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V/0079/2015

Kinder psychisch kranker Eltern

Vorlagen 30.07.2015

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Nächste Beratung: Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, Sitzung am 27.10.2015, TOP 5

Berichtsvorlage

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Ansehen

Gesundheitsbericht_Kinder-psychich-kranker-Eltern_DRUCK

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Ansehen

Berichtsvorlage

4412 Zeichen

V/0079/2015 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Amt für Gesundheit, Veterinär- und 
Lebensmittelangelegenheiten 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Kinder psychisch kranker Eltern 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
26.08.2015 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und 
 Arbeitsförderung Bericht 
02.09.2015 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht 
22.09.2015 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen Bericht 
23.09.2015 Integrationsrat Bericht 
22.10.2015 Ausschuss für Gleichstellung Bericht 
 
 
Bericht: 
Mit dem Gesundheitsbericht „Kinder psychisch kranker Eltern“ informiert das Amt für Gesundheit, 
Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten die politischen Gremien über die gesundheitsförder-
lichen und präventiven Hilfen für betroffene Familien in Münster. 
In den letzten Jahren sind Kinder psychisch kranker Eltern und Kinder suchtkranker Eltern zu-
nehmend in den Fokus der Fachöffentlichkeit gerückt. Die Zusammenhänge zwischen der elterli-
chen Erkrankung und den kindlichen Risiken wurden ebenso erforscht wie die Entwicklungs-
chancen, die sich durch die frühe Förderung von Ressourcen ergeben. Es entstanden in 
Deutschland viele Projekte und Maßnahmen sowohl im Bereich der Jugendhilfe als auch im Be-
reich der Gesundheitshilfe. Einige, wie z. B. psychoedukative Gruppenangebote für betroffene 
Kinder (Auryngruppen), haben sich in vielen Kommunen fest etabliert. Darüber hinaus entwickel-
ten sich bundesweit zahlreiche Kooperationsmodelle für eine bessere Zusammenarbeit und Ab-
stimmung zwischen der Jugendhilfe, der Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie.  
Auch in der Stadt Münster haben sich in den letzten zehn Jahren Angebote, Initiativen und Ver-
netzungsstrukturen entwickelt, die zum Ziel haben, Kinder und Jugendliche von psychisch er-
krankten Eltern rechtzeitig zu berücksichtigen und angemessen in ihren Lebenswelten zu fördern.  
Der Gesundheitsbericht gibt Auskunft über die Versorgung der betroffenen Familien in der Abtei-
lung „Psychische Gesundheit“ des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangele-
genheiten. Es werden ferner langjährige Kooperations-Sprechstunden mit dem Amt für Kinder, 
Jugendliche und Familien beschrieben, die vor allem Risikofamilien mit einem komplexen Hilfe-
bedarf zu Gute kommen. Außerdem wird auf die positive Entwicklung von Präventionsgruppen in 
Münster und auf die Arbeit des interdisziplinären Arbeitskreises „Psychische Erkrankungen in 
Familien“ hingewiesen.  
Inwieweit Kinder und Jugendliche in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung 
ihrer Eltern als Angehörige berücksichtigt werden, ist noch wenig bekannt. Deshalb wurden alle 
niedergelassenen Fachärztinnen / Fachärzte und Psychotherapeutinnen / Psychotherapeuten in 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0079/2015 
Auskunft erteilt: 
Frau Dr. Siemer-Eikelmann 
Ruf: 
492-5350 
E-Mail: 
Siemer-Eikelmann@stadt-
muenster.de 
Datum: 
07.08.2015 
Öffentliche Berichtsvorlage

2 
V/0079/2015 
 
Münster mit einem Fragebogen zum 4. Quartal 2014 angeschrieben. Die Ergebnisse werden im 
Gesundheitsbericht erläutert.  
Der letzte Teil des Berichtes beschreibt ausführlich die Entwicklung eines gemeinsamen Präven-
tionsprojektes des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten und der 
LWL-Klinik Münster. Eine „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ soll dazu beitragen, 
dass vor allem die Familien, die die Angebots- und Hilfestrukturen im Stadtteil nicht ausreichend, 
nicht vernetzt oder nicht zielführend nutzen, mindestens eine Erstberatung während des Klinikau-
fenthaltes der psychiatrisch erkrankten Eltern erhalten. Es wurden hierfür im April 2015 Förder-
mittel bei der Landesinitiative „Starke Seelen“ des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, 
Pflege und Alter (MGEPA) des Landes NRW beantragt.  
Der vorliegende Gesundheitsbericht erhebt zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern und 
Kinder suchtkranker Eltern“ keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er beschreibt vielmehr an ein-
zelnen Beispielen die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen, Vernetzungsstrukturen und Hil-
feketten in der Stadt Münster. Aus den Erfahrungen und den Analysen ergeben sich die Hand-
lungsempfehlungen.  
 
 
 
In Vertretung 
 
gez. 
Thomas Paal 
Stadtrat 
 
Anlagen: Gesundheitsbericht: Kinder psychisch kranker Eltern,  
Gesundheitsförderung für betroffene Familien in Münster 2015

Gesundheitsbericht_Kinder-psychich-kranker-Eltern_DRUCK

101718 Zeichen

MUNSTERS TA DT
Gesundheitsbericht
Kinder psychisch kranker Eltern
Gesundheitsförderung für betroffene Familien in Münster 2015
Amt für Gesundheit, Veterinär-
und Lebensmittelangelegenheiten
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2
Impressum
 Herausgeberin: Stadt Münster
  Amt für Gesundheit, Veterinär- und 
 Lebensmittelangelegenheiten
 Text: Dr. Annette Siemer-Eikelmann
 Mitwirkung: Merle Heitkötter
  Yvonne von Kegler
  Roswitha Sterz
 Redaktion: Dr. Annette Siemer-Eikelmann
 Satz & Layout: Livingpage® GmbH & Co. KG
 Druck: Druckerei Burlage, Münster
  Juli 2015, 700
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3
 1. Einführung S. 4
 2. Entwicklung und empirische Erkenntnisse S. 5
 3. Angebote in Münster 
 3.1 Ausgangslage S. 8
 3.2 Familienberatung in der Abteilung „Psychische Gesundheit“  S. 9
 3.3 Kinder- und Jugendpsychiatrische Sprechstunden im 
Kommunalen Sozialdienst S. 14
 3.4 Umfrageergebnisse „Psychiatrische und 
Psychotherapeutische Praxen“ S. 16
 3.5 Aktivitäten des Arbeitskreises „Psychische Erkrankungen 
in Familien“ S. 19
 3.6 Gruppenangebote in Münster  S. 20
 3.7 Familien-Erfassungsbögen für psychiatrische Kliniken und 
Praxen S. 21
 3.8 Zusammenfassung und Bewertung S. 23
 4. Antrag auf Projektförderung 
 4.1 Landesinitiative NRW „Starke Seelen“ MGEPA S. 26
 4.2 „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ – 
Pilotprojekt in der LWL-Klinik S. 27
 4.3 Ziele und Zielgruppen des Projektes S. 27
 4.4 Beschreibung des Projektes S. 29
 4.5 Evaluation und Finanzierung des Projektes S. 32
 4.6 Zusammenfassung und Bewertung S. 33
 5. Abschließende Bewertung S. 34
 6. Handlungsempfehlungen für Münster S. 38
Literatur S. 39
Anhang
 – Anonymer Fragebogen zum Bedarf von Angehörigengesprächen 
„Kinder psychisch kranker Eltern“ in Münster 2014/2015 S. 46
Inhaltsverzeichnis
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4
 1. Einführung
 Wenn Eltern psychisch erkrankt sind oder eine Suchtstörung aufweisen, 
leiden in der Familie vor allem die schutzbedürftigen Kinder. Sie stellen 
sich viele Fragen. „Warum liegt Mama nur noch im Bett?“ „Was kann ich tun, 
damit Papa nicht so viel Schnaps trinkt?“ „Wieso sagt Mama, dass unsere 
Familie von allen Menschen beobachtet und verfolgt wird?“ „Womit kann 
ich verhindern, dass Papa sich wieder umbringen möchte?“ Diese Mädchen 
und Jungen bleiben mit ihren Fragen und Sorgen allzu häufig alleine. 
Anders als bei körperlichen Erkrankungen ihrer Eltern bewahren sie oft mit 
viel Energie die psychischen Erkrankungen in der Familie als Geheimnis. 
Und wenn sie endlich mitteilen, dass zuhause alles aus den Fugen gerät, 
werden ihre Verlustängste in der professionellen Dynamik schnell über-
hört. 
 Alle Kinder wollen starke und verlässliche Eltern. Psychisch erkrankte Eltern 
müssen damit leben, dass sie trotz besten Willens diese Voraussetzungen 
nicht immer bieten können. Betroffene Kinder müssen damit leben, dass 
ihnen mindestens phasenhaft eine sichere Elternbasis fehlt. 
(Gesundheitsamt 2011) 
 
