Mandari Insight

A-W/0011/2021

Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Henriette-Son-Straße

Antrag an die BV West 01.02.2021

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-West, Sitzung am 27.05.2021, TOP 9.8

Stellungnahme der Verwaltung vom 19.04.2021

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Stellungnahme der Verwaltung vom 19.04.2021

26217 Zeichen

A-W /00A1

Vermessungs- und Katasteramt Tel. 62 00
Amtsleiter 19.04.2021
An die

Bezirksvertretung Münster-West zur Sitzung am 22.04.2021
Herrn Bezirksbürgermeister Jörg Nathaus

über III UN

Stellungnahme zum gemeinsamen Antrag Nr. A-W/0011/2021 der Fraktion Bünd-
nis90/Die Grünen/GAL, der SPD-Fraktion, der Ratsgruppe Volt und DIE LINKE vom
31.01.2021

STANT MÜNSTER
\2 7. APR, 2021

Amt für &
Bezirk,

ürger- u, Rateservioe

-vorwallung West

Zu Nr. 1 - Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Henriette-Son-Straße

Erledigt mit Beschlussfassung zur Vorlage V/1033/2020.

Zu Nr. 2 - Umbenennung Bushaltestelle

Auf Anfrage der Verwaltung haben die Stadtwerke Münster GmbH mitgeteilt, dass nach der
Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Henriette-Son-Straße auch die Haltestelle Apffelsta-
edtstraße zeitnah in Henriette-Son-Straße umbenannt wird.

Zu Nr. 3 - Bearbeitungsstand des Antrags A-W/0007/2020 der SPD-Fraktion

Nach dem Zeitungsartikel in den Westfälischen Nachrichten vom 17.02.2020 mit dem Titel
»NS-Mitglied aus fester Überzeugung« über die Straßenbenennung nach Max Apffelstaedt
brachte die SPD-Fraktion der BV West am selben Tag den Antrag A-W/0007/2020 mit dem
folgenden Beschlussvorschlag ein: Die Verwaltung wird beauftragt, die Apffelstaedtstraße
umzubenennen nach einer Wissenschaftlerin.

Die Verwaltung hat für die Einschätzung der NS-Vergangenheit von Max Apffelstaedt am 4.
März 2020 das Stadtarchiv eingeschaltet. Die Stellungnahme des Stadtarchivs lag am 18.
März vor. Am 24. März war der Entwurf einer Beschlussvorlage erstellt, mit der die Verwal-
tung die Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Monastirstraße vorschlägt.

Zum Hintergrund: Die Verwaltung hatte seit Jahren mehrere Aufträge aus Ratsanträgen und
Beschlüssen des Hauptausschusses, eine Straße für die Benennung nach Monastir zu fin-
den. Bisherige Versuche der Verwaltung dazu, waren in verschiedenen Stadteilen geschei-
tert. Da die Apffelstaedtstraße unmittelbar am Tangentenring beginnt, der hier nach drei
Partnerstädten Rishon-Le-Zion, Orl&ans und York benannt ist, schien eine Umbenennung
nach Monastir als sehr geeignet und sollte daher umgesetzt werden.

Leider hatte sich diese Möglichkeit mit anderen Gesprächen und Überlegungen von Be-
zirksvertretungen überschnitten. Dies musste vor ofizieller Beratung der Vorlage zunächst
abgewartet werden. Die BV Nord hatte sodann in seiner Sitzung am 09.06.2020 entschei-
den, den Platz unmittelbar neben der Westhoffstraße in "Monastirplatz” umzubenennen.

Zwischenzeitlich hatte das Stadtarchiv aus Anlass des SPD-Ratsantrags A-R/0019/2019
Recherchen zu Biographien von sechzehn Frauen, die als Namensgeberinnen für Straßen
in Münster vorgeschlagen sind, geprüft und noch fünf weitere Frauennamen hinzugefügt.
Aus dieser Gesamtliste schien besonders geeignet der Name Waltraut Seitter, eine Natur-
wissenschaftlerin der WWU. Die erste Frau auf einem Lehrstuhl für Astronomie in Deutsch-
land und eine Wissenschaftlerin von internationalem Rang in Münster.

Nach der Entscheidung der BV-Nord am 9. Juni wurde die Beschlussvorlage mit dem Vor-
schlag Waltraut Seitter umgehend vorbereitet. Aufgrund der anhaltenden Pandemie-Lage
im vergangenen Sommer sowie regelmäßig ausfallender Gremiensitzungen hatte sich die
Schlussabstimmung der Vorlage verzögert.

Die Vorlage konnte nun in der ersten Sitzung 2021 am 11. Februar beraten werden.

