V/0791/2008
Zweiter Bericht Familienbildungsstätten in Münster, 2008
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Anlage - Kurzprofile
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Volkshochschule Anlage Grundsätzliches/Historie Arbeitsschwerpunkte Kurzprofil Stellen- und Zahlenumfang Unabhängig von der Förderung durch das SGB VIII bietet die Volkshochschule im Rahmen des Gesamtangebots auch Veranstaltungen zur El- tern- und Familienbildung an. Im Fokus ihrer Bildungsarbeit steht dabei in erster Linie der er- wachsene Teilnehmer / die erwachsene Teil- nehmerin. Die meisten Bildungsangebote in die- sem Segment werden gemeinsam für Eltern mit Kindern angeboten. Die Eltern-und Familienbil- dung gehört seit 30 Jahren zum festen Bil- dungsprogramm der Volkshochschule. Grundlage der Weiterbildungsangebote der Volkshochschule der Stadt Münster ist das nord- rhein-westfälische Weiterbildungsgesetz aus dem Jahre 2000. Analog zum in § 3 formulierten Ge- setzesauftrag gliedert sich die Angebotsstruktur der städtischen Volkshochschule in sieben Pro- grammbereiche: 1. Gesellschaft, Politik, Geschichte 2. Erziehung, Familie, Älterwerden 3. Gesundheit 4. Sprachen und Länder 5. Beruf und Wirtschaft 6. Medien und EDV 7. Kulturelle Bildung Das Angebot der Volkshochschule richtet sich grundsätzlich an alle erwachsenen Bür- gerinnen und Bürger in der Stadt. Zielgrup- penspezifische Angebote für Jugendliche, Eltern, Familien und Senioren oder auch Qualifizierungsangebote für pädagogische Fachkräfte finden sich in allen Programmbe- reichen der Volkshochschule wieder. Veran- staltungen zur Eltern- und Familienbildung werden jedoch schwerpunktmäßig im Fach- bereich "Erziehung, Familien, Älterwerden" angeboten. Das Gesamtvolumen der durchgeführten Unterrichtsstunden der Volks- hochschule betrug im Jahr 2007 einschließlich drittmittelfinanzierter Qualifizierungsprojekte und Bildungsmaßnahmen auf Bestellung (Fir- menschulungen) 47.000 Unterrichtsstunden. Auf den Bereich der El- ternbildung einschl. der Eltern-Kind-Angebote der VHS entfielen etwa 2.500 Unterrichtsstunden. Dieses Angebot wird sowohl in der Innen- stadt als auch im Stadtteil Hiltrup durchgeführt – zukünftig in Kooperati- on mit dem Krankenhaus Herz-Jesu. Hierbei wurden in 2007 etwa 850 Familien erreicht. Die Qualifizierungsmaßnahmen für pädagogische Fachkräfte (z.B. Montessori-Lehrgang, Ausbildung zu PEKiP- Gruppenleitung, Qualifikation als Tagesmutter) sind in den o.g. Unter- richtsstunden nicht enthalten. Die Landesförderung nach WBG sieht keine explizite Förderung des Themenfeldes "Familienbildung" vor. Die Landeszuweisungen für das hauptamtliche pädagogische Personal umfasst das gesamte Aufgabenspektrum. Nach der derzeitigen Arbeits- verteilung entfallen etwa 10 Wochen-Arbeitsstunden der pädagogi- schen Fachbereichsleitung auf den Bereich der Familienbildung. Anna-Krückmann-Haus Anlage Grundsätzliches/Historie Arbeitsschwerpunkte Kurzprofil Stellen- u. Zahlenumfang Aktuelle Entwicklung Das Anna-Krückmann-Haus ist eine überparteiliche und über- konfessionelle Einrichtung der Familienbildung mit jahrelanger Erfahrung. Es wurde 1957 von verschiedenen Frauenverbän- den gegründet, die auch heute neben Einzelpersonen Mitglie- der in dem unabhängigen Trä- gerverein Anna-Krückmann- Haus e. V. sind: Deutscher Hausfrauen-Bund Münster, Deutscher Frauenring, Frauengruppe verdi, Westfä- lisch-Lippischer- Landfrauenverband u. a. m. Der Name verweist auf Anna- Krückmann (1868-1955), die schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Stadt- verordnete in Münster war und innovative Frauenarbeit initiierte, z.B. Budgetberatungen, Grün- dung des ersten second-hand- Ladens. Die Familienbildungsstätte ist Mitglied im Paritätischen Wohl- fahrtsverband. Die Angebote der Eltern- und Familienbildung (incl. der Vorbe- reitung auf die Geburt und El- ternschaft) sind Schwerpunkt der Arbeit. Besonders vielfältig sind unsere Angebote für Familien mit Babys und kleinen Kindern Unsere pä- dagogische Elternbildung trägt dazu bei, dass das Leben von Erwachsenen und Kindern in Familie und Partnerschaft gelingt Wir fördern die Alltags- und Er- ziehungskompetenz der Eltern über eine ressourcenorientierte Stärkung des Selbstwertgefühls. Auf diese Weise unterstützen wir positive Entwicklungen in der Eltern-Kind-Bindung. Neben der Elternbildung ist die Gesundheits- und Ernährungs- bildung weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Gesundheitsför- derliches Ver-halten wird über Nachahmung früh in der Familie gelernt. Weitere Bildungsbereiche: • Fremde Sprachen lernen • Beruf und Weiterbildung • Kreativ sein Wir wenden uns mit unserer Bildungsarbeit an Frauen und Männer aller Nationalitäten und Schichten. Wir sprechen die Menschen um- fassend an, zur Förderung ihrer praktisch-manuellen, ihrer kogniti- ven und ihrer emotionalen Fähigkeiten. Denn lebendiges Lernen ist ganzheitlich und bezieht den Menschen in all seinen Facetten ein: Erleben und Erfahren, Begegnen und Bilden sind Entwicklungsprozesse, die untrennbar zusammenhän- gen. Das Anna-Krückmann-Haus liegt mit seinem eigenen Haus mitten im Ostviertel und zeichnet sich so durch eine gute Sozialraumnähe aus. Die Teilnehmer/innen treffen auf eine freundliche und einladende Atmosphäre – das Haus ist offen für alle. Durch die guten Erfahrungen im Ostviertel ist es ein Grundprinzip unserer Arbeit geworden, mit der Familienbildung zu den Menschen zu gehen - dorthin, wo sie wohnen. Deshalb haben wir eine Außen- stelle im städtischen Begegnungszentrum Meerwiese und bieten Elternbildungskurse im Süden Münsters an. (im Clemenshospital, Begegnungszentrum 37° ). Darüber hinaus führen wir Kurse in eini- gen Schulen durch. Aktuelle Zahlen: • vier hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter/innen in Teilzeit: 1 Dipl. Pädagogin 28,88 Std., 1 Dipl. Sozialppädagogin 28.88 Std., 1 Erzieherin 28,88 Std., 1 Dipl. Oecotrophologin 31 Std. = insge- samt 118,64 Stunden. • In 2007 führten wir 580 Veranstaltungen mit 9.265 Unterrichts- stunden für 5.662 Teilnehmende und 2.585 Kinder durch. • Die Zahl der freien Mitarbeiter/innen betrug ca. 1 80 Fachkräfte. Wir kooperieren mit Schulen, um niedrigschwellige Familien- bildung zu realisieren, z.B. Se- minarprojekt: ‚Kinder-kriegen statt Lehrstelle !? Ein Kurs zur Schwangerschafts-prävention‘. In vier Familienzentren sorgen wir mit für gelingende Rahmen- bedingungen von Eltern- bildungsarbeit und halten ein für die einzelne KiTa maßge- schneidertes Angebot vor: FZ Hiltrup-West, FZ Heilig- Geist, FZ AWO FZ Coerde, KiTa Rumphorst. ‚Sure Start‘ ist ein besonderes Projekt der Elternbildung, das wir konzeptionell gemeinsam mit dem Haus der Familie ent- wickelt haben und in Kooperati- on durchgeführt wird: die Baby- Spiel-Stunde für bildungs- und wirtschaftlich arme Mütter in Coerde und Gievenbeck. Methodisch gehen wir hier ganz neue Wege, um diese Ziel- gruppe ressourcenorientiert zu stärken und zu bilden. In beiden Stadtteilen arbeiten wir vernetzt mit anderen sozia- len Unterstützungssytemen. asb – arbeitskreis soziale bildung und beratung e. V. Anlage Grundsätzliches/Historie Arbeitsschwerpunkte Kurzprofil Stellen- und Zahlenumfang Aktuelle Entwicklung Der asb – arbeitskreis sozi- ale bildung und beratung e.V. ist seit 28 Jahren Trä- ger von zwei durch das Land NRW anerkannten Bildungswerken, der asb- Familienbildung und der asb-Erwachsenenbildung. Wir arbeiten in den Berei- chen der Familienbildung, der Gesundheitsbildung, der Gewaltprävention sowie der kulturellen, politischen und berufsbezogenen Bil- dung. Im Folgenden werden nur die Leistungen der Familienbildung beschrieben. Im Bereich der Familienseminare als ein Arbeitsschwerpunkt haben wir in 2007 mit etwa 1.000 Er- wachsenen und 700 Kindern etwa 5.000 Teilnehmertage zu Themen der Familienbildung durchgeführt. Im Bereich Gewaltprävention und Fortbildungen für Pädagogen er- reichten wir in 2007 im Ustd.