V/0382/2012
Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße
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Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse
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Anlage 1 Anlage 1, Seite 1 Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Auftragslage und Zielstellung - Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt Münster vom 07.07.2011 - Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ - Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) - Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 2. Methodik - Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 - Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) - Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote) - Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ (Frage 1) - Ja, auf jeden Fall: 69,7 % - Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % - Nein: 6,5 % - Ist mir egal: 4,4 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % - Ohne Angabe: 1,1 % 4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) - Ja: 35,0 % - Nein: 48,3 % - Ist mir egal: 7,3 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % - Ohne Angabe: 2,8 % Anlage 1, Seite 2 2 5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen haben?“ (Frage 3) - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % - Ist mir egal: 0,6 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % - Ohne Angabe: 1,5 % 6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) - Ja: 56,4 % - Ja, zum Teil: 30,3 % - Nein: 11,4 % - Ohne Angabe: 1,9 % 7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) - Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d. h. 21,8 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert - Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in Medien“ - Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“ - Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“, 5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) - Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % („Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 % („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) - Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt (5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und - teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)
Anlage-3-Anregung-85-2011
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Anregung Nr. 85/2011 T ‚ter Oberbürgermeister der Stadt Münster Herr Markus Lewe Stadthaus 1 48127 Münster 13, Juli 2011 Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße Sehr geehrter Herr Lewe, wie wir der örtlichen Presse entnommen haben, wird die Benennung der Agnes- Miegel-Straße in Frage gestellt, und zwar wegen des angeblich verwerflichen Verhaltens der ostpreußischen Dichterin in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Namen und im Auftrag der Anwohner der Agnes-Miegel-Straße in Münster teilen wir Ihnen mit, dass wir mit einer Umbenennung nicht einverstanden sind. Bisher haben 93,75 % der volljährigen Anwohner für die Beibehaltung des Straßennamens votiert. Wir gehen davon aus, dass das mehrheitliche Votum der Anwohner bei der anstehenden Entscheidung berücksichtigt wird. Die Unterschriftenliste hierzu haben wir Ihnen als Anlage beigefügt. Zu dem Verhältnis von Agnes Miegel zum Nationalsozialismus ist anzumerken, dass hierzu durchaus widersprüchliche Darstellungen bestehen. Während die von der Stadt Münster berufene Expertenkommission offensichtlich eine kritische Auffassung vertritt, kommt die sich intensiv mit dem Lebenswerk der Dichterin auseinander- setzende Agnes-Miegel-Gesellschaft, Bad Nenndorf, unter Verweis auf weitere Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Dichterin keine glühende Verehrerin Adolf Anregung Nr. 85/2011 Bo Hitlers war!. Dies wird nach Ansicht der Agnes-Miegel-Gesellschaft auch durch die im Jahre 1949 erfolgte Entnazifizierung Agnes Miegels untermauert, die mit dem Urteil schloss, dass Agnes Miegel als unbelastet anzusehen ist. Wir bitten Sie freundlichst um Kenntnisnahme der vorgenannten Stellungnahme. Mit freundlichen Grüßen Anlage Kopie der Unterschriftenliste Verteiler Oberbürgermeister Markus Lewe Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek Ratsherr Walter von Göwels ' Vgl. Wikipedia-Unsinn über Dichterin Agnes Miegel, www .kul-tours.de/wikiped.htm, mit Verweis auf weitere Quellen. mm Anregung Nr. 85/2011 Die Anwohner der Agnes-Miegel-Straße in 48155 Münster An Stadt Münster Bezirksvertretung Münster-Ost Wir sind gegen die Umbenennung unserer Agnes-Miegel-Straße in Münster Name Hausnummer: A | Zn a le nel | k al —£ | nn L € | # 5 | & ” [ — = Ei RN‘ £ | ! L z E un en, 2. j ML uk wo et | vsh PROBE | | insherk iricht ! | DJ] Es haben AS... von insgesamt Ab... volljährigen Anwohnern der Agnes-Miegel-Straße in Münster gegen eine Umbenennung votiert.
