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Vorschau auf die Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen der Museen der Stadt Köln mit Ausnahme des Wallraf-RichartzMuseums & Fondation Corboud 2019

Mitteilung Ausschuss 0198/2021 vom 09.03.2021

Stand: Am 09.03.2021 im Ausschuss Kunst und Kultur beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.

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    Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 1 | 31 Inhalt Museum Ludwig 3 Russische Avantgarde 3 Wolfgang-Hahn-Preis 2020: Betye Saar 3 Wolfgang-Hahn-Preis 2021: Marcel Odenbach 4 Andy Warhol 4 Vor Ort. Fotogeschichten zur Migration 5 HIER und JETZT: Zusammen, Dafür und Dagegen 5 Der geteilte Picasso 6 Boaz Kaizman (1700 Jahre Jüdisches Leben) 6 Römisch-Germanisches Museum 7 Archäologische Landesausstellung 2021/22 7 Rautenstrauch - Joest - Museum 8 360 Grad-Projekt 8 Die Schatten der Dinge #1 8 RESIST! Die Kunst des Widerstands“ 8 Beyond (Outreach-Projekt) 9 Artist meets Archive #2: Yasmine Eid-Sabbagh 9 Invisible Inventories. Zur Kritik kenianischer Sammlungen in westlichen Museen 9 Liebe global 9 Gegenbilder 10 Eine Seele in Allem – Die Ainu, die Ainu Nordjapans 10 Museum für Angewandte Kunst 12 Danish Jewellery Box 12 WORK IN PROGRESS – How work affects life 12 Artist meets Archive: Rosangela Rennó 12 Hélène Binet / Gottfried Böhm 13 Museum für Ostasiatische Kunst 15 Brennpunkt Asien - Von der Europäischen Reisediplomatie zum Kolonialismus 15 Artist meets Archive 15 100 Ansichten des Mondes. Japanische Farbholzschnitte von Tsukioka Yoshitoshi 15 Museum Schnütgen 17 Franka Hörnschemeyer: Gipskartonfeuerschutz 17 Ausstellung: „Von Frauenhand. Mittelalterliche Handschriften aus Kölner Sammlungen“ 18 Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 2 | 31 Kölnisches Stadtmuseum 23 Sonderausstellung „Köln 1945. Alltag in Trümmern“ 23 Sonderausstellung „Alaaf auf Abstand“ (rein digital) 23 Tell me who you are (interaktive Online-Ausstellung in Köln) 24 NS-Dokumentationszentrum 26 Thessaloniki – Gespaltene Erinnerungen 1940-1950 26 Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust 26 Synagogen In Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion* 26 Die Cellistin von Auschwitz – Die Geschichte von Anita Lasker Wallfisch 27 Philibert & Fifi. Karikaturen und Zeichnungen eines französischen Zwangsarbeiters 27 Kunst- und Museumsbibliothek 28 Dorissa Lem – SOLITÄR 28 Künstlerbuchmesse EDITIONALE Köln 28 Castellibri, Künstlerbücher von Dietmar Pfister 28 Booklets-Ausstellung von Studierenden der Kunstakademie Münster, Kuratorin Nora Schattauer (Arbeitstitel) 29 SERGE CHAMCHINOV & ANNE ARC, JAZZBAND der KÜNSTLERBUCHER: Zum 100. Jahrestag von den Festen von Angst und Schmerz von Paul van Ostaijen 29 Rheinisches Bildarchiv 30 Artist meets Archive #2: Image Cycle - Philipp Goldbach 30 Chargesheimer fotografiert Jazz 30 Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 3 | 31 Museum Ludwig Russische Avantgarde Das Museum Ludwig hat dank der Sammlung von Peter und Irene Ludwig eine herausragende Sammlung Russischer Avantgarde. Gerade in dieser Kunstrichtung fanden immer wieder auch fragliche bzw. gefälschte Arbeiten den Weg in private und städtische Museumssammlungen. Das Museum Ludwig untersucht seit einigen Jahren seine Bestände der Russischen Avantgarde kunsthistorisch und kunsttechnologisch. Bereits 2009 und 2011 haben hierzu Ausstellungen z.B. zu Kasimir Malewitsch stattgefunden. Zielsetzung des Projekts ist es, fragliche Werke bei Abschreibung klar aus unserem Bestand ausscheiden zu können. In der Ausstellung werden Originale, ebenso wie Fälschungen und Bilder zu sehen sein, die falsch datiert oder falsch zugeschrieben wurden Es werden neben Bildern aus der Sammlung auch einige Leihgaben aus Sammlungen z.B. in St. Petersburg oder Thessaloniki zu sehen sein. Anhand von prägnanten Beispielen können sich die Besucher ein Bild von Provenienzrecherche und der Technik hinter der Kunst machen: Infrarot- und Röntgenbilder, Pigmentanalysen, Leinwanduntersuchungen oder was bedeutet ein ‚Marker‘ wie Titanweiss? Sisi privat. Die Fotoalben der Kaiserin Wie viele Frauen gehobener Stände, sammelte auch Elisabeth von Österreich-Ungarn, genannt Sisi, in den 1860er Jahren Porträtfotografien – es war en vogue. Das Museum Ludwig verwahrt achtzehn ihrer Alben mit ca 2.000 Fotografien im sogenannten Carte de Visite Format; dies sind auf Karton fixierte Fotografien im Format von circa 6 x 9 cm. Darauf zu sehen sind Adelige – viele Mitglieder von Elisabeths Familie –, Berühmtheiten und Kunstwerke. So kostbar die drei Schönheitenalben im Museum Ludwig gestaltet sind – etwa mit Amethysten, Messingbeschlägen, Goldschnitt, in Leder gebunden – so heterogen scheint auf den ersten Blick die Zusammenstellung. Wolfgang-Hahn-Preis 2020: Betye Saar Der Preis wird zur Erinnerung an den 1987 verstorbenen Kunstsammler Wolfgang Hahn verliehen, der sich weitsichtig und engagiert für die internationale zeitgenössische Kunst in Köln eingesetzt und zusammen mit Peter Ludwig wesentlich zum Weltruf der Stadt Köln als Kunstmetropole beigetragen hat. Der Kunstpreis fördert die Diskussion und die Unterstützung der Gegenwartskunst im institutionellen Rahmen des Museum Ludwig. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis werden Künstler ausgezeichnet, die sich durch ein konsequent entwickeltes Werk internationale Anerkennung erworben haben und noch nicht adäquat im Kölner Museum Ludwig vertreten sind. Der Wolfgang-Hahn-Preis ist kein Geldpreis, sondern ein Ankaufspreis mit dem ein bedeutendes Werk oder eine Werkgruppe des Preisträgers erworben wird, die als Dauerleihgabe dem Museum Ludwig zur Verfügung gestellt wird. Der Preis beinhaltet außerdem eine Präsentation im Museum Ludwig sowie eine Publikation. Das Gesamtbudget beträgt 100.000 Euro.1 Betye Irene Saar (geboren 30. Juli 1926 in Los Angeles, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Künstlerin, die für ihre Arbeiten mit der Technik der Assemblage bekannt ist. In den USA ist Saar eine Legende in der Welt der zeitgenössischen Kunst. Sie ist eine visuelle Erzählerin und versierte Grafikerin. In den 1970er Jahren zählte sie zu den Vertretern des Black Arts Movement. 1 Quelle: Kulturpreise.dewww.kulturpreise.de Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 4 | 31 Sie thematisierte von Anfang an die negativen Darstellungen von Afro-Amerikanern und die in den USA weitverbreitete rassistische Haltung gegenüber schwarzen Menschen.2 Wolfgang-Hahn-Preis 2021: Marcel Odenbach Der Preis wird zur Erinnerung an den 1987 verstorbenen Kunstsammler Wolfgang Hahn verliehen, der sich weitsichtig und engagiert für die internationale zeitgenössische Kunst in Köln eingesetzt und zusammen mit Peter Ludwig wesentlich zum Weltruf der Stadt Köln als Kunstmetropole beigetragen hat. Der Kunstpreis fördert die Diskussion und die Unterstützung der Gegenwartskunst im institutionellen Rahmen des Museum Ludwig. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis werden Künstler ausgezeichnet, die sich durch ein konsequent entwickeltes Werk internationale Anerkennung erworben haben und noch nicht adäquat im Kölner Museum Ludwig vertreten sind. Der Wolfgang-Hahn-Preis ist kein Geldpreis, sondern ein Ankaufspreis mit dem ein bedeutendes Werk oder eine Werkgruppe des Preisträgers erworben wird, die als Dauerleihgabe dem Museum Ludwig zur Verfügung gestellt wird. Der Preis beinhaltet außerdem eine Präsentation im Museum Ludwig sowie eine Publikation. Das Gesamtbudget beträgt 100.000 Euro. Marcel Odenbach (* 7. Juli 1953 in Köln) ist ein deutscher Videokünstler. Marcel Odenbach gehört mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch zu den drei international anerkanntesten deutschen Videokünstlern. Zusammen bildeten sie in den 1970er Jahren die Produzentengruppe ATV.3 Andy Warhol Dreißig Jahre nach seiner letzten Retrospektive in Köln stellt WARHOL NOW Andy Warhol als einen Künstler vor, dessen innovatives Schaffen gerade für eine junge Generation im Zeitalter von Migration und gesellschaftlicher Diversität neu zu entdecken ist. Andy Warhol (*1928 in Pittsburgh, †1987 in New York) hat mit seiner Persönlichkeit Menschen in seinen Bann gezogen und polarisiert, seine Kunst hat eine ganze Ära geprägt. Sein vielgestaltiges Werk hat die Grenzen von Malerei, Skulptur, Film und Musik neu definiert. Mehr noch als seine bewussten Flirts mit der Welt des Kommerz und der Celebrities machen ihn aus heutiger Sicht seine Parteinahmen für alternative Lebensentwürfe zum Ausnahmekünstler, der unvermindert neue Lesarten und Erkenntnisse zu offenbaren vermag. Die Ausstellung beleuchtet Warhols erweiterte künstlerische Praxis, wobei seine Bild gewordenen Campbell Suppendosen, Elvis Presley Doppelungen oder Farbvariationen eines Elektrischen Stuhls ebenso Beachtung finden wie die konzeptuellen Ambitionen, die seine Rolle in einer in Veränderung befindlichen kreativen und politischen Landschaft definieren. Mit seinem offenen Ende verweist Warhols Schaffen auf eine Periode kultureller Transformation, die seinem Werk auch aus heutiger Sicht hohe Aktualität verleiht. WARHOL NOW ist eine Kooperation des Museum Ludwig, Köln und der Tate Modern, London. Nach diesen beiden europäischen Stationen wird die Ausstellung 2021 in der Art Gallery of Ontario in Toronto sowie dem Dallas Museum of Art zu sehen sein. In Köln wird die groß angelegte Werkschau vom 10. Oktober 2020 bis zum 21 Februar 2021 mit einer Vielzahl künstlerischer Medien auf über 1200 qm präsentiert. Für das Museum Ludwig und seinen Stellenwert als eines der weltweit bedeutendsten Museen in Bezug auf Pop Art bildet die Andy Warhol Ausstellung einen weiteren folgerichtigen und wesentlichen Baustein seines Ausstellungsprogramms. 2 Quelle: Wikipedia.de 3 Quelle: Wikipedia.de Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 5 | 31 Vor Ort. Fotogeschichten zur Migration Fotografien von Köln und weiteren Städten im Rheinland aus der Zeit zwischen 1955 und 1989 machen den stetigen Wandel durch die Bewohner*innen sichtbar. Die kaum bekannten vielfältigen Geschichten von Arbeitsmigrant*innen stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Als Zeitzeug*innen geben sie in Interviews Auskunft. Was erzählen sie und ihre privaten Fotografien über die Stadt und wie sie durch ihre Einwanderung belebt wurde? Wie werden Straßen, Häuser, Geschäfte, Restaurants, Parks zu Trägern von Erinnerung, zum Teil der Stadtgeschichte? Und was bilden im Vergleich dazu die Stadtfotografien von Chargesheimer, Heinz Held, Candida Höfer und Ulrich Tillmann ab, die sich in der Sammlung des Museum Ludwig befinden? Jenseits der flüchtigen Erfahrungen des urbanen Lebens ermöglichen die Fotogeschichten von Migration die Erinnerung an die vielfältigen Möglichkeiten, sich in einer neuen Stadt zu verorten. Die Ausstellungsidee geht auf die Forschung der Architekturhistorikerin und Gastkuratorin Ela Kaçel zurück. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Arbeitsmigration im urbanen Raum in öffentlichen Fotografien zwischen 1955 und 1989 repräsentiert wird und wie sich Migrant*innen selbst als Stadtbewohner*innen fotografierten. Damit verbunden ist die Überlegung, dass mit diesen Privataufnahmen vielfältige Geschichten über das Ankommen in Köln und im Rheinland verbunden sind, die, obwohl Teil der Stadtgeschichte, bislang noch nicht darin eingegangen sind. Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation mit DOMID/ Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. Es wird durch Manuel Gogos und Aurora Rodonò kuratorisch beraten. HIER und JETZT: Zusammen, Dafür und Dagegen Die siebte Ausgabe der Ausstellungsreihe HIER UND JETZT im Museum Ludwig beschäftigt sich mit der Japanischen Avantgarde der 1960er Jahre aus einer heutigen Perspektive. Auf welche Entwicklungen der Nachkriegszeit reagierten Künstler*innen damals? Was motivierte ihre aufsehenerregenden öffentlichen Aktionen? Und wie beziehen sich heute zeitgenössische Künstler*innen auf diese historische Strömung? Die Japanische Avantgarde der Nachkriegszeit entstand im Anschluss an die Besatzung des Landes durch die US-amerikanische Armee (1945 bis 1952). Sie ist eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Umorientierung in dieser Zeit: Die Demokratisierung Japans unter dem finanziellen und politischen Einfluss der USA ging einher mit einem ökonomischen Wachstumsschub, sozialen Umwälzungen und einer kulturellen Neuverortung. Auf den Widerstand und Demonstrationen von Studierenden und Gewerkschaften antwortete die Polizei mit Gewalt. Parallel liefen auf offizieller Ebene die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokio 1964 und die Expo in Osaka 1970, die das Land innovativ und attraktiv darstellen sollten. Die Ausstellung präsentiert Fotografien von Aktionen und Performances verschiedener Künstler*innen-Kollektive der 1960er Jahre aus der Sammlung des Museums M+ in Hong Kong. Gleichzeitig entsteht durch die spontanen, humorvollen und teilweise radikalen Interventionen des Kollektivs Chim↑Pom (gegründet 2005 in Tokio) und aktuelle Arbeiten von Koki Tanaka (*1975) ein generationsübergreifender Dialog. Gruppen wie Neo Dada, Hi Red Center und Zero Dimension protestierten damals gegen die Stationierung der US-Armee in Japan, die Benachteiligung von Migrant*innen. Heute erkunden Chim↑Pom und Koki Tanaka Potenziale des Widerstands auf ihre Weise: Ihre Arbeiten befassen sich mit persönlichen Lebensentwürfen, Politik, Religion und Gemeinschaft, Armut und Repression bis hin zu Kriegserinnerungen und Fukushima. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 6 | 31 Der geteilte Picasso Picasso scheint zwei Persönlichkeiten zu haben, die sich einander völlig widersprechen. Für die einen ist er ein einsames Genie, ein Macho und Mythologe, für die andern ein Pazifist, Kommunist und Menschenfreund. Was verbinden wir mit dem berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts? Und was haben unsere Eltern und Großeltern mit ihm verbunden, in der Nachkriegszeit, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, als die Welt in zwei Lager geteilt war, die sich beide auf ihn beriefen? Picasso eignete sich als Galions- und Projektionsfigur für beide Systeme und in beiden deutschen Staaten. Der Kommunistischen Partei Frankreichs, in die er 1944 eingetreten war, hielt er zeit seines Lebens die Treue. Er unterstützte Friedenskongresse und soziale Bewegungen auf der ganzen Welt. Aber er lebte im Westen und ließ es zu, dass die bürgerliche Kritik ihn zum unpolitischen Genie, zum „Geheimnis Picasso“ stilisierte. Picasso war auf beiden Seiten der Mauer der Größte. Derselbe war er hier und dort nicht. Welche Werke wurden im Sozialismus, welche im Kapitalismus gezeigt? Wie wurde Picasso vermittelt? Sah der Westen die Kunst, der Osten die Politik? Was sah der Künstler selbst? Die Ausstellung unter-sucht das Bild, das sich hüben und drüben aus Picassos Bildern machen ließ. Sie rekonstruiert die Ausstellungen der Nachkriegszeit und dekonstruiert die Mythen. Einen Schwerpunkt bildet die Picasso-Sammlung von Peter und Irene Ludwig, noch heute eine der umfangreichsten. Teile davon wurden mehrfach in der DDR ausgestellt. Die Ausstellung ist nicht bloß historisch. Sie möchte einen Picasso zeigen, der in unserer Zeit des globalen Umbruchs, unserer noch immer geteilten Welt etwas zu sagen hat. Die politische Dimension der Werke und die Frage nach der sozialen Rolle von Kunst werden breiten Raum einnehmen. Zudem wurden zwei Werke in Auftrag gegeben: ein Film von Peter Nestler, der Picassos Wirken in Süd-frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg in die postmigrantische Gegenwart der Gemeinde Vallauris ein-bettet. Und eine Architektur von Eran Schaerf, die die Komplexität der Bezüge aufgreift. So wie Picasso Gegenstände multiperspektivisch gefasst hat, soll die Ausstellung erlauben, sein Werk und seine Wirkung von mehreren Seiten zugleich zu betrachten. Boaz Kaizman (1700 Jahre Jüdisches Leben) Aus Anlass des Festjahres „2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ beauftragt das Museum Ludwig den Künstler Boaz Kaizman eine große neue Arbeit zu entwickeln. Kaizman, geboren 1962 in Tel Aviv, lebt und arbeitet seit 1993 in Köln. Er hat ein medial vielfältiges und künstlerisch dichtes Werk geschaffen, dem das Museum Ludwig bereits seit längerem verbunden ist. In der Sammlung befindet sich beispielweise die Arbeit „Hannah Arendt – die Reise nach Jerusalem“ aus dem Jahr 2018, ein animiertes Video, das persönliche Erinnerungen und dokumentarisches Material zu drei zentralen Protagonist*innen des jüdisch-deutschen Diskurses zusammenführt (Hannah Arendt, Gershom Scholem, Benjamin Murmelstein). Für seine Ausstellung im Museum Ludwig erarbeitet Boaz Kaizman eine große Medieninstallation mit mehr als zwanzig unterschiedlichen Videos, die auf einer Fläche von rund 200 qm gezeigt wird. Sie lädt die Besucher*innen ein, sich individuell durch diese raumgreifende Inszenierung zu bewegen und dabei unterschiedliche Facetten dieses Werks zu entdecken. Sie alle erzählen davon, was jüdisches Leben gegenwärtig und in der Vergangenheit sein kann, in Köln und Tel Aviv. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 7 | 31 Römisch-Germanisches Museum Archäologische Landesausstellung 2021/22 Unter der Schirmherrschaft von Frau Ministerin Ina Scharrenbach, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes NRW, findet in den Jahren 2021/22 eine große Archäologische Landesausstellung statt. Die mit Landesmitteln in Höhe von ca. 2,5 Mio. Euro geförderte Ausstellung wird sich der römischen Epoche widmen. An fünf Standorten – Bonn, Haltern, Xanten, Detmold und Köln – werden unterschiedliche Themen museal erschlossen. Der Standort Köln ist für 2022 angesetzt. In Zusammenarbeit widmen sich das Römisch-Germanische Museum der Stadt Köln und das LVR-Jüdische Museum im Archäologischen Quartier der Urbanität des römischen Köln. Die Ausstellung wird im Sonderausstellungsbereich des Kulturzentrums am Neumarkt gezeigt. Zur Vorbereitung der Ausstellung fallen bereits in 2020 Aufwendungen an. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 8 | 31 Rautenstrauch - Joest - Museum 360 Grad-Projekt Das Rautenstrauch-Joest-Museum erhält aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes eine über vier Jahre laufende Förderung, um in den Jahren 2019 bis 2023 die Strukturen und Prozesse des Museums zu modifizieren, den Wandel der Stadtgesellschaft zu reflektieren, die wachsende Diversität zu adaptieren, konstruktive Debatten anzuregen und das Museum für möglichst viele Bevölkerungsgruppen zu öffnen. Das Museum wird dahingehend seine Programmatik überarbeiten und neue Formate für die Vermittlung entwickeln und umsetzen. Dazu gehören insbesondere die Überarbeitung der Dauerausstellung, Ansprache neuer Zielgruppen und Vermittlung der Ergebnisse in neuen Veranstaltungs- und Ausstellungsformaten. Es handelt sich um ein wichtiges kulturpolitisches Projekt, welches den bereits eingeschlagenen Weg zu einer partizipativen Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit fördert und unterstützt. Die Schatten der Dinge #1 Sind Dinge einfach nur Dinge oder können sie auch als etwas anderes wahrgenommen werden? Millionen von Objekten aus Afrika, Ozeanien, Australien, Asien und Amerika, die seit dem 16. Jahrhundert, insbesondere während der Kolonialzeit, gesammelt wurden, werden in Europa aufbewahrt. Um sie drehen sich heute die Debatten über die Rolle ethnologischer Museen. Um nach Europa zu gelangen, haben die Dinge verschlungene Pfade zurückgelegt, sind von Ort zu Ort gezogen, wurden von einer zur nächsten Hand gereicht. Sie sind von einer Transportkiste in die nächste gelangt, haben sich von einem Regal in eine Ausstellungsvitrine fortbewegt und sind seitdem „Museumsobjekte“ mit einer Inventarnummer geworden. Das ist das Schicksal dieser Dinge, die einst, bevor sie in ein Museumsobjekt verwandelt wurden, tanzten, jemanden schmückten, Krankheiten heilten, mit den Toten kommunizierten oder einfach nur dem täglichen Gebrauch dienten. Sie sind nun Fragmente, Überbleibsel von persönlichen und kollektiven, lokalen und globalen, vergessenen, verdrängten und verflochtenen Geschehnissen. Das Museum startet eine neue Ausstellungsreihe: „...der Dinge#“. Im ersten Teil „Die Schatten der Dinge#1“ kommen vier Objekte mit besonderer Biografie aus Kambodscha, Kanada, Neuseeland und Nigeria zu Wort. Die Ausstellungsinstallation nähert sich ihren Geschichten, ihrer Präsenz oder Abwesenheit und ihrem Nachleben heute und lädt die Besucherinnen und Besucher ein, die Biografien dieser vier Objekte zu ergründen und sie auf neue Weise wahrzunehmen. Inspiriert von der Sammlung des RJM und den aktuellen Debatten, bringen die Fotografin Sara-Lena Maierhofer und die Filmemacherin Clara Wieck eine künstlerische Perspektive in die Ausstellung ein. In den nächsten Jahren wird die Reihe „...der Dinge#“ von Kuratorinnen und Kuratoren aus der ganzen Welt, aus verschiedenen Disziplinen und mit unterschiedlichsten Beziehungen zu der Sammlung des RJM weitergeführt. RESIST! Die Kunst des Widerstands“ Als kaleidoskopische Präsentation und transversale Erzählung konzipiert, überblendet die Ausstellung verschiedene Zeitlichkeiten und Topographien des kolonialen und postkolonialen Widerstands, die u. a. in zahlreichen Facetten der Kunst sichtbar werden. Die Ausstellung ist ein Kaleidoskop von unterschiedlichen Erfahrungen, Erlebnissen, Stimmungen, Ausdrücken und Emotionen. Sie erzählt globale und lokale Geschichten, präsentiert kollektive sowie persönliche Geschichten, die Geschichten von wichtigen großen Widerstandsheld/innen und Aktionen, aber auch die vielen kleinen Geschichten von passivem/stillem Widerstand und Protest in der Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 9 | 31 Vergangenheit und Gegenwart. Der Kern dieser Ausstellung ist dem kolonialen Widerstand in den ehemaligen kolonisierten Ländern gewidmet, um einem wenig bekannten Teil der Geschichte einen Platz zu geben. Anstatt über die Kolonialgeschichte im Allgemeinen zu sprechen, wird das Museum versuchen, persönliche Aktionen und Geschichten des Widerstands, die manchmal still oder diskret sind, aber im kollektiven Bewusstsein der Kolonisierten geblieben sind, eine Stimme zu geben. Beyond (Outreach-Projekt) „Beyond“ ist ursprünglich ein gemeinschaftlich organisiertes Fotografie-Magazin im Zeitungsformat. Zur dritten Ausgabe 2020 wird es während des Internationalen Photoszene – Festivals in Köln erstmalig zeitgleich eine Publikation, einen Künstleraustausch sowie eine Ausstellung mit Rahmenprogramm geben. Beyond III wird sich kritisch mit unserer allgegenwärtigen postkolonialen Gegenwart und der damit verbundenen Bilderwelt auseinandersetzen. Dafür lädt die Initiative Fotograf/innen aus Westeuropa und Afrika zu einem Austausch ein, die sich in ihrer Fotografie auf unterschiedliche Weise mit dem postkolonialen Bild der Gegenwart in Europa und Afrika beschäftigen. Beyond gastiert am RJM in Form ausgewählter Positionen und eines gemeinsam organsierten Begleitprogramms. Artist meets Archive #2: Yasmine Eid-Sabbagh Bereits zum zweiten Mal lädt das RJM und die Photoszene Köln ein/e internationale Künstler/in ein, um im Rahmen des Stipendienprogramms Artist meets Archive in und mit der Fotografischen Sammlung des Museums zu arbeiten und eine Ausstellung zum Photoszenefestival 2021 entwickeln. Die Artist Meets Archive-Residency ist das zentrale Programm der Photoszene- Festivals 2020/2021, mit dem die bedeutende Vielfalt und Qualität der Fotografie in den Sammlungen und Archiven der Stadt durch den Austausch mit internationalen Künstlern sichtbar gemacht wird. Invisible Inventories. Zur Kritik kenianischer Sammlungen in westlichen Museen Im International Inventories Programme (IIP) arbeitet das RJM gemeinsam mit dem kenianischen Nationalmuseum in Nairobi, dem Goethe Institut Nairobi, dem kenianischen Künstler/innenkollektiv NEST und dem europäischen Künstler/innenkollektiv SHIFT an der Erstellung eines Inventars kenianischer Kulturgüter in Museen und Institutionen weltweit und setzt sich mit der Kolonialgeschichte auseinander. 