2975/2024
Szenebericht Bildende Kunst
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/41/41/21 Vorlagen-Nummer 31.10.2024 2975/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 05.11.2024 Szenebericht Bildende Kunst In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Ausschuss Kunst und Kultur die Verwaltung beauftragt, den Sparten Musik, Darstellende Kunst (Theater und Tanz), Bildende Kunst (mit Fotografie), Medien (Film, Literatur) und Kulturelle Teilhabe (Diversität und Interkultur) die Möglichkeit zu geben, „regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Arbeit schriftlich zu berichten“. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jeweiligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Die Berichte sollen in Form eines schriftlichen Berichts (maximal drei Seiten) und ei- ner Erläuterung in der Sitzung sowie gegebenenfalls ergänzt durch eine circa 5-minü- tige PowerPoint-Präsentation oder Videobotschaft dem Ausschuss Kunst und Kultur vorgestellt werden. Für die Sparten Bildende Kunst, künstlerische Fotografie und Medienkunst werden Fabian Hochscheid (BBK - Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Köln e.V.) und Yves Sanwidi (AIC – Art Initiatives Cologne / Kunstinitiativen Köln e.V.) be- richten und Fragen beantworten. Gez. Charles Anlage: Szenebericht Bildende Kunst
Anlage 1 zu 2975-2024
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Anlage 1 zu 2975/2024
SZENEBERICHT BILDENDE KUNST 2024
Der vorliegende Szenebericht Bildende Kunst wurde von AIC – Art Initiatives Cologne /
Kunstinitiativen Köln e.V. in Zusammenarbeit mit dem BBK – Bundesverband Bildender
Künstlerinnen und Künstler Köln e.V. verfasst.
Nachdem der Schwerpunkt unseres letzten Szeneberichts von November 2022 vor allem
die strukturellen Bedingungen der Kölner Akteur:innen der Bildenden Kunst und ihre
Produktionsbedingungen reflektiert hat, liegt dieses Mal der Fokus auf exemplarischen
Beispielen und Entwicklungen zum Thema Räume für Kunst.
ARBEIT AM GEMEINSAMEN: KUNSTRÄUME IN DER KUNSTSTADT KÖLN
Seit Jahrzehnten bilden die vielfältigen Kunstinitiativen, verschiedenen Festivals und freien
Projekträume der Bildenden Kunst eine wesentliche Säule der lebendigen Kunst- und
Kulturszene Kölns. Gezeigt werden Einzel- und Gruppenausstellungen von lokalen wie
internationalen Künstler*innen in Verbindung mit umfangreichen begleitenden
Veranstaltungs- und Vermittlungsprogrammen, oftmals spartenübergreifend für die gesamte
Bandbreite an zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen. Von institutionell
geförderten Kunsträumen über ehrenamtlich betriebene Initiativen bis hin zu nomadischen
und temporären Projekten in Zwischen- oder Umnutzungen von Ladenlokalen, Industrie-
hallen oder im öffentlichen Raum entfaltet sich eine breitestmögliche künstlerische und
kuratorische Vielgestaltigkeit. Neben Ausstellungsmöglichkeiten für Künstler*innen aus Köln
und der Region wird gezielt der überregionale und internationale Austausch und damit auch
ein interkultureller Dialog gefördert. Am Entstehungsprozess ist über die Künstler*innen
hinaus zudem ein engagiertes Netzwerk an kuratorisch, gestalterisch, technisch,
organisatorisch und vermittelnd tätigen Akteur*innen beteiligt.
Ausstellungen sind aufwändig und die Anforderungen werden insgesamt komplexer. Alle
anfallenden Kosten sind seit der Pandemie drastisch gestiegen. Ausstellungen erfordern
einen aufwändigen Unterhalt von Räumen, der durchaus vergleichbar ist mit dem der
zahlreichen kleineren und größeren Spielstätten von Theater, Tanz und Musik, wobei es
gerade an größeren Flächen für die Bildende Kunst in Köln mangelt und Festivals, wie
zum Beispiel die Internationale Photoszene, immer wieder Räume erst für eine temporäre
Zwischennutzung mühsam ertüchtigen müssen. Gleichzeitig ist eine zunehmende
Verdrängung von Räumen durch steigende Mieten zu beklagen.
