1321/2025
Szenebericht Darstellende Künste (Theater)
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/41/41/23 Vorlagen-Nummer 19.05.2025 1321/2025 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 20.05.2025 Szenebericht Darstellende Künste (Theater) In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Ausschuss Kunst und Kultur die Verwaltung beauf- tragt, „den Sparten Musik, Darstellende Kunst (mit Theater und Tanz), Bildende Kunst (Foto- grafie) und Medien (Film, Literatur) die Möglichkeit zu geben“, regelmäßig über das Gesche- hen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Arbeit zu berichten. Dabei sollen die Spartenvertretungen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen in ihren jeweiligen Bereichen berücksichtigen. Die Berichte werden entweder in Form einer ca. 5-minütigen PowerPoint-Präsentation, einer Videobotschaft oder eines schriftlichen Berichts (maximal drei Seiten) dem Ausschuss Kunst und Kultur vorgestellt. Für die Sparte „Theater“ werden Andrea Bleikamp, Manuel Moser und Bernd Schlenkrich aus dem Vorstand der Interessenvertretung „Verein für Darstellende Künste Köln (VDK)“ berichten und Fragen beantworten. Gez. Charles Anlage: Szenebericht Theater
Anlage 1 - VdK_Szenebericht_THEATER_2025
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Ve re i n f ü r d ar s t e l l e n d e K ü ns t e K ö l n ( V d K)
Tanz – Theater – Zeitgenössischer Zirkus
Szenebericht THEATER 2025
Der Verein für darstellende Künste Köln ist seit 2020 die gemeinsame Vertretung der darstellenden Künste in Köln.
Köln hat im Bereich Theater mit 38 Bühnen, über 50 Ensembles, mehreren freien Fes>vals (teilweise sparten-
übergreifend) und mehreren hundert Solokünstler:innen eine der größten freien Theaterszenen in Deutschland.
Im SchniL erreichen die Kölner freien Theaterschaffenden in ihren Häusern und SpielstäLen 250.000
Zuschauer:innen im Jahr. Die Produk>onen, Projekte und Fes>vals erregen überregionale Aufmerksamkeit,
gas>eren na>onal und interna>onal und erhalten Nominierungen für bundesweit bedeutende Auszeichnungen.
Auch im letzten Jahr wurden Kölner Produk>onen auf Gastspielen bundesweit gezeigt, etliche Theaterhäuser
arbeiten mit bundesweit renommierten künstlerischen Teams zusammen und die Kölner Einzelkünstler:innen
arbeiten als Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder in anderen künstlerischen Bereichen an freien Häusern
sowie Stadt- und Staatstheatern bundesweit.
Momentan erhalten drei Kölner Ensembles die Spitzenförderung des Landes NRW:
Angie Hiesl (Theater)
Pulkfik>on (Kinder und Jugendtheater)
Tanzfuchs (Kinder und Jugendtheater)
Die erfolgreiche Arbeit folgender Gruppen wird aktuell durch die Aufnahme in die KonzepHonsförderung des
Landes NRW gewürdigt:
Thomas Bartling Köln (Performance)
Un-Label Performing Arts Company Köln (Theater/Performance/Beratung)
Paradeiser produc>ons Köln (Musiktheater)
Futur3 Köln (Theater)
KimchiBrot Connec>on (Performance/Theater)
S. Rudat (Performance)
Mehrere KooperaHonen und KoprodukHonen mit städ>schen Ins>tu>onen werden aktuell oder wurden im
vergangenen Jahr erfolgreich realisiert:
Theater im Bauturm – Gürzenich Orchester
Wehr51 – Rautenstrauch Joest Museum
Futur 3 – Schauspiel Köln
Comedia Theater – Oper Köln
Außerdem zeigten mehrere Ensembles im Rahmen der Museumsnacht ihre Performances in den städtischen Museen.
Mehrere internaHonale KooperaHonen wurden im letzten Jahr durchgeführt:
Futur3 – AM Fohr (Frankreich)
Comedia – Compania Aranwa (Chile)
Africologne – diverse Partner
Sommerblut – diverse Partner
Folgende Theater/PerformancefesHvals wurden im letzten Jahr durch die freie Kölner Szene federführend
durchgeführt:
Africologne (Theater/Performance/Tanz)
Sommerblut(Theater/Performance/Tanz)
URBÄNG(Theater/Performance/Tanz)
spielarten NRW(Theater für junges Publikum)
Szenebericht darstellende Künste THEATER – 1
Mitteilung 1321/2025: Anlage 1
Außerdem erhielt die Kölner Theaternacht nach 20 erfolgreichen Ausgaben eine Generalüberholung und wurde
zum FesHval der darstellenden Künste, das bei der ersten Ausgabe an 56 SpielstäLen über drei Tage verteilt vor
allem ein junges Publikum anzog. Die Kombina>on mit Konzerten und Partys erregte Aufmerksamkeit und wird in
Koopera>on mit dem Sponsor RheinEnergie auch in 2025 mit noch mehr Theater, Performance, Tanz und zeit-
genössischem Zirkus weiterentwickelt.
