V/0522/2007
Umbenennung der Straße Jöttenweg
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Anlage-3-vom-Stadtarchiv
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47.00.0002/04-17 11.07.2007 4702 HE Bun)s u. Katasteramt 62 - Vermessungs- und Katasteramt | Eing: 12, JULI 2007 Herrn Zimmermann BR nn Be. ..n. @2.0.1 ..... et FG 7 62.0.2... 823.447 Straßennamen in Münster-Mitte „auf den Prüfstand stellen“ - Antrag der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Mitte A-M/0005/2007 Die von Ihnen zugesandte Liste mit 18 Straßennamen im Bereich Münster-Mitte, die nach Personen benannt sind, habe ich geprüft und würde die dort genannten Personen in folgen- de Kategorien einteilen: ®e Es handelt sich zum einen um Personen, deren Verdienste, die zu einer Straßenbe- nennung geführt haben, eher im überregionalen Bereich anzusiedeln sind und für die daher auch in den Beständen des Stadtarchivs keine Belege über ihre Einstellung zum Nationalsozialismus oder ihre Beteiligung an Unrechtstaten des NS-Regimes zu finden sind:: Dazu zählen Agnes Miegel, Dr. Hugo Eckener, Ludwig Dürr, Otto Modersohn, Hans Pfitzner « Die weiteren genannten Personen erwarben ihre Verdienste, die zu einer Straßenbe- nennung geführt haben, durch ihre lokalen bzw. regionalen Tätigkeiten. Für diese Personen sind die Bestände des Stadtarchivs nach Belegen für ihre Einstellung zum Nationalsozialismus recherchiert worden. Überwiegend handelt es sich um Personen aus dem Bereich der Kultur, des Sport-/Vereins- und Verbandswesens. Da hier vor allem die amtliche Überlieferung der Stadt Münster archiviert wird, ist es in der Regel nicht möglich, in den Beständen des Stadtarchivs Unterlagen zu ihrem Werdegang zwischen 1933 und 1945 zu finden. Ein öffentliches Amt bekleideten Ellen Scheuner, die als Leiterin des Landesjugend- amtes tätig war und zeitweise von den Nationalsozialisten aus ihrem Amt verdrängt wurde, sowie Georg Sperlich, der zwischen 1920 und 1932 Oberbürgermeister der Stadt Münster gewesen ist. Er kann für die Zeit von 1933-45 als politisch unbedenk- lich eingestuft werden. (vgl. Tilman Pünder: Georg Sperlich. Oberbürgermeister von Münster in der Weimarer Republik. Münster 2006, Reihe Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster, Bd. 23) Über Prof. Dr. Alfred Stühmer, Leiter der Hautklinik, ist hier nichts bekannt. In der ak- tuellen Diskussion steht momentan vor allem Prof. Karl Wilhelm Jötten. Seine mögli- che NS-Belastung soll in Kürze durch die Universität wissenschaftlich untersucht werden. Zu zwei Personen sind Unterlagen in den Beständen des nichtamtlichen Archivgutes vorhanden: Heinrich Albsmeier und Ernst Brüggemann. Die Unterlagen erlauben je- doch keine Aussagen zur Verwicklung in das NS-Regime. « Als einzige Person, deren Einstellung zum Nationalsozialismus zumindest umstritten diskutiert wurde und die bereits Gegenstand einer Untersuchung war, kann von Sei- ten des Stadtarchivs nur Karl Ludwig genannt werden. (vgl. Kulturpolitik in Münster während der nationalsozialistischen Zeit. Referate und Diskussionsbeiträge der ta- gung am 8. und 9. Juni 1990 im Franz-Hitze-Haus Münster, S. 66-95) Von einer Be- teiligung an NS-Unrechtstaten war jedoch in Zusammenhang mit seiner Person nicht die Rede. L Anja Gussek-Rev&rmann
Anlage-2-Niederschrift-v-05-Juni
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26.06.2007 En al j 492 60 45 Amt des Rates und des Oberbürgermeisters Auszug aus der Niederschrift über die 27. Sitzung (öffentlicher Sitzungsteil) der Bezirksvertretung Münster-Mitte am 05.06.2007 Punkt 2 der Tagesordnung. Eingänge undMittellingen Frau Gericke gab für die CDU-Fraktion folgende Erklärung ab: „Aufgrund der Veröffentlichungen in der örtlichen Presse hat die CDU-Fraktion in der Be- zirksvertretung Münster-Mitte davon Kenntnis erhalten, dass in Münster der Jöttenweg den Namen eines Mannes trägt, der mit dem NS-Regime zusammengearbeitet hat. Straßen in unserer Stadt tragen in der Regel den Namen von Menschen, die sich in beson- derer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben oder deren Lebenswerk von herausragender Bedeutung ist. Personen, die in menschenverachtender Weise mit dem NS-Regime zusammengearbeitet haben, können und dürfen nicht durch die Benennung einer Straße mit ihrem Namen ge- ehrt oder gewürdigt werden. Es ist uns ein Anliegen, dass in dieser äußerst bedauerlichen Angelegenheit baldmöglichst eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird.“ gez. Andreas Lembeck Schriftführung Verteiler: 11/62 Eing.: 28. JUNI 2007
Beschlussvorlage
