1586/2021
Digitale Konferenz Interkulturelles Köln - Dokumentation der Veranstaltung vom 22.1.2021
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Doku-KIK - 22.01 2021
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Büro der Oberbürgermeisterin Amt für Integration und Vielfalt Kommunales Integrationszentrum Frau Kolping Telefon: (0221) 221 29293 E-Mail: sabine.kolping@stadt-koeln.de Datum: 01.04.2021 Dokumentation der Digitalen Konferenz Interkulturelles Köln von Freitag, den 22.01.2021 Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 2 Inhalt Seite: Vorwort 3 Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin 4 Workshops Allyship 5 Von der interkulturellen zur diskriminierungssensiblen Öffnung der Stadtverwaltung 6 Intersektionale Diskriminierung: Sensibilisierung gegenüber Rassismuserfahrungen und queeren Lebensweisen 7 Diskrimininierungssensible Sprache 8 Resümee 9 Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 3 Vorwort Die Konferenz Interkulturelles Köln (KIK), seit Jahren eine wichtige Veranstaltung, um Fachpersonen aus den Bereichen Migration und Integration zu vernetzen und Im- pulse für die weitere Zusammenarbeit zu geben, konnte im Jahr 2020 pandemiebe- dingt nicht als Präsenzformat stattfinden. Als digitales Format fand sie am 22.01.2021 statt. Der Titel lautete : Solidarische Stadtgesellschaft – eine Millionen gegen Rassis- mus“. D ie Veranstaltung hatte das Thema Anti -Rassismus und Zivilcourage in den Fokus genommen. Die Konferenz war das Resultat einer engen u nd effektiven Zusammenarbeit und Vor- bereitung mit einer Gruppe von Kölner Expert*innen zu dem Thema. An dieser Stelle soll diesen Personen gedankt werden, denn ohne ihren fachlichen und menschlich wertvollen Input hätte diese s Event nicht das hohe Niveau und die rassismuskritische Ausrichtung gehabt. Ein herzliches Dankeschön geht an: Elizaveta Khan (Inhaus e.V.), Dorsa Billstein und Abena Appiah (VJAAD Migrafrica e.V.), Helene Batemona -Abeke (Pamoja Afrika e.V.), Eli Abeke (Bündnis 14 Afrika) und Serge Palasie (Eine-Welt-Netz NRW e.V.). Ein ebenso herzlicher Dank wird auch der vom Rat der Stadt Köln ernannten Steue- rungsgruppe ausgesprochen . Dieses Gremium setzt sich zusammen aus Vertre- ter*innen des Integrationsrates, des Runden Tischs für Integration, verschiedener Be- hörden wie BAMF und Ausländerbehörde sowie Vertreter*innen Interkultureller Zen- tren der Stadt und Kölner Integrationsagenturen. Dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) im Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Köln war es als Veranstalterin der Konferenz wichtig, dass die digitale KIK ein sicherer und diskriminierungssensibler Ort für alle ist. Um dies zu ermöglichen, wurde die Konferenz zum ersten Mal von einem Awareness-Team begleitet. Fünf geschulte Mitarbeiter*innen des Teams von Pamoja Afrika e.V. unter der Leitung von Helen e Batemona-Abeke nahmen als Beobachter*innen an den Workshops teil – immer bereit einzugreifen, wenn Rassismen oder Diskriminierungen passieren oder sich jemand aufgrund der Geschehnisse unwohl fühlt. Sowohl der Veranstalterin, den Refe- rent*innen als auch den Teilnehmer*innen gab dies Sicherheit und wurde im Feed- back zur Konferenz als sehr positiv empfunden. Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 4 Auch diesem Team sei herzlich für ihren wertvollen Beitrag zum Gelingen der Konfe- renz gedankt! Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin Henriette Reker Alle vier Workshops, von denen je zwei zur gleichen Zeit stattfanden , wurden von ei- ner Video -Botschaft der Oberbürgermeisterin Henriette Reker eingeleitet. Hier sind Auszüge aus ihrer Rede: „Liebe Teilnehmende! Ich begrüße Sie sehr herzlich zur „Konferenz Interkulturelles Köln 2021“. In diesem Monat läuft sie digital, doch ich hoffe, dass wir uns bald auch wieder persönlich be- gegnen können. Als Oberbürgermeisterin einer Stadt mit Menschen aus über 140 Nationen bin i ch fest davon überzeugt, dass unsere Vielfalt auch unsere große Stärke ist. Seit 2011 hat sich Köln der Idee der „Integrativen Stadtgesellschaft“ verschrieben und verfolgt seither deren Umsetzung durch zahlreiche Maßnahmen. Davon ist eine die Konferenz Int erkulturelles Köln, die den – zum Teil auch kontroversen – Austausch von Akteur*innen fördert und begleitet. Die heutige Veranstaltung trägt den Titel: „Solidarische Stadtgesellschaft – eine Million gegen Rassismus“. In vier Workshops können Sie sich mit Rassismus und Rassis- mus-Kritik auseinandersetzen. Diese Schwerpunktsetzung begrüße ich erst recht mit Blick auf das vergangene Jahr sehr. Die „Black Lives Matter“-Bewegung hat uns daran erinnert, dass der Alltagsras- sismus fortlebt. Der Rat der Stadt Köln h at daraufhin ein wichtiges Zeichen gesetzt und das N*-Wort geächtet. Wir beschäftigen uns noch intensiver mit unserem postko- lonialen Erbe. Wir haben die „Richtlinie zur Förderung rassismuskritischer Projekte zur Stärkung von Demokratie und Akzeptanz“ beschlossen. Und wir führen bewährte Stra- tegien fort, etwa die seit 2007 städtisch geförderten „Antirassismus-Trainings“. Daneben ist Jede und Jeder aufgerufen, persönliche Anschauungen und die eigene Sprache zu hinterfragen sowie das eigene Bewusstsein zu schä rfen. Denn eines ist klar: Eine solidarische Stadtgesellschaft beruht auf Respekt – erst recht in einer so Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 5 vielfältigen Metropole wie Köln. Liebe Teilnehmende, Sie sehen: Auch fünf Jahre nach dem Start der „Konferenz In- terkulturelles Köln“ gehen uns die Ge sprächsthemen nicht aus. Und das ist gut so! Denn Integration ist eben nicht irgendwann abgeschlossen. Vielmehr ist sie eine dau- erhafte Aufgabe. Ich bedanke mich bei den vielen engagierten Menschen aus Stadt- gesellschaft und Verwaltung, die diese Konferenz möglich machen.“ Workshops Workshop 1: „Allyship“ Der erste Workshop mit dem Titel: „Allyship“ fand von 09:30 bis 11:30 statt. Referentin war Jule Bönkost, vom Institut für diskriminierungsfreie Bildung in Berlin. Das Interesse an diesem Workshop war se hr groß, so dass neben den 20 Personen, die zum Workshop zugelassen werden konnten, noch einmal genauso viele Men- schen auf der Warteliste standen. Beschreibung: „Der Workshop richtet sich an „weiße“ Akteur*innen, die ihr Handeln gegen Rassismus hinterfrag en möchten und setzt die Bereitschaft zur Reflexion vo- raus. Was zeichnet einen „weißen“ Ally (aus dem Englischen Ally=Verbündete /r) aus? Der Workshop beschäftigt sich mit Handlungsmöglichkeiten „weißer“ Menschen, um als Bündnispartner*innen von Schwarzen Menschen und People of Color gegen Rassis- mus vorzugehen. Die Veranstaltung bietet Raum für kritische Selbstreflexion und den Austausch über verspürte Unsicherheiten.“ (Jule Bönkost) In einem Wechsel zwischen theoretischem Input, Kleingruppen -Arbeit und Möglichkeit zur Selbstreflektion wurden die Teilnehmenden aufgefordert, ihre eigene Positionie- rung zu überdenken und sich ihrer Privilegien als weiße Personen bewusst zu werden. Rassismuskritisches Handeln und Denken ist überall dort möglich und nötig, wo Ras- sismus produziert wird und „bleibt ein Prozess und eine lebenslange Aufgabe“ (J. Bönkost). Der Kreis der Teilnehmenden (TN) setzte sich hauptsächlich zusammen aus Mitar- beitenden der Stadtverwaltung und Professionellen aus den Bereichen Antirassismus- Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 6 und Integrationsarbeit. Das