Situation
Die freie Theaterszene ist seit Jahren in einem ständigen Wandel. In Schauspielschulen und anderen
Ausbildungsins>tu>onen entstehen neue Gruppen, die in die Szene drängen und das Angebot bereichern. Alle
Ak>vitäten dieser so vitalen Szene sind nach wie vor unterfinanziert und werden größtenteils unter prekären
Bedingungen durchgeführt.
»Die große Mehrheit (der Kölner:innen) sieht in den freien Bühnen und Ensembles ein wich?ges
Aushängeschild der Stadt Köln, hält sie für unverzichtbar für die Kultur in der Stadt und betont
deren Bedeutung für die Integra?on der Kulturen. Um die überregionale Wahrnehmung zu
steigern, müssen Möglichkeiten zur Entwicklung der künstlerischen Qualität geschaffen werden.«
(KEP, S. 127)
Die im KEP geforderten Möglichkeiten zur Entwicklung der künstlerischen Qualität sind aktuell erheblich
ausgebremst, vor allem durch die finanzielle und die räumliche Situa>on der Szene.
Wir arbeiten deshalb gemeinsam mit Poli>k und Verwaltung intensiv an einer dauerhaien Sicherung der
Finanzierung der Szene in ihrer gesamten wachsenden Vielfalt. Dafür brauchen wir dringend eine Erhöhung der
FördermiLeletats. Gleichzei>g ist eine Anerkennung der gesellschailichen Relevanz von Kunst und Kultur, gerade
in demokra>efeindlichen Zeiten, unverzichtbar. Hierfür unterstützen wir den Vorschlag des Kulturdezernenten,
Modelle zu entwickeln, die die gesellschailiche Wirkung unserer Kunst besser dar-stellen. Dazu braucht es aber
auch den poli>schen Willen, die Wich>gkeit der Szene anzuerkennen. Die kulturpoli>schen Sprecher:innen der
Parteien waren und sind uns gute Partner:innen. Es muss aber bis in die Frak>onsspitzen erkannt werden, welchen
Schatz die Stadt Köln mit ihrer freien Theaterszene ihr Eigen nennt. Wer LeuchLürme und überregionale
Strahlkrai will, muss auch bereit sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Die Theaterszene hat die schwierigen Haushaltsverhandlungen größtenteils mit einem blauen Auge überstanden.
Das hat sowohl mit den Zusetzungen aus dem poli>schen Veränderungsnachweis, nachträglichen Zuwendungen
aus der Kulturförderabgabe, aber auch dem Solidaritätseuro der Bühnen zu tun. Darüber sind wir sehr erleichtert.
Auch wenn die Szene nach den teilweise schockierenden Kürzungsansätzen des ersten Haushaltsentwurfs jetzt
ungefähr so gut (oder schlecht) dasteht wie zuvor, muss doch folgendes angemerkt werden: die freie Kölner
Theaterszene fordert für ihre kon>nuierlich gute Arbeit der letzten Jahrzehnte für HunderLausende Kölner:innen
einen respektvolleren Umgang!
Mehrere Wochen aufgrund der Kürzungspläne vor dem künstlerischen Aus zu stehen ist eine psychische Belastung,
die einzelne Häuser, Gruppen oder die dahinter stehenden Künstler:innen nur schwer verkraftet haben. Wir saßen
wie gelähmt vor unseren Planungen für die kommenden zwei Jahre. Obwohl dann die ›Rettung‹ erfolgte, hat dieser
schwierige Vorgang der Kultur und damit auch den Kulturkonsument:innen, also den Bürger:innen, geschadet.
Bereits im letzten Szenebericht haben wir auf gravierende Probleme bei der Finanzierung der Szene hingewiesen.
Langjährige Akteur:innen der freien Szene rutschen in die Altersarmut. Die Steigerungen der Lebenshaltungskosten
hat sich im letzten Jahr fortgesetzt, und die Situation hat sich mit dem im Jahr 2024 erneut
ausgebliebenen Fördermittelaufwuchs durch das Land und die bevorstehende Einführung
von Honoraruntergrenzen (die wir grundsätzlich für richtig halten!) verschärft.
Szenebericht darstellende Künste THEATER – 2
Für einige Häuser spitzt sich die Situation besorgniserregend zu. Da die Konzeptionsförderung von Stadt und Land
nach wie vor keinen Inflationsausgleich vorsieht, steht ihnen jedes Jahr de facto weniger Geld zur Verfügung.
Dennoch bemühen sich die Häuser stetig die Künstler:innenhonorare zu erhöhen. Eine Anhebung der ohnehin
sehr geringen Gehälter des festangestellten Personals bleibt dabei häufig auf der Strecke. Die Einführung der
verbindlichen Honoraruntergrenzen für landesgeförderte Häuser wird von den meisten Einrichtungen nicht zu
finanzieren sein. Sie werden dann deutlich weniger oder gar nicht mehr produzieren und den Spielbetrieb massiv
einschränken müssen, da er in der Breite nicht mehr finanzierbar ist. Das hat dann erheblichen Einfluss auf die
freien Gruppen, da ihnen die Häuser dann nicht mehr zu Verfügung stehen. Damit noch nicht genug, wird die
geplante Mindestlohnerhöhung auf 15€ die Häuser zwingen, die Gehälter ihrer Angestellt:innen anzupassen. Auch
diese Kosten werden sich auf den Produktions- und Spielbetrieb auswirken.