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V/0522/2007 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Umbenennung der Straße Jöttenweg Beratungsfolge 21.08.2007 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Die Entscheidung über die Umbenennung der Straße Jöttenweg wird zurückgestellt. 2. Die im Antrag A-M/0005/2007 beantragte Untersuchung von Straßennamen ist erledigt. II. Kosten/Folgekosten Es entstehen keine Kosten. Begründung: Der Beschluss zu Nr. 1 bezieht sich auf Punkt 1 der Anregung der SPD-Fraktion in der BV-Mitte Nr. A-M/0005/2007 vom 22. Mai 2007 (Anlage 1) und die Erklärung der CDU-Fraktion in der Be- zirksvertretung Münster-Mitte vom 5. Juni 2007 (Anlage 2). Im Mai ist durch Berichte in den Tageszeitungen bekannt geworden, dass Prof. Dr. Karl Wilhelm Jötten eine der treibenden Kräfte der „rassenhygienischen Forschung“ in Münster war. Die Pres- seartikel stützen sich auf eine Examensarbeit von Jan Nikolas Dicke vom März 2001, veröffentlicht im Juni 2004 mit dem Thema „Eugenik und Rass enhygiene in Münster zwischen 1918 und 1939“. Dicke führt darin an vielen Textbeispielen aus, dass Karl Wilhelm Jötten als Leiter des Hygieni- schen Instituts der Universität Münster durch Forschung und Lehre die „Rassenhygiene“ legitimier- te und auch das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ propagierte. Auf Grund dieses Gesetzes seien auch an der Chirurgischen Universitätsklinik in Münster Zwangssterilisationen durchgeführt worden. (Seiten 35-37 der Veröff.) Die Universität Münster teilte mit dem Schreiben vom 1. Juni 2007 mit, die Medizinische Fakultät sei damit befasst, eine Kommission einzusetzen, die die früheren Mitglieder der Medizinischen Fakultät auf nationalsozialistische Belastungen überprüfen soll und das Rektorat plane eine Exper- tenkommission, die die nationalsozialistischen Aspekte der Geschichte der WWU im größeren Kontext aufarbeiten soll. Vorlagen-Nr.: V/0522/2007 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 10.07.2007 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0522/2007 Wegen der öffentlichen Diskussion um den Straßennamen Jöttenweg hat sich auch der Ältestenrat der Stadt Münster mit der Thematik befasst und empfiehlt, das Ergebnis und die Bewertung der eingesetzten Kommission abzuwarten und auf dieser Grundlage mit der Bezirksvertretung Müns- ter-Mitte zu entscheiden, wie weiter verfahren wird. Die Entscheidung über eine Umbenennung der Straße Jöttenweg soll daher zurückgestellt werden. Nr. 2 des Beschlusses bezieht sich auf den Antrag an die Verwaltung, einen Bericht vorzulegen zu Straßennamen im Stadtbezirk Münster-Mitte, deren Namensgeber verstrickt waren in die Un- rechtstaten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus. Zu dem Antrag wurde das Stadtarchiv eingeschaltet. Nach entsprechenden Recherchen teilte das Stadtarchiv mit, zu einigen Personen gäbe es keine Belege im Stadtarchiv, zu anderen Personen gäbe es über die Zeit zwischen 1933 und 1945 keine Belege und eine Person sei zwar umstritten diskutiert worden, von einer Beteili- gung an NS-Unrechtstaten könne jedoch keine Rede sein. Die Stellungnahme ist als Anlage 3 bei- gefügt. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Verwaltung über die Verdachtsmomente bezüglich Karl- Wilhelm Jötten hinaus keine Informationen darüber vorliegen, dass die Personen, nach denen im Stadtgebiet Münster-Mitte Straßen benannt sind, in Unrechtstaten bzw. Kriegsverbrechen des NS- Regimes verstrickt waren. i. V.: gez. Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1. Antrag Nr. A-M/0005/2007 2. Auszug aus der Niederschrift der 27. Sitzung BV-MI 3. Stellungnahme des Stadtarchivs
Anlage-1-Antrag-Nr-05-2007
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Antrag A-M/0005/2007 der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-Mitte vom 22.05.2007 SPD-Fraktion Bezirksvertretung Münster-Mitte Namensgebung für Straßen auf den Prüfstand stellen Die Bezirksvertretung Münster-Mitte möge beschließen: 1. Die Verwaltung wird um Prüfung und Bericht an die Bezirksvertretung Mitte gebeten, ob die erhobenen Vorwürfe - Verstrickung in die Rassenideologie und Unrechtstaten der NS-Herrschaft - gegen den Namensgeber des Jöttenweges, Prof. Dr. Karl Wilhelm Jötten, zutreffen. 2. Darüber hinaus wird die die Verwaltung gebeten, einen Bericht vorzulegen zu Straßennamen im Stadtbezirk Münster-Mitte, deren Namensgeber verstrickt waren in die Unrechtstaten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus. Begründung: Medienberichten zu Folge hat der seinerzeitige Lehrstuhlinhaber an der WWU Münster, Prof. Dr. Jötten, Tausende von Hilfsschülern untersucht und viele von ihnen in der Folge zwangssterilisiert. Zur Klärung dieser Vorwürfe sollte mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Kontakt aufgenommen werden. Es schadet dem Ansehen der Stadt Münster und der Demokratie erheblich, wenn Straßennamen an Personen erinnern, die in das Unrechtssystem der NS-Herrschaft verstrickt waren. Auch wenn diese bereits in der Vergangenheit erfolgt ist, sollte hierzu erneut eine systematische Überprüfung erfolgen. Münster, 22.05.2007 Marita Otte Vorsitzende der SPD-Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0522/2007
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 25.07.2007
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37