AN/0050/2022
Klosterkirche "Zum guten Hirten"
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Anlage
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Die ehemalige Klosterkirche Zum Guten Hirten, jetzt die Syrisch-Orthodoxe Kirche St. Petrus und Paulus In der Klosterstraße 79 in Köln-Lindenthal Köln ist ein besonderer und überregional bedeutender Schauplatz des modernen Kirchenbaus des 20. Jahrhunderts, der einen besonders qualitätvollen Schwerpunkt im Stadtteil Lindenthal hat, wo sich die großen deutschen Architekten praktisch die Klinke in die Hand gaben. Hier baute Dominikus Böhm 1930-32 in Hohenlind die Krankenhauskirche St. Elisabeth, die 1949/50 die Darstellung des Jüngsten Gerichts von Peter Hecker in der Apsis erhielt. 1950/51 entstand nahe des romanischen Krieler Dömchens von Otto Bongartz die Pfarrkirche St. Albertus Magnus, deren Chor 1962 ebenfalls von Peter Hecker ausgemalt wurde. 1961 fügten Joachim und Margot Schürmann an den erhaltenen neugotischen Turm von St. Stephan in der Bachemer Straße einen transparenten kubischen Glasbau an. 1961/62 errichtete Emil Steffann mit St. Laurentius ebenfalls einen Kubus, der allerdings ein geschlossener Backsteinbau mit ungewöhnlich stimmungsvollem Innenraum ist. 1962/63 entstanden St. Thomas Morus in der Decksteiner Straße und 1962-64 die Klosterkirche zum Guten Hirten in der Klosterstraße, beide von Fritz Schaller und den Typ „Zelt Gottes“ vermittelnd. Von 1962-65 ist die Krankenhauskirche St. Johannes der Täufer in der Stelzmannstraße und von 1967-70 Christi Auferstehung als „Betonskulptur“ in der Brucknerstraße, beide von Gottfried Böhm. Den Abschluss bildet 1968/69 die Kirche der katholischen Hochschulgemeinde in der Berrenrather Straße von Josef Rikus, ebenfalls ein eindrucksvoller Sichtbetonbau. Diese ungewöhnliche Perlenkette großer Architektur ist so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal von Lindenthal, worauf dieser Stadtteil besonders stolz sein darf. Bisher sind die Bemühungen, diesen Schatz geschlossen zu erhalten, auch von Erfolg begleitet worden, wie z.B. die Umnutzung von St. Laurentius für die Universität bezeugt. Nun aber soll mit dem vom Erzbistum Köln geplanten Abriss der ehemaligen Klosterkirche zum Guten Hirten ein besonders wichtiger Stein aus dieser Krone individueller Kirchbauformen gebrochen werden. Die 1962-64 von Fritz Schaller gebaute Kirche ist eine ostwest ausgerichteten Saalkirche, an die im rechten Winkel nach Norden ein Schwesternschiff mit darunter befindlicher Unterkirche (sogenannte Krypta, wohl ehemals Werktagskirche des Ordens) angefügt ist. Alle Teile sind durch die zentrale Stellung von Altar und Tabernakel verbunden, sodass Gemeinde, Asylantinnen und Orden zwar räumlich getrennt aber doch gemeinsam den Gottesdienst feiern konnten. Aufgabe des im 19. Jahrhundert gegründeten Ordens war die Aufnahme, Betreuung und Ausbildung von damals so genannten „gefallenen Mädchen“, die meist wohl sexuell ausgebeutete Frauen in Abhängigkeitsverhältnissen waren, denen die Schwestern Asyl gewährten und eine Ausbildung vermittelteten, um sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war diese Aufgabe aufgrund veränderter Einstellung der Gesellschaft nicht mehr aktuell (Frauenhäuser übernahmen die neue Aufgabe, misshandelte Frauen zu schützen) und der Orden gab den Standort in der Klosterstraße auf. 1991 wurde die Kirche für 30 Jahre an die syrisch-orthodoxe Gemeinde vermietet. Im Äußeren blieb der Bau, der architektonisch den Typ „Zelt Gottes“ darstellt, unverändert. Im Inneren, das über schlanken Rundstützen von einem hochaufragenden „Zeltdach“ dominiert wird, ist der Tabernakel am originalen Standort erhalten. Der ebenfalls von