2007/2025
Gesamtstädtisches Medienkonzept für die Kinder- und Jugendförderung - Maßnahme M 2.1. aus dem Kinder- und Jugendförderplan der Stadt Köln 2021-2025
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Anlage 1: AG 78 Medienbildung Stadt Köln - Handlungsempfehlung außerschulische Medienbildung_l
61396 Zeichen
Handlungsempfehlung für eine bedarfsgerechte,
außerschulische Medienbildung in der Stadt Köln
Version 1.0 Juni 2025
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Handlungsempfehlungen für eine bedarfsgerechte
außerschulische Medienbildung in der Stadt Köln
Vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft §78 SGB VIII Außerschulische Medienarbeit
der Stadt Köln
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Zur Verortung außerschulischer Medienarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe 2
Grundprinzipien (medien)pädagogischen Handelns 5
Dimensionen der Medienkompetenz 9
Ressourcen und Angebote in Köln 12
Meinungen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen 19
Perspektiven und Handlungsempfehlungen 20
Impressum 23
Quellenverzeichnis 24
Einleitung
Digitale Medien prägen heute in nahezu allen Lebensbereichen das Aufwachsen von
Kindern und Jugendlichen. Ob Kommunikation, Lernen, Freizeitgestaltung oder
Identitätsentwicklung – digitale Räume sind feste Bestandteile ihrer Lebensrealität.
Medienkompetenz ist dabei längst keine Zusatzqualifikation mehr, sondern eine
zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Selbstbestimmung und
Bildungschancen.
Gleichzeitig zeigen Studien und Praxisbeobachtungen: Der Zugang zu digitaler
Bildung und der Erwerb von Medienkompetenz sind sozial ungleich verteilt. Kinder
und Jugendliche aus benachteiligten Lebenslagen sind besonders gefährdet, in ihrer
Entwicklung abgehängt zu werden – mit weitreichenden Folgen für Teilhabe und
Chancengleichheit.
Die rasant fortschreitende Digitalisierung stellt die Stadt Köln im Spannungsfeld von
Jugendarbeit und Medienpädagogik permanent vor neue Herausforderungen.
Medienarbeit hat Schnittstellen zu ausnahmslos allen Bereichen in Bildung und
Jugendarbeit. Jugendrelevante Themen werden praktisch nicht mehr ohne den
Zugriff auf digitale Medien verhandelt.
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Die außerschulische Medienarbeit in Köln versteht sich als aktiver Partizipations-
und Gestaltungsraum, der jungen Menschen unabhängig von Herkunft, Bildung oder
sozialem Status den Zugang zu Medienbildung ermöglicht. Mit vielfältigen Formaten,
zielgruppengerechten Angeboten und einer breit vernetzten Trägerlandschaft leistet
sie einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Medienkompetenz in der
Stadtgesellschaft.
Diese Handlungsempfehlung soll dazu beitragen, bestehende Angebote sichtbar zu
machen, strukturelle Herausforderungen zu benennen und konkrete Perspektiven für
eine zukunftsfähige, gerechte und wirksame außerschulische Medienbildung in Köln
weiter zu entwickeln. Grundlage dafür sind sowohl die Einschätzungen und
Erfahrungen von Fachkräften, als auch die Perspektiven von Kindern, Jugendlichen
und jungen Erwachsenen, die über eine Online-Umfrage ihre Bedarfe, Wünsche und
Expertise eingebracht haben. Ihre Stimmen bilden ein zentrales Fundament dieser
Empfehlung.
Zur Verortung außerschulischer Medienarbeit in der Kinder-
und Jugendhilfe
Die Arbeitsgemeinschaft §78 Medienarbeit
„Medienlernen“ findet bei jungen Menschen durch den selbstverständlichen Umgang
mit digitalen Tools grundsätzlich „24/7“ statt und macht damit alle Elemente ihrer
Lebenswelt(en) zu spontan entstehenden oder auch permanenten Lern- und
Bildungsorten: „Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen lassen sich zeitlich,
räumlich und sozial nicht eingrenzen“ (Rauschenbach, 2006).
Medienbildung geschieht nicht zuletzt im Verlauf der Selbstbildung von Kindern und
Jugendlichen. Sie ist in zunehmendem Maße Teil der Curricula organisierter
Bildungsabläufe und ein Querschnittsthema der informellen Bildung, wie sie etwa
durch die Jugendförderung im Rahmen der Jugendhilfe umgesetzt wird.
Die Ziele und Handlungsfelder der Jugendhilfe werden in den §§ 1,8,9 und 11-14
des SGB VIII benannt. Jugendhilfe soll:
● junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu
eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten fördern
● dazu beitragen, Benachteiligung zu vermeiden und abzubauen
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● junge Menschen gleichberechtigt zur Selbstbestimmung befähigen und zu
gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen
● Eltern und andere Erziehungsberechtigte beraten und unterstützen
● Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen
● dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre
Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder
zu schaffen
Außerschulische Medienarbeit versteht sich als Angebot, das außerhalb des
formalen Bildungsrahmens an Orten der non-formalen Bildung bereitgestellt wird, „in
der Regel keinem Curriculum folgt und nicht auf den Erwerb von formalen
Abschlüssen abzielt.“ (Deutsches Jugendinstitut, 2014). Die Zielgruppen dieser
Handlungsempfehlung sind dementsprechend Kinder und Jugendliche bis zu 27
Jahren und die mit ihnen befassten Mitarbeitenden in der
Jugendhilfe/Jugendförderung.
Angebote der Außerschulischen Medienarbeit in Köln erreichen darüber hinaus auch
Eltern und andere Sorgeberechtigte (“Jugendforum NRW”) oder inkludieren im
Rahmen intergenerationaler Angebote („Silver Gaming“) auch Personen außerhalb
der formalen „Reichweite“ des SGB VIII.
Dass sich Medienthemen in allen Handlungsfeldern der Jugendhilfe verorten lassen,
wird nicht zuletzt durch die Zusammensetzung der AG78 Außerschulische
Medienarbeit als Herausgeberin dieser Handlungsempfehlung wiedergespiegelt:
Im Handlungsfeld der Jugendverbandsarbeit (§12 SGB VIII) gehören hierzu etwa
eSports-Angebote von Jugendverbänden wie der Sportjugend Köln und der
Sportjugend NRW, die projektbezogen mit in der Arbeitsgemeinschaft §78
Außerschulische Medienarbeit vertretenen Akteur*innen kooperieren.
Aus der Jugendsozialarbeit (§13 SGB VIII) ist die Jugendberufshilfe der Stadt Köln in
der Arbeitsgemeinschaft §78 vertreten, die unter anderem digital-aufsuchende
Angebote bereithält und Medienthemen im Kontext von Ausbildung und Beruf in ihrer
täglichen Arbeit verhandelt.
Die Schulsozialarbeit (§13a SGB VIII) der Stadt Köln ist regelmäßig mit
Medienthemen aus der Lebenswelt von Schüler*innen befasst und nutzt ebenfalls
niedrigschwellige digitale Schnittstellen zu ihren Zielgruppen.
Das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln beinhaltet bereits seit mehr
als 30 Jahren eine Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz, die dem
Erzieherischen Kinder- und Jugendschutz (§14 SGB VIII) zuzuordnen ist und mit den
Akteur*innen der Jugendarbeit (§11 SGB VIII) permanent kooperiert. Zu den
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gemeinsamen Leuchtturmprojekten gehört unter anderem das jährlich als
medienpädagogischer Teil der gamescom stattfindende “Jugendforum NRW”. Der
Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz obliegt die Geschäftsführung
der Arbeitsgemeinschaft §78 Außerschulische Medienarbeit.
Eine herausragende Bedeutung in der Außerschulischen Medienarbeit kommt der
Kinder- und Jugendarbeit zu, die durch §11 SGB VIII definiert ist. Hier werden unter
anderem grundsätzliche Anforderungen an ihren partizipativen und
lebensweltbezogenen Charakter benannt („Angebote der Jugendarbeit […] sollen an
den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und
mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher
Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen“).
