2559/2018
Projekt „Plan27“ – Aufsuchendes Hilfeangebot für junge Menschen mit psychischen Problemen – Zwischenauswertung nach einem Jahr Projektlaufzeit
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Anlage2
41737 Zeichen
Gemeinsame Fachtagung
aller Arbeitskreise der
Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln
in Kooperation mit
der Koordinierungsgruppe U 27
"Vun nix kütt nix" – Junge Kölner bekommen
Hilfen!?"
am 20. März 2018
im Dominikus-Brock-Haus
der Alexianer Köln GmbH
Kölner Str. 64, 51149 Köln-Porz.
Programm
Presseinformation
Beiträge
Presseinformation
Am 20.3.2018 findet die Fachtagung "Vun nix kütt nix" - Junge Kölner bekommen Hilfen!?" statt.
Fachleute aus Jugendhilfe und Psychiatrie treffen sich im Dominikus-Brock-Haus der Alexianer Köln
GmbH zum Informationsaustausch.
Seit 2012 hat das Thema „Junge Menschen mit psychischen Problemen“ einen hohen Stellenwert in
der Stadt Köln. Die Arbeitskreise der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln (PSAG) und eine
Koordinierungsgruppe mit Vertretern von Jugendamt, Gesundheitsamt, JobCenter,
Landschaftsverband und Leistungserbringern aus Psychiatrie und Jugendhilfe haben intensiv an dem
Thema gearbeitet, in diesem Jahr werden die Ergebnisse vorgestellt: ein Gesamtkonzept, die
„Handlungsempfehlungen“, ein Gesprächsleitfaden für alle, die mit jungen Menschen mit
psychischen Problemen Kontakt haben, und drei neue Angebote, die in diesem Prozess geschaffen
wurden: das Beratungscafe Proberaum, das Projekt Proberaum WorX und das Projekt Plan 27.
Das Beratungscafe ist eine Anlaufstelle für junge Menschen, wo sie unverbindlich Kontakt und
Beratung finden können. Proberaum WorX bietet die Möglichkeit, sich auf die (Wieder-) Aufnahme
einer Ausbildung oder Berufstätigkeit vorzubereiten, Plan 27 nimmt Kontakt auf zu jungen
Menschen, die den Schritt zu diesen Hilfen hin noch nicht schaffen und holt sie da ab, wo sie sich
befinden.
Der Leitfaden richtet sich an alle, die mit jungen Menschen zu tun haben und unsicher sind, wie sie
sich verhalten sollen, wenn sie vermuten, dass ihr Gegenüber in einer Krise ist und vielleicht
Unterstützung braucht.
Die Arbeitskreise der PSAG berichten von ihren aktuellen Themen in der Arbeit mit jungen
Menschen, z.B. zu Themen wie sexuelle Identität, Suchtprobleme, Wohnungslosigkeit oder
ambulante Hospizarbeit
Auf der Homepage der Stadt Köln findet man die „Kölner Broschüre für junge Menschen bis 27 Jahre
mit psychischen Problemen“ und in Kürze auch den „Leitfaden im Umgang mit jungen Menschen bis
27 Jahre in psychischen Krisen“
Köln, den 10.1.2018
02 21 / 2 21-2 45 60
Fax 02 21 / 2 21-2 27 55
www.psychiatrie-koeln.de
_________________________________________________________________________________
PSAG Gesundheitsamt, Neumarkt 15 – 21, 50667 Köln
Programm
der gemeinsamen Fachtagung aller Arbeitskreise der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln
in Kooperation mit der Koordinierungsgruppe U 27
am 20. März 2018 im Dominikus-Brock-Haus der Alexianer Köln GmbH
Kölner Str. 64, 51149 Köln-Porz.
"Vun nix kütt nix" - Junge Kölner bekommen Hilfen!?"
9:30 Uhr Anmeldung und Stehkaffee
10:00 – 10:30 Uhr
Begrüßung durch Dr. Manfred Lütz, Chefarzt des Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychothera pie
und Neurologie der Alexianer Köln GmbH
PSAG und Koordinierungsgruppe U 27 im Gespräch mit Dr. Anne Bunte (Amtsleiterin des Ge-
sundheitsamtes Köln)
Barbara Müller-Kautz (Sprecherin der PSAG), Norbert Teutenberg (stellvertretender Sprecher der
PSAG), Olaf Wagner (Geschäftsführer JobCenter Köln) ,
Uta Morgenroth (Koordinierungsgruppe
U27), Stephan Glaremin (Amtsleiter Amt für Kinder, Jugend und Familie)
Moderation: Christoph Ahlborn (Koordinierungsgruppe U27)
10:30 – 10:50 Uhr
Junge Menschen mit psychischen Problemen – Köln hat sich diesem Thema gestellt!
Handlungsempfehlungen der Koordinierungsgruppe U 27 und ihre Umsetzung
Thomas Peters (Koordinierungsgruppe U27)
10:50 – 11.10 Uhr
Beratungscafé Proberaum für junge Menschen mit psyc hischen Problemen
Was geht ab?
Laura Schweikhart, Matthias Worms (Beratungscafé Pr oberaum der Alexianer Köln GmbH)
11:10 – 11:30 Uhr
Proberaum WorX für junge Menschen mit psych ischen Problemen
Wieder ins Gleichgewicht kommen!
Martina Griese (Jobcenter Köln)
11:30 – 11:50 Uhr
Aus der Netzwerkarbeit U 27 und Vorstellung des Lei tfadens für Fachkräfte
Claudia Zeitz (Alexianer Köln GmbH)
11:50 – 12:10 Uhr
Zugehende Hilfen für ju nge Menschen mit psychischen Problemen
Plan 27 - Perspektiven entwickeln – Wege eröffnen
Dorothea Stender, Uwe Armbruster (Plan 27)
12:10 – 13:00 Uhr Mittagspause mit Flyer-Tischen
13:00 – 13:30 Uhr Ergebnisse der Stichtagserhebungen in den psychiatrischen Fachkliniken Kölns
Erwin Martini (PSAG Arbeitskreis Erwachsenenpsychia trie)
13:30– 14:00 Uhr
Ambulanter Kinder - und Jugendhospizdienst Köln
Michael Heinrichsdorff (PSAG Arbeitskreis Psychosoz iale Versorgung von Kindern und Jugendli-
chen)
14:00 – 14:30 Uhr
Jugend – Sucht
Lebenswelten junger Menschen, die suchtaffin sind
Tim Bölling-Graf von Bassewitz, Markus Theis (PSAG Arbeitskreis Sucht)
14:30 – 15:00 Uhr
Lebenssituation und psychische Gesundheit von queer en Jugendlichen
Jürgen Piger (PSAG Arbeitskreis AIDS–Prävention)
15:00 – 15:15 Uhr Statement zur Situation junger psychisch und suchtk ranker wohnungsloser Menschen
Carsten Ostendorf (PSAG UAK Psychisch kranke Wohnun gslose)
15.15 -15.45 Uhr Resümee und Ausblick: Barbara Müller Kautz, Norbert Teutenberg (PSAG Köln), Matthias Albers
(Gesundheitsamt der Stadt Köln)
Psycho
Soziale
Arbeits
G emeinschaft Köln
Referentenliste:
Christoph Ahlborn, Einrichtungsleitung Haus Hermann -Josef, Stiftung Die Gute Hand
Matthias Albers, Abteilungsleitung Soziale Psychiatrie, Gesundheitsamt der Stadt Köln
Uwe Armbruster, Plan 27, AWO, „Der Sommerberg“
Tim Bölling-Graf von Bassewitz, Therapeutischer Leiter Ganztägig Ambulante Reha Sucht, Alexianer Köln
GmbH
Anne Bunte, Amtsleitung, Gesundheitsamt der Stadt K öln
Stephan Glaremin, Amtsleitung, Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln
Martina Griese; JobCenter Köln
Michael Heinrichsdorff, ehrenamtlicher Begleiter des Kinder- und Jugendhospizdienstes Köln
Manfred Lütz, Chefarzt, Alexianer Krankenhaus Köln
Erwin Martini, Sozialdienst, LVR-Klinik Köln
Uta Morgenroth, Koordinatorin Sozialpsychiatrisches Zentrum Köln-Rodenkirchen, Alexianer Köln GmbH
Barbara Müller-Kautz, Chefärztin Abteilung 1, LVR-K linik Köln
Carsten Ostendorf, Eliashaus; Johannesbund gGmbH
Thomas Peters, Abteilungsleitung, LVR-Dezernat 7 - Soziales
Jürgen Piger, Leitung Jugendzentrum anyway
Laura Schweikhart, Beratungscafé Proberaum der Alex ianer Köln GmbH
Dorothea Stender, Plan 27, Alexianer Köln GmbH
Norbert Teutenberg, SKM Köln, Sachgebietsleitung Ge sundheits- und Suchthilfe
Markus Theis, SKM Köln, JUGEND SUCHT BERATUNG KÖLN Fachstelle für Sucht- und AIDS-Prävention
Olaf Wagner, Geschäftsführer JobCenter Köln
Matthias Worms, Beratungscafé Proberaum der Alexia ner Köln GmbH
Claudia Zeitz, Koordination der U27 Angebote der Al exianer Köln GmbH
Stand 15.3.2018
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Queer ist ein Synonym für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*und inter* (lsbti*)
Identitäten (also alle nicht-heterosexuellen und/oder nicht-cissexuellen Identitäten).
Also QUEER = LSBTI* (engl. LGBTI)
Mit lsbti* Jugendliche / queere Jugendliche werden zusammenfassend lesbische,
schwule, bisexuelle, trans*und inter* Jugendliche beschrieben.
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Beratungscafé Proberaum
Köln
Beratungscafé Proberaum
Was geht ab?
Beratungscafé Proberaum
Köln
Kurze Geschichte des Proberaums
Bedarf für spezielles Angebot für junge Menschen wurde im
SPZ Rodenkirchen deutlich
Proberaum in Betrieb seit November 2013
Die ersten drei Jahre Förderung durch die Aktion Mensch als
Projekt
Zielgruppe: junge Menschen bis 27 Jahren mit einer
psychischen Erkrankung/Krise
Beratung von Angehörigen und Profis
Schnell wurde der große Bedarf in Köln deutlich
Seit 2016 Weiterfinanzierung durch die Stadt Köln
Beratungscafé Proberaum
Köln
Wer kommt?
Junge Menschen zwischen 17 und 27 Jahren
Mit Diagnose oder ohne Diagnose
Mit langer Psychiatrie-Erfahrung – ohne jegliche
Psychiatrie-Erfahrung
Ohne Schulabschluss – mit angefangenem Studium
Wohnen alleine – mit den Eltern – vereinzelt in Einrichtungen
Gesicherter Lebensunterhalt – Situation völlig ungeklärt
aus allen Stadtbezirken Kölns
Beratungscafé Proberaum
Köln
Und wie viele sind das so?
Zahlen aus dem Jahr 2017:
218 Beratungsgespräche
384 Telefongespräche
Zu jedem Angebot kommen ca. zwischen 5 und 15 TeilnehmerInnen
Beratungscafé Proberaum
Köln
Was geht ab? Jede Menge!
Beratungscafé Proberaum
Köln
Was geht ab? Jede Menge!
…. und natürlich Beratung
Beratungscafé Proberaum
Köln
Was soll das Ganze?
Niedrigschwellige Anlaufstelle
Raus aus der Isolation
Raum, sich auszuprobieren
Dinge üben, die schwer fallen
Gute Erfahrungen machen
Vernetzung untereinander
Experte in eigener Sache werden
Beratungscafé Proberaum
Köln
Was sind die Herausforderungen mit
dieser Zielgruppe? (1)
Sehr unterschiedliche Problemlagen, extreme Heterogenität der
Gruppe
Teilweise wenig Erfahrung mit der Erkrankung,
Auseinandersetzung hat oft noch nicht stattgefunden
Nachreifung der Persönlichkeit nötig
Meist noch keine berufliche oder private
Lebensperspektive/ -planung
Beratungscafé Proberaum
Köln
Was sind die Herausforderungen mit
dieser Zielgruppe? (2)
Frühlingsgefühle – Beziehungsstress
Teilweise hohe Unzuverlässigkeit
Als MitarbeiterIn muss ich täglich neu überlegen, wie ich reagiere
Beratungscafé Proberaum
Köln
Danke für Ihre Aufmerksamkeit !
Ein Gemeinschaftsprojekt des
Jobcenter Köln und der Alexianer Köln GmbH
mit Unterstützung der Kämpgen-Stiftung.
20.03.2018 © Jobcenter Köln 2018, Martina Griese, Proberaum
WorX 1
Wieder ins Gleichgewicht kommen –
Woher stammt das Angebot?
Handlungsempfehlungen der
Koordinierungsgruppe U27
bilden die Grundlage für die
Entwicklung des Proberaum
WorX.
Eröffnung des Proberaum
WorX erfolgt im September
2016.
Finanzierung erfolgt über
mehrere Kostenträger. Die
Beteiligung des Jobcenter Köln
wurde durch die Einführung
des § 16h SGB II möglich.
20.03.2018 © Jobcenter Köln 2018, Martina Griese, Proberaum
WorX 2
Wieder ins Gleichgewicht kommen –
Wer braucht das?
Was müssen Interessenten/innen mitbringen?
• Alter unter 25 Jahre
• Wunsch, den Alltag besser bewältigen zu können
• Wunsch, im Proberaum WorX eine neue Perspektive zu entwickeln
Welche Zugangswege gibt es? (Beispiele)
• Klinikaufenthalt bei den Alexianern
• Proberaum
• Institutsambulanz
• Jobcenter Köln
• Maßnahme-Träger
• Beratungsangebote
20.03.2018 © Jobcenter Köln 2018, Martina Griese, Proberaum
WorX 3
Wieder ins Gleichgewicht kommen –
Was beinhaltet das?
Tages-/Wochenstruktur Realistische Perspektiven
Konzentrationsfähigkeit
Alltagskompetenzen
Belastbarkeit
Kontakt zu anderen
Umgang mit der Erkrankung
20.03.2018 © Jobcenter Köln 2018, Martina Griese, Proberaum
WorX 4
Wieder ins Gleichgewicht kommen –
Was macht das Angebot besonders?
• Zugang unabhängig von Leistungsbezug
• Individuelles Angebot
• Nachfassend, Kontakt haltend, verbindlich
• Durchlässigkeit in andere Angebote
• Vernetzung (z.B. mit Fallmanagern/innen im Jobcenter)
• Viel Zeit für Beratung
20.03.2018 © Jobcenter Köln 2018, Martina Griese, Proberaum
WorX 5
Proberaum WorX
Claudia Zeitz
Ringstraße 49-55
50996 Köln
Tel.: (0221) 28 07 00 55 oder
Tel.: (0177) 2911903
proberaum.koeln@alexianer.de
www.spz-rodenkirchen.de
Jobcenter Köln
Martina Griese
Pohligstraße 3
50969 Köln
Tel.: (0221) 94 29 – 86 76
martina.griese@jobcenter-ge.de
www.jobcenterkoeln.de
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
20.03.2018 © Jobcenter Köln 2018, Martina Griese, Proberaum
WorX 6
Soziale Isolation
Keine schulische und/oder berufliche Perspektive
keine tragende Tagesstruktur
Keine Einbindung in die Regelversorgung
Gravierende familiäre Konflikte
Überforderung mit dem Aufbau einer selbständigen Lebensführung
vorwiegende Problemlagen
Niedrigschwelliger Zugang
Zugehender, aufsuchender Ansatz
Keine starre Zeitvorgabe pro Klient
Hohe Toleranz bzgl. Ausfallzeiten
Schließt die Lücke zwischen den Hilfesystemen Jugendhilfe und Eingliederungshilfe
Abgrenzung zu BeWo: keine Diagnose erforderlich, es können auch Klienten unterstützt werden, die noch im Haushalt der Eltern leben, aber (noch) keinen Auszugswunsch haben.
Was zeichnet Plan 27 aus?
Erfolgte Anbindungen
Berufliche Reha
Berufliche Reha
Medizinische Reha
Medizinische Reha
Berufspraxis-Klasse des Joseph-Dumont-Berufskollegs
Berufspraxis-Klasse des Joseph-Dumont-Berufskollegs
Ambulanz der Psychiatrie Merheim
Ambulanz der Psychiatrie Merheim
Kompetenz-agentur
Kompetenz-agentur
Praxis für Verhaltens-therapie
Praxis für Verhaltens-therapie
Ambulant betreutes Wohnen
Ambulant betreutes Wohnen
ResodiensteJobcenter
ResodiensteJobcenter
Jugendwerkstatt Hansaring
Jugendwerkstatt Hansaring
„Work4You“Don-Bosco-Club
„Work4You“Don-Bosco-Club
Schuldnerhilfe Köln
Schuldnerhilfe Köln
Ambulanter Pflegedienst
Ambulanter Pflegedienst
„Proberaum“ Alexianer Köln
„Proberaum“ Alexianer Köln
U30-Freizeitgruppe SPZ Kalk
U30-Freizeitgruppe SPZ Kalk
Joblotsen
Joblotsen
Station 18 der LVR Klinik in Merheim
Station 18 der LVR Klinik in Merheim
Facharztpraxis für Psychiatrie
Facharztpraxis für Psychiatrie
Yoga-Kurs der VHS Köln
Yoga-Kurs der VHS Köln
Trauma-Ambulanz
Trauma-Ambulanz
Tagesklinik
Tagesklinik
Gesetzliche Betreuung
Gesetzliche Betreuung
Insomnie-Sprechstunde
Insomnie-Sprechstunde
FETZ
FETZ
Offroad Kids
Offroad Kids
Tagesstätte im SPZ KalkDer „Sommerberg“
Tagesstätte im SPZ KalkDer „Sommerberg“
Sucht-AmbulanzLVR-Klinik Merheim
Sucht-AmbulanzLVR-Klinik Merheim
Institutsambulanz Rodenkirchen
Institutsambulanz Rodenkirchen
Wohnbereich der Alexianer
Wohnbereich der Alexianer
Proberaum WorXAlexianer
Proberaum WorXAlexianer
Grundsicherung, Sozialhilfe
Grundsicherung, Sozialhilfe
Fachstelle Wohnen, Stadt Köln
Fachstelle Wohnen, Stadt Köln
Vielen Dankfür Ihre Aufmerksamkeit!Wir beantworten gerne Ihre Fragen…
Der Oberbürgermeister
Leitfaden im Umgang mit jungen Menschen bis 27 Jahre in psychischen Krisen
Subheadline
Leitfaden im Umgang mit
jungen Menschen bis 27 Jahre
in psychischen Krisen
Seite 3
Gesundheitsamt
Leitfaden im Umgang mit jungen Menschen bis 27 Jahre in psychischen KrisenSeite 2Gesundheitsamt
Leitfaden im Umgang mit jungen Menschen bis 27 Jahre in psychischen Krisen Inhaltsverzeichnis:
1. Welche Zielgruppe steht im Vordergrund?
Um wen geht es genau? ............................................................... Seite 6
2. Welche Verhaltensweisen können in diesem Kontext häufig
beobachtet werden? .................................................................... Seite 8
3. Was kann in akuten Krisensituationen helfen? .............................. Seite 10
4. Welche Handlungsoptionen stehen grundsätzlich zur
Verfügung? ................................................................................. Seite 13
5. Welche Informationen können noch von Interesse sein? .............. Seite 14
Die Oberbürgermeisterin
Gesundheitsamt
Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gestaltung
Zentrale Dienste der Stadt Köln
Druck
LVR-Druckerei
Integrationsabteilung
Ottoplatz 2, 50679 Köln
13-CS/500/01.2018
Seite 4
Seite 5
Gesundheitsamt
Leitfaden im Umgang mit jungen Menschen bis 27 Jahre in psychischen Krisen
Liebe Leserinnen und Leser,
der vorliegende Leitfaden möchte Fachkräften Informationen und Anregun-
gen an die Hand geben, die Kontakt zu jungen Menschen mit psychischen
Problemen, gegebenenfalls noch nicht diagnostizierten psychischen Erkran-
kungen oder seelischen Behinderungen haben. Dies können beispielsweise
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, die in der Jugendhilfe, in Schulen
sowie in den Freizeit-, Arbeits- und Bildungseinrichtungen tätig sind.
