ende des Sozialraums jeweils eine Einfamilienhausbebauung. Mit der Olpener Straße in Höhenberg und der Ostheimer Straße in Vingst hat der Sozi - alraum zwei Versorgungszentren, die eine gute Nahversorgung ermöglichen. Der Sozialraum ist über Stadtbahnlinien gut an den öffentlichen Personennahverkehr sowie sehr gut an das Autobahnnetz ange - bunden (Stadt Köln 2015). 2007 bis 2013 gab es eine rapide Zunahme von Einwohnenden mit Migrationshinter- grund, wodurch sich ein multikulturelles Stadtteilbild ergibt. Heute besitzen mehr als 50 Prozent der Bewohnerschaft einen Migrationshintergrund (Stadt Köln 2015). Des Weiteren ist der Anteil an alleinerzie - henden Müttern sowie Familienhaushalten im Vergleich zur Gesamtstadt deutlich höher. Mit einem überdurchschnittlich großen Anteil an Jugendlichen ist der Sozi- alraum Höhenberg/Vingst ein sehr junger Sozialraum (Homepage der Stadt Köln Stadt Köln 2015). Der Sozialraum weist mit 25 Prozent einen sehr hohen Anteil an SGB-II-Leistungs - beziehenden auf. Dabei gibt es räumliche Unterschiede: Besonders hoch ist der Anteil der Leistungsbeziehenden im Quartier Höhenberg-Süd. Unter den Einwohnenden des Sozialraums ist besonders bei den Frauen und Menschen ohne deutschen Pass eine hohe Arbeitslosenquote zu verzeichnen, was zu „einem hohen Anteil an von Armut bedrohten Menschen mit fehlenden Mög - lichkeiten zur Teilhabe“ (Stadt Köln 2015) führt. Unter allen elf Kölner Sozialräumen hat Höhenberg/Vingst absolut gesehen die höchste Anzahl an Langzeitarbeitslosen. 5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender Menschen im Alter 75 Unter den älteren Menschen ist im Sozial- raum zunehmende Altersarmut zu verzeich- nen: 13,5 Prozent beziehen Grundsicherung im Alter (im Vergleich dazu 7,6 Prozent in gesamt Köln) (Homepage der Stadt Köln; Stadt Köln 2015). Des Weiteren ist ein konstant hoher Jugendquotient zu verzeichnen sowie eine geringe Bildungsteilhabe: ein geringer Anteil an Gymnasialschüler*innen bei überdurch - schnittlicher Gesamtschulquote. Den Sozialraum Höhenberg/Vingst zeichnet eine große Zahl Ehrenamtlicher und sozialer Akteure aus. Dazu zählen zahlreiche Bür - gervereine und die Beratungsangebote von Kirchen oder der GAG Immobilien AG. Im gesamtstädtischen Vergleich weist der Sozialraum Höhenberg/Vingst überdurch- schnittlich viele einkommensschwache Haushalte auf. Der Sozialraum grenzt an das Naherho - lungsgebiet Merheimer Heide sowie das Naturfreibad Vingst. Er weist im Vergleich zur Gesamtstadt wenig Grün- und Freizeit- flächen auf. Bei den vorhandenen Flächen handelt es sich überwiegend um Freizeit- und Erholungsflächen wie Parks, Grünan - lagen und Sportplätze. Die vorhandenen Grün- und Freizeitflächen sind durch grüne Wegeverbindungen zwar gut vernetzt, es ist jedoch eine „Optimierung der Sauberkeit und des Sicherheitsempfindens notwendig“. (Homepage der Stadt Köln; Stadt Köln 2015). 5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender Menschen im Alter Für Erhebung I mit selbstständig leben - den Menschen im Alter in Köln wurden die Stadtteile Nippes und Pesch sowie die Sozialräume Blumenberg/Chorweiler/See- berg-Nord und Höhenberg/Vingst ausge - wählt. Im Vorfeld der Befragung wurden die politischen Gremien der Stadt Köln (Aus - schuss Klima, Umwelt und Grün, zuständige Bezirksvertretungen) in Kenntnis gesetzt. Wichtig war zudem die Information der Öffentlichkeit über Pressemitteilungen und einen Artikel in der Tagespresse, um die Befragung anzukündigen und Irritationen in der Bevölkerung möglichst zu vermeiden. Am 19.07.2019 berichtete zum Beispiel der Kölner Stadtanzeiger über die Aktion mit dem Titel „Stadt befragt Senioren zu Hitze“. Auf der Basis einer wissenschaftlichen Recherche zu qualitativen und quantita- tiven Erhebungen im Bereich Hitze und ältere Menschen wurden die Erhebungs- instrumente für Erhebung I erarbeitet. Ein Fragebogen wurde entworfen, der die Bereiche Hitzewarnung und Information, Hitzebelastung im Stadtviertel, Hitzeanpas - sung, Mobilität, soziale Kontakte / soziales Netz, gesundheitliche Auswirkungen von Hitze, allgemeine Gesundheit und Fragen zu Person und Haushalt abdeckten. Es wurden keine personenbezogenen Daten erfragt. Dieser Fragebogen wurde mit dem wissen - schaftlichen Beirat beraten. Für Erhebung I wurde ein Pretest mit einer Stichprobengröße von sechs Personen durchgeführt. Im Anschluss fand nochmals eine Anpassung des Fragebogens statt. 76 5. Methodik 5.3 Erhebung I: Quantitative Befragung selbstständig lebender Menschen im Alter Der Fragebogen wurde sowohl als schrift- licher Fragebogen als auch in digitaler Form entwickelt. Es wurden Versionen in deutscher, türkischer und russischer Spra- che erstellt. Zur Sicherung der Überset- zungsqualität wurden die türkischen und russischen Fragebögen unabhängig ins Deutsche rückübersetzt. Zur Vorbereitung des mehrköpfigen Interview-Teams wurde ein mehrstündiger Workshop „Durchfüh- rung quantitativer Interviews“ entwickelt und durchgeführt. Dieser diente sowohl der inhaltlichen als auch methodischen Vorbereitung und sollte dazu beitragen, eine Verzerrung der Ergebnisse durch unter- schiedliches Verhalten der Interviewenden zu reduzieren. In Zusammenarbeit mit der Datenschutz- beauftragten des Universitätsklinikums Bonn konnte ein Datenschutzkonzept zum Schutz der Daten der Befragten erstellt und verschiedene Dokumente, die den Befragten zu Beginn der Befragung vor- gelegt werden sollten, entwickelt werden: ein Informationsschreiben zur Aufklärung über den Datenschutz und den Ablauf des Projekts sowie eine Einwilligungserklä- rung. Ein Ethikantrag für die Durchführung epidemiologischer Studien wurde bei der Ethikkommission des Universitätsklinikums Bonn eingereicht, dem nach geringfügigen Änderungen stattgegeben werden konnte. Auf Basis der Daten aus dem Melderegister (Name, Geburtsdatum und Adresse aller gemeldeten Personen im Alter von 65 Jah - ren oder älter) wurde die Grundgesamtheit und Stichprobengröße nach Kriterien der repräsentativen Stichprobenbestimmung berechnet. Pro Stadtteil bzw. Sozialraum sollte eine Stichprobengröße von 69 Perso - nen erreicht werden. Ausgehend von einer erwarteten Rücklauf- quote von etwa 10 Prozent wurden persön- liche Anschreiben an 690 Personen im Alter 65+ je ausgewähltem Untersuchungsgebiet verschickt. Auf diese Weise wurde über das Projekt und über die interviewenden Personen informiert und um die Teilnahme an der persönlichen Befragung innerhalb der nächsten Wochen gebeten. Die abgebil- deten Interviewenden (siehe Fotos) verein- fachten den Zugang für die Menschen 65+, da sie Sicherheit über die Legitimation der interviewenden Personen lieferten (Anhang A2, Anschreiben an die Bevölkerung). Die Erhebung wurde von Anfang August 2019 bis Anfang Oktober 2019 durch Mitarbei - tende des Universitätsklinikums Bonn und des Umwelt- und Verbraucherschutzsamtes der Stadt Köln durchgeführt. Insgesamt wurden 255 Interviews in Haushalten der Befragten durchgeführt und die Antworten direkt digital (mithilfe von Tablets) erfasst. Folgende Daten wurden erhoben: • Selbst bewerteter Gesundheitszustand • LUCAS-Funktionsindex, der die funktionale Kompetenz anhand körperlicher und sozi- al-teilhabender Merkmale erfasst • Erhalt und Informationen zu Hitzewarnungen • Subjektive Wahrnehmung heißer Tage und Hitzewellen • Ärztliche Beratung zu Hitze und ihren Auswirkungen • Gewissheit über vulnerable Gruppen • Wünsche an die Stadt Köln • Zur Situation während Hitzewellen: • Subjektiv wahrgenommene Gesundheitssymptome • Ergriffene Schutzmaßnahmen • Erhaltene Unterstützung und Hilfe • Trink- und Essverhalten • Soziale Kontakte und Aktivitäten 5.4 Erhebung II: Quantitative Befragung von Pflegeeinrichtungen 77 Die Erhebung erfasste zudem Angaben zum verfügbaren Einkommen (nach Klassen), zur Schulbildung und Ausbildung, zu Beruf und Wohnsituation. Insgesamt 258 Personen 65+ aus den bei- den Kölner Stadtteilen Pesch und Nippes und den beiden Sozialräumen Blumenberg/ Chorweiler/Seeberg-Nord sowie Höhen- berg/Vingst nahmen an der Erhebung teil (Teilnahmequote: 15 %). 5.4 Erhebung II: Quantitative Befragung von Pflegeeinrichtungen Für Erhebung II in Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen wurde eine quantitative Befragung aller 130 Einrichtungen ausge - wählt. Die jeweiligen Ansprechpersonen wurden im Vorfeld angeschrieben und um eine Teilnahme gebeten. Für die Befragung der Fachkräfte der Lei- tungsebene der Betreuungseinrichtungen für Menschen im Alter in Köln wurde ein Datenschutzkonzept erstellt und abge- stimmt. Der Fragebogen wurde nach humangeografischen und gesundheits - wissenschaftlichen Forschungsmethoden erarbeitet und mit dem wissenschaftlichen Beirat abgestimmt. Der Fragebogen beinhaltete die Themen - blöcke „Hitzewarnung und Information“, „Hitzebelastung und bauliche Gegeben - heiten“, „Hitzeanpassung“, „Medikamente/ Medizinisch zu beachtende Maßnahmen“ und „Allgemeines zur Einrichtung“. Es wurden keine personenbezogenen Daten erhoben. Zudem wurden die Inhalte und die geplante Art der Durchführung der Interviews mit Mitarbeitenden des Amtes für Soziales, Arbeit und Senioren (Heimaufsicht) sowie Mitarbeitenden des Gesundheitsamts der Stadt Köln beraten. Eine Liste aller Kölner Betreuungseinrich- tungen für Menschen im Alter sowie deren Träger stellte das Gesundheitsamt der Stadt Köln zur Verfügung. Die Träger der Einrich- tungen erhielten ein Informationsschreiben mit der Beschreibung des Projekts, der Ankündigung der geplanten Befragung sowie der Bitte um Unterstützung. Als Hemmnisse und Störfaktoren konnten die allgemein hohe Arbeitsbelastung und in den Betreuungseinrichtungen für Menschen im Alter festgestellt werden. Die Erhebung in den Betreuungseinrichtun- gen für Menschen im Alter erfolgte mithilfe von Fragebögen, die an insgesamt 130 Ein- richtungen in Köln versendet wurden. Es handelte sich damit um eine Vollerhebung, die sich bei kleinen Grundgesamtheiten gut durchführen lässt. Ein frankierter und adres - sierter Rückumschlag wurde beigelegt. Der Fragebogen enthielt sowohl quantitative als auch qualitative Elemente und richtete sich an die Leitung bzw. die stellvertretende Lei- tung der Einrichtungen. 78 5. Methodik 5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse) Auf die schriftliche Anfrage zur Teilnahme an der Befragung meldeten sich 32 Einrich- tungen mit einem ausgefüllten Fragebogen zurück (Teilnahmequote: 25 %). 16 dieser 32 Einrichtungen sendeten zusätzlich Hand- reichungen für ihr Personal zum Verhalten in Hitzeperioden zu. Die teilnehmenden Einrichtungen waren überwiegend voll- stationäre Pflegeeinrichtungen und zu geringeren Anteilen Mischeinrichtungen aus vollstationärer und Kurzzeitpflege sowie vollstationärer Pflege kombiniert mit betreu- tem Wohnen und Tagespflege. Die Träger der Einrichtungen sind Wohlfahrtsverbände, öffentliche, private oder kirchliche Träger. Folgende Daten wurden erhoben: • Erhalt und Informationen zu Hitzewarnungen • Kommunikation zu Hitzewarnungen im Team • Handlungspläne und Dokumentationen für heiße Tage • Informationen und Fortbildungen zum Thema Hitze • Hitzebelastung, bauliche Gegebenheiten und Grünflächen • Anpassung bei Hitzewellen: • Kühlung von Innenräumen • Anpassung des Trinkverhaltens und des Speiseangebots • Kleidung bzw. Wäsche • Kühlende Waschungen • Erhöhung des Personalschlüssels • Sonstiges: • Medikamentenanpassung und andere medizinische Maßnahmen • Anteil bettlägeriger Personen in den Einrichtungen • Fragen, Anregungen oder Wünsche der Einrichtungen 5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse) Grundlage war eine Analyse von Daten mit- hilfe der Geoinformationssoftware ArcMap (Version 10.6.1). Die Auswertung wurde auf der Basis der 570 Statistischen Quartiere sowie der Bevölkerungsdaten (Stichtag: 31.12.2020) der Stadt Köln vorgenommen. Zur Bewertung der Hitzebelastung diente die Planungshinweiskarte Hitze (LANUV 2013). Zur Beurteilung der Erreichbarkeit von Grünflächen wurde eine Geoinforma- tionssystem (GIS)-basierte Analyse in der Software Esri ArcGIS Pro durchgeführt. Datengrundlage hierfür war der adressba - sierte Bevölkerungsdatensatz der Stadt Köln (Stichtag: 31.12.2020) und ein im Folgenden beschriebener Datensatz zu Grünflächeneingängen. Weiterhin wurde zur Bewertung der Hitzebelastung die Pla - nungshinweiskarte Hitze (LANUV 2013) herangezogen. Im Rahmen der Auswertung wurden Men - schen im Alter betrachtet. Aufgrund des eingeschränkten Bewegungsradius von Menschen 65+ zählt die Erreichbarkeit von kühlen Orten und von medizinischer Versorgung („Stadt der 15 Minuten“) zu den wesentlichen Indikatoren für eine gute Aufenthaltsqualität bei Hitzeereignissen. Als Grundlage der Auswertung wurde die Verteilung der relevanten Personengruppe 65+ in verschiedenen Altersklassen in den Statistischen Quartieren ermittelt. Die vorliegende Auswertung soll zunächst die Frage beantworten, welche Wegstre- cken Menschen über 65 Jahren von ihrem Wohnort zu Fuß zur nächsten Grünfläche zurücklegen müssen. 5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse) 79 Die Qualität der Grünfläche wurde dabei nicht betrachtet. Aus datenschutzrechtli- chen Gründen wurden die Analysen in der Abteilung Statistik und Informationsma- nagement durchgeführt (Amt für Stadtent- wicklung und Statistik). Zur Berechnung der Wegstrecken wurde eine Netzwerkanalyse mittels des Geopro - zessierung-Tools ‚Start-Ziel-Kostenmatrix erstellen‘ durchgeführt. Der Algorithmus berechnet für jeden Startpunkt in einem Daten - satz (Wohnadresse einer Person 65+) die Wegstrecke entlang eines Netzwerks zum nächst- gelegenen Zielpunkt in einem anderen Datensatz (Zugang Grünfläche). Zur Identifikation der Zielpunkte wurden eine Luftbildaus - wertung durchgeführt und die Zugänge zu Grünflächen als Punktdaten digitalisiert. Als Startpunkte wurde der gesamte adress - basierte Bevölkerungsdatensatz nach vier Altersklassen gefiltert (65–69, 70–74, 75–79, 80 Jahre und älter) und jeweils ein Datensatz mit Startpunkten erstellt. Der benötigte Netzwerk-Datensatz wurde aus dem OpenStreetMap-Wegenetz für Köln generiert. Aufgrund des eingeschränkten Bewegungs radius von Menschen 65+ zählt die Er reich- barkeit von kühlen Orten und von medizinischer Versorgung („Stadt der 15 Minuten“) zu den wesentlichen Indikatoren für eine gute Aufenthaltsqualität bei Hitzeereignissen. 80 5. Methodik 5.5 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln (Distanzanalyse) In Abbildung 5.2 ist da s Prinzip der Analyse beispielhaft dargestellt. Adressen mit Personen in einer Altersklasse bilden die Startpunkte (rote Kreise), die als Punkte digitalisierten Eingänge zu Grünflächen sind die Zielpunkte (rote Quadrate). Der Algorithmus berechnet für jede Adresse die Strecke zur nächstgelegenen Grünfläche entlang des Wegenetzes (kontinuierliche blaue Linien). Die Zuordnung einer Adresse zu einer Grünfläche wird über die Luftlinie (gestrichelte rote Linie) angezeigt. Für den gesamtstädtischen Vergleich wurden für die adressbasier - ten Ergebnisse die Kennzahlen Mittelwert, Median, Minimum, Maxi - mum und Standardabweichung auf drei Ebenen der kommunalen Gebietsgliederung (Stadtbezirk, Stadtteil, Statistisches Quartier) bestimmt. In der Auswertung wurden die Statistischen Quartiere und der Median-Wert betrachtet. Zur Bewertung der Betroffenheit der Zielgruppe von Hitze wurden die Ergebnisse der Studie Klima - wandelgerechte Metropole Köln (LANUV 2013) herangezogen. Hier- bei waren die fünf Klassen der Planungshinweiskarte Hitze (siehe Kap. 3) maßgeblich. Abb. 5.2: Bestimmung der Distanz zwischen der Wohnadresse von Menschen 65+ und dem nächstgelegenen Zugang zu einem öffentlichen Park. Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 81 82 5. Methodik 5.6 Identifikation von lokalen und kommunalen Akteur*innen 5.6 Identifikation von lokalen und kommunalen Akteur*innen Der Austausch und die Zusammenarbeit mit lokalen und kommunalen Akteur*innen bzw. Institutionen sind für die erfolgreiche Aus - arbeitung eines Hitzeaktionsplans entschei - dend. Für die Bildung eines Netzwerkes wurden potenzielle Akteur*innen anhand ihrer Rollen bzw. Aufgaben und des Bezugs zum Thema Hitze und Gesundheit identi - fiziert und ausgewählt. Neben verschiedenen Fachämtern der Stadtverwaltung und kommunalen Unter- nehmen sind Akteur*innen aus Wissen - schaft, Gesundheitswesen, Politik sowie umwelt- und gesundheits bezogenen Landes- und Bundesbehörden für eine ressortüber greifende Zusammenarbeit zu einem Hitzeaktionsplan wichtig. Je nach Zielgruppe ist es von hoher Bedeu- tung, auch spezifische lokale Netzwerke und Vereine miteinzubeziehen. So zählten für das Projekt „HAP-Köln“ insbesondere die Akteur*innen aus dem Senioren- und Sozial- bereich zu den wichtigen lokalen Unter- stützenden. Da alleinstehende ältere Personen häufig schwierig zu erreichen sind, spielen zudem informelle Nachbarschaftshilfen, Ehrenamt- liche, Kirchgemeinden und Hausärzt*innen eine wichtige Rolle. Für die Erarbeitung eines Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter sind zusammenfas - send Akteur*innen aus folgenden Aufgaben - feldern in unterschiedlicher Tiefe förderlich: • Stadtverwaltung • Kommunale Unternehmen • Wissenschaft • Landes-, Bundesbehörden • Gesundheitswesen • Pflegeeinrichtungen • Zivilgesellschaft, informelle Netzwerke • Politik • Verbraucherschutz • Privatunternehmen Die verschiedenen Handlungsschwerpunkte und Interessenlagen sind komplex und für eine zielgerichtete Zusammenarbeit her- ausfordernd. Daher setzt ein Hitzeaktions - plan in einer Großstadt wie Köln von Anfang an eine kooperative und zukunftsorientierte Zusammenarbeit voraus. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Akteur*innen sowie die Auseinandersetzung mit möglichen Konfliktpunkten stehen auch im Mittelpunkt von Empfehlungen der Bun- deszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Thematik Hitze und Hitzeschutz: www.klima-mensch-gesundheit.de/ hitzeschutz/kommunen/ 5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen 83 5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen Das Ziel eines Hitzeaktionsplans ist der Schutz der Bevölkerung vor den gesund- heitsschädlichen Auswirkungen von Hitze. Die Herausforderung liegt in der Vielschich - tigkeit der notwendigen Anpassungsmaß - nahmen, die sowohl verschiedene Elemente (u. a. Information und Kommunikation, Vor- bereitung der Gesundheitssysteme, Stadt- planung und Bauwesen) als auch zeitliche Dimensionen (während der Hitzeperiode, Vorbereitung vor dem Sommer, langfristige Planung) enthalten. Die Beteiligung von Akteur*innen aus ver- schiedenen Bereichen (siehe Kap. 5.6) sowie die Vernetzung auf allen Ebenen spielt eine wichtige Rolle, da vielfältige Kenntnisse, Erfahrungen und Tätigkeitsfelder ausge- tauscht, aber auch unterschiedliche Rah - menbedingungen und Erwartungen erkannt und einbezogen werden müssen. Nur in einer transparenten und konsensua - len Kooperation kann die Erstellung eines Hitzeaktionsplans gelingen. Für diese komplexe Aufgabe ist sowohl eine trisektorale als auch interkommunale Ver- netzung Voraussetzung. Als trisektorale Vernetzung versteht man grundsätzlich die Zusammenarbeit von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Dabei geht es um die Einbindung möglichst unterschiedlicher, vorzugsweise lokaler Akteur*innen, die gesellschaftliche Heraus - forderungen, wie die Hitzeanpassung, aus verschiedenen Perspektiven betrachten und sich zu einer gemeinsamen Herange - hensweise sowie Problemlösung zusam- menschließen. Wichtig dabei ist der regel- mäßige Austausch, um Maßnahmen, hier zur Minderung gesundheitlicher Folgen bei Hitzeereignissen, erfolgreich entwickeln und umsetzen zu können. Die Beteiligung von Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen sowie die Vernetzung auf allen Ebenen spielt eine wichtige Rolle, da vielfältige Kenntnisse, Erfahrungen und Tätig- keitsfelder ausgetauscht, aber auch unterschiedliche Rahmenbedingungen und Erwartungen erkannt und einbe - zogen werden müssen. 84 5. Methodik 5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen Im Projekt „HAP-Köln“ vernetzten sich die Sektoren Kommune, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft. Das Ziel der trisek - toralen Vernetzung ist die Bildung einer gemeinsamen Arbeitsplattform, die aus drei Schwerpunkten besteht: Zunächst gilt es, Multiplikator*innen zu identifizieren, miteinzubeziehen und zum Thema Hitze und Gesundheit zu sensibilisieren, damit diese das Wissen an die Zielgruppe weitertragen können. Dann ist die Rückkopplung der Akteur*in - nen von Bedeutung. Dadurch können bereits bestehende, noch nicht allen bekannte Maßnahmen aufgegriffen, Lücken analysiert und ein angepasster Handlungs - bedarf ausgearbeitet werden. Ein dritter wichtiger Aspekt der trisektoralen Vernet- zung ist der Austausch der verschiedenen Akteursgruppen untereinander, um Erfah- rungen aus der Praxis weiterzutragen, neue Ideen aufzugreifen und diese in die eigene Arbeit zu integrieren. Schon zu Beginn des Projekts wurden alle Beteiligten im Rahmen des Kick-off-Mee- tings zusammengeführt, mit dem Ziel, erste Informationen auszutauschen und den Kenntnisstand zum Thema Klimawandel mit den Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit anzugleichen. Hierauf aufbau- end wurde das gemeinsame Ziel definiert, in Bezug auf die vulnerable Gruppe der Menschen im Alter, einen Hitzeaktionsplan aufzubauen. Das erste Vernetzungstreffen (Kick-off-Meeting) fand im Frühjahr 2019 als gemeinsamer Fachworkshop im Kölner Stadthaus statt. Es nahmen insgesamt 37 Personen teil. Die Gruppe setzte sich aus Akteur*innen aus anderen Städten wie Bonn und Düs - seldorf, aus dem Gesundheitswesen, wie Ärzt*innen und Pflegekräfte, aus Ämtern der Stadt Köln, wie dem Amt für Landschafts - pflege und Grünflächen und dem Amt für Feuerschutz, Rettungsdienst und Bevölke - rungsschutz sowie aus Wissenschaft und Forschung, wie RWTH Aachen, zusammen. Eine weitere Einbindung der fach- und handlungskompetenten Akteur*innen fand im Frühjahr 2021 im Rahmen von drei kon- sekutiven Akteursworkshops statt, in denen in einem intensiven fachlichen Austausch verschiedene Inhalte erarbeitet wurden. Die zunächst geplanten Präsenzveranstaltun - gen wurden aufgrund der Covid-19-Pan- demie als Videokonferenzen organisiert. Der Vorteil einer Online-Veranstaltung ist insbesondere die größere Flexibilität der Teilnehmenden, die sonst eine weitere zudem klimabelastende Anreise hätten durchführen müssen. Allerdings bieten Prä- senz-Veranstaltungen eher die Möglichkeit eines intensiven persönlichen Austauschs und Kennenlernens. An den Akteursworkshops nahmen jeweils etwa 20 Personen aus den Bereichen Stadtverwaltung Köln, Stadtwerke Köln, Wis- senschaft, ärztlicher Dienst, Pflegedienste, Seniorenvertretung, Sozialraumkoordination und zivilgesellschaftliche Netzwerke teil. Gemeinsam wurden bereits existierende Prozesse sowie nützliche Informationen und Adressen erfasst, die zur Erstellung eines Hitzeeinsatzplans für die Stadt Köln und für die geplante Broschüre „Hitzeknigge“ bedeutsam sein könnten. 5.7 Trisektorale und interkommunale Vernetzungen 85 Es wurde analysiert, wie Maßnahmen zur Hitzeprävention umgesetzt und in die tägli - che Arbeit integriert werden können. Als gezielte Möglichkeit der lokalen Vernet- zung insbesondere mit Akteur*innen aus dem Bereich der Seniorenarbeit in Köln bot sich das zentrale Informations-, Aus- tausch- und Vernetzungsgremium „Runder Tisch Seniorenarbeit“ an. In jedem Stadt - bezirk finden vierteljährlich Treffen für die Seniorenarbeit statt. Diese werden von der Seniorenkoordination als Geschäftsführung moderiert und durchgeführt. Die im Bereich der Versorgungs- und Teilhabestrukturen für ältere Menschen tätigen Akteur*innen des Runden Tisches informieren sich über bestehende Angebote im Bezirk und nut- zen den Runden Tisch zur Kooperation und Kontaktpflege mit allen im Bezirk tätigen Haupt- und Ehrenamtlichen im Bereich der Seniorenarbeit. Im Frühjahr/Sommer 2021 und 2022 wurde das Projektteam zu diesen Vernetzungstreffen eingeladen, um Pro- jektinhalte vorzustellen und das erarbeitete Informationsmaterial an die Akteur*innen weiterzugeben. Neben der trisektoralen, intrakommunalen ist auch die interkommunale Vernetzung für das Erarbeiten eines Hitzeaktionsplans von hoher Bedeutung. Die Erfahrungen anderer Kommunen mit vergleichbaren Problemla- gen können im Sinne von Lessons Learned in die eigene Arbeit integriert und neue Impulse für weitere Maßnahmen aufgenom- men werden. Vor diesem Hintergrund wurde durch das Projekt der „Städtedialog Hitze - anpassung“ ins Leben gerufen. Das Format diente dem kontinuierlichen Austausch der interessierten Kommunen, die sich mit dem Thema Klimawandelan - passung im Allgemeinen und der Hitzeprä - vention im Besonderen auseinandersetzen. Ziel ist es, voneinander zu lernen, sich über Chancen und Hemmnisse auszutauschen und eine bundesweite Vernetzung zu schaffen. Während der Projektlaufzeit konnten zwei interkommunale Vernetzungstreffen gestal- tet werden (s. auch Kap. 6.5). Hierfür wurden Umwelt- und Gesundheitsämter mehrerer Städte, die sich bereits mit dem Thema befassten, zu einem Austausch eingeladen. Im September 2020 fand mit 5 deutschen Kommunen das erste und im September 2021 mit 19 Kommunen das zweite virtu- elle Vernetzungstreffen statt. Aufgrund der großen Zahl der Teilnehmenden wurde das Projektteam beim zweiten interkommunalen Vernetzungstreffen von einer Moderations- agentur bei der Organisation, Moderation und Dokumentation unterstützt. Als letztes Vernetzungstreffen im Rah - men des Projekts fand im Mai 2022 die Abschlussveranstaltung statt. Eingeladen waren Personen, die sich sowohl lokal als auch bundesweit am Projekt beteiligt hat- ten. Die Hybridveranstaltung (Präsenz- und Onlineteilnahme per Livestream) wurde dazu genutzt, alle erarbeiteten Projektfort - schritte vorzustellen und Möglichkeiten der Verstetigung aufzuzeigen. Die Hybridveran- staltung ermöglichte es Interessierten, auch ohne zeitaufwendige Anreise an der Veran- staltung teilzunehmen. 6. Ergebnisse 88 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1 Erfahrungen selbstständig leben - der Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.1 Demografische und sozio - ökonomische Charakterisierung der Stichprobe An der Befragung selbstständig lebender Menschen 65+ nahmen insgesamt 258 Ein- wohnende aus je zwei Kölner Stadtteilen und Sozialräumen teil. Die Teilnehmenden wohnen zu gleichen Anteilen in den Stadt- teilen Pesch (69; 26,7 %) und Nippes (69; 26,7 %) und zu nahezu gleichen Anteilen in den Sozialräumen Blumenberg, Chor- weiler und Seeberg-Nord (59; 22,9 %) sowie Höhenberg und Vingst (61; 23,6 %). Unter den Teilnehmenden sind Männer und Frauen zu nahezu gleichen Anteilen vertreten (weiblich: 131 / 50,8 %; männlich: 127 / 49,2 %). Die Befragten sind zwischen 65 und 93 Jah- ren alt. Hinsichtlich der Altersgruppen sind über die Hälfte der Befragten zwischen 65 und 74 Jahren (142; 55 %) und über ein Drittel zwischen 75 und 84 Jahren alt (95; 36,8 %). Gut 8 Prozent der Befragten sind 85 Jahre oder älter (21; 8,1 %) (Abb. 6.1). Hinsichtlich des monatlichen verfügbaren Einkommens gaben nur wenige Befragte an, in ihrem Haushalt über weniger als 500 Euro (6; 2,3 %) oder zwischen 500 und 1.000 Euro (10; 3,9 %) zu verfügen. Etwa ein Drittel der Befragten gab ein Einkom - men zwischen 1.000 und 2.000 Euro an (72; 27,9 %), ein Fünftel zwischen 2.000 und 3.000 Euro (48; 18,6 %). Ein weiteres knappes Viertel verfügt über 3.000 Euro oder mehr (60; 24 %). Keine Angabe über ihr Einkommen wollten etwa 23 Prozent der Befragten machen. In Bezug auf die Bildung nannten 106 Per- sonen (43,3 %) den Haupt-/Volksschulab- schluss als ihren höchsten Bildungsab - schluss. Mehr als jede dritte Person schloss die Schule mit Abitur ab (91; 37,1 %). 41 der Befragten (16,7 %) gaben einen Realschul- abschluss an. Wenige (3; 1,2 %) nannten die Hauswirtschaftsschule als höchsten Schulabschluss. Eine berufliche Ausbildung schlossen etwa zwei Drittel der befragten Personen ab (162; 64,3 %). Eine akademische Ausbildung absolvierte ein Viertel der Teilnehmenden (26,6 %). Jede zehnte Person gab an, keine Ausbildung abgeschlossen zu haben (26; 10,3 %). Als ihre hauptsächliche (früher) ausge- führte Tätigkeit nannte knapp die Hälfte der Befragten (114; 44,2 %) sonstige Angestellte oder Beamt*in, ein Viertel (62; 24,2 %) lei- tende*r Angestellte oder Beamt*in. Jede*r Zehnte (30; 11,6 %) gab eine Tätigkeit als Fachkraft oder im Handwerk, eine selbst - ständige Tätigkeit oder einen freien Beruf an (21; 8,2 %). Sieben Personen (2,7 %) gaben Hausfrau/-mann an. Fast alle Teilnehmenden gaben an, aktuell Rente zu beziehen (253; 98,1 %) und 5 Pro- zent (13), gehen noch einer Erwerbstätigkeit nach. Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, allein zu leben (95; 36,8 %). Über die Hälfte lebt mit einer weiteren Person bzw. der*dem festen Partner*in zusammen (150; 58,4 %); 12 Personen leben mit mehreren anderen Personen in einem Haushalt (4,7 %). Geschlecht nach Altersgruppe 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 89 Abb. 6.1: Alters- und Geschlechtsverteilung der Stichprobe. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.2: Monatlich verfügbares Einkommen der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.3: Höchster Schulabschluss der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 11 39 81 10 5661 % % 20 10 0 0 65–75 Jahre < 500 € Hauptschule, Volksschule Realschule Abitur Hauswirtschaft Kein Abschluss 500 bis < 1.000€ 1.000 bis < 2.000€ 2.000 bis < 3.000€ > 3.000€ Keine Angaben 75–84 Jahre über 84 Jahre Frauen Männer n=245 Einkommensklasse Schulabschlüsse 30 50 40 30 20 10 n=285 n=258 90 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen Abb. 6.4: Frühere berufliche Tätigkeit der Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 45,6 % 8,4 % 6,4 % 2,8 % 24,8 % 12,0 % Angestellte oder Beamt/innen Leitende Angestellte oder Beamt/innen Facharbeiter/innen oder Handwerker/innen Selbstständige oder freie Berufe Sonstige Arbeiter/innen oder Hilfskräfte Hausfrau/Hausmann n=250 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 91 Zwei Drittel der Teilnehmenden bewohnen ein Haus (170; 65,9 %), die anderen Teilneh- menden (88; 34,1 %) eine Wohnung. Die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt im Stadtteil Pesch bei 113,9 m²; im Stadtteil Nippes bei 88,9 m²; im Sozialraum Blumen- berg/Chorweiler/Seeberg-Nord bei 92,1 m², im Sozialraum Höhenberg/Vingst bei 73 m². Pro Person liegt die Wohnfläche bei durchschnittlich 68 m² in Nippes, 67 m² in Pesch, 59 m² in Höhenberg und Vingst sowie 56 m² in Blumenberg, Chorweiler und Seeberg-Nord. Abb. 6.5: Mittlere Wohnungsgrößen der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.6: Mittlere Wohnfläche pro Person der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 113,9 m2 92,1 m2 88,9 m2 73,0 m2 Pesch Sozialraum: Blumenberg, Chorweiler, Seeberg-Nord ≤ 40 m² > 40 bis 60 m² > 60 bis 80 m² > 80 bis 100 m² > 100 m² Nippes Sozialraum: Höhenberg, Vingst Wohnungsgrößen Wohnfläche pro Person % 0 40 30 20 10 n=251 n=250 92 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.2 Gesundheit Der selbst bewertete Gesundheitszustand der Befragten ist über - wiegend gut (106; 41,9 %) bzw. mittelmäßig (97; 38,3 %). Etwa je ein Fünftel kategorisieren den Gesundheitszustand als sehr gut bzw. schlecht ein. Nur sieben Personen schätzen ihre Gesundheit als sehr schlecht ein. Die befragten Frauen schätzen ihre Gesundheit seltener als die Männer als sehr gut oder gut ein. Subjektive Gesundheit nach Geschlecht Der LUCAS-Funktionsindex, der die funktionale Kompetenz der befragten Personen anhand körperlicher und sozial-teilhabender Merkmale misst, zeigt ein ähnliches Bild. Dabei geben die Befrag - ten Auskunft über Gewichtsverlust innerhalb der letzten sechs Monate sowie eine Verschlechterung hinsichtlich der Fähigkeit und Weise, einen Kilometer zu Fuß zurückzulegen, Treppen zu steigen oder in ein Auto einzusteigen. Darüber hinaus beantworten sie die Fragen danach, ob und wie viel Sport sie treiben, ob sie einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach - gehen, ob sie gefallen sind oder dies befürchten. Der aus diesen Merkmalen gebildete Funktionsindex gibt einen Anhaltspunkt über das komplexe Phänomen der gesundheitlichen und sozialen Situation. Abb. 6.7: Subjektiver Gesundheitszustand der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 Sehr gut Gut Mittelmäßig Schlecht Sehr schlecht Frauen Männer 7,8 % 37,2 % 41,9 % 9,3 % 3,9 % 8,1 % 46,8 % 34,7 % 8,9 % 1,6 % n=253 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 93 Der überwiegende Teil der Befragten gehört zur Gruppe der Robusten, die viele Reser- ven und keine oder nur wenige Risiken haben. Jeweils etwa 10 Prozent gehören den Postrobusten mit vielen Reserven und einigen Risiken, den Prä-Gebrechlichen (PreFrail) mit wenigen Reserven und weni- gen Risiken und den Gebrechlichen (Frail) mit wenigen Reserven und vielen Risiken an. Ein Blick auf die BMI-Klassen nach WHO zeigt, dass viele Befragte Normalgewicht oder leichtes Übergewicht (Prä-Adipositas) angaben. LUCAS-Funktionsindex BMI-Klassen nach Geschlecht Robust starkes Untergewicht leichtes Untergewicht Normalgewicht Präadipositas Adipositas Grad I Adipositas Grad II Adipositas Grad III PostRobust PreFrail Frail 71 % 13 % 9 % 8 % Abb. 6.9: Body-Mass-Index der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.8: Funktionale Kompetenz der befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 Frauen Männer 0 % 0 % 43,6 % 34,2 % 14,5 % 6,8 % 0,9 % 0,9 % 0,9 % 35,9 % 43,6 % 12,8 % 5,1 % 0,9 % n=226 n=238 94 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.3 Hitzewarnungen und Information Im Jahr 2019 haben 84,3 Prozent der Befragten Hitzewarnungen empfangen. Die Medien oder Informationswege, über die Hitzewarnungen empfangen wurden, waren deutlich an erster Stelle: das Fernsehen ...................... 41,1 % gefolgt von Radio ................... 19,3 % Zeitungen ........................... 19,1 % Webseiten .......................... 11,5 % Apps ................................ 6,6 % In wenigen Fällen kam die Meldung über: Freunde oder Bekannte............... 1,4 % andere Quellen ....................... 0,5 % sowie per E-Mail...................... 0,2 % Bei dieser Frage waren Mehrfach nennungen möglich. 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 95 Die häufigsten Zeitungen, denen Hitzewar- nungen entnommen wurden, waren der Kölner Stadtanzeiger (53; 20,5 %) sowie der Express (10; 3,9 %). Die unterschiedlichen Radiosender des Westdeutschen Rund- funks sowie Radio Köln sind die am häufigs- ten als Quelle für Hitzewarnungen angege - benen Radiosender. Am häufigsten wurden WDR 2 und WDR 4 mit jeweils einem Fünf- tel der Radiohörenden (18; 20 %) genannt. Radio Köln wurde von etwas weniger Radio- hörerenden als Quelle von Hitzewarnungen angegeben (16; 18,2%). Relativ häufig wurde auch WDR generell (17; 9,3 %) bzw. WDR 5 (9; 10,2 %) genannt. Die zur Information über Hitzewarnung herangezogenen Fernsehsender waren vor allem öffentlich-rechtliche Sender wie ARD, ZDF und WDR (256; 91,4 %) sowie einige private Sender wie RTL und Sat 1 (24; 8,6 %). Mehrfachnennungen waren möglich. Fragte man nach dem Wunsch-Medium, über welches Warnungen empfangen wer- den sollen, entsprachen die gegebenen Antworten etwa dem aktuellen Status quo. Am häufigsten wurden Fernsehen (198; 37 %), Radio (112; 20,9 %) und Zeitung (105; 19,6 %) genannt. Onlinemedien wie Web- seiten, Apps und E-Mail rangierten auf den hinteren Plätzen der Nennungen. Explizit gefragt, ob sie die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes kennen, bejah - ten dies 2,5 Prozent der Menschen 65+. Empfangen wurden die Warnungen aller- dings nur von einer einzigen Person. Abb. 6.10: Informationswege, über die Hitzewarnungen die befragten Menschen 65+ erreichten (Mehrfachnennungen möglich). Quelle: eigene Erhebung 2019 Quelle der Hitzewarnung % 0 50 30 20 10 Fernsehen Radio Zeitung Website App Freunde oder Bekannte Andere Quelle E-Mail 40 n=214 Abb. 6.11: Subjektiv empfundene Hitzebelastung durch die befragten Menschen 65+. Quelle: eigene Erhebung 2019 96 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.4 Wahrnehmung von heißen Tagen und Hitzewellen Die Zunahme von heißen Tagen und Hitze- wellen wird von vielen der befragten Per- sonen wahrgenommen: 86,7 Prozent aller Befragten haben eine Zunahme von heißen Tagen, 84,1 Prozent eine Zunahme von Hit- zewellen wahrgenommen. Diese Wahrnehmung unterscheidet sich zwischen den unterschiedlichen Stadtvier - teln/Sozialräumen. Insbesondere in Pesch und im Sozialraum Höhenberg/Vingst haben weniger Ältere die Wahr nehmung, dass es eine Zunahme von Hitzewellen gibt. Die meisten Personen gaben an, sich mittel- mäßig belastet zu fühlen. Viele empfinden jedoch auch eine deutliche bzw. sehr starke Hitzebelastung. In den verschiedenen untersuchten Stadt- gebieten zeigte sich diesbezüglich eine Differenzierung: Im innenstadtnahen Nip - pes wurde am häufigsten angegeben, eine deutliche oder sehr starke Hitzebelastung zu empfinden. Auch in den beiden Sozial- räumen ist dies häufig der Fall. Nur in Pesch wird die Belastung häufiger als mittelmäßig oder weniger stark empfunden. Nach Geschlecht differenziert, zeigen sich deutliche Unterschiede. Weibliche Befragte gaben deutlich häufiger als männliche an, dass sie eine deutliche oder sehr starke Belastung empfinden. Eine mittelmäßige Belastung gaben jedoch mehr Männer an (48 % Männer vs. 36 % Frauen). Zwischen den Altersgruppen zeigten sich keine deut- lichen Unterschiede in der wahrgenomme - nen Belastung. Gar nicht hitzebelastet Wenig hitzebelastet Mittelmäßig hitzebelastet Deutlich hitzebelastet Sehr hitzebelastet % 0 50 30 20 10 40 Empfundene Hitzebelastung n=238 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 97 Gar nicht Wenig Mittelmäßig Deutlich Sehr Empfundene Hitzebelastung nach Stadtvierteln / Sozialraum Empfundene Hitzebelastung nach Geschlecht % 0 50 30 20 10 40 Nippes Gar nicht hitzebelastet Pesch Wenig hitzebelastet Blumberg Chorweiler Seeberg-Nord Deutlich hitzebelastet Mittelmäßig hitzebelastet Höhenberg Vingst Sehr hitzebelastet Abb. 6.12: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene Hitzebelastung, differenziert nach untersuchten Stadtvierteln. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.13: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene Hitzebelastung, differenziert nach Geschlecht. Quelle: eigene Erhebung 2019 % 0 50 30 20 10 40 Frauen Männer n=238 n=238 98 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen Persönlich gesundheitlich belastet fühlt sich ein großer Anteil der Befragten. So gab mehr als 30 Prozent an, sich deutlich oder sehr belastet zu fühlen. Betrachtet man die Wahrnehmung der gesundheitlichen Belastung bei Hitze in den unterschiedlichen Stadtvierteln, dann fällt auf, dass in Pesch die meisten Teilnehm- enden eine mittelmäßige Belastung empfin - den, aber weniger häufig als in den anderen Gebieten eine deutliche oder sehr starke Belastung empfunden wird. Das Bild ist für die drei anderen untersuchten Stadtviertel recht ähnlich. Ebenso wie bei der Hitzebelastung der Stadtviertel fällt auf, dass die empfun - dene gesundheitliche Belastung bei Hitze für die verschiedenen Gruppen gemäß LUCAS-Funktionsindex variiert. Relativ viele der Post-Robusten, Prä-Gebrechlichen und Gebrechlichen empfinden eine deutliche bis sehr starke gesundheitliche Belastung, wäh - rend von den Robusten nur etwa ein Viertel angibt, deutlich oder sehr belastet zu sein (Abb. 6.15). Die offene Frage, warum sich die Befrag - ten als gar nicht oder wenig hitzebelastet empfunden haben, wurde im Rahmen der Auswertung klassifiziert (Mehrfachnennun - gen möglich). Die Antworten ließen sich den Kategorien wenig hitzeempfindlich (24; 40,7 %), angepasstes Verhalten (22; 37,7 %), allgemein guter Gesundheitszustand (13; 22,0 %), hitzeliebend (8; 13,6 %) und sonsti- gen Antworten zuordnen (3; 5,1 %). Bei den Gründen, warum eine mittelmä - ßige bis starke Belastung empfunden wird, wurden diverse Ursachen benannt: Viele Personen nehmen sich als hitzeempfind - lich wahr (44; 24,0 %), sprechen von einem allgemein schlechten Gesundheitszustand (37; 20,2 %) oder von der Müdigkeit, die aus der Hitze resultiert (35; 19,1 %). Weitere häufig genannte Ursachen für das deutliche Belastungsempfinden sind Aktivitätsein - schränkungen, Herz-/Kreislaufbeschwerden, starkes Schwitzen und Atemnot. Seltener genannt werden UV-Belastung, allgemei- nes Unwohlsein, Schwindel und sonstige Gründe. Das Risiko eigener Beeinträchtigungen durch Hitzewellen wird von einem guten Drittel der Befragten als mittelmäßig ein - geschätzt. Ein weiteres Drittel schätzt das Risiko als sehr gering oder gering ein, ein knappes Drittel als hoch oder sehr hoch. Bei Auswertung nach den Untergruppen des LUCAS-Funktionsindex zeigte sich ein ähnliches Bild wie bei der Hitzebelastung der Stadtviertel und der gesundheitlichen Belastung durch Hitze: Je höher die körper- liche und soziale Teilhabe einer Person ist (Gruppe der Robusten), desto geringer wird das Gesundheitsrisiko eingeschätzt. Gar nicht belastet Sehr gering Gar nicht belastet Wenig belastet Gering Wenig belastet Deutlich belastet Hoch Deutlich belastet Mittelmäßig belastet Mittelmäßig Mittelmäßig belastet Sehr belastet Sehr hoch Sehr belastet 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 99 Abb. 6.14: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.15: Von den befragten Menschen 65+ wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze, differenziert nach funktionaler Kompetenz. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.16: Von den befragten Menschen 65+ selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko bei Hitze. Quelle: eigene Erhebung 2019 16,8 % 26,3 % 43,0 % 36,7 % 19,9 % 17,1 % 11,7 % 6,4 % % 0 50 30 20 10 40 13,5 % Wahrnehmung der gesundheitlichen Belastung bei Hitze Selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko Wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze nach LUCAS-Funktionsindex 8,6 % Robust PostRobust PreFrail Frail n=256 n=225 n=258 Sehr gering Gering HochMittelmäßig Sehr hoch 100 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen Gefragt, ob sie Angst vor Hitzewellen hät- ten, antwortete ein knappes Fünftel mit Ja (n=256; 44; 17,2 %). Wovor genau sie Angst haben, wurde mit einer offenen Frage abge - fragt. Viele ältere Menschen mit Vorerkran - kungen sind in Sorge, dass sich ihre gesund - heitliche Situation verschlechtern könnte und sie infolgedessen stärkere Belastung durch Hitze erleben. Andere sind allgemein in Sorge um die Folgen des Klimawandels und die Auswirkungen auf die Umwelt. Bei Hitze verlassen viele Menschen seltener als sonst ihre eigene Wohnung. So gab die Hälfte der Befragten an, die Wohnung selte - ner zu verlassen, und 15,3 Prozent vermei- den es gänzlich, auszugehen. Lediglich ein Drittel der Befragten geht genauso häufig wie sonst aus. Nur zwei Befragte gaben an, die Wohnung häufiger als sonst zu verlassen (Abb. 6.18). Die Gründe, die Wohnung seltener oder gar nicht mehr zu verlassen, sind vielfältig. Die am häufigsten genannten Gründe lassen sich zu der Aussage „draußen ist es zu warm“ zusammenfassen. Darauf folgend wurden Aussagen genannt, die allesamt in die Kategorie „gesundheitliche Belas- tung“ fallen. Viele Befragte gaben auch an, Anstrengung vermeiden zu wollen oder bei Hitze gar kein Bedürfnis mehr nach Bewe - gung zu haben (Abb. 6.19). Verlassen die Befragten bei Hitze das Haus, berichtet ein Teil von ihnen von einer Viel- zahl von Schwierigkeiten (n=116). Fehlen- der Schatten wird deutlich am häufigsten genannt (58; 50%) (Abb. 6.20). Abb. 6.17: Von den befragten Menschen 65+ selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko bei Hitze, differenziert nach funktionaler Kompetenz. Quelle: eigene Erhebung 2019 % 0 50 30 20 10 40 Robust PostRobust PreFrail Frail Selbst eingeschätztes Gesundheitsrisiko bei Hitze LUCAS-Funktionsindex n=220 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 101 Abb. 6.19: Von den befragten Menschen 65+ angegebene Gründe dafür, dass sie ihre eigene Wohnung bei Hitze seltener verlassen. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.20: Von den befragten Menschen 65+ berichtete Schwierigkeiten auf Alltagswegen bei Hitze. Quelle: eigene Erhebung 2019 Verlassen der Wohnung bei Hitze n=117 n=258 Gründe, seltener rauszugehen Schwierigkeiten auf Alltagswegen bei Hitze Abb. 6.18: Von den befragten Menschen 65+ angegebenes Verhalten bezüglich des Verlassens ihrer eigenen Wohnung. Quelle: eigene Erhebung 2019 ja, seltener als sonst ja, genauso häufig wie sonst Ja, häufiger als sonst Nein, ich vermeide es, rauszugehen 50,2 % 33,7 % 15,3 % 0,8 % Draußen zu warm Fehlender Schatten Anstrengung vermeiden Fehlende Sitzmöglichkeiten Fehlender Schatten Fehlendes Stadtgrün Gesundh. Belastung Gesundh./Körperl. Beschwerden Fehlendes Bedürfnis Drinnen bleiben/Nicht rausgehen wollen Angst/Unsicherheit Fehlendes Stadtblau Fehlende Sitzmöglichkeiten Unklimatisierter ÖPNV Ärztl. Empfehlung Aufgeheizte versiegelte Flächen Sonstiges Sonstiges Fehlende Luftschneisen 0 0 30 30 20 20 10 10 % % 70 60 6050 50 40 40 n=116 102 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.5 Gesundheitssymptome bei Hitzewellen Zur Erfassung der Gesundheitssymptome während Hitzewellen wurden sowohl selbst erinnerte Gesundheitsbeeinträchtigungen aufgezeichnet als auch ein Set bekannter typischer Beeinträchtigungen abgefragt. Die spontan genannten Gesundheitssymp - tome wurden klassifiziert. Die am häufigs - ten genannten Symptome lassen sich unter Müdigkeit, Herz-/Kreislaufbeschwerden und starkem Schwitzen zusammenfassen. Darunter litten etwa 11 Prozent der Befrag - ten. Die Mehrzahl der Befragten gab allerdings an, keinerlei Symptome oder Erkrankungen durch Hitze erlebt zu haben (n=237; 129; 54,4 %). Ein anderes Bild zeigt sich bei expliziten Fragen nach bestimmten Symptomen oder Erkrankungen. Die häufigsten gesundheit- lichen Beeinträchtigungen, die die Befrag - ten während Hitzewellen erlebten, waren Müdigkeit und Schlafprobleme, gefolgt von Schwitzen und Durst. Je etwa ein Drittel der Befragten berichte - ten auch von Konzentrationsproblemen und Schwindel. Auch unter Kopfschmerzen litt etwa ein Fünftel der Befragten. Stärkere Symptome bzw. Beeinträchtigungen wie Austrocknung, Übelkeit, Angst, Sonnen - brand, Sonnenstich, Erbrechen und Hitz - schlag erlebten deutlich weniger Befragte. Abb. 6.21: Von den befragten Menschen 65+ spontan berichtete Gesundheitssymptome bei Hitze. Quelle: eigene Erhebung 2019 Spontan genannte Gesundheitssymptome Müdigkeit Übelkeit Starkes Schwitzen Erkältung Kopfschmerzen Starker Durst Herz-/Kreislaufbeschwerden Unwohlsein Schwindel Konzentrationsprobleme Atemnot Sonnenbrand Geschwollene Gliedmaßen keine Sonstiges Schlafprobleme Bluthochdruck 0 302010 %605040 n=237 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 103 Im Vergleich der Gesundheitssymptome differenziert nach den vier Untersuchungs - gebieten zeigt sich, dass in Nippes und dem Sozialraum Blumenberg/Chorweiler/See- berg-Nord verhältnismäßig viele Menschen unter den abgefragten Gesundheitssympto - men leiden. Im Vergleich der Summen der spontan genannten und der abgefragten Symptome während Hitzewellen wird ein großer Unter- schied deutlich. Nur noch 35 statt 131 Per- sonen geben an, keines der abgefragten Symptome erlebt zu haben. Abb. 6.22: Von den befragten Menschen 65+ bestätigte Gesundheitssymptome bei Hitze. Quelle: eigene Erhebung 2019 Abb. 6.23: Summen der von den befragten Menschen 65+ spontan genannten und bestätigten Gesundheitssymptome im Vergleich. Quelle: eigene Erhebung 2019 Gesundheitssymptome während der Hitzewellen Summen der Symptome im Vergleich Müdigkeit Selbst genannte Symptome Abgefragte Symptome Angst Schwitzen Sonnenstich Konzentrationsprobleme Schlafprobleme Sonnenbrand Durst Erbrechen Schwindel Kopfschmerzen Hitzschlag Austrocknung Übelkeit 0 302010 %70605040 Anzahl 0 0 150 90 60 30 10987654321 120 n=223 n=240 104 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.6 Ärztliche Gespräche zu Hitze und ihren Auswirkungen Ein Fragenblock bezog sich auf den Aus- tausch mit Hausärzt*innen.Die Befragten brauchen im Durchschnitt knapp 13 Minu- ten zu ihrer hausärztlichen Praxis, mit einer großen Spannweite von 0 bis 70 Minuten. Über 60 Prozent der Befragten haben eine Reisezeit von 10 Minuten oder weniger. Ein weiteres Fünftel wendet 11–20 Minuten auf, um zur Hausarztpraxis zu gelangen. Jeweils ein knappes Zehntel braucht bis zu 30 Minu- ten oder sogar mehr. 0 Minuten Reisezeit erklären sich über Hausbesuche bzw. Ehepartner*in als Haus - ärzt*in. Die Befragten sollten berichten, ob im ärzt lichen Gespräch mit ihnen über ge - sundheitsförderliches Verhalten während Hitzeperioden, Hitze in Zusammenhang mit den eigenen Erkrankungen oder Medika - menten gesprochen wird sowie darüber, wer sich im Notfall während einer Hitzepe - riode um sie kümmern könnte. In wenigen Fällen haben die entsprechenden Gesprä - che statt gefunden. Hinweise zu gesundheitsförderlichem Ver- halten hatten 9 Prozent der Menschen 65+ erhalten. Über Krankheiten, Medikamente oder eine Notfallsituation wurde nur mit 5–7 Prozent der Menschen 65+ gesprochen. Abb. 6.24: Von den befragten Menschen 65+ angegebene Themen, die im hausärztlichen Gespräch behandelt worden waren. Quelle: eigene Erhebung 2019 Ärztliches Gespräch % 0 100 60 40 20 80 Verhalten Krankheiten Medikamente Kümmern hat nicht stattgefunden hat stattgefunden n=257 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 105 6.1.7 Hilfe während der Hitzewelle Fast 90 Prozent der Befragten empfinden ältere Menschen als eine gefährdete und vulnerable Gruppe bei Hitze und Hitzewel- len. Gefragt danach, von wem man sich Hilfe während einer Hitzewelle vorstellen könnte, gab es viele unterschiedliche Ant- worten. Etwa ein Drittel der Befragten gab an, dass sie keinen Bedarf hätten, z. B., weil sie sich selbst helfen würden bzw. ihnen niemand einfalle. Besonders häufig genannt wurden Fami - lienangehörige (23; 9,8 %), das Rote Kreuz (16; 6,8 %) und andere Hilfsorganisationen (16; 6,8 %), gefolgt von Ärzt*innen, Pfle - gevereinen, der Feuerwehr, der Stadt Köln und Nachbarschaft (jeweils Nennungen zwischen 4,3 und 5,3 %). Bei expliziter Nach- frage wünschte sich mehr als die Hälfte Hilfe durch die Stadt Köln. Folgende Hilfsan - gebote wünscht man sich von der Stadt Köln (Tab. 6.1). Art der gewünschten Hilfe Anzahl der Nennungen Wasserspender/Trink-/Springbrunnen 25 Ausbau/Erhalt von Stadtgrün 22 Alltagsdienst bei Hitze 21 Informationen zu Hitzeverhalten 16 Informationen zu Hitzewarnungen 11 Hitzehotline, die Bürger/innen kontaktieren können 9 Telefondienst/Besuche, der Ältere kontaktiert 8 Zuschuss für priv. Klimaanl./Ventilator/Verdunkelung/Wasser 8 Oberflächen sprenkeln 5 (Mobile) kühle Räume 4 (Mobile) Beschattung 3 Verkehrsberuhigung 3 Bebauung anpassen (Entsiegeln, Luftschneisen) 3 Kostenl./Günstig. Schwimmbäder 3 Öffnungszeiten der Schwimmb. anpassen 3 Mehr Sitzmöglichkeiten 3 (Mobile) Ventilatoren 2 Notdienst bei Hitze 1 Mehr Wasserflächen 1 Fußbadmöglichkeiten 1 (Mobile) Klimaanlagen 1 Klimatisierter ÖPNV 1 Mehr Schwimmbäder 1 Öffnungszeiten der Geschäfte anpassen 1 Hitzeangepasste Freizeitangebote 1 Sonstiges 12 Tab. 6.1: Hilfen, die sich die befragten Menschen 65+ von der Stadt Köln zum Umgang mit Hitze - belastung wünschen. Quelle: eigene Erhebung, 2019 106 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.8 Individuelle Schutzmaßnahmen bei Hitze Schutzmaßnahmen, die bei Hitzewellen von den Befragten einge - setzt werden, wurden sowohl als Spontannennung abgefragt als auch zur Auswahl aus einem Set bewährter Verhaltensweisen zur Auswahl angeboten. Bei den spontan genannten Schutzmaßnahmen wurde am häufigs - ten das Abdunkeln der Wohnung oder des Hauses genannt – über 50 Prozent der Befragten fiel diese Maßnahme ein. Die Anzahl der spontan genannten Schutzmaßnahmen variierte dabei zwischen 1 und 6, mit einem Median von zwei Maßnahmen. Nach bestimmten, aus einer Liste auszuwählenden Anpassungs - maßnahmen gefragt, entsteht ein deutlich differenzierteres Bild. Es werden deutlich mehr Maßnahmen bestätigt, als den Befragten spontan einfielen. Das Tragen leichter Kleidung und das Lüften scheint für die meisten selbstverständlich zu sein. Das Verwenden leichter Bettwäsche, das Abdunkeln der Wohnräume, reduzierte körperliche Bewegung und vermehrte Flüssigkeitsaufnahme geben 80–92 Prozent der Befragten an. Auch das Verschieben von Aktivitäten, ein anderes Essverhalten und Duschen sind für über 70 Prozent der befragten Menschen 65+ geläufige Anpassungsmaß - nahmen. Einen Ventilator setzt hingegen nur knapp die Hälfte der Befragten ein. Weit weniger angewendete Anpassungsmaßnahmen sind das Nutzen nasser Handtücher sowie Arm- und Fußbäder. Eine Klimaanlage besitzen nur 3,9 Prozent der Befragten. Die Anzahl der abgefragten Anpassungsmaßnahmen liegt auch wesentlich höher als die Anzahl der spontan genannten Maßnah - men. Die Spannweite umfasste 2–13 Maßnahmen, der Median lag bei 9. 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 107 Abb. 6.25: Von den befragten Menschen 65+ spontan benannte individuelle Anpassungsmaßnahmen bei Hitze und Hitzewellen. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Abb. 6.26: Von den befragten Menschen 65+ bestätigte individuelle Anpassungsmaßnahmen bei Hitze und Hitzewellen. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Spontan genannte Anpassungsmaßnahmen Anpassungsmaßnahmen Abdunkeln Leichte Kleidung Kühle Räume im Haus aufsuchen Ventilator Anders trinken Leichte Wäsche Schatten suchen/Sonne meiden Nasses Handtuch Wasserkühlung Weniger bewegen Lüften Lüften Balkon/Garten aufsuchen Armbäder Ventilator Abdunkeln Kühle Räume außer Haus aufsuchen Fußbäder Zu Hause bleiben Mehr trinken Weniger Anstrengung Aktivitäten verlegen Anders essen Klimaanlage Klimaanlage Kleidung anpassen Anders essen Aktivitäten verschieben Duschen 0 0 30 30 20 20 10 10 % % 60 10080 907060 50 50 40 40 Sonstiges n=251 n=258 108 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 6.1.9 Trink- und Essverhalten Gefragt danach, welche Getränke die Befragten im Alltag zu sich nehmen, gaben über 80 % an, Mineralwasser zu trinken, wohingegen Leitungswasser nur von etwa 40 % getrunken wird. Auch Kaffee und Tee gehören zu den häufig getrunkenen Geträn - ken. In einer Hitzewelle mehr zu trinken, war für knapp 80 % der Befragten selbstver- ständlich (206; 79,8 %), wohingegen ein knappes Fünftel angab, nicht mehr zu trin - ken (46; 17,8 %). Für 22 Personen war der Grund, die Trinkmenge nicht zu erhöhen, fehlendes Durstgefühl. Weitere genannte Gründe waren „ausreichende Trinkmenge“ (10; 20 %), Vergesslichkeit, Krankheit/Medi- kamente und Schwitzen (je 4; 8 %). Häufiges Wasserlassen wurde als weiterer Grund benannt. Die klassifizierte Trinkmenge lag bei den meisten Befragten bei mehr als 1,5 Litern Flüssigkeit pro Tag (Abb. 6.28). Im Vergleich zwischen der Trinkmenge im Alltag und der Trinkmenge bei Hitze zeigen sich deutliche Unterschiede der Angaben. Ein Großteil der Befragten trinkt bei Hitze mehr als 2 Liter Flüssigkeit. Bei den über 84-Jährigen sind dies alle. Die meisten Befragten gaben an, täglich eine oder zwei Portionen Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. 35,7 Prozent gaben an, sowohl von Obst als auch Gemüse zwei oder mehr Portionen täglich zu sich zu nehmen. Viele Befragte gaben an, bei Hitze ihre Ernährung anzupassen. Dabei essen sie leichter (136; 50,6 %), kalte Speisen (74; 27,5 %), eine geringere Gesamtmenge (53; 19,7 %) oder zu einer anderen Zeit (6; 2,2 %). Abb. 6.27: Von den befragten Menschen 65+ genannte bevorzugte Getränke. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Abb. 6.28: Von den befragten Menschen 65+ genannte übliche Trinkmenge pro Tag. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Getränke im Alltag Klassifizierte Trinkmenge nach Altersklassen Mineralwasser Saft Leitungswasser Kaffee Alkoholische Getränke Tee Sonstige Getränke %100500 25 75 % 0 65 bis 74 75 bis 84 über 84 60 20 40 Jahre 0,5–<1,0 L 1,0–<1,5 L 1,5–<2,0 L >2,0 L n=257 n=258 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 109 Portion Obst und Gemüse pro Tag Abb. 6.29: Von den befragten Menschen 65+ angegebene tägliche Trinkmenge im Alltag sowie bei Hitze und Hitzewellen. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Abb. 6.30: Von den befragten Menschen 65+ angegebene alltäglich verzehrte Obst- und Gemüseportionen. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Klassifizierte Trinkmenge nach Alters klasse im Vergleich Keine 1 Portion 2 Portionen 3 Portionen > 4 Portionen % 100 50 25 0 75 0,5–<1,0 L 1,0–<1,5 L 1,5–<2,0 L >2,0 L Gemüse Obst % 60 20 0 40 65–74 65–7475–84 75–84>85 Klassifizierte Trinkmenge Klassifizierte Trinkmenge bei Hitze >85 Jahre n=258 n=254 110 6. Ergebnisse 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen Abb. 6.31: Von den befragten Menschen 65+ berichtete Änderung der Frequenz sozialer Kontakte bei Hitze und Hitzewellen. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Abb. 6.32: Von den befragten Menschen 65+ genannte Personen, die sie bei Hitze und Hitzewellen für einige Tage versorgen würden. Quelle: eigene Erhebung, 2019 Veränderung der sozialen Kontakte % 60 20 0 40 häufigere soziale Kontakte seltenere soziale Kontakte gleichbleibend Versorgung für einige Tage durch … (Schwieger-)Kinder Nachbar/innen Freund/innen / Bekannte (Ehe-)Partner/in Sonstige Familienmitglieder Familien- und Krankenpflegeverein Köln-Pesch Geschwister / Schwägerschaft Enkel/innen Sonstige 0 302010 %5040 n=254 n=234 6.1 Erfahrungen selbstständig lebender Menschen im Alter mit Hitze und Hitzewellen 111 6.1.10 Soziale Kontakte Über 80 Prozent der Befragten geben an, ein bis mehrmals pro Woche soziale Kon- takte zu haben. Während Hitzewellen ver- ändert sich das Sozialverhalten bei knapp der Hälfte der Befragten. Wenige Personen treffen sich häufiger mit ihren sozialen Kon - takten (3; 2,0 %), über 40 Prozent hingegen seltener (106; 41,7 %). Für über die Hälfte bleiben die Kontakte in ihrer Häufigkeit auch während Hitze bestehen (143; 56,3 %). Personen, die in einer Bedarfssituation für die Befragten sorgen würden, stammen häufig aus der eigenen Familie. Dabei wurden die Befragten durch Kinder und Schwiegerkinder (41 %) und durch (Ehe-)Partner/innen (36,3 %) versorgt. Nachbarn und Freunde spielen ebenfalls eine große Rolle. 6.1.11 Verschobene Aktivitäten Viele der Menschen 65+ gaben an, dass sie mindestens eine Aktivität auf eine andere Tageszeit verschieben (198; 78,6 %). Akti- vitäten werden demnach auf den Abend (206; 62,0 %) und auf den Morgen verlegt (126; 38 %). Abb. 6.33: Von den befragten Menschen 65+ verschobenen Aktivitäten bei Hitze, Quelle: eigene Erhebung, 2019 Verschobene Aktivitäten Einkaufen Hausarbeit Spazieren Sport/Körperliche Anstrengung Gartenarbeit Termine Radfahren Mit dem Hund rausgehen Auto fahren Sonstige 0 302010 %70605040 n=197 112 6. Ergebnisse 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs - einrichtungen für Menschen im Alter Auf die schriftliche Anfrage zur Teilnahme an der Befragung meldeten sich 32 Einrich- tungen mit einem ausgefüllten Fragebogen zurück. 16 Einrichtungen stellten zusätzlich Handreichungen für das Personal zum Verhalten während Hitzeperioden zur Verfü- gung. Die teilnehmenden Einrichtungen sind über- wiegend vollstationäre Pflegeeinrichtungen (20; 62,5 %) und zu geringeren Anteilen Mischeinrichtungen aus vollstationärer und Kurzzeitpflege (6; 18,8 %), vollstationärer Pflege kombiniert mit betreutem Wohnen (2; 6,3 %) und Tagespflege (4; 12,5 %). Die Träger der Einrichtungen sind Wohlfahrts- verbände wie die AWO oder das DRK (15; 46,9 %), öffentliche Träger (5; 15,6 %), pri- vate oder kirchliche Träger (je 4; 12,5 %) oder freie/gemeinnützige Träger (3; 9,4 %). Die meisten Einrichtungen haben zwischen 50 und 100 Mitarbeitende (17; 53,1 %), einige auch unter 50 Mitarbeitende (12; 37,5 %) und zwei Einrichtungen haben mehr als 100 Mitarbeitende (2; 6,3 %). Der Anteil bettlägeriger Personen in den Einrichtungen ist sehr unterschiedlich und variiert zwischen 0 und 100 %, wobei der Mittelwert bei der Hälfte liegt. 6.2.1 Hitzewarnung und Information Die Mehrzahl der Einrichtungen gab an, Hit- zewarnungen zu erhalten (23; 71,9 %). Emp- fangen werden die Hitzewarnungen über verschiedene öffentliche Medien, wie Fern - sehen, Radio oder Zeitung (13; 50 %), als direkte Benachrichtigungen des Deutschen Wetterdienstes (8; 21,1 %), über Warn-Apps oder das Internet, über Mitarbeitende oder über die Stadt Köln. Die Empfänger*innen von Hitzewarnungen ist in den meisten Fällen die Leitung der Ein - richtungen (23; 85,2 %), in wenigen Fällen auch andere Mitarbeitende. Explizit nach dem Empfang der Hitzewarnungen des DWD gefragt, gaben knapp 70 % der Ein- richtungen an, diese zu erhalten. Auf die offene Frage, wie die Warnmeldun- gen im Team kommuniziert werden, gaben viele Einrichtungen an, dass sie diese im Rahmen von Übergaben oder Teamsitzun- gen ansprechen (19; 63,3 %). 18 Einrichtun- gen (60 %) nannten auch schriftliche Ver- haltensregeln oder Schutzkonzepte, die den Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt wur- den. Interne E-Mails mit Hitzewarnungen wurden von 6 Einrichtungen (20 %) als inter- nes Kommunikationsmedium angegeben, weitere 2 (6,7 %) nannten das Telefon oder die Verwendung eines Messenger-Dienstes. In vielen Teams überbringt die Teamleitung die Hitzewarnungen. Nach Angaben der Ein - richtungen erfolgt die Kommunikation von Warnmeldungen bzw. des Vorgehens bei Hitze mit den Bewohnenden bei vier Fünftel der Einrichtungen (25; 80 %) über persönli- che Ansprache durch Mitarbeitende. Außer- dem nutzen einige Einrichtungen Bewoh- ner-Beirats-Sitzungen (3; 9,7 %) sowie Aushänge oder Warnschilder (5; 16,1 %). Ein Großteil der Einrichtungen (27; 84,4 %) gab an, einen schriftlich festgelegten Hand - lungsplan für heiße Tage zu haben, der in den meisten Fällen (26; 92,9 %) konkrete Maßnahmen für heiße Tage und Hitzewellen enthält. Einrichtungen mit Handlungsplänen bejahten überwiegend, dass die Umsetzung der Maßnahmen und des Handlungsplans dokumentiert werde (22; 78,6 %). 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter 113 Diese Dokumentation erfolgt meist durch das Pflegepersonal (14; 63,6 %) oder sons- tige Mitarbeitende (11; 50 %), seltener durch die Pflegedienstleitung (5; 22,7 %). Die Frage, ob Fortbildungen zum Thema Hitze genutzt werden, verneinte etwa ein Drittel der Einrichtungen (13; 36,2 %), ein weiteres Drittel machte keine Angaben (11; 30,6 %). Die restlichen Einrichtungen (12; 33,7 %) gaben an, Übergaben, Mahlzeiten der Arbeitsgruppen und Arbeitsgruppen-über- greifende Teamsitzungen zur Besprechung von Verfahrensanweisungen sowie Fachlite- ratur zu nutzen, interne Schulungen und das Qualitätsmanagement durchzuführen oder themenbezogene Veranstaltungen der Stadt Köln wahrzunehmen. Zudem gab jede fünfte der befragten Einrichtungen an, Broschüren oder anderes Infomaterial zum Thema Hitze zu nutzen (19 %). 6.2.2 Hitzebelastung und bauliche Gegebenheiten Auf die Frage, wie belastet sich die Mit- arbeitenden durch Hitze bei der Arbeit fühlen, antwortete mehr als die Hälfte der befragten Einrichtungen (17; 53,1 %), sich mittelmäßig belastet zu fühlen; ein Viertel gab an, deutlich belastet zu sein (8; 25 %), während eine von zehn Einrichtungen die gefühlte Hitzebelastung als gering kate - gorisierte. Viele Einrichtungen (10; 31,3 %) kommentierten, dass die subjektiv gefühlte Belastung von unterschiedlichen Faktoren abhinge, beispielsweise der Dauer und/ oder Temperatur der Hitzewelle, der (inner-) städtischen Lage der Einrichtung, der Kli - matisierung der Innenräume oder der Art und dem Ort der Tätigkeit innerhalb der Einrichtung (z. B. zusätzliche Hitzebelastung in der Küche). Die Hitzebelastung der Einrichtungen für die Bewohner*innen schätzten über die Hälfte der Einrichtungen (18; 56,30 %) als mittelmäßig ein, jede fünfte Einrichtung schätzte ihre Gebäude als für die dort Wohnenden als deutlich hitzebelastet ein (6; 18,8 %). Jede zehnte Einrichtung charak- terisierte sich selbst für die dort Wohnen - den (3; 9,40 %) als sehr hitzebelastet. Knapp die Hälfte der befragten Einrichtungen (14; 43,80 %) sahen die Hitzebelastung für die dort Wohnenden abhängig von unter- schiedlichen Faktoren, wie beispielsweise der Geschosshöhe der Unterbringung oder dem stark individuellen, oft reduzierten Temperaturempfinden älterer Personen. Auf die offene Frage nach den möglichen Ursachen für die Hitzebelastungen in ihren Einrichtungen nannten diese fehlen- des Anpassungsverhalten (5; 18,5 %), die Gebäudehöhe (4; 14,8 %), die Gebäudeaus- führung (Flachdach, fehlende Dämmung; 4; 14,8 %) und fehlende Klimaanlage/aktive Kühlung (5; 18,5 %) ähnlich häufig. Zu den weniger häufig genannten Faktoren gehö - ren eine erschwerte Durchlüftung (2; 7,4 %), fehlender Schatten (1; 3,7 %), fehlende Ver- dunkelungsmöglichkeiten (2; 7,5 %), Wärme- belastung durch die Gebäudeausrichtung und -lage (6; 22,2 %) sowie zu hohe Kosten bzw. zu hoher Arbeitsaufwand (4; 14,8 %) zur Reduzierung der Hitzebelastung. Mit einer Ausnahme verfügte jede der befragten Einrichtungen über einen Garten/ eine Grünanlage (31; 96,9 %). 114 6. Ergebnisse 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter Die Größe dieser Gartenanlagen liegt zwi - schen 400 m² und 6.000 m², die meisten umfassen 1.000 m² oder weniger. Sechs Einrichtungen gaben an über – teils über- dachte – (Dach-)Terrassen zu verfügen, die 16–100 m² groß sind. Weiterhin ver- fügen einige Einrichtungen über einen Hof oder ein Atrium. Etwa zwei Drittel der Einrichtungen (20; 62,5 %) bestätigen das Vorhandensein von Sitzmöglichkeiten in den Außenanlagen, die durch Sonnen - schirme, Mar kisen, Pavillons/Pergolen, Baumbestände, Teilüberdachungen oder den Gebäudeschatten beschattet wer- den. Neben Sitzmöglichkeiten werden die Außenanlagen von einigen Einrichtungen für Freizeitangebote im Freien genutzt. Zudem sind einige der Anlagen mit Wegen für Spa- ziergänge ausgestattet. Viele der Einrich - tungen charakterisierten die Nutzung der Gärten und Grünanlagen durch die Bewoh - ner*innen als umfassend und häufig. Drei Viertel (24; 75 %) der Einrichtungen bejahten die Frage, ob sich in ihrer unmittelbaren Nähe Grünanlagen befänden, in denen sich Bewohner*innen aufhalten könnten. Hinsichtlich der Frage zu einrichtungs- nahem Stadtblau teilten etwa zwei Drittel der Einrichtungen mit (20; 62,5 %), dass es eine Wasserstelle, das heißt einen Brun - nen, einen Bach, einen Teich oder Ähnli- ches in ihrer Einrichtung gäbe. Ein Drittel (12; 37,5 %) verneinte dies. Unter den Ein- richtungen kommentierten sechs (18,8 %), dass sich ein Teich auf ihrem Gelände befände. Drei Einrichtungen nannten einen Brunnen/ein Wasserspiel (9,4 %). Drei wei- tere beschrieben ein Regenauffangbecken (9,4 %). Etwa ein Drittel der Einrichtungen bejahte das Vorhandensein einer Wasser- stelle in Einrichtungsnähe. Sie führten den Blücherparkweiher (1; 3,1 %), den Rhein (3; 9,3 %), den Stadtwaldweiher (1; 3,1 %) sowie Teiche (1; 3,1 %), Brunnen/ Wasserspiele (2; 6,3 %) und ein Regenauf- fangbecken (1; 3,1 %) auf. Auf die offene Frage nach bereits beste - henden weiteren baulichen oder techni- schen Möglichkeiten zur Reduzierung der Hitzebelastung nannten drei Viertel der Einrichtungen (21; 75 %) die Ausstattung der Gebäude mit Rollläden/Außenjalousien. Mehr als jede dritte Einrichtung (11; 39,3 %) gab die Beschattung durch Sonnenschirme, Sonnensegel oder Markisen an. Jede dritte bis vierte Einrichtung führte Klimageräte (8; 28,6 %) oder Vorhänge (6; 21,4 %) an. Viele Einrichtungen (10; 35,7 %) besitzen Ventila- toren zur Reduzierung der Hitzebelastung. Eine Einrichtung nannte ein Belüftungssys- tem (1; 3,6 %); vier Einrichtungen (4; 14,3 %) gaben an, bisher über keine baulichen oder technischen Möglichkeiten zur Hitzevermei- dung zu verfügen. 6.2.3 Hitzeanpassung Hinsichtlich der Maßnahmen zur Hitzean - passung bejahten fast alle der befragten Einrichtungen (30; 93,3 %) die Frage, ob die Zimmer der dort Wohnenden nachts gelüftet würden. Hier kommentierten sechs Einrichtungen, dass dies individuell nach Absprache/Wunsch der dort Wohnenden erfolge. Schwierigkeiten oder Einschrän- kungen sah jeweils eine Einrichtung durch das Temperaturempfinden mancher dort Wohnenden (Kälteempfinden trotz Hitze) (1; 3,1 %) sowie potenziell nächtliche Ruhe- störung durch unruhiges Verhalten der Bewohner*innen bei geöffneten Fenstern und dadurch Konfliktpotenzial mit Anwoh- nenden der Einrichtung (1; 3,1 %). 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter 115 Weiterhin bestätigten mit einer Ausnahme alle befragten Einrichtungen (31; 96,9 %) die Möglichkeiten zur Verschattung der Zimmer der Bewohnenden. Fast alle Einrichtungen (31; 96,9 %) verneinten das Vorhandensein von Klimaanlagen in den Zimmern. Ein Großteil der Einrichtungen (25; 78,1 %) stellt keine klimatisierten Aufenthaltsräume für die Bewohnenden zur Verfügung. Nur jede fünfte Einrichtung (7; 21,9 %) gab an, darüber zu verfügen. Auf die Frage nach weiteren klimatisierten oder kühlen Räu- men für die Bewohnenden verwiesen drei Einrichtungen auf die Räumlichkeiten in den Erdgeschossen. Explizit nannten die Einrichtungen den Eingangsbereich/das Foyer (2), Cafeteria/Restaurant/Speisesäle (4), Kapelle (3) sowie Flure (1) als kühle bzw. klimatisierte Räume für Bewohnende. Jede zehnte Einrichtung (4; 12,5 %) verwies auf das Vorhandensein mobiler Klimageräte und Ventilatoren. Sechs Einrichtungen (6; 18,7 %) gaben an, über keine technisch klimatisier- ten oder kühlen Räume zu verfügen. Keine Einrichtung gab an, über Kühlwesten zur Versorgung der Bewohnenden zu verfügen. Alle befragten Einrichtungen (32; 100 %) bestätigten, auf das Trinkverhalten der Bewohner*innen an heißen Tagen beson- ders zu achten. Sechs Einrichtungen berichteten, dass sie die Bewohner*innen regelmäßig zur Flüssigkeitsaufnahme ani- mieren, beispielsweise durch zusätzliche Trinkrunden und/oder ein besonderes und/ oder ein gekühltes Getränkeangebot. Fast alle befragten Einrichtungen (30; 93,8 %) bejahten, an heißen Tagen Trinkprotokolle für Bewohner*innen zu führen. Hier kommentierten die meisten Einrich- tungen, dass das Trinkprotokoll abhängig von dem individuellen Bedarf der älteren Menschen nach Abschätzung der Pflege - fachkräfte erfolgt, das heißt je nach Allge - meinzustand, bestehenden Erkrankungen sowie allgemeinem Trinkverhalten. Eine Einrichtung verwies auf den Personalman- gel, der ein Trinkprotokoll ausschließlich bei ärztlicher Anordnung oder pflegerischer Erforderlichkeit erlaubt. Alle befragten Einrichtungen passen ihren Speiseplan in Hitzeperioden an. Über die Hälfte der Einrichtungen gab an, leichtere Kost (15; 71,4 %), Kaltschalen (12; 57,1 %), Eis (11; 52,4 %) und kühles Obst (11; 52,4 %) anzubieten. Jede fünfte Einrichtung achtet auf die Verpflegung mit wasserreicher Nah- rung (4; 6,6 %) oder Salaten (5; 23,8 %). Drei Einrichtungen (14,3 %) gaben an, den Spei- seplan um kühle Getränke zu ergänzen. Mit einer Ausnahme bejahten alle Einrich - tungen, an heißen Tagen auf eine leichte Bekleidung der Bewohnenden zu achten. Zwei Tagespflegeeinrichtungen merkten an, dass den ankleidenden Angehörigen durch das Pflegepersonal zu leichter Kleidung bzw. Wechselkleidung geraten werde. Zudem kommentierten zwei Ein- richtungen, dass die Bekleidung individuell mit den Bewohnenden abgestimmt werde. Außerdem kommentierte eine Einrichtung, insbesondere im Freien auf schützende Kopf bedeckungen zu achten. Zwei der Ein- richtungen verwiesen zusätzlich auf eine Anpassung der Bett wäsche. 116 6. Ergebnisse 6.2 Hitze als Thema in Betreuungs einrichtungen für Menschen im Alter Mit einer Ausnahme bejahten alle Ein- richtungen die Durchführung kühlender Waschungen oder weiterer kühlender Maß- nahmen (z. B. Fuß- oder Armbäder) mit den Bewohnenden. Drei Einrichtungen kom- mentierten, dies individuell nach den Wün - schen und Bedürfnissen der Bewohnenden abzustimmen. Neben feuchten Tüchern auf der Stirn und an den Handgelenken (2) sowie Handbädern (1) führten zwei weitere Einrichtungen das Aufstellen kleiner Was- serbecken für Fußbäder als kühlende Maß - nahmen an. Eine Einrichtung wies allerdings auf die seltene Inanspruchnahme kühlender Maßnahmen seitens der Bewohnenden trotz Angebot hin. Vier von fünf der befragten Einrichtungen (25; 78,1 %) gaben an, den Personalschlüs - sel in Hitzeperioden nicht anzupassen. Drei Einrichtungen kommentierten, dass der Personalmangel in der Pflege den Einsatz zusätzlicher Pflegekräfte kaum zulasse. Fünf andere Einrichtungen führten an, dass bei Bedarf und Möglichkeit Anpassungen der Wohnbereichs-/Tagespflegeleitungen erfolgen oder bei besonderen Anlässen/ext- remer Hitze Angehörige und Ehrenamtliche zusätzlich unterstützen. Auf die offene Frage nach Ideen für Präventionsmaßnahmen hitzebedingter gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei Bewohnenden nannten acht Einrichtungen die Kühlung der Innenräume durch Klima- anlagen und regten finanzielle Zuschüsse an. Weiterhin erwähnten Einrichtungen die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (2), Sonnenschutz (z. B. Schaffung von Schat- tenplätzen) (2), Kühlwesten (1), Schwimm- möglichkeiten (1) für die Bewohnenden sowie eine zusätzliche Begrünung der Anlage und Dächer der Einrichtung (1). 6.2.4 Medizinische und pflegerische Maßnahmen Die Hälfte der befragten Einrichtungen (15; 50 %) bestätigte, dass eine hitzebedingte Anpassung von Medikamenten in ärztlicher Absprache erfolge. Eine Einrichtung berich - tete, dass die Anpassung nach tempera - turspezifischer Medikamentenverordnung stattfinde. 13 Einrichtungen (40,6 %) gaben an, bisher keine hitzebedingte Anpassung von Medikamenten vorzunehmen. Die Einrichtungen kommentierten, eine hitze- bedingte Anpassung individuell nur nach Absprache mit den behandelnden Hau- särzt*innen vorzunehmen/zu empfehlen. Zwei Einrichtungen verwiesen darauf, dass viele der Bewohnenden bzw. ihre Ange- hörigen in Kontakt mit den Hausärzt*innen stehen. Als bei Bedarf häufig durchgeführte Maß - nahmen nannten zwei Einrichtungen die Erhöhung der Trinkmenge, Infusionen sowie die Reduktion von Diuretika. In zwei Drittel der befragten Einrichtungen (20; 62,5 %) erfolgt während Hitzeperioden eine engere Kontrolle eines Teils der Bewohnenden durch ihre Hausärzt*innen, in jeder zehn - ten Einrichtung (3; 9,4 %) durch die Haus- ärzt*innen aller Bewohnenden. 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln 117 Als weitere Anregung äußerte eine Einrich- tung den Wunsch, Hitzewarnungen gern per Fax erhalten zu wollen. Zudem schlug eine Einrichtung vor, ein stadt-/regioninternes Netzwerk zwischen den Einrichtungen ein - zurichten, über welches Frühwarnungen zu Hitze, Infektionen etc. kommuniziert bzw. geteilt werden könnten. 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln Bei lang anhaltenden Hitzeperioden ist der Aufenthalt an einem kühlen Ort am Tage sehr wichtig. Im städtischen Umfeld kommt dabei den vorhandenen öffentlichen Grün - flächen wie Parks, Wäldern und Friedhöfen eine besondere Bedeutung zu. Städtische Grünflächen (urban green spa - ces, UGS) sind definiert als alle in öffent - lichem Besitz befindlichen bzw. öffentlich zugänglichen Freiflächen mit einem hohen Grad an Vegetationsbedeckung, z. B. Parks, Wälder, Naturschutzgebiete und andere Grünflächen. Sie können sowohl einen gestalteten oder kulturellen als auch einen eher natürlichen Charakter haben. Die Nut - zung städtischer Grünflächen (UGS-Nut- zung) wird definiert als jede Art von Besuch einer städtischen Grünfläche, ohne auf die Dauer des Aufenthalts, den Grund des Besuchs oder die während des Besuchs ausgeübte Tätigkeit zu achten; z. B. wird auch der Durchgang auf dem Weg zu einem Ziel gezählt (Schipperijn et al. 2010). Stadtnatur reduziert Stress und fördert die körperliche Gesundheit. Grüne Infrastruk- tur in den Städten regt die dort lebenden Menschen zu mehr Bewegung an und trägt somit dazu bei, die körperliche Gesundheit zu steigern. Bewegungsmangel gehört zu den wesent- lichen Ursachen der nicht-infektiösen, durch die Lebensweise der Menschen in den entwickelten westlichen Gesellschaften bedingten Krankheiten. Alles, was Bewe - gung fördert, reduziert Übergewicht, Dia - betes und Bluthochdruck und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung. Neben einer Steigerung der Lebensqualität tragen Parks und Straßen - bäume dazu bei, Ängste, depressive Störun - gen, psychosomatische Beschwerden und andere psychische Störungen zu mindern (Spitzer 2019, WHO 2016). Für die Zielgruppe Menschen im Alter ist die stadtklimatische Qualität des grünen Aufenthaltsortes entscheidend. Prägende Faktoren sind das Vorhandensein von hohen Bäumen, die einen entsprechenden Schattenwurf aufweisen, und Blattwerk, das durch eine Verdunstungsleistung eine Kühlung des Umfeldes erzeugt. Zudem sind auch wichtige Faktoren wie Sitzbänke, Springbrunnen oder Trinkbrunnen ent- scheidend, um die Aufenthaltsqualität bei Hitzeereignissen zu steigern. Aufgrund von altersbedingten Mobilitätseinschränkungen spielt für Menschen im Alter die fußläufige Erreichbarkeit von städtischen Parks eine besondere Rolle (Artmann et al. 2017). Zur Konkretisierung und weiteren Priorisie- rung der Maßnahmenliste im Kölner Hitze - aktionsplan für Menschen im Alter ist es sinnvoll, Daten zur Bevölkerungsverteilung und -entwicklung sowie zu hitzebelasteten Siedlungsbereichen im Stadtgebiet aus - zuwerten. Gerade für Menschen mit einer eingeschränkten Mobilität ist das nähere, fußläufig erreichbare Umfeld wichtig. 118 Zugang von Einwohnenden über 80 Jahren zu Grünflächen Distanz zu Grünflächen > 80-jährige < 160 m 160–240 m 240–320 m 320–400 m > 400 m Abbildung 6.34: Dargestellt ist die fußläufige Distanz/Erreichbarkeit von Grün flächen auf Basis der Sta - tistischen Quartiere für die Altersgruppe der über 80-Jährigen unter Berücksichtigung der Verteilung der Wohn adressen dieser Altersgruppe im Stadtraum. Datengrundlage: Einwohnerdaten 2020 und Statistische Quartiere: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Stadtkarten: Stadt Köln. 6. Ergebnisse 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln 119 Die Ist-Analyse der Infrastrukturen im näheren Umfeld kann als Grundlage für eine Bedarfsplanung herangezogen werden, um eine nachhaltige Stadtentwicklung und Bauleitplanung voranzubringen. Zudem zeigt die Analyse relevanten Handlungsbedarf auf räumlicher Ebene auf und hilft, gezielt Maßnahmen im Bestand zu verorten. In Planungsvorhaben sollte zusätzlich zum Erhalt und zur Schaffung von städtischen Parks auch deren fußläufige Erreichbarkeit („walka - bility“) insbesondere durch Menschen 65+ berücksichtigt werden. Dieser Ansatz wird auch durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verfolgt. Unter dem Motto „niemanden zurücklassen“ wird das Ziel formuliert, allgemeinen Zugang zu sicheren, inklusiven und leicht zugänglichen grünen und öffentlichen Räumen zu schaffen, insbesondere für Frauen und Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinde - rungen. Die durchgeführte räumliche Analyse zur Erreichbarkeit von Grünflächen in der Stadt Köln liefert wichtige Informationen zu die - sem Faktor, durch den Hitzebelastung reduziert werden kann. Abbildung 6.34 weist quartiersweise gemittelt in 5 Klassen die Dis- tanz aus, die eine über 80-jährige Person von ihrer Wohn adresse zu einem Park zurückzulegen hat. Eine deutliche Häufung von Wege - beziehungen von über 400 Metern zeigt sich linksrheinisch in der dicht bebauten Kernstadt vom Rhein bis zum äußeren Grüngürtel. Dies betrifft u. a. die Zentren von Rodenkirchen, Sürth und Lövenich. Rechtsrheinisch sind die betroffenen Quartiere über alle Stadtbe - zirke verteilt. Besonders ungünstig ist die Situation in den Zentren von Deutz, Mülheim, Porz und Kalk. Im Stadtbezirk Chorweiler muss eine über 80-jährige Person hingegen keine langen Wege zur nächsten Grünfläche zurücklegen. 120 Weite und nahe Wege von Einwohnenden über 65 Jahren zu Grünflächen Wege über 400 m Wege unter 160 m Abb. 6.35: Dargestellt sind die Statistischen Quartiere mit dem kürzesten und den weitesten fußläufigen Wegen zu Grün flächen für die Altersgruppe der über 65-Jährigen unter Berücksichtigung der Verteilung der Wohn adressen dieser Altersgruppe im Stadtraum. Datengrundlage: Einwohnerdaten 2020 und Statistische Quartiere: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Stadtkarten: Stadt Köln. 6. Ergebnisse 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln 121 Abbildung 6.35 stellt die fußläufige Erreichbarkeit von öffentlich zugänglichen Grünflächen für die Altersgruppe 65+ dar. Angegeben ist die jeweils für die Statistischen Quartiere gemittelte Wegstre - cke von der Wohnung zum nächstgelegenen Parkeingang. Darge - stellt sind besonders weite Wege mit einer Strecke von mehr als 400 Metern und besonders kurze Wege mit einer Länge von unter 160 Metern. Dabei wird deutlich, dass kurze Wegstrecken zu Parks nicht nur in den weiter vom Stadtzentrum entfernt gelegenen Quartieren auftreten (z. B. Chorweiler– Turkuplatz, Bilderstöckchen – Heinrich-Pesch-Str. Langel (lrh.)–Rheinkassel, Libur, Kölnberg), sondern auch in der Innen stadt (z. B. Fachhochschule Deutz–Messe, Gereons-Viertel–Klingelpützpark). Auffällig sind die nebeneinander liegenden Quartiere nördlich der Aachener Straße in Braunsfeld, Ehrenfeld, Bickendorf, die jeweils eine weite Entfernung von über 400 Metern zu einer Grün fläche aufweisen. 122 6. Ergebnisse 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln Abbildung 6.36 zeigt, in welchen Statisti - schen Quartieren die Einwohnenden Wege von über 400 Metern zu Grünflächen zurücklegen müssen. Gleichzeitig sind über 60 Prozent der Einwohnenden über 65 Jahren dieser Quartiere (sehr) hoch hitzebelastet. Die Hitzebelastung wurde anhand der höchsten Hitzeklassen der Planungshin - weiskarte Hitze (Klassen 1 und 2) definiert. Auffällig ist die Häufung kritischer Bereiche in den linksrheinischen Quartieren nördlich der Aachener Straße (Innenstadt, Ehrenfeld, Braunsfeld, Bickendorf). Hot Spots Abb. 6.36: Fußläufige Erreichbarkeit von Grün flächen für die Altersgruppe der über 65-Jährigen unter Berücksichtigung der Verteilung der Wohn adressen dieser Altersgruppe im Stadtraum. Dargestellt sind Statistische Quartiere, welche der weitesten Distanzklasse angehören und in denen zusätzlich mindestens 60 % der Altersgruppe 65+ gemäß Planungshinweiskarte Hitze (2013) hoch bzw. sehr hoch hitzebelastet sind. Datengrundlage: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2020. Planungshinweiskarten Hitze: Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt 2013. Stadtkarten: Stadt Köln. Hot-Spot-Analyse: Weite Wege zu Grünflächen in Kombination mit (sehr) hoher Hitzebelastung der Gruppe 65 + 6.3 Erweiterte Vulnerabilitätsanalyse: Erreichbarkeit von Grünflächen in Köln 123 Hier zeichnen sich mehrere, zusammenhän - gende Quartiere durch diese Mehrfachbe - lastung aus. Die Einwohnenden haben nicht die Möglichkeit, sich bei Hitzeereignissen in nahe gelegene, öffentlich zugängliche Grünflächen zu begeben, ohne weitere Stre - cken bewältigen zu müssen. Das Leitbild der „Stadt der 15 Minuten“ kommt aus dem stadtplanerischen Kontext und sieht vor, dass alle wichtigen Anlaufstellen für die Ein - wohnenden innerhalb von rund 15 Minuten erreichbar sein sollen, ohne dass sie das Auto nutzen müssen. Es beschreibt, dass in der Stadt für alle Ein - wohnenden Lebensmittelgeschäfte, haus - ärztliche Versorgung, Erholungsräume und Schulen in einer Entfernung von 3 bis 4 km mit dem Rad oder 1 bis 1,5 km zu Fuß vom Wohnort aus erreichbar sein sollen. Zu den Städten, die dieses Konzept bereits umge - setzt haben, gehören Bocholt (D), Nantes (F), Paris (F), Oslo (NOR) und Madrid (E). Für die Bewertung, wie weit eine 80-jährige Person in 15 Minuten gehen kann, ist nicht allein das biologische Alter maßgeblich, sondern auch die gesundheitliche Verfas - sung und/oder Vorerkrankungen. Darüber hinaus spielt auch die gefühlte Entfernung eine Rolle. So hat die Untersuchung von Bjerke, T. et al. (2006) zur Patientenerreich- barkeit von Gesundheitseinrichtungen erge- ben, dass neben der rein physischen Entfer- nung auch die gefühlte Reichweite aus Sicht von Patient*innen eine Rolle spielen kann. Auf der Basis der Analyse kann in den Sta - tistischen Stadtquartieren Handlungsbedarf aufgezeigt werden. Die in diesem Projekt für Menschen im Alter in Köln erstellten Analysen zur Erreichbar- keit von Grün flächen geben wichtige, empi- risch abge sicherte Hinweise auf Hot-Spot- Gebiete mit weiterem Handlungsbedarf zur Schaffung von öffentlich zugänglichen Grünflächen im Rahmen der Stadtplanung und Stadt entwicklung. Auf der Ebene der Bauleitplanverfahren können entsprechende Festsetzungen getroffen werden. Im Rahmen von Stadt- entwicklungskonzepten, zum Beispiel im Rahmen von Städtebauförderprojekten wie EFRE-Förderungen, können Fokusräume identifiziert und einbezogen werden. Zur Festlegung von konkreten Maßnahmen sind weitere Auswertungen der Hot-Spot- Gebiete auf Detailebene erforderlich. Die Zugänge zu öffentlichen Parks wurden bei der vorliegenden Auswertung durch Luftbildauswertungen und Ortsbegehungen identifiziert. Mögliche lokale „Trampelpfade“ und innerhalb von Wohnanlagen vorhan- dene sogenannte „Pocket-Parks“ sind mög- licherweise nicht erfasst worden. Schon sehr kleine Pocket-Parks zwischen den Wohngebäuden können einen schatti- gen Aufenthalt bei Hitzeereignissen bieten, wurden aber in der Auswertung nicht als Park definiert. Hier ergibt sich ein Ansatzpunkt für eine weitere detailliertere Auswertung. Auch die Verteilung und Anzahl der Wohnadressen in den Statistischen Quartieren sind nicht in der Auswertung betrachtet worden. 