In anderen Teilen der Szene, vor allem in den neuen, jungen und innovativen Formaten, wird das Angebot ebenfalls
schrumpfen, da es nicht mehr finanzierbar ist. Der Bereich »Mitarbeiter:innen, Technik und Administration« wird im
Kostenapparat immer größer, so dass der Anteil der Produktionsmittel für die Kunst immer kleiner wird.
Die räumliche Situa>on ist weiterhin angespannt. Nach der Schließung ihrer Räume muss die studiobühneköln
bereits in der 3. Spielzeit mit ihren Produk>onen auf andere SpielstäLen ausweichen und das Theater der Keller ist
bereits in der 4. Spielzeit im Interim in der TanzFaktur.
Seit September 2024 mietet der VdK als Szenevertretung die Alte Versteigerungshalle am Großmarkt und stellt sie
den Gruppen und Künstler:innen der Szene gegen eine geringe kostendeckende Miete zur Verfügung. Es handelt
sich um eine vom KRM vermiLelte Zwischennutzung, vorerst bis Ende 2025. Die Halle wurde von Akteur:innen der
freien Szene in vielen Stunden ertüch>gt und mit technischem Equipment und Mobiliar ausgestaLet. Die
Möglichkeit zur Nutzung wird von der Szene gut angenommen: der Probenraum wird fast durchgehend genutzt,
erste Aufführungen haben bereits staLgefunden (studio trafique/wehr51) oder sind geplant (Sommerblut, Fes>val
der darstellenden Künste). Außerdem soll das Get together des Kulturnetz Köln im Juni dort starinden, um den
Raum den anderen Sparten der freien Szene vorzustellen und diese in eine Nutzung mit einzubeziehen.
Eine weitere gute Nachricht: die Renovierung der Orangerie schreitet zügig voran. Allerdings berichten die
Kolleg:innen, dass die Nutzungsanfragen rückläufig sind, weil immer weniger Gruppen eine auskömmliche
Finanzierung für ihre Projekte erhalten. Hier zeigt sich, dass die Förderquote beim Land und beim Bund
deutlich kleiner geworden ist und gleichzei>g die bewilligten Projekte geringere FördermiLel erhalten. Immer
mehr Gruppen konkurrieren um gleichgebliebene Fördertöpfe. Es braucht daher zwingend einen deutlichen
Aufwuchs der ProjektmiLel, um die Qualität und Vielfalt der freien Produk>onen zu sichern.
Natürlich arbeiten wir parallel auch an einer kon>nuierlichen Verbesserung unserer Einnahmesitua>on. Wir
sehen Entwicklungspoten>al im Bereich der kulturellen Bildung. Eine bessere Verzahnung zwischen Schule und
Theater, koordiniert durch eine städ>sche Stabsstelle, die die Kunst- und Kulturszene mit den Kölner Schulen
verbindet, wäre hierbei eine gute Unterstützung und käme nicht nur der freien Theaterszene zugute.
Entwicklungen einzelner Gruppen sind nach wie vor gehemmt, weil sie künstlerisch aus den vorhandenen
Räumen ›herausgewachsen‹ sind und gerne den nächsten SchriL in ihrer professionellen Entwicklung gehen
würden. Die in der AG Depotopia entwickelten Pläne für die Nachnutzung des Depots in Mülheim waren ein
posi>ves Signal, vor allem, weil laut Ratsbeschluss neben dem freien Tanz auch eine Nutzung durch die freie
Theater- und Performanceszene möglich sein sollte. Wir halten eine Weiterarbeit an der Vision für diesen Ort für
unverzichtbar. Die Entwicklung eines interna>onalen Produk>onszentrums für die freien darstellen-den Künste ist
für eine Stadt wie Köln eine riesige Chance, um die vorhandenen künstlerischen Potenziale nicht zu verlieren. Die
Zusammenarbeit mit den Bühnen an diesem Projekt bietet gleichfalls eine Möglichkeit der Öffnung und
Weiterentwicklung, die am Ende sowohl der freien Szene als auch der Ins>tu>on nutzt. Ebenso ist das Potenzial
der Zusammenarbeit zwischen Bühnen und freier Szene nicht nur beim Thema Depot noch lange nicht
ausgeschöpi. Wir wünschen uns hier eine größere Bereitschai, die Exper>sen der freien Szene anzuerkennen
und durch Synergien zu profi>eren, anstaL in Konkurrenzsitua>onen zu kommen.
Köln, im April 2025
Manuel Moser | Andrea Bleikamp | Bernd Schlenkrich
Szenebericht darstellende Künste THEATER – 3
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1321/2025
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 19.05.2025
- Erstellt
- 30.04.2025 10:42