Feedback der Teilnehmenden war durchweg positiv. Sowohl Inhalte als auch Methoden und Atmosphäre wurden als gut bis sehr gut bewertet. Ein großer Teil der Teilnehmenden gab an, gerne noch länger als die vorgesehenen 2 Stunden an dem Thema weitergearbeitet zu haben. Workshop 2 : „Von der interkulturellen zur diskriminierungs - sensiblen Öffnung der Stadtverwaltung“ Dieser Workshop in der Zeit von 10:00 bis 12:00 Uhr wurde von Andreas Foitzik von adis e.V. aus Tübingen moderiert. Zu die sem Workshop waren knapp 50 Personen angemeldet. Beschreibung: „ Maßnahmen der Interkulturellen Öffnung beschränken sich oft vor allem auf sensibilisierende Fortbildungen der Mitarbeitenden mit Bürger*innenkontakt oder Bemühungen zur Erhöhung des Anteils vo n Menschen mit Migrationsgeschichte in der Verwaltung. Schon lange gibt es auch eine Kritik an der Kulturfokussierung die- ser Konzepte. Aktuellere Ansätze der rassismus - oder diskriminierungskritischen Öff- nung zielen stärker auf Chancengerechtigkeit und Diskriminierungsschutz. Je klarer die Begriffe sind, desto unaufgeregter können wir mit ihnen arbeiten. Das Reden über Diskriminierung und Rassismus scheint für viele Menschen das Format von Skandalisierung und Anklage nahezulegen. Institutionelle Veränderun gsprozesse setzen nicht am ›Skandal‹ der Diskriminierung an, sondern an der Tatsache, dass es institutionelle Diskriminierung überall gibt und auch Kommunalverwaltungen keine dis- kriminierungsfreien Räume sind. Eine zentrale Entwicklungsaufgabe der diskrimi nierungskritischen Öffnung ist ein nachhaltiger Diskriminierungsschutz über den Aufbau von Beschwerdestrukturen und -kulturen, mit denen Diskriminierungserfahrungen von Mitarbeitenden und Klient*innen ohne Risiko thematisiert werden können und von der Inst itution als Ressource und Motor der Veränderung gesehen werden.“(Andreas Foitzik) Die Teilnehmenden setzten sich zu fast gleichen Teilen aus Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wie Professionellen aus Organisationen der Integrations - und Migra- Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 7 tionsarbeit zusammen. Das Feedback der TN zeigte ein großes Interesse am Thema, das sehr viele unter- schiedliche Aspekte umfasst. Allgemein war ein starker Wunsch nach einem nachvoll- ziehbaren Prozess der Öffnung spürbar. Sehr gerne hätten die TN sich noch länger in den K leingruppen ausgetauscht und wünschten eine Fortführung mit unterschiedli- chen Schwerpunkten, wie z. B. „Entwicklung konkreter Handlungsstrategien für die Umsetzung“ oder „Pro und Contra von anonymen Bewerbungen für den Dienst in der Stadtverwaltung“. Workshop 3: „Intersektionale Diskriminierung: Sensibilisierung ge- genüber Rassismuserfahrungen und queeren Lebensweisen“ Referierende in diesem von 14:00 bis 17:00 Uhr stattfindenden Workshop war Djalila Boukhari von #MehrAlsQueer . Moderiert wurde der Worksho p von Timm Ther- re vom KI Köln. Beschreibung: „Integrationsarbeit ist geprägt durch die eigene Erfahrungswelt in Be- zug auf die Themen Rassismuserfahrungen, Migration und Queere Lebensweisen. In der alltäglichen Arbeitsroutine liegt das Hauptaugenmerk teils auf einem Merkmal. Umso wichtiger ist es, sich über eigene Leerstellen und „Bilder im Kopf“ zu Kli- ent*innen und Bürger*innen bewusst zu werden. Im Workshop möchten wir Impulse geben, wie die eigene Brille in Bezug auf intersek- tionale Diskriminierungserfahrungen der Klient*innen und Bürger*innen geschärft wer- den kann. Hierbei stellen wir uns die Frage: Wie kann in der kommunalen Integrati- onsarbeit Sensibilität gegenüber Rassismuserfahrungen und queeren Lebensweisen entwickelt werden, auch in ihrer Verschränkung? Weitere Aspekte sind das Hinterfragen von Dominanzkultur, Sensibilisierung für die Sichtweise auf eigene Privilegien bzw. Vorrechte aufgrund von Gruppenzugehörigkei- ten.