 Kinder psychisch kranker Eltern 
haben durch eine Verschränkung 
genetischer und psychosozialer 
Belastungsfaktoren ein deutlich 
höheres Risiko selbst psychisch 
zu erkranken, als ihre Alters-
genossen. Sie sind oftmals über 
einen langen Zeitraum elterlichen 
Verhaltensweisen ausgesetzt, die 
sie weder verstehen noch verar-
beiten können. Dies führt  zu einer 
Verunsicherung in der  eigenen 
Wahrnehmung. Die Tabuisie-
rung der psychischen Erkrankung 
erschwert den offenen Umgang mit der Krankheit und verstärkt die soziale 
Isolierung der Kinder. Ausgeprägte Schuld- und Verantwortungsgefüh-
le gegenüber dem kranken Elternteil belasten den Alltag. Hinzu kommen 
Störungen im Bindungsverhalten und im Ablöseprozess, wenn der Rück-
griff auf eine emotional sichere und kontinuierliche Eltern-Basis nicht 
gegeben ist. (Siemer-Eikelmann 2008)
1. Einführung
Abbildung 1: „Absturzgefahr“ (AKPE 2001)
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52. Entwicklung und empirische Erkenntnisse
 Die betroffenen Kinder und ihre Familien sind, insbesondere in Krisen-
situationen, auf ein gut entwickeltes Netzwerk flexibler struktureller, 
pädagogischer, psychiatrischer und sozialer Hilfen und kooperierender 
Helfer angewiesen. Nur so ist gewährleistet, dass die belasteten Mädchen 
und Jungen einerseits ihre Fähigkeiten und Ressourcen für eine gesun-
de Persönlichkeitsentwicklung nutzen können und andererseits nicht in 
dauerhafte Überforderungssituationen geraten.
 Bundesweit betrachtet ist die notwendige Zusammenarbeit zwischen der 
Jugendhilfe und der Psychiatrie nach wie vor wenig effektiv. An verschie-
denen Orten in Deutschland sind daher mittlerweile Projekte zur Förderung 
der interdisziplinären Zusammenarbeit der Institutionen entstanden. Darü-
ber hinaus sind unterschiedliche  präventive Beratungs-, Betreuungs- und 
Gruppenangebote für Kinder psychisch kranker Eltern entwickelt worden.
 2. Entwicklung und empirische Erkenntnisse 
 Die ersten deutschsprachigen Publikationen und Initiativen, die sich mit 
den Problemen „Kinder psychisch kranker Eltern“ beschäftigten, entstan-
den vor 20 Jahren. Remschmidt und Mattejat veröffentlichen 1994 das 
Buch „Kinder psychotischer Eltern“ (Remschmidt u. Mattejat 1994). In 
Freiburg entstand 1995 das erste Modellprojekt zur präventiven Grup-
penarbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern unter der Bezeichnung 
„AURYN“. In Hamburg wurde 1996 das Netzwerk des Vereins „SeelenNot 
e.V.“ gegründet. „Der Bundesverband der Angehörigen Psychisch Kranker“ 
organisierte 1996 einen Bundeskongress zum Thema „Hilfen für Kinder 
psychisch Kranker“. 1998 folgte die Veröffentlichung des Buches „…nicht 
von schlechten Eltern“ (Mattejat 1998).
 Seither sind Kinder als belastete Angehörige psychisch kranker Eltern 
langsam aber kontinuierlich in den Fokus der Fachöffentlichkeit gerückt. 
Die Zusammenhänge zwischen elterlicher Erkrankung und kindlichen 
Belastungen wurde in verschiedenen Publikationen differenziert herausge-
arbeitet (Mattejat 1998; Junglas 2006; Wiegand-Grefe 2009; Wagenblass 
2011; Lenz 2013). Gleichzeitig fanden präventive und gesundheitsfördern-
de Aspekte eine immer größere Beachtung. Überall in Deutschland entwi-
ckelten sich Arbeitsgruppen, Projekte und Kooperationsstrukturen (Projekt 
„KIPKEL“, Patenschaftsprojekt „PFIFF“ e.V. u. a.). Es wurden auf Initiative 
von Sabine Wagenblass jährliche Treffen durchgeführt, bei denen sich 
die Fachkräfte der Projekte über Hilfsangebote und Finanzierungsformen 
austauschten. 2006 formierte sich aus diesen Treffen die Bundesarbeits-
gemeinschaft „Kinder psychisch erkrankter Eltern“ (BAG 2013). 
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 Der 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung griff das Thema 
2009 auf und forderte von der Erwachsenenpsychiatrie, der Kinder- und 
Jugendpsychiatrie und der Kinder- und Jugendhilfe, die gemeinsame 
Verantwortung für die Stärkung und Förderung betroffener Kinder wahr-
zunehmen und die Kooperations- und Netzwerkarbeit zu sichern. So sollte 
in der Behandlung und Beratung von psychisch- oder suchtkranken Eltern 
regelhaft die Frage gestellt werden, ob sie Kinder haben und ob diese ggf. 
Beratung, Unterstützung oder Förderung benötigen (Bundesministerium 
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009)
 Trotz aller engagierten regionalen Initiativen, politischen Bemühungen und 
fachlichen Erkenntnisse ist die Versorgungssituation betroffener Familien 
in Deutschland immer noch unbefriedigend. Die meisten psychisch kran-
ken Eltern erkennen die Belastung ihrer Kinder sehr wohl. Aus Angst vor 
Stigmatisierung oder Kontrolle nehmen sie die Angebote der öffentlichen 
Jugendhilfe aber nur unzureichend wahr. Hinzu kommt, dass sie oft sehr 
isoliert leben und unzureichende Kenntnisse über sozialraumorientier-
te Hilfestrukturen und gesundheitsfördernde Angebote haben. Es bedarf 
deshalb niedrigschwelliger und aufsuchender Zugangswege in der Bera-
tung. Ferner werden an den Schnittstellen verbindlich abgestimmte Hilfe-, 
Behandlungs-, Präventions- und Selbsthilfeangebote benötigt, die den 
komplexen Bedarf der ganzen Familie berücksichtigen und nicht in ihren 
Aufträgen und Anforderungen konkurrieren. 
 Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages gab in ihrer Stellung-
nahme vom 04. Juni 2013 deshalb u. a. die Empfehlung, Präventions- und 
Früherkennungsstrukturen dort zu schaffen, „wo Eltern und Kinder bereits 
in Kontakt mit dem Gesundheitswesen oder mit psychosozialen Strukturen 
sind“ (Walter-Rosenheimer 2013). 
 Wegen der weiterhin hohen Aktualität des Themas haben zahlreiche Fach-
verbände, Institute und Organisationen am 16. Januar 2014 den Familien-
ausschuss und den Gesundheitsausschuss des Bundestages angeschrie-
ben. Sie beantragten „die Einrichtung einer Sachverständigenkommission 
zur Bewertung der Versorgungssituation von Kindern und Familien mit 
psychisch kranken Eltern und zur Analyse des bundesrechtlichen Hand-
lungsbedarfs“ (AFET 2014). Ziel ist es, die Wechselwirkungen im Famili-
ensystem zukünftig bei der Gestaltung von komplexen Hilfen konsequent 
zu berücksichtigen und umzusetzen sowie Schnittstellen zu optimieren. 
Ferner sollen Qualitätskriterien und Finanzierungsoptionen beim Aufbau 
von Kooperationen und Netzwerken erarbeitet werden. 
 In Deutschland lebten 2013 ca. 13 Millionen Kinder und Jugendliche 
(Destatis 2015).
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 In der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgungsforschung sind 
die empirischen Daten über Kinder psychisch kranker Eltern nicht ganz 
einheitlich. Es werden in Deutschland zwischen 1,5 bis 3 Millionen Kinder 
benannt, deren Eltern vorübergehend oder dauerhaft an einer psychischen 
Störung erkrankt sein sollen. Ca. 2,5 Millionen Kinder sollen von einer 
Abhängigkeitserkrankung der Eltern betroffen sein.
 Bei konservativer Schätzung und Berücksichtigung von Komorbiditäten 
kann davon ausgegangen werden, dass mindestens ca. 3 Millionen Kinder 
und Jugendliche von einer psychischen Erkrankung und/oder Suchterkran-
kung ihrer Eltern betroffen sind (AGJ 2010; Lenz 2013; Deutsches Ärzte-
blatt 2014).    
 Die Geburtenrate bei psychisch kranken Eltern variiert mit dem psych-
iatrischen Krankheitsbild, dem Krankheitsbeginn und dem elterlichen 
Geschlecht. Die höchste Elternschaftsrate weisen depressiv erkrank-
te Mütter auf (Plass u. Wiegand-Grefe 2012). 20 % - 30 % aller stationär 
behandelten psychiatrischen Patienten in Deutschland sind Eltern minder-
jähriger Kinder (Franz 2012). Circa 72 % der Eltern lebt mit ihren Kindern 
zusammen (Lenz 2011). Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung haben 
Kinder psychisch kranker Eltern deutlich häufiger alleinerziehende Eltern 
(meist Mütter) und seltener Geschwister (Plass und Wiegand-Grefe 2012).
 Kinder psychisch kranker Eltern haben ein deutlich erhöhtes Risiko eben-
falls psychiatrische Störungen zu zeigen. Studien gehen im Durchschnitt 
von mindestens einem 3- fach erhöhten Erkrankungsrisiko aus.  Im Einzel-
fall kann dieses auch bei 50 % liegen – in Abhängigkeit vom genetischen 
Risiko, von sozialen Belastungsfaktoren und von Resilienzfaktoren. In der 
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Philipps-Universität Marburg 
wurde von 1998 bis 2002 bei stationär behandelten Kindern und Jugend-
lichen die Häufigkeit psychischer Erkrankungen der Eltern untersucht 
(Mattejat und Remschmidt 2008). Etwa die Hälfte der Eltern der psychisch 
erkrankten Kinder wies ebenfalls eine psychische Störung auf.
     
 Abbildung 2: Dynamik der seelischen Gesundheit
2. Entwicklung und empirische Erkenntnisse
Anforderungen Ressourcen
Belastungen Schutzfaktoren
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 Die Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen der elterlichen 
psychischen Erkrankung bzw. Suchterkrankung und der gesundheitli-
chen Entwicklung der betroffenen Kinder machen umfassende präventi-
ve Strategien notwendig. Mit dem im Juni 2015 im Deutschen Bundestag 
verabschiedeten Präventionsgesetz kann nun auf eine Gesetzesgrundlage 
zurückgegriffen werden, die explizit auch in Kernbereichen der psychi-
schen Gesundheit nationale Präventionsmaßnahmen fordert und somit die 
Gesundheitsförderung im Alltag von Bürgerinnen und Bürgern grundlegend 
verbessert. Das Präventionsgesetz verpflichtet die Sozialversicherungs-
träger und die Akteure in Ländern und Kommunen in der Prävention und 
Gesundheitsförderung zusammenzuarbeiten. In der Umsetzung wird dem 
Öffentlichen Gesundheitsdienst und der kommunalen Gesundheitskonfe-
renz eine wichtige Bedeutung zukommen (Bundeministerium für Gesund-
heit 2015).
 Dies verbessert auch die Grundlage für gesundheitsförderliche Maßnah-
men bei Kindern psychisch kranker und suchtkranker Eltern.
 3. Angebote in Münster
 3.1 Ausgangslage
 In der Stadt Münster wohnen knapp 45.000 Minderjährige. Davon haben 
schätzungsweise mindestens 10.000 Kinder und Jugendliche Eltern, die an 
einer belangvollen psychischen Störung und/oder Suchterkrankung leiden 
(Berechnung auf der Grundlage von mindestens 3 Millionen betroffenen 
Kindern und Jugendlichen in Deutschland). 
 Wie in vielen Städten und Gemeinden sind auch in der Stadt Münster in den 
letzten 10 Jahren Angebote, Initiativen, Projekte und Vernetzungsstruktu-
ren entwickelt worden, die die Zielgruppe „Kinder psychisch kranker Eltern“  
in den Fokus rücken. 
 Zwischen vielen beteiligten Akteuren aus der Jugendhilfe, dem Betreu-
ten Wohnen, der Frühförderung, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der 
Psychiatrie, der Psychotherapie und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst 
wachsen Kooperationen und gemeinsame Strategien.  
 Säuglinge psychiatrisch erkrankter Mütter werden in den psychiatrischen 
Kliniken in Münster in Einzelfällen mit aufgenommen. Eine beziehungs- 
und bindungsförderliche Therapie kann dort allerdings nicht stattfinden. 
 Die nächste Fachklinik, die dies im ersten Lebensjahr der Kinder anbietet, 
ist die LWL-Klinik Herten. 
 In der LWL-Klinik Lengerich ist eine Begleitung der Kinder vom ersten bis 
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zum sechsten Lebensjahr möglich. Die Kinder werden tagsüber in der 
klinikinternen Kindertagesstätte betreut. 
 Für Kinder im Vorschulalter sind zwei erfolgreiche Einrichtungen in Müns-
ter, die von seelisch belasteten Eltern in Anspruch genommen werden 
können, besonders erwähnenswert. 
 Die Familientagesklinik des Universitätsklinikums Münster bietet emotional 
überforderten Eltern von psychisch auffälligen Vorschulkindern ein teil-
stationäres familienorientiertes integratives Behandlungskonzept an. Dies 
berücksichtigt in gleicher Weise den Bedarf von Kindern und Eltern. 
 Das Eltern-Kind-Haus der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz dient als 
stationäre Jugendhilfeeinrichtung der diagnostischen Klärung sowie der 
Entwicklung und Umsetzung einer tragfähigen Eltern-Kind-Beziehung. 
 Eine langfristig konzipierte gemeinsame Wohnform ausschließlich für 
psychisch kranke oder suchtkranke Eltern und deren Kinder  gibt es in 
Münster bislang nicht. Ob der Aufbau dieser spezialisierten stationären 
Reha-Maßnahmen erstrebenswert ist, kann aktuell nicht beurteilt werden, 
da evaluierte Langzeitberichte, v. a. zur Entwicklung der Kinder in solchen 
Einrichtungen, fehlen. 
 3.2 Familienberatung in der Abteilung „Psychische Gesundheit“
 Seit sechs Jahren werden in der Abteilung „Psychische Gesundheit“ des 
Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten 
schwerpunktmäßig die Kinder psychisch kranker Eltern frühzeitig und 
präventiv in den Fokus genommen. 
 Der Sozialpsychiatrische Dienst und der Kinder- und Jugendpsychiat-
rische Dienst der Abteilung arbeiten für diese Risikogruppe verlässlich 
zusammen, um sowohl den psychisch kranken Eltern hinsichtlich ihres 
Beratungsbedarfes als auch den betroffenen Kindern hinsichtlich ihres 
Unterstützungsbedarfes gerecht zu werden. Es finden gemeinsame Bera-
tungstermine und Hausbesuche statt. 
 Die familiäre Diagnostik, Beratung und Hilfeplanung erfolgt in enger 
Kooperation mit der Fachstelle „Frühe Hilfen“ der Abteilung „Kinder- und 
Jugendgesundheitsdienst“ (Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebens-
mittelangelegenheiten) und dem „Kommunalen Sozialdienst KSD“ (Amt für 
Kinder, Jugendliche und Familien). 
 Gemeinsames Ziel ist es, die minderjährigen Kinder psychisch kranker 
Eltern in ihrer gesundheitlichen Entwicklung frühzeitig zu fördern und die 
familiären Ressourcen nachhaltig zu stärken.
 Zur Qualitätssicherung werden seit 2009 in der Abteilung „Psychische 
3. Angebote in Münster
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Gesundheit“ die Daten der betroffenen Familien (psychisch kranke Eltern 
mit minderjährigen Kindern) systematisch und differenziert erfasst. 
 Die Dokumentation und Evaluation dient ausschließlich der Überprüfung 
und Verbesserung der eigenen Arbeit. Die Ergebnisse sind quantitativ und 
qualitativ nicht repräsentativ für die Stadt Münster. Viele psychisch kran-
ke Eltern mit minderjährigen Kindern werden in den Facharztpraxen und 
Institutsambulanzen behandelt, ohne dass der Sozialpsychiatrische Dienst 
oder der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst davon Kenntnis erhält. 
 In der Auswertung werden leibliche Eltern und Adoptiveltern als „Eltern“ 
zusammengefasst. Pflegeeltern und Stiefeltern gehören nicht dazu. Als 
psychisch erkrankt gelten Eltern, bei denen eine psychiatrische Diagno-
se nach dem ICD-10 Kapitel V (Internationale Klassifikation psychischer 
Störungen) festgestellt wurde. Die Definition einer Migrationsvorgeschichte 
orientiert sich am Migrationsleitbild der Stadt Münster (Koordinierungs-
stelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten u. Kommunales 
Integrationszentrum 2014).
 Ergebnisse: Der Sozialpsychiatrische Dienst und der Kinder- und Jugend-
psychiatrische Dienst betreute 2014 insgesamt 1877 psychisch erkrankte 
Menschen. Davon hatten 236 Personen (12,6 % aller Klientinnen und Klien-
ten) elterliche Aufgaben gegenüber minderjährigen Kindern. Geschlechts-
bezogen waren 167 Mütter (71 % von 236 Eltern) und 69 Väter (29 % von 
236 Eltern) betroffen. In 20 Familien waren beide Eltern erkrankt.
 
