V/0818/2021
Tätigkeitsbericht des ab 01. März 2021 beim Kulturamt eingerichteten Stadtteilkulturmanagements, erstes Fazit und nächste Schritte
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Berichtsvorlage
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V/0818/2021 V/0818/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Tätigkeitsbericht des ab 01. März 2021 beim Kulturamt eingerichteten Stadtteilkulturmanagements, erstes Fazit und nächste Schritte Beratungsfolge 11.11.2021 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Bericht 11.11.2021 Bezirksvertretung Münster-Ost Bericht 11.11.2021 Bezirksvertretung Münster-West Bericht 16.11.2021 Bezirksvertretung Münster-Südost Bericht 16.11.2021 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht 16.11.2021 Bezirksvertretung Münster-Nord Bericht 16.11.2021 Kulturausschuss Bericht Bericht: Mit diesem Bericht stellt das Kulturamt die ersten Tätigkeiten und Maßnahmen des ab 01. März 2021 eingerichteten Stadtteilkulturmanagements vor. Außerdem zieht das Kulturamt ein erstes Resümee, um daraus weitere Schritte und Maßnahmen für das Jahr 2022 abzuleiten. Hintergrund und Relevanz Die Kulturgeschichte Münsters ist wesentlich geprägt durch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger für ihre Stadt. Dazu zählt auch das Engagement für das kulturelle Leben in der Stadt, im Zentrum und besonders in den Stadtteilen. Stadtteilkultur baut Brücken zwischen Generationen und Kulturen. Sie ist damit integraler Bestandteil der vielfältigen Kulturlandschaft Münsters. Ihr spezifischer Ausdruck entsteht aus gewachsenen Strukturen des Engagements sowie aus den kulturhistorischen Wurzeln eines Ortes. Aufführungen, Ausstellungen, Kursangebote, Projekte, Performances, Festivals und offene Angebote schaffen vielfältige Zugänge zur Kultur. Sie tragen zur gesellschaftlichen Entwicklung und T eilhabebei. Neben kulturellen Angeboten tragen auch Ateliers, Werkstätten, Proberäume, Studios und Kunst am Bau zur kulturellen Aufladung eines Stadtteils bei. Die Begegnung und Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur sowie die künstlerische Eigenaktivität in den Stadtteilen leistet einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt und fördert die Identifikation der Menschen mit ihrem Umfeld. Kulturamt 29.10.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Schwalm T elefon:492-4110 Schwalm@stadt- muenster.de - 10 - V/0818/2021 Im Zuge der Beratungen zum Haushaltsplan 2018 wurde beschlossen, die Zielsetzung in der Produktgruppe „Stadtteilkulturarbeit“ (040104) dahingehend zu ergänzen, dass die Aufrechterhaltung bzw. der Ausbau eines eigenen Kulturangebots in allen Stadtteilen anzustreben sind. Die Verwaltung ist damit aufgefordert und verpflichtet, in allen Stadtteilen ein kulturelles Angebot umzusetzen bzw. die im starken Maße auch bürgerschaftlich getragene Stadtteilkultur zu stärken und weiterzuentwickeln. Eine im Auftrag der Kulturpolitik seitens der Kulturverwaltung im Jahr 2018 vorgelegte erste Bestandsaufnahme (V/0921/2018) zeigte, dass die Möglichkeit, kulturelle Angebote im nahen Umfeld zu nutzen, höchst unterschiedlich ist. Während einige Stadtteile bereits über eine vielfältige gewachsene kulturelle Infrastruktur und Netzwerke verfügen, zeichnet sich in anderen Stadtteilen eine kulturelle Unterversorgung beispielsweise im Bereich der kulturellen Bildung ab. Mit Blick auf das prognostizierte Bevölkerungswachstum besteht insgesamt dringender Handlungsbedarf, eine zeitgemäße wohnortnahe kulturelle Versorgung sowie angemessene Austausch- und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Entwicklung der Stadtteile wurde durch verschiedene Beteiligungsverfahren (Forum: „Vielfalt der Stadtteile…“; „Forum urbane Wissensquartiere“) im Prozess Münster Zukünfte untermauert. Die hohe Relevanz der Stadtteilkultur in einer wachsenden Stadt spiegelt sich auch in neuen Förderprogrammen des Bundes und des Landes. Die Corona Pandemie hat außerdem in besonderem Maße die Bedeutung der Quartiere und Stadtteile verdeutlicht. Eine neue Idee der Stadtgestaltung gewinnt weltweit immer größeren Zulauf: die 15-Minuten-Stadt. Die Idee dazu stammt von Prof. Carlos Moreno von der Sorbonne in Paris. In der Stadt der kurzen Wege soll es den Bewohnerinnen und Bewohner möglich sein, innerhalb kürzester Zeit zur Arbeitsstätte, Wohnung und zu Freizeit- und Kulturmöglichkeiten zu gelangen. Das Fahrrad soll dabei eines der Hauptverkehrsträger sein. Einrichtung einer Fachstelle Stadtteilkultur im Kulturamt 1. Einbindung von Erfahrungswerten in das Stadtteilkulturmanagement Vor dem Hintergrund der ausgeführten hohen Relevanz wurde mit politischem Beschluss im Kulturamt eine übergeordnete Fachstellenleitung „Stadtteilkulturmanagement“ zur substanziellen Weiterentwicklung der Stadtteilkultur geschaffen. Dieser sind die kommunalen Begegnungshäuser Meerwiese und Kap.8 und zugeordnet, um insbesondere auch deren langjährige Erfahrungswerte in der programmatischen und logistischen Führung eines Stadtteilkulturhauses in eine gesamtstädtische Stadtteilkulturarbeit einfließen zu lassen. 