Als beispielhafte Schwerpunkte der Jugendarbeit benennt das SGB VIII:
● außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer,
kultureller, naturkundlicher, gesundheitlicher und technischer Bildung
● Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit
● arbeitswelt-, schul- und familienbezogene Jugendarbeit
● internationale Jugendarbeit
● Kinder- und Jugenderholung
● Jugendberatung
Die Arbeitsgemeinschaft §78 Außerschulische Medienarbeit spiegelt ein breites
Spektrum von Akteur*innen der Jugendarbeit in Köln wieder. Vertreten sind Träger
und Trägerverbände, Einrichtungen und Initiativen von Jugendzentren mit oder ohne
medienpädagogischen Schwerpunkt über mobile Jugendarbeit bis zu
soziokulturellen/kulturpädagogischen Häusern ebenso wie landes- und bundesweit
agierende Arbeitsgemeinschaften und Fachstellen:
● Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V. - AJS
● Caritasverband Köln
● ComputerProjekt Köln e.V. als Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW – fjmk
● Der Paritätische Köln
● Diakonie Michaelshoven
● Jfc Medienzentrum
● Jugendzentren Köln gGmbH – Jugendzentrum:digital
● Lobby für Mädchen e.V. Köln
● Mediensuchtprävention NRW e.V.
● Pavillon e.V. Köln
● Quäker Nachbarschaftsheim e.V.
● Roots and Routes CGN
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● Sozialdienst Katholischer Männer Köln
● sk stiftung für Jugend und Medien der Sparkasse Köln/Bonn
● Zurück in die Zukunft e.V. – Dachlow
Sie erbringen mit einer Vielzahl von temporären wie fortlaufenden Formaten den
Großteil der medienpädagogischen Angebote in Köln und bilden konform zu den
Vorgaben von §78 SGB VIII eine Mehrheit unter den Mitgliedsorganisationen der
Arbeitsgemeinschaft §78 Außerschulische Medienarbeit.
Charakteristisch für die Außerschulische Medienarbeit in Köln ist ihr hoher
Vernetzungsgrad. Kooperiert und interagiert wird träger-, einrichtungs- und auch
handlungsfeldübergreifend.
Grundprinzipien (medien)pädagogischen Handelns
In Köln leben laut Amt für Statistik und Stadtentwicklung (2024) etwa 200.000
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nach Definition des SGB VIII, davon ca.
177.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, was die Stadt zu einer
„kinderreichen Kommune“ macht. Die permanente Mediennutzung ist in dieser
Alterskohorte eine Selbstverständlichkeit: Mit einer durch im Rahmen der JIM-Studie
2024 ermittelten Abdeckung von 98% verfügt nicht nur nahezu jede*r Jugendliche
über ein Smartphone und damit über Zugriff auf digitale Inhalte, sondern nutzt dieses
auch täglich. Smartphones ermöglichen beinahe unabhängig von wirtschaftlicher
Ausstattung und sozialer Herkunft, „immer online“ (merz „Jugendarbeit und Social
Media“, 3/2011) zu sein. Sie sind für nahezu alle Kinder und Jugendlichen das
zentrale Element der Kommunikation, Information und Unterhaltung. Aus dieser
universellen Medienverfügbarkeit folgt ein ebenso umfassender Bedarf an
Medienkompetenz und damit an Angeboten der Medienbildung.
Der „Aktionsplan Kinder- und jugendfreundliches Köln“ der Stadt Köln weist diesen
Bedarfen besondere Bedeutung zu: „Online-sein“ ist insbesondere für Jugendliche
elementar zur Pflege von Freundschaften, zur Organisation von Freizeit und zur
Meinungsbildung“ und fordert, dass die „digitale Gleichberechtigung“ durch
sichergestellten Zugang zu Medien weiter vorangetrieben wird (zweiter Aktionsplan
Kinder- und jugendfreundliches Köln, 2022-2025, Seite 127).
In Anbetracht einer derart umfassenden Zielgruppe bedarf es für die
Außerschulische Medienarbeit in besonderer Weise eines stabilen Fundaments
pädagogischer, ethischer wie auch politischer Grundsätze, die durch die Maßgaben
des SGB VIII definiert, aber auch unter Gesichtspunkten der
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UN-Kinderrechtskonvention und dem aktuellen Stand der fachlichen Diskussion
weiter reflektiert werden sollen.
1. Partizipation und Teilhabe
Im Unterschied zu formalisierten Bildungsprozessen bieten außerschulische
Angebote große Räume der Gestaltung im Rahmen unterschiedlicher Ziele und
Anforderungen. Kinder und Jugendliche an diesen Gestaltungsprozessen zu
beteiligen, ist nicht nur eine bereits durch §11 SGB VIII benannte Verpflichtung
(„Angebote der Jugendarbeit sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen
und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden“), sondern gerade im
medienpädagogischen Kontext gleichzeitig eine Möglichkeit, die aktive Mitgestaltung
der Lebenswelt im Sinne einer „digitalen Teilhabe“ praktisch einzuüben und
umzusetzen.
Der „Aktionsplan Kinder- und jugendfreundliches Köln” wertet Medien als „Schlüssel
für die Beteiligung an Politik und Gesellschaft sowie für Bildungs- und
Berufskarrieren”, die folgerichtig „jugendgerecht an vielen unterschiedlichen
Bildungsorten vermittelt werden” sollen und entspricht damit seinerseits Artikel 17
der UN-Kinderrechtskonvention, die sowohl den Zugang zu Medien als auch
Maßnahmen zum kindgerechten Medienschutz fordert.
Träger der Jugendarbeit können ihre Zielgruppen in vielfältigen Arbeitsweisen dazu
befähigen und ermutigen, an der Gestaltung ihrer Angebote und Formate
mitzuwirken und dabei digitale Zugänge zu nutzen. Die Möglichkeiten reichen etwa
von virtuell-aufsuchenden Schnittstellen zu Nutzer*innen von Einrichtungen bis zum
Bereitstellen von durch Jugendliche selbst bespielten Social Media-Kanälen. Der
fachliche Diskurs benennt sechs Stufen der Beteiligung von Kindern und
Jugendlichen, die von „Fremdbestimmung/Alibi-Teilhabe” über „Mitwirkung/
Mitbestimmung” bis zu “Selbstverwaltung/Selbstbestimmung” reichen (Schröder,
1995). Helbig und Stix ermutigen in ihrem „Dossier Kinderrechte: Digitale Medien
und außerschulische Bildung” dazu, im Sinne einer digitalen Beteiligung auch Stufen
wie Selbstverwaltung und Selbstbestimmung mitzudenken.
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2. Mitwirkung und Vernetzung
Die Kinder- und Jugendarbeit spielt eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Kinder
und Jugendliche zur Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse zu befähigen und zu
ermutigen. So kann sie etwa bestehende kinder- und jugendpolitische Initiativen
unterstützen und dazu befähigen, sich über digitale Tools und Foren für ihre
Anliegen stark zu machen. Artikel 15 der UN-Kinderrechtskonvention unterstreicht
die Bedeutung der Versammlungsfreiheit. Im Rahmen ihrer täglichen Arbeit kann die
Außerschulische Medienarbeit Selbstverwaltungsstrukturen fördern, indem sie auf
die Potenziale digitaler Werkzeuge und Räume hinweist, die es Kindern und
Jugendlichen ermöglichen, sich online zu organisieren und zu engagieren.
Die Anforderungen an eine zeitgemäße und lebensweltorientierte Außerschulische
Medienarbeit können ihre Akteur*innen nur durch Vernetzung erfüllen. Kompetenz
im Sinne von Skills und Know-How wie auch die benötigte technische Ausstattung
muss schon jetzt regelmäßig institutions- und nicht selten sogar trägerübergreifend
untereinander ausgetauscht und gemeinsam genutzt werden, um mit der
technischen wie jugendkulturellen Entwicklung Schritt zu halten. Kindern und
Jugendlichen werden somit die Notwendigkeiten und Vorteile der Vernetzung
gleichsam vorgelebt, was sie zur Bildung eigener Netzwerke anregen und befähigen
kann.
3. Offenheit, Chancengleichheit und Gerechtigkeit
Medienkompetenz als Voraussetzung, das Recht auf Teilhabe und Partizipation
ausüben zu können, bringt für die Anbieter*innen medienpädagogischer Projekte
und Formate die Verantwortung mit sich, größtmögliche Erreichbarkeit zu
gewährleisten. Bereits 1990 wurde der “first digital divide” beschrieben, der
geografische und sozioökonomische Ungleichheit im Zugang zu digitalen Medien
benennt. Scheint diese Hürde auch durch die nahezu flächendeckende Ausstattung
junger Menschen mit Smartphones überwunden, so gewinnt jedoch der „second
level digital divide” an Gewicht: Die Kenntnisse digitaler Medien und damit auch
digitaler Zugänge zu Medienbildung und Teilhabe unterscheiden sich nach wie vor in
sozialen Gruppen und sozioökonomischen Milieus, was wiederum zu
unterschiedlichen Nutzungsarten (konsumierend/passiv versus gestaltend/aktiv)
führt. (Kersting, 2020).