Anlage-4-Anregung-135-2011
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Anregung Nr. 135/2011 BdV Bund der Vertriebenen Vereinigte Landsmannschaften Frau ; m Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek Kreisverband Münster-Stadt o. V. Bezirksverwaltung Münster-Ost Vennemannstraße 5 48157 Münster 48157 Münster Tele Bankverbindung: Sparkasse Münsterland Ost 0 Münster, im Oktober 2011 Betr.: Umbenennung von Münsterschen Straßennamen Sehr geehrte Frau Klimek, der Bund der Vertriebenen bittet hiermit, von einer Umbenennung der Straßen Agnes- Miegel-Straße und Stehrweg abzusehen. Bei der Ansiediung der deutschen Heimatvertriebenen in den neuen Baugebieten in den 50er und 60er Jahren wurden bundesweit Straßennamen vergeben, die sich auf Städte, Landschaften und Personen aus den Kulturräumen der Vertriebenen beziehen. Zur Begründung wurde damals im Rahmen der Pflege des Kulturgutes der Heimatvertriebenen gemäß $ 96 BVFG Folgendes ausgeführt: „Wenn eine Gemeinde einer Straße einen ostdeutschen Namen gibt, so trägt sie dadurch dazu bei, dass die Erinnerung an die ostdeutschen Gebiete auch bei der einheimischen Bevölkerung wach bleibt. Zugleich beweist sie den von ihr aufgenommenen Vertriebenen ihren guten Willen, sie auch auf diese Weise heimisch werden zu lassen.“ Diesem Anliegen, den Flüchtlingen und Vertriebenen durch vertraute Namen von Orten und Persönlichkeiten ein heimatliches Gefühl zu geben, hat die Stadt Münster mit der Vergabe von insgesamt etwa 100 Straßennamen in allen Stadteilen in Münster in erfreulich großem Umfange Rechnung getragen. Der Wegfall eines solchen heimatlich-vertrauten Straßennamens würde bei den in dieser Frage sehr sensiblen Heimatvertriebenen ein großes Gefühl der Enttäuschung auslösen. Und dieses trifft besonders auf Heimatschriftsteller zu, deren Werke für die Vertriebenen einen Rest Heimat bedeuten, wie etwa bei der Schriftstellerin Agnes Miegel, der bedeutendsten deutschen Balladendichterin. Keine Frage: Wenn ein Lebenswerk durch Propaganda für das Unrechtsregime des Dritten Reiches geprägt ist oder wenn ein Geehrter, geschützt durch das Regime, Unrechtstaten begangen hat, ist sein Name zu tilgen. Ein bedeutendes Lebenswerk aber in Kunst, Literatur oder Wissenschaft behält als Teil der deutschen Geschichte bleibenden Wert auch dann, wenn seinem Schöpfer heute Anregung Nr. 135/2011 vereinzelte Sympathiekundgebungen gegenüber dem damaligen Regime vorgeworfen werden, Bekundungen, die sich aus den damaligen Zeitumständen ergeben haben. Auf Einzelheiten zu Agnes Miegel, Straßenbenennung 1960 und Hermann Stehr, Straßenbenennung 1954, wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen, da Begründungen für die Beibehaltung der Namen nach unserer Kenntnis bereits von anderer Seite vorgetragen worden sind. Mit Dank und freundlichen Grüßen 9 Anregung Nr. 135/2011 Die Landsmannschaften der Vertriebenen in Münster - Herbstfest - An die Stadt Münster Die aus Anlaß ihres Herbstfestes in Münster zusammengekommenen Vertriebenen fordern die Stadt Münster auf, die Agnes-Miegel-Straße und den Stehrweg nicht umzubenennen. Straßennamen, die sich auf Heimatorte und ostdeutsche Landschaften, aber auch auf Dichter, Künstler und Wissenschaftler aus dem Deutschen Osten beziehen, sind für uns ein Stück Heimat. Solche Straßennamen dürfen nicht getilgt werden. Name Anschrift Unterschrift elluchpup MS 3 y j Pa ‘ [71 U 2 a - u Pa u 444 - ug Mauster 194 BEN 4y4 /f di ws f udn U 425 a , um gosch ! 434 y \ v K 489 £ “ Wh an war u 484
Anlage-5-Antrag-SPD-0008-2012
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A-0/0008/2012 SPD-Fraktion in der BV Münster Ost 19. April 2012 Anlage 3 Antrag an die BV Betr.: Straßenumbenennungen Die BV möge beschließen: Der Stehrweg, der Castelleweg und die Agnes-Miegel-Straße werden umbenannt. Begründung Es wird auf die Empfehlungen der Kommission „Straßennamen“ sowie auf die Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ verwiesen. Weiterer mündlicher Vortrag erfolgt nach Aufruf der Sache. Für die Fraktion Ära Go ren Br
Anlage-2-Straßennamen-Vorschläge
