3398/2022
Beantwortung einer Anfrage der SPD Fraktion: Museums-Interims
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/VII/2 Vorlagen-Nummer 21.10.2022 3398/2022 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 25.10.2022 Beantwortung einer Anfrage der SPD Fraktion: Museums-Interims „Mehr als nur eine Zwischenlösung … Museums-INTERIMS attraktiver gestalten!“ In ihrer Anfrage „Mehr als nur eine Zwischenlösung … Museums-INTERIMS attraktiver gestalten!“ (AN 1502/2022) vom 25.08.2022 formuliert die SPD-Fraktion folgende Fragen: 1. Gibt es eine verzahnte Planung im Sinne einer Gesamtstrategie, welche die strategische Ent- wicklung der Museumsstandorte im Interim ganzheitlich und langfristig steuert? 2. Welche Maßnahmen ergreifen die im Interim befindlichen Museumsstandorte für eine drin- gend notwendige, stärkere Gewinnung von Publikum im Sinne eines Audience Developments (kostenloser Eintritt etc.)? 3. Welche Maßnahmen ergreifen die im Interim befindlichen Museumsstandorte mittel- und lang- fristig für stärkere Outreach-Prozesse (insbes. im Rechtsrheinischen)? 4. Wie kann man verbessern, dass interessierte Besucher*innen vorab und vor Ort über den In- terimsstandort und dessen Zugänglichkeit informiert und entsprechend geleitet werden? 5. Wie kann die Öffnung des Römisch-Germanischen Museums an den Montagen als Alleinstel- lungsmerkmal der Kölner Museen stärker genutzt werden? Antwort der Verwaltung. Der Begriff „Interim“ bezieht sich in dieser Darstellung auf: die interimistisch genutzten Orte „Haus Sauer“ (Kölnisches Stadtmuseum) und „Belgisches Haus“ (Römisch-Germanisches Museum) die zeitliche Interimsphase bis zur Wiedereröffnung im Stammhaus des RGM bzw. in der His- torischen Mitte Vorab Auf dem Weg zur Umsetzung der Neupräsentationen beider Museen bietet sich eine einmalige Chan- ce, bereits jetzt in einer Laborsituation zukünftige Szenarien des Audience Development und der Vermittlungsarbeit zu erproben. Museen und Museumsdienst können hier miteinander, aber auch im Dialog und in enger Abstimmung mit potenziell weiteren Partnerorganisationen vertiefende, übergrei- fende, aufsuchende oder digitale Angebote für unterschiedliche Zielgruppen schaffen. Diese decken 2000 Jahre Stadtgeschichte ab. Die Themen sind zeitlich und inhaltlich weit gefächert und zahlen auf die beiden geschichtsdidakti- schen Ansätze von Erinnerungs- und Traditionskultur ein. Es wird keine Fokussierung und damit Be- grenzung auf die Innenstadt geben. Der Möglichkeitsraum ist der Stadtraum, auch und gerade im Rechtsrheinischen. Dank unterschiedlicher Sichtweisen und Narrative lässt sich in ganz Köln Ge- 2 schichte erzählen und (de- bzw. re)konstruieren. Bis zur Eröffnung wird dies erfolgen: an bestehenden Orten wie den Ausstellungen und Vermittlungsräumen in den Museen in digitalen und virtuellen Räumen an authentischen Orten im Stadtraum als aufsuchendes Angebot (Outreach-Projekte) an Bildungs- und Sozialeinrichtungen in den Quartieren möglicherweise an einem zentralen, noch zu schaffenden Ort der kulturellen / historischen / politischen Bildung. Eine derartige Laborsituation wäre eine Art virtuelles Learning Center, das bereits bestehende Ange- bote (s. Anlage) verbindet und für unterschiedliche Zielgruppen – die derzeitige Ansprache hat einen Schwerpunkt im Bereich von Vorschule und Schule – methodisch ausbaut. Die Vermittlung kann an Ausstellungen und Themen der Interimspräsentationen in den Museen anschließen, denkbar ist aber auch eine leitmotivische Orientierung an stadtweiten Themen. Ad 1.: Gemeinschaftliches Konzept Eine verzahnte Planung im Sinne einer Gesamtstrategie geschieht über eine Lenkungsrunde, die für die Entwicklung des Gesamtkonzepts 2.000 Jahre Stadtgeschichte aufgesetzt wurde (s. auch: Mittei- lung zu AN/2693/2021). Darin sind u. a. die