“ (Djalila Boukhari/Timm Shik Therre) Auch bei diesem Thema war ein kritisches Hint erfragen der eigenen Positionierung und eventueller Vorbehalte ein wichtiges Element. Im Wechsel von Präsentation und Kleingruppenarbeit konnten die Teilnehmenden das Gehörte reflektieren. Berichtet Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 8 wurde, dass es im positiven Sinne herausfordernd war, mi t Fremden über so persönli- che Dinge wie z.B. die eigene sexuelle Identität zu sprechen. Auch hier war das Interesse am Thema so groß, dass die 16 Plätze im Workshop hät- ten doppelt besetzt werden können. Wie in den anderen Workshops setzte sich auch hier die Liste der Teilnehmenden aus Mitarbeitenden der Stadtverwaltung und Vertre- ter*innen von Organisationen aus verschiedenen Bereichen zusammen. Im Feedback äußerten sich TN (sowohl diejenigen, für die das Thema der Intersekti- onalität neu war als auch diejenig en, di e schon länger im Thema waren) durchweg positiv. Alle haben neue Impulse und eine Vertiefung ihres Wissens mitgenommen. Workshop 4: „Diskriminierungssensible Sprache“ Referentin in diesem Workshop von 13: 30 bis 15:30 Uhr war Najima El Moussaoui von den Neuen Deutschen Medienmachern e.V. Beschreibung: „Was für einen Unterschied macht es, ob wir von „Menschen mit Zu- wanderungsgeschichte“, „Neudeutschen“ oder „Ausländern“ sprechen? Ob wir von einer „Zuwanderungswelle“ reden, die Deutschland „überrollt“ oder von „Menschen, die hier Zuflucht suchen“? Welche Folgen hat welche Formulierung für diejenigen, die sprechen, diejenigen, die angesprochen werden und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft? Diesen und anderen Fragen gehen wir gemeinsam in dem Work shop nach. Die Teilnehmenden bekommen die Möglichkeit, anhand von Beispielen aus den Medien sowie ihrem beruflichen und privaten Alltag ein Bewusstsein für die diskrimi- nierende Wirkung von Sprache zu entwickeln.“ (Najima El Moussaoui) Inwiefern Sprache (bewusst und unbewusst) Realitäten schafft und mit eigenen Erfah- rungswerten zu tun hat, wurde im ersten Teil des Workshops erarbeitet. Im zweiten Teil ging es um Stereotype und Vorurteile, die gesellschaftlich verankert sind und werden. Tagtäglich gibt es problematische Fremdbezeichnungen und Begriffe, die meist unkritisch übernommen werden. Für einige Negativbeispiele aus aktuellen De- batten (wie etwa „Flüchtlingswelle“) wurden diskriminierungsfreie Alternativen aufge- zeigt. Dabei stellte die Referentin heraus, dass die Selbstbezeichnung von Gruppen hierbei eine zentrale Rolle spielt. Dokumentation zur Digitalen KIK am 22.1.2021 9 Da die Auseinandersetzung mit diskriminierungssensibler Sprache ein fortdauernder Lernprozess ist, erhielten die Teilnehmenden zum Abschluss die Gelegenheit, sich über eigene Unsi cherheiten sowie offene Fragen auszutauschen. Dabei wurde unter anderem darüber gesprochen, wie schwierig es ist, sich der eigenen Vorurteile be- wusst zu werden und zum Teil auch, sich sprachlich umzugewöhnen. Eine wichtige Erkenntnis der Teilnehmenden aus dem Workshop war aber: „Sprache befindet sich stets im Wandel. Wir sollten uns daher nicht gegen Neuerungen sperren“. Auch hier setzte sich die Gruppe der Teilnehmenden aus Mitarbeitenden der Stadt- verwaltung und Vertreter*innen von Organisation aus den Ber eichen Anti-Rassismus- Arbeit und Migration zusammen. Das Feedback zu diesem Workshop war im Vergleich zu den übrigen Workshops am kontroversesten: Das Spektrum der Rückmeldungen ging von der willkommenen An- regung zum Überdenken des eigenen Sprachgebrauchs bis hin zur Verunsicherung, „nicht zu