Zu Nr. 3 und 4 - Eignung der Namen "Hedwig Kohn’, "Martha Sponer’, ‘Hedwig Mon-
tag’ und "Rahel Hirsch’

Das Stadtarchiv wurde eingeschaltet und um Prüfung der Vorschläge gebeten. Zu den vier
Personen liegen im Stadtarchiv keine Dokumente vor. Zu den Namen Hedwig Kohn, Herta
Sponer und Rahel Hirsch liegen jedoch biographische Angaben in der freien Enzyklopädie
Wikipedia vor. Das Stadtarchiv wird, wenn für eine konkrete Straße die Benennung nach
einer der vier Frauen in Betracht gezogen wird, weitergehende biographische Angaben re-
cherchieren und entsprechende Biographien vorlegen.

In der Anlage ist eine aktuelle Sammlung von Vorschlägen für Straßenbenennungen nach
Frauen aufgelistet. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird geprüft, ob einer der Namen
realisiert werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Gez.

Jochen Marienfeld

31 Vorschläge für Straßenbenennungen nach Fra

Friederike Nadig
genannt Frieda Nadig

Maria Goeppert-Mayer

Nelly Sachs

Emmy Noether

en

Friderike Nadig, *11.12.1987, die Herforder Sozialdemokratin war
eine von vier Frauen, die 1948 als Mitglied des Parlamentarischen
Rates an der Ausarbeitung des Grundgesetzes mitwirkte. Nachdem
sie zuvor im Zuge der Erlasse der NS-Regierung aus dem Beamten-
dienst entlassen wurde, arbeitete sie als Gesundheitspflegerin bis sie
1946 Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt wurde. Nach Kriegs-
ende war sie in der neuen Bundesrepublik u.a. als Mitglied des nord-
rhein-westfälischen Landtags sowie als Bundestagsabgeordnete poli-
tisch aktiv. Hier machte sie sich bis zu ihrem Tod 1970 für Gleichbe-
rechtigung der Geschlechter und Lohngleichheit stark.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Maria Goeppert-Mayer, *28.6.1906, erhielt im Alter von 57 Jahren für
ihre Forschung zur Schalenstruktur des Atomkerns als erste deutsche
Physikerin den Physik-Nobelpreis. Die Deutsch-US-Amerikanische
Naturwissenschaftlerin wanderte nach dem Studium der Mathematik
und Physik in Göttingen mit ihrem US-amerikanischen Ehemann
nach Baltimore aus und schrieb dort u.a. mit ihm das viel beachtete
Standardwerk „Statistische Mechanik“. Nicht zuletzt im Zuge ihrer
Professur am Chicagoer Atomforschungszentrum in den 1950er Jah-
ren gilt sie als eine der wichtigsten Forscherinnen aus dem Gebiet
der Kernphysik sowie als eine der ersten deutschen weiblichen Wis-
senschaftlerinnen in der physikalischen Forschung insgesamt.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Nelly Sachs, *10.12.1891, die jüdische Dichterin aus Berlin war 1966
nicht nur die erste deutsche Literaturnobelpreisträgerin, sondern
ebenso die erste Autorin, die ein Jahr zuvor den Friedenspreis des
Deutschen Buchhandels erhielt. Nachdem sie zu Beginn der NS-Dik-
tatur selbst um ihr Leben fürchten musste, konnte sie 1940 kurz vor
dem ihr angekündigten Transport ins Konzentrationslager nach
Schweden fliehen. In ihren Werken spiegelt sich die Erfahrung wider
und so thematisiert sie hierin bis zum Tod 1970 oftmals den Holo-
caust und das Schicksal Israels.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Emmy Noether, *23.3.1882, die jüdische Mathematikerin aus Erlan-
gen gilt als „Mutter der modernen Algebra“. Sie ist eine der ersten
und erfolgreichsten Frauen innerhalb der naturwissenschaftlichen
Disziplin des 20. Jahrhunderts: So war sie u.a. die zweite Deutsche,
die an einer deutschen Universität in Mathematik promovierte.
Ebenso absolvierte sie als erste Frau in Deutschland im Fachbereich
Mathematik erfolgreich ihre Habilitation. Zudem setzte sie sich als So-
zialdemokratin in den 1920er Jahren für friedenspolitische Projekte
ein bevor sie 1933 angesichts der NS-Herrschaft in die USA emi-
grierte, wo sie 1935 an einer Krankheit verstarb. Nach ihrem Tod
wurde u.a. ein Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen
nach ihr benannt, um nachhaltige weibliche Forschung in diesem
Fachbereich an deutschen Universitäten zu fördern.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

