3268/2020
Ankauf des Kunstwerkes Sympathische Kommunistin von Martin Kippenberger für das Museum Ludwig
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4511 Vorlagen-Nummer 3268/2020 Freigabedatum 10.03.2021 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Ankauf eines weiteren Drittels des Kunstwerkes Sympathische Kommunistin von Martin Kippenberger für das Museum Ludwig Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat beschließt den Ankauf eines weiteren Drittels des Kunstwerks „Sympathische Kommunistin“ von Martin Kippenberger aus dem Jahr 1983 für das Museum Ludwig für 1,0 Mio. € gestaffelt über drei Jahre sowie die erste Freigabe in Höhe von 333.000 € im Teilfinanzplan 0402 – Museum Ludwig bei Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen auf der Fi- nanzstelle 4511-0402-0-2000 – Ankaufsetat Museum Ludwig, Hj. 2021. Die Verwaltung wird im Rahmen des Haushaltsplanaufstellungsprozesses 2022 ff. die erforderlichen Mittel in Höhe von 333.000 € für das Haushaltsjahr 2022 und in Höhe von 334.000 € für das Haus- haltsjahr 2023 berücksichtigen. Finanzausschuss 15.03.2021 Rat 23.03.2021 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 1.000.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja 500.000 € 50 % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung Martin Kippenberger (1953-1997) Sympathische Kommunistin, 1983 Öl und Harz auf Leinwand 180 x 150 cm (gerahmt 183 x 153 cm) Die „Sympathische Kommunistin“ zeigt eine junge Frau in einer weißen Uniform und mit einer schwarzen Kappe, auf dem der rote Stern prangt. Sie schaut aus leichter Untersicht den*die Betrach- ter*in des Gemäldes unverwandt an. Der Hintergrund ist wie bei einer Fotografie verschwommen; das Gesicht in grobe Farbfelder aufgeteilt. Als Kippenberger in seinem Atelier am Kölner Friesenplatz daran arbeitete, goss er über die rechte Bildhälfte Harz aus – und drehte das Motiv dafür auf den Kopf. Das Gemälde zieht die Aufmerksamkeit auf sich, weil der Künstler ein werbeträchtiges Bild nach ei- nem Cover der DDR-Illustrierten NBI von 1977 geschaffen hat. Dabei wählte er aber einen Malstil, der 3 wegen seiner rohen Machart zwanzig Jahre später „Bad Painting“ getauft wurde. Auf diese Weise lässt Kippenberger offen, ob das Motiv eine Botschaft vermitteln soll oder ob er es nur künstlerisch verwertet hat. Der Künstler hat immer wieder gesellschaftliche und künstlerische Ambivalenzen im- mer mit großem Gespür aufgegriffen. Er holte sich – wie Bazon Brock feststellt – „seine Anstöße nicht nur aus den Bildwelten des Journalismus, der Illustrierten, des Fernsehens, der Zeitungen und der Werbung. Er produziert auch wiederum Bildwerte, die eigentlich nur in jenen journalistischen Medien ihre Kraft und ihren Anspruch entfalten können.“ Bei der „Sympathische Kommunistin“ handelt es sich um ein solches wirkungsvolles Bild, das zugleich in der Malerei neue Maßstäbe setzte. Das Gemälde schließt an die Pop-Art-Sammlung des Museum Ludwig an, zum Beispiel an Gemälde wie Roy Lichtensteins „M-Maybe (A Girl’s Picture)“ von 1965 oder Andy Warhols „Jackie Triptych“ von 1964. Es bietet aber auch aufschlussreiche Anschlussmöglichkeiten an die zweite Generation der Russischen Avantgarde an, deren Werke Peter und Irene Ludwig sammelten. Ilya Kabakov und Erik Bulatov griffen zum Beispiel zeitgleich die Bildsprache des Sozialistischen Realismus kritisch auf. Auch in der Geschichte der zeitgenössischen Malerei kommt dem Gemälde eine Schanierfunktion zu. Kippenberger grenzte sich mit solchen Werken gegen die