2. Chancen und Ziele der Stadtteilkulturarbeit Mit dem Management der Stadtteilkultur verfolgt das Kulturamt u. a. auch Ziele des ISM- Prozesses. Stadtteilkultur schafft mit einem qualitativ hochwertigen Kulturangebot persönliche und gesellschaftliche Reflexions- und T eilhabemöglichkeitenim unmittelbaren Lebensumfeld. Sie lädt die Bürgerschaft direkt und indirekt ein, mit kulturellen Fragen in Berührung zu kommen. Stadtteilkultur bildet eine wichtige Grundlage, um dem Ziel „Kultur für alle“ näherzukommen, da Menschen in ihrem Alltag mit Musik, Theater, T anz, Film, Literatur, Kunst und vielen anderen künstlerische Ausdrucksformen in Berührung kommen und diese selber gestalten können. Kulturelle T eilhabe und Selbstwirksamkeit für Kinder- und Jugendliche und andere Zielgruppen wird insbesondere durch facettenreiche, strukturell verankerte Angebote (inter-)kultureller Bildung oder durch interaktive Kulturprojekte, die leicht zu erreichen sind, ermöglicht. Besonders in den Stadtteilen eröffnet sich die Möglichkeit für eine große Vielfalt an Kooperationsformen. Diese lokalen Netzwerke sind ein wichtiger Faktor, um anvisierte Zielgruppen (frühzeitig) zu erreichen. Die Potenziale kultureller T eilhabekommen dezentral am besten zum Tragen, da Häufigkeit und Intensität vielfältiger Kulturkontakte elementare Bestandteile gelingender Sozialisations- und Bildungsprozesse darstellen. Gleichzeitig bauen die dezentralen Kulturangebote durch geschickte Verzahnung mit Kulturangeboten im Stadtkern ein erweitertes Kulturpublikum auf. Die damit zusammenhängenden Projekte, Prozesse und Philosophien werden im Kulturamt systematisch mit - 10 - V/0818/2021 den Arbeitsfeldern z.B. der (inter-)kulturellen Bildung verzahnt oder an Projekte und Entwicklungen des Kultur- und Veranstaltungsmanagements z.B. als „Außensatelliten“ innerstädtischer Veranstaltungen angebunden. Perspektivisch trägt die künstlerische und kulturelle Arbeit dazu bei, Münster als lebendige Kulturstadt zu stärken. 3. Stadtteilkulturmanagement als zentrale Anlaufstelle Mit der Besetzung der Fachstelle Stadteilkulturmanagement seit März 2021 ist nun eine zentrale Anlaufstelle für die Pflege und Entwicklung der Stadtteilkultur in Münster eingerichtet worden, um insbesondere Eigeninitiativen im Bereich der Kultur zu beraten, zu unterstützen und zu fördern. Außerdem analysiert sie stadtweite Bedarfe, initiiert und unterstützt Kulturnetzwerke, moderiert den Austausch von Erfahrungen, bringt Impulse ein, berät im Themenfeld „Nachwuchsgewinnung“, trägt zum Aufbau einer Anerkennungskultur im Ehrenamt bei, setzt sich für die Relevanz der Kultur ein und ist zuständig für die nachhaltige strukturelle Sicherung der Kultur in den Stadtteilen. Sie wirkt an den Schnittstellen zwischen Verwaltung (z. B. Stadtplanung, Marketing, Schule, Jugend und Familie), Politik, zivilgesellschaftlichem Kulturengagement, professionellen und nicht- professionellen Kulturproduzenteninnen und Kulturproduzenten hat das Wechselspiel zwischen Kultur im Zentrum und den Stadtteilen im Blick, in dem Maßnahmen klug verzahnt werden. Dabei bezieht das Stadtteilkulturmanagement die individuellen Identitäten der Stadtteile und Quartiere mit ihren eigenen kulturgeschichtlichen Wurzeln mit ein. Überblick der Tätigkeiten der Fachstelle Stadtteilkultur in 2021 Seit März 2021 hat sich das Stadtteilkulturmanagement einen ersten Überblick über den Status quo des gewachsenen Reichtums der vielfältigen Kultur in den Stadtteilen (professionelle und ehrenamtliche Landschaft der Akteure, Angebote, kulturelle Infrastruktur, Kulturpublikum etc.) verschafft. Die Kontaktaufnahme in das Feld der Akteure war Corona-bedingt deutlich erschwert. Gleichzeitig konnte die Krise als Chance für die Stadtteilkultur genutzt werden, da im Zuge der Pandemie viele einmalige Sonderförderungen sinnvoll genutzt werden konnten. Beispielsweise konnten Mittel für das Begegnungszentrum Meerwiese und das Kap.8 akquiriert werden, die dazu genutzt werden, deren kulturelle Infrastruktur zu optimieren. Im Umkehrschluss werden mit diesen Mitteln indirekt freie Kulturakteure unterstützt, da sie die optimierte Ausstattung für ihre Arbeit nutzen können. Parallel erfolgte eine Einarbeitung in zentrale Handlungsfelder, um erste konkrete Modellmaßnahmen umzusetzen. Darüber hinaus konnte die Stelleninhaberin in aktuellen dringlichen ressortübergreifenden Prozessen mitwirken. Flankierend dazu konnte das Stadteilkulturmanagement die kontakteinschränkende Zeit nutzen, um zunächst in amts- und verwaltungsinternen Kommunikationsprozessen das Themenspektrum der Stadtteilkultur noch stärker mit bestehenden Förderprogrammen des Kulturamtes im Bereich der (inter-)kulturellen Bildung wie z.B. „Kulturrucksack NRW“, zu verbinden oder auch bei Querschnittsprozessen, wie z.B. „Global Nachhaltige Kommune“ zu platzieren. 1. Stadtentwicklung und Kulturelle Infrastruktur in 2021 Die Stelleninhaberin hat sich 2021 u.a. auf die Mitarbeit in aktuell dringliche und laufende Stadtteilentwicklungsprojekte und -prozesse konzentriert, um hier in Zusammenarbeit mit der Leitung des Kulturamtes vorausschauend Potenziale für eine nachhaltig ausgerichtete Stadtteilkultur zu identifizieren und sichtbar zu machen. 