 Abbildung 3: Psychisch kranke Eltern seit 2009
 Die überwiegende Anzahl der betreuten Familien (84 %) wurde auf der 
Grundlage des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychi-
schen Krankheiten (Psych-KG) betreut. 15% der Familien wurden im 
Rahmen der Jobcenter-Beratung (§ 16a SGB II) gesehen, 1 % der Famili-
en war über Eingliederungshilfen (§§ 53/54 SGB XII und § 35a SGB VIII) 
bekannt geworden.
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 40 % der psychisch kranken Eltern hatten eine Migrationsvorgeschichte. Die 
Mehrheit von ihnen (75 %) gehörte der ersten Einwanderungsgeneration an.
 
 Abbildung 4: Anteil der psychisch kranken Eltern mit Migrationsvorgeschichte 2014
 Der sehr hohe Anteil der Migranten (40 %) bei den psychisch kranken 
Eltern ist bemerkenswert. Bei der Ursachenforschung kommen verschie-
dene Hypothesen in Betracht: Zum einen wird vermutet, dass psychisch 
kranke Menschen mit Migrationsvorgeschichte häufiger Eltern sind und 
damit der Anteil bei der Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten mit 
minderjährigen Kindern ansteigt. Zum anderen werden psychisch kranke 
Eltern mit Migrationsvorgeschichte möglicherweise häufiger an das Amt für 
Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten vermittelt.
 Wie in den Vorjahren wurde auch 2014 bei allen psychisch kranken 
Eltern der Abteilung fachärztlich am häufigsten die Diagnose „Affektive 
Störungen“ gestellt. Hierzu zählen depressive Erkrankungen und bipolare 
(manisch-depressive) Störungsbilder. 78 psychisch kranke Eltern (33 %) 
waren von diesen Diagnosen betroffen. 
 Die differenzierte Auswertung ergibt Gender-Unterschiede: Bezogen auf 
die 167 Mütter war der Anteil der „Affektiven Störungen“ (Depressionen 
und bipolare Störungsbilder) am größten (38 %). Die 69 Väter litten am 
häufigsten unter Suchterkrankungen (29 %).
3. Angebote in Münster
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12
 
 
 Abbildung 5: Hauptdiagnosen der psychisch kranken Eltern 2014
 
 Abbildung 6: Geschlechtergetrennte Auswertung der Hauptdiagnosen 2014 (ICD-10)
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 Die 236 psychisch kranken Eltern, die 2014 im Sozialpsychiatrischen 
Dienst betreut wurden, hatten 378 minderjährige Kinder, 192 Mädchen 
und 186 Jungen. Die Anzahl der betroffenen Kinder verbleibt damit auf 
dem hohen Niveau der Vorjahre.
 137 betroffene Kinder (36 %) befanden sich noch im Vorschulalter, dies 
betraf 74 Mädchen und 63 Jungen.
 
 Abbildung 7: Betroffene Kinder psychisch kranker Eltern seit 2011
 71 (19 %) der 378 erfassten Kinder wurden 2014 wegen einer eigenen 
schwerwiegenden psychischen Störung im Kinder- und Jugendpsychiatri-
schen Dienst der Abteilung „Psychische Gesundheit“ betreut. Es handelte sich 
um 34 Mädchen und 37 Jungen. Der Anteil der im Kinder- und Jugendpsych
-
iatrischen Dienst betreuten Kinder ist in den letzten Jahren stabil geblieben.
 
 Abbildung 8: Anteil der betroffenen Kinder, die 2014 im Kinderpsychiatrischen 
Dienst wegen einer eigenen psychischen Störung bekannt waren
 Der Lebensmittelpunkt der 378 minderjährigen Kinder lag 2014 (wie im 
Vorjahr) zum überwiegenden Anteil (171 = 45 %) im Haushalt des allein-
erziehenden erkrankten Elternteils.  Inwieweit die gesunden Mütter oder 
Väter dennoch Kontakt zu ihren Kindern hielten, konnte nicht ermittelt 
werden. Ferner entzieht sich unseren Erkenntnissen, wie häufig diese 
3. Angebote in Münster
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Familien durch ambulante Hilfen zur Erziehung unterstützt wurden. 
 Am zweithäufigsten lebten die Kinder im gemeinsamen Haushalt des kran-
ken und gesunden Elternteils (103 = 27%). 
 Insgesamt wohnten 2014 demnach 72% der betroffenen Kinder mit ihren 
psychisch erkrankten Eltern zusammen. Der Anteil der Kinder, die ihren 
Lebensmittelpunkt in Institutionen (stationären Jugendhilfeeinrichtungen) 
hatten, war verglichen mit den Vorjahren gleichbleibend niedrig (2014: 25 
Kinder = 7%).
 
 Abbildung 9: Lebensmittelpunkte der betroffenen Kinder seit 2011
 3.3 Kinder- und Jugendpsychiatrische Sprechstunden im KSD
 
 Seit 2004 bietet der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst der Abtei-
lung „Psychische  Gesundheit“ des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und 
Lebensmittelangelegenheiten in jedem Bezirk des Kommunalen Sozial-
dienstes (KSD) des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien einmal 
monatlich eine kinder- und jugendpsychiatrische Sprechstunde an. Die 
Fachärztin und die Sozialpädagoginnen des Kinder- und Jugendpsychiat-
rischen Dienstes beraten sich in diesem Kontext mit den Mitarbeiterinnen 
und Mitarbeitern der Jugendhilfe  und untersuchen die minderjährigen 
Klienten und ihre Bezugspersonen. Bei vorliegender Schweigepflichtsent-
bindung der Sorgeberechtigten nehmen an dieser Sprechstunde bei Bedarf 
auch andere beteiligte Institutionen teil (Kitas, Schulen, Jugendhilfe- und 
Reha-Einrichtungen, Beratungsstellen, Praxen, Familienhebammen u.a.).
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 Abbildung 10: KSD-Sprechstunden und Fälle im Verlauf der letzten 10 Jahre
 Durch die mehr als zehnjährige Zusammenarbeit mit dem KSD hat sich 
eine enge Kooperation und Vernetzung zwischen den Ämtern entwickelt, 
die den betroffenen Familien durch passgenaue und abgestimmte Hilfen 
zugutekommt.   Insbesondere bei Risikogruppen und Multiproblemfamili-
en helfen die Sprechstunden, die Problematik ganzheitlich zu erfassen und 
notwendige Hilfen rechtzeitig zu installieren.  
 Bei den Beratungsfällen sind seit vielen Jahren die Familien mit psychisch 
kranken Eltern überproportional vertreten.
 
 Abbildung 11: 116 KSD-Beratungsfälle 2014
 Von den 116 Fallkonstellationen, die 2014 in den fünf KSD-Bezir-
ken insgesamt beraten wurden, waren in mehr als der Hälfte der Fälle 
psychisch kranke Eltern (leibliche Eltern und  Adoptiveltern) mit minder-
jährigen Kindern betroffen.
 Diese Hochrisikogruppe profitierte von dem engen Zusammenwirken der 
Jugendhilfe, der Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie in 
besonderem Maße. Durch die Berücksichtigung von verschiedenen profes-
3. Angebote in Münster
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16
sionellen Kenntnissen und Verantwortlichkeiten konnten sowohl für die 
psychisch kranken Eltern als auch für die betroffenen Kinder Synergieef-
fekte genutzt und familienbezogene lösungsorientierte Beratungsergeb-
nisse erzielt werden.
 Die abgestimmten Maßnahmen dienten vorrangig der wirksamen Stabi-
lisierung  der betroffenen Familien und der Entwicklungsförderung 
der Kinder. Dabei wurden niederschwellige  Entlastungsangebote (z. B. 
Haushaltshilfen) ebenso in Anspruch genommen wie Selbsthilfegrup-
pen, erzieherische Hilfen, ärztlich-therapeutische Behandlungen  oder 
Eingliederungsmaßnahmen. Wenn aufgrund der chronifizierten elterli-
chen Erkrankung die erzieherische Befähigung dauerhaft eingeschränkt 
blieb und / oder kindliche Gefährdungsaspekte hinzukamen, wurden mit 
den Familien längerfristige strukturelle Hilfen und Notfallpläne erarbeitet. 
Nicht in allen Fällen konnten jedoch einvernehmliche Absprachen mit den 
erkrankten Eltern gefunden werden.
 3.4 Umfrageergebnisse „Psychiatrische und psychotherapeuti-
sche Praxen“
 Es gibt bislang kaum Erkenntnisse, inwieweit minderjährige Kinder als 
Angehörige in der ambulanten Regelbehandlung der psychisch kran-
ken Eltern quantitativ und qualitativ erfasst und berücksichtigt werden. 
Deshalb wurden von der Abteilung „Psychische Gesundheit“ des Amtes 
für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten alle psych-
iatrischen und psychotherapeutischen Praxen im Januar 2015 in Münster 
angeschrieben und gebeten, einen anonymen Fragebogen zum 4. Quartal 
2014 auszufüllen. 
 Ausgehend von der Gesamt-Anzahl der behandelten Erwachsenen bezog 
sich die Umfrage speziell auf Patientinnen und Patienten mit  „Elternfunk-
tion“. Zum einen wurde die Anzahl der psychisch Erkrankten, die mit 
minderjährigen Kindern in einem Haushalt leben, erfragt. Zum ande-
ren wurde die Anzahl der im Haushalt lebenden minderjährigen Kinder 
erhoben. Hierzu zählten neben leiblichen Kindern auch Adoptivkinder, 
Pflegekinder und Stiefkinder. Darüber hinaus wurden die behandelnden 
Ärztinnen/Ärzte und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten gezielt zu 
Angehörigengesprächen mit Kindern befragt. 
 Ergebnisse: Der anonyme Fragebogen wurde an 23 psychiatrische 
Facharztpraxen sowie 251 Psychotherapiepraxen gesandt.  Der Rücklauf 
bei den Facharztpraxen belief sich auf 74 % (= 17 Fragebögen), bei den 
Psychotherapiepraxen auf 16 % (= 40 Fragebögen). 
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 Die 17 Facharztpraxen, die sich zurückgemeldet hatten, behandelten im 
4. Quartal 2014 insgesamt 9.026 Patientinnen und Patienten, 55 % waren 
weiblich, 45 % männlich. 
 3966 ambulant behandelte Menschen lebten mit ihren minderjährigen 
Kindern in einem Haushalt, das waren 44 % aller Patientinnen und Patien-
ten. 
 Von diesen 3966 psychisch erkrankten Eltern waren 57 % Mütter und 
43 % Väter. Die betroffenen Eltern hatten insgesamt  3.582 minderjährige 
Kinder. 
 Den Angaben zu Müttern, Vätern und Kindern lagen überwiegend 
Schätzwerte der psychiatrischen Praxen zugrunde. 
 Die 40 psychotherapeutisch ausgerichteten Praxen, die den Fragebogen 
bearbeitet hatten, behandelten im 4. Quartal 2014 insgesamt 1.902 Pati-
entinnen und Patienten, 73 % waren weiblich, 27 % männlich.
 
686 psychotherapeutisch begleitete Menschen lebten mit minderjährigen 
Kindern in einem Haushalt, das waren 36 % aller Patientinnen und Patien
-
ten.
 Von diesen 686 psychisch erkrankten Eltern waren 77 % Mütter und 23 % 
Väter. Die psychotherapeutisch behandelten Eltern hatten insgesamt 818 
minderjährige Kinder.
 Den Angaben zu Müttern, Vätern und Kindern lagen überwiegend errech-
nete Daten der Psychotherapiepraxen und damit seltener Schätzwerte 
zugrunde.
 Psychoedukative Angehörigengespräche mit Kindern (= Beratungs- und 
Entlastungsgespräche zur elterlichen Erkrankung) boten 18 % der psychia-
trischen Praxen und 26 % der Psychotherapiepraxen an.
 