Der Leitfaden soll Antworten auf verschiedene Fragestellungen liefern und
der praxisnahen Unterstützung dienen. Erstellt wurde er vom „Netzwerk
psychosozialer Angebote U 27-Köln“ in Zusammenarbeit mit der „Koordinie-
rungsgruppe für junge Menschen mit psychischen Problemen U 27“, beste-
hend aus Vertreterinnen und Vertretern des Amtes für Kinder, Jugend und
Familie, der Alexianer Köln GmbH, des Gesundheitsamtes, des Jobcenters
Köln, des Landschaftsverbandes Rheinland, der LVR-Klinik Köln und der
Stiftung Die Gute Hand.
Die Koordinierungsgruppe U 27 entwickelte bereits in 2014 eine Sammlung
von Adressen und Hintergrundinformationen, die unter dem Titel „Kölner
Broschüre für junge Menschen bis 27 Jahre mit psychischen Problemen“
online auf den Seiten der Stadt Köln (www.stadt.koeln) bzw. auf dem
Internetportal der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln (www.psychiat-
rie-koeln.de) zu finden ist und von Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten
gleichermaßen genutzt wird.
Der Leitfaden ist auf der Grundlage vieler Gespräche mit betroffenen jungen
Menschen, ihren Angehörigen sowie zahlreichen Fachleuten entstanden und
soll die „Kölner Broschüre für junge Menschen bis 27 Jahre mit psychischen
Problemen“ um Aspekte des Umgangs mit jungen Menschen bis 27 Jahre in
psychischen Krisen ergänzen.
Änderungs- und Ergänzungsvorschläge zu diesem Wegweiser senden Sie
bitte an:
Gesundheitsamt der Stadt Köln
Psychiatrie- und Suchtkoordination,
Gesundheitsberichterstattung und -aufklärung
Neumarkt 15 – 21
50667 Köln
53-Gesundheitskoordination@stadt-koeln.de
Seite 6
Seite 7
1. Welche Zielgruppe steht im Vordergrund? Um wen geht es genau?
Sie haben Kontakt zu einem jungen Menschen und Ihnen fällt etwas auf, das
Sie vielleicht noch nicht sofort einordnen können. Dabei ist es unerheblich,
ob Sie die Person bereits länger kennen oder ihr zum ersten Mal begegnen.
Vielleicht beobachten Sie oder können den Äußerungen entnehmen, dass Ihr
Gegenüber
– sich nicht konzentrieren kann, um einem Gespräch zu folgen.
– immer wieder gedanklich abdriftet und von großer Unruhe getrieben
wird.
– sich von anderen zurückgezogen hat.
– nicht mehr leistungsfähig ist.
– sehr niedergeschlagen und antriebsarm wirkt.
– sich in letzter Zeit verändert hat (zum Beispiel vormals gesprächig und
jetzt unzugänglich).
– ein impulsives Verhalten zeigt.
– sich selbst verletzt.
– Todeswünsche formuliert.
In diesen und anderen Situationen möchte Ihnen dieser Leitfaden mögliche
Optionen aufzeigen und Hilfestellungen geben. Das Gefühl – es könnte
etwas nicht stimmen – ist ein wichtiger Hinweis, dem nachgegangen werden
sollte, um die Chancen einer möglichst frühzeitigen Unterstützung nutzen zu
können.
Die Lebenssituationen dieser jungen Menschen sind oftmals sehr komplex
und werden von ganz unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Die Betroffe-
nen empfinden nicht selten eine Perspektivlosigkeit und nehmen möglicher-
weise selbst wahr, dass sie an Grenzen stoßen und Probleme für sie unüber-
windbar erscheinen.
Vielleicht haben Sie bereits mit jungen Menschen Kontakt gehabt,
– die ihre schulische Laufbahn ohne Zukunftsplanung enden lassen.
– die seit ihrem – teilweise Jahre zurückliegenden – Abschluss oder Abbruch
der Schule keine klare Lebensperspektive entwickeln konnten.
– die im Haushalt ihrer Herkunftsfamilie oder ohne festen Wohnsitz bei
Bekannten leben und keine gezielten Aktivitäten zur Verselbstständigung
in Angriff nehmen.
– die unter immer stärker werdenden familiären Konflikten leiden.
– die aus einer Einrichtung der stationären Jugendhilfe in die Obdachlosig-
keit entlassen werden mussten, ohne dass eine Perspektive erarbeitet
werden konnte.
– die an beruflichen Maßnahmen teilgenommen haben und diese nicht
durchhalten konnten.
– die nicht genau wissen, wie sie ihre Ziele in den unterschiedlichen Lebens-
bereichen verwirklichen können.
– die eine Ausbildung begonnen oder abgeschlossen haben, danach oder
während dessen jedoch (immer wieder) in eine psychische Krise geraten
sind.
Diese Lebenssituationen können Ihnen in der Praxis beispielhaft begegnen.
Darüber hinaus fallen Ihnen vielleicht weitere Phänomene und Verhaltens-
weisen auf, die bei jungen Menschen mit psychischen Problemen zusätzlich
auftreten und letztendlich zum Beispiel zu einem Schulabbruch, Obdach-
losigkeit, psychischen Krisen und Erkrankungen führen können.
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2. Welche Verhaltensweisen können in diesem Kontext häufig
beobachtet werden?
Junge Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenalter durchlaufen eine für sie
schwierige Lebensphase. Körperliche Veränderungen werden als belastend
und notwendige Entwicklungsschritte als große Hürde erlebt. Manche junge
Menschen meistern diese Herausforderungen, andere reagieren mit Rückzug
und Abwehr, nehmen Drogen oder trinken Alkohol, um dem Druck zu
entgehen und sich in eine eigene Welt zu flüchten.
Die folgenden Fallbeispiele beschreiben drei junge Menschen in unterschied-
lichen Situationen mit Verhaltensweisen, die eine Lebensplanung noch
zusätzlich beeinflussen.
Daniel ist gerade 18 Jahre alt geworden und hat kaum soziale Kontakte.
Seine alten Freunde aus der Schule sieht er nicht mehr, da er nur
ungern das Haus verlässt. Meist spielt er bis tief in die Nacht Computer-
spiele und wacht dann erst am Nachmittag auf. Seine Eltern drängen
ihn ständig, wieder in die Schule zu gehen oder sich einen Ausbildungs-
platz zu suchen, doch Daniel kann sich zu nichts aufraffen. Er findet
immer wieder Gründe, die ihn daran hindern, etwas in Angriff zu
nehmen. Gleichzeitig scheint er mit seiner Situation sehr unzufrieden
zu sein. Das Gefühl verschwindet aber schnell, wenn er Cannabis raucht
und laute Musik hört.
Nadine, 21 Jahre, hat erneut die Ausbildung zur Friseurin abgebrochen,
weil sie im ersten Lehrjahr in ihren Augen „niedere Dienste“ wie den
Boden fegen, Handtücher waschen und Kaffee kochen übernehmen
musste. Sie sieht ganz klar die Schuld bei ihrer Chefin, die ihr Talent nicht
richtig gefördert hat. Bisher konnte sie immer wieder Menschen finden,
die sich für ihre Interessen einspannen ließen. Daher ist sie zuversichtlich,
dass sie – nach den drei Ausbildungsabbrüchen – wieder eine neue Stelle
finden wird. Nadines Gedanken kreisen sehr um sich selbst und sie fühlt
sich in vielen Momenten abgelehnt, einsam oder nicht verstanden.
Manchmal hält sie den inneren Druck nicht mehr aus und verletzt sich
mit einer Rasierklinge. Ihre letzte Chefin hatte die Spuren an ihren Armen
entdeckt und wollte mit ihr eine Beratungsstelle oder einen Therapeuten
aufsuchen. Als sie nicht locker ließ, ist Nadine mit den Worten: „… wer
braucht denn schon so was!“ einfach gegangen.
Carsten ist 24 Jahr alt. Er besucht ein Berufskolleg und hat sich am
Anfang dort auch gut einlebt. Jetzt sieht er immer wieder, dass seine
Mitschüler hinter seinem Rücken über ihn lachen. Er glaubt, dass sie
ständig Handyfilme von ihm drehen, um diese mit fiesen Kommentaren
ins Netz zustellen. Carsten kann sich in der Schule gar nicht mehr
konzentrieren und muss ständig den Klassenraum für ein paar Minuten
verlassen. Dann kontrolliert er den Schulhof, da er glaubt, Jugendliche
aus seiner Straße würden ihm draußen auflauern. Wenn die Lehrer ihn
ansprechen, sagt er meist das, was ihm gerade durch den Kopf geht
und in keinem Zusammenhang mit der Gesprächssituation steht.
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3. Was kann in akuten Krisensituationen helfen?
Im Folgenden werden Situationen beschrieben aus denen sich möglicherweise
Handlungsbedarfe ergeben können.
– Sie treffen auf einen jungen Menschen, der Ihnen gegenüber sehr
gereizt auftritt und scheinbar von innerer Unruhe getrieben wird. Er
oder Sie fühlt sich vielleicht sogar verfolgt, äußert, Stimmen zu hören
oder beschreibt Ihnen, dass andere Menschen sich ständig über ihn/
über sie lustig machen. Im Kontakt stellen Sie fest, dass die Gedanken
Ihres Gegenübers langsamer oder rasend schnell werden und nur eine
bedingte Bereitschaft/Fähigkeit besteht, sich auf ein Gespräch einzu -
lassen. Es kommt sogar vor, dass ein Gespräch mit Ihnen unvermittelt
abgebrochen und der Raum verlassen wird. Sie haben das Gefühl, den
jungen Menschen gar nicht mehr erreichen zu können und jegliche
Realitätsüberprüfung scheitert bzw. löst eher Angst und Verunsicherung
aus.
Diese Hinweise lassen vermuten, dass eine psychotische Störung
vorliegen könnte und professionelle medizinische Hilfe sinnvoll wäre.
– Sie treffen auf einen jungen Menschen, der Ihnen mit einer extrem
gedrückten Stimmung begegnet. Ihnen wird berichtet, dass er/sie den
Alltag nicht bewältigen und die sonst so geschätzten Aktivitäten nicht
mehr durchführen kann. Eine ausgeprägte Müdigkeit nach jeder
kleinsten Anstrengung wird Ihnen geschildert. Des Weiteren erfahren
Sie, dass Ihr Gegenüber unter Appetitlosigkeit leidet, häufig die ganze
Nacht wach liegt und den versäumten Schlaf erst am Tag nachholen
kann. Im Gespräch bemerken Sie, dass der junge Mensch kaum Freude
empfindet und sich nutzlos vorkommt. Er oder Sie spricht mit Ihnen
über Schuldgefühle oder Gedanken zur eigenen Wertlosigkeit. Die
gedrückte Stimmung ändert sich während Ihres Kontaktes nur wenig
bis gar nicht oder wird sogar noch schlimmer. Sie können regelrecht
spüren, dass der junge Mensch dringend Unterstützung benötigt.
Diese Hinweise lassen vermuten, dass eine depressive Störung
vorliegen könnte und professionelle medizinische Hilfe sinnvoll wäre.
– Sie treffen auf einen jungen Menschen, der das Gespräch mit Ihnen auf
Themen wie Tod oder Sterben fokussiert. Vielleicht werden auch in etwas
flapsiger oder spaßiger Art und Weise Kommentare wie „… da kann ich mir
doch gleich einen Strick nehmen“ geäußert. Die Ernsthaftigkeit und
Entschlossenheit solcher oder ähnlicher Reaktionen sind in der Situation für
Sie nur schwer einschätzbar und es bleibt ein Rest von Unsicherheit übrig.
Sollten Sie allerdings mit konkreten Aussagen wie „… ich kann mir genau
vorstellen, wie ich mir das Leben nehmen will“ oder aber auch „… ich würde
mich am liebsten von einer Brücke stürzen“ konfrontiert werden, sind
Anhaltspunkte gegeben, die auf eine akute Krise schließen lassen.
Wenn Ihnen die aufgeführten Beschreibungsmerkmale im Kontakt mit
jungen Menschen begegnen, können folgende Strategien helfen:
– Zunächst einmal sollten Sie in der Situation Ruhe bewahren.
– Bleiben Sie möglichst im Kontakt mit der Person.
– Zeigen Sie Verständnis für die persönliche Situation des jungen Menschen.
– Fragen Sie bei einem depressiven jungen Menschen, ob es in der Vergan-
genheit bestimmte Handlungen oder andere Dinge gab, die ihm/die ihr
geholfen haben und zeigen Sie Verständnis, dass zurzeit alles sehr viel
Kraft kostet.
– Bei auftretender Unruhe kann das Setting verändert und beispielsweise
das enge Büro verlassen werden. Schlagen Sie alternativ einen gemeinsa-
men Spaziergang vor.
– Bei Reizüberflutung ist es gut, die Person in eine wohlwollende und reiz-
ärmere Umgebung zu bringen. Sorgen Sie für eine entspannte Situation
und gehen Sie möglichst auf die Symptome ein.
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– Bei paranoiden Menschen, die sich verfolgt fühlen und/oder Stimmen
hören, nützt ein Realitätsabgleich nicht sehr viel, denn Sie werden die
Person damit nicht erreichen. Zeigen Sie auch hier Verständnis zum
Beispiel für seine/ihre Ängste – auch das kann beruhigend wirken.
– Bei suizidalen Äußerungen sollten Sie Ihre Befürchtungen offen äußern
und rückmelden, dass Sie sich Sorgen machen.
Haben Sie den Eindruck, dass eine massive Gefährdung für den jungen
Menschen oder für eine andere Person besteht, ist ein unmittelbares
Handeln angezeigt und über den Notruf 112 Hilfe zu holen.
4. Welche Handlungsoptionen stehen grundsätzlich zur Verfügung?
Wenn Sie die in Punkt 2 aufgeführten Beobachtungen und Äußerungen
feststellen oder die in Punkt 3 beschriebenen Verhaltensweisen erkennen,
haben Sie je nach Situation mehrere Handlungsoptionen.
Sie können beispielsweise
– einen Kollegen oder eine Kollegin beratend hinzuziehen und mögliche
weitere Vorgehensweisen besprechen.
– das nächste Gespräch zusammen mit einem Kollegen oder einer Kollegin
führen.
– Informationen bei Fachleuten aus dem psychiatrischen Bereich einholen
und sich beraten lassen. Dies ist auch anonym möglich, ohne Nennung
des Namens der betroffenen Person (siehe hierzu unter Punkt 5). Scheuen
Sie sich nicht, einen kollegialen Rat einzuholen, der Ihnen in der Situation
sicher weiterhelfen kann.
– dem jungen Menschen anbieten, gemeinsam telefonischen Kontakt zu
einer psychiatrisch ausgerichteten Stelle aufzunehmen und einen Termin
zu vereinbaren. Vielleicht ist es Ihnen auch möglich, ihn/sie zu begleiten
oder eine Begleitung durch eine Vertrauensperson zu organisieren.
– vorschlagen, dass der junge Mensch (gegebenenfalls auch mit den Eltern)
eine Beratungsstelle aufsucht (zum Beispiel Beratungscafé Proberaum)
oder die Online-Beratung nutzt (siehe unter Punkt 5).
Sollte der junge Mensch – ganz gleich was Sie vorschlagen – jede Hilfe
ablehnen, dann nehmen Sie Kontakt zu den Fachleuten aus dem psychiatri-
schen Bereich auf (siehe unter Punkt 5) und überlegen mit ihnen gemein-
sam, wie es weitergehen könnte.
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Seite 15
Online-Beratung
www.jugendnotmail.de
… bietet anonyme und kostenlose Online-Beratung durch qualifizierte
Experten an: www.jugendnotmail.de
Online-Beratung des Caritasverbandes
… berät kompetent, vertraulich, kostenfrei und schnell per Mail und vermit-
telt bei Bedarf ein persönliches Gespräch mit einer Beraterin/einem Berater.
Online-Beratung für suizidgefährdete Jugendliche
www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/u25/
Beratung für Kinder und Jugendliche
www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/kinderjugendelternfamilie/
Online-Beratung bei Behinderung und psychischen Erkrankungen
www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/
behinderungundpsychischeerkrankung/
5. Welche Informationen können noch von Interesse sein?
Sämtliche Angebote finden Sie in der „Kölner Broschüre für junge Menschen
bis 27 Jahre mit psychischen Problemen“. Sie ist online unter anderem auf
dem Internetportal der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln
(www.psychiatrie-koeln.de) zu finden. Aus diesem Grund werden nachfolgend
nur einige Angebote benannt, die Betroffene, Angehörige und Fachleute bei
psychiatrischen Problemen von jungen Menschen beraten können:
Beratung für junge Leute bis 27 Jahre und ihre Angehörigen bei
psychischen Krisen und psychischen Erkrankungen
Das Beratungscafé „Proberaum“ der Alexianer Köln GmbH bietet für junge
Leute mit psychischen Problemen und ihre Angehörigen aus ganz Köln
Beratung und offene Angebote an.