1von7

Anna Haag

Barbara Renz

Marga Spiegel

Anna Haag, *10.7.1888, als Politikerin, Pazifistin und Autorin hat sie
sich insbesondere für die Rechte der Frauen in der Weimarer Repub-
lik und der jungen westdeutschen Bundesrepublik eingesetzt. Ihr Satz
„Niemand darf zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“
aus dem von ihr eingebrachten Gesetz Nr. 1007 des Landes Würt-
temberg-Baden wurde 1948 im bundesdeutschen Grundgesetz in
Art.4 Abs.3 GG aufgegriffen und gilt als richtungsweisende Errungen-
schaft für die Pazifismus-Bewegung in Deutschland. Nachdem sie
nach dem Ersten Weltkrieg der „Internationalen Frauenliga für Frie-
den und Freiheit‘ beitrat und in der NS-Zeit einem Publikationsverbot
unterlag, gründete sie nach Kriegsende das Printmedium „Die Welt-
bürgerin“, um Frauen ihre politische Mitverantwortung aufzuzeigen.
Bis zu ihrem Tod 1982 setze sie sich außerdem, u.a. im Zuge der
Gründung des Hausfrauenverbandes, für die gesellschaftliche Aner-
kennung der Hausfrauenarbeit als gleichwertige Tätigkeit ein.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Barbara Renz, *12.12.1863, die katholische Frauenrechtlerin gilt als
frühe Aktivistin für Frauenbildung und Gleichstellung. Nach der Been-
digung ihres Studiums der Philosophie, Literatur und Psychologie an
der Sapienza-Universität in Rom kehrte sie mit Abschluss ihrer Dok-
torarbeit nach Bayern zurück. Da Frauen jedoch zum damaligen Zeit-
punkt eine Anstellung an einer Universität nicht gestattet war, nahm
sie eine fünfjährige Tätigkeit als Privatlehrerin in der USA auf. Ge-
meinsam mit ihrem Bruder kam sie 1902 schließlich nach Münster,
wo sie eine Zweigstelle des Katholischen Frauenbundes eröffnete.
Auch erhielt sie in Münster die Erlaubnis, an der Universität Abend-
vorlesungen zu halten. Als Frauenrechtlerin machte sie sich insbe-
sondere für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft und in der
katholischen Kirche stark. Von besonderer Bedeutung war für sie bis
zu ihrem Lebensende 1955 zudem der Kampf für das Rechte von
Mädchen und Frauen auf Ausbildung und Studium.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Marga Spiegel, *21.6.1912, die jüdische Überlebende des Holocausts
aus dem nordrhein-westfälischen Schwalm-Eder-Kreis entkam mit
Hilfe von katholischen Bauern im Münsterland zwischen 1942 und

- 1945 der nationalsozialistischen Verfolgung. Nachdem ihr Ehemann

von befreundeten Bauern von der massenhaften Tötung von Juden
im heutigen Polen durch die Nationalsozialisten erfuhr, arrangierte er
eine Versteckmöglichkeit für seine Ehefrau und seine Tochter bei
Landwirten des Münsterlandes. Dank der mutigen Hilfe der Bauern
überlebten sowohl sie als auch ihr Ehemann und ihre Tochter die NS-
Zeit. 1965 veröffentlichte Marga Spiegel schließlich ihre Erinnerungen
an die NS-Zeit und machte die Mithilfe der Münsterschen Bauern
publik. Daraufhin wurden die Bauernfamilien, die die Spiegels ver-
steckt hatten, von dem israelischen Botschafter in Deutschland mit
dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Bis zu ihrem Tod
2014 war sie als Zeitzeugin um die Aufrechterhaltung der Erinnerung
an die NS-Vergangenheit bemüht und besuchte zahlreiche Schulen
und Einrichtungen im Münsterland, um von ihren Erlebnissen zu be-
richten.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

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Theanolte Bähnisch

Anna Siemsen

Lily Braun

Marianne Kirchgässner

Anna Lucas

Theanolte Bähnisch, *25.4.1899, die Warendorfer Juristin war die
erste Regierungspräsidentin Hannovers und erlangte u.a. auf Grund
ihrer Tätigkeiten seit Beginn der NS-Zeit als Anwältin in Berlin für poli-
tische Verfolgte Bekanntheit. Nach ihrem Jura-Studium in Münster
engagierte sie sich nicht nur bereits 1931 mittels kritischer Schriften
gegen die nationalsozialistische Bewegung, sondern forderte immer
wieder die Frauen ihrer Zeit zu politischen Engagement auf. Nach
Kriegsende gründete sie gemeinsam mit weiteren Frauen den Deut-
schen Frauenring, dessen Vorsitze sie langjährig innehatte, und war
u.a. als Staatssekretärin in der niedersächsischen Landesregierung
tätig bis sie 1973 in Hannover verstarb.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Anna Siemsen, *18.1.1882, die Hammer Politikerin und Autorin enga-
gierte sich im Vorstand der „Internationalen Frauenliga für Frieden
und Freiheit“ und widmete sich mit großem Elan dem frühen Kampf
um die Etablierung und Einhaltung von Menschenrechten in den

