Sachstandsbericht Kulturraummanagement (KRM) - 04/2024
Mitteilung Ausschuss 2306/2024 vom 02.09.2024
Stand: Am 17.09.2024 im Ausschuss Kunst und Kultur beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Anlage 1 - Potenzialraumanalyse
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1 MAPPING IMAGINE CONNECTING THE CITY 3 2 MAPPING IMAGINE CONNECTING THE CITY POTENZIALRAUMANALYSE 5 4 INHALT 0. VORWORT 1. EINLEITUNG 1.1 ANLASS UND ZIEL DER STUDIE 1.2 METHODIK 2. ANNÄHERUNG 2.1 BEISPIELE AUS ANDEREN STÄDTEN 2.2 AUSGANGSLAGE IN KÖLN 2.3 CHARAKTERISTIK DES KORRIDORS 3. STADTRAUMANALYSE MAPPING THE CITY 3.1 MATRIX 3.2 POTENZIALRÄUME IM KORRIDOR 4. POP-UP NUTZUNGEN IMAGINE THE CITY 4.1 SZENARIO 2A 4.2 TANZSTUDIO 4.3 KULTURFESTUNG 4.4 BRACHIALE 0 5. NEUE WERKZEUGE CONNECTING THE CITY 5.1 RAUMAGENTUR 5.2 MONITORING 6. RESÜMEE 7. IMPRESSUM 6 8 10 12 14 14 16 22 30 32 36 46 56 58 60 62 66 68 70 74 78 7 6 VORWORT Das Kulturraummanagement wurde im August 2022 als Stabsstelle zum Schutz und für die Entwicklung neuer Kulturräume im Dezernat für Kunst und Kultur der Stadt Köln gegründet. Das Aufgabengebiet umfasst hierbei sowohl Bereiche, wo das KRM eine Rolle als Vermittler und Übersetzer einnimmt, als auch solche Aufgabenpakete, die von Beginn an neu aufgesetzt werden und mit großer konzeptioneller Vorarbeit und in enger Zusammenarbeit mit der Freien Szene und weiteren Akteur*innen realisiert werden. Bei vielen dieser Themen hat sich das Kulturraummanagement zur Aufgabe gemacht einen experimentellen Zugang zu entwickeln, um Projekte im Real- labor zu erforschen und hierbei Rückschlüsse auf den langfristigen Umgang mit dem Thema zu ziehen. Gerade die vielseitigen Anforderungen an eine Potenzialraumanalyse und die Komplexität der Transformation von Leerständen in Kulturräume zeigen deutlich, dass es hierfür keine direkt übertragbaren Blaupausen gibt. Der stetige interkommunale Austausch bestätigt dies und hat das Kulturraummanagement noch einmal darin bestärkt, das Thema Potenzial- raumanalyse mit den Mitteln eines Reallabors näher zu beleuchten. Gleichzeitig ist das Kulturraummanagement überzeugt, dass die Implementierung von Kunst und Kultur in die Stadtentwicklung nicht alleine gelöst werden kann, sondern grundsätzlich von Kooperationen mit anderen Partner*innen abhängig ist. Daher waren verschiedene Kooperationen mit der Freien Szene, der Wissenschaft, Interessenvertretungen und anderen Bereichen der Stadtverwaltung von Anfang an mitgedacht. Im Bereich der Potenzialraumanalyse entstand bereits im Winter 2022 ein erster Austausch mit der TH Köln und Prof. Yasemin Utku, um eine gemeinsame Forschungskooperation auszuloten. Eine konstante Potenzialraum- analyse für kulturelle Nutzungen ist ein Novum für die Stadt Köln, hier gibt es selbst in anderen Kommunen bis dato nur vereinzelt gute Erfahrungswerte oder gut funktionierende Konzepte. Was sind eigentlich Potenzialräume? Wo be昀椀nden sich diese in Köln? Wie können sie identi昀椀ziert, kartiert, imaginiert und schlussendlich an Akteur*innen vermittelt werden? Welche Räume und welche Typologien suchen wir? Wie sieht ein sinn- volles und ef昀椀zientes Vermittlungstool für Potenzialräume aus? Wie kommen wir grundsätzlich von der Identi昀椀kation eines Raums dazu, dass eine ausgewählte Akteur*in dort die kulturelle Nutzung aufnehmen kann? Um uns hier an das Thema anzunähern und Antworten zu 昀椀nden, wurde mit der Fakultät für Architektur der TH Köln eine gute Partnerin gefunden. In der Forschungskooperation sollten diese Fragen exemplarisch angegangen, mit