Adamstraße 27, 50996 Köln
Telefon 0221/170 50 78 21
proberaum.koeln@alexianer.de
Beratung für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren
Die Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle im Gesundheitsamt
beantwortet psychiatrische oder psychotherapeutische Fragen beispielswei-
se über Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.
Neumarkt 15 – 21, 50667 Köln
Telefon 0221/221 - 2 73 82 oder - 2 47 05
KJP-Beratungsstelle@stadt-koeln.de
Beratung für erwachsene Menschen über 18 Jahre bei psychischen Krisen
und psychischen Erkrankungen
Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes unterstützt bei
Fragen zu psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen.
Neumarkt 15 – 21, 50667 Köln
Telefon 0221/221 - 2 47 10
sozialpsychiatrischerdienst@stadt-koeln.de
Anlage1
49168 Zeichen
ESF- Einzelprojekt Nr. 505263 – „Plan27“
Projektzwischenbericht der Stadt Köln, Gesundheitsamt
Zeitraum 01.04.2017 bis 31.03.2018
für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW
Plakat Projekt Plan27
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
2
Inhalt:
Projektdaten im Überblick ..................................................................................................... 3
1 Kurzbeschreibung: Ausgangslage zum Projektbeginn ................................................... 4
1.1 Problemlage Zielgruppe/Quartier .............................................................................................. 4
1.2 Lösungsansätze .......................................................................................................................... 4
1.3 Ziele ............................................................................................................................................... 5
1.4 Sozialraumbezogene Umsetzung und Träger der Maßnahme ................................................ 5
2 Umsetzung zum Berichtszeitraum ..................................................................................... 6
2.1 Projektverlauf ............................................................................................................................... 6
2.1.1 Start des Projekts ................................................................................................................... 6
2.1.2 Teilnahme und Ausgangssituation ......................................................................................... 8
2.1.3 Persönlicher Hintergrund der Teilnehmenden ....................................................................... 9
2.1.4 Problemlagen ....................................................................................................................... 11
2.1.5 Fazit...................................................................................................................................... 13
2.2 Erkenntnisse im Verlauf des Projekts und Lösungsansätze ................................................ 13
2.2.1 Fazit ...................................................................................................................................... 14
2.3 Umsetzung der Ziele: ................................................................................................................ 15
2.3.1 Vermittlung ins Regelsystem – Überblick ............................................................................. 15
2.3.2 Vermittlung – parallel in Regelangebote unterschiedlicher Lebensbereiche ....................... 16
2.3.3 Vermittlung ins Regelsystem im Bereich Gesundheit .......................................................... 17
2.3.4 Vermittlung ins Regelsystem im Bereich Schule/Beruf ........................................................ 18
2.3.5 Vermittlung ins Regelsystem im Bereich Wohnen ............................................................... 19
2.3.6 Überleitung bei Abschluss der Maßnahme .......................................................................... 19
2.3.7 Vernetzung der Träger im Sozialraum und im sozialpsychiatrischen Hilfesystem ............... 20
2.3.8 Ziele für den weiteren Verlauf des Projektzeitraums und Perspektiven darüber hinaus ..... 22
2.3.9 Fazit...................................................................................................................................... 22
3 Bisherige Erkenntnisse Stand März 2018 und Ausblick ................................................ 23
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
3
Projektdaten im Überblick
ESF-Einzelprojekt „Plan27“ im Rahmen von „Starke Veedel – starkes Köln“,
Bericht zum Projektverlauf 01.04.2017 bis 31.03.2018
Titel: Zugehende Hilfe zur Überleitung ins Regelsystem
und Entwicklung einer beruflichen Perspektive für
junge Menschen mit psychischen Problemen bis
27 Jahre in allen Sozialraumgebieten, „Plan 27“
Kommune: Stadt Köln
Quartiere: Ausgewiesene Sozialraumgebiete der Stadt Köln:
Buchheim/Buchforst
Höhenberg/Vingst
Humboldt/Gremberg und Kalk
Mülheim-Nord/Keupstraße
Ostheim/Neubrück
Porz-Ost/Finkenberg/Gremberghoven/Eil
Bilderstöckchen
Blumenberg/Chorweiler/Seeberg-Nord
Bickendorf/Westend/Ossendorf
Bocklemünd/Mengenich
Meschenich/Rondorf
Ansprechpartner/in Kommune Gesundheitsamt Köln, Elisa Ostermann
Durchführende Projektträgerin-
nen/Projektträger und An-
sprechpartnerin-
nen/Ansprechpartner
Alexianer Köln GmbH/ Frau Morgenroth
Der Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH -
Flexible Dienste Köln Kalk/ Herr Mönch
Verein SPZ Köln-Nippes und
Köln-Chorweiler e. V./ Frau Schwarz
Mittelvolumen ESF 275.184 €
Laufzeit 01.04.2017 – 31.03.2019
Regionalagentur GIB, Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförde-
rung mbH in Bottrop
Ansprechpartner Herr Helmut Kleinen
Geschäftszeichen Geschäftszeichen ESF-505263
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
4
1 Kurzbeschreibung: Ausgangslage zum Projektbeginn
1.1 Problemlage Zielgruppe/Quartier
Die ausgewiesenen Sozialraumgebiete der Stadt Köln sind gekennzeichnet durch wirtschaft-
liche, soziale und gesundheitliche Benachteiligung. Hier leben gehäuft Familien mit niedri-
gem sozialen Status und Multiproblemlagen.
Viele der dort aufwachsenden jungen Menschen bis 27 Jahre werden aufgrund von ganz
unterschiedlichen Problemkonstellationen daran gehindert, eine eigene Lebensperspektive
zu entwickeln – insbesondere im Hinblick auf eine berufliche Zukunftsgestaltung. Ihnen fällt
es schwer, die altersüblichen Entwicklungsschritte zu gehen. Sie ziehen sich zurück, vermei-
den Kontakt zu anderen Menschen oder verhalten sich aggressiv und abweisend. Oft wer-
den auch Alkohol bzw. illegale Drogen konsumiert. Ursache eines solches Verhaltens kön-
nen psychiatrische sowie weitere Beeinträchtigungen oder Erkrankungen sein, die als solche
meist (noch) nicht diagnostiziert sind. Dies müsste aber frühzeitig erkannt und bei der weite-
ren schulischen oder beruflichen Planung berücksichtigt werden. Unter Umständen wäre
(vorgeschaltet oder) parallel eine Behandlung/Therapie erforderlich, um eine berufliche Per-
spektive überhaupt in Angriff nehmen zu können. Erfahrungswerte belegen, dass junge
Menschen, die in einem sozial benachteiligten Umfeld leben und zusätzlich eine psychische
Beeinträchtigung aufweisen, häufig nur durch einen sehr niedrigschwelligen, aufsuchenden
Zugang an das Regelsystem wie zum Beispiel gesundheitliche Versorgung, das Bildungs-
system und/oder Arbeit herangeführt werden können.
1.2 Lösungsansätze
Die Maßnahme beinhaltet die intensive, bedarfsorientierte und gezielte Unterstützung der
Betroffenen zur Entwicklung einer realistischen Lebensperspektive bei Berücksichtigung der
psychischen Problematik. Dafür wird geschultes Fachpersonal eingesetzt, das aufsuchend
tätig ist, über sozialpsychiatrische Kenntnisse verfügt und eng mit dem psychiatrischen Hilfe-
system zusammenarbeitet. Die Betroffenen werden nach behutsamer Kontaktaufnahme an
geeignete Regelangebote heranführt und dorthin vermittelt.
Kölner Expertinnen und Experten unterschiedlicher Institutionen, zum Beispiel Jobcenter,
Landschaftsverband, Ämter der Stadt Köln, Träger der Jugendhilfe und Erwachsenenpsychi-
atrie, haben Anfang 2016 Handlungsempfehlungen für spezielle Hilfen bezogen auf die Ziel-
gruppe junger Menschen mit psychischen Problemen entwickelt. Die hier vorliegende Maß-
nahme fungiert als ein wesentlicher Baustein innerhalb dieser bedarfsorientierten Angebots-
struktur neben einem Beratungsangebot, einem Kontaktangebot und Hilfen zur Tagesstruk-
turierung/Beschäftigung.
Bildungseinrichtungen wie Schulen, sonstige städtische Einrichtungen, Jobcenter U25, alle
Akteure in den Sozialraumgebieten vor Ort sowie die Jugendhilfe sind wichtige Kooperati-
onspartner. Unter anderem erhalten diese auch Hinweise auf Personen der bedürftigen Ziel-
gruppe oder stehen in Kontakt mit ihnen. Mit dem Jobcenter und U25 gibt es bei der einzel-
fallbezogenen Begleitung, beispielsweise der Entwicklung einer beruflichen Perspektive, eine
enge Zusammenarbeit.
Das Angebot ergänzt das bestehende Regelangebot des Sozialpsychiatrischen Dienstes des
Gesundheitsamtes, das aufsuchende Hilfen und Beratung für Erwachsene mit einer psychi-
schen Erkrankung nach den gesetzlichen Regelungen des ÖGDG NRW (Gesetz über den
öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen) und PsychKG (Gesetz
über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten) insbesondere in Krisensi-
tuationen vorhält.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
5
1.3 Ziele
Im Projektzeitraum sollen mindestens 40 junge Menschen mit psychischen Problemlagen
begleitet und je in mindestens ein Angebot vermittelt werden, was einen weiteren Schritt in
Hinblick auf die berufliche Perspektive bedeutet. Dieses Angebot kann je nach individueller
Problemlage im gesundheitlichen, schulischen, ausbildungs-, qualifizierungs- und/oder be-
rufsbezogenen Bereich liegen.
1.4 Sozialraumbezogene Umsetzung und Träger der Maßnahme
In dem Projekt sind insgesamt zwei Vollzeitstellen, je eine für die linksrheinischen und eine
für die rechtsrheinischen Sozialraumgebiete innerhalb der Projektlaufzeit von 2 Jahren vor-
gesehen.
Träger der Maßnahme sind
auf der linken Rheinseite:
„Sozialpsychiatrisches Zentrum (SPZ) Köln-Nippes und Köln-Chorweiler e.V.“
für die Sozialraumgebiete Chorweiler/Blumenberg/Seeberg-Nord und
Bilderstöckchen,
mit einer halbe Stelle,
die „Alexianer Köln GmbH“ für die Sozialraumgebiete Bocklemünd/Mengenich,
Bickendorf/Westend/ Ossendorf, Meschenich/Rondorf,
ebenfalls mit einer halben Stelle;
auf der rechten Rheinseite
„Der Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH“ für die Sozialraumgebiete
Buchheim/Buchforst, Höhenberg/Vingst, Ostheim/Neubrück; Mülheim-Nord/Keupstr,
Porz-Ost/Finkenberg/Gremberghoven/Eil und Kalk/Humboldt-Gremberg,
mit einer Vollzeitstelle.
Die Träger sind bereits in dem jeweiligen Einsatzgebieten verortet:
Die Alexianer Köln GmbH ist Träger des Sozialpsychiatrischen Zentrums Rodenkirchen.
Der Träger war vor Projektstart bereits im Sozialraumgebiet Meschenich vor Ort tätig. Dar-
über hinaus bietet er ein zielgruppenspezifisches Beratungsangebot „Proberaum“ und ein
Hilfeangebot zur Tagesstrukturierung und Beschäftigung für junge Menschen mit psychi-
schen Problemen „Proberaum Worx“ an.
Der SPZ Köln-Nippes und Köln-Chorweiler e.V. ist Träger der Sozialpsychiatrischen Zen-
tren Nippes und Chorweiler. Sein Arbeitsbereich umfasst in den Stadtbezirken Nippes und
Chorweiler die Beratung, Betreuung und Pflege von Menschen mit psychischen Störungen.
Der Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH ist in den rechtsrheinischen Sozial-
raumgebieten in Köln in der Jugend- und Eingliederungshilfe verortet, und sein Angebot
umfasst im Rahmen der Eingliederungshilfe ein tagesstrukturierendes Angebot im Sozial-
psychiatrischem Zentrum (SPZ) Kalk, im Rahmen der Jugendhilfe Wohn- und Verselbständi-
gungsangebote sowie ambulante aufsuchende Hilfen in den rechtsrheinischen Kölner Stadt-
bezirken Kalk, Porz und Mülheim.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
6
2 Umsetzung zum Berichtszeitraum
2.1 Projektverlauf
2.1.1 Start des Projekts
Das Projekt startete mit der Entwicklung eines gemeinsamen Grundverständnisses des Auf-
trages und Handlungsrahmens für die drei Träger und die 11 Sozialraumgebiete. Es wurde
das Konzept als Basis des Projekts vom Gesundheitsamt der Stadt Köln mit den Trägern
abgestimmt (siehe Anlage 1) und der gemeinsame trägerübergreifende Projektname
„Plan27“ kreiert. Darüber hinaus wurde ein projektbezogener Teilnehmendenbogen entwi-
ckelt, in dem von den Trägern Daten zum Verlauf des Projekts festgehalten werden. Die
anonymisierte Auswertung dieser Daten dient als Grundlage des vorliegenden Berichts.
Zunächst standen die Präsentation des Angebots in der Öffentlichkeit sowie der Aufbau von
Netzstrukturen im Vordergrund. Die Bekanntmachung des Projektes erfolgte auf verschiede-
nen Wegen: Es wurden Flyer sowie Poster erstellt und verteilt (siehe Abbildung 1 und Titel-
bild). Durch das Gesundheitsamt der Stadt Köln wurde beim Start des Projekts eine Presse-
erklärung herausgeben, und das Projekt wurde auf der Homepage der Stadt Köln und der
beteiligten Träger veröffentlicht. Die Träger stellten Plan27 den jeweiligen Sozialraumkoordi-
natorinnen und Sozialraumkoordinatoren sowie in den Sozialraumkonferenzen vor. Ebenso
wurden die Akteurinnen und Akteure im Sozialraum und in den Institutionen, wie zum Bei-
spiel das Jobcenter und die Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ), über den Start des Pro-
jekts informiert. In den Sozialraumgebieten fanden zu „Starke Veedel – Starkes Köln“ Infor-
mationsveranstaltungen statt, auch wurde dort das Projekt den Bürgerinnen und Bürgern
sowie den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren von den Trägern präsentiert.
Mit dem Jobcenter und seinen Angeboten, dem Team „U25“, „Hotspot“, „DiMa Team“ (Disa-
bility Management-Team, Angebot für gesundheitlich beeinträchtigte Menschen) sowie mit
den Sozialpsychiatrischen Zentren bildeten sich unmittelbar Kooperationen, und von dort
konnten einige Klientinnen und Klienten in das Projekt vermittelt werden. Bezüglich der Teil-
nehmenden des Projektes ohne festen Wohnsitz entstand die Zusammenarbeit mit der Stif-
tung „Off Road Kids“.
Von Vorteil für den Aufbau der Netzwerke erwies es sich, dass die „Alexianer Köln GmbH“,
„Der Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH“ und der „Verein SPZ Köln-Nippes und
Köln-Chorweiler e.V.“ bereits vorher in den Sozialraumgebieten tätig waren und selbst ent-
weder Träger eines Sozialpsychiatrischen Zentrums sind oder bereits als Baustein darin ein-
gebunden sind. Daher konnte auf vorhandenen Strukturen aufgebaut werden. Die Anlauf-
phase des Projekts gestaltete sich kürzer als erwartet. Es gab direkt zahlreiche Nachfragen
und bereits im ersten Projektmonat konnten die ersten Teilnehmenden in die Maßnahme
aufgenommen werden, weitere Aufnahmen folgten. Durch die kontinuierliche Netzwerkarbeit
sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Plan27 den Akteurinnen und Akteuren in den
Sozialraumgebieten mittlerweile bekannt. Persönliche Kontakte mit relevanten Ansprech-
partnerinnen und Ansprechpartnern ermöglichen, dass viele Interventionen schnell und un-
kompliziert umgesetzt werden können.
Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit stellen auch über die Startphase hinaus einen wichtigen
Teil des Projektes dar, unter anderem, um von möglichen Teilnehmenden zu erfahren und
entsprechend in Kontakt treten zu können.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
7
Abbildung 1: Flyer Projekt Plan27
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
8
2.1.2 Teilnahme und Ausgangssituation
Im Lauf des ersten Projektjahres, vom 01.04.17 bis 31.03.18, wurden 39 Personen in die
Maßnahme „Plan27“ aufgenommen, davon haben mit Stand 31.03.18 bereits fünf Personen
die Maßnahme abgeschlossen, zwei Personen sind vorzeitig ausgeschieden und 32 Perso-
nen sind in laufender Beratung.
Bezogen auf die Träger ergibt sich folgende Aufteilung:
Tabelle 1: Projekt Plan27, Anzahl der Teilnehmenden, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Träger Anzahl Teilnehmende
Alexianer 11
SPZ Köln Nippes u. Chorweiler 7
Sommerberg 21
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
Die mittlere Laufzeit der bisher abgeschlossenen fünf Fälle betrug 5 Monate, sie variierte
zwischen 2 und 8 Monaten. Bei den laufenden Fällen liegt mit Stand 31.03.18 die höchste
Laufzeit über 11 Monate.
Die Teilnehmenden wurden durch unterschiedliche Institutionen an Plan27 vermittelt, zum
Teil nahmen die Betroffenen oder Familienangehörige auch von sich aus Kontakt mit Plan27
auf.
Tabelle 2: Projekt Plan27, Erstkontakt durch….. , Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Erstkontakt durch Anzahl Teilnehmende
Institutionen, unter anderem Jugendamt 10
Jobcenter/U25 7
Eltern/Familie 6
SPZ*/Sozialpsychiatrischer Dienst/Angebote „U27“ 6
Selbst 5
Sonstiges 5
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
SPZ*= Sozialpsychiatrische Zentren
Insbesondere bei dem Erstkontakt wurde von Seiten des Trägers niedrigschwellig auf die
psychische Situation der/des Teilnehmenden eingegangen. Das konnte beispielsweise bei
der Person zu Hause, aber auch vor der Haustür sein, weil der/die Teilnehmende niemanden
in die Wohnung lassen wollte oder an einem „neutralen Ort“ (siehe hierzu 2.3).