‚1920er Jahren. Nachdem sie in Münster ihre Lehramtsprüfung ab-

legte engagierte sie sich in der SPD u.a. von 1923 bis 1931 in der Pa-
zifismus-Bewegung der Partei. In der NS-Zeit floh sie in die Schweiz,
wo sie maßgeblich an einer regelmäßig erscheinenden frauenpoliti-
schen Zeitschrift mitwirkte. Nach Kriegsende macht sich Siemsen bis
zu ihrem Tod 1951 weiterhin als Sozialdemokratin speziell für die Bil-
dungs- und Jugendarbeit sowie für die europäische Einigung stark.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Lily Braun, *2.7.1865, die Frauenrechtlerin und Autorin setzte sich für
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und engagierte sich so
als eine der führenden Persönlichkeiten der damaligen Frauenbewe-
gung von 1887 bis 1890 in Münster für dieses Ziel. Auch verfasste sie
mehrfach Artikel für die Zeitschrift „Frauenbewegung“, nachdem sie
sich bereits in Jugendjahren kritisch mit sozialer Ungerechtigkeit und
der Ungleichstellung der Frau in der deutschen Adelsgesellschaft
auseinandergesetzt hatte. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1917 setzte sie
sich zudem als Mitbegründerin des „Bundes für Mutterschutz“ für bes-
sere Arbeitsbedingungen für Frauen und Mütter ein und gilt als wich-
tige Figur der frühen Frauenemanzipationsbewegung des Kaiserrei-
ches.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Marianne Kirchgässner, *5.6.1769, die blinde Glasharmonikaspielerin
und Pianistin war im 18. Jahrhundert mit ihrem musikalischen Können
in ganz Europa bekannt. In Münster gastierte sie zwischen 1791 und
1793. Kirchgässner war die erste Instrumentalistin, die mehr als neun
Jahre ohne Unterbrechung mit ihrer Musik durch Europa tourte und
gilt nicht nur auf Grund ihrer hochmusikalischen Spielart als Pionierin
der weiblichen Musikerinnen der damaligen Zeit.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Anna Lucas, *unbekannt, die Schriftstellerin war in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts Inhaberin der traditionsreichen Regenberg-
schen Buchhandlung, einem Münsteraner Buchhandelsunternehmen,
welches u.a. einen Verlag, eine Druckerei und eine Buchhandlung
umfasste. In den 1920er Jahren initiierte sie den ersten Jugend- und

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Hanne Nüte-Kämmerer

Gisela Naunin

Alexandrine von Taxis

Johanna van Hal,
Schwester Laudeberta

Frauenbuchladen in Münster. Hiermit förderte sie bis zu ihrem Tod
nicht nur maßgeblich die Präsenz von Frauen im Bereich von Buch-
handel und Verlagswesen, sondern bot literaturinteressierten Frauen
in Münster mit ihrem Frauenbuchladen eine wichtige öffentliche An-
laufstelle.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Hanne Nüte-Kämmerer, *6.5.1903, die sächsische Textilkünstlerin ist
besonders für ihre Stoffentwürfe und den Entwurf des sogenannten
„Hähnchenmusters“ auch außerhalb von Deutschland bekannt. Nüte-
Kämmerer begann 1929 ihre Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule
Münster und wurde 1955 zur Professorin der Kunstschule ernannt.
Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr künstlerisches Schaffen,
u.a. 1973 das Verdienstkreuz 1. Klasse, und auch ihre Kunstwerke
sind seit ihrem Ableben 1981 in zahlreichen Museen wie dem Müns-
terschen LWL Museum ausgestellt.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Dr. Gisela Naunin, *16.9.1904, als Juristin und aktive Vorsitzende so-
wie Ehrenpräsidentin des Deutschen Frauenrings setzte sie sich in
den 1950er Jahren dafür ein, dass das Letztentscheidungsrecht im
Streitfall in einer Familie nicht mehr einzig beim Vater liegt. Auch im
Rahmen ihres Jura-Studiums an der Münsterschen Universität enga-
gierte sie sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der
Bundesrepublik. Sie erhielt bereits zu Lebzeiten in ihrer Wahlheimat
Münster diverse Auszeichnungen für ihren unermüdlichen Einsatz für
die Frauenrechte, wie 1996 die Paulusplakette der Stadt Münster. Bis
zu ihrem Tod 2002 lebte sie hier mit ihrem Ehemann und setzte sich
für Chancengleichheit von Männern und Frauen ein.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Alexandrine von Taxis, *1589, gilt als einzige weibliche Generalpost-
meisterin in der Geschichte der Kaiserlichen Reichspost. Sie hat wäh-
rend ihrer Amtszeit durch die Einrichtung von Postkursen nach Müns-
ter und Osnabrück dafür gesorgt, dass die Dokumente zum Ab-
schluss des Westfälischen Friedens 1648 an beide Orte versandt und
wenige Jahre später schließlich unterzeichnet werdend konnten.
Nachdem ihr Ehemann Leonhard von Taxis verstorben war, über-
nahm sie stellvertretend bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Soh-
nes das Amt des Generalpostmeisters. Bis zur Ernennung ihres Soh-
nes zum neuen Generalpostmeister im Jahr 1646 erweiterte sie konti-
nuierlich das Einflussgebiet der Kaiserlichen Reichspost u.a. durch
Ausbau der Postroute in die Hafenstadt Calais zugunsten des Post-
verkehrs mit England und setzte sich für die Aufrechterhaltung der
damaligen Kommunikationswege ein.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Johanna van Hal, *unbekannt, Ordensschwester und Krankenpflege-
rin, war während der NS-Zeit im Zuge ihrer Tätigkeit in der Münster-
schen Provinzheilanstalt „Marienthal“ unmittelbar mit den Euthanasie-
Verbrechen des Nationalsozialismus konfrontiert. Sie entschied sich,
Widerstand zu leisten und die menschenverachtenden Taten zu be-
hindern bzw. publik zu machen. So ist es ihr zu verdanken, dass der
damalige Bischof von Galen von den Krankentransporten erfuhr und

