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V/0689/2009

Aufstellung von Gedenk- und Informationstafeln für Zwangsarbeiter im Waldpark Hiltrup-Ost

Vorlagen 26.10.2009

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Hiltrup, Sitzung am 10.11.2009, TOP 12.2

Beschlussvorlage

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Anlage 1

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Beschlussvorlage

3161 Zeichen

V/0689/2009 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Bezirksverwaltung Münster-Hiltrup 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Aufstellung von Gedenk- und Informationstafeln für Zwangsarbeiter im Waldpark Hiltrup-Ost  
Anregung gem. § 24 GO NRW Nr. 35/2007 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
10.11.2009 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Entscheidung
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
Am westlichen Eingang zum Waldpark (Föhrenweg) werden ein Gedenkstein und eine Infotafel, 
am nördlichen Eingang sowie am östlichen Eingang ebenfalls jeweils eine Infotafel angebracht.  
 
Der Gedenkstein wird in „Baumberger Sandstein“ (Naturbruchstein) durch Herrn Bodo Treichler 
ausgeführt. Die Infotafeln werden in einfacher Metallausfertigung mit Ständer erstellt. 
 
Die Tafeln erhalten die Texte gemäß der beigefügten Anlage. 
Die Anregung Nr. 35/2007 ist damit erledigt. 
 
II. Kosten/Folgekosten 
 
Es wird zur Kenntnis genommen, dass Kosten in Höhe von 1.500 Euro, jedoch keine Folgekosten 
entstehen. 
 
III. Finanzierung/Mittelbereitstellung 
 
Die o. g. Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren: 
 
 
Aufwendungen 
 
 Nr. Bezeichnung Haush.- 
jahr 
Betrag 
€ 
Bemerkungen 
 
Produktgruppe 0101 Zuschüsse an übrige Bereiche 
für laufende Zwecke 
(Sachkonto 530800) 
Teilergebnisplan (Zei-
le) 
15 Transferaufwendungen 
2009 1.000 Bezirksver-
tretung 
Vorlagen-Nr.: 
V/0689/2009 
Auskunft erteilt: 
Herr Tüns 
Ruf: 
02501/44 56 10 
E-Mail: 
Tuens@stadt-muenster.de  
Datum: 
26.10.2009 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
V/0689/2009 
Produktgruppe 0401 Kulturmanagement/Kultur-
förderung 
Teilergebnisplan (Zei-
le) 
15 Transferaufwendungen 
2009 500 Kulturamt 
Insgesamt: 1.500  
 
 
 
Begründung: 
Mit ihrer Anregung nach § 24 GO NW vom 31.01.2007 wünschte die Vereinigung der Verfolgten 
des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Münster (VVN, 
BdA), die Aufstellung von Gedenktafeln für die während der Zeit des „Dritten Reichs“ in einem La-
ger in Hiltrup-Ost internierten Zwangsarbeiter. 
 
In den zum Teil noch heute vorhandenen Bunkern lebten damals rund 270 Personen aus von der 
Wehrmacht besetzten Ländern, die von diesem Standort zu Arbeitseinsätzen in Münster, Hiltrup 
und der Umgebung verbracht wurden. Unter unmenschlichen Bedingungen verloren 18 Personen 
ihr Leben.  
 
Auf diese geschichtlichen Ereignisse soll mit den Gedenk- und Informationstafeln dauerhaft hinge-
wiesen werden. Sie sind anhand von Lageplänen, Archivunterlagen und der Recherche zu  Ereig-
nissen und Hintergründen (Historikerin Frau Dr. Gisela Schwarze) abgesichert. 
 
Die Kirchengemeinden Hiltrups (Katholische Kirchengemeinden St. Clemens und St. Marien, 
Evangelische Kirchengemeinde) sowie der Ökumenische Kreis für Frieden und Gerechtigkeit un-
terstützen den Antrag ideell und mit Spenden. Bei einer Vortragsveranstaltung mit Frau Dr. 
Schwarze im Hiltruper Heimatmuseum konnten die zur Realisierung noch fehlenden Gelder durch 
Spenden eingeworben werden.  
 
Die Pflege und Erhaltung der Tafeln wird durch die VVN/BdA (gemeinsam mit Herrn Reinhard 
Meierjürgen) sichergestellt.  
 