1.1. Stadtteilentwicklungskonzepte Durch die Einrichtung der Stelle des Stadtteilkulturmanagements hat das Kulturamt nun auch die Ressource, bei Stadtteilentwicklungskonzepten die aktuell erarbeitet werden (Stadtteilentwicklungskonzept Berg Fidel, Stadtteilentwicklungskonzept Angelmodde, Wolbeck, - 10 - V/0818/2021 Stadtteilentwicklungskonzept Handorf, Mariendorf, Südmühle und Gelmer, Stadtteilentwicklungskonzept Hiltrup) mitzuarbeiten, um Aspekte der Kulturentwicklung (Programmatik und kulturelle Infrastruktur im Bestand oder als Teil von Neubauten) als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung einzubringen. Diese ersten Hinweise werden in den laufenden Verfahren weiter vertieft und konkretisiert. Das Stadtteilkulturmanagement setzt sich dafür ein, dass bei zukünftigen Beteiligungsformaten, die im Zuge der Stadtteilentwicklungskonzepte durchgeführt werden, Kulturschaffende beteiligt werden, um ihre Perspektive in der lokalen Stadtentwicklung zu berücksichtigen. 1.2. Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Stadtentwicklung Das Stadtteilkulturmanagement hat die Chance genutzt, in einem von Münster Marketing durchgeführten Beteiligungsformat für Kinder und Jugendliche aus Berg Fidel das Thema der Kultur mit einzubringen. (Siehe https://stadtsache.de/bergfidel/doku/). Die Rückmeldungen der jungen Menschen werden ausgewertet und fließen in das Stadtteilentwicklungskonzept für Berg Fidel ein. Darüber hinaus liefert der Beteiligungsprozess wertvolle Hinweise für die dortige lokale Kulturarbeit. 1.3. Erschließung (dezentraler) Produktions- und Präsentationsorte Darüber hinaus arbeitet das Kulturamt mit dem Stadteilkulturmanagement an dem durch das Konversionsmanagement der Stadt Münster moderierten ressortübergreifenden Entwicklungsprozess für die denkmalgeschützten Immobilien auf York und Oxford, die als Bürgerhäuser den Aufbau eines lebendigen Quartiers unterstützen sollen, mit. In beide Verfahren hat das Kulturamt seine kulturfachliche Perspektive eingebracht. Vor dem Hintergrund des lokalen und gesamtstädtischen Kulturbedarfs als auch wegen der den Denkmälern innewohnenden komplexen Kulturgeschichte wurde für beide Standorte das große Potenzial identifiziert, die Gebäude als lebendige Orte der Kultur für die gewachsenen und neuen Nachbarschaften als auch für die Münsteranerinnen und Münsteraner selbst zu entwickeln. In diesem Zusammenhang konnten erste Gedanken und Überlegungen sowie Rahmenbedingungen für eine Implementierung von Kultur formuliert werden. Um die ersten Szenarien zu entwickeln, konnte das Stadtteilkulturmanagement die langjährigen Erfahrungswerte des Kulturamtes in der Leitung und Organisationsentwicklung von Stadtteilkulturhäusern nutzen, um eine Ausgangsidee zu formulieren, die insbesondere die langfristige Multifunktionalität sowie Flexibilität und eine größtmögliche Auslastung der Räumlichkeiten in den Fokus setzt. Beide Entwicklungsansätze reagieren auch auf den gesamtstädtischen dringenden Bedarf an Proberäumen für die professionellen freien Kinder- und Jugendtheaterensembles und die Notwendigkeit des Ausbaus (inter-)kultureller Bildung. Herausgestellt wurde, dass die dezentrale Verankerung von Produktionsstätten zur kulturellen Aufladung der benannten Orte beiträgt und das Knüpfen von lokalen Bildungspartnerschaften ermöglicht. 2. Empowerment: Kulturentwicklung im Bestand + mobile Stadtteilkultur Nicht alle Stadtteile verfügen (bereits) über einen etablierten oder geplanten Stadtteilkulturort oder eine Struktur, die Kulturangebote vorhalten oder Kultur(er)leben ermöglichen. Durch Information, Beratung, Inspiration, Beteiligung der Eigenkräfte vor Ort kann zivilgesellschaftliches Kulturleben initiiert werden. Dafür braucht es besondere Formate, um nach erlebnis- und beteiligungsorientierten Wegen für eine ortsspezifische, bedarfsgerechte und nachhaltig verankerte Stadtteilkultur zu suchen. Gleichzeitig können temporäre Bespielungen Potenziale für die Erschließung von Kulturräumen im Bestand greifbar machen. - 10 - V/0818/2021 2.1. Modellprojekt Kulturaufbau im Bestand KULTUR.WÜNSCHE.HANDORF ist der Projekttitel eines ersten Modellvorhabens, dessen langfristiges Ziel es ist, Kultur im Bestand zu etablieren. Dies konnte mithilfe des Stadtteilkulturmanagements auf den Weg gebracht werden. Unterstützt wird ein kleines informelles Kulturnetzwerk, das sich in Handorf gebildet hat. Zu diesem gehören sowohl lokale ehrenamtlich und institutionell engagierte Akteure als auch das Kreativ-Haus e. V. als Partner aus der Innenstadt. In Zusammenarbeit mit dem Stadtteilkulturmanagement wurde ein mehrstufiges Konzept erarbeitet, das die Potenziale der Gemeinderäume der Zionsgemeinde für kulturelle Angebote aufzeigt, indem dort temporäre partizipatorische Kulturaktionen durchgeführt werden. Das Stadtteilkulturmanagement hat die Projektbeteiligten bei der Förderantragsstellung an das Kulturamt unterstützt. Dies machte eine Unterstützung i. H. von 15.000 Euro im Rahmen des Festivals „Herzglut – Kultursommer 2021“ möglich, die einmalig durch den pandemiebedingten kommunalen Corona-Sonderfonds zur Verfügung standen. Weitere Mittel i. H. von 3.000 Euro hat das Quartiersmanagement Handorf durch das „Projekt Miteinander und nicht allein“, welches durch das MAGS NRW gefördert wird, bereitgestellt. Gleichzeitig stoßen diese Aktionen den Austausch über Kultur vor Ort an. Die Projektseite www.stadtteilkultur.info/muenster/handorf mit integrierter Umfrage, fragt zudem nach den Kulturbedürfnissen der vor Ort lebenden Menschen. Die Rückmeldungen werden ausgewertet, um daraus Rückschlüsse für die anschließende Netzwerkarbeit und Empowerment- Prozesse sowie das Knüpfen von Bildungspartnerschaften zu ziehen. 