Die Jugendarbeit steht damit vor der Herausforderung, “online und offline
medienpädagogische Angebote zur Förderung von Medienkompetenz und
Medienbildung an Heranwachsende zu richten, um beiden Formen digitaler
Ungleichheiten entgegenzuwirken beziehungsweise vor dem Hintergrund
individueller Ressourcen digitale Teilhabe zu fördern” (Helbing und Stix, 2021).
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Ansätze hierzu sind vielfältig und können etwa versuchen, “sozialräumlich orientierte
Angebote auch in den digitalen Raum zu übertragen, wie es vielerorts durch virtuell-
aufsuchende oder hybride Formate geschieht”.
Gezielter Berücksichtigung bedürfen Gruppen, die in besonderer Weise Spannungen
und Hindernissen unterliegen: So bieten virtuelle Räume für Jugendliche aus der
LSBTI*-Community unabhängig ihrer geografischen Verortung im ländlichen Raum
oder in Metropolen die Möglichkeit zur Selbstdarstellung, Wahrnehmbarkeit und
Vernetzung, jedoch auch Angriffsflächen für Hassrede und verbale Gewalt. Junge
Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte können vom grundsätzlich
internationalen Charakter digitaler Medien profitieren, dürfen jedoch nicht aus dem
Blickfeld von Einrichtungen mit medienpädagogischen Angeboten geraten.
Allen Geschlechtern und Gendern steht ein gleichberechtigter Zugang zur
Medienbildung zu. Gleichzeitig bieten medienpädagogische Formate die Chance zur
Reflektion von Stereotypen und damit verbundenen Zuschreibungen, etwa durch die
Analyse medialer Geschlechtervorstellungen. Eine gendersensible Medienarbeit
kann das Ziel verfolgen, „theoretisches und praktisches Wissen über Medien zu
vermitteln und dabei gleichzeitig für geschlechtsbezogene Problematiken zu
sensibilisieren” (Mittertrainer, 2024).
Angebote der Medienarbeit sollen inklusiv gedacht werden. Dies beinhaltet sowohl,
dass medienpädagogische Veranstaltungen und Projekte möglichst barrierefrei
zugänglich gestaltet sind, als auch die Möglichkeiten der Inklusion mit und durch
Medien zu nutzen und dabei gleichzeitig für Barrieren zu sensibilisieren.
4. Prävention und Parteilichkeit
Die UN-Kinderrechtskonvention bietet eine wichtige Orientierung für die Rechte von
Kindern, die auch im digitalen Raum gelten. Artikel 17, der den “Zugang zu
relevanten Informationen” thematisiert, kommt dabei eine zentrale Bedeutung in der
Außerschulischen Medienarbeit zu. Als besonders nah an der Lebenswelt von
Kindern und Jugendlichen agierende Form der Jugendarbeit versteht sie
Jugendmedienschutz im digitalen Kontext vor allem als erzieherischen Auftrag
(Deutscher Bundesjugendring, 2021). Ihre Akteur*innen sollen in der Lage sein, die
vielfältigen und sich ständig wandelnden Medienangebote und ihre
Nutzungsgewohnheiten durch Kinder und Jugendliche zu verstehen und dabei
potenzielle Herausforderungen einzuschätzen. Aus medienpädagogischer Sicht ist
die Kinder- und Jugendarbeit gefordert, jungen Menschen konkrete Umgangs- und
Bewältigungsstrategien aufzuzeigen, um so ein kritisches und reflektiertes
Medienhandeln zu fördern.
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Außerschulische Medienarbeit ergreift damit klar Partei für Kinder und Jugendliche,
besonders in vulnerablen Lebensphasen und bei aufkommenden Gefährdungen.
Eine Verpflichtung hierzu erwächst nicht zuletzt aus dem Anspruch, digitale Teilhabe
und Partizipation zu sichern, die durch Phänomene wie Hate Speech und
Desinformation gefährdet sein kann.
Die zunehmende Erfassung und Auswertung jugendlicher Verhaltensweisen in
virtuellen Räumen von Social Media bis Online-Shopping führt nicht nur zur
fortschreitenden Kapitalisierung persönlicher Daten von jungen Menschen, sondern
steuert über Algorithmen gleichzeitig ihren Zugriff auf Informationen, was durch
subtile Einflussnahme auf die Meinungsbildung die Ausübung persönlicher
Autonomie erschwert. Aufgabe der Außerschulischen Medienarbeit ist es hier, die
notwendigen Kompetenzen zum Schutz der Privatsphäre im Sinne von Art. 16 der
UN-Kinderrechtskonvention zu vermitteln.
Unabhängig der Förderung und Sicherung des Zugangs zu digitalen Räumen für alle
Kinder und Jugendlichen sollen die Herausforderungen potenziell problematischer
Nutzungsverhalten mitgedacht werden. Im Sinne einer für die Zielgruppe Partei
ergreifenden Prävention kann Außerschulische Medienarbeit Strategien zur
Selbstregulation vermitteln und Möglichkeiten eines Ausgleichs zwischen Online-
und Offline-Aktivitäten aufzeigen.
Dimensionen der Medienkompetenz
Für eine wirkungsvolle und bedarfsgerechte Außerschulische Medienbildung bietet
das Medienkompetenzmodell von Dieter Baacke (1973/1996) eine bewährte und
praxisnahe Struktur. Es unterscheidet vier zentrale Dimensionen von
Medienkompetenz: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und
Mediengestaltung. Diese Kategorien ermöglichen eine systematische
Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Themen und helfen dabei, Angebote
und Maßnahmen bedarfsgerecht zu entwickeln und zu verorten.
Die Dimension Medienkritik bezieht sich auf die Fähigkeit, Medieninhalte, -
strukturen und -akteur*innen kritisch zu hinterfragen und ihre gesellschaftlichen
Auswirkungen zu reflektieren. Jugendliche und junge Erwachsene sollen darin
gestärkt werden, manipulative oder verzerrte Darstellungen zu erkennen, eigene
Standpunkte zu entwickeln und mediale Einflüsse auf die Meinungsbildung zu
reflektieren. Thematische Schwerpunkte sind:
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● Fake News, Desinformation und Quellenprüfung
● Algorithmische Verzerrung (zum Beispiel durch Filterblasen, Bias in
Suchmaschinen)
● Medienethik: Umgang mit Hate Speech, Diskriminierung
● Influencer-Kritik und Werbekompetenz
● Künstliche Intelligenz und Deepfakes als Herausforderung für
Wahrheitsfindung
● Green IT und Nachhaltigkeit im Medienkonsum
● Stereotypisierung, Schönheitsideale und deren Einfluss auf Identitätsbildung
● Awareness: die Absichten von Akteur*innen (zum Beispiel Unternehmen,
Plattformen) erkennen, problematische Inhalte identifizieren, melden oder
meiden
● Auseinandersetzung mit der Rolle von Medien in der Meinungsbildung
Diese Themen fördern eine kritische Auseinandersetzung mit medialen Inhalten und
bieten wichtige Anknüpfungspunkte für politische Bildung und Demokratieförderung.
Die Dimension Medienkunde umfasst Wissen über Medienstrukturen, technische
Grundlagen, rechtliche Aspekte und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ziel ist ein
reflektiertes Verständnis über die Bedingungen und Mechanismen des digitalen
Zeitalters. Zentrale Inhalte sind:
● Digitaler Kapitalismus und die Ökonomien der Aufmerksamkeit
● Grundlagen des Datenschutzes
● Plattformökonomie und Geschäftsmodelle von Social-Media-Anbietern
● Urheberrecht, Creative Commons und Lizenzfragen
● technologische Entwicklungen, zum Beispiel Künstliche Intelligenz, Big Data
● Aspekte des Verbraucherschutzes im digitalen Raum
● Grundlagen des Jugendschutzes in digitalen Medienumgebungen
● Umweltbelastung durch Medienkonsum (zum Beispiel Serverinfrastruktur,
Elektroschrott)
● Informationen über Hilfestrukturen (zum Beispiel bei Mobbing, Missbrauch,
Radikalisierung)
● Barrierefreiheit in digitalen Angeboten
Dieses Wissen bildet das Fundament für eine reflektierte und selbstbestimmte
Teilhabe an der digitalen Gesellschaft.