beiden Häuser KSM und RGM, aber auch der Museums- dienst als verantwortliche Institution für Bildung und Vermittlung vertreten. Alle im Interim stattfindenden Maßnahmen sollen im Sinne der Nachhaltigkeit auf die zukünftigen Präsentationen einzahlen, neue Zielgruppen und Communities ansprechen, Museums-, Stadt- und digitalen Raum einbeziehen einer Erfolgsmessung unterzogen werden. Im Folgenden werden zunächst jeweils die einzelnen Museen und dann die übergreifenden Maßnah- men beschrieben. Denn die einzelnen Ausstellungsprojekte der beiden städtischen Museen werden bzw. wurden (Belgisches Haus) voneinander unabhängig mit unterschiedlichen Projektpartnern und mit unterschiedlichen Zeitplänen entwickelt. So bleibt der individuelle Charakter des jeweiligen Muse- ums erhalten. Beide historische Institutionen haben unterschiedliche Bestände, gesellschaftliche Aufgaben und Zielgruppen. Diese Diversität ist eine Stärke des Standorts Köln, denn die Einzigartigkeit der einzel- nen Häuser ermöglicht eine unterschiedliche Annäherung an die Materie und den Gegenstand der Kölner Stadtgeschichte. Ein archäologisches Museum ist völlig anders strukturiert als ein Stadtmuse- um, so wird Geschichte multiperspektivisch erfahrbar. Römisch-Germanisches Museum Präsentation im Belgischen Haus: Im Belgischen Haus wird eine vollwertige Ausstellung für Schul- klassen, sonstige Gruppen und Einzelbesuchende gezeigt. Eine hochwertige Auswahl an Alt- und Neufunden aus Sammlungsbeständen des RGM sind hier präsent, die Ausstellungsstücke stammen fast ausschließlich vom Kölner Stadtgebiet. Ziel der Konzeption ist es, ein Schaufenster für 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte der Region und 2.000jähriger Stadtgeschichte Kölns bis ins Frühmittel- alter zu bieten. Im Mittelpunkt der Konzeption stehen die römische Stadt und das Leben ihrer Bewoh- ner*innen. Der Rundgang bietet einen Überblick über die Entwicklung des römischen Köln und vertieft einige Aspekte wie Verwaltung, Handel und Handwerk, Religion, Rheinflotte und Alltagsleben. Die museale Präsentation umfasst einen repräsentativen Querschnitt durch die Sammlungen des 3 Hauses, darunter die weltweit bedeutendste Glassammlung der Antike. Das Belgische Haus, das in Teilen denkmalgeschützt ist, wurde vor dem Einzug des Römisch-Germanischen Museums aufwän- dig saniert und restauriert. Die Ausstellung wurde im November 2019 eröffnet. Derzeit werden zwi- schen 800 und 1.000 Besucher*innen in der Woche begrüßt. Die Resonanz der Gäste ist durchweg sehr positiv. Bodendenkmalpflege: Das Römisch-Germanische Museum ist zugleich das Amt für Archäologische Bodendenkmalpflege sowie Untere Denkmalbehörde und nimmt die Belange der Stadtarchäologie gemäß Denkmalschutzgesetz NRW hoheitlich wahr. Dazu gehört auch das Ortsarchiv, das allein für den Bereich der Kölner Innenstadt etwa 4.000 Fundberichte aus rund 100 Jahren systematischer Stadtarchäologie bewahrt (in analoger und digitaler Form), die das ‚Fundament‘ der effizienten Bo- dendenkmalpflege darstellen. Bildung und Vermittlung: Auch im Belgischen Haus bietet der Museumsdienst mit handlungsorien- tierten Führungen und Workshops ein vielfältiges Angebot für alle Altersklassen und Zielgruppen. Schulklassen stehen dabei besonders im Fokus, da die Beschäftigung mit den Römern Teil des Schulcurriculums ist. Die meisten Angebote konnten aus dem Stammhaus übernommen werden, auch wenn sie durch die räumlichen Beschränkungen nicht mehr in der großen Anzahl durchgeführt werden können wie am alten Standort. Darüber hinaus vermittelt das Museum die Bodendenkmäler in der Innenstadt und bietet Führungen zur römischen Stadtmauer und zu den römischen Resten auf dem Roncalliplatz an (u.a. Hafenstraße und Dionysos-Mosaik). Alle Angebote werden durch erfahre- ne Museumspädagog*innen