2.2. Modellprojekt mobile Stadtteilkultur Eine Möglichkeit, Stadtteilkultur zu initiieren und zu leben, sind mobile bzw. temporäre Angebote, die viel kulturelle Energie freisetzen können. Das Stadtteilkulturmanagement konnte das große ehrenamtliche Engagement der Musikschule Wolbeck e. V. unterstützen, in dem es bei der Antragstellung auf Mittel aus dem kommunalen Corona-Sonderfonds i. H. von 8.200 Euro als wichtige Drittmittel für die Mischkalkulation der Musikwoche Süd-Ost geholfen hat. Das Musikfestival konnte damit im Rahmen des Herzglut-Kultursommerprogramms realisiert werden. Aus Sicht des Stadtteilkulturmanagements haben die Initiatoren der Musikwoche Süd-Ost aus mehreren Blickwinkeln sehr vorbildlich gearbeitet, da sie die Musikkultur im Stadtteil in den Fokus stellte, eine breite T eilhabe ermöglichten sowie die Stadtteile Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf miteinander verbunden haben. Das umfangreiche Programm feierte mit mehr als 100 Musikerinnen und Münsteraner, über 30 Bands, Orchestern, Ensembles, Chören an 8 verschiedenen Veranstaltungsorten die Welt der Musik mit ihren verschiedenen Richtungen und Stilen. Darüber hinaus haben die Initiatoren Profis und Laien in Kontakt gebracht, die Nachwuchsförderung mitgedacht und vielfältiges bürgerschaftliches Engagement eingebunden. Das Stadtteilkulturmanagement wird die Musikwoche mit den ehrenamtlich Engagierten vor Ort evaluieren und mit überlegen, wie die Impulse ggf. verstetigt werden bzw. zukünftig noch weitere Orte für Kultur erschlossen werden können. 3. Stadtteilkulturhäuser als wichtige Ankerpunkte und Brückenbauer in die Quartiere Aspekt „Profil und „Reichweite“: Der Fokus lag in den ersten Monaten zudem auf der Auseinandersetzung mit der Rolle bereits bestehender Stadtteilkulturhäuser als wichtige strategische Ankerpunkte für eine kulturelle Grundversorgung „vor der Haustür“. Betrachtet wurden deren spezifische Arbeitsweisen, Organisations- und Finanzierungsmodelle sowie deren Profile. In diesem Zusammenhang wurden u. a. „Stellschrauben“ identifiziert, mit denen diversere T eilhabemöglichkeiten optimiert werden können. - 10 - V/0818/2021 Aspekt „Querschnittsthemen“: Die erste Zeit konnte dafür genutzt werden, um sich mit dem Zusammenhang zwischen der Stadtteilkultur und wichtigen Zukunftsthemen wie z. B. Diversität und Nachhaltigkeit, (inter-)kulturelle Bildung und T eilhabe zu befassen. Insbesondere die Stadtteilkulturhäuser leisten bereits einen zentralen Beitrag, verschiedene Interessensgruppen und Menschen unterschiedlicher Herkunft und Nationalitäten mit Kunst und Kultur in Berührung zu bringen. Die systemische Arbeit der Häuser baut hier bereits Brücken zu verschiedenen kulturellen Ausdrucksformen. In den gemeinsamen Gesprächen mit den vor Ort tätigen T eams, konnten erste Überlegungen zu folgenden Fragen zusammengetragen werden: „Wie binden wir viele Perspektiven in unser Kulturangebot ein?“ „Welche Form der Einladung und welche Angebote braucht es, um eine breitere T eilhabezu ermöglichen?“ Aspekt „ Nutzung Corona-bedingter Fördertöpfe“: Das Stadtteilkulturmanagement hat intensiv mit den T eams des Kap.8 im Stadtteil Kinderhaus und des Begegnungszentrums Meerwiese im Stadtteil Coerde zusammengearbeitet, um u. a. auf aktuelle Entwicklungsfragen und „Corona- Herausforderungen“ reagieren zu können. Die coranabedingten Sonderfonds konnten vor allem auch dazu genutzt werden, um eine kulturelle Infrastruktur vorzuhalten, die auch in Pandemiezeiten genutzt werden kann und die, die Umsetzung von o. g. Querschnittsthemen fördert. 3.1. Bürgerhaus Kap.8 in Kinderhaus Das Kap.8, als Stadtteilkulturzentrum im Bürgerhaus, hat seit seiner Gründung in den 80er-Jahren kontinuierlich sein Profil in Hinblick auf eine qualitativ hochwertige Kulturarbeit vor Ort geschärft. Nach dem Leitsatz „Aus dem Stadtteil für den Stadtteil“ wurden unter der Philosophie der „aufsuchenden Kulturarbeit“ wohnortnahe Kulturangebote initiiert, das (kulturelle) Miteinander der Menschen vor Ort bereichert und ein idealer Nährboden für die Umsetzung neuer Ideen geschaffen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtteilkulturmanagement wurden verschiedene Anknüpfungspunkte identifiziert, die helfen, den Anspruch der qualifizierten T eilhabe an Kunst und Kultur noch breiter aufzustellen und ein diverses Publikum zu erreichen. Beispiel „Sommerbühne“: Unter dem Titel „Kulturfrische – Sommerbühne am Kap.8“ wird der Außenbereich des Kap.8 zur Durchführung von Outdoor-Veranstaltungen ab 2022 infrastrukturell ertüchtigt und ist so auch bei anhaltender Pandemie bespielbar. Mit der neuen Plattform wird der Kulturbetrieb im Stadtteil weiterentwickelt, werden neue Kooperationen angestoßen und neue Zielgruppen erschlossen. Bewährte Formate