V/0711/2015
Abschlussbericht zum Maßnahmeprogramm zur Förderung von Teilhabe im Alter und zur Vermeidung von Altersarmut
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Anlage 1 V-0711-2015
42469 Zeichen
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Sozialamt 17.09.2015
Ingrid Frank & Kristina Lichte
Abschlussbericht zum Projekt
„Fallmanagement- Teilhabe im Alter“
1. Einleitung
„Ich konnte mich immer mit allen Sorgen und Nöten v ertrauensvoll an die Mitarbeiterin wen-
den und sie gab mir das Gefühl, dass auch ich ein wichtiger Mensch in der Gesellschaft bin.“
Mit diesen Worten antwortete ein/e Grundsicherungse mpfänger/in, die im Fallmanagement-
projekt ‚Teilhabe im Alter’ begleitet wurde, auf die Frage, mit welchen Hilfen die Mitarbeiterin
der Stadt Münster sie unterstützen konnte.
Mit dieser Antwort wird deutlich, wie wichtig Werts chätzung und Vertrauen für die durch das
Projekt angesprochenen Personen sind. Durch Wertsch ätzung und Zuwendung kann Ver-
trauen entstehen. Vertrauen zwischen Adressat/in un d Fallmanagerin ist der entscheidende
Baustein, der eine Vermittlung von Angeboten gesell schaftlicher Teilhabe überhaupt erst
ermöglicht. Die Menschen, die durch das Projekt „Fa llmanagement – Teilhabe im Alter“ an-
gesprochen werden, haben keine oder nur einzelne ve rtraute Ansprechpartner/innen in ih-
rem sozialen Umfeld, sie leben teilweise seit vielen Jahren oder Jahrzehnten alleine und fast
ohne soziale Kontakte. Der Zugang zu diesen Mensche n muss behutsam gestaltet werden,
um auf einer vertrauensvollen Ebene ein gutes und g ewinnbringendes Gespräch führen zu
können. Ein Mensch, der seit vielen Jahren keinen B esuch mehr in seiner Wohnung emp-
fangen hat und dessen einziger regelmäßiger Kontakt das Personal im Supermarkt oder in
der Arztpraxis ist, benötigt eine gewisse Zeit, den Besuch und die Vorschläge einer bis dahin
fremden Person (der Fallmanagerin) zu verarbeiten u nd daraus eigene aktive Handlungen
abzuleiten.
Wenn eine vertrauensvolle Basis geschaffen werden k ann, in der sich die zeitliche Abfolge
der Handlungen an den Bedürfnissen des Adressaten o rientiert, können mit dem Fallma-
nagement sehr gute Erfolge für die persönliche Lebe nssituation des/der Einzelnen erzielt
werden. Wie dies seit dem 01.03.2013 im Rahmen des Projektes „Fallmanagement- Teilha-
be im Alter“ geschehen konnte, soll im Folgenden an hand eines theoriegeleiteten Fallma-
nagementprozesses beschrieben werden.
Anlage 1
zu Vorlage V/0711/2015
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2. ‚Teilhabe im Alter’ – der Fallmanagementprozess
Das Modellprojekt „Fallmanagement – Teilhabe im Alter“ begann am 01.03.2013. Inzwischen
konnte das Projekt verstetigt werden. Betrachtet werden soll im Folgenden der Zeitraum vom
01.03.2013 bis 30.06.2015. Das Projekt und nun die auf Dauer angelegte Arbeit verfolgen
das Ziel, mangelnder gesellschaftlicher Teilhabe un d sozialer Isolation, und damit einer be-
sonderen Form der Altersarmut, aktiv entgegen zu wi rken. Innerhalb des Projektes werden
Menschen kontaktiert und aufgesucht, die einen Ansp ruch auf Grundsicherungsleistungen
nach dem 4. Kapitel des 12. Sozialgesetzbuches (SGB XII) haben und ihre persönliche Situ-
ation im Hinblick auf soziale Kontakte und Teilhabe möglichkeiten als defizitär wahrnehmen.
Sie sehen für sich einen entsprechenden Verbesserun gs- und Unterstützungsbedarf. Es
handelt sich dabei in der Regel um Menschen mit mul tiplen Problemlagen. Unabhängig von
der finanziellen Situation, deren Veränderung nicht angestrebt wird, ist eine nachhaltige Ver-
besserung der Lebenssituation und der individuellen Zufriedenheit, Ziel des Projektes.
Um dieses Ziel zu erreichen, ist es zunächst notwen dig, diejenigen Personen zu identifizie-
ren, die mangelnde gesellschaftliche Teilhabe als p ersönliches Defizit betrachten und einen
entsprechenden Unterstützungsbedarf empfinden. Dies bezüglich wurden die Kriterien pro-
zesshaft entwickelt, es wurden Personen betrachtet, die Grundsicherungsleistungen nach
dem 4. Kapitel SGB XII beziehen, über 65 Jahre alt sind, in der Regel alleine leben und mit
ihrer sozialen Situation nicht zufrieden sind (etwa 1800 Empfängerinnen und Empfänger der
Grundsicherung im Alter, die mindestens 65 Jahre al t sind, leben derzeit in Münster). Des
Weiteren haben diese Menschen keinen pflegerischen Bedarf. Weitere mögliche Indikatoren
können eine kürzliche Verwitwung oder sehr häufige Hilfeanfragen bzw. scheinbar grundlose
Kontaktaufnahmen sein.
Die in Frage kommenden Personen werden von den bish er zuständigen Sachbearbeitern/
Sachbearbeiterinnen nach dieser kriteriengeleiteten Auswahl benannt und im Weiteren von
den Fallmanagerinnen betreut. Die Sachbearbeiter/innen und die Fallmanagerinnen arbeiten
gemeinsam in einer Abteilung des Sozialamtes und si nd daher institutionell sehr eng mitei-
nander verbunden. Dieser Abteilung ist außerdem der Soziale Dienst für Pflegebedürftige
und ältere Menschen zugeordnet. Da die älteren Mens chen, die einen pflegerischen Bedarf
haben, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern de s Sozialen Dienstes beraten und unter-
stützt werden, gehören sie nicht zur Zielgruppe der Fallmanagerinnen.
Für die Auswahl geeigneter Personen orientieren sic h die Sachbearbeiter/innen insbesonde-
re an den Eindrücken, die sie durch die persönliche n Kontakte mit den Klienten/Klientinnen
gewinnen konnten. Hier sind oft das intuitive Gespü r und die Erfahrungen der Kolle-
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gen/Kolleginnen in Kombination mit den genannten Kr iterien ausschlaggebend für eine
passgenaue Auswahl. Die entsprechenden Prozesse im Austausch der Fälle haben sich
zwischen den Sachbearbeitern/Sachbearbeiterinnen un d den Fallmanagerinnen gut einge-
spielt. Nach Übergabe der Fälle obliegt den Fallman agerinnen, neben dem eigentlichen
Fallmanagement, auch die Bearbeitung der Grundsiche rungsangelegenheiten, die bisher in
den Händen der Sachbearbeiter/innen lag. Die beiden Fallmanagerinnen arbeiten insgesamt
mit 1,5 Stellen in dem Projekt, davon entfallen 0,7 5 Stellen auf die Sachbearbeitung der
Grundsicherung und die übrigen 0,75 Stellen auf die tatsächliche Projektarbeit, also das
Fallmanagement.
Die erste Kontaktaufnahme zwischen Fallmanagerin un d Klient/in findet in der Regel telefo-
nisch statt (bei 79 % der Kontaktaufnahmen). Währen d des Telefongespräches erläutert die
Fallmanagerin die Rahmenbedingungen und Ziele des P rojektes sowie die damit verbunde-
nen individuellen Möglichkeiten für die Einzelne/ d en Einzelnen. Ein Großteil der angespro-
chenen Personen stimmt einem persönlichen Gespräch im Rahmen eines Hausbesuches zu
und es folgt eine verbindliche Terminvereinbarung. Außerdem sind Gespräche im Büro mög-
lich, wenn ein Hausbesuch nicht gewünscht wird.
Personen der Zielgruppe, die telefonisch nicht erre icht werden können, werden entweder
angeschrieben (15 %) oder es finden ein bis zwei un angekündigte Hausbesuche statt (6 %).
Personen, die auf diese Weise angetroffen werden ko nnten, reagierten zunächst überrascht,
aber anschließend sehr positiv. Grundsätzlich ist d ies aber stets die letzte und nur selten
angewendete Möglichkeit der Kontaktaufnahme geblieb en. In der Regel kann durch die un-
terschiedlichen Herangehensweisen ein Kontakt hergestellt werden. Nur ein sehr kleiner Teil
der Zielgruppe konnte gar nicht erreicht werden.
In Zahlen bedeutet dies, dass insgesamt 381 Persone n im Rahmen des Fallmanagements
kontaktiert wurden, 424 Hausbesuche sowie intensive Gespräche in den Räumlichkeiten des
Sozialamtes konnten durchgeführt werden.
Die Personen, die durch die Fallmanagerinnen kontak tiert wurden, sind zu 72 % weiblich
gewesen, es wurden 28 % Männer in das Projekt aufge nommen. Bereits an dieser kleinen
Gesamtheit lässt sich deutlich erkennen, dass Altersarmut weiblich ist.
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Geschlecht Migrationsvorgeschichte
weiblich
männlich
ja
nein
19 % der durch die Fallmanagerinnen betreuten Perso nen haben eine Migrationsvorge-
schichte, 81 % haben diesen Hintergrund nicht.
Hinsichtlich der Altersgruppen der angesprochenen Personen ergibt sich folgendes Bild:
Altersgruppe 65 -69 70 -79 80 -89 90 und älter
Anteil 18,4 % 56,3 % 22,5 % 2,8 %
Insgesamt haben 157 der in das Projekt einbezogenen Personen aus verschiedenen Grün-
den eine Unterstützung durch die Fallmanagerinnen a bgelehnt bzw. eine Unterstützung war
nicht nötig oder möglich, das entspricht einem relativen Anteil von 41 %.
Bei 16,0 % der Gesamtheit bestand kein Bedarf, nur 13,9 % hatten kein Interesse, bei 5,8 %
wurde ein pflegerischer Bedarf ermittelt, sodass ei ne Zugehörigkeit zur Zielgruppe nicht
mehr gegeben war. Bei Feststellung eines pflegerisc hen Bedarfs erfolgte eine Weiterleitung
an den Sozialdienst für pflegebedürftige und ältere Menschen. Nur ein kleiner Anteil der ge-
samten Gruppe (2,9 %) konnte weder telefonisch, noc h schriftlich, noch persönlich erreicht
werden bzw. ist während des Projektzeitraums verstorben (1,8 %). Bei 0,5 % der Gesamtheit
bestand nach Bewilligung der Mütterrente kein Grundsicherungsanspruch mehr.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein aktiver, er folgreicher Einsatz der Fallmanagerin-
nen bei insgesamt 186 Personen, also 48,8 % der Ges amtheit, erfolgen konnte. Die übrigen
38 Personen (10 %) befinden sich mit den Fallmanger innen derzeit noch in den Anfängen
des Prozesses; eine Bewertung ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.
Insgesamt fand bei 148 Personen ein intensives und ausführliches Beratungsgespräch statt,
außerdem konnten 151 Personen bei der Überwindung e xistenzieller Probleme unterstützt
werden. 147 Adressaten konnten bei der Planung und Durchführung einer außerhäuslichen
Aktivität begleitet werden und für 29 Menschen der Zielgruppe konnte ein Kontakt mit ei-
ner/einem Ehrenamtlichen vermittelt und organisiert werden.
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Hinsichtlich der Maßnahmen, die mit dem Personenkre is organisiert und durchgeführt wur-
den, kommt es zu Mehrfachnennungen, da für einige Menschen mehrere Maßnahmen ange-
regt werden konnten. Aus diesem Grund sind hier nur absolute Zahlen aufgeführt.
Die sich an die erste Kontaktaufnahme anschließende n Hausbesuche (insgesamt 424) ver-
laufen sehr unterschiedlich und sind stets individu ell auf die Bedürfnisse der Hilfeempfänger
/innen abgestimmt. Sowohl die Rahmenbedingungen, be ispielsweise die Dauer der Hausbe-
suche, als auch der inhaltliche Fokus, wird zwar du rch die Fallmanagerinnen gesteuert, je-
doch maßgeblich durch die Betroffenen bestimmt.
Die zuvor im Rahmen einer Schulung zum Thema „Fallm anagement“ entwickelten Hand-
lungsschritte werden als Grundlage der Gespräche un d des gesamten Fallmanagements
herangezogen.