124 6. Ergebnisse 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln Die Erstellung eines Hitzeaktionsplans sowie die Umsetzung von hitzepräven- tiven Anpassungsmaßnahmen ist eine Querschnittsaufgabe und setzt die Zusammen arbeit unterschiedlicher Akteur*innen voraus. Das Akteur*innennetzwerk des Hitze - aktionsplans für Köln setzt sich aus den Bereichen Stadtverwaltung, Wissenschaft, Pflege und Gesundheitswesen, Landes- und Bundesbehörden, Zivilgesellschaft und Netzwerke, Politik sowie städtische Unter- nehmen und Stadtwerke zusammen. Zu jeder dieser Gruppen gehören Akteur- *innen, die eine bestimmte Funktion oder Aufgabe besitzen. Aufgrund der verschie - denen Rahmenbedingungen war die Bereit- schaft zur Zusammenarbeit unterschiedlich ausgeprägt. So engagierten sich besonders ehrenamtliche Akteur*innen der Zivilgesell- schaft und brachten sich entsprechend den persönlichen Möglichkeiten intensiv bei der Umsetzung von Maßnahmen ein. Die Ärzte - schaft stellte demgegenüber, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der COVID-19-Pan- demie, nur eingeschränkte Kapazitäten für eine intensive Zusammenarbeit zur Verfügung. Für die Umsetzung des Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter wichtige Organisatio - nen bzw. Institutionen werden im Folgenden kurz beschrieben. Stadtverwaltung Amt für Soziales, Arbeit und Senioren Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es Aufgabe des Amtes, die Leistungen und Angebote für ältere Menschen und Menschen mit Behin - derungen weiter zukunftssicher auszurich- ten. Damit das Leitbild „Seniorenfreund - liches Köln“ auch zukünftig trägt, werden Struktur und Inhalte der Senior*innenförde - rung unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen und im Kontext der gesetzlichen Anforderungen kontinuierlich konzeptionell weiterentwickelt. Seniorenberatung Die Seniorenberatung bietet unabhän- gige, vertrauliche und überkonfessionelle Informationen, Beratung, Hilfen bei Behör- denangelegenheiten, Vermittlung ambu- lanter Hilfen und vieles mehr an. Mit den Beratungsstellen für ältere Bürger*innen in Köln ist ein vielfältiges, frühzeitiges und kos- tenloses Beratungsangebot zu Themen wie zum Beispiel Wohnen im Alter, ambulante und stationäre Pflege, Ansprüche gegen - über Kranken- und Pflegekasse geschaffen worden. 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln 125 Abb. 6.37: Darstellung des Akteur*innennetzwerks des HAP-Köln Senioren - vertretungen Bezirksver- tretungen Ratsausschüsse (Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün; Gesundheitsausschuss) Politik UBA, BBSR Landeszentrum Gesundheit NRW Umweltministerien (BMU, MULNV) DWD LANUV Landes- und Bundesbehörden Kölner Verkehrs- Betriebe AG (KVB) Stadtentwässerungs- betriebe (StEB) RheinEnergie AG Städtische Unternehmen/ Stadtwerke Apotheken Pflegedienste Krankenhäuser Sozial-Betriebe-Köln Pflegeheime und Senioreneinrichtungen Wohlfahrts verbände; „Liga Wohlfahrt Köln“ Pflege und Gesundheitswesen Ärzt*innen Universitäten Forschungsinstitute/ Forschungseinrichtungen z. B. Difu Universitätskliniken (GeoHealth Centre Bonn; Zentrum für Geriatrie und Gerontologie) Wissenschaft Vereine Gemeinden Senior*innen - netzwerke Zivilgesellschaft und Netzwerke Senioren - beratung Berufsfeuerwehr, Amt für Feuerschutz, Rettungsdienst und Bevölker ungsschutz Senioren - koordination Stadt magazin Kölner Leben Amt für Soziales, Arbeit und Senioren Koordinationsstelle Klimaschutz Umwelt- und Verbraucherschutzamt Gesundheitsamt Amt für Stadt entwicklung und Statistik Sozialraum - koordination Amt für Landschaftspflege und Grünflächen Stadtplanungsamt Stadtverwaltung 126 6. Ergebnisse 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln Die Seniorenberatung ist in den Außenstel- len des Sozialamtes in den Stadtbezirken oder auch an den Standorten der folgenden Wohlfahrtsverbände zu finden: • Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Köln e. V. • Diakonie gemeinnützige GmbH Köln und Region • Caritasverband für die Stadt Köln e. V. • Der Paritätische in Köln • Deutschen Rotes Kreuz • Synagogen-Gemeinde Köln für jüdische Mitbürger*innen • Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. • Arbeiter-Samariter-Bund e. V. Seniorenkoordination Die Seniorenkoordination arbeitet auf struk- tureller Ebene mit allen Akteur*innen jedes Stadtbezirks zusammen. Sie unterstützt deren Vernetzung und Zusammenarbeit und schafft Transparenz bei den vorhandenen Angeboten und Hilfen in den Stadtbezirken. Dabei deckt sie neue Bedarfe und Entwick - lungen auf und meldet diese an die Fach - planung der Stadt Köln zurück. Die Senio - renkoordination wird im Auftrag der Stadt Köln durch die Wohlfahrtsverbände und die Sozial-Betriebe-Köln (SBK) umgesetzt. Sozialraumkoordination Im Rahmen des Programms „Lebenswerte Veedel – Bürger- und Sozialraumorientie- rung in Köln“ ist in den Sozialraumgebieten je ein*e Sozialraumkoordinator*in tätig. Die bestehenden Hilfen und Angebote sol- len bestmöglich miteinander vernetzt sowie bedarfsgerecht und wirkungsvoll ausge - richtet werden. KölnerLeben Das Stadtmagazin KölnerLeben bindet Menschen ab 55 Jahren aktiv in das gesell- schaftliche, kulturelle und soziale Leben der Stadt ein. Das Magazin ist offizieller Bestandteil des Beratungskonzeptes für ältere Menschen der Stadt Köln. Ein Redak- tionsteam der Stadt Köln, das zum Amt für Soziales, Arbeit und Senioren gehört, ist verantwortlich für die Redaktion und bietet journalistisch aufbereitete Inhalte zu aktuellen Themen. Die Zeitung ist ein wichtiger Multiplikator, um das Thema Hitze in der Stadt und gesundheitliche Präven- tionsmaßnahmen für Menschen im Alter bereitzustellen. Feuerwehr und Rettungsdienste Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerweh - ren sowie weitere Rettungsdienste sind wichtige Akteure im Kontext von Hitzebe- lastung alter Menschen, da sie oft als Erste gerufen werden, wenn gesundheitliche Pro- bleme und Notsituationen auftreten. www.stadt-koeln.de/service/ produkt/seniorenberatung-2 www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/ soziales/senioren/seniorenberatung- hilfe-den-stadtbezirken www.stadt-koeln.de/ politik-und-verwaltung/presse/ seniorenkoordination-den- stadtbezirken www.koelnerleben-magazin.de sozialraumkoordination.koeln 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln 127 Wissenschaft Forschungseinrichtungen, insbesondere der Fachgebiete Public Health, Öffentliche Gesundheit, aber auch Allgemeinmedizin, die in der Stadt Köln und auch in der Region an den diversen Hochschulen vertreten sind, können eine wichtige Rolle bei der Entwick- lung und Evaluation von Interventionen spie- len. Zudem tragen sie neue Erkenntnisse als akademische Lehreinrichtungen zu ihren Studierenden. Pflege und Gesundheitswesen Sozial-Betriebe-Köln Im Mittelpunkt der Arbeit der Sozial-Betrie - be-Köln gemeinnützige GmbH (SBK; eine Tochtergesellschaft der Stadt Köln) steht die Bereitstellung von Wohn- und Pflege - angeboten für ältere Menschen sowie von vielfältigen Wohn- und Arbeitsangeboten für Menschen mit Beeinträchtigung. Ergänzt und flankiert werden diese durch nieder- schwellige Service- und Beratungsangebote für beide Zielgruppen. Träger der freien Wohlfahrtspflege Unter Freier Wohlfahrtspflege werden alle Dienste und Einrichtungen verstanden, die sich in freigemeinnütziger Trägerschaft befinden und sich in organisierter Form im sozialen Bereich und im Gesundheitswesen betätigen. Sie arbeiten unabhängig und partnerschaftlich mit den öffentlichen Sozi - alleistungsträgern zusammen mit dem Ziel einer sinnvollen und wirksamen Ergänzung von sozialen Angeboten zum Wohle der Hilfesuchenden. Die „Liga Wohlfahrt Köln“ ist ein Zusam- menschluss der sechs Verbände der Freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Cari - tas, Der Paritätische, Diakonisches Werk, Deutsches Rotes Kreuz, Synagogen-Ge - meinde). Die Weiterentwicklung der sozia- len Arbeit und die Sicherung bestehender Angebote innerhalb und außerhalb der Kölner Verbände bilden den Grundstein des gemeinsamen gesellschaftspolitischen Engagements. Sie betreiben und initiieren Projekte in der Sozial-, Jugend- und Seni - or*innenarbeit und fördern das bürger- schaftliche Engagement, den Zusammen - halt und die Chancengerechtigkeit. Arbeitsgemeinschaft Offene Senior*innenarbeit Die sechs Verbände der „Liga Wohlfahrt Köln“ haben gemeinsam mit den SBK die Arbeitsgemeinschaft Offene Senior*in - nenarbeit gegründet, um ihre Angebote miteinander zu koordinieren und abzustim- men. Ein Träger hat jeweils für ein Jahr die Federführung. Dieser Kreis konnte als wich - tiger Multiplikator für den Hitzeaktionsplan gewonnen werden. Pflegedienste Ambulante Pflegedienste unterstützen Pfle - gebedürftige und ihre Angehörigen bei der Pflege zu Hause. Sie bieten Familien Unter- stützung und Hilfe im Alltag, damit pfle - gende Angehörige zum Beispiel Beruf und Pflege sowie Betreuung besser koordinieren und organisieren können. www.sbk-koeln.de www.liga.koeln 128 6. Ergebnisse 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln Das Leistungsangebot des ambulanten Pflegedienstes erstreckt sich über ver - schiedene Bereiche. Dies sind vor allem körperbezogene Pflegemaßnahmen, pfle - gerische Betreuungsmaßnahmen, häusliche Krankenpflege sowie Beratung der Pfle - gebedürftigen und ihrer Angehörigen. Die ambulante Pflege ermöglicht Betroffenen, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. In Köln bietet eine Vielzahl an Organisatio - nen Leistungen der ambulanten Pflege an. Haushaltsnahe Dienstleistungen / präventive Hausbesuche Das Amt für Soziales, Arbeit und Senio - ren bietet in Kooperation mit der Freien Wohlfahrtspflege Köln und den SBK für Menschen ab 75 Jahren eine kostenlose, qualifizierte, unabhängige und vertrauliche Beratung zu Hause an. Für die Hausbesuche für ältere Menschen gibt es in jedem Stadt - bezirk eine Ansprechperson. Die Berater*in - nen vermitteln wenn nötig unterstützende Hilfen, damit ein Leben in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich sichergestellt werden kann. Apotheken Apotheken stellen für Menschen im Alter oft die erste Anlaufstelle dar, wenn es um gesundheitliche Fragen geht, weil sie oft wohnortnah erreichbar sind, dem Apothe - kenpersonal in der Regel großes Vertrauen entgegengebracht wird und zudem während der Öffnungszeiten das Prinzip der offenen Tür besteht. Eine weitere wichtige Funktion von Apothe- ken, die immer wieder diskutiert und ange - führt wird, ist ihre mögliche Funktion als „Cooling Center“ bei Hitzewellen. Ärzt*innen Die Hausärzteschaft hat eine zentrale Bedeutung bei der ambulanten medizini- schen Versorgung älterer Menschen. Ihnen kommt eine wichtige, vermittelnde Funktion zwischen Hitzeaktionsplanung und der Ziel- gruppe zu. Insofern ist es für die Umsetzung eines Hitzeaktionsplans sehr wichtig, die Hausärzteschaft einzubinden. Dies kann über die Kassenärztliche Vereinigung, aber auch über andere Zusammenschlüsse gelin - gen wie den Hausärztebund oder die von Ärzt*innen gegründete und getragene Deut- sche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG) oder KlimaDocs e. V. – Ärzt*in- nen für den Klimaschutz mit Sitz in Köln. Landes- und Bundesbehörden Bei den Umwelt- und Gesundheitsbehör- den des Landes (LANUV, LZG) ebenso wie des Bundes (UBA, RKI) findet sich große Expertise für zahlreiche Fragen im Zusam - menhang mit Klimawandel, Hitzebelastung und Gesundheit. Es ist sehr sinnvoll, diese Expertise in geeigneter Weise, zum Beispiel durch die Schaffung eines wissenschaftli - chen Beirats, zu gewinnen und einzubinden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese Institutionen bzw. ihre ausgewiesenen Sach- verständigen sich nur sehr eingeschränkt auf kommunaler Ebene einbringen können. www.stadt-koeln.de/artikel/63972 6.4 Identifikation von Akteur*innen und Multiplikator*innen bei der Stadt Köln 129 Zivilgesellschaft und Netzwerke Senioren-Netzwerke In den Senioren-Netzwerken gehen die älteren Kölner*innen aktiv und produktiv ihren Interessen nach. Seit 2002 entstan - den in vielen Veedeln Nachbarschaftscafés, Wander- und Fahrradgruppen, Heimwerker- dienste und weitere Angebote. Ziele sind die Verbesserung der Lebenswelt von älteren Menschen sowie Angebote im Bereich Gesundheit, Gesellschaft, Kultur und Bildung zu erhalten oder zu entwickeln. Mittlerweile sind es über sechzig Netzwerke (ca. 30 selbstorganisiert und 30 mit Unter- stützung von hauptamtlichen Kräften), die das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden etabliert hat. Vereine und Gemeinden Auch die großen Religionsgemeinschaften bieten vielfältige Angebote für ältere Men - schen an und stellen damit eine weitere wichtige Säule der regionalen Akteur*innen dar. Dies trifft ebenfalls für die breite Ver- einslandschaft zu, in der Gleichgesinnte zu den vielfältigsten Interessen und Themen zusammenkommen und aktiv werden. Politik Stadtarbeitsgemeinschaft Seniorenpolitik Die Stadtarbeitsgemeinschaft Seniorenpo - litik berät den Rat, seine Ausschüsse, die Bezirksvertretungen und die Verwaltung im Vorfeld von Entscheidungen zu Fragen, die ältere Menschen betreffen. Seniorenvertretung Köln (SVK) Die Seniorenvertretung Köln (SVK) ver- tritt die Interessen der älteren Generation gegenüber politischen Gremien und Einrich - tungen, die für Senior*innen wichtig sind. Sie stellt Kontakte her zu den zuständigen Stellen der Stadt- und Bezirksverwaltung, zu den Wohlfahrtsverbänden und zu allen weiteren Organisationen. Sie berät in allen für ältere Menschen relevanten Angelegen - heiten und unterstützt persönliche Anliegen mit Rat und Tat. Die Seniorenvertretung ist in den Arbeitsgemeinschaften Seniorenpoli - tik sowohl in den Stadtbezirken als auch auf gesamtstädtischer Ebene tätig und in den meisten Fachausschüssen des Rates. Städtische Unternehmen und Stadtwerke Stadtwerke Köln Die Stadtwerke Köln GmbH (SWK) bietet der Bevölkerung Kölns ein breites Angebot an Dienstleistungen rund um Energie und Was- ser, Mobilität, Sauberkeit und Abfallentsor- gung, Gütertransport, Telekommunikations- leistungen sowie Sport und Freizeit. Bei der Leistungserbringung ist der Hitzeschutz der Sachverständigen eine nicht zu vernachläs- sigende Anforderung. www.seniorennetzwerke-koeln.de www.stadt-koeln.de/artikel/70233/ www.stadt-koeln.de/politik-und-ver - waltung/ausschuesse-und-gremien/ seniorenvertretung-der-stadt-koeln 130 6. Ergebnisse 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen RheinEnergie AG Als Trinkwasserversorger sieht die Rhein- Energie AG die Information und Aufklärung über den richtigen und gesundheitsgerech - ten Konsum von Trinkwasser und die Trink- wasserqualität als ihre Aufgabe an. Daher ist sie auch Projektpartner des HAP- Köln. Kölner Verkehrsbetriebe AG Die Kölner Verkehrsbetriebe AG (KVB) betreibt den öffentlichen Personennahver- kehr der Stadt Köln. Informationen können über die Werbeflächen der Busse und Bah - nen sowie über die elektronischen Anzei - getafeln verbreitet werden. Die KVB stellt zudem auch klimatisierte Fahrzeuge als Hitzeschutz für die Fahrgäste zur Verfügung. Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB Köln) Die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) Köln engagieren sich für blau-grüne Infra- struktur und liefern auf diese Weise einen langfristigen Beitrag zum klimawandelge- rechten Umbau des öffentlichen Raums. 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen Die oben genannten Akteur*innen in die Arbeit am Hitzeaktionsplan der Stadt Köln zu integrieren, war eines der wichtigsten Ziele des Projekts. Hierfür wurden ver- schiedene trisektorale, aber auch interkom - munale Vernetzungstreffen durchgeführt. Außerdem wurden die Akteur*innen regel- mäßig per Rundbrief über den aktuellen Projektstand sowie weitere wichtige Infor- mationen im Zusammenhang mit Hitze und Gesundheit informiert. 6.5.1 Trisektorale Vernetzung – Fachworkshop (Kick-off-Meeting) Früh - jahr 2019 Das erste Vernetzungstreffen diente dazu, sich als Projektteam bei den geladenen Akteur*innen vorzustellen, die Fragestellung, die Ziele und die Herangehensweise des Projekts „HAP-Köln“ darzustellen und erste Ideen zu sammeln. Für das Hintergrundwis- sen sorgten drei Impulsvorträge: • Herr Dr. Hans-Guido Mücke, Umweltbun- desamt: „Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit“ • Frau Kerstin Conrad, ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH Dortmund: „Summer in the City - Empiri - sche Befunde zum Erleben und Verhalten älterer Menschen bei Hitze“ • Frau Dr. Alina Herrmann, Kurpfalzkran- kenhaus Heidelberg und Uniklinikum Heidelberg: „Die Rolle von medizinischem Personal beim Schutz älterer Menschen in Hitzewellen“ In daran anschließenden aktiven Work- shop-Phasen wurden an drei Thementi - schen (I. Hitzeaktionsplan; II. Maßnahmen und Best Practice und III. Information und Kommunikation) unterschiedliche Leitfra- gen bearbeitet. Bei den Ergebnissen handelt es sich um Ideen und Vorschläge der Teilnehmenden, die anschließend diskutiert wurden. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass das Pflegepersonal in Langzeitpflegeeinrichtun - gen bzgl. der Themen Hitze und Gesundheit bereits viele eigene Ideen aus der Praxis hat. 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen 131 Außerdem wurde deutlich, dass die perso - nellen Engpässe während der Sommermo - nate problematisch sind, da der Mehrbedarf an Arbeitskräften gerade während Hitzewel- len aufgrund von erhöhter Urlaubsabwesen- heit oft nicht gedeckt werden kann. Ein weiterer interessanter Punkt war der Austausch der Akteur*innen zur Erreich- barkeit der Menschen im Alter. Hier wurde auf bereits bestehende Senior*innen-Netz - werke, Kirchengemeinden und Nachbar- schaftshilfen hingewiesen. Dennoch gestaltet sich die Umsetzung häu- fig schwierig, da bestimmte Routinen zum Beispiel in Pflegeheimen nicht kurzfristig bei Hitzeperioden angepasst werden kön - nen. Speisepläne werden beispielsweise bereits 6 Wochen im Voraus geplant und lassen sich für die hohe Anzahl an Men - schen 65+ nicht kurzfristig ändern. Als Chance sollten Erfahrungen von Menschen aus „heißen“ Herkunftsländern genutzt und diese auf die deutsche Lebensweise über- tragen werden. Angepasste Öffnungszeiten bei der Mittagshitze wäre ein Beispiel. Als weiteres Ergebnis wurde festgehalten, dass eine Vernetzung nicht nur innerhalb der jeweiligen Stadt, sondern auch inter- kommunal sinnvoll ist, um sukzessiv einen flächendeckenden Hitzeaktionsplan für Deutschland etablieren und sich unter- einander vernetzen und austauschen zu können. Daraus entstand die Idee für den Städtedialog Hitzeanpassung. Akteursworkshops Im Frühjahr 2021 fanden drei Akteurs- workshops zum Austausch mit lokalen Akteur*innen statt. Unter den jeweils ca. 20 Teilnehmenden auf operativer Ebene waren verschiedene Akteur*innen aus den Bereichen Stadtverwaltung und Stadtwerke Köln, Wissenschaft, Ärzteschaft, Senioren - vertretung und weiteren zivilgesellschaft- lichen Netzwerken vertreten. Gemeinsam wurden relevante Prozesse sowie nützliche Informationen erfasst, die zur Erstellung eines Hitzeeinsatzplanes für die Stadt Köln und eines Köln-spezifischen „Hitzeknigge“ bedeutsam sind. Im ersten Workshop standen die Vernet- zung der verschiedenen Akteur*innen und die Sensibilisierung für das Thema Hitze im Vordergrund. Neben der Projektvorstellung wurden maßgebliche Akteur*innen für die Erstellung eines Hitzeeinsatzplans erfasst und die Ist-Situation erhoben. In zwei Arbeitsgruppen wurden Maßnah - men mit hohem Praxisnutzen identifiziert. So wurden beispielsweise Maßnahmen mit einem hohen Aufwand genannt, wie Trinkwasserbrunnen, Stadtbegrünung und Verschattungssysteme. Zu den genannten Maßnahmen mit geringem Aufwand zählen verschiedene Vernetzungs- und Öffentlich- keitsarbeiten sowie angepasste Informati- onsmaterialien, die zur Sensibilisierung für Hitze helfen. Anschließend kamen erste Schwierigkeiten und Hemmnisse zur Sprache. Zu den wich - tigsten Punkten gehören die Erreichbarkeit und Sensibilisierung der Menschen im Alter und die mangelnden Ressourcen (personell, finanziell). 132 6. Ergebnisse 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen Bei der Analyse der Ergebnisse des ersten Akteursworkshops wurde deutlich, dass im gesamten Stadtgebiet einerseits und in den Veedeln andererseits unterschiedliche Maßnahmen benötigt werden (Abb. 6.38). Dieser Ansatz wurde im zweiten Workshop aufgegriffen und diente der Konkretisie- rung sowie Ergänzung bisher identifizierter Maßnahmen. Für die Hitzeeinsatzplanung in Köln sollen ausgewählte Maß nahmen als zentrale Ele- mente konkretisiert werden und somit eine breite Basis für die gemeinsame Umsetzung eines Hitzeeinsatzplans geschaffen werden. Die Aufgabe der Akteur*innen war es, zu benennen, wann sie welche Maßnahmen zur Hitzeprävention umsetzen wollen bzw. wie sie diese in die tägliche Arbeit integrieren und zu ihrer Umsetzung beitragen können. Dabei sollte zwischen mittel- / langfristi- gen Maßnahmen („vor dem Sommer“) und kurz fristigen /akuten Maßnahmen wäh - rend der Hitzeereignisse sowie zwischen stadtweiten Maßnahmen und Maßnahmen für einzelne Veedel unterschieden werden. Anschließend erfolgte eine Priori sierung der Maßnahmen durch die Teilnehmenden des Akteursworkshops. Das Ergebnis zeigt, dass der Fokus in den Veedeln auf Sensibilisierungsmaßnah- men und stadtweit auf Öffentlichkeitsar- beit / Veranstaltungen, Akteur*innennetz- werken sowie auf gepflegten öffentlichen Toiletten liegt (siehe Abb. 6.39). Dabei wurde von den Beteiligten darauf hingewie- sen, dass es bereits ausreichende Wege der Informationsweitergabe gibt. So können beispielsweise bereits bestehende Web- seiten, Zeitschriften oder Telefonhotlines genutzt werden. Abb. 6.38: Differenzierung der Maßnahmen: Stadtweit und Veedel (eigene Darstellung). Veedel Stadtweit Cooling Center Sensibilisierung Ernährung Quartiers- konzepte Ventilatoren Verbreitung Informations- material Sensibilisierung des sozialen Netzes Ansprechen von Gewerbe - betreibenden Aktives Hitzetelefon Nette Toilette Projektsong „Drinke“ Bekanntmachung DWD-Newsletter Akteur*innen- Netzwerk Senior*innen- Website Öffentlichkeits- arbeit auf Veranstaltungen KVB- Laufband Unter- stützende Dienste Netzwerk- aufbau Integration von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen 133 Das Ziel des dritten Workshops war neben der Vervollständigung der Elemente des Hit- zeeinsatzplans mit Aufgaben- und Zustän - digkeitsverteilung der Akteur*innen sowie einem möglichst geeigneten Umsetzungs - zeitraum der einzelnen Maßnahmen die Diskussion zur Erstellung des „Hitzeknigge“. Hierzu wurden erste Ideen für eine lokal adaptierte Informationsbroschüre erarbeitet (siehe Maßnahme „Hitzeknigge“). Als Idee wurde genannt, die Broschüre mit stadt- weiten Informationen an zentralen „Sam- melpunkten“, wichtigen Institutionen und kühlen Standorten auszulegen. Als weitere Möglichkeit wurde genannt, die Inhalte der Broschüre nach Stadtbezirken zu gliedern. Für den Hitzeeinsatzplan stellte das Pro - jektteam einen ersten Entwurf vor, der gemeinsam mit den Akteur*innen diskutiert und ausgearbeitet wurde. Der Aufbau und die Vorgehensweise des Hitzeeinsatzplans werden in Kapitel 7.1 beschrieben. In Zukunft soll der Hitzeeinsatzplan auf wei - teren Vernetzungstreffen vorgestellt und bei Workshops gemeinsam mit den Akteur*in- nen aktualisiert und weiter ausgearbeitet werden. Alle Teilnehmenden des Workshops sprachen sich für eine Weiterführung der Zusammenarbeit aus mit dem Ziel, die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze in der Stadt Köln zu reduzieren, und sind gerne bereit, sich aktiv einzubringen, sei es im Rahmen des Hitzeeinsatzplans oder weite - rer Vernetzungstreffen. Runder Tisch Seniorenarbeit Der Runde Tisch Seniorenarbeit ist das zen - trale Informations-, Austausch- und Vernet- zungsgremium für die Senior*innenarbeit im Stadtbezirk. Viermal im Jahr werden in jedem Stadtbe - zirk Informationen für Menschen im Alter zusammengetragen und es findet ein Aus - tausch über aktuelle Themen statt. Im Rah - men des Projekts wurden in den Stadtbe - zirken Nippes, Kalk, Lindenthal, Chorweiler, Innenstadt und Mülheim die Ergebnisse zum Projekt vorgestellt und Informationsmaterial zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurde dieser Kreis genutzt, weitere Multiplika - tor*innen anzuwerben und Maßnahmen in den jeweiligen Bezirken umzusetzen. Hierbei stand die Sensibilisierungsarbeit im Fokus, die von den Mitwirkenden mithilfe des zur Verfügung gestellten Informations- materials an die Zielgruppe weitergegeben wird. In Anschluss an die Veranstaltungen ist die Nachfrage nach dem Hitzeknigge, dem Pos - ter mit 11 Hitzetipps und dem Hitze-Fächer angestiegen und es mussten Sensibilisie - rungsprodukte nachbestellt werden. Abschlussveranstaltung Frühjahr 2022 Die Abschlussveranstaltung des Projekts wurde als Hybrid-Veranstaltung durchge- führt. Im VHS-Forum der Volkshochschule Köln wurden Fachvorträge zu den Ergebnis- sen gehalten. 134 6. Ergebnisse 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen Abb. 6.39: Die nach Einschätzung der Teilnehmenden des 2. Akteursworkshops wichtigsten Maßnahmen in den Veedeln und in der gesamten Stadt (eigene Darstellung). In den Veedeln: Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Maßnahmen, um zukünftig Hitzeereignisse gut zu überstehen? Quartierskonzept Hitze 61 56 39 39 33 28 22 11 6 0 Netzwerkaufbau Angebot von unterstützenden Diensten bei Hitze Verbreitung von Informationsmaterial Sensibilisierung des sozialen Netzes Identifikation und Bekanntma - chung von Cooling Centern Sensibilisierung Ernährung Integration von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche Ansprechen von Gewerbebetreibenden Ventilatoren langfristig besorgen 0 25 50 75 100 % Stimmen der Teilnehmenden 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen 135 65 59 41 41 35 24 18 12 Stadtweit: Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Maßnahmen, um zukünftig Hitzeereignisse gut zu überstehen? Öffentlichkeitsarbeit auf Veranstaltungen (Seniorenfeste, Straßenfeste) Akteur*innennetzwerk Nette Toilette für Testgebiet Laufband zur Hitzewarnung in der KVB im Sommer Aktives Hitzetelefon Projektsong „Drinke“ mit Video zur Sensibilisierung Senior*innen-Website Bekanntmachung DWD-Newsletter 0 25 50 75 100 % Stimmen der Teilnehmenden 136 6. Ergebnisse 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen Diese waren gleichzeitig online verfügbar. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Ergebnisse der Befragung von Menschen im Alter ebenso wie die Maßnahmen zur Hitze - prävention dargestellt. Auch der Hitzeein- satzplan und die identifizierten Akteur*in - nen /Multiplikator*innen wurden vorgestellt. Der Kölner Hitzeaktionsplan wurde zudem aus den unterschiedlichen Perspektiven Kommune, Land und Bund kommentiert und bewertet. Eine begleitende Poster-Ausstel- lung im Forum zeigte die Projektergebnisse auf. Musikalisch wurde die Veranstaltung von der Band Klabes mit dem Projektsong „Drinke“ begleitet. 6.5.2 Interkommunale Vernetzung – Städtedialog I Am ersten interkommunalen Vernetzungs- treffen waren die Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, München, Neuss und Köln beteiligt. Im Rahmen dieses Erfah - rungsaustausches wurden die Auswirkun- gen des Klimawandels im urbanen Raum diskutiert. Dabei stellten die Kommunen ihre aktuellen und geplanten Aktivitäten zur Klimawandelanpassung dar. Der Schwerpunkt des Austausches waren die Überlegungen zu Erstellung eines kommunalen Hitzeaktionsplans. Die Pro - jektbeteiligten stellten in einer interaktiven Diskussionsrunde die Kölner Aktivitäten im Rahmen des Projekts vor und regten einen Ideenaustausch für mögliche Maßnahmen zur Verminderung der gesundheitlichen Risi- ken in Hitzeperioden an. Die gesammelten Ideen wurden diskutiert, sodass Chancen und Hindernisse sowie wichtige Akteur*innen herausgestellt wer- den konnten. Bei dem ideenreichen und informativen Dialog wurden nicht nur Erfah- rungen im Umgang mit Hitzewellen ausge- tauscht, sondern gemeinsam neue Ideen und mögliche Interventionsmaßnahmen erarbeitet. Die Kommunen waren sich einig, dass Kli - mawandelanpassung eine Querschnittsauf - gabe ist, die durch viele Akteur*innen in der Verwaltung ausgeführt werden muss. Eine Vernetzung der verschiedenen Akteur*innen ist sinnvoll. Auch das Thema Wasser in der Stadt mit der Aufstellung von Trinkbrunnen und Wasservernebelung zur Kühlung wurde diskutiert. Das Thema „Nette Toilette“ muss dabei mit betrachtet werden. Die teilneh- menden Kommunen identifizierten auch den Hitzeschutz im öffentlichen Raum und die Sensibilisierung u. a. durch Hitzekarten und Hitzespaziergänge als wichtige Themen. Aus- und Fortbildungen u. a. für medizini- sches Personal, Architekt*innen zum Thema Hitzeschutz sollten angeboten werden. Städtedialog II Der zweite Städtedialog im September 2021 unter dem Motto „Kommunale Hitzeanpas - sung“ wurde als virtuelles Vernetzungs- treffen organisiert. An der Veranstaltung nahmen 19 deutsche Städte sowie zwei Referierende aus Wien teil. Nach einem Rückblick zum letzten Städte - dialog von 2020 bot eine Umfrage per Men- timeter die Chance, den Kreis der Teilneh- menden besser kennenzulernen und erste inhaltliche Statements abzugeben. 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen 137 Alle teilnehmenden Kommunen waren sich einig, dass zur aktiven Durchführung von Hitzevorsorge am dringendsten qualifi- ziertes Personal, Bewusstsein, Vernetzung, Best-Practice-Beispiele und finanzielle Res - sourcen benötigt werden. Die Abbildung 6.42 zeigt, dass die teil- nehmenden Kommunen unterschiedliche Maßnahmen bereits umsetzen bzw. planen. Wichtige Themen sind Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung der Beteiligten und Begrünung. Aber auch Maßnahmen während akuter Hit- zewellen und stadtplanerische Maßnahmen werden genannt. In Impulsvorträgen wurden Best-Prac tice- Maßnahmen zur Hitzevorsorge aus Wien vorgestellt. Die Stadt Wien hat viele klein - räumige Projekte wie Trinkbrunnen oder Sprinkleranlagen flächendeckend im Stadt - gebiet realisiert. Neben der erfolgreichen Finanzierung von Maßnahmen stellt sich am Wiener Beispiel heraus, dass insbesondere die behördenübergreifenden Kooperationen mit weiteren Akteur*innen eine schnellere und weitreichendere Umsetzung möglich macht. Dresden und Erfurt stellten zusammen das gemeinsame Projekt HeatResilientCity II sowie Aktivitäten der interkommunalen Zusammenarbeit vor. In zwei parallelen Arbeitsgruppen konnten sich die Teilneh- menden über ihre Erfahrungen austauschen. Schwerpunktmäßig wurde über die Erstel- lung von Hitzeaktionsplänen und Maßnah - men zum Thema Wasser bzw. Trinkbrunnen in der Stadt diskutiert. Die Kommunen waren sich einig, dass Klimawandelanpassung eine übergreifende Herausforderung darstellt, die durch die Zusammen- arbeit vieler Akteur*innen ausgeführt werden muss. Eine Vernetzung der verschiedenen Akteur*innen ist sinnvoll. 138 6. Ergebnisse 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen Städtedialog Hitzeanpassung 2021 Abb. 6.40: Übersicht der Kommunen, die am zweiten Städtedialog Hitzeanpassung teilnahmen (eigene Darstellung). • München • Nürnberg • Würzburg • Frankfurt • Mannheim • Karlsruhe • Erfurt • Kassel • Hamburg • Münster • Hamm • Oberhausen • Duisburg Dresden • Ludwigsburg • Köln • • Düsseldorf • Leverkusen • Bonn 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen 139 Abb. 6.41: Ergebnisse einer Mentimeter-Umfrage im Rahmen des zweiten Städtedialogs (eigene Darstellung). Was benötigen Sie derzeit am dringendsten, um die Hitzevorsorge in Ihrer Kommune voranzubringen? Personal Bewusstsein Vernetzung Politischer Wille Mehr Grünflächen Personalkapazität strategische Ausrichtung Verbindlichkeiten Öffentlichkeit VerordnungWeniger KfZ-Verkehr Geld Ziele Kompetenzen Finanzen Strukturaufbau Ratsbeschluss Vernetzung von Ämtern Personelle Ressourcen Finanzielle Ressourcen Best-Practice-Beispiele Commitment Blauflächen Klare Ziele und Maßnahmen Politisches Bewusstsein Ämterzusammenarbeit Politisches Interesse Gesetzliche Regelung Quantifizierung Akzeptanz Klimaanpassung Finanzierung Verwaltungsinterne Zusammenarbeit Rechtliche Grundlagen 140 6. Ergebnisse 6.5 Ergebnisse der Vernetzungstreffen Abb. 6.42: Maßnahmen zur Hitzevorsorge in 19 deutschen Kommunen (eigene Darstellung). Welche Art von Maßnahmen zur Hitzevorsorge sind in Ihrer Kommune geplant bzw. werden bereits umgesetzt? Wichtige Erkenntnisse waren hierbei, dass Forschungsprojekte wie das Projekt Heat- ResilientCity II oder der HAP-Köln einen guten Einstieg für den Aufbau einer ersten Struktur mit drittmittelfinanziertem Perso - nal darstellen. Eine anschließende Verste - tigung der entwickelten Hitzeanpassungs - maßnahmen ist notwendig. Die gesetzlichen Grundlagen und Anforde - rungen für diese Aufgabe müssen nach Ein - schätzung der kommunalen Vertretungen gestärkt und Hitzevorsorge als gesetzliche Pflichtaufgabe etabliert werden, damit die Bemühungen um Hitzeanpassung mittel- und langfristig erfolgreich sind. Der gemeinsame Dialog hat wichtige Aspekte zur Hitzevorsorge hervorgehoben. Aufgrund der positiven Rückmeldungen der teilnehmenden Kommunen und der erfolg- reichen Umsetzung der beiden Städtedia - loge zur Hitzeanpassung ist eine Fortset - zung der kommunalen Vernetzung geplant. Der Schwerpunkt zukünftiger Treffen soll weiterhin die Entwicklung der kommunalen Hitzeaktionspläne sein. Die Organisation und Durchführung können im Wechsel von interessierten Kommunen übernommen werden. Für den Städtedialog im Oktober 2022 konnte die Stadt Dresden gewonnen werden. 4 noch unklar 22 Öffentlichkeitsarbeit / Informations vermittlung 14 Etablierung von Warnsystem 16 Maßnahmen während akuter Hitzewellen 16 stadtplanerische Maßnahmen 18 Begrünungs maßnahmen Maßnahmen der 12 gesundheitlichen Prävention Vernetzung 20 Akteur*innen 6.6 Öffentlichkeitswirksame Veranstal tungen / Maßnahmen / Publikationen 141 6.6 Öffentlichkeitswirksame Veranstal tungen / Maßnahmen / Publikationen Die Vorgehensweise und die Ergebnisse des Projekts sind im Rahmen von wissenschaft - lichen Publikationen und Vorträgen bei Fachveranstaltungen präsentiert worden. Sie dienten gleichzeitig auch als Grundlage für die Erstellung von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten. Neben dem wissen - schaftlichen Erkenntnisgewinn diente das Projekt der Sensibilisierung und Vernet- zung von Akteur*innen. Um diese für den Hitzeeinsatzplan zu gewinnen und den Bekanntheitsgrad des Projekts zu steigern, organisierte das Projektteam Workshops und Treffen mit Beteiligten und nahm selbst an regelmäßig stattfindenden Netzwerk - treffen teil. Über Printmedien, Radio und TV-Beiträge wurde das Projekt in der Öffentlichkeit vor- gestellt. Besonders hervorzuheben ist, dass der HAP-Köln bei der Nominierung zum Bundespreis „Blauer Kompass 2022“ unter 240 Einsendungen in die Runde der besten 20 Projekte ausgewählt worden ist. Im Anhang A4 ist eine Übersicht über die einzelnen Projekt akti vitäten zu finden. Abb. 6.43: Nominierung des Projekts HAP-Köln für den „Blauen Kompass 2022“. 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions- maßnahmen 144 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen Die Hitzeprävention ist im Vergleich zu anderen Handlungsfeldern in der städtischen Gesellschaft in der Regel bislang noch wenig präsent. Die Stadt Köln ist eine der ersten Kommunen in Deutschland, die sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Klimawandelfolgen dem Thema Hitze- aktionsplanung widmet. Somit bedarf es einer strategischen Ausrichtung der Kommunikationsaktivitäten sowohl innerhalb der Verwaltung als auch in Richtung Öffentlichkeit zur Erreichung der Zielgruppen, zur Akzeptanzförderung und um ein Umdenken hin zu einem Primat der gesundheitlichen Prävention anzu- stoßen. Sommerliche Hitzeereignisse mit den negativen Folgen für die Gesundheit werden oft noch wenig als Bedrohung wahrgenommen. Tatsächlich jedoch hat kein Aspekt des aktuellen Klimawandels größere Bedeutung für die menschliche Gesundheit, für Morbidität und Mortalität. Zielgruppenorientierte Botschaften und geeignete Kommunikationskanäle müssen den Wissens- und Ergebnistransfer zur Hit- zeaktionsplanung schaffen. Weitere Ziele einer Kommunikationsstra- tegie sind die Bereitstellung von Informa- tionen, insbesondere zu den erarbeiteten Zielen und Maßnahmen des Hitzeak- tionsplans, um eine aktive Teilhabe und Mitarbeit der Bevölkerung sowie relevanter Akteur*innen in verschiedenen Bereichen zu erreichen. Auf Grundlage der empirischen Befra - gungsergebnisse (Kapitel 6.1 und 6.2) und der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMU) entwickelten „Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit“ wurden für den HAP-Köln geeignete Maßnahmen abgeleitet. 145 I. Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit II. Nutzung eines Hitzewarnsystems III. Information und Kommunikation IV. Reduzierung von Hitze in Innenräumen V. Besondere Beachtung von Risikogruppen VI. Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme VII. Langfristige Stadtplanung und Bauwesen VIII. Monitoring und Evaluation der Maßnahmen Die Ableitung berücksichtigt die räum- lich-zeitlich sowie soziodemografisch dif- ferenzierte Identifikation von städtischen Hitzebelastungen, daraus abzuleitende Kri - terien sowie eine bedarfsorientierte Priori - sierung. Hierzu gehört die Berücksichtigung der Erreichbarkeit der Menschen im Alter. Als eine der ersten deutschen Kommu- nen, für die ein Hitzeaktionsplan erarbeitet wurde, bot sich die Orientierung an dieser Handlungsempfehlung an. Sie konnte gleichzeitig auf ihre Anwendbar- keit und Praxistauglichkeit überprüft wer- den. Die deutsche Handlungsempfehlung, die auf der von der Weltgesundheitsorga- nisation (WHO) veröffentlichten Leitlinie für die Erarbeitung eines Hitzeaktionsplans sowie auf den Ergebnissen der von der Fachhochschule Fulda durchgeführten hessischen HEAT-Studie (2009–2012) basiert, besteht aus den folgenden acht Kernelementen: 146 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen Monitoring und Evaluation Abb. 7.1: Schematische Darstellung der für die Umsetzung der Kernelemente eines Hitzeaktionsplans von der WHO vorgesehenen Zeithorizonte. Quelle: BMU 2015. Vorbereitungen vor dem Sommer Schutz während des Sommers Spezielle Maßnahmen während akuter Hitzeperioden / Hitzewellen Langfristige Entwicklung und Planung 7.1 Kommunikation 147 Für die Umsetzung der acht Kernelemente empfiehlt die WHO ein Vorgehen in fünf Zeit horizonten (siehe Abb. 7.1). Dabei werden kurzfristige Maßnahmen beschrieben, die in einer akuten Hitze - welle durchgeführt werden, mittelfristige Maßnahmen, die vor bzw. während des Sommers durchgeführt werden, bis hin zu langfristigen Maßnahmen der Entwicklung und Planung. Im Gegensatz zu langfristigen planungsbezogenen Maßnahmen sollten kurzfristige Sofortmaßnahmen ohne große Investitionen durchgeführt werden können. Im Rahmen des HAP-Köln-Projekts konn - ten Maßnahmen aus den verschiedenen Zeithorizonten angestoßen bzw. umgesetzt werden. Beispielsweise wurde als Vorberei- tung auf den Sommer die Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes automatisiert in die Webseite der Stadt Köln integriert oder der Hitzeknigge gemeinsam mit den Akteur*innen um Köln-spezifische Beson- derheiten und Ansprechpartner*innen erweitert. Dieser wurde in gedruckter Form über die Multiplikator*innen oder direkt an die Zielgruppe vor und während Hitzeperio - den verteilt und auf der Webseite der Stadt Köln als PDF zum Download angeboten. Zur Sensibilisierung der Zielgruppe sind Fächer und Trinkflaschen mit dem Pro- jekt-Logo bedruckt und verteilt worden. Insbesondere die Fächer haben sich als ein sehr geeignetes Kommunikationsmittel herausgestellt, weil zum Beispiel auch Men - schen mit Demenz oder mit Sprachbarrieren den Fächer intuitiv einsetzen können. Dies konnte bei Terminen in den Einrichtungen für ältere Menschen und bei Stadtteilfesten eindrücklich beobachtet werden. Die Fächer wurden zusammen mit dem Hitzeknigge und mit Trinkflaschen während der akuten Hitzewelle und als Vorbereitung verteilt. Langfristige Maßnahmen im Rahmen der Bauleitplanung konnten nur skizziert wer- den. Der Zeitraum der Maßnahmenumset- zung von der Konzeptphase bis zur verbind- lichen Festsetzung ist ein langfristiger und vielschichtiger Prozess. 7.1 Kommunikation Die Sensibilisierung vulnerabler Personen - gruppen für die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels steht im Mittelpunkt des HAP-Köln-Projekts. Hier ist das Ziel, die Gruppen zu erreichen und anzuregen, das eigene Verhalten zu hinterfragen und anzu- passen und somit die gravierenden gesund - heitlichen Folgen zu reduzieren. Besonders hitzeempfindlich sind • Ältere Menschen, • Menschen mit chronischer Erkrankung oder physischer bzw. psychischer B eein- trächtigung bzw. Behinderung, die in der Kommune allein leben, • Schwangere und Säuglinge, • Menschen, die regelmäßig im Freien arbeiten, und • Menschen, die in Gemeinschaftsunter- künften leben, sowie Wohnungslose. www.umweltbundesamt.de/en/ publikationen/hitzeknigge www.stadt-koeln.de/artikel/67953 148 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.1 Kommunikation Dabei ist neben der direkten Ansprache der Zielgruppen auch die Kommunikation mit/über Multiplikator*innen vor Ort ein wichtiges Instrument, um die Menschen in ihren Lebenswelten zu erreichen. Hierzu gilt es, Akteur*innen und Multiplikator*innen im Bereich Gesundheit und Klimawande - lanpassung in der Stadt Köln zu vernetzen, neue Strukturen zu schaffen und Hand - lungsabläufe zu vereinbaren. Der konzeptionelle Ansatz des Projekts beinhaltete die exemplarische Erarbeitung eines Hitzeaktionsplans für eine definierte Zielgruppe. Die Vorgehensweisen und Inst- rumente sollten jedoch allgemein anwend- bar und auf weitere vulnerable Gruppen übertragbar sein. Die folgenden Schritte zeigen den Weg von der Ermittlung der Zielgruppe bis hin zu den Interventionsmaßnahmen zusammenfas- send auf. Festlegung der Zielgruppe und Zielgruppenanalyse Das Verbundprojekt legte vor dem Hinter- grund des demografischen Wandels einen besonderen Fokus auf über 65-jährige Per- sonen. Sie machen einen Anteil von 17,7 % der Bevölkerung Kölns aus (über 65-Jährige, 2020) und stellen somit eine bedeutsame Gruppe dar. Der Anteil der 80-Jährigen und Älteren vergrößert sich bis 2030 um ein Fünftel und bis 2040 sogar um 38,9 Prozent. Damit wird ihre Zahl bis 2040 auf 75.400 Personen anwachsen (Basis der Prognose: 2017). Daher ist es von besonderer Bedeutung, bei dieser vulnerablen Gruppe gesundheitliche Risiken durch Hitzeperioden zu reduzieren und die Gesundheitskompetenz, insbeson - dere bei alleinlebenden Menschen über 65 Jahren, zu erhöhen. In vier Fokusgebieten in ausgewählten Stadtvierteln und Sozialräumen sind über eine quantitative sowie qualitative Erhe- bung/Befragung unter älteren Menschen Informationen zu ihren Informationsquellen und ihrem Wissensstand über Hitze und Gesundheit sowie über ihre hitzebezoge- nen Verhaltensweisen gewonnen worden. Zudem wurde untersucht, ob Einrichtungen für ältere Menschen ihr Handeln auf Hit- zewarnungen anpassen, Maßnahmen umsetzen und ob Verhaltensänderungen der Bewohnenden eintreten. Auf Basis der Fachgespräche konnten Erkenntnisse zur Informationsaufnahme älterer Menschen, zu physiologischen Pro - zessen bei Hitzeereignissen und gesund - heitsförderlichen Verhaltensweisen ermittelt werden. Durch die Einzelinterviews der Menschen 65+ wurden bevorzugte Kom- munikationskanäle identifiziert und konnten so bei der anschließenden Maßnahmenent - wicklung berücksichtigt werden. Zielgruppengerechte Maßnahmenkonzeption Basierend auf den Ergebnissen der Fachgespräche und Interviews wurden anschließend in enger Kooperation mit den Akteur*innen der Stadtgesellschaft Maß - nahmen konzipiert, implementiert und hin - sichtlich ihrer Wirksamkeit getestet. 