V/0689/2009
Aufstellung von Gedenk- und Informationstafeln für Zwangsarbeiter im Waldpark Hiltrup-Ost
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Beschlussvorlage
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V/0689/2009 DER OBERBÜRGERMEISTER Bezirksverwaltung Münster-Hiltrup Betrifft Aufstellung von Gedenk- und Informationstafeln für Zwangsarbeiter im Waldpark Hiltrup-Ost Anregung gem. § 24 GO NRW Nr. 35/2007 Beratungsfolge 10.11.2009 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Am westlichen Eingang zum Waldpark (Föhrenweg) werden ein Gedenkstein und eine Infotafel, am nördlichen Eingang sowie am östlichen Eingang ebenfalls jeweils eine Infotafel angebracht. Der Gedenkstein wird in „Baumberger Sandstein“ (Naturbruchstein) durch Herrn Bodo Treichler ausgeführt. Die Infotafeln werden in einfacher Metallausfertigung mit Ständer erstellt. Die Tafeln erhalten die Texte gemäß der beigefügten Anlage. Die Anregung Nr. 35/2007 ist damit erledigt. II. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass Kosten in Höhe von 1.500 Euro, jedoch keine Folgekosten entstehen. III. Finanzierung/Mittelbereitstellung Die o. g. Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren: Aufwendungen Nr. Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkungen Produktgruppe 0101 Zuschüsse an übrige Bereiche für laufende Zwecke (Sachkonto 530800) Teilergebnisplan (Zei- le) 15 Transferaufwendungen 2009 1.000 Bezirksver- tretung Vorlagen-Nr.: V/0689/2009 Auskunft erteilt: Herr Tüns Ruf: 02501/44 56 10 E-Mail: Tuens@stadt-muenster.de Datum: 26.10.2009 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0689/2009 Produktgruppe 0401 Kulturmanagement/Kultur- förderung Teilergebnisplan (Zei- le) 15 Transferaufwendungen 2009 500 Kulturamt Insgesamt: 1.500 Begründung: Mit ihrer Anregung nach § 24 GO NW vom 31.01.2007 wünschte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Münster (VVN, BdA), die Aufstellung von Gedenktafeln für die während der Zeit des „Dritten Reichs“ in einem La- ger in Hiltrup-Ost internierten Zwangsarbeiter. In den zum Teil noch heute vorhandenen Bunkern lebten damals rund 270 Personen aus von der Wehrmacht besetzten Ländern, die von diesem Standort zu Arbeitseinsätzen in Münster, Hiltrup und der Umgebung verbracht wurden. Unter unmenschlichen Bedingungen verloren 18 Personen ihr Leben. Auf diese geschichtlichen Ereignisse soll mit den Gedenk- und Informationstafeln dauerhaft hinge- wiesen werden. Sie sind anhand von Lageplänen, Archivunterlagen und der Recherche zu Ereig- nissen und Hintergründen (Historikerin Frau Dr. Gisela Schwarze) abgesichert. Die Kirchengemeinden Hiltrups (Katholische Kirchengemeinden St. Clemens und St. Marien, Evangelische Kirchengemeinde) sowie der Ökumenische Kreis für Frieden und Gerechtigkeit un- terstützen den Antrag ideell und mit Spenden. Bei einer Vortragsveranstaltung mit Frau Dr. Schwarze im Hiltruper Heimatmuseum konnten die zur Realisierung noch fehlenden Gelder durch Spenden eingeworben werden. Die Pflege und Erhaltung der Tafeln wird durch die VVN/BdA (gemeinsam mit Herrn Reinhard Meierjürgen) sichergestellt. In Vertretung Dr. Heinrichs Anlage: Anlage 1
Anlage 1