sollen mit innovativen Programmideen, aber auch populären Profilen verknüpft werden. Programmatisch strebt das Kap.8 eine kulturelle Vielfalt an, die die T eilhabefür die sehr heterogene Stadtteilgesellschaft in Kinderhaus ausbaut und einen intensiven Austausch über Kunst und Kultur anregt. Das Stadtteilkulturmanagement hat in Zusammenarbeit mit dem Kap.8 und dem Begegnungszentrum Meerwiese die Projektkonzeption und die Förderanträge auf den Weg gebracht, um die Chance zu nutzen, einmalig pandemiebedingt aufgelegte Förderfonds zu nutzen. Durch einen Gesamtantrag beim „Investitionsfonds kulturelle Infrastruktur (IKI)“ des Landes NRW konnte ein 80%iger Zuschuss i. H. v. 146.160 Euro erwirkt werden Die Gesamtsumme beträgt 182.700 Euro. Davon entfallen ca. 50% für die Sommerbühne. Für den ersten programmatischen Aufschlag der Sommerbühne entwickelte das T eam des KAP .8 ein Konzept und stellte einen Förderantrag beim Bundesförderprogramm „NEUSTART Kultur“ (Programm 2) i. H. v. 50.000 Euro. Ein Juryentscheid liegt noch nicht vor. Beispiel „Kunst am Rand“: Das Stadtteilkulturmanagement hat darauf hingewirkt, die erfolgreiche Konzeption „Kunst am Rand“ weiterzuentwickeln und die Beziehungsarbeit vor Ort zu verstetigen. Das Projekt entwickelt seit 2005 seine besondere Relevanz durch den behutsamen und teilhabeorientierten Entwicklungsprozess. Besonders ist, dass vielfältige gesellschaftliche Gruppen - 10 - V/0818/2021 schon bei der Projektrealisierung vor Ort durch unterschiedliche Rollen eingebunden werden. Daher soll ergänzend zum etablierten Parcours ein partizipatorisches Kunstprojekt auf dem Gelände des zukünftigen Wohngebietes Moldrickx-Quartier entwickelt werden. Dieses soll die Menschen, die in den angrenzenden sehr unterschiedlichen Sozialräumen leben, einladen, sich mithilfe künstlerischer Methoden mit Fragen des Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Gleichzeitig hat das Stadtteilkulturmanagement darauf hingewirkt, verschiedene Fördermöglichkeiten für den weiter entwickelten Ansatz zu nutzen. Diese sollen u. a. dazu dienen, qualifizierte Kunstschaffende mit einer Aufwandsentschädigung motivieren zu können, an diesem „sozialen“ Kulturprojekt mitzuwirken und qualitative Kulturteilhabe für ein kulturfremdes Publikum zu ermöglichen. Für 2022 werden u. a. Fördergelder i. H. v. 3.000 Euro bei der allgemeinen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe beantragt. Für die Projektrealisierung werden ergänzend Fördermittel beim Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung aus dem Förderprogramm „Heimat-Fonds“ i. H. von ca. 28.000 Euro beantragt. 3.2. Begegnungszentrum Meerwiese Nach 20 Jahren Begegnungszentrum für den Stadtteil Coerde und Theater in der Meerwiese als Kompetenzzentrum der Stadt Münster für Kinder- und Jugendtheater bedarf es einer differenzierten Auseinandersetzung. Die gewachsenen Organisationsstrukturen, veränderten Anforderungen und Bedarfe der Stadtteilkulturarbeit sowie sich stark verändernde Produktionsanforderungen im Kinder- und Jugendtheater führten und führen zu vermehrten Nutzerkonflikten und Mehraufwand in der Raumlogistik. Potenziert werden diese durch den stark erhöhten Bedarf an Räumen von lokalen Vereinen, Institutionen und Kulturveranstaltern als auch von städtischen Abteilungen. Die Erstanalyse hat verdeutlicht, dass es einer vertiefenden Auseinandersetzung bedarf, um die veränderten Anforderungen an das Begegnungszentrum in einem wachsenden Stadtteil des Begegnungszentrums zu identifizieren. Diese kann in Form von Gesprächen und Umfragen stattfinden. In diese Evaluation sollten sowohl die bisherigen Kernnutzerinnen und Kernnutzer als auch die lokale Bürgerschaft und Vereine einbezogen werden. Diese Erhebung des Status quo kann damit eine wichtige Grundlage darstellen, um die Logistik der Multifunktionalität langfristig zu optimieren. Gleichzeitig dienen die Ergebnisse auch dazu, die aktuellen Bedarfe an die Immobilie detaillierter benennen zu können. Erste Schritte hinsichtlich einer verbesserten kulturellen Infrastruktur konnten auf den Weg gebracht werden, da im Zuge der Pandemie verschiedene Förderprogramme aufgelegt wurden. Gemeinsam wurde, entsprechend der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel des Bundes über das „NEUSTART Sofortprogramm“ für Corona bedingte Investitionen im Kulturbereich begonnen, mit dem T eamdes Begegnungszentrums Meerwiese und durch Unterstützung des Veranstaltungsmeisters des KAP .8den bislang technisch nicht ausgerüsteten großen Saal der Meerwiese so auszustatten, dass dort ein Theaterbetrieb möglich ist. So wurden die dort agierenden freien Ensembles während der Pandemie unterstützt und gleichzeitig konnte auf aktuelle dramaturgische und theaterpädagogische Anforderungen reagiert werden. Durch eine weitere bewilligte Zuwendung des Landes NRW durch das in 3.1. erwähnte Förderprogramm des Landes NRW „Investitionsfonds kulturelle Infrastruktur (IKI)“ wird nun die noch fehlende T ontechnik angeschafft, das Traversensystem verstärkt und die Beleuchtungstechnik erweitert. Außerdem verhilft ein LED-Projektor mit Mediaplayer, Computer und Schnittplätzen qualitätsvolle Streamings, Aufzeichnungen aber auch