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Beantwortung einer Anfrage der SPD-Fraktion betreffend "Corona-Virus: Digitale Kontaktnachverfolgung" AN/0139/2021

Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss) 0690/2021 vom 01.03.2021

Stand: Am 20.04.2021 im Gesundheitsausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.

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    Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle I/12 Vorlagen-Nummer 01.03.2021 0690/2021 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 02.03.2021 Wirtschaftsausschuss 15.04.2021 Digitalisierungsausschuss 19.04.2021 Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates Die Verwaltung wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten: 1. Welche digitalen Möglichkeiten nutzt die Stadt Köln, um die Nachverfolgung von Infektions- ketten durch die Mitarbeiter*innen des Gesundheitsamts besonders effektiv und entlastend zu gestalten, und sieht die Stadt in Köln Nachbesserungsbedarf, der durch eine der oben erwähn- ten Applikationen gedeckt werden könnte? Die Stadt Köln setzt aktuell - für Zwecke des Pandemiemanagements - die vom Amt für Informations- verarbeitung eigenentwickelte Lösung DiKOMA ein, die perspektivisch durch SORMAS-X abgelöst werden wird. Diese Anwendung stellt eine umfangreiche Sachbearbeitungslösung für die KollegInnen im Index- und Kontaktpersonenmanagement dar, ermöglicht die Interaktion mit Index- und Kontakt- personen über einen Portalzugang und ist mobilfähig. DiKOMA bietet verschiedene Automatismen und Selfservices, die nachweisbar zur Arbeitsentlastung im Gesundheitsamt führen und geführt ha- ben, indem die dortigen Prozesse optimal unterstützt werden. So führte z. B. die Einführung dieser Selfservices in 11/2020 dazu, dass eine Rückstandsbildung in der Nachverfolgung vermieden werden konnte und die Identifikation und Adressierung relevanter Kontaktpersonen, inkl. Zustellung der individuellen Quarantäneverfügung zu jeder Zeit innerhalb von 24 Stunden sichergestellt werden konnte. In der Praxis legen identifizierte Indexpersonen ihre Kon- taktpersonen selbständig und datenschutz- sowie IT-sicherheitskonform online an, Kontaktpersonen werden automatisiert über ihren Status informiert, und können ihre Quarantäneverfügung in einer hybriden Zustellung erhalten. Gleich zu Beginn wurde auch die Anbindung der zentralen städtischen Druckstraße vorgenommen, um die Sachbearbeitung im Gesundheitsamt von Basisarbeiten wie Ar- beitsplatzdruck und Versand zu entlasten. Zu weiteren Ausbauschritten im Gesamtprozess sh. auch Ausführungen zu Frage 3, 4 und 5. 2. Besteht ein Austausch zwischen anderen Gesundheitsämtern, z. B. der Nachbarstädte Bonn und Brühl, bezüglich des effektivsten Wegs zur Erfassung von Infektionsketten? Grundsätzlich wird ein Austausch, auch zu den IT-Themen in der Pandemie über den KDN – Dach- verband kommunaler IT-Dienstleister NRW geführt. Dort ist die gesamte kommunale Landschaft im Wege unmittelbarer oder mittelbarer Mitgliedschaften (z. B. über Zweckverbände) vertreten. Darüber hinaus bestehen direkte informelle Kontakte und Erfahrungsaustausche mit unterschiedlichen Kom- munen und überregionalen IT-Dienstleistern. Außerdem ist eine interkommunale Entwicklergemein- 2 schaft zu SORMAS geplant, die über den KDN organisiert ist (sh. auch Antwort zu Frage 5). Köln wird sich aktiv mit Entwicklungsressourcen in diese Gemeinschaft einbringen. Auch auf Ebene der Ge- sundheitsämter besteht untereinander eine informelle Vernetzung. 