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1812/2019

Beantwortung AN/1720/2018, Anfrage der CDU Fraktion: Neophyten und Neozoen im Stadtbezirk Mülheim

Beantwortung einer Anfrage (BV) 30.07.2019

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung 9 (Mülheim), Sitzung am 16.09.2019, TOP 7.1.2

Beantwortung einer Anfrage (BV)

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Beantwortung einer Anfrage (BV)

11093 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle  
V/57/571 
 
Vorlagen-Nummer 
 1812/2019 
Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung  
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 16.09.2019 
 
Beantwortung AN/1720/2018, Anfrage der CDU Fraktion: Neophyten und Neozoen im 
Stadtbezirk Mülheim 
Beantwortung 
 
Grundsätzliche Vorbemerkung: 
In Deutschland gelten zahlreiche gebietsfremde Arten als etabliert und sind Teil unserer Flora und 
Fauna. Die Gründe, wie diese Arten zu uns gelangten sind vielfältig, zahlreiche Arten wurden gewollt 
oder ausversehen durch den Menschen eingeschleppt.  
Als etabliert gilt eine Art dann, wenn sie sich selbstständig, ohne den Einfluss des Menschen über 
mehrere Generationen erhält. Von den meisten gebietsfremden Arten, die sich bei uns ansiedeln 
konnten, gehen keine Gefahren für unsere Natur oder die Gesundheit des Menschen aus und sie 
haben auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen.  
Im Naturschutz versteht man unter invasiven, gebietsfremden Arten, die jenigen, die sich stark aus-
breiten und schädliche Einflüsse auf heimische Arten haben, in dem sie in Konkurrenz um Lebens-
raum oder Nahrung treten oder diese als Fressfeinde gefährden. 
Insgesamt kommt den invasiven, gebietsfremden Arten im Naturschutz eine zunehmende Bedeutung 
zu, insbesondere in Bezug auf die Bedrohung der heimischen Artenvielfalt. 
 
Grundsätzlich besteht eine gesetzliche Verpflichtung zum Schutz der biologischen Vielfalt vor invasi-
ven, gebietsfremden Arten (Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Manage-
ment der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten). Ein zentrales Element der 
Verordnung ist die sogenannte Unionsliste. Diese Liste benennt die invasiven, gebietsfremden Arten 
mit unionsweiter Bedeutung. Die Unionsliste wird laufend ergänzt, derzeit sind auf der Unionsliste 49 
Arten gelistet. Die Unionsliste schafft eine Grundlage für konkretes Handeln. Insbesondere benennt 
sie für jede Art Maßnahmen, die sich in der frühen Phase der Invasion befinden. Für bereits weit ver-
breitete Arten werden lediglich geeignete Maßnahmen zur Eindämmung vorgesehen. 
 
 
Inhalt der Anfrage: 
Es wird auf die fortschreitende Ausbreitung von Neobiota und die damit verbundene Veränderung der 
heimischen Tier- und Pflanzenwelt hingewiesen. In der Anfrage werden zum einen die Verdrängung 
einheimischer Arten, aber auch die möglichen gesundheitlichen Gefahren für den Menschen, z.B. 
durch giftige Pflanzen thematisiert.  
 
1. Welche Neophyten und Neozoen sind von grundsätzlicher Bedeutung für den Naturraum im 
SB Mülheim? 
2. Von welchen Neophyten und Neozoen geht, besonders für die geschützten Landschaftsteile 
(z.B. Flittarder Rheinaue, Höhenfelder See), die größte Gefahr im SB Mülheim aus? 
3. Welche Maßnahmen trifft die Stadtverwaltung, um besonders aggressive Neophyten nach-
haltig zu bekämpfen?

2 
 
Antwort der Verwaltung zu 1.)2.)3.) 
Im Stadtbezirk Mülheim sind folgende Neophyten und Neozoen von Bedeutung: 
 
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) 
Vorkommen: Das Drüsige Springkraut zählt zu den weitverbreiteten Arten. Die Art ist fast flächende-
ckend im Stadtbezirk entlang von Gewässern verbreitet. 
Auswirkungen: Das Drüsige Springkraut bildet große Bestände entlang von Gewässern und in 
Feuchtgebieten und verdrängt dort die heimische Gewässerbegleitflora. 
Bekämpfung: Die Art kann auf Grund der starken Verbreitung lediglich lokal zurückgedrängt werden. 
Maßnahmen zur Beseitigung in der Flittarder Rheinaue sind vom für Amt für Landschaftspflege und 
Grünflächen vorgesehen. 
 
Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) 
Vorkommen: Genau wie das Drüsige Springkraut ist der Japanische Staudenknöterich weit im Stadt-
bezirk verbreitet. Die Pflanze bildet dichte, hochwüchsige Bestände. Der Japanische Staudenknöte-
rich breitet sich über kräftige horizontal verlaufende Rhizome aus. Die Ausbreitung der Art erfolgt 
überwiegend vegetativ durch den Transport von Fragmenten mit fließendem Wasser oder durch Erd-
transporte bei Bauarbeiten. Dominanzbestände entwickeln sich vor allem an gehölzfreien Uferab-
schnitten von Fließgewässern oder auch an Gehölzrändern, die genug Seitenlicht einfallen lassen. 
Häufig ist er auch auf urban-industriellen Brachflächen, an Straßenrändern, Böschungen und in nicht 
mehr regelmäßig gemähtem Grünland.  
Auswirkung: Durch die starke Wuchskraft, werden andere krautige Pflanzen überwachsen. Die Pflan-
ze dringt in Staudenfluren ein und nimmt deren Platz ein. Die Verdrängung einheimischer Nahrungs-
pflanzen kann zum Rückgang darauf spezialisierter Insekten beitragen.  
Bekämpfung: Die Pflanzen kann wegen ihrer bereits weiten Verbreitung und großen Regenerations-
fähigkeit nur mit großem Aufwand bekämpft werden. Maßnahmen beschränken sich auf die Natur-
schutzgebiete und auf die Sicherstellung der Verkehrssicherheit entlang von Straßen. Eine vielver-
sprechende, giftfreie Methode der Beseitigung ist die Behandlung der Pflanzen mit Heißwasser. Be-
seitigungen in der Flittarder Rheinaue und in der Dellbrücker Heide sind vom Amt für Landschafts-
pflege und Grünflächen bzw. BUND vorgesehen. 
 
Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) 
Vorkommen: Der Riesenbärenklau stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Die ursprüngliche Ver-
breitung bei uns erfolgte entlang von Gewässern und auf feuchten Wiesen. Die Art ist inzwischen 
aber auch außerhalb von Flussauen weit verbreitet. Der Riesenbärenklau ist mit seinen großen Blü-
ten und hohem Wuchs auffällig. Er bildet dichte Bestände.  
Auswirkung: Der Pflanzensaft enthält Furanocumarine. Eine Berührung der Pflanze kann beim Men-
schen durch seine phototoxische Wirkung gefährliche Hautreaktionen hervorrufen.  
Bekämpfung: Die deutschlandweit weit verbreitete Herkulesstaude ist im Stadtbezirk Mülheim noch 
vergleichsweise selten (aktuell sind nur zwei Standorte bekannt) und wird in den Naturschutzgebieten 
entfernt um eine weitere Verbreitung zu vermeiden. 
 
Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) 
Vorkommen: Ursprünglich stammt die Spätblühende Traubenkirsche aus Nord- und Mittelamerika. 
Der Strauch erreicht bei uns eine Höhe von max. 20 m Höhe. Die Pflanze ist in Gehölzbeständen 
häufig und weit verbreitet. Bevorzugt tritt sie in lichten Beständen oder an Waldrändern auf. Durch die 
Samenausbreitung durch Vögel oder Säugetiere dringt sie auch in Offenlandbiotope, wie Moore, Hei-
den und Sandtrockenrasen ein. 
Auswirkung: Durch das Aufwachsen in zuvor gehölzfreien Biotopen oder durch Ausbildung einer dich-
ten Strauchschicht in vorher lichten Wäldern kommt es zu einer Veränderung des Lichtklimas und zur 
Verdrängung heimischer Arten. 
Bekämpfung: Im Stadtbezirk findet eine Bekämpfung der Spätblühenden Traubenkirsche vor allem in 
der Dellbrücker Heide statt. Hier werden Bestände durch Entbuschen, Beweiden und dem Ziehen von 
Sämlingen dezimiert. 
 