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Anlage 2 Vorschläge für neue Straßennamen im Stadtbezirk Münster-Ost Seite 1 Nelly-Sachs-Straße Nelly Sachs (1891-1970) jüdisch-deutsche Schriftstellerin, Sie floh 1939 nach Schweden. 1966 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur Anna-Krückmann-Weg Anna Krückmann, * 01.02.1868, † 10.02.1955; Ratsfrau von 1924 bis 1930, Begründerin des Münsterschen Hausfrauenvereins 1915. Mathilde-Grönhoff-Straße Mathilde Grönhoff *1863 †1954, ehrenamtlich engagiert in der Krankenpflege und Fürsorge. Sie gehörte ab 1919 zu den ersten Frauen in der Stadtverordnetenversammlung. 1919-1929 Fürsorgerin am städtischen Gesundheitsamt und 1919-1924 Mitglied im Wohnungsausschuss. Vorschlag der AMF, Arbeitsgemeinschaft Münsterscher Frauenorganisationen, 1989 Henriette-Hertz-Weg Henriette Hertz *1913 † 2001 jüdische Münsteranerin vom NS-Regime verfolgt und beraubt. Sie überlebte die NS-Zeit untergetaucht im Rheinland. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt stellte sie – wie viele andere Überlebende – einen Antrag auf Rückerstattung für den in der NS-Zeit geraubten Besitz ihrer Familie. Nur ein Bruchteil wurde erstattet. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel Goldenbergstraße Die Familie Else Goldenberg (1903-1979), Siegfried Goldenberg (1900-1980) und Tochter Mirjam, *1937, wurden 1941 ins KZ Riga deportiert. Die Tochter Mirjam wurde 1942 von dort nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Else und Siegfried Goldenberg sind nach Jahren der KZ-Haft und Zwangsarbeit 1945 befreit worden und 1947 nach Münster zurückgekehrt. Jahrelang stellten sie in ihrer Wohnung einen Raum für den Gottesdienst zur Verfügung. Siegfried Goldenberg war von 1946 bis 1976 Gemeinde-Vorsitzender. Else und Siegfried Goldenberg wurde für ihre Verdienste um den Wiederaufbau der münsterischen jüdischen Gemeinde die Paulus-Plakette der Stadt Münster verliehen. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel Franz-Ballhorn-Weg Franz-Josef Ballhorn (1908–1979); Studium der Sprach- und Gesellschaftswissenschaften in Münster; Leiter des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“; illegale Aktivitäten gegen den Nationalsozialismus; 1934 Flucht in die Niederlande; Arbeit als Redakteur bei katholischen Widerstandszeitungen; 1940 Verhaftung; 1940-1945 Haft in Berlin und im KZ Sachsenhausen; nach der Befreiung Mitglied in kommunalen Ausschüssen für Entnazifizierung und Wiedergutmachung; Mitglied der VVN, später Vorstandsmitglied des BVN; ab 1947 Amtsdirektor in Nottuln; 1964–1974 Bundesvorsitzender der „Deutschen Jugendkraft“; Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 Seite 2 Josef-Henneböhl-Straße Josef Henneböhl *26.02.1909 †1990, hat als „grüner Polizist“ in Amsterdam viele Menschen vor der Deportation in deutsche KZs gerettet. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 Determeyerweg Carl Determeyer, *30.06.1897 Karlshafen, †02.05.1976 Münster, Maler. Determeyer kam 1900 mit seiner Familie nach Münster. In seiner Jugendzeit studierte er Architektur und Kunstgeschichte in Münster, Düsseldorf und München. Zum Lebenswerk des Malers wurde eine stets in Aquarelltechnik ausgeführte kunsthistorische Bestandsaufnahme alter Bauwerke Münsters und des Münsterlandes. Viele der von ihm dargestellten Gebäude existieren nicht mehr. Determeyers Bilder wurden häufig in Kunstzeitschriften publiziert. Werke von ihm befinden sich in 165 Museen des In- und Auslandes. Dobelmannweg Werner Dobelmann *1913 †1985, Finanzbeamter in Münster. Er erforschte in seiner Freizeit die Geschichte der Ortschaften, Bauerschaften und Höfe in Münster-Ost. Er veröffentlichte 1971 Kirchspiel und Stift St. Mauritz, Werse und Berg Fidel, 1974 Amelsbüren, Angelmodde, Handorf und Hiltrup, 1976 Albersloh. Dobelmann wohnte Niedersachenring 45. Vorschlag vom „Schützenverein Werse von 1821“ 1995 Heinrich-Böll-Weg Heinrich Böll (1917-1985) Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, als moralische Autorität. 1972 Nobelpreis für Literatur. Nikolaus-Groß-Weg Nikolaus Groß *30.09.1898 †23.01.1945, deutscher Gewerkschafter der KAB, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und NS-Opfer. Groß wurde am 07.10.2001 durch Papst Joh.Paul II. seliggesprochen. Vorschlag von der KAB St.-Ida-Gremmendorf, 2007 Michael-Keller-Straße Michael Keller *1896 †1961, katholischer Theologe, 1947 bis 1961. Bischof von Münster, Förderer der katholischen Soziallehre und der Laienbewegung. Vorschlag aus der Anregung nach § 24 GO Nr. 130/2011 Monastirstraße Monastir ist Partnerstadt der Stadt Münster seit März 1968 mehrfach vorgeschlagen: z.B. vom Dezernent I von 1981, letzter Antrag A-R/0006/2007 vom 13.02.2007 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp, Beschluss Hauptausschuss V/0182/2007.