Tabelle 3: Projekt Plan27, Ort des Erstkontakts, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Ort des Erstkontaktes Anzahl Teilnehmende
Büro des Trägers von Plan27 11
Zuhause des Teilnehmenden (teilweise bei den
Eltern, teilweise eigene Wohnung) 9
andere Hilfeeinrichtung 9
Sonstiges, zum Beispiel Haushalt der Eltern, in
dem die/der Teilnehmende nicht mehr wohnt 10
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
9
2.1.3 Persönlicher Hintergrund der Teilnehmenden
Das durchschnittliche Alter der 39 Teilnehmenden zu Beginn der Maßnahme lag bei 22 Le-
bensjahren. Dabei betrug das Einstiegsalter der jüngsten Person in die Maßnahme 16 Jahre.
Die Altersstruktur bei den Teilnehmenden der Maßnahme stellte sich folgendermaßen dar:
Tabelle 4: Projekt Plan27, Einstiegsalter der Teilnehmenden, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Einstiegsalter Anzahl Teilnehmende
unter 21 12
21-24 17
ab 25 10
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
Der überwiegende Teil, nahezu zwei Drittel der Teilnehmenden von Plan27, waren männlich.
Abbildung 2: Projekt Plan27, Teilnehmende nach Geschlecht, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
11 der 39 Teilnehmenden (28 Prozent) hatten Zuwanderungshintergrund, das heißt, die Per-
son selbst oder mindestens ein Elternteil waren aus dem Ausland zugewandert.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
10
Bisher gab es Teilnehmende der Maßnahme in allen Sozialraumgebieten außer in Bilderstö-
ckchen und in Bocklemünd/Mengenich. Einige Teilnehmende ohne festen Wohnsitz hielten
sich allerdings in mehreren Sozialraumgebieten auf und waren daher nicht genau zuzuord-
nen. Plan27 wird von anderen Akteurinnen und Akteuren in den Sozialraumgebieten als
Kompetenzstelle für junge Menschen mit seelischen Problemen wahrgenommen. Es werden
passende Ressourcen für eigene Klientinnen und Klienten erfragt, ohne dass diese direkt im
Rahmen von Plan27 unterstützt werden müssten. Davon profitieren alle Sozialraumgebiete.
Tabelle 5: Projekt Plan27, Zuordnung der Teilnehmenden zu Sozialraumgebieten,
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Zuordnung zu Sozialraumgebieten Anzahl Teilnehmende
Blumenberg/Chorweiler/Seeberg 7
Höhenberg/Vingst 7
Humbold/Gremberg/Kalk 7
Meschenich/Rondorf 3
Ostheim/Neubrück 3
Sozialraumgebiete, denen je weniger als drei Teilnehmende
fest zugeordnet werden konnten (Bicken-
dorf/Westend/Ossendorf, Buchheim/Buchforst, Mülheim-
Nord/Keupstraße, Porz-Ost/Finkenberg/Gremberghoven/Eil) 6
Genaue Zuordnung nicht möglich (bei Teilnehmenden, die
sich in mehreren Sozialraumgebiete aufhielten) 6
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
Etwa 28 Prozent der Teilnehmenden verfügte (noch) über keinen Schulabschluss und über
90 Prozent der Teilnehmenden über keine Berufsausbildung.
Tabelle 6: Projekt Plan27, höchster allgemeiner Schulabschluss der Teilnehmenden,
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Höchster allgemeiner Schulabschluss Anzahl der Teilnehmenden
(Noch) kein Schulabschluss 11
Förderschulabschluss 2
Hauptschulabschluss 11
Mittlerer Schulabschluss (u.a. Realschulab-
schluss) 9
Fachhochschulreife (Fachabitur) oder Hoch-
schulreife (Abitur) 6
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
11
Tabelle 7: Projekt Plan27, höchster allgemeiner Berufsabschluss der Teilnehmenden
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Höchster Berufsabschluss Anzahl der Teilnehmenden
(Noch) keine abgeschlossene Berufs-
ausbildung 36
Betriebliche/außerbetriebliche Lehre 3
Anzahl Teilnehmende insgesamt 39
Über die Hälfte der Teilnehmenden war arbeitslos gemeldet, davon mehr als ein Drittel über
ein Jahr oder länger.
Tabelle 8: Projekt Plan27, Teilnehmende mit gemeldeter Arbeitslosigkeit und Dauer der gemel-
deten Arbeitslosigkeit, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Gemeldete Arbeitslosigigkeit Anzahl der Teilnehmenden
Nicht arbeitslos gemeldet+ 17
Arbeitslos gemeldet weniger als 6 Monate 8
Arbeitslos gemeldet,
6 Monate bis unter einem Jahr 6
Arbeitslos gemeldet,
1 Jahr und länger 8
insgesamt 39
*Anmerkung: über sonstigen Leistungsbezug liegen keine Informationen vor
2.1.4 Problemlagen
Die vermuteten Problemlagen der Teilnehmenden, wie unter Punkt 1 dargestellt, haben sich
bestätigt. Neben psychischen Beeinträchtigungen, die teilweise mit erheblichen Störungen
verbunden sind, zeigten sich bei nahezu allen Teilnehmenden folgende Ausgangsproblemla-
gen:
Soziale Isolation,
keine schulische und/oder berufliche Perspektive,
keine tragende Tagesstruktur,
keine Einbindung in die Regelversorgung,
gravierende familiäre Konflikte
Überforderung beim Aufbau einer selbständigen Lebensführung.
Gesundheitliche Situation
Alle Teilnehmenden wiesen psychische Probleme und ein Teil davon zusätzlich unbehandel-
te somatische Probleme auf. Bei einigen Teilnehmenden hatte in der Vergangenheit oder
aktuell eine Vorstellung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie stattgefun-
den, und eine Diagnose lag bereits vor. Überwiegend traten bei diesen jungen Menschen
Depressionen auf. Ebenso war Antriebslosigkeit bei fast allen Teilnehmenden ein vorherr-
schendes Problem. Auch diejenigen, die bisher noch nicht in ärztlicher Behandlung waren,
beschrieben dieses Symptom. Als weitere Diagnosen, inklusive Verdachtsdiagnosen, wur-
den soziale Phobien, Psychosen (unter anderem drogeninduzierte), Panikstörungen, Impuls-
kontrollstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Posttraumati-
sche Belastungsstörungen (PTBS), Zwangsstörungen, Essstörungen und Drogen- und/oder
Alkoholmissbrauch benannt. Die meisten Teilnehmenden hatten keine Tagesstruktur und
wiesen eine mangelnde soziale Einbindung auf. Die fehlende Teilnahme am gesellschaftli-
chen Leben wurde häufig mit dem Konsum von Drogen/Alkohol, Filmen oder Videospielen
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
12
kompensiert. Bei behördlichen Angelegenheiten bestand ein hoher Unterstützungsbedarf.
Bei sechs Teilnehmenden traten darüber hinaus massive körperliche Beschwerden auf, die
einer Behandlung bedurften.
Bei allen Teilnehmenden lagen komplexe Problemlagen vor. So gab es bei nahezu allen Pro-
jektteilnehmenden neben der seelischen Problematik eine ungeklärte oder problematische
Situation im Bereich Schule/Beruf. Etwa zwei Drittel aller Teilnehmenden wiesen sowohl
schulische oder berufliche Probleme als auch Probleme im Bereich Wohnen auf. Von den
Teilnehmenden mit Problemen in dem Bereich Wohnen war über die Hälfte wohnungslos.
Häufig gab es weitere Lebensbereiche, die in Mitleidenschaft gezogen waren, wie zum Bei-
spiel die familiäre Situation, sei es mit der Herkunftsfamilie, der Partnerschaft oder der eige-
nen Familie, und die wirtschaftliche Situation, unter anderem durch Schulden, ungeklärte
finanzielle Verpflichtungen oder Mietrückstände. Alle Teilnehmenden waren in ihrer Lebens-
situation überfordert und benötigten strukturierende Unterstützung bei der Organisation ihrer
Angelegenheiten und dem Entwickeln einer selbständigen Lebensführung.
Abbildung 3: Projekt Plan27, Anteil Teilnehmende mit Problemen in den Lebensbereichen Ge-
sundheit, Schule/Beruf, Wohnen, Finanzen, Selbstorganisation (Mehrfachnennungen möglich),
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
13
2.1.5 Fazit
Nach einer kurzen Anfangsphase, die vor allem durch Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit
der Träger geprägt war, startete das Projekt zügig und es wurden laufend Teilnehmende in
die Maßnahme aufgenommen. Anhand der bisherigen Auswertung lässt sich feststellen,
dass dabei die Zielgruppe, Jugendliche und junge Menschen mit psychischen Problemen
und in komplexen Lebenssituationen, in den Sozialraumgebieten erreicht wurde.
Von den 39 Teilnehmenden haben bisher (nur) zwei Personen die Maßnahme vorzeitig ver-
lassen. Fünf Teilnehmende wurden ins Regelsystem vermittelt und konnten die Maßnahme
bereits beenden.
2.2 Erkenntnisse im Verlauf des Projekts und Lösungsansätze
Prioritätensetzung bei der Zielplanung
Im Erstgespräch steht die Entwicklung einer realistischen Perspektive im Bereich Ausbildung
und Beschäftigung fast immer an erster Stelle. Im Verlauf zeigt sich aber durchweg, dass
dieses Thema immer weiter in den Hintergrund rückt. Es stellt sich heraus, dass zuvor ande-
re Themen wie Gesundheit, Wohnen, Schulden und familiäre Probleme angegangen werden
müssen.
Vorrangig ist meist erst einmal die Stabilisierung der psychischen Problematik. Die psychi-
schen Probleme sind oft derart dominant, dass diese zunächst auf ein gewisses Maß redu-
ziert werden müssen, um sinnvoll weiter arbeiten zu können. Dazu gehört vor allem die An-
bindung an eine (Fach-)Ärztin oder einen (Fach-)Arzt, eine Therapeutin oder einen Thera-
peuten. Wenn sich die oder der Teilnehmende entschlossen hat, ärztliche oder therapeuti-
sche Hilfe in Anspruch zu nehmen, dauert es in der Regel einige Zeit bis zu einem ersten
Termin. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich gibt es oft lange Wartezei-
ten.
Weitere Themen sind das Suchen und Finden von passenden Wohnmöglichkeiten und der
Aufbau einer tragenden Tagesstruktur. Häufig kann erst nach der Stabilisierung in diesen
Lebensbereichen eine weitere Planung hinsichtlich schulisch/beruflicher Entwicklung durch-
geführt werden.
Berücksichtigung der seelischen Problematik und aufsuchende Arbeit
Da alle im Projekt begleiteten jungen Menschen in ihrer bisherigen Entwicklung beeinträch-
tigt sind, ist die Beziehungsarbeit als wesentlicher und sehr zeitaufwendiger Bestandteil der
Zusammenarbeit zu nennen.
Die Teilnehmenden gehen unterschiedlich offen mit ihren Problemen um. Eher verschlosse-
ne Menschen brauchen Zeit, um sich auf das Angebot einlassen zu können. Soziale Ängste
treten sehr häufig auf. Sie schränken die Mobilität ein, da vielfach die Betroffenen Busse und
Bahnen nicht nutzen können. Oft schafft es den Teilnehmenden bereits Erleichterung, sich
jemandem anvertrauen zu können. Nicht selten haben sie diese Erfahrung vorher noch nicht
gemacht. Es hat sich bewährt, dass die Kontaktaufnahme mit Geduld und ohne Zeitdruck
gestaltet wird.
Darüber hinaus hat es sich als hilfreich erweisen, das Setting dem Problem der oder des
Teilnehmenden anzupassen. Der aufsuchende Ansatz ermöglicht dabei die Flexibilität, die
es erfordert, damit sich einige Teilnehmende überhaupt erst auf die Hilfe einlassen können.
Dazu gehört das Aufsuchen und Abholen zu Hause ebenso wie ein Treffen an einem neutra-
len Ort wie im Café oder aber im Büro. Die Mitarbeitenden des Projektes gehen je nach per-
sönlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen der Teilnehmenden situativ auf deren Be-
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
14
dürfnisse und Wünsche ein. Dadurch können Vertrauen und eine tragfähige Beziehung als
notwendige Voraussetzungen für den Hilfeprozess aufgebaut werden. Die Verlässlichkeit
und Kontinuität der Begleitung durch eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner bei
Plan27 ist dabei für die Teilnehmenden von großer Bedeutung.
Hoher Bedarf an lebenspraktischer Hilfe und emotionaler Bestärkung
Alle Teilnehmenden benötigen im Laufe des Prozesses lebenspraktische Hilfe, zum Beispiel
bei der Selbstorganisation, der Strukturierung des Tages, dem Ausfüllen von Formularen,
Klärung inhaltlicher und organisatorischer Fragen ebenso wie die emotionale Unterstützung
wie Motivation und Bestärkung. Fast alle Teilnehmenden müssen an Termine erinnert und
nach Misserfolgen wieder emotional aufgebaut und gestärkt werden. Dass sich jemand um
sie bemüht, auch wenn sie sich nicht melden und Termine vergessen, ist für einen Teil der
Betroffenen bisher kaum vorstellbar gewesen. Die Begleitung zu Terminen jeder Art sowie
eine Vor- und Nachbereitung ist bei dem überwiegenden Teil der Teilnehmenden erforder-
lich.
Tabelle 9: Projekt Plan27, geleistete Hilfe während des Prozesses,
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Hilfe während des Prozesses (Mehrfachnennungen möglich)
Lebenspraktische Hilfe
Anzahl Personen
Anteil an allen Teilnehmenden in
Prozent
39 100,0
Perspektiventwicklung 35 89,7
emotionale Stärkung 39 100,0
Klärung inhaltlicher und organisatorischer Fragen 30 76,9
Begleitung bei Terminen 30 76,9
Individuell unterschiedliche Zeitdauer der Maßnahme
Wegen der oft langwierigen Kontaktanbahnung, mitbedingt durch die psychische Beeinträch-
tigung der jungen Menschen, der häufig komplexen Thematik und der langen Wartezeiten
bei medizinischen und therapeutischen Einrichtungen – erweist sich die im Konzept vorge-
sehene Falldauer von 6-9 Monaten teilweise als zu kurz. Dem entgegen kann die Laufzeit
der Maßnahmen, je nach individuellen Voraussetzungen über 9 Monaten liegen, damit eine
Perspektive erarbeitet werden kann, die Betroffenen in Regelangeboten verlässlich ange-
bunden werden und die Hilfe durch Plan27 nachhaltig wirken kann.
2.2.1 Fazit
Die Stabilisierung der psychischen Gesundheit steht bei den Teilnehmenden in der Regel im
Vordergrund, bevor weitere Probleme angegangen werden können. Mitbedingt durch die
häufig komplexen Lebenssituationen der Betroffenen müssen dann oft erst Probleme in wei-
teren wichtigen Lebensbereichen wie Wohnen und Familie angegangen werden, ehe die
Teilnehmenden in der Lage sind, sich dem Thema Schule, Ausbildung und Beschäftigung zu
widmen.
Der aufsuchende Ansatz und das flexible Eingehen auf die seelische Problematik ermögli-
chen häufig erst, dass die Teilnehmende sich auf die Maßnahme einlassen können und da-
bei durchhalten. Die Teilnehmenden benötigen darüber hinaus in der Regel lebenspraktische
Unterstützung, emotionale Bestärkung und Begleitung bei Terminen zu den Angeboten, in die
sie vermittelt werden. Um eine Nachhaltigkeit von Plan27 zu gewährleisten, ist die Dauer der
Maßnahme dem Bedarf der Teilnehmenden anzupassen und kann über neun Monaten lie-
gen.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
15
2.3 Umsetzung der Ziele:
2.3.1 Vermittlung ins Regelsystem – Überblick
Ziel des Projektes ist die Vermittlung der Teilnehmenden in das Regelsystem. Trotz der noch
„jungen“ Laufzeit des Projektes sind bereits zahlreiche Vermittlungen erfolgt:
Gesundheit: Psychiaterinnen, Psychiater und andere Fachärztinnen und Fachärzte,
Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten, psychiatrische Institutsambulanzen, So-
zialpsychiatrische Zentren,
Schule/Beruf: Anbindung an Maßnahmen und Sc hulen sowie an das DiMa-Team des
Jobcenters (Disability Management-Team für gesundheitlich beeinträchtige Men-
schen) und an die Kompetenzagenturen, an die Joblotsen und an das Jugendbüro
mit dem Ziel, dort eine berufliche Perspektive zu entwickeln,
Wohnen: BeWo (Ambulant Betreutes Wohnen),
Freizeit: Sportkurse, Jugendzentren, Freizeitgruppen,
an diverse Institutionen wie Jobcenter, Schuldnerberatung, „Reso-Dienste“ der Stadt
Köln, gesetzliche Betreuung.
Bei allen Teilnehmenden, die sich auf das Projekt eingelassen hatten, konnten die Ressour-
cen gestärkt werden, zum Beispiel durch Anbindung im Freizeitbereich oder Strukturierungs-
hilfen im Alltag. Bisher wurden 35 Teilnehmende in mindestens ein Regelanbot vermittelt, am
häufigsten in den Lebensbereichen Gesundheit, Schule/Beruf und Wohnen.
Abbildung 4: Projekt Plan27, Anzahl und Anteil von den insgesamt 39 Teilnehmenden, die (bis-
her) in mindestens ein Regelangebot der Bereichen Gesundheit, Schule/Beruf, Wohnen vermit-
telt wurden, Mehrfachnennungen pro Teilnehmende möglich,
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
16
2.3.2 Vermittlung – parallel in Regelangebote unterschiedlicher Lebensbereiche
Entsprechend der komplexen Lebenssituation der Betroffenen wurden häufig Regelangebote
in mehreren Lebensbereichen benötigt. Es gelang im Laufe der Maßnahme bei dem über-
wiegenden Teil der Teilnehmenden diese entsprechend in unterschiedlichen Lebensberei-
chen im Regelsystem anzubinden und dadurch zu einer dauerhaften Stabilisierung beizutra-
gen.