- Bereich etwa 2.000 Schüler/-innen, 1.600 Eltern und Pädagogen. Die professionelle Durchführung der gewaltpräventiven Veranstaltun- gen wird von etwa 30 erfahrenen Honorarkräften gewährleistet. Im Oktober 2004 haben wir den „Förderpreis der Deutschen Krimi- nalprävention“ mit unserem Koop- Projekt „Stark im Miteinander N“ gewonnen, im November 2004 zum Thema „Mobbing unter Schü- lern“ ein Buch veröffentlicht. Seit 2006 gibt es eine asb-eigene CD mit gewaltpräventiven Kinderlie- dern. In die Arbeitsschwerpunkte „Gewaltprävention, Kommunikation und Konflikte“ fließen die meisten zeitlichen und finanziellen Res- sourcen. Wir bieten regelmäßig ein- und zweijährige Qualifizie- rungsfortbildungen zum Familien- bildner, Konflikttrainer und Mob- bingbeauftragten an. Wir möchten… • mit unseren Veranstaltungen zum Nachdenken anre- gen, • Raum für Auseinandersetzung mit uns selbst, mit anderen und der uns umgebenden Lebensrealität bie- ten, • Handlungsmöglichkeiten erweitern, • Austausch und Kommunikation ermöglichen, • Spaß und Freude miteinander haben, • neue Erfahrungen eröffnen. Grundlage aller unserer Angebote ist ein ganzheitlicher Lernansatz, der Körper, Geist und Seele anspricht. Um erlebnisorientiertes Arbeiten zu gewährleisten, ist „Me- thodenvielfalt“ ein Markenzeichen unserer Angebote. Prozessorientiertes Arbeiten ermöglicht hierbei den pro- fessionellen Blick auf die individuellen Bedürfnisse und Entwicklungsmöglichkeiten unserer Teilnehmer/-innen. Der asb hat seinen Standort in Münster am Germania Campus (An der Germania Brauerei 1). Zusätzlich arbei- ten wir in etwa 150 Schulen/Kindertages- /Jugendeinrichtungen in und um Münster und ganz NRW und in etwa 8 Tagungshäusern in NRW. Der asb beschäftigt innerhalb der Familienbildung zwei hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter/-innen in Teilzeit (davon eine Leiterin) mit insgesamt 55 Wochenarbeits- stunden und eine pädagogische Fachkraft als Minijob (in der Erwachsenenbildung gibt es ebenfalls eine pädago- gische Mitarbeiterin/Leitung). In 2007 führten wir in der Familienbil- dung/Gewaltprävention ~ 150 Veranstaltungen für ~ 2.800 Erwachsenen und ~ 6.900 Kinder durch. Die Zahl der freien Mitarbeiter/-innen betrug ~ 70 Fachkräfte. (Zu- sätzlich wurden noch 150 Veranstaltungen in der Er- wachsenenbildung in Ustd.-Form durchgeführt.) Durch die wirtschaftliche Lage haben immer weniger Familien die Möglichkeit an einem Seminar außerhalb von Müns- ter in einem Tagungshaus teilzunehmen. Um trotzdem allen Bevölkerungsschich- ten der Stadt unsere pädagogischen Angebote zur Verfügung stellen zu kön- nen, werden immer mehr Seminare in- nerhalb von Münster durchgeführt (siehe „Freunde finden für’s Leben“-Seminare) oder für sozialschwache Familien kosten- los angeboten. Die Gewaltprävention mit der Familien- bildung zu vernetzen, ist uns über die konzeptionelle, vollständige Neuentwick- lung des Mitmachmusicals „Zoff im Mal- kasten“ gelungen. Dieses kindgerechte Projekt mit dafür eigens komponierten und getexteten Liedern für ganze Grund- schulfamilien haben seit der Premiere im Oktober 2007 etwa 2.400 Menschen erleben dürfen. Eine anschließende Leh- rerfortbildung befähigt die Pädagogen die wichtigen Inhalte des Musicals (Toleranz, Andersartigkeit, Respekt, konstruktiver Umgang mit Konflikten) theaterpädago- gisch in den eigenen Klassen umzuset- zen und so eine Nachhaltigkeit dieser brisanten und wesentlichen Themen zu sichern. Aufgrund des innovativen / zukunftsorien- tierten Ansatzes bestehen gute Aussich- ten weitere Preise zu gewinnen: Bewer- bung für „Aktiv für Demokratie und Tole- ranz 2008“ sowie „Zukunftspreis 2008 des IZT (Zukunft der Kinder)" sind ge- stellt. Haus der Familie Münster e. V. Anlage Grundsätzliches/Historie Arbeitsschwerpunkte Kurzprofil Stellen- u. Zahlenumfang Aktuelle Entwicklung Im Jahr 2006 feierte das Haus der Fami- lie sein 50-jähriges Bestehen, 2007 er- folgte der Zusammenschluss mit dem Kath. Bildungswerk zum „Haus der Fa- milie Münster-kath. Bildungsforum im Stadtdekanat Münster e.V.“. Wir sind eine staatlich anerkannte Wei- terbildungseinrichtung in katholischer Trägerschaft in der Stadt Münster mit dem Schwerpunkt der Eltern- und Fami- lienbildung. Dabei gehen wir von einem Familienbegriff aus, der das auf Dauer angelegte, verantwortungsvolle Zusam- menleben von Eltern und anderen Be- zugspersonen mit Kindern beinhaltet. Wir gehen aktiv auf Familien in allen gelebten Formen, Männer und Frauen aller Altersgruppen, Religionen und Na- tionalitäten zu. Wir leisten einen Beitrag zur Stärkung von Familien durch lebensbegleitende und fachlich moderierte Lerngruppen. Die Teilnahme an Kursen, Workshops und Bildungsurlauben ermöglicht einen Zuwachs an Wissen, erweitert soziale Kompetenz und initiiert unterstützende Netzwerke. Wir unterstützen aktiv die Familien- freundlichkeit in den Pfarrgemeinden und setzen uns ein für ihre Verwirkli- chung in Betrieben, bei politischen Ent- scheidungen und im öffentlichen Leben. Arbeitsschwerpunkte - in die derzeitig Energien fließen, - durch die eine spezielle Fachlichkeit vorgehalten wird, - bei denen Konzeptionen erstellt und weiterentwickelt werden, - mit denen einschlägige Kooperationen aufgebaut und realisiert werden. - Kontinuität und Etablierung der El- ternschule Münster (Kooperation mit dem St. Franziskus-Hospital und Lernbereich Erziehung mit 45 % des gesamten Angebo- tes - Stadtteilorientierte Familienbil- dung speziell in Gievenbeck, in verschiedenen Familienzentren, Kindertageseinrichtungen und den Pfarrgemeinden . Qualitätsmanagementprozess mit der Festschreibung von Qualitätspoli- tik, den Qualitätszielen und Stan- darts der Einrichtung und Zertifi- zierung durch den Gütesiegelver- bund Weiterbildung. -Werte-Orientierung Suche der Eltern nach Werten, die die Erziehung prägen, wird auf dem Hintergrund des „christlichen Menschenbildes“ reflektiert und handlungsorientiert umgesetzt. -Familienbildung als Methode in der präventiven Arbeit (sure- start, Gesundes Frühstück, Müt- ter/Väter lernen – Kinder profitie- ren mit Migrant/innen etc.) Das Haus der Familie beschäftigt acht hauptamtliche pädagogische Mitarbei- ter/-innen, zum Teil in Teilzeit, (davon eine Leiterin) mit insgesamt 243 Wo- chenarbeitsstunden. Das Team setzt sich aus einer Dipl. Religionspädago- gin, drei Diplomsozialpädagoginnen einer Religionspädagogin, einer Diplomoecotrophologin, einer Erziehe- rin und einer Schneidermeisterin zu- sammen. In der Verwaltung arbeiten fünf Mitar- beitende mit insgesamt 150 Wochen- stunden, im Hausservice 3 Mitarbei- tende mit insgesamt 63 Wochenstun- den. In 2007 führten wir 1387 Veranstal- tungen mit 21.218 Unterrichtsstunden für 14980 Erwachsene und 2.469 Kinder durch. Die Zahl der freien Mit- arbeiter/-innen betrug ca. 300 Fach- kräfte. Inklusive der Familienbildungsurlaube (Familien, Ein-Eltern-Familien, Groß- eltern-Enkel) leistete das Haus der Familie zusätzlich 273 Teilnehmerta- ge. Dezentral – in den Stadtteilen – fan- den insgesamt 412 Veranstaltungen statt. • Konsolidierung, Fortsetzung und Aufbau von Kooperationen mit Einrichtungen, Institutionen, Unternehmen, um Eltern- und Familienbildung zu verorten und zu vernetzen. (z.B. St. Franziskus-Hospital, Hebammen-Verband NRW., Caritas, Familienzentren, Jugendausbildungs- zentrum JAZ etc.) • Entwicklung von Projekten, um sozial benachteiligten und wirtschaftlich armen Familien durch niederschwellige Ange- bote den Zugang zu Bildungsprozessen zu ermöglichen. - Armutsprävention durch Budgetpla- nung (z.B. Schülerinnen des Anne- Frank-Berufskollegs) - „sure-start“, ein Projekt mit dem Anna- Krückmann-Haus im Rahmen präventiver Maßnah- men in Münster, durch das bildungs- und wirtschaft- lich arme Mütter mit ihren Babys Hilfen zum Aufbau sicherer Bindungen zu ihrem Kind erhalten, so dass dessen positive Entwicklung möglich ist. - Durchführung von Deutschsprach- und Alphabetisierungskursen „Müt- ter/Väter lernen – Kinder profitieren“ in Zusammenarbeit mit Kinderta- geseinrichtungen und Familienzent- ren Eltern nehmen zunehmend schon im 1. Le- bensjahr ihres Kindes Tagesbetreuung in Anspruch, was sich durch die Einführung des Kinderbildungsgesetzes (KiBitz) noch ver- stärken wird. Dies wird Auswirkungen auf die Nachfrage an Familienbildungsangeboten für diese Altergruppe haben. Ev. Familienbildungsstätte Münster Anlage Grundsätzliches/Historie Arbeitsschwerpunkte Kurzprofil Stellen- u. Zahlenumfang Aktuelle Entwicklung Die Ev. Familienbildungsstätte Münster ist hervorgegangen aus der Ev. Mütterschule und verfügt über 48 Jahre Erfahrung in der Familienbildung. Die Ev. Fabi wird getragen vom Ev. Familienbildungswerk Münster e. V. Damit ist die Einrichtung auch als unabhän- gig und nicht als kreiskirchlicher Dienst anzu- sehen. Unser besonderes Augenmerk liegt auf Familien und der gleichberechtigten Par- tizipation behinderter Menschen am Leben. Unsere Angebote sind freiwillig und orientie- ren sich nach dem Prinzip des gegenseitigen Lernens. Dazu möchten wir Raum und Zeit für Erfahrungen, Austausch und Begegnung und qualifizierte Vermittlung von Wissen und Meinungen ermöglichen und Mut zur Verän- derung machen. Die grundsätzlich christlich- evangelische Ausrichtung des Hauses bein- haltet aber ebenso eine Offenheit für alle Menschen, unabhängig vom Alter, Glaube, Kultur oder Nationalität. Die Ev. Familienbildungsstätte befindet sich zentral im Paul-Gerhardt-Haus, 3 Fußminu- ten vom Bahnhof. Ein Großteil der Angebote findet hier statt. Daneben macht die Fabi in vielen Stadtteilen Münsters sowie des Kir- chenkreises Münster ebenfalls Angebote der Familienbildung. Unsere Hauptarbeitsschwerpunkte sind • Angebote für Familien und Ihre Kinder • Fortbildungen • Menschen mit Behinderung bilden sich wei- ter Diese Arbeitsschwerpunkte machen ca. 65-70 % des Programms aus. Die Fabi setzt im ersten Bereich erst nach der Ge- burt an. Diese Angebote umfassen: Eltern-Baby-Gruppen inkl. PeKiP-Gruppen, Eltern- Kind-Gruppen, Wichtelgruppen (Betreuungsgruppen ohne Eltern), thematische Gruppen (Musik für Eltern und Kinder, Bewegungsförderung etc.), Erziehungs- themen, Elterntraining, Ernährungs- und Gesund- heitsthemen bei Kindern... Der zweite Schwerpunkt umfasst inhaltlich die ganze Bandbreite des Lebens. Sie vermitteln Wissen und Erfahrungen durch adressatengerechte Inhalte und Methoden. Die überwiegende Organisationsform dieser Ange- bote sind Kurse, d. h. in der Regel wöchentliche Angebote im Umfang von 1-3 Unterrichtsstunden, sowie Wochenend- oder Tagesseminare in Münster. Über diesen beiden Hauptschwerpunkten hinaus bieten wir Familienbildung in weiteren Themenfel- dern an: • Gesundheit und Körperbewusstsein • Beziehung und Kommunikation • Sprachen und EDV • Angebote für ältere Menschen • Musisch-kulturelle Angebote (z. B. Märchen) Die Familienbildungsstätte kooperiert mit verschie- Die Ev. Fabi beschäftigt 7 päd. Mit- arbeiterInnen im Gesamtumfang von 134,5 Wochenstunden. In den letzten Jahren wurden durch- schnittl. 