7.1 Kommunikation 149 Aufgrund der Vielzahl der im komplexen Themenfeld handelnden Personen und Institutionen war die Kommunikation und Informationsverbreitung auf allen Ebenen ein wichtiger Umsetzungsschritt. Es wurden Akteur*innen und Multiplikator*innen iden- tifiziert und mehrere Workshops zur Einbin- dung der fach- und handlungskompetenten Personen durchgeführt. Ziel war es, durch den Aufbau eines Informa - tionssystems und Aktionsplans Mitwirkende zu koordinieren und somit die vulnerable Bevölkerungsgruppe vor Ort besser zu erreichen. Durch die Nutzung der Kompetenzen und Erfahrungen aller Akteur*innen im Rahmen der neu etablierten Art der Zusammenarbeit konnten zielgruppengerechte Maßnahmen gemeinsam erarbeitet und erste Projekte konzipiert und umgesetzt werden. Darüber hinaus ergaben sich neue Ansatz - punkte für weitere Maßnahmenumset- zungen und Wirkungen in die gesamte Stadtgesellschaft. Gleichzeitig wurde das Bewusstsein für die gesundheitlichen Fol- gen des Klimawandels und für die nötigen Anpassungsmaßnahmen für Menschen im Alter gesteigert. Wichtige Schritte auf dem Weg zur Umset- zung von Maßnahmen des Hitzeaktions - plans für Menschen im Alter waren: • neue Erkenntnisse zur Wahrnehmung und zum gesundheitsbewussten Verhalten der Zielgruppe bei Hitzeereignissen durch eigene empirische Erhebungen • trisektorale und interkommunale Vernet- zung (Akteursworkshops, Städtedialog) • Identifikation von Multiplikator*innen in der Stadtgesellschaft Zahlreiche Maßnahmen, z. B. zur Sensibili- sierung, wurden im Rahmen des Projekts bereits umgesetzt. Das HAP-Köln-Projekt wurde als kommuna- les Leuchtturmprojekt angelegt und ist auf andere Kommunen übertragbar. Das wird auch als Erkenntnis aus den interkommu- nalen Vernetzungstreffen (Städtedialog Hit- zeanpassung) hervorgehoben. Ausgehend vom Städtedialog hat sich ein reger Aus - tausch mit interessierten Kommunen wie Mannheim, Düsseldorf und Dresden etab - liert, die besonderen Wert auf Erfahrungs - austausch über die im Rahmen des Projekts bereits umgesetzten Maßnahmen legen. Aktivierungsmaßnahmen Die Informationsweitergabe sowie Ver- breitung von Botschaften mit dem Ziel der Verhaltensänderung war ein sehr wichtiges Handlungsfeld des Projekts, welches mittels verschiedener Medien und Angebote durch - geführt werden konnte. Die entwickelten Maßnahmen wurden ausgerichtet auf: • Erhöhung des Bewusstseins für die Not- wendigkeit der Klimawandelanpassung • Erhöhung der Handlungskompetenz für die Klimawandelanpassung • Motivation für die konkrete Umsetzung angepassten Verhaltens • Erhöhung der Akzeptanz für das Anpassungshandeln anderer 150 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.1 Kommunikation Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse wurden folgende Aktionen bzw. Maßnahmen erprobt: • Etablierung des DWD-Hitzewarnsystems auf der Internetstartseite der Stadt Köln • Hitzewarnungen auf den elektronischen Anzeigetafeln der Kölner Verkehrsbe- triebe (KVB) an Haltestellen und in den Fahrzeugen • Tour der Kölner Band Klabes durch Wohn- und Pflegeeinrichtungen für ältere Men - schen mit dem Projekt-Song „Drinke“ • Plakat „11 Hitzetipps“ zum Aushang in ärztlichen Praxen, Apotheken und anderen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung • Broschüre Köln-spezifischer Hitzeknigge • Mega-Light-Kampagne • Hitze-Portal Köln auf der Webseite der Stadt Köln. Hier sind alle Informationen rund um das Thema Klimawandel, Hitze und Gesundheit für Köln gebündelt. • Fächer und Trinkflaschen wurden verteilt. Der Nutzen von Maßnahmen zur Gesund - heitsvorsorge ist monetär nur sehr schwer quantifizierbar. Es ist aber nicht zu bezwei- feln, dass sich jedes gesundheitsbewusste Handeln des*der Einzelnen, das durch eine erfolgreiche Sensibilisierungskampagne ausgelöst wurde, gesundheitlich positiv aus - wirkt. Weiter verfeinerte GIS-Analysen (wohnort- scharf), etwa zu den Wegebeziehungen zur Erreichbarkeit von öffentlichen Grünflächen, können zur weiteren Maßnahmenplanung und Priorisierung genutzt werden. Neben der Verstetigung ist eine Evaluation der Maßnahmen sinnvoll, die der Erreichung der Zielgruppe dienen sollen. Kommunikation bei akuten Hitze - ereignissen / Hitzeeinsatzplan Bei akuten Hitzeereignissen ist es wichtig, dass alle Betroffenen, die Hilfesysteme sowie die Unterstützungsstrukturen über die erforderlichen Präventionsmaßnahmen informiert sind. Dabei ist die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit vorab festzulegen und zu definieren, welche Inhalte zu wel- chem Zeitpunkt einer Hitzeperiode über welches Medium wem kommuniziert wer- den sollen. Diese Festlegungen werden im Hitzeein- satzplan dokumentiert und bilden für die Akteur*innen die Grundlage für erforderli - che Aktionen. Ein Einsatzplan ist ein auf die speziellen Auswirkungen eines definierten Krisenfalls abgestimmter, umfassender Leitfaden für disziplinübergreifende Maßnahmen und Vorgehensweisen zum Schutz des gefähr- deten Objektes (wie z. B. beim Hochwasser- schutz). Ein Beispiel für eine entsprechende Kom - munikationskaskade, hier für alle relevanten vulnerablen Gruppen, ist in Abbildung 7.2 dargestellt. An die Bevölkerung ist zu vermitteln, wann und wo mit einer Hitzewelle zu rechnen ist, für wen das Risiko hitzebedingter Gesundheitsschäden besonders hoch ist und welche Verhaltensanpassungen von Bedeutung sind. Die hitzebezogenen Gesundheitsinformationen für die Bevölke- rung sind adressatengerecht zu erarbeiten und aktiv zu verbreiten (ggf. mehrsprachig, senior*innengerecht, über verschiedene Kommunikationskanäle). 7.1 Kommunikation 151 Abb. 7.2: Beispiel einer möglichen Kommunikationskaskade. Quelle: Hochschule Fulda Public Health Zentrum Fulda, Arbeitshilfe zur Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplans für Städte und Kommunen, Juni 2021. Deutscher Wetterdienst Beauftragte Stadt Öffentliche Sicherheit und Ordnung Stadt- entwicklung Soziales, Jugend und Wohnen Bildung und Sport Schulen Sportvereine Kindertages - stätten Bevölkerungsschutz, Arbeitskreis aller Rettungsdienste und der Polizei Tourist Information Unternehmen Menschen, die im Freien arbeiten Eltern bzw. KinderObdachloseBevölkerung allg. Krankenhäuser Praxen der Gesundheits- berufe Apotheken Ambulante Pflegedienste Pflegeheime Chronisch Kranke, Beeinträchtigte Menschen > 75 Jahre Frühe Hilfen Seniorenbeirat Behinderten - beirat Psychiatrie- Koordination Obdachlosen - hilfe Hitzewarnung, Vorinformation Informationen über notwendige Maßnahmen Adressaten in der Bevölkerung Gesund heits amt 152 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.1 Kommunikation 7.1 Kommunikation 153 Kölner Hitzeeinsatzplan Im Rahmen des HAP-Köln-Projekts wurde ein erster Entwurf für einen Hitzeeinsatz - plan für Köln erarbeitet. Der Hitzeeinsatz - plan dient dazu, zunächst möglichst alle Handelnden in einer Kommune, die sich mit dem Thema Hitze und Gesundheit befassen, zu identifizieren und deren unterschied- liche Zuständigkeiten darzustellen. Auf dieser Basis vereinbaren die handelnden Akteur*innen eine aufeinander abgestimmte und verbindliche Vorgehensweise vor, wäh- rend und ggf. nach Hitzeereignissen, die eine optimale Information und Unterstüt- zung der vulnerablen Bevölkerungsgrup- pen ermöglicht. Zudem entsteht so eine Übersicht aller Maßnahmen, einschließlich zeitlichem Ablauf, Reichweite und Vorberei- tungszeit, sodass auch fehlende oder ergän - zend sinnvolle Maßnahmen identifiziert werden können. Bei den im Frühjahr 2021 durchgeführten trisektoralen Akteursworkshops wur- den gemeinsam mit den verschiedenen Akteur*innen erste Schritte in Richtung eines Hitzeeinsatzplans unternommen. Zunächst ist die Ist-Situation erhoben wor- den, um bereits bestehende Maßnahmen für den Hitzeeinsatzplan zusammenzufas - sen und um weiteren Maßnahmenbedarf zu identifizieren. Die beteiligten Akteur*innen teilten zudem mit, wann sie welche Maßnah - men umsetzen bzw. wie sie zu ihrer Umset- zung beitragen können. Der so entstandene Hitzeeinsatzplan legte die grundlegende Struktur fest. Um das Netzwerk zu erweitern, sind im Anschluss insgesamt 75 Akteur*innen ange - schrieben und gebeten worden, an einer Umfrage teilzunehmen. 22 ausgefüllte Fra- gebögen wurden anschließend in den ersten Hitzeeinsatzplanentwurf eingepflegt. Alle Akteur*innen haben sich bereit erklärt, Informationsmaterial wie z. B. den Hitze- knigge und die DWD-Hitzewarnung an Men- schen im Alter, Institutionen oder Gewer- betreibende weiterzugeben. Über 70 % der Rückmeldungen adressierten die Sensibili - sierung zum Thema Hitze und Gesundheit von Menschen 65+ selbst oder des sozialen Netzwerkes im Viertel (z. B. durch die Infor- mationsweitergabe an andere Multiplika- tor*innen wie Kirchen, Apotheken, Vereine, Angehörige, Nachbar*innen). Etwas geringer fiel die Bereitschaft der Akteur*innen aus, sich aktiv zu beteiligen bei z. B. unterstützenden Diensten bei Hitze oder Hitzespaziergängen. Der Integration von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche wurde von 25 % der Angeschriebenen zuge- stimmt. Das Deutsche Rote Kreuz Kreis - verband Köln e.V. (DRK KV Köln e.V.) bietet beispielsweise im Rahmen der Senior*in- nenberatung stadtweite Informationen über unterstützende Dienste und Hitzespazier- gänge an, die von Senior*innen-Netzwerken angeboten werden. 154 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.1 Kommunikation Aktionen/ Maßnahmen Institutionen/ Multiplikator*innen Verbreitung von Informationsmaterial Hitzeknigge, 11 Hitzetipps Poster etc. Reichweite: stadtweit Vorbereitungsbeginn: März–April Aufgabe des Umweltamtes: Erstellt Infomaterial und verteilt es an Menschen im Alter und Multiplika - tor*innen (zur Weiterverbreitung) Kölner Verkehrsbetriebe KVB (stadtweit) Informationsverbreitung Seniorenkoordination Kalk Caritasverband für die Stadt Köln e.V./ Runder Tisch Seniorenarbeit Informationsverbreitung (Verteiler: Senior*innenarbeit) KölnerLeben Zeitung für Senior*innen Informationsverbreitung, Artikel zur Hitzeprävention, Werbung für den Hitzeknigge SeniorenNetzwerk Kalk Bürgerverein Köln-Neubrück e.V. Koordination, inhaltliche Mitarbeit und Informationsverbreitung auf Präventionsveranstaltungen Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Köln e.V. Senior*innenarbeit (stadtweit) Informationsverbreitung und Koordi - nation (im Rahmen der Beratung zur Pflege, in der ambulanten Pflege, bei Kooperationspartnern über die Senio - renberatung & SeniorenNetzwerke) Aufbau des Hitzeeinsatzplans Die Struktur des Hitzeeinsatzplans für Köln orientiert sich an den von der WHO empfoh lenen Zeithorizonten: • Spezielle Maßnahmen während akuter Hitzewellen • Schutz während des Sommers / vorbereitend vor dem Sommer Horizontal werden Maßnahmen bzw. Aktionen mit Informationen zur Reichweite, Vorbereitungsbeginn und der Aufgabe der koordinierenden Person bzw. Institution dargestellt. Vertikal sind die entsprechenden Institu- tionen mit Kontaktinformationen aufgeführt. Aus datenschutztechnischen Gründen wurden die Namen, Rufnummern und E-Mail-Adressen der Akteur*innen für die Darstellung in diesem Bericht weg ge lassen. Diese sind nur für den internen Gebrauch gedacht. Der Hitzeeinsatzplan beinhaltet konkrete Handlungen der verantwortlichen Akteur*innen und Multiplikator*innen. 7.1 Kommunikation 155 Aktionen/ Maßnahmen Institutionen/ Multiplikator*innen Verbreitung von Informationsmaterial Hitzeknigge, 11 Hitzetipps Poster etc. Reichweite: stadtweit Vorbereitungsbeginn: März–April Aufgabe des Umweltamtes: Erstellt Infomaterial und verteilt es an Menschen im Alter und Multiplika - tor*innen (zur Weiterverbreitung) Kölner Verkehrsbetriebe KVB (stadtweit) Informationsverbreitung Seniorenkoordination Kalk Caritasverband für die Stadt Köln e.V./ Runder Tisch Seniorenarbeit Informationsverbreitung (Verteiler: Senior*innenarbeit) KölnerLeben Zeitung für Senior*innen Informationsverbreitung, Artikel zur Hitzeprävention, Werbung für den Hitzeknigge SeniorenNetzwerk Kalk Bürgerverein Köln-Neubrück e.V. Koordination, inhaltliche Mitarbeit und Informationsverbreitung auf Präventionsveranstaltungen Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Köln e.V. Senior*innenarbeit (stadtweit) Informationsverbreitung und Koordi - nation (im Rahmen der Beratung zur Pflege, in der ambulanten Pflege, bei Kooperationspartnern über die Senio - renberatung & SeniorenNetzwerke) Verbreitung der DWD-Hitzewarnung Reichweite: stadtweit Vorbereitungsbeginn: März–April Aufgabe des Umweltamtes: Verbreitet den Newsletter des DWD und die Hitzewar - nung auf verschiedenen Kanälen. Weiter - leitung der Hitzewarnung vom DWD an die Akteur*innen Sammlung von kühlen Standorten z. B. Schattenplätze, kühle Räume, Sitzbänke etc . Reichweite: stadtweit Vorbereitungsbeginn: fortlaufend Aufgabe des Umweltamtes: Sammelt kühle Standorte, Einbindung Hitze-Portal Köln, Kartendarstellung Anbieten von Hitzespaziergängen für eine hitzegerechte Wegeführung vor der eigenen Haustür. Reichweite: stadtweit Vorbereitungsbeginn: März-April Aufgabe des Umweltamtes: Integration Hitzespaziergänge in interaktive Karte / Hitze-Portal Köln, Kartenaufbereitung Informationsverbreitung (Warnmeldungen für die dynamischen Fahrgastanzeigen an den Haltestellen und Ausgabe von Trinkwasser) Inhaltliche Mitarbeit Sitzbänke an oberirdischen Haltestellen als Rastplätze für ältere Menschen. Prüfung von U-Bahn-Zwischenebenen als kurzfristige Schattenplatzspender / Informationsverbreitung Informationsverbreitung (Verteiler: Senior*innenarbeit) / / / Hinweis auf Spaziergänge Informationsverbreitung Informationsverbreitung, Koordination und inhaltliche Mitarbeit z.B. beim Erstellen der Karte Koordination, inhaltliche Mitarbeit, gemeinsamer Spaziergang wird durchgeführt Informationsverbreitung Koordination (Seniorenkoordination) Informationsverbreitung z.B. im Rahmen der vorhandenen Angebote in den SeniorenNetzwerken Tab. 7.1: Ausschnitt aus dem Hitzeeinsatzplan für Köln Diese wirken direkt auf die Bevölkerung und bilden nicht zwingend die in den Maßnah - menblättern (s. Kapitel 8) beschriebenen Verantwortlichen ab. 156 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.1 Kommunikation Zeithorizont „Spezielle Maßnahme während akuter Hitzeperiode“ Beispiel: Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD Wenn der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung veröffentlicht, erhält das Umwelt- und Verbraucherschutzamt diese Information durch den DWD-Newsletter sowie per DWD-WarnWetter-App. Zur Verbreitung der Information werden im Vorfeld definierte Multiplika- tor*innen kurzfristig informiert. Die Warnung wird zum Beispiel an die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) weitergeleitet. Die Aufgabe der*s Ansprechpartner*in bei der KVB ist es, die War - nung an die Leitstelle weiterzutragen und den vorbereiteten Text für die dynamischen Fahrgastanzeigen an Bus- und Bahnhaltestellen sowie in den KVB-Fahrzeugen freizuschalten. Auf diese Weise wird die Öffentlichkeit an und in den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht und zum Beispiel auf ausreichendes Trinken hingewiesen. Hitzeknigge Erstellung und Druck der Broschüre Hitzeknigge durch das Projektteam in Kooperation mit weiteren Akteur*innen Senior*innen Newsletter des Hausärzteverbands VeranstaltungenZeitschrift „KölnerLeben“ Runder Tisch Seniorenarbeit Per Post versenden Verteilen durch Multiplikator*innen Auslegen in ärztlichen Praxen Direkt verteilen Abb. 7.3: Schema zur Umsetzung der Maßnahme KE 3.2: Köln-spezifischer Hitzeknigge. 7.1 Kommunikation 157 Zeithorizont „Vorbereitung vor dem Sommer“ Beispiel: Köln-spezifischer Hitzeknigge Die Köln-spezifische Broschüre „Hitze- knigge“ liegt dem Umwelt- und Verbrau- cherschutzamt sowohl digital als auch in gedruckter Fassung vor. Sie kann in digitaler Form jederzeit direkt von Interessierten vom Hitze-Portal Köln auf der Webseite der Stadt Köln heruntergeladen werden. Die gedruckte Fassung wird kurz vor Som - merbeginn durch verschiedene Medien beworben und an interessierte Bürger*in- nen verteilt: 1. Artikel zum Hitzeknigge in der Zeitschrift Kölner Leben – auf Nachfrage Versand der Broschüre 2. Information durch das Umwelt- und Ver- braucherschutzamt beim Runden Tisch Seniorenarbeit – Anforderung der Bro - schüre durch Seniorenkoordinator*innen, SeniorenNetzwerke, Pflegedienste usw. – Verteilung durch die Multiplikator*innen an die Zielgruppe auf Festen, Senior*in- nentreffen, in Pflegeheimen usw. 3. Werbung per Newsletter des Hausärzte - verbands – auf Nachfrage Versand der Broschüre an hausärztliche Praxen – Aus - legen der Broschüren im Wartezimmer 4. Werbung auf Veranstaltungen des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes (z. B. Klabes-Konzerttour, Abschluss- veranstaltung) – Verteilen der Bro- schüre direkt an die Zielgruppe oder an Multiplikator*innen Abb. 7.4: Screenshot der Internetseite des Hausärzteverbandes Nordrhein e. V. 158 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.1 Kommunikation Zeithorizont „Schutz während des Sommers“ Beispiel: Verteilung Poster mit 11 Hitzetipps Eine weitere Sensibilisierungsmaßnahme, die während der Sommer - zeit zum Einsatz kommt, sind die Poster mit 11 knapp formulierten Hitzetipps. Sie können online beim Hitze-Portal Köln herunterge - laden oder von Mitwirkenden aus sozialen Einrichtungen, Vereinen sowie Beauftragten aus Wohnungswirtschaft, Gesundheit, ehren- und hauptamtliche Akteur*innen, zum Beispiel aus Kirchengemein - den und religiösen Einrichtungen, beim Umwelt- und Verbraucher- schutzamt als DIN A3-Poster angefordert werden. Zeithorizont „Schutz während des Sommers“ Beispiel: Sammlung von kühlen Orten, um der Hitze zu entfliehen Kühle Orte bieten bei hohen Temperaturen bei lang anhaltenden Hitzewellen einen angenehmen Aufenthalt. Das sind neben Parks, Wäldern und Grünflächen auch ungewöhnliche Orte. So halten Kirchen mit ihren dicken Mauern die Hitze draußen, aber auch klimatisierte Einkaufszentren können einen angenehmen kühlen Aufenthalt bieten. Ziel ist es, diese heterogenen Orte zu sammeln und in der interaktiven Karte im Hitze-Portal Köln darzustellen. Zeithorizont „Schutz während des Sommers“ Beispiel: Anbieten von Hitzespaziergängen für eine hitzegerechte Wegeführung vor der eigenen Haustür Einwohnende kennen ihr Veedel am besten. Gemeinsam sollen Wege gefunden werden, die bei Hitze bevorzugt begangen werden können. Wege, die Schatten bieten oder eine Trinkmöglichkeit, werden aufgezeigt. 7.1 Kommunikation 159 Weiterentwicklung des Hitzeeinsatzplans Als Werkzeug der Zusammenarbeit liegt der Einsatzplan bei allen beteiligten Akteur*innen und Multiplikator*innen vor und wird im eigenen Handeln berücksichtigt. Er muss kontinuierlich mit allen Beteiligten gepflegt und fortgeschrieben werden und setzt eine kontinuierliche Koordination voraus. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt übernimmt die Koordinie- rung des Hitzeeinsatzplans und beobachtet die Umsetzung. Nach der Evaluation der durchgeführten Maßnahmen können bei jährlich stattfindenden Workshops die Inhalte diskutiert und gegebenenfalls fortgeschrieben werden. Abb. 7.5: Schema zur Umsetzung der Maßnahme KE 3.5: Hitzeeinsatzplan Fortschreibung des Hitzeeinsatzplans Zeitraum: Winter /Frühjahr Inkraftsetzung des aktualisierten Hitzeeinsatzplans Zeitraum: Frühjahr Umsetzung der Maßnahmen / Aktionen laut Hitzeeinsatzplan Zeitraum: in Hitzeperioden Evaluierung der durchgeführten Maßnahmen / Aktionen Zeitraum: Herbst Sammlung von Informationen im Workshop mit Akteur*innen / Multiplikator*innen Zeitraum: Herbst /Winter Federführung: Umwelt- und Verbraucherschutzamt Federführung: Akteur*innen / Multiplikator*innen 160 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.2 Kernelemente und Maßnahmen 7.2 Kernelemente und Maßnahmen Im Rahmen des Projekts konnten bereits eine Reihe von Maßnahmen konkret umge- setzt bzw. erprobt werden. Diese werden, strukturiert nach den zugrunde liegenden Kernelementen, im Folgenden kurz darge - stellt. Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit Im Kernelement I empfiehlt die WHO die Einrichtung einer zentralen koordinierenden Stelle, welche die Aufgabe hat, die behör- denübergreifende Zusammenarbeit zu orga- nisieren, ein übergreifendes Netzwerk aller Beteiligten einzurichten und sicherzustellen, dass Handelnde identifiziert und Maßnah - men umgesetzt werden. Die Stadt Köln plant, ein Klimaanpassungs - management als zentrale Koordinierungs- stelle einzurichten, um die Verstetigung der Projektergebnisse zu gewährleisten und gleichzeitig eine Ausweitung der Hitzeakti- onsplanung auf andere vulnerable Gruppen und die gesamte Bevölkerung zu ermögli- chen, Maßnahmen umzusetzen und Stake - holder*innen zu benennen. Netzwerke zur interdisziplinären Zusam- menarbeit sind auf verschiedenen Ebenen aufgebaut worden. Einerseits wurde ein Stakeholder*innen-Netzwerk initiiert, das externe Akteur*innen (u. a. Ärzt*innen, Pfle - gedienste, Seniorenvertreter*innen, Sozi- alraumkoordinator*innen) mit den Ämtern der Stadt Köln vernetzt. Die Durchführung von interdisziplinären Workshops diente der gemeinsamen Analyse der Ist-Situation, der Prozessanalyse und der Konzeption von ziel- gruppengerechten Maßnahmen. Auch die Umsetzung von Maßnahmen wurde eingeleitet. Wichtig war dabei die Möglichkeit der Integration in vorhandene Strukturen und Netzwerke. Zudem wurden mit allen Akteur*innen die Prozesse erfasst, die zur Erstellung eines Hitzeeinsatzplanes für die Stadt Köln bedeutsam sind. Über die Stadt Köln hinaus wurde mit dem Format des Städtedialoges ein interkom- munales Netzwerk etabliert, um für einen Wissenstransfer über kommunale Grenzen hinweg nötige Strukturen zu schaffen. Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems Die WHO empfiehlt die Nutzung eines vali - den Hitzewarnsystems. In Deutschland wird ein entsprechendes Warnsystem vom Deut- schen Wetterdienst (DWD) betrieben und ist seit mehr als zehn Jahren etabliert. In den BMU-Handlungsempfehlungen (2017) wird angeregt, Hitzeaktionspläne auf Basis des Hitzewarnsystems des DWD zu entwickeln. Das Kernelement II hatte im vorliegenden Projekt eine hohe Bedeutung, da die Hit- zewarnung ein wichtiger Auslöser bei den Akteur*innen und Multiplikator*innen zur Maßnahmenumsetzung ist und gleichzeitig die Bevölkerung und die Zielgruppe direkt gewarnt und sensibilisiert werden. Auf der Internetstartseite der Stadt Köln erscheint automatisiert die Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD), wenn für mindestens zwei Tage in Folge eine hohe Wärmebelastung erwartet wird. 7.2 Kernelemente und Maßnahmen 161 Projektbegleitend ist das Hitze-Portal Köln eingerichtet worden, um gebündelt Infor- mationen zum Thema Hitze in der Stadt und deren gesundheitlichen Auswirkun- gen sowie Verhaltenstipps bereitzustellen. Gleichzeitig werden die verschiedenen Akteur*innen und die Bevölkerung über Newsletter und das Hitze-Portal angeregt, sich für die automatisierten Hitzewarnungen des DWD anzumelden. Zudem erscheint die Hitzewarnung auch auf den elektronischen Anzeigetafeln der Köl- ner Verkehrsbetriebe an allen Haltestellen sowie in Bussen und Straßenbahnen und informiert die Fahrgäste mit dem folgenden Text: „Achtung Hitzewarnstufe 1 * Bitte trin- ken Sie ausreichend Wasser und meiden die Sonne“. Diese Maßnahme wurde auch im Sommer 2022 mit dem Text „Achtung Hitze! Trinkt ausreichend Wasser und meidet die Sonne! Weitere Infos und Maßnahmen zur Abkühlung: www.stadt-koeln.de/hitzeportal“ durchgeführt. Abb. 7.6: Internetstartseite der Stadt Köln mit Hitzewarnung vom 18.07.2022. 162 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.2 Kernelemente und Maßnahmen Kernelement III: Information und Kommunikation Die WHO empfiehlt die Erstellung und Kommunikation von hitze- bezogenen Gesundheitsinformationen für die Bevölkerung. Diese sollen zielgruppengerecht sein und den zeitlichen Ereignishorizont berücksichtigen. Im Projekt wurden verschiedene Medien einge - setzt, um die Zielgruppe zu erreichen. Gleichzeitig sind die Maß - nahmen in den zeitlichen Kontext gesetzt worden. Die Kommunika - tionsinhalte sowie die Kommunikationswege wurden gemeinsam mit dem Stakeholder*innen-Netzwerk im Rahmen von drei durch - geführten Akteursworkshops erarbeitet. Eine Maßnahme zur Sensibilisierung der Zielgruppe während aku- ter Hitzeperioden ist der Song „Drinke“, produziert von der Kölner Liedermacher-Formation Klabes. Der Song vermittelt in kölschem Dialekt einfache Maßnahmen bei Hitzeereignissen zur Gesundheits - prävention, wie das ausreichende Trinken. Abb. 7.7: Hitzewarnung auf einer elektronischen Anzeigetafel an einer Stadtbahn-Haltestelle der KVB im Sommer 2022 7.2 Kernelemente und Maßnahmen 163 Der Dialekt erleichtert den Zugang zur Zielgruppe und regt auf unterhaltsame und amüsante Art Verhaltensmaßnahmen an. Zusammen mit Auszubildenden der Stadt Köln wurde außerdem ein Musikvideo zu diesem Projektsong produziert. Das Video wurde auf allen gängigen Plattformen veröffentlicht und ist auch im städti - schen Hitze-Portal abrufbar. Der Film mit dem Projektsong in kölscher Sprache bietet einen nie - derschwelligen Zugang zum Thema gesundheitlicher Schutzmaß - nahmen gerade für Menschen im Alter, die in Köln aufgewachsen sind und so den Zugang zur Mundart haben. Auch der musikalische Ansatz ist eine Möglichkeit, Menschen z. B. mit Demenz besser zu erreichen. Im Juli 2021 ging die kölsche Band Klabes in Begleitung des Projektteams mit dem Song „Drinke“ auf Tour durch fünf Kölner Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Senior*innen. Abb. 7.8: Die Kölner Band Klabes. Standbild aus der Produktion des Videoclips. Abb. 7.9: Klabes-Tour durch Kölner Senior*inneneinrichtungen im Sommer 2021. www.youtube.com/ watch?v=n7O68J4oqTI 164 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.2 Kernelemente und Maßnahmen Ziel dieser Öffentlichkeitsmaßnahme war es, Menschen über 65 Jahren in kölscher Spra - che über Maßnahmen zum Schutz vor som - merlicher Hitze und zunehmenden Hitzewel- len zu informieren. Die Auftaktveranstaltung fand im Festsaal der Sozial-Betriebe-Köln (SBK) in Riehl statt, gefolgt von weiteren Einrichtungen in Blumenberg, Ehrenfeld und Porz. Neben wichtigen Hitzetipps und dem Song Drinke gab das Trio jeweils ein knapp einstündiges Konzert. Das Publikum genoss in guter Stimmung die Musik bei nicht zu heißen Temperaturen, teils unter freiem Himmel. Der vom Umweltbundesamt (UBA) zur Verfügung gestellte Hitzeknigge ist eine Broschüre zur Sensibilisierung der Bevöl- kerung bei Hitzeereignissen. Die Broschüre wurde erweitert und auf lokale Bedürfnisse angepasst. Die zahlreichen Tipps und Hin - weise für den Alltag im Sommer wurden mit lokalen Informationen für die Stadt Köln zielgruppengerecht gebündelt. Diese speziell für die Stadt Köln bereit- gestellten Informationen und Angebote sind in Kooperation mit lokalen Kölner Akteur*innen und Institutionen zusam- mengestellt worden und unterstützen die Sensibilisierungsarbeit. So bietet der Kölner Hitzeknigge neben Beratungsangeboten für Menschen im Alter, Informationen zu öffent- lichen Trinkmöglichkeiten und Toiletten in Köln auch Hinweise zur Medikamentenein- nahme sowie wertvolle Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze. Der Köln-spezifische Hitzeknigge ist nicht nur im Hitze-Portal abrufbar, sondern wird auch in gedruckter Form direkt an Menschen 65+ oder bei Stadtteilfesten durch Multiplikator*innen verteilt. Derzeit wird bereits die dritte Auflage (insgesamt 6.000 Stück) des Hitzeknigge gedruckt, der somit sehr gut angenommen wird. Abb. 7.10: Titelseite des Kölner Hitzeknigge (2021) 7.2 Kernelemente und Maßnahmen 165 11 Hitzetipps Das gedruckte Plakat mit 11 Hitzetipps wurde für den Aushang in Wartezimmern von ärztlichen Praxen oder in Apotheken konzipiert. Die Kernbotschaft „Spitze bei Hitze“ erzeugt einen Wiedererken - nungswert und bringt die Inhalte in kurzer prägnanter Form auf den Punkt. Die Beschränkung auf 11 Hitzetipps dient der Übersichtlich- keit und Eingängigkeit. Abb. 7.11: Plakat mit 11 Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze. 166 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.2 Kernelemente und Maßnahmen Mega-Light-Kampagne Die Mega-Light-Kampagne hat eine hohe Reichweite und ist auf die Gesamtbevöl- kerung ausgerichtet. Sie kommuniziert das Thema breit in die Bevölkerung und zu Multipli kator*innen. Auch hier konnte die Kernbotschaft den Wiedererkennungseffekt steigern. Hitze-Portal Köln Das Hitze-Portal Köln bündelt alle Infor- mationen zu sommerlichen Hitzeereignissen, Klimawandelanpassung und gesundheit- lichen Präventionsmaßnahmen. Abb. 7.12: Mega-Light-Kampagne im Sommer 2022. www.stadt-koeln.de/ hitzeportal Abb. 7.13: Das Hitze-Portal, Screenshot. Das Hitze-Portal Köln bietet unter schiedliche Informationen an und bündelt diese an einer Stelle. 7.2 Kernelemente und Maßnahmen 167 Basisinformationen: Stadtklimatische Grundlagen; wie entwi - ckelt sich der Klimawandel in Köln; wie ist das Kaltluftgeschehen; Projektinformatio - nen zum Hitzeaktionsplan. Verhaltenstipps: Temperaturen um oder über 30 °C über mehrere Tage belasten viele Menschen und schränken die Leistungsfähigkeit ein. 11 Hit- zetipps und der Kölner Hitzeknigge dienen als Vorbereitung für die nächste Hitzewelle. Warnstufen: Der Deutsche Wetterdienst warnt mit einem zweistufigen System in den Sommermona - ten vor Hitze, wenn eine bestimmte Tem- peraturschwelle überschritten wird. Hier wird beschrieben, welche Warnstufen bei Hitze ereignissen veröffentlicht werden und welche Warnmedien und Informationen der DWD bereitstellt. Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit: Hier wird beschrieben, wer bei Hitze beson - ders gefährdet ist und welche gesundheit- lichen Auswirkungen Hitze hat. Wasser und Trinken: Trinken ist bei Hitze eine wichtige Maß- nahme. Eine interaktive Karte zeigt die Kölner Trinkbrunnen und die hitzebelasteten Stadtteile auf. Abkühlung bei Hitze in Badeseen und Schwimmbädern. Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen Die WHO empfiehlt die Reduzierung der Hitze in Innenräumen, um durch kurz- oder mittelfristige Maßnahmen den Anstieg der Innenraumtemperatur bei extremer Hitze zu bremsen. Dieses Kernelement zielt auf technische bzw. bauliche Maßnahmen wie z. B. außen- liegende Verschattungen ab. Hier ist der Handlungsrahmen der Kommune einge- schränkt, da die Umsetzung in der Verant- wortung der Hauseigentümer*innen bzw. der Immobilienwirtschaft liegt. Möglich sind Informationskampagnen und Stakeholder- Dialoge, unter anderem mit Wohnungsbau- gesellschaften, oder Förderprogramme, die einen Anreiz zur Umsetzung hitzeredu- zierender Maßnahmen setzen können. Die Kommune kann beispielhaft und vorbildlich Maßnahmen an ihren eigenen Gebäuden umsetzen. Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen Die WHO empfiehlt die besondere Betrach - tung von vulnerablen Risikogruppen. Mit dem vorliegenden Projekt hat die Stadt Köln einen ersten Baustein für einen umfassen - den Hitzeaktionsplan entwickelt. Dieser setzt die Menschen im Alter in den Fokus. Weitere Gruppen sollten im Zuge der Ver- stetigung des Hitzeaktionsplans berücksich - tigt werden. Hier sind auch weitere Multi- plikator*innen einzubinden. 168 7. Entwicklung und Umsetzung von Interventions maßnahmen 7.2 Kernelemente und Maßnahmen Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme Die WHO-Empfehlungen in diesem Kern- element richten sich an die Gesundheits- und Sozialsysteme. Diese sollen durch Aus- und Fortbildungen wichtige Inhalte zu adäquatem Handeln erlangen. Im Rah - men des Projekts konnten Stakeholder aus den Bereichen Gesundheit und Soziales erreicht und aktiviert werden. Die Einbin - dung wurde einerseits durch die Akteurs - workshops sichergestellt, aber auch durch die konti nuierliche Information über einen Rundbrief. Zudem wurden Grundlagen für den Einbezug von Hitze in Forschung und Lehre erarbeitet. Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen Die WHO beschreibt mit diesem Kernele - ment die Notwendigkeit der langfristig ausgerichteten Maßnahmen im Themenfeld Stadtentwicklung und Stadtplanung. In beiden Themenfeldern liegen kommunale Kernkompetenzen, um eine klimawandel- gerechte Gestaltung etwa von Neubau- gebieten für die Zukunft zu gewährleisten. Somit ist die Einbindung des Themenfeldes Stadtklima, Klimawandelanpassung, Hit - zeentwicklung in das Bauleitplanverfahren ein wichtiger langfristiger Baustein im Gesamtkontext. Zu klären ist hier, welche Maßnahmen über Festsetzungen in Bebauungsplänen reali - siert werden können. Die Festlegung von verbindlichen Vorgaben für den Hitzeschutz in Planungsverfahren erfordert eine inten - sive Vorbereitung und Abstimmung. Zudem setzt sie einen stadtentwicklungs - politischen Willen voraus, da die Vorgaben bei Investor*innen als Einschränkung emp- funden werden können. Gleiches gilt für die Einbindung in Ziel- setzungen der Stadtentwicklung. Diese Einbindung erfolgt in der Stadt Köln durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt. Maßnahmen im Bestand sind durch das Fehlen eines formellen Beteiligungs ver- fahren, bei dem alle Träger öffentlicher Belange gehört und eingebunden werden, schwierig zu realisieren. Dies gilt besonders für Maßnahmen, die stadtweit umgesetzt werden sollen. Neben der reinen Stadtplanung sollten in dieses Kernelement auch weitere bauliche Maßnahmen zur Minderung von Hitze zuge- ordnet werden. Zur Kühlung von Hitzehot- spots im Bestand, also auf Stadtplätzen oder in Straßen, kann Wasser eingesetzt werden. Die Stadt Köln arbeitet an der Entwicklung eines stadtweiten Konzepts (s. KE 3.8, Kühlung öffentlicher Plätze mit Was- ser). Im Sommer 2022 wurde ein Pilotver- such durchgeführt, bei dem ein mit Düsen ver sehener Feuerwehrschlauch auf einem Innenstadtplatz getestet wurde. Dabei wurden die technischen Voraus- setzungen ebenso geprüft wie die Hand - habung, der Personaleinsatz und das Nutzer*innenverhalten in einer Umfrage. An diesem heißen Tag herrschten Tem- peraturen von etwa 35 °C. 7.2 Kernelemente und Maßnahmen 169 Rund 90 Prozent der Befragten haben das Angebot sehr positiv bewertet und ange - geben, eine deutliche Abkühlung zu spüren. Sie wünschten sich eine Wiederholung. Nicht nur Kinder haben sich in dem Wasser- nebel aufgehalten. Gerade am Nachmittag waren Menschen aller Altersgruppen vor Ort, die sich abgekühlt haben. Die Ergebnisse der Pilotierung müssen noch weiter ausgewertet und für eine stadtweite Konzeption angepasst werden. Hier sind auch bauliche Änderungen der Plätze mit einzuplanen (u. a. Hydranten-Anschluss, Platzbelag und Gefälle). Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen Die WHO empfiehlt eine zeitnahe epidemio - logische Beobachtung und die Evaluation der Hitzeschutzmaßnahmen. Die empfohlenen Monitoringsysteme sind nachgeschaltet, um die Wirksamkeit von Maßnahmen zu prüfen und zu dokumentie- ren. Im Zuge der Verstetigung der Ergeb- nisse des Projekts sollen geeignete und messbare Indikatoren entwickelt werden. Fraglich ist derzeit allerdings, ob und wie das komplexe Wirkgefüge der durchgeführ- ten Maßnahmen in einer Großstadt mit Indi - katoren abgebildet werden kann. Auch die Datenverfügbarkeit ist zu klären. Abb. 7.14: Cooling Cologne, Pilotierung zur Kühlung mit Wasser, Sommer 2022. Foto Stadt Köln 2022 8. Maßnahmenkatalog 172 8. Maßnahmenkatalog Im Zuge des HAP-Köln-Projekts wurden mögliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung gegen Hitze identifiziert und in einer Maß - nahmenübersicht in Anlehnung an die acht Kernelemente der WHO für Hitzeaktionspläne strukturiert beschrieben. Jede Einzelmaß - nahme wird in einem Steckbrief detailliert dargestellt. Neben einer allgemeinen Beschreibung der Maßnahme werden der Umsetzungszeithorizont, die Reichweite, der Kostenrahmen (soweit einschätzbar), Hemmnisse sowie lokale Kölner Besonderheiten beschrieben. Der Maßnahmenkatalog soll auch interessierten Kom - munen die Möglichkeit eröffnen, Impulse für die eigene Maßnah - menentwicklung aufzugreifen. WHO-Kernelement Kategorie Maßnahme Seite Kernelement I Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit KE 1.1 Klimaanpassungsmanagement (KAM) 174–175 KE 1.2 Trisektorale Vernetzung 176 KE 1.3 Interkommunale Vernetzung 177 Kernelement II Nutzung eines Hitzewarnsystems KE 2.1 Verbreitung des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ 178–179 KE 2.2 Verbreitung der App Luftwarnung (UBA) für erhöhte bodennahe Ozonwerte 180–181 KE 2.3 Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD 181–182 Kernelement III Information und Kommunikation KE 3.1 Interaktive Erfrischungskarte 183 KE 3.2 Köln-spezifischer Hitzeknigge 184–186 KE 3.3 Lebensmittel Trinkwasser 187–188 KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne 188–190 KE 3.5 Hitzeeinsatzplan 191 KE 3.6 Pressearbeit und Veröffentlichungen 192 KE 3.7 Projektsong „Drinke“ mit Imagefilm 193 KE 3.8 Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser 194–195 173 WHO-Kernelement Kategorie Maßnahme Seite Kernelement IV Reduzierung von Hitze in Innenräumen KE 4.1 Förderung von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen an Wohngebäuden 196 KE 4.2 Informationskampagne zur Kühlung von Innenräumen 197 Kernelement V Besondere Beachtung von Risikogruppen KE 5.1 Telefonische Beratungsmöglichkeiten während der Hitzepe - riode 198–199 KE 5.2 Vulnerabilitätsanalyse 199 KE 5.3 Zielgruppengerechte Informationsmaterialien 200 KE 5.4 Manual zum Selbst-Check 201 KE 5.5 Unterstützende Dienste bei Hitze anbieten & Integration von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche 202–203 KE 5.6 Auswertung Wegebeziehungen / Erreichbarkeiten 204 Kernelement VI Vorbereitung der Gesund- heits- und Sozialsysteme KE 6.1 Zusammenstellen von Ausbildungsunterlagen für medizinisches Personal und Apothekenpersonal 205 KE 6.2 Einbezug von Hitze in Forschung und Lehre 206 KE 6.3 Durchführen von Schulungen zur Sensibilisierung von Multiplikator*innen 207 KE 6.4 Verstärkte Berücksichtigung sommerlicher Hitzeereignisse im Qualitätsmanagement der Pflegeeinrichtungen 208 KE 6.5 Etablierung von Hitzesprechstunden bei Ärzt*innen 209 Kernelement VII Langfristige Stadtplanung und Bauwesen KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung 210–212 KE 7.2 Ausbildungsunterlagen für Architekt*innen und Stadtpla - ner*innen 213 KE 7.3 Satzung zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten zur Hitzeminderung 214–215 Kernelement VIII Monitoring und Eval uation der Maßnahmen KE 8.1 Evaluation der durchgeführten Maßnahmen des Hitzeaktionsplans 216–217 Tab. 8.1: Übersicht über die Maßnahmen-Steckbriefe 174 8. Maßnahmenkatalog 8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit KE 1.1 Klimaanpassungsmanagement (KAM) Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Organisation der Arbeitsstruktur Beschreibung Das Thema Klimawandelanpassung hat aufgrund des fortschreitenden Klimawandels im kommunalen Handeln an Bedeutung gewonnen und ist auch auf Bundes- und Landesebene in den Fokus gerückt. Dies zeigt sich unter anderem durch eine Vielzahl von Förderprogrammen auf Bundesebene im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS), aber auch auf NRW- Landesebene mit dem seit dem 1. Juli 2021 beschlossenen Klimaanpassungsgesetz NRW und der damit verbundenen 15-Punkte-Offensive. Das Landesgesetz bestärkt die Aktivitäten zur Klimawandelanpassung und versteht diese als Querschnittsaufgabe in den planerischen, gesundheitlichen und sozialen Handlungsfeldern der Kommunen. Auch der Bund sieht die Notwendigkeit einer zentralen Steuerung der Anpassungsmaßnahmen in Form eines Klimaanpassungsmanagements. So wurde neben der Entwicklung von Klimawandel- Anpassungskonzepten in Kommunen der Einsatz von Klimaanpassungsmanager*innen zur Konzepterstellung und Umsetzung gefördert. Ziel der Maßnahme Das Klimaanpassungsmanagement ist ein zentraler Anlaufpunkt zu den verschiedenen Themen der Klimawandelanpassung für Verwaltung, Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Bevölke - rung. Der ganzheitliche Ansatz erfordert die Betrachtung aller gesamtstädtischen Zusammenhänge und Querschnittsfragen. Die zentrale Koordination strukturiert, vereinheitlicht und kommuni - ziert den Prozess und treibt die Umsetzung von Maßnahmen voran. Aufgrund der Vielzahl der beteiligten Akteur*innen mit vielfältigen Strukturen ist die Vereinbarung einer abgestimmten Vorgehensweise auf Basis der ermittelten Grundlagendaten eine wichtige Voraussetzung. Es werden Prioritäten aufgrund vorhandener wissenschaftlicher Erkenntnisse gesetzt, Synergi - en erkannt und Zielkonflikte gemeinsam mit den Akteur*innen gelöst sowie die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen strukturiert. 8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit 8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit 175 KE 1.1 Klimaanpassungsmanagement (KAM) Stadt Köln Klimaanpassungsmanagement (KAM) als zentrale Koordination Die Entwicklung und Umsetzung von Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen als Grundlage für die resiliente Stadt der Zukunft ist in einer Großstadt wie Köln besonders in den Bereichen Stark - regenvorsorge und Hitzeprävention voranzutreiben. Aufbauend auf die Studie „Klimawandel - gerechte Metropole Köln“ liegt der Fokus in Köln jetzt auf einer Umsetzungsstrategie. Das Themenfeld Hitze in der Stadt und die Hitzeaktionsplanung sind Querschnittsaufgaben der Stadtverwaltung und betreffen viele Fachressorts und Disziplinen. Da die Bearbeitung der Aufgabe ein koordiniertes Zusammenarbeiten aller relevanten Fachämter sowie externer Akteur*innen erfordert, plant das Umwelt- und Verbraucherschutzamt die Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle mit einer auskömmlichen personellen Ausstattung. Folgende Aufgaben sollen wahrgenommen werden: • die strategische Ausrichtung und Fortentwicklung des gesamtstädtischen Klimawandelanpas - sungsprozesses, • die Initiierung und ressortübergreifende, interdisziplinäre, gesamtstädtische, prozessorientierte Koordinierung von Klimawandelanpassungsprojekten, • die Vernetzung mit und Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteur*innen zur Erreichung der städtischen Anpassungsziele, • (Fördermittel-) Beratung, • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, • verwaltungsinterne und externe Kommunikation, • Projektleitung Hitzeaktionsplan, • Geschäftsführung Arbeitskreis Klimawandelanpassung, gemeinsam mit den Stadtentwässe - rungsbetrieben (StEB) Köln, • Vertretung in Arbeitskreisen und regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken. Das KAM soll als zentraler Anlaufpunkt zu den Themen Klimawandelanpassung und Hitzeak - tionsplan für Verwaltung, Politik, Unternehmen, Wissenschaft, stadtnahe Beteiligungen und Bevölkerung dienen. Anzusprechende Partner*innen Umwelt-und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren In Köln bedingt die Größe der Verwaltung eine Zusammenarbeit von vielen Dienststellen. Diese führen die Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen im Rahmen ihrer originären Aufga - benwahrnehmung durch und benötigen hierfür gegebenenfalls zusätzliche Ressourcen. Zudem muss zunächst ein gemeinsames Verständnis für die Notwendigkeit von Anpassungsmaß - nahmen und deren Koordination geschaffen werden. Die Umsetzung von teilweise komplexen Anpassungsmaßnahmen erfordert neue Routinen der Zusammenarbeit, die noch geschaffen werden müssen. Kosten Personalkosten und Sachkosten (hoch) Verstetigung Fortlaufende Finanzierung muss gegeben sein. Weitere Infos Das zentrale Klimaanpassungsmanagement ist auch in anderen Kommunen ein aktuelles The - menfeld. Regensburg: Der Klimaanpassungsmanager wurde als Stabsstelle im Büro des Bürgermeisters angesiedelt, um die Bedeutung der Aufgabe hervorzuheben und eine thematisch übergreifende Zusammenarbeit mit den Fachämtern zu erleichtern. Münster und Bremen: Das Anpassungsmanagement wurde im Umweltressort implementiert. Düsseldorf: Düsseldorf stattet die vorhandenen Stellen mit weiteren Ressourcen aus und richtet zukünftig ein eigenes Sachgebiet im Umweltamt ein. Hamburg: Die Stabsstelle Klimafolgenanpassung/RISA koordiniert die Aktivitäten zur Anpas - sung an die Folgen des Klimawandels und fungiert als Leitstelle für die Umsetzung des Prozesses zur Regeninfrastrukturanpassung. Frankfurt am Main: Die Bildung eines eigenen Referates für Klimawandelanpassung ist geplant. Bonn, Dortmund, Leverkusen, Neuss, Solingen und Remscheid: Das Themenfeld wurde jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten besetzt. 