Der Fallmanagementprozess besteht idealtypisch aus fünf Phasen, deren Grundlagen auch
im Rahmen dieses Projektes angewendet werden. Eine Anpassung dieser Phasen an die
Ziele des Projektes im Rahmen der Schulung hat den Mitarbeiterinnen eine effiziente An-
wendung des Fallmanagement-Gedanken ermöglicht. Im Folgenden soll anhand der fünf
idealtypischen Phasen die praktische Umsetzung des Fallmanagements erläutert werden.
2.1 Assessment
Der typische Ablauf des Fallmanagement beginnt mit der Phase des Assessment. In dieser
Phase geht es in erster Linie darum, die Situation des/der Betroffenen im Dialog umfassend
einzuschätzen. Im Rahmen eines strukturierten Proze sses werden Bedarfe, Risiken und
Ressourcen erfasst und bewertet.
Anhand relevanter Themengebiete und gezielter Frage stellungen, die ebenfalls in der Schu-
lung beispielhaft ausgearbeitet wurden, konnten sic h die Fallmanagerinnen im Assessment
ein umfassendes Bild von der aktuellen Situation de s Klienten/ der Klientin machen. Unter
Heranziehung exemplarischer Fallkonstellationen (auch aus anderen Anwendungsbereichen
des Fallmanagements) und theoretischem Fachwissen, sind die Obergruppen Wohnen, so-
ziale Kontakte, Freizeit/ Interessen, Gesundheit, M obilität, finanzielle Situation, Lebensein-
stellung und biographische Besonderheiten entstande n. Die Gewichtung der Themen in den
Gesprächen ist sehr unterschiedlich, es werden aber in der Regel alle Bereiche besprochen
und berücksichtigt. Eine besondere Bedeutung schreiben die Fallmanagerinnen den Katego-
rien ‚Wohnen’, ‚soziale Kontakte’ und ‚Gesundheit’ zu. Diese Einschätzung hat sich durch die
Auswertung der Dokumentationssoftware bestätigt.
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Die Obergruppen und die entsprechend dazu entwickel ten Unterpunkte helfen den Fallma-
nagerinnen dabei, innerhalb eines begrenzten Zeitra hmens einen möglichst umfassenden
Eindruck bezüglich der Interessen, Neigungen, Resso urcen und Probleme der jeweiligen
Person zu erhalten. Insbesondere gelingt es so, die körperlichen und geistigen Möglichkeiten
auszuloten, um entsprechend in den folgenden Fallma nagementphasen adäquate Impulse
setzen zu können.
Zu Grunde gelegt werden in der Assessmentphase folgende Ober- und Untergruppen:
Wohnen Soziale
Kontakte
Freizeit/
Interessen
Gesundheit Mobilität
Ordnung Freunde Hobby körperlich Bus
Sauberkeit Nachbarn Sport psychisch/ emoti-
onal
Fahrrad
Barrierefreiheit Familie Verein Lebenseinstel-
lung
Auto
Lage der Wohnung nützliche Kon-
takte
Kirche Sucht Fahrgelegen-
heiten
Tragfähigkeit
der Kontakte
wöchentlich wie-
derkehrende Aktivi-
täten
Ernährungszu-
stand
Handy
Häufigkeit der
Kontakte
Wissen um Ange-
bote
existenzielle Leis-
tungen
Nutzung von Bil-
dungsangeboten
Finanzielle Situ a-
tion
Haustier Lebenseinstellung Biografie
Schuldenproble-
matik
Haustier Religiosität Biografie
Umgang mit Geld Sorgen & Nöte
Regelung alltägli-
cher Finanzge-
schäfte
Auseinanderset-
zung mit dem Le-
bensende
Friedhof
2.2 Planung
Grundlage für die Planung im Fallmanagementprozess ist die Formulierung von Zielen. Da-
bei wurde vor allem der so genannte ‚Empowerment-Ge danke’ verfolgt, bei dem es den
Fallmanagerinnen darum geht, den Klienten/die Klientin zu befähigen, zukünftig intensiv und
selbstständig am Aufbau und der Erhaltung eines gut zu bewältigenden Alltags mitzuwirken.
Dieser Gedanke bezieht sich im beschriebenen Projek t überwiegend auf den Bereich der
gesellschaftlichen Teilhabe. Die entsprechende Befä higung des Klienten/der Klientin erfor-
dert eine kleinschrittige Vorgehensweise und Begleitung.
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Im Gespräch mit den Menschen werden mögliche, erstr ebenswerte und zielführende Verän-
derungen im persönlichen Alltag erarbeitet und formuliert, die mit Hilfe des Fallmanagements
erreicht werden sollen. Dabei stehen grundsätzlich die Wünsche und Bedürfnisse der Klien-
ten/Klientinnen im Vordergrund. Die Fallmanagerinne n geben Anregungen und ermöglichen
dem Klienten/der Klientin damit eigene Ideen und Zi ele zu verwirklichen. Die Ziele werden
mit Hilfe der SMART-Kriterien formuliert, sie solle n also spezifisch, messbar, aktiv beein-
flussbar, realistisch und terminiert sein. Es wird unterschieden zwischen einem übergeordne-
ten Gesamtziel sowie sich daraus ergebenden Teilzie len und Maßnahmen. Das Gesamtziel
definiert einen angestrebten Zustand, der erreicht werden soll und beschreibt damit eine
Richtung für den Hilfeplanungsprozess. Die untergeo rdneten Teilziele definieren das Ge-
samtziel inhaltlich und zeitlich näher und die Maßn ahmen wiederum konkretisieren die
Schritte, die erforderlich sind, um ein Teilziel erreichen zu können.
In der Regel werden in der Assessmentphase verschie dene Bedarfe offenkundig, die zu-
nächst separat voneinander zu betrachten sind, jedo ch häufig in einem engen Zusammen-
hang stehen. Als Grundlage verschiedener Unterstütz ungsformen werden bei vielen Perso-
nen aus der Zielgruppe zunächst existenzielle Bedarfe entdeckt, die einer gelingenden sozia-
len Teilhabe entgegenstehen. Eine fehlende Sehhilfe, ein beschädigtes Gebiss oder ein aku-
tes Problem in der Wohnung stehen für die Betroffen en im Fokus der Aufmerksamkeit.
Grundsätzlich vorhandene, aber bisher nicht gedeckt e pflegerische Bedarfe treten regelmä-
ßig im persönlichen Kontakt zu Tage. In dieser Hins icht muss zunächst in dem Umfang, der
im Rahmen der Sozialhilfe ermöglicht werden kann, U nterstützung geplant und angeboten
werden. Erst wenn diese grundlegenden Bedürfnisse befriedigt sind, kann bei den Menschen
überhaupt ein Bewusstsein für Teilhabebedarfe und - möglichkeiten entstehen. Sind die pfle-
gerischen Bedarfe jedoch zu groß, ist eine Begleitu ng durch FM ThiA auf Grund der verein-
barten Zugangskriterien nicht möglich. Der Sozialdi enst für pflegebedürftige und ältere Men-
schen hat an der Stelle die weitere Begleitung dieser Personengruppe übernommen.
Teilhabebedarfe bestehen sowohl im Hinblick auf Kon takte und Unternehmungen außerhalb
der eigenen Wohnung, als auch bezüglich der Kontakt aufnahme zu Ehrenamtlichen. Die
Vermittlung der Angebote und Ansprechpartner/innen bezüglich dieser beiden Bereiche stellt
den Schwerpunkt des Projektes dar.
Da die Bedarfe der angesprochenen Personen so vielfältig und differenziert sind, ist die Pha-
se der Planung von besonderer Bedeutung und ebnet d en Weg für die sich anschließende
Durchführung der Maßnahmen.
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2.3 Durchführung
Die Durchführung der Maßnahmen wird von den Fallman agerinnen initiiert, beobachtet und
gesteuert – eine Unterstützung zur Umsetzung der konkreten Ziele ist durch die Fallmanage-
rinnen stets gewährleistet.
Vorbereitet wird diese Phase dadurch, dass Erwartun gen und Befürchtungen des Adressa-
ten/ der Adressatin geklärt werden. Außerdem erfolg en eine Kontaktaufnahme zu den Netz-
werkpartnern (Anbieter, Einrichtungen, Träger) und eine gemeinsame Planung der anvisier-
ten Handlungsschritte. Die Fallmanagerinnen stellen im Anschluss den Kontakt zwischen
Adressat/in und Leistungserbringer her und verschaffen sich einen Eindruck der Passgenau-
igkeit und potenzieller Hindernisse der Zusammenarb eit. Die Anpassung der Angebote an
die Bedürfnisse der Klienten/Klientinnen findet lau fend statt. Grundsätzlich werden Abstim-
mungen in dieser Hinsicht immer im Rahmen eines koo perativen, für alle transparenten,
Prozesses getroffen.
In der Phase der Durchführung ist es von entscheide nder Bedeutung, umfangreiche Ziele in
kleinere Maßnahmen zu zerlegen. Die Bewältigung der Ziele kann so etappenweise erfolgen
ohne für den Klienten/ die Klientin ein Gefühl der Überforderung auszulösen.
Insgesamt konnten 147 Personen zu Teilhabeaktivitäten außerhalb Ihrer Wohnung vermittelt
werden, für 29 Personen aus dem genannten Personenk reises war bzw. ist eine ehrenamtli-
che Person tätig. An dieser Stelle sind Mehrfachzählungen möglich, da mit einigen Personen
mehrere Maßnahmen unternommen werden konnten. Unabh ängig davon, machen diese
Zahlen deutlich, dass sehr viele Menschen von dem Projekt in der Weise profitieren konnten,
in der es zu Beginn des Projektzeitraums von den Verantwortlichen erhofft wurde.
Ehrenamtliche werden über stadtteilbezogene Anlaufs tellen oder Ansprechpartner/innen
sowie über die übergreifende Initiative ‚von Mensch zu Mensch’ mit Interessierten vernetzt.
Angebote, die außerhalb der eigenen Wohnung vermitt elt werden, sind sehr unterschiedlich
und orientieren sich an den Wünschen und Bedürfnissen des Klienten/der Klientin sowie den
entsprechenden Möglichkeiten, die im erreichbaren R adius vorliegen. Neben den Gruppen-
angeboten, wie einem Gesprächskreis, einer Tanzgrup pe oder einem Kegelverein, sind
ebenso Möglichkeiten gefragt, bei denen die Mensche n ihre eigenen Kenntnisse, Fähigkei-
ten und Erfahrungen an eine Gruppe weitergeben könn en. Ebenso besteht ein hoher Bedarf
an kostenlosen oder preiswerten Bildungsangeboten. Wie auf diese Bedarfe derzeit reagiert
wird, ist in den einzelnen Stadtteilen sehr unterschiedlich.
Das folgende Schaubild verdeutlicht beispielhaft die Zusammenhänge zwischen Gesamtziel,
Teilzielen und Maßnahmen im Fallmanagementprozess:
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Während der Projektlaufzeit konnten bei Einleitung und Organisation der verschiedenen
Maßnahmen eine Vielzahl wertvoller Kontakte zu Netz werkpartnern geknüpft werden. Auf
Grund der Aufteilung des Stadtgebietes zwischen den Fallmanagerinnen kam es zu wieder-
holten Kontakten mit einigen Netzwerkpartnern und daraus entstehenden guten und gewinn-
bringenden Kooperationen. Die Akzeptanz der Netzwer kpartner musste sicherlich zunächst
gewonnen werden. War dann jedoch die Basis für die gemeinsame Arbeit einmal geschaf-
fen, waren die Reaktionen auf dieses Projekt durch die Beteiligten in den Netzwerken aus-
nahmslos positiv.
Insbesondere kann auf eine gute Zusammenarbeit mit den Verbänden der freien Wohlfahrts-
pflege, den stadtteilbezogenen Initiativen von „von Mensch zu Mensch“ sowie den verschie-
denen Kontaktstellen der Kirchengemeinden vor Ort z urückgeblickt werden. Durch eine akti-
ve Beteiligung in den Stadtteil-Arbeitskreisen „Älter werden in …“ waren die Fallmanagerin-
nen über aktuelle Entwicklungen in den Stadtteilen informiert und konnten eine bestmögliche
Vernetzung gewährleisten.