Live- Projektionen im öffentlichen Raum zu realisieren. Ergänzend dazu konnte ein Audiosystem (Besucherführungssystem) angeschafft werden, das Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen neue Rezeptionserlebnisse ermöglicht. Darüber hinaus bietet dies eine große Bandbreite für die Integrationsarbeit, da beispielsweise theaterpädagogisch im T andem gearbeitet werden kann und das Sprachtraining ein integraler Bestandteil eines Projektes sein kann. Die infrastrukturelle Qualifikation des Bespieltheaters eröffnet - 10 - V/0818/2021 nun insbesondere die Möglichkeiten, niederschwellige Zugänge zum Theaterleben in allen Milieus der Stadtgesellschaft zu schaffen. Die technische Ausstattung des Saales und das technische Equipment eröffnet dem professionellen Bereich „Theater für junges Publikum“ sowie der theaterpädagogischen Arbeit mit allen Altersgruppen in dem Saal mit 440 m² neue Möglichkeiten. Damit kann besonders die kulturelle Bildung im Stadtteil gestärkt werden. 3.3. Bürgerhaus Bennohaus Das Bennohaus ist im Netzwerk der Stadtteilkulturhäuser ein fester und wichtiger Bestandteil. Wegen seiner exponierten Lage am Kanal und seiner langjährigen Erfahrungswerte im Bereich der kulturellen Medienarbeit hat es neben seiner lokalen Wirkung eine Bedeutung, die über den Stadtteil/das Quartier hinausgeht. Seit seiner Gründung und seiner Erweiterung in den 1980er-Jahren haben sich im nahen Umfeld Veränderungen im Hinblick auf die kulturelle Angebotspalette ergeben. Die B-Side, das Hansakulturforum, die multifunktionale Aula der neuen Mathilde-Anneke-Gesamtschule (kann von lokalen Vereinen und Initiativen genutzt werden) sowie das Digitallabor des in der Innenstadt neu entstehenden WDR-Gebäudes tragen zu veränderten Rahmenbedingungen bei. Gleichzeitig haben sich u. a. durch Corona die Bedarfe an zeitgemäßer Medienarbeit drastisch gewandelt. Der Bedarf einer kulturellen Profilierung wurde durch einen externen Beratungsprozess zum Nutzungskonzept des Bennohauses durch ein beauftragtes Institut für sozialraumorientierte Praxisforschung und - entwicklung e. V., der im Zeitraum vom 09.08.18 bis 14.03.19 stattgefunden hat, in seinem Ergebnisbericht festgehalten (siehe Vorlage V/0974/2019). Die Herausarbeitung des kulturellen Markenkerns hat sich pandemiebedingt sowie aufgrund der notwendig gewordenen Interimslösung der Geschäftsführung des Bennohauses verzögert. Das Kulturamt unterstützt das regelgeförderte Bürgerhaus Bennohaus bei der Fortführung des Profilierungs- und Zukunftsprozesses, in dem auch Fragen einer notwendigen Sanierung und die anstehenden städtebaulichen und räumlichen Veränderungen, die sich durch den Wegzug des ansässigen Ruderclubs ergeben, berücksichtigt werden sollen. Dazu trägt das Stadtteilkulturmanagement zunächst die kommunalen Fachsichten zusammen. Ziel ist es, in 2022 in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Ostviertel e. V. (AKO e.V.) und unter Einbeziehung der Bezirkspolitik ein Konzept zu erarbeiten, um Schritte und Rahmenbedingungen für den weiteren Profilierungsprozess zu definieren und die dafür notwendigen Finanzmittel im Rahmen der Etatberatungen der Folgejahre beschließen zu lassen. Hinweis 1: Genutzt werden sollen dafür Mittel der Produktgruppe 0401, die ursprünglich zur Finanzierung der Personalkosten für den ehemaligen Leiter des Bennohauses zur Verfügung standen. Diese wurden kapitalisiert und ergebnisneutral innerhalb der Produktgruppe Kulturmanagement/Kulturförderung von den Personalaufwendungen in Sachaufwendungen umgeschichtet. Ein Teil dieser Mittel fließt in den Personalkostenzuschuss für die Geschäftsführung des Hauses. Über die Verwendung der verbleibenden Mittel entscheiden die Gremien des Rates, bis ein neues Nutzungskonzept den Verbleib neu regelt (siehe Vorlage V/0900/2018). Hinweis 2: Das Stadtteilkulturmanagement hat außerdem auf den dringenden Handlungsbedarf der Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Küche im Bennohaus reagiert, um eine zeitnahe Inbetriebnahme der für den Kulturbetrieb notwendigen Gastronomie zu ermöglichen. Mit der Vorlage V/0496/2021 wurde ein investiver Zuschuss i. H. von 45.000 Euro aus bestehenden Haushaltsmitteln an den AKO e. V. auf den Weg gebracht. 4. Bedarfserhebung für Beratungs- und Vernetzungsbedarf des Ehrenamts Flankierend zu den benannten Tätigkeiten hat das Stadtteilkulturmanagement eine erste Evaluierung vorgenommen, um herauszufinden, welcher Service insbesondere ehrenamtlich Engagierten bislang - 10 - V/0818/2021 im Bereich der Stadtteilkultur fehlt. Als wichtige Beratungsthemen wurde identifiziert: Nachwuchsgewinnung, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung, Antragstellung, Kulturvermittlung und Netzwerkarbeit sowie Vereinsgründung. Insbesondere wurde festgestellt, dass es in den letzten Jahren vermehrt Anfragen zur Unterstützung im Bereich der Veranstaltungskonzeption, -organisation und der Veranstaltungstechnik und -sicherheit gab, da insbesondere die Inszenierungsmöglichkeiten in den letzten Jahren komplexer und auch bedingt durch die Pandemie hybrider geworden sind. Oft fehlt den Kulturakteuren (Laien und Profis) die ausreichende Erfahrung für die Umsetzung der geplanten Konzepte. Häufig