400 Veranstaltungen und Angebote im Gesamtumfang von ca. 8.500 – 9.000 Ustd. mit durchschn. 5.500 Erwachsene und über 1000 Kindern durchgeführt. Die Tendenz ist seit dem letzten Berichtszeitraum steigend. Die ev. Familienbildungsstätte ist eine konfessionelle Einrich- tung aber formell und inhalt- lich eine selbständige. Der ev. Kirchenkreis Münster ist an der Finanzierung beteiligt hat jedoch im Berichtszeitraum diese Beteiligung mehr als halbiert. Neben den Kürzun- gen des Landes (siehe Pkt. 4 dieses Berichtes) hat diese Kürzung die Ev. Fabi hart getroffen. Trotz dieser großen finanziel- len Schwierigkeiten – die z. T. nur durch Gehaltverzichte aufgefangen werden konnten - hat sich die Ev. Fabi inhalt- lich und im Angebotsumfang aber deutlich weiterentwickelt. denen Partnern vor-Ort. Hierbei sind insbesondere die Partner im Zusammenhang der „Familienzent- ren“ zu benennen. Derzeit sind dies in Münster: Gremmendorf (Janusz-Korzcak-Haus), Roxel (Anne- Jakobi-Haus), Handorf (Familienzentrum Handorf) sowie die Stern-Kindertagesstätte. Die Familienbildungsstätte steht aber auch für ein- zelne herausragende Projekte wie das „Patengroß- eltern-Projekt“ und die jährlichen „Münsterschen Märchenwochen“. Weitere Kooperationspartner finden sich zumeist projektorientiert, so z. B. einzelne Kirchengemein- den, andere Bildungsträger, Ev. Beratungsdienste etc.
Anlage - Bericht Familienbildungsstätten
50866 Zeichen
ZWEITER BERICHT
FAMILIENBILDUNGSSTÄTTEN
IN MÜNSTER
VERÄNDERUNG – ABGRENZUNG - WEITERENTWICKLUNG
2008
Zweiter Bericht
Familienbildungsstätten
in Münster, 2008
Impressum:
Anna-Krückmann-Haus, Frau Buer
asb, Frau Rosenberger
Ev. Familienbildungsstätte, Herr Wiltschut
Haus der Familie, Frau Thier
Stadt Münster - VHS, Frau Viertel
Redaktion:
Stadt Münster - Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien,
Frau Landenberger
September 2008
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Familienbildung 1
1.1 Ausgangspunkt 1
1.2 Familienbildung in Münster 2
2. Schwerpunktthemen der Familienbildungsstätten 5
2.1 Arbeit mit benachteiligten Familien 5
2.1.1 Beispiele von besonderen Projekten 6
2.2 Unterstützungssysteme 7
2.2.1 Beispiele von besonderen Projekten 7
2.3 Familien vor Ort 8
2.3.1 Beispiele von besonderen Projekten 8
2.4 Berufstätige Eltern 9
2.4.1 Beispiele von besonderen Projekten 10
2.5 Prävention 10
2.5.1 Beispiele von besonderen Projekten 11
2.6 Migration 11
2.6.1 Beispiele von besonderen Projekten 12
2.7 Fazit 13
3. Kooperation und Vernetzung der Familienbildungseinrichtungen 14
3.1 Vernetzungs- und Kooperationsfelder der Familie nbildungsstätten 14
3.2 Exemplarische Beschreibung anhand der Familienz entren 15
4. Finanzen 16
4.1 Eigenmittel 17
4.2 Zuwendungen der Stadt Münster 17
4.3 Zuwendungen des Landes NRW 17
4.3.1 WBG-Mittel 17
4.3.2 Ermessensmittel 17
4.3.3 Mittel für Elternkompetenzkurse 18
4.4 Teilnehmer/innen-Gebühren 18
5. Ausblick und Perspektiven 19
Anlage
1
Präambel
Der „Zweite Bericht Familienbildungsstätten in Münster 2008 - Veränderung – Abgrenzung –
Weiterentwicklung“ basiert auf dem ersten Bericht der Familienbildungsstätten in 2005.
Jedoch verrät sein Titel bereits, dass hier nicht n ur Altbewährtes, sondern auch Entwicklung
beschrieben werden soll. Neben einer qualitativen B eschreibung der Schwerpunktthemen
der Familienbildung in Münster und den abgebildeten Berichtszahlen soll dieser Bericht auch
den Anspruch einer Perspektivbeschreibung erfüllen.
1. Familienbildung
1.1 Ausgangslage
Die Familienformen sind mannigfaltig und ihre Stru kturen und familiären Beziehungen unter-
liegen dem gesellschaftlichen Wandel. Dies verlangt eine hohe Anpassungsleistung der ein-
zelnen Familienmitglieder.
Als primäre Lebenswelt von Kindern kommt der Famil ie die Bedeutung der wichtigsten Er-
ziehungs- aber auch Bildungsinstanz zu. Hier wird d ie Basis für grundlegende Kompetenzen
der Kinder geschaffen, sie ist zentraler Ort des Aufwachsens und der Identitätsbildung.
Die gesellschaftlichen Erwartungen an Familie hinsi chtlich der Erziehungs- und Bildungsleis-
tung wächst kontinuierlich und gleichzeitig wird ei n hohes Maß an Flexibilität und Mobilität
von Seiten der Berufswelt formuliert.
Es bedarf somit hoher Kompetenzen in unterschiedlic hen Bereichen zur förderlichen Gestal-
tung familiärer Lebenswelten. Kompetenzen, die Eltern sich häufig aneignen und die gestärkt
werden müssen. Hervorgehoben sei hier die elterlich e Erziehungs- und Fürsorgekompetenz,
die Beziehungskompetenz und Alltagskompetenz. Hinzu kommt nicht minder bedeutend die
Bildungskompetenz, denn in der Fachwelt ist unumstr itten, dass die Familie entscheidende
Weichen für den weiteren Bildungserfolg der Kinder stellt.
Familienbildung begleitet und unterstützt Familien in allen Lebensphasen, wobei sie sich am
wandelnden Unterstützungsbedarf von Familien orientieren muss.
Generell präventiv zu wirken - durch Stärkung und E ntwicklung der bereits erwähnten Kom-
petenzen - lässt sich als Leitgedanke der Familienb ildung beschreiben. Ihre gesetzliche
Verankerung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe findet sie in § 16 SGB VIII.
Nach wie vor hat das Selbstverständnis der Familien bildung - frühzeitige Wissensvermittlung
über familiäre Belange und Förderung der Entwicklun g von Handlungskompetenz - Gültig-
keit.
Familienbildung begleitet und unterstützt Erziehun gsverantwortliche frühzeitig in ihren
unterschiedlichen Lebenslagen, stärkt deren Ressour cen zur Gestaltung des Famili-
enlebens und der Erziehung von Kindern.
Familienbildung agiert in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen mit dem Ziel, ein
kinder- und familienfreundliches Umfeld zu schaffen.
Familienbildung ist aus dem Blickwinkel der Jugend hilfe Lebensphase begleitend, all-
tagsorientiert und präventiv angelegt.
2
Familienbildung berücksichtigt den Wandel gesellsc haftlicher Entwicklung und die
Lebensbedingungen, dem auch die realen Lebenswelten von Familien unterworfen
sind. Familienbildung stellt sich den aktuellen Pro blemen und Herausforderungen der
Gesellschaft und reagiert hierauf mit aktuellen Angeboten.
Familienbildung gestaltet den Zugang zu ihren Ange boten möglichst niedrigschwellig
und „vor Ort“, um alle Zielgruppen zu erreichen.
Familienbildung vertritt die Interessen von Famili en im gesellschaftlichen Raum, be-
gründet durch die Kenntnisse, die aus der täglichen Arbeit mit Familien erworben
werden.
Familienbildung als integraler Bestandteil der Juge ndhilfe und unverzichtbarer Teil einer
ganzheitlichen Weiterbildung muss, angesichts des d emographischen und gesellschaftlichen
Wandels hinsichtlich ihrer Angebots- aber auch Organisationsstruktur reagieren. Neue inhalt-
liche Akzentuierungen sowie flexible Strukturen der Angebote erscheinen hier notwendig.
Zur Erreichung neuer Zielgruppen müssen Zugänge nie drigschwelliger gestaltet werden,
muss sich Familienbildung stärker im Sozialraum str ukturell verankern, müssen sozial-
räumliche Angebote vorgehalten werden und die Vernetzung mit anderen familienbezogenen
Akteuren forciert werden. Hier bietet u.a. die Koop eration mit Familienzentren eine große
Chance.
Die Berücksichtigung der Lebenssituation berufstäti ger Eltern sowie die interkulturelle Öff-
nung stellen weitere Modifizierungsfelder der Familienbildung dar.
1.2 Familienbildung in Münster
Die Heterogenität der Familienbildung in institutio neller und nicht-institutioneller Form bildet
sich auch in Münster ab. So werden Angebote der Fam ilienbildung von Wohlfahrtsverbän-
den, Kirchengemeinden, Erwachsenenbildungsträgern u nd dem öffentlichen Jugendhilfeträ-
ger erbracht.