Es kam mit einigen Netzwerkpartnern sogar dazu, dass Personen bei den Fallmanagerinnen
gemeldet wurden, die keine Grundsicherungsleistunge n empfangen haben. Jedoch konnte
nach Prüfung der finanziellen Situation festgestellt werden, dass ein Anspruch besteht. Ohne
die Unterstützung der Netzwerkpartner und der Fallm anagerinnen hätten diese Menschen
ihren Anspruch möglicherweise aus eigenem Antrieb n iemals geltend gemacht. Für diese
Menschen konnten die Fallmanagerinnen dann sowohl b ezüglich der finanziellen Situation
als auch zur sozialen Teilhabe Unterstützung anbieten.
In Situationen, in denen es um existenzielle Hilfen ging, ist außerdem die gute Kooperation
mit der Wohnberatung, der Wohnraumanpassungsberatun g, Anti Rost, der Fachstelle
Gesamtziel:
gesellschaftliche
Teilhabe ermöglichen
Teilziel 1 :
existenzielle Bedarfe
decken
Teilziel 2 :
Herstellen sozialer Kon-
takte – Aktivität außer
Haus
Teilziel 3 :
Vermittlung einer Be-
zugsperson
Maßnahme 2a:
wöchentlicher Besuch
einer Tanzgruppe
Maßnahme 2b:
ehrenamtliches Enga-
gement im nahegelege-
nen Altenheim
Maßnahme 2c:
Teilnahme am Gemein-
de- Seniorennachmittag
(einmal im Monat)
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Schwerbehindertenrecht sowie mit dem Sozialdienst f ür pflegebedürftige und ältere Men-
schen zu nennen. Die Zusammenarbeit mit diesen Stel len war in regelmäßigen Abständen
erforderlich, existenzielle Hilfen wurden in insges amt 151 Situationen für die Menschen, die
im Fallmanagement aufgenommen waren und sind, geleistet.
2.4 Monitoring
Im Nachgang zur Umsetzung der Maßnahmen und Ziele h aben die Fallmanagerinnen ihre
Klienten/Klientinnen weiterhin begleitet und dadurc h fortlaufend den Ablauf der Umsetzung
der vereinbarten Ziele und Maßnahmen überprüft. Die ser Schritt des Fallmanagementkreis-
laufs, der Monitoring genannt wird, ist damit Bestandteil des individuellen Fallmanagements.
Die Mitarbeiterinnen konnten mit Hilfe dieses Instr uments im Blick behalten, ob aus den An-
regungen und Zielsetzungen tatsächliche Veränderung en und Verbesserungen für die Le-
bensqualität der Betroffenen entstanden sind. Die Z ielerreichung wurde entsprechend lang-
fristig verfolgt und nachgehalten, Fortschritte wur den dokumentiert und evaluiert. Es fand
eine engmaschige Dokumentation der verschiedenen Ko ntakte und der erreichten Teilziele
statt, Fortschritte und Etappenziele, aber auch Rüc kschritte wurden so gemeinsam erlebt
und konnten durch die Fallmanagerinnen begleitet werden. Mit Hilfe des einzelfallorientierten
Monitorings können also sowohl qualitative als auch quantitative Ergebnisse ermittelt wer-
den.
Die besondere Schwierigkeit des Monitorings besteht darin, eine gute Balance zwischen
ausreichender Begleitung des Klienten/der Klientin und kontrollierendem Verhalten zu finden.
Dazu sind verbindliche Absprachen bezüglich des Vorgehens und der zeitlichen Abstände in
der Monitoringphase von den Fallmanagerinnen und de n Klienten/Klientinnen als sehr hilf-
reich und angenehm empfunden worden.
2.5 Evaluation
Um den Erfolg des Projektes messen zu können, ist e s wichtig die verschiedenen Teilschrit-
te, Vereinbarungen und Zielsetzungen zu evaluieren und auf diese Weise eine vom Einzelfall
unabhängige Gesamtevaluation zu generieren.
Evaluation bedeutet, dass systematisch Daten zusamm engetragen und analysiert werden,
um einen Sachverhalt entsprechend bestimmter Kriterien zu bewerten. Auf diese Weise kann
der erzielte Erfolg präzise und transparent dargestellt werden.
Dies geschieht qualitativ auf Basis der subjektiven Eindrücke, Einschätzungen und Beobach-
tungen, die die Fallmanagerinnen in den persönliche n Kontakten (Hausbesuche, Telefonate,
Gespräche im Büro) sammeln sowie unter Heranziehung der entsprechend geführten soft-
warebasierten Dokumentationen.
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Für die Bestandteile der Dokumentation, die objekti v, entsprechend festgelegter Indikatoren,
geführt werden, kann die Evaluation formell-quantitativ durchgeführt werden. Mit Hilfe der Do-
kumentationssoftware kann jederzeit eine entsprechende Auswertung einzelner Fragestellun-
gen bezüglich des Fallmanagement-Prozesses stattfinden.
Die Dokumentationssoftware bietet objektive Evaluat ionsmöglichkeiten an den Stellen, an
denen die Fallmanagerinnen nach standardisierten Indikatoren Informationen in die Software
eingepflegt haben.
Auf diese Weise lässt sich insbesondere differenziert herausstellen, dass von insgesamt 381
Personen bei 186 Personen das Beratungsziel erfüllt werden konnte. Besonders anschaulich
wird der Erfolg des Projektes, wenn man betrachtet, dass 147 Person aus der Zielgruppe
durch Anregungen der Fallmanagerinnen nun einer neuen Aktivität außerhalb ihrer Wohnung
nachgehen und 29 Menschen Kontakte mit einem Ehrenamtlichen/einer Ehrenamtlichen auf-
bauen konnten. Für 151 Personen war auf dem Weg dor thin zunächst Unterstützung im Be-
reich der existenziellen Bedürfnisse (Wohnsituation , Bekleidung, Gesundheit) erforderlich
bevor eine Bereitschaft für weitere Schritte gegeben war.
Die Erreichung des elementaren Projektziels kann an diesen objektiv erhobenen Werten
ebenso gut abgelesen werden, wie an den im Folgende n dargestellten Ergebnissen der Ziel-
gruppenbefragung.
Der zweite Teil der Evaluation des Projektes „Fallmanagement-Teilhabe im Alter“ beruht auf
einer anonymen Befragung der Klienten/Klientinnen m ittels eines standardisierten Fragebo-
gens. Die Heranziehung der Informationen aus den st andardisierten Fragebögen ist der
quantitativen Evaluation zuzuordnen. Dieser Fragebo gen wurde durch die beiden Fallmana-
gerinnen und eine Studierende des weiterbildenden M asterstudiengangs „Clinical Case-
work“ der Fachhochschule Münster entwickelt. Versendet wurden die Fragebögen durch die
Fallmanagerinnen. Rückfragen konnten die Klienten/K lientinnen an die Studierende richten,
ebenso erhielt sie die anonymen Rückantworten und f ührte die methodisch einwandfreie
Auswertung der Fragebögen mit Hilfe der statistisch en Software „EvaSys“ durch. Vor Durch-
führung dieser Evaluationsform hat der Personalrat diesbezüglich seine Zustimmung erteilt.
Mit Hilfe dieses standardisierten, den wissenschaft lichen Anforderungen entsprechenden
Fragebogens wurden insgesamt 152 Personen befragt, 86 Rückläufe sind eingetroffen
(Rücklaufquote: 56,6 %). 67 % der Befragten sind we iblich, die übrigen 33 % männlich. Der
Altersgruppe der 70-79-jährigen gehört der größte T eil der Adressatengruppe mit 57 % an.
22 % der Befragten sind 65-69 Jahre alt und 21 % 80-89 Jahre alt.
Die Klienten/Klientinnen wurden hinsichtlich der Qualität des Fallmanagements befragt und
schätzten diese im Rahmen der folgenden Fragen anhand von Schulnoten ein:
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Die Einschätzungen der Befragten nach der Gesamtzuf riedenheit mit dem Projekt werden
durch das folgende Diagramm noch einmal veranschaulicht:
0
10
20
30
40
50
60
70
80
1 2 3 4 5 6
Gesamtzufriedenheit
(bewertet mit Schulnoten)
Auf die Frage, mit welchen Hilfen die Mitarbeiterin der Stadt Münster Unterstützung leisten
konnte, ergab sich bei 86 Befragten folgendes Bild:
0 5 10 15 20 25 30 35
sonstige Hilfen
Sehhilfe, Zahnersatz o.ä.
neue Kontakte
Bekleidung
Freizeit
Wohnsituation
Anzahl
Schulnote
Frage 1 2 3 4 5 6
Die Mitarbeiterin hatte ausreichend Zeit für mich. 74 % 19 % 4 % 1,5 % 0 % 1,5 %
Die Mitarbeiterin der Stadt Münster war freundlich. 86 % 13 % 1 % 0 % 0 % 0 %
Die Mitarbeiterin hat sich verständlich ausgedrückt. 82 % 15 % 3 % 0 % 0 % 0 %
Die Mitarbeiterin ging auf meine Wünsche ein. 71 % 19 % 9 % 0 % 1 % 0 %
Insgesamt bin ich mit der Unterstützung durch das
Projekt zufrieden.
73 % 16 % 10 % 1 % 0 % 0 %
13
Dieser Grafik ist zu entnehmen, dass die genannten „existenziellen Hilfeleistungen“ einen
großen Stellenwert einnehmen, jedoch insbesondere d ie Vermittlung von Freizeitangeboten
und neuen Kontakten im Vordergrund steht. Aus den z ugehörigen Kommentaren wird au-
ßerdem deutlich, dass die Befragten unter den „sons tigen Hilfen“ kleinere Unterstützungs-
leistungen bei der Realisierung von Freizeit- und K ontaktangeboten sowie die Unterstützung
und Vermittlung bei Antragstellungen etc. verstehen.
Zu der offenen Frage, welche Verbesserungsvorschläg e für die Beratung bestehen, hat der
überwiegende Teil der Befragten geäußert, dass alle s zu ihrer Zufriedenheit abgelaufen sei
und die Erforderlichkeit für eine Veränderung des F allmanagements nicht gesehen wird. Be-
sonders positiv zu vermerken sind die Antworten auf die Frage nach weiteren Unterstüt-
zungsmöglichkeiten (neben den oben Genannten), die die Fallmanagerinnen leisten konn-
ten. Zu dieser Frage wurde mehrfach geäußert, dass insbesondere die Wertschätzung und
Zuwendung der Mitarbeiterinnen ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur gesellschaftlichen
Teilhabe war. Die Befragten fühlten sich ernst geno mmen, anerkannt und gewürdigt. Dies
wird nochmals in den Antworten auf die Frage nach d er Gesamtzufriedenheit deutlich. Kriti-
sche Äußerungen zielten mehrfach auf die Tatsache a b, dass es das Projekt und die damit
verbundene Unterstützung nicht schon länger gibt.
Die durchgeführten und hier beschriebenen Auswertungen haben gezeigt, dass monetäre Wir-
kungen des „Fallmanagement – Teilhabe im Alter“ nicht direkt messbar gemacht werden kön-
nen. Es steht jedoch außer Frage, dass der entscheidende monetäre Nutzen dieses Projektes
darin besteht, dass Menschen länger in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können, wenn ein
funktionierendes soziales Netzwerk besteht. Ein solches Netzwerk kann durch die Unterstüt-
zung der Fallmanagerinnen aufgebaut und aktiviert w erden und damit zur Vermeidung von
hohen Unterbringungskosten in einer Altenhilfeeinrichtung beitragen. Außerdem sind soziale
Kontakte eine wichtige und erforderliche Unterstützung bei akuter Krisenintervention. Professi-
onelle Unterstützung wird dann möglicherweise gar nicht oder erst deutlich später erforderlich.
Demgegenüber stehen die nicht-monetären Wirkungen, die bereits im Rahmen der Evaluation
beschrieben wurden und offensichtlich vorhanden sind.
Neben den, durch die Dokumentationssoftware und die Fragebögen erfassten positiven Effek-
te des Projektes, gibt es darüber hinausgehende sub jektive, nicht belegbare Eindrücke der
Fallmanagerinnen, die nicht unerwähnt bleiben sollen.
Die zugehende Arbeit der Fallmanagerinnen nimmt den Betroffenen Schwellenängste im Hin-
blick auf das Sozialamt und andere Verwaltungsberei che. Ängste, die durch Vorurteile oder
schlechte Erfahrungen entstanden sind, bauen sich sukzessive bis zu einem Punkt ab, an dem
14
die Klienten/Klientinnen den Fallmanagerinnen gleichberechtigt und frei von Ängsten gegen-
übertreten können.