176 8. Maßnahmenkatalog 8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit KE 1.2 Trisektorale Vernetzung Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; langfristige Entwicklung und Planung Reichweite gezielt (Akteur*innen und Multiplikator*innen) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung verschiedene Ämter, Apotheken, Ärzt*innen, Pflegedienste, Sozialraum- und Seniorenkoor - dinator*innen, Seniorenberater*innen, Netzwerke, aufsuchende Hilfe, Feuerwehr, Verbraucher - zentrale, Bäckereien etc. Beschreibung Eine erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung zielgruppengerechter Maßnahmen zur Minderung gesundheitlicher Folgen von Hitzeereignissen ist nur durch die Zusammenarbeit aller Akteur*in - nen einer Stadtgesellschaft möglich. Die trisektorale Vernetzung dient dazu, entsprechende Mul - tiplikator*innen und Akteur*innen im Zusammenhang mit Hitze und Gesundheit zu identifizieren, sich auszutauschen und zu vernetzen. Dies kann durch regelmäßig stattfindende Akteurswork - shops, Arbeitskreise oder Runde Tische erfolgen. Multiplikator*innen in relevanten Institutio - nen oder Vereinigungen bzw. im Gesundheitswesen zu identifizieren hilft dabei, anschließend Informationsmaterial und Botschaften an die Zielgruppen weiterzugeben. Der Austausch mit verschiedenen Akteur*innen hilft, bereits bestehende Strukturen zu erkennen und zu nutzen, und erleichtert die Zusammenarbeit untereinander. Ziel der Maßnahme • Einbindung der Akteur*innen in den Hitzeaktionsplan • Schaffen einer gemeinsamen Arbeitsplattform • Identifizieren von Multiplikator*innen • Etablieren eines gemeinsamen Hitzeeinsatzplans Stadt Köln Zum Projektbeginn wurde ein gemeinsamer Fachworkshop (Kick-off-Meeting) mit ins gesamt 37 Teilnehmenden durchgeführt. Eine weitere Einbindung der fach- und handlungs kompetenten Ak - teur*innen in Köln fand im Frühjahr 2021 im Rahmen von drei Workshops statt, in denen in einem intensiven fachlichen Austausch verschiedene Inhalte erarbeitet wurden. Unter den ungefähr 20 Beteiligten auf operativer Ebene waren verschiedene Akteur*innen aus den Bereichen Stadt - verwaltung und Stadtwerke Köln, Wissenschaft, Ärzteschaft, Seniorenvertretung und weiteren zivilgesellschaftlichen Netzwerken vertreten. Per Videokonferenz sind gemeinsam relevante Prozesse sowie nützliche Informationen erfasst worden, die zur Erstellung des Hitzeeinsatz - planes für die Stadt Köln und des Köln-spezifischen „Hitzeknigge“ bedeutsam sind. Es wurde analysiert, wie Maßnahmen zur Hitzeprävention umgesetzt und in die tägliche Arbeit integriert werden können. Weitere trisektorale Vernetzungstreffen fanden 2021 und 2022 bei den sogenannten Runden Tischen für Seniorenarbeit in den einzelnen Stadtbezirken statt. Dort wurde das Projekt vor - gestellt, das Thema Hitze und Gesundheit angesprochen und entsprechendes Informations - material an die Multiplikator*innen verteilt. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Seniorenkoordinator*innen der einzelnen Stadtbezirke Hemmnisse/ Störfaktoren Datenschutz Kosten Ggf. Kosten für Agenturbeauftragung, Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) (hoch) Verstetigung Durch die Etablierung eines regelmäßigen ‚Runden Tisches-Hitzeaktionsplan‘ soll das geknüpfte Netzwerk weitergeführt werden. Dieses Gremium, das aus den wesentlichen Akteur*innen der Ver waltung, des Gesundheitswesens sowie Vertreter*innen der Zielgruppe zusammengesetzt ist, soll die weitere Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen begleiten. Ziel ist, eine Arbeits - struktur zu schaffen, die sowohl die fachlich-wissenschaftliche Beschreibung von Maßnahmen zum Inhalt hat als auch die konkrete Umsetzung in den jeweiligen Zuständigkeitsbereichen abstimmt und vorantreibt. Dieser Arbeitskreis soll vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln organisiert und koordiniert werden. Der Runde Tisch Seniorenarbeit findet vierteljährlich statt. Jedes Jahr im Frühjahr sollen die Multiplikator*innen aktuelles Informationsmaterial zur Weiterleitung an die Zielgruppe erhalten. Weitere Infos Ergebnisse Akteursworkshops siehe Kapitel 6.5 8.1 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit 177 KE 1.3 Interkommunale Vernetzung Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite bundesweit Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung gezielt (Umwelt- und Gesundheitsämter anderer Städte, Expert*innen für Hitze und Gesundheit) Beschreibung Im Rahmen eines interkommunalen Erfahrungsaustausches werden die Auswirkungen des Kli - mawandels im urbanen Raum mit anderen Städten diskutiert. Bei den jeweiligen Treffen können verschiedene Schwerpunkte, wie z. B. die Erstellung von Einsatzplänen, thematisiert werden. Mögliche Maßnahmen zur Verminderung der gesundheitlichen Risiken in Hitzeperioden werden bewertet, Chancen und Hindernisse diskutiert sowie wichtige Akteur*innen identifiziert. Die Kommunen stellen ihre aktuellen und geplanten Aktivitäten zur Hitzeanpassung dar und tei - len ihre Erfahrungen. Best-Practice-Bespiele können dazu dienen, von den Erfahrungen anderer Städte zu profitieren. Ziel der Maßnahme Vernetzung und gegenseitiger kommunaler Informationsaustausch zum Thema Hitze und Ge - sundheit/Hitzeaktionsplanung. Ziel ist ein offener Austausch auf Augenhöhe, der regelmäßig stattfindet. Einen Vorteil bieten hierzu Online-Videokonferenzen. Stadt Köln Der Städtedialog Hitzeanpassung wurde im Rahmen des Projekts ins Leben gerufen. Das erste Treffen fand am 23. September 2020 mit den Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, München, Neuss und Köln statt. Am 16.09.2021 wurde das zweite Treffen mit 18 Kommunen (44 Teilnehmenden) durchgeführt. Vorgetragen haben neben der Stadt Köln die Städte Wien sowie Dresden und Erfurt. Anzusprechende Partner*innen Kommunen (Umwelt- und Gesundheitsämter) Hemmnisse/ Störfaktoren keine Kosten Bindung von personellen Ressourcen der ausrichtenden Kommune; externe Moderation des Städtedialogs empfehlenswert (mittel) Verstetigung Aufgrund des großen Interesses und der guten Resonanz soll das Format „Städtedialog Hitze - anpassung“ mit rotierender Organisation in regelmäßigen Abständen (z. B. jährlich im Frühjahr) fortgeführt werden. Das nächste kommunale Vernetzungstreffen wird von der Stadt Dresden und Erfurt im Herbst 2022 ausgeführt und vom Projektteam unterstützt. Weitere Infos Ergebnisse Städtedialog 2020 + 2021 (siehe Kapitel 6.5) 178 8. Maßnahmenkatalog 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems KE 2.1 Verbreitung des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit; gezielt für Multiplikator*innen u. Akteur*innen Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung sowie Multiplikator*innen für die Verbreitung des Newsletters Beschreibung Wer den Newsletter des Deutschen Wetterdienstes abonniert hat, erhält die Hitzewarnungen sowie UV-Warnungen per Mail zugeschickt. Um eine möglichst weite Verbreitung der Hitze - warnung zu erreichen, soll der Newsletter bei der Bevölkerung wie auch bei verschiedenen Multi - plikator*innen durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen beworben werden. Hierzu gehören Stadt- und Seniorenfeste sowie die Veröffentlichung in unterschiedlichen Medien, wie Zeitungsartikel, Internetportale zum Thema Hitze und Gesundheit und Informationsbroschüren. Hitzewarnung: Eine Hitzewarnung wird herausgegeben, wenn als Schwellenwert die gefühlte Temperatur an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 32 °C liegt und zusätzlich nur eine geringe Abkühlung in der Nacht zu erwarten ist (starke Wärmebelastung). Die gefühlte Temperatur dient der Beschreibung des thermischen Empfindens. Das thermische Empfinden wird berechnet als eine Funktion aus den meteorologischen Variablen Lufttem pe- ratur, Windgeschwindigkeit, Wasserdampfdruck, mittlere Strahlungstemperatur und der metabolischen Rate sowie der Wärmeisolation der Bekleidung. Die Warnung „Extreme Wärmebe lastung“ wird herausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur über 38 °C erwartet wird. Ultraviolette (UV-) Strahlung: Die natürliche UV-Strahlung wird von der Sonne abgegeben und hängt vom Breitengrad, von der Jahreszeit, von der Tageszeit und der Bewölkung ab. Die Strahlung ist für den Menschen nicht erkennbar und wirkt gesundheitsschädlich an Haut und den Augen. UV-Strahlungen kön - nen Sonnenbrand, Binde- und Hornhautentzündungen sowie langfristige Gesundheitsschäden, zum Beispiel vorzeitige Hautalterung, Hautkrebs oder „Grauen Star“ (Katarakt), verursachen. Die Intensität der UV-Strahlung wird weltweit ständig überwacht und als UV-Index veröffentlicht. Eine UV-Warnung wird entweder im Frühling/Frühsommer herausgegeben, wenn für die Jahres - zeit ungewohnte Werte des UV-Index erreicht werden (gering bewölkt, sonnenbrandwirksame UV-Strahlung in der Größenordnung von 20 % über dem Dekadenmittel und mind. UV-Index 5), oder wenn für die Region eine ungewohnte UV-Belastung und absolut erhöhte Werte des UV-In - dex im Bereich sehr hoher UV-Indizes erreicht werden (langjährige Häufigkeit des Auftretens in der Größenordnung von 1 % der Tage). Ziel der Maßnahme Mithilfe von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen sollen die Bevölkerung und Multiplikator*in - nen motiviert werden, den DWD-Newsletter zu abonnieren und die Warnung bei hoher Hitze- und UV-Belastung an relevante Personengruppen weiterzuleiten. Dadurch wird die Verbreitung von Hitze- und UV-Warnungen erreicht und die Bevölkerung sensibilisiert. Stadt Köln Im Rahmen des Projekts erfolgte die Verbreitung des DWD-Hitzenewsletters durch Öffentlich - keitsarbeit wie beispielsweise durch Veröffentlichung auf der Internet-Projektseite, dem Hitze-Portal Köln und im Rundbrief des Projekts, der halbjährlich versendet wurde. Auch die im Jahr 2021 erarbeitete Informationsbroschüre Hitzeknigge wurde für die Bewerbung des News - letters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ eingesetzt. Anzusprechende Partner*innen Deutscher Wetterdienst Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Nur Online-Registrierung möglich (nicht für alle Altersgruppen geeignet) Kosten keine Verstetigung Eine kontinuierliche Verbreitung erfolgt z. B. auf dem städtischen Hitze-Portal. Geplant ist außerdem eine automatische E-Mail-Weiterleitung, die die Hitzewarnung des Deutschen Wetter - dienstes zusammen mit wichtigen Verhaltenstipps bei Hitze (z. B. PDF-Datei Hitzeknigge) an das eigene Akteur*innennetzwerk weitergibt. 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems 179 KE 2.1 Verbreitung des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ Weitere Infos Quellen: www.klima-mensch- gesundheit.de www.bfs.de/DE/ themen/opt/uv/uv_node DWD GesundheitsWetter-App www.dwd.de/DE/leistungen/gesundheitswetter/gesundheitswetter Die GesundheitsWetter-App des DWD informiert das Gesundheitswesen, besonders betroffene Menschen und Risikogruppen sowie die allgemeine Öffentlichkeit zur aktuellen Warn- und Wettersituation in Bezug auf die aktuellen Gesundheitseinflüsse. DWD WarnWetter-App www.dwd.de/DE/leistungen/warnwetterapp/warnwetterapp Mit der WarnWetter-App versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen seines gesetzlichen Auftrages die breite Öffentlichkeit und die Einsatzkräfte aus dem Katastrophen-, Bevölker - ungs- und Umweltschutz mit wichtigen Hinweisen zur aktuellen Warn- und Wettersituation. Die all gemeine Gefährdungslage für Deutschland kann auf einer eingefärbten Warnkarte schnell erfasst und zusätzlich ergänzende Detailinformationen abgerufen werden. Hitzewarnung DWD www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/hitzewarnung www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_gemeinden/warnWetter_node DWD-Newsletter https://www.dwd.de/DE/service/newsletter/newsletter_node.html UV-Gefahrenindex https://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesuvi/gefahrenindexuvi.html Hitze-Portal Köln https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzewarnung 180 8. Maßnahmenkatalog 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems KE 2.2 Verbreitung der App Luftqualität (UBA) für erhöhte bodennahe Ozonwerte Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit; gezielt für Multiplikator*innen u. Akteur*innen Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung sowie Multiplikator*innen, für die Verbreitung der App Beschreibung Das farblose und giftige Spurengas Ozon bildet in der Atmosphäre in einer Höhe von 20 bis 30 Kilometern die natürliche Ozonschicht. Dort schützt es die Erde vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne. Bei sommerlichen Hitzewellen mit hohen Lufttemperaturen und starker Sonneneinstrahlung wird die Entstehung von bodennahem Ozon begünstigt und kann in hohen Konzentrationen der Gesundheit schaden. Die Folge sind Reizungen der Atemwege, Husten, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden und Einschränkung der Lungenfunktion. Empfindliche Menschen oder Personen mit Atemwegserkrankungen sollten bei hohen Ozonwerten körper liche Anstrengungen im Freien vermeiden. An rund 300 Messstationen in Deutschland wird die Ozonkonzentration in der bodennahen Luft gemessen und von den zuständigen Behörden der Länder zeitnah im Internet veröffentlicht. Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht aktuelle Ozondaten für ganz Deutschland in Kartenform und als Tabellen unter www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten. Hier werden auch deutschlandweite Ozonvorhersagen für den aktuellen Tag und die beiden Folge - tage veröffentlicht. Zudem stellt die UBA-App „Luftqualität“ jederzeit aktuelle Ozon-Stunden - werte und Warnmeldungen bereit: www.umweltbundesamt.de/app-luftqualitaet. Als Zielwert für den Schutz der menschlichen Gesundheit wird ein Ozonwert von 120 µg/m3 angestrebt. Ab einem Ozonwert von 180 µg/m 3 (1-Stunden-Wert) ist die Informationsschwelle erreicht und es werden durch das UBA über die Medien Ozonwarnungen und Verhaltensem p- fehlungen an die Bevölkerung, auch via Radio, Fernsehen oder Tageszeitungen weitergegeben. Die Alarmschwelle liegt bei 240 µg/m3 (1-Stunden-Wert). Ziel der Maßnahme Durch eine gezielte Informationskampagne werden die Einflüsse von bodennahem Ozon auf die Gesundheit kommuniziert und die Bevölkerung und Multiplikator*innen angeregt, die App „Luftqualität“ zu abonnieren und die Warnung bei hoher Ozonbelastung an relevante Personen - gruppen weiterzuleiten. Dadurch wird eine Verbreitung von Ozonwarnungen erreicht und die Bevölkerung sensibilisiert. Stadt Köln Informationen zu Ozonwarnungen stehen online im Hitze-Portal Köln zur Verfügung. Anzusprechende Partner*innen Umweltbundesamt (UBA) Hemmnisse/ Störfaktoren Nur Online-Registrierung möglich (nicht alle Altersgruppen geeignet) 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems 181 KE 2.2 Verbreitung der App Luftqualität (UBA) für erhöhte bodennahe Ozonwerte Kosten keine Verstetigung Kontinuierliche Verbreitung durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln, z. B. auf der städtischem Hitze-Portal-Seite Weitere Infos Quellen: www.lanuv.nrw.de/umwelt/ luft/immissionen/ aktuelle-luftqualitaet/ozon-o3 www.umweltbundesamt.de/ daten/luft/ozon-belastung Aktuelle Ozondaten www.dwd.de/DE/forschung/atmosphaerenbeob/ zusammensetzung_atmosphaere/ozon/o3_ozon_node.html App Luftqualität www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftqualitaet/app-luftqualitaet KE 2.3 Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle Reichweite stadtweit Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung Beschreibung Um die negativen Folgen der Hitze zu reduzieren, werden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Warnungen zu Hitze und erhöhter UV-Strahlung herausgegeben. Die Hitzewarnungen sensibili - sieren die Bevölkerung für das Extremwetterereignis und regen zu Schutzmaßnahmen an. Neben der Aufforderung zum Abonnieren des DWD-Newsletters können Kommunen die Hitzewarnung und Verhaltensinformationen durch weitere Medien wie z. B. elektronischen Werbetafeln, Webseiten, TV und Radio kommunizieren, um eine möglichst weite Verbreitung zu erreichen. Ziel der Maßnahme Stadtweite Bekanntmachung der DWD-Warnungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung als zusätzliche Informationsquelle während einer Hitzeperiode. Stadt Köln Die Stadt Köln verbreitet die Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes auf verschiedenen Kanälen: Auf der Startseite des Internetauftritts www.stadt-koeln.de wird automatisch die Hitzewarnstufe eingeblendet. Bürger*innen stehen weitere Informationen zur Hitzewarnung und zu Verhaltens - maßnahmen im Hitze-Portal Köln zur Verfügung. Die Hitzewarnung wird darüber hinaus von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) an den Halte - stellen der Stadtbahnen auf der interaktiven Informationsanzeige in den heißesten Stunden des Tages gezeigt. Auf den KVB-Anzeigetafeln erscheint z. B. der Text: „Achtung Hitze! Trinkt aus reichend Wasser und meidet die Sonne! Weitere Infos und Maßnahmen zur Abkühlung: www.stadt-koeln.de/hitzeportal “. 182 8. Maßnahmenkatalog 8.2 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems KE 2.3 Stadtweite Verbreitung der Hitzewarnung des DWD Anzusprechende Partner*innen Deutscher Wetterdienst, Kölner Verkehrsbetriebe, Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Die Hitzewarnung des DWD muss aktiv an die Kölner Verkehrsbetriebe weitergeleitet werden. Der zeitliche Vorlauf muss berücksichtigt werden. Kosten keine Verstetigung Die automatisierte Darstellung der Warnstufen auf der Internetstartseite der Stadt Köln wurde eingerichtet und wird nach Projektende weiter fortgesetzt. Das Hitze-Portal Köln wird fort - laufend aktualisiert. Weitere Infos www.stadt-koeln.de/hitzeportal 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 183 KE 3.1 Interaktive Erfrischungskarte Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle Reichweite stadtweit Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung Beschreibung Die Erfrischungskarte zeigt Orte im Stadtgebiet, an denen der kühle Aufenthalt bei Hitzeereig - nissen möglich ist. Diese Orte bieten zum Beispiel Menschen, die in Dachgeschosswohnungen leben, die sich bei Hitze besonders aufheizen, die Gelegenheit der Abkühlung und Erholung. Hier werden auch Standorte von Trinkbrunnen dargestellt, da die ausreichende Versorgung mit Trinkwasser ein zentrales Element der Hitzeprävention darstellt. Insbesondere ältere Menschen verzichten auf das Trinken, wenn sie die eigene Wohnung ver - lassen, weil sie Toilettengänge vermeiden möchten. Daher ist die Information über öffentlich zugäng liche Toiletten-Standorte als Voraussetzung einer angepassten Verhaltensweise wichtig. Darüber hinaus spielen Orte eine große Bedeutung, die einen erholsamen Aufenthalt in einem Hitzesommer ermöglichen. Diese Aufenthaltsqualität bieten Parks, Grünflächen, Friedhöfe mit hohen schattenspendenden Bäumen und Sitzbänken. „Coole Orte“ können auch klimatisierte Einkaufszentren oder Kirchen sein. Die Erfrischungs - karte zeigt Orte auf, die auf lokaler Ebene (Stadtviertel) direkt vor der Haustür zu erreichen sind. Je nach städtischen Gegebenheiten können diese Orte sehr individuell auf das Viertel bezo - gen sein. Durch das Anbieten von Hitzespaziergängen oder Rikschafahrten können „kühle“ Orte aufge - sucht, die Gegend erkundet und hitzegerechte Wegeführung vor der eigenen Haustür zusam - mengestellt werden. Ziel der Maßnahme Durch die Identifizierung und Darstellung von öffentlichen Orten zur Abkühlung bzw. Erfrischung wie z. B. Aufenthaltsräume, Toiletten, Trinkwasserbrunnen, Refill-Stationen und die Veröffent - lichung auf der kommunalen Internetseite erhalten die Einwohnenden Informationen für die Eigenvorsorge. Stadt Köln Eine erste interaktive Karte der hitzebelasteten Gebiete (Planungshinweis karte Hitze) und der Standorte der Kölner Trinkbrunnen wird im Hitze-Portal Köln dargestellt. Geplant ist, die Karte sukzessiv zu erweitern. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Die regelmäßige Aktualisierung der Daten muss sichergestellt werden. Kosten keine Verstetigung Schrittweise Erweiterung der interaktiven Karte; Evaluierung der Standorte Weitere Infos www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzeportal-koeln/ planungshinweiskarte-hitze-trinkbrunnen 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 184 8. Maßnahmenkatalog 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 185 KE 3.2 Köln-spezifischer Hitzeknigge Zeithorizont Vorbereitung vor dem Sommer Reichweite mittel Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter und Gesamtbevölkerung Beschreibung Das Umweltbundesamt (UBA) stellt im Rahmen der Mitmach-Kampagne „Schattenspender“ eine Broschüre, den sogenannten „Hitzeknigge“, zur Sensibilisierung der Bevölkerung vor und bei Hitzeereignissen mit zahlreichen allgemeinen Tipps und Hinweisen für den Alltag im Sommer zur Verfügung. Das UBA ermöglicht den Kommunen, die Broschüre mit lokalen Informationen zu ergänzen. Der Hitzeknigge sollte digital und als Druckerzeugnis zur Verfügung gestellt werden, damit eine möglichst breite Verteilung sichergestellt werden kann. Zudem bietet das Druckerzeugnis die Möglichkeit, dieses zur Sensibilisierung in den Stadtteilen gezielt einzusetzen. Ziel der Maßnahme Durch Anpassung des Infomaterials werden die individuellen, auf die Kommune bezogenen Informationen und Kontaktdaten aufgenommen und es wird zum Thema Hitze und Gesundheit sensibilisiert. Stadt Köln Im Rahmen von Workshops wurden die handelnden Akteur*innen und Multiplikator*innen der Stadtgesellschaft in die Erstellung des Köln-spezifischen Hitzeknigge eingebunden. Ziel war es, das vorhandene Fachwissen in die Broschüre zu integrieren. So bietet der Hitzeknigge neben allgemeinen Beratungsangeboten für Menschen im Alter, Informationen zu öffentlichen Trink - möglichkeiten und Toiletten in Köln auch Hinweise zur Medikamenteneinnahme sowie wertvolle Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze. Der Hitzeknigge kann als barrierefreie PDF-Datei vom Hitze-Portal Köln heruntergeladen wer - den. Druckexemplare können beim Umwelt- und Verbraucherschutzamt oder dem Gesundheits - amt angefordert werden. Derzeit wird der dritte Nachdruck beauftragt. Eine Gesamtauflage von 6.000 gedruckten Exem - plaren wird damit erreicht. Die meisten Exemplare sind an Senior*innenvertretungen und Netz - werke, die als Multiplikator*innen die Broschüre an die Zielgruppe weitergeben, verteilt worden. An die Bezirksämter der Stadt Köln, die Caritas und die Kölner Bank wurden ebenfalls Exemp - lare ausgegeben. Auch bei den Menschen 65+ der Stadt Köln ist das Interesse groß. Nachdem ein Artikel zum Hitzeknigge in der städtischen Zeitschrift für ältere Menschen „Kölner Leben“ erschienen war, wurden über 200 Exemplare von Privatpersonen angefordert. Größere Mengen sind unter anderem an Senior*innennetzwerke, Pflegeheime, Altenzentren, Koordinator*innen für ältere Menschen verschickt worden. Auf Veranstaltungen wie Senior*innen- und Stadtteilfesten in den einzelnen Veedeln wurde der Hitzeknigge an die Bevölkerung verteilt. Darüber hinaus wurde die Information zum Hitzeknigge auch in den Newsletter des Hausärzte - verbandes Nordrhein e. V. aufgenommen. Auch über dieses Medium sind zahlreiche Exemplare angefordert worden. 186 8. Maßnahmenkatalog 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation KE 3.2 Köln-spezifischer Hitzeknigge Anzusprechende Partner*innen Umweltbundesamt; Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren keine Kosten Druckkosten (mittel) Verstetigung Der Köln-spezifische Hitzeknigge ist auf dem Hitze-Portal Köln abrufbar und kann in gedruckter Form angefordert werden. Es ist geplant, den Hitzeknigge fortlaufend zu aktualisieren, weitere Zielgruppen zu ergänzen und ihn entsprechend fortzuschreiben. Weitere Infos Neben Köln haben auch die Städte Dortmund, Hanau, Ratingen, Ingelheim, Wetzlar und Worms sowie die Gemeinde Maisach einen lokalen Hitzeknigge erstellt und in Umlauf gebracht. In Bam - berg wurde ein regional angepasster Hitzeknigge in allen Apotheken der Stadt sowie im Rathaus ausgelegt. www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/ hitzeportal-koeln/hitze-verhaltenstipps www.umweltbundesamt.de/publikationen/ klimawandel-gesundheit-tipps-fuer-sommerliche-hitze Kontakt: Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt unter kompass@uba.de mit dem Betreff „Hitzeknigge individuell“ Informationen und Anleitung zum Hitzeknigge www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpas - sung-an-den-klimawandel/anpassung-auf-kommunaler-ebene/schattenspender-die- mitmach-kampagne-des-uba Newsletter des Hausärzteverbandes Nordrhein e.V. www.hausaerzte-nordrhein.de/service/newsletter 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 187 KE 3.3 Lebensmittel Trinkwasser Zeithorizont Schutz während des Sommers Reichweite nahe Umgebung (mittel) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung Beschreibung In heißen Sommern ist es wichtig, ausreichend zu trinken, denn das Durstgefühl setzt erst ein, wenn bereits viel Flüssigkeit verloren wurde. Das Durstempfinden kann bei Menschen im Alter gestört sein. Leitungswasser ist zu empfehlen, auch da es in Deutschland zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln zählt. Leitungswasser kommt gut temperiert aus dem Wasserhahn und steht rund um die Uhr zur Verfügung. Es müssen keine Wasserkästen getragen und auch Verpackungsmaterial kann eingespart werden. Die Verbreitung der Trinkwassernutzung kann durch zusätzliche Maßnahmen, wie die erleichter - te Vergabe von Gaststätten-Konzessionen bei Trinkwasserausgabe, oder durch die Installation von Trinkwasser-Spendern an öffentlich zugänglichen (geschützten) Orten, wie z. B. Innenstadt - plätzen, Parks, Spiel- und Sportplätzen, gesteigert werden. Auch temporäre Trinkwasserbrunnen auf Stadtfesten und bei öffentlichen Events können aufgestellt werden. Die deutschlandweit tätige Non-Profit-Organisation Refill setzt sich für die Vermeidung von Plastikmüll ein, indem sogenannte Refill-Stationen gegründet werden. Sie motiviert beispiels - weise Bäckereien, Geschäfte, Restaurants und Büros, kostenlos Leitungswasser für Bürger*in - nen zur Verfügung zu stellen. Auf einer interaktiven Karte werden die Standorte angezeigt, an denen mitgebrachte Trinkgefäße kostenfrei befüllt werden können. Ziel der Maßnahme Die Bevölkerung soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Trinkwasser aus dem Hahn zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln zählt und überall zur Verfügung steht. Außerdem soll ein Bewusstsein geschaffen werden, während Hitzewellen ausreichend zu trinken. Stadt Köln In der Stadt Köln sind derzeit 12 Trinkwasserbrunnen in verschiedenen Stadtbezirken installiert und auf einer interaktiven Karte auf dem Hitze-Portal Köln aufgeführt (s. auch KE 3.1). Auch die Refill-Stationen sind dort verlinkt. Bei Veranstaltungen und Workshops wurden Mitwirkende informiert und dazu motiviert, selbst zur Refill-Station zu werden oder andere dazu anzu regen. Im Rahmen des Projekts wurden außerdem Trinkflaschen bedruckt und an die Zielgruppe verteilt. Der Aufdruck „Drinke! Drinke! Drinke!“ soll zum Handeln anregen. Das abgedruckte Projekt-Logo steigert den Wiedererkennungswert für das Projekt. Es wurden hochwertige Trink - flaschen ausgewählt, die eine lange Lebensdauer haben, schadstofffrei sind und Projekte der internationalen Entwicklungszusammenarbeit unterstützen. Die Flasche bietet die Möglichkeit, auch aus einem integrierten Becher zu trinken. Der Einsatz der Trinkflaschen kann bei gezielten Kampagnen genutzt werden (Leitungswasser - kampagne, Senior*innenfeste, Stadtfeste). Ein Ergebnis der Befragung 2019 war, dass ein Großteil der Zielgruppe Trinkwasser in Flaschen kauft. Mit der Verteilung der Trinkflaschen sollen das Trinkverhalten von Menschen 65+ beein - flusst werden und die Vorteile der Nutzung von Leitungswasser herausgestellt werden. Im Sommer 2021 wurden auf der Konzerttour der Band Klabes in Kölner Einrichtungen für ältere Menschen Trinkflaschen an das Pflegepersonal verteilt. Das Personal ist Multiplikator und gleichzeitig selbst von sommerlicher Hitze betroffen. Anzusprechende Partner*innen RheinEnergie AG als Trinkwasserversorger für Köln Hemmnisse/ Störfaktoren keine Kosten Flaschenkauf, Druckkosten (mittel) Miet- und Aufstellungskosten von Trinkbrunnen (hoch) 188 8. Maßnahmenkatalog 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation KE 3.3 Lebensmittel Trinkwasser Verstetigung In Köln wurden 12 Trinkbrunnen in verschiedenen Stadtbezirken installiert. Die Stadt Köln hat die RheinEnergie AG mit der Aufstellung und dem Betrieb beauftragt. In Zukunft sind weitere Standorte für öffentlich zugängliche Trinkbrunnen vorgesehen. Aktuell werden die bestehenden Trinkbrunnen von der RheinEnergie AG evaluiert und das Stadtplanungsamt befasst sich mit ge - eigneten weiteren Standorten. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen ist federführend und erarbeitet einen politischen Beschluss für die Aufstellung weiterer Trinkbrunnen. Vorschläge der Bevölkerung werden aufgegriffen und mit in die Prüfung aufgenommen. Weitere Infos www.atiptap.org www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/ klima/hitzeportal-koeln/hitze-wasser-trinken www.refill-deutschland.de KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne Zeithorizont Spezielle Maßnahme während einer akuten Hitzewelle; Schutz und Sensibilisierung während des Sommers Reichweite stadtweit Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung Beschreibung Durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Maßnahmen auf Veranstaltungen, Wochenmärk - ten, Senior*innen- und Straßenfesten können die Bevölkerung sowie soziale Netzwerke, Vereine und Gemeinden auf das richtige Verhalten und ausreichendes Trinken während Hitzeperioden aufmerksam gemacht und mögliche Fragen direkt beantwortet werden. Verschiedene Schu - lungen, Kochkurse und spezielle Informationsveranstaltungen können eine frische und leichte Ernährung anregen. Entsprechendes Promotions- und Informationsmaterial wie bspw. bedruckte Trinkflaschen, Fächer und die Broschüre „Hitzeknigge“ können die Sensibilisierungsarbeit unterstützen. Ein Gewinnspiel bestärkt die Aufmerksamkeit und mithilfe einer mobilen Wassertheke wird die Bevölkerung zum Thema Trinken informiert. 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 189 KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne Beschreibung Einsatz digitaler Formate: Anhand digitaler Medien werden Informationen zum Thema Hitze und Gesundheit zur Verfügung gestellt. Ein „Hitze-Portal“ ist beispielsweise eine Internetseite, die gebündelte Informationen zum The - ma Hitze und Gesundheit zusammenfasst. Neben allgemeinen Basisinformationen stehen die Aufklärung über die gesundheitlichen Auswirkungen sowie wichtige Hinweise zum Verhalten bei Hitze im Mittelpunkt. Mega-Light-Kampagne: Eine Mega-Light-Außenwerbung ist besonders plakativ und erreicht somit eine breite Bevölke - rungsschicht. Im Sommer können hier knappe Informationen zum Verhalten bei Hitze eingespielt und auf weiterführende Informationsquellen, wie z. B. ein Hitze-Portal, hingewiesen werden. Einsatz von Printmedien: Eine weitere Möglichkeit, um möglichst viele Bürger*innen zu erreichen, sind Poster, die bei - spielsweise in ärztlichen Praxen, Apotheken, Bäckereien, Bezirksämtern usw. veröffentlicht wer - den können. Auch hier können knapp formulierte Hitzetipps einen ersten Hinweis zum richtigen Verhalten bei Hitze geben. Apps und Radio- / Fernsehwerbung: Diese könnten weitere sinnvolle Medien sein. Ziel der Maßnahme Anhand verschiedener Medien werden Informationen zum Thema Hitze und Gesundheit einer möglichst breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, um für das richtige Verhalten bei Hitze zu sensibilisieren. Stadt Köln Für die Stadt Köln wurde im Rahmen des Projekts ein Hitze-Portal erstellt. Neben allgemeinen Informationen zu Hitze und Gesundheit werden hier auch Hinweise speziell für die Kölner Bevöl - kerung bereitgestellt. Es werden die Kölner Badeseen und Schwimmbäder vorgestellt und auf einer interaktiven Karte öffentliche Trinkwasserbrunnen aufgezeigt. Auch bereits bestehende Projekte sowie bereits umgesetzte Sensibilisierungsmaßnahmen, wie der Projektsong „Drinke“ der Band Klabes, der Hitzeknigge, ein Hitze-Quiz und ein Kreuzworträtsel, die als Downloaddatei zur Verfügung stehen, sind auf dem Internetportal zu finden. Im Rahmen des Projektes wurde das Plakat „Spitze gegen Hitze“ mit 11 knappen und eingän - gigen Hitzetipps erstellt und in der Größe DIN A3 gedruckt. Erste Plakate konnten bereits an Seniorenkoordinator*innen verteilt werden, um diese in Senior*innen- und Pflegeheimen auszu - hängen. Die Mega-Light-Werbetafeln wurden erstmals für den Zeitraum 28.06. – 04.07.2022 gemietet. An 55 Standorten wurde mit einem Poster die Stadtbevölkerung auf die 11 Hitze-Tipps und auf weiterführende Informationen auf dem Hitze-Portal aufmerksam gemacht. Promotions- und Informationsmaterialien, wie Trinkflaschen und Fächer, wurden hergestellt. Die Trinkflaschen aus nachhaltigem Material und die Fächer wurden mit dem Projektlogo bedruckt, sodass ein Wiedererkennungswert erreicht werden konnte. Covid-19-bedingt konnten im Sommer 2021 das erste Mal auf der Klabes-Konzerttour in fünf Kölner Pflegeeinrichtungen öffentlichkeitswirksame Arbeit durchgeführt und die Promotions- und Informationsmaterialien verteilt werden. Auf verschiedenen Fachveranstaltungen, der Projektabschlussveranstaltung, dem ÖGD-Forum und Workshops wurden verschiedene Akteur*innen und Multiplikator*innen zum Thema Hitze und Gesundheit sensibilisiert. Außerdem stellte das Projektteam das Informationsmaterial Multi - plikator*innen zur Verfügung. So konnten unter anderem im Sommer 2022 die Produkte auf dem ersten Aktiv-Tag „Gut älter werden im Stadtbezirk Mülheim!“ und auf dem SeniorenSommerFest der SeniorenNetzwerke im Stadtbezirk Kalk an die Bevölkerung verteilt werden. 190 8. Maßnahmenkatalog 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation KE 3.4 Stadtweite Sensibilisierungs-Kampagne Anzusprechende Partner*innen Presseamt, Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Seniorenkoordinator*innen Hemmnisse/ Störfaktoren Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten die Maßnahmen vor Ort nicht wie ursprünglich ange - dacht durchgeführt werden, da so gut wie alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt wurden. Kosten Grafik- und Layoutkosten, Mietkosten der Mega-Light-Werbetafeln, Produktions- und Druck - kosten für Trinkflaschen (504 Stück), Fächer (500 Stück), Broschüre Hitzeknigge (6.000 Stück), Poster (1.000), Roll-ups (10); Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) Verstetigung Das Hitze-Portal wird stetig aktualisiert und soll weiter ausgebaut werden. Die Poster mit 11 Hitze tipps werden an weitere Multiplikator*innen versendet. Außerdem soll mit den Mega- Light-Werbetafeln in Zukunft jährlich zu Beginn des Sommers die Bevölkerung auf das richtige Verhalten bei Hitze aufmerksam gemacht werden. Weitere öffentlichkeitswirksame Arbeit wird in den Sommermonaten und bei Hitzewellen durchgeführt. Außerdem sollen jährlich vor dem Sommer Sensibilisierungsveranstaltungen für verschiedenen Akteur*innen und Multiplikator*innen durchgeführt werden. Weitere Infos Weitere Städte, die bereits ein Hitze-Portal erstellt haben: Hitze-Portal Erfurt: www.erfurt.de/ef/de/leben/oekoumwelt/stadtklima/hitze/index Hitzeportal Lübeck: www.luebeck.de/de/stadtentwicklung/klimaschutz/hitzeportal/ Hitzeknigge und das Kreuzworträtsel sind online auf dem Hitze-Portal Köln frei zum Download verfügbar: www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/ hitzeportal-koeln/hitze-verhaltenstipps 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 191 KE 3.5 Hitzeeinsatzplan Zeithorizont Vorbereitung vor dem Sommer, langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Verschiedene Akteur*innen und Multiplikator*innen aus dem Bereich Hitze, Gesundheit, Seni - or*innen- und Sozialarbeit, Verwaltung Beschreibung Der Hitzeeinsatzplan identifiziert und dokumentiert die Handelnden in einer Kommune, macht die konkreten Aktionen mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten in ihrem zeitlichen Ablauf transparent und stimmt sie aufeinander ab. Noch fehlende, notwendige Maßnahmen werden identifiziert und Verantwortlichkeiten festgelegt. Ein Hitzeeinsatzplan sollte sowohl Maßnahmen während akuter Hitzeperioden als auch vorberei - tende Maßnahmen beinhalten. So können beispielsweise bei einer Hitzewelle die Warnstufen an die Multiplikator*innen kom - muniziert werden, die diese Information dann gemeinsam mit Verhaltenshinweisen an die vul - nerablen Gruppen weitergeben. Der Einsatzplan ist kollaborativ mit allen Beteiligten zu erarbeiten und abzustimmen. Nach der Erstellung ist er an die beteiligten Akteur*innen und Multiplikator*innen zur Übersicht zu vertei - len, die Umsetzung ist zu beobachten und die Inhalte sind gegebenenfalls fortzuschreiben. Ziel der Maßnahme Ziel ist eine abgestimmte, transparente und verbindliche Vorgehensweise vor und während Hitzeereignissen zur optimalen Information und Unterstützung der vulnerablen Bevölkerungs - gruppen. Stadt Köln Im Rahmen von drei Akteursworkshops wurde ein erster Hitzeeinsatzplan entworfen. Anschlie - ßend sind die Akteur*innen aufgefordert worden, einen Fragebogen zu ihren Rollen (z. B. Koor - dination, inhaltliche Mitarbeit, Informationsverbreitung) auszufüllen. Die Informationen wurden ausgewertet und der Hitzeeinsatzplan entsprechend ergänzt. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln hat somit eine Übersichtsliste aller rele - vanten Kontakte vorliegen, die im Fall einer Hitzewelle oder vorbereitend auf den Sommer zur Zusammenarbeit aktiviert werden können. Bislang beschränken sich die Aktionen im Wesentlichen auf die Weitergabe von Informationen (z. B. Hitzeknigge, Poster mit 11 Hitzetipps), die durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt zur Verfügung gestellt werden. Wird vom DWD eine Hitzewarnung herausgegeben, veranlassen die Kölner Verkehrsbetriebe als Multiplikator die Meldung auf den elektronischen Bus- und Bahnanzeigetafeln, um die Bevöl - kerung auf die steigenden Temperaturen aufmerksam zu machen. Die Aktion erfolgt auf Zuruf durch das Umwelt- und Verbraucherschutzamt. Gemeinsam wird der Text für die elektronische Warnung abgestimmt. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Festlegung von Umsetzungsverantwortlichkeiten für noch nicht realisierte Aktionen kann aufgrund von unzureichenden personellen und finanziellen Ressourcen problematisch sein. Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) Verstetigung Eine Weiterleitung der DWD-Hitzewarnung an die im Hitzeeinsatzplan aufgeführten Akteur*in - nen soll automatisiert werden. Der Hitzeeinsatzplan soll vervollständigt und regelmäßig aktuali - siert sowie auf weitere Zielgruppen ausgeweitet werden. Weitere Infos Beschreibung Hitzeeinsatzplan (Kapitel 7.1) 192 8. Maßnahmenkatalog 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation KE 3.6 Pressearbeit und Veröffentlichungen Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung; Vorbereitung vor dem Sommer Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung; medizinisches Personal, Ärzt*innen Beschreibung Die Informationsweitergabe während einer akuten Hitzeperiode über verschiedene Medien, wie Printmedien (Zeitungsartikel), Rundfunk und Fernsehen (lokale Radio- und TV-Sender) und Onlinemedien (E-Mail-Verteiler, soziale Medien, Onlinezeitungen und Online-Streamingdiens - te), ermöglicht eine breite Streuung von Verhaltenshinweisen bei Hitze. Es kann sich dabei um kurze Ansprachen handeln, z. B. bei den Wetternachrichten, oder um längere TV- und/oder Radio-Spots. Besonders Rundfunkmedien werden vermehrt von der Zielgruppe (Menschen über 65 Jahren) genutzt und haben somit eine hohe Reichweite. Durch Veröffentlichungen in Zeitschriften, die an die Zielgruppe adressiert sind (z. B. die Apo - theken-Umschau), können neben zahlreichen allgemeinen Tipps und Hinweisen für den Alltag im Sommer auch medizinisch relevante Informationen in Leichter Sprache vermittelt werden. Die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zielen darauf ab, medizinisches Personal und Ärzt*innen über das Thema Hitze und medizinische Auswirkungen sowie präventive Maßnahmen zu sensibilisieren und zu informieren. Als Multiplikator*innen für die Zielgruppe können sie die Informationen und Maßnahmen bei Hitze individuell an ihre Klientel weitergeben. Ziel der Maßnahme Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung direkt oder mittelbar durch Multiplikator*innen, wie medizinisches Personal und Ärzt*innen. Stadt Köln Für die Stadt Köln wurde von der Band Klabes der Song „Drinke“ (KE 3.7) produziert, der online auf allen gängigen Musikplattformen abrufbar ist und auch im Sommer live auf Konzerttouren der Band gespielt wurde. Außerdem erschienen einige Fachartikel mit Informationen zum Projekt sowie Artikel zu Verhaltenshinweisen bei Hitze in Zeitschriften wie der Apotheken-Umschau, Kölner Leben, Johanniterzeitung. Eine Zusammenstellung aller erschienenen Fachartikel zum Projekt ist im Anhang A4 zu finden. Anzusprechende Partner*innen Lokale Mediensender; Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Universitätsklinikum Bonn Hemmnisse/ Störfaktoren Hohe Kosten für Spots und fraglich ist, ob dies eine rein kommunale Aufgabe ist. Kosten Produktionskosten für Radio- und TV-Spots hoch, Fachartikel binden Personalressourcen Verstetigung Weitere Artikel, z. B. im Rheinischen Ärzteblatt, werden im Anschluss an das Projekt publiziert. Weitere Infos keine 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 193 KE 3.7 Projektsong „Drinke“ mit Imagefilm Zeithorizont Während des Sommers; spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung Beschreibung Entwicklung eines Songs sowie Produktion eines Musikvideos zur Verbreitung in Hitzeperioden; verfügbar über alle gängigen Musikstreamingdienste und über das Hitze-Portal Köln. Ziel der Maßnahme Durch den Song in kölschem Dialekt wird das Thema Trinken bei Hitzeereignissen zur Gesund- heitsprävention kommuniziert. Der Dialekt erleichtert den Zugang zur Zielgruppe und zeigt auf vergnüglich-unterhaltsame Art Verhaltensmaßnahmen auf. Stadt Köln Die Kölner Band Klabes produzierte im Auftrag der Stadt Köln den Song „Drinke“, der Maß - nahmen thematisiert, die während Hitzeperioden empfohlen werden. Um den Song medien - gerecht aufzubereiten, wurde zusammen mit zwei Auszubildenden der Stadt Köln ein passendes Musikvideo gedreht. Da der Song auf Kölsch gesungen wird, wurden zum besseren Verständ- nis im Video Untertitel eingefügt. Der Song ist zusammen mit dem Video im Jahr 2021 veröffentlicht worden. Im Sommer 2021 ging die Band gemeinsam mit dem Projektteam auf Tour durch fünf Kölner Pflegeeinrichtungen. Das Musikvideo wurde auch auf der Internetseite der Stadt Köln platziert und am 03.05.2022 im WDR Lokalfernsehen („Lokalzeit“) im Rahmen eines Berichts zur Abschlussveranstaltung präsentiert. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Band Klabes; Pflegeeinrichtungen Hemmnisse/ Störfaktoren Die Radiosender müssen angesprochen und motiviert werden, den Song zu spielen; eine direkte Einflussnahme ist nicht möglich. Kosten Produktionskosten, Songrechte, Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) Verstetigung Geplant ist, Kontakt mit Radiosendern aufzunehmen, um für das Thema zu sensibilisieren und den Song während Hitzeperioden im Radio spielen zu lassen. Dabei sollen vor allem Sender im Fokus stehen, die bei der Befragung in den Stadtteilen als Quelle für Hitzewarnungen genannt worden sind. Außerdem soll das Video Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen im Sommer gezeigt oder nur das Lied gespielt werden. Weitere Infos „Drinke“ von Klabes bei YouTube: www.youtube.com/watch?v=n7O68J4oqTI Song „Drinke“ im Hitzeportal Köln: www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/hitzeportal-koeln/ hitze-wasser-trinken 194 8. Maßnahmenkatalog 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation KE 3.8 Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle Reichweite nahe Umgebung (mittel) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung Beschreibung Als Vorbereitung für den nächsten heißen Sommer ist eine Strategie erforderlich, wie die Men - schen in der stark verdichteten Stadt durch wasserspendende, mobile Elemente Kühlung erhal - ten können. Folgende temporäre Wasserelemente kommen infrage: • Sprühnebelduschen • Perforierte Sprühschläuche • Trinkwassertheken Durch das Versprühen von Wasser können unter optimalen Bedingungen (sehr hohe Temperatur und geringe Luftfeuchte) Temperaturreduzierungen von bis zu 12 °C im Radius von 1 m um eine Düse erreicht werden. Ein Experiment von Huang et al. (2017) während der Shanghai Expo hat gezeigt, dass der Kühl - effekt durch veränderte Randbedingungen, wie eine geringere Windgeschwindigkeit oder eine Wasserdruck-Erhöhung, gesteigert werden kann. Auch die Tröpfchengröße spielt eine Rolle. Ziel der Maßnahme Schaffung von kühlen öffentlichen Plätzen mit einem niederschwelligen Zugang in akuten Hitzeperioden zur Steigerung der Resilienz Stadt Köln Wasser im öffentlichen Raum „Cooling Cologne – Sommer Sprüher“ Als eine Maßnahme zur Klimawandelanpassung wurde mit der RheinEnergie AG gemeinsam die Verwendung von „Sprühschläuchen“ zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in Hitzeperioden pilotiert. Es wurden im Vorfeld auch Sprühnebelduschen, wie sie die Stadt Wien verwendet, in Betracht gezogen. Diese können jedoch nicht ohne Weiteres auf Köln übertragen werden, da hier andere technische Gegebenheiten vorhanden sind (Hydrant, Wasserdruck). Zudem wird die feine Vernebelung von Wasser aus gesundheitlichen Aspekten kritisch gesehen, da durch den Nebel Luftschadstoffe und Allergene aus der Luft ausgewaschen, gebunden und als Aerosol ggf. einge - atmet werden können. Dies könnte vulnerable Gruppen zusätzlich belasten. Als wasserspendende Kühlelemente werden daher in Köln vorerst etwa 10 m lange Wasser - schläuche auf zentralen Plätzen verlegt. Diese werden an den Trinkwasserhydranten ange - schlossen und erzeugen einen etwa 4–6 m hohen Wasserstrahl, der die Umgebungsluft abkühlt und einen angenehmen Aufenthalt ermöglicht. Hierbei findet keine Feinstvernebelung statt. Die Auswahl der öffentlichen Räume erfolgte nach folgenden Standortkriterien: • hohe stadtklimatische Belastung • hohe Besucherfrequenz, z. B. Neumarkt oder Rudolfplatz • stadtweite Bedeutung • hoher Stellenwert für die Bürger*innen / Beliebtheit • Aufwertung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität • identitätsbildend, Raum wird zum Anziehungspunkt Nicht geeignet sind Räume mit internationaler Bedeutung (wie der Domvorplatz) oder zu kleintei - lige öffentliche Bereiche. Gemeinsam mit der RheinEnergie AG wird ein Pilotprojekt auf einem zentralen Platz durchge - führt, um die Handhabbarkeit und die Funktionalität der „Sommerspritzer“ zu testen. An einem Sommertag mit Temperaturen über 25 °C wird ein Test mit einem Sprühschlauch durchgeführt und dokumentiert. Dabei ist eine Testlaufzeit von etwa 4 Stunden vorgesehen. Die RheinEnergie AG ist mit Aufsichtspersonen vor Ort. Gleichzeitig werden die Reaktion und das Nutzungsverhal - ten der Bevölkerung in einer begleitenden Befragung dokumentiert. Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse des Testbetriebs werden ausgewertet und auf dieser Basis ein Machbarkeitskonzept für die Anwendung ab 2023 entwickelt. 8.3 Kernelement III: Information und Kommunikation 195 KE 3.8 Kühlung öffentlicher Plätze mit Wasser Stadt Köln Ziele des Probelaufs: • Funktions- und Machbarkeitstest im Realbetrieb, Handhabung, Ermittlung des Ressourcen - aufwands (Vorbereitungen, Aufbau, Betriebsphase, Abbau, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Nachbegehung) • Prüfung der relevanten Rahmenbedingungen (Standortkriterien etc.), Vorlaufzeiten, Beobach - tung des Nutzungsverhaltens, Akzeptanz in der Bevölkerung Weitere Aspekte, die berücksichtigt werden müssen: • Untergrund / Bodenpflasterung • Hydrantenverfügbarkeit und -entfernung • Verfügbarkeit des Platzes (Stadtteilfeste, Märkte) • Entwässerungskapazitäten / Wasserablauf • Hygienekonzept • Passant*innenaufkommen / Befragung • Hitzeinsel / Verschattung • Ausweichmöglichkeiten • Angrenzende Nutzungsbereiche wie z. B. Cafés oder Restaurants Anzusprechende Partner*innen Für Stadt Köln: Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Gesundheitsamt, Stadtplanungsamt, Ordnungsamt, Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung, RheinEnergie AG Hemmnisse/ Störfaktoren Umfangreicher Klärungs- und Organisationsaufwand unter Einbeziehung verschiedener Stellen: hygienische Sicherheit / Hygienekonzept; ordnungsbehördliche Nutzungsgenehmigung für den Platz; Nutzbarkeit des Platzes (Märkte, Feste, Außengastronomie); technische Voraussetzungen (Wasserdruck, Verfügbarkeit von Hydranten); verkehrliche Fragestellungen; personelle Ver - fügbarkeiten; vertragliche Regelungen; Lagerung und Reinigung der Schläuche; Akzeptanz bei der Bevölkerung; Standortfaktoren im öffentlichen Raum Kosten Anschaffungskosten Schlauch; Verbrauchskosten Wasser; Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) Verstetigung Nach der Pilotierung im Sommer 2022 auf einem zentralen Platz in der Innenstadt und der Prüfung und Dokumentation der Randbedingungen ist geplant, weitere Plätze auszuwählen und zusätzliche Schläuche zu beschaffen. Auf Grundlage der Erfahrungen der Pilotierung soll die RheinEnergie AG mit der operativen Umsetzung beauftragt werden. Weitere Infos Konzeption aus Wien: Dort werden verschiedene Abkühlungsmaßnahmen an öffentlichen Orten bei Hitzeperioden eingesetzt. Wiener Wasser hat Sprühnebelduschen entwickelt, die auf Hy dranten zur Abkühlung an Hitzetagen installiert werden. Diese sind mit Zeitschaltuhren ver sehen und können so zentral an heißen Tagen gesteuert werden. Darüber hinaus werden an ver schiedenen Orten Sprühschläuche verlegt, die im Intervallbetrieb für Abkühlung sorgen. www.wien.gv.at/umwelt/cooleswien 196 8. Maßnahmenkatalog 8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen KE 4.1 Förderung von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen an Wohngebäuden Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Eigentümer*innen von Wohngebäuden, Wohnungsbaugesellschaften Beschreibung Um Eigentümer*innen von Wohngebäuden einen erhöhten Anreiz für die kostenaufwendige Nachrüstung der Bestandsgebäude mit außenliegendem Sonnenschutz zu liefern, bietet es sich an, zusätzlich zu den Förderprogrammen des Bundes (BAFA oder KfW) kommunale Zusatzför - derungen anzubieten. Ziel der Maßnahme Durch Nachrüstung von Wohngebäuden im Bestand; Reduzierung von Hitze in Innenräumen Stadt Köln Anfang April 2022 ist das Förderprogramm „Gebäudesanierung und Erneuerbare Energien – klimafreundliches Wohnen“ der Stadt Köln in Kraft getreten. Es stehen Fördermittel von bis zu vier Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem neuen Förderprogramm werden auch durch den Bund unterstützte Maßnahmen einfach und transparent zusätzlich finanziert. Es besteht die Möglichkeit, unter anderem eine zusätzliche Förderung in Höhe von 10 Prozent der förderfähigen Kosten zum bestehenden Bundesprogramm zu erhalten. Bei den Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle ist auch die Anbringung von außen - liegendem Sonnenschutz förderfähig. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel Kosten hoch – 10 % der förderfähigen Kosten je Maßnahme Verstetigung Das Förderprogramm der Stadt Köln ist seit dem 01.04.2022 in Kraft. Wie die Akzeptanz für die Installation von Sonnenschutz sein wird und wie hoch der Kostenanteil hierfür ist, ist noch nicht absehbar. Weitere Infos www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/klima-umwelt-tiere/klima/ foerderprogramm-gebaeudesanierung-erneuerbare-energien-klimafreundliches-wohnen www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/effiziente_gebaeude_node www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien 8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen 8.4 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen 197 KE 4.2 Informationskampagne zur Kühlung von Innenräumen Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Bewohner*innen, Hauseigentümer*innen; Bauträger, Architekt*innen Beschreibung Bei Hitze heizen sich Räume und Wohnungen (insbesondere im Dachgeschoss) stark auf und beeinträchtigen das Wohlbefinden sowie die Gesundheit. Verschiedene Maßnahmen sind ge eignet, das Raumklima positiv zu beeinflussen. Vorrangiges Ziel sollte sein, die Sommerhitze erst gar nicht in die Räume zu lassen. Einfache Tipps, die jede*r Bewohner*in berücksichtigen kann, werden von verschiedenen Insti - tutionen wie z. B. den Verbraucherschutzzentralen zur Verfügung gestellt. Diese Tipps umfassen Hinweise zum richtigen Lüften, zum Sonnenschutz und zur Nutzung von Ventilatoren oder Kli - mageräten. Es ist jedoch sinnvoll, zu Beginn einer Hitzeperiode die Bevölkerung erneut auf diese Tipps hinzuweisen. Neben dem richtigen Verhalten bei Hitze sind auch die baulichen Gegebenheiten von besonderer Bedeutung. Der außenliegende Sonnenschutz, eine gute Wärmedämmung, die richtigen Fenster und Maßnahmen zur Verschattung sind wichtig. Hauseigentümer*innen können für die Nachrüs - tung und energetische Sanierung Fördermittel, die von Bund, Land NRW und Kommune zur Ver - fügung gestellt werden, in Anspruch nehmen. Beim Neubau schreibt das Gebäudeenergie-Gesetz (GEG) den sommerlichen Hitzeschutz be - reits vor. Er muss bei Planung und Bau eingeplant werden. Bei Bestandsgebäuden ist dies nicht der Fall. Daher ist es wichtig, auch Bauträger und Architekt*innen für die Berücksichtigung von Hitzeschutz bei der Sanierung zu sensibilisieren. Eine auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtete Kampagne hilft, diese Informationen zu verbreiten. Ziel der Maßnahme Kühlmanagement für Gebäude Stadt Köln Eine Kampagne muss konzipiert und geplant werden. Hierzu ist entsprechendes Fachwissen nötig. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Sensibilisierung der Zielgruppe, Vorgaben, Erhöhung der Baukosten, Fachkenntnisse Kosten Sachkosten, je nach Umfang der Kampagne gering bis mittel Verstetigung Öffentlichkeitswirksame Arbeit in den Sommermonaten und bei Hitzewellen mit unterschied - lichen Schwerpunkten ist geplant. Bei der Aufnahme weiterer Zielgruppen, wie z. B. Kinder, in den Hitzeaktionsplan ist auch die Kühlung von städtischen Gebäuden (z. B. Kindertagesstätten und Schulen) ein wichtiges Handlungsfeld. Weitere Infos www.bmwsb.bund.de/Webs/BMWSB/DE/themen/bauen/energieeffizientes-bauen-sanieren/ gebaeudeenergiegesetz/gebaeudeenergiegesetz-node.html www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/energetische-sanierung/ hitzeschutz-im-sommer-einfache-tipps-fuer-zu-hause-27952 198 8. Maßnahmenkatalog 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen KE 5.1 Telefonische Beratungsmöglichkeiten während der Hitzeperiode Zeithorizont Spezielle Maßnahme während akuter Hitzewelle Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter; selbstständig lebende Personen Beschreibung Ein Hitzetelefon bietet einen niederschwelligen Zugang zu Beratungsangeboten und Verhal tenshinweisen für Menschen im Alter, die nicht in Pflegeeinrichtungen wohnen. Bei einem aktiven Angebot werden Menschen 65+ angerufen, nach ihrem Wohlbefinden gefragt und Tipps zum richtigen Verhalten weitergegeben. Bei einem passiven Hitzetelefon wird eine Telefonnummer eingerichtet, unter der Informationen abgerufen werden können. Diese Angebote können mit Hilfen für den Alltag, Begleitung bei Einkäufen, Spaziergängen oder auch Botengängen kombiniert werden. Ziel der Maßnahme Niederschwelliger Zugang zu Beratungsangeboten und Verhaltenshinweisen für Menschen im Alter in Hitzeperioden mit dem Ziel, das Verhalten anzupassen und somit die Resilienz zu steigern Stadt Köln Beide Alternativen wurden im Rahmen von Akteursworkshops besprochen. Eine aktive Kontakt - aufnahme von Menschen über einer bestimmten Altersschwelle wurde aufgrund vermehrter Betrugsversuche wie dem „Enkeltrick“ kritisch gesehen. Somit ist die Nutzung bereits vorhan - dener Strukturen und Netzwerke präferiert worden. In Köln wird ganzjährig ein zentrales Beratungstelefon für Menschen 65+ und Menschen mit Behinderung angeboten, das in Zeiten der Sommerhitze auch entsprechende Informationen zur Hitzeprävention bereitstellen kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Kontaktaufnahme mit dem Bürgertelefon der Stadt Köln. Es erteilt Auskünfte zu sämtlichen Bereichen der Stadtverwaltung und unterstützt die Fachdienst - stellen mit vertieftem Wissen. Die Servicezeiten sind Mo.–Fr. 07:00 bis 18:00 Uhr. Jährlich werden rd. 1,1 Mio. Gespräche entgegengenommen. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt stellt die Informationen zur Hitzevorsorge zur Verfügung und hält diese auf dem aktuellen Stand. In der Broschüre Hitzeknigge sind alle wichtigen Beratungsangebote und Kontaktpersonen für Menschen im Alter aufgeführt. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt; zentrales Beratungstelefon für Menschen 65+ und Men - schen mit Behinderung der Stadt Köln (Amt für Soziales, Arbeit und Senioren); Bürgertelefon Hemmnisse/ Störfaktoren Die Informationen müssen auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Kosten Bei der Stadt Köln werden bereits bestehende Strukturen genutzt. Daher fallen keine zusätzli - chen Kosten an. Verstetigung Das Team des zentralen Beratungstelefons ist Teil des Hitzeeinsatzplanes und erhält vor dem Sommer aktuelle Informationsbroschüren und Hinweise, wie z. B. den Hitzeknigge zur inhalt - lichen Vorbereitung. Auf Ebene der Stadtviertel sollen die vorhandenen ehrenamtlichen Netzwerke und Nachbar - schaftshilfen (z. B. Nebenan.de, Helfende Hände) ebenfalls eingebunden, sensibilisiert und Informationen zur Verfügung gestellt werden. 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen 199 KE 5.1 Telefonische Beratungsmöglichkeiten während der Hitzeperiode Weitere Infos Beispiele aus anderen Kommunen: Aktives Hitzetelefon: Das Gesundheitsamt Region Kassel bietet seit elf Jahren in Zusammenarbeit mit dem Senioren - beirat das „Hitzetelefon Sonnenschirm“ an. Hier werden Menschen im Alter zwischen 8.30 und 12.00 Uhr kostenfrei angerufen. Neben dem Hinweis auf die bevorstehende Hitze gibt das Hitze - telefon-Team bei Bedarf auch allgemeine Tipps, wie man sich als älterer Mensch vor einer zu großen Hitzebelastung schützen kann. Während des Telefongesprächs achten die ehrenamtli - chen Mitglieder des Hitzetelefons außerdem auf Hinweise einer gesundheitlichen Beeinträch - tigung. In Metz (Frankreich) haben Menschen im Alter die Möglichkeit, sich zentral zu registrieren mit dem Ziel, sich im Rhythmus von zwei Tagen telefonisch kontaktieren zu lassen. Hier wird das Allgemeinbefinden abgefragt, zu Verhaltensweisen bei extremen Temperaturen beraten und ein Hinweis auf kühle öffentliche Orte weitergegeben. Passives Hitzetelefon: In Dortmund haben Menschen im Alter die Möglichkeit, ein Hitzetelefon anzurufen und gleich - zeitig Alltagshilfen wie Hilfen oder Begleitungen bei Einkäufen, Spaziergängen oder auch Boten - gänge durch ehrenamtliche Mitarbeitende anzufordern. KE 5.2 Vulnerabilitätsanalyse Zeithorizont Mittelfristig; langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Städtische Ämter Beschreibung Eine Vulnerabilitätsanalyse zeigt die Verwundbarkeit, Verletzlichkeit oder Anfälligkeit vor dem Hintergrund der klimawandelbedingten Veränderungen auf. Die Einschätzung der Beeinträchtigung auf räumlicher Ebene ist die Grundlage für eine Bewer - tung der Folgen des Klimawandels. Die Ermittlung regionaler Betroffenheiten ermöglicht eine strukturierte, räumlich verortete Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen. Ziel der Maßnahme Bewertung der räumlichen Verteilung und Betroffenheit der vulnerablen Gruppen als Grund- lage für die Entwicklung von raumbezogenen Maßnahmen in besonders hitzegefährdeten Stadtgebieten Stadt Köln Die Grundlagen der Vulnerabilitätsanalysen sind die räumlich differenzierte Hitzebelastung in Abhängigkeit der städtischen Nutzungen und die Anzahl und der Wohnort der Personengruppe 65+ im Stadtgebiet. Im Rahmen des Projekts wurde die Betroffenheit der in Köln lebenden Bevölkerung ab 65 Jahren in Bezug auf Wärmebelastungen räumlich differenziert bewertet. Die Vulnerabilitätsanalyse diente der Festlegung der Stadtteile und Sozialräume für die Befragung der dort lebenden Bevöl - kerung über 65 Jahre zur Hitzeanpassung und zu gesundheitlichen Aspekten. Zudem können die Ergebnisse zur Verortung von Maßnahmen genutzt werden. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Amt für Stadtentwicklung und Statistik Hemmnisse/ Störfaktoren keine Kosten keine Verstetigung Die Analyse soll mit aktualisierten Eingangsdaten fortgeschrieben werden Weitere Infos keine 200 8. Maßnahmenkatalog 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen KE 5.3 Zielgruppengerechte Informationsmaterialien Zeithorizont Vorbereitend vor dem Sommer; Schutz während des Sommers Reichweite gezielt auf die vulnerable Zielgruppe Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung Beschreibung Informationsmaterialien sind zielgruppengerecht zur Verfügung zu stellen, um eine bestmögliche Wirkung zu erzielen. Hierbei stehen sowohl die Wahl des Mediums als auch die auf die Bedürf - nisse der Zielgruppe ausgerichteten Inhalte im Fokus Die Zielgruppe der Menschen im Alter (65+) informiert sich laut der im HAP-Köln-Projekt durchgeführten Befragungen vorwiegend über die Medien TV, Radio oder Tageszeitung. Hieran angepasst sind die Kommunikationsformate und -kanäle auszuwählen, damit die Zielgruppe bestmöglich erreicht werden kann. Die Inhalte müssen sich nicht auf eine rein sachliche Informationsweitergabe beschränken, sondern können auch auf eine unterhaltsame Art und Weise aufbereitet werden, wie zum Beispiel mit Kreuzworträtsel und Hitze-Quiz. Ziel der Maßnahme Sensibilisierung von Menschen 65+, Verbreitung von Informationen Stadt Köln In einer quantitativen Befragung der Menschen im Alter über 65 Jahren vor Ort wurden die wesentlichen Kommunikationskanäle der Zielgruppe ermittelt. Gleichzeitig wurden in Akteurs - workshops Multiplikator*innen identifiziert, die über eigene Kommunikationskanäle die Ziel - gruppe erreichen können. Im Rahmen des Projekts konnten passende Formate erarbeitet und zum Teil bereits umgesetzt werden. Es wurde ein Hitze-Kreuzworträtsel entwickelt, das auch ausgedruckt genutzt werden kann. Trinkflaschen und Fächer sind zur Sensibilisierung eingesetzt worden. Zielgruppenspezifische Informationen stehen im gedruckten Hitzeknigge bereit. Die persönliche Ansprache ist besonders wichtig. Die Menschen 65+ und die Multiplikator*innen konnten jedoch erst nach der kritischen Phase der Covid-19-Pandemie wieder persönlich auf Stadtteilfesten u. a. in Mülheim, Porz und Lindenthal im Sommer 2022 angesprochen werden. Informationen für Multiplikator*innen sind das Hitze-Portal Köln auf der Webseite der Stadt Köln, das Plakat „Spitze gegen Hitze“ mit 11 Hitzetipps, das Manual zum Selbst-Check und das Frage-Antwort-Quiz mit hitzerelevanten Begriffen und Tipps. Die Materialien können an Multi - plikator*innen und in Wartezimmern bei Hausärzt*innen verteilt werden. Auch der Akteursworkshop stellt einen eingespielten Kommunikationskanal dar. Er wurde als partizipativer Prozess gestartet, der kontinuierlich fortgeführt werden soll. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt; Kreuzworträtsel und Selbst-Check: Universitätsklinikum Bonn Hemmnisse/ Störfaktoren Covid-19-Pandemie erschwerte die Erreichbarkeit der Zielgruppe insbesondere der allein lebenden Menschen 65+. Eine einzelne Kommune ist aufgrund der weiten Verbreitung nicht der geeignete Akteur, um Fernsehspots zu produzieren. Hier können lediglich ein Impuls und eine fachliche Unterstützung gegeben werden. Kosten Layout- und Druckkosten (mittel) Verstetigung Hitze-Quiz und -Kreuzworträtsel sind online im Hitze-Portal Köln verfügbar und könnten bei der Fortschreibung des „Hitzeknigge“ integriert werden. Kontinuierliche Fortführung der Akteurs - workshops und Einbindung der Akteur*innen im Hitzeeinsatzplan. Weitere Infos www.stadt-koeln.de/hitzeportal 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen 201 KE 5.4 Manual zum Selbst-Check Zeithorizont Vorbereitend für den Sommer; Schutz während des Sommers Reichweite geringer Einflussbereich Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter; Gesamtbevölkerung Beschreibung Mithilfe eines Selbst-Checks, den die Zielgruppe manuell ausfüllen kann, soll eine Sensi - bilisierung zum Thema Hitzeperioden und individuelle Risikofaktoren bzw. Gefährdung erfolgen. Über den Selbst-Check soll bei den Menschen 65+ das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe in Hitzeperioden verstärkt oder geschaffen werden. Der Test stellt eine nieder - schwellige Maßnahme dar und kann über das Hitze-Portal zur Verfügung gestellt werden. Zudem kann der Selbst-Check in den Hitzeknigge mit aufgenommen und an Multiplikator*innen und in Wartezimmern bei Hausärzt*innen etc. in gedruckter Form verteilt werden. Der Selbst-Check basiert konzeptionell auf dem Selbsttest „Sturzgefahr“, der von der Medizi - nisch-Geriatrischen Abteilung für Forschung und Dokumentation im Albertinen Haus, Zentrum für Geriatrie und Gerontologie (Dr. Ulrike Dapp), entwickelt wurde und in Hamburg seit vielen Jahren angeboten und eingesetzt wird. Ziel der Maßnahme Informationen, die bereits in Maßnahmen zum Selbstschutz übersetzt worden sind, werden in einen Selbst-Check überführt mit dem Ziel, dass Menschen im Alter in Hitzewellen schneller reagieren können. Stadt Köln Es wurde ein erster Entwurf erstellt und umfasst sowohl Risikofaktoren als auch Präventions - maßnahmen. Er ist derzeit in der Überarbeitung und Abstimmung zwischen den Projektpartnern und mit Unterstützung der wiss. Projektbeirätin Dr. Ulrike Dapp. Anzusprechende Partner*innen IHPH Universitätsklinikum Bonn Hemmnisse/ Störfaktoren Bereitstellung für allein lebende Menschen 65+ Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) Verstetigung Geplant ist die Umsetzung nach Projektende durch das IHPH des Universitätsklinikums Bonn in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln. Weitere Infos Link zum Selbsttest Sturzgefahr: www.hamburg.de/contentblob/895024/7b11f5ac1ecf5841d658a82f9fbfe64d/data/ broschuere-sicher-gehen.pdf 202 8. Maßnahmenkatalog 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen KE 5.5 Unterstützende Dienste bei Hitze anbieten & Integration von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche Zeithorizont Spezielle Maßnahmen während akuter Hitzeperioden/Hitzewellen; langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Menschen im Alter Beschreibung Die Versorgung selbstständig lebender Menschen im Alter bei Hitze ist oft nicht geklärt. Die Erhebung des HAP-Köln-Projekts ergab zum Beispiel, dass nur etwa 40 % der selbstständig lebenden Menschen 65+ Unterstützung von Kindern oder Schwiegerkindern erwarten. Von der Hausärzteschaft kann diese Aufgabe nicht allein übernommen werden. Perspektivisch könnten Hilfsorganisationen eingebunden werden, die bei einer Hitzewarnung nach hausärztlichen Vorgaben erste Maßnahmen umsetzen und für weitere Schritte das soziale Netz der Betroffenen aktivieren. Hierzu sollte die Zielgruppe gezielt angeschrieben werden und sich vorsorglich für den vorsor - genden Hausbesuch anmelden, damit bei einer Hitzewelle eine aktuelle Adressliste vorliegt. Ziel der Maßnahme Die Versorgung selbstständig lebender Menschen im Alter soll in konkreten Hitzebelastungs - situationen gestärkt und gesichert werden. Stadt Köln Im Projektverlauf erfolgten erste Überlegungen und Diskussionen. Ein Gespräch mit möglichen Partner*innen wird angestrebt. Anzusprechende Partner*innen In Köln tätige Hilfsorganisationen: Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Arbeiter-Samariterbund, Malteser Hilfsdienst, Johanniter Unfallhilfe u. a. m. Hemmnisse/ Störfaktoren Finanzierung, Personalmangel Kosten Hoch (qualifiziertes und geschultes Personal) Verstetigung Wird angestrebt 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen 203 KE 5.5 Unterstützende Dienste bei Hitze anbieten & Integration von Hitze in die vorsorgenden Hausbesuche Weitere Infos National und international gibt es eine Reihe von positiven Beispielen für zielführende Angebote aufsuchender Hilfe: Der „Hamburger Hausbesuch für Seniorinnen und Senioren“ ist ein kostenloses Angebot der Stadt Hamburg. Menschen im Alter, die kürzlich ihren 80. Geburtstag gefeiert haben, erhalten postalisch ein Besuchsangebot; geschulte Personen besuchen die alten Menschen, um über die vielfältigen präventiven gesundheitlichen Angebote, Hilfen bei gesundheitlichen Problemen, gegen Vereinsamung, bei Pflegebedürftigkeit oder für Unterstützungsbedarf im Haushalt zu informieren und auf Wunsch Hilfen zu vermitteln. Je nach Bedarf informieren die Fachkräfte über bestehende Unterstützungsmöglichkeiten und soziale Angebote, wie zum Beispiel über Treff - punkte oder Besuchs- und Begleitdienste. Auf Wunsch stellt die Fachkraft auch den Kontakt zu passenden Angeboten und den Pflegestützpunkten her. www.hamburg.de/hamburger-hausbesuch/ In Metz (Frankreich) führt das Centre Communal d‘Action Sociale (CCAS) der Stadt ein Register der gefährdeten Personen, die sich freiwillig registrieren lassen. Als gefährdet gelten Perso - nen, die 65 Jahre und älter oder über 60 Jahre alt und als arbeitsunfähig anerkannt sind sowie Erwachsene mit Beeinträchtigungen. Bei einer Hitzewarnung kontaktieren Sozialarbeitende des CCAS die erfassten Personen im Rhythmus von zwei Tagen telefonisch, um sich zu informieren, wie es ihnen geht. Sie beraten, wie sie sich bei extremen Temperaturen verhalten sollen, und verweisen sie an kühle öffentliche Unterkünfte. Die Stadt Metz kann auch Hilfsorganisationen mobilisieren, um gefährdete Menschen in ihrem Wohnumfeld aufzusuchen und sie bei Bedarf an kühle Orte zu bringen. Bei medizinischem Hilfebedarf werden die Registrierten vom ärztlichen Bereitschaftsdienst aufgesucht. www.tout-metz.com/plan-canicule-metz-2020-48736.php In Bologna (Italien) geht jährlich an 5.000 Bürger*innen, die über 65 Jahre alt sind, allein leben oder gesundheitlich beeinträchtigt sind, ein Schreiben, das für die gesundheitlichen Risiken bei Hitze sensibilisiert und auf eine kostenlose Nummer aufmerksam macht, den „Hitzewellen- Telefonservice der Gemeinde“. Hält eine Hitzewelle länger als drei Tage an, werden vulnerable Bevölkerungsgruppen aktiv angerufen. Es wird telefonisch geklärt, wie es um die Verfügbarkeit von häuslichen Pflegeleistungen wie etwa die Lieferung von Medikamenten und Mahlzeiten, den Transport zu medizinischen Untersuchungen und klimatisierten Einrichtungen steht. Darüber hinaus ist ein Dienst von örtlichen Pflegefachkräften aktiv, der sich aufsuchend um gesundheit - liche Risikosituationen kümmert und auch die Intervention eines notärztlichen Dienstes einfor - dern kann. www.comune.bologna.it/news/prevenzione-delle-ondate-di-calore 204 8. Maßnahmenkatalog 8.5 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen KE 5.6 Auswertung Wegebeziehungen / Erreichbarkeiten Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung (mittel) Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stadtplanungsamt Beschreibung Die Planung, Konkretisierung und Priorisierung von Maßnahmen erfolgen sinnvollerweise auf der Basis einer räumlichen Analyse, in der Daten zur Bevölkerungsverteilung und -entwicklung, zu hitzebelasteten Siedlungsbereichen sowie gegebenenfalls zu weiteren Faktoren ausgewertet werden. Die Auswertung mithilfe eines geografischen Informationssystems (GIS) bietet die Möglichkeit, Daten zu verschneiden und Auswertungen mit differenzierter räumlicher Tiefe zu erzeugen. Ziel der Maßnahme Priorisierung von Maßnahmen, Ermittlung von Hot-Spots mit besonderem Handlungsbedarf Stadt Köln Auf Basis der Statistischen Quartiere wurde eine Auswertung zur Erreichbarkeit von Parks als kühlen Räumen vorgenommen. Diese gliedert sich in zwei Schwerpunkte. Einerseits findet die Identifikation und Beschreibung der Orte und des Lebensumfelds der vulnerablen Gruppe statt und im weiteren Schritt werden der Zugang zu grüner Infrastruktur und die Wegeverbindungen ausgewertet. Zur besonderen Beachtung der Belastungsgebiete ist eine vertiefte Auswertung von hitzebe - lasteten Gebieten und vulnerabler Bevölkerung durchgeführt worden, um die Wegstrecke von der Wohnadresse der Gruppe 65+ zum nächstgelegenen Park zu quantifizieren. Die Ergebnisse können für eine bedarfsscharfe Entwicklung von Maßnahmen im Bereich grüner Infrastruktur genutzt werden. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt, Amt für Stadtentwicklung und Statistik Hemmnisse/ Störfaktoren keine Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) Verstetigung Vertiefende lokale Auswertungen zur Verortung von Maßnahmen unter Einbeziehung weiterer wichtiger Orte, wie z. B. hausärztlicher Praxen und Apotheken, sind geplant. Weitere Infos keine 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme 205 KE 6.1 Zusammenstellen von Ausbildungsunterlagen für medizinisches Personal und Apothekenpersonal Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung, Vorbereitung vor dem Sommer Reichweite gezielt für Multiplikator*innen aus dem medizinischen Bereich Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Medizinisches Personal; Apothekenpersonal Beschreibung Es werden Ausbildungsunterlagen für medizinisches Personal und Apothekenpersonal in Bezug auf hitzeassoziierte Gesundheitsprobleme für Menschen im Alter erstellt und für die Schulung des in der ambulanten Pflege tätigen Personals zur Verfügung gestellt. Ziel der Maßnahme Sensibilisierung des Pflegepersonals und der Apotheker*innen schützt Menschen 65+ während der Hitzeperiode Stadt Köln 2021 wurden Gespräche mit Unikliniken, der Caritas-Akademie und Apotheken aufgenommen. Eine Veranstaltung, um das Konzept der Schulung vorzustellen, ist noch in Planung. Anzusprechende Partner*innen Gesundheitsamt Hemmnisse/ Störfaktoren Bindung von personellen Ressourcen für die Recherche und Erstellung von Material Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) für die Recherche und Erstellung von Material Verstetigung Stetige Aktualisierung erforderlich Weitere Infos Bildungsmodule für medizinische Fachangestellte: www.klinikum.uni-muenchen.de/Bildungsmodule-Aerzte/de/bildungsmodule-mfa/ 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme 206 8. Maßnahmenkatalog 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme KE 6.2 Einbezug von Hitze in Forschung und Lehre Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite angestrebt: bundesweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung In der ersten Phase: Medizinstudierende der Universitäten Bonn und Köln Beschreibung Seminaraufgabe im 6. klinischen Semester, Studiengang Humanmedizin an der Universität Bonn Durch Einbindung des Themas in Seminare und Übungen im Studium der Medizin sollen Studierende schon frühzeitig für das Thema sensibilisiert werden. Am Universitätsklinikum Bonn erfolgt dies z. B. seit 2020 im Seminar zum Thema „Öffentliches Gesundheitswesen“ im Rahmen des Kurses Querschnittsbereich III (Gesundheitsökonomie, Gesundheitssysteme, Öffentliches Gesundheitswesen) Ziel der Maßnahme Sensibilisierung im Studium Stadt Köln Am 30.06.2022 fand ein erster Austausch zwischen IHPH und Prof. Dr. med. Beate Müller, Ins - titut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln, mit dem Ziel statt, das Thema Hitze und Gesundheit auch an der Universität zu Köln für Studierende der Medizin zu implementieren Hintergrund: Etwa drei Viertel der zukünftig in Köln tätigen Ärzt*innen kommen aus der Region und werden auch in der Region studiert haben (Kistemann & Schroer, 2007). Anzusprechende Partner*innen Prof. Dr. med. Thomas Kistemann, IHPH Universitätsklinikum Bonn; Prof. Dr. med. Beate Müller, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln Hemmnisse/ Störfaktoren Die bundesweite Implementierung muss über die Aufnahme des Themas in den nationalen Gegenstandskatalog erfolgen. Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) für die Recherche und Entwicklung Verstetigung Stetige Aktualisierung erforderlich Weitere Infos wp2.geohealth-centre.de/studium/lehrangebote-medizin/ 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme 207 KE 6.3 Durchführen von Schulungen zur Sensibilisierung von Multiplikator*innen Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite gezielt für verschiedene Gruppen von Multiplikator*innen (z. B. Apotheker*innen, Architekt*in - nen, Senioreneinrichtungen) (mittel) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Multiplikator*innen Beschreibung Durch das Angebot von Schulungen zum Themenfeld Hitze und Gesundheit können Multiplika - tor*innen sensibilisiert und ein breites Basiswissen aufgebaut werden(z. B. für Apotheker*innen, Architekt*innen, Pflegeeinrichtungen). Dies umfasst auch Vorträge vor der Apotheker- bzw. Architektenkammer, die für die besonderen Bedürfnisse der Zielgruppe bei Hitze sensibilisieren. Das Schulungsmaterial soll zielgruppengerecht aufbereitet und angeboten werden. Zum Beispiel können Apotheker*innen auf die Notwendigkeit der Anpassung der Medikamenten - einnahme durch den veränderten Flüssigkeitshaushalt aufmerksam gemacht werden. Architekt*innen erhalten Hinweise, warum z. B. ausreichende Verschattung und die Planung von Grünelementen von besonderer Bedeutung sind. Ziel der Maßnahme Anbieten von gezielten Schulungen zur Hitzesensibilisierung Stadt Köln Möglicher Vortrag vor der Architektenkammer durch Prof. Dr. Kistemann, IHPH UK Bonn Anzusprechende Partner*innen Gesundheitsamt Universitätsklinikum Bonn Prof. Dr. med. Beate Müller, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln Hemmnisse/Störfak - toren Setzt die Bereitschaft der Multiplikator*innen voraus; Kontakt zur Architektenkammer und zur Apothekerkammer muss noch aufgenommen werden Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) (mittel) Verstetigung Regelmäßige Veranstaltungen (z. B. alle zwei Jahre) werden angestrebt Weitere Infos keine 208 8. Maßnahmenkatalog 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme KE 6.4 Verstärkte Berücksichtigung sommerlicher Hitzeereignisse im Qualitätsmanagement der Pflegeeinrichtungen Zeithorizont Kurz- bis mittelfristig Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Leitung von Wohneinrichtungen für Senior*innen Beschreibung Die in Hitzeperioden erforderlichen Anpassungsmaßnahmen im Pflegealltag sollten sich in den festgelegten Routinen (z. B. Qualitätsmanagementsysteme) der Pflegeeinrichtungen wider - spiegeln. Hierbei können Checklisten ein hilfreiches Instrument darstellen. Beispiele: Personalschlüssel in Pflegeeinrichtungen an heißen Tagen anpassen / Urlaubszeiten berücksichtigen, Medikamentengabe in Absprache mit Hausärzt*innen anpassen; Prüfung des Pflegeplans hinsichtlich Maßnahmen bei Hitze (Best-Practice-Beispiel: Johanniter Qualitätshandbuch) Ziel der Maßnahme Verstärkte Berücksichtigung von hitzebedingten Pflegeanforderungen im Pflegealltag gemäß § 6 Abs. 4 der Verordnung zur Durchführung des Wohn- und Teilhabegesetzes (Wohn- und Teilhabegesetz-Durchführungsverordnung – WTG DVO) Stadt Köln Die Stadt Köln bindet das Thema verstärkt im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Kontroll - funktion (Heimaufsicht) ein. Anzusprechende Partner*innen Amt für Soziales, Arbeit und Senioren Hemmnisse/ Störfaktoren Hohe Arbeitsbelastung in den Wohneinrichtungen für Senior*innen Kosten gering Verstetigung Zunächst ist eine Abstimmung mit dem Amt für Soziales, Arbeit und Senioren vorgesehen; nach einer Erstimplementierung ist eine regelmäßige Revision erforderlich, z. B. alle 3 Jahre. Weitere Infos Johanniter Qualitätshandbuch 8.6 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme 209 KE 6.5 Etablierung von Hitzesprechstunden bei Ärzt*innen Zeithorizont Vorbereitung vor dem Sommer; Schutz während des Sommers Reichweite gezielt auf die vulnerable Zielgruppe Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Patient*innen Beschreibung Hitzesprechstunde bei den Hausärzt*innen als präventive Beratungsmaßnahme Im Rahmen von normalen Sprechstunden-Kontakten kann die Anpassung an die Folgen des Klimawandels thematisiert werden, wie z. B. Medikamentenanpassung bei Hitzeperioden wegen des veränderten Flüssigkeitshaushalts. Aufgrund des engen und in der Regel vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Patient*in und Ärzt*in kann eine individuelle und niederschwellige Bera - tung zu Maßnahmen gegen Kompilationen aufgrund von Hitze erfolgen. Als Vorbereitung kann eine hitzebezogene Medikamentenverordnung angeregt werden, die lang - fristig geplant und in der Hitzeperiode akut umgesetzt wird. Ziel der Maßnahme Versorgung der (älteren) Bevölkerung mit medizinisch relevanten Informationen; Optimierung der medizinischen Versorgung Stadt Köln Ein erster Kontakt zu Univ.-Prof. Dr. Beate Müller wurde hergestellt. Sie ist Leiterin des neu - gegründeten Instituts für Allgemeinmedizin und Lehrstuhlinhaberin der neu eingerichteten W3-Professur für Allgemeinmedizin an der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät. Zusammen mit ihrem Team bietet sie in einer neuen Hochschulambulanz Allgemeinmedizin Sprechstunden an. Anzusprechende Partner*innen Gesundheitsamt Prof. Dr. med. Beate Müller, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Köln KlimaDocs e.V., Köln Hemmnisse/ Störfaktoren Nicht in Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vorgesehen Kosten Bindung personeller Ressourcen (Personalkosten) für die Recherche, Entwicklung und Informationsmaterial Verstetigung Es ist geplant, Kontakt mit Kölner Hausärzt*innen aufzunehmen und gemeinsam die Umsetzung einer Klimasprechstunde zu planen und zu etablieren. Im nächsten Schritt sollen alle Kölner Hausärzt*innen über die Möglichkeit und den Mehrwert einer Klimasprechstunde informiert und aufgeklärt werden. Entsprechende Veröffentlichungen in relevanten Medien wie Ärzteblatt und Apotheken Umschau sollen sich anschließen. Das Gesundheitsamt der Stadt Köln könnte die Thematik in die Gesundheitskonferenz einbringen. Weitere Infos www.klimadocs.de/ 210 8. Maßnahmenkatalog 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Bauträger; Wohnungsbaugesellschaften, Investor*innen, Amt für Gebäudewirtschaft der Stadt Köln Beschreibung Festlegung von verbindlichen und praktikablen Vorgaben zum Hitzeschutz in der Bauleitplanung nach § 9 BauGB. Ziel der Maßnahme Aufgrund der hohen Betroffenheit und Verwundbarkeit von Städten durch die Klimaverän - derungen weist bereits die Deutsche Anpassungsstrategie von 2008 der Stadtplanung eine strategisch wichtige Rolle für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu. Einen hohen Stellenwert hat in diesem Zusammenhang die Bauleitplanung, da diese unter Berücksichtigung aller relevanten Belange – auch des Klimawandels – die städtebauliche Entwicklung und die Bodennutzung der Gemeinde regelt. Mit der Klimanovelle des Baugesetzbuches hat der Bund der Klimafolgenanpassung 2011 einen höheren Stellenwert im Zuge der planungsrechtlichen Abwägung eingeräumt. Durch die Klimaschutzklausel im § 1a Abs. 5 BauGB werden zudem die Anpassungsbelange bei der planungsrechtlichen Abwägung aufgewertet. Die Städte und Gemeinden werden durch die Änderungen des Baugesetzbuches dazu veranlasst, die Koordinierungs- und Steuerungsfunktion der Bauleitplanung voll auszuschöpfen, um den in § 1 Abs. 6 Nr. 1 BauGB geforderten „allge - meinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Arbeitsbevölkerung“ gerecht zu werden. 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen 211 KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung Stadt Köln Um verbindliche Vorgaben zur Berücksichtigung des Themas Hitzeschutz in der Bauleitpla - nung voranzutreiben, wurde der Arbeitskreis „Klimawandel in der Bauleitplanung“ gegründet. Zunächst wurde ein Statuspapier erarbeitet, das den aktuellen Arbeits- und Diskussionsstand in Köln zusammenfasst. Dieses dient als Grundlage für die weiteren Diskussionen und Abstim - mungen. Angewendet wird bereits ein Musterkatalog an textlichen Festsetzungen im Bebauungsplan: • § 9 Abs. 1 Nr. 14 BauGB: z. B. Rückhaltung und Versickerung von Niederschlagswasser, Stauvolumina bei Starkregen • § 9 Abs. 1 Nr. 16 BauGB: z. B. Regelung des Wasserabflusses, Starkregenvorsorge, multifunktionale Flächennutzung zur Regenrückhaltung • § 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB: z. B. Pflanzung von Bäumen, Baumreihen, freiwachsenden Hecken • § 9 Abs. 1 Nr. 25 BauGB: z. B. Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen, Anforderungen an Stellplatzbegrünung, Dachbegrünung und Fassadenbegrünung (z. B. Substratschichtdicken, Kombination Grün und Photovoltaik etc.) • Gestalterische Festsetzungen gemäß § 9 Abs. 4 BauGB i.V.m § 89 Abs. 1 und 2 BauO NRW: z. B. Teilversiegelung von Zufahrten zu Garagen und Stellplätzen sowie Hauszuwegungen, Begrünung von Stellplätzen • Fachrechtliche Hinweise: ortsnahe Versickerung von Niederschlagswasser gemäß § 44 Landeswassergesetz (LWG) in Verbindung mit § 55 Abs. 2 Wasserhaushaltsgesetz) Zum Themenfeld Hitze sollten zusätzliche Bausteine ergänzt werden, um den Baukasten zu ver - vollständigen bzw. zu konkretisieren: • Fassadenbegrünung, bodengebundene und / oder wandgebundene Fassadenbegrünung, Was - serrückhalt und direkte Wirkung der Verdunstungsleistung und Kühlung in der Straße, Ausrich - tung Fassade (Süd-West) • Kaltluftströmung, Transportmöglichkeit von nächtlich gebildeter Kaltluft von den Freiflächen in die Wohngebiete, Durchströmung des Plangebietes (keine Gebäuderiegel und sonstige Strömungshindernisse) • Kombination der Maßnahmen (Verschattung / Begrünung / Verdunstung, Blau-Grün-Kombination) • Baustein Bäume Bewertung: Bäume / m² / EW Bezugsgröße muss bestimmt werden, Baum - erhalt, Bewertung der klimatischen Funktion, Ausgleich vor Ort • Schutz vulnerabler Gruppen (u. a. Kinder, Menschen im Alter), spezielle Maßnahmen und Beachtung beim Bau von Schulen, Kitas, Altenheimen, barrierefreien Wohnungen. Schutzziel wird berücksichtigt (u. a. schattige Sitzgelegenheiten und Spielplätze, Schattenbäume mit Anschluss an gewachsenen Boden, Pocket-Parks, gebäudebezogene Maßnahmen, Außenver - schattung und Innenraumklima) Anzusprechende Partner*innen Stadtplanungsamt Hemmnisse/ Störfaktoren Klimawandelanpassung unterliegt dem Abwägungsgebot gem. § 1 Abs. 7 BauGB. Anpassungsmaßnahmen werden häufig von potenziellen Investor*innen als überflüssiger Kosten faktor angesehen. Die Umsetzung der festgesetzten Maßnahmen muss kontrolliert und gegebenenfalls ordnungs - rechtlich eingefordert werden. Kosten Bindung von personellen Ressourcen der beteiligten Fachämter (Personalkosten); ggf. Sachkosten für die Moderation des Erarbeitungs- und Abstimmungsprozesses 212 8. Maßnahmenkatalog 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen KE 7.1 Integration des Themas Hitzeschutz in die Bauleitplanung Verstetigung Als erster Schritt zu verbindlichen Vorgaben für die Klimawandelanpassung in der Bauleit planung wird in einer internen Arbeitsgruppe unter Federführung des Stadtplanungsamtes (erster Termin Juni 2022) das Thema Fassadenbegrünung bearbeitet. Es werden folgende Fragen / Aspekte geklärt: • Vorgaben für Fassadenbegrünung bereits früh im Planungsprozess berücksichtigen (z.B. in den Wettbewerbs- und Werkstattverfahren) • Erarbeitung prüfbarer Kriterien zur Beurteilung der Planentwürfe • Beschreibung der Wohlfahrtseffekte als Begründung für die Abwägung • Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Straßenplanung (Pflanzfläche für Fassaden - begrünung im Gehwegbereich) • Bewässerung, Regenwasserspeicherung, Brandschutz • Formulierung von konkreten Vorgaben Ziel ist die Formulierung von textlichen Festsetzungen für die Verwendung im Bauleitplanverfahren. Weitere Infos www1.isb.rwth-aachen.de/BESTKLIMA/download/Klima-Check-Final_interaktiv.pdf www.remscheid.de/wirtschaft-stadtentwickung/stadtplanung/download-pool/ rechtsverbindliche-bps/BP_675_Entscheidungsbegruendung_Anlage_2.pdf 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen 213 KE 7.2 Ausbildungsunterlagen für Architekt*innen und Stadtplaner*innen Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite gezielt für Multiplikator*innen aus der Stadtplanungs- und Baubranche Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Studierende der Architektur und Stadtplanung oder ähnlicher Berufe aus dem Baubereich Beschreibung Die Aufgabe der Architekt*innen ist die Konzeption und Gestaltung der gebauten Umwelt. Im Mittelpunkt der architektonischen Aufgaben stehen die Beziehung zwischen Mensch und Gebäude, Gebäude und Umgebung – städtebaulich und landschaftlich – und das Erkennen und Verarbeiten der übergreifenden kulturellen, politischen, ökologischen und ökonomischen Zusam - menhänge, die einem stetigen Wandel unterliegen. Die Stadtplanung beschäftigt sich mit der Entwicklung der Stadt sowie mit den räumlichen und sozialen Strukturen in der Stadt. Darauf aufbauend erarbeitet sie Planungskonzepte unter gerechter Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange mit dem Ziel der Konfliktminimie - rung. Damit das Thema Anpassung an den Klimawandel und hier insbesondere der Hitzeschutz stärker in den Fokus der Hochschulausbildung gerückt wird, sind entsprechende Ausbildungsunterlagen zu erarbeiten bzw. Hintergrundinformationen zur Verfügung zu stellen. Die grundlegenden Erkenntnisse zum Klimawandel werden dargestellt, die Notwendigkeit der Anpassung erläutert, aktuelle wissenschaftliche und technische Erkenntnisse zusammen - getragen und Umsetzungsmöglichkeiten anhand von Best-Practice-Beispielen anschaulich dargestellt. In Kooperation mit einer Hochschule werden zunächst die aktuellen Lehrinhalte untersucht und hierauf aufbauend ein Schulungskonzept erarbeitet. Der fachliche Input wird von der jeweiligen Fachpartei (Stadtklimatologie durch das Umweltamt, die technischen Inhalte von der Hoch - schule) zur Verfügung gestellt bzw. erarbeitet. Diese Unterlagen können anderen interessierten Hochschulen zur Verfügung gestellt werden. Möglicherweise kommt auch eine Kooperation mehrerer Einrichtungen infrage. Für ausgebildete Architekt*innen kann das Konzept ggf. in Zusammenarbeit mit der Architekten - kammer, entsprechend angepasst, auch als Lehrgang angeboten werden. Weitere Kooperationspartner können die Verbraucherschutzzentralen oder wissenschaftliche Institute wie z. B. das Wuppertal Institut sein. Ziel der Maßnahme Architekt*innen und Stadtplaner*innen frühzeitig zu klimaangepasstem Planen und Bauen sensibilisieren und informieren Stadt Köln Bisher wurde durch die Stadt Köln die Erarbeitung von Ausbildungsunterlagen noch nicht angestoßen. Anzusprechende Partner*innen Umwelt- und Verbraucherschutzamt Hemmnisse/ Störfaktoren Kooperationspartner müssen gefunden und für das Thema gewonnen werden; knappe personelle Ressourcen bei den beteiligten Institutionen Kosten Bindung von personellen Ressourcen im Umwelt- und Verbraucherschutzamt und ggf. weiterer städtischer Ämter (Personalkosten); Sachkosten für die Aufbereitung der Lehrinhalte als didakti - sche Produkte Verstetigung Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln wird mit der Technology Arts Sciences TH Köln sowie der Architektenkammer NRW Kontakt aufnehmen und das Interesse für eine entsprechende Kooperation ausloten. Weitere Infos keine 214 8. Maßnahmenkatalog 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen KE 7.3 Satzung zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten zur Hitzeminderung Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite stadtweit (groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Gesamtbevölkerung Beschreibung Eine „Freiraumsatzung“ beinhaltet Vorgaben zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten. Sie dient der Reduzierung der Versiegelung und Verschotterung von Flächen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Erlass einer entsprechenden Satzung sind von Bun - desland zu Bundesland unterschiedlich. Durch das Gesetz zur Modernisierung des Bauordnungsrechts in Nordrhein-Westfalen ist zum 1. Januar 2019 die Norm des § 86 Abs. 1 Nr. 4 BauO NRW a. F. geändert worden und kann nun nicht mehr als Ermächtigungsgrundlage für die Regelung der Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten durch Satzung herangezogen werden. In anderen Bundesländern sind Freiraumsatzungen möglich. In Frankfurt ermächtigt § 91 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 Hessische Bauordnung zum Beispiel zum Erlass von Satzungen zur Regelung der „Gestaltung und Bepflanzung der Grundstücksfreiflächen“. Auch in Bayern ermächtigt Art. 81 Abs. 1 Nr. 5 Bayerische Bauordnung dazu, Satzungen zur „Gestaltung und Bepflanzung der unbebauten Flächen“ zu erlassen. In NRW ist allenfalls der Erlass von „Verschotterungsverbotssatzungen“ auf der Grundlage des § 89 Abs. 1 Nr. 5 BauO NRW n.F. möglich, wenn man den Begriff der „Gestaltung“ dahing - ehend auslegt, dass zwar Vorgaben zur „gärtnerischen“ Gestaltung ausgeschlossen, jedoch Vorgaben zur Art der Bodenbedeckung und der Belagsbeschaffenheit der nicht überbauten Flächen zu lässig sind. Das Verbot der Verschotterung würde möglicherweise eine solche Vorgabe darstellen. Ziel der Maßnahme Eine Freiraumsatzung dient der Reduzierung der Versiegelung und Verschotterung von Flächen im Sinne einer nachhaltigen Innenentwicklung. Sie wertet das Stadtbild auf, verbessert das Stadtklima und leistet einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt. Wesentliche Handlungsfelder sind zum einen die behutsame Weiterentwicklung der bebauten Innenbereiche bei gleichzeitiger Steigerung der Freiraumqualitäten im öffentlichen wie im pr iva- ten Bereich. Zum anderen wird die Notwendigkeit formuliert, das Stadtwachstum umwelt- und klimagerecht zu gestalten. Stadt Köln Bei der Stadt Köln wurde bislang keine entsprechende Satzung erlassen. 8.7 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen 215 KE 7.3 Satzung zur Begrünung und Bepflanzung von Vorgärten zur Hitzeminderung Anzusprechende Partner*innen Bauaufsichtsamt, Rechtsamt Hemmnisse/ Störfaktoren In Nordrhein-Westfalen ist der Erlass einer „Freiraumsatzung“ nach der aktuellen Rechtslage nicht möglich. Möglich wäre, eine Gestaltungssatzung in Form einer „Verschotterungsverbots - satzung“ zu erlassen, die jedoch näher zu begründen wäre. Allerdings ist offen, ob die Auslegung des § 89 Abs. 1 Nr. 5 BauO NRW n.F. von allen Verwaltungsgerichten anerkannt wird. Der Erlass einer entsprechenden Satzung ist daher mit dem Risiko behaftet, dass die Satzung für unwirksam erklärt werden könnte. Kosten Bindung von personellen Ressourcen der beteiligten Fachämter (Personalkosten) Verstetigung Konkrete Planungen bestehen noch nicht. Weitere Infos Frankfurt www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/gestaltungssatzungen_5330.html München stadt.muenchen.de/dam/jcr:765486e0-9f71-48c8-94e9-a3f71d8300cd/vorgarten_web.pdf www.bauportal.nrw/bauenbauaufsicht/informationen-baurecht/ weiterfuehrende-informationen/bauvorschriften 216 8. Maßnahmenkatalog 8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen KE 8.1 Evaluation der durchgeführten Maßnahmen des Hitzeaktionsplans Zeithorizont Langfristige Entwicklung und Planung Reichweite bundesweit (sehr groß) Zielgruppe zur Maßnahmenumsetzung Kommunen Beschreibung Die Hitzeaktionsplanung hat das Ziel, die gesundheitlichen Auswirkungen bis hin zu zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen bei lang anhaltenden Hitzeperioden, insbesondere für vulnerable Personengruppen, zu reduzieren. In der „Arbeitshilfe zur Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplans für Städte und Kommunen“ wird die Bedeutung der Wirksamkeitskontrolle von Präventionsmaßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans in einem Evaluationsprozess beschrieben. Hiermit ist sicher zustellen, dass Maßnahmen des Hitzeaktionsplans die beabsichtigte Wirkung erzielen (Effek tivität), kosteneffektiv sind (Effizienz) und die Akzeptanz der Zielgruppe finden. Dieser Evaluations prozess soll mit messbaren Indikatoren durchgeführt werden. Auch in den „Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit“ kommt dem Themenfeld Monitoring und Evaluation als achtes Kernelement der WHO eine besondere Bedeutung zu. So sollen die Maßnahmen des Hitzeak - tionsplans evaluiert werden, um Hitzeereignisse und deren Folgen quantitativ zu erfassen, zu bewerten und um gegebenenfalls Nachbesserungen und Weiterentwicklungen der Interven - tionsmaßnahmen zu veranlassen. Im Rahmen der Arbeitshilfe wird empfohlen, zur Evaluation auf kommunaler Ebene eine Doku - mentation der umgesetzten Maßnahmen, eine Bewertung der Akzeptanz der Maßnahmen durch Nutzer*innen und ein Monitoring der Krankheitslast anhand der Notfalleinweisungen in örtliche Krankenhäuser durchzuführen. Ein Monitoring des Sterbegeschehens bei Hitzeextremen sollte in der Regel auf Landesebene erfolgen. Hier ist die Verfügbarkeit von aussagekräftigen Daten, die zeitnah zur Verfügung stehen müssen, ein zentraler Ansatzpunkt. Kommunen haben die Möglichkeit, ihre durchgeführten Interventionsmaßnahmen zu beschrei - ben und im Rahmen eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zu dokumentieren. Dieser Prozess sollte mit den beteiligten Multiplikator*innen durchgeführt werden, um entsprechende Hemmnisse und zusätzliche Potenziale zur Verbesserung gemeinsam zu erarbeiten. Das Monitoring sowie die Evaluation setzen dann an, wenn erste Anpassungsmaßnahmen implementiert wurden, und sind daher als langfristige Aufgaben zu verstehen. Auch die Handlungsempfehlungen beschreiben, dass dieser eher langfristige Aspekt zunächst nicht erforderlich ist und dass die Implementierung erster Anpassungsmaßnahmen zunächst vorrangig ist. Die Entwicklung möglicher Indikatoren zur Kontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen ist vielschichtig. Indikatoren wie die Anzahl der verteilten Informationsmaterialien oder die Erfas - sung der Zugriffszahlen auf das kommunale Hitze-Portal sind in der Kommune relativ leicht zu erfassen. Die Auswertung von Einsatzzahlen von Rettungsdiensten bei Hitzeereignissen stellt einen Ein - zelindikator dar, der das komplexe Themenfeld „Hitzeereignis in einer Großstadt“ nicht in Gänze abbilden kann und von weiteren Indikatoren begleitet werden sollte. Eine gesicherte Aussage über die Verringerung der Übersterblichkeit bei Hitzeereignissen von Menschen im Alter durch Maßnahmen eines Hitzeeinsatzplans ist grundsätzlich schwer zu treffen, da diese Entwicklungen von anderen überlagert werden können. 8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen 8.8 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen 217 KE 8.1 Evaluation der durchgeführten Maßnahmen des Hitzeaktionsplans Ziel der Maßnahme Wirksamkeit der Interventionsmaßnahmen bewerten und Maßnahmen verbessern, um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung weiter zu optimieren. Stadt Köln Im Rahmen des Projekts wurde bislang keine Evaluation durchgeführt, da die Maßnahmen erst im Rahmen des Projekts initiiert wurden. Es wurde jedoch geprüft, ob Daten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zur Erstellung der kleinräumigen Gesundheitsberichterstattung Köln den Einfluss von verschiedenen Umwelt - faktoren auf das Erkrankungsgeschehen erkennbar machen. Die kleinräumige Gesundheits - berichterstattung soll innerstädtische kleinräumige Unterschiede im Erkrankungsgeschehen aufzeigen. Für den Umweltfaktor Hitze war keine eindeutige Signifikanz für bestimmte Erkran - kungen sichtbar. Möglicherweise waren jedoch die zur Verfügung gestellten Grundlagendaten nicht geeignet, diese Fragestellung zu klären. Eine Auswertung von hitzebedingten Einsatzzahlen der Rettungsdienste / Feuerwehr ist geplant. Hier muss die Datenverfügbarkeit und Qualität der Daten noch geprüft werden. Anzusprechende Partner*innen Rettungsdienst/Feuerwehr, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz, Gesundheitsamt Hemmnisse/Störfak - toren Bindung von personellen und finanziellen Ressourcen; Datenverfügbarkeit und Qualität Kosten noch keine Einschätzung möglich; bei Kauf der KV-Daten: hoch Verstetigung Weitere Infos „Arbeitshilfe zur Entwicklung und Implementierung eines Hitzeaktionsplans für Städte und Kommunen“, die im Rahmen des UBA-Projekts „HAP-DE. Analyse von Hitzeaktionsplänen und gesundheitlichen Anpassungsmaßnahmen an Hitzeextreme in Deutschland“ erstellt wurde; „Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschli - chen Gesundheit“, UBA 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 220 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen Das Verbundprojekt HAP-Köln, das vom Bundesministerium für Umwelt, Natur- schutz, nukleare Sicherheit und Verbrau- cherschutz über 3,5 Jahre als Leuchtturm- projekt gefördert wurde, ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich: • Erstmals wurde ein Hitzeaktionsplan für eine deutsche Millionenstadt auf den Weg gebracht. • Erstmals konzentriert sich ein Hitzeaktions - plan auf die besonders vulnerable Gruppe von Menschen 65+. • In das Projekt integriert ist die bisher umfangreichste empirische Studie zur sub- jektiven Betroffenheit von Menschen 65+ in vier verschiedenen Stadtvierteln. • Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel für transdisziplinäre Kooperation von kom- munaler Verwaltung, Wirtschaft und einer universitären Forschungseinrichtung. Das Projekt ist eingebunden in die wissen - schaftliche Arbeit der Stadt Köln zum Thema Klimawandelanpassung, z. B. mit folgenden Projekten: Im Rahmen des Projekts „Klima - wandelgerechte Metropole Köln“ wurden erste Hitze-Betroffenheiten der Bevöl- kerung ermittelt und das Handlungsfeld Gesundheit definiert. Durch das vorliegende Leuchtturmprojekt wurden Menschen 65+ detailliert betrachtet und das Handlungsfeld Gesundheit mit umfangreichen Maßnahmen in den Fokus gerückt. Das Projekt „iResilience – Soziale Innovati- onen und intelligente Stadtinfrastrukturen für die resiliente Stadt der Zukunft (iRes)“ mit einer Laufzeit vom 01.11.2018 bis 30.06.2022 hat in einem handlungsorien - tierten Ansatz (Reallabore) neue Formate zur Kollaboration, Beteiligung und Aktivie- rung der verschiedenen Akteur*innen erar- beitet und somit einen sozialwissenschaft- lichen Forschungsansatz verfolgt. Es liefert Erkenntnisse für die partizipative Zusam- menarbeit, die auch bei der Fortführung von HAP-Köln genutzt werden können. 9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen Im Projektverlauf hat es sich als sehr wichtig erwiesen, mit verschiedenen stadtklimato - logischen (diese standen aus dem Vorgän- gerprojekt zur Verfügung), geostatistischen und sozialempirischen Untersuchungen zunächst eine gründliche und belastbare empirische Basis zu legen. Erst nach die - sen Arbeiten war es möglich, ein klares Verständnis für die dem Projekt gestellte Aufgabe zu entwickeln: die Erstellung eines Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter. Die Ergebnisse des Projekts „Klimawan - delgerechte Metropole Köln“ lieferten hoch aufgelöste Informationen zur zukünftig (2021–2050) erwarteten thermischen Belastung des Stadtraums. Die thermisch ungünstigen Konsequenzen von hoher Ver- dichtung und Versiegelung sowie fehlenden grünen und blauen Freiflächen treten deut- lich hervor, sodass die thermisch hoch und sehr hoch belasteten Siedlungsgebiete auf einer Planungshinweiskarte Hitze deutlich ausgewiesen werden konnten. 9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen 221 9.1.1 Vulnerabilitätsanalyse In einer mehrschrittigen Vulnerabilitäts - analyse wurden die modellierten Daten der thermischen Belastungssituation zunächst mit den hoch aufgelösten vorliegenden demografischen Daten der Stadt Köln ver- schnitten. Auf diese Weise konnten Gebiete identifiziert werden, in denen einerseits das Potenzial einer hohen thermischen Belastung besteht und andererseits die Zahl der Menschen 65+, eingeteilt nach 5-Jah - res-Altersklassen, besonders hoch ist. Auf diese Weise konnte deutlich werden, wo der Handlungsbedarf besonders groß ist. Im zweiten Schritt der Vulnerabilitäts- analyse sind die demografischen Daten mit Daten zur Verteilung von öffentlich zugänglichen Grünflächen im Stadtraum verschnitten worden, denn Stadtgrün ist ein wichtiger Faktor, wenn es um hitzeadaptier- tes Verhalten geht. Für jeden Menschen im Alter wurde die reale Wegdistanz von seiner Wohnadresse zum nächstgelegenen Zugang einer öffentlichen Grünfläche ermittelt. Die ermittelten Distanzen unterschieden sich erheblich und lagen für die extremen Klas - sen unter 160 m bzw. über 400 m. In einem weiteren Schritt der Vulnerabili- tätsanalyse wurde zusätzlich die modellierte Hitzebelastung an den Wohnadressen aller Menschen 65+ berücksichtigt und diejenigen Gebiete ausgewählt, in denen mindestens 60 % der Menschen 65+ am Wohnort mit hoher oder sehr hoher ther- mischer Belastung konfrontiert sind. Auf diese Weise konnte die Vulnerabilität für die Statistischen Quartiere nach drei Merk - malen bestimmt werden: modellierte ther- mische Situation, demografische Situation, Grünflächenangebot. Dieses Vorgehen lieferte ein sehr differen - ziertes Bild der Belastung der Zielgruppe (Menschen 65+) und damit eine solide Basis für die Auswahl von Untersuchungsräumen für die sozialempirischen Erhebungen. Das Verfahren ist zwar aufwendig, kann aber als Grundlage für die Identifizierung von Hot-Spots und Handlungsbedarfen für die differenzierte Entwicklung eines kommuna- len Hitzeaktionsplans ohne Einschränkung empfohlen werden. 9.1.2 Was berichten uns Menschen im Alter? Mit dem dargestellten Verfahren der Vul- nerabilitätsanalyse gelang es, vier Unter- suchungsgebiete auszuwählen, die sich hinsichtlich der Hitzebelastung und der sozio ökonomischen Situation deutlich unterscheiden. Das war die Grundlage für eine vergleichende Untersuchung zur subjektiven Hitzebelastung der Zielgruppe. Wenn auch Einschränkungen aufgrund strikter Datenschutzbestimmungen hinge - nommen werden mussten, so konnten doch wichtige Erkenntnisse generiert werden. Die wahrgenommene Hitzebelastung sowie die wahrgenommene gesundheitliche Belastung bei Hitze sind jeweils in drei der vier Untersuchungsgebiete recht ähnlich. Nur in dem Gebiet, das doppelt begüns - tigt ist (Pesch: ökonomisch stark, geringe thermische Belastung), wird die Situation subjektiv von den Befragten als weniger belastend angegeben. Im thermisch wenig belasteten, aber ökonomisch schwachen Vergleichsraum (Sozialraum Blumenberg/ Chorweiler/Seeberg-Nord) wird die objek- tive thermische Gunst subjektiv nicht wahr- genommen. Bezüglich der Frequenz von Symptomen bei Hitzebelastung bestätigt sich dieses Bild. 222 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen Die Menschen im Sozialraum Blumenberg/ Chorweiler/Seeberg-Nord empfinden nicht nur mehr Hitze, sie leiden auch häufiger an Symptomen. Dieses Ergebnis ist sehr wichtig, denn es weist darauf hin, dass neben den für die Quartiere modellierten thermischen Belas - tungen andere, soziale Faktoren eine sehr wichtige Rolle spielen müssen, wenn es darum geht, wie Hitze empfunden wird. Vor dem Hintergrund der sorgfältig begründe - ten Auswahl und Charakterisierung der vier Untersuchungsgebiete kann davon aus- gegangen werden, dass diese Erkenntnis sowohl auf den gesamten Stadtraum Kölns als auch auf andere Kommunen übertragbar ist. Zu den unsystematischen, teils anekdoti- schen Beobachtungen während der Befra - gungen in den Wohnungen der Menschen 65+ zählen: • fehlende Außenverschattungen, • selbst bei Südexposition fehlende oder nur notdürftig improvisierte Innenverschattungen, • schlechte Gebäudeisolierung, • schlecht schließende Fenster und Türen sowie • hohe Wohndichte. Diese Umstände führen in den Innenräumen etwa der Hochhäuser von Chorweiler zu einer thermischen Belastung, die durch die für den Außenraum modellierte Hitzebelas - tung nicht wiedergegeben wird. Diese Erkenntnis ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass zwei Drittel der Men - schen 65+ angaben, bei Hitze ihre Wohnung möglichst gar nicht oder doch zumindest deutlich seltener zu verlassen. Sie begrün - den dies mit fehlendem Schatten auf ihren Alltagswegen. Die Lebenswirklichkeit dieser Menschen spielt sich also bei Hitzebelastung im Wesentlichen in ihrer Wohnung ab. Das ver- deutlicht noch einmal die große Bedeutung des Kernelements IV der WHO-Systematik für Hitzeaktionspläne: Reduzierung von Hitze in Innenräumen. Viele Maßnahmen zum Schutz vor Hitze sind den Menschen 65+ bekannt. Ledig - lich das gezielte Kühlen der Extremitäten durch Bäder oder feuchte Tücher wird selten eingesetzt. Auch technische Lösun - gen (Ventilator, Klimaanlage) spielen eine untergeordnete Rolle. Die Wissensdefizite der Menschen 65+ sind also überschaubar. Möglicherweise ist aber der aktive Einsatz in eigener Initiative problematischer, denn spontan wurden deutlich weniger Anpas - sungsstrategien genannt. Für Kommunikationskonzepte im Hitzeak- tionsplan bedeutet dies, dass neben Infor - mation vor allem Motivation im Vordergrund stehen sollte. Bezüglich der Informationsquellen, die Men- schen 65+ bevorzugt nutzen, wurde deut- lich: Die klassischen Medien (Fernsehen, Radio, Tageszeitung) liegen ganz klar vorn. 9.1 Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen 223 Die Vermutung, dass mobile Technolo- gien und soziale Medien (z. B. Apps) in den vergangenen Jahren einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren haben und unter den Nutzer*innen dieser Medien zunehmend Menschen aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten vertreten sind, hat sich in dieser Untersuchung nicht bestä - tigt. Auch wenn diese Plattformen eine sehr große Reichweite bieten und zudem im Vergleich zu traditionellen Medien sehr kos- tengünstig sind, muss diese Erkenntnis für Informations- und Motivationskampagnen unbedingt berücksichtigt werden. Allenfalls können Multiplikator*innen, wie jüngere Angehörige oder Nachbar*innen, erreicht werden, die diese Informationen und Hand- lungsempfehlungen an die Menschen 65+ weitergeben können. Die Frage nach Unterstützung bei Hitze - belastung zeigte, dass nur etwa 40 % der Befragten ihre Kinder in dieser Funktion sehen, während fast genauso viele die*den Ehepartner*in angaben. Dies ist natürlich oft wegen ähnlichen Alters keine adäquate Lösung. Hier wird deutlich, dass insbeson - dere gebrechliche, aber noch selbstständig lebende Menschen 65+ ein zusätzliches, niederschwelliges Unterstützungsangebot benötigen. Dies sollte möglichst schon vor der Hitzewelle organisiert sein, damit die Umsetzung in der Krise schnell erfolgen kann. Dies verweist auf Kernelement 5.5 (Unterstützende Angebote bei Hitze, Integ- ration von Hitze in vorsorgende Hausbesu- che) der WHO-Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen, für das nach den vorliegenden Erkenntnissen prioritär Ressourcen bereitgestellt werden sollten. Denn eine hitzebedingte Gesundheitskrise kann rasch das Ende selbstständigen Lebens bedeuten. Internationale Erfahrun - gen mit Hitzeaktionsplänen können auch auf der kommunalen Ebene Inspiration bieten, um konkrete Maßnahmen zum Gesundheitsschutz bei Hitzewellen zu ent- wickeln. Es ist deshalb zu empfehlen, sich mit geeigneten Städten, mit denen ggf. durch eine Städtepartnerschaft ohnehin Kontakt besteht, darüber auszutauschen, wie die Umsetzung der Hitzeaktionspläne dort funktioniert, welche Hindernisse bei der Umsetzung auftreten und welchen Rat sie für die Erstellung und erfolgreiche Imple - mentierung eines kommunalen Hitzeakti - onsplans geben würden. Sehr deutlich wurde, dass in den hausärzt - lichen Praxen die Thematik Hitzebelas - tung bislang wenig thematisiert wird. Hier schlummern daher Potenziale der Informa- tion und Motivation, denn die Beziehung zwischen Hausärzt*in und Patient*in ist in der Regel stabil und vertrauensvoll. Erste Bemühungen, diese Lücke zu schließen, wurden von der Deutschen Allianz Klima - wandel und Gesundheit (KLUG) initiiert. Das Netzwerk gründete sich 2017 mit Akteur*in- nen aus dem gesamten Gesundheitsbereich, um deutlich zu machen, welche weitrei- chende Folgen der Klimawandel auf die Gesundheit hat. www.klimawandel-gesundheit.de 224 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.2 Interaktion, Vernetzung und Kommunikation 9.1.3 Wie ist die Lage in den Betreu- ungseinrichtungen für Senior*innen? Die Betreu ungseinrichtungen für Senior*in- nen erwiesen sich als überwiegend gut informiert und vorbereitet auf Hitzebelas - tungen. Fast drei Viertel empfangen selbst Warnungen vom DWD und sind insofern frühzeitig informiert. Drei Punkte sind aller- dings herauszuheben, hinsichtlich derer Verbesserungspotenzial deutlich wurde: • die bauliche Situation, einschließlich des Angebots kühler, möglicherweise klimati- sierter Gemeinschaftsräume, • die personelle Situation, die insbesondere im Sommer, wenn Hitzebelastung und Urlaubszeit zusammentreffen, knapp ist und nur wenig Kapazitäten für erforderliche Anpassungsmaßnahmen bietet, • die Anpassung der Medikation, die in immerhin 40 % der Einrichtungen bisher nicht stattfindet . Hinsichtlich des letztgenannten Punkts wurde deutlich, dass es sich hier zumindest teilweise auch um ein Schnittstellen-Prob - lem zwischen Einrichtung und Hausärzt*in - nen handelt. Eine systematische Inter- vention könnte helfen, diese Situation zu verbessern, die auch damit zusammenhängt, dass typischerweise nicht eine Person die hausärztliche Betreuung aller Bewohnen - den übernimmt, sodass die Kommunikation für alle Beteiligten aufwendig ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die gesetz- lichen Vorgaben in Einrichtungen, wie z. B. das Führen von Trinkprotokollen, für lang anhaltende Hitzeperioden ausreichend sind. Weitergehende Prüfungen auf spezielle Risi- ken in Hitzeperioden könnten in die Bestim- mungen für Einrichtungen für ältere Men- schen eingebunden werden oder könnten im Hitzeaktionsplan bzw. Hitzeeinsatzplan aufgegriffen werden. 9.2 Interaktion, Vernetzung und Kommunikation Bezüglich Interaktion, Vernetzung und Kommunikation von Partner*innen und Akteur*innen aus ganz verschiedenen Bereichen wurde im Projekt HAP-Köln ein umfangreicher Aufwand betrieben: Zunächst arbeitete das Projektteam selbst inter- und transdisziplinär und tauschte sich in mindestens monatlichen Projekttreffen aus. Diese enge Kooperation zwischen Kommune und Hochschule erwies sich als sehr zielführend. Auch außerhalb geförderter, aber stets zeit- lich befristeter Forschungs- und Entwick- lungsvorhaben kann diese Form der engen Kooperation für beide Seiten ertragreich sein: Mit der Kommune als „Reallabor“ fin - den die Erfahrungen aus der kommunalen Verwaltungspraxis Eingang in Forschung und Lehre. Wissenschaftliche Erkenntnisse können umgekehrt rasch und praxisnah erprobt und umgesetzt werden. Die Verwal- tung profitiert von der Nähe und Zugäng - lichkeit neuer aktueller Forschung. Darüber hinaus gab es in verschiedenen Formaten einen kontinuierlichen, der Ver- netzung und Interaktion dienenden Aus - tausch: • mehrere ganztägige trisektorale Treffen mit lokalen Akteur*innen und Multiplikator*in- nen aus verschiedenen Bereichen von Poli- tik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, karitativen Organisationen, Senior*innen- verbänden und Stadtteilvertretungen, • mehrere ganztägige interkommunale Ver- netzungstreffen mit zuletzt knapp 20 teil- nehmenden Kommunen, 9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan 225 • regelmäßige Treffen mit dem wissenschaft- lichen Beirat, der viel Zeit in den Austausch innerhalb des Projekts investierte und für den Projektfortschritt aus unterschiedli - cher Perspektive wichtige und unverzicht- bare Impulse setzte. Die Identifikation, Ansprache und erfolgrei - che Einbindung der zahlreichen Akteur*in- nen in den verschiedenen Formaten der Zusammenarbeit war arbeitsintensiv, aber wegen der Vielschichtigkeit der Anforderun- gen rund um einen kommunalen Hitzeak- tionsplan unverzichtbar. Waren die beiden Befragungen der Menschen 65+ und der Senior*inneneinrichtungen noch vor Aus- bruch der Covid-19-Pandemie abgeschlos- sen, konnten viele geplante Interventionen auf z. B. Stadtteilfesten oder Festen in Senioreneinrichtungen pandemiebedingt nicht stattfinden. Gerade die Ansprache der Zielgruppe des Projekts gelang nur mit der Unterstützung der lokal in den „Veedeln“ gut vernetzten Akteur*innen, die als Multiplika - tor*innen für Menschen 65+ dienten. Zukünftig sollte noch stärker darauf geach - tet werden, bereits existierende Netzwerke für die neue Aufgabenstellung zu nutzen, um Synergien konsequent realisieren zu können. Erst eine gründliche Nachanalyse wird zei- gen, ob für den weiteren Prozess zusätzliche Akteur*innen gewonnen werden sollten, die bisher nicht berücksichtigt wurden, wie zum Beispiel Vertretungen der großen Religionsgemeinschaften. 9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan Das Thema Anpassung an den Klimawan - del wird in den Kommunen durch die hohe Betroffenheit und Verwundbarkeit von Städ- ten durch die zunehmenden Klimaverände- rungen immer präsenter und gehört zu den zentralen Zukunftsaufgaben der Städte. 2011 hat der Bund das Baugesetzbuch (BauGB) durch die sogenannte „Klima- schutzklausel“ im § 1a Abs. 5 BauGB erwei- tert und damit auch Maßnahmen der Klima - wandelanpassung stärker im kommunalen Bauleitplanverfahren verankert. Im Rahmen der 93. Konferenz der Gesund- heitsminister*innen der Länder (GMK) am 1.10.2020 wurde postuliert, dass der Klima - wandel sowohl zu einer Zunahme direkter Gesundheitsbeeinträchtigungen als auch zu indirekten negativen gesundheitlichen Auswirkungen und Risiken führt. Die GMK sprach sich für die Erstellung von kommu- nalen Hitzeaktionsplänen innerhalb eines 5-Jahres-Zeitraums aus (GMK 2020). Offen bleibt die konkrete Ausgestaltung in der Kommune. 226 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan Durch das Klimaanpassungsgesetz NRW (2021) erhält die Anpassung an den Klima - wandel die erforderliche Gewichtung, ist präsenter und verbessert den Zugang zu Anpassungsmaßnahmen. Das Thema Klima - wandelanpassung ist eine Querschnittsauf - gabe. Dies hat die NRW-Landesregierung durch die Einbindung der verschiedenen Ressorts beschrieben und verankert. Auch auf kommunaler Ebene lassen sich nur dann sinnvolle Anpassungsmaßnahmen durch- führen, wenn auch hier das Thema als Quer - schnittsaufgabe gesehen wird. Diese Betrachtung ist auch maßgeblich für eine kommunale Hitzeaktionsplanung. Das vorliegende Projekt hat durch die sektor- übergreifende Vernetzung und Zusammen- arbeit neue Arbeitsstrukturen und Grundla - gen geschaffen, die über den gesetzlichen Rahmen weit hinausgehen. Auch das neue Landesgesetz beschreibt im § 3 Abs. 2 Klimawandel als Teil der Daseinsvorsorge, u. a. mit dem Ziel des Gesundheitsschutzes, aber eine Verpflich - tung erwächst den Kommunen hieraus nicht. Daher ist es von besonderer Bedeutung, wie die Ausgestaltung des Klimaanpassungs - gesetzes sein wird, das auf Bundesebene vorgelegt werden soll. Klimaanpassung kann bei den im urbanen Raum vorhande - nen vielfältigen Nutzungskonkurrenzen nur umgesetzt werden, wenn diesem Belang ein schwereres Gewicht im Rahmen der Abwä- gung eingeräumt werden kann, als dies heute der Fall ist. Zu den WHO-Kernelementen eines Hit- zeaktionsplans lässt sich mit den Erfah - rungen des HAP-Köln-Projekts Folgendes feststellen: • Nicht für alle Kernelemente I–VIII besitzt eine Kommune die erforderlichen Möglich- keiten zur Umsetzung. Grundlage ist zudem immer die Verfügbarkeit entsprechender Ressourcen. • Kernelement I (Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit): Von der WHO wird die Einrichtung einer zentralen Koordinierung empfohlen, die die behör- denübergreifenden Zuständigkeiten sowie Einleitung, Umsetzung und Evaluation der Maßnahmen koordiniert. Diese Aufgabe erfüllte für die Stadt Köln das Projekt - team des HAP-Köln-Verbundprojekts. Es erwies sich als unverzichtbar, über eine solche Stelle zu verfügen. Nach Projekt - ablauf ist nun eine entsprechende zentrale Koordinierung im Rahmen des Klimaan- passungsmanagements geplant. Neben personellen Ressourcen ist ein Budget zur Maßnahmenumsetzung unabdingbar. Grö- ßere bauliche Maßnahmen erfordern eine zusätzliche Finanzierung. • Kernelement II (Nutzung eines Hitzewarn- systems) beinhaltet schnelle und für Kom- munen einfach umsetzbare Maßnahmen, wie das Abonnieren des DWD-Newsletters „Hitzewarnung“ und „UV-Warnung“ und Verbreiten der Hitzewarnung mit Hilfe verschiedener Kanäle. Auch für die Bevöl- kerung und Multiplikator*innen selbst ist die kontinuierliche Nutzung sinnvoll und einfach. • Kernelement III (Information und Kom- munikation) bietet einen breiten Rahmen für Maßnahmen, die in unterschiedlicher Detailtiefe entwickelt werden können. Auch der Kostenaspekt lässt sich in diesem Kernelement gut steuern. 9.3 Interventionen, Maßnahmen, Hitzeeinsatzplan: Auf dem Weg zum Hitzeaktionsplan 227 • Bei Kernelement IV (Reduzierung von Hitze in Innenräumen) sind die Einwirkungsmög- lichkeiten einer Kommune durch die Eigen- tumsverhältnisse naturgemäß begrenzt. Die kommunale Aktivität wird sich auf die Ertüchtigung städtischer Liegenschaften einerseits, auf Informationskampagnen und Fördermaßnahmen andererseits beschrän - ken, solange nicht im Baurecht belastba - rere Anforderungen formuliert werden. • Das Kernelement V (Besondere Beachtung von Risikogruppen) ist eine Grundvoraus- setzung für eine zielgerichtete Hitzeakti - onsplanung. Es ist sinnvoll Maßnahmen und Aktionen für die unterschiedlichen vulnerablen Gruppen zu konzipieren. Für eine Großstadt kann es sinnvoll sein vorab die Hitzeaktionsplanung zielgruppenspe - zifisch zu gestalten und anschießend auf weitere vulnerable Gruppen sukzessive auszuweiten. • Kernelement VI (Vorbereitung der Gesund- heits- und Sozialsysteme) benötigt für eine gute Umsetzung erheblichen Input von medizinischer/gesundheitswissenschaft- licher Seite. Die Realisierung gestaltet sich teilweise schwierig und hängt von der Kooperation der Multiplikator*innen und Ämter ab. Der öffentliche Gesundheits - dienst war im Projektverlauf, nicht zuletzt infolge der Covid-19-Pandemie, nur sehr eingeschränkt in der Lage, sich adäquat einzubringen. Diese durch die Pandemie scharf akzentuierte Erfahrung macht deut - lich, dass ein Engagement („commitment“) der beiden maßgeblichen kommunalen Verwaltungsressorts (Umwelt, Gesundheit) für die Aufstellung eines Hitzeaktionsplans nicht verzichtbar ist und nur ausnahms- weise Kompensation von extern gelingen wird. Dies kann im erforderlichen Umfang nur gelingen, wenn aufgabenspezifische Personalressourcen für beide Ressorts eingeworben werden und dann auch zur Verfügung stehen. • Maßnahmen zum Kernelement VII (Lang- fristige Stadtplanung und Bauwesen) konn- ten nur beschrieben und vor allem nicht im Rahmen der Projektlaufzeit umgesetzt werden. • Maßnahmen zu Kernelement VIII (Monito- ring und Evaluation der Maßnahmen) wur- den im Verlauf von HAP-Köln noch nicht auf den Weg gebracht, weil die Laufzeit der angestoßenen Maßnahmen für eine substanzielle Evaluierung noch zu kurz ist. Für die Bearbeitung müssen noch einige grundsätzliche Fragen behandelt werden: Welche Indikatoren müssen für ein sinnvol- les Monitoring erhoben werden? Welche Indikatoren sind geeignet, um einen Rück- gang von Übersterblichkeit bei Hitze zu erfassen? Welche gesundheitsbezogenen Daten sind zur Durchführung eines Moni- torings bzw. einer Evaluation von Maßnah- men überhaupt verfügbar? Nicht immer ist eine klare Zuordnung einer geplanten Maßnahme zu einem Kernele- ment möglich. Es bestehen Überschneidun - gen. Dennoch erwies sich die Ordnung der Maßnahmen nach den 8 Kernelementen und den 5 Zeithorizonten als grundsätzlich sehr hilfreich und sinnvoll. Die Handlungs- empfehlung hierzu hat sich im kommunalen Verwaltungsalltag als durchaus praxistaug - lich erwiesen. 228 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.4 Erreichbarkeit der Zielgruppe 9.4 Erreichbarkeit der Zielgruppe Eine wichtige Frage im Projekt war, auf wel- chen Wegen die Zielgruppe der Menschen 65+ am besten erreicht werden kann. Hierbei musste zwischen den Personen, die in Einrichtungen der Pflegebetreuung leben, und den Alleinlebenden unterschieden werden. Während der Weg über die Pflege - einrichtungen klar vorgegeben war, stellte sich der Kontakt zu in eigenem Wohnraum Lebenden differenzierter dar. Hier war wich - tig, die Menschen in ihren Lebenswelten zu erreichen. Verschiedenste Multiplikator*in- nen sind hier mit unterschiedlichen Angebo - ten einzubinden. So können Informationen über ambulante Pflegedienste weitergegeben und diese auf notwendige Vorsorgemaßnahmen auf- merksam gemacht werden. Aber auch bei Außer Haus-Kontakten, wie zum Beispiel ärztliche Sprechstunden und Apothekenbe - suche, Bäckereien und auf Stadtteilfesten, kann der Kontakt direkt mit den Menschen hergestellt werden. Im Projektverlauf wurde, nachdem dies aufgrund der Covid-19-Pan- demie wieder möglich war, auf Stadtteilfes- ten für das Thema geworben. Eine besondere Herausforderung stellen die Alleinlebenden dar, die möglicherweise mobilitätseingeschränkt nur noch wenige soziale Kontakte pflegen. Hier kann die Aktivierung der Nachbarschaft und ande - rer sozialer und konfessioneller Netzwerke einen guten Weg der Hilfestellung dar- stellen. Ein systematisches, aktives Angebot stellt die aufsuchende Hilfe dar, die möglicher- weise ausgebaut und um die Aufgabe Hitze - prävention erweitert werden muss (s. auch Kap. 8, KE 5.5). So unterschiedlich die Wege der Kommuni- kation, so verschieden und zum Teil unge- wöhnlich waren auch die im Projekt erprob - ten Formate. So wurden Maßnahmen zum Gesund - heitsschutz bei Hitze mit einem Song und Imagefilm von einer kölschen Band bewor- ben. Zudem ist die Band live in Altenein - richtungen aufgetreten. Musik eignet sich gerade für die Zielgruppe in kölscher Mund - art, da sie bei älteren und / oder dementen Menschen Wohlbefinden und ein Gefühl der Verbundenheit auslösen sowie einen Bezug zur Identität herstellen kann. Die im Projekt erstellten Fächer fanden großen Anklang und konnten auch von Menschen mit Demenz intuitiv genutzt werden. Auch die Hitzetipps wurden in lokaler Adaption mit der Zahl 11 als 11 Hitzetipps gedruckt. Es wurde deutlich, dass diese plakativen Maßnahmen eine gute Erreichbarkeit der Zielgruppe erzielen und eine hohe Aufmerk- samkeit für den Song, aber auch für die Informationsinhalte erzeugen. Das Projekt hat neue Vernetzungen initiiert und erprobt. So wurden nicht nur innerhalb der Stadt Köln neue Wege der Zusammen- arbeit eröffnet, sondern auch über die kom - munalen Grenzen hinweg ein Städtedialog angestoßen. Diese neuen Wege haben sich als wichtige Grundlage erwiesen, um ein komplexes und neues Aufgabenfeld wie die Hitzeaktionsplanung in einer Kommune zu verankern. Die offene Diskussion erzeugte eine Vernetzung auf Augenhöhe. 9.5 Fazit 229 Die Einbindung lokaler Akteur*innen in einen Hitzeeinsatzplan und die Nutzung vor- handener lokaler Netzwerke ist ein Weg, der weiter ausgebaut werden sollte, weil so eine gebündelte Informationsweitergabe über Multiplikator*innen an die Zielgruppe aufge- baut werden konnte. Diese Wege konnten auch in der Covid-19-Pandemie genutzt werden. 9.5 Fazit In großer Übereinstimmung stellen die Pro- jektpartner fest, dass das hier ausführlich vorgestellte Vorgehen im Projekt HAP-Köln insgesamt sinnvoll und notwendig war. Es ist zu erwarten, dass es sich erfolgreich auch auf andere Zielgruppen, andere Set- tings und Kommunen übertragen lässt. Die Umsetzung des Projekts mit umfangreichen kommunikativen und interaktiven Elemen- ten ist trotz der erheblichen Schwierigkeiten infolge der Covid-19-Pandemie insgesamt sehr gut gelungen. Der digitale Austausch hat für die verschiedenen Formate eine vorab weder erwartbare noch geplante Bedeutung erlangt und hat dazu beigetra - gen, dass das Projekt trotz der widrigen Umstände realisierbar blieb. Die zu Beginn des Projekts gestellten Fra - gen konnten zusammenfassend wie folgt beantwortet werden: • Welche subjektive Hitzebelastung emp- finden Menschen 65+ in verschiedenen großstädtischen Lebensumwelten und unterscheidet sich die Belastung in Stadt- vierteln mit unterschiedlicher objektiver Hitzebelastung bzw. sozioökonomischer Struktur? 86,7 % aller Befragten haben eine Zunahme von heißen Tagen, 84,1 % eine Zunahme von Hitzewellen wahrgenommen. Weibliche Befragte gaben deutlich häufiger als männliche an, dass sie eine deutliche oder sehr starke Belastung empfinden. Im innenstadtnahen Nippes wurde am häu- figsten angegeben, eine deutliche oder sehr starke allgemeine Hitzebelastung zu empfinden. Auch in den beiden Sozialräu- men ist dies häufig der Fall. Nur im klima - tisch unbelasteten, weniger besiedelten Pesch mit einer ausgeprägten Blau- und Grünstruktur wird die Belastung häufiger als mittelmäßig oder weniger stark emp - funden. Betrachtet man die Wahrnehmung der gesundheitlichen Belastung bei Hitze in den unterschiedlichen Stadtvierteln, dann fällt auf, dass in Pesch die meisten Teilnehmenden eine mittelmäßige, aber weniger häufig als in den anderen Gebie - ten eine deutliche oder sehr starke Belas - tung empfinden. Die häufigsten spontan genannten Gesundheitssymptome wäh- rend Hitzewellen sind Müdigkeit, Schlaf- probleme und Schwitzen (Kapitel 6.1). • Wie reagieren Einrichtungen der Senior*in- nenbetreuung auf Hitze? Rund 72 % der Einrichtungen gaben an, Hitzewarnungen zu erhalten. Ein Großteil der Einrichtungen gab an, einen schrift- lich festgelegten Handlungsplan für heiße Tage zu haben, der in den meisten Fällen konkrete Maßnahmen für heiße Tage und Hitzewellen enthält. Einrichtungen mit Handlungsplänen bejahten überwiegend, dass die Umsetzung der Maßnahmen und des Handlungsplans dokumentiert werde. Die Maßnahmen zur Hitzeanpassung umfassen nächtliches Lüften, Verschattung am Tage, besonderes Augenmerk auf Flüs- sigkeitszufuhr in den meisten Fällen durch Trinkprotokolle und einen angepassten Speiseplan. 