V/0405/2021
Projekt Marischa: Tätigkeitsbericht 2017-2021
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V/0405/2021-Projekt Marischa_Anlage 1
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Anlage 1 V/0405/2021 Anlage 1: Projekt Marischa –Öffentlichkeitsarbeit 2017-2021 2017 https://www.kirche-und-leben.de/artikel/heisser-kaffee-und-hilfe-auf-dem-strassenstrich-in- muenster https://www.muenster.de/stadt/presseservice/pressemeldungen/web/frontend/index.php?show=97 8162 2018 https://www.magazinleben.de/leben-lesen-2/ - Seite 24 bis 26 „Mit heißem Kaffee über den Strich“ https://www.kirche-und-leben.de/artikel/pfarrer-kossen-putzt-klos-auf-weihnachtsmarkt-in-leeden/ 2019 https://www.muenster.de/stadt/presseservice/pressemeldungen/web/frontend/output/standard/desi gn/standard/page/1/show/1010525 https://www.muensterschezeitung.de/Lokales/Staedte/Muenster/3856954-Projekt-wendet-sich-an- Freier-Wuerde-fuer-Strassenprostituierte https://www.aids-nrw.de/front_content.php?idcat=1669&idart=7161 https://www.kirche-und-leben.de/artikel/video-die-wuerde-von-prostituierten-ist-unantastbar/ https://www.muenster.de/stadt/presseservice/pressemeldungen/web/frontend/output/standard/desi gn/standard/page/1/show/1033952 Kurzfilm „Zhana“:http://www.muenster.org/projektmarischa/2020/04/09/film-zhana/ 2020 https://www.muensterschezeitung.de/Lokales/Staedte/Muenster/4131928-One-Billion-Rising- Demonstration-in-der-Innenstadt-Tanzen-fuer-ein-Leben-ohne-Gewalt https://www.bistum- muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/seminar_zum_thema_option_fuer_di e_armen/ https://www.kirche-und-leben.de/artikel/corona-krise-wie-marischa-sich-jetzt-um- strassenprostituierte-kuemmert/ https://wiedertaeufer.ms/die-not-der-frauen-von-der-siemensstrasse/ 2021 Film „sexy“von der Medienkünstlerin Petra Bresser in Kooperation mit Projekt Marischa: https://vimeo.com/527197719/a0f03f39a2
Anlage A
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Anlage A zur V/0405/2021 Kurzüberblick Tätigkeitsbericht des Projektes Marischa 2017-2021 Streetwork-Projekt zur Verbesserung der Situation von Sexarbeiterinnen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Die Hauptziele des Projekts Marischa sind Gesunderhaltung, Förderung der Gesundheit der Prostituierten, Integrationshilfe und Hilfe zur Selbsthilfe sowie Kooperation von hauptamtlicher und ehrenamtlicher Arbeit. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienste Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2021 enthalten? x Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2021 enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Ratsbeschluss zum Haushalt 2015 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Das Projekt unterstützt die Integration von Migrantinnen und versucht ihre berufliche Situation als Sexarbeiterinnen zu verbessern.