expressiven Werke von Markus Lüpertz und Georg Baselitz ab. Zugleich schuf er eine neue Malweise und ein neues künstlerisches Selbst- verständnis, an das die in den 1960er und 1970er Jahren geborenen Künstler*innen anschließen konnten. Seitdem das Gemälde „Sympathische Kommunistin“ sich im Museum Ludwig befindet, ist es dauer- haft in der Sammlung ausgestellt. Es gehört heute nicht nur zu den Hauptwerken der Sammlung, sondern auch zu einem der beliebtesten Arbeiten – eine „Mona Lisa“ des Museum Ludwig. Ausgangslage Im Jahr 2012 bot sich dem Museum Ludwig und der Kunststiftung im Museum Ludwig die außerge- wöhnliche Gelegenheit das Kunstwerk „Sympathische Kommunistin“ von Martin Kippenberger als Teilerwerb (1/3) und Teilschenkung (2/3) in den bedeutenden Sammlungsbestand des Museums auf- zunehmen. Das Kunstwerk hat einen durch ein Gutachten von 2012 testierten Wert von insgesamt 3,0 Millionen Euro. Ein Wertanteil von 1/3 des Gesamtkaufpreises gelangte bereits als Schenkung in die Kunststiftung im Museum Ludwig. Eingetragener Zweck der Kunststiftung im Museum Ludwig ist die ausschließliche Förderung des Museum Ludwig, insbesondere durch den Erwerb und Zurverfügungstellung von Kunstwerken auf Basis von zeitlich unbefristeten Leihverträgen. Ein weiteres Drittel des Kunstwerkes mit einem Wert von 1,0 Mio. € wurde durch die Stadt Köln für das Museum als Miteigentum aus dem Ankaufsetat des Museums Ludwig erworben. Der Ankauf wur- de durch die Kulturstiftung der Länder und der Peter und Irene Ludwig Stiftung mit einen Betrag von jeweils 333.333,00 € gefördert. Der Rat hat in seiner Sitzung am 14.11.2012 den Ankauf des 1/3 Miteigentumsanteils am Kunstwerk beschlossen (Vorlagen-Nr. 4070/2012, s. Anlage). Das letzte Drittel des Kunstwerks soll der Kunststiftung im Museum Ludwig am 2. Januar 2023 ge- schenkt werden. Der Ankauf und die Schenkung an die Kunststiftung wurden zwischen der Stadt Köln, der Kunststif- tung im Museum Ludwig und dem Eigentümer vertraglich vereinbart und zur Absicherung der Wirk- samkeit am 23.11.2012 notariell beurkundet. Teilschenkung des Kunstwerkes an die Kunststiftung Die Kunststiftung im Museum Ludwig wurde am 16.12.2008 von der Bezirksregierung Köln als selbst- ständige Stiftung des bürgerlichen Rechts anerkannt. Maßgebender Impuls zur Stiftungsgründung war die Verabschiedung des Gesetzes zur weiteren 4 Stärkung des bürgerlichen Engagements im Jahr 2007. Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemein- nützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Kunst und Kultur. Die Stiftung erfüllt ihren Zweck aus- schließlich durch die Förderung des Museum Ludwig Köln. Die mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit der Stiftung einhergehende steuerliche Begünstigung unterstützt insbesondere bei der Ansprache von Sammlerinnen und Sammlern. Durch die Zuwendung der beiden Miteigentumsanteile an die Kunststiftung sollten die steuerlichen Begünstigungen für den Eigentümer im zeitlichen Abstand von zehn Jahren vollzogen werden. Der erste Miteigentumsanteil im Wertanteil von 1,0 Mio. € wurde mit Zahlung des vollständigen Kaufprei- ses durch die Stadt Köln an die Kunststiftung im Museum Ludwig in 2013 übertragen. Der zweite Mit- eigentumsanteil in gleicher Höhe sollte der Stiftung zehn Jahre später zum 02. Januar 2023 übertra- gen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind der ursprüngliche Eigentümer, die Stadt Köln sowie die Kunststiftung Eigentümer je eines Miteigentumsanteils von einem Drittel an dem Kunstwerk Martin