Anlage-6-Übersichtsplan
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eGerhart-Hauptmann-Straß Agnes - M i ge -Straße e l Anlage 6 V/0382/2012
Beschlussvorlage
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V/0382/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße Beratungsfolge 23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird die Agnes-Miegel- Straße umbenannt. 2. Die bisherige Agnes-Miegel-Straße erhält einen neuen Namen aus der Anlage 2. 3. Die Anregung nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 85/2011 vom 13.07.2011 ist damit erledigt (Anlage 3). 4. Die Anregung nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 135/2011 ist damit in Bezug auf die Ag- nes-Miegel-Straße erledigt (Anlage 4). 5. Der Antrag der SPD-Fraktion der BV-Ost Nr. A-O/0008/2012 vom 19.04.2012 ist damit in Bezug auf die Agnes-Miegel-Straße erledigt (Anlage 5). II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierung ist aus laufenden Mi t- teln des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt. Begründung: Diese Beschlussvorlage zur Agnes-Miegel-Straße steht im Zusammenhang mit de n stadtwei- ten Diskussionen über NS-belastete Straßennamen. Vorlagen-Nr.: V/0382/2012 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 14.05.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0382/2012 Ein Ausgangspunkt der Disku ssionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV- West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV-Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrechts- taten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad t- bezirk Mitte auf deren Verstrickung in die Unrechtst aten des NS-Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten benannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, sind es in der Kateg orie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Humborg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), davon liegt die Agnes -Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfau ftrag des Oberbürgermeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost (Friedrich Castelle, Heinrich Lersch und Hermann Stehr). Darüber hinaus hatte der Ratsantrag der SPD- Fraktion vom Januar 2008 zur Umbenennung des Hindenburgplatzes die Debatte um Str a- ßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen. Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kommission unter der Leitung des Oberb ürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertret e- nen Parteien und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten. Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde n- burg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfa uftrags stand nicht die Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N a- mensgeber das NS-Regime gestützt haben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte die Kommission den entscheidungsbefugten G remien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung stattfinden solle oder nicht. Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfehlungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung be- auftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. Zusätzlich sollte die Verwaltu ng eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbu n- den ist, durchführen. Die se Bürgerumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Ko m- mission zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Fo r- schung basierende Einschätzung der Kommission zu den Namen sgebern vermittelt werden, da diese Erkenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind. Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen s- geber stehen, sondern sollten insbesondere die neuen h istorischen Fakten stehen, nach d e- - 3 - V/0382/2012 nen die N amensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung nicht verdient haben. Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ - mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 19.11. - 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 26.01. - 16.03.2012 - mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 25.01.2012 im Rathaus-Festsaal - mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 und 09.02.2012 - mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwor- tung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 29.02.2012 im Rathaus-Festsaal Ergebnisse der Bürgerumfrage Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Ve r- kehrsplanung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage gestellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bede u- tung durch B enennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten lauteten „Ja“. Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bü r- gerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschl a- gen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungse r- gebnissen als Stü tzen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine Umbenennung aus. Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt. Empfehlung der Kommission Straßennamen Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst folgende Empfehlungen abgegeben: "Die Kommission empfiehlt einstimmig die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße. Aus- schlaggebend für die Empfehlung der Umbenennung war die Bewertung, dass Agnes Miegel eine Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur war und den „Führer“ in ihren Werken verherr- lichte." Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv au f- bereiteten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. - 4 - V/0382/2012 Agnes-Miegel-Straße Die Straße wurde 1960 benannt nach der os tpreußischen Dichterin Agnes Miegel, * 09.03.1879 in Königsberg † 26.10.1964 in Bad Salzuflen. Agnes Miegel und der Nationalsozialismus Politische Mitgliedschaften 1937: Beitritt NS-Frauenschaft 1940: Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer: 845438) "Ich traue auf Gott und den Führer, - nicht so kindlich-bequem, wie Viele es tun, sondern so, wie man als Deutscher und Ostgermane dem Schicksal vertraut." (Agnes Miegel an Hans Friedrich Blunck am 15.05.1939) Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete einen Umschwung in Leben und Werk Agnes Miegels. In einem Brief an Hans Friedrich Blunck vom November 1933 schrieb sie von der großen "Idee, in der wir nun alle leben." (Zitiert nach Küchmeister, 282) "Die Dichterin, die die Wiedergeburt Deutschlands begeistert begrüßt hat", (Kieler Zeitung 7.3.1944) war eine systemkonforme Schriftstellerin, die auch in der nationalsozialistischen Öffentlichkeit eine wichtige Funktion innehatte. Schon im Oktober 1933 nahm sie die Berufung in den Vorstand der Sektion für Dichtung der Preußischen Akademie der Künste an. Politisch unliebsame Autoren waren vorab ausg e- schlossen worden. Dessen Hauptaufgabe war es laut der Literaturwissenschaftlerin Inge Jens "als 'Wahrer des deutschen Schrifttums' das ihre zum Aufbau des neuen Staates b eizutragen und sich in Huldigungsadressen, Aufrufen und Erklärungen öffentlich zu Führer, Volk und V a- terland zu bekennen." (Jens, S. 263) Ende Oktober 1933 unterzeichnete sie ein in Zeitung s- anzeigen verbreitetes "Gelöbnis treuester Gefolgschaft" auf Adolf Hitler. "Denn ich bin Nationalsozialist." Anders als vielfach behauptet nahm sie Anteil an der politischen Veränderung. Das belegt ihr privater Briefwechsel mit Hans Friedrich Blunck (NS-Schriftsteller und Kulturpolitiker). In einem Brief an Blunck vom September 1934 legte sie ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus ab: "Der Nationalsozialismus trat erst in mein Leben, als er andere schon lange erfüllte. Das ist ei- ne Schuld – und ich habe es gebüßt durch die vielen inneren, nicht nur inneren Kämpfe, durch die ich dann in gedrängter Zeit gehen musste: [...] Durch ein Hinauszögern und ein Grauen da- für, mit mir Ungleichen als Gelegenheitsjäger zu scheinen, stehe ich ausserhalb der Partei, der ich nur durch den RDS [Reichsverband des deutschen Schrifttums] und die Volkswohlfahrt an- gehöre. Vielleicht ist dies, was ich als eine Art Busse für mein spätes Aufwachen ansehe, das Richtige für mich, vielleicht wirkt mein Einstehn dann überzeugender auch auf Andere. – Denn ich bin Nationalsozialist." In weiteren Zeilen reflektierte Agnes Miegel ausführlich ihren politischen Wandel zur Nationa l- sozialistin: "Zuerst ging ich diesen Weg [...], weil ich immer dem alten Mann von Tannenberg [Paul von Hindenburg] gefolgt bin, in guten und auch in schweren Tagen. Dann aber immer tiefer ergrif- - 5 - V/0382/2012 fen und jetzt so sehr in mir verwandelt, dass es wie ein Umschmelzen war. Nicht dass ich’s mit irgend welchem Ueberschwang bin, das liegt meiner Art nicht, dazu sind meine Gefühle zu tief. [...] Wenn ich über meine Heimat und ihr Geschick etwas glaube, so ist es das: Wir werden ein nationalsozialistischer Staat sein – oder wir werden nicht sein! Und das wäre der Untergang nicht nur Deutschlands – es wäre der Untergang des weißen Mannes. – In dem Augenblick, als ich das ganz klar erkannte – [...] da war ich bereit, für diesen Glauben nicht nur zu leben – auch (und ich kann sagen, da war ich gewiß) dafür zu sterben." (Zitiert nach Küchmeister, S. 284) Agnes Miegel analysierte sehr genau die Entwicklung ihrer politischen Einstellung vom Nati o- nalkonservatismus Hindenburgscher Prägung hin zum Nationalsozialismus. Damit widerlegte sie eigenhändig die ihr häufig zugesprochene Naivität in politischen Zusammenhängen. Auch ihr Briefpartner Blunck erkannte dies und bezeichnete ihre Worte zum Nationalsozialism us als "so prächtig", dass er "einen kleinen Auszug an den Freund Rudolf Hess [...] senden möc h- te".