Berichtsvorlage
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V/0405/2021 V/0405/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Projekt Marischa: Tätigkeitsbericht 2017-2021 Beratungsfolge 02.06.2021 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung Bericht 17.06.2021 Ausschuss für Gleichstellung Bericht Bericht: Das Streetwork-Projekt Marischa wurde im Frühjahr 2013 von zwei Münsteraner Studierenden initi- iert. Unterstützt durch weitere ehrenamtlich Tätige wurde und wird aufsuchende Arbeit am Straßen- strich in der Siemensstraße geleistet, mit dem Ziel, die Situation der Sexarbeiterinnen zu verbessern, verlässlicher Ansprechpartner bzw. Ansprechpartnerin zu sein und langfristig Ausstiegsperspektiven aufzuzeigen. Im Rahmen der Haushaltssatzung 2016 wurden zunächst für 2 Jahre vom Rat der Stadt Münster För- dermittel für das Projekt Marischa bewilligt. Damit konnte eine hauptamtliche Projektstelle (0,5 VZÄ Sozialarbeit) eingerichtet werden. Die Förderung wurde 2017 um weitere 3 Jahre bis Ende 2021 ver- längert. Das Projekt Marischa und damit auch die hauptamtliche Mitarbeiterin ist dem Gesundheits- amt angegliedert. Die Mitarbeiterin ist Sozialpädagogin und gebürt ige Bulgarin. Die Sexarbeiterinnen an der Siemensstraße kommen meist aus Bulgarien. Das Beratungsangebot wird zunehmend von Frauen in Anspruch genommen, die in Bordellen, Clubs, Wohnungen und als Escort s arbeiten und überwiegend aus osteuropäischen Ländern (Rumänien, Slowakei, Polen) kommen. Der Erstkontakt findet in den verschiedenen Prostitutionsstätten in Kooperation mit den aufsuchenden medizinischen Angeboten des Gesundheitsamtes statt. Muttersprachliche Kontaktaufnahme und kultursensible Beratung sind wesentliche Aspekte für die Akzeptanz des Projekts. Die Hauptziele des Projekts Marischa sind Gesunderhaltung, Förderung der Gesundheit der Prostitu- ierten, Integrationshilfe und Hilfe zur Selbsthilfe sowie Kooperation von hauptamtlicher und ehrenamt- licher Arbeit. Haupt- und Ehrenamt Das bewährte Konzept der Zusammenarbeit zwischen Haupt - und Ehrenamt konnte in den letzten 3 Jahren verstetigt und weiterentwickelt werden. Die Anzahl der aktiven Ehrenamtl ichen hat sich mit 12 Gesundheits- und Veterinäramt 21.05.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Grachenova Telefon: 492-5386 Grachenova@stadt- muenster.de - 2 - V/0405/2021 Menschen stabilisiert. Neu entwickelt wurde die „Mitarbeit im Hintergrund“ für Menschen, die sich zeitlich bedingt nicht kontinuierlich einbringen können, aber in „Notfallsituationen“ ansprechbar sind. Ein 2-tägiger Workshop unter Leitung der hauptamtlichen Mitarbeiterin gibt neuen Ehrenamtlichen einen Einblick in die Arbeit des Projekts sowie den Möglichkeiten und Grenzen von Ehrenamt. Neu im Berichtszeitraum war die Möglichkeit, dass drei Praktikantinnen ihr mehrmonatiges studienbegleitendes Praktikum im Projekt Marischa absolvieren konnten. Dadurch konnten Projektideen verwirklicht werden, die weder allein durch ehrenamtliches Engagement noch bei der begrenzten Stundenzahl nur durch die hauptamtliche Mitarbeiterin hätten umgesetzt werden können: Erstellen eines Leitfadens „Ehrenamtliche Tätigkeit im Projekt Marischa“ – Zusammenfassung der Ergebnisse einer Fachtagung Erstellen einer professionellen Webseite (http://www.muenster.org/projektmarischa/) Erstellung eines Flyers zu den Angeboten des Projektes Marischa (dreisprachig – deutsch, bulgarisch, englisch) Drehbuch zu dem Kurzfilm „Zhana“, der die komplexe Arbeits- und Lebenssituation der Frauen auf der Straße darstellt und authentische Erzählungen der Frauen, die auf der Siemensstraße arbeiten, einbindet. Der Film richtet sich vor allem an die Freier und soll zum Nachdenken und Umdenken anregen, sowie zu einem respektvollen Umgang mit den Frauen sensibilisieren. Streetwork In den letzten drei Jahren wurde die aufsuchende Tätigkeit intensiviert und dreimal monatlich