Die Dimension Mediennutzung beschreibt die Fähigkeit, digitale Medien
selbstbestimmt, zielgerichtet und sozial verantwortlich zu verwenden. Sie betrifft
sowohl die technische Handhabung als auch die reflektierte Nutzung im Alltag.
Relevante Inhalte sind:
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● Handhabung/Bedienkompetenz für verschiedene Geräte und Anwendungen
● Nutzung von Social Media und deren Kommunikationskultur
● Gaming als Freizeitaktivität und soziale Praxis
● Informationsrecherche und -bewertung
● digitale Alltagskompetenzen, zum Beispiel Nutzung von ÖPNV-Apps oder
Online-Diensten
● Umgang mit Cybermobbing und Datenschutzfragen im Alltag
● Förderung von Digital Wellbeing, Medienbalance und mentaler Gesundheit
● Nutzung digitaler Medien für Partizipation und politische Mitbestimmung
Diese Aspekte sind zentrale Bestandteile jugendlicher Lebenswelten und bieten
vielfältige Anknüpfungspunkte für lebensweltorientierte Bildungsangebote.
In der Dimension Mediengestaltung geht es um die aktive, kreative und
verantwortungsbewusste Produktion medialer Inhalte. Medienbildung zielt hier auf
die Entwicklung ästhetischer, technischer und sozialer Gestaltungskompetenzen.
Behandelte Themen und Methoden sind:
● kreative Medienprojekte
● Produktion von Podcasts, Videos, Memes, Blogs, Fotos, Streaming, Game
Design
● Nutzung digitaler Tools für politische oder persönliche Meinungsäußerung
● Inklusive Mediengestaltung unter Berücksichtigung von Diversität und
Barrierefreiheit
● crossmediale Formate, die analoge und digitale Elemente verbinden
● Arbeiten mit kollaborativen Plattformen (zum Beispiel Padlet, Miro)
● Making, Coding, 3D-Druck, Hacking, Upcycling
● Beteiligung an partizipativer Medienkultur wie Fanfiction, Fanart, Modding
oder Cosplay
● kreative Formen wie Animation, Lichtinstallationen, Performances,
Medienkunst
Diese Angebote eröffnen jungen Menschen Ausdrucksmöglichkeiten, fördern digitale
Gestaltungskompetenz und stärken Selbstwirksamkeit.
Die vier Dimensionen der Medienkompetenz nach Baacke verdeutlichen, dass es
nicht nur um die Vermittlung technischer Fertigkeiten geht, sondern um die
ganzheitliche Befähigung junger Menschen zu reflektierter Teilhabe, kreativer
Mitgestaltung und kritischer Auseinandersetzung mit digitalen Medienwelten.
Um diese Dimensionen in der Praxis wirksam umzusetzen, braucht es konkrete
Orte, Akteur*innen, Materialien und Unterstützungsstrukturen. In Köln bestehen
bereits vielfältige Ressourcen, bestehende Netzwerke und Initiativen, die im
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nachfolgenden Abschnitt dargestellt und im Hinblick auf ihren Beitrag zur
außerschulischen Medienbildung eingeordnet werden.
Ressourcen und Angebote von Akteur*innen der Arbeitsgemeinschaft §78 Außerschulische
Medienarbeit in Köln
Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V. (AJS NRW)
Die AJS NRW ist die landesweite Fach- und Servicestelle für Kinder- und Jugendschutz mit
Sitz in Köln. Sie richtet sich vor allem an Erwachsene, die Verantwortung für Kinder und
Jugendliche tragen – also pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Mitarbeitende der
Jugendhilfe, Jugendschutzbeauftragte und Eltern. Ihr Leitgedanke ist das Empowerment
junger Menschen: Kinder und Jugendliche sollen zu selbstbestimmten, verantwortungsvollen
Persönlichkeiten heranwachsen können. Um das zu erreichen, unterstützt die AJS
diejenigen, die die junge Generation erziehen und begleiten. Thematisch deckt die
Arbeitsgemeinschaft ein breites Spektrum von Gewaltprävention und Schutz vor
sexualisierter Gewalt über Radikalisierungsprävention bis hin zu Rechtsthemen ab. Wichtige
Schwerpunkte liegen dabei auf Jugendmedienschutz und Medienpädagogik. Als
Servicestelle berät, schult und vernetzt die AJS andere Institutionen: Sie bietet zum Beispiel
Fortbildungen, Fachtagungen und Materialien an, um Schulen, Jugendämter, freie Träger
und Beratungsstellen auf dem neuesten Stand zu Jugendschutzthemen zu halten. Konkrete
Projekte in Trägerschaft der AJS sind in der praktischen Arbeit verortet: So gibt es etwa
„Eltern-Medien-Jugendschutz“, ein Programm zur medienpädagogischen Elternarbeit, das
Erziehende für die Medienerziehung zu Hause fit macht. Mit „bildmachen“ werden innovative
Online-Methoden entwickelt, um Jugendliche präventiv über Soziale Medien zu erreichen
(etwa. zur Extremismus- oder Suchtprävention). Im Format Elterntalk NRW organisiert die
AJS moderierte Eltern-Gesprächsrunden, in denen aktuelle Erziehungsthemen – wie die
Chancen und Risiken digitaler Medien – diskutiert werden. Außerdem arbeitet die AJS in
landesweiten Kampagnen und Arbeitskreisen mit, um Themen wie Hate Speech, Cyber-
Mobbing oder kindgerechte Mediennutzung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit
Publikationen wie etwa der Zeitschrift AJS-Forum oder leicht verständlichen Ratgebern wie
„Computer-Spiele in der Familie liefert sie praxisnahe Informationen und Tipps. Die AJS
NRW fungiert als wichtiger Ansprechpartner, Vermittler und Impulsgeber, damit Kinder und
Jugendliche in einer sich wandelnden Mediengesellschaft bestmöglich geschützt sind und
von den Chancen der digitalen Welt profitieren können.
ComputerProjekt Köln e.V. / Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW
Das ComputerProjekt Köln e.V. ist Träger der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, der
landesweit agierenden Kompetenzstelle für Medienpädagogik in der Jugendarbeit. Diese
Fachstelle – mit Sitz in Köln – unterstützt seit Jahren Institutionen und Fachkräfte in ganz
Nordrhein-Westfalen bei der Umsetzung zeitgemäßer Jugendarbeit im digitalen Zeitalter. Die
Angebote richten sich einerseits direkt an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene,
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andererseits an Multiplikator*innen wie Pädagog*innen, um mediale Trends und Methoden
in die Fläche zu tragen. Ein bekanntes Projekt der Fachstelle ist der Spieleratgeber-NRW:
Hier testen und bewerten junge Spieletester*innen gemeinsam mit erfahrenen
Medienpädagog*innen aktuelle Computer- und Konsolenspiele. Die Ergebnisse – inklusive
pädagogischer Einschätzung und den Stimmen der Jugendlichen – werden online
veröffentlicht und dienen Eltern sowie Fachkräften als Orientierung im Gaming-Dschungel.
Darüber hinaus initiiert die fjmk vielfältige medienpädagogische Modellprojekte. Beispiele
sind “Silver Gaming”, wo durch gemeinsames digitales Spielen der Austausch zwischen
Jugend- und Senior*innengruppen gefördert wird, oder “Level Up”, ein inklusives Projekt,
das Jugendlichen mit und ohne Behinderung Teilhabe an der Gaming-Kultur ermöglicht.