 Abbildung 12: Angehörigengespräche mit Kindern
3. Angebote in Münster
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 Die psychiatrischen Praxen, die den betroffenen Kindern ihrer Patientinnen 
und Patienten grundsätzlich Beratungskontakte anboten, haben im vergan-
genen Jahr (2014) mehrheitlich (67 %) 5-10 entsprechende Angehörigenge-
spräche geführt. Keine Praxis konnte mehr als 10 Gespräche anbieten.
 
 Abbildung 13: Angehörigengespräche mit Kindern in psychiatrischen Praxen 2014
 Die Psychotherapiepraxen, die den betroffenen Kindern ihrer Patientinnen 
und Patienten grundsätzlich Beratungskontakte anboten, haben im vergan-
genen Jahr (2014) mehrheitlich (60 %) nur 0-5 entsprechende Gespräche 
geführt. Immerhin konnten aber auch 20 % der Psychotherapiepraxen mehr 
als 10 Angehörigengespräche mit Kindern anbieten.
 
 Abbildung 14: Angehörigengespräche mit Kindern in Psychotherapiepraxen 2014
 Die Ärztinnen und Ärzte für Psychiatrie und die Psychotherapeutinnen 
und Psychotherapeuten, die keinerlei psychoedukative Angehörigenge-
spräche mit Kindern führten, äußerten sich zu den Hinderungsgründen.  
Die Mehrheit gab an, dass keine Nachfrage oder sogar eine Ablehnung 
bei den Familien bestand. Außerdem wurde häufig auf die fehlende eige-
ne Zuständigkeit, die mangelnde eigene Kompetenz, den Zeitdruck und 
die Finanzierungsprobleme hingewiesen. Ein Teil der Praxen erachtete die 
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Gespräche bei bestimmten Kriterien (z. B. bei sehr kleinen Kindern oder bei 
hochbelasteten Kindern) für nicht sinnvoll. 
 Trotz der o. g. Bedenken sah die überwiegende Mehrheit der psychiatri-
schen Facharztpraxen (76 %) und der Psychotherapiepraxen (81 %) einen 
Bedarf, Angehörigengespräche für Kinder psychisch kranker Eltern anzu-
bieten.
 Damit dies gelingen kann, wurden umfangreiche Verbesserungsvorschläge 
benannt.  Ein großer Teil aller rückmeldenden Praxen hielt eine gezielte-
re Aufklärung der Eltern und eine bessere Vernetzung der Institutionen 
(Ärzteschaft, Psychotherapieeinrichtungen und -praxen, Ämter, Bera-
tungsstellen) für erforderlich.
 Mehrfach wurde darauf verwiesen, dass Angehörigengespräche mit 
Kindern von anderen Stellen (Familienberatungsstellen, Kinderarztpraxen, 
Praxen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie) übernommen werden 
sollten.
 Es gab allerdings auch ebenso häufig den Wunsch, die eigene Kompetenz 
zu diesem Thema durch entsprechende Fortbildungen zu erweitern. Hilf-
reich erschienen die Erarbeitung eines Leitfadens und die Bereitstellung 
von Informationsmaterial.
 Ein Teil der rückmeldenden  Praxen forderten für Angehörigengespräche 
zeitliche Ressourcen und die Kostenübernahme durch die Krankenkassen.
 3.5 Aktivitäten des Arbeitskreises 
„Psychische Erkrankungen in Familien“
 Bereits 1997 gründete sich in der Stadt Münster der Arbeitskreis „Kinder 
psychisch kranker Eltern“, um durch ein Netzwerk kooperierender Insti-
tutionen die komplexe Lebenssituation von betroffenen Familien zu 
verbessern. Durch die Initiative der Staatlichen Fachhochschule Münster 
(Fachbereich Sozialwesen), unter Beteiligung des Amtes für Gesundheit, 
Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten und des Amtes für Kinder, 
Jugendliche und Familien, entwickelte sich ein Gremium, das bis heute 
erfolgreich arbeitet und 2009 in „Psychische Erkrankungen in Familien“ 
umbenannt wurde.
 Ziel der Arbeitstreffen ist die Stärkung der interdisziplinären Zusam-
menarbeit der beteiligten Institutionen und die Optimierung der Versor-
gungssituation. Der Arbeitskreis setzt sich aus sozialpädagogischen, 
heilpädagogischen, psychologischen und ärztlichen Mitarbeiterinnen und 
Mitarbeitern des Kommunalen Sozialdienstes, der freien Jugendhilfeträger, 
der Beratungsstellen, des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebens-
mittelangelegenheiten, der psychiatrischen, pädiatrischen und kinder- und 
3. Angebote in Münster
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jugendpsychiatrischen Kliniken und Praxen, sowie des Angehörigenvereins 
zusammen und trifft sich aktuell zweimal jährlich.
 In den letzten 18 Jahren hat der Arbeitskreis verschiedene Aktivitäten initi-
iert. 1999 wurden unter Federführung der Fachhochschule alle psychiatri-
schen Kliniken in Münster zur Situation „Kinder psychisch kranker Eltern“ 
befragt. 
 2001 organisierte der Arbeitskreis einen multiprofessionellen Fachtag in 
der LWL-Klinik Münster zu dem damals noch wenig beachteten Thema und 
gab einen Flyer zum Arbeitskreis „Kinder psychisch kranker Eltern“ heraus. 
Ferner wurde 2005 ein Musterbogen zur Erfassung betroffener Kinder erar
-
beitet und allen psychiatrischen Kliniken in Münster zur Verfügung gestellt. 
 Auf Anregung und mit Beteiligung des Arbeitskreises wurden 2003 erst-
mals themenzentrierte Gruppenangebote für Kinder psychisch kranker 
Eltern („Auryn-Gruppen“) entwickelt. Mit finanzieller Unterstützung der 
Stiftung Siverdes konnten von 2003 bis 2006 vier Kinder– und Jugendli-
chengruppen durchgeführt werden. Die Evaluation durch die Fachhoch-
schule Münster während der ersten Gruppenphase zeigte, dass die Kinder 
von den Gruppenaktivitäten, vor allem durch die spielerische Entlastung 
und die altersgerechten Informationen, profitierten. 2005 wurden die 
Ergebnisse auch im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fachhochschule 
Münster berücksichtigt. 
 Die Weiterführung und Weiterentwicklung der erfolgreichen „Auryngrup-
pen“ übernahmen 2008 in Kooperation der Förderkreis Sozialpsychiatrie e. 
V. und die Beratungsstelle Südviertel e. V. (siehe 3.6 Gruppenangebote).
 3.6 Gruppenangebote in Münster
 Auryn-Gruppe:
 Das Präventivangebot „Auryn-Gruppe“ für Kinder und Jugendliche 
psychisch kranker Eltern hat sich seit 2008 in Münster fest etabliert. „Der 
Name „Auryn“ steht für ein Amulett, das unbesiegbar macht und Kraft und 
Mut verleiht, um schwierige Aufgaben zu bewältigen. Es stammt aus dem 
Buch „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende.“ (Auryn-Gruppe 2008) 
 Das Gruppenangebot wird in der jetzigen Form gemeinsam vom Förder-
kreis Sozialpsychiatrie e.V. (Jugendhaus Piusallee) und von der Beratungs-
stelle Südviertel e.V. für betroffene Kinder aus allen Stadtteilen in Münster 
angeboten und ist kostenfrei. Im Frühjahr 2015 wurde bereits die 
12. Auryngruppe durchgeführt. 
 Die Gruppe bietet einen Schutzraum zum Austausch über gemeinsame 
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Sorgen, Ängste und belastende Gefühle sowie eine altersgerechte Aufklä-
rung über die psychische Erkrankung der Eltern. Ziel ist die Stärkung von 
Selbstvertrauen und Zuversicht. Die Mädchen und Jungen werden im Grup-
penkontext ermutigt, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie 
erlernen den Umgang mit Überforderungssituationen, z. B. durch Rollen-
umkehr, und eignen sich Bewältigungsstrategien bei Stress an. Sie stel-
len einen „Notfallkoffer“ zusammen, um die elterlichen Krisensituationen 
besser bewältigen zu können. Der „Notfallkoffer“ beinhaltet u. a. wichtige 
Ansprechpersonen, Telefonnummern, Handlungsstrategien und aufmun-
ternde Sätze.
 Auch die Eltern erleben die Gruppe als große Entlastung. 
 An den zeitlich befristeten Gruppen können Kinder und Jugendliche 
zwischen 6 und 17 Jahren teilnehmen. Vorzugsweise nehmen das Angebot 
aber Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren in Anspruch. 
 Für maximal 8 Kinder finden 11 wöchentliche Gruppentreffen (je 1,5 Stun-
den) statt. Zugangsvoraussetzungen sind  Schulbesuch, Krankheitseinsicht 
der Eltern und Teilnahmebereitschaft an Elterntreffen. Die Gruppe wird von 
zwei erfahrenen Fachkräften durchgeführt.
 Aufwind-Gruppe:
 Seit 2011 gibt es in Münster ein weiteres präventives Gruppenkonzept. 
Die Gruppe „Aufwind“ richtet sich an psychisch belastete und von Isolation 
bedrohte Eltern, die Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter haben. 
 Das Gruppenangebot ist ebenfalls ein Kooperationsprojekt zwischen dem 
Förderkreis Sozialpsychiatrie e.V. (Jugendhaus Piusallee) und der Bera-
tungsstelle Südviertel e.V. Es kann von betroffenen Eltern aus allen Stadt-
teilen in Münster in Anspruch genommen werden und ist kostenfrei.
 Die Gruppe „Aufwind“ ermöglicht den häufig alleinerziehenden Müttern 
und Vätern den Austausch über ihre psychische Erkrankung, die Auswir-
kungen auf das Familienleben und die Erziehung der Kinder. Die Eltern 
profitieren in der Gruppe von emotionaler Entlastung, Stärkung, Beratung 
und Entspannung. Sie erleben Spaß und Selbstwirksamkeit. 
 Die offene Gruppe findet einmal wöchentlich (1,5 Stunden) statt und wird 
von zwei erfahrenen Fachkräften geleitet.
 3.7 Familien-Erfassungsbögen für psychiatrische Kliniken und 
Praxen
 Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Hilfen für Kinder psychisch kranker 
Eltern“ beschäftigt sich seit August 2014 intensiv mit der Verbesserung der 
3. Angebote in Münster
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Schnittstellenproblematik Psychiatrie / Jugendhilfe. Die Federführung hat 
hier das Amt für Kinder, Jugendliche  und Familien der Stadt Münster.
 Als Basis der gemeinsamen Arbeit wurde eine verbesserte interdiszipli-
näre Kooperation und Abstimmung der betroffenen Institutionen formu-
liert, um der komplexen Lebenssituation von  belasteten Familien Rech-
nung zu tragen. Es wurde deutlich, dass Informationslücken auf Seiten 
der verschiedenen Helfersysteme die Zusammenarbeit oft behindern und 
einseitige Strategien  begünstigen. Zukünftig benötigt die Jugendhilfe auf 
der einen Seite mehr Informationen über Ursachen, Verlauf und Behand-
lungsmöglichkeiten von psychiatrischen Erkrankungen betroffener Eltern. 
Die Erwachsenenpsychiatrie auf der anderen Seite braucht Wissen über die 
im SGB VIII verankerten Rechte, Schutzmaßnahmen und Hilfen für Kinder, 
Jugendliche und Eltern. Auf beiden Seiten wird die Bereitschaft unerlässlich 
sein, frühzeitig gemeinsame Hilfeplanungen mit den Familien zu erstellen, 
um die betroffenen Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung best-
möglich zu fördern. 
 Unter Mitwirkung von Vertreterinnen und Vertretern der öffentlichen und 
freien Jugendhilfeträger, der psychiatrischen und kinder- und jugendpsy-
chiatrischen Kliniken und Praxen sowie unter Beteiligung der Abteilungen 
„Psychische Gesundheit“ und „Kinder- und Jugendgesundheit“ des Amtes 
für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten wird an der 
Entwicklung eines leistungs- und trägerübergreifenden Handlungsleitfa-
dens gearbeitet. 
 Das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten 
suchte hierfür die Abstimmung mit den ärztlichen Vertreterinnen und 
Vertretern aller psychiatrischen Kliniken in Münster und dem Vertreter der 
niedergelassenen Psychiaterinnen und Psychiater. Es bildete sich ein ärzt-
liches  Fachgremium, das im Juni 2015 einen „Familienerfassungsbogen“ 
entwickelte. Dieser ist als Arbeitshilfe während der ambulanten und stati-
onären Behandlung von psychisch kranken Eltern vorgesehen und kann 
dazu beitragen, dass die im Haushalt der Patienten lebenden minderjäh-
rigen Kinder rechtzeitig erfasst werden. Es sollen sowohl Ressourcen als 
auch Probleme im Familiensystem frühzeitig berücksichtigt werden. 
 Der „Familienerfassungsbogen“ wird für den Handlungsleitfaden „Hilfen 
für Kinder psychisch kranker Eltern“ bereitgestellt. Die weitere Bearbeitung 
liegt im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien. Es muss sich allerdings 
erst noch zeigen, ob er als Arbeitshilfe im klinischen Alltag gut hand-
habbar ist und eine Bereicherung in der Kooperation mit der Jugendhilfe 
darstellt. Ggf. bedarf es einer dynamischen Anpassung.
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 3.8 Zusammenfassung und Bewertung 
 Die Versorgungssituation „Kinder psychisch kranker Eltern“ und „Kinder 
suchtkranker Eltern“ findet in der Stadt Münster schon seit über 10 Jahren 
Beachtung. Viele Akteure im Gesundheitswesen haben dazu beigetragen, 
dass Vernetzungsstrukturen und Angebote für diese schutzbedürftige und 
belastete Zielgruppe verbessert werden konnten.
 In der Abteilung „Psychische Gesundheit“ des Amtes für Gesundheit, Vete-
rinär- und Lebensmittelangelegenheiten findet in den Fachdiensten „Sozi-
alpsychiatrischer Dienst“ und „Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst“ 
seit 2009 eine systematische Erfassung von Kindern psychisch kranker 
Eltern und deren Familien statt. Dies hat zu einer familienorientierten 
Sichtweise beigetragen, die Vernetzung systematisiert und die Überprü-
fung der eigenen Arbeit ermöglicht. 
 Die Auswertung der Daten zeigt, dass der Anteil psychisch kranker Eltern 
mit minderjährigen Kindern in der Abteilung „Psychische Gesundheit“ seit 
2012 gleichbleibend hoch ist. 
 2014 wurden 236 psychisch erkrankte Eltern (leibliche Eltern und Adop-
tiveltern) betreut, betroffen waren überwiegend Mütter (71 %). Ein großer 
Anteil (40 %) der Eltern hatte eine Migrationsvorgeschichte. Die überwie-
gende Mehrheit von ihnen gehörte zur 1. Einwanderungsgeneration und 
war somit überproportional von weiteren psychosozialen Belastungen 
betroffen (Sprachbarrieren, Entwurzelung, Traumata). Der Lebensmittel-
punkt der betroffenen 378 Kinder lag am häufigsten (45 %) im Haushalt 
des alleinerziehenden psychisch kranken Elternteils. Für diese Familien 
ergaben sich hinsichtlich Beziehungskontinuität, Sicherheit und Stabili-
tät besondere Anforderungen und Risiken (AGJ 2010). Diese Kinder waren 
insgesamt häufiger von erzieherischer Überforderung, Betreuungswech-
seln, sozialen Notlagen und Isolation betroffen. 36 % der 378 Kinder 
befanden sich noch im Vorschulalter, was für die Gesundheitsförderung, 
Früherkennung und Frühintervention große Herausforderungen darstellte 
aber auch präventive Chancen bot.
 Insgesamt bestätigt die Datenanalyse, dass in den kooperierenden Fach-
diensten „Sozialpsychiatrischer Dienst“ und „Kinder- und Jugendpsychia-
trischer Dienst“ viele Risikofamilien mit einem komplexen Bedarf betreut 
werden. Kinder psychisch kranker Eltern und Kinder suchtkranker Eltern 
werden hier als  Angehörige wahrgenommen und unterstützt. 
 Die monatlichen kinder- und jugendpsychiatrischen Sprechstunden in 
jedem Bezirk des Kommunalen Sozialdienstes (KSD) des Amtes für Kinder, 
Jugendliche und Familien sind ein weiteres „Instrument“, um notwendige 
Hilfen für diese Zielgruppe abzustimmen und einzuleiten. 2014 waren in 
3. Angebote in Münster
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mehr als der Hälfte der 116 Fallberatungen / Untersuchungen psychisch 
kranke Eltern (leibliche Eltern und  Adoptiveltern) mit minderjährigen 
Kindern betroffen.
 Die Erfahrungen zeigen, dass die KSD-Sprechstunden des Kinder- und 
Jugendpsychiatrischen Dienstes einen wichtigen Beitrag zur besseren 
Vernetzung und gezielten Prävention bei Kindern psychisch kranker Eltern 
in Münster leisten.
 Zur Erfassung der Situation von Kindern psychisch kranker und sucht-
kranker Eltern im ambulanten Regelversorgungssystem  wurden alle 
psychiatrischen und psychotherapeutischen Praxen in Münster gebeten, 
einen anonymen Fragebogen zum 4. Quartal 2014 auszufüllen. Es wurden 
quantitative und qualitative Angaben zu minderjährigen Kindern (leibliche 
Kinder, Adoptivkinder, Pflegekinder, Stiefkinder) erhoben, die im Haushalt 
ihrer  psychisch kranken Eltern leben. 
 Der Rücklauf des Fragebogens aus den psychiatrischen Facharztpraxen war 
mit 74 % repräsentativ. Von den dort behandelten 9.026 Patienten im 4. 
Quartal 2014 waren 44 % Eltern minderjähriger Kinder.
 Der Rücklauf aus den psychotherapeutischen Praxen gab mit 16 % nur ein 
Meinungsbild wieder. Hier waren von 686 behandelten Patienten im 4. 
Quartal 2014 36 % Eltern minderjähriger Kinder.
 In beiden Bereichen wurden deutlich mehr Mütter als Väter behandelt. 
Insgesamt waren 4.400 minderjährige Kinder als Angehörige betroffen 
(überwiegend Schätzwerte).
 Die Mehrheit der psychiatrischen Facharztpraxen (76 %) und der Psycho-
therapiepraxen (81 %) befürwortete psychoedukative Angehörigenge-
spräche mit Kindern (= Beratungs- und Entlastungsgespräche zur elterli-
chen Erkrankung). 18 % der Psychiaterinnen und Psychiater und 26 % der 
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten boten diese bereits an.
 Zur Verbesserung der Situation wurden eine gezieltere Aufklärung der 
Eltern und eine bessere Vernetzung der beteiligten Fachleute angeregt.
 Bezüglich der Durchführung von Angehörigengesprächen mit Kindern 
wurden die mangelnden zeitlichen Ressourcen und die fehlende Kostener-
stattung durch die Krankenkassen angemahnt.
 Es gab sowohl den Wunsch, die eigene Kompetenz durch Fortbildungen 
und einen Leitfaden zu erweitern als auch die Empfehlung, diese Beratung 
auf andere Stellen zu übertragen (vorzugsweise Familienberatungsstellen). 
Diese Anregungen werden in den Handlungsempfehlungen dieses Berich-
tes und in der weiteren Versorgungsplanung der Abteilung „Psychische 
Gesundheit“ aufgegriffen.
 Die vereinzelt gewünschte Vermittlung an Praxen für Kinder- und Jugend-
psychiatrie bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bergen hingegen 
Gefahren. Auf diese Weise werden möglicherweise auch die nicht behand-
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lungsbedürftigen Kinder zu Patienten „gemacht“. Die Mehrheit der betrof-
fenen Kinder benötigt jedoch vorzugsweise entlastende Informationen zur 
Erkrankung der Eltern, Hinweise zur gesunden Lebensführung und Unter-
stützung  bei der Vernetzung im Stadtteil.
 Für Kinder aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil psychisch 
erkrankt ist, steht mit der „Auryn-Gruppe“ ein gut strukturiertes und 
bewährtes Gruppenangebot in Münster zur Verfügung. Die themenzent-
rierten, fachlich geleiteten  und zeitlich befristeten Kindergruppen sind seit 
2008 fest etabliert. 
 Das offene Gruppenangebot „Aufwind“ für psychisch belastete Eltern stellt 
eine gute Ergänzung zur Auryn-Gruppe dar. 
 Beide Gruppen werden in gemeinsamer Kooperation vom Förderkreis Sozi-
alpsychiatrie e.V. und von der Beratungsstelle Südviertel e.V. durchgeführt. 
 Familien mit Eltern, bei denen schwere Suchterkrankungen im Vorder-
grund stehen, finden allerdings in diesen Gruppenprojekten bislang keine 
Berücksichtigung. 
 Der multiprofessionelle Arbeitskreis „Psychische Erkrankungen in Familien“ 
beschäftigt sich bereits seit 1997 mit der Versorgungssituation „Psychisch 
kranker Kinder“ in Münster. Er stellt zu diesem Thema das wichtigs-
te interdisziplinäre Vernetzungsgremium in Münster dar. Die langjährige 
vertrauensvolle Zusammenarbeit von sozialpädagogischen, heilpädagogi-
schen, ärztlichen, psychotherapeutischen und rehabilitativen Institutionen 
hat die kommunalen Kooperationsstrukturen deutlich gestärkt. Verbesse-
rungsbedarf wird insbesondere noch  in der Abstimmung mit der Erwach-
senenpsychiatrie gesehen.  
 Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Kinder psychisch kranker Eltern“ des 
Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster beschäftigt 
sich seit August 2014 gezielt mit der Verbesserung der Schnittstellenpro-
blematik Psychiatrie / Jugendhilfe. Die Entwicklung eines Handlungsleitfa-
dens wird zur stabilen Vernetzung der beteiligten Professionen und Insti-
tutionen beitragen und die bisherigen Hilfen und Projekte ergänzen. 
 Für diesen Handlungsleitfaden erarbeitete ein ärztliches Gremium unter 
Federführung des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelan-
gelegenheiten einen „Familienerfassungsbogen“, der als Arbeitshilfe in 
psychiatrischen Kliniken und Praxen Verwendung finden soll. Er  kann dazu 
beitragen, dass minderjährige Kinder im Haushalt der Patientinnen und 
Patienten sowohl hinsichtlich familiärer Risiken als auch hinsichtlich fami-
liärer Ressourcen rechtzeitiger berücksichtigt werden.
3. Angebote in Münster
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 4. Antrag auf Projektförderung
 4.1 Landesinitiative NRW „Starke Seelen“ MGEPA
 Die Landesinitiative „Starke Seelen“ des Ministeriums für Gesundheit, 
Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) des Landes NRW befasst sich 
intensiv mit der Weiterentwicklung von Maßnahmen und Strukturen zur 
Verhinderung von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. 
Grundlage ist die Entschließung der Landesgesundheitskonferenz vom 
09.12.2010 (MGEPA 2010).
 Als wesentliche Voraussetzung für eine erfolgversprechende Förderung der 
psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wird das Ineinan-
dergreifen der unterschiedlichen Präventions- und Hilfestrukturen gefor-
dert. Hilfesysteme sollen sich ergänzen und ihre Aktivitäten aufeinander 
abstimmen, damit gesundheitsförderliche Angebote rechtzeitig und von 
allen gesellschaftlichen Gruppen in Anspruch genommen werden können. 
Für die dauerhafte Implementierung kommunaler Präventions- und Hilfe-
ketten wird deshalb vom  Ministerium die Weiterentwicklung bestehender 
und die Erprobung neuer Ansätze angeregt und finanziell unterstützt.
 