2021 werden die wissenschaftlichen und künstlerischen Ergebnisse dieses Dialogs – mit Schwerpunkt auf der rund 80 Objekte umfassenden Kenia-Sammlung des RJM – im Rahmen einer Ausstellungen in Köln präsentiert (vorab schon 2020 in Nairobi). Liebe global Was bedeutet Liebe für wen, warum und wie? Und was bedeutet Liebe zu Zeiten von Corona? Wie überlebt die Liebe weltweit das Social Distancing? Wie kann sie gelebt werden? Was sind die großen Gefühle der Liebe und des erotischen Begehrens? Wie leben Kinder Liebe, wie Teenager, wie junge und alte Erwachsene? Unterschiedlichste Perspektiven und Liebes-Modelle werden in dem Ausstellungsprojekt gesellschaftspolitisch, religiös, wissenschaftlich und künstlerisch reflektiert. Von Köln ausgehend wird die Ausstellung Liebesrituale und multiperspektivische Verständnisebenen der Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 10 | 31 Phänomene von Liebe und Begehren weltweit mit ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden thematisieren, wobei sie insbesondere auch auf die Entwicklungen der vergangenen und kommenden Monate der Corona Krise eingehen wird. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit lokalen und globalen Akteurinnen und Akteuren. Begleitet wird das Ausstellungsprojekt durch einen international und interdisziplinär zusammengesetzten Beirat. Gegenbilder Wo es Worte gibt, gibt es auch Widerworte. Wo Erzählungen gesponnen werden, ergeben sich Gegen-Narrative. Und so gibt es selbstverständlich zu bildlichen Aussagen immer auch Gegen- Bilder. Bilder, die in Form und Inhalt auf andere Bilder reagieren, indem sie sie in Frage stellen, ihnen widersprechen oder aber marginalisiert beziehungsweise gar nicht gezeigt wurden. In der Ausstellungsreihe GEGENBILDER | COUNTER IMAGES widmet sich das RJM bildlichen Gegenentwürfen zu gesellschaftlich und politisch konstituierten Blickregimen und abweichenden Bildpraktiken. Unbedingte Objektivität und Authentizität in der Abbildung von Gegenständen, Personen und Situationen versprach das Medium Fotografie bei seiner Entwicklung. Doch Bilder beding(t)en schon immer auch eine wesentliche Steuerung von Sehweisen und können Stereotype produzieren. Mit der Ausstellungsreihe möchte das RJM Gegenpositionen – historisch wie zeitgenössisch – aufzeigen, um Stereotype und damit gleichsam Ungleichheiten in Frage zu stellen. Gezeigt werden Bilder, die bislang entweder marginalisiert in Archiven schlummerten oder aber aktiv als visuelles Werkzeug für Empowerment und Selbstermächtigung dienten bzw. dienen können. Sie finden an verschiedenen Stellen in der Dauerausstellung des Museums ihren Platz und treten in Dialog mit der Umgebung und den Besucher/innen. Die erste Ausstellung dieser Reihe wird parallel zum Ausstellungsprojekt Resist! zu sehen sein. Sie dient gleichermaßen als Einführung und als Ausblick auf die weiteren geplanten Themen. Eine Seele in Allem – Die Ainu, die Ainu Nordjapans Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt besitzt eine außergewöhnliche Sammlung von Objekten der Ainu-Gruppen Nordjapans aus dem späten 19. Jh. Teilweise wurden sie von Wilhelm Joest auf seiner Reise nach Hokkaidō im Jahr 1881 erworben. Der etwa 300 Objekte umfassende Bestand setzt sich aus Alltagsgegenständen und rituellen Objekten zusammen und wird von 100 historischen Fotografien des polnischen Fotografen Bronisław Piłsudski ergänzt. Im Herbst 2019 besuchten Vertreter*innen des in 2020 neu eröffneten National Ainu Museums aus Hokkaidō das Rautenstrauch-Joest-Museum. Gemeinsam wurde die Sammlung des Museums wissenschaftlich eingeordnet und eine wertvolle Kooperation entstand, die sich als vertrauensvolles Miteinander versteht, Verantwortung für die weitere Aufarbeitung und dem Umgang mit den verschiedenen Objektgruppen zu übernehmen. Die Gruppen der Ainu gelten als die indigenen Bewohner*innen Nordjapans. Es handelt sich ursprünglich um Jäger-Sammler-Gemeinschaften, die überwiegend in festen Siedlungen an den Flussläufen der Inseln Hokkaidō und Sachalin lebten und Handel mit den Bewohner*innen der Insel Honshū betrieben. Ab Mitte des 19. Jahrhundert wurden sie von Japan kolonisiert, umgesiedelt und ausgebeutet. Sie mussten ihre Traditionen ablegen, durften ihre Sprache nicht mehr sprechen und wurden zu Zwangsarbeit gezwungen. Infolgedessen haben sich diese Gruppen im Laufe der Jahrzehnte weitestgehend assimiliert. In den späten 1960er Jahren begann jedoch eine Rückbesinnung auf ihre Traditionen und eine Revitalisierungsbewegung entstand, die 2008 zur Anerkennung als indigene Gruppe und 2019 zu deren gesetzlicher Implementierung seitens der japanischen Regierung führte. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 11 | 31 Bei den Ainu wurden traditionell Geschichten von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Das Storytelling besteht aus einer Vielfalt von Geschichten – Geschichten, die von Abenteuern handeln oder von Göttern in Tiergestalt, Geschichten über historische Begebenheiten und die Erfahrungen der Alten. Viele beinhalten Wissen über das (Über-)Leben im Einklang mit der Natur. Sie zu erzählen dient der Ansprache von Emotionen und Erfahrungen, dem Erwecken von Erinnerungen und ist elementar für die Identitätsfindung und Weitergabe von Wissen. Die Ausstellung schafft eine Öffentlichkeit für eine Vielzahl von Repräsentant*innen, ihre Geschichten zu erzählen und sie auf ihrem Weg zur Anerkennung zu unterstützen: Aktivist*innen, Sprachlehrer*innen, Künstler*innen, Kurator*innen, Jurist*innen und Politiker*innen. Die Sammlung dient dabei als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart; thematisiert werden der politische Widerstand, die Bedeutung von Sprache und Oratur und die Wiederbelebung von Traditionen und künstlerischem Schaffen. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 12 | 31 Museum für Angewandte Kunst Danish Jewellery Box Schmuck als eigenständige Kunstform blickt in Dänemark auf eine lange Tradition zurück. Ausgehend von den Einflüssen der Arts & Craft-Bewegung um 1900 entwickelte sich seit den 1930er-Jahren in Dänemark eine eigenständige Formensprache, die durch einen schlichten und gleichzeitig ausdruckstarken Minimalismus geprägt war, der bis heute als Markenzeichen für dänische Schmuckkunst gilt. Zeitgenössisches Schmuckdesign made in Denmark ist aber viel mehr. Denn es reflektiert und interpretiert eigenständig die jeweilige Epoche vor dem Hintergrund kultureller, ästhetischer und gesellschaftlicher Fragestellungen. Die Ausstellung im MAKK bietet einen eindrucksvollen Einblick in 50 Jahre zeitgenössisches Schmuckdesign aus Dänemark. „Jewellery Box“ ist eine Initiative der Danish Arts Foundation, die dem Kultusministerium untersteht und seit 1978 durch Ankäufe eine Schmucksammlung von rund 300 Objekten aufgebaut hat. Das besondere dieser Sammlung ist, dass die Schmuckstücke von Däninnen und Dänen für offizielle Anlässe ausgeliehen werden können, mit dem Ziel diese als „tragbare Skulpturen“ in der Öffentlichkeit zu präsentieren und somit die dänische Schmuckkunst zu stärken. Bei der Ausstellung „Jewellery Box“ handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Danisch Arts Foundation mit dem MAKK, dessen Schmucksammlung zu den bedeutendsten in Deutschland zählt. Die Kölner Sammlung umfasst mehr als 1500 Objekte aus einem Zeitraum von 5000 Jahren Schmuckkunst. Exklusiv für die Show im MAKK haben die dänische Schmuckdesignerin Mette Saabye und Petra Hesse (MAKK) auf der Basis von rund 200 ausgewählten Arbeiten ein Konzept entwickelt, das bewusst mit Gegenüberstellungen wie „Körper und Schmuck“, „Tradition und Innovation“, „Humor und Sarkasmus“ oder „Identität und Diversität“ spielt und damit einen spannenden und ungewohnten Zugang in die Vielschichtigkeit und die Entwicklung des dänischen Schmuckdesigns schafft. Zusätzlich sind rund 30 Beispiele aus der Sammlung des MAKK als dialogischer Diskurs in die Ausstellung integriert. WORK IN PROGRESS – How work affects life Mit dem Ausstellungsprojekt WORK IN PROGRESS unter der Leitung von Designer und Professor Stefan Diez hinterfragen Studierende der Abteilung Industriedesign der Universität für angewandte Kunst Wien die aktuellen Bedeutungen und Herausforderungen von Arbeit aus der Perspektive einer Generation. Mittels Möbeln, Geräten, Systemen, Kleidung und Objekten hinterfragen die Studierenden die heutigen Arbeitswelten mit ihrer Kultur der ständigen Verfügbarkeit, schwindenden Grenzen zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit, Homeoffice oder weltweit verteilten Teams. Über einen Zeitraum von zwei Semestern entstanden Projekte, die unser Verständnis von Arbeit in Frage stellen sollen. Initiiert von Stefan Diez und kuratiert von Matylda Krzykowski werden 20 Arbeiten erstmalig präsentiert. Artist meets Archive: Rosangela Rennó Bei dem Ausstellungsprojekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit der Internationalen Photoszene Köln mit dem Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv. Das MAKK fungiert als Ausstellungsort. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 13 | 31 Rosângela Rennó (* 1962 in Belo Horizonte) lebt und arbeitet in Rio de Janeiro/ Brasilien. Rennó studierte Bildende Kunst und Architektur an der Guignard University of Art of Minas Gerais in Belo Horizonte. Sie promovierte an der School of Communications and Arts in São Paulo. Die Arbeit der brasilianischen Künstlerin Rôsangela Rennó ist geprägt durch den Umgang mit ausrangierten Bildern, die sie auf Flohmärkten auf der ganzen Welt findet, oder vorgefundenem Bildmaterial aus privaten und öffentlichen Archiven oder Zeitungen. Rennó untersucht in ihrer langjährigen künstlerischen Arbeit die Beziehung zwischen Erinnerung und Vergessen. Dabei setzt sie sich kritisch mit der Vergangenheit Brasiliens auseinander und arbeitet investigativ verborgene Informationen aus den Bildern volkstümlicher Fotografiesammlungen heraus. Durch die Aneignung gefundener Bilder arbeitet sie gegen das Vergessen an. Im Fokus der Auseinandersetzung mit den Beständen des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs in Köln steht ihr Interesse für das Phänomen des „Eau de Cologne“, das sie anhand der Firmengeschichte von 4711 und Farina erforscht. Rosângela Rennó ist eingeladene AMA-Künstlerin in der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA). Das Residency-Programm Artist meets Archive (AMA) ist eine Initiative der Internationalen Photoszene Köln und ein Beitrag zu deren Festival. Hélène Binet / Gottfried Böhm Gottfried Böhm (geb. 1920) zählt zu den bedeutendsten und vielfältigsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Bauten, unter denen sich zahlreiche international gefeierte Architekturikonen befinden, prägte er mehr als ein halbes Jahrhundert maßgeblich den modernen Sakral- und Profanbau. Bezeichnend für Böhms Bauten