Karl Matthäus Winter geschaffene Altar wurde im Zusammenhang mit der Errichtung der für den Gottesdienst der Syrisch-Orthodoxen wichtigen Altarwand nach Osten verschoben. Das Schwesternschiff wird nun als Gemeindesaal genutzt. Das ursprüngliche Patrozinium der Schmerzhaften Mutter Maria wurde in „Sankt Petrus und Paulus“ geändert. Insgesamt ist der Bau in der Grundstruktur erhalten, insbesondere die in allen Teilen vorhandenen Fensterbänder mit dem schönen Glasfensterzyklus von Franz Pauli, der im Hauptschiff an der Ost- und Südseite Darstellungen aus dem Leben Jesu zeigt, an der Nordseite Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers und an der Westseite aus der Apokalypse. Auch im Schwesternschiff sind die Fensterbänder mit einem reichhaltigen Programm erhalten sowie in der Unterkirche (Krypta) und in der Sakristei, wo sich auch ein Selbstporträt Paulis befindet. Bis auf einige Schäden, vor allem an der Südseite des Hauptschiffs, sind die Fenster noch in relativ gutem Zustand, müssten aber dringend von außen gesichert werden und natürlich wäre eine baldige Behebung von Schäden begrüßenswert. Nach Ablauf des Pachtvertrages konnte die Syrisch-Orthodoxe Gemeinde, die hier seit mehr als 30 Jahren etwa 400 Familien betreut und gerne an diesem Ort geblieben wäre, zwar eine Verlängerung bis etwa 2024 erreichen, ist aber gezwungen, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen. Diese soll als Neubau in Kasselberg entstehen, wofür vor etwa 3 bis 4 Monaten ein Bauantrag eingereicht wurde. Woher die geschätzten Baukosten von acht Millionen Euro für den Neubau der Kirche kommen sollen, weiß man nicht. Der Abbruch der bestehenden und voll funktionsfähigen Kirche wird dagegen vonseiten des Erzbistums (und seiner diversen Gruppierungen) nur betrieben, um das gesamte Grundstück an der Klosterstraße optimal vermarkten zu können. Wie eingangs ausgeführt, würde damit erstmals einer der wichtigen Bauten im Kranz der modernen Kirchenbauten in Lindenthal verloren gegeben werden. Noch dazu der Bau eines Ordens, dessen segensreiches Wirken durch die von allen begrüßten gesellschaftlichen Veränderungen, die keine „gefallenen Mädchen“ mehr kennt, heute nicht mehr benötigt wird. Die Kirche ist also auch ein Denkmal dieses sozialen Fortschritts. Zusätzlich ist mit der Neunutzung durch die Syrisch-Orthodoxe Gemeinde, deren liturgisch bedingte Änderungen den ursprünglichen Zusammenhang ohne Probleme kenntlich lassen, ein nun seit Jahrzehnten geprägter optimaler christlicher Ort geworden, der längst seine eigenen Traditionen entwickelt hat und vielen aus ihrer angestammten Heimat ins liberale Köln als Gastarbeiter oder Flüchtlinge Gekommenen neue Heimat wurde. Prof. Dr. Hiltrud Kier November 2021
Gemeinsamer Antrag von Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, CDU-Fraktion, SPD-Fraktion,
2635 Zeichen
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
CDU-Fraktion
SPD-Fraktion
Gerd Kaspar/FDP
Lothar Müller/Die Linke
In der Bezirksvertretung Lindenthal
Klettenberg Sülz Lindenthal Braunsfeld Müngersdorf Junkersdorf Marsdorf W eiden
Lövenich Widdersdorf
Frau Bezirksbürgermeisterin
Cornelia Weitekamp
Frau Oberbürgermeisterin
Henriette Reker Köln, den 22. November 2021
Betreff: Denkmalschutz für die ehemalige Klosterkirche ZUM GUTEN HIRTEN
Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin,
sehr geehrte Oberbürgermeisterin,
wir bitten Sie, folgenden Antrag der Bezirksvertretung Lindenthal auf die Tagesordnung
der nächsten Sitzung am 6.Dezember 2021 zu setzen:
Die Bezirksvertretung bittet, die 1962-1964 von FRITZ SCHALLER gebaute
ehemalige Klosterkirche ZUM GUTEN HIRTEN in Köln Lindenthal, Klosterstraße
79 unter DENKMALSCHUTZ zu stellen.