Für die Aufnahme und finanzielle Förderung von Projekten im Rahmen der 
Landesinitiative „Starke Seelen“ müssen die Grundsätze und Qualitätsanfor
-
derungen für Projekte im Rahmen des Präventionskonzepts NRW erfüllt sein.
 Als Anforderungen werden unter anderem benannt:
 - Schwerpunkt Früherkennung und Frühintervention,
 - Ermittlung von psychischen Gesundheitsrisiken und Einleitung eines  
 messbaren Veränderungsprozesses,
 - Berücksichtigung schwieriger sozialer Problemlagen,
 - Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen und gendergerechten 
 Aspekten,
 - Beteiligung aller Betroffenen (Partizipation) und Motivation zu gesund- 
 heitsförderlichem Verhalten (Empowerment),
 - Beschreibung von Nachhaltigkeit und Wirksamkeit der Maßnahme, 
 - Sicherstellung institutionsübergreifender Kooperationen und Einbindung 
 in kommunale Präventions- und Hilfeketten,
 - Implementierung von Verstetigungsprozessen,
 - Beteiligung von Finanz-, Sach- und Personalmitteln der Antragstellerin 
 bzw. des Antragstellers.
 Am 13.04.2015 stellte das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmit-
telangelegenheiten der Stadt Münster den Antrag auf Förderung des Pilot-
projektes in der LWL-Klinik Münster:
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 „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken, Kinder und Jugendliche 
als Angehörige frühzeitig erreichen und nachhaltig fördern“.
 4.2 „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ 
  Entwicklung eines Pilotprojektes in der LWL-Klinik
 Das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten der 
Stadt Münster nimmt die Zielgruppen „Kinder psychisch kranker Eltern“ 
und „Kinder suchtkranker Eltern“ seit über 10 Jahren in den Fokus.
 Die langjährigen Erfahrungen mit dieser Zielgruppe im „Sozialpsychi-
atrischen Dienst“ und im „Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst“ 
zeigen, dass die betroffenen Familien immer noch sehr spät – erst nach 
dem Auftreten vieler häuslicher Probleme - eine Beratung zur Förderung 
und Unterstützung ihrer Kinder in Anspruch nehmen. Es gelingt auch mit 
aufsuchenden Hilfen zu selten, die sozial besonders belasteten Familien zu 
einem frühen Zeitpunkt zu kontaktieren und für eine gesundheitsförderli-
che Lebensweise zu motivieren. Leidtragende sind vor allem die betroffe-
nen Kinder und Jugendlichen. 
 Während eines Klinikaufenthaltes – nach der unmittelbaren Akutphase – 
sind die psychisch kranken Eltern hingegen für familiäre Beratungsange-
bote offener und interessierter. 
 Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen wurde das Pilotprojekt „Fami-
liensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ in Kooperation mit der 
LWL-Klinik Münster, der größten psychiatrischen Versorgungsklinik in 
Münster,  entwickelt. Vorrangiges Ziel dieses Präventionsprojektes ist es, 
Kinder und Jugendliche  als Angehörige frühzeitig zu erreichen und nach-
haltig zu fördern.
 Die fachliche und wertschätzende Beratung dieser Familien (Eltern und 
Kinder) während der Klinikbehandlung kann einen wirksamen Erstkontakt 
schaffen, der Vertrauen fördert, Erstdiagnostik ermöglicht, Informationen 
vermittelt und passende Hilfen einleitet.
 4.3 Ziele und Zielgruppen des Projektes
 Mit Hilfe des Pilotprojektes in der LWL-Klinik soll das gesunde Aufwach-
sen von Kindern und Jugendlichen psychisch kranker und suchtkranker 
Eltern in Münster gefördert werden und die Lebensqualität der betroffenen 
Familien gesteigert werden. Die ressourcenorientierte Familiensprech-
stunde in der LWL-Klinik richtet sich sowohl an die betroffenen Eltern als 
auch an deren minderjährige Kinder. Die Maßnahme soll dazu beitragen, 
4. Antrag auf Projektförderung
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dass schwer belastete Familien mit psychisch kranken Eltern in komplexen 
Notlagen frühzeitig erreicht und über Fördermöglichkeiten ihrer Kinder 
in Münster informiert werden. Dies können stadtteilbezogene kulturelle, 
sportliche oder musische Aktivitäten ebenso beinhalten wie soziale, finan-
zielle, erzieherische oder ärztlich-therapeutische Hilfen (individuelle Hilfe-
planung und -vermittlung). Auch die Unterstützung familiärer Ressourcen 
und Selbsthilfemöglichkeiten gehören dazu.
 
