1812/2019
Beantwortung AN/1720/2018, Anfrage der CDU Fraktion: Neophyten und Neozoen im Stadtbezirk Mülheim
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Beantwortung einer Anfrage (BV)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/57/571 Vorlagen-Nummer 1812/2019 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 16.09.2019 Beantwortung AN/1720/2018, Anfrage der CDU Fraktion: Neophyten und Neozoen im Stadtbezirk Mülheim Beantwortung Grundsätzliche Vorbemerkung: In Deutschland gelten zahlreiche gebietsfremde Arten als etabliert und sind Teil unserer Flora und Fauna. Die Gründe, wie diese Arten zu uns gelangten sind vielfältig, zahlreiche Arten wurden gewollt oder ausversehen durch den Menschen eingeschleppt. Als etabliert gilt eine Art dann, wenn sie sich selbstständig, ohne den Einfluss des Menschen über mehrere Generationen erhält. Von den meisten gebietsfremden Arten, die sich bei uns ansiedeln konnten, gehen keine Gefahren für unsere Natur oder die Gesundheit des Menschen aus und sie haben auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Im Naturschutz versteht man unter invasiven, gebietsfremden Arten, die jenigen, die sich stark aus- breiten und schädliche Einflüsse auf heimische Arten haben, in dem sie in Konkurrenz um Lebens- raum oder Nahrung treten oder diese als Fressfeinde gefährden. Insgesamt kommt den invasiven, gebietsfremden Arten im Naturschutz eine zunehmende Bedeutung zu, insbesondere in Bezug auf die Bedrohung der heimischen Artenvielfalt. Grundsätzlich besteht eine gesetzliche Verpflichtung zum Schutz der biologischen Vielfalt vor invasi- ven, gebietsfremden Arten (Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Manage- ment der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten). Ein zentrales Element der Verordnung ist die sogenannte Unionsliste. Diese Liste benennt die invasiven, gebietsfremden Arten mit unionsweiter Bedeutung. Die Unionsliste wird laufend ergänzt, derzeit sind auf der Unionsliste 49 Arten gelistet. Die Unionsliste schafft eine Grundlage für konkretes Handeln. Insbesondere benennt sie für jede Art Maßnahmen, die sich in der frühen Phase der Invasion befinden. Für bereits weit ver- breitete Arten werden lediglich geeignete Maßnahmen zur Eindämmung vorgesehen. Inhalt der Anfrage: Es wird auf die fortschreitende Ausbreitung von Neobiota und die damit verbundene Veränderung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt hingewiesen. In der Anfrage werden zum einen die Verdrängung einheimischer Arten, aber auch die möglichen gesundheitlichen Gefahren für den Menschen, z.B. durch giftige Pflanzen thematisiert. 1. Welche Neophyten und Neozoen sind von grundsätzlicher Bedeutung für den Naturraum im SB Mülheim? 2. Von welchen Neophyten und Neozoen geht, besonders für die geschützten Landschaftsteile (z.B. Flittarder Rheinaue, Höhenfelder See), die größte Gefahr im SB Mülheim aus? 3. Welche Maßnahmen trifft die Stadtverwaltung, um besonders aggressive Neophyten nach- haltig zu bekämpfen? 2 Antwort der Verwaltung zu 1.)2.)3.) Im Stadtbezirk Mülheim sind folgende Neophyten und Neozoen von Bedeutung: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) Vorkommen: Das Drüsige Springkraut zählt zu den weitverbreiteten Arten. Die Art ist fast flächende- ckend im Stadtbezirk entlang von Gewässern verbreitet. Auswirkungen: Das Drüsige Springkraut bildet große Bestände entlang von Gewässern und in Feuchtgebieten und verdrängt dort die heimische Gewässerbegleitflora. Bekämpfung: Die Art kann auf Grund der starken Verbreitung lediglich lokal zurückgedrängt werden. Maßnahmen zur Beseitigung in der Flittarder Rheinaue sind vom für Amt für Landschaftspflege und Grünflächen vorgesehen. Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) Vorkommen: Genau wie das Drüsige Springkraut ist der Japanische Staudenknöterich weit im Stadt- bezirk verbreitet. Die Pflanze bildet dichte, hochwüchsige Bestände. Der Japanische Staudenknöte- rich breitet sich über kräftige horizontal verlaufende Rhizome aus. Die Ausbreitung der Art erfolgt überwiegend vegetativ durch den Transport von Fragmenten mit fließendem Wasser oder durch Erd- transporte bei Bauarbeiten. Dominanzbestände entwickeln sich vor allem an gehölzfreien Uferab- schnitten von Fließgewässern oder auch an Gehölzrändern, die genug Seitenlicht einfallen lassen. Häufig ist er auch auf urban-industriellen Brachflächen, an Straßenrändern, Böschungen und in nicht mehr regelmäßig gemähtem Grünland. Auswirkung: Durch die starke Wuchskraft, werden andere krautige Pflanzen überwachsen. Die Pflan- ze dringt in Staudenfluren ein und nimmt deren Platz ein. Die Verdrängung einheimischer Nahrungs- pflanzen kann zum Rückgang darauf spezialisierter Insekten beitragen. Bekämpfung: Die Pflanzen kann wegen ihrer bereits weiten Verbreitung und großen Regenerations- fähigkeit nur mit großem Aufwand bekämpft werden. Maßnahmen beschränken sich auf die Natur- schutzgebiete und auf die Sicherstellung der Verkehrssicherheit entlang von Straßen. Eine vielver- sprechende, giftfreie Methode der Beseitigung ist die Behandlung der Pflanzen mit Heißwasser. Be- seitigungen in der Flittarder Rheinaue und in der Dellbrücker Heide sind vom Amt für Landschafts- pflege und Grünflächen bzw. BUND vorgesehen. Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) Vorkommen: Der Riesenbärenklau stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Die ursprüngliche Ver- breitung bei uns erfolgte entlang von Gewässern und auf feuchten Wiesen. Die Art ist inzwischen aber auch außerhalb von Flussauen weit verbreitet. Der Riesenbärenklau ist mit seinen großen Blü- ten und hohem Wuchs auffällig. Er bildet dichte Bestände. Auswirkung: Der Pflanzensaft enthält Furanocumarine. Eine Berührung der Pflanze kann beim Men- schen durch seine phototoxische Wirkung gefährliche Hautreaktionen hervorrufen. Bekämpfung: Die deutschlandweit weit verbreitete Herkulesstaude ist im Stadtbezirk Mülheim noch vergleichsweise selten (aktuell sind nur zwei Standorte bekannt) und wird in den Naturschutzgebieten entfernt um eine weitere Verbreitung zu vermeiden. Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) Vorkommen: Ursprünglich stammt die Spätblühende Traubenkirsche aus Nord- und Mittelamerika. Der Strauch erreicht bei uns eine Höhe von max. 20 m Höhe. Die Pflanze ist in Gehölzbeständen häufig und weit verbreitet. Bevorzugt tritt sie in lichten Beständen oder an Waldrändern auf. Durch die Samenausbreitung durch Vögel oder Säugetiere dringt sie auch in Offenlandbiotope, wie Moore, Hei- den und Sandtrockenrasen ein. Auswirkung: Durch das Aufwachsen in zuvor gehölzfreien Biotopen oder durch Ausbildung einer dich- ten Strauchschicht in vorher lichten Wäldern kommt es zu einer Veränderung des Lichtklimas und zur Verdrängung heimischer Arten. Bekämpfung: Im Stadtbezirk findet eine Bekämpfung der Spätblühenden Traubenkirsche vor allem in der Dellbrücker Heide statt. Hier werden Bestände durch Entbuschen, Beweiden und dem Ziehen von Sämlingen dezimiert. Beifußambrosie (Ambrosia artemisiifolia) Vorkommen: Ursprünglich stammt die Beifußambrosie aus Nordamerika. Es handelt sich um eine einjährige Art, die zu den wenigen Korbblütlern gehört, die durch den Wind und nicht durch Insekten 3 bestäubt werden. Ambrosia-Samen werden in Deutschland überwiegend mit landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere mit Winter-Vogelfutter für freilebende Vögel, eingeschleppt. Die Beifußblätt- rige Ambrosie besiedelt vorzugsweise durch den Menschen geprägte Standorte wie Straßenränder und Ackerränder, wenn offene Stellen zu Keimung vorhanden sind und ist entsprechend ihrem natür- lichen Standort in Prärien relativ trockenresistent. Auswirkung: Ambrosia Pollen können starke Allergien auslösen Bekämpfung: Auf Grund der erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen ist eine dauerhafte Bekämp- fung aller Bestände anvisiert. Einzelne Vorkommen im Stadtbezirk wurden in der Vergangenheit ent- fernt. Bei der Bestimmung der Art kommt es häufig zur Verwechslung mit unproblematischen Arten (bei Meldung sind daher Fotos erwünscht). Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) Vorkommen: Ursprünglich ist die Art in den gemäßigten Breiten Asiens beheimatet. Als gewässerge- bundene Art ist die Wollhandkrabbe im Rhein mittlerweile weit verbreitet. Auswirkung: Die Art übt bei großen Vorkommen einen starken Prädationsdruck auf Bodentiere aus und überträgt die Krebspest. Bekämpfung: Eine Verdrängung dieser Art ist aufgrund der Menge aussichtslos. Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) Vorkommen: Ursprünglich kommt der Signalkrebs aus Nordamerika Auswirkung: In den Bächen des Flehbachsystems ist der Signalkrebs inzwischen weit verbreitet. Die heimischen Edelkrebse sind durch die Verbreitung des amerikanischen Signalkrebses stark bedroht. Der Signalkrebs überträgt die Krebspest, eine Krankheit, die die Bestände des heimischen Flußkrebs im Flehbachsystem massiv bedroht. Bekämpfung: Zum Schutz der letzten Bestände der Edelkrebse wurden Krebssperren im Flehbach angebracht, die eine weitere Verbreitung verhindern sollen. Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) Vorkommen: Ursprünglich stammt die Art aus Nordamerika. In fast allen Weihern im Stadtbezirk sind ausgesetzte Schmuckschildkröten vorhanden. Auswirkung: In künstlichen, innerstädtischen Weihern ohne Anbindung an natürliche Gewässer be- steht kein akuter Handlungsbedarf, da heimische Arten in diesen Gewässern nicht massiv bedroht sind. Bekämpfung: Bei Sanierungen der Gewässer werden die Tiere entnommen. Da diese Tiere sehr alt werden können und es an geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für einen langen Zeitraum fehlt, ist eine Hälterung problematisch. Diese Auflistung ist nicht abschließend, benannt wurden hier eine Auswahl der sehr häufigen Arten oder Arten von gesundheitlicher Bedeutung. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Arten, die sich etabliert haben wie beispielsweise der Götterbaum (Ailanthus altissima) oder der Schmetterlings- strauch (Buddleja davidii) 4. Welche Aktionen sind mit der Bürgergesellschaft geplant, um zu informieren und Pflege- maßnahmen durchzuführen, insbesondere unter dem Aspekt von Früherkennung, Erfassung und Sofortmaßnahmen? Antwort der Verwaltung zu 4.) In 2018 wurde eine Führung eines Biologen der UNB in der Flittarder Rheinaue durchgeführt. In der Presse wurde hierzu ausführlich berichtet. Für eine Wiederholung einer solchen Infoveranstaltung stehen die Mitarbeiter des Sachgebiets Artenschutz (Untere Naturschutzbehörde) gerne zur Verfü- gung. 5. Wie beurteilt die Verwaltung das Auftreten der ersten Waschbären im Kölner Nordosten? Antwort der Verwaltung zu 5.) 4 Zum Vorkommend der Waschbären in diesem Bereich fehlen verlässliche Daten. Der Waschbär ist deutschlandweit bereits weit verbreitet. Für den Stadtbezirk Mülheim liegen aktuell nur Einzelnach- weise vor, so dass die Art hier noch nicht flächendeckend verbreitet zu sein scheint. Lokal, wo er zum Beispiel eine Bedrohung für sehr seltene Arten, wie beispielsweise die Gelbauchunke darstellt, müss- ten Maßnahmen zur Zurückdrängung getroffen werden.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1812/2019
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (BV)
- Datum
- 30.07.2019
- Erstellt
- 22.05.2019 10:40