Von den 39 Teilnehmenden der Maßnahme wurden 35 Teilnehmende (89 Prozent) bisher in
mindestens ein Regelanbot vermittelt (s.o.), davon
32 Teilnehmende (82 Prozent der 39 Teilnehmenden) im Bereich Gesundheit,
20 Teilnehmende (51 Prozent der 39 Teilnehmenden) sowohl im Bereich Gesundheit
als auch im Bereich Schule/Beruf (je mindestens ein Angebot)
5 Teilnehmende (13 Prozent der 39 Teilnehmenden) im Bereich Gesundheit und im
Bereich Schule/Beruf sowie zusätzlich im Bereich Wohnen
(je mindestens ein Angebot).
Abbildung 5: Projekt Plan27, Teilnehmende, die in Angebote mehrerer Bereiche (Gesundheit,
Schule/Beruf, Wohnen) vermittelt wurden, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
17
2.3.3 Vermittlung ins Regelsystem im Bereich Gesundheit
32 Personen wurden (bisher) im Regelsystem der Gesundheitsversorgung vermittelt,
davon die 5 Personen, die die Maßnahme bereits erfolgreich abgeschlossen haben
sowie 27 Personen, die sich noch in der laufenden Maßnahme befinden.
Von den 32 Teilnehmenden, die ins Regelsystem der Gesundheitsversorgung übergeleitet
wurden, erhielten
nahezu drei Viertel (22 Personen) ambulante psychiatrische oder
psychotherapeutische Angebote,
ein Viertel (8 Personen) teilstationäre/stationäre psychiatrische oder
psychotherapeutische Angebote,
etwa ein Zehntel (11 Personen) Angebote eines Sozialpsychiatrischen Zentrums, des
Sozialpsychiatrischen Dienstes und/oder Angebote „U27“ für junge Menschen mit
psychischen Problemen.
Teilweise wurden mehrere Angebote pro Teilnehmender/Teilnehmendem benötigt. Daher
variierte die Anzahl an Hilfeangeboten pro Person zwischen 1 und 4. Der Mittelwert pro Per-
son lag bei durchschnittlich 2 Angeboten, die Gesamtanzahl der vermittelten Hilfen betrug
entsprechend 64.
Abbildung 6: Projekt Plan27, Anzahl und Art der unterschiedlichen Regelangebote des Berei-
ches Gesundheit/gesundheitliches Versorgungssystem, in die die Teilnehmenden vermittelt
wurden, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
*SPZ= Sozialpsychiatrische Zentren
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
18
2.3.4 Vermittlung ins Regelsystem im Bereich Schule/Beruf
23 der 37 Personen wurden bisher im Regelsystem in den Bereich Schule/Beruf/ Vermittlung
und Qualifizierung angebunden:
davon die 3 Personen, die die Maßnahme bereits erfolgreich abgeschlossen haben
sowie 20 Personen, die sich noch in der laufenden Maßnahme befinden.
Von den 23 Personen wurden 19 in ein Angebot und 4 Personen in 2 Angebote vermittelt,
entsprechend betrug die Anzahl der Angebote, in die vermittelt wurde, 27. Diese teilten sich
folgendermaßen auf:
Abbildung 7: Projekt Plan27, Anzahl und Art der unterschiedlichen Regelangebote des Berei-
ches Schule/Beruf, Vermittlung und Qualifizierung, in die die Teilnehmenden vermittelt wurden,
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
19
2.3.5 Vermittlung ins Regelsystem im Bereich Wohnen
12 der 37 Personen wurden bisher im Bereich Wohnen vermittelt:
davon die 4 Personen, die die Maßnahme bereits erfolgreich abgeschlossen haben
sowie 8 Personen, die sich noch in der laufenden Maßnahme befinden.
Die Angebote teilten sich folgendermaßen auf:
Tabelle 10: Projekt Plan27, Anzahl und Art der unterschiedlichen Regelangebote des Bereiches
Wohnen, in die die Teilnehmenden vermittelt wurden, Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Anbindung an das Regelsystem im Bereich Wohnen
Art des Angebots Anzahl
Betreutes Wohnen (Bewo) 4
Sonstiges, unter anderem eigene Wohnung 8
Anzahl Teilnehmende insgesamt 12
2.3.6 Überleitung bei Abschluss der Maßnahme
Wie bereits ausgeführt, bedeutet nicht nur das „Ankommen“ in einem Angebot, sondern auch
das Durchhalten für Teilnehmende eine Herausforderung. Bei Abschluss der Maßnahme
wurden die Teilnehmenden daher gezielt auf die Beendung vorbereitet:
Tabelle 11: Projekt Plan27, Überleitung bei Abschluss der Maßnahme,
Zeitraum: 01.04.17 bis 31.03.18
Überleitung bei Abschluss der Maßnahme
Anzahl der abgeschlossenen Maßnahmen,
davon Unterstützung beim Überleitung: 5
gemeinsame Termine mit „Übergabe" bei dem Regelangebot 5
inhaltliche Vorbereitung der Teilnehmende 5
gezieltes Training des Einhaltens von Terminen 3
Auch bei den Teilnehmenden, die sich noch in der laufenden Maßnahme Plan27 befinden,
konnte bereits die Überleitung an einzelne Hilfsangebote erfolgen, wenn dies bereits möglich
war und die Betreuung in Rahmen der Maßnahme Plan27 aus anderen Gründen fortgesetzt
werden musste. Auch dann wurde die Überleitung je nach Bedarf der/des Teilnehmenden
entsprechend unterstützt.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
20
2.3.7 Vernetzung der Träger im Sozialraum und im sozialpsychiatrischen Hilfe-
system
Erfahrungen der Alexianer Köln GmbH
Anfragen an die Alexianer Köln GmbH kamen von den jeweiligen Sozialraumkoordinatorin-
nen und Sozialraumkoordinatoren sowie unter anderem von Familienberatungsstellen, vom
Amt für Kinder, Jugend und Familie und vom Jobcenter/U25. Besonders hohen Zulauf gab
es über die Stiftung „Off Road Kids“, einer Anlaufstelle für obdachlose Jugendliche.
Im Vordergrund standen bei allen die Abklärung der psychischen Auffälligkeiten und die Ein-
leitung einer ärztlichen Behandlung und Therapie. Hier war die Kooperation mit der psychiat-
rische Institutsambulanz (PIA) des Alexianer-Krankenhauses in Rodenkirchen von großem
Vorteil. Zu dem Thema Wohnraum gab eine enge Zusammenarbeit mit den ResoDiensten
des Jobcenters und Bewo-Anbietern. Dies wurde ergänzt durch die Suche auf dem freien
Wohnungsmarkt. Nach dem ersten Jahr Laufzeit von Plan27 zeigt sich anhand der Auslas-
tung der Maßnahme und den anstehenden Anfragen ein hoher Bedarf. Seit Start des Pro-
jekts, insbesondere nach Artikeln über Plan27 in den Printmedien wie der Tagespresse (Köl-
ner Stadtanzeiger und im Wochenspiegel), kamen viele Anfragen, unter anderem von Eltern,
aus dem gesamten Stadtgebiet. Anfragen aus den anderen Sozialraumgebieten des Projekts
wurden an die anderen beiden Träger von Plan27 weitergeleitet, Anfragen außerhalb der
Sozialraumgebiete des Gesamtprojekts an die jeweiligen Sozialpsychiatrischen Zentren ver-
wiesen.
Erfahrungen des SPZ Köln-Nippes und Köln-Chorweiler e.V
Für den Träger SPZ Köln-Nippes und Köln-Chorweiler e.V. ergab sich eine Zusammenarbeit
mit der Universität zu Köln, dem Berufskolleg, dem Jobcenter und dem Seeberger Treff.
Wichtige Kooperationspartner im Sozialraum waren das Jobcenter, vor allem Hotspot/ U25,
das SPZ Chorweiler, Stiftung Leuchtfeuer, das Gesundheitsamt mit den Frühen Hilfen und
das Amt für Kinder, Jugend und Familie.
Darüber hinaus kamen viele Anfragen aus den Stadtbezirken Nippes und Chorweiler, die
nicht zu den ausgewiesenen Sozialraumgebieten gehörten. Diese konnten lediglich weiter-
wiesen werden, in der Regel an die Sozialpsychiatrischen Zentren, das Beratungsangebot
„Proberaum“ in Rodenkirchen oder die U30 Gruppe im SPZ Kalk.
Erfahrungen des Sommerberg
Das Projekt Plan27 wurde in den rechtsrheinischen Sozialraumgebieten stark nachgefragt,
so dass nach wenigen Monaten eine Auslastung gegeben war und zwischenzeitlich sogar
mit einer Warteliste gearbeitet werden musste. Wichtige Kooperationspartnerinnen und -
partner des Sommerberg waren neben den Sozialraumkoordinatorinnen und Sozialraumko-
ordinatoren das SPZ Kalk, das passende Anfragen an Plan27 weiterleitete und selber auch
eine Freizeitgruppe für junge Erwachsene mit psychischer Erkrankung anbietet. Das im SPZ
vorhandene tagesstrukturierende Angebot des Sommerbergs wurde niedrigschwelliger für
junge Menschen ausgerichtet und konnte daher jetzt bei Bedarf auch von Teilnehmenden
des Projekts Plan27 genutzt werden. Weitere wichtige Kooperationspartner waren das Job-
center U25/DiMa, das Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie das Angebot „Work4You“
des Don-Bosco-Clubs in Köln-Mülheim. Bei „Work4You“ gibt es niedrigschwellige, tages-
strukturierende Angebote, Beratung und Unterstützung sowie Notschlafplätze für junge Er-
wachsene.
Auch aus rechtsrheinischen Stadtteilen, die nicht zu den ausgewiesenen Sozialraumgebieten
gehören, kamen zahlreiche Anfragen für das Projekt, zum Beispiel aus Dünnwald, Porz Mitte
oder Wahn.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
21
Einbindung in das sozialpsychiatrische Hilfesystem Kölns
Darüber hinaus vernetzte sich Plan27 im sozialpsychiatrischen Hilfesystem Kölns. Die Effek-
te äußerten sich unter anderem darin, dass sechs der 39 Teilnehmenden von Angeboten wie
„U27“, Sozialpsychiatrische Zentren und dem Sozialpsychiatrischen Dienst in Plan27 vermit-
telt wurden (siehe Tabelle 2) und wiederum Teilnehmende aus Plan27 in insgesamt 15 die-
ser Angebote angebunden werden konnten.
Am 20.3.2018 fand unter dem Titel „Vun nix kütt nix – Junge Kölner bekommen Hilfen!?" eine
gemeinsame Fachtagung aller Arbeitskreise der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Köln in
Kooperation mit der Koordinierungsgruppe U27 im Dominikus-Brock-Haus der Alexianer
Köln GmbH in Köln-Porz statt (Programm, siehe Anlage 2).
Fachtagung März 2018 „Vun nix kütt nix – Junge Kölner bekommen Hilfen!?“, Foto: Jochen Blume
Dabei ging es unter anderem um die Handlungsempfehlungen der Koordinierungsgruppe
U27 sowie Angebote für jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen. Im Rahmen des-
sen wurden die Erfahrungen des Projekts Plan27 von den Trägern vorgestellt.
Präsentation Plan27 im Rahmen der Fachtagung, Foto: Lothar Mönch
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
22
2.3.8 Ziele für den weiteren Verlauf des Projektzeitraums und Perspektiven
darüber hinaus
Bis zum Ende des Projekts steht im Vordergrund, dass die Teilnehmenden, die bereits in der
Maßnahme sind, nachhaltig ins Regelsystem vermittelt werden und dass, soweit Kapazitäten
bestehen, weitere junge Menschen in die Maßnahme aufgenommen und unterstützt werden
können. Das Erreichen des gesetzten Ziels von mindestens 40 Teilnehmenden, die ins Re-
gelsystem vermittelt werden, erscheint realistisch.
Darüber hinaus wird ein erneutes Nachfragen bei Teilnehmenden, die bereits ein halbes Jahr
die Maßnahme abgeschlossen haben werden, weitere Hinweise darauf geben, wie sich die
Situation der Betroffenen nach Beendung der Maßnahme entwickelt und ob die Maßnahme
nachhaltig gewirkt hat.
Des Weiteren zeichnen sich bereits jetzt weitergehende Bedarfe ab, denen im Rahmen des
Landesprojekts auf Grund der zeitlichen Begrenzung nicht intensiviert nachgegangen wer-
den kann:
Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit in den Sozialraumgebieten, aus denen es
bisher keine oder wenige Teilnehmende gab,
derzeit liegt das Durchschnittsalter in der Maßnahme bei 22 Jahren, daher
Entwicklung von Ansätzen, um die jungen Menschen, gegebenenfalls über Schule,
noch früher zu erreichen,
Entwicklung von Ansätzen, um mehr Mädchen und junge Frauen zu erreichen.
Derzeit sind weniger als 40 Prozent der Teilnehmenden weiblich. Dies lässt nicht
darauf schließen, dass es weniger weibliche Jugendliche und/oder junge Erwachsene
mit psychischen Problemen gibt. Gründe dafür können unter anderem darin liegen,
dass sie bei seelischen Belastungen stärker zu nach innen gerichteten
Verhaltensweisen neigen, die in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen werden
1.
Erweiterung des räumlichen Einsatzgebietes entsprechend der Nachfragen auf das
gesamte Stadtgebiet Köln.
2.3.9 Fazit
Bisher wurden 35 Teilnehmende in das Regelsystem vermittelt, der überwiegende Teil von
ihnen wurde in unterschiedlichen Lebensbereichen unterstützt und in mehrere Angebote
vermittelt. 5 Teilnehmende davon haben die Maßnahme bereits erfolgreich beendet, und es
konnten neue Teilnehmende aufgenommen werden. Die sozialräumliche Einbindung des
Angebotes Plan27 und die Vernetzung im Hilfesystem sind erfolgt.
Geplant war, innerhalb der Projektzeit von zwei Jahren insgesamt 40 Teilnehmende erfolg-
reich im Regelsystem anzubinden. Es ist davon auszugehen ist, dass die Zielvorgabe er-
reicht werden kann.
Derzeit zeichnet sich über den Projektzeitraum hinaus weiterer Bedarf für ein solches Ange-
bot ab.
1 Laut der „BELLA-Studie“ des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Erhebungszeitraum 2003 bis 2006
weisen Jungen eine höhere Quote an Verhaltensauffälligkeiten, an Störungen des Sozialverhaltens
und an ADHS auf als Mädchen. Mit Beginn der Pubertät nimmt bei Mädchen der Anteil an psychi-
schen Störungen zu. Auch in dieser Lebensphase setzen sich systematische Unterschiede bei den
Geschlechtern fort. Jungen neigen jedoch eher zu nach außen gerichteten Verhaltensmustern wie
Aggressivität und Hyperaktivität, Mädchen eher zu nach innen gerichteten Verhaltensmustern wie
Ängste und Depressionen.
ESF-Einzelprojekt Nr. 505263, Plan27, Zeitraum 01.04.17 bis 31.03.18
23
3 Bisherige Erkenntnisse Stand März 2018 und Ausblick
Trotz der bisher kurzen Laufzeit ist Plan27 auf hohe Resonanz gestoßen und die Teilneh-
menden haben unter anderem durch zahlreiche Vermittlungen davon profitieren können.
Dabei erweisen sich insbesondere der aufsuchende Zugang und die Begleitung der Teil-
nehmenden zu Terminen als wichtiger und notwendiger Bestandteil des Hilfeangebots.
Dadurch können sich die jungen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen teilweise
überhaupt erst auf den Hilfeprozess einlassen. Darüber hinaus kann die Begleitung kontinu-
ierlich fortgeführt werden, auch wenn die Betroffenen – wie es häufig der Fall ist– geringes
Durchhaltevermögen aufweisen oder Schwierigkeiten haben, Termine einzuhalten. Der
überwiegende Teil der bisher in der Maßnahme betreuten jungen Menschen wurde an Re-
gelangebote des Gesundheitssystems und andere für sie notwendige Hilfen übergeleitet. Auf
dieser Grundlage war häufig erst eine berufliche Perspektiventwicklung möglich und konnte
teilweise auch schon umgesetzt werden. Die Träger waren vor Start des Projekts sowohl in
den Sozialraumgebieten verortet als auch im sozialpsychiatrischen Hilfesystem tätig oder
eingebunden. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit konnten sie das Projekt dort zügig publik
machen und vernetzen.
Mit der Stabilisierung von jungen Menschen, die psychischen Probleme aufweisen und sich
in komplexen Lebenssituationen befinden sowie in ausgewiesenen Sozialraumgebieten
wohnen oder sich dort überwiegend aufhalten, wird auch ein Beitrag zur Stärkung dieser
Quartiere geleistet. Eine quantitative Messbarkeit der Effekte für die elf Sozialraumgebiete ist
jedoch aufgrund der mit der intensiven Einzelbetreuung verbundenen geringen Teilnehmen-
denzahl von durchschnittlich drei bis vier Personen pro Sozialraumgebiet unrealistisch.
Auch aus den anderen Kölner Stadtteilen gibt es Anfragen von jungen Menschen, die nicht
ins Projekt aufgenommen werden können. Dies lässt darauf schließen, dass Bedarf auch
über die ausgewiesenen Sozialraumgebiete hinaus besteht und bisher noch nicht gedeckt
werden kann.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass mit diesem Projekt in den ausgewiesenen
Sozialraumgebieten ein passendes Angebot geschaffen wurde für eine bisher noch nicht
adäquat versorgte Zielgruppe junger Menschen mit seelischen Problemen in komplexen Le-
benssituationen, die eine zugehende Hilfe benötigen. Plan27 stellt damit eine sinnvolle Er-
gänzung zu „U27“, dem bisherigen Hilfeangebot für junge Menschen mit psychischen Prob-
lemen in Köln, dar, das ausschließlich Hilfen mit „Komm-Struktur“ aufweist.
Aus fachlicher Sicht wird auf Grundlage der vorliegenden Auswertung die Fortführung des
Angebots über die Projektdauer bis zum 31.03.2019 hinaus und die Ausweitung auf das
Stadtgebiet Köln als sinnvoll und notwendig erachtet. Es wird derzeit geprüft, inwieweit Vo-
raussetzungen für eine Weiterführung der Maßnahme geschaffen werden können.
