0167/2025
Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt aus der Sitzung des Ausschuss Klima Umwelt und Grün vom 30.01.2025 (AN/1674/2024) betreffend "Ausbreitung der Nil- und Kanadagänse in Köln"
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Anlage 1 Abschlussbericht Gänsezählung 2024
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Zur Situation von Kanadagans und Nilgans an Kölner Stadtgewässern Ergebnisse der Bestandszählungen zur Brutzeit und Auswirkung des Gelegemanagements Betrachtete Gewässer: Teich Ebertplatz Mediaparkgewässer Aachener Weiher Gewässer an Universitätsbibliothek Lindenthaler Kanäle Stadtwaldgewässer (Bestandserfassung: Zählungen wöchentlich im Zeitraum 15.2. bis 15.5. der Jahre 2023 und 2024) Ergebnisse Bestand: Kanadagans: Betrachtet man alle Gewässer gemeinsam, so ist die Anzahl der auf dem Wasser und auf den benachbarten Wiesenflächen angetroffenen Kanadagänse von 2023 auf 2024 um etwa 10 % von durchschnittlich 129 auf durchschnittlich 114 Tiere je Zähltermin zurückgegangen. Zu beachten ist jedoch, dass die Anzahl im Mediapark um etwa 1/3 von durchschnittlich etwa 30 auf durchschnittlich etwa 40 Tiere angestiegen ist. Dort wird offenbar weiterhin massiv gefüttert, wodurch diese Zunahme zu erklären ist. Entsprechend kann man sagen, dass der Kanadagansbestand zur Brutzeit an den übrigen Gewässern demnach um etwa 20 % abgenommen hat. Nilgans: An allen Gewässern zusammen ist der Bestand der Nilgans in gleichen Zeitraum massiv von durchschnittlich 33 Tieren je Zähltermin in 2023 auf durchschnittlich 77 Tiere 2024 angestiegen. Diese Erhöhung ist ausschließlich auf die 2024 erhebliche Mehrpräsenz der Art im Wildparkgelände Lindenthal zurückzuführen. Während 2023 im Durchschnitt maximal 10 Individuen je Zähltermin angetroffen wurden, waren es 2024 im Durchschnitt 40 (!) Tiere. Diese Entwicklung beruht auf dem massiven Futterangebot durch Besucher, aber auch auf dem Futter in den Trögen der eigentlichen Wildparkbewohner. Unmittelbar an den Gewässern ist der Nilgansbestand im Wesentlichen gleichbleibend. Nester und Gelege: (Eientnahmen: Mediapark: komplette Entnahme, Restgewässer: Belassen von 1 Ei je Gelege im Nest) Kanadagans: 2024 wurden 44 Kanadagansnester an den Gewässern festgestellt, aus denen 296 Eier entnommen wurden. 25 Eier wurden markiert und in dem jeweiligen Nest belassen. Aus diesen Eiern schlüpfte nur ein einziges Küken. Verbliebene Einzeleier wurden, wie schon in 2023 festgestellt wurde, praktisch nicht weiterbebrütet. 2023 waren es 46 Nester mit 312 entnommenen Eiern. Hier macht es erneut Sinn, die Situation im Mediapark getrennt zu betrachten: während dort 2023 noch 16 Nester mit insgesamt 152 Eiern festgestellt wurden, waren es 2024 22 Nester mit insgesamt 193 Eiern. Auch an diesem Punkt ermöglicht die starke Zufütterung durch Fremdpersonen einen deutlichen Anstieg der Reproduktionsaktivität der Gänse. Dem kann durch das Gelegemanagement nur insofern begegnet werden, dass die Familienverbände ausbleiben und so eine zeitweise Mehrverkotung des Geländes durch Junggänse verhindert wird. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass die Reproduktionsaktivität der Kanadagans an den übrigen Gewässern im Jahresvergleich erheblich abgenommen hat. Im Gegensatz zu 2023 wurden in 2024 nun aber drei Kanadagansfamilien beobachtet, die an den Gewässern erschienen, obwohl die zugehörigen Altvögel nicht am Gewässer selbst gebrütet hatten. Im Einzelnen waren dies am Stadtwaldgewässer eine Familie mit zwei Küken und am Aachener Weiher zwei Familien mit einmal 2 und einmal 4 Küken. In anderen Kommunen wird bereits beobachtet, dass die Kanadagans – wie die Nilgans – zunehmend abseits der Gewässer brütet. Dies könnte bereits eine Reaktion auf das Gelegemanagement sein. Ob dieses dadurch in den Folgejahren zunehmend unterlaufen wird, muss weiter beobachtet werden. Aktuell ist der Effekt noch unbedeutend. Nilgans: Im Untersuchungszeitraum wurden unmittelbar an den Gewässern vier Nilgansbruten festgestellt, aus denen insgesamt 23 Eier entnommen wurden. Die vier zurückgelassenen Eier wurden danach nicht weiterbebrütet. Da zahlreiche Nilgansbruten nicht an den Gewässern selbst, sondern in unbekanntem Gelände stattfinden, kam es auch 2024 wieder zu einer Zuwanderung einiger Nilgansfamilien. Verglichen mit dem potentiellen Einfluss der Kanadagans ist der der Nilgans an diesem Punkt aber weiter unbedeutend. Eine Ortung der Ursprungsgelege, aus denen sich die später am Gewässer anzutreffenden Jungen entwickeln, ist nur in Ausnahmefällen möglich. Köln, 1.6.2024
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle VIII/67/670/1 AN/1674/2024 Vorlagen-Nummer 23.01.2025 0167/2025 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 30.01.2025 Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt aus der Sitzung des Ausschuss Klima Umwelt und Grün vom 30.01.2025 (AN/1674/2024) betreffend "Ausbreitung der Nil- und Kanadagänse in Köln" 1. Wie stark ist die Population der Nil- und Kanadagänse seit der Zählung 2021 (vgl. 2488/2022) gewachsen? Gezählt wurde und wird nur an den innerstädtischen Hotspots, sodass keine Zahlen für das gesamte Stadtgebiet vorliegen. An den Hotspots (Aachner Weiher, Claren- bachkanal, Ebertplatz/ Theodor-Heuss-Park, Gewässer Universität- & Stadtbibliothek, Kalscheurer Weiher, Mediaparkgewässer, Rautenstrauch-Kanal, Stadtwaldweiher) hat der Kanadagansbestand insgesamt um 10 % abgenommen. Wenn man den Media- park herausrechnet, ist der Bestand sogar um 20 % gesunken, da dort der Bestand aufgrund der hohen Zufütterung durch die Bevölkerung leider gestiegen ist. Um einen größeren Rückgang zu erwirken, muss die Gelegeentnahme noch über einen länge- ren Zeitraum erfolgen als die bisherigen zwei Jahre. Konkrete Zahlen zu den Gänsen und den entnommenen Eiern an den Hotspots sind dem Abschlussbericht zu entnehmen (Anlage 1). 2. Im Gutachten des Planungsbüros Sterna (vgl. TOP C am 29.9.2022) aus dem Jahr 2022 ist ausgeführt, dass perspektivisch der Einzelabschuss von Nilgänsen erforderlich werden kann, wenn sie Greifvogelhorste er- obern. War dies mittlerweile erforderlich oder ist es geplant? Einzelabschüsse von Gänsen finden nur in den äußeren Jagdbezirken statt. Die Beja- gung im befriedeten Bezirk kann nur mit Sondergenehmigung der Jagdbehörde erfol- gen und würde nur vergrämende Einzelabschüsse zulassen. Dies ist bisher nicht er- folgt. Grüngürtel, Decksteiner Weiher und Fühlinger See sind städtische Eigenjagdbezirke, wo eine Bejagung rechtlich zwar erlaubt wäre, aber praktisch keine Bejagung erfolgt, da die Umgebung zu stark frequentiert wird. 2 Die Bejagung der Kanada- und Nilgänse ist in den letzten drei Jahren gestiegen. Jagdjahr 2021/2022: 143 Kanadagänse und 211 Nilgänse Jagdjahr 2022/2023: 129 Kanadagänse und 243 Nilgänse Jagdjahr 2023/2024: 164 Kanadagänse und 357 Nilgänse. Greifvogelhorste werden zwar teilweise von Nilgänsen erobert, es finden aber auch Rückeroberungen statt. 