sind deren skulpturaler Charakter sowie deren stringente und unmittelbare Materialität. Eine zentrale Rolle nehmen hierbei die Werkstoffe Beton, Glas und Stahl ein, inklusive der damit verbundenen neuen Technologien und Möglichkeiten der Umsetzung, die Böhm als Medium für eine innovativ und moderne Architektursprache nutzt. Unter den zahllosen von Gottfried Böhm realisierten Bauten sind alleine über 20 in Köln und Umgebung entstanden. Mit diesem immensen Schaffenswerk hat er einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag zur Baukultur und Stadtplanung in Köln und Region geleistet und durch seine markante Architektur stilprägende Setzungen im Stadtbild vorgenommen. Seine Leistung als Architekt wurde durch zahlreiche bedeutende internationale Preise und Auszeichnungen gewürdigt. Die größte Auszeichnung erhielt Gottfried Böhm mit der Verleihung des Pritzker-Preises (USA), der als Nobelpreis für Architekten gilt und seit 1979 jährlich nur an Architekten mit international beeindruckendem Renommé verliehen wird. Diesen Preis erhielt Böhm bereits 1986 als erster und bis heute einzig lebender deutscher Architekt. Denn die bisher zweite Verleihung an einen deutschen Architekten erfolgte posthum an Frei Otto (2015). Anlässlich des 100. Geburtstags Gottfried Böhms hat das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) die international renommierte Fotokünstlerin Hélène Binet eingeladen, ausgewählte Bauten des Kölner Architekten zu „porträtieren“. Im Vordergrund der Ausstellung im MAKK steht nicht die architekturgeschichtliche Aufarbeitung und Präsentation, sondern eine künstlerische Auseinandersetzung mit den bauten Böhms. Den exklusiv für die Ausstellung geschaffenen Fotografien Binets werden Zeichnungen von Gottfried Böhm gegenübergestellt. Hélène Binet ist eine Schweizer Fotokünstlerin, deren Arbeitsschwerpunkt auf dem Bereich der Architekturfotografie liegt. In den vergangenen Jahrzehnten arbeitete Binet weltweit mit den Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 14 | 31 bedeutendsten zeitgenössischen Architekten zusammen. Hierzu zählen u.a. David Chipperfield, Zaha Hadid, Coop Himmelb(l)au, Daniel Libeskind, Sauerbruch Hutton und Peter Zumthor. Darüber hinaus hat sie auch Bauten früherer Architekten wie Alvar Aalto, Le Corbusier, Andrea Palladio oder Rudolf Schwarz fotografiert. Basierend auf ihrem fundierten Architekturverständnis arbeitet Binet durch die Komposition von Licht, Schatten und Textur die charakteristischen Eigenschaften der Bauten heraus und bietet dem zeitgenössischen Betrachter gleichzeitig eine neue Sehperspektive. Für Ihren signifikanten Stil wurde Hélène Binet mit prestigewürdigen Preisen wie dem „Julius Shulman Institute Excellence in Photography Award“ (2015) und dem „Ada Louise Huxtable Pize“ (2018) ausgezeichnet. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 15 | 31 Museum für Ostasiatische Kunst Brennpunkt Asien - Von der Europäischen Reisediplomatie zum Kolonialismus Das MOK besitzt eine Sammlung kostbarer Bücher des 17. – 19. Jahrhunderts aus dem Nachlass des Stifters Hans-Wilhelm Siegel, Es handelt sich um Originale der illustrierten Reiseberichte von europäischen Jesuitenmissionaren und Kaufleuten, die China und Japan erkundeten. Außerdem werden Kunstobjekte ausgestellt (Porzellan, rubinrotes Glas, Malerei etc.) die zeigen, wie kreativ und für beide Seiten inspirierend diese Kontakte waren im Hinblick auf den geistigen und technologischen Austausch. Zum Beispiel orientierte sich die europäische Aufklärung an dem konfuzianischen Modell einer aus Prüfungen hervorgegangenen Beamtenschaft sowie allgemeiner Religionsfreiheit. Das 19. Jahrhundert steht seit den Opiumkriegen im Zeichen des Kolonialismus. China verliert seine territoriale Souveränität und wird in Interessensphären der Kolonialmächte aufgeteilt. Durch die „ungleichen Verträge“ eignen sich die Europäer Vertragshäfen an. Aus dieser Epoche zeigt das MOK Beispiele der typischen Exportmalerei im westlichen Stil, welche die Europäer als Souvenirs erwarben, Fotoalben in japanischem Lackeinband mit historischen Fotografien, Behänge aus englischem Uniformstoff mit chinesischen Stickereien etc. Im Kontrast dazu zeigt der japanische Teil der Ausstellung neben der kostbaren Reiseliteratur, Holzschnitte, Stellschirmmalerei und Lackobjekte, die auf die Ankunft der Portugiesen verweisen, oder aber später den Einfluss der Holländer spiegeln, die ihre Handelskontore auf der künstlichen Insel Dejima betreiben durften. Die Ausstellung basiert mit einer einzigen Ausnahme auf den Beständen des MOK, was geringere Kosten und größere terminliche Flexibilität ermöglicht. Hinzu kommt, dass durch das Projekt die kostbare europäische Reiseliteratur zu China und Japan wissenschaftlich aufgearbeitet und in der Bilddatenbank KEK verfügbar wird. Ich bitte, die Ausstellung im Kulturausschuss anzumelden. Artist meets Archive Es ist geplant, dass im Sommer/Herbst 2021 ein noch von der Internationalen Fotoszene Köln zu bestimmender Künstler für einige Tage im MOK arbeiten soll und sich dort insbesondere von den photographischen Archivmaterialien, veröffentlichten oder auch bisher noch im Archiv verborgenen, noch nicht aufgearbeiteten, inspirieren lassen soll und sich zu einer photographischen Arbeit anregen lassen soll. Diese Arbeiten werden dann im Laufe der folgenden Monate fertiggestellt und im Mai 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. 100 Ansichten des Mondes. Japanische Farbholzschnitte von Tsukioka Yoshitoshi Das Museum für Ostasiatische Kunst zeigt vom 18. September 2020 bis 31. Januar 2021 mit der Sonderausstellung „Hundert Ansichten des Mondes“ japanische Farbholzschnitte von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892). Die gleichnamige Serie gilt als das Meisterwerk des letzten großen Holzschnittkünstlers in der Tradition des Ukiyo-e (populäre Farbholzschnitte der Edo-Zeit). In Hundert Ansichten des Mondes werden die Geschichte und Mythologie des alten China und Japan lebendig. In allen 100 Drucken steht der Mond im Zentrum der Darstellung. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 16 | 31 Deutlich sichtbar als Bildmotiv oder in Gedichten über edle Prinzessinnen und militärische Eroberungen. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 17 | 31 Museum Schnütgen Franka Hörnschemeyer: Gipskartonfeuerschutz Franka Hörnschemeyer, Gipskartonfeuerschutz (1992) Textseiten Franka Hörnschemeyer, Gipskartonfeuerschutz (1992) Planseiten Franka Hörnschemeyer arbeitet künstlerisch mit architektonischen Elementen, ohne dabei funktionale Architekturen zu bauen. Ihre Werke bedienen sich modularer Bausteine wie Messebauwänden, Betonverschalungsformen, Betonfragmenten oder auch Karten und Plänen, oftmals aus kargen Materialien. Manchmal sind sie präzise ortbezogen, manchmal können sie ihre Wirkung an verschiedenen Orten entfalten, wie im Fall der Soundarbeit „Gipskartonfeuerschutz“ (2020) die auf dem gleichnamigen Künstlerbuch (1992) basiert. Ein Thema im Œuvre von Franka Hörnschemeyer besteht darin, zuvor unsichtbare oder nicht wahrgenommene Qualitäten von Räumen und Orten wahrnehmbar zu machen und intellektuell oder auch sinnlich zu reflektieren. Das Künstlerbuch „Gipskartonfeuerschutz“ (GKF) hat Hörnschemeyer aus Architektenplänen der 1960er bis 1990er Jahre u.a. für Wohnungen, Büros, Schulen, Krankenhäuser und Schlachthöfe zusammengestellt. Aus den auf den Plänen als Beschriftungen aufgetragenen Worten hat sie eine Auswahl getroffen, die den Text des Buches bilden. Losgelöst von den durch die Worte bezeichneten Elementen der Bauzeichnungen fügen sich die Worte zu einer Art assoziativer konkreter Poesie. Daneben stehen die in das Buch eingebundenen Fragmente aus den Architektenzeichnungen. In der Soundarbeit von 2020 wird alle 22 Sekunden ein Wort aus dem Text von GKF gesprochen. Die Arbeit von 1992 wird damit um die Dimensionen der im Raum erklingenden individuellen Stimme – es ist die der Künstlerin – und der Zeit erweitert. Gleichzeitig werden die Worte noch ein Stück weiter von den ursprünglich in den Architekturplänen durch sie bezeichneten Sachverhalten entfernt. Für die Intervention im Museum Schnütgen hat die Künstlerin drei Soundstationen konzipiert, die in den drei sehr unterschiedlichen Gebäudeteilen plaziert sind, in denen sich die Sammlungspräsentation des Museums befindet: der überwiegend für Glasmalereien und Steinskulpturen genutzte Bereich des Neubaus von 2010, das 2010 zu einem abgedunkelten Ausstellungsbereich für Textilien umgestaltete ehemalige Foyer des Museums in dem 1956 von Karl Band errichteten Bauteil und die 1956 im romanischen Stil wiederhergestellte und musealisierte Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Damit korrespondieren die Museumsräume in ihrer Entstehungszeit übrigens ungefähr mit den für GKF verwendeten Architekturplänen. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 18 | 31 Die meisten der in GKF gesprochenen Begriffe kommen in den Ausstellungsräumen im Wortsinn gar nicht vor. Und doch wecken Sie vielleicht Assoziationen, die auch das, was in den Räumen vorhanden ist, neu wahrnehmbar machen. Zum Beispiel „Teppichboden“ erinnert an Raumsituationen, in denen es einen solchen gibt und lässt zugleich die unterschiedlichen Fußböden in den Museumsräumen und ihr Zusammenspiel mit Wänden, Sockeln und Vitrinen weniger selbstverständlich erscheinen. Abgesehen davon, dass man GKF einfach als Kunstwerk sui generis genießen kann, bietet die Intervention die Gelegenheit, mit Besuchern und Experten über die besonderen ästhetischen Rahmenbedingungen ins Gespräch zu kommen, welche das Museum Schnütgen prägen. Sowohl die Kunstwerke als auch die Besucher treffen auf die unterschiedlichen, jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt erstmals eingerichteten und dann im Lauf der Jahre vielmals umgestalteten Ausstellungsräume. Wie wirkt sich die architektonische Form der Räume mit all ihren Details und verwendeten Materialien, vom Fußboden bis zum Licht, auf die Wahrnehmung der Kunstwerke und auf den Aufenthalt der Menschen aus? Diesen Fragen soll während der Laufzeit der Intervention durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit vielen Möglichkeiten der Mitwirkung nachgegangen werden. Beispielsweise könnte im Gartenzimmer, der ehemaligen Bibliothek des Museums, ein Planstudio eingerichtet werden, in dem Besucher ihre Beobachtungen und Ideen festhalten können. So können Pläne gezeichnet und verändert werden, Fotos gemacht und bearbeitet, aber auch Wörter und Eindrücke gesammelt werden. Verschiedene Gesprächs- und Veranstaltungsformate bieten sich an, um die ästhetische Wirkung von Kunstwerken und Räumen in diesem Museum zu diskutieren. Vorträge sollen beispielsweise die Nutzung von Kirchenräumen für museale und kulturelle Zwecke beleuchten. Als Finissage soll es ein Podiumsgespräch mit zwei oder drei ausgewiesenen Architekten geben, in dem auch die Ergebnisse der Publikumsgespräche aufgegriffen werden. Möglicherweise könnten sich aus dem Projekt Anregungen für eine ästhetische Weiterentwicklung des Museums in den kommenden Jahren ergeben. Ausstellung: „Von Frauenhand. Mittelalterliche Handschriften aus Kölner Sammlungen“ Kostbare Bücher, mit der Hand auf Pergamentseiten geschrieben und oftmals mit prachtvollen Initialbuchstaben und Miniaturen ausgeschmückt, spielen für „Glaube und Wissen im Mittelalter“ eine zentrale Rolle im Studium, für die Gottesdienste und Predigten, für die persönliche Andacht und nicht zuletzt für den europaweiten Austausch in der Kommunikation zwischen den Klöstern und Kathedralen bei der Beauftragung neuer Bücher und der Bereitstellung von Vorlagen für Abschriften. In einem großen Panorama wurde dieses Thema 1998 in der gleichnamigen, von Joachim M. Plotzek und Ulrike Surmann betreuten Ausstellung im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Köln auf der Grundlage der Bestände der Kölner Dombibliothek vor Augen geführt. Natürlich kam wegen dieser Schlüsselfunktion im geistigen und künstlerischen Leben des Mittelalters den Handschriften auch in den Sonderausstellungen des Museum Schnütgen seit seiner Wiedereröffnung 1956 in der romanischen Cäcilienkirche immer wieder große Bedeutung zu, zuletzt 2014 in „Die Heiligen drei Könige“. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 19 | 31 Die eigene Sammlung des Museums an Handschriften und Einzelblättern umfasst verglichen mit den großen Bibliotheken nur wenige Exemplare. Um so wichtiger sind deshalb Kooperationen. Die 1979-1985 durch Anton von Euw und Joachim Plotzek im Museum Schnütgen als Leihgabe erforschten und in vier Bänden publizierten Handschriften der Sammlung Ludwig gaben auf ihre Weise einen Einblick auf Zeit in den gesamten Kosmos der mittelalterlichen Kultur und legten dabei auch ein Fundament für die spätere Zusammenarbeit der Peter und Irene Ludwig Stiftung mit dem Museum Schnütgen auf diesem Gebiet. Unser aktuelles Ausstellungsprojekt möchte an diese Traditionen der Zusammenarbeit mit einer Ausstellung anknüpfen, die sich auf ein Thema konzentriert, dessen Aktualität erstmals durch die 2005 in Essen und Bonn gezeigte und von einem aufwendigen Katalog begleitete Ausstellung „Krone und Schleier“ deutlich wurde. Damals wurde die Kunst aus mittelalterlichen Frauenkonventen, die Bedeutung von Ordensfrauen als Auftraggeberinnen, Stifterinnen und Kunstschaffende erstmals umfassend zur Diskussion gestellt. Seitdem hat sich die Forschung weiter intensiv mit diesem Themenkreis befasst, auch mit einzelnen Aspekten der Buchherstellung durch Nonnen, besonders im frühen und hohen Mittelalter. Die neu gewonnenen Erkenntnisse blieben jedoch weitestgehend nur der Wissenschaftsgemeinde zugänglich. Für ein breiteres Publikum entsteht im Blick auf die Aktivitäten von Ordensfrauen und Stiftsdamen im Mittelalter noch immer ein oftmals von Stickereien, Christkindern und einer bisweilen naiv anmutenden Nonnenmalerei geprägtes Bild. Das für Sonderausstellungen mehrmals im Jahr angefragte und in nahezu jeder Publikation über Frauenklöster abgebildete Einzelblatt der Vision des hl. Bernhard mit Nonne eines blutüberströmten Kruzifixus aus dem 15. Jahrhundert im Museum Schnütgen (Inv. M 340, im „Handbuch zur Sammlung“ S. 267, Nr. 176) kann exemplarisch für ein von neuzeitlichen Rollenklischees geprägtes Bild stehen, das solch eine emotional expressive Darstellung Frauen zuordnet, für eine nach allen Regeln der Kunst hergestellte Handschrift hingegen vorranging männliche Schreiber vermutet. Demgegenüber möchten das Museum Schnütgen und die Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek (EDDB) unter dem Titel „Von Frauenhand. Mittelalterliche Handschriften aus Kölner Sammlungen“ in einer gemeinsamen Ausstellung, die etwa 25 Werke umfassen wird, anhand von mittelalterlichen Handschriften und einigen wenigen Werken anderer Gattungen zeigen, dass Buchkunst und sakrale Kunst im Mittelalter keineswegs nur die Domäne von Männern waren. Vielmehr soll durch die ausgewählten Handschriften und Einzelblätter auch einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen geführt werden, dass gerade auch Ordensfrauen lese- und schreibkundig waren und sich der Tätigkeit als Schreiberinnen und Buchmalerinnen widmeten, die einen hohen Grad an Disziplin, intellektuelle und künstlerische Fähigkeiten sowie handwerkliches Können erforderte. All diese Aspekte lassen sich repräsentativ an Beispielen aus Kölner Sammlungen aufzeigen, in denen eine größere Anzahl an Handschriften aus Frauenhand verwahrt wird. Diese stammen aus regional weit entfernten Orten und etwa acht Jahrhunderten und zeugen von einer beachtlichen Produktivität der Skriptorien mittelalterlicher Frauenklöster. Besonders die Handschriftenbestände der EDDB verdeutlichen auf eindrucksvolle Weise, dass etwa die Nonnen aus dem nahe Paris gelegenen Kloster Chelles Ende des 8. Jahrhunderts oder auch 500 Jahre später die Klarissen im Kölner Klarenkloster hochwertige und künstlerisch wertvolle Bücher auch für externe Auftraggeber anfertigten, die den Handschriften aus Männerhand in nichts nachstanden. Gliederung der Ausstellung Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 20 | 31 Die Ausstellung mit insgesamt etwa 25 Werken wird im zentralen und schönsten Raum der ständigen Sammlung gezeigt: Als ehemalige Kirche eines Frauenkonvents bildet die Museumskirche St. Cäcilien mit ihrer besonderen Atmosphäre einen würdigen und sinnfälligen Rahmen. Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen von der Karolingerzeit über das 13. bis zum 16. Jahrhundert. Ausgehend von den Beständen der beiden beteiligten Institutionen und ergänzt durch Leihgaben vom Wallraf-Richartz-Museum, dem Historischen Archiv der Stadt Köln und dem KOLUMBA ist eine Auswahl von 14 überwiegend großformatigen Handschriften sowie einigen Einzelblättern vorgesehen, die von Ordensfrauen geschrieben und mit Buchschmuck versehen wurden. Auf welche Weise die Nonnen ihre Arbeit dabei kenntlich gemacht haben, wird dabei ebenso thematisiert wie Fragen des Seitenlayouts, ob und wie sich ihre Werke von jenen aus Männerhand unterscheiden. Die Handschriften repräsentieren auch im gestalterischen Aufwand unterschiedliche Buchgattungen und sind zugleich Beispiele für die Buchproduktion in den Frauenkonventen verschiedener Orden. So werden Ausstellung und Katalog nach den verschiedenen Klöstern in einzelne Bereiche gegliedert sein. Für jeden Bereich ist dabei eine Einführung zu dem jeweiligen Kloster, seiner Bedeutung, Ausstattung und ordensspezifischen Aspekten vorgesehen. Kloster Chelles Den Auftakt bildet das ehrwürdige nordfranzösische Kloster Chelles, dem in der Zeit um 800 die Schwester Karls des Großen, Gisela, als Äbtissin vorstand. Mehrere Nonnen waren im dortigen Skriptorium tätig, die sich auch in der dreibändigen, für den Kölner Erzbischof erstellten Ausgabe der Psalmenkommentare des Augustinus namentlich als Schreiberinnen verewigt haben. Kloster Lamspringe Aus dem niedersächsischen Benediktinerinnenkloster Lamspringe stammt ein reich bebilderter Psalter aus dem späten 13. Jahrhundert. Auch für dieses Kloster ist ein Skriptorium belegt, in dem wohl auch diese Psalterhandschrift kopiert und illuminiert wurde. Der Bilderzyklus mit seiner lieblich, etwas naiv anmutenden malerischen Ausstattung weist dabei exemplarisch voraus auf die spätmittelalterlichen, oftmals als „Nonnenmalerei“ bezeichneten Arbeiten, die eigenen ästhetischen Vorstellungen folgen. Kloster St. Klara Einen Schwerpunkt bildet das Kölner Klarissenkloster mit einer größeren Anzahl an Einzelblättern, Antiphonar- und Gradualhandschriften sowie sakralen Ausstattungsstücken. Über die Zeitspanne von ca. 1320 bis 1360 ist durch die erhaltenen Werke ein Skriptorium nachzuweisen, durch Inschriften auf dem Pergamentblättern sind sogar die Namen zweier Nonnen, die als Schreiberinnen und Buchmalerinnen tätig waren, überliefert. Die Schreibertätigkeit sowie die malerische Ausgestaltung der Klarissen wurden offensichtlich über die Mauern des Klosters hinaus geschätzt, so dass dort Handschriften über den eigenen Bedarf hinaus auch für externe Auftraggeber angefertigt wurden. Zwar ist von den Klosterbauten nichts erhalten, doch zeugen von der ehemals reichen Ausstattung noch einige auf Holz gemalte Werke aus dem 14. Jahrhundert, die zu den frühesten Beispielen der Kölner Tafelmalerei zählen. Darüber hinaus wurde auch der sog. Clarenaltar, der heute im Kölner Dom aufgestellt ist, um 1360 für das Klarissenkloster angefertigt; stellvertretend werden zwei Apostelfiguren aus der Sammlung des Museum Schnütgen, die aus diesem Altarretabel stammen, in der Ausstellung präsentiert. Kloster St. Katharina Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 21 | 31 Auch im Nürnberger Dominikanerinnenkloster St. Katharina gab es nachweislich ein Skriptorium und zudem eine Textilwerkstatt. Exemplarisch lässt sich dies mit zwei etwa Mitte des 15. Jahrhunderts entstandenen Werken darstellen: mit einer Sammelhandschrift, die unter anderem eine Abschrift eines Briefes des Ordensgenerals an das Kloster enthält, sowie mit einem prachtvollen gewirkten Antependium, einem Bildteppich mit der Muttergottes und den hll. Petrus und Paulus in himmlischen Wolkensphären. Dieser Bildteppich in den Beständen des Museum Schnütgen ist bislang kaum bekannt und bisher wenig erforscht. Kloster St. Maximin und Kloster St. Cäcilien Weitere Bereiche widmen sich darüber hinaus dem nicht mehr erhaltenen Kölner Augustiner- Chorfrauenstift St. Maximin mit einem Rituale und natürlich St. Cäcilien, dem ehemaligen Damenstift, dann Augustinerinnenkloster und seit 1956 Ausstellungsbereich des Museum Schnütgen mit einem zweibändigen Antiphonar. Bei beiden Konventen zeichnet sich ab, dass es auch dort jeweils schreibende Ordensfrauen gab. Vermittlungskonzept Unterstützt durch eine klare Ausstellungsgestaltung ohne ablenkendes Beiwerk sollen die Handschriften in Vitrinen, die gerahmten Einzelblätter sowie die skulpturalen Werke auf Sockeln in ästhetisch ansprechender Weise so präsentiert werden, dass die einzelnen Themenbereiche klar erfassbar sind und dass zugleich genügend Raum und visuelle Ruhe zur Betrachtung gerade der kleinteilig gestalteten Buchseiten besteht. Prägnante Texte auf Deutsch und Englisch werden die Themenbereiche und alle Werke erläutern. Vorgesehen ist, die Informationen analog und digital zur Verfügung zu stellen: zum einen als eine Kombination aus Saaltexten und gedrucktem Begleitheft, zum anderen über eine App, so dass die Besucherinnen und Besucher die Texte in der Ausstellung auch auf ihrem Smartphone lesen oder als Audioguide hören können – dadurch kann auch in Zeiten von Corona, von denen heute noch nicht abzusehen ist, ob sie im nächsten Herbst überwunden sein werden, ausreichend Abstand gewährleistet werden. Gerade die Präsentation von Handschriften, bei der stets nur eine Doppelseite gezeigt werden kann, macht immerzu neugierig darauf, was auf all den anderen Seiten zu sehen ist. Es ist daher vorgesehen, weitere Buchseiten und Details über eine Medienstation bzw. über eine Projektion sichtbar zu machen. Damit in der Ausstellung die Digitalisate nicht in Konkurrenz zu den Originalen treten, wird die Gelegenheit zum digitalen Durchblättern der einzelnen Handschriften über eine Verlinkung auf der Website ermöglicht. Darüber hinaus ist die Idee, die Herstellung mittelalterlicher Handschriften durch Material (Pergament) und Informationen, etwa zur Bindung, anschaulich zu machen. Die sozialen Medien bieten zudem die Möglichkeit für Aktionen, bei denen die in der Ausstellung gezeigten Werke mit solchen in den Kirchen, etwa dem Clarenaltar im Kölner Dom, und historischen Orten der Klöster in Beziehung gesetzt werden können. Über die Website und den Facebook-Account des Museums hinaus sind z.B. auch via Instagram verschiedene Aktionen möglich, um die Besucherinnen und Besucher, aber auch Interessenten in der Online-Community dazu anregen, sich mit der Ausstellung und über diese untereinander zu vernetzen. Selbstverständlich wird ein klassisches Angebot an Führungen geben. Katalog Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 22 | 31 Der Katalog wird zwei einleitende Aufsätze enthalten: eine thematische Einführung sowie einen Beitrag zur (Selbst-)Darstellung mittelalterlicher Schreiberinnen und Buchmalerinnen in Schrift und Bild. Der Katalogteil folgt der Struktur der Ausstellung und ist entsprechend der Werkgruppen aus sechs verschiedenen Konventen untergliedert. Ein, in die Historie des jeweiligen Klosters einführender Text wird den Erläuterungen zu den einzelnen Handschriften, Einzelblätter bzw. Werkgruppen dabei vorangestellt. Mit guten neuen Farbaufnahmen werden die Exponate im Katalog dokumentiert und speziell aus den Handschriften jeweils mehreren Seiten abgebildet. Ein Verzeichnis der ausgestellten Werke mit kodikologischen Angaben bietet zudem eine Basis für weiterführende wissenschaftliche Auseinandersetzungen. Der Katalog mit Texten von Harald Horst, Ulrich Rehm, Karen Straub und vielleicht noch weiteren Autorinnen und Autoren, soll im Hirmer Verlag erscheinen. Würdigung aller Förderer Die Ausstellung, der Katalog und das Begleitprogramm bilden ein ganzheitliches Konzept. Auf allen Publikationen, Werbemitteln, Internetauftritten etc. sollen deshalb stets die Logos aller Förderer erscheinen, unabhängig davon, für welches konkrete Teilprojekt die jeweiligen Fördermittel verwendet wurden. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 23 | 31 Kölnisches Stadtmuseum Sonderausstellung „Köln 1945. Alltag in Trümmern“ schwedischen Regisseurs Roy Andersson, der am 19. März 2020 seine Deutschlandpremiere in Köln feiert. Dieses riesige Stadtmodell zeigt eindrucksvoll die zerstörte Stadt unmittelbar nach dem Kriegsende 1945. Mit dem 1000-Bomber-Angriff in der Nacht vom 30. zum 31. Mai 1942 beginnen die großen Luftangriffe auf Köln. Was die deutsche Luftwaffe im von NS-Regime entfesselten Krieg in Warschau, Rotterdam oder Coventry anrichtet, schlägt nun auf deutsche Städte zurück. In Köln beim Angriff am 29. Juni 1943, im Oktober 1944 und beim letzten großen Luftangriff auf die Kölner Altstadt am 2. März 1945. Insgesamt fallen rund 1,5 Millionen Bomben, was Zehntausende Tote und Verletzte fordert. Am 6. März 1945 befreien US-Truppen das linksrheinische Köln. Die Altstadt ist zerstört, kaum ein Gebäude mehr oberirdisch bewohnbar. In den Trümmern hausen nur noch etwa 40.000 Menschen. Für sie ist der Krieg endlich zu Ende. Ab dem Sommer 1945 kehren die Kölner zurück, Ende 1945 zählt man wieder 400.000 Einwohner. Heute, im Jahr 2020, 75 Jahre nach Kriegsende, schließt die Ausstellung thematisch an zur Ausstellung „Kriegsenden in Köln. Stadt und Menschen zwischen dem 6. März und 8. Mai 1945“ des NS-Dokumentationszentrums. Anhand von Fotografien, Dokumenten und Plakaten, Zitaten von Zeitzeugen und historischen Filmen wird die Zeit des NS-Regimes, die Befreiung durch die Alliierten und das Leben in der zerstörten Stadt lebendig. Im Zentrum stehen Fragen nach Verfolgung und Widerstand, nach der Möglichkeit eines Neuanfangs sowie nach der kollektiven Schuld: Wie lebt man in der Trümmerlandschaft Köln und meistert alltägliche Herausforderungen? Wie geht man mit der NS-Vergangenheit um? Wie ist das Verhältnis zu den Besatzern? Wo fängt der Wiederaufbau der Stadt an? Was wird wieder aufgebaut? Was bleibt in Erinnerung? Wie erinnern wir heute? Sonderausstellung „Alaaf auf Abstand“ (rein digital) Kurz nach Aschermittwoch 2020 tauchte es in Köln auf: das COVID-19-Virus. Die Corona- Pandemie hält unsere Gesellschaft seitdem fest in ihrem Griff. Das öffentliche Leben ist weitreichenden Einschränkungen ausgesetzt. Abstandsregeln und Hygienekonzepte zwingen die Kölnerinnen und Kölner zu großen persönlichen Einschränkungen. Die Gastronomie gehört zu den größten Verlierern. Feste und Bräuche im Lebenslauf wie Hochzeiten, Geburtstage oder auch Beerdigungen müssen sich diesen Beschränkungen unterordnen. Aber auch die Feste im Jahreslauf stehen vor einer ungekannten Herausforderung. Allen voran der Kölner Karneval. Ein Fest, dessen Besucherzahlen die Millionengrenze überschritten haben. Ein Fest, das durch Nähe, Gesang, Schunkeln, Anarchie und Ungehemmtheit bestimmt ist. Ein Fest, dass nun unter dem Reglement der Corona-Schutzverordnungen und Hygienekonzepten gezwungen ist, neue Formen zu finden. Noch nie in seiner fast 200-jährigen Geschichte musste der Kölner Karneval vor einer Krankheit, einer Pandemie, zurückweichen. Die Einschnitte für diese lebendige Tradition sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich und organisatorisch tiefgreifend wie nur wenige Ereignisse seit 1823. Das Pandemiegeschehen mit seinem unberechenbaren Auf und Ab gibt den Takt für die Karnevalssession 2020/2021 vor. Zusammen mit Kölner Fotografen begibt sich das Kölnische Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 24 | 31 Stadtmuseum ganz nah an die Orte und Akteure des Kölner Karnevals der Session 2020/2021. Intime Momente, spontane Freude – aber auch die Schattenseiten des Pandamiekarnevals finden Ihren Platz in der Sonderausstellung „Karneval auf Abstand“. Die Trägerinnen und Träger der immateriellen Kulturtradition finden sich wieder in ausdrucksstarken Fotografien und bildgewaltigen Reportagen. Es sind ungewohnte Momente, die historisch keine Vorbilder haben und zum Nachdenken anregen über ein immaterielles Kulturerbe, das auf seinem Weg zwischen Tradition und Moderne durch ein Virus zu einem Moment des Innehaltens gezwungen wird. im Haus Sauer: Die erste Sonderausstellung „Modehaus goes Museum“ 2021 beginnt ein neuer Abschnitt für das Kölnische Stadtmuseum. Das Museum zieht um in das ehemalige Modehaus Sauer in der Minoritenstraße. Nicht nur das Modehaus erlebt dadurch eine Metamorphose, auch das Stadtmuseum möchte sich mit zeitgemäßen Ausstellungsformaten neu aufstellen. Um das Modehaus als Museum ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger Kölns zu bringen, möchten wir nicht nur mit einer Marketing-Kampagne schon vor Eröffnung der Dauerausstellung aufmerksam machen, sondern mit einer Pop-Up Ausstellung vor der eigentlichen Eröffnung überraschen. Gezeigt werden sollen Fotografien und Objekte aus dem ehemaligen Modehaus, ästhetische Fotos des leergeräumten Modehauses, die so niemand erwarten und sehen würde und natürlich auch Einblicke in den Umbau, ohne der neuen Dauerausstellung etwas vorwegzunehmen. Erzählt werden Geschichten des Modehauses und dessen Wandel zum Museum. Tell me who you are (interaktive Online-Ausstellung in Köln) In die neue Internetseite soll die interaktive Online-Ausstellung in Form eines Point-and-Click- Adventure Games integriert werden. Es kann von Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren und in Begleitung Erwachsener bereits ab 7 Jahren gespielt werden. Die (jungen) Besucher*innen werden virtuell durch die verschiedenen Ebenen und Themenbereiche der neuen Dauerausstellung geführt. Ziel des Spieles ist es, versteckte Hinweise zu finden, während des Spielens erworbenes Wissen zu kombinieren, Rätsel zu lösen und auch emotional gefärbte Entscheidungen zu treffen, aufgrund derer dem Spieler am Ende ein „Character“ zugewiesen wird, der einem Kölner Patriziergeschlecht entspricht. Diese Patrizierfamilien (eine Auswahl) bildeten im 12. bis 13. Jahrhundert den „engeren“ Rat und entschieden somit über die Belange der Stadt Köln. Jedem Patriziergeschlecht entsprechen verschiedene Attribute. Diese sind eine Mischung sowohl aus positiv konnotierten Eigenschaften wie Mut, Tapferkeit, Treue, Ehrgeiz, Kreativität, Einfühlungsvermögen und Besonnenheit, als auch aus negativ behafteten Eigenschaften wie Ungeduld, unreflektiertes Handeln, Gerissenheit, Hochmut, Gier und Verschwendungssucht. Je nachdem wie sich die einzelnen Spieler*innen bei bestimmten Fragen entscheiden, werden sie am Ende einem der Patriziergeschlechter mit den jeweils dazugehörigen Charaktereigenschaften zugeordnet. Sie erhalten die Farben der Familie, das Wappen und einen individuellen mittelalterlichen Vornamen und werden Teil einer Herkunftsgeschichte mit einer besonderen Bedeutung für die Geschichte Kölns. Man kann die Ergebnisse unter einem Benutzerkonto speichern. Der Bildschirm wechselt in die Farben des jeweiligen Patriziergeschlechts. Als Patrizierfamilien und somit „Unterhäuser“ des Kölnischen Stadtmuseums werden folgende Geschlechter ausgewählt: •Hardevust •Scherfgin •Quattermart •Raitz von Frentz •von Lyskirchen. Den Anfangspunkt des Spieles bildet ein Eingangsszenario mit einem zentralen Museumsobjekt, das tatsächlich im Haus Sauer zu finden ist. Beim Betrachten dieses Exponates als 3D-Animation Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 25 | 31 werden die Spieler*innen mit Informationen versorgt. Im Anschluss an die detaillierte Betrachtung, bei der es auch versteckte Hinweise („EasterEggs“) zu entdecken gilt, werden die Spieler*innen aufgefordert zu entscheiden, welcher Emotionsspur (z.B. „Stimmt Dich das ängstlich oder hoffnungsvoll?“) sie folgen wollen. Wichtig ist, dass es weder richtige noch falsche Antworten gibt! Viel entscheidender ist, dass die Spieler*innen ihren Gefühlen und Interessen folgen. Die jeweilige Entscheidung führt zu unterschiedlichen Exponaten in der folgenden Ausstellungsebene, die jeweils mehrere Geschichten erzählen, je nach Pfad. Insgesamt hat die neue Dauerausstellung vier Ebenen, deshalb wird auch das Game mehrstufig angelegt. Auf jeder Ebene der Ausstellung im Haus und des Games gibt es ein zentrales Exponat; es lohnt sich aber auch, die umliegenden Objekte näher zu betrachten. Die Inhalte können gelesen, akustisch aufgenommen oder auch anhand eines Filmes vermittelt werden. Der Clou dabei ist, währenddessen auf kleine Hinweise zu achten, damit das Rätsel, das im Zusammenhang mit dem ausgestellten Exponat steht, lösbar wird. Es sind daher Kombinationsgabe und Aufmerksamkeit gefragt. Das Spiel ist mehrstufig, je nach Interesse bzw. den durchaus emotional beeinflussten Entscheidungen öffnen sich verschiedene Wege und Geschichten durch das Abenteuer. Um die Verbindung von der virtuellen Ausstellung zur realen Ausstellungen herzustellen, sind im Haus Sauer die Objekte gekennzeichnet, die durch das Online-Game leiten. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 26 | 31 NS-Dokumentationszentrum Thessaloniki – Gespaltene Erinnerungen 1940-1950 Die Ausstellung wurde bereits 2020 wegen Corona verschoben und musste auch für 2021 als Präsenzveranstaltung abgesagt werden. Es wird eine digitale Ausstellung erstellt, die im 360- Grad-Rundgang im EL-DE-Haus eingebaut wird. Die Ausstellung behandelt einen der bedeutendsten Zeitabschnitte in der Geschichte Griechenlands und darüber hinaus. In diesem Zeitraum macht das Land mit dem größten Teil Europas die gemeinsame Erfahrung des totalen Kriegs, der Massenmobilisierung, der fremden Besatzung, des Widerstands, des Bürgerkriegs, des Genozids und insgesamt einer ungeheuren humanistischen Katastrophe. Diese Erfahrungen bestimmten das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben des Landes für Jahrzehnte – bis heute. Die Ausstellung zeigt die kulturellen und künstlerischen Auseinandersetzungen mit der Zeit der Besatzung und des Bürgerkriegs in Griechenland. In ihr werden Erzählungen aus Werken Intellektueller und Künstler mit den dominierenden ideologischen Darstellungen gegenübergestellt; gleichzeitig werden wichtige historische Themen angesprochen, wie zum Beispiel das Schicksal der Juden Thessalonikis. Die Auswahl der Ausstellungsgegenstände erstreckt sich über ein breites Spektrum von Werken und Dokumenten aus öffentlichen und privaten Archiven. Eine Ausstellung des Goethe-Instituts Thessaloniki in Zusammenarbeit mit dem Makedonischen Museum für Zeitgenössische Kunst und dem Jüdischen Museum Thessaloniki und dem Deutschen Historischen Museum in Berlin (gefördert vom Auswärtigen Amt aus Mitteln des deutsch-griechischen Zukunftsfonds). Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust Die Ausstellung des United States Holocaust Memorial Museum stellt eine entscheidende Frage: Wie war der Holocaust möglich? Die Rolle der Eliten und führenden Köpfe des NS-Regimes war sicherlich zentral, das Mitwirken der Verwaltung, Politik und des Beamtentums ebenso. Die Ausstellung weist darüber hinaus aber auf eine Vielzahl weiterer Gruppen hin, welche die mörderische NS-Rassenpolitik unterstützt haben: Im gesamten deutschen Einflussbereich entwickelten sich in der Bevölkerung vielfältige Formen von Unterstützung und Mitläufertum bis hin zu Täterschaft. Die Ausstellung untersucht die Rolle der gewöhnlichen Menschen im Holocaust und die Vielzahl ihrer Verhaltensweisen und Motive – sie zeigt neben den Tätern und Mitläufern aber auch Menschen, die Widerstand leisteten oder zumindest nicht unterstützend mitmachten. Synagogen In Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion* Die Rekonstruktionen entstanden als Reaktion auf den Anschlag von Neonazis auf die Synagoge in Lübeck im Jahr 1994. 2019 wird auf die Synagoge in Halle ein Anschlag verübt. Diese Taten zeigen, wie offen und brutal Antisemiten und Rechtsradikale in unserer Gesellschaft wieder agieren. Die Ausstellung will dagegen ein Zeichen setzen. Sie lässt die zumeist unbekannte Pracht von Synagogen, die in der NS-Zeit zerstört wurden, virtuell wiederauferstehen. Auch die Kölner Synagoge Glockengasse steht im Mittelpunkt der Präsentation, deren verlorene Schönheit mittels Projektionen und Animationen vermittelt wird. Eine Ausstellung der Technischen Universität Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum und der Kölner Synagogen-Gemeinde. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 27 | 31 Die Cellistin von Auschwitz – Die Geschichte von Anita Lasker Wallfisch Eine Ausstellung von Lukas Ruegenberg und Barbara Kirschbaum Anita Lasker-Wallfisch spielte im Mädchenorchester von Auschwitz und wurde dadurch vor dem Tod bewahrt. Sie überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen. Lukas Ruegenberg und Barbara Kirschbaum haben ein Kinderbuch mit dem Titel "Du wirst gerettet werden" über das Leben von Anita Lasker-Wallfisch verfasst. Auf der Grundlage des Buches zeigt die Ausstellung Begebenheiten aus ihrer Kindheit und Jugend und ihr Überleben in Auschwitz und Bergen-Belsen. Wichtige Aspekte hierbei sind die Widerstandsaktionen der Schwestern Anita und Renate, die zu ihrer Inhaftierung als politische Gefangene geführt haben. Über eine Medienstation sind die Rede von Anita Lasker-Wallfisch vor dem Deutschen Bundestag und Ausschnitte aus Konzerten der Cellistin hören. Die Ausstellung eignet sich für Kinder ab acht Jahren. Philibert & Fifi. Karikaturen und Zeichnungen eines französischen Zwangsarbeiters Eine Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums in Zusammenarbeit mit Christian Welke und Heinrich Comes Der 1920 geborene französische Künstler Philibert Charrin setzte sich bereits in seinen frühen Arbeiten mit dem Nationalsozialismus auseinander. Er karikierte Hitler als Kriegstreiber, Göring als Prahlhans und Goebbels als Großmaul. Als Charrin von 1943 bis 1945 zur zivilen Zwangsarbeit in der Steiermark und im Burgenland eingesetzt war, schuf er sich mit seinen Zeichnungen eine eigene Welt abseits der harten Arbeitsbedingungen und der Autorität der Aufseher. Mit spitzer Feder zeichnete er, so oft es ihm möglich war, das Lagerleben, die Arbeit und die Einheimischen – immer begleitet von seiner selbstgeschaffenen Figur Fifi, die auf fast jedem Bild mal mehr, mal weniger deutlich in Erscheinung tritt. Seine Karikaturen und Zeichnungen sind ein einzigartiges Dokument zu einem vielfach vergessenen Kapitel der westlichen Zwangsarbeiter im Deutschen Reich. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 28 | 31 Kunst- und Museumsbibliothek Dorissa Lem – SOLITÄR Die Kölner Bildhauerin, Malerin und Zeichnerin Dorissa Lem präsentiert mit „Solitär“ in der Kunst- und Museumsbibliothek erstmals ihre Künstlerbücher der Öffentlichkeit. Der Titel der Ausstellung ist einem dieser Bücher entlehnt, das über 60 bearbeitete Blindzeichnungen enthält. Die Blindzeichnung ist für die Künstlerin eine Methode, sich einem Motiv ohne den kontrollierenden Blick zu nähern bzw. aus Bewegungsimpulsen etwas zu Papier zu bringen, das nicht gedacht oder konkret vorgestellt worden ist. So entstehen ungeahnte, zuweilen skurrile Formen. Mit dem Werkbuch „Solitär“ schlägt die Künstlerin ein neues Kapitel ihrer Zeichnungen auf und findet erstmals ohne äußeres Motiv zu figürlichen Formulierungen. Als Quelle der neuen Formfindungen sieht Dorissa Lem die intermediale Zusammenarbeit mit der Autorin Doris Konradi. „Solitär“ bildet den Auftakt einer Reihe von Büchern, die dann als eine Art bildnerisch- literarisches Ping-Pong zwischen Zeichnerin und Schriftstellerin entstanden sind, manche nachbearbeitet, andere belassen in dem originären Zustand des Entstehens. Neben den figürlichen Blindzeichnungen zeigt die Ausstellung Werkbücher mit freien, oftmals musikalisch inspirierten Notationen und rhythmisierten Liniengeweben, gezeichnete Reisetagebücher und Kalender-Unikate. Künstlerbuchmesse EDITIONALE Köln Die „EDITIONALE Köln“ ist eine Künstlerbuchmesse, die im zweijährigen Rhythmus in Köln stattfindet, seit 2019 in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Sie wurde 2000 von Elisabeth Broel und Gernot Cepl, beide selbst Buchkünstlerin und Buchkünstler, gegründet. Sie ist eine Messe für Bücher, die von Künstlern gestaltet, entworfen, gemalt, geklebt, gedruckt, entfremdet oder die aus buchfremden Materialien gestaltet wurden, in limitierten Auflagen oder auch als Unikat, dazu Originalgrafiken und Handpressendrucke kleiner Editionen. Die „EDITIONALE Köln“ bietet die einmalige Gelegenheit des direkten Kontaktes und Austauschs zwischen den Aussteller*innen/Künstler*innen und den Besucher*innen, da die Künstler*innen und/oder Herausgeber*innen persönlich anwesend sind und zu Ihren Arbeiten Auskunft geben. Castellibri, Künstlerbücher von Dietmar Pfister Nach einem längeren Vorlauf im Bereich der Malerei, insbes. der skripturalen Malerei arbeitet Dietmar Pfister (Jg. 1943) seit nunmehr über 20 Jahren fast ausschließlich im Bereich der Künstlerbücher und Buchobjekte, die bereits seit 2003 in zahlreichen Ausstellungen präsentiert wurden (u.a. im Literaturhaus Berlin, Bibliothèque Metz, Stadtbibliothek und Staatstheater Nürnberg, Forum Konkrete Kunst Erfurt, vgl. www.dietmarpfister.de). Die Ausstellung „Castellibri, Künstlerbücher und Buchobjekte von Dietmar Pfister“ in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln gibt einen Einblicken in seine bisher entstandenen Künstlerbücher / Buchobjekte und wurde speziell als Referenz für die Stadt Köln konzipiert, d.h. es gibt diverse Bezüge zu Künstler*innen, die in dieser Stadt leben und arbeiten sowie auch auf die Stadt selbst. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 29 | 31 Booklets-Ausstellung von Studierenden der Kunstakademie Münster, Kuratorin Nora Schattauer (Arbeitstitel) Die Kölner Künstlerin Nora Schattauer (geb. 1952, Malerin, Zeichnerin und Buchkünstlerin) arbeitet mit Mineralsalz-Lösungen, die auf dem Bildträger agieren und reagieren und so die Seiten ihrer Künstlerbücher mit feinen Strukturen überziehen. An der Kunstakademie Münster ist sie seit einigen Jahren Lehrbeauftragte für „Zeichnen, Buch, Zusammenhang“. In ihren Kursen fertigen die Student*innen eigene Booklets, die zusammen mit Künstlerbüchern von Nora Schattauer in der Kunst- und Museumsbibliothek ausgestellt werden. SERGE CHAMCHINOV & ANNE ARC, JAZZBAND der KÜNSTLERBUCHER: Zum 100. Jahrestag von den Festen von Angst und Schmerz von Paul van Ostaijen Die Ausstellung zeigt ein Ensemble von neunzehn Künstlerbüchern von Serge Chamchinov und Anne Arc mit insgesamt 300 Originalzeichnungen und etwa 500 Seiten der visuellen Typographie. Jeder Band ist einem Text aus dem Gedichtband von Paul van Ostaijen, Die Feste von Angst und Schmerz gewidmet. Serge Chamchinov lebt und arbeitet in Frankreich, ist Maler, Konzeptkünstler und Doktor der Literaturwissenschaften. Seit 1989 gestaltet er Künstlerbücher. Serge Chamchinov ist Chefredakteur der Zeitschrift für Künstlerbücher und Buchkunst „Ligature“, sowie Initiator zahlreicher Kunstprojekte. Er ist Mitbegründer der internationalen Gruppe Sphinx blanc und hat eine Methode zur künstlerischen Arbeit mit Text, die «typographie analytique», erfunden. Anne Arc, lebt und arbeitet ebenfalls in Frankreich, ist bildende Künstlerin, Dichterin, Übersetzerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin. Sie hat zahlreiche Künstlerbücher von einzigartigem Charakter, oft großformatig und in Form von Installationen gestaltet. Anne Arc ist Mitbegründerin der Künstlergruppe Sphinx blanc und der Zeitschrift für das Künstlerbuch „Ligature“. Paul van Ostaijen (1896-1928), gilt als Hauptfigur der flämischen Avantgarde und des Dadaismus. Sein Leben und sein Werk sind eng mit Deutschland verbunden. Im November 1918 ging er nach Berlin, wo er u.a.Die Feste von Angst und Schmerz (beendet in 1921) geschrieben hat. Dieses Werk, das die tragische Aktualität seiner Zeit widerspiegelt und die Überwindung der Gewalt durch die Kreativität manifestiert, wurde zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht. Erst vor einigen Jahren wurde der Text wiederentdeckt und jetzt von Serge Chamchinov und Anne Arc in das ausgestellte Künstlerbuchensemble umgesetzt. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 30 | 31 Rheinisches Bildarchiv Artist meets Archive #2: Image Cycle - Philipp Goldbach Ein Projekt der Internationalen Photoszene Köln in Kooperation mit dem Rheinischen Bildarchiv (und vier weiteren Kölner Archiven: https://festival.photoszene.de/de/photoszene-festival- 2021/artist-meets-archive.html Der Künstler Philipp Goldbach (*1978 in Köln) beschäftigt sich in diesem AMA-Projekt seit Januar 2020 mit dem Umzug des Rheinischen Bildarchivs. Er visualisiert die dadurch ausgelösten Veränderungen hinsichtlich des Erscheinungsbilds, aber auch der zentralen Handlungsabläufe und Konsequenzen des Migrationsprozesses. Das Projekt überführt die Veränderungen und Prozesse zugleich aus ihrem konkreten funktionalen Zusammenhang in eine poetische Reflexion über die der Konservierung jedes Archivs zugrunde liegende menschliche Arbeit(szeit) und den entropischen Prozess der vergehenden Zeit, der ihr entgegenwirkt. Das von ihm gewählte Format der Dia-Installation hebt dabei jene Komponente in den Blick, die den entleerten Archivkartons selbst nicht mehr oder nur noch bedingt ablesbar ist: Ihr ehemals fotografischer Bezug und Inhalt. Zentrales Element seines Projekts ist der schwarze Archivkarton des RBA-Positivarchivs. Im Verlauf der Umzugsvorbereitung werden mehrere tausend solcher Archivkartons ausgemustert. Die Archivkartons setzt er einerseits einem Verwitterungsprozess aus und dokumentiertden Prozess fotografisch. Anderseits wird er dem Verfallsprozess die Handlungen und Handgriffe des Restauratorenteams, die die Umlagerung durchführen und damit die Zukunft des Bildarchivs aufbauen, gegenüberstellen. Die 2020 geplante Projektpräsentation in einer Kurzausstellung musste Corona-bedingt genauso wie das gesamte Photoszene-Festival ausfallen. Stattdessen stellten Philipp Goldbach und Dr. Johanna Gummlich sein Projektkonzept und erste Arbeitsergebnisse im Kontext der „Artist meets Archive“-Residency der sechs Künstler und Künstlerinnen virtuell vor. Die Videos sind online verfügbar unter https://www.photoszene.de/27.