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/53/530/1 Vorlagen-Nummer 15.08.2018 2559/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Schule und Weiterbildung 04.09.2018 Ausschuss Soziales und Senioren 06.09.2018 Gesundheitsausschuss 13.09.2018 Jugendhilfeausschuss 13.09.2018 Projekt „Plan27„ – Aufsuchendes Hilfeangebot für junge Menschen mit psychischen Problemen – Zwischenauswertung nach einem Jahr Projektlaufzeit Im Rahmen des Programms „Starke Veedel – starkes Köln“ wurde in allen elf ausgewiesenen Sozial- raumgebieten das Projekt „Plan27“ mit Laufzeit vom 01.04.2017 bis 31.03.2019 als aufsuchendes Hilfeangebot für junge Menschen mit psychischen Problemen eingerichtet. Ziel des Projektes ist es, die Teilnehmenden bedarfsgerecht in Hilfeangebote zu vermitteln und bei der Entwicklung einer be- ruflichen Perspektive zu unterstützen. Dies erfordert in der Regel eine intensive individuelle Beglei- tung der Teilnehmenden über eine Dauer von sechs bis zwölf Monaten. Es wird angestrebt, 40 Teil- nehmende im Projektzeitraum in das Regelsystem überzuleiten. In Kooperation mit dem Gesund- heitsamt der Stadt Köln führen die folgenden Träger die Maßnahme durch: „Sozialpsychiatrisches Zentrum (SPZ) Köln-Nippes und Köln-Chorweiler e.V.“ für die Sozialraumgebiete Chorweiler/Blumenberg/Seeberg-Nord und Bilderstöckchen, mit einer halben Vollzeitstelle, die „Alexianer Köln GmbH“ für die Sozialraumgebiete Bocklemünd/Mengenich, Bickendorf/Westend/ Ossendorf, Meschenich/Rondorf, ebenfalls mit einer halben Vollzeitstelle „Der Sommerberg AWO Betriebsgesellschaft mbH“ für die Sozialraumgebiete Buchheim/Buchforst, Höhenberg/Vingst, Ostheim/Neubrück; Mülheim-Nord/Keupstr, Porz- Ost/Finkenberg/Gremberghoven/Eil und Kalk/Humboldt-Gremberg, mit einer Vollzeitstelle. Aktueller Stand zum 30.06.2018 56 Personen sind mit Stand 30.06. 2018 in die Maßnahme aufgenommen worden, davon 27 aus den linksrheinischen Sozialraumgebieten und 29 aus den rechtsrheinischen Sozialraumgebieten. Von den 56 Teilnehmenden konnten 26 Teilnehmende bereits die Maßnahme planmäßig beenden, 2 Teilnehmende haben die Maßnahme vorzeitig verlassen und 28 Teilnehmende sind derzeit in der laufenden Maßnahme. Bei Eintritt in die Maßnahme waren 18 Personen (32 Prozent der Teilnehmenden) unter 21 Jahre alt, davon der überwiegend Teil volljährig; 38 Personen (68 Prozent) waren über 21 Jahre alt. 2 Projektverlauf gemäß Auswertung Stand 31.03.2018 Gemäß einer Zwischenauswertung des Projektes nach einem Jahr mit Stand 31.03.2018 (siehe An- lage 1) wiesen alle Teilnehmenden Probleme und Unterstützungsbedarf in den Lebensbereichen psy- chische und teilweise auch körperliche Gesundheit sowie Selbstorganisation und nahezu alle Teil- nehmende im Bereich Schule/Beruf auf. Bei zwei Dritteln der Teilnehmenden lagen darüber hinaus akute Wohnprobleme, bei einem Drittel akute wirtschaftliche Probleme vor. Bis zum 31.03.18 wurden 35 Teilnehmende je nach Bedarf in ein oder mehrere Regelangebote vermittelt. Insgesamt fanden 64 Vermittlungen in das gesundheitliche Versorgungssystem, 27 Vermittlungen in das Regelangebot des Bereichs Schule/Beruf/Vermittlung/ Qualifizierung und 12 Vermittlungen im Bereich Wohnen statt, dazu gab es zahlreiche weitere Vermittlungen zum Beispiel im Bereich der Freizeitgestaltung. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Unterstützung zur Selbstorganisation, zum Beispiel dem Einhalten von Terminen, und in der Stärkung des Durchhaltevermögens bei den Teilnehmenden. Durch intensive Begleitung wurde sichergestellt, dass die Betroffenen in den entsprechenden Maßnahmen „ankom- men“. Aus über 37 weiteren Stadtteilen Kölns, die sich über allen neun Stadtbezirke und das gesamte Stadtgebiet verteilen, gab es über 60 konkrete Anfragen junger Menschen, die jedoch nicht in den ausgewiesenen Sozialraumgebieten wohnen und daher nicht in das Angebot aufgenommen werden konnten. Fazit und Empfehlung Auf Grundlage der vorliegenden Zwischenauswertung lässt sich feststellen, dass mit Plan27 in den ausgewiesenen Sozialraumgebieten ein passendes Angebot geschaffen wurde für eine bisher noch nicht adäquat versorgte Zielgruppe junger Menschen mit seelischen Problemen in komplexen Lebenssituationen, die eine zugehende Hilfe benötigen. Die hohe Anzahl an Anfragen außerhalb der ausgewiesenen Sozialraumgebiete lässt erken- nen, dass in Köln auch über die ausgewiesenen Sozialraumgebiete hinaus Bedarf besteht und bisher noch nicht gedeckt werden kann. Plan27 stellt eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Hilfeangeboten für junge Menschen mit psychischen Problemen, der Beratungsstelle „Proberaum“ und den tagesstrukturierenden Projektangebot „Proberaum worX“ dar. Als aufsuchendes Angebot richtet sich Plan27 an Be- troffene, die durch die vorhandenen Angebote für junge Menschen mit psychischen Proble- men aufgrund deren „Komm-Struktur“ bisher nicht erreicht werden konnten. Dieses wurde auch von Expertinnen und Experten auf dem Kölner Fachtag der Psychosozia- len Arbeitsgemeinschaft Köln (PSAG Köln) und Kooperation mit der Koordinierungsgruppe „U 27“ im März 2018 „Vun nix kütt nix – Junge Kölner bekommen Hilfen!?“ thematisiert (siehe An- lage 2). Eine Fortführung des Angebots über den Projektzeitraum hinaus und eine Erweiterung auf das ge- samte Stadtgebiet Köln wird aus fachlicher Sicht für sinnvoll und notwendig erachtet (siehe Anlagen 3a und 3b). gez. Dr. Rau
Anlage3a
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Stellungnahme der Kommunalen Gesundheitskonferenz UA 27 (ehemals: Kölner Koordinierungsgruppe U 27) zum Projekt „Plan 27“ Stand 26.07.2018 Die UA 27 der Kommunalen Gesundheitskonferenz möchte aus ihrer Sicht das Projekt „Plan 27“ bewerten. Im jetzigen UA 27 der Kommunalen Gesundheitskonferenz wird die ehemalige Koordinierungsgruppe U27 fortgeführt und ist weiterhin mit Vertretern des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, des Gesundheitsamtes, des Jobcenters, des LVR, der Alexianer GmbH, der LVR Klinik Köln und der Stiftung Die Gute Hand besetzt. Die Koordinierungsgruppe U27 wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, die Situation junger Menschen mit ggf. noch nicht diagnostizierten psychischen Beeinträchtigungen in Köln zu beleuchten und fachlich orientierte Kostenträgerübergreifende Handlungsoptionen aufzuzeigen. Am Anfang des Jahres 2016 erarbeitete die damalige Koordinierungsgruppe U27, die nun als UA 27 in der Kommunalen Gesundheitskonferenz aufgegangen ist, die anliegend beigefügten „Handlungsempfehlungen zur Versorgung von jungen Menschen mit psychischen Problemen bis 27 Jahre“. Unter Punkt 4. Der o.g. Handlungsempfehlungen wird die Realisierung eines spezifischen Angebotes (Kompetenzzentrum U27) für die jungen Menschen mit psychischen Problemen in Köln empfohlen. Die wesentlichen Elemente dieses Angebotes sind unter Punkt 5 beschrieben. Zentraler Bestandteil ist eine kurzfristig zur Verfügung stehende niederschwellige Einzelfallhilfe für junge Menschen mit psychischen Problemen und deren Angehörigen. Dort erhalten die Hilfesuchenden nicht nur einen unverbindlichen Kontakt, sondern eine koordinierende Bezugsperson, die konstant über einen individuellen und durchaus auch längeren Zeitraum hinweg Ansprechperson bleibt und den Verlauf bzw. die Umsetzung einzelner Schritte hilfeübergreifend begleitet. Dieses zentrale Element ist zwischenzeitlich durch den „Proberaum – Beratungscafe der Alexianer GmbH“ realisiert und als Bestandteil der Kölner Versorgungslandschaft für Menschen mit psychischen Problemen regelfinanziert und hat die Situation für die Zielgruppe bereits erheblich verbessert. In den o.g. Handlungsempfehlungen wurde weiterhin die These aufgestellt, dass nicht alle jungen Menschen in der Lage sind, ein Angebot der niederschwelligen Einzelfallhilfe in „Komm-Struktur“ für sich zu nutzen. Diese benötigen dann eine „abholende“ Hilfe, beispielsweise beim Verlassen der Wohnung und der Kontaktaufnahme mit anderen Menschen. Diesen Aspekt nimmt das Projekt Plan 27 auf und setzt genau an dieser Stelle an. Die Erfahrungen von Plan 27 zeigen, dass die These in den Handlungsempfehlungen aus 2016 zutrifft und es tatsächlich eine relevante Zielgruppe gibt, die (noch) nicht in der Lage ist von sich aus Angebote mit Komm-Struktur anzunehmen, oder sich auf weitergehende ggf. auch antragsabhängige Hilfen einzulassen. Die Erfahrungen aus Plan 27 zeigen, dass diese Zielgruppe im gesamten Kölner Stadtgebiet lebt. Die besonders hohe Anzahl der Vermittlungen in Regelangebote zeigt eindrucksvoll, dass die spezifische Hilfestellung durch Plan 27 notwendig ist und zielführend für die weiteren Entwicklungsperspektiven der jungen Menschen. In der betreffenden Lebensphase der jungen Menschen kann durch richtige Hilfestellungen den oftmals lebenslangen Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf die Erwerbsfähigkeit und die Teilhabemöglichkeiten noch wirksam begegnet werden. Aus diesem Grund ist ein passendes und lückenloses Versorgungssystem in Köln an dieser Stelle besonders lohnend und entfaltet nachhaltige Wirkung. Der UA 27 der kommunalen Gesundheitskonferenz empfiehlt der Stadt Köln aus den o.g. Gründen eine Überführung des Projektes Plan 27 im Einklang mit den eingangs erwähnten Handlungsempfehlungen aus 2016 in eine Regelfinanzierung. Die Hilfe sollten dann auch flächendeckend für das gesamte Stadtgebiet zur Verfügung stehen und nicht auf einige Stadtteile begrenzt bleiben.
Anlage3b
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Handlungsempfehlungen
der Kölner Koordinierungsgruppe U 27
zur Versorgung von
jungen Menschen mit psychischen Problemen
bis 27 Jahre
Teil I
1. Einleitung
2. Beschreibung der Zielgruppe
3. Mögliche Handicaps bei der Entwicklung von Perspektiven und der Inanspruchnahme
von Angeboten
4. Empfehlungen zur Entwicklung eines spezifischen Angebots für junge Menschen mit
psychischen Problemen bis 27 Jahre
5. Wesentliche Elemente eines Kompetenzzentrums U 27
6. Konkrete Gestaltung eines Kompetenzzentrums U 27
6.1 Arbeitsschwerpunkte einer niederschwelligen Einzelfallhilfe
6.2 Arbeitsschwerpunkte einer aufsuchenden Hilfe
6.3 Arbeitsschwerpunkte einer Tagesstrukturierung
7. Erstes Resümee
Teil II – Auswertung verschiedener Strukturdaten und Erhebungen
1. Statistische Daten zur Altersgruppe 18 – 27 Jahre
2. Bezug von Leistungen gemäß SGB II pro Stadtbezirk
3. Bezug von Leistungen gemäß SGB II der Altersgruppe 18 – 27 Jahren
4. Reha – Kundinnen und Kunden der Agentur für Arbeit
5. Ergebnisse der Stichtagserhebung in vier psychiatrischen Fachkliniken Kölns
6. Nutzerinnen- und Nutzerzahlen des Beratungscafés „Proberaum“ für junge Menschen
mit psychischen Problemen" der Alexianer Köln GmbH
7. Kurzes Fazit zur Auswertung verschiedener Strukturdaten und Erhebungen
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1. Einleitung
Im November 2012 gründete sich im Nachgang einer Fachtagung zum Thema „Junge ps y-
chisch kranke Menschen“ der Alexianer Köln GmbH eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen
und Vertretern des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, der Alexianer Köln GmbH, des
Gesundheitsamtes, des Jobcenters Köln, des Landschaftsverbandes Rheinland , der LVR -
Klinik Köln und des Sozialdienstes katholischer Frauen e. V. Köln. Die fortan unter der B e-
zeichnung „Koordinierungsgruppe für junge Menschen mit psychischen Problemen – U 27“
arbeitenden Fachleute haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation und die Bedürfni s-
se junger Menschen mit ggf. noch nicht diagnostizierten psychischen Beeinträchtigungen
sowie psychischen Erkrankungen oder seelischen Behi nderungen aus unterschiedlichen
Blickwinkeln heraus zu untersuchen . Nach dem Ausscheiden des SkF e. V. in 2014 ist die
Stiftung Die Gute Hand als freier Jugendhilfeträger der Koordinierungsgruppe beigetreten.
Gemeinsam wurde zunächst eine erste Bestandsau fnahme der bestehenden Hilfen erstellt
und in einer Broschüre für „Junge Menschen bis 27 Jahre mit psychischen Problemen“ z u-
sammengefasst, die Betroffene, Angehörige und Fachleute online nutzen können.
Die Analyse hat weiter gezeigt, dass in der stationä ren psychiatrischen Versorgung eine kla-
re Trennung zwischen den Hilfen für Kinder/Jugendliche bis 18 Jahren und den Hilfen für
volljährige Erwachsene besteht. Dadurch ergeben sich Schnittstellen, für die keine übergrei-
fenden Angebote zur Verfügung stehen.
In der ambulanten Versorgung sind es – neben den rein medizinischen Leistungen der ni e-
dergelassenen Arztpraxen – in erster Linie die Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ), die un-
terschiedliche Hilfen für alle Menschen ab 18 Jahren mit einer psychiatrischen Beeinträchti-
gung vorhalten. Tatsächlich werden jedoch altersunspezifische Angebote von jüngeren Men-
schen, aufgrund eines gefühlten (oder auch objektiv vorhandenen) deutlichen Unterschieds
in der Lebensproblematik zu den meist älteren SPZ-Nutzerinnen und N utzern, nicht ange-
nommen.
Die vorliegenden Handlungsempfehlungen der Koordinierungsgruppe sind d ie Ergebnisse
eines intensiven Austausches mit vielen Experten aus der Praxis, die deutlich machten, dass
junge Menschen mit psychischen Problemen Hilfen benötigen, die sehr lebensweltorientiert
aufgebaut sein müssen. Dabei stehen eine individuelle Beratung und Begleitung im Hinblick
auf eine realistische Lebensplanung sowie Leistungen zur Tagesstrukturierung im Vorde r-
grund, um eine schwere chronische psychische Beeinträchtigung letztendlich zu verhindern.
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2. Beschreibung der Zielgruppe
Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass bei rund 20 Prozent der Kinder und Jugendli-
chen in Deutschland bereits Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung vorliegen.1 Einige
der Betroffenen erkranken bereits in ihrer Kindheit – bei vielen werden erste Auffälligkeiten
viel später in der Phase des Erwachsenwerdens wahrgenommen. Daher können sowohl die
Dienste und Einrichtungen der Jugendhilfe also auch der Erwachsenpsychiatrie die Situation
der Zielgruppe sehr detailliert beschreiben. Umfassende Unterstützungsbedarfe werden
ebenso im Zuge der Beratungsleistungen beispielsweise des Jobcenters (U 25) deutlich.
Gemeinsam konnten folgende Gruppen von jungen Menschen identifiziert werden, zu denen
auch Personen unterhalb der Volljährigkeit gehören können.
Im Fokus der vorliegenden Handlungsempfehlungen stehen junge Menschen,
a) die seit dem Abschluss oder Abbruch der Schule kaum etwas zur Strukturierung ihres
Tagesablaufs unternommen haben und bisher weder eine klare Lebensperspektive noch
konkrete Vorstellungen bezüglich einer beruflichen Zukunft entwickeln konnten.
b) die ohne weitere soziale Kontakte im Haushalt ihrer Herkunftsfamilie oder ohne festen
Wohnsitz bei Bekannten leben und nach der Beendigung ihrer schulischen Laufbahn
5 bis 10 Jahre verstreichen lassen, in denen sie keine gezielten Aktivitäten zur Verselb-
ständigung in Angriff nehmen.
c) die mit Erreichen der Volljährigkeit aus einer Einrichtung der stationären Jugendhilfe in
die Obdachlosigkeit entlassen werden.
d) die länger verlaufende Maßnahmen nicht durchhalten, weil z. B. eine erhöhte Impulsivi-
tät im Zuge einer ADHS, eine bipolare Störung, eine drogeninduzierte Psychose oder ei-
ne „verzögerte Adoleszenz“ vorliegt.
e) die eine Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, ein tagesstruk-
turierendes Angebot für Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder eine vom
Jobcenter vermittelte Maßnahme etc. ablehnen bzw. abbrechen, da sie sich aus ihrem
Selbstverständnis heraus in der Lage sehen, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbil-
dung zu absolvieren, jedoch den Anforderungen aus verschiedenen Gründen nicht ge-
recht werden können.
f) die durch wiederholte Maßnahmenabbrüche stark demoralisiert sind, weil bei der Aus-
wahl und Zuweisung unter Umständen gesundheitliche Einschränkungen und Handicaps
(z. B. Angststörung, Suchterkrankung, Lernbehinderung, ADHS, intrafamiliäre Gewalt)
nicht erkannt bzw. beachtet wurden.