Kippenberger, „Sympathische Kommunistin“. Die Finanzverwaltung Köln legt zwischenzeitlich das Prüfergebnis über den von dem ursprünglichen Eigentümer beantragten Spendenabzug gemäß § 10b Abs. 1 a EStG vor. Demnach wird der Spen- denabzug hinsichtlich des bereits zugewandten Miteigentumsanteils an die Kunststiftung seitens des Finanzamtes Köln nachweislich versagt. Damit ist der mit der Teilschenkung von zwei Dritteln des Gemäldes verbundene Wunsch, die beste- hende Möglichkeit des Spendenabzugs geltend zu machen, mit dem vorliegenden Kauf- und Schen- kungsvertrag nicht gegeben. Der in 2012 testierte Wert des Gemäldes wurde in 2012 durch zwei Gutachten auf 3 Mio. Euro festge- legt. Heute liegt der Wert im zweistelligen Millionenbereich, da es nur wenige frühe ikonische Werke von Martin Kippenberger gibt, die überhaupt auf dem Kunstmarkt gehandelt werden. Mit einer Änderungsvereinbarung zum Vertrag vom 21. November 2012 soll nun ein Ausweg aus dem Problem gefunden werden, weil der großzügige Plan, zwei Drittel eines solch herausragenden Hauptwerkes des bedeutenden Künstlers Martin Kippenberger dem Museum Ludwig zu schenken, mit dem vorliegenden Vertrag nicht mit einem Spendenabzug verbunden werden kann. Die Änderungsvereinbarung, die bereits mit dem Rechtsamt der Stadt Köln abgestimmt wurde, sieht vor, dass der 2012 festgelegte Wert von 3 Mio. Euro weiterhin bestehen bleibt. Der Eigentümer beabsichtigt auch weiterhin, den noch bei ihm verbleibendem Miteigentumsanteil an dem Kunstwerk dem Museum Ludwig zukommen zu lassen und bietet diesen der Stadt Köln nunmehr zum Erwerb an. Im Gegenzug erklärt er sich bereit, auf jegliche Ansprüche an dem bereits übertra- genden Miteigentumsanteil an die Kunststiftung zu verzichten. Finanzierung: Der Kaufpreis für das letzte Drittel des Kunstwerkes beträgt insgesamt 1,0 Mio. € und wird durch die Stadt Köln für das Museum Ludwig als weiteres Miteigentum erworben. Der Ankauf wird aus dem Ankaufsetat des Museum Ludwig bestritten. Die Peter und Irene Ludwig Stiftung bezuschusst den Erwerb von Kunstwerken des Museums Ludwig in Höhe von jährlich 500.000 €. Im Gegenzug hat sich die Stadt Köln vertraglich dazu verpflichtet, städtische Eigenmittel in gleicher Höhe zur Verfügung zu stellen, so dass das Museum über einen jährlichen Ankaufsetat von 1,0 Mio. Euro verfügen kann. Die Auszahlungen erfolgen mit vorgegebenem Zahlungsziel in den Jahren 2021 bis 2023 laut Ände- rungsvertrag zwischen der Stadt Köln, der Kunststiftung und dem bisherigen Eigentümer in drei Ra- ten. Die erste Rate ist bis spätestens zum 30.06.2021 fällig. 5 Die Mittel stehen im Haushaltsjahr 2021 in Höhe von 333.000 € im Teilfinanzplan 0402 – Museum Ludwig bei Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen auf der Finanzstelle 4511-0402-0-2000 – Ankaufsetat Museum Ludwig bereit. Die Verwaltung wird im Rahmen des Haushaltsplanaufstellungsprozesses 2022 ff. die erforderlichen Mittel in Höhe von 333.000 € für das Haushaltsjahr 2022 und in Höhe von 334.000 € für das Haus- haltsjahr 2023 berücksichtigen. Folgeaufwendungen entstehen nicht. Die Eigentumsübertragung an die Stadt Köln erfolgt mit Zahlung der letzten Rate in 2023. Das Rechnungsprüfungsamt hat die Bedarfsprüfung des 1/3 Ankaufs zur Kenntnis (141/21/01/21) genommen. Eine Abbildung des urheberrechtlich geschützten Werkes ist nicht möglich. Haushaltsbewirtschaftung in der Corona-Krise Die Hauptaufgabe der wissenschaftlichen Museen ist der Auf- und Ausbau von Kunst- und Kulturgut durch Sammeln, Erhalten und Forschen. Durch den Erwerb des