begleitet. Zu Outreach-Angeboten siehe weiter unten. RGM on tour: Im Belgischen Haus gibt es keine Flächen für Sonderausstellungen, stattdessen gibt es das Konzept „RGM on tour“, das erstmals mit dem erzbischöflichen Museum Kolumba kurz vor Schließung des Stammhauses durchgeführt wurde (Ausstellung „Pas de deux“). Es bestehen derzeit Kooperationen mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin (Sammlung Diergardt), dem Lan- desmuseum Mainz (Mainz und Köln in der Spätantike) sowie mit dem MiQua (Landesausstellung NRW). Leihgaben des RGM wurden und werden in zahlreichen nationalen und internationalen Häusern aus- gestellt, darunter Mariemont (Belgien), Trier, London, Schallaburg (Österreich), Hildesheim, Heidel- berg und demnächst auch in Halle. Lehre / Forschung: Das RGM veranstaltet als wissenschaftliche Einrichtung weiterhin Kolloquien, teilweise mit anderen wissenschaftlichen Institutionen. Im Festsaal des Belgischen Hauses haben bereits mehrere solcher Veranstaltungen stattgefunden. Gemeinsam mit der Universität Köln wird darüber hinaus ein dreijähriges Forschungsstipendium der DFG inhaltlich betreut. Mehrere Mitarbei- tende des RGM sind zudem als Dozent*innen der Universität Köln ehrenamtlich im Einsatz und för- dern so den wissenschaftlichen Nachwuchs der archäologischen Fächer. Die wissenschaftliche Bibliothek im Belgischen Haus ist für die Öffentlichkeit nach Anmeldung zu- gänglich. Neben Bestands- und Ausstellungskatalogen ist das seit 1955 jährlich erscheinende und im RGM redaktionell betreute „Kölner Jahrbuch“ ein international wie national angesehenes Publikati- onsorgan mit einem Schwerpunkt auf Forschungen zur Kölner Archäologie. Veranstaltungen: Der Festsaal wird zu kulturellen Zwecken auch öffentlich genutzt. Es bestehen Kooperationen mit der Kammermusik Köln und den Freunden des Belgischen Hauses. Zahlreiche Veranstaltungen von städtischen Institutionen finden dort statt, der Saal bietet Raum zum interdiszip- linären Dialog und zum Austausch: öPR, GPR, Gesundheitsmedizinischer Dienst, Museumsdienst, Dezernat VII u.a. nutzen die herausragende Atmosphäre des denkmalgeschützten Festsaals. Das Raummanagement wird vom RGM geleistet. Kölnisches Stadtmuseum Haus Sauer: Mit dem Umzug in das Haus Sauer in der Minoritenstraße 13 wird das Kölnische Stadt- museum (KSM) ein komplett neues Museumskonzept vorstellen. Anstelle der bekannten inhaltlichen 4 Schwerpunkte historischer Museen stehen im neuen Stadtmuseum Emotionen und Stimmungen, mit denen jede*r etwas verbindet, im Vordergrund. Acht emotionale Fragen, wie „Was lieben wir?“, „Was macht uns Angst?“ und „Was verbindet uns?“, werden in Zukunft die Besucher*innen durch die neue Dauerausstellung führen. Hierbei werden die acht Fragen auch immer in einen historischen Kontext gesetzt und unter vergleichenden Aspekten erörtert wie „Was machte den Menschen im Mittelalter Angst? Was vor 200 Jahren? Was vor 50 Jahren?“. Das neue Ausstellungskonzept erlaubt eine ungewöhnliche Themenvielfalt, denn z.B. bei der Frage „Woran glauben wir?“ werden nicht nur Religionen und Ideologien behandelt, sondern auch Themen wie Geld und Fußball. Der Raum „Was macht uns Angst?“ hingegen schlägt einen Bogen von Krie- gen und der NS-Zeit bis hin zu aktuellen Ereignissen wie dem Attentat in der Keupstraße oder der Corona-Pandemie. Stadtgeschichtliche Ereignisse und Objekte werden so auf ungewöhnliche Weise nebeneinandergestellt und überraschende Parallelitäten aufgezeigt. Auf diese Weise werden ein vielfältiges Publikum angesprochen und neue Zielgruppen erschlossen. Für Schulklassen und Studierende bieten die acht Themenräume Anknüpfungspunkte zu den aktuel- len Schullehrplänen und Hochschulseminaren. Ein Auftaktraum zu Beginn der Ausstellung bietet parallel zu den acht Themenräumen einen kurzen