1 KIGGS-Studie (Studie des RKI zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - Erhebungs-
zeitpunkt 2009 bis 2012)
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g) die von ihren Angehörigen völlig vereinnahmt werden und nicht imstande sind, aus dem
Familiensystem „auszubrechen“ bzw. die von ihren Familien nicht die Erlaubnis bekom-
men, eine selbstständige Lebensplanung zu entwickeln, weil sie beispielsweise ihre jün-
geren Geschwistern versorgen müssen oder aus kulturellen Gründen keine eigene
Wohnung beziehen dürfen.
h) die ambulante oder stationäre Hilfen auf der Rechtsgrundlage de r §§ 34, 35a und
41 SGB VIII (Jugendhilfe) oder der §§ 53, 54 SGB XII (Eingliederungshilfe) erhalten und
mit einer eigenständigen Lebensführung, einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt,
einer Berufsvorbereitungsmaßnahme/Ausbildung oder einer Arbeit in einer Werkstatt für
Menschen mit Behinderung völlig überfordert sind.
i) die Interesse an einer Maßnahme zur Tagesstrukturierung oder an einer Ausbildung
zeigen, jedoch nicht wissen, wie sie ihre Ziele verwirklichen können. Dies gilt insbeson-
dere, wenn vorher erstmals eine klinische Behandlung stattgefunden hat und nun eine
neue Lebensplanung ansteht.
j) die eine Ausbildung begonnen oder abgeschlossen haben, danach oder während des-
sen jedoch (immer wieder) in eine psychische Krise geraten und merken, dass sie die
Ausbildung nicht beenden bzw. im Ausbildungsberuf nicht weiter tätig sein können.
3. Mögliche Handicaps bei der Entwicklung von Perspektiven und der Inanspruch-
nahme von Angeboten
Die Beschreibung der Zielgruppe gibt bereits einige Hinweise darauf, aus welchen Gründen
es jungen Menschen mit psychischen Problemen schwerfällt, eine konkrete Lebensplanung
in Angriff zu nehmen. Die nachfolgend aufgeführten Einflüsse, die eine individuelle und fle-
xible Unterstützung teilweise unmöglich machen, sollen die Zusammenhänge zwischen den
verschiedenen Faktoren (gesundheitliche Situation, rechtliche Voraussetzungen etc.) ver-
deutlichen:
Gesundheitliche Einschränkungen bzw. Behinderungen werden bei der Planung einer
beruflichen Perspektive von den jeweiligen Beraterinnen und Beratern nicht erkannt und
finden daher auch keine ausreichende Berücksichtigung.
Die vorhandenen Angebote sind im Hinblick auf ihre inhaltliche und zeitliche Gestaltung
unflexibel und lassen sich nicht individuell anpassen.
Die vorhandenen Angebote setzen Basisfähigkeiten (Pünktlichkeit, Absprachefähigkeit,
Belastbarkeit etc.) voraus, die von vielen jungen Menschen nicht immer erfüllt werden
können.
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Die individuellen Gründe für das Scheitern einer Maßnahme werden nicht analysiert,
sodass auch keine daraus folgenden Erkenntnisse in die weitere Zielplanung einbezo-
gen werden können.
Die rechtlichen Voraussetzungen für die Inanspruchnahme eines Angebots bzw. die
Fördervoraussetzungen für die Vermittlung in eine Maßnahme liegen nicht vor.
Die Sinnhaftigkeit bzw. Wirkungsweise vorhandener Angebote und Maßnahmen sind für
die jungen Menschen nicht erkennbar und können daher von ihnen auch nicht richtig
eingeschätzt werden.
Für individuell konzipierte Unterstützungsleistungen können keine Rechtsgrundlagen
und somit auch keine Kostenträger gefunden werden.
Es findet meist keine rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Kostenträ-
gern statt, sodass Lücken in den Übergängen zwischen den verschiedenen Hilfeformen
entstehen z. B. in den Bereichen Grundsicherung für Arbeitsuchende (SBG II) und Sozial-
hilfe (SGB XII) sowie Jugendhilfe (SGB VIII) und Eingliederungshilfe (SGB XII).
4. Empfehlungen zur Entwicklung eines spezifischen Angebots für junge Menschen
mit psychischen Problemen bis 27 Jahre
Sowohl die Beschreibung der Zielgruppe als auch die Schilderung der Handicaps in der Ver-
sorgung von jungen Menschen mit psychischen Problemen machen deutlich, dass spezifi-
sche Angebote für den Personenkreis notwendig sind, da allgemein aufgebaute Hilfen und
Maßnahmen die Problematik der junge n Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen
nicht ausreichend aufgreifen. Besonders erschwerend kommt dabei noch hinzu, dass die
Sichtweise der professionellen Beraterinnen und Berater häufig angebotsorientiert geprägt
ist und die tatsächlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Betrof fenen weniger berücksich-
tigt werden. Des Weiteren sind die individuellen Voraussetzungen der jungen Menschen so
unterschiedlich, dass Hilfeformen notwendig sind, die eigene Arbeitsansätze und Zielsetzun-
gen verfolgen.
Auf diesen Erkenntnissen beruht die fachliche Einschätzung der Koordinierungsgruppe, dass
für den Personenkreis der jungen Menschen mit psychischen Problemen spezifische Ange-
bote geschaffen werden sollten, die nachfolgend unter dem Begriff eines sogenannten
„Kompetenzzentrums U 27“ näher beschrieben werden.
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5. Wesentliche Elemente eines Kompetenzzentrums U 27
Die Arbeitsschwerpunkte eines Kompetenzzentrums U 27 sollen in erster Linie die Erforde r-
lichkeiten verdeutlichen und die Besonderheiten des Angebots darstellen. Damit ist im W e-
sentlichen der sozialpsychiatrische Ansatz der Hilfe gemeint, der generell handlungsleitend
ist und den gesundheitlichen Zustand der Betroffenen ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.
Auf dieser Grundlage werden bestehende Fähigkeiten und Ressourcen der Betroffenen ein-
geschätzt und darauf aufbauend , ein individuelles Hilfepaket zusammengestellt, das folge n-
de Elemente beinhalten kann.
Zentraler Bestandteil eines Kompetenzzentrums U 27 ist die kurzfristig zur Verfügung st e-
hende niederschwellige Einzelfallhilf e für junge Menschen mit psychischen Problemen
und deren Angehörige (insbesondere deren Eltern), die von der Zielgruppe zu unterschiedli-
chen Fragestellungen und Problemkonstellationen in Anspruch genommen werden kann .
Dabei ist es entscheidend, dass nicht ein unverbindlicher Kontakt hergestellt wird, sondern
die Betroffenen eine koordinierende Bezugsperson erhalten, die konstant über einen indi-
viduellen und durchaus längeren Zeitraum hinweg Ansprechperson bleibt und den weiteren
Verlauf bzw. die Umsetzung einzelner Schritte hilfeübergreifend begleitet. Dies gilt speziell
für Personen, die keine anderweitige Unterstützung bekommen. Die Einzelfallhilfe geht damit
über eine allgemeine Beratungsleistung hinaus und nimmt mit sehr viel Fachwissen speziell
die gesundheitliche Situation sowie den persönlichen Entwicklungsstand der Betroffenen in
den Blick. Strukturell und über den Einzelfall hinausgehend, kann die koordinierende B e-
zugsperson ihre speziellen Fachkenntnisse auch zur Unterstützung anfragender Dienste und
Einrichtungen einsetzen.
Um das Angebot der niederschwelligen Einzelfallhilfe in Komm-Struktur überhaupt für sich
nutzen zu können, benötigen einige der jungen Menschen zudem eine aufsuchende Hilfe
bzw. sprichwörtlich abholende Begleitung beispielsweise beim Verlassen der Wohnung oder
bei der Kontaktherstellung mit anderen Menschen. Diese Unterstützung sollte auf eine ver-
trauensvolle Beziehung und einer sehr akzeptierenden Haltung beruhen. Ziele, wie bei-
spielsweise die Heranführung an eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung kön-
nen bei diesen Menschen daher erst nach einer längeren Vorlaufzeit verfolgt werden.
Ist es gelungen, das Vertrauen der jungen Menschen zu gewinnen, sind diese unter U m-
ständen auch bereit, ein Kontaktangebot in Form eines „offenen Treffs“ zu besuchen, das
auf die verbindlicher gestalteten tagesstrukturierenden Angebote hinführen soll. Für manche,
die das Zusammensein mit anderen Menschen nur schwer ertragen können, bietet das Ko n-
taktangebot die Möglichkeit, sich auszuprobieren und die Nähe zu anderen Menschen zuz u-
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lassen. Daher kann im Einzelfall der Besuch eines wiederum sehr niederschwellig ansetzen-
den offenen Treffs aus der Isolation heraus helfen und somit als absoluter Erfolg gew ertet
werden. Dennoch steht die Teilhabe an einem tagestrukturierenden Angebot bei Bedarf im
Zentrum der weiteren Bemühungen.
Viele der jungen Menschen befinden sich in eine r Lebenssituation fern ab aller Regelmäßig-
keiten und Strukturen. In diesem Kontext ist ein rechtzeitiges Aufstehen, pünktliches Eintre f-
fen oder auch die stundenlange Konzentration auf eine Aufgabe kaum zu bewältigen. Die
gesundheitliche Situation lässt die Teilnahme an einem Schulunterricht, einer Maßnahme
oder Ausbildung nicht oder noch nicht zu, selbst wenn es sich die Betroffenen wünschen und
generell zutrauen. Für diese Personengruppe ist ein spezifisches tagesstrukturierendes
Angebot erforderlich, dass die Heranbildung von sozialen Kompetenzen (z. B. Gestaltung
von sozialen Beziehungen, Verbesserung der Kommunikation, Stabilisierung im psychosoz i-
alen Bereich) und die Erreichung von wichtigen Entwicklungsschritten zum Ziel hat.
6. Konkrete Gestaltung eines Kompetenzzentrums U 27
Das Kompetenzzentrums U 27 umfasst mehrere Angebotsarten, um möglichst viele junge
Menschen zu erreichen, die unterschiedliche persönliche Voraussetzungen mitbringen. Da-
bei sollen die Hilfeformen zwar ineinander übergreifend arbeiten, müssen jedoch nicht von
allen jungen Menschen zwangsläufig durchlaufen werden.
Die nachfolgende inhaltliche Beschreibung ist be ispielhaft und nicht abschließend zu verste-
hen, soll jedoch die Schwerpunkte der einzelnen Arbeitsansätze verdeutlichen.
6.1 Arbeitsschwerpunkte einer niederschwelligen Einzelfallhilfe
Viele junge Menschen sind krankheitsbedingt nicht imstande, eine Qualifizierung smaßnah-
me, Ausbildung oder Ähnliches zu absolvieren . Sie werden von unterschiedlichen Stellen
und Personen beraten, starten oftmals einen Versuch ins Berufsleben und müssen dann
feststellen, dass sie scheitern. Aus diesem Grund bedarf es eine r koordinierenden Bezugs-
person, die sich für den Einzelfall verantwortlich zeigt und die individuellen Lebensumstände
und Potenziale auswertet, um daraus eine Planung von möglichen Perspektiven unter Ein-
beziehung des Umfelds zu entwickeln. Damit mögliche Hemmschwellen überwunden werden
können, wäre es darüber hinaus bei Bedarf sinnvoll, in Zusammenarbeit mit anderen Einrich-
tungen und Diensten ergänzende Hilfen zur Verfügung zu stellen, die ähnlich niederschwellig
sind, wie z. B. ein Gesprächsangebot eines Facharztes/einer Fachärztin der zuständigen
psychiatrischen Klinik oder des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes.
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Zu den einzelnen Leistungen können beispielsweise gehören:
a) Erstes Clearing
Gesprächsangebot, um einen vertrauensvollen Kontakt aufzubauen.
Analyse der Ist-Situation und Klärung der Gründe, die bisher einer Planung entge-
genstanden.
Motivierung zur persönlichen Weiterentwicklung.
Gesundheitsspezifische Unterstützung im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit
der eigenen Erkrankung (z. B. Hinführung zur Behandlung, Begleitung während und
nach einer Behandlung, Gespräch mit einem Facharzt/einer Fachärztin).
b) Weiterführende Begleitung
Klärung des Unterstützungsbedarfs unter Berücksichtigung der persönlichen Wün-
sche, Ressourcen sowie individuellen Voraussetzungen und darauf aufbauende Ent-
wicklung von realistischen Zielen und Perspektiven.
Erarbeitung einer „Gesamtplanung“, die insbesondere auch gesundheitliche Aspekte
beinhaltet und klärt, welche Gründe einer altersgemäßen Entwicklung bisher entge-
genstanden.
Kontinuierliche Analyse und Reflexion des Hilfeverlaufs.
Verlässliche Unterstützung bei der sozialen Kontaktaufnahme und –pflege (u. a. zu
Angehörigen).
Vermittlung zu speziellen Freizeitangeboten, zusätzlichen Hilfeleistungen, gezielter
Tagesstrukturierung und (wenn möglich) auch in eine erfolgversprechende Qualifizie-
rungsmaßnahme.
c) Kontaktangebot
Das Element des Kontaktangebots ist eine Vorstufe zur konkreten Tagesstrukturierung und
für alle jungen Menschen wichtig, die noch etwas an Vorlaufzeit benötigen, bis sie sich auf
mehr Verbindlichkeit einlassen können. Daher gehört auch d er „offene Treff“ als Basisleis-
tung zum Angebot dazu in dem u. a. auch folgende Fragestellungen aufgegriffen werden
können:
Was kann ich ausprobieren und einüben? (z. B. selbstständiges Aufsuchen des
Treffs, Gemeinschaft aushalten, Kontakt zu anderen Menschen aufbauen)
Was könnte mich interessieren und welche Aktivitäten im Freizeitbereich wünsche
ich mir?
Warum sollte ich beispielsweise an einem Angebot zur Tagesstrukturierung teilne h-
men? In welcher Form kann ich (für mich erkennbar) davon profitieren?
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6.2 Arbeitsschwerpunkte einer aufsuchenden Hilfe
Eine aufsuchende Hilfe zeichnet sich durch ein intensiv abholendes und stark akzeptieren-
des Angebot aus, das immer dann erforderlich ist, wenn Komm-Strukturen einer Beratungs-
stelle nicht greifen und hilfebedürftige junge Menschen nicht im Regelsystem ankommen.
Der Ansatz der Hilfe ist ganz pragmatisch zugehend und bei Bedarf auch begleitend bzw.
hinführend, mit dem Ziel, die Alltagskompetenzen zu stärken.
Zu den einzelnen Leistungen können beispielsweise gehören:
Herstellung eines vertrauensvollen Kontakts im Rahmen der aufsuchenden Tätigkeit.
Hilfe bei der Kontaktherstellung zu anderen Menschen, Zusammenarbeit mit den An-
gehörigen.
Unterstützung bei der Inanspruchnahme ergänzender Hilfen.
Aktive Begleitung zu wichtigen Terminen mit z. B. Arzt/Ärztin, Jobcenter, Agentur für
Arbeit.
Entwicklung realistischer Lebensperspektiven, die grundsätzlich die gesundheitlichen
Voraussetzungen berücksichtigen.
Anbindung an die Angebote des gesundheitlichen Regelsystems.
6.3 Arbeitsschwerpunkte einer Tagesstrukturierung
Das eigens für die Zielgruppe entwickelte tagesstrukturierende Angebot soll Jugendlichen
und jungen Erwachsenen eine gezielte Unterstützung bieten, damit notwendige Entwic k-
lungsschritte nach geholt und Basisfähigkeiten trainieren werden können. Dabei lernen sie
unter anderem Absprachen einzuhalten, pünktlich zu sein und Verantwortung zu überne h-
men. Zudem bietet ihnen das gemeinschaftliche Erleben in der Gruppe die Möglichkeit, ein
positives Feedback zu erhalten , das ihr Selbstbewusstsein stärkt. Möglicherweise können
sich daraus auch berufliche Perspektiven entwickeln.
Von größter Wichtigkeit ist dabei, dass dieser Prozess auf der Basis einer personellen Konti-
nuität verläuft und die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen auch über einen längerfristi-
gen Zeitraum verwirklicht werden können.
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Zu den einzelnen Leistungen können beispielsweise gehören:
a) Stärkung der persönlichen Kompetenzen
Spezifische Angebote zum Alltagtraining z. B. gemeinsames Frühstück bzw. Mittag-
essen mit Planung und Umsetzung.
Tagesgestaltung und wiederkehrende Tagesabläufe einüben.
Psychoedukative Gruppenangebote z. B. „Basic Works“.
Gemeinsame Außenaktivitäten (beispielsweise Kennenlernen von Betrieben oder
Ähnliches), aber auch Anleitung zur Freizeitgestaltung.
Vermittlung von Basiswissen z. B. unter dem Motto „Wissen im Alltag“.
Mitbestimmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Gestaltung des Pr o-
gramms (Schwerpunkte nach Interesselagen festlegen).
b) Vermittlung und Überleitung
Im Verlauf der Begleitung wird voraussichtlich bei e inigen jungen Leuten deutlich werden,
dass sie einen längeren Zeitraum benötigen, um notwendige Fertigkeiten zu erlernen. Vo r-
stellbar ist ebenfalls, dass bei manchen von ihnen eine kontinuierliche Unterstützung erfor-
derlich ist. Insbesondere bei diesen Menschen ist es wichtig, eine realistische Perspektive zu
entwickeln, damit auch das Angebot der Tagesstrukturierung nicht zu einer „dauerhaften
Versorgung“ wird. Zudem sollte der Besuch einer Tagestrukturierung vo m individuellen Be-
darf abhängig gemacht werden und sich nicht zwangsläufig an festgelegten Laufzeiten orien-
tieren.
7. Erstes Resümee
Die Koordinierungsgruppe kommt zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass ein zielgru p-
penspezifisches und vielfältiges Angebot zur Versorgung von jungen Menschen mit psych i-
schen Problemen bis 27 Jahre notwendig ist. Als Modell wurde in den vorliegenden Han d-
lungsempfehlungen ein Kompetenzzentrum U 27 entwickelt, das die unterschiedlichen Hi l-
feelemente miteinander verbindet.
Diese Unterstützungsleistung sollte so konzipiert sein, dass die erforderlichen Angebote län-
gerfristig angelegt sind und nicht nur einen zeitlich begrenzten Projektstatus erhalten. Nur
so kann eine Kontinuität in der Begleit ung sichergestellt werden und Menschen Hilfe be-
kommen, die für ihre persönliche Zielerreichung mehr Zeit benötigen . Ebenso sollte der Z u-
gang entsprechend niederschwellig sein, damit möglichst viele junge Menschen und ihre
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Familien erreicht werden können. Dabei sollte die individuelle Begleitung von einer verläss-
lichen Bezugsperson übernommen werden, die eine vertrauliche Ebene herstellt und die
Verwirklichung möglicher Ziele koordiniert.