-mai. 2021 präsentieren Philipp Goldbach und das Rheinische Bildarchiv sein abgeschlossenes Werk in einer Einzelausstellung in der Galerie Kaune Contemporary (geplant) im Rahmen des Photoszene Festivals Köln. Die ursprünglich geplante Ausstellung der AMA-Projektergebnisse im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung dreier AMA-Künstler und –Künstlerinnen in der Sonderausstellungshalle im Kulturzentrum am Neumarkt musste wegen der Corona-bedingten Terminverschiebung der Ausstellung „Resist!“ des Rautenstrauch-Joest-Museums storniert werden, da das RJM die Ausstellungsfläche auch noch während des Photoszene Festivals für „Resist!“ noch nutzen muss. Hierdurch fallen zusätzliche Mietkosten für die Ausweich- Aussstellungsfläche in der Galerie Kaune Contemporary an, über die im KuK am 09.03.2021 entschieden wird. Chargesheimer fotografiert Jazz 60 Jahre Chargesheimers Jazz-Edition „Armstrong – Fitzgerald“ / 50. Todestag von Chargesheimer: Das Jahr 2021 bietet im Bereich der Fotografie zwei Jubiläen, die unmittelbar den Bestand des Rheinischen Bildarchivs betreffen. 2021 ist das 50. Todesjahr des bedeutenden Kölner Fotografen Chargesheimer (mit bürgerlichem Namen Karl Heinz (auch Carl-Heinz) Hargesheimer (* 19. Mai 1924 in Köln; † zwischen 31. Dezember 1971 und 5. Januar 1972), dessen fotografischer Nachlass gemeinsam vom Rheinische Bildarchiv mit 40.000-50.000 Negativen und dem Museum Ludwig mit den Vintage Prints verwahrt wird. Zudem erschien vor 60 Jahren (1961) Chargesheimers Mappe „Armstrong – Fitzgerald“ bei Dumont mit Fotografien, die bei zwei Konzerten in Köln aufgenommen worden waren. Vorschau Sonderausstellungen 2021 Beschreibung der Ausstellungen Stand März 2021 S e i t e 31 | 31 Die Ausstellung des Rheinischen Bildarchivs thematisiert an den Jazz-Fotografien von Chargesheimer archivische und technische Hintergründe. Chargesheimer hat wiederholt Jazzmusiker fotografiert. Welche Rückschlüsse sind in der gemeinsamen Betrachtung von Negativen und gedruckten Endprodukten wie Fotobüchern und Plattencovern für den fotografischen Arbeitsprozess möglich? Lässt sich die Arbeitsweise des Fotografen in der Dunkelkammer nachvollziehen? Welche Konsequenzen hat dies für den Umgang mit derartigen Fotografennachlässen in einem Bildarchiv und insbesondere auch für die Digitalisierung derartiger Bestände? Fotografie und Musik erweisen sich in Köln als stark aufeinander bezogen. Im Programm des Umzugs- und Eröffnungsjahrs rechtfertigt dies einen „roten Faden“ zur Vernetzung beider Sparten, da das Rheinische Bildarchiv der einen Sparte originär angehört und den visuellen Ausdruck für die zweite hier in Form des prominenten Fotografennachlasses von Chargesheimer liefern kann. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Stadtgarten ist geplant, für den das Chargesheimer-Jubiläum auch Anlass für Veranstaltungen zu seinen Ehren ist. Der Stadtgarten holt am 5. Juni 2021 das am 5. Juni 2020 ausgefallene Konzert als „100+1 Jahre Kurt Edelhagen“ nach. Auch Kurt Edelhagen, einer der führenden deutschen Big Band-Leader der 1950er und 1960er Jahre, wurde von Chargesheimer porträtiert. Der Stadtgarten hat bereits eine Auswahl von Fotografien unter anderem beim Rheinischen Bildarchiv bestellt, um in Restaurant und Eingangsbereich der Konzerthalle anlässlich dieses Konzerts Fotografien zum Jazz in Köln auszustellen. Diese Foyer-Ausstellung ab dem 05.06.2021 bildet den Auftakt der gemeinsamen Präsentation des Themas. Die Ausstellung des Rheinischen Bildarchivs beginnt mit der Vernissage zum „Geburtstag der Fotografie“ am Donnerstag, den 19.08.2021 (unmittelbar nach den NRW-Sommerferien bis 17.08.2021). Die Feier des „Geburtstags der Fotografie“ soll in Zusammenarbeit mit der Internationalen Photoszene Köln ausgerichtet und in diesem Rahmen auch Renate Gruber geehrt werden. Die Cologne Jazzweek vom 28.08.-04.09.2021, die ebenfalls vom Stadtgarten veranstaltet wird liegt im Ausstellungszeitraum, so dass ein kombinierter Besuch von Konzerten und der Ausstellung möglich ist und sowohl Konzertbesucher für einen Ausstellungsbesuch gewonnen werden als auch Fotografie-Interessierte einen Zugang zur Klangwelt des Jazz finden. Öffnungszeiten im Lichthof des Spanischen Baus: Mo, Mi und Do von 8-16 Uhr, Di von 8-18 Uhr, Fr von 8-12 Uhr. An den beiden Cologne Jazzweek-Wochenenden sind tagsüber Sonderöffnungen mit zusätzlichem Aufsichtspersonal eingeplant (nicht abends, da sonst in Konkurrenz zu den Konzerten). Die Ausstellungsarchitektur wird anhand der 2,50 m hohen flexiblen Stellwände, die das Rheinische Bildarchiv für den Archivneubau anschafft, konstruiert und die Ausstellung unter Berücksichtigung eines Hygienekonzepts konzipiert. In Anbetracht möglicher Pandemie-Einschränkungen wird parallel zur Ausstellung vor Ort wird eine virtuelle Ausstellung in der Deutschen Digitalen Bibliothek vergleichbar der Ausstellung „Fotografien für Köln und die Welt – Die Geschichte des Rheinischen Bildarchivs“ (https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/fotografien-fuer-koeln-und-die-welt/) erarbeitet, die auch nach Abbau der Ausstellung vor Ort dauerhaft online zugänglich bleiben wird.
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    Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/VII/4 Vorlagen-Nummer 09.03.2021 0198/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 09.03.2021 Vorschau auf die Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen der Museen der Stadt Köln mit Ausnahme des Wallraf-RichartzMuseums & Fondation Corboud 2019 Mit dieser Mitteilung werden die regelmäßigen Mitteilungen des Wallraf-Richartz-Museum & Fondati- on Corboud „Vorschau auf die Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen“ ergänzt. Die Museen der Stadt Köln werden auch in 2021 wieder mit einer Vielzahl von Ausstellungen und Sammlungspräsentationen hervortreten. Allerdings konnten aufgrund der pandemiebedingten Ein- schränkungen viele der ursprünglich für das Vorjahr geplanten Sonderausstellungen nicht oder nicht in der geplanten Form durchgeführt werden. So wurden die Sonderausstellungen beispielsweise nur kurze Zeit oder mit substituierenden Onlineformaten gezeigt, einige Sonderausstellungen wurden verlängert oder in das Jahr 2021 verschoben. Anbei legen die Museen der Stadt Köln die Vorschau auf Ihre im Jahr 2021 vorgesehenen Sonder- ausstellungen vor. Aufgrund der volatilen Pandemiesituation wird diese Planung laufend fortgeschrie- ben und bei Veränderungen erneut dem Ausschuss Kunst und Kultur zur Kenntnis gegeben. Die Sonderausstellungen werden durch Mittel des zentralen Sonderausstellungsetats unterstützt, die im Teilergebnisplan 0401 – Museumsreferat, Hj. 2021, Teilplanzeile 16 – sonstige ordentliche Auf- wendungen zur Verfügung stehen. Die notwendigen Umschichtungen in die entsprechenden Teilplä- ne der Museen erfolgen bedarfsorientiert im Rahmen des laufenden Geschäfts der Verwaltung. Nach Beendigung der Sonderausstellungen wird dem Ausschuss eine entsprechende Verwendungsüber- sicht vorgelegt. Anlagen 1. Vorschauübersicht 2021 2. Beschreibungen aller Sonderausstellungen Gez. Laugwitz-Aulbach
  • 2021-0198_Mitteilung_Anlage_1_o15

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    Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 1 | 10 Museum Ludwig Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Russische Avantgarde X bis 02.05.2021 Sisi privat. Die Fotoalben der Kaiserin X bis 04.07.2021 Wolfgang-Hahn-Preis 2020: Betye Saar X 01.06.2021 – 12.09.2021 Wolfgang-Hahn-Preis 2021: Marcel Odenbach 17.11.2021 – 20.02.2022 Andy Warhol X bis 13.06.2021 Vor Ort. Fotogeschichten zur Migration X 19.06.2021 - 03.10.2021 HIER und JETZT: Zusammen, Dafür und Dagegen X 13.11.2021 – 13.02.2022 Der geteilte Picasso 25.09.2021 – 30.01.2022 Boaz Kaizman (1700 Jahre Jüdisches Leben) 03.09.2021 – 09.01.2022 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 2 | 10 Römisch-Germanisches-Museum Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Archäologische Landesausstellung 2021/22 2022 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 3 | 10 Rautenstrauch-Joest-Museum Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum 360 Grad-Projekt 2019 – 2023 Die Schatten der Dinge #1 X bis 11.04.2021 „RESIST! Die Kunst des Widerstands“ X bis 09/2021 Beyond (Outreach-Projekt) Mai 2021 Artist meets Archive #2: Yasmine Eid-Sabbagh 22.05.2021 – 04.07.2021 Invisible Inventories. Zur Kritik kenianischer Sammlungen in westlichen Museen 28.05.2021 – 29.08.2021 Liebe global 08.10.2021 – 14.02.2022 Gegenbilder Oktober 2020 – März 2021 Eine Seele in Allem – Die Ainu, die Ainu Nordjapans 05.11.2021 – 20.02.2022 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 4 | 10 Museum für Angewandte Kunst Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Danish Jewellery Box X 09.03.2021 – 01.08.2021 WORK IN PROGRESS – How work affects life 27. April bis 9. Mai 2021 Artist meets Archive: Rosangela Rennó 22.05.2021 – 04.07.2021 Hélène Binet / Gottfried Böhm X bis 27.06.2021 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 5 | 10 Museum für Ostasiatische Kunst Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Brennpunkt Asien - Von der Europäischen Reisediplomatie zum Kolonialismus 03/2021 – Herbst 2021 Artist meets Archive Sommer 2021 100 Ansichten des Mondes. Japanische Farbholzschnitte von Tsukioka Yoshitoshi X 09/2021 bis 01/2022 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 6 | 10 Museum Schnütgen Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Franka Hörnschemeyer: Gipskartonfeuerschutz X 20.05.2021 – 26.09.2021 Ausstellung: „Von Frauenhand. Mittelalterliche Handschriften aus Kölner Sammlungen“ 26.10.2021 – 30.01.2022 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 7 | 10 Kölnisches Stadtmuseum Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Sonderausstellung „Köln 1945. Alltag in Trümmern“ X bis 27. 06.2021 Sonderausstellung „Alaaf auf Abstand“ wird innovativ und rein digital durchgeführt ab Frühjahr 2021 im Haus Sauer: Die erste Sonderausstellung „Modehaus goes Museum“ Jahresende 2021 Tell me who you are: interaktive Online-Ausstellung in Köln Jahresende 2021 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 8 | 10 NSDOK Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Thessaloniki – Gespaltene Erinnerungen 1940-1950* 19.03.2021 –24.05.2021 - rein digital im 360-Grad- Rundgang - Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust X bis 30. Mai 2021 Synagogen In Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion* 11.06.2021 - 3.10.2021 Die Cellistin von Auschwitz – Die Geschichte von Anita Lasker Wallfisch 17.06.2021 - 03.10.2021 Philibert & Fifi. Karikaturen und Zeichnungen eines französischen Zwangsarbeiters 8.10.2021 - 30.1.2022 * keine Mittel aus dem Sonderausstellungsetat Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 9 | 10 Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Dorissa Lem – SOLITÄR X bis 18.04.2021 Künstlerbuchmesse EDITUIONALE Köln X 11.3.-13.03.2022 Castellibri, Künstlerbücher von Dietmar Pfister 24.04.2021 – 13.06.2021 Booklets-Ausstellung von Studierenden der Kunstakademie Münster, Kuratorin Nora Schattauer (Arbeitstitel) 17.07.2021 – 29.08.2021 SERGE CHAMCHINOV & ANNE ARC, JAZZBAND der KÜNSTLERBUCHER: Zum 100. Jahrestag von den Festen von Angst und Schmerz von Paul van Ostaijen X 10.09. – 24.10.2021 Vorschau Sonderausstellungen der Museen Köln Stand März 2021 S e i t e 10 | 10 Rheinisches Bildarchiv Titel der Ausstellung Verlängert Verschoben Datum Artist meets Archive #2: Image Cycle - Philipp Goldbach 22.05.2021 04.07.2021 Chargesheimer fotografiert Jazz 19.08.2021 – 30.09.2021

Beratungsverlauf

  1. 09.03.2021

    Ausschuss Kunst und Kultur

    TOP 8.9, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen

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