Begründung:
Diese Kirche gehört zu einem Kranz überregional bekannter, moderner Kirchen
im Stadtteil Lindenthal mit besonders qualitätvoller Architektur, der in seiner
GESAMTHEIT ( es handelt sich um 9 Kirchenbauten) erhalten werden muss.
Leider wurden Kirchen ausgenommen, als Bauten der fünfziger Jahre unter
Denkmalschutz gestellt wurden. Man glaubte, dass sie ein unantastbares, ewiges
,Leberecht’ haben.
Hier wirkte segensreich ein Orden, der in damaliger Zeit den sogenannten
,gefallenen’ und damit ausgegrenzten Mädchen ein Zuhause, Ausbildung und die
Chance auf ein selbstbestimmtes Leben gab.
Diese Saalkirche ist ein architektonisches Highlight, das Zelt Gottes darstellend. In
ihrer Grundstruktur ist sie mit einem Schwesternschiff und einer Krypta erhalten.
Ebenso schützenswert wie das Gebäude sind die in allen Teilen vorhandenen
umlaufenden Fensterbänder mit dem außerordentlichen Glasfensterzyklus von
FRANZ PAULI. Auch im Schwesternschiff existieren die Fensterbänder mit großer
Aussagekraft, sowie in der Krypta und in der Sakristei. In letzterer befindet sich
ein Selbstporträt Paulis.
Diese Kirche ist also auch ein Denkmal des sozialen Fortschritts.
Die Schutzwürdigkeit der Kirche ergibt sich auch aus der fachlichen
Stellungnahme der Frau Prof. Dr. Hiltrud Kier (Anhang).
gez. Ute Ackermann gez. Svenja Führer
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen CDU-Fraktion
gez. Friedhelm Hilgers
SPD-Fraktion
gez. Gerd Kaspar gez. Lothar Müller
FDP Die Linke
Sachstandsbericht BV
1314 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
VI/48
Vorlagen-Nummer
AN/0050/2022
Stand: 10.07.2023
Sachstandsbericht
Klosterkirche "Zum guten Hirten"
Gemeinsamer Antrag von Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, CDU-Fraktion, SPD-
Fraktion,
Gerd Kaspar/FDP und Lothar Müller/Die LinkeBeschluss:
Die Bezirksvertretung bittet, die 1962-1964 von FRITZ SCHALLER gebaute ehemalige Klosterkir-
che ZUM GUTEN HIRTEN in Köln Lindenthal, Klosterstraße 79 unter DENKMALSCHUTZ zu stel-
len.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
In den Jahren 2015 – 2017 wurde im Rahmen der Sichtung aller Kölner Nachkriegskirchen
der 60er und 70er Jahre, die noch nicht in die Denkmalliste eingetragen wurden, eine wissen-
schaftliche Prüfung und Besichtigung auf ihren Denkmalwert hin vorgenommen. Hierbei wurde
auch die Klosterkirche ‚Zum guten Hirten‘ überprüft. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass der
Kirche keine Denkmaleigenschaft zukommt. Daher ist die Voraussetzung für eine Unter-
schutzstellung gemäß § 2 DSchG NRW nicht gegeben. Das Amt für Denkmalschutz und
Denkmalpflege hält abschließend an diesem Untersuchungsergebnis fest (siehe Mitteilung
vom 08.06.2022 an die Bezirksvertretung Lindenthal).
Nächste Schritte:
keine
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
entfällt
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0050/2022
- Typ
- Antrag nach § 3 der GeschO des Rates
- Datum
- 11.01.2022
- Erstellt
- 11.01.2022 11:08