wissen, wie es richtig geht“. Als schwierig wurde auch empfunden, dass bestimmte Begriffe Rassismen reprodu- zieren, sie aber genannt werden sollten, um klare Alternativen aufzuzeigen. Resümee: Insgesamt waren die Veran stalterin, die Referent*innen , Organisator*innen und Un- terstützer*innen zufrieden mit der Konferenz. Das Feed-Back der Teilnehmenden war, wie dargestellt, insgesamt positiv und konstruktiv. Ob es wegen des großen Interes- ses an den Themen eine weitere KIK i n diesem Jahr in digitaler oder Präsenzf orm geben wird, die Workshops wiederholt oder die Themen mit anderen Schwerpunkten weitergedacht und –bearbeitet werden, wird die Steuerungsgruppe in naher Zukunft entschieden. Es hat sich auf jeden Fall erneut deutlich gezeigt, dass ein regelmäßiger, intensiver und kontroverser Austausch zu Integrations - und Migrationsthemen von großer Be- deutung ist - zum einen für einen diskriminierungssensiblen und rassismuskritischen Dialog und Umgang mit Themen von und mit Akteur sgruppen und Stadtgesellschaft und zum anderen für das Fortschreiten auf dem Weg in Richtung interkultureller Öff- nung der Verwaltung.
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle OB/16/162/4 16/162 Vorlagen-Nummer 05.05.2021 1586/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 27.05.2021 Integrationsrat 01.06.2021 Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / Internationales 14.06.2021 Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender 22.06.2021 Digitale Konferenz Interkulturelles Köln - Dokumentation der Veranstaltung vom 22.1.2021 Die Konferenz Interkulturelles Köln (KIK), seit Jahren eine wichtige Veranstaltung, um Fachpersonen aus den Bereichen Migration und Integration zu vernetzen und Impulse für die weitere Zusammenar- beit zu geben, konnte im Jahr 2020 pandemiebedingt nicht als Präsenzformat stattfinden. Sie wurde am 22.01.2021 in einem digitalen Format durchgeführt. Der Titel lautete: „Solidarische Stadtgesellschaft – eine Million gegen Rassismus“. Die Veranstaltung hatte das Thema Anti-Rassismus und Zivilcourage in den Fokus genommen. Die Konferenz war das Resultat einer engen und effektiven Zusammenarbeit und Vorbereitung mit einer Gruppe von Kölner Expert*innen zu dem Thema sowie der vom Rat der Stadt Köln ernannten Steuerungsgruppe, die sich aus Vertreter*innen des Integrationsrates, des Runden Tischs für Integra- tion, verschiedener Behörden wie BAMF und Ausländerbehörde sowie Vertreter*innen Interkultureller Zentren der Stadt und Kölner Integrationsagenturen zusammensetzt. Um zu ermöglichen, dass die digitale KIK ein sicherer und diskriminierungssensibler Ort für alle ist, wurde die Konferenz zum ersten Mal von einem Awareness-Team begleitet. Fünf geschulte Mitarbei- ter*innen des Teams von Pamoja Afrika e.V. begleiteten die Workshops – immer bereit einzugreifen, wenn sich Anzeichen von Rassismen oder Diskriminierungen zeigen oder sich jemand aufgrund des Verlaufs der Diskussionen unwohl fühlt. Sowohl der Veranstalterin, den Referent*innen als auch den Teilnehmer*innen gab dies Sicherheit und wurde im Feedback zur Konferenz als sehr positiv emp- funden. Nachfolgend, in verkürzter Form, ein Auszug aus der Videobotschaft der Oberbürgermeisterin, Infor- mationen zu den einzelnen Workshops sowie ein Resümee zur Veranstaltung: Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin Henriette Reker 2 Alle vier Workshops wurden von einer Videobots chaft der Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein- geleitet. Hier ein Auszug: „…..Seit 2011 hat sich Köln der Idee der „Integrativen Stadtgesellschaft“ verschrieben und verfolgt seither deren Umsetzung durch zahlreiche Maßnahmen. Davon ist eine die Konferenz Interkulturelles