Im Schwerpunkt jedoch sind es die folgenden fünf Einrichtungen, die für Angebote der Fami-
lienbildung verantwortlich zeichnen.
Anna-Krückmann-Haus e.V.
arbeitskreis soziale bildung und beratung e.V. (as b)
Ev. Familienbildungsstätte
Haus der Familie Münster–katholisches Bildungsforu m im Stadtdekanat Münster e.V.
Volkshochschule Münster
Allen gemeinsam sind das Selbstverständnis und der Leitgedanke der Familienbildung –
frühzeitig Wissen rund um Familie und Erziehung ver mitteln sowie Handlungs- und Bewälti-
gungskompetenzen in den Familien entwickeln und somit generell präventiv zu wirken.
Durch unterschiedliche Ausrichtung und spezielle Sc hwerpunktsetzung der einzelnen Ein-
richtungen wird neben dem Wunsch- und Wahlrecht der Eltern auch dem umfassenden An-
forderungsprofil der Familienbildung in Münster Rec hnung getragen. Detailliert wird dies in
der Anlage „Profile der Familienbildungseinrichtungen in Münster“ aufgezeigt.
Vor nunmehr 10 Jahren wurden verbindliche Grundsätz e für die Zusammenarbeit zwischen
dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien und den vom Land geförderten und anerkann-
ten Familienbildungsstätten in Münster mit der Vorlage „Kommunale Förderung der
3
Familienbildungsstätten in Münster“ (Vorlagen-Nr.: 989/98) durch den Rat beschlossen.
Diese beinhalteten ebenso Regelungen zum Leistungsa ngebot der Familienbildungsstätten,
welches die folgenden elf Leistungsgruppen umfasst.
Angebote der Beziehungsgestaltung mit ihren Anford erungen an Kommunikation,
Kooperations- und Konfliktfähigkeit,
Angebote zur Förderung der Vereinbarkeit von Famil ie und Beruf,
Angebote zum Erziehungsverhalten,
Angebote zu Fragen der Ernährung, Gesundheit und U mwelt,
Angebote zu Fragen der Haushaltsführung, Gestaltun g und Kreativität,
Förderung der Selbst- und Nachbarschaftshilfe,
Vorbereitung auf das Familienleben,
Angebote zur Kooperation und Vernetzung,
Angebote zur Förderung der politischen Beteiligung von Familien sowie
Angebote zur Qualifizierung und Fortbildung von Mi tarbeiter/innen und Multiplika-
tor/innen.
Bei Betrachtung der grundsätzlichen Ziele von Familienbildung 1 - Stärkung und Entwicklung
der elterlichen Erziehungskompetenz,
der Beziehungskompetenz,
der Alltagskompetenz,
der Mitgestaltungs- und Partizipationskompetenz zu r Mitarbeit in Form der Selbst-
und Nachbarschaftshilfe,
der Medienkompetenz,
Gesundheitskompetenz sowie
der Kompetenz einer adäquaten Freizeit- und Erholu ngsgestaltung,
kann ihre Entsprechung in den elf vereinbarten Leistungsgruppen der Familienbildung in
Münster gefunden werden.
In Münster lebten in 2007 in 25.912 Haushalten (von 146.489 Haushalten) insgesamt 43.721
Kinder und Jugendliche. Insbesondere Familien mit K indern, die jünger als sechs Jahre alt
sind, nutzen die Angebote der Familienbildung. Die Anzahl der Kinder unter sechs Jahre lag
bei 14.098 Kindern, dies entspricht einem Anteil v on 32 %. Im Vergleich zu 2004 ist hier ein
Rückgang um 626 Kinder festzustellen; bei den Kinde rn und Jugendlichen insgesamt um-
fasst der Rückgang zu 2004 einen Wert von 663.
Der Anteil der ausländischen Kinder und Jugendliche betrug in 2007 in Münster 7 % und der
Anteil der ausländischen Kinder unter sechs Jahre 6 % der jeweiligen Gesamtanzahl.
Die vier Familienbildungsstätten beschäftigten in 2 007 in Stellenäquivalenten 14,73 haupt-
amtliche pädagogische Mitarbeiter/innen und 10,92 n icht pädagogische hauptamtliche Mitar-
beiter/innen,
1 Vgl.: NDV, Mai 2007, Bestandsaufnahme und Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Weiterentwicklung
der Familienbildung, S.167.
4
sowie ca. 625 Honorarkräfte 2. Der Gesamtumsatz der Familienbildungsstätten betrug in 2007
ca. 2,5 Mio. €.
Die nachfolgende Graphik zeigt die Anzahl der Teilnehmer/innen in 2007 auf und verdeutlicht
die Entwicklung zum Jahr 2004.
Anzahl der von den Angeboten der Familienbildungsst ätten
partizipierenden Menschen
Teilnehmer/innen
insgesamt
Teilnehmer/innen
insgesamt
Anzahl der
Erwachsenen
Anzahl der
Erwachsenen
Anzahl der
Kinder Anzahl der
Kinder
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
35000
40000
45000
2004 2007
So konnte die Anzahl der Teilnehmer/innen insgesamt um 7.529 auf 41.864 in diesen drei
Jahren gesteigert werden. Dies entspricht einem prozentualen Anstieg von ca. 22 %.
Die Anzahl der Teilnehmer/innen der VHS sind hier nicht enthalten. Sie belaufen sich auf
900 Erwachsene und 800 Kinder.
Das Forum für konstruktive Qualitätsdialoge zwische n den Familienbildungsstätten in Müns-
ter untereinander sowie dem Amt für Kinder, Jugendl iche und Familien ist der regelmäßig
stattfindende Qualitätszirkel Familienbildungsstätt en in Federführung des Amtes. So werden
in diesem Gremium Themen erörtert und bearbeitet, d ie starke Relevanz hinsichtlich des
Anforderungsprofils einer modernen Familienbildung haben.
2 Die praktische Familienbildungsarbeit wird zu 98 % von freien Honorarkräften durchgeführt. Hier sind
unterschiedliche Professionen aus den Fachrichtunge n Pädagogik, Psychologie und Medizin vertre-
ten. Sie leisten hochqualifizierte Weiterbildungsarbeit für ein vergleichbar geringes Entgelt. Der Regel-
satz zur „Vergütung“, der Vorbereitung, Durchführun g, Nachbereitung, ggf. Fahrtkosten sowie Teil-
nahme an Fachkonferenzen und Weiterbildung enthält, beträgt 13 € pro Unterrichtsstunde. Qualifizier-
te Honorarkräfte sind daher schwer zu akquirieren u nd ebenso schwer zu halten. Letzteres verlangt
eine umfangreiche Beratung/Betreuung der Honorarkrä fte von Seiten der hauptamtlichen Mitarbei-
ter/innen, um durch den persönlichen Kontakt, entsp annter Arbeitsatmosphäre, guten Arbeitsbedin-
gungen in den Kursräumen sowie fachlicher Unterstüt zung und kostenloser Weiterbildung dennoch
einen Anreiz für diese Arbeit zu schaffen.
5
2. Schwerpunktthemen der Familienbildungsstätten
Die Arbeit der Familienbildungsstätten vollzieht si ch in Arbeitsfeldern, die den bestehenden
elf Leistungsgruppen zugeordnet sind. Folgende Arbeitsfelder sind hier zu nennen:
Angebote zur Elternbildung
Angebote zur Vorbereitung auf Geburt und Familie
Angebote für besondere Zielgruppen
Angebote im Rahmen von Stadtteilarbeit
Mehrtätige Angebote
Angebote zu speziellen gesellschaftlichen und sozi alen Themen
Angebote zur Fortbildung und Qualifizierung
Allen Arbeitsfeldern liegen die - bereits erläutert en - grundsätzlichen Ziele der Familienbil-
dung zugrunde.
Im Rahmen des Qualitätszirkels Familienbildungsstät ten konnten die Einrichtungen folgende
Schwerpunktthemen benennen:
Arbeit mit benachteiligten Familien
Familien vor Ort
Unterstützungssysteme
Prävention
Bedarfe berufstätiger Eltern
Migration
Im Folgenden werden die prägnanten Entwicklungen dieser Schwerpunktthemen dargestellt.
2.1 Arbeit mit benachteiligten Familien
Familienbildungsarbeit spricht mit ihren Angeboten Familien in allen gelebten Formen und
Lebenssituationen an. Der Zugang zu den Angeboten g estaltet sich offen. Familienbildung
richtet sich damit konzeptionell an Familien aller Schichten und Nationalitäten.
Familienbildung wird zu ca. 30% öffentlich geförder t (Land /Kommune). Daraus ergeben sich
konkrete Zugangsvoraussetzungen. Von Bedeutung sind hier, dass die Interessenten für die
Teilnahme selbständig aktiv werden (Kommstruktur) u nd eine Teilnahmegebühr entrichten
müssen. Benachteiligte Familien schaffen es deshalb in der Regel nicht teilzunehmen. Daher
werden besondere, niedrigschwellige Projekte durch Pauschalzuschüsse finanziert.
Mit den traditionellen Formen der Öffentlichkeitsarbeit lassen sich benachteiligte Familien nur
schwer erreichen, so dass hier nach neuen, alternat iven und unkonventionellen Formen ge-
sucht werden muss.
Für diese Zielgruppen müssen die Familienbildungsst ätten spezielle Angebotsfor-
men/Formate entwickeln:
die Angebote müssen direkt im Sozialraum stattfind en, am besten in Räumlichkeiten,
die der Zielgruppe schon bekannt sind wie z.B. Stad tteiltreffs, Räume von Woh-
nungsbaugesellschaften, Kitas, etc.,
die Teilnahme muss kostenlos sein,
6
der Nutzen des Angebotes muss unmittelbar in der A usschreibung ersichtlich und
einfach verstehbar sein,
das Angebot muss in eine Gehstruktur eingebunden s ein, d.h. die Familienbildungs-
stätten müssen sich vernetzen, um die Zielgruppe di rekt persönlich zur Teilnahme
anzuregen über ‚Kernpersonen‘, wie z.B. Erzieherinnen in Kitas, Mitarbeitende der
Stadtteilbüros, des Kommunalen Sozialdienstes oder freier Träger, Hebammen, Kin-
der-/ FrauenärztInnen u.a.m.
Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, nehmen auch benachteiligte Familien Familien-
bildung in Anspruch. Dafür sind passgenau entwickelte Methoden Grundvoraussetzung.