3. Trotz des Gelegemanagements scheinen sich die Populationen weiter zu vergrößern und über die Stadt auszudehnen. Welche Städte in NRW ha- ben Erfahrungen mit dem Einfangen und der Bejagung der Gänse ge- macht? Wie könnte das Einfangen oder eine Bejagung in Köln erfolgen? Ein gutes und nachhaltiges Gelegemanagement muss über einen längeren Zeitraum laufen, um langfristig positive Ergebnisse zu erzielen. Bislang wurden erst zu zwei Brutzeiten Eier entnommen. Alle Städte am Rhein bejagen die Gänse in den Jagdbezirken. Fälle von großen Ein- fangaktionen sind nicht bekannt. Hier eine kurze Darstellung der gesetzlichen Grundlagen für die Bejagung: Nach § 1 Abs. 4 Bundesjagdgesetz (BJG) umfasst die Jagdausübung das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild. Einfangen von Wild ist folglich Jagd. Das Aneignungsrecht hat der Eigentümer der Grundfläche, also hier die Stadt Köln. Nach § 39 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 2 BNatSchG ist es verboten, wildlebende Tiere ohne ver- nünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Der vernünftige Grund ist da- bei regelmäßig die Verwertung des Tieres als Nahrung. Somit müssen gefangene Gänse nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschlachtet und verwertet werden. Der Jagdbeirat der Stadt Köln ist sich darin einig, dass das Einfangen an der Umset- zung scheitern würde. Es ist aus Tierschutzgründen sehr schwierig und es wird sich mutmaßlich kein Schlachtbetrieb finden, welcher bereit wäre, in diesem Umfang Wild- gänse zu schlachten. Für den Schlachtbetrieb besteht hier zum Beispiel ein erhöhtes Risiko, sich Seuchen wie die Vogelgrippe in den Betrieb zu holen. 4. Mit welchen Maßnahmen und daraus resultierend welchen Kosten kann eine Einschränkung der Kanada- und Nilgansbestände auf ein für unsere Parks verträgliches Maß erreicht werden? Als Stadt wurden ämterübergreifend folgende Maßnahmen des Gänsemanagements eruiert: 1. Gelegeentnahme an den Brutplätzen (derzeit an acht innerstädtischen Wei- hern) 2. Ausmachen und Reinigen von großen widerrechtlichen Futterstellen 3. Vergrämung durch Greifvögel (findet bisher nicht statt) 4. Vergrämung durch Einzelabschüsse im befriedeten Bezirk (findet bisher nicht statt) 5. Dezimierende Bejagung in den Jagdbezirken an den Stadträndern 6. Monitoring 7. Gestalterische Veränderung der Aufenthaltsbereiche, beispielsweise das Gras hochwachsen lassen oder Brutplätze unattraktiv machen (in Planung) 3 Nur die gleichzeitige Anwendung mehrerer Maßnahmen wird langfristig einen Unter- schied bewirken. Alle Maßnahmen erfolgen ohne zusätzliche Kosten, mit Ausnahme des Monitorings und der Gelegeentnahme, welche jährlich mit etwa 20.000 € zu Buche schlagen. Gez. Wolfgramm Anlage 1: Abschlussbericht Gänsezählung 2024
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0167/2025
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 23.01.2025
- Erstellt
- 15.01.2025 13:38