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Waltraut Seitter

Mathilde Grönhoff

Katharina Dume

Maria Alberti

Nerina Erman

sich öffentlich gegen die Morde aussprach. Im Sommer 1941 ver-
sorgte sie ihn regelmäßig mit Informationen über die nationalsozialis-
tischen Euthanasie-Verbrechen, was wiederum von Galen zu seiner
berühmten „Euthanasie“-Predigt vom 3. August 1941 veranlasste.
Neben diesem ‚stillen Protest‘ ging Schwester Laudeberta auch aktiv
gegen die Maßnahmen der Nationalsozialisten vor und riet so u.a.
Verwandten, die ihre Angehörigen in der Heilanstalt besuchten, diese
zu ihrem eigenen Schutz aus der Heilanstalt zu entlassen. Als sie am
6. September 1971 verstarb, gerieten ihre Taten in Vergessenheit
und sind bis heute kaum bekannt.

Quelle: SPD-Ratsantrag Nr.: A-R/0019/2019 vom 26.03.2019

Waltraut Seitter (1930-2007) war die erste Lehrstuhlinhaberin für Ast-
ronomie in Deutschland. Sie studierte in den USA und wurde nach
beruflichen Stationen u.a. in Bonn und Nashville zur Professorin und
Direktorin des Astronomischen Instituts der Uni Münster ernannt. Sie
war die erste Frau, die in Deutschland einen Lehrstuhl für Astronomie
innehatte. In Münster organisierte sie u.a. internationale Tagungen.
Ein Asteroid wurde bereits 1986 nach ihr benannt.

Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019

Die Ratsfrauen Mathilde Grönhoöff und Katharina Dume könnten die
Reihe der bereits durch Straßenbenennungen geehrten Ratsfrauen
seit 1919 ergänzen. Sie waren beide politisch und karitativ engagiert.

Weiteres bei Roswitha Link, „Mit ihrem sozial warm empfindenden

Herzen“. Die ersten Frauen in Münsters Stadtverordnetenkollegium
1919-1924, in: Arbeitskreis Frauengeschichte (Hg.) Frauenleben in
Münster: ein historisches Lesebuch, Münster 1991, S. 34-67

Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019

Die Ratsfrauen Mathilde Grönhoff und Katharina Dume könnten die
Reihe der bereits durch Straßenbenennungen geehrten Ratsfrauen
seit 1919 ergänzen. Sie waren beide politisch und karitativ engagiert.

Weiteres bei Roswitha Link, „Mit ihrem sozial warm empfindenden

Herzen“. Die ersten Frauen in Münsters Stadtverordnetenkollegium
1919-1924, in: Arbeitskreis Frauengeschichte (Hg.) Frauenleben in
Münster: ein historisches Lesebuch, Münster 1991, S. 34-67

Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019

Maria Alberti (1767-1811) war Malerin der Romantik und pflegte als
erste Oberin der Barmherzigen Schwestern in Münster z.B. während
einer Typhusepidemie in Münster kranke Menschen (Weiteres bei
Marion Böker, Malerinnen in Münster — ein Bild gewinnen, in: Arbeits-
kreis Frauengeschichte (Hg.) Frauenleben in Münster: ein histori-
sches Lesebuch, Münster 1991, S. 300-325, hier S. 306f

Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019

Nerina Erman (1874-1951) hatte italienische Wurzeln und zog 1902
nach Münster. Sie kämpfte für das Recht der Frauen, studieren zu
dürfen, und wurde 1912 Vorsitzende der Ortsgruppe des Frauen-
stimmrechtsverbands Nordwestdeutschland in Münster. Weiteres in:
Frauenbilder. Geschichte(n) aus Münster, Münster 2007, S. 41

Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019

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Mechthild Demel

Hedwig Kohn

Hertha Sponer

Henriette Son

Mechthild Demel (1924-2006) engagierte sich seit den 1960er Jahren
für die Friedensbewegung, führte seit 1983 jeden Freitag eine Mahn-
wache für Frieden vor der Lambertikirche durch und war unter ande-
rem jahrelang beim Friedensforum Münster, in der Flüchtlingshilfe
und bei der Bahnhofsmission aktiv. Sie erhielt 2000 die Münster-Na-
del.