(Zitiert nach Küchmeister, S. 284, siehe auch Stadthaus) Ihren späten Eintritt in die NSDAP im Jahr 1940 begründete sie Blunck gegenüber auch. Sie habe Respekt und Bewunderung vor den "alten Kämpfern", ein schlechtes Gewissen für ihr "spätes Erwachen" und glaubte, sich erst bewähren zu müssen. Sie wollte nicht als "Gelegen- heitsjägerin" gelten. (Zitiert nach Küchmeister, S. 284) "Laß in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen" Der Dank des Regimes für ihren Einsatz äußerte sich in zahlreichen Würdigungen und Ehru n- gen. Walther Killy (1990) spricht von ihr, als einer "von den Nationalsozialisten mit Ehrungen überhäuft[en]" Autorin, die "sich öffentlich immer wieder zum NS-Staat" bekannt habe. Das literarische Werk der Miegel änderte sich nach 1933. Es vollzog sich ein Wandel "vom Heldischen zum Hymnischen, vom ichbezogenen Lied zum wirbezogenen Valterlandslied; und je mehr sie die ostpreußi sche Dichterin zu werden schien, um so mehr wuchs sie in das g e- samtdeutsche Schrifttum hinein." (Brief Blunck an Miegel, zitiert nach Küchmeister, 286) In ihrem schriftstellerischen Werk finden sich begeisterte Führer - und Kriegsgedichte. Die Adolf Hitler gewidmeten Gedich te: "Dem Führer!" (1936), "An den Führer" (1938) huldigten ihm mit den Worten: "Du bist aller Zukunft Herz und Pfand!" oder "Laß in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen; Du und wir, nie mehr zu trennen stehen ein für unser deutsches Land." oder "Übermächtig füllt mich demütiger Dank, dass ich dieses erlebe, Dir noch dienen kann." Dem Gedichtband zum 50. Geburtstag Hitlers steuerte sie das Gedicht "Dem Schirmer des Volkes" bei, das identisch mit dem früheren Gedicht "Dem Führer!" ist. "Dienen an der deutschen Sache" Nach 1933 trat Miegel öffentlich als nationalsozialistische Dichterin in Erscheinung: Ihr kultu r- politischer Einsatz für das Dritte Reich äußerte sich in propagandistischen Texten auf nati o- nalsozialistische Führungspersönlichkeiten sowie für Frauen - und Jugendorganisationen. Schon im September 1934 beschrieb sie, was für sie Mitkämpfen für die große Idee bedeut e- te. Die Zielgruppe für die sich nun einsetzen wollte, waren die Frauen und die Jugend. "Ich habe einen sehr starken Ei ndruck von der Frauenschaft und Jugendarbeit gewonnen [...], von ihrem freudigen Dienen an der deutschen Sache." (Zitiert nach Küchmeister, 283) - 6 - V/0382/2012 Agnes Miegel schrieb für den Bund Deutscher Mädel. Sie verfasste 1936 einen Beitrag zu e i- ner Propagandaschrift des BDM "Mädel im Kampf" . Auch zur nationalsozialistischen Fraue n- zeitung "NS-Frauen-Warte" steuerte sie 1937 ein Gedicht bei. Der Beitrag "Mutterherz" steht ganz im Sinne des überhöhenden NS-Muttermythos. Miegel pries öffentlich nationalsozialistische Repräsentanten . So widmete sie 1939 ihr prop a- gandistisches Gedicht "An die Reichsfrauenführerin Scholtz -Klink" der NS -Frauenpolitikerin und pries ihr Wirken: "Laß mit den andern Schwestern heute mich kommen, / Dir zu danken für diese Jahre des Wirkens, / Dir zu danken, daß Du so weise uns alle / Eingebaut in das Werk, das alle verei nte!" Sie glorifizierte darin erneut die "arische" Muttergestalt: "Haus, das der Führer für uns wie ein Vater erbaut hat / Das für uns Frauen dann Du, die Frau, so woh n- lich gestaltet/[... ] / Daß sie freudig dem großen Gedanken dienen, / Wie Du es vorlebst." En- dend mit "Und zu verströmen dafür und freudig zu dienen, / In dem Werk, das Du für uns alle gefügt hast." (Zitiert nach Thalmann, S. 111) Ihren linientreuen Werken verdankte sie die Aufna hme in Sammelbände wie das von Hans Friedrich Blunck herausgegebene "Deutschlandbuch". "Ihr Beitrag [sei] im Kreis der führenden deutschen Namen unentbehrlich." (Küchmeister, S. 284) "Ich habe so ein felsenfestes Vertrauen in den Führer, er wird uns halten." Diese Zeilen schrieb Agnes Miegel im Juli 1944. Noch immer glaubte sie an den militärischen Sieg und an Adolf Hitler. Als Poetin des Zweiten Weltkrieges hatte sie die Kriegspolitik des Dritten Reiches von Anfang an stark unterstützt. Ihre Kriegseuphorie drückte sie 1940 im G e- dichtband "Ostland" aus. Enthalten ist der kriegerische Appell "An die deutsche Jugend" . Der Band ist voller P athos und rühmt wiederum Hitler: "Übermächtig füllt mich demütiger Dank, / dass ich dieses erlebe, / Dir noch dienen kann, dienen den Deutschen / Mit der Gabe, die Gott mir verlieh!" Ihre Gabe lag im dichterischen Einsatz für den Nationalsozialismus. Mit ihrer dichterischen "Gabe" unterstützte sie die nationalsozialistische Kriegspolitik. Das G e- dicht "An Deutschlands Jugend" unterstützte die NS -Kriegspropaganda. Sie appellierte an Kampfesmut und Opferbereitschaft. Sie forderte die Jugend auf, "folgend dem Ruf des Fü h- rers" sich dem Vaterland im Krieg zu opfern: "Und wir sehn Dich, Jugend, uns herrlich vora n- gehn! / Wagend den fr ühen Kampf, – die einen im