Beifußambrosie (Ambrosia artemisiifolia) 
Vorkommen: Ursprünglich stammt die Beifußambrosie aus Nordamerika. Es handelt sich um eine 
einjährige Art, die zu den wenigen Korbblütlern gehört, die durch den Wind und nicht durch Insekten

3 
 
bestäubt werden. Ambrosia-Samen werden in Deutschland überwiegend mit landwirtschaftlichen 
Produkten, insbesondere mit Winter-Vogelfutter für freilebende Vögel, eingeschleppt. Die Beifußblätt-
rige Ambrosie besiedelt vorzugsweise durch den Menschen geprägte Standorte wie Straßenränder 
und Ackerränder, wenn offene Stellen zu Keimung vorhanden sind und ist entsprechend ihrem natür-
lichen Standort in Prärien relativ trockenresistent. 
Auswirkung: Ambrosia Pollen können starke Allergien auslösen  
Bekämpfung: Auf Grund der erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen ist eine dauerhafte Bekämp-
fung aller Bestände anvisiert. Einzelne Vorkommen im Stadtbezirk wurden in der Vergangenheit ent-
fernt. Bei der Bestimmung der Art kommt es häufig zur Verwechslung mit unproblematischen Arten 
(bei Meldung sind daher Fotos erwünscht). 
 
Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) 
Vorkommen: Ursprünglich ist die Art in den gemäßigten Breiten Asiens beheimatet. Als gewässerge-
bundene Art ist die Wollhandkrabbe im Rhein mittlerweile weit verbreitet. 
Auswirkung: Die Art übt bei großen Vorkommen einen starken Prädationsdruck auf Bodentiere aus 
und überträgt die Krebspest. 
Bekämpfung: Eine Verdrängung dieser Art ist aufgrund der Menge aussichtslos. 
 
Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) 
Vorkommen: Ursprünglich kommt der Signalkrebs aus Nordamerika 
Auswirkung: In den Bächen des Flehbachsystems ist der Signalkrebs inzwischen weit verbreitet. Die 
heimischen Edelkrebse sind durch die Verbreitung des amerikanischen Signalkrebses stark bedroht. 
Der Signalkrebs überträgt die Krebspest, eine Krankheit, die die Bestände des heimischen Flußkrebs 
im Flehbachsystem massiv bedroht. 
Bekämpfung: Zum Schutz der letzten Bestände der Edelkrebse wurden Krebssperren im Flehbach 
angebracht, die eine weitere Verbreitung verhindern sollen. 
 
Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) 
Vorkommen: Ursprünglich stammt die Art aus Nordamerika. In fast allen Weihern im Stadtbezirk sind 
ausgesetzte Schmuckschildkröten vorhanden.  
Auswirkung: In künstlichen, innerstädtischen Weihern ohne Anbindung an natürliche Gewässer be-
steht kein akuter Handlungsbedarf, da heimische Arten in diesen Gewässern nicht massiv bedroht 
sind.  
Bekämpfung: Bei Sanierungen der Gewässer werden die Tiere entnommen. Da diese Tiere sehr alt 
werden können und es an geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für einen langen Zeitraum fehlt, 
ist eine Hälterung problematisch. 
 
Diese Auflistung ist nicht abschließend, benannt wurden hier eine Auswahl der sehr häufigen Arten 
oder Arten von gesundheitlicher Bedeutung. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Arten, die 
sich etabliert haben wie beispielsweise der Götterbaum (Ailanthus altissima) oder der Schmetterlings-
strauch (Buddleja davidii) 
 
4. Welche Aktionen sind mit der Bürgergesellschaft geplant, um zu informieren und Pflege-
maßnahmen durchzuführen, insbesondere unter dem Aspekt von Früherkennung, Erfassung 
und Sofortmaßnahmen? 
 
Antwort der Verwaltung zu 4.) 
 
In 2018 wurde eine Führung eines Biologen der UNB in der Flittarder Rheinaue durchgeführt. In der 
Presse wurde hierzu ausführlich berichtet. Für eine Wiederholung einer solchen Infoveranstaltung 
stehen die Mitarbeiter des Sachgebiets Artenschutz (Untere Naturschutzbehörde) gerne zur Verfü-
gung. 
 
 
5. Wie beurteilt die Verwaltung das Auftreten der ersten Waschbären im Kölner Nordosten? 
 
Antwort der Verwaltung zu 5.)

4 
 
Zum Vorkommend der Waschbären in diesem Bereich fehlen verlässliche Daten. Der Waschbär ist 
deutschlandweit bereits weit verbreitet. Für den Stadtbezirk Mülheim liegen aktuell nur Einzelnach-
weise vor, so dass die Art hier noch nicht flächendeckend verbreitet zu sein scheint. Lokal, wo er zum 
Beispiel eine Bedrohung für sehr seltene Arten, wie beispielsweise die Gelbauchunke darstellt, müss-
ten Maßnahmen zur Zurückdrängung getroffen werden.

Beratungsverlauf (1)

16.09.2019 Bezirksvertretung 9 (Mülheim)
TOP 7.1.2 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
1812/2019
Typ
Beantwortung einer Anfrage (BV)
Datum
30.07.2019
Erstellt
22.05.2019 10:40