externer interkommunaler Expertise versehen und anschließend immer wieder auch mit Akteur*innen aus der Freien Szene rückgekoppelt werden. Wir bedanken uns für die großartige Zusammenarbeit und Kooperation über die letzten drei Semester. Die generierten Inhalte und der Perspektivwechsel sind für das Kulturraummanagement eine produktive Handreiche, um das Thema Potenzialraumanalyse weiter bearbeiten zu können. Besonders wollen wir uns auch bei den zahlreichen Studierenden für ihre intensive Arbeit an Themen der Kulturräume in der Stadtentwicklung bedanken und hoffen, dass das Thema stets auch Spaß bereitet hat. Benjamin Thele, Leiter des Kulturraummanagements der Stadt Köln David Morsi, Urban Designer und freier Mitarbeiter im Kulturraummanagement Benjamin Thele Leiter des Kulturraummanagements der Stadt Köln „ZIEL DER KOOPERATION IST, DIE POTENZIALRAUMANALYSE FÜR KULTURELLE NUTZUNGEN ANHAND EINES KORRIDORS GEMEINSAM MIT DER SZENE UND DER TH KÖLN ZU ERFORSCHEN.“ 9 8 1. Das Spektrum der Räume ist mindestens ebenso groß wie die Optionen der kulturellen Nutzung. Es sind kleine und große Räume, offene und geschlossene Areale in und außerhalb von Gebäuden, öffentliche und private Orte, präsente und versteckte Räume mit und ohne Quartiersbezug. Räume, die kurz- oder langfristig nutzbar sind, Standorte, die (planungs-)rechtlich nur bestimmte Nutzungen zulassen oder aufgrund der Lage und/oder Ausstattung besondere Eignungen aufweisen. Eine Übersicht über die Vielfalt an Räumen und Nutzun- gen in Köln liegt bislang nicht vor. Ebenso ist die Dynamik der Entwicklungen nicht bekannt. Es ist unklar, wo Chancen oder Bedarfe für die Entwicklung von Räumen liegen oder wer welche Räume für kulturelle Aktivitäten sucht. Dies war Grundlage für die Potenzialraumanalyse in einem Kölner Stadtraum, die in einer Forschungskooperation der Fakultät für Architektur an der Technischen Hochschule Köln mit dem Kulturraummanagement der Stadt Köln im Zeitraum von April 2023 bis März 2024 durchgeführt wurde. In dem mehrstu昀椀gen Projekt mit intensiver Einbindung lokaler Akteur*innen aus der Kölner Kulturszene wurde ausgehend von dem Aufspüren und Sichtbarmachen von Potenzialräu- men, über das Bespielen und Inszenieren von ausgewählten Orten bis hin zur Erarbeitung von möglichen Werkzeugen zur Vermittlung möglicher Räume ein experimenteller und dynamischer Forschungsansatz mit einem breiten Metho- denmix verfolgt. Die vorliegende Dokumentation gibt einen Einblick in den Aufbau des Projektes und die Vorgehensweise. EINLEITUNG Stadträume sind in Bewegung. Sie werden bewegt von Menschen, die diese Räume nutzen, sie sich aneignen, weiterentwickeln und mit Inhalten au昀氀aden. Kulturelle und künstlerische Aktivitäten sind für die Entwicklung dieser Räume von besonderer Bedeutung. Doch um welche Räume geht es? Der Begriff Potenzialräume wird zur Beschreibung von Räum- lichkeiten, Immobilien und Frei昀氀ächen verwendet, welche von Akteur*innen aus der freien Kunst- und Kulturszene Kölns als Schaffensort genutzt werden. Dieser Personenkreis wird im Folgenden als Kulturproduzent*innen bezeichnet. 