Des Weiteren war im Verlauf des Projektes zu beobachten, dass die ursprünglich zuständigen
Sachbearbeiter/innen zunächst Personen für das Projekt benannt haben, die etwas auffälliger
waren und ihnen dadurch im Gedächtnis geblieben sind. Im Verlauf der Zeit kam eine Vielzahl
von Leistungsempfängern/-empfängerinnen hinzu, von denen die Sachbearbeiter/innen nur
sehr wenig wussten und nur seltene Kontakte erfolgt en. Rückblickend lässt sich festhalten,
dass diese Personen besonders gut zur Zielsetzung des Projektes passen, da sie neben der
finanziellen Armut und der Teilhabearmut auch ein a usgeprägtes Schamgefühl hinsichtlich
ihrer Lebenssituation haben.
Weiterhin war während der Projektlaufzeit deutlich zu erkennen, dass die Rahmenbedingun-
gen für das Gelingen des Projektes von entscheidender Bedeutung sind. Ein Projekt mit dieser
Zielsetzung benötigt vor allem qualitative Zeit und adäquate Ressourcen. Dies war insbeson-
dere gegeben durch Personalmehraufwand und entsprechende Freiräume für die Mitarbeite-
rinnen, um den individuellen Bedürfnissen der angesprochenen Personen gerecht werden zu
können. Außerdem war es sehr gewinnbringend, dass d ie Fallzahl nicht unbegrenzt war und
die Rekrutierung neuer Personen für die Zielgruppe des Projektes vollständig im Ermessen der
Fallmanagerinnen lag. So konnten sie den Menschen die individuell erforderliche Zeit widmen,
ohne dabei andere Aufgaben oder die Betreuung ander er Grundsicherungsempfänger/innen
zu vernachlässigen.
Der positive Wert des ‚Fallmanagement – Teilhabe im Alter’ wird außerdem deutlich, wenn
man die öffentliche Aufmerksamkeit betrachtet, die es erregt. Das Projekt wurde neben den
lokalen Netzwerkpartnern auch bei der Veranstaltung „Aktivierung und gesellschaftliche Teil-
habe durch Sozialhilfe“ des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nord-
rhein-Westfalen (MAIS NRW) anderen Kommunen des Landes präsentiert. Die Resonanz war
sehr positiv, einige Kommunen haben im Anschluss se hr konkrete Nachfragen gestellt und
denken intensiv über die Etablierung eines ähnlichen Modellprojektes nach.
Auf Anregung des MAIS NRW wurden die Fallmanagerinnen außerdem durch den Deutschen
Verein zum Deutschen Fürsorgetag 2015 eingeladen, um dort mit einer Vorstellung der Projek-
tidee den Workshop „Aktivierung und gesellschaftliche Teilhabe durch Sozialhilfe“ mit zu ge-
stalten. Die Idee des Projektes stieß bei den Besuc hern des Fürsorgetages auf großes Inte-
resse.
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3. Fallbeispiele
Um die Arbeit im Projekt „Fallmanagement - Teilhabe im Alter“ zu veranschaulichen, werden
im Folgenden die konkreten Entwicklungen von Frau F., Herrn H. und Herrn K. vorgestellt.
Frau F.
Frau F. hat vor drei Jahren ihren Ehemann verloren. Unter diesem Verlust leidet sie noch
heute. Ihr verstorbener Ehemann hat stets alles für sie geregelt. Nun ist sie mit vielen alltäg-
lichen Angelegenheiten überfordert.
Sie wohnt in einem zentral gelegenen Mehrfamilienha us im ersten Obergeschoss. Frau F.
kann aufgrund einer Gehbehinderung die Arbeiten in ihren Haushalt nicht mehr selbstständig
bewältigen. Auch steigt sie nur noch mühsam die Tre ppen und kann daher das Haus alleine
kaum noch verlassen. Sie möchte aber auf keinen Fal l umziehen, da sie seit Jahrzehnten in
diesem Haus wohnt und gute Kontakte zu ihren Nachbarn pflegt.
Frau F. verbringt den größten Teil ihrer Zeit allei n in ihrer Wohnung. Sie hat telefonischen
Kontakt zu ihrer Schwester. Ihre Nichte kam in der Vergangenheit gelegentlich und erledigte
Einkäufe. Da die Nichte jedoch chronisch krank ist, konnte sich Frau F. nicht darauf verlas-
sen. Die Vorratshaltung stellte damit ein großes Problem dar.
Es wurde daher zunächst der Sozialdienst eingeschal tet und Frau F. bekam eine Haushalts-
hilfe, die nun einmal in der Woche für sie einkauft . Die Kosten werden im Rahmen der Sozi-
alhilfe übernommen.
Es fand außerdem eine Vermittlung zum Südviertelbür o statt, wodurch Frau F. nun regelmä-
ßigen Kontakt zu einem Ehrenamtlichen hat, der sie einmal in der Woche besucht. Der Mit-
arbeiter ist Student und unterstützt Frau F. bei de r Bewältigung der Treppen. Er geht mit ihr
spazieren und einkaufen. Bei schlechtem Wetter trin ken die beiden Kaffee in der Wohnung
der Frau F. und unterhalten sich. Frau F. ist sehr glücklich über die wöchentliche Abwechs-
lung und möchte ihren ‚Max’ nicht mehr missen. Frau F. soll nun durch die Vermittlung des
Südviertelbüros Unterstützung durch einen zweiten F reiwilligen erhalten, da sie gerne häufi-
ger das Haus verlassen möchte.
Beim Hausbesuch ist der Mitarbeiterin außerdem aufg efallen, dass Frau F. ihre Badewanne
behinderungsbedingt nicht mehr nutzen kann. Daher w urde, nach Besichtigung der Woh-
nung durch den Wohnberater der Stadt Münster und fi nanziert durch Mittel der Eingliede-
rungshilfe, die Badewanne ausgebaut und eine behind ertengerechte Dusche mit entspre-
chendem Duschstuhl und Haltegriffen eingebaut.
Frau F. ist sehr zufrieden mit der Verbesserung ihrer Lebensumstände.
16
Herr H.
Im Rahmen des Fallmanagement wurde außerdem Herr H. kontaktiert und besucht. Herr H.
ist ein sehr freundlicher, älterer Herr, der 32 Jah re lang in einem 12 qm großen Zimmer
wohnte. Nach seinen Aussagen war der Besuch der Mit arbeiterin der erste Besuch seit vie-
len Jahren in diesem Zimmer. Das Zimmer war möblier t mit einem Bett, einem Schrank, ei-
nem Schreibtisch, einen Stuhl und einem Zweiplatten kocher. Gekocht hat er in seinem Zim-
mer, das Badezimmer nutzte er gemeinsam mit anderen Personen, die ebenfalls einzelne
Zimmer in diesem Einfamilienhaus angemietet hatten.
Herr H. war vor vielen Jahren durch unglückliche Um stände ins Obdachlosenmilieu geraten.
Daher war er froh, überhaupt wieder ein Dach über d em Kopf zu haben. In dem Haus hat er
sich jedoch nie wohl gefühlt, da es bei den übrigen Hausbewohnern häufig zu Alkoholexzes-
sen und Auseinandersetzungen mit der Polizei kam. H err H. konsumiert keinen Alkohol und
fühlte sich in dieser Umgebung nicht wohl.
Herr H. konnte auch sonst keinerlei soziale Kontakt e aufbauen. Er verbrachte seine Freizeit
damit, allein mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fa hren. Auch war er viele Jahre nicht beim
Arzt, insbesondere nicht beim Zahnarzt und wirkte d adurch vernachlässigt. Er hatte inzwi-
schen massive Probleme mit seinen Zähnen. Diese Ein schränkung, die er selber als sehr
unangenehm empfand, hinderte ihn zusätzlich, neue soziale Kontakte zu knüpfen.
Herr H. ist ein stiller und sehr verunsicherter Men sch, der es aus eigenem Antrieb nicht ge-
schafft hat, seine persönliche Situation zu verbessern.
Durch die aktive Unterstützung der Mitarbeiterin, konnte Herr H. nun in eine seniorengerech-
te Wohnung in Gievenbeck umziehen. Außerdem ist er zum Zahnarzt gegangen und hat ein
Gebiss bekommen. Herr H. fühlt sich sehr wohl in se iner Wohnung, er hat schon Kontakt zu
seinen Nachbarn aufgenommen. Er besucht regelmäßig einen Senioren-Kaffee-Treff und
wird vom Sozialbüro des ‚La Vie’ in Gievenbeck betreut.
Regelmäßig ruft er die Mitarbeiterin an und bericht et von der neu gewonnen Lebensqualität.
Dabei betont er immer wieder, wie wohl er sich jetzt fühlt.
Herr K.
Herr K. lebt in einem ländlich geprägten Stadtteil von Münster, er war viele Jahre als Hand-
werksmeister selbstständig und genießt ein hohes gesellschaftliches Ansehen im Ort.
Mitte der neunziger Jahre, in wirtschaftlich schlec hten Zeiten, hat er auf Anraten seines
Steuerberaters für eine angebliche Durststrecke sei ne Altersicherung für das Geschäft ein-
gesetzt.
Erschwerend kam in dieser Zeit dazu, dass er keiner lei Unterstützung von seiner Ehefrau
erhielt und bei der anschließenden Scheidung einen großen Teil seiner Rentenansprüche
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abtreten musste. So kam es dazu, dass er, obwohl er ein Leben lang gearbeitet hat, nun auf
Grundsicherungsleistungen angewiesen ist.
Herr K. schämt sich sehr für seinen ‚sozialen Abstu rz’, er möchte auf keinen Fall, dass ir-
gendjemand in seinem Umfeld Kenntnis davon erlangt. Er ist der Meinung, dass er den Res-
pekt der Menschen verliert, wenn sein Status als Sozialhilfeempfänger bekannt wird.
Herr K. hat Mitgliedschaften in diversen Vereinen gekündigt und arbeitet nun noch ehrenamt-
lich in zwei Vereinen. Nach Vereinsveranstaltungen kehren die ehrenamtlich Tätigen häufig
gemeinsam in Gastwirtschaften ein. Herr K. kann sic h das nicht leisten und erfindet Ausre-
den, weshalb er nicht mitgehen kann.
Er fühlt sich nutzlos, ausgeschlossen und einsam.
Durch Vermittlung der Mitarbeiterin wurde ein Konta kt zu der Senioreninitiative „Anti Rost“
hergestellt. Herr K. arbeitet nun dort aktiv mit, u nterstützt andere Senioren bei kleinen hand-
werklichen Dienstleistungen und erfährt dadurch Wertschätzung und soziale Nähe.
4. Fazit
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Zi el, eine nachhaltige Verbesserung der
Lebenssituation herbeizuführen, im Hinblick auf den Teilhabegedanken bei einem Großteil
der Zielgruppe erreicht werden konnte. Sowohl die E rgebnisse der Befragung als auch die
Informationen aus der Dokumentationssoftware zeigen dies sehr deutlich. 89 % der Befrag-
ten drücken ihre Gesamtzufriedenheit mit dem Projek t „Fallmanagement-Teilhabe im Alter“
mit den Schulnoten 1 und 2 aus.
Die bereits erwähnte Kritik der Betroffenen, dass es dieses Projekt nicht schon eher gegeben
hat, sollte Anlass dafür sein, die Unterstützung de r Fallmanagerinnen zukünftig weiteren
Grundsicherungsempfängern/ -empfängerinnen zukommen zu lassen, schließlich leben in
Münster insgesamt etwa 1800 Personen, die Grundsicherung im Alter beziehen.
Von den positiven Auswirkungen, die durch das Proje kt erzielt werden konnten, sollten also
noch mehr Menschen in Münster profitieren können. W ie eingangs durch das Zitat heraus-
gestellt wurde, haben die angesprochenen Grundsiche rungsempfänger/innen vielfach Wert-
schätzung erfahren und fühlten sich als Mitglieder der Gesellschaft und Bürger/innen der
Stadt Münster ernst genommen. Die eigene Meinung un d die individuellen Lebensumstände
der Menschen wurden fokussiert, die angesprochenen Menschen erfuhren eine individuelle
Begleitung. Dies führte, wie bereits ausführlich beschrieben und belegt, zu einem Anstieg der
Lebensfreude und der Lebensqualität der Menschen. E s ist daher sehr begrüßenswert, dass
durch die Verstetigung der Projektidee, diese posit iven Auswirkungen auf weitere Grundsi-
cherungsempfänger/innen und möglicherweise auch auf andere Personengruppen, die durch
das Sozialamt betreut werden, übertragen werden können.