3. Welche Kosten würden entstehen, wenn die Stadt Köln für die Kultur- und Gastronomie- branche oder andere wirtschaftliche Bereiche kostenlose Software-Angebote zur Kontaktver- folgung bereitstellen würde? Aktuell existieren am Markt verschiedene kostenlose Angebote zur Kontaktnachverfolgung. Diese Lösungen dürfen aber nicht isoliert gesehen werden, sondern sind vielmehr ein notwendiger Baustein in einem digitalen Ende-zu-Ende-Kontaktmanagement. In der Konsequenz bedeutet das, dass diese Lösungen idealerweise in den Gesamtprozess integrierbar sein müssen, um Daten in den berechtig- ten Fällen medienbruch- und verzögerungsfrei an das Pandemiemanagementsystem bzw. das städti- sche Gesundheitsamt zu übergeben. Da die Landschaft aktuell durch vielfältige Apps für sämtliche Corona-Lebenslagen geprägt wird, er- scheint EINE Lösung, für die die Stadt Köln gewissermaßen einen „Anschluss- und Benutzungs- zwang“ vorgibt, nicht umsetzbar. Die Verwaltung erarbeitet deshalb aktuell im Rahmen einer Innova- tionspartnerschaft mit externen Startups eine Lösung, die die Integration verschiedenster Apps über eine „Datendrehscheibe“ in den digitalen Gesamtprozess vorsieht. Die Schnittstelle zum Pande- miemanagementsystem (perspektivisch SORMAS, sh. auch Antwort zu Frage 5) würde dann lediglich über dieses Mittlersystem bereitgestellt werden. Aufgrund des offenen Quellcodes würde allen inte- ressierten App-Anbietenden die Möglichkeit gegeben, sich an die „Datendrehscheibe“ anzubinden und auf diesem Weg ihre Lösung in den Gesamtprozess zu integrieren. Individuelle Aufwände für die Entwicklung und Pflege von Direktschnittstellen zu SORMAS würden mit dieser Lösung entfallen. Für das städtische Gesundheitsamt ergäbe sich der Mehrwert, diese „Da- tendrehscheibe“ als zentrales Dashboard für die Anforderung relevanter Kontaktdaten nutzen zu kön- nen, was die Komplexität in der Handhabung bzw. den Aufwand in der Nach- und Weiterverarbeitung gegenüber der Anbindung vieler Einzellösungen deutlich verringern würde. 4. Wie arbeitet die Stadt mit Startups in der Pandemie zusammen, um neue innovative Lösun- gen z. B. für das Gesundheitssystem, das Bildungswesen oder die Mobilität zu fördern? Die Stadt Köln hat im Kontext der Pandemiebewältigung durch den städtischen Corona-Krisenstab u.a. eine Expertengruppe Digitalisierung mit externer Beteiligung gebildet, an der auch verschiedene Startups aktiv beteiligt sind. Im Rahmen einer Innovationspartnerschaft werden aktuell Lösungsideen erarbeitet, bewertet und sollen einer gemeinsamen Erprobung und Umsetzung unter Beteiligung der Stadtgesellschaft zugeführt werden. Insbesondere der Aspekt des dezentralen Kontakt- und Besuchermanagements „vor Ort“, mit Lösun- gen unterschiedlicher Anbietenden bzw. Startups spielt aktuell eine hervorgehobene Rolle. Der in Antwort zu Frage 3 beschriebene Lösungsansatz hat das Potential, alle interessierte Anbietende mit ihren Lösungen sinnvoll zu integrieren und Lösungen nicht konkurrierend zu sehen. 5. Kennt die Stadtverwaltung SORMAS, und wenn nicht: Hat die Stadtverwaltung Kenntnisse dazu, wann das Land NRW die vernetzte Version allen Gesundheitsämtern anbieten möchte? Die Stadtverwaltung (Gesundheitsamt und Amt für Informationsverarbeitung) sind bezüglich SOR- MAS im engen Austausch mit MAGS, MWIDE, Städtetag, KDN sowie dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Gegenstand dieses Austauschs ist die Einführung der „vernetzten Version“ SORMAS-X. Das mit der Einführung verbundene Ziel einer bundesweiten Standardisierung des IT-gestützten Pan- demiemanagements wird von der Verwaltung begrüßt und befürwortet, allerdings ist die Situation in Köln und auch in einigen anderen Gesundheitsämtern differenziert