Überblick über die wichtigsten historischen Epochen und Entwicklungen der Stadtgeschichte. Hier werden herausragende Sammlungsobjekte des KSM, wie z.B. der Verbundbrief von 1396, das goti- sche Stadtsiegel oder das historische Stadtmodell, gezeigt. Besucher*innen finden hier einen kurz- weiligen und übersichtlichen Einstieg in die Stadtgeschichte Kölns. Bildung und Vermittlung: Im Haus Sauer werden auch in Zukunft wieder Führungen zu vielfältigen Themen und handlungsorientierte Workshops vom Museumsdienst für alle Ziel- und Altersgruppen angeboten. Schwerpunkt wird hierbei auf die Vermittlung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins gelegt, welches gerade für Schulklassen – neben der Vermittlung von historischen Zusammenhängen – insbesondere die Vermittlung von Kompetenzbereichen (Sach-, Methoden-, Urteils- sowie Hand- lungskompetenz) bedeutet. Durch das neue Ausstellungskonzept und die emotionale Herangehensweise lassen sich Brücken zwischen Alltag und Gegenwart der Besucher*innen, den Sammlungsobjekten und deren Geschichte, bis hin zu den historischen Ereignissen schlagen. Möglichkeiten zur Übernahme von Fremdperspekti- ven und Multiperspektivität zum Diskurs und Austausch sollen durch interaktive Vermittlungsangebote gewährleistet werden, die ein inklusives und diverses Publikum ansprechen und durch geschulte und erfahrene Museumspädagog*innen durchgeführt werden. Ausstellungen an anderen Orten: 2021/22 konzipierte das Museum die Ausstellung „50 Jahre Höh- ner“, die derzeit im Maritim Hotel in Köln gezeigt wird. In 2023 sollte eine Ausstellung zu 200 Jahren Festkomitee stattfinden. Nach deren Absage wird derzeit eine Alternative geprüft. Weitere Präsentati- onen an anderen Ausstellungsorten werden nach der Eröffnung des Hauses Sauer avisiert. Lehre / Forschung / Public Science: Die Bibliothek im Kölnischen Stadtmuseums wird am neuen Standort für die Öffentlichkeit nach Anmeldung zugänglich sein. Gleiches gilt für die Graphische Sammlung, für die eine Vorlage analog zu anderen Graphischen Kabinetten eingerichtet wird. Veranstaltungen / Events: Seitens des KSM findet eine fortlaufende Kommunikation in die Stadtge- sellschaft statt. Das zeigt auch die Medienpräsenz. Neben den Formaten „POP-UP Bar“ und „Fashion-Markt“, die sehr gut von der Stadtgesellschaft wahrgenommen wurden, gab es gegenüber dem neuen Standort auf dem Kolpingplatz bis zum Sommer 2022 eine Info-Box zur neuen Daueraus- stellung und zum neuen Standort. Das KSM wird auch in Zukunft mit attraktiven Projekten und neuen Formaten den neuen Standort bespielen und somit die Kommunikation bis zur Eröffnung weiter aus- bauen. Ad 2. Gemeinschaftliche / Übergreifende Maßnahmen 5 Audience Development meint nicht, nur das zu zeigen, was Besucher*innen sehen wollen. Es geht auch darum zu erkennen, welche Orientierungshilfen und Angebote sie benötigen, um sich aktiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen und sich möglichst freiwillig darüber auszutauschen. Neue Forma- te sollen die Stadtgesellschaft einbinden und die Hemmschwelle niedrig halten. In der Folge zielt Au- dience Development nicht auf Reichweite, sondern auf die Bindung von Zielgruppen. Im Folgenden sind die marketing- und hausbezogenen Themen aufgeführt, Maßnahmen der aufsuchenden Vermitt- lungsarbeit und der Angebote im urbanen bzw. im digitalen Raum finden sich unter 3. Publikumsforschung und systematisches Feedbackmanagement: Im Frühling hat für den Muse- umsstandort ein Publikumsmonitoring begonnen, das neben demographischen Daten auch die Be- suchsmotivation des Publikums erforscht. Von den gewonnenen Daten profitieren auch die beiden Museen und können in ihren Aktivitäten darauf reagieren. Eintrittspreise: Über die Gestaltung von Eintrittspreisen die Attraktivität zu steuern, geschieht bereits