Anlage 2 V-0711-2015
21165 Zeichen
1 Bericht zum Projekt „Gesünder leben im Alter – ja, ich will“ des Beratungs- und BildungsCentrums und der Franz-Bröcker-Stiftung Projektzeitraum: Juni 2013 bis Juni 2015 1. Einleitung Im vom Rat der Stadt Münster am 27.06.2012 verabschiedeten Maßnahmenpro- gramm zur Förderung von Teilhabe im Alter und zur Vermeidung von Altersarmut wurde als Einzelmaßnahme mit dem Fokus auf Gesundheit auch die „Initiierung von wohnortnahen Angeboten zur Gesundheitsförderung und Gesundheitsprävention für Seniorinnen und Senioren“ beschlossen. Angeregt wurde, hierzu ein stadtteilbezoge- nes Modellprojekt mit zweijähriger Laufzeit und einer halben Fachkraftstelle mit An- bindung an einen Träger der freien Wohlfahrtspflege durchzuführen. Daraus entstand das vom Beratungs- und BildungsCentrum der Diakonie Münster konzipierte und durchgeführte, von der Franz-Bröcker-Stiftung finanzierte Projekt „Gesünder leben im Alter – ja, ich will“. Projektbeginn war Mitte Juni 2013. Das Projekt endet Mitte Juni 2015, so dass der vorliegende Bericht als „Abschlussbericht“ des Projektes weniger als zwei Monate vor dem Projektende betrachtet werden kann. Begleitet wurde das Projekt während der vergangenen zwei Jahre durch einen Bei- rat, dem auch Vertreter des Sozialamtes und des seitens der Stadt für das Projekt federführend zuständigen Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangele- genheiten angehörten. 2. Das Projekt „Gesünder leben im Alter – ja, ich will“ Dem Projekt liegt ein sozialraumorientiertes Konzept der Gesundheitsförderung und -prävention für ältere Menschen (ab 65 Jahre) zugrunde. Der ausgewählte Projekt- raum umfasst die Stadtteile Uppenberg, Rumphorst, Schlachthof, Kreuzviertel – ein Anlage 2 zu Vorlage V/0711/2015 2 zusammenhängendes Gebiet nordöstlich der Innenstadt, das aber hinsichtlich der Infrastruktur und Angebote für SeniorInnen im sozialen und gesundheitlichen Bereich in sich sehr heterogen ist. Neben einer guten Infrastruktur im Kreuzviertel sind die anderen drei Stadtteile diesbezüglich eher unterdurchschnittlich ausgestattet. Inter- essant schien an dieser Kombination der Vergleich der Projekterfahrungen in den unterschiedlichen Stadtteile sowie der Versuch, vom Kreuzviertel ausgehend Ent- wicklungsimpulse für die angrenzenden Stadtteile zu nutzen. Übergeordnete Projektidee ist der Ausgleich gesundheitlicher Benachteiligungen ins- besondere für von Altersarmut betroffene oder bedrohte Menschen. Diese Zielgruppe soll für Angebote der Gesundheitsprävention und -förderung gewonnen werden, um so ihre Chancen auf gesundes Altern zu erhöhen, Lebensqualität zu verbessern und ein selbstbestimmtes Leben bei möglichst langem Verbleib in vertrauter Umgebung zu ermöglichen. Dazu sieht der Projektantrag folgende im Rahmen des Projektes durchzuführende Maßnahmen vor: Einzelfallhilfe: -Etablierung eines Angebots aufsuchender Beratung zu gesundheitsspezifi- schen (nicht-medizinischen!) Themen in den Stadtteilen -Eröffnung von Zugangswegen zur Zielgruppe -Bekanntmachung des Angebots bei wichtigen Multiplikatoren -Durchführung von Hausbesuchen zur Beratung älterer Menschen über Fra- gen der Gesundheitsprävention/-förderung und der sozialen Teilhabe -ggf. Identifizierung spezieller Bedarfe einzelner Personengruppen im Rahmen der Beratung Ehrenamt: -Aufbau eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes in Kontakt und Kooperation mit anderen Institutionen und Einrichtungen im Stadtteil -Gewinnung Ehrenamtlicher -Klärung der geeigneten Organisationsform für das ehrenamtliche Engage- ment -Schulung und Begleitung Ehrenamtlicher Netzwerkarbeit: -Entwicklung und Etablierung einer Netzwerkstruktur für verschiedene Akteure in den Stadtteilen (Schwerpunkt Gesundheit, SeniorInnen) -Identifikation Handlungsbedarf/-felder im jeweiligen Stadtteil -ggf. gemeinsame Entwicklung, Umsetzung, Erprobung neuer Angeboten für den Stadtteil unter Einbeziehung von Zielgruppenvertretern Mit Blick auf das Erfordernis der Nachhaltigkeit sollen am Ende des Projektes in den Stadtteilen entwickelte Angebote und Strukturen sich selbst tragen. Zentrale Erkennt- nisse aus dem Projekt sollen ggf. auf andere Stadtteile übertragbar sein bzw. für dortige Entwicklungsprozesse zur Verfügung stehen. Eine fortlaufende Öffentlichkeitsarbeit begleitet die Projektdurchführung. 3 3. Projektdurchführung Öffentlichkeitsarbeit -erschienen sind diverse Artikel zum Projekt in verschiedenen Printmedien (z.B. WN November 2013, MSZ (Münsters SeniorenZeitung) II/2014, „Hallo“/ Sonderbeilage Senioren Juli 2014) -Präsentation des Projektes im Internet (Homepages BBC, Franz-Bröcker- Stifung, Gesundheitsamt) sowie auf dem Seniorenportal der Stadt Münster -zwei Flyer zum Projekt wurden entwickelt und mit Projektinformationen an alle Hausarztpraxen und Apotheken, Sanitätshäuser usw. in den vier Stadt- teilen sowie an alle Krankenhaussozialdienste in Münster als Multiplikatoren verteilt (z.T. persönlich). Außerdem wurden weitere relevante Akteure mit Zu- gang zur Zielgruppe informiert (ZAR, Pflegedienste, Anti-Rost). -Vorstellung des Projekts bei den Geschäftsstellen der Krankenkassen in Münster -Anschreiben der Kirchengemeinden in den vier Stadtteilen durch die Stadt Münster im April 2014 mit Erinnerung an das Projekt und Bitte um Koopera- tion. Zeitgleich wurden den betreffenden Kirchengemeinden Informationen zum Projekt als Textbausteine für die Gemeindebriefe zur Verfügung gestellt Projekterfahrungen: -Öffentlichkeitsarbeit bzw. Informationsweitergabe über Multiplikatoren ist zen- tral auf deren Wohlwollen, Engagement, Unterstützung und Mitwirkung ange- wiesen. Sie lässt sich nicht kontrollieren, bleibt unverbindlich und funktionierte im Rahmen des Projekts nur bedingt. Dabei konnten keine Unterschiede fest- gestellt werden, je nachdem wie die Ansprache erfolgte (persönlich, schriftlich) bzw. durch wen (Projektkoordinatorin, Stadt Münster). -Große Bedeutung der Tagespresse bei der Ankündigung von Aktionen, Wer- bung von Ehrenamtlichen u.ä. , ausschlaggebender Faktor für Erfolg oder Misserfolg einer Maßnahme. Kann nicht durch Flyer, Ansprache von Multipli- katoren o.ä. ausgeglichen werden. Allerdings ist der Einfluss auf das, was in der Presse erscheint und wie es erscheint, eng begrenzt. Einzelfallhilfe -Beratungen als Hausbesuche, beim BBC am Hörsterplatz oder auch telefo- nisch fanden nach Kontaktaufnahme seitens der älteren Menschen statt. Die Zahl einmaliger Anfragen an die Projektkoordinatorin lag dabei deutlich höher als die Zahl der Mehrfach-Beratungskontakte, die nicht notwendigerweise im Rahmen von Hausbesuchen stattfanden. Vielfach wurde auch ein (ein- oder mehrmaliger) telefonischer Kontakt seitens der älteren Menschen als für ihr Anliegen ausreichend empfunden. -Wichtiges Ziel der Beratung war es, auf Wunsch soziale Kontaktmöglichkei- ten, aber auch Anlaufstellen für weitergehende (gesundheitliche) Unterstüt- 4 zungsbedarfe, Selbsthilfegruppen u.ä. zu vermitteln und ggf. den ersten Kon- takt dorthin gemeinsam herzustellen. -Ältere Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag wurden, wo dies möglich war, an die Ehrenamtlichen der Von Mensch zu Mensch-Initiativen weiterver- mittelt. -Anliegen und Fragen, die über das Projekt hinausgingen, wurden durch die Projektkoordinatorin an die Ansprechpartner der Stadtteilorientierten Sozialen Arbeit, das Informationsbüro Pflege etc. weitergeleitet. Projekterfahrungen: -Wenige Kontakte kamen über Multiplikatoren oder als Reaktion auf sonstige Öffentlichkeitsarbeit zustande. Es ist nicht gelungen, strukturierte Zugangs- wege zur Zielgruppe des Projektes über Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken usw. zu eröffnen. Wiederholte Ansprache brachte kaum Resonanz. Kontakte entstanden i.d.R. über andere Kanäle (über BBC/Diakonie, Offene Sprech- stunde/Allgemeines Sozialberatung), daher waren die Anfragenden auch nicht beschränkt auf die ausgewählten Stadtteile. -Eine Beschränkung nur auf die eigentlich im Fokus stehende Zielgruppe der von Altersarmut betroffenen/bedrohten SeniorInnen konnte ebenfalls nicht erreicht werden, zumal dieser Aspekt in der öffentlichen Bekanntmachung des Beratungsangebotes wegen der potenziell stigmatisierenden Wirkung nicht in den Vordergrund gestellt wurde. -Bezüglich der im Projekt vorgegebenen inhaltlichen Zuspitzung der Beratung auf das Thema „Gesundheit“ für von Altersarmut bedrohte oder betroffene Menschen lässt sich eine Diskrepanz zwischen dem, was sozialpolitisch er- wünscht ist und mit Blick auf eine alternde Gesellschaft auch notwendig er- scheint, und dem, was Betroffene selbst für notwendig erachten bzw. nachfra- gen, konstatieren. Ein Bedürfnis älterer Menschen (insbesondere der Zielgrup- pe), sich zu Gesundheitsfragen im engeren Sinn, zu Bedingungen eines ge- sunden Lebens im Alter beraten zu lassen, konnte nicht festgestellt werden. Auch denjenigen, die sich aus eigenem Antrieb an die Projektkoordinatorin wandten, ging es um Anderes, i.d.R. um eine schwierige Lebens- oder soziale Situation. Diese verbindet sich zwar regelmäßig mit gesundheitlichen Beein- trächtigungen. Dennoch suchen die Menschen keine Gesundheitsberatung, sondern eine Anlaufstelle, um sich auszusprechen und ggf. gemeinsam zu überlegen, wie die eigene Lebenssituation ein wenig verbessert werden kann. Die konkreten Bedarfe und Anliegen sind dabei so unterschiedlich wie die Lebenssituationen. -Wenn ein Bedarf zu benennen wäre, der immer wieder in den Gesprächen von den älteren Menschen genannt (und auch zum Hindernis etwa für soziale Teilhabe) wurde, dann besteht dieser im ungelösten Problem der Mobilität im Alter, das sich auch durch einen gut ausgebauten ÖPNV sowie eine altersge- rechte Quartiersentwicklung allenfalls entschärfen, aber nicht lösen lässt. -Ein weiteres Ergebnis der im Rahmen des Projektes geführten Gespräche mit 5 älteren Menschen bezogen auf Geselligkeit/soziale Teilhabe ist, dass es nicht (mehr) reicht, einen Ort als Treffpunkt für ältere Menschen zu haben, an dem z.B. in regelmäßigen Abständen ein gemeinsames Kaffeetrinken angeboten wird. Durch ein solches Angebot werden viele ältere Menschen nicht ange- sprochen. Die Bedarfe sind heute individueller und es ist daher schwieriger, sie zu bedienen (insbesondere auch wohnortnah). Dennoch wäre es wichtig, erst einmal in jedem Stadtteil einen solchen Ort zu haben, an dem dann auch unterschiedliche, ggf. von den älteren Menschen selbst mitgestalteten Ange- boten Raum fänden. Ehrenamt -Im Projektzeitraum entstanden in den Stadtteilen Uppenberg und Rumphorst mit Unterstützung der Projektkoordinatorin feste Gruppen, die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe leisten. -Organisatorisch eingefügt wurden die neuen Gruppen in das bestehende For- mat „Von Mensch zu Mensch“, weil hier sowohl Finanzierungsmöglichkeiten (Aufwandsentschädigungen, Anerkennungskultur usw.) als auch eine