zu betrachten. Unmittelbar zu Be- ginn der Pandemie wurde im städtischen Krisenstab die Notwendigkeit einer erweiterten IT- Unterstützung für den Bereich der Index- und Kontaktpersonennachverfolgung erkannt, dort be- schlossen und in der Folge durch das Amt für Informationsverarbeitung innerhalb sehr kurzer Zeit realisiert. Die Notwendigkeit zum damaligen Zeitpunkt auf eine Eigenentwicklung zu setzen, ergab sich neben dem hohen zeitlichen Druck, dem zu erwartenden starken Anstieg der Fallzahlen darüber 3 hinaus auch aus dem Umstand, dass am Markt noch kein Verfahren verfügbar war, welches den pro- zessualen und funktionalen Anforderungen im Gesundheitsamt entsprach. Mit DiKOMA wurde vom Amt für Informationsverarbeitung ein solches Verfahren in enger Abstimmung mit dem Gesundheits- amt entwickelt, stetig weiterentwickelt, sodass mittlerweile eine hohe dreistellige Anzahl von Einzelan- forderungen umgesetzt wurde. Die städtische Lösung wurde im letzten Jahr vom Robert-Koch-Institut in einem „Epidemiologischen Bulletin“1vorgestellt. In Q3/2020 wurden ergänzend auch sogenannte „Selfservices und Automatismen“ eingeführt, die einen erheblichen Beitrag dazu leisten konnten, die Kontaktnachverfolgung in Köln jederzeit gewähr- leisten zu können. So wurden seit Einführung der Selfservices bis heute rund 12.000 Kontaktperso- nen von ca. 4.000 Indexpersonen mit den notwendigen Stammdaten in Eigenregie angelegt. Durch diese Form der „Arbeitsteiligkeit“ konnte die Lastsituation im Gesundheitsamt deutlich ent- schärft werden und die Nachverfolgung durchgängig aufrechterhalten werden. Mit Blick auf den Ein- führungszeitpunkt von SORMAS bei der Stadt Köln sind allerdings noch wichtige funktionale Anrei- cherungen in SORMAS notwendig. Außerdem fordert die Stadt Köln (z. B. über den Städtetag und in Absprache mit anderen Kommunen) den Einführungszeitpunkt von SORMAS vom lokalen Infektions- geschehen, der damit verbundenen Arbeitslast im Gesundheitsamt, aber auch mit Blick auf notwendi- ge Prozessanpassungen und Schulungsnotwendigkeiten im Index- und Kontaktpersonenmanage- ment, selbst zu bestimmen. Die neue, die Gesundheitsämter vernetzende Version SORMAS-X soll den Kommunen sukzessive in einem Betriebsmodell beim ITZ-Bund zur Verfügung gestellt werden. Ein vorgezogener Umstieg auf die Vorgängerversion von SORMAS-X ergibt wegen des noch nicht integrierten Meldewesens keinen Sinn. Die mit SORMAS-X angestrebte Standardisierung, insbesondere durch neue Möglichkeiten digitaler und fallbezogener Kommunikation der Gesundheitsämter untereinander, sowie die verbesserten Mög- lichkeiten statistischer Auswertungen der Pandemieentwicklung über das lokale Infektionsgeschehen hinaus, sind ein deutlicher Mehrwert, allerdings sind in diesem Kontext auch die Anforderungen an SORMAS zu sehen, die sich aus den zuvor am Beispiel Köln beispielhaft beschriebenen „Mehrwert- funktionen“ lokal entstandener IT-Lösungen wie z. B. DiKOMA ergeben. Die Verträge für die Beauf- tragung der Bereitstellung von SORMAS befinden sich aktuell in der Schlusszeichnung durch die Stadt. Gez. i.V. Prof. Dr. Diemert für Dezernat I 1 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/23_20.pdf?__blob=publicationFile

Beratungsverlauf

  1. 15.04.2021

    Wirtschaftsausschuss

    TOP 15.5, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  2. 19.04.2021

    Digitalisierungsausschuss

    TOP 2.6, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  3. 20.04.2021 zuletzt

    Gesundheitsausschuss

    Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen

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