2.1.1. Beispiele von besonderen Projekten:
Deutsch lernen mit allen Sinnen
Kennen lernen der deutschen Sprache und Kultur durc h Einbeziehung von Alltags-
erfahrungen und Erziehungsthemen der Frauen. Mit Hi lfe von Rollenspielen und Wort-
schatzübungen: werden Alltagsthemen der Frauen aus Kindergarten, Schule, Umgang mit
Behörden oder Banken behandelt. Gemeinsame Aktivitä ten wie Lebensmittel einkaufen und
zubereiten, Verfassen von kurzen Briefen, Erlernen von Liedern und Fingerspiele begleitend
zu Kindergarten und Schule runden das ganzheitliche Lernen ab.
Niedrigschwellige, integrative Maßnahme für ausländ ische Frauen mit schlechten Deutsch-
kenntnissen im Rahmen des Familienzentrums Hiltrup-West.
(Anna-Krückmann-Haus)
Kostenfreie Familienseminare
In Kooperation mit dem Emshof Münster werden für „G eringverdienende“ kostenfreie Natur-
Seminare für die ganze Familie auf dem Emshof Münst er angeboten. Lediglich die Bio-
Lebensmittelkosten werden umgelegt.
Wichtig ist es dabei, dass benachteiligte Familien nicht von allen kulturellen und sozialen
Aktivitäten ausgeschlossen werden. Die Kosten diese r Seminare werden vom Träger über-
nommen.
(arbeitskreis soziale bildung und beratung)
Geburtsvorbereitung für Frauen
Geburtsvorbereitung für Frauen als niederschwellige s Angebot in Kooperation mit der
Schwangerenberatung des Sozialdienst Katholischer Frauen. Gezielt werden in der Beratung
Frauen angesprochen, die einen anderen Geburtsvorbe reitungskurs nicht besuchen würden
(sehr junge oder/und bildungsungewohnte Frauen bzw. mit Migrationsvorgeschichte) und in
den Kurs vermittelt. Konkrete Fragestellungen zu Sc hwangerschaft, Geburt und dem Leben
mit Kind werden im alltagsnahen Praxisbezug anschaulich beanwortet.
(Haus der Familie Münster)
Zwischen Schule und Beruf
Projekt für junge Erwachsene und Jugendliche mit geistiger Behinderung.
In diesem Projekt ist es Ziel, die Jugendlichen mit geistiger Behinderung sowie ihre Familien
im Übergang zwischen Schule und Beruf zu begleiten und zu unterstützen.
(evangelische Familienbildungsstätte)
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2.2 Unterstützungssysteme
Angebote der Familienbildung haben immer den Anspru ch, das System Familie zu stützen
und zu unterstützen. Im Rahmen der Familienbildungs arbeit gilt es, im Sinne der Förderung,
Begleitung und Unterstützung von Familien, ein Netz mit tragenden, angepassten und sich
anpassenden Angeboten sicherzustellen. Hier sind Fa milienbildungseinrichtungen gefragt,
sich zu vernetzen, ihr Kerngeschäft sicherzustellen und Grenzbereiche in der Angebotspalet-
te mit anderen Anbietern auszuloten. Zu erwähnen si nd die Vernetzungen in den Stadtteilen,
Mitarbeit in den Stadtteilkonferenzen/-arbeitskreis en, Vernetzung in lokalen Projekten oder
der Kooperationsaufbau zur Entwicklung der Familienzentren.
Darüber hinaus ermöglicht Familienbildung den Famil ien, selbständig Unterstützungssyste-
me / Netzwerke aufzubauen, um den individuellen Alltag zu meistern.
Fortbildung für Pädagogen/innen, die dicht mit den Familien arbeiten, gehören zum Reper-
toire von Familienbildungsstätten und qualifizieren so andere Unterstützungssysteme für die
Familien.
2.2.1. Beispiele von besonderen Projekten:
Mit allen Sinnen spielen – Gruppen für Eltern und Kinder von 1 – 3 Jahren
Alltagsbegleitende Gruppenarbeit zur gemeinsamen Sp ielzeit von Eltern und Kindern, auf
Wunsch über einen längeren Zeitraum zum Aufbau von neuen sozialen Netzen der Eltern
untereinander. Die gemeinsamen Erlebnisse beim Sing en, Spielen, Bewegen und die mit-
einander verbrachte Zeit wirken sich positiv auf di e Entwicklung der Kinder und das Mitein-
ander in der Familie aus.
Kursbegleitende Gesprächsabende für die Eltern zu i hren individuellen Fragen rund um Er-
ziehung und Leben mit Kindern gehören zum Kurskonzept.
(Anna-Krückmann-Haus)
Qualifizierung zum/r Familienbildner/in und –berater/in
Diese Fortbildungsreihe ist als eine berufs- und st udienbegleitende Qualifizierungs-
maßnahme konzipiert, die über zwölf Monate hinweg E rzieher/innen, Sozial- / Heil-
Pädagog/innen (z.B. aus Kindertageseinrichtungen, F amilienzentren, Weiterbildungs-
einrichtungen oder Schulen) mit Zertifikat weiterbildet.
Das Ziel der Fortbildung ist es, die Teilnehmer/inn en zu befähigen, Familien pädagogisch zu
begleiten und nachhaltig zu unterstützen.
(arbeitskreis soziale bildung und beratung)
Zeit schenken: Seniorenbegleiter/in - eine Hinführung zum Ehrenamt
Ehrenamtliche Mitarbeiter/innen, die stundenweise in Seniorenheimen, Stadtteilinitiativen,
Kirchengemeinden und Krankenhäusern tätig sind, erh alten eine fundierte Ausbildung, um
Senioren zu begleiten und Anteil an ihrem Leben zu nehmen.
Inhalte: u.a. rechtliche Grundlagen, Alterserkranku ngen und die psychosozialen Auswirkun-
gen auf die Betroffenen, Netzwerke in der Stadt Münster.
Ein kursbegleitendes Praktikum absolvieren die Teil nehmer/innen u.a. bei den 5 Kooperati-
onspartnern, um einen Einblick in ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld zu erlangen
(Haus der Familie Münster)
FuN-Baby
Zielgruppe: junge Erwachsene als ledige Eltern - ei ne Kooperation mit dem Diakonissen-
Mutterhaus. FuN ist ein aktions- und kommunikations orientiertes Konzept, mit dessen Hilfe
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die beteiligten Eltern und Kinder gemeinsam, aber i n Teilen auch getrennt, auf spielerische
Art lernen, besser mit einander zu kommunizieren un d Spielregeln der Familie zu erkennen
und zu gestalten. Das Konzept bezieht bewusst alle Mitglieder der Familie ein, z. B. auch
Geschwisterkinder.
(evangelische Familienbildungsstätte)
2.3 Familien vor Ort
Familienbildungsarbeit zeichnet sich dadurch aus, d ass in speziell für familiäre Bedarfe aus-
gestatteten Räumen ein hochqualifiziertes Angebot v orgehalten wird. Dies geschieht in
Münster zum einen in den eigenen zentral gelegenen Häusern. Das Angebot ist in dieser
bewährten Form für viele Familien unverzichtbar.
Daneben gibt es verstärkt die Angebote für Familien vor Ort, das heißt im Sozialraum, dort
wo die Menschen leben.
Die Familienbildungsstätten vernetzen sich in den S tadtteilen mit: Kirchengemeinden, kom-
munalen Stadtteilhäusern, KiTas, Schulen oder weite ren sozialen Einrichtungen. (siehe
Schaubild S.14). In allen Fällen werden Räumlichkei ten zur Verfügung gestellt, die die Fami-
lienbildungsstätten ihrerseits mit der spezifischen Ausstattung für ihre Angebote versehen.
Das breite Angebot zur Stärkung der Erziehungskompe tenz wird an allen Standorten vor-
gehalten. Oft finden ergänzend Kurse der Gesundheit sförderung oder weitere Bildungsver-
anstaltungen statt. Die konkrete Planung und Realis ierung wird an den regionalen Bedarfen
orientiert. Familienbildung muss zu Fuß oder per Fahrrad in Münster erreichbar sein.
Dies belegte schon vor neun Jahren eine Befragung, die von der Kath. Fachhochschule in
einer Familienbildungsstätte in Münster durchgeführ t wurde. Sie kam zu dem Ergebnis, dass
Familien, die gemeinsam mit ihren Kindern an den An geboten teilnehmen, max. bis zu 2 – 3
km vom Veranstaltungsort entfernt wohnen.
Die Öffentlichkeitsarbeit findet direkt im Stadttei l statt – in Kooperation mit anderen sozialen
Einrichtungen, Ärzten oder Geschäften.
2.3.1. Beispiele von besonderen Projekten:
Außenstelle im BGZ Meerwiese
Wir bieten hier das breite Angebot der Eltern- und Gesundheitsbildung an, das die Bür-
ger/innen des Stadtteils zahlreich wahrnehmen. Sie nutzen es, um eigene neue soziale Net-
ze/Nachbarschaften aufzubauen und sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen.
Unsere Arbeit ist im Begegnungszentrum Meerwiese fe st verankert über die verbindliche
Mitarbeit der Fachbereichsleiterin im Hausteam. Dar über hinaus vernetzen wir unsere Arbeit
über die Mitarbeit im Stadtteilarbeitskreis Coerde, bei den komplementären Diensten der
AWO sowie beim Präventionsprojekt Coerde. So werden niederschwellige Zugänge für bil-
dungsungewohnte Teilnehmende ermöglicht.
(Anna-Krückmann-Haus)
Elternabende an der Schule
Bei guter Vernetzung mit den Schulen/Kitas werden v iele Familien in dem Sozialraum er-
reicht, in dem sie auch leben. Die Fußnähe zur Schu le/Kita der Kinder garantiert bei Eltern-
abenden eine starke Beteiligung der Eltern. Pädagog ische Elternabende an der Schule des
Kindes mit bis zu 150 Personen sind keine Seltenhei t. Denn der zeitliche Aufwand, den Ort
zu erreichen, ist gering und über den pädagogischen Elternabend hinaus besteht bei den
meisten Eltern ein weitergehendes Interesse an Kont akt und Kommunikation durch die Tat-
sache, dass das Kind auch zukünftig in der Einrichtung lebt und lernt.