Street- work auf dem Straßenstrich durchgeführt. An- sprechpartner/-innen für die angetroffenen Frauen waren sowohl die hauptamtliche Mitarbeiterin als auch die Ehrenamtlichen, gelegentlich unterstützt durch Dolmetscher /-innen. Bei den einzelnen Streetwork-Terminen wurde je nach Jahreszeit eine variable Zahl der Prostituierten auf der Straße ange- troffen und angesprochen. In sgesamt wurden circa 70 Frauen durch das Projekt Marischa in den drei Jahren begleitet und beraten. Von diesen sind 41 Erstkontakte. Die gesamte Kontaktzahl liegt bei 520. Fast alle (ca. 95%) stammen aus Bulgarien. Die Anzahl der Kontakte beim Streetwork ist in den letz- ten 3 Jahren kontinuierlich angestiegen. Die geringeren Kontaktzahlen in den Jahren 2020 und 2021 sind durch das corona-bedingte Tätigkeitsverbot begründet (s. Abb. Nr. 1) In der Regel findet die Streetwork zwischen 21 Uhr und 23 Uhr statt. Etwa s mehr als ein Drittel der auf der Straße angetroffenen und a ngesprochenen Frauen haben sich später telefonisch oder persön- lich bei der hauptamtlichen Mitarbeiterin im Ge- sundheitsamt ge meldet. Bei der aufsuchenden Tätigkeit können Termine für ausführliche persönli- che Beratungen im Gesundheitsamt, für weitere Hilfen durch das Projekt Marischa, für die gesund- heitliche Beratung nach § 10 ProstSchG und für die anonyme und kostenlose ärztlich e Beratung und Untersuchung im Gesundheitsamt abgespro- chen werden. Abb. Nr. 2 gibt einen Einblick in die Themen, die von den Prostituierten beim Streetwork häufiger angesprochen wurden. Kultursensible Beratung Im Berichtszeitraum wurden von der hauptamtlichen Mitarbeiterin insgesamt 1.769 überwiegend mut- tersprachliche Beratungen durchgeführt. Davon waren 821 telefonische Beratungen und Terminab- 0 100 200 300 2017 2018 2019 2020 2021 Nr. 1 Streetwork 2017 -2021 - Kontakte alle Ers tkontakte 0 20 40 60 80 Verhütung Fragen zum ProstSchG pers. Situation über Kunden Konflikte untereinander Corona Nr. 2 Beratungsthemen beim Streetwork 2021 2020 2019 2018 2017 - 3 - V/0405/2021 sprachen. 948 persönliche Beratungen fanden überwiegend im Gesundheitsamt statt. Hinzu kamen 1.320 in der Mehrz ahl telefonische Abstimmungen, Terminvereinbarung en aber auch fachlicher Aus- tausch mit kooperierenden Institutionen. Schwerpunktthemen: Beratung zum Prostituiertenschutzgesetz Das 2017 in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz stellt sowohl die Frauen und als auch das Pro- jekt Marischa vor viele neue Herausforderungen: Die gesundheitliche Pflichtberatung beim Gesund- heitsamt, die Anmeldung beim Ordnungsamt und die anschließend e Anmeldung beim Finanzamt sind Verpflichtungen, die die Frauen vor scheinbar unlösbare Probleme stellen. Das Pro- jekt Marischa hilft den Frauen diese Hürden zu meistern: Aufklärung über Rechte und Pflichten nach dem ProstSchG, Begleitungen zu verschiedene n Ämtern, Postfacheröffnung, Bankkontoeröffnung, ... Nach dem 2017 in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) müssen Menschen, die in der Sexarbeit tätig sein wollen, eine gesundheitliche Pflichtberatung in Anspruch nehmen. Diese Be- ratung wird mit einem 0,25 Stellenanteil durch die selbe haup tamtliche Mitarbeiterin geleistet, wodurch sich Synergieeffekte mit der Arbeit für das Projekt Marischa ergeben. Alle im Bericht aufge- führten Tätigkeiten beziehen sich jedoch ausschließlich auf die Arbeit im Rahmen des Projektes Ma- rischa. Beratung zu Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch In vielen Beratungsgesprächen wurde festgestellt, dass die Sexarbeiterinnen über effektive Verhü- tungsmethoden sehr wenig oder gar nichts wissen. Die Frauen, die durch die Ausübung ihrer Tätig- keit schwanger werden, e rhalten Unterstützung durch das Projekt Marischa in dieser besonderen Lebenssituation. Auf ausdrücklichen Wunsch konnten Brücken zum Jugendamt und anderen hilfeleis- tenden Beratungsstellen geschlagen werden. Zu einem