Kunstwerks von Martin Kippenberger wird der bestehende Sammlungsbestand im Museum Ludwig hervorragend ergänzt und trägt somit zur Sicherung der bestehenden Strukturen bei. Begründung der Dringlichkeit Die verwaltungsinterne Abstimmung war sehr zeitaufwändig. Aufgrund der vertraglichen Ausgestal- tung mit festem Zahlungstermin muss die Beschlussfassung noch in der Sitzung des Rates vom 23.03.2021 erfolgen. Auf die Beteiligung des Ausschusses für Kunst und Kultur als vorberatendes Gremium muss daher leider verzichtet werden. Der Ausschuss wird über den Beschluss nachträglich per Mitteilung informiert. Anlage Beschlussvorlage 4070/2012
Anlage Beschlussvorlage Rat 4070/2012
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Der Oberbürgermeister Dezernat, Dienststelle VII/VII/4 Vorlagen-Nummer 4070/2012 Freigabedatum 14.11.2012 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Ankauf eines Kunstwerks für das Museum Ludwig Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat beschließt den Ankauf eines 1/3 Miteigentumsanteils am Kunstwerk „Sympathische Kommu- nistin“ von Martin Kippenberger aus dem Jahre 1983 für 1,0 Mio. € sowie die erste Freigabe in Höhe von 667.000 € im Teilfinanzplan 0402 – Museum Ludwig bei Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen, Haushaltsjahr 2012. Rat 15.11.2012 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 1,0 Mio. € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja 667.000 € 67 % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung Martin Kippenberger (1953-1997) Sympathische Kommunistin, 1983 Öl und Harz auf Leinwand 180 x 150 cm (gerahmt 183 x 153 cm) Wie im Folgenden dargelegt, handelt es sich bei Martin Kippenbergers „Sympathische Kommunistin“ von 1983 um ein ikonenhaftes Gemälde aus dem Frühwerk, welche äußerst selten auf den offenen Markt gelangen. Nun bietet sich die außergewöhnliche Gelegenheit, dass der Eigentümer, Herr Dr. Martin Peters, Köln, das Gemälde dem Museum Ludwig und der Kunststiftung im Museum Ludwig zum gemeinsamen Erwerb anbietet. Das Gemälde hat einen durch ein Gutachten belegten Wert von 3 Millionen Euro. Dabei schenkt der Eigentümer einen Wertanteil von 2/3 des Gesamtkaufpreises der Kunststiftung im Museum Ludwig. Auf diesem Wege kann er die Schenkung für ihn steuerlich optimal geltend machen. Eingetragener Zweck der Kunststiftung im Museum Ludwig ist die ausschließliche Förderung des Museum Ludwig, insbesondere durch den Erwerb und Zurverfügungstellung von Kunstwerken auf Basis von zeitlich unbefristeten Leihverträgen. Die Stiftung wurde im Jahre 2008 von der Stadt Köln errichtet. Das dritte Drittel des Kunstwerkes mit einem Wert von 1,0 Mio. € wird durch die Stadt Köln für das Museum als Miteigentum erworben und in dieser Höhe bilanziert. Da der volle Anteil des Kaufpreises im Haushaltsjahr 2012 nicht zu Gänze aus dem Ankaufsetat des Museums Ludwig getragen werden kann, soll ein Anteil in Höhe von 334.000,00 € auf das Haushaltsjahr 2013 entfallen. Der Ankauf wird durch die Kulturstiftung der Länder mit einen Betrag von 333.333,00 € gefördert. Die Zusage liegt vor. Die Mittel werden nach erfolgtem Ratsbeschluss abgerufen. Als weitere Förderung wird ein Betrag in gleicher Höhe aus den jährlich von der Peter und Irene Ludwig Stiftung pauschal für Ankäufe zur Verfügung gestellten Zuschussmitteln verwendet. In Anwendung des entsprechenden 3 Haushaltsvermerks beträgt der städtische Eigenanteil damit 333.334 €. Zu erwähnen ist, dass der Eigentümer aus steuerrechtlichen Gründen die Zuwendung der