(arbeitskreis soziale bildung und beratung)
9
Angebote in Münster Gievenbeck
Die Angebote finden statt mit der Zielsetzung der sozialen Vernetzung. Das Haus der Familie
ist als Träger von Bildungsarbeit im Bewusstsein de r Menschen verankert. Deshalb gelingen
Angebote mit besonderen Schwerpunkten wie Elterntra iningskurse mit niederschwelligem
Zugang, Mutter-Kind-Spielgruppen für bildungsungewo hnte/sozial oder materiell arme Fami-
lien und Deutsch-Sprach-und Alphabetisierungskurse "Mütter/Väter lernen-Kinder profitieren"
(Haus der Familie Münster)
Family/Familiennachmittage
Die Zielgruppe sind Eltern und Kinder – sowie Gesch wister, die eine Kita/ ein Familienzent-
rum besuchen. Family ist eine Weiterentwicklung des FuN-Konzeptes. Es wird jeweils mit
Mitarbeitenden der Kita und der Familienbildungsstä tte gemeinsam durchgeführt. Die kon-
zeptionellen Aussagen von „FuN-Baby“ gelten hier ebenfalls.
(evangelische Familienbildungsstätte)
2.4 Berufstätige Eltern
Gesellschaftliche und strukturelle Bedingungen verä ndern Familien und damit auch die Fa-
milienbildung. Familienbildung hat sich dementsprec hend thematisch und strukturell auch
stark verändert – parallel zu Veränderung der Leben sorientierung der Eltern, die ein gemein-
sames Leben in Familie und Beruf für beide Partner zu verwirklichen suchen.
Folgende Veränderungen können festgestellt werden:
Im ersten Lebensjahr des Babys wird die gruppenpäd agogische Familienbildungsbe-
gleitung intensiver und vermehrt wahrgenommen – da den Familien später weniger
Zeit dafür zur Verfügung steht.
Eine langfristige Teilnahme über drei Jahre, z. B. an Eltern-Kind-Gruppen, ist i. d. R.
nicht mehr möglich. Eltern suchen, wenn sie beide b erufstätig sind, kurzfristige, zeit-
lich begrenzte Angebote, die ihnen gemeinsame Erleb nisse mit ihrem Kind ermögli-
chen, wie z. B. Musik oder- Bewegungsangebote, Naturerfahrungen.
Tageseltern, Großeltern oder anderen Betreuungsper sonen nehmen mit dem Kind
am Angebot der Familienbildung teil.
Oftmals werden durch die knappen Zeitressourcen Be treuungsangebote „nur“ für die
Kinder angefragt. Dies ist für die Familienbildung nicht unproblematisch, da nach
dem WBG Familienbildung als Bildung der Erwachsenen definiert wird und somit für
solche Angebote keine Zuschüsse verwandt werden dürfen.
Es werden vermehrt kurzfristige und spontane Anmel dungen der Familien in den Ein-
richtungen wahrgenommen. Die Familienbildungseinric htungen begegnen diesem
Trend mit kreativen und flexiblen Angeboten, die da s enge Zeitfenster der berufstäti-
gen Familien berücksichtigen.
Eltern haben einen hohen Austauschbedarf zu Themen wie Familienleben zwischen Erzie-
hungsarbeit, Erwerbstätigkeit und Hausarbeit, Verei nbarkeit der Paar- und Elternrolle sowie
Zeitmanagement.
10
2.4.1. Beispiele von besonderen Projekten:
Neuorientierung: Beruflich und persönlich
Lebensereignisse wie Familiengründung, Umzug, Beruf swechsel, Trennung, Krankheit u. ä.
sind Wendepunkte, die Neuorientierungen nötig mache n. Ein Coaching-Projekt zur Bearbei-
tung und Klärung der individuellen Lebensziele, Wünsche und Talente und der eigenen Mög-
lichkeiten, diese umzusetzen.
Begleitend zum Seminar bilden die Teilnehmenden Tea ms, um sich gegenseitig beim All-
tagstransfer zu beraten.
(Anna-Krückmann-Haus)
Freunde finden für’s Leben
Wir beginnen häufig im Kindergartenalter mit dem Se minar „Freunde finden für’s Leben“. Es
ermöglicht allen Eltern und Kindern einer Grundschu le/Kita, sich zu Beginn der Grundschul-
/Kita-Zeit an einem Bildungswochenende kennen zu le rnen, Fremdheit abzubauen, Vertrau-
en aufzubauen, Missverständnissen vorzubeugen und G ewalt so präventiv zu begegnen.
Wegen der häufigen Berufstätigkeit der Eltern wird dieses Seminar mit einer Übernachtung
(statt wie sonst üblich am ganzen Wochenende) angeboten und daher häufig von allen
Fami-
lien der Klasse besucht.
(arbeitskreis soziale bildung und beratung)
Vater-Kind-Gruppe
Jeweils am späten Freitagnachmittag treffen sich re gelmäßig acht Väter mit ihren Kindern
und einem männlichen Kursleiter. Im Unterschied zu den anderen Eltern-Kind-Gruppen spielt
das Alter der Kinder keine Rolle, es differiert zwi schen 1 und 5 Jahren. Die Männer knüpfen
Kontakt zu anderen Vätern, erleben ihre Kinder und sich in einer Gruppe, lernen Spiele, Lie-
der kennen, an denen ihre Kinder Spaß haben.
(Haus der Familie Münster)
Fit für den Beruf – Frauen zwischen Familie und Karriere – Kooperationsprojekt mit den Ev.
Beratungsdiensten Münster. Die Themenreihe war ein ergänzendes Modul zu Qualifizie-
rungs- und Orientierungsmaßnahmen der VHS.
(evangelische Familienbildungsstätte)
2.5 Prävention
Mit allen Angeboten der Familienbildung wird auch i mmer das Ziel der Prävention verfolgt.
Eltern und Kinder/Jugendliche werden gestärkt und f ortgebildet, um gelungenes und gesun-
des Familienleben zu verwirklichen. Damit soll erre icht werden, dass folgende Problemlagen
vermieden bzw. verhindert werden: - destruktiver Um gang mit Konflikten, - Gewalt in
der Familie, - Partnerschaftsprobleme, - Verhalten sauffälligkeiten bei Kindern, - Essstö-
rungen, - Übergewicht, - Bewegungsmangel, - Erziehu ngsprobleme. Hier geht es in der Fa-
milienbildung um die Herstellung förderlicher Bedin gungen zur Vermeidung oben genannter
Risiken. Dieser Prävention bedürfen alle Familien.
Die Familienbildung möchte möglichst frühzeitig dur ch ihre Präventionsarbeit positive Wei-
chen für wirtschaftlich- und bildungsbenachteiligte Familien stellen. Der präventive Arbeits-
ansatz der Familienbildungsstätten kann im besonder en Maße in den Familienzentren ein-
gesetzt werden.
11
2.5.1. Beispiele von besonderen Projekten:
Sure Start
Im wöchentlichen, für vier Stunden eingerichteten T reffen (inkl. Vor- und Nachbereitung) –
für die Teilnehmenden als „Babyspielstunde“ bekannt – werden Babys und Kleinkinder von
bildungsarmen und wirtschaftlich armen Eltern gemei nsam mit ihren Müttern gefördert. Ein-
fache und verständliche Methoden werden genutzt, wi e z. B. Videoaufzeichnungen, um das
Verständnis der Mütter für die Entwicklung und Bedü rfnisse ihres Babys zu wecken und zu
fördern. Ziel dieses präventiven, ressourcenorientierten Programms ist die Stärkung der Müt-
ter und der Mutter-Kind-Beziehung. Der Förderbedarf ergibt sich aus den unterschiedlichen
Problematiken, die die Frauen bzw. ihre Kinder mitb ringen. Die „Baby-Spielstunde“ leistet
einen Beitrag dazu, dass das Zusammenleben in Famil ien mit hohen Belastungsfaktoren
gelingt, so dass auch Kinder aus bildungs- und wirt schaftlich armen Familien frühzeitig die
ihnen zustehenden Lern- und Entwicklungschancen erhalten.
(Anna-Krückmann-Haus / Haus der Familie Münster)
Halt! Keine Gewalt!
„Halt! Keine Gewalt!“ ist ein Projekt für ganze Grundschulen. Mit den Kindern wird über zwei
Theaterstücke die Halt!-Stopp!-Regel bei Grenzübers chreitungen eingeführt und über einen
eigens komponierten Kanon vertieft.
Eine Lehrerfortbildung sowie ein Elternabend für al le
Eltern der Schule gewährleistet, dass
„Halt! Keine Gewalt!“ ein hochwirksames, präventive s Angebot der Familienbil-
dung/Gewaltprävention geworden ist, was sehr häufig von Grundschulen angefragt wird.
(arbeitskreis soziale bildung und beratung)
Eltern-Trainings
Verstärkt wurden in den letzten Jahren gezielte Elt ern-Trainings („Starke Eltern – starke Kin-
der“ sowie „FuN“ – inkl. Weiterentwicklungen) angeboten. In der Regel wurden die Angebote
und Kurse in gezielter Absprache mit den Kindertage seinrichtungen durchgeführt. Hierdurch
konnte erreicht werden, dass die Angebote vor Ort stark präventiv zur Geltung kamen.
(evangelische Familienbildungsstätte)
2.6 Migration
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Dieser lange nicht gesehenen, nicht akzeptierten
gesellschaftlichen Rahmenbedingung muss, kann und d arf auch in der Familienbildungsar-
beit Rechnung getragen werden.
Somit kommt dem Themenfeld „Migration“ eine zunehmend größere Bedeutung zu und stellt
eine große Herausforderung für die Familienbildung dar. Das Angebot der Familienbildung
berücksichtigt die veränderte gesellschaftliche Sit uation, die Angebotspalette der Familien-
bildungseinrichtungen für die Zielgruppe „Migranten familie“ ist sehr vielfältig, kreativ, den
Gegebenheiten angemessen. Von entscheidender Bedeut ung ist, dass mit dieser Zielgruppe
oftmals auch Familien angesprochen werden, die wirtschaftlich arm sind. Das konfrontiert die
Einrichtungen mit ihren eigenen finanziellen Rahmen bedingungen und erfordert die Suche
nach zusätzlichen Finanzierungsquellen. Mit den Kur sangeboten im sprachlichen, erlebnis-
pädagogischen und erzieherischen Bereich soll es Mi grantenfamilien ermöglicht werden,
sich zu integrieren und gleichzeitig die Wurzeln ihrer kulturellen Herkunft zu kennen und/oder
kennenzulernen. Dabei ist von entscheidender Bedeut ung, dass genau geprüft wird, wann,
wie und wo die Angebote gemacht werden, wer mit der Leitung der Kursangebote betraut ist
und wie die Zielgruppe auf diese Angebote aufmerksa m gemacht wird. Mit traditionellen
Formen der Familienbildung, die zentral in den Häus ern angeboten werden, wird die Gruppe
12
der Migrantenfamilien nur ungenügend erreicht. Somi t findet diese Arbeit in Familienzentren,
Stadtteilhäusern, Schulen und anderen Treffpunkten statt.