führen Defizite im Planungsprozess im Vorfeld zu erhöhten Kosten und zu erhöhtem Aufwand oder Sicherheitsrisiken. Beispielsweise ist es für ehrenamtliche Kulturakteure nicht immer leicht, die Vielzahl an Gesetzen, Vorschriften und Verordnungen oder regionale Bestimmungen sowie Ermessensspielräume bei der Auslegung von Gesetzen z.B. im Bereich Arbeitsschutz und -sicherheit, Versammlungsstättenverordnung sowie Veranstaltungs- und Unfallversicherung einzuschätzen. Folgerichtig braucht es die Konzeption eines Qualifizierungs- und Beratungsangebots, das insbesondere auch Fragen zur Veranstaltungstechnik- und Sicherheit beantworten kann. Die Konkretisierung dieser Überlegungen ist für 2022 angedacht. Ergänzend dazu sollen Ideen für den Aufbau einer Anerkennungskultur für ehrenamtliches Engagement sowie für Formen des Wissens- und Erfahrungsaustausches entwickelt werden. Fazit und Bedarf einer Entwicklungsstruktur und einer Finanzbasis 1. Notwendigkeit einer Entwicklungsstruktur Aufbauend auf der im Jahr 2018 durchgeführten ersten Bestandsaufnahme sollen 2022 die gesamtstädtischen Stadtteilkulturbedarfe weiter evaluiert werden. Gleichzeitig sollen gewachsene lokale Strukturen (Kulturnetzwerke, Akteure, Räume) sichtbar und aufgezeigt werden. Darauf sowie auf die Kommunikation mit wichtigen „Schlüsselpersonen“ soll die Erarbeitung einer Entwicklungsstruktur, die lokale und gesamtstädtische Bedarfe und Ziele in einen Gesamtzusammenhang stellt, aufbauen. Das anvisierte Konzept stellt Gelingensfaktoren und Rahmenbedingungen sowie Maßnahmen für die Sicherung und die Weiterentwicklung eines lokalspezifischen, inklusiven, inspirierenden, beziehungsorientierten, sparten-, milieu- und generationenübergreifenden sowie diversen und nachhaltigen Stadtteilkulturangebots (Kulturräume + Kulturprogramme) vor. Integraler Bestandteil ist der Vorschlag für die Priorisierung von Maßnahmen und Tätigkeiten, um insbesondere zu einer gesamtstädtischen Sicherung und Entwicklung der Stadtteilkultur beizutragen, von der möglichst viele Münsteranerinnen und Münsteraner profitieren. (Siehe Anlage 1) 2. Finanzbasis als Motor der Stadtteilkultur Im pandemiebedingten Ausnahmejahr konnten Finanzmittel des kommunalen Sonderfonds genutzt werden, um Stadtteilkulturprojekte im Ehrenamt zu unterstützen oder um Projekte zu unterstützen, die neue Formen der Kulturarbeit vor Ort anstoßen. Darüber hinaus konnten die kulturelle Infrastruktur und das kulturelle Angebotsspektrum in den Stadtteilen von den bereits erwähnten verschiedenen Sonderförderprogrammen des Bundes und des Landes profitieren. Eine Finanzbasis kann folgerichtig als Motor der Stadtteilkultur dienen, da finanzielle Mittel insbesondere zivilgesellschaftliches Engagement vor Ort motivieren oder den Ausbau der inter (kulturellen) Bildung in den Stadtteilen unterstützen. Kommunale Mittel können zudem helfen, um Formate zu entwickeln, von denen viele Stadtteile profitieren. Sie ermöglichen zudem den Aufbau eines Qualifizierungs- und Inspirationsprogrammes sowohl für ehrenamtlich Engagierte als auch für freie Kulturschaffende. In der Pandemiezeit wurde deutlich, dass kommunale Mittel erforderlich waren, um z. T .deutlich höhere Komplementär- und Drittmittel generieren zu können. Folgerichtig stellen sie einen wichtigen Faktor dar, um bestehendes Engagement zu sichern und um die Stadtteilkultur substanziell und perspektivisch weiterzuentwickeln. - 10 - V/0818/2021 In Vertretung Gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage A Anlage 1: Entwicklungsperspektiven Stadtteilkultur in Münster
Anlage A
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Anlage A zur V/0818/2021 Kurzüberblick Mit diesem Bericht stellt das Kulturamt die ersten Tätigkeiten und Maßnahmen des ab 01.März 2021 eingerichteten Stadtteilkulturmanagements vor. Außerdem zieht das Kulturamt ein erstes Resümee, um daraus weitere Schritte und Maßnahmen für das Jahr 2022 abzuleiten. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Es werden die Ziele verfolgt: Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Wir werden Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „T oleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln. T eilziele: Empowerment der Zivilgesellschaft Förderung des “Rechts auf Kultur” Sicherung und Aufbau Kulturelle Infrastruktur (Räume + Programme) Synergieffekte durch Gesamtsteuerung und Vernetzung sowie Wissens- und Erfahrungstransfer Förderung von Querschnittsthemen Zugang zur Inter(kulturellen) Bildung Aufbau von Förderkonzeptionen (hier u.a. Nutzung von europäischen, bundesweiten und regionalen Förderangeboten) Finanzierung Produktgruppe: 0401 Kulturmanagement/Kulturförderung Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig X vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Berücksichtigung von Querschnittsthemen ist ein integraler Bestandteil der substanziellen Entwicklung der Stadtteilkultur. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Aspekte der Themenbereiche in der Konzeption von Formaten, Veranstaltungen, Qualifizierungs- und Impulsmaßnahmen, Kulturprojekten bis hin zu Kommunikationsmaßnahmen als auch bei Konzeptionen diverser T eilhabebestmöglichst mitgedacht werden.