 Abbildung 15: Globale Ziele der „Familiensprechstunde“
 Die psychisch kranken Mütter und Väter werden motiviert, eine sinnvolle 
Vernetzung von Hilfen zu verstehen und zu akzeptieren. 
 Als fester Bestandteil der Beratung werden für die betroffenen Kinder 
parallel altersangemessene Angehörigengespräche  (Psychoedukation) 
angeboten. Wissen über die elterliche Erkrankung hilft den Kindern, die 
psychische Störung zu verstehen, Ängste und Schuldgefühle abzubauen 
und Selbstwirksamkeit zu erleben. 
 
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der LWL-Klinik sind in die Beratung 
eng einbezogen. Hierdurch werden feste klinische Strukturen zugunsten 
einer systemischen Sichtweise mit Blick auf das Lebensumfeld der Patienten 
verändert. Das ärztliche, pflegerische und sozialpädagogische Personal der 
LWL-Klinik wird motiviert, im Netzwerk mit anderen Institutionen zusam
-
menzuarbeiten. Durch die Sensibilisierung des Stationspersonals werden in 
der Erwachsenenpsychiatrie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gebildet.
 Es wird davon ausgegangen, dass mindestens 500 Personen aus Münster 
(psychisch kranke Eltern und deren Kinder) in der Projektlaufzeit (2 Jahre) 
direkt erreicht werden können. 
 Die Projektaktivitäten werden in diesem Zeitraum außerdem auf mindes-
tens 2000 Personen im Umfeld Auswirkungen haben.
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29
 4.4 Beschreibung des Projektes
 Das familienzentrierte Präventionsprojekt bezieht sich auf Familien, in 
denen die Eltern psychisch erkrankt oder suchtkrank sind und im Projekt-
zeitraum in der LWL-Klinik Münster behandelt werden.
 Die Familien-Exploration und Beratung im Projekt richtet sich an die 
minderjährigen Kinder als Angehörige und ihre Eltern. Auch Bezugsperso-
nen werden einbezogen.
 Es sollen v. a. die isolierten Eltern erreicht werden, die eine aufklärende 
Beratung und gesundheitsförderliche Unterstützung ihrer minderjährigen 
Kinder nicht (oder nicht ausreichend) in Anspruch nehmen. 
 Während der Behandlung in der LWL-Klinik Münster werden die betrof-
fenen Eltern, die Bezugspersonen und die Kinder motiviert, mindestens 
einen Erstkontakt („Türöffner“) zu den erfahrenen und vernetzten Sozial-
pädagoginnen des Projektes wahrzunehmen. Bei frühzeitiger Entlassung 
der psychisch kranken Eltern wird der Diagnostik- und Beratungskontakt 
gehalten. Der Rückgriff auf bereits bestehende Kooperationsstrukturen 
in Münster ermöglicht die Vermittlung in passgenaue und zielorientierte 
Angebote.
 