möglichen Schwangerschaftsabbruch haben die Frauen selten das Gespräch gesucht. Einige Frauen haben sich nach ausführlicher Beratung für eine dauerhafte Verhütung entschieden. Beispiele für Beratung in besonders schwierigen Situationen Ausstieg: Zwei der Frauen sind in diesem Zeitraum dauerhaft aus dem Milieu ausgestiegen: In einem der Fälle konnte dies nur durch eine Kooperation mit mehreren Ämtern und Beratungsstellen gelingen. Das Projekt Marischa konnte dank des Engagements der Ehrenamtlichen für drei Tage eine sichere Begleitung und Betreuung der Frau über den Tag hinweg organisieren. Sie und ihr Kind sind sicher in ihr Heimatland zurückgekehrt. Einer anderen Frau, die aus der Prostitution aussteigen wollte, wurde der Personalausweis entwendet. Das Projekt Marischa hat sich dafür ei ngesetzt, dass die Frau schnellstmöglich einen Termin beim bulgarischen Konsulat in Berlin erh ielt. Innerhalb kürzester Zeit wurde ihr ein Ersatzausweis ausgestellt, mit dem sie in Bulgarien einreisen konnte. Nicht immer gelingt der Ausstieg beim ersten Ve rsuch: Eine weitere Frau erhielt bis zum möglichen Wegzug aus Münster eine Woche Unterkunft und Verpflegung an einem sicheren Ort. Am neuen von ihr selbst ausgewählten Wohnort vermittelte das Projekt einen Erstkontakt zu einer Beratungsstelle. Nach einem z weiwöchigen Aufenthalt entschied sich die Frau in ihre gewohnte Umgebung nach Münster zurückzukehren. Nach ihrer Rückkehr hat sie den Kontakt zum Projekt Marischa wiederauf- genommen. Zwangslagen Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob sich Frauen in einer Situation befinden, in der sie zur Prostitu- tion gezwungen werden. Bei Verdacht arbeitet das Projekt Marischa eng mit anderen Fachberatungs- stellen und Behörden zusammen, versucht möglichst engen Kontakt zu den Frauen zu halten, bietet - 4 - V/0405/2021 moralische Unterstützung und Begleitung an und hilft den Alltag möglichst angstfrei zu gestalten. Bei Bedarf wird juristische Beratung und psychosoziale Betreuung organisiert. Begleitung: Ergänzend zu den Beratungen beim Streetwork oder im Gesundheitsamt haben die Frauen in den letzten Jahren vermehrt Begleitungen zu Ämtern und unter- schiedlichen medizinischen und sozialen Einrichtungen nachgefragt. In der Zeit von 2017 bis 2021 fanden 600 Begleitungen aus unterschiedlichsten Anlässen statt. Diese wurden überwiegend von der hauptamtlichen Mitarbeiterin ge- leistet, da die Termine während der üblichen Bürozei- ten stattfinden mussten und die Ehrenamtlichen nicht zur Verfügung standen. (s. Abb. Nr. 3) Kooperationen Mitentscheidend für die erfolgreiche Arbeit des Projekts sind verlässliche Kontakte zu Kooperations- partnern in Münster und überregional. Neben der bewährten Zusammenarbeit im Einzelfall mit ver- schiedenen Ämtern und Einrichtungen der Stadtverwaltung und der Unterstützung durch ein Netz- werk von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, sind Institutionen wichtig, die auch längerfristig Unterstützung anbieten können. Die Kooperation mit der „Europa Brücke Münster“ wurde in den letz- ten drei Jahren ausgebaut. Neben dem fachlichen Austausch ist die Expertise und Unterstützung z.B. bei der Suche nach einer Unterkunft besonders wertvoll. Als neuer Kooperationspartner konnte die Coesfelder Tafel e.V. gewonnen werden. Aufmerksam geworden durch einen Presseartikel zur Sit ua- tion der Frauen in der Corona -Zeit stellt der Verein regelmäßig Lebensmittel und Sachspenden zur Unterstützung der Frauen zur Verfügung. Bewährt hat sich die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Münster. Sie bietet die Möglichkeit, regelmäßig die Studierenden über die Arbeit von Projekt Marischa zu informieren. Nach diesen Ver- anstaltungen haben sich mehrere Menschen entschieden, als Ehrenamtliche im Projekt mitzuarbei- ten. Überregional bestehen Arbeitskooperationen bei speziellen Fragestellungen mit ver schiedenen