erprobte Infrastruktur zur Verfügung stehen. Aus der gleich zu Beginn des Projektes entstandenen Kooperation mit der FreiwilligenAgentur entwickelte sich in den beiden genannten Stadtteilen eine enge Zusammenarbeit zwischen der Pro- jektkoordinatorin und Fr. Wegener-Bücker (Koordinatorin Projekt „Von Mensch zu Mensch“) beim Aufbau der beiden neuen Gruppen. -Der Aufbau der ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe wurde in Uppenberg von der Wohn- und Stadtbau unterstützt, die für die Gruppentreffen auch Räume im Lincoln-Quartier zur Verfügung stellt. Beim Aufbau der Nachbarschaftshilfe in Rumphorst leistet die Gemeinde Thomas Morus (St. Franziskus) „logistische“ Unterstützung (Bereitstellung von Räumlichkeiten). Auch der Wohnungsverein Münster unterstützt den Aufbau der dortigen Ehrenamts-Gruppe. -In beiden Gruppen ist es gelungen, ehrenamtliche Koordinatoren zu finden, die die Organisation ehrenamtlicher Aktivitäten vor Ort weitgehend übernom- men haben und selbständig durchführen. -Zusätzlich zur ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe hat sich die Gruppe in Uppenberg auch zu einem Ort gemeinsamer Aktivitäten zur Förderung der Geselligkeit im Lincoln-Quartier entwickelt. Neben Informationsveranstaltun- gen werden ein regelmäßiger offener Kaffeetreff, aber auch sportliche Aktivi- täten (Nordic Walking) angeboten, die den Gruppenmitgliedern und anderen Interessierten im Stadtteil offen stehen. Diese Aktivitäten wurden und werden von der Gruppe selbst angeboten und durchgeführt. Die Projektkoordinatorin stand nach Abschluss der Etablierungsphase bei Bedarf für Fragen, bei Pro- blemen und zur Unterstützung größerer Aktionen und Veranstaltungen zur Verfügung. -Zur Schulung Ehrenamtlicher wurde am 28. März 2014 vom Beratungs- und BildungsCentrum ein Impuls-Workshop „Freiwillig engagieren im Quartier“ 6 durchgeführt. Auch diverse Fortbildungs-Angebote des Beratungs- und BildungsCentrums wurden für die in der Nachbarschaftshilfe Engagierten sowie für Ehrenamtliche anderer Einrichtungen für Senioren (z.B. Altes Backhaus) geöffnet und gut an- genommen. Themen der kostenlosen Angebote waren z.B. Altersarmut, Sozi- alberatung, Kommunikation, Umgang mit Konflikten, Achtsamkeit. -Am 24. April 2015 organisierte die Projektkoordinatorin im EVK ein Schu- lungsangebot für Ehrenamtliche in der Seniorenarbeit im Rahmen des Bagso- Projekts „Im Alter IN FORM – Gesunde Lebensstile fördern“. Projekterfahrungen: -Insgesamt sehr positive Erfahrungen und Ergebnisse im Bereich „Ehrenamt“/ nachbarschaftliches Engagement, auch durch die gelungene Kooperation mit der FreiwilligenAgentur/“Von Mensch zu Mensch“. Über das Projekt konnte insbesondere Zeit/ Personaleinsatz in die Kooperationsbeziehungen einge- bracht werden, über „Von Mensch zu Mensch“ wird die finanzielle Unterstüt- zung und die Nachhaltigkeit über das Projektende hinaus gewährleistet. -Insbesondere eine hohe Identifikation mit der Nachbarschaft, aber auch dem Stadtteil sind ein wesentlicher Motor für ehrenamtliches Engagement. Wichtig ist es, für den Aufbau neuer Gruppen Anknüpfungspunkte und Kooperations- partner im Stadtteil (hier z.B. Wohnungsgesellschaften) zu haben. Dadurch wird es leichter, Menschen gezielt anzusprechen. Netzwerkarbeit -Netzwerke, in denen das Projekt vertreten war und ist: Arbeitskreise „Älter werden in …“ (Innenstadt-Nord, Innenstadt-Nordost, Coerde), Arbeitskreis Uppenberg Im Kreuzviertel/Münster Mitte war das Projekt eingebunden in den Aufbau eines ServiceWelten-Netzwerkes in Kooperation mit der Handwerkskammer Münster (Hr. Dr. Kühn-Gerhard; Geschäftsführer ServiceWelten e.V.). Hierbei handelt es sich um ein lokales Netzwerk, in dem Handwerks- und Dienstleis- tungsbetriebe gemeinsam daran arbeiten, den sich wandelnden Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden: mit qualitativ hochwertigen Handwerks- und Dienstleistungen und durch kooperative Zusammenarbeit. Mit Blick auf den demographischen Wandel sollen dabei auch neue Angebotsformen für SeniorInnen entstehen, die sich durch vernetzte und abgestimmte Zusammen- arbeit unterschiedlicher Handwerke und Dienstleister sowie alterssensibler Serviceangebote auszeichnen. Seit Herbst 2014 liegt ein gemeinsamer Flyer des Netzwerkes für Münster-Mitte vor, und es existiert eine zentrale Telefon- nummer für Interessenten, die sich an das Netzwerk wenden möchten. Es wurden auch erste Schritte unternommen, um unterschiedliche Netzwerke miteinander in Kontakt zu bringen (Vorstellung des ServiceWelten-Netzwerks durch daran beteiligte Partner im AK „Älter werden in Innenstadt-Nord“ am 4. Februar 2014 und 18. November 2014). 7 -Stadtteilübergreifend entwickelte sich eine enge Kooperation mit dem Projekt „Bewegt ÄLTER werden in Münster“ des Stadtsportbundes (Projektkoordina- tion Fr. Völker-Honscheid). Das Beratungs- und BildungsCentrum ist im Beirat dieses Projektes vertreten. Aus der Kooperation ist konkret die gemeinsame Veranstaltung „Bewegt ÄLTER werden in Münster – Gesünder leben im Alter“ am 4. Dezember 2014 im Gesundheitshaus hervorgegangen. Weitere Kooperationspartner waren eine Ernährungswissenschaftlerin und der Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie Münster e.V. Die Finanzierung der Veranstaltung erfolgte über Projektmittel des Landessportbundes. Geplant war eine Informations- und Mitmach-Veranstaltung mit kurzen Informationsbeiträgen zur Gesundheit im Alter (Bewegung, Ernährung, soziale Teilhabe) verbunden mit der Möglichkeit, Angebote in diesen Bereichen auch konkret auszuprobieren (z.B. gemeinsa- me Zubereitung einer gesunden und leckeren Zwischenmahlzeit, Seniorobics, Sturzprophylaxe, Achtsamkeitstraining). Zudem sollte die Gelegenheit genutzt werden, um Bedarfe bei den Teilnehmern abzufragen oder für neue Angebote (Gesundheitswandern, Tanztee) Interessenten zu werben. Die Teilnehmerzahl an der Veranstaltung war sehr gering. Mögliche Gründe: Jahreszeit, andere Veranstaltungen, erfolgloser Versuch, die Veranstaltung über die Tagespresse anzukündigen und zu bewerben. -Netzwerkkontakt zur Kommunalen Seniorenvertretung. -Zur Kooperation mit „Von Mensch zu Mensch“/FreiwilligenAgentur MS s.o. Projekterfahrungen: -Ein wesentliches Element der Netzwerkarbeit in den Stadtteilen sollte es sein, gemeinsam mit anderen Akteuren zu erkunden, was Menschen vor Ort sich wünschen, was fehlt, um im Viertel „gesund älter zu werden“, und dann ggf. auch gemeinsam zu überlegen, ob und wie bestehende Angebotslücke ge- schlossen werden können. Seitens der Projektkoordinatorin wurde daher immer wieder das Interesse an andere Einrichtungen herangetragen, Kräfte im Stadtteil zu bündeln, um etwas Neues auszuprobieren, Lücken in der Ange- botsstruktur zu erkennen und evt. zu schließen usw. Ergebnis: Kaum Resonanz. Als ursächlich dafür können mehrere Faktoren genannt werden: Für einen Stadtteil räumlich zuständige Einrichtungen wie Kirchengemeinden orientieren sich nicht primär an den Stadtteilen als solchen. Im Stadtteil Schlachthof gab es insgesamt zu wenig Anknüpfungspunkte für Netzwerkkontakte, weil dort kaum Einrichtungen vertreten sind. Auch wird der Stadtteil nicht als solcher wahrgenommen, nicht einmal von den Menschen, die dort leben. Vielfach sind kirchliche und soziale Einrichtungen, auch wenn sie selbst im Stadtteil aktiv sind, nicht bereit, sich dem Quartiersdenken und Kooperationen zu öffnen. Dabei spielt vermutlich Sorge vor Konkurrenz eine nicht unwesentli- che Rolle. 8 Auch bei Einrichtungen für Senioren im Stadtteil war ein hohes Interesse an und eine positive Resonanz auf vom BBC angebotene Schulungen zu ver- zeichnen, aber ein deutlich geringeres Interesse an gemeinsamen Aktionen, Aktivitäten, Angeboten (z.B. Durchführung Zukunftswerkstatt o.ä. im Stadtteil). 4. Fazit Im Projekt wurde das Thema Gesundheit/Gesundheitsförderung (mit fortschreitenden Projekterfahrungen verstärkt) inhaltlich weiter gefasst und verstanden als nur Bera- tung über präventive und gesundheitsfördernde Angebote, einen gesundheitsförderli- chen Lebensstil oder Aufklärung über Leistungen der medizinischen Regelversor- gung. Als sinnvoller erwies sich eine Orientierung am umfassenden Gesundheitsbe- griff der WHO, der Gesundheit als Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert. Das passt zu einem im Maßnahmenprogramm der Stadt Münster zugrunde gelegten Konzept von Armut als Lebenslage, in dem multi- ple Benachteiligungen in ganz verschiedenen Lebensbereichen ineinandergreifen, einander bedingen, sich gegenseitig verstärken usw. Insbesondere in der Einzelfall- beratung wurde deutlich, dass für viele Rat und/oder Unterstützung suchende ältere Menschen ein enger Zusammenhang zwischen Gesundheit und aktueller Lebenssi- tuation besteht. Dabei setzt aber der von den Betroffenen selbst artikulierte Bera- tungs- und Unterstützungsbedarf eher und vorrangig an der Bearbeitung ihrer sozia- len Situation oder ihrer belastenden Lebensumständen an. Gelingt hier eine Verbes- serung, kann sich in einem zweiten Schritt auch die gesundheitliche Situation verbes- sern. Das Thema Gesundheit muss also insbesondere im Kontakt mit der im Projekt anzusprechenden Zielgruppe in einen weiteren Kontext eingebettet sein. Das Bera- tungsangebot muss an anderer Stelle ansetzen (Richtung Allgemeine Sozialbera- tung, offene Anlaufstelle für Fragen zum individuellen Unterstützungsbedarf im Stadt- teil u.ä.) und darf sich nicht von Anfang an und ausschließlich auf das Thema Ge- sundheit im engeren Sinne fokussieren. Nachhaltige und über das Projekt hinaus wirksame Strukturen sind im Rahmen der Projektaktivitäten im Bereich der Ehrenamtsgruppen entstanden, vor allem weil hier eine Einbindung der neuen Gruppen in bereits bestehende Organisationsstrukturen auf Ebene der Stadt Münster erfolgen konnte. Auch das ServiceWelten-Netzwerk wird projektunabhängig verstetigt durch seine das Netzwerk tragenden Mitglieder. In der verbleibenden Projektlaufzeit bis Mitte Juni ist ein weiterer Aktionstag zum ge- sunden Älterwerden mit dem Stadtsportbund geplant. Das aufsuchende Beratungs- angebot besteht bis dahin ebenfalls weiter.
Anlage 3 V-0711-2015
8852 Zeichen
Bewegt GESUND bleiben -
Bewegt ÄLTER werden
IN MÜNSTER
Projektkoordination
Gabriele Völker – Honscheid
Nisinghoverweg 12 0151-15002162 (m)
48165 Münster
E-Mail: gabi.voelker.h@stadtsportbund-ms.de
1
Bericht zur Programmarbeit BGB und BÄW (Stand 08.20 15)
– Stadtsportbund Münster
Die Programme „Bewegt GESUND bleiben in NRW“ und „B ewegt Älter
werden in NRW“ sind Teil des Gesamtkonzeptes des
Landessportbundes (LSB) – welches das Handlungsfel d Sport und
Gesundheit in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Die
Landesprogramme werden auf kommunaler Ebene umgeset zt, indem
sich die Kreis- und Stadtsportbünde um entsprechend e
Fördermaßnahmen bewerben können. Der Stadtsportbund Münster
(SSB) ermöglicht bzw. fördert auf diesem Wege die Umsetzung in
Münster.
