SV-2011/0037
Antrag der Fraktion Die Linke. vom 12. August 2011 betr. Grab des Komponisten Hans Simon
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SV-2011/0037
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Vorlage-Nr. SV-2011/0037
Antrag
Darmstadt, den 08.11.2013
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird beauftragt das Grab des Komponisten Hans Simon auf dem Alten Friedhof von der
Liste der städtischen Ehrengräber zu streichen.
Begründung:
Simon, der seit den frühen 1920er Jahren bei Veranstaltungen des ultrarechten „Bayreuther Bundes“
und seit 1930 bei dem genauso reaktionären „Richard-Wagner-Verband deutscher Frauen“ als
Klavierbegleiter mitgewirkt hatte ( DT, 28.10.1921 und 11.01.1930), trat am 1.5.1933 der NSDAP bei
und erhielt die Mitglieds-Nr. 2291107. Im Herbst 1932 hatte er bereits die Leitung des hiesigen
Kammerorchesters des „Kampfbundes für deutsche Kultur“ übernommen. Im April 1933 wurde er zum
kommissarischen Leiter der städtischen Akademie für Tonkunst ernannt. In dieser Eigenschaft
„säuberte" er bis zu seinem Fortgang im Oktober 1933 das Institut von jüdischen und politisch
missliebigen Dozenten, darunter der prominente jüdischen Leiter der Opernschule Paul Ottenheimer.
In NS-Diktion las sich das so: „Als kommissarischer Leiter der Städtischen Akademie für Tonkunst hat
er aus dem Durcheinander eines liberalistisch gelockerten Instituts ein straff geformtes Ganzes
gemacht, das vom Geist des neuen Deutschland durchflutet ist und diesem Geist dient." (Darmstädter
Zeitung, 12. 10. 1933).
Die mit öffentlichen Geldern gepflegte Grabstätte des Kapellmeisters und Komponisten Hans Simon
auf dem Alten Friedhof dürfte mittlerweile wohl zum berühmt-berüchtigsten Ehrengrab der Stadt
Darmstadt geworden sein. Nachdem der Mi ssstand mehrmals in der Presse angeprangert wurde,
thematisiert nun auch Hannes Heer Simons unrühmliche braune Vergangenheit ausführlich in seinem
Buch Verstummte Stimmen, Bd. 27 der Schriften der Kommission für die Geschichte der Juden in
Hessen (Berlin, 2011). Dabei erinnert er daran, dass der hier lebende Historiker Fred Kautz bereits vor
Jahren „als erster auf Simons Aktivität als Mitglied des Kampfbunds und der NSDAP hingewiesen und
die Aufhebung von dessen städtischen Ehrengrab […] verlangt [hat].“
Da der nun abgewählte OB gleich bei Amtsantritt die Sache auf Eis legte, Urlaub von der Realität
nahm und meinte dass sie dort für immer gut aufgehoben wäre, sollte der berechtigten Forderung, der
seinerzeit mit über 1000 Unterschriften Nachdruck verliehen wurde, jetzt endlich entsprochen werden.
Eine Entscheidung ist überfällig, zumal die Staatsministerin a.D. Ruth Wagner im Vorwort des bereits
erwähnten Bd. 27 den hiesigen politischen Gremien ins Gewissen redet und sie auffordert, zu klären,
„welche Zeichen der Erinnerung […] auf Dauer angemessen wären.“ Die Aberkennung des
städtischen Ehrengrabs für Hans Simon wäre ein solches Zeichen. Es würde auf Dauer deutlich
machen, dass die Stadt Darmstadt ein klein wenig aus der Geschichte gelernt hat und es nicht mehr
für angemessen hält, den Nazi-Profiteur Hans Simon zu ehren. Sie schuldet das schon dem
vollmundig erhobenen Anspruch, „Wissenschaftsstadt“ zu sei
Fraktionsvorsitzender Stadtverordnete
Karl-Heinz Böck Martina Hübscher Paul
Dr. Natalie Krieger
Beratungsverlauf (2)
Orte (1)
- Landgraf-Philipps-Anlage 32
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Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2011/0037
- Typ
- Antrag
- Datum
- 12.08.2011
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00