Köln, die den – zum Teil auch kontroversen – Austausch von Akteur*innen fördert und begleitet. Die heutige Veranstaltung trägt den Titel: „Solidarische Stadtgesellschaft – eine Million gegen Ras- sismus“. In vier Workshops können Sie sich mit Rassismus und Rassismus-Kritik auseinandersetzen. Diese Schwerpunktsetzung begrüße ich erst recht mit Blick auf das vergangene Jahr sehr. Die „Black Lives Matter“-Bewegung hat uns daran erinnert, dass der Alltagsrassismus fortlebt. Der Rat der Stadt Köln hat daraufhin ein wichtiges Zeichen gesetzt und das N*-Wort geächtet. Wir beschäftigen uns noch intensiver mit unserem postkolonialen Erbe. Wir haben die „Richtlinie zur Förderung rassismus- kritischer Projekte zur Stärkung von Demokratie und Akzeptanz“ beschlossen. Und wir führen be- währte Strategien fort, etwa die seit 2007 städtisch geförderten „Antirassismus-Trainings“. Daneben ist Jede und Jeder aufgerufen, persönliche Anschauungen und die eigene Sprache zu hin- terfragen sowie das eigene Bewusstsein zu schärfen. Denn eines ist klar: Eine solidarische Stadtge- sellschaft beruht auf Respekt – erst recht in einer so vielfältigen Metropole wie Köln.“ Workshops „Allyship“ Referentin war Jule Bönkost, vom Institut für diskriminierungsfreie Bildung in Berlin, die den Inhalt des Workshops wie folgt beschreibt: Der Workshop richtet sich an „weiße“ Akteur*innen, die ihr Handeln gegen Rassismus hinterfragen möchten und setzt die Bereitschaft zur Reflexion voraus. Was zeichnet einen „weißen“ Ally (aus dem Englischen Ally=Verbündete/r) aus? Der Workshop be- schäftigt sich mit Handlungsmöglichkeiten „weißer“ Menschen, um als Bündnispartner*innen von Schwarzen Menschen und People of Color gegen Rassismus vorzugehen. Die Veranstaltung bietet Raum für kritische Selbstreflexion und den Austausch über verspürte Unsicherheiten. In einem Wechsel zwischen theoretischem Input, Kleingruppen-Arbeit und Möglichkeit zur Selbstreflektion werden die Teilnehmenden aufgefordert, ihre eigene Positionierung zu überdenken und sich ihrer Privilegien als weiße Personen bewusst zu werden. Rassismuskritisches Handeln und Denken ist überall dort möglich und nötig, wo Rassismus produziert wird und „bleibt ein Prozess und eine lebens- lange Aufgabe“ (J. Bönkost). „Von der interkulturellen zur diskriminierungssensiblen Öffnung der Stadtverwaltung“ Dieser Workshop wurde von Andreas Foitzik von adis e.V. aus Tübingen moderiert. „Maßnahmen der Interkulturellen Öffnung beschränken sich oft vor allem auf sensibilisierende Fortbil- dungen der Mitarbeitenden mit Bürger*innenkontakt oder Bemühungen zur Erhöhung des Anteils von Menschen mit Migrationsgeschichte in der Verwaltung. Schon lange gibt es auch eine Kritik an der Kulturfokussierung dieser Konzepte. Aktuellere Ansätze der rassismus- oder diskriminierungskriti- 3 schen Öffnung zielen stärker auf Chancengerechtigkeit und Diskriminierungsschutz. Je klarer die Begriffe sind, desto unaufgeregter können wir mit ihnen arbeiten. Das Reden über Dis- kriminierung und Rassismus scheint für viele Menschen das Format von Skandalisierung und Ankla- ge nahezulegen. Institutionelle Veränderungsprozesse setzen nicht am ›Skandal‹ der Diskriminierung an, sondern an der Tatsache, dass es institutionelle Diskriminierung überall gibt und auch Kommu- nalverwaltungen keine diskriminierungsfreien Räume sind. Eine zentrale Entwicklungsaufgabe der diskriminierungskritischen Öffnung ist ein nachhaltiger Diskri- minierungsschutz über den Aufbau von Beschwerdestrukturen und -kulturen, mit denen Diskriminie- rungserfahrungen von Mitarbeitenden und Klient*innen ohne Risiko thematisiert werden können und von der Institution als Ressource und Motor der Veränderung gesehen werden.