Felde, /Knaben, gefallener Brüder Antlitz tragend, / Junge Saat, gestreut in die Furchen der Erde, [...]" Abgedruckt wurde das Gedicht auch in Sammelbänden. Es fand sich beispielsweise in einer "Sammlung junger Kriegsdic h- tung", die vom Reichsjugendführer Axmann mit dem Titel "Vom Wehrhaften Geiste" im Kriegs- jahr 1944 herausgegeben wurde. Die kulturpolitische Wirkung Miegels sah auch Hans Friedrich Blunck. Nachdem er die Os t- landgedicht gelesen hatte, schrieb er ihr 1940: "Wie herrlich, wie wundervoll, dass eine deu t- sche Landschaft so durch den Mund einer Frau so zum Reich, zum Ganzen des Volks spr e- chen kann." (Zitiert nach Küchmeister, 285) Ihre Unterstützung der NS -Kriegspolitik wurde als wichtig erachtet. Dies zeigt die Korrespo n- denz zwischen Hanns Johst und Propagandaminister Goebbels von 1940, aus der hervorgeht, dass "das aufrüttelnde Erlebnis unserer Tage den packendsten und künstlerisch reifsten Au s- druck" in Miegels Ostland-Gedichten gefunden hätte. (BA RK/D 0055) Bis zur endgül tigen Kapitulation des Dritten Reiches hielt Miegel an ihrer Treue zum Regime fest. In einer NSDAP Propagandaschrift verfasste sie zur "Kriegsweihnacht" 1944 eine letzte - 7 - V/0382/2012 Hitler-Huldigung: "O du, der uns bewacht, sieh in der dunklen, stillen, / der heil’gen Weih- nachtsnacht mein Volk voll gutem Willen / geschwisterlich vereint, in deinem Lichte stehend." Noch kurz vor Kriegsende war ihr Führervertrauen auch privat ungebrochen. Sie fürchtete zwar, ihre Heimat verlassen zu müssen, hoffte aber weiter auf den Sieg. "Aber ich habe so ein Gefühl, daß es dahin nicht kommt, ich habe so ein felsenfestes Vertrauen in den Führer, er wird uns halten. I mmer wieder brandet Rußland an – aber der Sieg wird uns doch bleiben." (Aus einem Brief an Hans Friedrich Blunck im Juli 1944, zitiert nach Steffen Stadthaus) Agnes Miegel nach 1945 "Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst." Nach ihrer Flucht aus Ostpreußen und einem längeren Aufenthalt bis Ende 1946 im Flüch t- lingslager in Dänemark ließ sich Agnes Miegel in Bad Nenndorf nieder. In einem Brief an Hans Friedrich Blunck erinnerte sie sich 1947 "immer noch mit Dank an jene große Schicksalg e- meinschaft". (Küchmeister, 288) 1949 wurde sie von deutschen Behörden als " entlastet (Kate- gorie V)" entnaz ifiziert. Bürgen ihrer angeblich nicht NS -konformen Haltung waren u.a. dem Nationalsozialismus nahe stehende Personen wie Hans Grimm und Ina Seidel. Ihre NS - Vergangenheit tabuisierte A gnes Miegel. Sie sah sich als unpolitische Dichterin und erklärte ihr Eintreten für den Nationalsozi alismus mit ihrer Sorge um ihre Heimat Ostpreußen. Gefragt nach ihrer NS-Vergangenheit, gab sie nach 1945 an: "Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst." Zwei Mal wurde Agnes Miegel in den 1950er Jahren für den Verdienstorden der Bundesrepub- lik Deutschland vorgeschlagen. Der zuständige Ministerialrat des Bundespräsidialamtes riet zum Verzicht. Zwar wisse der Bundespräsident Theodor Heuss um den literarischen Wert der Agnes Miegel, aber "unvergessen ist der überschwängliche Dithyrambus [Weihelied], den sie auf Adolf Hitler g edichtet hat". Agnes Miegel hatte auch eine lyrische Huldigung auf Theodor Heuss verfasst. "Dr. Heuss wünscht [...] nicht, dass irgendwann diese beiden Gedichte einmal gemeinsam in einem Sammelband auftauchen." Auf der einen Seite wurde sie als "Mutter Ostpreußens" verehrt und von verschiedenen Seiten vielfach für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Schulen und Straßen wurden nach ihr benannt. Die neu g egründete Agnes -Miegel-Gesellschaft pflegt ihr Andenken. In Münster wurde die Agnes-Miegel-Plakette verliehen. Auf der anderen Seite rief sie immer wieder Protest und A b- lehnung hervor, etwa als das Gymnasium in ihrem langjährigen Wohnort Bad Nenndorf 1969 nach ihr benannt werden sollte. In der Fachliteratur lassen sich verschiedene Autoren finden, die die Nähe Agnes Miegel zum Nationalsozialismus bestätigen. Sie bezeichnen die Autorin als "Vertreterin einer nationals o- zialistischen Frauenkultur" (Goedle von der Decken, 1988), als antidemokratische Schriftstelle- rin und systemkonforme Vorzeigedichterin, deren literarisches Werk von der NS -Ideologie durchdrungen sei (Angelika Döpper -Henrich, 2004). Eva -Maria Gehler (2010) meint, dass Werk und Verhalten von Agnes Miegel Miegels Werk eine deutliche Nähe zu m Nationalsozia- lismus aufzeigte. Die Fraktion der Miegel -Verehrer, insbesondere auch die Agnes -Miegel-Gesellschaft b e- schreibt sie als unpolitische oder politisch naive Autorin. Dazu zählt auch ihre frühe Biografin Anni Piorreck. Die jüngste Aufsatzsammlung zu Agnes Miegel meint, dass bei der 1933 b e- - 8 - V/0382/2012 reits 54 Jahre alten A utorin nationalsozialistische "Gedanken und Lebenseinstellungen der Dichterin keine wirkliche Grundlage besessen