 Abbildung 16: Beratungsangebote für betroffene Familien
4. Antrag auf Projektförderung
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30
 Die Exploration und Beratung von Kindern im Vorschulalter erfolgt 
vorzugsweise mit den Eltern.
 Kinder und Jugendliche zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr werden selber 
beraten und informiert. Sie können sich mit ihren Fragen und Anliegen 
auch direkt an die Mitarbeiterinnen im Projekt wenden (Anlaufstelle). 
 Die Diagnostik und Beratung berücksichtigt sowohl bei den psychisch 
kranken Eltern als auch bei den betroffenen Kindern geschlechtsspezifi-
sche Aspekte.
 Vor dem Hintergrund, dass häufig psychisch kranke alleinerziehende 
Mütter mit ihren Kindern zusammenleben, ist der Gender-Aspekt von 
großer Bedeutung.
 Die Herkunft und die kulturellen Bedingungen der Familien werden stets 
beachtet. Der Beratungsarbeit liegt das Migrationsleitbild der Stadt Müns-
ter zugrunde.
 Bei Sprachbarrieren werden Dolmetscher eingesetzt.
 Es besteht eine enge Kooperation mit der psychosozialen Beratungs- und 
Therapiestelle für Flüchtlinge „Refugio“.
 Handlungsfelder / Themenbereiche:
 - Offener Umgang mit der psych. Erkrankung in der Familie 
 (Enttabuisierung),
 - Förderung von Ressourcen der Familienmitglieder,
 - Feststellung von Belastungen in der Familie,
 - Krisenplan in der Familie,
 - Verhinderung von Verantwortungsübernahme der Kinder,
 - Einbeziehung des gesunden Umfeldes,
 - Motivation zu gesundheitsförderlicher Lebensweise der Familie, 
 individuell auf deren Bedürfnisse angepasst,
 - Beratung und Förderung der minderjährigen Kinder, ggf. Hilfevermittlung,
 - Motivation des Klinikpersonals, Kinder als Angehörige zu berücksichtigen.
 Angebotsarten:
 - Diagnostik familiärer und persönlicher Ressourcen und Belastungen 
 (Gespräche mit Eltern und Kindern),
 - Einzelberatung und systemisch orientierte Familienberatung, Krisenbe 
 ratung (Gespräche mit Eltern und Kindern),
 - Kindgerechte Informationsvermittlung (Psychoedukation mit Kindern),
 - Vermittlung in gesundheitsförderliche Angebote und Hilfen 
 (Freizeitangebote, Auryn-Gruppen, Lernförderung, pädagogische Hilfen, 
 ärztlich-therapeutische Behandlung, Paten u. a.),
 - Fortbildung und Vernetzung des Klinikpersonals. 
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 Als Projektbeteiligte kooperieren die LWL-Klinik Münster und die Abteilung 
Psychische Gesundheit des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebens-
mittelangelegenheiten der Stadt Münster.
 Während des Projektes arbeiten die Berufsgruppen beider Institutionen im 
stationären Rahmen eng zusammen. Auf Seiten der Klinik ist das ärztliche, 
psychotherapeutische, sozialpädagogische und pflegerische Stationsper-
sonal einbezogen. Auf Seiten des  Amtes für Gesundheit, Veterinär- und 
Lebensmittelangelegenheiten der Stadt Münster sind zwei erfahrene Sozi-
alpädagoginnen als Projektmitarbeiterinnen für diese Tätigkeit freigestellt 
(nicht finanziert). Beide Mitarbeiterinnen haben über Jahre Erfahrung im 
Sozialpsychiatrischen Dienst und im Kinder- und Jugendpsychiatrischen 
Dienst des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegen-
heiten sammeln können. Sie kennen sich mit den psychischen Erkrankun-
gen der Eltern ebenso gut aus wie mit den Belastungen der betroffenen 
Kinder. Ferner sind sie in die kommunalen Präventions- und Hilfeketten 
eingebunden.
 Die wöchentliche Projektzeit soll 10 Stunden umfassen. Es werden bis zu 
2 Sprechstunden pro Woche (à 3 Stunden) in der LWL-Klinik angeboten. In 
dieser Zeit können Elternberatung, Familienberatung, individuelle Hilfepla-
nung und Psychoedukation der betroffenen Kinder durchgeführt werden. 
Hinzu kommen Fortbildungen des Stationsteams für eine gemeinsame 
Informations- und Beratungsgrundlage.
 Während der akuten Erkrankungsphase der Eltern wird der Beratungsfokus 
auf die betroffenen Kinder und stützende Familienangehörige gelegt. Bei 
ausreichender Stabilisierung werden die Eltern direkt mit einbezogen in die 
Beratung.
 Bei einer sehr kurzen stationären Verweildauer der psychisch kranken 
Mütter und Väter soll zumindest in der Familiensprechstunde ein Kontakt 
zur Familie hergestellt werden (Vertrauensbildung).
 Da die Sozialpädagoginnen, die das Projekt umsetzen, sowohl im „Sozial-
psychiatrischen Dienst“ als auch im „Kinder- und Jugendpsychiatrischen 
Dienst“ des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegen-
heiten mitarbeiten, kann der Kontakt  zur Familie - nach der Erstberatung 
in der Klinik - auch im häuslichen Umfeld durch das Amt für Gesundheit, 
Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten fortgesetzt werden.
 Das Projekt ist auf 2,5 Jahre angelegt. Die ersten 3 Monate sollen der 
Implementierung, Prozessoptimierung und Öffentlichkeitsarbeit dienen. 
Die folgenden 2 Jahre wird das Projekt mit Evaluation umgesetzt. Die letz-
ten 3 Monate dienen der Auswertung und Veröffentlichung.
4. Antrag auf Projektförderung
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 4.5 Evaluation und Finanzierung des Projektes 
 Es wird eine Projektevaluation nach den SMART-Kriterien durchgeführt 
(S=spezifisch, M= messbar, A= akzeptabel, R= realistisch, T= terminiert) 
und ein Evaluationsbericht veröffentlicht.
 Die Evaluation wird  extern unterstützt durch die Universität 
Koblenz-Landau, Fachbereich 8, Psychologie, Zentrum für Empirische 
Pädagogische Forschung (zepf), PD. Dr. Gabriele Dlugosch, Arbeitsbereich 
Gesundheit und Wohlbefinden.
 Um die Wirkungen des Projektes festzustellen, werden neben der anony-
misierten Datenerfassung auch (Teil-) Strukturierte Interviews, Fragebögen 
und Testverfahren ab dem Schulalter eingesetzt.
 Es werden unter anderem Experteninterviews, schriftliche und mündliche 
Zielgruppenbefragungen sowie diagnostische Untersuchungen der betrof-
fenen Kinder und Jugendlichen stattfinden.
 Die Auswertung beinhaltet:
 - familiäre und persönliche Ressourcen,
 - kindliche Belastungen,
 - Beratungs- und Vermittlungserfolge und -hindernisse bei Eltern und 
 Kindern,
 - psychoedukative Beratungserfolge der betroffenen Kinder und Jugend- 
 lichen,
 - Vernetzung der Klinik mit den bestehenden Kooperationsstrukturen, 
 - Einbindung in die Präventions- und Hilfeketten im Quartier. 
 Es werden folgende Hauptergebnisse des Projektes erwartet:
 1. Die Familien, in denen die Eltern in der LWL-Klinik behandelt werden 
und die  noch keinerlei Beratung in Bezug auf ihre minderjährigen Kinder 
erhalten haben,  werden informiert, beraten und ggf. vermittelt.
 2. Vorzugsweise die Familien, die viele soziale Belastungen aufweisen und 
im  ambulanten Setting nicht erreicht werden können, nehmen das Infor-
mations-,  Beratungs- und Vermittlungsangebot im Projekt in Anspruch.
 3. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Klinik berücksichtigen Kinder 
und  Jugendliche als Angehörige und erhalten Sicherheit im Umgang mit 
ihnen. Sie  werden in die Präventions- und Hilfeketten stärker eingebun-
den.
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 Das Pilotprojekt soll nach der Evaluationsphase den Erfordernissen ange-
passt und als Frühinterventionsmaßnahme fest etabliert werden. Es dient 
auch als Vorlage für andere Kliniken in Münster.
 Die Gesamtkosten des Projektes für 2,5 Jahre (inklusive Planung, Ausfüh-
rung, Evaluation) belaufen sich auf 70.000 € (aufgerundet). Über die bean-
tragte Projektförderung bei der Landesinitiative „Starke Seelen“ können 
80 % der Gesamtkosten (55.000 € für 2,5 Jahre) abgedeckt werden.
 Der Eigenanteil der Stadt Münster beträgt 20 % (15.000 € für 2,5 Jahre) 
und wird  aus dem Etat des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebens-
mittelangelegenheiten entnommen.
 Zusätzlich (nicht in den Gesamtkosten enthalten) übernimmt das Amt für 
Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten ärztliche Perso-
nalkosten für die Projektleitung (5 % über 2,5 Jahre = 11.250 €).
 Die Finanzierung ist - nach obigem Plan - bis zum Projektende gesichert.
 4.6 Zusammenfassung und Bewertung
 Am 13.04.2015 stellte das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmit-
telangelegenheiten der Stadt Münster den Antrag auf finanzielle Förderung 
eines Präventionsprojektes beim Landeszentrum Gesundheit NRW (Landes-
initiative „Starke Seelen“ des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, 
Pflege und Alter NRW). 
 Das beantragte Projekt „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ 
ist geeignet, um Kinder und Jugendliche als Angehörige psychisch kranker 
und suchtkranker Eltern frühzeitig zu erreichen und nachhaltig zu fördern. 
Es findet in Kooperation mit der LWL-Klinik Münster statt, der größten 
psychiatrischen Versorgungsklinik im Stadtgebiet. 
 Durch das Projekt werden insbesondere die Kinder und Jugendlichen 
erreicht, deren psychisch kranke und suchtkranke Eltern die Angebots- 
und Hilfestrukturen im Stadtteil nicht ausreichend, nicht vernetzt oder 
nicht zielführend nutzen.
 Es handelt sich um Eltern, die sich im häuslichen Bereich oft isolieren und 
die auf wenig soziale Strukturen zurückgreifen können. Es sind Eltern, die 
über die vielfältigen Chancen und gesundheitsförderlichen Angebote in 
den Lebenswelten ihrer Kinder unzureichend informiert sind, die Angst vor 
der Inanspruchnahme von Unterstützung haben oder die diese aus Unwis-
senheit ablehnen.
 Das Projekt richtet sich auch an die Familien, die die bisherigen Hilfen 
als nicht passend oder als nicht wirksam erleben und deshalb weitere 
4. Antrag auf Projektförderung
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Maßnahmen vermeiden. Die fachliche und wertschätzende Beratung dieser 
Familien während der Klinikbehandlung kann einen wirksamen Erstkontakt 
schaffen, der Vertrauen fördert, Erstdiagnostik ermöglicht, Informationen 
vermittelt und ggf. passende Hilfen einleitet. 
 Darüber hinaus wird das Klinikpersonal als Multiplikatorengruppe sensi-
bilisiert, Kinder als Angehörige psychisch kranker und suchtkranker Eltern 
differenzierter wahrzunehmen, und bei institutionsübergreifenden Netz-
werkstrukturen mitzuwirken. 
 Die „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ erfüllt die Grund-
sätze und Qualitätsanforderungen für Projekte im Rahmen des Präventi-
onskonzepts NRW.  Das Pilotprojekt ist für einen Zeitraum von 2,5 Jahren 
konzipiert und eingebunden in die kommunalen Präventions- und Hilfe-
ketten in Münster. Die Dokumentation und Evaluation wird unterstützt 
durch die Universität Koblenz-Landau.
 Die beantragte finanzielle Förderung des Projektes von 55.000 € für 2,5 
Jahre (80 % der Gesamtkosten) bei dem Landeszentrum Gesundheit NRW 
(Landesinitiative „Starke Seelen“) hat gute Chancen auf Bewilligung. 
 Falls es jedoch wider Erwarten keine oder eine unzureichende Förde-
rung vom Land NRW gibt, sollte die Umsetzung dieses gut strukturierten 
kommunalen Präventionskonzeptes für Kinder psychisch kranker Eltern 
nicht scheitern. Für diesen Fall müssten die fehlenden finanziellen Mittel 
im Rahmen einer Beschlussvorlage im Rat der Stadt Münster bereitgestellt 
werden. Gegebenenfalls kommt auch die Unterstützung einer der  kommu-
nal verwalteten Stiftungen in Betracht.
 5. Abschließende Bewertung
 Mittlerweile ist sich die Fachöffentlichkeit einig, dass Kinder psychisch 
kranker und suchtkranker Eltern einer frühzeitigen Gesundheitsförde-
rung und Prävention bedürfen, um Ressourcen zu stärken und Risiken 
auszugleichen. „Familien mit sozialen und gesundheitlichen Risiken für 
die kindliche Entwicklung müssen frühzeitig erkannt werden, um ihnen 
zeitnah begleitende Hilfen zur Verfügung stellen zu können“ (MGEPA 
2010). Hierfür ist ein tragfähiges und koordiniertes  Zusammenwirken von 
kommunalen Präventions- und Hilfesegmenten ebenso notwendig wie die 
systematische Verankerung des Themas Elternschaft in der psychiatrischen 
Behandlung (Schmutz 2011). 
 In der Stadt Münster gibt es für Kinder psychisch kranker Eltern schon 
langjährig erprobte erfolgreiche Angebote und Initiativen. 
 Bereits seit 1997 fühlt sich der Arbeitskreis „Psychische Erkrankungen in 
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35
Familien“ (bis 2009: „Kinder psychisch kranker Eltern“) dieser Zielgrup-
pe verpflichtet. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit vieler Fachleute aus 
unterschiedlichen Institutionen hat die kommunalen Kooperationsstruktu-
ren in den letzten Jahren deutlich gestärkt.
 Auch die Abteilung „Psychische Gesundheit“ des Amtes für Gesundheit, 
Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten widmet sich bereits seit 
über 10 Jahren diesem Thema. Seit 2009 erfassen die Fachdienste „Sozi-
alpsychiatrischer Dienst“ und „Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst“ 
die Angaben zu psychisch kranken und suchtkranken Eltern und deren 
minderjährigen Kindern systematisch und differenziert. Die ermittelten 
Daten sind zwar nicht repräsentativ für die Stadt Münster, sie ermöglichen 
aber eine qualitative und quantitative Überprüfung der eigenen Arbeit. 
Die kritische Analyse dieser Auswertungen hat in den letzten Jahren dazu 
beigetragen, dass eine vernetzte familienorientierte Sicht- und Handlungs-
weise in der Abteilung „Psychische Gesundheit“ selbstverständlich gewor-
den ist. 
 Es besteht mittlerweile eine hohe Sensibilität im Umgang mit  betroffenen 
Eltern und Kindern (2014: 236 psychisch kranke Eltern und 378 Minder-
jährige). Geschlechtsbezogene Aspekte (2014: 71 % Mütter und 29 % Väter) 
werden stärker berücksichtigt. Der hohe Anteil der Eltern mit Migrati-
onsvorgeschichte (2014: 40 % von 236 Eltern) schult eine kultursensible 
Vorgehensweise. Bei den vielen betroffenen Vorschulkindern (2014: 36 % 
von 378 Minderjährigen) sind Förderbedarf und Frühintervention stets im 
Fokus, um Entwicklungschancen zu unterstützen und Risiken zu mindern. 
Wenn Kinder betroffen sind, die im Haushalt des alleinerziehenden 
psychisch kranken Elternteils leben (2014: 45 % von 378 Minderjährigen), 
wird eine zügige Vernetzung mit  anderen Institutionen angestrebt. 
 Ergänzend tragen die monatlichen kinder- und jugendpsychiatrischen 
Sprechstunden in jedem Bezirk des Kommunalen Sozialdienstes (KSD) 
des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien dazu bei, dass die Unter-
stützung von Kindern psychisch kranker Eltern und Kindern suchtkran-
ker Eltern als gemeinsame Aufgabe der Gesundheitshilfe und Jugendhilfe 
verstanden wird.  Insbesondere Risikofamilien mit einem komplexen Hilfe-
bedarf profitieren von der vernetzten Arbeitsweise und der abgestimmten 
Hilfeplanung in den Sprechstunden. 
 Dennoch ist vor allem die Situation alleinerziehender psychisch kranker 
Eltern (vorwiegend Mütter) und ihrer Kinder noch immer unbefriedigend. 
Diese Familien sind besonders häufig von erzieherischer Überforderung, 
Betreuungswechseln, sozialen Notlagen und Isolation betroffen. Sie benö-
tigen frühzeitige und flexible Entlastungs- und Unterstützungsangebote, 
die strukturelle Defizite in der Familie ausgleichen, Kontinuität gewährleis-
ten und in Krisensituationen versorgend tätig werden (z. B. Familienpaten). 
5. Abschließende Bewertung
Gesundheitsbericht_Band21_DRUCK.indd   35 07.08.2015   13:25:19

36
Es müssen in Münster Anstrengungen unternommen werden, dem Bedarf 
dieser mehrfach belasteten Familien besser gerecht zu werden (Ziel 4 der 
Handlungsempfehlungen).
 Inwieweit die psychiatrischen und psychotherapeutischen Praxen in Münster 
die im Haushalt lebenden minderjährigen Kinder ihrer Patienten als Ange-
hörige berücksichtigen, wurde vom Amt für Gesundheit, Veterinär- und 
Lebensmittelangelegenheiten für das 4. Quartal 2014 mit einem Frage
-
bogen ermittelt. Der Rücklauf der Fragebögen aus den 23 angeschriebe-
nen psychiatrischen Praxen war mit 74 % repräsentativ. Der Rücklauf aus 
den 251 kontaktierten psychotherapeutischen Praxen gab mit 16 % ein 
Meinungsbild wieder. Den Angaben zufolge hatten 44 % der Patientinnen 
und Patienten aus den psychiatrischen Praxen und 36 % der Patientinnen 
und Patienten aus den psychotherapeutischen Praxen elterliche Aufgaben 
und lebten mit den minderjährigen Kindern zusammen (gemeint waren 
leibliche Kinder, Adoptiv-, Stief- oder Pflegekinder). Mütter waren in beiden 
Behandlungssettings stärker repräsentiert als Väter, dies deckt sich mit den 
Erfahrungen der Abteilung „Psychische Gesundheit“ des Amtes für Gesund
-
heit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten (s.o.). 
 Die Mehrheit der psychiatrischen Fachärztinnen/Fachärzte (76 %) und der 
Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten (81 %) befürwortete psychoedu-
kative Angehörigengespräche mit Kindern (= Beratungs- und Entlastungs-
gespräche zur elterlichen Erkrankung). Aber nur 18 % der Facharztpraxen 
und 26 % der Psychotherapiepraxen boten diese bereits an. Ob mit dem 
kürzlich verabschiedeten Präventionsgesetz erreicht werden kann, dass für 
diese Aufgaben (wie von den Praxen gefordert) mehr zeitliche und finan-
zielle Ressourcen bereitgestellt werden, bleibt abzuwarten. Im Rahmen 
dieses Berichtes wird aber bereits die Empfehlung der psychiatrischen und 
psychotherapeutischen Fachleute aufgegriffen, die eigene Kompetenz durch 
Fortbildungen und einen Leitfaden zu erweitern (Ziel 2 der Handlungs
-
empfehlungen).  Auch das Votum, Angehörigengespräche mit Kindern auf 
andere Stellen zu übertragen (vorzugsweise Familienberatungsstellen), wird 
in der weiteren Versorgungsplanung Berücksichtigung finden.
 Die für Kinder psychisch kranker Eltern geeigneten strukturierten Grup
-
penangebote, die sich in vielen Kommunen in Deutschland bewährt haben,  
konnten seit 2008 auch in Münster erfolgreich etabliert werden. Diese 
Kindergruppen (Auryn-Gruppen) sind themenzentriert, fachlich gelei-
tet und zeitlich befristet. Für psychisch belastete Eltern mit Kindern im 
Vorschul- und Grundschulalter steht ferner in Münster eine offene Eltern-
gruppe (Aufwind-Gruppe) zur Verfügung. Beide Gruppen ergänzen sich und 
werden in gemeinsamer Kooperation vom Förderkreis Sozialpsychiatrie e.V. 
und von der Beratungsstelle Südviertel e.V. durchgeführt. Für Familien mit 
Gesundheitsbericht_Band21_DRUCK.indd   36 07.08.2015   13:25:19