Die Projektschwerpunkte in Münster bezüglich „Beweg t GESUND
bleiben“ wurden, angelehnt an die landesweiten
Programmschwerpunkte, wie folgt festgelegt:
• Ausbau von gesundheitsorientierte Angebote im Spor tverein
• Der Sportverein als Gesundheitspartner Sport
Der Focus des Programms „Bewegt GESUND bleiben…“ liegt auf Bewe-
gungsangeboten, die entweder präventive oder rehabilitative Zielsetzung
haben und entsprechend auch zertifiziert wurden.
Die Projektschwerpunkte bezüglich „Bewegt ÄLTER werden…“ lauten:
• Förderung von Bewegung und Sport für den älter wer denden Men-
schen
• Kommunales Netzwerkmanagement
Der Focus von „Bewegt Älter werden…“ ist dabei auf alle älter
werdenden Menschen in den verschiedenen kalendarisc hen
Lebensphasen gerichtet, ohne dass hier eine strikte Altersgrenze
angedacht ist. „Älter werden Alle,
Anlage 3
zu Vorlage V/0711/2015
Bewegt GESUND bleiben -
Bewegt ÄLTER werden
IN MÜNSTER
Projektkoordination
Gabriele Völker – Honscheid
Nisinghoverweg 12 0151-15002162 (m)
48165 Münster
E-Mail: gabi.voelker.h@stadtsportbund-ms.de
2
jeden Tag.“ Die Herausforderung ist es, in den vers chiedenen
Lebensphasen gesund älter bzw. gesund immer älter z u werden, um der
demographischen Entwicklung entsprechend Rechnung zu tragen.
Ein in beiden Programmen zu berücksichtigender Aspe kt ist die Installa-
tion oder die Öffnung von Bewegungsprogrammen für alle Erwachsenen,
auch für die sozialschwächeren oder die mit anderem soziokulturellem
Hintergrund. Insbesondere hier ist die Zusammenarbe it im Netzwerk ge-
fragt. Die Programmumsetzung ist entsprechend zu einem großen Teil
abhängig davon, dass die Sportvereine Ansprechpart ner auf städtischer
Ebene, auf Ebene der freien Wohlfahrt, in den kommunalen Seniorenver-
tretungen, in der Ärzteschaft und bei den Kostenträgern haben.
Der SSB Münster ist bestrebt, diese Netzwerke zu kn üpfen und dann in
aktiver Zusammenarbeit auch mit „Leben zu füllen“ d.h. Ziele zu definie-
ren, Inhalte zu konzeptionieren und entsprechende M aßnahmen
umzusetzen. Bisherige Strukturen in Münster lassen sich der folgenden
Abbildung entnehmen. Sie basieren auf der Installat ion eines Beirates,
eines Arbeitskreises der Sportvereine und Kooperati onspartnern für die
Umsetzung der programmspezifischen Maßnahmen.
Bewegt GESUND bleiben -
Bewegt ÄLTER werden
IN MÜNSTER
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Gabriele Völker – Honscheid
Nisinghoverweg 12 0151-15002162 (m)
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Bewegt ÄLTER werden
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Nisinghoverweg 12 0151-15002162 (m)
48165 Münster
E-Mail: gabi.voelker.h@stadtsportbund-ms.de
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Die praktische Umsetzung der beiden Projekte in Münster erfolgt seit Ok-
tober 2013. Auf Basis einer laufenden Bestandserheb ung zur Sport- und
Stadtentwicklung und zu bereits vorhandenen Angebot en in den
Sportvereinen Münsters (eigene Fragebogenaktion im Mai 2014) sollen
Bedarfe ermittelt und anhand von Zielsetzungen ents prechende
Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. So ergibt s ich aus der Fra-
gebogenaktion, an der sich bis dato 23 Sportvereine , die im
Handlungsfeld aktiv sind, beteiligt haben, dass die Bewegungsangebote
zur Prävention und Rehabilitation orthopädischer Er krankungen in
Abgrenzung zu z.B. internistischen und neurologisch en Erkrankungen
dominieren. Stadtteilbezogen ergab sich aus der Umf rage, dass der
Süden und die Stadtmitte insbesondere Mitte Nord un d Ost ein größeres
projektspezifisches Angebot haben. Bewegungsangebot e für Ältere gibt
es am ehesten in der Kategorie „Fit bleiben“ und „s portlich sein und
bleiben“, während Angebote mit dem Ziel „mobil zu b leiben oder wieder
zu werden“ (Ältere und Hochaltrige) noch relativ we nig angeboten
werden. Besonders hier muss der Gedanke der aufsuch enden
Bewegungsangebote umgesetzt werden, da der wenig mo bile, nicht
primär sportinteressierte Mensch nicht unbedingt in die Sporthalle
kommt. Von Interesse sind Räumlichkeiten im Quartie rin
Senioreneinrichtungen, in Pfarrheimen usw. Grundsät zlich haben die
Vereine auch an dieser Stelle das Problem, dass zu wenig Sportstätten
zur Verfügung stehen.
Im Rahmen der Projektarbeit wurden bis dato folgende Maßnahmen und
Kooperationen initiiert:
• Workshops und Informationsveranstaltungen für inte ressierte
Sportvereine, Bewegungsfachkräfte und Übungsleiter zu den
Themen Prävention und Rehabilitation.
• Vorstellung des Programms Bewegt ÄLTER werden in NRW / in
Münster im Rahmen von Informationsveranstaltungen u nd in den
Arbeitskreisen der Stadt Münster: Älter werden im Q uartier
Bewegt GESUND bleiben -
Bewegt ÄLTER werden
IN MÜNSTER
Projektkoordination
Gabriele Völker – Honscheid
Nisinghoverweg 12 0151-15002162 (m)
48165 Münster
E-Mail: gabi.voelker.h@stadtsportbund-ms.de
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• Durchführen von 2 Aktionstagen zusammen mit der WW U
(Studium im Alter, Juni 2014) und im Rahmen eines W andertages
zusammen mit dem Allwetterzoo (August 2015) unter B eteiligung
mehrere Sportvereine.
• MuM Gievenbeck (Mehrgenerationen und Mütterhaus e. V.) zusam-
men mit dem TSC Gievenbeck: Installation von
Bewegungsangeboten (versch. Gymnastikangebote,
Wassergymnastik und mobile Hockergymnastik in Senio ren-
einrichtungen)
• Bildungs- und BeratungsCentrum der Diakonie zusamm en mit dem
VGS Münster e.V.: Durchführung von gemeinsamen Inf ormations-
und Mitmachveranstaltungen „Bewegt ÄLTER werden – G esünder
leben im Alter“ im Gesundheitshaus – 12/14 und im EVK Münster –
08/15.
• Haus vom guten Hirten zusammen mit dem VGS Münster e.V.:
„Bewegung zu Klang und Musik“ für Menschen mit deme ntiellen
Erkrankungen; „Bewegung tut gut“ für Senioren im Quartier und bis
Dez. 2014 auch in der Seniorenresidenz Kastanienhof (Körperlich
AKTIV gegen das Vergessen)
• evangelische Familienbildungsstätte (FaBI) zusamme n mit dem
VGS Münster e.V.: Sturzprävention – mit sicherem Sc hritt in Rich-
tung Zukunft (ab 09/15)!
• Demenz Service Zentrum, Haus vom guten Hirten und VGS
Münster e.V.: Umsetzung des Modells „Sport für Mens chen mit
dementiellen Erkrankungen“
• Tibusresidenz zusammen mit dem VGS Münster e.V.: R ollator- /
Gehhilfetraining, Seniorobics
• Seniorenbüros Mauritz und Margareta, Haus vom gute n Hirten und
VGS Münster e.V.: „Latschen und tratschen im Stadtteil, in Pantof-
felnähe“
Bewegt GESUND bleiben -
Bewegt ÄLTER werden
IN MÜNSTER
Projektkoordination
Gabriele Völker – Honscheid
Nisinghoverweg 12 0151-15002162 (m)
48165 Münster
E-Mail: gabi.voelker.h@stadtsportbund-ms.de
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Hinweis: Die Angebote „Sport und Demenz“ und „beweg ende Altenein-
richtungen“ werden zusätzlich gefördert. Hier konnten sich Vereine oder
Einrichtungen direkt beim LSB NRW bewerben.
Die Bestandsanalyse, das sich daraus ergebende Hand lungskonzept
und die entsprechenden Maßnahmen werden in 1-2 jähr lichen Treffen
des Beirates und der Sportvereine vorgestellt und d iskutiert. Zudem ist
die Erstellung einer Broschüre und somit eine Dokum entation der
Angebote „Sport für Ältere und im Handlungsfeld Sport und Gesundheit“
in Arbeit.
Perspektivisch sollen Sportvereine, Akteuren im Ges undheitssystem,
freie Wohlfahrtsverbände, Senioreneinrichtungen und städtische
Strukturen motiviert werden im Netzwerk zusammenzua rbeiten, um dem
Handlungsfeld Sport und Gesundheit und Sport für Äl tere kompetent
gerecht werden zu können. Sowohl die demographische Entwicklung als
auch die Lifestyle begründeten chronischen Erkranku ngen geben
Anlass, diesem Thema verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen.