Die Realisierung eines Kompetenzzentrums U 27 setzt allerdings vo raus, dass die in frage
kommenden Kostenträger rechtskreisübergreifend zusammenarbeiten und somit Unterstü t-
zungsleistungen schaffen, die von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen g e-
nutzt werden können. Das Konzept eines Kompetenzzentrums U 27 macht, aufgrund der
einzelnen Angebotsarten, eine Förderung im Rahmen der jeweiligen gesetzlichen Vorgaben
unterschiedlicher Kostenträger grundsätzlich möglich. Auf diese Weise können junge Men-
schen in unterschiedlichen Lebenssituationen, jedoch mit ganz ähnlichen Hilfebedarfen ,
möglichst frühzeitig eine gezielte Unterstützung erhalten.
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Teil II – Auswertung verschiedener Strukturdaten und Erhebungen
1. Statistische Daten zur Altersgruppe 18 – 27 Jahre
Tabelle 1: Altersgruppe 18 – 27 Jahre je Stadtbezirk
Stadtbezirke Köln Einwohner aller
Altersgruppen
Einwohner mit
Hauptwohnung
18 - < 28
Anteil Einwohner
im Alter von
18 - < 28 in Prozent
1 / Innenstadt 127.088 21.722 17,09 %
2 / Rodenkirchen 104.184 11.814 11,34 %
3 / Lindenthal 146.505 19.916 13,59 %
4 / Ehrenfeld 105.647 14.232 13,47 %
5 / Nippes 114.604 13.801 12,04 %
6 / Chorweiler 81.013 9.714 11,99 %
7 / Porz 110.902 12.452 11,23 %
8 / Kalk 116.962 16.413 14,03 %
9 / Mülheim 146.623 18.660 12,73 %
Gesamt 1.053.528 138.724 13,17 %
Quelle: Amt für Statistik – Stand 31.12.2014
In den Stadtbezirken Köln -Innenstadt und Köln -Lindenthal leben die meisten Menschen im
Alter von 18 bis 27 Jahren. Im Stadtbezirk Köln -Mülheim ist die Anzahl der benannten A l-
tersgruppe mit 18.660 ebenfalls vergleichsweise hoch, dicht gefolgt von Köln-Kalk mit 16.413
Personen.
Der Bevölkerungsanteil junger Einwohnerinnen und Einwohner zwischen 18 und 27 Jahren
für die gesamte Stadt Köln zum 31.12.2014 betrug 13,17 Prozent. Über diesem Wert liegen
die Stadtbezirke Köln-Innenstadt (17,9 %), Kalk (14,03 %), Lindenthal (13,59 %) und Ehre n-
feld (13,47 %). Köln-Mülheim folgt mit 12,73 Prozent. Besonders erwähnenswert ist schon an
dieser Stelle der Anteil an jungen Menschen im Alter von 18 bis 27 Jahren in Köln-Kalk, der
mit 14,03 Prozent deutlich über dem gesamtstädtischen Wert liegt.
2. Bezug von Leistungen gemäß SGB II pro Stadtbezirk
Tabelle 2: Grundsicherung für Arbeitsuchende nach Sozialgesetzbuch II – Personen und
Bedarfsgemeinschaften in den Stadtbezirken
Innen-
stadt
Roden-
kirchen
Linden-
thal Ehrenfeld Nippes Chor-
weiler Porz Kalk Mülheim Köln ins-
gesamt
7.135 7.268 5.135 12.417 10.294 11.673 14.287 21.395 23.408
114.793
Quelle: Statistisches Jahrbuch, Amt für Statistik – Stand 31.12.2014
13
Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II
erhalten, ist in Köln-Kalk und Köln-Mülheim weitaus höher als in den anderen Stadtbezirken.
3. Bezug von Leistungen gemäß SGB II der Altersgruppe 18 – 27 Jahren
Tabelle 3: Grundsicherung für Arbeitsuchende nach Sozialgesetzbuch II im Alter von
18 – 27 Jahre in den Stadtbezirken
Stadtgebiet
SGB II-
Leistungsberechtigte
18-<28
Einwohner mit
Hauptwohnung
18-<28
SGB II - Quote
1 / Innenstadt 710 21.722 3,3
2 / Rodenkirchen 760 11.814 6,4
3 / Lindenthal 503 19.916 2,5
4 / Ehrenfeld 1.363 14.232 9,6
5 / Nippes 1.134 13.801 8,2
6 / Chorweiler 1.449 9.714 14,9
7 / Porz 1.657 12.452 13,3
8 / Kalk 2.427 16.413 14,8
9 / Mülheim 2.645 18.660 14,2
Gesamt 12.648 138.724
Quelle: Amt für Statistik – Stand 31.12.2014
Die Zahl der jungen Leute von 18 – 27 Jahren, die Leistungen nach dem SGB II beziehen, ist
in den Stadtbezirken Köln-Kalk und Köln-Mülheim vergleichsweise hoch. Auch im dritten
rechtsrheinischen Stadtbezirk – Köln-Porz – beziehen viele der jungen Leute zwischen
18 und 27 Jahren SGB II-Leistungen.
Der höchste Wert überhaupt findet sich mit 14,9 % in Köln -Chorweiler, wo absolut betrachtet
allerdings nur halb so viele Personen wie in Mülheim betroffen sind.
14
4. Reha – Kundinnen und Kunden der Agentur für Arbeit
Tabelle 4: Verteilung der Reha – Kunden ( 25 ) – Ersteingliederung Stand 03.12.2015
Behinde-
rungsarten
(Reha – rele-
vant)
AA
Köln
Innenstadt
50667 50668
50670 50672
50674 50676
50677 50678
50679
Rodenkirchen
50968 50969
50996 50997
50999
Lindenthal
(ohne 50829)
50858 50859 50931
50933 50935 50937
50939
Nippes
50733 50735
50737 50739
Psychische
Behinderung 130 11 12 9 13
Neurologische
Behinderung 14 3 1 3 1
Lern-
behinderung 558 33 43 22 46
Geistige
Behinderung 133 8 15 10 16
Behinde-
rungsarten
(Reha – rele-
vant)
Ehrenfeld
50823
50825
50827
50829
Chorweiler
50765
50767
50769
Kalk
(ohne 51067,
51069, 51105)
51103 51107
51109
Porz
(ohne 51107)
51105 51143
51145 51147
51149
Mülheim
51061 51063
51065 51067
51069
Psychische
Behinderung 7 14 14 19 31
Neurologische
Behinderung 2 0 1 1 2
Lern-
behinderung 60 68 76 92 118
Geistige
Behinderung 14 13 22 17 18
Die Statistik der Beratungsfachkräfte Reha innerhalb der Agentur für Arbeit macht deutlich,
dass im Stadtbezirk Köln-Mülheim verhältnismäßig viele Menschen zwischen 18 und 27 Jah-
ren leben, die eine psychische Behinderung aufweisen. Im Stadtbezirk Porz liegt die Zahl mit
19 Betroffenen ebenfalls weit vor den Werten der anderen Stadtbezirke.
5. Ergebnisse der Stichtagserhebung in vier psychiatrischen Fachkliniken Kölns
In 2015 haben sich die vier für Köln zuständigen psychiatrischen Fachkliniken für Erwachse-
ne an einer Stichtagserhebung beteiligt. Untersucht wurden erstmals Patientinnen und Pati-
enten im Alter von 18 bis 25 Jahren der allgemeinpsychiatrischen und suchtspezifischen Sta-
tionen aus dem voll- und teilstationären Bereich. Zum Stichtag 06.05.2015 wurden insgesamt
80 Patientinnen und Patienten (gerundet 6 Prozent) im Alter von 18 bis 25 Jahren in den
Kliniken behandelt.
15
Tabelle 1: Angaben zur aktuellen Wohnsituation
in der Herkunftsfamilie 25 (31 %)
Personen in betreuten und nicht-betreuten Wohngemeinschaften,
in Wohnheimen, bei Freunden 23 (29 %)
allein in eigenem Wohnraum 15 (19 %)
mit eigener Familie zusammen 6 (7,5 %)
ohne festen Wohnsitz 4 (5 %)
Die Wohnsituation der Befragten unterscheidet sich sehr voneinander. Mehr als ein Drittel
lebt bei ihrer Herkunftsfamilie, 29 Prozent in Wohngemeinschaften zum Teil mit Betreuungen
und 7,5 Prozent mit einer eigenen Familie zusammen. Im Vergleich dazu leben 19 Prozent
der jungen Menschen alleine im eigenen Wohnraum. Fünf Prozent haben keinen festen
Wohnsitz.
Tabelle 2: Angaben zur finanziellen Situation
SGB II – Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende 18 (22 %)
SGB III – Leistungen der Arbeitsförderung/Arbeitslosengeld 1 2 (3 %)
SGB VIII – erhalten/befinden sich in Jugendhilfemaßnahmen 2 (3 %)
SGB VI – Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung 1 (1 %)
SGB XII – Leistungen der Sozialhilfe 9 (11 %)
Unterhalt gemäß BGB (z. B. Eltern) 21 (26 %)
andere z. B. Bafög, Gehalt, EU-Rente, Krankengeld 22 (28 %)
Keine Angaben 5 (6 %)
Zur finanziellen Situation geben fast ein Drittel der Befragten an, von Unterhaltsleistungen
der Angehörigen zu leben. 22 Prozent erhalten gemäß SGB II Leistungen vom Jobcenter
Köln und 11 Prozent Sozialhilfe.
Tabelle 3: Angaben zu bisherigen stationären Aufnahmen
bisher keine 28 (35 %)
1 – 3 Aufnahmen 27 (34 %)
4 – 6 Aufnahmen 14 (17 %)
mehr als 6 Aufnahmen 11 (14 %)
Der kleinere Anteil, 35 Prozent der Befragten, waren erstmalig in Behandlung einer psychiat-
rischen Klinik. Im Gegensatz dazu hatten 65 Prozent bereits eine unterschiedliche Anzahl an
stationären Vorbehandlungen. Davon waren 14 Personen (17 Prozent) bereits 4 – 6 und 11
Personen (14 Prozent) mehr als 6 Mal in einer psychiatrischen Klinik. Insgesamt macht die
Gruppe, die mehr als 4 Klinikbehandlungen aufweist, 31 Prozent der Gesamtzahl aus. Im
Hinblick auf die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren, handelt es sich bereits jetzt schon um
16
eine hohe Zahl an schwer erkrankten jungen Menschen. Hinzu kommt noch die große Zahl
derer, die multiple Diagnosen aufweisen.
Zum weiteren Gesundheitszustand befragt, gaben 50 Prozent der Patientinnen und Patien-
ten an, ein Suchtproblem zu haben, wobei der THC/Cannabis-Konsum am häufigsten ge-
nannt wurde. Darüber hinaus gaben 31,3 Prozent der Befragte an Tabak, 12,5 Prozent Am-
phetamine, 10 Prozent Alkohol und 7,5 Prozent synthetische Drogen zu konsumieren.
Tabelle 4: Höchster erreichter Schulabschluss
Hochschulreife 20 %
Fachhochschulreife 5 %
Fachoberschulreife 8 %
Realschule 32 %
Hauptschule 11 %
Abgangszeugnis 10 %
Ohne Abschluss 3 %
Keine Angaben 11 %
Der Bildungsgrad wurde anhand des höchst erreichten Schulabschlusses abgefragt. Insge-
samt haben 20 Prozent die Hochschulreife, 5 Prozent die Fachhochschulreife und 8 Prozent
die Fachoberschulreife erlangen können. Dies macht einen Anteil von 33 Prozent und damit
mehr als ein Drittel der Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten aus. Fast 64 Prozent
haben mindestens einen Realschulabschluss erreicht, was auf eine gute Bildungsbeteiligung
schließen lässt. 11 Prozent haben zudem einen Hauptschulabschluss erreicht. Dem gegen-
über stehen jedoch 24 Prozent, die höchstens mit einem Abgangszeugnis die Schule verlas-
sen haben. Davon sind 3 Prozent ohne Abschluss und 11 Prozent, die keine Angaben ge-
macht haben.
Nach ihren Zielen im Bereich Bildung und Beruf befragt, gaben 78,8 Prozent der Patien-
tinnen und Patienten an, keine Ausbildung und keine konkreten Ausbildungspläne zu haben.
62,5 Prozent der 80 Personen konnten zumindest die Idee einer beruflichen Perspektive be-
nennen oder formulierten konkrete Berufswünsche (z. B. Studium, Nachholen des Abiturs,
Ausbildung im medizinischen und pflegerischen Bereich). Dies passierte allerdings ungeach-
tet der Frage, ob sich diese Planungen krankheitsbedingt auch realisieren lassen. Von den
80 Patientinnen und Patienten äußerten 29 Personen den Wunsch, eine Schulausbil-
dung/Berufsausbildung abzuschließen.
17
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass aufgrund von fehlender bzw. unklarer Pe r-
spektive die Betroffenen Gefahr laufen, langfristig die Teilhabe innerhalb der Gesellschaft zu
verlieren und von Grundsicherungs- bzw. Sozialhilfeleistungen abhängig zu werden.
Die hohe Anzahl von Patientinnen und Patienten, die 4 und mehr als 6 stationäre Aufnahmen
erlebt haben, lässt auf eine frühe Chronifizierung der Erkrankung schließen, die e ine L e-
bensplanung im Hinblick auf eine Verselbständigung und langfristige Selbstverantwortlichkeit
der jungen Menschen erschwert.
6. Nutzerinnen- und Nutzerzahlen des Beratungscafés „Proberaum“ für junge Me n-
schen mit psychischen Problemen" der Alexianer Köln GmbH
Am 01.11.2013 eröffnete die Alexianer Köln GmbH das Beratungscafé „Proberaum“ für junge
Menschen mit psychischen Problemen in eigens angemieteten Räumlichkeiten im Stadtbe-
zirk Köln-Rodenkirchen. Das Angebot konnte aufgrund der Förderung durch die Aktion
Mensch aufgebaut werden. Am 31.05.2016 läuft diese Förderung aus.
Im Zeitraum vom 01.11.2013 bis 31.12.2015 wurden insgesamt 350 Beratungen durchge-
führt. Die Ratsuchenden setzen sich aus 50 Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen
Institutionen, 115 Angehörige und 185 Betroffene (davon 97 männlich und 88 weiblich) zu-
sammen. Meist fanden mehrere persönliche und telefonische Beratungsgespräche sowie
E-Mail-Korrespondenzen statt, die in der Regel weitere Leistungen z. B. Klärungen der Zu-
ständigkeit infrage kommender Kostenträger, erforderlich machten. Es wurden Einzelgesprä-
che und auf Wunsch auch gemeinsame Gespräche mit der Herkunftsfamilie geführt.
Tabelle 1: Altersstruktur der 185 betroffen jungen Menschen
17 – 21 Jahre 85 (46 %)
22 – 25 Jahre 68 (37 %)
26 – 30 Jahre 32 (17 %)
46 Prozent der Betroffenen waren zwischen 17 und 21 Jahre alt. Mit 37 Prozent zählten die
Betroffenen zwischen 22 und 25 Jahren zur zweitgrößten Gruppe. In der Altersgruppe der
26- bis 30-Jährigen nutzen 17 Prozent das Angebot.
Von den betroffenen jungen Menschen bis 27 Jahre hatten insgesamt 124 Personen
(67 Prozent) keine festgestellte psychiatrische Diagnose. Bei 61 Personen (33 Prozent) lag
eine psychiatrische Diagnose aus einer ambulanten oder stationären psychiatrischen Be-
handlung vor.
18
Der "Proberaum" versteht sich als Beratungsstelle für ganz Köln:
30 Prozent der Betroffenen waren im Stadtbezirk Köln-Rodenkirchen wohnhaft.
60 Prozent kamen aus den restlichen Stadtbezirken und 10 Prozent aus Wesseling/
Bonn/Siegburg in das Beratungscafé.
Tabelle 2: Wohnsituation der 185 betroffen jungen Menschen
bei den Eltern 79 (43 %)
allein 68 (37 %)
Wohnheim 4 (2 %)
Ohne festen Wohnsitz 34 (18 %)
Insgesamt lebten 43 Prozent im Haushalt ihrer Herkunftsfamilie, während 37 Prozent alleine
wohnten. Mit 18 Prozent ist die Zahl der Betroffenen, die über keinen festen Wohnsitz verfü-
gen beachtlich hoch. Darüber hinaus konsumierten 30 bis 40 Prozent der jungen Menschen
Suchtmittel.
Tabelle 3: Wirtschaftliche Situation der 185 betroffen jungen Menschen
Grundsicherung für Arbeitsuchende nach Sozialgesetzbuch II 57 (31 %)
ungeklärte Unterhaltssicherung, kein Leistungsbezug 64 (35 %)
Unterstützung durch Eltern 45 (24 %)
Ausbildungsgeld 19 (10 %)
Ein Drittel der Betroffenen bezog Leistungen gemäß SGB II über das Jobcenter.
Wiederum bei mehr als einem Drittel war die Unterhaltssicherung ungeklärt bzw. es erfolgte
kein Leistungsbezug. Insgesamt 24 Prozent wurden von ihren Eltern unterstützt.
7. Kurzes Fazit zur Auswertung verschiedener Strukturdaten und Erhebungen
Die Zahlen bestätigen den Eindruck der Fachleute, dass ein großer Anteil der Betroffenen,
noch keine konkrete Lebensplanung im Hinblick auf ein selbständiges Wohnen, eine wirt-
schaftliche Unabhängigkeit oder berufliche Perspektive in Angriff nehmen konnte.
Für die Koordinierungsgruppe U 27:
Amt für Kinder, Jugend und Familie – Frau Ehnert
Alexianer Köln GmbH – Frau Morgenroth, Frau Zeitz
Gesundheitsamtes – Herr Dr. Albers, Frau Dr. Gunia-Hennecken, Frau Dr. Leger
Jobcenters Köln – Frau Carl, Frau Eismann
Landschaftsverbandes Rheinland – Herr Peters
LVR-Klinik Köln – Frau Haas
Stiftung Die Gute Hand – Herr Ahlborn
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zurückgestellt
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2559/2018
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 15.08.2018
- Erstellt
- 02.08.2018 08:13