230 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.5 Fazit Weiterhin werden leichtere Kleidung und kühlende Waschungen angeboten. Die Hälfte der befragten Einrichtungen bestä - tigte, dass eine hitzebedingte Anpassung von Medikamenten in Absprache mit Haus - ärzt*innen erfolge. Aufgrund des häufigen Personalmangels ist eine Anpassung des Personalschlüssels in den meisten Fällen nicht möglich. Auch klimatisierte Auf- enthaltsräume gehören in Einrichtungen für ältere Menschen eher zur Ausnahme (Kapitel 6.2). • Welche Akteur*innen und Multiplikator*in- nen sind in Köln im Themenfeld Hitze und Gesundheit für die Zielgruppe 65+ bereits aktiv? Das bestehende Akteursnetzwerk des Hitzeaktionsplans für Köln setzt sich aus den verschiedenen Bereichen der Stadt- verwaltung, Wissenschaft, Pflege und Gesundheitswesen, Landes- und Bundes - behörden, Zivilgesellschaft und Netzwerke, Politik sowie städtische Unternehmen und Stadtwerke zusammen. Dies dokumentiert, dass eine Vielzahl an Akteur*innen mit jeweils spezifischem Blick heute bereits tätig ist. Demnach gilt es insbesondere, diese Aktivitäten weiter zu verzahnen und gegebenenfalls noch auszubauen. Es zeigt aber auch die Komplexität und den Umfang der Aufgabe in einer Großstadt wie Köln (Kapitel 6.4). • Wie können diese Akteur*innen und Mul- tiplikator*innen in einen Hitzeaktionsplan eingebunden werden? Für die Integration der genannten Akteur*innen und Multiplikator*innen wurden verschiedene trisektorale Treffen (Kick-off-Meeting, Akteursworkshops, Abschlussveranstaltung, Runder Tisch Seniorenarbeit) durchgeführt. Außerdem wurden die Akteur*innen regel- mäßig per Rundbrief über den aktuellen Projektstand sowie weitere wichtige Infor- mationen im Zusammenhang mit Hitze und Gesundheit informiert (Kapitel 6.5). • Wie kann die Kommunikation mit der Ziel- gruppe strukturiert und optimiert werden und welche Maßnahmen sind geeignet, die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze für die Zielgruppe zu mildern? Es wurde die Basis für eine intensive und regelmäßige Zusammenarbeit der maß - geblichen Akteur*innen gelegt. Darauf auf - bauend gilt es den Hitzeeinsatzplan weiter auszuarbeiten, damit konkret und klar defi - niert wird, wer, wann und auf welche Weise aktiv wird, um bei einer Hitzeperiode den Älteren den bestmöglichen Schutz vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze bieten zu können. Zur Weiterentwicklung und Verstetigung des Hitzeeinsatzplanes sind fortlaufend Gespräche, Absprachen und Vereinbarungen notwendig, die Zeit und finanzielle und personelle Ressourcen erfordern (Kapitel 8). Die Rolle einer kommunalen Verwaltung bei der Entwicklung eines Hitzeaktionsplans kann nicht allumfassend sein. Erst durch Allianzen mit anderen stadtgesellschaftli - chen und auch externen Akteur*innen kann die Aufgabe gelingen. Dies ist eine wichtige Botschaft aus dem Leuchtturmprojekt. Die zeitlich begrenzte Struktur eines Projekts birgt jedoch auch die Gefahr, dass mit dem Wegfall einer koordinierenden Stelle diese Allianzen mit Personalveränderungen etc. wieder „einschlafen“. Zur Verstetigung des Hitzeaktionsplans ist daher eine Übergabe an eine koordinierende Stelle in kommuna- len Strukturen sinnvoll. 9.5 Fazit 231 232 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts Dr. Ulrich Lindemann – Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart „Meine Motivation, dieses Projekt für einen Hitzeaktionsplan in Köln zu unterstützen, wird getragen von eigenen Studien, die von unserer Arbeitsgruppe zum Thema Hitzebe - lastung bei älteren Menschen durchgeführt wurden. Dabei habe ich erfahren, dass besonders pflegebedürftige ältere Men - schen mit schwachem sozialem Netzwerk unter der Hitze leiden. Die wirksamen individuellen Maßnahmen zur Reduktion von Hitzestress (trinken, Körper kühlen, Wohnung kühlen, Verhalten anpassen) sind trivial und werden von den meisten betroffenen Personen instinktiv angewandt. Die im Projekt erarbeiteten Impulsgeber zur Sensibilisierung (z. B. Pro- jekt-Song, Plakate mit 11 Verhaltensregeln, Text-Laufbänder an KVB-Haltestellen etc.) sind anspruchsvoll, aber nicht belehrend und unterstützen diese eigenverantwort- lichen Maßnahmen. Wichtig, aber bisher ungeklärt ist der Automatismus der Akti - onskaskade zur Umsetzung dieser Sensibi - lisierungsmaßnahmen: Welcher Trigger ver- anlasst wen was zu tun? Der Trigger dabei ist eindeutig die Hitzewarnmeldung des DWD. Es liegt nun an den im Projekt betei- ligten Ämtern der Stadt Köln, eine Person oder Dienststelle mit der entsprechenden Aufgabe zu identifizieren (z. B. bei Erhalt der DWD-Hitzewarnung für die Verbreitung des Projektsongs/Videos beim WDR-Hörfunk/ Fernsehen zu sorgen oder bei Erhalt der DWD-Hitzewarnung für die Schaltung der Text-Laufbänder an KVB-Haltestellen zu sorgen). Die Grundlage für die Umsetzung der Maß - nahmen wurde im Projekt in den Workshops mit den Akteur*innen geschaffen. Her- vorragend ist auch die im Projekt erstellte Informationsbroschüre, „Der Hitzeknigge“. Hier müssen noch die effektivsten Ver- teiler angesprochen und gewonnen wer- den, z. B. ärztliche Praxen und Apotheken. Lobenswert ist auch der Austausch im Städ - tedialog, wobei die Erfahrungen der Kom - munen untereinander ausgetauscht werden. Aus Sicht meiner Arbeitsgruppe etwas zu kurz gekommen sind die pflegebedürftigen und alleinlebenden älteren Menschen in der Stadt, deren Situation sich nur durch Information nicht verbessert. Die Versor- gung dieser Personen bei Hitze ist oft nicht geklärt und kann von Hausärzt*innen allein nicht geregelt werden. Perspektivisch könn - ten hier die im Katastrophenschutz orga - nisierten Hilfsorganisationen (DRK, ASB, MHD, JUH) ins Boot geholt werden, die bei einer Hitzewarnung nach einer Liste von Hausärzt*innen erste Maßnahmen umset- zen und für weitere Schritte das soziale Netz der Betroffenen organisieren und aktivieren. Eine Pilotierung einer solchen Maßnahme erscheint als Ergänzung für Folgeprojekte sinnvoll.“ Dr. Hans-Guido Mücke – Umweltbundesamt, Berlin „Das Umweltbundesamt erarbeitete feder- führend die Bund/Länder-Handlungsemp- fehlungen zur Erstellung von Hitzeakti- onsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit (2017 publiziert). Sie haben insbesondere vulnerable Risikogruppen im Blick, die bei Hitzeereignissen besonders gefährdet und schutzbedürftig sind. 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts 233 Hierzu gehören Menschen mit Vorerkran- kungen, in Pflegebedürftigkeit und unter Umständen isoliert lebend oder hohen Alters. Deutschland gehört zu den Staaten mit dem höchsten Durchschnittsalter, hat die zweitälteste Gesellschaft im globalen Vergleich nach Japan und steht damit vor wachsenden Herausforderungen bezüglich gesundheitlicher Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Die Handlungsempfehlungen sind seit ihrer Publikation bundesweit verbreitet und waren die Basis für das Verbundpro- jekt ‚HAP-Köln‘, dem national ersten, das die Umsetzung der Empfehlungen auf kommunaler Ebene zum Ziel hatte. In der Projektlaufzeit (2019–2022) wurde ein inter- disziplinärer Ansatz unter Einbindung von Forschung und Wissenschaft, eines Trink- wasserversorgers und der Kommunaladmi - nistration verfolgt, mit dem sehr erfolgreich eine Struktur und ein Rahmen für einen Hitzeaktionsplan mit zielführenden Hitzean - passungsmaßnahmen geschaffen wurden. Neben der wissenschaftlichen Basiserhe - bung in ausgewählten Bezirken, der ämter- übergreifenden Kooperation, die sich zu die- sem Thema zu finden hatte, ist das Projekt durch die motivierende Einbindung zivilge- sellschaftlicher Akteur*innen, wie diverser Senior*innennetzwerke in verschiedenen Stadtteilen, des Rettungswesens, der Hau- särzteschaft und der Kölner Verkehrsbe - triebe, sowie deren insgesamt außerordent- lich hohes Engagement bei der Mitwirkung beispielgebend für nachfolgende Projekte. Allen Beteiligten und Einwohnenden ist zu wünschen, dass die erlangten Erfahrungen und Erkenntnisse über das Projektende hinaus dazu dienen mögen, die Gesund - heitskompetenz in der Gesellschaft im Allgemeinen und bei älteren Menschen im Besonderen zu stärken, die gesundheitli - chen Risiken durch Hitze zu minimieren und die Resilienz gegenüber zukünftigen Hitze - ereignissen dauerhaft zu erhöhen – in Köln und darüber hinaus.“ Dr. Ulrike Dapp – Albertinen Haus, Hamburg „Alt werden verpflichtet. Dies gilt auch für den hier vorliegenden Bericht des Pro- jekts ‚HAP-Köln’. Seit dreieinhalb Jahren arbeiten die kommunale Verwaltung mit dem Um welt- und Verbraucherschutzamt und dem Ge sund heitsamt, der Trinkwas- serversorger RheinEnergie AG und das Universitätsklinikum Bonn zum Thema Hitze zusammen. Insbesondere durch die wissenschaftlichen Aktivitäten des GeoHealth Centre im Institut für Hygiene & Public Health des Univer- sitätsklinikums Bonn gelang es gleich zu Projektbeginn im Jahr 2019, wichtige neue Erkenntnisse direkt in und gemeinsam mit der Zielgruppe des Hitzeaktionsplans der Stadt Köln zu generieren. In vier ganz unter- schiedlichen Stadtquartieren (Hitzebelas - tung, sozioökonomische Situation) wurden mehr als 250 repräsentativ ausgewählte, mindestens 65-jährige Kölner Einwohnende anhand eines standardisierten Fragebogens befragt. Neben Alter, Geschlecht, Bildung und Wohnumfeld waren die subjektive Wahrnehmung von Hitze sowie das Verhal- ten und die Kommunikation bei Hitze von Interesse. 234 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts Besonders an dieser Befragung war auch, dass der gesundheitliche Allgemeinzu- stand, die Mobilität im Alter und der Grad der Selbstständigkeit in der Ausübung von Alltagsaktivitäten – erfragt über den LUCAS- Funktionsindex – berücksichtigt wurden. Damit liegt für den jetzigen und zukünf- tigen Hitzeaktionsplan der Stadt Köln ein innovativer Datenschatz vor! Denn gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nicht das kalendarische Alter, sondern der Grad der funktionalen Kompetenz (das bio - logische Alter) entscheidend für Selbststän - digkeit und Lebensqualität im Alter. Über die Kölner Befragung konnten ältere Personen mit funktionalen Problemen und Risikofak- toren identifiziert werden (vulnerable Ziel- gruppe), die Anlässe gaben zu vielfältigen, passgenauen Maßnahmen. Ich wünsche dem Kölner Hitzeaktionsplan eine angemessene Aufmerksamkeit, Ver- breitung und Weiterentwicklung und freue mich schon, in Köln erfolgreich erprobte Maßnahmen andernorts wiederzusehen!“ Dr. Martin Theisohn und Lilly Liebig – Seniorenvertretung, Köln „Die Seniorenvertretung Köln hat sich in den vergangenen Jahren bei unterschiedlichen Gelegenheiten dafür eingesetzt, dass die Älteren Hitze besser managen können. So haben wir die Schaffung von Trinkbrunnen unterstützt. Aus unseren Erfahrungen bei der Begehung der Pflegeheime in Köln haben wir sowohl im Rahmen der Mitgliederversammlung der Landesseniorenvertretung als auch im Ausschuss Alter und Pflege der Stadt Köln angeregt, dass die Pflegeeinrichtungen bei Hitzeperioden eine aktive Kühlung in den Wohnbereichen zur Verfügung stellen. Dies soll keine allgemeine Klimatisierung sein. Wir waren deshalb erfreut, als wir zur Mit - arbeit im Beirat und bei den verschiedenen Workshops eingeladen wurden. Dort haben wir aktiv mitgearbeitet und konnten unsere Kenntnisse der Vernetzungsmöglichkeiten in der Stadt Köln einbringen. Im Rahmen der Information über aktuelle Hitzeauswirkungen sollten zwei Wege genutzt werden: 1. Information der Seniorenkoordinationen auf der Ebene der Stadtbezirke. Diese Personen haben im Rahmen des „Runden Tischs Seniorenarbeit“ direkten Zugang zu allen in der Altenpflege tätigen Hauptamt- lichen und auch zu Ehrenamtlichen. 2. Über die Liga der Wohlfahrtsverbände sollten die SeniorenNetzwerk-Koordina- tor*innen angesprochen und damit auch die vielen Einzelpersonen und Gruppen erreicht werden, die die Information über die Hitzeproblematik weitergeben können. 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts 235 Die Tätigkeit hat aber auch dazu geführt, dass nun unsererseits Maßnahmen der Stadt Köln eingefordert werden, die bei Hit- zeperioden zum Schutz der älteren Gene - ration führen könnten: Neben der akuten Information sind dies auch Aktionen in den Quartieren. So soll vermehrt auf Begrünung geachtet werden. Zum anderen braucht es während der Hit- zeperioden Möglichkeiten, sich abzukühlen: Dazu sind Brunnen, Rasenbewässerung, aber auch gekühlte Räume sinnvoll. Diese Treff-Räume sind notwendig, damit in Quar- tieren Gemeinschaft und Nachbarschaft wachsen und gelebt werden kann. Diese Räume sollen deshalb auch Möglichkeiten der aktiven Kühlung – keine Klimaanlage – erhalten.“ Dr. Jutta-Maria Litvinovitch – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Bonn „Die Bundesregierung hat im Jahr 2008 unter Federführung des BMU die deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) vorgelegt und seitdem – im engen Dialog mit den Ländern – kontinuierlich wei - terentwickelt und als Daueraufgabe etab - liert. Die Umsetzung konkreter Maßnahmen der Bundesregierung erfolgt in den Aktions - plänen I–III. Das Cluster ‚Gesundheit’ ist ein zentrales Thema der DAS. Sensible Personengruppen wie beispielsweise ältere und kranke Men- schen oder Schwangere und Kinder sind dabei besonders gefährdet. Der erste Fortschrittsbericht zur DAS wurde Ende 2015 vom Bundeskabinett verabschiedet. Es wurde ein regelmäßiges Berichtswesen vereinbart, dazu gehören aktuell Monitoringbericht 2019, Evaluie- rungsbericht 2019, Fortschrittsbericht 2020 und Vulnerabilitätsanalyse 2021. Seit der Initiierung des BMU Förderpro - gramms „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ 2011 wurden zahlreiche Einzelvorhaben an regionale und lokale Akteur*innen bewilligt, darunter auch dieses Leuchtturmprojekt. Im Auftrag der Umweltminister*innenkon- ferenz (UMK) hat die vom BMU geleitete Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Gesund- heitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ die „Handlungsempfehlun- gen für Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit“ erarbeitet, die 2017 vom BMU veröffentlicht wurden. Handlungsfelder und Zeitspannen basieren auf dem Hitzeakti - onsplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Empfehlungen sind eine Blau- pause für die kommunalen Behörden, um regional bzw. lokal angepasste Aktionspläne zu entwickeln. Ziel ist es, hitze- und UV-be - dingte Erkrankungen und Todesfälle durch Prävention zu vermeiden. 236 9. Welche Erkenntnisse der HAP-Köln bietet 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts Jede zuständige Behörde soll hiermit ermutigt werden, die Entwicklung von Hitzeaktionsplänen voranzubringen und für kommende Hitzesommer aus Sicht des vorbeugenden Gesundheitsschutzes best- möglich gewappnet zu sein. Die Zunahme heißer Tage ist das in den Klimamodellen deutlichste Klimasignal. Zunehmend belasten Hitzewellen vor allem die Gesundheit von Menschen in Ballungs - gebieten, weil die enge Bebauung zu einem urbanen Wärmeinseleffekt von bis zu 10° Temperaturunterschied zwischen Umland und Kernstadt führt. Bis zur Mitte des Jahr - hunderts kann sich durch den Klimawandel im Süden Ostdeutschlands und im Rheintal die Anzahl der heißen Tage pro Jahr verdop- peln. Das Angebot des Zentrums KlimaAnpas - sung (ZKA) wurde erweitert. Dazu zählt auch ein auf Hitzeaktionspläne spezialisier- tes Beratungsprogramm für Kommunen, um die flächenhafte Erstellung solcher Pläne voranzubringen. Bestehende Handlungs- empfehlungen werden derzeit nur vereinzelt umgesetzt und sollen jetzt bundesweit vorangebracht werden. Das BMUV will die Kommunen beim Schutz der Bevölkerung unterstützen. Damit wird dem Wunsch der Länder auf der 97. UMK und der kommuna- len Spitzenverbände Rechnung getragen und stärker für das Thema Hitzevorsorge sensibilisiert. Es bedarf nicht nur der sektorübergrei - fenden Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene und Einbindung aller Stakeholder, sondern auch des Bewusstseins der persön - lichen Betroffenheit. Allen Projektbeteiligten wünsche ich neben der erfolgreichen Umsetzung und vielfälti - gen Impulsgebung für andere Städte gute Gesundheit.“ Dr. Thomas Claßen – Landeszentrum Gesundheit NRW, Bochum „Im Jahr 2019 habe ich mit großer Freude wahrgenommen, dass sich die Stadt Köln im Rahmen eines Bundesforschungsvorhabens gemeinsam mit dem Institut für Hygiene und Public Health des Universitätsklinikums Bonn und der RheinEnergie etwas Großes vorgenommen hat: die Erstellung eines Hit- zeaktionsplans für ältere Menschen. Zum damaligen Zeitpunkt war solch ein Ansatz wirklich innovativ und ist im Übrigen in der Ausrichtung bis heute einmalig und wegwei- send in Deutschland. Das Landeszentrum Gesundheit Nord - rhein-Westfalen (LZG.NRW) hat u. a. die Aufgabe, die Landesregierung ebenso wie die Kommunen in NRW (und hier vor allem den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in den Gesundheitsämtern) dahingehend zu beraten, wie gesundheitliche Belange in Planungsprozessen einem weiten Gesund- heitsverständnis folgend und damit ganz im Sinne vom ‚Health in All Policies‘-Gedanken berücksichtigt werden können. Doch das LZG.NRW hat auch die Aufgabe, zu Hitze, UV-Strahlung und gesundheitli- chen Wirkungen aufzuklären und die Kom- munen zu sensibilisieren. So erstaunt es kaum, dass die AG Gesundheitsorientierte Planung des ÖGD in NRW bereits 2018 das Thema ‚Hitze und Gesundheit‘ als ein zent - rales für die nächste Dekade benannt hatte. 9.6 Kommentare der wissenschaftlichen Beiratsmitglieder des Projekts 237 Die Qualifizierungsmaßnahmen waren schon geplant, doch dann kam bekanntlich Covid-19. Ich freue mich deshalb umso mehr, dass sich das Projekt davon nicht hat beirren las - sen, dann eben im Online-Format unzählige Abstimmungsprozesse eingeleitet und einen wiederum wegweisenden Städtedialog ini - tiiert hat. Entscheidend ist die Vielzahl an – zuweilen unkonventionellen – Maßnahmen- vorschlägen und konkreten Umsetzungs- wegen (z. B. der Drinke-Song), bei denen viele Akteure aus Überzeugung in die ‚Bütt‘ gehen und auch schon einmal selbst bei Hitze die Füße ins Wasser stellen. Der Hitze - knigge für Köln ist ein guter Anfang, aber die Aktion ‚Spitze gegen Hitze‘ wird sicherlich in weiteren Kommunen Schule machen. Ich bin dankbar, dass ich Teil dieser Gemein- schaft werden konnte, und wünsche dem Team und dem Projekt weiterhin viel Erfolg auf dem Weg zu einem vollumfänglichen Hitzeaktionsplan für alle Menschen in Köln. Das LZG.NRW wird diesen Prozess gerne weiter begleiten und unterstützen.“ 10. Herausforder ungen und Ausblick 240 10. Herausforder ungen und Ausblick Der vorliegende Bericht legt den Grundstein für einen Hitzeaktionsplan, der alle Ebenen der Prävention für das Wohlergehen von Menschen im Alter in Köln umfassen soll. Es wurde die Basis für eine intensive und regelmäßige Zusammenarbeit der maß - geblichen Akteur*innen gelegt. Hierauf gilt es jetzt und in Zukunft aufzubauen. Denn vieles wird bereits getan – oft jedoch noch nicht flächendeckend und miteinander ver- zahnt. Bei den nächsten Schritten wird es immer wieder wichtig sein, möglichst konkrete Vereinbarungen zu treffen, damit klar defi- niert ist, wer wann und auf welche Weise aktiv wird. Denn von der Verlässlichkeit der Maßnahmen hängt ab, ob es gelingt, die Selbstständigkeit der Menschen im Alter zu erhalten. Akteur*innen müssen deshalb überzeugt werden, sich mit Verbindlich- keit einzubringen. Hierfür sind noch viele Gespräche, Absprachen und Vereinbarun- gen notwendig. Wo finanzielle Ressourcen ein Problem darstellen, muss möglicher- weise finanziell interveniert werden. Dies gilt etwa für den wichtigen Bereich der aufsuchenden Hilfe. Im Zuge der Zusam - menarbeit von Wissenschaft, kommunalen Akteur*innen, Wirtschaft und der engagier - ten Zivilgesellschaft sind Ideen zu weiter- gehenden Maßnahmen entstanden bzw. vorgeschlagen worden, die nach ihrer Wir- kung priorisiert und weiterverfolgt werden sollen. Viele von ihnen zielen nicht nur auf ältere Menschen, sondern auf die gesamte Bevöl- kerung ab und weisen bereits den Weg in Richtung einer Ausweitung des im HAP- Köln-Projekt erstellten Hitzeaktionsplans auf weitere vulnerable Gruppen, wie Kinder, Menschen mit Behinderung oder im Freien körperlich arbeitende Menschen. Bei der Umsetzung benötigt die Stadt Köln jedoch auch Unterstützung von Bundes- und Landesebene. Das Sofortprogramm des Bundesministe - riums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) für die Anpassung an den Klimawandel soll die Kommunen mit vielfältigen Maßnahmen unterstützen, unter anderem mit einem Beratungsprogramm zu Hitzeaktionsplä - nen. Mit dem „HAP-Köln“ ist die Stadt Köln bereits einen Schritt weiter als die meisten anderen Kommunen, sodass andere Städte von den Erfahrungen profitieren können. Von besonderer Bedeutung wird die Ausge- staltung des Klimaanpassungsgesetzes sein, welches das BMUV bis zur Mitte der Legis - laturperiode vorlegen will. Die Verpflichtung, dass Klimaanpassung in allen Planungen und Entscheidungen der öffentlichen Hand zu berücksichtigen ist, muss so verbindlich formuliert werden, dass diesem Belang ein größeres Gewicht im Rahmen von Abwä- gungsprozessen eingeräumt werden kann, als dies heute der Fall ist. 241 Nur so kann wirksame Klimaanpassung – und damit wirksamer Hitzeschutz – im Rah - men der kommunalen Planungen bei den im urbanen Raum vorhandenen vielfältigen Nutzungskonkurrenzen umgesetzt werden. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln wird sich für die Klimaanpas - sung und insbesondere die Fortführung des Hitzeaktionsplans bei der Stadt Köln ein - setzen. Um dies kontinuierlich und für alle Beteiligten verlässlich umsetzen zu können, ist geplant, eine koordinierende Stelle ein - zurichten und mit den notwendigen perso - nellen und finanziellen Mitteln auszustatten. Nur so kann das Versprechen, welches das Projekt für die Zukunft gibt, eingelöst werden. Das Umwelt- und Verbraucherschutzamt bedankt sich herzlich bei allen, die dieses Projekt auch weiterhin unterstützen wollen, insbesondere beim wissenschaftlichen Bei - rat, der Bereitschaft signalisiert hat, seine Begleitung der Prozesse fortzusetzen, sowie bei Prof. Thomas Kistemann, der nach dem Abschluss des HAP-Köln-Projekts die Kölner Hitzeaktionsplanung in diesem Gremium begleiten wird. 242 Danke! Danke! Der Bericht zum HAP-Köln-Projekt „Hitze - aktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ ist ein Gemeinschaftswerk. Das Projektteam bedankt sich bei den Mitglie - dern des wissenschaftlichen Beirats, den Teilnehmer*innen der Akteursworkshops, den Vertreter*innen der Kommunen im Rahmen des Städtedialogs sowie den Ver- treter*innen der städtischen Ämter sowie der Seniorenvertretung Köln, die an der Erarbeitung der Ergebnisse mit ihren unter- schiedlichen fachlichen Beiträgen maßgeb - lich mitgewirkt haben. Besonders wichtig war zudem die Bereit- schaft der Teilnehmer*innen an der Befra- gung, ihre Lebenssituation, persönliche Ein - schätzung und Wünsche mit uns zu teilen, sowie der Leiter*innen von Kölner Einrich- tungen für ältere Menschen, zur Situation ihrer Einrichtungen in Bezug auf Hitzebelas- tungen Auskunft zu geben. Ein Dank geht auch an das Bundesminis - terium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz mit der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH, das mit der Förderung als Leucht - turmprojekt und mit der Projekt begleitung diese Arbeit erst möglich gemacht hat. Herzlich danken möchten wir den studenti- schen Mitarbeitenden und Praktikumskräfte des Universitätsklinikums Bonn und der Stadt Köln für ihre wichtige Unterstützung bei der Durchführung der Befragungen sowie der Erstellung dieses Berichts. Ein besonderer Dank geht auch an die Kommunikationsbüros 4K | Kommuni- kation für Klimaschutz GmbH und ecolo GmbH & Co. KG Agentur für Ökologie und Kommunikation, die den Prozess mitgestal- tet haben, sowie an die Band Klabes und ihr besonderes Engagement für die älteren Menschen in Köln. Literaturverzeichnis 243 Literaturverzeichnis Amt für Bevölkerungsschutz (2020): Muster Alarm- und Einsatzplan Hochwasser für kreisangehörige Städte und Gemeinden. Online verfügbar unter https:/ /www. flussgebiete.nrw.de/system/files/ atoms/files/muster-alarm-einsatzplan- hochwasser_06-2020.pdf, zuletzt geprüft am 07.07.2022 an der Heiden, M. & Muthers, S. & Nie - mann, H. & Buchholz, U. & Grabenhen - rich, L. & Matzarakis, A. (2019): Schätzung hitzebedingter Todesfälle in Deutschland zwischen 2001 und 2015. In: Bundesge - sundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 62 (5), S. 571–579. DOI: 10.1007/s00103-019-02932-y Artmann, M. & Chen, X. & Iojă, C. & Hof, A. & Onose, D. & Poniży, L. et al. (2017): The role of urban green spaces in care facilities for elderly people across European cities. 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Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen alte Fassung BauO NRW n.F. Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen neue Fassung BBSR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung BMUV Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz CCAS Centre Communal d'Action Sociale DAS Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel Difu Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) gGmbH DRK KV Köln e.V. Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Köln e.V. DWD Deutscher Wetterdienst ECDC European Centre for Disease Prevention and Control EFRE Europäischer Fonds für regionale Entwicklung et al „und andere“ e. V. eingetragener Verein FKZ Förderkennzeichen GA Gesundheitsamt der Stadt Köln GAG Immobilien GmbH oder AG Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (Wohnungsunternehmen) GAK Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels GEG Gebäudeenergie-Gesetz GIS Geografisches Informationssystem GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GMK Gesundheitsministerkonferenz der Länder GOÄ Gebührenordnung für Ärzte HAP-Köln Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln HEAT-Studie Hessischer Aktionsplan zur Vermeidung hitzebedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen der Bevölkerung IHPH Institut für Hygiene & Public Health (des Universitätsklinikums Bonn) ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH Dortmund iRes Projekt iResilience - Soziale Innovationen und intelligente Stadtinfrastrukturen für die resiliente Stadt der Zukunft IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change JUH Johanniter-Unfall-Hilfe KAM Klimaanpassungsmanagement KE Kernelement 251 KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau (Förderbank) km² Quadratkilometer KLUG Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. KV Kassenärztlichen Vereinigung KVB Kölner Verkehrsbetriebe AG LANUV Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW LWG Landeswassergesetz LZG.NRW Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen m Meter M Meilenstein MHD Mindesthaltbarkeitsdatum MULNV Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen MUKLIMO_3 Mikroskaliges urbanes Klimamodell NRW Nordrhein-Westfalen NW – SW Nordwest – Südwest ÖGD Öffentlicher Gesundheitsdienst ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr RE RheinEnergie AG RKI Robert Koch-Institut SBK Sozial-Betriebe-Köln SGB II-Bezieher*innen Zweites Buch des Sozialgesetzbuchs – Grundsicherung für Arbeitssuchende („Hartz IV“) StEB Köln Stadtentwässerungsbetriebe Köln SVK Seniorenvertretung Köln SWK Stadtwerke Köln UBA Umweltbundesamt UGS urban green spaces (Städtische Grünflächen) UKB Uniklinikum Bonn UMK Umweltministerkonferenz UVA Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln UV UV ü.NN über Normalnull VHS Volkshochschule WHO Weltgesundheitsorganisation WDR Westdeutscher Rundfunk Köln WTG DVO Wohn- und Teilhabegesetz-Durchführungsverordnung ZKA Zentrum KlimaAnpassung ZUG Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH °C Grad Celsius 252 Anlagen Anlagen A1 Projekt-Meilensteine A2 Rundbrief A3 Liste Statistischer Quartiere, Erreichbarkeit von Grünflächen A4 Öffentlichkeitswirksame Veranstal tungen / Maßnahmen / Publikationen Arbeitspaket Meilenstein Beschreibung Fälligkeit (Monat) AP1: Grundlagen Meilenstein 1 Priorisierung nach Betroffenheit Grundlagendaten liegen vor. Priorisierung von Stadtteilen und Auswertung der Bevölkerungsverteilung. Erhebungsgebiet wird nach Betroffenheit ausgewählt, Prioritäten und Indikatoren liegen vor. M 4 AP2: Erhebung Meilenstein 2 Erhebung liegt vor Befragung von rund 20 Expert*innen und 100–200 Menschen im Alter mittels qualitativer und quantitativer Erhebungs - methoden. M 14 AP3: Auswertung Meilenstein 3 Daten aus Erhebung liegen aufbereitet vor Statistische und qualitative Auswertung. M 20 AP4: Bewertung Meilenstein 4 Grundlagen der Inter - vention liegen vor Aufgrund der wissenschaftlichen Auswertung wird eine belastbare Bewertung erstellt. Schwerpunkte und Handlungs - bedarf wurden gebildet. M 22 AP5: Ableitung von Maßnahmen Meilenstein 5 Aktionsplan liegt vor Erstellung eines Maßnahmenkataloges und eines Kommuni - kationskonzeptes zur Sensibilisierung älterer Menschen. M 25 AP6: Umsetzung Meilenstein 6 Maßnahmen wurden durchgeführt Anwendung der entwickelten Kommunikationsstrategie und Maßnahmenumsetzung. M 34 AP7: Qualitätssichernde Beglei - tung + Projektpräsentation Meilenstein 7 Dokumentation des Qualitätsmanage - ments liegt vor Evaluation der Sensibilisierungsstrategie. M 36 AP8: Projektsteuerung Meilenstein 8 Projektbericht Der Projektbericht ist gedruckt und die Abschlusskonferenz wurde durchgeführt. Projekt ende M 36 Tab. A 1 Meilensteine des Projekts „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln“ 253 254 Anlagen Abb. A 2 Rundbrief an die Menschen 65+ in Vorfeld der Befragung 255 Statistische Quartiere Wege über 400 m Agnes-Viertel–Alte Feuerwache Alt-Müngersdorf–Technologie Park Apostel-Viertel Belgisches Viertel–Brüsseler Platz Belgisches Viertel–Lütticher Str. Bickendorf–Am Rosenhof Bickendorf–Gewerbegebiet Bickendorf–Teichstr. Bilderstöckchen–Hunsrückstr. Braunsfeld–Aachener Str. Braunsfeld–Pauliplatz Braunsfeld–Technologie Park Buchforst–Wildunger Str. Buchheim–Hermann-Kunz-Str. Buchheim–St. Mauritius Dellbrück–Ernastr. Ehrenfeld–Bezirkssportanlage Mitte Ehrenfeld–Hansemannstr. Ehrenfeld–Lichtstr. Ehrenfeld–Pellenzstr. Ehrenfeld–St. Josef Ehrenfeld–Wißmannstr. Finkenberg–Konrad-Adenauer-Str. Ford-Siedlung–Pohlmanstr. Garten-Siedlung Gartenstadt-Nord–Altonaer Platz GE Bayenthal GE Braunsfeld Germanen-Viertel–Thusneldastr. Hafen Niehl Heumar–Wikingerstr. Holweide-Ost–Schnellweider Str. Justiz-Viertel Kalk–Trimbornstr. Klettenberg–Honnefer Platz Klettenberg–Nonnenstrombergstr. Klettenberg–Stenzelbergstr. Lövenich-Ost–Siedlung Haus Közal Wege unter 160 m Beethovenpark–Heinz-Mohnen-Platz Bergische Siedlung–Mudersbacher Str. Bilderstöckchen–Heinrich-Pesch-Str. Blumenberg–Staffelsbergstr. Böcking-Siedlung–Düsseldorfer Str. Chorweiler–Turkuplatz Chorweiler-Nord–Usedomstr. Ehrenfeld-West–Gumprechtstr. Eil-Süd–Wuppertaler Str. Ensen–Gertrudenstr. Fachhochschule Deutz–Messe Gereons-Viertel–Klingelpützpark Gereons-Viertel–St. Gereon Hafen-Viertel Höhenberg–Münchener Str. Holweide-Ost–Gerhart-Hauptmann-Str. Humboldt–Lahnstr. Kalk–Vorsterstr. Kalk-Nord–Eythstr. Kölnberg–Alte Brühler Str. Kölnberg–Brühler Landstr. Langel (lrh.)–Rheinkassel Libur Media-Park Melaten–Auferstehungskirche Melaten–Clarenbachkanal Neu-Bocklemünd–Börnestr. Neu-Vogelsang Neu-Weiden–Körnerstr. Neu-Weiß–Pflasterhofweg Nippes–Am Alten Stellwerk Nippes–Edith-Stein-Schule Nippes–Erzbergerplatz Nippes–Leipziger Platz Nordpark–Am Nordpark Ober-Iddelsfeld Ossendorf–Franziska-Anneke-Str. Rath–An der Mollburg 256 Anlagen Tab. A 3 Statistische Quartiere, welche hinsichtlich der Erreichbarkeit von Grünflächen für die Altersgruppe 65+ der kürzesten sowie der weitesten Distanzklasse angehören Wege über 400 m Lövenich-West–Friedhof Merheim-Mitte–Winterberger Str. Mülheim-Nord–Berliner Str. Neubrück–Hermann-Hesse-Weg Neuehrenfeld–Eichendorffstr. Neu-Lindenthal–Krieler Dom Neumarkt-Viertel–St. Andreas Nippes–Wartburgplatz Nippes–Wilhelmplatz Parkgürtel-Nord–Göppinger Str. Parkgürtel-Süd–Böblinger Str. Parkgürtel-Süd–Parkgürtel Raderberg–Marktstr. Rheinsteinstr. Riehl–St. Engelbert Rodenkirchen–Mildred-Scheel-Str. Rodenkirchen–Rathaus Rodenkirchen–St. Maternus Rolshoven Schlachthof-Nord Schweden-Siedlung–Kierkegaardstr. Siedlung Blauer Hof–Heidelberger Str. Siedlung Weiße Stadt–Kopernikusstr. Stegerwald-Siedlung–Gesamtschule Südstadt–Elsaßstr. Sülz–Kyllburger Str. Sülz–Manderscheider Platz Sülz–St. Borromäus Sürth–Ströer-Allee Uni-Viertel–Kliniken Urbach–Fauststr. Vogelsanger Str.–Fröbelplatz Vogelsanger Str.–Keplerstr. Vogelsanger Str.–Neptunplatz Vogelsanger Str.–Vincenz-Statz-Schule Weißhaus-Viertel–Räuberwäldchen Weißhaus-Viertel–Weißhaus Wege unter 160 m Rathenau-Viertel–Dasselstr. Rathenau-Viertel–Rathenauplatz Rondorf-Ost–Merlinweg Seeberg-Mitte Seeberg-Nord–Henry-Ford-Realschule Seeberg-Nord–Riphahnstr. Severins-Viertel–An der Eiche Siedlung Florastr. Siedlung Humboldt Siedlung Madaus–Auf dem Eichenbrett Siedlung Mielenforst Stadtgarten-Viertel–Bismarckstr. Stadtgarten-Viertel–Colonius Strunden–Mielenforster Heide Südstadt–Campus Südstadt Sürth–Dominikus-Böhm-Str. Takufeld–Takuplatz Ursula-Viertel Vingst–Ansbacher Str. Vingst–St. Theodor Vorgebirgspark–Fritz-Hecker-Str. Vorgebirgspark–Schwalbacher Str. Westend–Ossendorfer Weg Widdersdorf-Süd–Sportanlage Wohnpark Bayenthal Zollstock–Höninger Weg Zündorf-Nord–Rosenhügel 257 Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen / Maßnahmen / Publikationen Wissenschaftliche Publikationen Kemen J., Kistemann T. (2019): Der Einfluss urbaner Hitze auf die menschliche Gesund - heit. In: Lozán, J. L., Breckle, S.-W., Graßl, H., Kuttler, W., Matzarakis, A. (Hrsg.): Warn- signal Klima: Die Städte: Wissenschaftliche Auswertungen. Hamburg: 113–119. Kemen J., Schäffer-Gemein S., Kistemann T (2020): Klimaanpassung und Hitzeaktionspläne - Ein idealtyp - isches Thema der geografischen Gesundheitsforschung. 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IMGS 2019 – International Medical Geogra - phy Symposium, Queenstown, Neuseeland 04.09.2019 Yvonne Wieczorrek und Johanna Grünewald (UVA): Projektvorstellung beim Forum für „Klimaanpassung in Großstädten“, LANUV Duisburg 26.–27.11.2019 Yvonne Wieczorrek (UVA): Hitzeaktionsplan Köln in der Session Urbane Räume im Kli - mawandel – Fokus Hitze und Gesundheit, Nationaler Fachdialog „Klimawandelfolgen in Deutschland – Bereit zu handeln für bes - sere Vorsorge“, UBA Berlin 24.–26.09.2020 Juliane Kemen (IHPH UK Bonn): Hitzewellen und Menschen im Alter: Gesundheit, Wahr- nehmung und Verhalten von selbstständig lebenden Senior*innen in Episoden ext- remer Hitze. Jahrestagung des AK Medi - zinische Geographie und Geographische Gesundheitsforschung Remagen https:/ /wp.med-geo.de/wp-content/ uploads/2020/10/akmedgeo2020_kemen_ hitzewellen.pdf 258 26.03.2021 Hans-Guido Mücke (UBA) und Thomas Kis - temann (IHPH UK Bonn): Hitzeaktionsplan für ältere Menschen in der Stadt Köln – Pra - xiserfahrungen des Gesundheitsamtes Köln. Fortbildungsveranstaltung für den Öffent lichen Gesundheitsdienst 2021 https:/ /www.bfr.bund.de/cm/343/ hitzeaktionsplan-fuer-menschen-im-alter- fuer-die-stadt-koeln-teil-2.pdf 30.06.2021 Yvonne Wieczorrek und Bianka Marcol (UVA): Hitzeaktionspläne als wichtiger Baustein, BEW Online-Live-Training: Hitze, Dürre, Trockenheit, BEW – Das Bildungs- zentrum für die Ver- und Entsorgungswirt- schaft gGmbH 04.11.2021 Yvonne Wieczorrek (UVA): Vorstellung des Hitzeaktionsplans der Stadt Köln, Veranstal- tungsreihe „Gesundheit, Klima, Nachhal- tigkeit – Jetzt gemeinsam handeln!“ Teil 2: Klimastrategien in der Kommune. Organisa- tion: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Nds. e. V. 11.05.2022 Yvonne Wieczorrek (UVA): Thermische Belastung und Klimawandelvorsorge, Hit- zeaktionsplan Stadt Köln beim Regionalen Fachdialog Klimawandelvorsorge, Region Köln Bonn 24.03.-25.03.2022 Dr. Hans-Guido Mücke (UBA) und Yvonne Wieczorrek (UVA): Hitzevorsorge durch Akti- onspläne der Kommunen Erste Vernetzungskonferenz, kommunale Klimaanpassung im Dialog 17.02.2022 Yvonne Wieczorrek (UVA): „Hitzeaktionsplan Köln - wie kann die Erreichung aller älte- ren Menschen gelingen?“,Fachworkshop des LMU Klinikums Vermeidung hitzere- levanter Erkrankungen in Zeiten erhöhten Infektionsschutzes 21.03.2022 Bianka Marcol (UVA): Vortrag im Rahmen des Workshops „Klimawandel und Gesund- heit“ auf der Satellitentagung zum Kongress Armut und Gesundheit „Der ÖGD, ein moderner Public Health-Dienst“ 2022 07.04.2022 Bianka Marcol (UVA): Gesundheitsgesprä- che „Klimakrise – Hitzestress. Wie kann ich mich schützen? Was tut die Stadt Köln?“ im VHS-Forum Köln 09.06.2022 Thomas Kistemann (IHPH UK Bonn): Hitze - aktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln, Behördendialog „Gesundheit im Klimawandel“, 5. Sitzung (digital) 24.06.2022 Heike Müller, Silvia Schäffer-Gemein, Juli- ane Kemen, Thomas Kistemann (IHPH UK Bonn): A Structured Interview-Based Study above Heat Perception and Coping Strate- gies of Elderly People in Cologne, Germany IMGS – International Medical Geography Symposium, Edinburgh, UK 29.06.2022 Yvonne Wieczorrek (UVA): Hitzeaktionsplan Köln, Projekt und Verstetigung, Amtsleiter- runde des Dezernats VIII, Stadt Köln Anlagen 259 20.09.2022 Thomas Kistemann (IHPH UK Bonn): Der Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln. Fachtagung Kommunale Gesundheitsberichterstattung des LZG. NRW, Ruhrgebiet Wissenschaftliche Abschlussarbeiten Juliane Kemen Hitzewellen in der Stadt: Gesundheits - förderliche und gesundheitsgefährdende Faktoren für selbständig lebende Senioren. Dissertation Geographie, Universität Bonn (laufend) Karla Luchterhand Hitzewellen in Köln. Vulnerabilität und frei- flächenbasierte Anpassungsstrategien. Masterarbeit Geographie, Universität Bonn (2021) Christina Peklo Zugang zu öffentlichen Toiletten für ältere Menschen in Köln. Masterarbeit Geographie, Universität Bonn (laufend) Vorstellung des Projekts in der Öffentlichkeit Printmedien, Radio, TV • WDR-Redaktion Markt zu dem Thema „Gesundheitliche Folgen der Hitzewelle“ im August 2018 • Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg zum Thema „Klimaresilienz“ im Februar 2019 • Westdeutscher Rundfunk (WDR) zum Thema „Auswirkungen des Klimawandels auf Köln und die Region“ im Juni 2019 • Kölner Stadtanzeiger zum Thema „Kli- manotstand und Hitzemaßnahmen“ im August 2019 • Pressemitteilung des Gesundheitsamtes Köln am 22.07.2019 „Gesundheitsamt gibt Hitze-Tipps“ während der Hitzewelle 2019 • Express zum Thema „Klimawandelfolgen für Köln“ im Januar 2020 • Zeitschrift Gesunde Städte-Nachrichten Ausgabe Nr. 1/ Mai 2020, Artikel über den Hitzeaktionsplan der Stadt Köln • Apotheken Umschau (A07/20), Schneider, Achim Gerald (2020): Achtung, heiß! Hit- zewellen. Die Warnungen in Deutschland erreichen zu wenige Menschen. Frankreich gibt ein Beispiel, wie man die Menschen besser schützt. • Interview mit der AOK 17.12.2020 • Die heiße Stadt – Klimawandel in den Städten, WDR 5 Neugier genügt - das Feature. 23.07.2020. 17:43 Min. ht t p s :// www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/ neugier-genuegt/feature-der-klimawandel- in-den-staedten-100.html, verfügbar bis 23.07.2021 • Deutsche Welle, Betonwüste – Klimawan- del in der Stadt. 08.08.2020. 40:36 Min. https:/ /ondemand-mp3.dradio.de/file/dra- dio/2020/08/08/heisse_ betonwueste_klimawandel_in_der_stadt_ dlf_20200808_0910_ad224116.mp3, verfügbar bis 08.08.2021 • Stadt intern – Magazin für die Beschäf- tigten der Stadt Köln (A03/2021: 28f.) Aktionsplan gegen Hitze: Ein „Trinklied“ aus dem Umweltamt • Kölner Stadtanzeiger (A14.06.2021), „Drinke“ – ein Song für den Hitzeaktionsplan • Kölnische Rundschau (A10.07.2021), Drink doch ene met … Hitzeaktionsplan für Senio - ren: Band „Klabes“ bereitet ernstes Thema musikalisch auf. Anlagen 260 Anlagen • Müller, Heike (2021), „Drinke, immer widder jet drinke“, Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter für die Stadt Köln. Schwestern- brief der Johanniter-Schwesternschaft e. V. (A09/2021): Seite 6f. • 23.07.2020 WDR5, Radio-Interview: Thema: Hitze in der Stadt • 08.08.2021 Deutschlandradio Interview: Thema: Hitze in der Stadt • Kölner Stadtanzeiger (A11.07.2022), „Brunnen mit Trinkwasser zur Kühlung“ • WDR Lokalzeit Köln vom 12.07.2022, Hitzewelle und Hitzeportal Köln Vom Projektteam geplante und durchgeführte Veranstaltungen • 23.05.2019 Fachworkshop (Kick-off-Meeting) • 23.09.2020: 1. Städtedialog • 18.03.2021: Akteursworkshop 1 • 15.04.2021: Akteursworkshop 2 • 29.04.2021: Akteursworkshop 3 • Sommer 2021: Klabes-Tour durch Kölner Seniorenheime • 16.09.2021: 2. Städtedialog • 03.05.2022: Projekt- Abschlussveranstaltung Sonstiges • Projekthomepage: www.stadt-koeln.de/ leben-in-koeln/ klima-umwelt-tiere/klima/hitzeaktions- plan- fuer-menschen-im-alter • Projektbegleitender Versand von Rund- briefen an die Akteur*innen in 2020 und 2021 • Vorstellung des Projekts: Runder Tisch für Seniorenarbeit, Köln. In den Bezirken: Nippes, Kalk, Lindenthal, Chorweiler, Innenstadt, Mülheim • Projektvorstellung: Sozialraum koordi- nator*innen in Köln • 07.09.2019 Infostand Veranstaltung „Stadtklima“, VHS Forum Köln • 15.09.2019 Infostand Stadtteilfest „Tag des guten Lebens“, Köln • Twitterbeitrag 24.08.2020 Durch den #Klimawandel steigt die Wahrschein- lichkeit auf intensive #Hitzeereignisse. Das wirkt sich auch gesundheitlich aus. In @Koeln entsteht ein #Hitze- aktionsplan für Menschen im Alter: https:/ /twitter.com/bbsr_bund/ status/1297889144224403456 • 20.06.2022 World-Café im Rah- men des GAG Quartierskonzepts für Bilderstöckchen • 28.06.–04.07.2022 Mega-Light-Kampa- gne „11 Hitzetipps“ in Köln • 15.–16.8.2022 Feuerwehrsymposium 2022 • Nominierung zum Bundespreis „Blauer Kompass” 2022: www.uba.de/tatenbank Anlagen Die Oberbürgermeisterin Umwelt- und Verbraucherschutzamt Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Gestaltung Design Studio d_bilk Bildnachweise Seite 1: www.iStock.com/tigerundbaer Seite 12 – 13 : www.iStock.com/horstgerlach Seite 16 – 17 : www.iStock.com/deepblue4you Seite 24 – 25: www.iStock.com/FrankRamspott Seite 27 : www.iStock.com/horstgerlach Seite 40 : www.iStock.com/Gfed Seite 52 : Sabine Große-Wortmann Seite 62 – 63: www.iStock.com/greenleaf123 Seite 79 : www.iStock.com/horstgerlach Seite 81 : www.iStock.com/horstgerlach Seite 86 – 87: www.iStock.com/Sabine Hortebusch Seite 141 : Sabine Große-Wortmann Seite 142 – 143: Adobe Stock/cherries Seite 152 : Sabine Große-Wortmann Seite 170 – 171: Adobe Stock/c_anna Seite 182 : www.iStock.com/natalie_board Seite 184 : Sabine Große-Wortmann Seite 202 : www.iStock.com/shapecharge Seite 212 : www.iStock.com/Warchi Seite 218 – 219 : www.iStock.com/horstgerlach Seite 238 – 239 : www.iStock.com/sborisov Druck Druckhaus Süd Medien GmbH 13-JG/574/2/400/10.2022 Kontakt Stadt Köln Umwelt- und Verbraucherschutzamt Stadthaus, Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln 57-hitzeaktionsplan@stadt-koeln.de
Beratungsverlauf
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17.11.2022
Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren
TOP 5.5, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen -
22.11.2022
TOP 5.2, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen -
24.11.2022
Ausschuss Klima, Umwelt und Grün
TOP 4.1.4, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen
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