hätten" . (Leidinger, 2011, Zitiert nach Stad t- haus) Auf dieser Linie bewegt si ch auch das Urteil der Vorsitzenden der Agnes -Miegel- Gesellschaft, Marianne Kopp, die mehrere Publikationen zur Autorin vorgelegt hat. Agnes Miegel muss als Person des öffentlichen Lebens angesehen werden, die nach außen hin aktiv den Nationalsozialismus v ertreten hat, die gerade bei den Frauen und in der Jugend für ihn geworben hat und die für den Nationalsozialismus eine wichtige Symbolfigur war. (u.a. Gutachten Matzerath) Zur Person Agnes Miegel Lebenslauf 1885–1894: Höhere Töchterschule in Königsberg 1898: Herausgabe eines Bandes, verfasst Balladen und Erzählungen 1901: erster Balladenband sowie Gedichtband 1907: "Balladen und Lieder" Ab 1902: Ausbildung als Lehrerin 1920–1926: Leiterin des Feuilletons der Ostpreußischen Zeitung, danach freie Schrift- stellerin 1926: "Geschichten aus Alt-Preußen" 1933: "Die Fahrt der sieben Ordensbrüder" seit 1933: Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie der Dichtung der Preußischen Akademie der Künste. Oktober 1933: Unterzeichnung "Treuegelöbnis" deutscher Schriftsteller für Adolf Hitler 1934: Unterzeichnung des "Aufruf der Kulturschaffenden" zur Vereinigung des Reichskanzler- und des Reichspräsidentenamtes in der Person Hitlers. 1936: "Noras Schicksal. Erzählungen." 1940: Gedichtband "Ostland" 1945: Flucht Bis Ende 1946: Flüchtlingslager in Dänemark 1948: Umzug nach Bad Nenndorf Ehrungen 1916: Kleist-Preis 1924: Ehrendoktorwürde der Königsberger Universität 1936: Herderpreis - 9 - V/0382/2012 1939: Goldenes Ehrenzeichen der HJ 1939: Königsberger Literaturpreis 1940: Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Bei der Verleihung wird sie als "Künderin deutschen Wesens" bezeichnet, die für die Wiedergeburt deut- scher Art gewirkt habe. (Fink, 626) 1940: Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg 1942: Aufnahme in die „Sonderliste der sechs unersetzlichen Schriftsteller“ der Liste der gottbegnadeten Künstler 1942: Erstmalige Verleihung eines Siegelrings durch Gauleiter und Reichsstatt- halter Albert Forster als Präsident des "Kulturwerks Deutsches Ordens- land" 1944: Aufnahme in die Sonderliste der sechs wichtigsten Schriftsteller innerhalb der "Liste der gottbegnadeten Schriftsteller des Deutschen Reichs" 1957: Ehrenplakette des Ostdeutschen Kulturrats 1959: Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 29.11.1960: Straßenbenennung in Münster 1961: Westpreußischer Kulturpreis Ehrensold durch die Städte Hameln und Duisburg 1979: Sonderbriefmarke der Bundespost Weitergehende Informationen Weitere Dokumente, Quellen - und Publikationsangaben finden sich au f der Internetse ite www.muenster.de/stadt/strassennamen/ Die Anregung Nr. 85/2011 In der Anregung Nr. 85/2011 vom 13.07.2011 weisen Anlieger der Agnes -Miegel-Straße da- rauf hin, dass das Verhältn is von Agnes Miegel zum Nationalsozialismus von der Agnes - Miegel-Gesellschaft Bad Nenndorf völlig anders dargestellt wird als von der Kommission Str a- ßennamen. 15 Anwohnerinnen und Anwohner treten mit ihrer Unterschrift gegen die Umb e- nennung der Straße ein. Die Anregung Nr. 135/2011 In der Anregung Nr. 135/2011 fordern die Landsmannschaften der Vertriebenen die Stadt Münster auf, die Agnes -Miegel-Straße und den Stehrweg nicht umzubenennen auch wenn den Künstlern heute vereinzelte Sympathiekundgebungen gegenü ber dem damaligen Regime vorgeworfen werden. Dieser Anregung liegt eine Unterschriftenliste mit 59 Unterschriften bei. - 10 - V/0382/2012 Der Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-O/0008/2012 Mit dem Antrag spricht sich die SPD -Fraktion in der BV Münster -Ost unter Verweis auf die Empfehlung der Kommission Straßennamen für die Umbenennung der Agnes -Miegel-Straße und weiterer Straßen im Bezirk Münster-Ost aus. Fazit Aufgrund der einstimmigen Empfehlung der Kommission schlägt die Verwaltung die Umb e- nennung der Agnes Miegel-Straße vor. Von der Umbenennung sind 21 gemeldete Einwohner und Einwohnerinnen unter 11 Hausnummern betroffen. Neuer Straßenname In Anlage 2 schlägt die Verwaltung Straßennamen vor, die für die Verwendung im Stadtbezirk Münster-Ost geprüft sind. In Vertretung Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1 Ergebnis der Bürgerumfrage 2 Vorschläge für neue Straßennamen 3 Anregung § 24 GO Nr. 85/2011 4 Anregung § 24 GO Nr. 135/2011 5 Antrag SPD Nr. A-O/0008/2012 6 Übersichtsplan
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich abgelehnt
Zur SitzungOrte (10)
- Goldenbergstraße
- Agnes-Miegel-Straße
- Anna-Krückmann-Weg
- Henriette-Hertz-Weg
- Nikolaus-Groß-Weg
- Castelleweg
- Stehrweg
- Schlossplatz
- Vennemannstraße 5
- Werse
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0382/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 09.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37