Pros- titutionsfachberatungsstellen (u.a. Madonna e.V. Bochum, Cassandra in Nürnberg, Nadezhda in Herford, Mitternachtsmission Dortmund). Mit der in Münster vorgestellten Beratungsstelle TAMAR ist es leider zu keinerlei ergänzende r Zu- sammenarbeit in dem gesamten Berichtszeitraum gekommen. Auf den mehrfach angebotenen fachli- chen Austausch und auf die Kooperationsangebote seitens des Projekts Marischa wurde bisher nicht eingegangen. Arbeit unter Coronabedingungen Mit Beginn der Pandemie/ Corona Virus SARS-CoV-2/ im März 2020 ist die Inanspruchnahme des Beratungs- und Begleitungsangebotes des Projektes Marischa deutlich gestiegen. Den in der Prosti- tution tätigen Frauen fehlte und fehlt der persönliche Kontakt und die Beratung beim Streetwork, die auch von den ehrenamtlichen Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Projektes vor den Zeiten der Pandemie regelmäßig geleistet wurde. Es wurde vermehrt der direkte Kontakt zu der hauptamtlichen Mitarbeiterin gesucht. Die Beratungen wurden im 1. Lockdown außer halb des Gesundheitsamtes un- ter Einhaltung empfohlener Schutzmaßnahmen (Mund -Nasen-Bedeckung, Einweghandschuhe, Ein- haltung eines Mindestabstandes) weiter durchgeführt. Das gute Wetter hat dazu beigetragen, dass Informationsweitergabe und persönliche Beratu ng die ganze Zeit über möglich waren. Die Frauen 0 500 1000 Nr. 3 Begleitung 2017-2021 - 5 - V/0405/2021 wurden über die angeordneten Maßnahmen und besonders darüber aufgeklärt, wie sie sich selbst und andere vor dem Virus schützen müssen. Von März 2020 bis August 2020 und von November 2020 bis jetzt wurde ein Tätigkeitsverbot für Prostituierte verordnet. In den Monaten September und Oktober 2020 war die Tätigkeit im Prostituti- onsgewerbe vorübergehend erlaubt. Die Frauen gingen ihrer Beschäftigung erneut nach. Auch die aufsuchende Arbeit auf dem Straßenstrich wurde vom Projekt Marischa wiederaufgenommen – es wurde über die aktuelle Pandemie -Situation, über die Einhaltung der verabschiedeten Schutzmaß- nahmen aufgeklärt, unter denen die Frauen arbeiten durften. Mund-Nasen-Schutzmasken und Desin- fektionsmittel wurden verteilt. Seit April 2020 werden in Kooperation mit der HIV/STI -Beratungsstelle des Gesundheitsamtes Infor- mationsflyer in bulgarischer, rumänischer und deutscher Sprache erstellt und ständig aktualisiert. Sie informieren über die jeweils aktuell geltenden Corona-Vorschriften, Hygienevorgaben und über Ange- bote des Projekts Marischa sowie der STI/HIV - Beratungsstelle des Gesundheitsamtes der Stadt Münster. Die Flyer wurden sowohl unter den Frauen des Straßenstrichs als auch unter den Personen, die in den Bordellen in Münster übernachten durften, verteilt. Dort, wo niemand anzutreffen war, wurden sie in die Briefkästen gegeben. Seit November 2020 ist die Tätigkeit im Prostitutionsgewerbe wieder verboten. Die hauptamtliche Mitarbeiterin und die Ehrenamtlichen haben unter der Einhaltung der Corona -Schutzmaßnahmen weiterhin ihre Zielgruppe im Rahmen eines neuen Angebots „Treffpunkt - Marischa“ betreut. Es wird niedrigschwellige Beratung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ange- boten. Darüber hinaus werden Lebensmittelspenden, Lebensmittelgutscheine, Fahrkarten für den ÖPNV und Guthaben für Mobilfunkkarten um die Kontaktaufnahme zu ermöglichen, organisiert. Da die Frauen ihrer Arbeit nicht nachgehen dürfen, wurde für manche von ihnen ein Antrag gem. SGB II (Grundsicherung) beim Jobcenter gestellt. Andere wurden dabei unterstützt eine andere Be- schäftigung zu finden. Die Pandemie hat auc h das Miteinander der Akteure im Projekt Marischa vor neue Herausforderun- gen gestellt: Arbeitstreffen finden online statt, Fragen und Vorgehensweisen werden in einem Online Arbeitsforum abgesprochen und abgestimmt. Man bemüht sich um Sach - und Geldspenden. Um si- cherzustellen, dass alle Frauen in der Siemensstraße über die aktuelle Situation korrekt informiert sind, findet