beiden Miteigentumsanteile an die Kunststiftung im Museum Ludwig im zeitlichen Abstand von zehn Jahren vollziehen wird. Der erste Miteigentumsanteil im Wertanteil von 1,0 Mio. € wird mit Zahlung des voll- ständigen Kaufpreises durch die Stadt Köln an die Kunststiftung im Museum Ludwig übertragen. Der zweite Miteigentumsanteil in gleicher Höhe wird der Stiftung zehn Jahre später zum 02. Januar 2023 übertragen. Zur Absicherung der Wirksamkeit des Vertrages wird dieser notariell beurkundet werden Zum Gemälde: Als Martin Kippenberger sich entschied, die „Sympathische Kommunistin“ als Solitär in einem großem Format zu malen, hatte er das prägnanteste Motiv aus seinen Arbeiten der letzten Jahre ausgewählt: Eine junge Frau mit einer schwarzen Kappe, auf dem der rote Stern prangt, und in einer weißen Uni- form schaut unverwandt aus leichter Untersicht den Betrachter des Gemäldes an. Der Hintergrund ist wie bei einer Fotografie verschwommen; das Gesicht in grobe Farbfelder aufgeteilt. Um jeglichen Eindruck einer expressiven Malweise zu widersprechen und damit der Vorstellung, dass das künstle- rische Subjekt sich in dem Gemälde ausgedrückt haben könnte, ist über die rechte Bildhälfte Harz ausgegossen – das Motiv wurde dafür einmal umgedreht. „Sympathische Kommunistin“ zieht die Aufmerksamkeit auf sich, weil Kippenberger offensichtlich nach einem Privatfoto ein werbeträchtiges Bild im Stile des Sozialistischen Realismus gemalt hat, ohne dass der Widerspruch zwischen Öffent- lich und Privat aufgehoben würde. Die ästhetische Indifferenz wiederholt sich auch in dem Motiv, das unklar lässt, ob es etwas propagieren oder nur künstlerisch verwerten will. Martin Kippenberger hat mit großem Gespür diese gesellschaftlichen Ambivalenzen aufgegriffen. Bazon Brock erkennt darin vor allem die Nutzung des „Bildjournalismus als ästhetische Macht“: „Er [Kippenberger] holt sich seine Anstöße nicht nur aus den Bildwelten des Journalismus, der Illustrierten, des Fernsehens, der Zeitun- gen und der Werbung. Er produziert auch wiederum Bildwerte, die eigentlich nur in jenen journalisti- schen Medien ihre Kraft und ihren Anspruch entfalten können.“ Bei der „Sympathische Kommunistin“ handelt es sich offensichtlich um ein solches Bild, das in den Berichterstattungen zu Martin Kippen- berger bevorzugt in den Massenmedien abgebildet wird und, auf diese Weise in die Medienwelt ein- gespeist, seine irritierende Wirkung bis heute entfaltet. Das Gemälde schließt auf vielfältige Weise an die Sammlung des Museum Ludwig an. Das Museum Ludwig besitzt in Europa die größte Sammlung amerikanischer Pop Art. Im Vergleich zum Beispiel zu Roy Lichtensteins „M-Maybe (A Girl’s Picture)“ von 1965 oder zu Andy Warhols „Jackie Triptych“ von 1964 werden die erhellenden Ähnlichkeiten im künstlerischen Selbstverständnis und die Unterschiede der Verwendung von Massenkultur deutlich. Das von Peter und Irene aufgebaute Sammlungskonvo- lut mit Werken von Ilya Kabakov oder Erik Bulatov, die zur gleichen Zeit ebenfalls die Bildsprache des Sozialistischen Realismus kritisch aufgriffen, bieten ebenfalls aufschlussreiche Anschlussmöglichkei- ten. Über diese motivische Einbettung der Arbeit in die Sammlung des Museum Ludwig ist der Fakt ent- scheidend, dass Martin Kippenberger gemessen an seiner kunsthistorischen Bedeutung und seiner Bedeutung für das Rheinland bislang mit seinen Werken nicht angemessen in der Sammlung vertre- ten ist. Das Museum Ludwig besitzt zwar ein großes Konvolut seiner Plakate, als Dauerleihgabe