11 10 1.1 ANLASS UND ZIEL DER STUDIE Mit der Einrichtung der Stabsstelle Kulturraummanagement (KRM) im Dezernat für Kunst und Kultur der Stadt Köln im September 2022 rückte das Ziel, neue Wege für die Entwicklung von Kulturräumen auszuloten, wieder ganz nach oben auf die Agenda. Die Raumsituation für kulturelle Aktivitäten in Köln hatte sich in den letzten Jahren weiter zugespitzt und aufbauend auf dem städtischen Kultur- entwicklungsplan (KEP) von 2019 sollen konkrete Maßnahmen für die Sicherung und Erweiterung des Raumbedarfs der Kunst- und Kulturszene erarbeitet werden. Untersuchungen, wie die 2022 beauftragte Studie zur Integration von Kreativ- räumen und kulturellen Raumbedarfen in die Belange der Kölner Stadtplanung oder der Blick in andere Städte, die bereits über Strukturen der Kulturraum- vermittlung verfügen, bieten Anregungen für die Entwicklung eines „Tools“, mit dem in Köln gearbeitet werden könnte. Anhand von drei Beispielen – Bremen, Berlin, Nürnberg – wird deutlich, dass unterschiedliche Trägermodelle für die Sammlung, Aufbereitung und Vermittlung von Raumangeboten und Angebots- strukturen für die Kulturszene denkbar sind. In Köln engagieren sich bereits eine Vielzahl von Raumpionier*innen, die in immer wieder neuen Konstellationen, aber häu昀椀g mit ähnlichen Fragestellungen, auf der Suche nach Räumen sind oder Räume nur temporär nutzen können und langfristige Lösungen suchen. Eine Bestandsanalyse von Kulturräumen, die im Rahmen einer Veranstaltung des KRM von Studierenden durchgeführt wurde, zeigt, wie vielfältig das Spektrum kultureller Aktivitäten und Akteur*in- nenkonstellationen sein kann und dass Blaupausen keine Option sind. Daher stellen sich Fragen, wie beispielsweise die konkreten Raumbedarfe für kulturelle Nutzungen sichtbar gemacht werden können und wie eine Angebotsstruktur für Kulturräume in Köln aussehen könnte. Damit verknüpft sich auch die Frage, welche Akteur*innen einzubinden wären und/oder wer zuständig für ein solches Angebot wäre. Für die Bearbeitung der Zielsetzung des Projektes, Potenzialräume für kulturelle Aktivitäten zu identi昀椀zieren und Möglichkeiten der Vermittlung an Kulturproduzent*innen aufzuzeigen, wurde ein dreiphasiger Aufbau entwickelt. Dies war sinnvoll und erforderlich, um eine Präzisierung bzw. ein Nachjustieren der Fragestellungen zu ermöglichen. Mithilfe des beispielhaft von Kölner Kultur- produzent*innen gewählten Stadtraums entlang der Bergisch Gladbacher Straße, der einen Querschnitt von urbanen und dichten Stadtstrukturen mit hoher Nutzungsmischung bis hin zu vorstädtischen Wohngebieten und land(wirt)schaftlich geprägten Stadtbereichen abbildet, wurden Potenziale identi昀椀ziert, um die aufgeworfenen Fragestellungen nach Bedarfen und Angeboten für kulturelle Nutzungen konkret und anschaulich zu machen. Die Abkürzung KRM steht für das Team des Kulturraummanage- ments der Stadt Köln. Angesiedelt im Dezernat für Kunst und Kultur hat es die Aufgabe, sich um das Sichern von bestehenden Kulturräumen und Schaffung neuer Räume zu kümmern. 13 12 1.2 METHODIK Das Forschungsprojekt entwickelte sich in drei Etappen über den Zeitraum eines Jahres in kontinuierlichem Austausch mit dem Kulturraummanagement (KRM) wie auch mit Vertreter*innen aus der Kölner Kulturszene in wiederkehrenden Workshop-Formaten. IMAGINE THE CITY Konzeption und Erprobung von Pop-Up Nutzungen an ausgewählten Potenzialorten. Summer School für Studierende an Kölner Hochschulen CONNECTING THE CITY Seminar (Master) an der TH Köln Fakultät für Architektur Aufbereitung und Präzisierung der Forschungsergebnisse sowie Erarbei- tung von Workshops und Tools. Wintersemester 2023/2024 Wintersemester 2022/2023 Sommer 2023 MAPPING THE CITY Seminar (Bachelor) an der TH Köln Fakultät für Architektur Grundlagenermittlung und Entwick- lung einer Matrix, um Potenzialräume für kulturelle Nutzungen zu kategori- sieren. 