Auch die Förderung von Medienkritik und Kreativität kommt nicht zu kurz: In Projekten wie
der Jugendredaktion “Shift” erwerben gaming-affine Jugendliche Medienerfahrung und
berufliche Orientierung, während interaktive Spiele wie „KryptoKids“ Kinder spielerisch über
Datenschutz und Demokratiebildung aufklären. Die Fachstelle arbeitet eng mit Partnern aus
Forschung, Jugendschutz und Kultur zusammen (unter anderem mit der Landesregierung,
Hochschulen und Verbänden). Ihr Hauptanliegen ist es, neue Entwicklungen der
Jugendmedienkultur aufzugreifen und qualitativ hochwertige Methoden für die Praxis zu
entwickeln. Durch Fortbildungen, Beratungen und Publikationen unterstützt sie offene Türen,
Jugendzentren, Schulen und andere Einrichtungen dabei, ihre Angebote an die digitale
Lebenswelt junger Menschen anzupassen. Insgesamt ist das ComputerProjekt Köln mit der
Fachstelle Jugendmedienkultur NRW ein zentraler Akteur der Medienkompetenzförderung:
Es schafft Brücken zwischen der schnelllebigen digitalen Jugendkultur und der
pädagogischen Praxis und sorgt dafür, dass junge Menschen in NRW kompetent, kreativ
und sicher mit digitalen Medien aufwachsen können.
Diakonie Michaelshoven
Die Diakonie Michaelshoven ist einer der größten sozialen Träger in Köln und Umgebung
und in vielen Bereichen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe aktiv. Ihre Angebote richten
sich an ein breites Spektrum von Zielgruppen: Von Kindern und Jugendlichen in
Kindertagesstätten und Wohngruppen über Familien in schwierigen Lebenslagen bis hin zu
Menschen mit Behinderungen oder besonderen sozialen Integrationsbedarfen.
Medienpädagogik wird in der Diakonie Michaelshoven als Querschnittsaufgabe verstanden,
um die Teilhabe aller Klient*innen am digitalen Leben zu fördern. So hat der Träger in
seinen Jugendhilfe-Einrichtungen medienpädagogische Konzepte etabliert, die Kindern und
Jugendlichen einen sicheren, reflektierten Umgang mit digitalen Medien vermitteln. In
Wohngruppen und Schulen in eigener Trägerschaft werden unter anderem Workshops zu
Internetnutzung, Social Media und Datenschutz angeboten; auch bei der Betreuung
unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter spielen Medien (etwa für Sprachlern-Apps oder
Kontakte zur Familie) eine förderliche Rolle. Ein herausragendes Projekt ist das PIKSL
Labor Köln, das die Diakonie Michaelshoven 2021 in Köln-Braunsfeld eröffnet hat: In diesem
inklusiven Medienlabor erhalten Menschen mit und ohne Behinderung Zugang zu digitaler
Bildung. Dort lernen besonders Menschen mit geistiger Beeinträchtigung den Umgang mit
Internet, Smartphone und Computer in leicht verständlicher Form und entwickeln so digitale
Selbstständigkeit – ein Leuchtturmprojekt für digitale Inklusion.
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Darüber hinaus veranstaltet die Diakonie Michaelshoven in ihren Familienzentren
regelmäßig Elternabende zur frühen Medienerziehung (etwa „Aufwachsen im digitalen
Zeitalter“ in Kooperation mit der Landesanstalt für Medien NRW), um Eltern praktische Tipps
für den kindgerechten Medieneinsatz zu geben. Durch Kooperationen mit Hochschulen (zum
Beispiel Beteiligung an Forschungsprojekten zur nachhaltigen Medienbildung in
Wohnheimen) und interne Fortbildungen stellt die Diakonie sicher, dass ihre Mitarbeitenden
für die Herausforderungen der Digitalisierung in der sozialen Arbeit gut gerüstet sind.
Insgesamt verfolgt die Diakonie Michaelshoven das Ziel, Medienkompetenz und digitale
Teilhabe bei benachteiligten Gruppen aktiv zu fördern und so Chancengerechtigkeit im
digitalen Wandel zu schaffen.
Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz im Amt für Kinder, Jugend und
Familie
Die Fachstelle Medienpädagogik ist Teil des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt
Köln und befasst sich bereits seit den 1990er-Jahren mit allen Themen aus dem
Spannungsfeld “Jugend und Medien”. Als Einrichtung des präventiven Jugendschutzes steht
sie allen Kindern und Jugendlichen ebenso zur Verfügung wie Eltern, Fachkräften und allen
anderen interessierten Kölner*innen. Die Fachstelle versteht sich als ein Initiator und
Kristallisationspunkt medienpädagogischer Arbeit und agiert kooperativ und vernetzend mit
Trägern, Einrichtungen, Initiativen und Projekten aus dem ganzen Stadtgebiet und darüber
hinaus. Als Veranstalterin entwickelt, initiiert und verwirklicht sie Projekte wie das seit 2013
zur gamescom gehörende Jugendforum NRW oder das Jugend-Kultur-Festival “Dein
Domizil”. Zu fortlaufenden Aufgaben gehören unter anderem die Akquise und
gegebenenfalls Weitergabe von Fördermitteln aus unterschiedlichen Quellen wie auch die
fachliche Beratung und Unterstützung verschiedener Institutionen und Gremien der
kommunalen Verwaltung.
jfc Medienzentrum Köln e.V.
Das jfc Medienzentrum Köln e.V. ist eine anerkannte Fachstelle für Kinder- und
Jugendmedienarbeit in Köln und Nordrhein-Westfalen. Als gemeinnütziger Verein und freier
Träger der Jugendhilfe (gegründet 1976 als „Jugendfilmclub“) bietet das Zentrum
pädagogische Aktivitäten, Beratung, Qualifizierung und Dienstleistungen im Bereich Medien,
Kultur und Bildung an. Es erhält eine Grundförderung durch das Land Nordrhein-Westfalen
und die Stadt Köln und kooperiert projektbezogen mit verschiedenen öffentlichen und
privaten Partner*innen. Zielgruppe sind vor allem Kinder und Jugendliche sowie deren
Familien. Gleichzeitig wendet sich das jfc Medienzentrum an Multiplikator*innen – etwa
pädagogische Fachkräfte in Bildung, Kultur und Sozialarbeit, um den aktiven und
kompetenten Einsatz von Medien in der Jugendarbeit zu fördern. Im Fokus steht, die
Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen zu unterstützen und ihre aktive, kreative und
sichere Beteiligung an der digitalen Medienwelt zu ermöglichen.
Besondere Projekte verdeutlichen die Arbeitsweise des jfc Medienzentrums: So vermittelt
das Projekt „We track KI“ Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Fachkräften
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einen praxisnahen Zugang zur Welt der Künstlichen Intelligenz. Die Teilnehmenden lernen,
wie KI-Tools funktionieren und sinnvoll eingesetzt werden können, und setzen sich
gleichzeitig mit den ethischen und gesellschaftlichen Fragen zu dieser Technologie
auseinander. Ein anderes Beispiel ist „Cinepänz“ (Junges Filmfestival Köln) – ein
renommiertes Kinder- und Jugendfilmfestival, das vom jfc Medienzentrum seit über 30
Jahren jährlich im Herbst ausgerichtet wird. Dieses Festival präsentiert qualitativ
hochwertige Kinder- und Jugendfilme in verschiedenen Kölner Spielstätten und bietet mit
Mitmach-Angeboten wie Kinderjurys, Festivalredaktionen und Filmworkshops jungen
Zuschauer*innen die Möglichkeit, Filmkultur aktiv zu erleben und Medienkompetenz
spielerisch zu erwerben.
Jugendzentrum.digital
Das Jugendzentrum.digital ist eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in
Köln-Mülheim mit einem innovativen Schwerpunkt auf Medien und Digitalem. Angesprochen
werden Kinder und Jugendliche ab dem Grundschulalter bis etwa 27 Jahren, die hier einen
zeitgemäßen Freizeittreff und Lernort zugleich finden. Als Jugendmedienzentrum bietet das
Jugendzentrum.digital Raum zum Ausprobieren, Experimentieren und Kreativsein mit
Technologien – ganz nach dem Motto, die Lebenswelten der jungen Generation
aufzugreifen. Die Angebote finden vor Ort, aber auch digital oder hybrid statt, sodass auch
Teilnehmende von außerhalb oder mit Mobilitätseinschränkungen problemlos dabei sein
können. Im Zentrum steht das Jugendmediencafé, ein offener Treffpunkt, der mit moderner
Technik ausgestattet ist und niederschwelligen Zugang zu vielfältigen digitalen Aktivitäten
ermöglicht. Die medienpädagogische Arbeit gliedert sich in fünf Schwerpunkte: Making &
Coding (etwa Programmieren, Tüfteln mit Elektronik), eSports & Gaming (gemeinsames
Computerspielen und Veranstalten von Turnieren), Musik & Audioproduktion (etwa ein
eigenes Tonstudio für junge Musikbegeisterte), Foto & Videoproduktion (von Fotoprojekten
bis zu YouTube-Videos) sowie Streaming & Social Media (Streaming-Workshops, eigene
Kanäle betreuen). Im offenen Betrieb können Jugendliche in all diesen Bereichen erste
Erfahrungen sammeln und werden dabei von medienpädagogischen Fachkräften begleitet.