regelmäßig eine Art verkürzter „Streetwork“ statt. Sollte eine Frau auf der Siemensstraße angetroffen werden, wird sie über die momentane Lage informiert und über das Tätigkeitsverbot auf- geklärt. Öffentlichkeitsarbeit und Spenden Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Prostitution und speziell für die Situation der Sexarbeiterinnen in Münster ist ein wichtiges Anliegen des Projektes Marischa. Die erstellten Flyer, eine neue Webseite, der Film Zhana sowie ein weiterer Film, aber auch die regelmäßige Berichter- stattung der Print - und Onlinemedien in Münster geben aus unterschiedlichsten Perspektiven Einbli- cke in die Arbeit des Projektes Marischa und das Thema Prostitution. In den Jahren 2017 bis 2020 sind großzügig und regelmäßig Spenden aufgrund von Presseartikeln (s. Anlage1) auf das städtische Konto für die Frauen des Projekts eingegangen. Von diesen wurden Ausgaben getätigt, beispielsweise für akute Behandlungen und Untersuchungen, verschriebene Me- dikamente, Notunterkünfte, Simkarten, Bustickets, Lebensmittelgutscheine, Verpflegung beim Street- work etc... Anfang 2017 betrug die Spendensumme des Projektes circa 7.000 €. U.a. wurden im Jahr 2018 5.000 € von der Katholischen Kirche für die Erstellung des Films „Zhana“ gespendet. Im Jahr 2020, d.h. in der Corona Zeit, spendeten Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münster allein in den Mo- naten April - Juni 4.365,06 € für die Unterstützung der Frauen in diesen schwierigen Zeiten. Zum En- de des Jahres 2020 beläuft sich die Summe auf dem Konto des Projekts Marischa auf 5.853,73 €. Das Gesundheitsamt, das die Bargeld - und Kontoführungs-Verwaltung übernommen hatte, wurde aufgrund der Corona -Situation Ende des Jahres 2020 vollständig auf bargeldlosen Zahl ungsverkehr umgestellt. Im Dezember 2020 wurde ein „Förderverein Marischa“ gegründet und ein neues Konto für die weitere Spendenverwaltung des Projekts durch den Förderverein eingerichtet. Die Hauptaufgaben - 6 - V/0405/2021 des Fördervereins sind Verwaltung und Akquise von Spendengeldern sowie die Unterstützung der Weiterentwicklung des Projekts. Herausforderungen und Perspektiven Das Projekt Marischa ist mittlerweile fest eingebunden in die Hilfestrukturen der Stadt Münster. Die Anbindung an das Gesundheitsamt bietet der hauptamtlichen Mitarbeiterin die Möglichkeit schnell und unbürokratisch auch abteilungsübergreifende Unterstützung in besonderen Situationen nachzu- fragen und zu erhalten. Von den Klientinnen wird z.B. das Angebot der kostenlosen und anonymen ärztlichen Beratung und Untersuchung zu HIV und ander en sexuell übertragbaren Krankheiten ge- schätzt. Die Kombination von Haupt - und Ehrenamt ermöglicht einerseits verlässliches Handeln in offiziellen Strukturen, anderseits aber auch „Notfallhilfen“ - in den Abendstunden und am Wochenende. In den vergangenen Jahren ist das Arbeitsfeld des Projektes Marischa deutlich umfangreicher gewor- den: es konnte ein stabiles Vertrauensverhältnis zu den Klientinnen aufgebaut werden, was zu einer erhöhten Anfrage nach Begleitung und Beratung geführt hat. seit Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes besteht erhöhter Beratungs - und Unterstützungsbedarf die Zielgruppe ist größer geworden: Das Angebot des Projektes Marischa wird zunehmend von Frauen nachgefragt, die in den Bordellen, in Privatwohnungen und anderen Prostitutionsstätten arbeiten. aufsuchende Arbeit findet in Kooperation mit medizinischen Angeboten des Gesundheitsamtes auch in Bordellen und anderen Prostitutionsstätten statt. in Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage 1: Projekt Marischa – Öffentlichkeitsarbeit 2017-2021
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Siemensstraße 2021
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Details
- Aktenzeichen
- V/0405/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 18.05.2021
- Erstellt
- 11.05.2021 14:56