3022/2024
Beantwortung einer schriftlichen Anfrage von Die Linke in der Bezirksvertretung Kalk am 05.09.2024 (AN/1124/2024) zu Klimaveedel und Fernwärme
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Beantwortung einer Anfrage (BV)
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Dezernat, Dienststelle VIII/2 Vorlagen-Nummer 3022/2024 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 8 (Kalk) 10.10.2024 Beantwortung einer schriftlichen Anfrage von Die Linke in der Bezirksvertretung Kalk am 05.09.2024 (AN/1124/2024) betreffend Klimaveedel und Fernwärme Die Fraktion Die LINKE bittet mit ihrer Anfrage AN/1124/2024 um Beantwortung folgender Fragen: 1. Am 26. August 1965 war die Grundsteinlegung Neubrücks als 85. Kölner Stadtteil. Das, sich unter der Siedlung befindliche, Fernwärmenetz dürfte in etwa aus der glei- chen Zeit stammen und ist wenig bis gar nicht isoliert. Gerade an (den nur noch weni- gen) Tagen mit Schneefall ist der Verlauf der Leitungen daran zu erkennen, dass sie schnee- und eisfrei bleiben. In den Kellern der Häuser ist es so warm, dass Kartoffeln nicht eingelagert und Geranien nicht überwintert werden können. Diese Art der Ver- schwendung können wir uns aber beim Ziel der Klimaneutralität nicht mehr erlauben. Wann ist mit der flächendeckenden Sanierung und Isolierung des Neubrücker Fern- wärmenetzes zu rechnen und wieviel Energie wird hierdurch zukünftig eingespart wer- den können? 2. Wann werden die drei Blockheizkraftwerke in Merheim, die derzeit noch mit fossilem Erdgas betrieben werden durch andere Formen der Wärmegewinnung ersetzt oder er- gänzt und sind die vorhandenen Kraftwerke sicher geeignet auch grünen Wasserstoff zu verfeuern? 3. In den drei Blockheizkraftwerken wird fossiles Erdgas verfeuert, um Strom zu produ- zieren. Die Wärme entsteht dort als Nebenprodukt und ihre Nutzung erhöht die Ener- gieeffizienz enorm. Da die Kundinnen der Rheinenergie aber ja nur mit zertifiziertem Ökostrom versorgt werden, stellt sich die Frage: Was geschieht mit dem dort produ- zierten fossilen Strom? 4. Im Rahmen des Projektes Klimaveedel hat die RheinEnergie vieles nach dem Motto „einfach mal machen“ angestoßen und stößt weiter an. Dabei werden viele Erfahrun- gen gesammelt, die sicher auch für die Kommunalpolitik von Interesse sind. Das Pro- jekt läuft bis 2025. Wann wird es einen auch für die Politik einsehbaren Evalutionsbe- richt zu diesem Projekt geben? 5. Warum gelingt es der Kölner Stadtverwaltung nicht, solche lobenswerten und notwen- digen Projekte mit dem entsprechenden Engagement, Geld und personellem Einsatz zu unterstützen, während für nicht realsierte Traumprojekte die Ressourcen zur Verfü- gung stehen? 2 Stellungnahme der Verwaltung: Zur Beantwortung wurde die Stellungnahme der RheinEnergie AG eingeholt und in die Beant- wortung integriert. Zu 1.: Das Durchschnittsalter der Fernwärmeleitungen in Neubrück beträgt ca. 46 Jahre. Die Leitun- gen sind alle nach dem im jeweiligen Verlegejahr geltenden Stand der Technik gedämmt. Da- her ist die Aussage, dass die Leitungen wenig bis gar nicht gedämmt sind, nicht zutreffend. Die erdverlegten Leitungen sind überwiegend in einem Beton-Haubenkanal verlegt. Hier be- steht die Dämmung in der Regel aus verstärkten Mineralwollmatten, die zum äußeren Schutz mit Teerpappe ummantelt sind. Die gebäudeverlegten Leitungen sind ebenfalls mit verstärkten Mineralwollmatten gedämmt. Zum äußeren Schutz sind diese meist mit einer Gipsummante- lung versehen. Zur Ausführung und Qualität der Dämmung der privaten Heizungsleitungen/- anlage im Gebäude können Verwaltung und RheinEnergie keine Aussage treffen. Dies könnte auch eine Ursache für höhere Temperaturen im Keller sein. Der Zustand der Leitungen des gesamten Kölner Fernwärmenetzes wird regelmäßig mittels einer Thermografiebefliegung überprüft. Die nächste Überprüfung ist für den Winter 2024/2025 geplant. Die Thermografieergebnisse fließen in die Zustandsbewertung