Partizipation wird großgeschrieben: Besucher*innen können eigene Projektideen einbringen
und es gibt monatlich zum Beispiel eine „App des Monats“, die gemeinsam getestet und
diskutiert wird. Mit diesem Konzept gehört das Jugendzentrum.digital zu den
Modellprojekten in NRW für zeitgemäße Jugendarbeit. Es ermöglicht jungen Menschen –
unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Bildungshintergrund – einen sicheren Zugang
zur digitalen Welt, fördert Kreativität und Talententwicklung und vermittelt spielerisch
wichtige Zukunftskompetenzen im Medienbereich.
Lobby für Mädchen e.V. (Mädchenhaus Köln)
Die Lobby für Mädchen – Mädchenhaus Köln e.V. setzt sich stadtweit für die Belange von
Mädchen und jungen Frauen im Alter von ca. 10 bis 27 Jahren ein. Als anerkannter
Jugendhilfeträger bietet der Verein niedrigschwellige Beratung und geschützte Räume in
zwei Mädchenzentren (in Mülheim und in der Innenstadt) sowie eine Online-Beratung an.
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Die Zielgruppe sind alle Mädchen und jungen Frauen unabhängig von Herkunft oder
Hintergrund, die Unterstützung, Beratung oder einfach einen sicheren Ort zur Entfaltung
suchen. Im Mittelpunkt steht die Stärkung der persönlichen und medialen Kompetenz:
Mädchen werden ermutigt, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten und einen kritischen,
sicheren Umgang mit digitalen Medien zu erlernen. In den Mädchenzentren finden
regelmäßig medienpädagogische Workshops statt – etwa zu Themen wie Internetsicherheit,
Cybermobbing oder kreativer Mediennutzung – die den Teilnehmerinnen einen geschützten
Rahmen zum Ausprobieren bieten. Als besonderes Angebot wurde jüngst ein eigenes
"LOBBY-Magazin" ins Leben gerufen, in dem verschiedene Arbeitsbereiche über aktuelle
Themen der Mädchenarbeit berichten. Außerdem engagiert sich der Verein in
Präventionsprojekten (z.B. Elterntalks oder Workshops an Schulen) und betreibt Lobbyarbeit
auf kommunaler Ebene, um die Lebenslagen von Mädchen sichtbar zu machen. Die Lobby
für Mädchen arbeitet intersektional und empowernd, um Mädchen in Köln sowohl offline als
auch online ein sicheres, selbstbestimmtes Aufwachsen zu ermöglichen.
Mediensuchtprävention NRW e.V.
Mediensuchtprävention NRW e.V. ist ein noch junger Verein aus Köln, der landesweit
Aufklärungsarbeit zu exzessiver Mediennutzung und digitalen Süchten leistet. Die
Zielgruppe sind vor allem Kinder und Jugendliche als Endnutzer*innen digitaler Medien
sowie deren Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte als Multiplikator*innen. Der
Vereinszweck besteht darin, die Öffentlichkeit über Gefahren einer sogenannten
“Mediensucht” (wie etwa übermäßige Computerspiel- oder Smartphonenutzung) zu
informieren und durch präventive Maßnahmen gegenzusteuern: Kinder und Jugendliche
sollen zu einer verantwortungs- und maßvollen Mediennutzung befähigt werden. Trotz der
jungen Vereinsstruktur verfügt Mediensuchtprävention NRW über ein Team aus
Expert*innen mit bis zu 15jähriger Erfahrung im Themenfeld. In Zusammenarbeit mit
Schulen, Jugendhilfe und Politik entwickelt und realisiert der Verein innovative Projekte der
Suchtprävention. So werden Fortbildungen für Multiplikator*innen angeboten, um aktuelles
Wissen und Handlungsstrategien zum Thema “Mediensucht” weiterzugeben. Zudem hat der
Verein an der Entwicklung bewährter Programme wie „Net-Piloten“ (Peer-Education-Projekt
zu Computerspiel- und Internetabhängigkeit) und „Smart Kiddies“ (frühkindliche
Medienerziehung) mitgewirkt bzw. führt diese durch. Besonderes Augenmerk liegt auch auf
der Sensibilisierung von Entscheidungsträger*innen: Durch Vorträge, Netzwerkarbeit und
Stellungnahmen (etwa im Landtag) bringt sich Mediensuchtprävention NRW e.V. aktiv in die
jugendpolitische Debatte ein. Geleitet ist der Verein durch die Vision, die Medienkompetenz
von Kindern und Jugendlichen so zu stärken, dass sie digitale Angebote selbstbestimmt und
gesund nutzen können - und “Mediensucht” gar nicht erst entsteht.
OT Die Villa
„Die Villa“ ist eine Kinder- und Jugendeinrichtung des SKM Köln im Stadtteil Köln-
Volkhoven/Weiler. Ihr Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Familien aus dem
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Veedel und der Umgebung. Die zentrale Zielgruppe sind Kinder und junge Menschen im
Alter von etwa 10 bis Mitte 20 Jahren. Als “Offene Tür” bietet die Villa einen frei
zugänglichen Treffpunkt, an dem junge Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller
Hintergründe zusammenkommen. Durch vielfältige Freizeit-, Bildungs- und
Beratungsangebote – von Sport und Kreativaktivitäten bis hin zu Hausaufgabenhilfe und
Elternberatung – fördert die Einrichtung soziale Kompetenz, Toleranz, Integration und
persönliche Entwicklung der Jugendlichen in ihrem Lebensumfeld. Größtes Ziel ist es,
gegenseitigen Respekt zu vermitteln und vorzuleben.
Zu den besonderen Projekten der OT „Die Villa“ gehören insbesondere die
“Jugendfilmakademie” und das Musikprojekt “Zukunftsmusik“. In der Jugendfilmakademie
erhalten filmbegeisterte Jugendliche die Möglichkeit, eigene Kurzfilme zu produzieren und
dabei alle Bereiche des Filmschaffens kennenzulernen – von der Drehbuchentwicklung über
Kamera und Licht bis hin zu Ton und Schnitt. Dieses Projekt hat bereits mehrere
erfolgreiche Produktionen hervorgebracht und ist zu einem festen Bestandteil der
pädagogischen Arbeit der Villa geworden. Das Projekt „Zukunftsmusik“ wiederum ist ein
“Musiklehrer*innen-Projekt für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche”. Es ermöglicht
jungen Menschen, die sonst wenig Zugang zu musischer Bildung haben, qualifizierten
Musikunterricht zu erhalten und musikalische Talente zu entfalten. Beide Projekte
verdeutlichen den ganzheitlichen Ansatz der Villa, der kreative, kulturelle und persönliche
Förderung der Jugendlichen verbindet.
Quäker Nachbarschaftsheim e.V.
Das sozial-kulturelle Zentrum Quäker Nachbarschaftsheim e.V. ist ein städtisch und
landesweit anerkanntes Bürgerzentrum sowie anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Es
ist mit seinen sozialen und pädagogischen Angeboten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene
und Senior*innen in der Kölner Innenstadt und Ehrenfeld fest verwurzelt. Der Verein hat eine
Vielzahl von Tätigkeitsfeldern: Kindertagesstätte, Offene Tür für Kinder und Jugendliche,
Treff der Generationen, Hilfen zur Erziehung, Senior*innennetzwerke sowie ein
Brückenprojekt für unbegleitete minderjährige Geflüchtete.
Im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit finden junge Menschen aus dem ganzen
Stadtgebiet einen geschützten Treffpunkt, der neben klassischen Freizeitaktivitäten auch
medienpädagogische Projekte beinhaltet. So werden beispielsweise Gaming-Events und
kreative Medienworkshops angeboten, bei denen auf spielerische Art und Weise
Medienkompetenz erworben wird. Hierzu zählen auch generationsübergreifende Angebote.