Anlage1_Entwicklungsperspektiven Stadtteilkultur in Münster
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Anlage 1 zur Vorlage V/0818/2021 Entwicklungsperspektiven Stadtteilkultur in Münster Die ersten Erfahrungen aus dem neuen Arbeitsfeld des Kulturamtes verdeutlichen, dass es eine Struktur für die Entwicklung der Kultur in den Stadtteilen bedarf, um sowohl bestehende Angebote und Strukturen zu sichern als auch ein attraktives und qualitativ hochwertiges kulturelles Angebot weiter auszubauen und zu entwickeln. Diese soll auf der Basis der Gespräche mit den Bezirksver- tretungen und weiteren Gesprächspartnern:innen aus „Schlüsselfeldern“ der Stadtteilkultur sowie auf den Ergebnissen des anstehenden Stadtforums Kultur aufgebaut werden. Dieser anstehende Kommunikations- und Austauschprozess soll sowohl aktuelle als auch prognostizierte Bedarfe zu- sammentragen, da sich viele Stadtteile aufgrund von Wachstumsprozessen z.B. in Form von neuen Wohngebieten im Wandel befinden. Gleichzeitig geht es darum die gewachsenen Strukturen vor Ort kennenzuler- nen, um gemeinsam Formen der Unterstützung zu erarbeiten. Für die geplanten Gespräche stehen folgende Entwicklungsfelder und die damit verbundenen Fra- gen im Fokus: Entwicklungsfeld 01: Information/Beratung/Service/ Qualifizierung/ Vernetzung/ Teilhabe Wie kann zivilgesellschaftliches Engagement im Bereich der Kultur und Empowerment-Prozesse gestärkt, initiiert, unterstützt und anerkannt werden? Wie kann die Individualität und die spezifischen Rahmenbedingungen vor Ort sowie lokales Erfah- rungswissen eingebunden, gestärkt und gepflegt werden? Was braucht es für die Pflege und Initiierung von lokalen Kulturnetzwerken? Wie entstehen innovative Formate des Kulturdialogs und Möglichkeiten der Interaktion? Entwicklungsfeld 02: Netzwerk Stadtteilkulturhäuser mit eigenen Profilen Wie können Stadtteilkulturhäuser ihr Profil schärfen? Wie können sie untereinander kommunizieren und von einander profitieren? Wie können sie ihre Verzahnung ins Quartier ausbauen? Entwicklungsfeld 03: Vielfältige kulturelle Infrastruktur für Produktion und Rezeption Welche Formate befördern eine Kultur, die gesellschaftliche und persönliche Möglichkeiten der Re- flexion schafft und die einlädt, neue Perspektiven kennenzulernen? Wie gelingt der Aufbau einer facettenreichen sichtbaren kulturellen Infrastruktur und wie werden bauliche Potenziale sichtbar gemacht? Entwicklungsfeld 04: Querschnittsthemen (Interkultur, Diversität, Digitalität, Nachhaltigkeit) Welche Strukturen braucht der Ausbau der Inter(kulturellen) Bildung vor der Haustür? Wie finden Querschnittsthemen ihren Platz in der Stadtteilkultur? Wie kann multiperspektivisch mit den historischen Wurzeln eines Stadtteils gearbeitet werden? Entwicklungsfeld 05: Kulturprogramme (dauerhaft + mobil) / ( interaktive + passive) Welche Strukturen braucht ein kontinuierliches Angebot? Worin liegt die Chance mobiler und temporärer Angebote? Entwicklungsfeld 06: Co-Kreationen und Wechselwirkung (Zentrum + Stadtteile) Wie gelingt die geschickte Verzahnung kulturelle Aktivitäten im Zentrum und in den Stadteilen? Entwicklungsfeld 07: Kulturprojektpool – von dem mehrere Stadtteile profitieren Wie könnte ein Projektpool aussehen, von dem mehrere Stadteile profitieren? Entwicklungsfeld 06: Kulturkommunikation (analog, digital, formell, informell) Welche Kommunikation braucht es, um Bürgerschaft zu informieren, zu inspirieren und um ver- schiedene Zugänge zur „Welt der Kultur“ zu eröffnen? Anlage 1 zur Vorlage V/0818/2021 Entwicklungsfeld 07: Förderung / Sponsoring / Lobbyarbeit / Patenschaften / Netzwerke Was braucht es, um gesamtstädtisch eine „Kultur- Community“ aufzubauen, deren gemeinsames Ziel eine bedarfsgerechte, ortsspezifische und inspirierende Stadtteilkultur ist? Ziel ist es, die zusammengetragenen Informationen, Ideen, Wünsche und Bedarfe sukzessive zu- sammenzutragen und auszuwerten. Im Zuge des Kommunikationsprozesses soll zudem die An- laufstelle Stadtteilkultur bekannter werden. Aus den Ergebnissen und Hinweisen soll eine Struktur entwickelt werden, die lokale und gesamtstädtische Bedarfe in einen Gesamtzusammenhang stellt und die Schnittstellen zu anderen Akteuren der Stadtteilentwicklung aufzeigt. Gleichzeitig sollen mögliche „blinde Flecken“ (z. B. bisher nicht berücksichtigte Sparten oder kulturelle Antworten) identifiziert werden. Integraler Bestandteil ist der Vorschlag für die Priorisierung von Maßnahmen und Tätigkeiten, um insbesondere zu einer gesamtstädtischen Sicherung und schrittweisen Ent- wicklung der Stadtteilkultur beizutragen, von der möglichst viele Münsteraner profitieren. Die Struk- tur setzt sich daher zusammen aus Gelingensfaktoren und Rahmenbedingung für die substanzielle Entwicklung der Stadtteilkultur. Sie steht für einen dynamischen und agilen Entwicklungsprozess. Demzufolge soll der Kulturausschuss in kontinuierlichen Abständen über den Stand informiert wer- den.
Beratungsverlauf (7)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
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Zur SitzungOrte (1)
- Kinderhaus
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Details
- Aktenzeichen
- V/0818/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 27.10.2021
- Erstellt
- 27.10.2021 17:29