Quelle: Stadtarchiv Münster, Philipp Erdmann, am 02.07.2019

Hedwig Kohn (1887-1964) war eine deutsche Physikerin. Sie gehörte
neben Lise Meitner und Hertha Sponer zu den einzigen drei Frauen,
die vor dem Zweiten Weltkrieg eine Habilitation in Physik erreichten.
Weil Immatrikulationen von Frauen nicht zugelassen waren, begann
sie 1906 als Gasthörerin an der Universität Breslau zu studieren. Sie
promovierte 1913 und arbeitete danach als Assistentin am Physikali-
schen Institut. Nach ihrer Habilitation wurde sie Privatdozentin an der
Universität. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurde ihr 1933 die
Lehrerlaubnis entzogen. Sie emigrierte in die Schweiz, konnte nach
USA auswandern und forschte und lehrte an amerikanischen Univer-
sitäten, ab 1952 auch an der Durham University of North Carolina, wo
zu der Zeit auch Hertha Sponer arbeitete.

Quelle im Internet: https://physik.cosmos-indirekt.de/Physik-
Schule/Hedwig Kohn \

Hertha Sponer (1895-1968) war eine deutsche Physikerin. Nach dem
Studium in Tübingen und Göttingen promovierte sie 1920 bei Peter
Debye (Über ultrarote Absorption zweiatomiger Gase). Von 1921 bis
1925 war sie Assistentin, 1925/26 ermöglichte ein Rockefeller-Stipen-
dium ihr einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Berkeley, Kalifor-
nien. Bis 1932 war Sponer Privatdozentin und danach bis 1934 au-
ßerordentliche Professorin in Göttingen. Sie war Mitarbeiterin des No-
belpreisträgers James Franck und arbeitete u.a. mit Edward Teller
zusammen. Die Arbeitsgruppe um Franck, der jüdischer Abstammung
war, wurde aufgelöst, nachdem dieser gegen die Rassenpolitik pro-
testiert hatte und am 17. April 1933 zurücktrat. Durch den Einfluss
von Robert Wichard Pohl hatte Sponer in Göttingen keine Chance
mehr, da dieser keine Frauen in akademischer Stellung duldete.
Nachdem die Universität ihre Stelle zum 1. Oktober 1934 kündigte,
gelang ihr die Emigration nach Oslo. Dort half ihr der ebenfalls emi-
grierte Mineraloge Viktor Moritz Goldschmidt. Von 1936 bis 1966 war
sie Professorin an der Duke University, Durham, North Carolina.
1946 heiratete Sponer James Franck. 1966 kehrte Sponer nach
Deutschland zurück. Hertha Sponer starb am 17. Februar 1968 in
den Wahrendorffschen Krankenanstalten, Ilten/Hannover. Nach ihr ist
auch der Hertha-Sponer-Preis benannt, der alljährlich an junge, wis-
senschaftlich erfolgreiche Physikerinnen vergeben wird.

Quelle im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Hertha_Sponer

Henriette Son (1909-1992) war eine Studentin der Zahnmedizin an
der Universität Münster. Sie konnte ihr Studium wegen ihrer jüdi-
schen Abstammung nicht abschließen, floh vor dem Nationalsozialis-.
mus in die Niederlande und lebte dort untergetaucht in der Illegalität.
Nach Kriegsende kämpfte sie, die jahrelang in schwierigsten wirt-
schaftlichen Verhältnissen leben musste, über viele Jahre um eine
zumindest finanzielle Wiedergutmachung für das erlittene Leid. Hen-
riette Son ist 1992 in Amsterdam verstorben.

6von7

Hedwig Montag

Rahel Hirsch

Hildegard Graf

Emilie Koch

Charlotte Schmitt

Anne Frank

Quelle und weitere Angaben in: Bernd Hammerschmidt, Angelika
Pries und Marietta Hanekamp, flurgespräche, eine Gemeinschaftsak-
tion der WWU Münster und der Fachhochschule Münster, Gedenk-
blatt für Henriette Son,
http://www.flurgespraeche.de/wp-content/uploads/2017/04/Gedenk-
blatt _Son-Henriette.pdf

Hedwig Montag, *9.3.1889, die erste Frau, die an der Universität
Münster die Höhere Lehramtsprüfung ablegte. Nach bestandenem
Lehrerinnenexamen gelangte sie über den in Preußen möglichen
"vierten Weg" an die Universität. Sie wurde am 9.3.1889 in Hildes-
heim geboren, war katholisch und ledig. Vom Sommersemester 1910
bis zum Sommersemester 1913 studierte sie Alte und Neue Philolo-
gie und Geschichte in Münster. Im Februar 1914 legte sie hier ihre
höhere Lehramtsprüfung ab. Nach ihrem Studium arbeitete Hedwig
Montag als Studienrätin in Siegburg, wo sie vom 22.04.1915 bis zum
08.04.1916 gemeldet war. Danach verzog sie nach Gelsenkirchen.