der Lei- tungsabschnitte ein und sind neben der Schadenhäufigkeit/-anfälligkeit ein Kriterium für die Identifikation von erneuerungswürdigen Leitungsabschnitten. Diese Abschnitte werden dann sukzessive in die Erneuerungsplanung eingesteuert. Seit 1995 wurden auf dieser Basis ca. 25 % der erdverlegten Leitungen in Neubrück mit dem heutigen Verlegestandard Kunststoffman- telrohr (starres Verbundsystem von Stahl-Mediumrohr, einer Wärmedämmung aus Po- lyurethan-Hartschaumstoff (PUR) und einem äußeren PEHD-Mantel) erneuert. Eine flächen- deckende Erneuerung der Fernwärmeleitungen ist in Neubrück daher nicht geplant. Zu 2.: Die erste Ergänzung in Form eines Heißwasser (Fernwärme)-Speichers wurde in diesem Frühjahr eingeweiht und erlaubt die nochmals deutlich verbesserte Ausnutzung des Brenn- stoffs für die BHKWs. Somit kann nun auch dann hocheffizient Wärme parallel zum Storm er- zeugt werden, wenn die Wärme erst später benötigt wird. Zu den weiteren Ergänzungen läuft aktuell eine intensive Studie, in der die unterschiedlichen Technologien zur Bereitstellung von dekarbonisierter Fernwärme im FW-Netz Merheim ge- geneinander bewertet und auch die gewichtigen Fragen der Genehmigungsfähigkeit und unter anderem daraus resultierenden Realisierungsdauern betrachtet werden. Möglichkeiten sind Großwärmepumpen, die bspw. Bodenwärme, Brunnenwasser oder auch Luft als Umweltwärmequellen nutzen. Dazu werden u.a. Geothermie-Studien durchgeführt. Ebenfalls könnten zur Spitzenlastdeckung Biomasse-Kessel zum Einsatz kommen, die bspw. Straßenbegleitgrün als Brennstoff nutzen. Durch die theoretische Verfügbarkeit von Wasser- stoff in Merheim (das Wasserstoffkernnetz verläuft in ca. 4 km Entfernung) ist auch eine Um- rüstung der BHKW-Aggregate auf Wasserstoff-Verbrennung eine aktuell in der Prüfung be- findliche Option, welche allerdings nicht vor 2030 in Betracht kommt und daher erst in den Folgejahren ergänzend wirken könnte. Die aktuellen BHKW-Module können nicht aus dem Stand große Mengen an Wasserstoff mitverbrennen und müssten technisch umgerüstet wer- den. Zu 3.: Der in den BHKWs produzierte Strom wird über die RheinEnergie Trading an der Börse ver- marktet. Sofern zukünftig dekarbonisierte Gase (Wasserstoff, Derivate, Biomethan) in Mer- heim leitungsgebunden verfügbar gemacht werden können, ist eine Umstellung/Umrüstung der BHKW-Anlagen möglich. Dies würde dann auch auf die Dekarbonisierung des dort er- zeugten Stroms einzahlen. Zu 4.: Die Evaluation des Projekts KlimaVeedel wird planmäßig im ersten Quartal 2026 erfolgen. Diese wird in enger Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Köln durchgeführt, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Dabei werden nicht nur die bisher gewonnenen Er- kenntnisse umfassend analysiert, sondern auch Handlungsempfehlungen für zukünftige Pro- jekte abgeleitet. Der Evaluationsbericht wird der Politik und weiteren Interessensgruppen zur 3 Verfügung gestellt und soll dazu beitragen, die gewonnenen Erfahrungen nachhaltig in die kommunalen Planungen und Entscheidungen zu integrieren. Zu 5.: Die Stadtverwaltung begleitet seit 2022/2023 die RheinEnergie AG als Teil des Kooperations- projektes SmartCity Cologne (SCC) bei der Entwicklung des KlimaVeedels. Besonders in der ersten Phase des Projektes standen dabei Themen wie Beratung und Vernetzung im Fokus. SCC fungierte als Kommunikationskanal und lokales Netzwerk an der Schnittstelle Innovation – Energie – Klimaneutralität. In der Zwischenzeit verfügt das KlimaVeedel über einen eigenen Webauftritt. Des Weiteren ist das KlimaVeedel als Maßnahme im Aktionsplans Klimaschutz integriert (get- file.asp (stadt-koeln.de)) und wird innerhalb des Klimaschutz-Monitorings der Stadt Köln abge- bildet (Maßnahme: 1.12 | Klimaschutz-Monitoring).
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3022/2024
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (BV)
- Datum
- 04.10.2024
- Erstellt
- 30.09.2024 11:59