 
 
In Vertretung 
 
 
 
Dr. Heinrichs 
 
Anlage: 
Anlage 1

Anlage 1

3386 Zeichen

Anlage 1 
Texte der Gedenk- und Informationstafeln: 
 
 
Gedenkstein: 
In Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsar beiter, die hier in den Jahren 1940 -
1945, in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutsc hland, gefangen waren. Wir erinnern beson- 
ders an diejenigen Menschen, die die Sklavenarbeit und unmenschlichen Lebensbedingungen 
nicht überlebt haben. 
 
Tafel 1: 
Das Lager „Waldfrieden“ wurde um 1940 im Auftrage der Stadt Münster im „Herrenbrock“ für die 
erwarteten „Fremdarbeiter“ errichtet. Es bestand au s insgesamt 10 Baracken für bis zu 480 
Menschen. 
Die Belegung erfolgte durch die „Deutsche Arbeitsfr ont“ (DAF), die auch über die Lager 
„Mecklenbeck“ (800 „Fremdarbeiter“) und Gremmendorf (600 „Fremdarbeiter“) verfügte. 
Mit dem deutschen Rückmarsch im Osten 1943 erfolgte n die Massendeportationen von Män- 
nern, Frauen und Kindern aus der Sowjetunion nach M ünster. Dafür wurden die DAF-Lager mit 
Stacheldraht umzäunt. 
 
Tafel 2: 
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Hiltrup 
 
Der nationalsozialistische Wahn, alle Deutschen sei en „arische Herrenmenschen“, führte wäh- 
rend des Zweiten Weltkrieges zur Versklavung von 10  Millionen Europäern auf deutschem 
Reichsgebiet. Auch im industrialisierten Dorf Hiltr up waren an 94 Stellen 198 „Fremdarbeiter“ 
eingesetzt: Bei Landwirten, Handwerkern, in Privath aushalten, vor allem aber bei den Hiltruper 
Röhrenwerken (Hoesch) und Glasurit. Der Landkreis M ünster meldete 1949 der britischen Mili- 
tärregierung insgesamt 351 Männer und Frauen, davon  allein 118 Männer und 63 Frauen bei 
den Röhrenwerken, die in einem Lager auf dem Werksg elände untergebracht waren. Das mit 
mehreren hundert Menschen belegte Lager „Waldfriede n“ wurde nicht benannt, da es Münster 
unterstand. 
 
Tafel 3: 
Im Lager „Waldfrieden“ 
 
Drei damalige Kinder berichten von ihrem Aufenthalt im Lager „Waldfrieden“: 
 
Nadeshda Wladimirowna Masjutina, damals 11 Jahre alt, schreibt: 
„Das Lager war mit Stacheldraht umzäunt, das eisern e Tor war hoch. Links war die Küche, wo 
für uns das Essen gekocht wurde; geradeaus die Blum enbeete und der Platz, auf dem wir uns 
morgens und abends aufstellen mussten. In der Barac ke Nr. 1 wohnte ich mit meiner Familie:  
Die Mutter, der Vater, zwei Schwestern, mein Bruder  und ich, die Kleinste. Das Zimmer war 
groß, da wohnten mehrere Familien und Alleinstehend e. Aber ich erinnere mich nicht, dass es 
Streit gab. Es wurde nicht viel erzählt, und gelacht wurde auch nicht.“ 
 
Iwan Putschinski berichtete bei seinem Besuch  vom entsetzlichen Hunger; er bekam als Zehn- 
jähriger nur die Hälfte der Erwachsenenhungerration : Steckrübensuppe und eine Scheibe „Rus- 
senbrot“. In Absprache mit dem Lagerführer ließ er sich zwei Jahre älter machen, dann bekam 
er die Erwachsenenration, musste aber 12 Stunden tä glich arbeiten. Bei Luftangriffen durften 
nur die Deutschen in den Splitterbunkern am Lager Schutz suchen.

Anlage 1 
Nikolai Karpow schreibt in seinem Buch „Der kleine Ostarbeiter“: 
„Es kam einem seltsam vor, wie dieses schöne, durch den Fleiß der Menschen bereicherte Land 
nach Raubtiergesetzen lebte.“ 
 
 
 
Unterstützerkreis: 
 
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA) 
Katholische Kirchengemeinden St. Clemens und St. Marien 
Evangelische Kirchengemeinde 
Ökumenischer Kreis für Frieden und Gerechtigkeit 
Stadt Münster, Der Oberbürgermeister

Beratungsverlauf (1)

10.11.2009 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup
TOP 12.2 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (1)

  • Föhrenweg

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0689/2009
Typ
Vorlagen
Datum
26.10.2009
Erstellt
06.10.2020 14:37