Die Budgets für diese Leistungen stagnieren oder werden sogar gekürzt. So belief sich laut
Geschäftsbericht der Stadt Köln 2016 die Förderung der sogenannten Transferaufwen-
dungen des Kulturamts für die Sparte Bildende Kunst noch auf 13% im Vergleich zu 2022
mit 10%. Zudem sind ebenfalls Kürzungen auf Landesebene zu befürchten, wodurch in den
kommenden Jahren eine zunehmende Planungsunsicherheit und Prekarisierung eintreten
wird. Die Folgen weiterer Kürzungen wären fatal, nicht nur für die Eigenmotivation der zum
Großteil ehrenamtlich tätigen Akteur*innen, sondern vor allem für die Stadtgesellschaft an
sich, denn das Zusammenwirken aller Kunst- und Kulturschaffenden ist nicht nur Arbeit „an
nützlichen Netzwerken, sondern an gelingenden sozialen Beziehungen. Das heißt, zu den
politischen und ökonomischen Funktionen wie Geldbeschaffung, Interessensvertretung,
Anträge schreiben, Räume in Stand halten usw. treten elementare soziale und kulturelle
Funktionen, die etwas mit einem emphatischen Begriff der Ethik und Ästhetik der
gemeinsamen Existenz zu tun haben.“1
1 Zitiert aus dem Vortrag von Michael Hirsch über „Vereinte Räume – AIC als Utopie kommunizierender Orte“ im Rahmen der AIC-
Klausurtagung am 25.11.2023 im noplace Köln.
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EXEMPLARISCHE BERICHTE LAUFENDER PROJEKTE
Simultanhalle: Eine zügige Sanierung und Wiedereröffnung der Simultanhalle ist
dringend notwendig. 2018 war die Halle von der Stadt geschlossen worden. Statt
Reparaturmaßnahmen zu ergreifen, ist sie seither Wind und Wetter ausgesetzt. Das
einmalige Bauwerk an einem sensiblen Gedenkort in Volkhoven fungiert seit 40 Jahren als
einziges Zentrum zeitgenössischer Kunst in Chorweiler. Vor Ort findet derzeit eine stärkere
Vernetzung mit Schulen und dem Bürgerverein Köln-Volkhoven-Weiler e.V. statt. Leider
wurde die Förderung durch die Stadt seit der Schließung gekürzt, obwohl Kosten und
Arbeitsaufwand gerade durch den erforderlichen Ausstellungsbetrieb im Außenraum
steigen. Positiv ist, dass im September 2024 endlich zwei unabhängigen Bausachver-
ständigen das Tor zur Halle geöffnet werden konnte, damit sie die weitestgehend intakte
Bausubstanz für eine geplante Sanierung untersuchen können.
Ebertplatz – „Unser Ebertplatz“ funktioniert für alle gerade dann, wenn er offenbleibt.
Innerhalb der letzten 12 Monate wurden vor Ort über 50 Ausstellungen und zusätzliche
Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte, Workshops, Planungslabore und Performances
realisiert. Der Ebertplatz hatte alleine durch die Veranstaltungen des Brunnen e.V. – einen
Zusammenschluss der Projekt- und Ausstellungsräume der Passage am Ebertplatz –
über das Jahr verteilt über 10.000 zusätzliche Besucher*innen. Die größte Sorge bereitet
weiterhin, dass es noch keine auf den Platz zugeschnittene dringend erforderliche
Sozialarbeit gibt – drei Aufsicht führende Personen sahen das im vergangenen Jahr als
Kündigungsgrund! –, obwohl dies seit vielen Jahren immer wieder gefordert wird.
Osthof Hallen Kalk – Aktuell arbeiten alle Beteiligten, die sich in der spartenübergreifen-
den Verantwortungsgemeinschaft Osthof (VGO) – kulturhof kalk e.V., cccc - Kreations-
zentrum Zeitgenössischer Zirkus e.V., Kunsthaus Kalk / Kubist e.V. plus die assoziierten
Partner DOMiD gGmbH, AbenteuerHallenKalk – organisiert haben, gemeinsam am Ziel der
Entwicklung des Areals als weltoffenem und inklusivem Kulturort. Zu danken ist hier den
Referaten Teilhabe und Bildende Kunst sowie dem Kulturraummanangement für ihr
Engagement. Ein Lichtblick nach dem Projektausstieg der Montag Stiftung Urbane Räume
gAG ist inzwischen die Zusammenarbeit mit dem Amt für Liegenschaften, Vermessung und
Kataster. Hier wehte in der Zeit der Interimsbesetzung ein frischer Wind, und wir hoffen,
dass dies auch in Zukunft gelingt. So war es diesen Sommer endlich möglich, einen
Planungsworkshop, ein Open-Air-Programm und eine inklusive Summer Art School zu
veranstalten. Dieser für Köln-Kalk so wichtige Kurs muss gehalten werden.