Mit den unten aufgeführten Angeboten wird die Zielg ruppe „Familien mit Migrationsgeschich-
te“ erreicht.
2.6.1. Beispiele von besonderen Projekten:
Haushaltsführerschein: Kochclub
Angebot für benachteiligte Familienfrauen mit Migra tionsvorgeschichte in Berg Fidel im
Rahmen des Bundesprojektes „Besser essen – mehr bew egen KINDERLEICHT“ zur Ver-
besserung des Ernährungsstatus der sozialschwachen Kinder und Familien. Die Teilnehme-
rinnen werden über das Erlernen von haushaltsbezoge nen Tätigkeiten/ Nahrungszuberei-
tung langfristig und nachhaltig befähigt, gesunde L ebensmittel für ihre Familie auszuwählen/
zuzubereiten und ihre Kinder an den Verzehr von näh rstoffreichen Lebensmitteln zu gewöh-
nen. Niedrigschwellige Maßnahme während des „MiMi-Frühstücktreffs“.
(Anna-Krückmann-Haus)
Zoff im Malkasten
Um auch Migrantenfamilien frühzeitig in die Klassen - und Schulgemeinschaft zu integrieren
und konstruktive Anregungen zur Verfügung stellen z u können, haben wir ein neuartiges
Familienbildungskonzept für Eltern und Kinder ganze r Grundschulen entwickelt: das Mit-
machmusical „Zoff im Malkasten“, was über sehr sinnliche Erfahrungszugänge (singen, spie-
len, bewegen, essen) Eltern und Grundschulkinder An dersartigkeit als Bereicherung erleben
lässt. An diesem Projekt sind alle
Familien einer Grundschule beteiligt. Das Mitmachm usical
ist für alle Familien kostenfrei und es wird jede Familie in fünf Sprachen eingeladen.
Darüber hinaus sichern die Lehrer mithilfe einer Fo rtbildung die Nachhaltigkeit der Themen
(Toleranz, Andersartigkeit, konstruktiver Umgang mi t Konflikten) über die anschließende Be-
arbeitung im Unterricht.
(arbeitskreis soziale bildung und beratung)
Eltern-Kind-Gruppen in russischer Sprache werden in einem Stadteil Münsters angebo-
ten, in dem viele Menschen mit russischer Geschicht e leben. Integration bedeutet hier auch,
sich der eigenen Wurzeln bewusst zu sein, sie zu pf legen. Der Kurs, geleitet von einer russi-
schen Kinderpsychologin, wird entsprechend russisch er Kultur, Lebenspraxis und Sprache
gestaltet. Erziehung wird thematisiert unter besond erer Berücksichtigung der Auffassungen
in Deutschland und Russland, den daraus erwachsende n Chancen und Bewusstmachung
möglicher Schwierigkeiten.
(Haus der Familie Münster)
13
2.7 Fazit
Bei der Betrachtung der Schwerpunktthemen kann fest gestellt werden, dass die Familienbil-
dungsstätten in Münster sich den neuen Anforderunge n an eine moderne Familienbildung
stellen. Mit der Schwerpunktsetzung und den entspr echend inhaltlich akzentuierten Angebo-
ten reagieren die Familienbildungsstätten in Münste r auf den demografischen und gesell-
schaftlichen Wandel. Sie haben die erforderlichen M odifikationen aufgegriffen und setzen
sich mit diesen fachlich auseinander. Diese erforde rliche Entwicklung muss fortgesetzt wer-
den, will Familienbildung in Münster - wie bereits unter Punkt 1 beschrieben – zeitgemäß
ausgerichtet sein, sich somit am Unterstützungsbedarf von Familien orientieren.
Exemplarisch soll hier der dringend erforderliche Ausbau der strukturellen Verankerung im
Sozialraum / Stadtteil (insbesondere Außenstadtteil e) genannt werden. Ein Erfordernis, das
Grundvoraussetzung ist, um neben der klassischen „K ommstruktur“ Angebote mit „Geh-
struktur“ auszubauen. Dies ist wiederum erforderli ch, will Familienbildung neue Zielgruppen
akquirieren und potentiell alle Eltern in Münster e rreichen. Die von der Stadt Münster finan-
zierten und von den Familienbildungsstätten durchge führten Angebote wie „Sure Start“ (ins-
gesamt 78.660 €) und die Sprachfördermaßnahmen für Eltern (ca. 23.600 € in 2008) weisen
hier in die richtige Richtung. Auch der Blick auf d ie veränderten Bedarfe berufstätiger Eltern,
deren Zeitressource immer geringer wird, sowie folg ende statistischen Werte unterstreichen
die Notwendigkeit dieses Prozesses:
Stadtbezirk Mitte Außenbezirke insgesamt
Anzahl der Haushalte mit
Kindern 3
7.949
30,7 %
17.963
69,3 %
25.912
100 %
Anzahl der Angebote der
Familienbildungsstätten 4
1.849
74,5 %
632
25,5 %
2.481
100 %
In diesem Kontext stellt sich die Kooperation zwisc hen Familienbildungsstätten und den Fa-
milienzentren für beide Seiten gewinnbringend dar. Profitieren die Familienzentren von dem
fachlichen Know-How der Familienbildungsstätten, kö nnen die Familienzentren die Funktion
als „Plattform“ für die Familienbildung im Sozialraum / Stadtteil übernehmen. An dieser Stelle
muss das große Engagement der Familienbildungsstätten bezüglich der Kooperation mit den
in drei Projektphasen bereits entwickelten Familien zentren in Münster hervorgehoben wer-
den.
Als weiteres Beispiel sei der Schwerpunkt Migration genannt. Die Interkulturelle Öffnung der
Familienbildung stellt eine zusätzliche Herausforde rung für die Familienbildungsstätten in
Münster dar. Neben der bereits erfolgten Auseinande rsetzung mit dem Thema Migration als
Schwerpunktthema wurde im Qualitätszirkel Familienb ildung angedacht, dieses Thema als
alleiniges Jahresthema für 2009 innerhalb der Arbeit des Qualitätszirkels zu benennen.
3 Angaben aus: Stadt Münster – Jahres-Statistik 2007
4 Angaben der Familienbildungsstätten – Anna-Krückmann-Haus e.V., arbeitskreis soziale bildung und beratung
e.V., Ev. Familienbildungsstätte, Haus der Familie Münster e.V.
14
3. Kooperation und Vernetzung der Familienbildungseinrichtungen
Das breitgefächerte Angebot der Familienbildungsstä tten wird von zahlreichen Professionen
realisiert. Es werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen und erreicht. Ein grundle-
gendes Element der Familienbildung stellt die Koope ration und Vernetzung dar. Vor dem
Hintergrund veränderter Bedarfe von Familien, aber auch der Verknappung von Ressourcen,
kommt diesem Element eine starke Gewichtung zu.
Exemplarisch für die verschiedenen Kooperations- und Vernetzungsebenen können folgende
genannt werden:
Im Stadtteil
Im Rahmen der Angebote der Familienbildungsstätten
Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII
Im Qualitätszirkel zwischen den Anbietern von Fami lienbildung und dem Amt für Kin-
der, Jugendliche und Familien
Im Rahmen der Fortbildungen zwischen den Familienb ildungsstätten für deren Mit-
arbeiterinnen und Mitarbeiter
3.1 Vernetzungs- und Kooperationsfelder der Familie nbildungsstätten
KiTa
Jugendeinrichtungen
Stadtteilhäuse
r
Kirchengemeinden
Träger der
Behindertenhilfe
Vereine und
Selbsthilfeinitiativen
Beratungsstellen
Krankenhaus
Schule
FAMILIEN
BILDUNGS
STÄTTEN
15
3.2 Exemplarische Beschreibung anhand der Familien zentren
Familienbildungsstätten und Familienzentren finden sich zu Kooperationen unterschiedlichs-
ter Art zusammen. Deutlich wird bei den Kooperation en, dass im Mittelpunkt die zu errei-
chende Zielgruppe steht: In erster Linie Eltern und Kinder aus den Familienzentren und dem
dazugehörenden Stadtteil.
Die Zusammenarbeit und die zu entwickelnden Angebote in den Familienzentren richten sich
nach den Bedürfnissen der Zielgruppe und Bedarfen, die vom Personal in den Familienzent-
ren vor Ort gesehen werden.
Je nach Sozialstruktur des Stadtteils sind es niede rschwellige Angebote aus dem Sprach-,
Erziehungs- und Gesundheitsbereich für wirtschaftli ch arme Familien unter Berücksichtigung
des Migrationshintergrunds und/oder Elterntrainings mit und für bildungsungewohnte Väter
und Mütter.
Aus Sicht der Familienbildungsstätten ist es entsch eidend, dass Familienbildungsstätten in
den Steuerungsgruppen der Familienzentren zusammen mit den anderen Kooperationspart-
nern vertreten sind, bei Bedarf Coachingaufgaben fü r die Teams vor Ort übernehmen und
die Kompetenz in der Organisation und Gestaltung vo n Bildungsveranstaltungen einbringen.
Die Steuerung der Familienzentren und die Entscheid ung über Angebote und Kooperationen
liegt allerdings immer im Ermessen der Kita.
Auf Grund der vorhandenen Personal- und Zeitressour cen in den Familienbildungsstätten
wird prozesshaft ausgewertet und begleitet werden m üssen, ob und wie bei einer zuneh-
menden Zahl von Familienzentren diesem Anspruch entsprochen werden kann.
16
4. Finanzen
Die vier folgend aufgeführten Einnahmesäulen bilden die Finanzierungsgrundlage der Fami-
lienbildungsstätten in Münster.
Eigenmittel 5
Zuwendungen der Stadt Münster
Zuwendungen des Landes NRW
Teilnehmer/innen-Gebühren
Faktoren wie Zielgruppe, Trägerhintergrund und Ange botspalette führen zu einer je nach
Institution variierenden Gewichtung der Säulen zueinander.
Exemplarisch zur Verdeutlichung:
Träger, die viele Angebote für benachteiligte Mens chen vorhalten, erzielen somit ge-
ringere Einnahmen aus den Teilnehmer/innen-Gebühren , erhalten jedoch im Rah-
men der Ermessensmittel höhere Landeszuwendungen.
Die beiden Träger mit kirchlichem Hintergrund weis en höhere Eigenanteile auf, als
die dem DPWV angeschlossenen Träger.