punktuell (Stw. KölnTag). Die Eintrittspreise sind in der Benutzungsordnung für die Museen (BenO) festgelegt, über die der Rat der Stadt Köln entscheidet. Für deren in 2023 zu schaffende Neufassung ist eine deutliche Reduktion der Eintritte für die Interims geplant. Allein die Reduzierung von Eintritten ist jedoch keine Garantie für Publikumszuwachs, sie muss dringend von zielgruppenspezifischen Maßnahmen wie Bildungsveranstaltungen, Events etc. flankiert werden. Veranstaltungen / Events: Wie alle Museen sind auch KSM und RGM fester Bestandteil übergrei- fender Veranstaltungsevents und daher Spielorte bei KölnTagen, Museumsnacht, Museumsfest oder Tag des Offenen Denkmals. Weiterhin finden auch hier die museumspädagogischen Veranstaltungs- reihen für Familien, Senior*innen, Erwachsene, Kinder, Neubürger*innen etc. statt, die der Museums- dienst für alle Häuser in hoher Zahl konzipiert und umsetzt. Es wäre wünschenswert, dies weiter aus- zubauen, doch es fehlen hier die entsprechenden Mittel. Publikationen: News und Hintergrundberichte aus beiden Häusern finden sich in dem derzeit zwei- mal jährlich erscheinenden Heft „museenkoeln – das Magazin“. Dessen Distribution in Köln und als Beilage in ganz NRW sorgt für ein Storytelling auch gegenüber einem Gelegenheitspublikum und weckt Interesse am Besuch. Bereits 2021 entstand „Zeit für uns – Das Begleitheft für Kinder und Familien“ vom Museumsdienst Köln. Hierbei handelt es sich um ein zeitloses Begleitheft, welches zu allen neun städtischen Museen und einigen Partnermuseen Aufgaben, Rätsel, Suchbilder, Spiele und Anleitungen für kreative Aufga- ben sowohl für zu Hause als auch für den Museumsbesuch enthält. QR-Codes weisen zudem auf die türkischsprachigen Versionen der Seiten und auf die digitalen Angebote (Tutorials etc.) hin. Eine Fort- führung ist geplant. Derzeit entsteht zudem in Kooperation mit einem Schulbuchverlag ein Arbeitsheft für den Sachunter- richt in der 3./4. Klasse mit dem Titel „Die Stadtgeschichte Kölns“. Die Inhalte des Heftes umfassen über 2.000 Jahre Stadtgeschichte und werden in Zusammenarbeit mit den Leitungen für Bildung und Vermittlung der Museen RGM, MS, NS-DOK und KSM erstellt. Schließlich sind die beiden Häuser auch eingebettet in die Publikation „Museum – wie geht das?“ eines Kölner Verlages. Römisch-Germanisches Museum Kommunikation: Erst seit diesem Jahr hat das Museum eine eigene Pressestelle und konnte daher zuvor keine entsprechende Kampagne aufbauen. Geplant ist noch in diesem Jahr ein Zielgruppen- workshop spezifisch für das Haus. Das Museum hat derzeit jedoch keine Kapazitäten, um über Soci- al-Media-Kanäle neue Besucher*innen zu erschließen und zu binden. Dies ist zukünftig aufzubauen. Digitale Zugänge: Im Jahr 2021/22 konnte das RGM in Zusammenarbeit mit dem Museumsdienst einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung im Belgischen Haus realisieren. So lassen sich die Räume bequem erkunden und ein erster Eindruck gewinnen. Texte erläutern 80 Objekte und ordnen sie ins römische Köln ein. Einige Objekte sind mit Tutorials oder Videos verlinkt, die auf fantasievolle Weise Geschichten erzählen („Erzähl mir Stadtgeschichte“). So werden auch Zielgruppen erreicht, die 6 andere Zugänge zu Objekten wählen. Kölnisches Stadtmuseum Kommunikation: Das KSM verfügt – anders als andere städtische Museen – über ein junges Team von Studierenden, die im Haus sowohl an der Kasse Besucher*innen empfangen und beraten als auch die Sicherheit in den Ausstellungsräumen gewährleisten. Bei den Mitgliedern des Studi-Teams handelt es sich um Studierende u.a. der Geschichtswissenschaft, Public History und des Lehramtes aller Schulformen. Sie helfen Besucher*innen bei Rückfragen zur Ausstellung und können weiterfüh- rende Informationen zu Objekten geben, führen am KölnTag „Speed Führungen“ von 20-30 Minuten zu einem Thema durch und erstellen auch Beiträge für die Social-Media-Kanäle des Kölnischen Stadtmuseums. So werden z.B. aktuelle Geschehen ebenso mit historischen Ereignissen verknüpft als auch Faktenwissen zu Stichtagen zusammengetragen und auf Instagramm mit über 5.000 Follo- wern geteilt. Das KSM besitzt seit kurzem ein neues Erscheinungsbild (CI und Website) und geht mit ungewöhnli- chen Formaten wie einer POP-UP Bar mit Ausstellung, die abends geöffnet ist, und einem großen Fashion-Markt zum Thema Nachhaltigkeit mit überwiegend Jungerdesigner*innen aus Köln neue Wege, um vor allem die durchaus für ein Stadtmuseum schwierige Zielgruppe eines jüngeren Publi- kums ins Museum zu locken. Dies soll fortgeführt werden. Projekte: Des Weiteren hat das KSM zusammen mit dem Museumsdienst im Vorfeld der neuen Dauerausstellung ein Partizipationsprojekt durchgeführt, das aktiv eine heterogene Gruppe aus der Stadtgesellschaft in die Ausstellungsplanung eingebunden hat, sowohl in der thematischen Bearbei- tung als auch in der Objektauswahl. Die Protagonist*innen brachten eigene Objekte ein und erzählen davon in Hörstationen. Im neuen Interim wird es einen „Open Space“ für Projekte geben, um aktiv weitere Protagonist*innen aus der Stadtgesellschaft zu beteiligen. Geplant sind hier aktuelle Themen, Blick in die Zukunft, Kunstprojekte, sprich ein Forum für die Stadtgesellschaft. Die dort zu sehenden Ausstellun- gen/Projekte werden vom KSM koordiniert und kuratiert, um inhaltlich, qualitativ und ästhetisch Stan- dards zu setzen. Ad 3.: Gemeinschaftliche / Übergreifende Maßnahmen Die nachfolgend genannten Outreach-Angebote beziehen sich auf das Outreach- Strategiegesamtkonzept, das der Museumsdienst im Rahmen der Verwaltungsreform entwickelt hat (s. auch Mitt. 0595/2022). Die aufsuchenden Angebote verknüpfen stets museale Inhalte mit den Le- benswelten der Teilnehmer*innen und schaffen niedrigschwellige, wenn möglich partizipative Ange- bote. Diese Bestrebungen werden systematisch fortgeführt und evaluiert. Es besteht ein intensiver Erfahrungsaustausch mit anderen Institutionen in ganz Deutschland. „museenkoeln IN DER BOX“ bietet eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit Themen, die Stadtgeschichte mit aktuellen Fragestellungen, z.B. „Wohnen in Köln“, verbinden. Ein Bus mit Objek- ten, Repliken und Fotos, mit Ausstellungs- und Vermittlungstechnik, fährt direkt in die Kölner Stadttei- le, v.a. in die Sozialräume. Der Schwerpunkt liegt im Rechtsrheinischen. Dort werden dank großzügi- ger Förderung kostenlose Programme, Gespräche und Workshops für unterschiedliche Zielgruppen angeboten. Die Förderung läuft 2024 aus, danach ist eine Verstetigung über Haushaltsmittel notwen- dig. Museumsbus Köln: Der Museumsbus Köln – über lange Jahre ein durch Drittmittel gefördertes Pro- jekt – wurde inzwischen verstetigt und in die Obhut der Museumsschule, einer Abteilung beim Muse- umsdienst, übergeben. Der Bus holt Schüler*innen aus dem Umland ab und bringt sie zum RGM im 7 Belgischen Haus, später auch zum Haus Sauer. Der durch Teilnahmegebühren finanzierte Service bezieht sich auf die Landkreise Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Kreis Euskirchen, Rheinisch- Bergischer Kreis sowie Schulklassen aus Brühl, Hürth und Wesseling. Weitere aufsuchende Angebote: Der Museumsdienst Köln führt für das RGM und das KSM bereits erfolgreiche Outreach-Programme durch. Kindergärten und Schulen sowie Offene Ganztagsbetreu- ungen und andere Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit haben die Möglichkeit, Workshops zu flexiblen Zeiten zu buchen. Die Museumspädagog*innen besuchen die jeweilige Einrichtung mit al- tersgerechten Materialien, die sowohl inhaltlich Bezug auf die Sammlungen nehmen als auch