Vorschlag einer Bürgerin, Näheres im Internet:
https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/

Rahel Hirsch, *15.9.1870 in Frankfurt, 6.10.1953 in London war eine
deutsche Ärztin. Sie war 1913 die erste Frau, die in Preußen zur Pro-
fessorin der Medizin ernannt wurde. Bis 1938 forschte und lehte sie
an der Berliner Charite tätig und musste wegen ihrer jüdischen Ab-
stammung 1938 emigrieren. Sie lebte bis 1953 in England.

Nähere Information im Internet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rahel Hirsch

Hildegard Graf *04.11.1929 }01.01.2000, Dipl.rer.pol., Ratsmitglied
von 1961 bis 1999, Bürgermeisterin 1994-99

Vorschlag vom CDU-Kreisverband, 2015

Gründerin der „Evangelischen höheren Töchterschule“ in der Son-
nenstraße, Lehrerin an einer evangelischen Schule an der Georgs-
kommende.

Vorschlag der AMF - Arbeitsgemeinschaft Münsterischer Frauenorga-
nisationen, 2006 und Antrag der CDU-Fraktion in der BV West Nr. A-
W/0004/2019

Charlotte Schmitt, *05.09.1909 in Münster, } 26.08.1997 in Berlin,
Richterin am Bundesvenwaltungsgericht in Berlin, ab 1958 Senatsprä-
sidentin

Vorschlag von zwei Bürgerinnen, 2001

Anne Frank *12.6.1929 $März 1945 im KZ Bergen-Belsen, Anne
Frank gilt als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völker-
mordes in der Zeit des Nationalsozialismus.

Vorschlag eines Bürgers, 2018

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Originalantrag

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31. Januar 2021
An den Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks
Münster-West
Herrn Jörg Nathaus
Pantaleonplatz 7
48161 Münster
Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Henriette-Son-Straße
Die Bezirksvertretung möge beschließen:
1. Der Straßenname Apffelstaedtstraße wird aufgehoben. Diese Straße wird nach Henriette Sophie Son in
Henriette-Son-Straße umbenannt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Stadtwerken Münster Gespräche mit dem Ziel zu führen, die
bisherigen Haltestellen „Apffelstaedtstraße“ in „Henriette-Son-Straße“ umzubenennen.
3. Die Verwaltung wird gebeten, bis zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung West zu berichten, wie der
Bearbeitungsstand des Antrags A-W/0007/2020 der SPD-Fraktion ist und warum zum jetzigen Zeitpunkt
weder ein eigener Vorschlag der Verwaltung, noch eine Stellungnahme zu den Namen Hedwig Kohn und
Martha Sponer vorliegen (zur Prüfung während der Sitzung am 27 .02.2020 vorgeschlagen).
4. Die Verwaltung wird beauftragt, auch die Namen Hedwig Montag und Rahel Hirsch, die von Frau Martina
Apffelstaedt in einem Antrag gemäß § 24 GO vorgeschlagen wurden, auf ihre Eignung für zukünftige
Straßenbenennungen zu prüfen und das Ergebnis bis zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung West
vorzulegen.
Begründung:
1. Zum Vorschlag der Benennung nach Henriette Sophie Son
Der bisherige Namensgeber Max Apffelstaedt ist nach Erkenntnissen des Stadtarchivs Münster schon
kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, nämlich am 01.05.1933 der NSDAP beigetreten.
Er war ebenfalls Mitglied des nationalsozialistischen Verbands der Hochschullehrer und wurde 1937
durch den NSDAP-Kreisleiter Ernst Mierig zum Ratsherrn der Stadt Münster ernannt.
Er war somit in die nationalsozialistische Ideologie verstrickt und tief eingebunden in die
nationalsozialistischen Strukturen. Aus diesem Grunde erscheint die Erinnerung an Max Apffelstaedt als
nicht tragbar.
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Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Henriette-Son-Straße
Die Zahnärztin Henriette Sophie Son wurde 1909 in Wattenscheid geboren und lebte mit ihren Eltern in
Wattenscheid. Im Jahr 1911 zog die jüdische Familie nach Gronau, wo ihr Vater als Zahnarzt arbeitete.
Unmittelbar nach dem Abitur immatrikulierte sich Henriette Sophie Son an der Westfälischen
Wilhelms-Universität Münster und begann ein Studium der Zahnmedizin. Kurz vor ihrem Examen wurde
sie zwangsexmatrikuliert.
Unter Drohungen und den Protesten nationalsozialistischer Studierendenorganisationen legte sie nach
erneuter Immatrikulation ihr Examen ab, ausdrücklich ohne Erteilung einer Approbation aufgrund ihres
jüdischen Glaubens, so dass sie ihren Beruf im Deutschen Reich nicht ausüben konnte.
1935 zog Henriette Son in die Niederlande und musste dort erneut ein Studium der Zahnmedizin
absolvieren. Nach bestandener Examensprüfung erhielt sie 1939 ihre Approbation. Die Kapitulation der
Niederlande gegenüber dem Deutschen Reich führte dazu, dass sie ihren Beruf nur bis 1941 ausüben
konnte. Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, ging sie in den Untergrund und
überlebte die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Henriette Son ein Leben unter großen wirtschaftlichen
Entbehrungen führen. Die Geltendmachung und Realisierung von Entschädigungsansprüchen erwies sich
als sehr langwierig, ausgesprochen formalistisch und psychisch sehr belastend.
Henriette Sophie Son hat unter der nationalsozialistischen Ideologie gelitten, deren Anhänger und
exponierter Vertreter Max Apffelstaedt gewesen ist. Sie starb am 05.05.1992 in Amsterdam.
Um ihr, deren Schicksal exemplarisch für das vieler anderer jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger ist,
zu gedenken, erfolgt die Umbenennung dieser Straße.
2. Berichte über die Bearbeitungsstände verschiedener Vorlagen und Anträge in der Sache
Bereits vor einem Jahr wurde die nationalsozialistische Vergangenheit Max Apffelstaedts in der lokalen
Presse thematisiert. Die Notwendigkeit einer Umbenennung, dargestellt in der Anfrage der SPD
A-W/0007/2020, wurde von allen in der Bezirksvertretung damals vertretenen Fraktionen bejaht.
In diesem Zusammenhang wurden die Namen von Frau Hedwig Kohn und und Frau Martha Sponer
genannt, mit der Bitte an die Verwaltung, diese Namen zu prüfen. Sie sind, auch wenn dies immer nur ein
erster Ansatz sein kann, auf Wikipedia verzeichnet, so dass sich hier ein erster Einstiegspunkt für eine
tiefergehende Recherche ergibt.
– 2/3 –