Besondere Projekte wie Ferienprogramme gegen Diskriminierung (zum Beispiel in
Kooperation mit Zweitzeugen e.V.) oder die Beteiligung am Jugendforum NRW auf der
gamescom unterstreichen das Engagement des Hauses in der Medienbildung und
Demokratieförderung.
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Roots & Routes Cologne e.V.
Roots & Routes Cologne e.V. ist eine anerkannte Einrichtung der kulturellen Bildung in Köln,
die sich auf internationale Jugendprojekte in Kunst, Musik, Medien und Tanz spezialisiert
hat. Die Zielgruppe sind kreative Jugendliche und junge Erwachsene, oft mit vielfältigen
kulturellen Wurzeln, im Alter von ca. 16 bis 27 Jahren. Der Verein fördert kulturelle Vielfalt
und Inklusion, indem er jungen Talenten die Möglichkeit gibt, ihre Fähigkeiten in
interdisziplinären Projekten weiterzuentwickeln. Ein Flaggschiff ist die jährliche ROOTS &
ROUTES Experience: hierbei kommen Dutzende junge Künstler*innen aus ganz Europa
zusammen, um in einem mehrwöchigen Campus gemeinsame Performances in Bereichen
wie Musik, Theater, Tanz und Live-Media zu erarbeiten, die anschließend in Köln öffentlich
aufgeführt werden. Auf lokaler Ebene hat Roots & Routes mit Projekten wie iJuLa
(intersectional Youth Labs) Räume geschaffen, in denen queere und intersektionale Themen
von und für Jugendliche künstlerisch und medial bearbeitet werden. Grundsätzlich setzt der
Verein auf peer-to-peer-Lernen und medienpädagogische Methoden: Die Teilnehmenden
produzieren etwa Musikvideos, Dokumentationen oder Social-Media-Inhalte zu ihren
Projektthemen und erwerben so “ganz nebenbei” Medienkompetenzen. Dabei werden sie
von erfahrenen Mentor*innen aus der Kultur- und Medienbranche begleitet. Die Arbeit von
Roots & Routes zielt darauf ab, junge Menschen in ihrer kreativen und beruflichen
Entwicklung zu stärken und ihnen zugleich Werte wie Diversität, Selbstentfaltung und
gesellschaftliche Verantwortung – auch im digitalen Raum – zu vermitteln.
Schulpsychologischer Dienst der Stadt Köln
Der Schulpsychologische Dienst der Stadt Köln ist eine städtische Beratungsstelle, die
Schüler*innen, Eltern sowie Lehrkräfte im Schulalltag psychologisch unterstützt. Die
Zielgruppe umfasst somit alle am Schulleben Beteiligten – von einzelnen Schüler*innen mit
Lern- oder Verhaltensproblemen bis hin zu ganzen Lehrer*innenkollegien in Fortbildung.
Hauptaufgabe ist es, junge Menschen dabei zu begleiten, ihren Schulbesuch erfolgreich und
gesund zu gestalten. Dazu bietet der Dienst individuelle Beratung bei schulbezogenen
Problemen (etwa Leistungsängsten, sozialen Konflikten oder Verhaltensauffälligkeiten) und
steht Schulen in Krisensituationen professionell zur Seite. Ein Schwerpunkt liegt auf
Prävention: Der Schulpsychologische Dienst schult Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte
in Themen wie Gewaltprävention, Krisenintervention und Mobbing/Cybermobbing. Im
Kontext der Medienpädagogik berät er zum Beispiel zum Umgang mit Cybermobbing,
exzessiver digitaler Mediennutzung und den psychischen Auswirkungen der digitalen
Lebenswelt auf Kinder und Jugendliche. Zudem wurde das Angebot der “Jugendberatung
digital” geschaffen, um Jugendliche auch online niederschwellig zu erreichen und
Unterstützung anzubieten. Durch Fortbildungen, schulinterne Workshops und Beratung trägt
der Dienst dazu bei, Medienkompetenz und einen verantwortungsvollen Medienumgang im
Schulkontext zu fördern und gleichzeitig Risiken wie “Mediensucht” oder Online-Konflikte
frühzeitig anzugehen. Insgesamt versteht sich der Schulpsychologische Dienst als Partner
für Schulen und Familien, um den Lern- und Lebensraum Schule – gerade auch unter
digitalen Vorzeichen – gesund und sicher zu gestalten.
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Meinungen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen
Die im Mai 2025 durchgeführte Online-Umfrage “Du lebst in Köln? Du bist gefragt”
macht deutlich: Junge Menschen in Köln nutzen digitale Medien nicht nur intensiv,
sondern auch reflektiert und wünschen sich vor allem mehr kreative, sichere und
unterstützende Angebote.
Aktuelle Mediennutzung: Am beliebtesten sind Social Media (73 %), Gaming (71 %)
und Streaming (61 %). Kreative und produktive Formate wie Audioproduktion (45 %),
Bücherlesen (35 %), Fotografie (24 %) oder Programmieren (22 %) werden ebenso
genutzt.
Interesse an neuen Medienformaten: Viele möchten kreative Angebote wie
Videoproduktion (49 %), Fotografie (39 %), Content Creation (33 %) und Coding
(29 %) ausprobieren – ein klares Potenzial für medienpädagogische Projekte.
Wünsche für Köln: Gefragt sind mehr kreative Medienangebote (56 %), aber auch
Unterstützung bei Mediensucht (44 %), Cybermobbing (31 %) und Cybergrooming
(29 %).
Nutzung von KI: KI wird vor allem für Textgenerierung und Informationssuche
genutzt. Kreative Anwendungen wie Musik- oder Bildgenerierung spielen aktuell eine
Nebenrolle.
Medienpolitische Ideen (“Wenn ich König*in von Köln wäre”):
● Schutz im Netz: Altersbeschränkungen, Mobbingprävention, Aufklärung zu
Cybergrooming
● Medienbildung: Mehr Informatik an Schulen, kostenlose Kurse, kreative
Lernorte
● Digitale Infrastruktur: Besseres WLAN, digitale Jugendzentren
● Gesellschaftliche Themen: Umweltschutz, Barrierefreiheit, Anti-
Desinformation
● Kreative Aktionen: Plakataktionen, virale TikToks zu gesellschaftlichen
Themen
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Zitate aus der Umfrage:
“Mehr Jugendzentren mit Gamingaspekt und Elterngespräche zur Aufklärung von
Cybermobbing und Cybergrooming”
“Besseres WLAN überall, billigere Kinos und mehr Orte wo man zusammen zocken
kann”
“Ich würde gerne Repair-Cafes eröffnen, wo jeder Sachen bauen und verändern
kann”
“Mehr Awareness im Umgang mit GenAI. ChatGPT & CO. zerstören den Planeten,
ersetzen kreative Jobs und nehmen vielen die Initiative zum selber Denken und
Schaffen.”
Die Umfrage "Medienangebote in Köln für Kinder und Jugendliche - 5 Fragen an
dich" wurde mit Surveymonkey erstellt und ab dem 19.5.-9.6.2025 in den sozialen
Netzen und Gruppenangeboten der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft §78 geteilt.
Eine detaillierte Auswertung wird nach Beendigung der Umfrage veröffentlicht.
Perspektiven und Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse der Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft §78 Medienbildung im
Februar 2025, an der über 50 Fachkräfte aus der Kölner Kinder- und Jugendarbeit
teilnahmen, verdeutlichen die zentrale Rolle Außerschulischer Medienbildung für die
Lebenswelt junger Menschen. Medienpädagogik ist längst kein optionales
Zusatzangebot mehr, sondern ein notwendiges Fundament zeitgemäßer
Jugendhilfe. Der digitale Wandel verändert Kommunikationswege, Sozialverhalten,
politische Teilhabe und Identitätsentwicklung. Ziel muss es sein, Medienbildung als
integrierten Bestandteil kommunaler Jugendförderung zu verstehen. Die Bedarfe, die
von den Fachkräften formuliert wurden, zeigen klar auf, an welchen Punkten die
bestehenden Strukturen weiterentwickelt werden sollten. Sie richten sich nicht allein
auf zusätzliche Mittel, sondern auf die Schaffung sinnvoller Rahmenbedingungen,
verlässlicher Koordinierung und fachlicher Unterstützung:
● Verlässlichkeit und Kontinuität: Fachkräfte und Träger benötigen stabile
Rahmenbedingungen, um langfristige Beziehungen zu jungen Menschen
aufzubauen. Verlässliche Angebotsstrukturen fördern nachhaltige Bindung
und Qualitätsentwicklung.
