3599/2020
Gemeinsame Stellungnahme des Gesundheitsamtes und der Feuerwehr der Stadt Köln
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Stellungnahme zu einem Antrag (BV)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle I/02/02-2 Vorlagen-Nummer 3599/2020 Stellungnahme zu einem Antrag öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 14.12.2020 Gemeinsame Stellungnahme des Gesundheitsamtes und der Feuerwehr der Stadt Köln zu Top 8.1.9 AN/1392/2020 (Antrag der CDU-Fraktion): Wenn in Klassenräumen oder anderen Bereichen, die dem dauernden Aufenthalt von Perso- nen dienen, eine Lüftungsanlage installiert wird, die den allgemein anerkannten technischen Regeln entspricht, gibt es aus hygienischer Sicht keine Bedenken gegen deren Einsatz. Hinsichtlich der Verwendung einer Abluftanlage, wie sie vom Max-Planck-Institut in einer Schule in Mainz-Bretzenheim konzipiert worden ist, gibt es aus fachlicher Sicht jedo ch erheb- liche Bedenken. In der nachstehenden Kurzstellungnahme verschiedener deutscher Hochschulen wird das Konzept der „günstigen Abluftanlage“ von den Sachverständigen Prof. Dr.-Ing. Christoph Kaup Umwelt-Campus Birkenfeld, Hochschule Trier Prof. Dr.-Ing. Martin Kriegel Hermann-Rietschel-Institut, TU -Berlin Prof. Dr. Ing Dirk Müller E.ON institut RWTH Aachen Prof. Dr.-Ing. Ulrich Pfeiffenberger Technische Hochschule Mittelhessen wie folgt bewertet: Kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept einer günstigen „Abluftanlage für Klassenräume“ des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPI) Die vom MPI entw ickelte Abluftanlage soll ausgeatmete Luft, die möglicherw eise Viren oder Bakterien enthält, gezielt mit Hilfe von im Raum verteilten Abzugshauben über Personen, die an Tischen sitzen, aufnehmen. Die Abluft gelangt über Verbindungsrohre in ein Zentralrohr und w ird mit Hilfe eines Ventilators durch ein gekipptes Fenster nach draußen geführt. Die Abluftanlage kann aus Komponenten aus dem Baumarkt erstellt w erden und w ird an der De- cke und einem Fenster befestigt. Folgende Punkt w erden bei diesem Lüftungskonzept für Klassenräume kritisch bew ertet: 2 • Virenbelastete Aerosole befinden sich nicht zw angsw eise in der Auftriebsströmung über einer Person. Allein über die Atmung können die Aerosole im gesamten Raum verteilt w erden, zusätzlich kann es durch Querströmungen im Raum zu einer Umlegung der Auftriebsgebiete kommen. Es kann daher nicht davon ausgegangen w erden, dass eine gute Erfassung der kritischen Aerosole im Raum gelingen kann. • Der in der Studie angegebene Volumenstrom für jede einzelne Abzugshaube im Raum ist nicht ausreichend, um selbst im Falle einer optimal ausgerichteten Auftriebsströ- mung über einer Person die in der Auftriebsströmung vorhandenen Aerosole aufzunehmen. Die Autoren vernachlässigen in ihrer Studie, dass der Volumenstrom in einer Auftriebsströ- mung auf dem Weg zur Abzugshaube deutlich zunimmt. Dieser Effekt basiert auf der nicht zu verhindernden Einmischung von Raumluft in den Auftriebsstrahl. Für eine effektive Absaugung müsste der Volumenstrom sig- nifikant erhöht w erden, da sich ansonsten eine turbulente Vermischung im gesamten Raum einstellt, die eigentlich durch die vorgestellte Anlage verhindert w erden soll. • Da es sich bei dem gezeigten Konzept um eine reine Abluftanlage handelt, muss Außenluft in den Raum durchgehend nachströmen können. D. h., mindestens ein Fenster muss in dem Raum durchgängig geöffnet sein. Es ist zu befürchten,dass insbeson- dere bei niedrigen Außentemperaturen im Bereich dieser Nachströmung sehr unbehagliche Zustände auftreten. Außerdem können durchgehend akustische Belas- tungen aus der äußeren Umgebung (Straßenlärm etc.) in den Klassenraum eindringen. Eine Zuströmung über Flurtüren ist keine Alternative, da auch diese Luft von außen zugeführt w erden müsste, verbunden mit w eiteren Problemen geöffneter Türen (z.B. Akustik, Brand- schutz). Dieses Konzept des MPI ist daher in Bezug auf diese Effekte schlechter als eine Umsetzung einer Stoßlüftung gemäß den Angaben des Umw eltbundesamtes zu bew erten. • Der eingesetzte Ventilator kann nur einen sehr kleinen Differenzdruck aufbauen. Daher w ird jeder Winddruck auf der Fassade die Strömungsverhältnisse im Klassenraum verändern. Es ist darüber hinaus höchst w ahrscheinlich, dass im Einbauzustand der von dem Ventilator geförderte Volumenstrom deutlich geringer ist. Ein sicherer Systembetrieb aus Abluft- oder Absauganlage ist damit nicht gew ährleistet. • Die Lösung des MPI kann w eder als nachhaltig noch als w irtschaftlich bezeichnet w erden. Die gezeigte Installation w ird unter den rauen Bedingungen des Schulalltags nur eine begrenzte Lebensdauer besitzen und das System verfügt über keine Wärmerück- gew innung. Werden auch die Bau- und Installationskosten berücksichtigt, ist bei der kurzen Nutzungszeit des Systems kein w irtschaftlicher Betrieb zu erw arten. • Da das System aus Kunststoff hergestellt w ird, ist eine erhöhte Brandlast im Klassenraum zu erw arten. Zudem erzeugt selbst der Brand von Kunststoffen eine erhebliche Rauchentw icklung. Aufgrund der genannten Punkte kann der Aufbau und der Betrieb der “Abluftanlage für Klas- senräume“ des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPI) nicht empfohlen w erden. Bereits mit einer konsequenten Umsetzung einer regelmäßigen Stoßlüftung gemäß der Lüftungsregeln des Umw eltbundesamtes können w ahrscheinlich bessere Luftw echselraten bei höherem Komfort erreicht w erden. Für eine sichere, komfortable und energieeffiziente Lüftung von Klassenräumen sollten marktübliche raumlufttechnische Anlagen verw endet w erden. 26. November 2020 3 Demzufolge gibt es in der Fachwelt erhebliche Bedenken hinsichtlich der Funktionsfähigkeit und Betriebssicherheit dieser Art von Lüftungsanlagen, so dass deren Einsatz in städtischen Schulen nicht empfehlenswert ist.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3599/2020
- Typ
- Stellungnahme zu einem Antrag (BV)
- Datum
- 10.12.2020
- Erstellt
- 10.12.2020 15:22