Umbenennung der Apffelstaedtstraße in Henriette-Son-Straße
T atsächlich erfuhr die Bezirksvertretung West jedoch im weiteren Verlauf des Jahres nichts, was mögliche
Kandidatinnen für eine Benennung betraf. Inzwischen hatte sich Frau Martina Apffelstaedt, eine
Großnichte von Max Apffelstaedt, genötigt gesehen, selbst einen Antrag gem. § 24 GO zu stellen und
weitere geeignete Kandidatinnen, nämlich Hedwig Montag und Rahel Hirsch, für eine Umbenennung
herauszusuchen und in ihrem Antrag zu benennen.
Es muss an dieser Stelle betont werden, dass es in Münster weiterhin eine Vielzahl belasteter
Namensgeber*innen für Straßennamen gibt. Die Umbenennung verläuft in der Regel äußerst schleppend
und ist oft von emotional geführten Debatten begleitet. Gleichzeitig ist immer wieder von Seiten der
Stadt und der Universität geäußert worden, dass eine Aufarbeitung der nationalsozialistischen
Vergangenheit hohe Priorität genieße und auch aktiv betrieben wurde und werde. In dem Augenblick
jedoch, in dem es konkret wird und Konsequenzen folgen müssen, scheint von diesen Absichten nicht
mehr viel übrig zu sein.
Aus diesem Grund fordert die Bezirksvertretung an dieser Stelle eine Umbenennung, die aus ihren
eigenen Recherchen begründet ist, um zum einen ein weiteres Zeichen gegen den auch in diesen Zeiten
wieder aufflackernden Antisemitismus und Rassismus zu setzen, zum anderen mit dieser Benennung
einem weiteren Opfer der nationalsozialistischen Hetze mit Frau Henriette Son einen Namen und eine
Erinnerung zu geben, und auch der Familie von Frau Martina Apffelstaedt die Belastung zu nehmen.
Dennoch sind im Fortgang dieser Angelegenheit mehrere weitere Vorschläge gemacht worden, die die
Absichtserklärungen der Stadt und der Universität auch mit Leben füllen können. Daher sollen auch sie
dahingehend geprüft werden, ob sie bei weiteren Neu- und Umbenennungen im Stadtbezirk West,
insbesondere im Umfeld der medizinischen Institute, passend eingesetzt werden können.
Gezeichnet:
Für die Fraktion von Für die Fraktion der Für Für
Bündnis 90/Die Grünen/GAL SPD Volt Europa Die Linke
Anke Pallas Beate Kretzschmar Philip Maurice Jonas Freienhofer
Kai Bleker Stephan Brinktrine
Karina Kuschewski Alexander Bliefernich
Jörg Nathaus
Dr. Hedwig Wening
Josef Freitag
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Beratungsverlauf (1)

27.05.2021 Bezirksvertretung Münster-West
TOP 9.8 Antrag Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (2)

  • Henriette-Son-Straße
  • Westhoffstraße

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
A-W/0011/2021
Typ
Antrag an die BV West
Datum
01.02.2021
Erstellt
01.02.2021 08:52