In 2007 betrug der Gesamtumsatz der vier Familienbildungsstätten in Münster ca. 2,5 Mio. €.
Die folgende Graphik verdeutlicht die prozentuale V erteilung des Gesamtumsatzes auf die
vier Finanzierungssäulen und weist diesbezüglich Ve rschiebungen zwischen 2004 und 2007
auf.
Finanzierungssäulen der Familienbildungsstätten
in Münster (durchschnittlich in Prozent)
15
15
10
11
27
31
48
43
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
2004
2007
Eigenmittel Zuwendungen der Stadt Münster
Zuwendungen des Landes NRW Teilnehmer/-innen-Gebühren
5 Die Finanzierung der Familienbildungsstätten wird im Folgenden an Durchschnittswerten dargestellt. Um den
Finanzrahmen der Familienbildungsstätten aufzuweisen, sind diese aussagekräftig.
17
4.1. Eigenmittel
Die Varianzbreite der Eigenmittel (Spenden, Zuwendu ngen der zugehörigen Verbände u.a.)
bewegt sich zwischen 2,6 und 27 %. Hierfür liegt di e Begründung in den unterschiedlich fi-
nanzstarken Verbänden, denen die Träger angehören. Eine Verschiebung zwischen den
Jahren 2004 und 2007 lässt sich hier nicht feststellen.
4.2. Zuwendungen der Stadt Münster
Der kommunale Zuschuss ist festgeschrieben und belä uft sich auf 242.368 €. Zusätzlich
werden Sprachförder- und Integrationsmaßnahmen für Eltern von Kita-Kindern finanziert.
Hier wurden in 2007 19.739,25 € direkt an die Famil ienbildungsstätten ausgezahlt, so dass
sich die Gesamtfördersumme auf 262.107,25 € beläuft . Dies entspricht einem durchschnittli-
chen Anteil des Zuschusses und der Zusatzfinanzieru ngen an den Gesamteinnahmen der
Familienbildungsstätten von ca. 10 %.
Im Folgenden wird die Verteilung des Gesamtbetrages bezogen auf die einzelnen Träger
dargestellt.
Grund-
förderung
Stadtteil-
angebote
Elternschule Sprachförder-
& Integrations-
maßnahmen
Gesamtsumme
AKH 39.370 € 20.000 € 9898,60 € 69.268,60 €
asb 36.302 € 36.302,00 €
Ev Fabi 33.234 € 33.234,00 €
HdF 70.047 € 25.565 € 17.850 € 9840,65 € 123.302,65 €
4.3. Zuwendungen des Landes NRW
Die Zuwendungen des Landes setzen sich aus untersch iedlichen Mitteln zusammen, die im
Folgenden differenziert dargestellt werden.
4.3.1 WBG-Mittel
Seit 2002 hat das Land NRW seinen Zuschuss um ca. 2 0 Prozent reduziert, letztmalig in
2005 um 5 %. In 2006 und 2007 ist die Familienbildu ng von den Kürzungen ausgenommen
worden. Dieser Ausfall von Finanzmitteln muss über Einsparungen oder durch Erhöhung der
Einnahmen kompensiert werden. Dies wurde durch die Einrichtungen mit unterschiedlichen
Maßnahmen wie ein größeres und spezifischeres Kursa ngebot, Anhebung der Kursgebüh-
ren, Personalkürzungen oder Gehaltskürzungen realisiert.
Derzeit beträgt die Zuwendung des Landes für die in Münster tätigen Familienbildungsstätten
additiv ca. 672.894 €. Der Anteil der Landeszuwend ung zum Gesamtumsatz einer Einrich-
tung schwankt zwischen 20 und 50 Prozent.
4.3.2 Ermessensmittel
Familienbildung knüpft an unterschiedliche Lebenssituationen und Lebenslagen von Familien
an. Dabei richtet sie sich verstärkt auch an Famili en in besonderen Problemlagen. Durch
Ermessensmittel seitens des Landes NRW werden Teilnehmende aus den Personengruppen
Hartz IV/Sozialhilfe, Familien mit 3 und mehr unterhaltspflichtigen Kindern, allein Erziehende,
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Arbeitslose, Aussiedler/innen, Suchtkranke, vom Str afvollzug Betroffene finanziell besonders
gefördert, d.h. Gebühren können reduziert werden. S owohl im Bereich Teilnehmertage als
auch im Bereich Unterrichtsstunden sind die Ermesse nsmittel seitens des Landes NRW seit
2002 erheblich gekürzt worden. Die zunehmende Sensi bilisierung der Familienbildungsstät-
ten in Münster für oben genannte Personengruppen be deutet für die Einrichtungen, dass die
nicht ausreichenden Ermessensmittel anderweitig kompensiert werden müssen.
4.3.3 Mittel für Elternkompetenzkurse
Seit 2006 hat das Land zusätzliche Mittel für das S onderprogramm Aktionsplan „Frühe För-
derung von Kindern“ aufgelegt. In anerkannten Einri chtungen der Familienbildung werden
aus diesem Aktionsplan Eltern-Kompetenz-Kurse mit e inem fixierten Zuschuss gefördert. Es
sollen pädagogisch qualifizierte Angebote zur Stärkung der Erziehungs- und Bildungskompe-
tenz von Eltern sein mit niedrigschwelliger und sozialräumlicher Ausrichtung.
Die tatsächliche Mittelbewilligung erreichte die Ei nrichtungen z. T. erst im September, so
dass langfristige Planungen nicht möglich waren. Tr otzdem ist dieser Aktionsplan zu begrü-
ßen, denn alle Einrichtungen haben mit Hilfe dieser Förderung niedrigschwellige Angebote
für Zielgruppen durchführen können, die sie sonst n icht erreicht hätten. Die Angebote wur-
den in den Einrichtungen selbst durchgeführt sowie in vielen Familienzentren vor Ort.
4.4 Teilnehmer/innen-Gebühren
Die Teilnehmer/innen-Gebühren stellen nach wie vor die gewichtigste Finanzierungssäule
der Familienbildung dar, ihr Anteil erhöhte sich in 2007 im Vergleich zu 2004 um 5 %. Hier
sind die Familienbildungsstätten darauf angewiesen ihr Angebot an der wirtschaftlichen Att-
raktivität auszurichten, um zum einen ausfallende Z uwendungen Dritter und zum anderen
Angebote mitzufinanzieren, die nicht über Teilnehme r/innen-Gebühren abgedeckt sind. Dies
ist jedoch nicht unbegrenzt zu realisieren, denn di e Gebührenhöhe gestaltet sich auch in
Abhängigkeit zu der Akzeptanz bzw. der finanziellen Möglichkeiten der potenziellen Nut-
zer/innen.
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5. Ausblick und Perspektiven
Eine moderne und zeitgemäße Familienbildung muss si ch dem gesellschaftlichen und de-
mographischen Wandel und den veränderten Bedarfen von Familien stellen.
Veränderung – Abgrenzung – Weiterentwicklung lautet der Untertitel dieses Berichtes,
der den Anspruch verfolgt, Entwicklungen der Famili enbildung in Münster aufzuzeigen und
zu verdeutlichen.
Veränderung – im Sinne von gesellschaftlichen und demographischen Wandel wahrnehmen
Abgrenzung – zur Profilschärfung
Weiterentwicklung – als Orientierung am sich wandelnden Unterstützun gsbedarf von Fami-
lien bei der Ausrichtung von Familienbildung
All dies konnte dieser Bericht der Familienbildungs stätten in Münster aufweisen. Ein Bericht
sollte jedoch nicht ausschließlich retrospektiv ang elegt sein, sondern ebenso die Aufgaben
und Herausforderungen kommender Jahre aufzeigen.
Potentiell alle Familien zu erreichen, sollte der Anspruch von Familienbildung sein.
Wenn fast 70 % der Familien in Münster in den Außen bezirken lebt, jedoch nur 25,5 % der
Familienbildungsangebote dort zu finden sind, unter streicht dies ausdrücklich die Dringlich-
keit, die strukturelle Verankerung in den Stadtteil en auszubauen und somit die Angebote zu
verlagern.
Bedarfe berufstätiger Eltern verlangen flexible Ang ebotsstrukturen, aber auch kurze An-
fahrtszeiten. Die Ressource „Zeit“ ist in diesen Familien ein knappes Gut, das es einzuteilen
gilt.
Unumstritten ist, dass die Angebote für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Familien eine
wesentlich höhere Inanspruchnahme aufweisen, wenn s ie im Sozialraum / Stadtteil durchge-
führt werden.
Die Akquise neuer Zielgruppen ist neben der Interku lturellen Öffnung, dem Ausbau der An-
gebote für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Familien, ebenso im Kontext der strukturel-
len Verankerung im Stadtteil zu betrachten.
Deutlich erscheint, dass die exemplarisch aufgeführ ten Bereiche, die ein modernes Anforde-
rungsprofil von Familienbildung beschreiben und ver langen, sinnvoll in Beziehung zu „Fami-
lienbildung vor Ort“ zu betrachten sind. Für die Fa milienbildung in Münster liegt hier sicher-
lich eine große Anforderung, die auch in den nächst en Jahren eine gewichtige Rolle einneh-
men wird.
Berichtsvorlage
1349 Zeichen
V/0791/2008 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Betrifft Zweiter Bericht Familienbildungsstätten in Münster, 2008 Beratungsfolge 29.10.2008 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Bericht: Mit der Vorlage „Erster Bericht Familienbildungsstätten in Münster, 2005“ (V/0824/2005) wurde erstmalig neben der quantitativen auch die qualitative Beschreibung der Familienbildung in Müns- ter vorgenommen. Hierauf basiert der „Zweite Bericht Familienbildungsstätten in Münster, 2008“. Neben einer qualitativen Beschreibung von besonderen Schwerpunktthemen der Familienbildung und entsprechenden Berichtsdaten wird in dem nun vorliegenden Bericht vor dem Hintergrund der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen auch der Anspruch einer Perspektivbeschrei- bung verfolgt. Die Berichterstattung erfolgt aus Kapazitätsgründen letztmalig in redaktioneller Verantwortung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. I.V. gez. Dr. Hanke Stadträtin Anlagen: Zweiter Bericht der Familienbildungsstätten in Münster, 2008 Vorlagen-Nr.: V/0791/2008 Auskunft erteilt: Frau Landenberger Ruf: 492 – 58 76 E-Mail: Landenberger@stadt-muenster.de Datum: 24.09.2008 Öffentliche Berichtsvorlage
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- An der Germania Brauerei 1
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0791/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 22.09.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37