“ (Andreas Foitzik) „Intersektionale Diskriminierung: Sensibilisierung gegenüber Rassismuserfahrungen und queeren Lebensweisen“ Referierende in diesem Workshop war Djalila Boukhari von #MehrAlsQueer. Moderiert wurde der Workshop von Timm Therre vom Kommunalen Integrationszentrum Köln. „Integrationsarbeit ist geprägt durch die eigene Erfahrungswelt in Bezug auf die Themen Rassis- muserfahrungen, Migration und Queere Lebensweisen. In der alltäglichen Arbeitsroutine liegt das Hauptaugenmerk teils auf einem Merkmal. Umso wichtiger ist es, sich über eigene Leerstellen und „Bilder im Kopf“ zu Klient*innen und Bürger*innen bewusst zu werden. Im Workshop möchten wir Impulse geben, wie die eigene Brille in Bezug auf intersektionale Diskrimi- nierungserfahrungen der Klient*innen und Bürger*innen geschärft werden kann. Hierbei stellen wir uns die Frage: Wie kann in der kommunalen Integrationsarbeit Sensibilität gegenüber Rassismuser- fahrungen und queeren Lebensweisen entwickelt werden, auch in ihrer Verschränkung? Weitere As- pekte sind das Hinterfragen von Dominanzkultur, Sensibilisierung für die Sichtweise auf eigene Privi- legien bzw. Vorrechte aufgrund von Gruppenzugehörigkeiten.“ (Djalila Boukhari/Timm Shik Therre) „Diskriminierungssensible Sprache“ Referentin in diesem Workshop war Najima El Moussaoui von den Neuen Deutschen Medienmachern e.V. „Was für einen Unterschied macht es, ob wir von „Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“, „Neu- deutschen“ oder „Ausländern“ sprechen? Ob wir von einer „Zuwanderungswelle“ reden, die Deutsch- land „überrollt“ oder von „Menschen, die hier Zuflucht suchen“? Welche Folgen hat welche Formulie- rung für diejenigen, die sprechen, diejenigen, die angesprochen werden und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft? Diesen und anderen Fragen gehen wir gemeinsam in dem Workshop nach. Die Teilnehmenden bekommen die Möglichkeit, anhand von Beispielen aus den Medien sowie ihrem be- ruflichen und privaten Alltag ein Bewusstsein für die diskriminierende Wirkung von Sprache zu entwi- ckeln.“ (Najima El Moussaoui) Bei allen Workshops setzten sich die Teilnehmenden aus Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wie 4 Professionellen aus Organisationen der Integrations- und Migrationsarbeit zusammen. Resümee: Insgesamt waren die Veranstalterin, die Referent*innen, Organisator*innen und Unterstützer*innen sehr zufrieden mit der Konferenz. Das Feedback der TN in den einzelnen Workshops war positiv und konstruktiv und zeigte ein großes Interesse an den Themen. Ob es eine weitere KIK in diesem Jahr in digitaler oder Präsenzform geben wird, die Workshops wiederholt oder die Themen mit anderen Schwerpunkten weitergedacht und –bearbeitet werden, wird die Steuerungsgruppe in naher Zukunft entschieden. Es hat sich auf jeden Fall erneut deutlich gezeigt, dass ein regelmäßiger, intensiver und kontroverser Austausch zu Integrations- und Migrationsthemen von großer Bedeutung ist - zum einen für einen diskriminierungssensiblen und rassismuskritischen Dialog und Umgang mit Themen von und mit Ak- teursgruppen und Stadtgesellschaft und zum anderen für das Fortschreiten auf dem Weg in Richtung interkultureller Öffnung der Verwaltung. Detailliertere Informationen (Vorbereitung, Beschreibung der Workshops, Anzahl der Teilnehmenden, differenziertere Feedbacks, ausführlichere Videobotschaft der OB) können der als Anlage beigefügten Dokumentation entnommen werden, die auch unter: https://www.ki-koeln.de/assets/Doku- KIK2020.pdf als Download bereit steht. Anlage Gez. Reker
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1586/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 26.05.2021
- Erstellt
- 27.04.2021 09:57