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Anlage 1 Texte der Gedenk- und Informationstafeln: Gedenkstein: In Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsar beiter, die hier in den Jahren 1940 - 1945, in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutsc hland, gefangen waren. Wir erinnern beson- ders an diejenigen Menschen, die die Sklavenarbeit und unmenschlichen Lebensbedingungen nicht überlebt haben. Tafel 1: Das Lager „Waldfrieden“ wurde um 1940 im Auftrage der Stadt Münster im „Herrenbrock“ für die erwarteten „Fremdarbeiter“ errichtet. Es bestand au s insgesamt 10 Baracken für bis zu 480 Menschen. Die Belegung erfolgte durch die „Deutsche Arbeitsfr ont“ (DAF), die auch über die Lager „Mecklenbeck“ (800 „Fremdarbeiter“) und Gremmendorf (600 „Fremdarbeiter“) verfügte. Mit dem deutschen Rückmarsch im Osten 1943 erfolgte n die Massendeportationen von Män- nern, Frauen und Kindern aus der Sowjetunion nach M ünster. Dafür wurden die DAF-Lager mit Stacheldraht umzäunt. Tafel 2: Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Hiltrup Der nationalsozialistische Wahn, alle Deutschen sei en „arische Herrenmenschen“, führte wäh- rend des Zweiten Weltkrieges zur Versklavung von 10 Millionen Europäern auf deutschem Reichsgebiet. Auch im industrialisierten Dorf Hiltr up waren an 94 Stellen 198 „Fremdarbeiter“ eingesetzt: Bei Landwirten, Handwerkern, in Privath aushalten, vor allem aber bei den Hiltruper Röhrenwerken (Hoesch) und Glasurit. Der Landkreis M ünster meldete 1949 der britischen Mili- tärregierung insgesamt 351 Männer und Frauen, davon allein 118 Männer und 63 Frauen bei den Röhrenwerken, die in einem Lager auf dem Werksg elände untergebracht waren. Das mit mehreren hundert Menschen belegte Lager „Waldfriede n“ wurde nicht benannt, da es Münster unterstand. Tafel 3: Im Lager „Waldfrieden“ Drei damalige Kinder berichten von ihrem Aufenthalt im Lager „Waldfrieden“: Nadeshda Wladimirowna Masjutina, damals 11 Jahre alt, schreibt: „Das Lager war mit Stacheldraht umzäunt, das eisern e Tor war hoch. Links war die Küche, wo für uns das Essen gekocht wurde; geradeaus die Blum enbeete und der Platz, auf dem wir uns morgens und abends aufstellen mussten. In der Barac ke Nr. 1 wohnte ich mit meiner Familie: Die Mutter, der Vater, zwei Schwestern, mein Bruder und ich, die Kleinste. Das Zimmer war groß, da wohnten mehrere Familien und Alleinstehend e. Aber ich erinnere mich nicht, dass es Streit gab. Es wurde nicht viel erzählt, und gelacht wurde auch nicht.“ Iwan Putschinski berichtete bei seinem Besuch vom entsetzlichen Hunger; er bekam als Zehn- jähriger nur die Hälfte der Erwachsenenhungerration : Steckrübensuppe und eine Scheibe „Rus- senbrot“. In Absprache mit dem Lagerführer ließ er sich zwei Jahre älter machen, dann bekam er die Erwachsenenration, musste aber 12 Stunden tä glich arbeiten. Bei Luftangriffen durften nur die Deutschen in den Splitterbunkern am Lager Schutz suchen. Anlage 1 Nikolai Karpow schreibt in seinem Buch „Der kleine Ostarbeiter“: „Es kam einem seltsam vor, wie dieses schöne, durch den Fleiß der Menschen bereicherte Land nach Raubtiergesetzen lebte.“ Unterstützerkreis: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA) Katholische Kirchengemeinden St. Clemens und St. Marien Evangelische Kirchengemeinde Ökumenischer Kreis für Frieden und Gerechtigkeit Stadt Münster, Der Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Föhrenweg
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0689/2009
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 26.10.2009
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37