hand- lungsorientiert sind. Das Angebot wird sehr gut angenommen und erfreut sich einer hohen Auslas- tung. Es wurde daher ein eigenes neues Vermittlungsteam aufgebaut. Geplant ist für 2023 ein buchbares Angebot für Senior*inneneinrichtungen. Es wird nicht nur der Inte- rimssituation der Museen gerecht, sondern bietet vielen Besucher*innen, denen es sonst nicht mög- lich wäre, an der Kölner Museumskultur teilzuhaben, eine Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe. Römisch-Germanisches Museum Outreach: Der Museumsdienst Köln führt für das RGM bereits erfolgreich die oben genannten Outreach-Programme als Standard durch. Zum einen werden römische Inhalte (z.B. Spiele in Koope- ration mit dem KSM oder römische Kleidung) altersgerecht und mit entsprechenden mitgebrachten Materialien in der Schule vermittelt. Ein Fokus liegt hier auf der Offenen Ganztagsschule, aber auch andere Schulformen und Kindergärten werden angesprochen. Weiterhin bietet das Projekt „muse- enkoeln IN DER BOX“ eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Wohnen in Köln“ in historischer Perspektive. Stadtraum: Zum Konzept des RGM gehört zudem die Vermittlung der Außendenkmäler Hafenstraße, Ubiermonument oder Stadtmauer. Dies geschieht durch Führungen für unterschiedliche Zielgruppen, teils als eigenständige Veranstaltung, teils als Element eines Events wie dem Tag des Offenen Denkmals. Das RGM kooperiert zudem mit dem Förderverein Grabkammer in Köln-Weiden und mit der Domgrabung der Hohen Domkirche. Kölnisches Stadtmuseum Outreach: Der Museumsdienst Köln führt Outreach-Programme auch für das KSM durch. Beispiels- weise werden mittelalterliche Spiele altersgerecht und mit entsprechenden Hands-On-Elementen ins- besondere an Offenen Ganztagsschulen und KiTas vermittelt. Bei dem Vermittlungsangebot „muse- enkoeln IN DER BOX“ wird derzeit das Thema „Wohnen in Köln“ an Schulen, Bildungseinrichtungen und Seniorenheimen vermittelt. Stadtraum: Die weitere Erschließung des gesamten Stadtraumes als Raum der Möglichkeiten und Vermittlung wird in Zukunft durch das STADT:RAUM-Projekt des Museumsdienstes für das KSM verwirklicht. Dieses Projekt sieht eine verzweigte und ineinander verzahnte Vorgehensweise auf ver- schiedenen Ebenen, mit unterschiedlichen Vermittlungsformaten für verschiedene Zielgruppen vor. Ehrenamtliches Engagement: Die beiden ehrenamtlichen Arbeitskreise des KSM agieren unter der Ägide des Museumsdienstes ebenfalls im Stadtraum und halten im Museum Schnütgen Vorträge zu stadtgeschichtlichen Themen. Ad 4.: Übergreifende Maßnahmen Im Digitalen Raum: Beide Museen werden im Rahmen des bevorstehenden Relaunchs des Portals 8 www.museen.koeln neue Präsenzen auf dem gemeinsamen Museumsportal und jeweils eigene We- bauftritte erfahren. Weiterhin sind ihre Themen in die übergreifenden Social Media-Kanäle eingebun- den. Weitere Kommunikationsmaßnahmen: Die Sichtbarkeit beider Institutionen und ihrer neuen Stand- orte wird durch die permanente Verankerung in den Titeln der Dachmarke museen.koeln sicherge- stellt. In Prüfung ist die Wiederauflage eines Museumsstadtplans. Zudem wird KölnTourismus rege- mäßig mit Informationen beliefert, um dort verantwortete kulturtouristische Maßnahmen mit Inhalten zu füllen. Schließlich erfolgen regelmäßige Fortbildungen für die Kölner Stadtführer*innen. Römisch-Germanisches Museum Im Digitalen Raum: Die Herausforderung ist die Lenkung der zahlreichen interessierten Menschen ins Museum: Online (vor allem am Smartphone), vor Ort am Gebäude am Roncalliplatz und im Um- feld des Belgischen Hauses. Anfang August wurde der Google Maps-Eintrag optimiert, um den Standort „Belgisches Haus" besser auffindbar zu gestalten. Seitdem steigen die Abrufzahlen deutlich: Die Google-Maps-Wegbeschreibung wurde im August 125 % öfter angefragt als im Juni und