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Suchterkrankungen gibt es bislang keine vergleichbaren Angebote. Damit 
auch diese hochbelasteten Kinder berücksichtigt werden können, muss das 
Angebotsspektrum erweitert werden (Ziel 1 der Handlungsempfehlungen).
 Zum Thema „Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern“ sind die 
Angebote und Vernetzungsstrukturen in der Stadt Münster in den letzten 
Jahren erfolgreich ausgebaut worden. Verbesserungsbedarf gibt es insbe-
sondere noch in der Kooperation und Abstimmung vieler beteiligter Institu-
tionen mit der Erwachsenenpsychiatrie. Dies belegen sowohl die multipro-
fessionellen Rückmeldungen von den  Akteuren im Arbeitskreis „Psychische 
Erkrankungen in Familien“ als auch die Auskünfte der befragten psychiatri-
schen und psychotherapeutischen Praxen in Münster. Um Informationslü-
cken zwischen der Erwachsenenpsychiatrie und der Jugendhilfe zu schließen 
und eine tragfähige Zusammenarbeit im Sinne der betroffenen Familien zu  
erreichen, beschäftigt sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter Feder
-
führung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien mit der Verbesse-
rung dieser Schnittstelle und der Entwicklung eines Handlungsleitfadens. 
 Auch der Projektantrag des Amtes für Gesundheit, Veterinär- und Lebens-
mittelangelegenheiten beim Landeszentrum Gesundheit NRW (Landesinitia-
tive „Starke Seelen“, MGEPA) setzt an der Schnittstelle zur Erwachsenenpsy-
chiatrie an. In Kooperation mit der LWL-Klinik, der größten psychiatrischen 
Versorgungsklinik im Stadtgebiet, berücksichtigt das Pilotprojekt  „Famili-
ensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ sowohl Kinder psychisch kran-
ker Eltern als auch Kinder suchtkranker Eltern. Es ist für einen Zeitraum 
von 2,5 Jahren konzipiert und eingebunden in die kommunalen Präven
-
tions- und Hilfeketten in Münster. Die Evaluation  übernimmt die Universi-
tät Koblenz–Landau. Durch das Projekt werden insbesondere die Familien 
angesprochen, die die Angebots- und Hilfestrukturen im Stadtteil nicht 
ausreichend, nicht vernetzt oder nicht zielführend nutzen. Hier kann die 
Beratung von Eltern und Kindern während der Klinikbehandlung einen wirk
-
samen Erstkontakt schaffen. Darüber hinaus wird das Klinikpersonal als 
Multiplikator sensibilisiert, Kinder als Angehörige psychisch kranker und 
suchtkranker Eltern differenzierter wahrzunehmen und bei institutions
-
übergreifenden Netzwerkstrukturen mitzuwirken. 
 Die „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ erfüllt die Grund-
sätze und Qualitätsanforderungen für Projekte im Rahmen des Präventions-
konzepts NRW.  Die beantragte finanzielle Förderung des Projektes hat gute 
Chancen auf Bewilligung. Falls das Land NRW jedoch wider Erwarten keine 
Gelder bereit stellt oder nur eine Teilfinanzierung übernimmt, sollte die 
Umsetzung dieses gut strukturierten kommunalen Präventionskonzeptes 
für Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern nicht scheitern (Ziel 3 
der Handlungsempfehlungen).
5. Abschließende Bewertung
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38
 6. Handlungsempfehlungen für Münster
Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern
Ziele Maßnahmen
Ziel 1
Auch für Kinder suchtkranker 
Eltern gibt es in Münster eine 
themenzentrierte Kindergruppe 
(vergleichbar der Auryn-Gruppe).
Der Förderkreis Sozialpsychiat-
rie e.V. und die Beratungsstelle 
Südviertel e.V. werden motiviert, 
das Angebotsspektrum für sucht-
kranke Kinder zu erweitern.
Ziel 2
In psychiatrischen und psycho-
therapeutischen Praxen und Klini-
ken wächst das Wissen über den 
Umgang mit Kindern psychisch 
kranker und suchtkranker Eltern.
Es werden mit der Ärztekam-
mer Westfalen-Lippe Fortbil-
dungsangebote organisiert zum 
Themenschwerpunkt „Kinder als 
Angehörige psychisch kranker und 
suchtkranker Eltern“.
Ziel 3
Das präventive Pilotprojekt in der 
LWL-Klinik „Familiensprechstunde 
in psychiatrischen Kliniken“ wird 
vom Amt für Gesundheit, Vete-
rinär- und Lebensmittelangele-
genheiten umgesetzt (Laufzeit 2,5 
Jahre).
Es bleibt abzuwarten, ob der 
Projektantrag beim Landeszentrum 
Gesundheit NRW (Landesinitiative 
„Starke Seelen“ des Ministeriums) 
bewilligt wird. Sollte dies nicht der 
Fall sein, müssten die fehlenden 
finanziellen Mittel im Rahmen einer 
Beschlussvorlage im Rat der Stadt 
Münster bereitgestellt werden.
Ziel 4
Für alleinerziehende psychisch 
erkrankte Eltern und ihre Kinder 
stehen in Münster ausreichende 
Entlastungs- und Unterstützungs-
angebote zur Verfügung (z. B. 
Familienpaten).
Die Verwaltung erarbeitet konkrete  
Vorschläge zur Verbesserung der 
familiären Situation alleinerzie-
hender psychisch erkrankter Eltern 
und ihrer Kinder.
6. Handlungsempfehlungen für Münster
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39
Literatur
  Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern
AFET Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. [2014]
 Antrag auf Einrichtung einer Sachverständigenkommission „Hilfen für Kinder und Familien mit 
psychisch kranken Eltern“, verfügbar unter: http://www.afet-ev.de/aktuell/AFET_intern/2014/01a.
AntraganFamilienausschuss.pdf (15.09.2014). 
AGJ Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe [2010]
 Kinder von psychisch erkrankten und suchtkranken Eltern. Diskussionspapier der Arbeitsge-
meinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ, verfügbar unter: http://www.agj.de/pdf/5/Kinder_
psychisch_kranker_Eltern%20(2).pdf (10.05.2014).
AKPE Arbeitskreis „Kinder psychisch kranker Eltern“  [2001]
 Informationsfaltblatt für betroffene Familien, Stadt Münster, 2001.
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster und Gesundheitsamt der Stadt Münster [2010]
 Handlungsempfehlungen zum Kinderschutz für drogenabhängige Schwangere und Eltern mit Erzie-
hungsverantwortung in Münster, Münster, 2010.
ArbeitsGemeinschaft Suchtkrankenhilfe, Fachverband der Diakonischen Werke Westfalen und Lippe [1998]
 Gemeinsam Einsam. Perspektiven zur Arbeit mit Kindern von Suchtkranken, Dokumentation des 
Fachtages, Lüdenscheid, 1998.
Arenz-Greiving, I. [2003]
 Die vergessenen Kinder. Kinder von Suchtkranken, 5. Auflage, Wuppertal, o. J.
Arenz-Greiving, I. [2014]
 KINDERN VON SUCHTKRANKEN HALT GEBEN, in: Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, Bundesver-
band e. V.; BKK Bundesverband (Hrsg.): KINDERN VON SUCHTKRANKEN HALT GEBEN, Fuldabrück, 
2014.
Auryn-Gruppe [2008]
 Das Präventivangebot für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter Eltern. Informationsfaltblatt, 
Beratungsstelle Südviertel e. V. und Förderkreis Sozialpsychiatrie e. V., Münster, 2008. 
BAG Bundesarbeitsgemeinschaft  „Kinder psychisch erkrankter Eltern“ [2013]
 Homepage, verfügbar unter: http://bag-kipe.de/wir-ueber-uns/ (22.07.2015)
Barenscheer-Bormann, H.; Starck, S. [o.J.]
 Kinder psychisch kranker Eltern: Berücksichtigung der Risiko- und Schutzfaktoren in der frühen 
Eltern-Kind Interaktion, Abstract, verfügbar unter: www.netz-und-boden.de/fileadmin/content/
abschlussarbeiten/barenscheer-borman-staack_diplomarbeitshandout.pdf (22.11.2014).
Baumann, K.K. [2000]
 „Verrückte Kindheit“. Probleme und Hilfemöglichkeiten bei Kindern psychisch erkrankter Eltern, 1. 
Auflage, Marburg, 2000.
Bernsdorff, D. [2001]
 Die „vergessenen Kinder“ - eine wichtige Zielgruppe der Suchtprävention, in: Zobel, M. (Hrsg.): 
Wenn Eltern zu viel trinken. Risiken und Chancen für die Kinder, 1. Auflage, Bonn, 2001.
Literaturverzeichnis
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40
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Abteilung Psychische Gesundheit, Sachgebiet Kinder- und Jugendpsychiatrische Hilfen, 2015 
 
                                     Rückantwort per Fax an: 0251- 492 7928  
Anonymer Fragebogen zum Bedarf von Angehörigengesprächen  
"Kinder psychisch kranker Eltern" in Münster 2014 / 2015 
 
1. Wie viele psychiatrische / psychotherapeutische Patientinnen und Patienten behan-
delten Sie im 4. Quartal 2014 in Ihrer Praxis? 
a) Gesamtzahl der Patienten und Patientinnen:_________          
b) männlich:_________     weiblich:_________ 
2. Wie viele Ihrer Patientinnen und Patienten im  4. Quartal 2014 lebten mit minderjähri-
gen Kindern in einem Haushalt?  
(Achtung: Hierzu zählen auch Pflege-, Adoptiv- und Stiefkinder!!!)  
 
Falls Angaben hierzu nicht möglich sind, bitte Schätzwerte angeben! 
a) Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten mit Elternfunktion:__________  
Schätzung: ja  nein  
b) Betroffene Väter: _________    Betroffene Mütter:________  
Schätzung: ja  nein 
c) Gesamtzahl der betroffenen Kinder: _________ Schätzung: ja  nein 
3. Gibt es in Ihrer Praxis Ange hörigengespräche mit Kindern?  
Dies meint psychoedukative Gespräche mit Kindern über die psychiatrische  
Erkrankung der Eltern. 
ja     nein 
 
weiter mit Frage 3 a)  weiter mit Frage 3 b) 
 
a) Wie häufig haben Sie im letzten Ja hr Angehörigengespräche mit Kindern  
angeboten?  
 
0-5 Gespräche    5-10 Gespräche   mehr als 10 Gespräche  
b) Was waren Ihre Gründe, keine An gehörigengespräche mit Kindern  
anzubieten? (Stichpunkte genügen!) 
_____________________________________________________________________
_____________________________________________________________________ 
 
4. Sehen Sie einen Bedarf, Angehörige ngespräche mit Kindern zu führen? 
 
ja     nein 
 
5. Welche Hindernisse müssen hierbei  aus Ihrer Sicht überwunden werden? 
 
________________________________________________________________________________________________________ 
_____________________________________________________________________ 
 
6. Ihre Anregungen  
_____________________________________________________________________
_____________________________________________________________________
_____________________________________________________________________ 
 
 
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Beratungsverlauf (5)

26.08.2015 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung
TOP 14 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung
02.09.2015 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien
TOP 6 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung
23.09.2015 Integrationsrat
TOP 3.1 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung
22.10.2015 Ausschuss für Gleichstellung
TOP 6 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung
27.10.2015 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen
TOP 5 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (1)

  • Piusallee

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Details

Aktenzeichen
V/0079/2015
Typ
Vorlagen
Datum
30.07.2015
Erstellt
06.10.2020 14:37