● Vernetzung und Koordination: Eine zentrale Anlaufstelle für
medienpädagogische Fachfragen, Technik, Methoden, Beratung und
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Qualifizierung ermöglicht effektive Ressourcennutzung und stärkt
trägerübergreifende Zusammenarbeit.
● Fachliche Weiterentwicklung: Die digitale Lebenswelt entwickelt sich
rasant. Um Schritt halten zu können, braucht es regelmäßige,
niedrigschwellige Fortbildungsangebote, digitale Sprechstunden,
Orientierungshilfen und Materialien für unterschiedliche Wissensniveaus.
● Nutzer*innenzentrierung: Jugendliche bringen konkrete Fragen und Themen
ein – von Social Media und Gaming über KI, Cybermobbing und
Desinformation bis hin zu Selbstdarstellung und digitaler Identität. Angebote
müssen diese Perspektiven ernst nehmen und aufgreifen.
● Innovationsfreude und Haltung: Fachkräfte benötigen Räume, um neue
Ansätze auszuprobieren, Unsicherheiten abzubauen und gemeinsam mit
jungen Menschen kreative Wege in der Medienbildung zu gestalten. Die
Förderung eines konstruktiven Umgangs mit vermeintlichen „Grauzonen“ ist
dabei ebenso wichtig wie Mut, Bildung neu zu denken.
Köln ist gut aufgestellt, was Expertise, Engagement und bestehende Strukturen
betrifft. Nun gilt es, diese Stärken strategisch zu bündeln und in einen kommenden
Kinder- und Jugendförderplan zu überführen. Medienpädagogik ist eine
Querschnittsaufgabe – sie berührt Bildungsprozesse, Jugendkultur,
Demokratiebildung, Teilhabe, Schutz und Empowerment. Eine gezielte Verankerung
in den Förderstrukturen der Stadt ist nicht nur zeitgemäß, sondern notwendig, um
der Lebensrealität junger Menschen gerecht zu werden.
Die Ergebnisse der Jugendbefragung im Mai 2025 machen deutlich, dass junge
Menschen in Köln nicht nur reflektierte Mediennutzer*innen sind, sondern klare
Vorstellungen davon haben, was sie brauchen: kreative Räume, Unterstützung bei
Risiken und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten. Sie wünschen sich Orte, an denen
sie mit digitalen Tools experimentieren und Inhalte selbst gestalten können - und
dabei begleitet werden. Gleichzeitig benennen sie wichtige Herausforderungen wie
Cybergrooming, Mediensucht oder den kritischen Umgang mit Künstlicher
Intelligenz, die nicht zuletzt auch von pädagogischen Fachkräften wahrgenommen
und aufgegriffen werden müssen.
Die Rückmeldungen von jungen Menschen sind mehr als nur Impulse. Sie zeigen
konkrete Handlungsbedarfe auf und bilden gemeinsam mit der Expertise der
Arbeitsgemeinschaft §78 Außerschulische Medienbildung eine belastbare Grundlage
für zukünftige Planngen. Die vorliegenden Handlungsempfehlungen verstehen sich
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daher als Impuls für Politik, Verwaltung und Trägerlandschaft, Medienbildung in Köln
strategisch weiterzudenken, weiterzuentwickeln und sichtbar zu stärken.
Jetzt gilt es, gemeinsam ins Handeln zu kommen: durch verlässliche
Förderstrukturen, mutige Praxisentwicklung und eine konsequente Verankerung
medienpädagogischer Prinzipien in allen Bereichen der Kinder- und
Jugendförderung. Nur so kann Köln seiner Verantwortung gerecht werden, Kindern
und Jugendlichen ein sicheres, kreatives und selbstbestimmtes Aufwachsen in der
digitalen Welt zu ermöglichen. Daher sind diese Handlungsempfehlungen als
Einladung zu verstehen, konkrete Schritte und Maßnahmen gemeinsam
weiterzuentwickeln.
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Impressum
AG §78 Außerschulische Medienarbeit
Stadt Köln - Die Oberbürgermeisterin
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Kinderinteressen und Jugendförderung
Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz
Ottmar-Pohl-Platz 1
51103 Köln
Geschäftsführung: Boris Graue
Kontakt: boris.graue@stadt-koeln.de
Sprecher: Markus Sindermann
Kontakt: sindermann@fjmk.de
Stellv. Sprecherin: Patricia Gläfcke
Kontakt: glaefcke@jfc.info
Fon:
Autor*innen:
Markus Sindermann, Harmen Koy, Boris Graue, Patricia Gläfcke
Redaktion:
Patricia Gläfcke, Boris Graue, Markus Sindermann
Redaktion Ressourcen u. Angebote:
Matthias Felling, Markus Sindermann, Charlotte Willach, Boris Graue, Patricia Gläfcke,
Daniel Heimbach, Vanessa Erdmann, Andreas Pauly, Gregor Mink, Harmen Koy, Yves
Sanwidi, Stephanie Engelmann
Umfrage:
Patricia Gläfcke, Daniel Heimbach
Lektorat:
Felix Dietz, Laura Hinzen, Christina Schäfer, Mara Schulze
Handlungsempfehlung für eine bedarfsgerechte,
außerschulische Medienbildung in der Stadt Köln
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Quellenverzeichnis
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Schröder, Richard (1995) Kinder reden mit! Beteiligung an Politik, Stadtplanung und
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Stadt Köln, Amt für Kinder, Jugend und Familie (2022-2025). Aktionsplan kinder- und
jugendfreundliches Köln, 13
Tulodziecki, G. (2010). Medienbildung in Schule und Unterricht: Grundlagen und
Beispiele. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Mitteilung Ausschuss
2312 Zeichen
Dezernat, Dienststelle IV/512/2 Vorlagen-Nummer 18.06.2025 2007/2025 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Jugendhilfeausschuss 24.06.2025 Gesamtstädtisches Medienkonzept für die Kinder- und Jugendförderung - Maßnahm e M 2.1. aus dem Kinder- und Jugendförderplan der Stadt Köln 2021-2025 In Umsetzung der Maßnahme M2, Einzelmaßnahme M 2.1. aus dem Kinder- und Ju- gendförderplan 2021-2025 der Stadt Köln legt die Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz der Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung ein ge- samtstädtisches Medienkonzept vor. Unter Federführung der Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz hat die Arbeitsgemeinschaft §78 Außerschulische Medienarbeit eine Handlungsempfeh- lung für eine bedarfsgerechte außerschulische Medienarbeit für alle Handlungsfelder gemäß §§11-14 SGB VIII erarbeitet, die hier vorab in einer Leseversion vorgelegt wird. Die Handlungsempfehlung basiert auf der Expertise der in der Arbeitsgemeinschaft §78 organisierten Träger, Einrichtungen und Initiativen mit besonderer medienpädago- gischer Kompetenz und Erfahrung. Das 25seitige Papier hebt die besondere Bedeutung von Medienkompetenz für alle Kölner Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hervor, vermittelt Grundlagen zur Erstellung medienpädagogischer Formate für alle Handlungsfelder der Kinder- und Jugendförderung und benennt Inhalte, Voraussetzungen, Aufgaben und Ziele zeitge- mäßer und bedarfsgerechter Medienarbeit. Zusätzlich gibt es einen Überblick über be- stehende Ressourcen, Angebote und Projekte. Neben der Erfahrung der beteiligten Akteur*innen aus der laufenden Arbeit basiert die Handlungsempfehlung auf umfang- reichen Situations- und Bedarfserhebungen, die sowohl durch eine offene Arbeitsta- gung als auch durch ein digitales Partizipationsverfahren ermittelt wurden und werden. Sobald eine derzeit noch laufende, digitale Beteiligungsform abgeschlossen ist, wird eine abschließende, in Satz und Grafik zeitgemäß gestaltete Version sowohl analog als auch digital veröffentlicht. Die Handlungsempfehlung erscheint im letzten Gültigkeitsjahr des aktuellen Kinder- und Jugendförderplans und versteht sich gleichzeitig als eine Empfehlung hinsichtlich seiner Fortschreibung für die Jahre 2022-2026. Gez. Voigtsberger
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2007/2025
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 18.06.2025
- Erstellt
- 16.06.2025 18:32