der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig ein unbetiteltes Gemälde von 1991 aus der Se- rie „Krieg böse“ sowie die Installation „Reise nach Jerusalem“ von 1987. Aber erst mit der Arbeit „Sympathische Kommunistin“ kann die Besonderheit von Kippenberger als Maler überzeugend ver- mittelt werden. Nicht zuletzt inspiriert vom Punk der späten 1970er und frühen 1980er Jahre interes- sierte ihn das Rohe, Unfertige, das gegen gesellschaftliche und bürgerliche Übereinkünfte gewendet ist. So bedeutete es eine besondere Provokation zu Beginn seiner Karriere, dass er sich der Malerei widmete, also demjenigen Medium, das nach der konzeptuellen Kunst der 1970er Jahre den „Hunger nach Bildern“ stillte, aber ausdrücklich in einer Manier des „Bad Painting“, die die Malerei von Markus Lüpertz, Georg Baselitz ironisch zu kommentieren schien. Diese Maler standen lange Jahre für einen weiteren Sammlungsschwerpunkt der Gegenwartskunst zusammen mit Werken von A.R. Penck, Jörg Immendorff, Gerhard Richter und Sigmar Polke. Die deutliche Lücke der so einflussreichen Gegenpo- sition von Martin Kippenberger kann mit dem Gemälde „Sympathische Kommunistin“ geschlossen 4 werden. Als Martin Kippenberger 1997 starb, vereinte sein Werk die wichtigsten Kennzeichen der aktuellen Kunst: die Grenzüberschreitung von Malerei, Skulptur und Konzeptkunst; Appropriation, Selbstinsze- nierung und Kollaborationen; sowie die Verbindung von Trivialität und Kunstgeschichte, Zeitgeist und Gesellschaftskritik. Die spätere künstlerische Praxis, seine Arbeiten an Assistenten zu delegieren, fiel mit seinen sozialen Netzwerken zusammen. Er war auch Teil des inspirierenden Austausches in den 1990er Jahren von Kölner Künstlern mit solchen aus Los Angeles wie Mike Kelley, Cady Noland und Christopher Wool. Seine Bedeutung für die jüngere Generation der in den 1960er Jahre Geborenen kann nicht genügend betont werden: Das Werk entfaltet seine Wirkung in unserer Gegenwart. Es ist eine außergewöhnliche Gelegenheit, ein frühes Gemälde von Martin Kippenberger zu in die Sammlung aufnehmen zu können, das nicht nur zu seinen Schlüsselwerken zählt, sondern auch wäh- rend seiner Kölner Zeit in seinem Atelier am Friesenplatz entstanden ist. Mit dem Teilerwerb und der Teilschenkung von „Sympathische Kommunistin“ von Martin Kippenberger könnte sowohl der künstle- rische Gegenpol zu den 1980er Jahren sichtbar gemacht werden als auch die Verbindung zur Kunst des 21. Jahrhunderts sinnfällig hergestellt werden. Der Eigentümer hatte das Bild Mitte der 1980er Jahre vom Künstler direkt erworben. Wie das Zu- standsprotokoll von 2008 zeigt, wird das Bild konservatorisch sehr gut betreut. Die Restaurierung des Museum Ludwig konnte sich ebenfalls davon überzeugen, dass das Gemälde in einem ausgezeich- neten Zustand ist. Das Rechnungsprüfungsamt hat die Bedarfsprüfung zur Kenntnis genommen. Begründung der Dringlichkeit: Die Verhandlung der bedingt durch die oben beschriebenen Besonderheiten sehr komplexen vertrag- lichen Konditionen konnten soeben erst abgeschlossen werden. Da der Verkäufer des Werks sich auch angesichts der erheblichen Zuwendung an die Kunststiftung im Museum Ludwig auf einen un- verzüglichen Vertragabschluss ausbedingt, erfolgt eine Direktvorlage an den Rat. Die Beteiligung des Ausschusses für Kunst und Kultur und des Finanzausschusses war zeitlich nicht mehr möglich. Anlagen Abbildung des Gemäldes
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3268/2020
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 10.03.2021
- Erstellt
- 10.11.2020 09:02