Juli zu- sammen. Zudem wurde der TripAdvisor-Eintrag optimiert. TripAdvisor ist vor allem bei ausländischen Gästen sehr wichtig: Rund die Hälfte der Museumsrezensionen sind in englischer Sprache. Das Thema des digitalen Empfehlungsmarketings wird zukünftig verstärkt. Ende 2022 / Anfang 2023 zieht außerdem die eigene Internetseite des RGM auf ein neues System um. Der Umzug soll u.a. auch genutzt werden, um Bilder und Texte zu überarbeiten und nochmal anders auf den Interimsstandort hinzuweisen. Im Stadtraum: Am Gebäude am Roncalliplatz wurden kürzlich die Hinweisschilder ausgetauscht, die auf das „Belgische Haus" verweisen. Die neuen Hinweisschilder sind mehrsprachig und enthalten QR-Codes für Google Maps und Apple-Karten, um die Routenplanung zu erleichtern. Ebenso werden die fußläufige Entfernung sowie der Weg mit der KVB angegeben. Weitere Informationen sind Öff- nungszeiten und Eintrittspreise, damit die interessierten Menschen ihren Besuch optimal planen kön- nen. Im nächsten Schritt wird die Gästelenkung im Gebäudeumfeld optimiert: Ein Hinweisschild zum Museum am idealen Ausgang der KVB-Haltestelle Neumarkt wurde durch die KVB angebracht. Weitere Kommunikationsmaßnahmen: Gruppen, die Führungen gebucht haben, werden in der Buchungsbestätigung auf den neuen Standort hingewiesen. Kurz nach Eröffnung des RGM im Belgi- schen Haus wurden mit der Corona-Pandemie die Museen geschlossen und die Werbekampagne zum neuen Standort lief teilweise ins Leere, da das Museum nicht besucht werden konnte. Eine Kampagne in 2022 und 2023 soll erneut auf den Interimsstandort hinweisen. Kölnisches Stadtmuseum Im Digitalen Raum: Auch hier besteht die Herausforderung in der Publikumslenkung hin zum neuen Standort. Hierfür werden zukünftig die eigene Website, Überblickseiten und Suchmaschinen wie Google zu optimieren sein. Das Museum bespielt erfolgreich eigene Socia Media-Kanäle. Im Stadtraum: Die Sichtbarkeit am Standort soll durch eine Bespielung der Fassade gewährleistet werden. Weiterhin ist eine enge Kooperation mit anderen Partnern im Antoniter- bzw. im Kolum- baquartier geplant (MAKK, Kolumba, Galerien, Buchhandlungen, Stadtmarketing Köln e.V.), um zu einer gemeinsamen Bespielung des Viertels zu kommen. Weitere Kommunikationsmaßnahmen: Die Neueröffnung wird medial und werblich durch eine Kampagne begleitet werden. Im Zeitraum bis zur Eröffnung wird mit Interventionen auf den neuen 9 Standort hingewiesen. Ad 5.: Die Öffnung des Römisch-Germanischen Museums an Montagen war eine mittelfristig angelegte Maßnahme, um die Annahme dieses Tages als Öffnungstag zu testen. Eine objektive Bewertung er- scheint vor dem Hintergrund der Pandemie derzeit nicht möglich. Im Bewusstsein der Besucher*innen scheint der Montag schwierig zu verankern zu sein, da es sich in Deutschland um einen klassischen Schließtag handelt. Hier steht jedoch ein Erfahrungsaustausch mit anderen Kölner Museen, die montags geöffnet sind, (Kolumba, Museen der SK-Stiftung Kultur) aus. Gez. Charles 10 Anlage 1: Vermittlungsthemen und -formate im Outreach und im Stadtraum (bei Museums- dienst) museenkoeln UNTERWEGS museenkoeln IN DER BOX Touren Ehrenfeld Touren Rathaus / Spanischer Bau Entlang der Römermauer Entlang der Via Culturalis Rund um den Roncalliplatz Ubiermonument STADT:RAUM Rund um den Neumarkt STADT:RAUM Rund um das Historische Rathaus STADT:RAUM Rund um den Rathenauplatz STADT:RAUM Die Museumswohnung in Höhenberg und die Germania-Siedlung STADT:RAUM Die neuen U-Bahnhöfe der KVB (in Ausarbeitung) „Die Stadtgeschichte Kölns“ Arbeitsheft für den Sachunterricht 3./4. Klasse in Kooperation mit dem Schulbuchverlag LAMA (in Ausarbeitung)
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3398/2022
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 21.10.2022
- Erstellt
- 13.10.2022 15:39