Projektkoordination Stadtsportbund
(„Bewegt GESUND bleiben und Bewegt ÄLTER werden“)
gez. G. Völker-Honscheid
Berichtsvorlage
13702 Zeichen
V/0711/2015 DER OBERBÜRGERMEISTER Sozialamt Betrifft Abschlussbericht zum Maßnahmeprogramm zur Förderung von Teilhabe im Alter und zur Vermeidung von Altersarmut Beratungsfolge 21.10.2015 Integrationsrat Bericht 22.10.2015 Ausschuss für Gleichstellung Bericht 26.10.2015 Kommunale Seniorenvertretung Bericht 27.10.2015 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen Bericht 28.10.2015 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung Bericht Bericht: 1. Ausgangslage: Das mit Vorlage V/0405/2012 beschlossene Maßnahmeprogramm Teilhabe im Alter bezog sich mit der Umsetzung des Programms und dessen Finanzierung auf die Jahre 2013 – 2014. Da einige Maßnahmen verzögert starten konnten und somit auch erst später beendet wurden, konn- te mit Vorlage V/0870/2014 ein Zwischenbericht zum Umsetzungsstand der Einzelmodule und erste Erfahrungen und Ergebnisse vorgelegt und für 2015 ein Abschlussbericht angekündigt wer- den. Mit dieser Vorlage werden nun weitere Entwicklungen einzelner Maßnahmen oder Ab- schlussergebnisse vorgestellt. 2. Bausteine des Maßnahmeprogramms Das Maßnahmeprogramm besteht aus folgenden zehn Bausteinen: • Fallmanagement „Teilhabe im Alter“ (FM-ThiA) • „Gesund und aktiv – älter werden in Münster“ • „Bewegt älter werden in Münster“ • Wohnen im Alter • Arbeit - „Perspektive 50plus“ • Lokales Beschäftigungsbündnis • Neuausrichtung des Begegnungsstättenangebotes für alte und behinderte Menschen Vorlagen-Nr.: V/0711/2015 Auskunft erteilt: Frau Menke Ruf: 492-5025 E-Mail: MenkeChristine@stadt-muenster.de Datum: 03.09.2015 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0711/2015 • Stadtteilorientierte Soziale Arbeit der Wohlfahrtsverbände • Stadtteilarbeitskreise „Älter werden in …“ • Münster Pass Einige der Bausteine sind nicht als Projekte angelegt, sondern sind Themen und Angebote, zu denen Handlungsansätze fortlaufend weiterentwickelt werden. Hierzu gibt es teilweise gesonder- te umfassende Berichterstattungen zur Umsetzung, wie z.B. zum Handlungsprogramm Wohnen. Zum Thema Arbeit – „Perspektive 50plus“ gibt es zur im Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2015 des Jobcenters weiterführende Informationen, das Programm wird vom Bund noch bis En- de 2015 gefördert. 2.1 Fallmanagement „Teilhabe im Alter“ (FM-ThiA) Zielgruppe dieses neu konzipierten und in Verantwortung des Sozialamtes durchgeführten Fall- managements sind Münsteranerinnen und Münsteraner über 64 Jahre, die auf Leistungen der Grundsicherung nach Kap. 4 SGB XII angewiesen sind. Armut wird hier nicht allein an zu gerin- gem Einkommen festgemacht, sondern als Unterversorgung in verschiedenen Lebens- und All- tagsbereichen verstanden. Hier wird im Fallmanagement zugrunde gelegt, dass dieser Gruppe Leistungsberechtigter regelmäßige eine realistische Perspektive fehlt, ihre materielle Hilfebedürf- tigkeit einmal selbst überwinden zu können. Zu den Alltagsbereichen gehören z. B. Wohnen, Ge- sundheit, Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe; je nach Bedarf lassen sich im Rahmen des Fallmanagements auch Einzelaspekte der wirtschaftlichen Situation stabilisieren, etwa im Zu- sammenhang mit Angeboten einer Budget- oder Schuldnerberatung. Die Systematik des Fallmanagements wird im Abschlussbericht (s. Anlage 1) dargestellt. Hier wird auch dargestellt, dass neben der Existenzsicherung vor allem Vereinsamung und soziale Isolation die Lebenssituation eines großen Teils der Leistungsberechtigen sind. Daher bezogen sich die Schwerpunkte der geleisteten Unterstützung auf das Herstellen neuer Kontakte, auf Freizeitgestaltung sowie auf Beratung in Fragen des Alltags und punktuelle Begleitung. Seit 01.03.2013 sind zwei Mitarbeiterinnen des Sozialamts als Fallmanagerinnen tätig (1,5 Stel- len), die gleichzeitig die leistungsrechtlichen Aufgaben für die Berechtigten im Fallmanagement wahrnehmen (Hilfen aus einer Hand). Die Betreuung im Rahmen des Fallmanagements umfasst bei Bedarf bzw. auf Wunsch auch aufsuchende Beratung und gemeinsame Hilfeplanung mit Be- rechtigten in deren Wohnbereich. Ausgehend von einer Verdoppelung des Arbeitsaufwands je Fall ergab sich ein zusätzlicher Bedarf an 0,75 Stellenanteilen, um Fallmanagement in Kombina- tion mit Leistungsgewährung im Umfang von 1,5 Stellen anbieten zu können. Die Erfahrungen haben diese Bemessung als zutreffend bestätigt. Die Durchführung der Maßnahme war auf zwei Jahre befristet und wurde als Projekt zum 28.02.2015 beendet. Im Rahmen der Beratungen für den Haushalt 2015 wurde aufgrund des Zwischenberichts, in dem bereits erkennbar war, dass älteren Leistungsberechtigten trotz gerin- gem Einkommens mehr Lebensqualität ermöglicht wurde, seitens der Politik das Projekt in eine Dauermaßnahme überführt und die Stellen fest eingerichtet. 2.2 „Gesund und aktiv – älter werden in Münster“ Unter Federführung des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten wurde auf Basis der Handlungsempfehlungen des Arbeitskreises „Gesund älter werden“ der Ge- sundheitskonferenz ein stadtteilorientiertes Modell zur aufsuchenden Gesundheitshilfe für ältere Menschen entwickelt: „Gesünder leben im Alter – ja, ich will“. Als Kooperationspartner konnte hier von der Diakonie Münster das Beratungs- und BildungsCentrum für die Umsetzung und die Franz-Bröcker-Stiftung für die Finanzierung einer halben Fachkraftstelle für den Projektzeitraum gewonnen werden. 3 V/0711/2015 Das Projekt bestand aus den Bausteinen Einzelfallhilfe, Ehrenamt und Netzwerkarbeit. Die Maß- nahme wurde von Juni 2013 – Juni 2015 durchgeführt. Ein ausführlicher Bericht ist in der Anlage (2) beigefügt. Die Akteure des Projektes planen derzeit ein weiteres Projektes, in das die Erfah- rungen aus „Gesünder leben im Alter – ja, ich will“ einfließen. 2.3 „Bewegt älter werden in Münster“ Der Stadtsportbund Münster (SSB) hat vom Landessportbund NRW Mittel aus dem Förderpro- gramm „Bewegt älter werden in NRW“ bewilligt bekommen. Der SSB hat eine Koordinierungsstel- le für die Begleitung des Programmes eingerichtet. Für eine Bestandsaufnahme wurden alle Sportvereine zum einen über das Programm informiert und zum anderen aufgefordert, alle Ange- bote für Senioren zu benennen und ggf. Bedarf für weitere Angebote zu melden. Die Bestands- erhebung ist Grundlage für ein Handlungskonzept, für das die Erhebungen auch auf Stadtteil- ebene analysiert werden müssen. Das Handlungskonzept soll Ende 2015 fertiggestellt sein. Für die Arbeit vor Ort soll das Konzept dann in einer Broschüre für Endverbraucher dargestellt wer- den. Die Koordinatorin hat das Programm auf Stadtteilebene in den Arbeitskreisen „Älter werden in …“ vorgestellt, um auch dort für das Programm zu werben und Hinweise auf weitere Bedarfe zu er- fahren. Hieraus haben sich Kontakte und Kooperationen zu unterschiedlichen Akteuren der Bera- tung, Bildungsstätten, Ehrenamtsinitiativen entwickelt. Im Ergebnis gibt es neue Bewegungsan- gebote und verschiedene Aktions- und Informationsveranstaltungen für ältere Menschen. Ein ausführlicher Bericht zum Programm findet sich in der Anlage (3). 2.4 Lokales Beschäftigungsbündnis Mit einem Bündnis zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen sollten Aktivitäten entwickelt werden, um künftiger Altersarmut entgegenzuwirken. Hierzu hatte es im Vorlauf der Planung erste Gespräche zwischen Wirtschaftsförderung, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer initiiert von der Stadt Münster gegeben. Zur weiteren Erörterung wurde dieses Thema mit den Ver.di-Senioren diskutiert. Hier entstand die Idee, eine Veranstaltung gemeinsam von Gewerkschaften mit Betriebsräten durchzuführen, zu der ein/e Experte/in zum Thema Ar- beitsfähigkeit und Alter eingeladen werden sollte. 2.5 Neuausrichtung des Begegnungsstä ttenangebotes für alte und behi n- derte Menschen Mit Vorlage V/0236/2015 wurde vom Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbrau- cherschutz und Arbeitsförderung der Neufassung der Richtlinien für die Bezuschussung von Be- gegnungsstätten zugestimmt. Die neuen Richtlinien sind am 01.07.2015 in Kraft getreten. Die Richtlinien für die Bezuschussung von Begegnungsstätten für alte und behinderte Menschen sind nun in Richtlinien für die Bezuschussung von Begegnungsstätten für alte Menschen umge- wandelt worden. Begegnungsstätten für Menschen mit Behinderungen werden außerhalb dieser Richtlinien gefördert. Für die Neuausrichtung der Förderrichtlinien wurden folgende Kriterien festgelegt: - Die Angebote der Begegnungsstätten sollen nachfrage- und bedarfsorientiert auf das Quartier bezogen sein. - Die Angebote müssen offen zugänglich sein, sie sollen die Teilhabe fördern. 4 V/0711/2015 - Die Angebote sollen in Stadtteilnetzwerken (AK’s „Älter werden in Münster“) vorgestellt werden. - Die Zuschussorientierung an den Öffnungszeiten soll als Basisberechnung bleiben. - Besondere Zusatzangebote können eine Bonusförderung erhalten, z. B. Patenschaften, Begleitangebote. - Über die Förderanträge soll gemeinsam mit der Kommunalen Seniorenvertretung ent- schieden werden, wozu ein Beirat eingerichtet wird. Dieser setzt sich aus zwei Mitgliedern der Kommunalen Seniorenvertretung einem Mitglied der Stadtverwaltung zusammen. Die Zuschüsse im Rahmen der Förderung von Begegnungsstätten für alte Menschen stellen eine Basisfinanzierung mit Anreizkomponente zur Absicherung des Begegnungsangebots dar. Dar- über hinaus erhalten der Seniorentreff Hansahof e.V. und der Alte Backhaus e.V. im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel jährliche Zuschüsse außerhalb dieser Richtlinien. 2.6 Stadtteilarbeitskreise „Älter werden in …“ Die Stadtteilarbeitskreise „Älter werden in …“ werden gemeinsam von der Kommunalen Senio- renvertretung und jeweils einem Wohlfahrtsverband betreut. Durch diese Vernetzung fließen die Belange in den Stadtteilen direkt in die Arbeit der Kommunalen Seniorenvertretung ein. Es wur- den und werden weitere Stadtteilarbeitskreise eingerichtet, zum Teil werden Zukunftswerkstätten für den Arbeitsstart durchgeführt, wie z.B. zuletzt beim AK „Älter werden in Wolbeck“. Mehrere Arbeitskreise führen Befragungen im Stadtteil durch. Ein Ergebnis der Stadtteilarbeitskreise ist eine stadtteilbezogene Broschüre mit Angeboten für Senioren. Diese Broschüren sind immer sehr schnell vergriffen, was den hohen Bedarf an Infor- mation unterstreicht. Die Erarbeitung dieser Broschüren wird auch für Stadtteile, für die es noch keine Broschüre gibt, weiter verfolgt. Bei Neuauflagen wird eine Aktualisierung angestrebt. Für die Erstellung der Broschüre wurde zur Umsetzung der gesammelten Daten in eine druckfertige Broschüre eine Kooperation mit der Ev. Familienbildungsstätte, die auch das Seniorenportal be- treut, vereinbart. Perspektivisch ist geplant, alle zwei Jahre eine Vernetzungsveranstaltung für alle Stadtteilar- beitskreise durchzuführen, um den Erfahrungsaustausch zu unterschiedlichen Themen und Ar- beitsschwerpunkten zu unterstützen. 3. Ausblick Das Maßnahmeprogramm stellt eine Grundlage bereit, Altersarmut als kommunales Handlungs- feld unter den beiden zentralen Gesichtspunkten Förderung von Teilhabe im Alter und Vermei- dung von Altersarmut wahrzunehmen, weiter zu konkretisieren und fortzuentwickeln. Teilhabe- förderung wird in die weiteren Planungen und Angebotsentwicklungen für Seniorinnen und Senio- ren systematisch integriert, in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden der freien Wohlfahrts- pflege, weiteren Akteuren der sozialen Arbeit sowie anderen Institutionen und Gruppen. Die Zu- sammenarbeit umfasst insbesondere auch die mit der Kommunalen Seniorenvertretung Münster. Zur Einbindung von Teilhabeförderung in kommunales Handeln wird z. B. auf die Belange älterer Menschen mit nur geringen finanziellen Mitteln im Rahmen der Beteiligung in Abstimmungspro- zessen hingewiesen, auch im Zuge altengerechter Quartiersentwicklung wird die Förderung der Teilhabe im Alter ein wichtiger Themenkomplex sein. 5 V/0711/2015 Die aufgeführten Projekte und auf Dauer angelegten Maßnahmen werden bis auf Weiteres fort- gesetzt. Der Aspekt der Vermeidung oder Reduzierung künftiger Altersarmut für den lokalen Be- zugsraum Münster konnte bisher ohne konkrete Ergebnisse lediglich vertieft und erörtert werden. Weder auf längere noch auf mittlere Sicht lassen sich spezifische Aussagen treffen, da konkret für Münster geeignete Prognosemodelle nicht verfügbar sind. Eine differenzierte Informationsun- terlage stellt jedoch eine fundierte Basis dar und erzeugt u. U. ein stärkeres Interesse, um im Verbund mit Institutionen und Akteuren des öffentlichen Sektors, der Wirtschaft und der Zivilge- sellschaft gegen die fortschreitende Entwicklung von Altersarmut in der Zukunft tätig werden zu können. Um eine solche Informationsgrundlage zu schaffen, beabsichtigt die Verwaltung zur em- pirischen Aufbereitung des Aspekts „Entwicklung/Entwicklungsszenarien künftiger Altersarmut in Münster“ eine Expertise von einer geeigneten Einrichtung (Hochschule oder Universität) anferti- gen zu lassen und hierfür bereitstehende Mittel aus dem Programmansatz einzusetzen; daneben werden die unter Ziffer 2.4 angesprochenen Gespräche weiter vertieft. Über die Ergebnisse und die weitere Umsetzung der übrigen Maßnahmen wird die Verwaltung den Ausschuss unterrich- ten. In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: 1. Fallmanagement „Teilhabe im Alter“ (FM-ThiA) – Abschlussbericht 2. „Gesund und aktiv – älter werden in Münster“ - Abschlussbericht 3. „Bewegt älter werden in Münster“ - Zwischenbericht
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (2)
- Hörsterplatz
- Nisinghoverweg 12
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Details
- Aktenzeichen
- V/0711/2015
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 29.09.2015
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37