POSITIVE ENTWICKLUNGEN
AIC – Art Initiatives Cologne als Zusammenschluss der Kölner Kunstinitiativen leistet
seit seiner Gründung 2015 als wachsendes Netzwerk intern wie extern einen wertvollen
Beitrag zum Selbstverständnis und zur Stärkung von Kunsträumen in Köln. Akteur*innen
aus mittlerweile 50 Mitgliederinitiativen stehen im kontinuierlichen Austausch und setzen
sich in der jährlichen Klausurtagung, Workshops und den Mitgliederversammlungen mit
den drängenden Fragen der eigenen Arbeit, wie Antidiskriminierungsthemen, Audience
Development, Nachhaltigkeit und Inklusion, auseinander. Gemeinsame Veranstaltungen,
das jährlich stattfindende Wochenende AIC ON, der monatliche Newsletter, die AIC-
Website, die die Aktivitäten der Mitgliederinitiativen übersichtlich bündelt, oder der
gedruckte AIC-Index, der die einzelnen Initiativen und Räume vorstellt und im Stadtraum
auf einer Karte verortet, tragen maßgeblich zur Sichtbarkeit bei. Darüber hinaus wird derzeit
eine Erweiterung des Netzwerks auf in Köln tätige Kurator*innen verfolgt.
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Die seit 2019 vergebenen altersunabhängig ausgeschriebenen Recherche- und
Arbeitsstipendien Bildende Kunst der Stadt Köln, die im Zuge der Kulturentwicklungs-
planung (KEP) eingeführt wurden, bilden eine nachhaltige Förderung von professionell
arbeitenden Kölner Künstler*innen sowie Kurator*innen. Das Konzept wurde vom Kulturamt
der Stadt Köln und dem Kulturwerk des BBK Köln e.V. – in Abstimmung mit dem Netzwerk
AIC und der Kölner Kulturpolitik – entwickelt und seither erfolgreich umgesetzt.
Die 2017 vom Kulturamt initiierte Reihe Update Cologne für Kölner Künstler*innen ab 50
Jahren bietet eine wesentliche Ressource um die Bandbreite künstlerischen Schaffens in
einem adäquaten räumlichen Kontext ins Bild zu setzen. Wie wichtig und nachhaltig diese
Form der Förderung „Ü50“ ist, zeigen auch die seit 2020 über das KULTURsekretariat
NRW vergebenen zehn Kunstpreise CityARTists. Bereits vier Mal waren die von der
Kölner Jury ausgesuchten Künstler*innen eine/r der Preisträger*innen.
Die ersten Ateliers in der Delmenhorster Straße in Köln-Niehl konnten diesen Sommer
teilweise bezogen werden. Das ehemalige Bürogebäude im Industriegebiet ist räumlich
zwar etwas „ab vom Schuss“, aber mit einer Dichte von geplant über hundert bezahlbaren
Ateliers kann hier ein neues und vielseitiges Zentrum der Kölner Kunstproduktion
entstehen.
Neben dem Kulturamt, das trotz angespannter Personalsituation und begrenzter Mittel
stets verlässlicher Ansprechpartner ist und wertvolle Beratung und Unterstützung bietet, hat
sich das Kulturraummanagement (KRM) für die Kunstinitiativen als wichtiger Partner
und Verbindungsglied zwischen freier Szene und Verwaltung bewährt. Das KRM sollte in
der bestehenden Form fortgesetzt werden. Die vakante Stelle der Kulturamtsleitung sollte
zudem schnellstens besetzt werden, damit laufende Prozesse und aufgebaute Strukturen
nachhaltig weiterverfolgt werden können.
VIELFALT ERHALTEN! EXPERIMENTE FÖRDERN!
IDEEN UND PRODUKTIONEN STÄRKEN!
Vor dem Hintergrund der zu befürchtenden drastischen Kürzungen im Kulturbereich leiten
sich die zentralen Forderungen der freien Szene Bildende Kunst ab:
• Keine Kürzungen in der bereits prekär finanzierten freien Szene Bildende Kunst.
• Fortsetzung der bisher initiierten Maßnahmen und Förderprogramme.
• Weiterführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits-, Produktions- und
Aufführungsbedingungen aller Akteur*innen der Bildenden Kunst.
• Planungssicherheit für bereits etablierte Kunsträume durch institutionelle statt
projektorientierte Fördermaßnahmen.
• Kulturraummanagement als Partner der freien Szene Bildende Kunst und insbesondere
der Kunsträume fortsetzen und stärken, Etablierung von Standards für nachhaltige
temporäre Nutzungen.
• Eine zügige Besetzung der vakanten Stelle der Leitung des Kulturamts.
An diesem Szenebericht haben mitgewirkt: Heike Ander, Doris Frohnapfel (Vorstand AIC),
Petra Gieler, Fabian Hochscheid (BBK Köln), Marie Gentges, Kriz Olbricht (Vorstand
Förderverein Simultanhalle e.V.), Meryem Erkus (Brunnen e.V., VGO), Andreas Keil (AIC-
Vertretung im Atelierbeirat), Heidi Pfohl (AIC), Volker Zander (Brückenmusik e.V.) unter
Bezugnahme auf Impulse weiterer AIC-Mitglieder.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2975/2024
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 31.10.2024
- Erstellt
- 26.09.2024 15:16