1. Potenzialraumanalyse: Mapping the City Zu Beginn wurden die Maßnahmen und Absichten der Stadt Köln zur Förderung kultureller Aktivitäten sowie das Erfassen der Bedarfe von Kulturproduzent*in- nen zusammengetragen. Abgefragt wurden Tendenzen neuer Angebote und Services, die in der Kölner Kulturlandschaft zu beobachten, in Entwicklung oder in Abstimmung sind. Ziel war die Erarbeitung eines gemeinsamen Kenntnis- standes, um die Ausgangslage zu de昀椀nieren und Erwartungen an das Projekt abzugleichen. Basierend auf diesem Kenntnisstand wurden vergleichbare Formate zum Kölner Kulturraummanagement aus anderen Städten untersucht, um Impulse für einen strategischen Ansatz für die eigene Arbeit zu geben. Daraufhin folgte ein Monitoring relevanter Faktoren für mögliche Handlungs- ansätze. Ein für das Kölner Stadtgebiet exemplarischer Korridor ermöglichte die Feldforschung am konkreten Objekt und das Identi昀椀zieren von Potenzialräumen in einem abgesteckten Rahmen. In einer eigens erarbeiteten Matrix wurden die gefundenen Räume nach festgelegten Kriterien klassi昀椀ziert, um eine Ein- ordnung des jeweiligen Standortes, die Rahmenbedingungen und die mögliche Eignung sowie eine Vergleichbarkeit mit anderen Orten im Untersuchungsraum zu ermöglichen (s. Kap. 3.1). Anschließende fundierte Recherchen über die identi昀椀zierten Räume und Flächen dienten zur Veri昀椀zierung und Ergänzung der getroffenen Angaben. Der entstandene Datensatz stellte die Basis für die weiter- führenden Projektphasen dar. 2. Pop-Up-Nutzung: Imagine the City Darauf aufbauend stand die intensive Auseinandersetzung mit den konkreten räumlichen Potenzialen der Orte an. Über die temporäre Bespielung einzelner Potenzialräume mit 昀椀ktiven Nutzungsszenarien wurden versteckte Qualitäten anschaulich visualisiert und somit am physischen Objekt diskutierbar. Die expe- rimentelle Herangehensweise erweiterte das Spektrum der Analysen um die Möglichkeit der zufälligen Begegnungen mit Anwohner*innen aus dem direkten Umfeld und Passant*innen. In deren Folge ließen sich tiefgreifende Erkenntnisse über Nachbarschaft und mögliche Auswirkungen kultureller Aktivitäten auf die jeweiligen Viertel gewinnen. Hierbei zeigte sich der Unterschied zwischen der Analyse aus der Ferne und der Arbeit vor Ort: Einige aus der Ferne attestierte Potenziale erwiesen sich als unrealistisch, während andere durch die Arbeit vor Ort entdeckt wurden. 3. Neue Werkzeuge: Connecting the City Im letzten Schritt wurden die Forschungsergebnisse einer umfangreichen Re昀氀exion unterzogen und die Möglichkeit neuer Tools für die Sichtbarmachung und Vermittlung von Kulturräumen in Köln sowie dafür notwendige Rahmenbe- dingungen eruiert. Ziel war es, wirkungsvolle Entwicklungsansätze zu identi昀椀zie- ren, die die Vernetzung der relevanten Akteur*innen untereinander stärken und die bestehenden Potenziale zur Entfaltung bringen. Die Projektarbeit erfolgte vornehmlich innerhalb von studentischen Seminaren im Bachelor- und Master- studiengang Architektur. Während des gesamten Projektzeitraums haben die Projektpartner*innen und Vertreter*innen der Kulturszene mit der Teilnahme an diversen Beteiligungsformaten einen wesentlichen Beitrag in der Diskussion und Überprüfungen der (Teil-) Ergebnisse auf deren Praxistauglichkeit übernommen. 15 14 2.1 BEISPIELE AUS ANDEREN STÄDTEN In einigen deutschen Städten sind ähnliche Modelle zur Stärkung der Kulturlandschaft bereits gängige Praxis. Sie unterscheiden sich teils in ihrem Tätigkeitspro昀椀l wie auch durch ihren Organisationsaufbau. Entsprechend der örtlichen Ausgangslage bezüglich der Bedarfe und Verwaltungsstrukturen existieren von Stadt zu Stadt unterschiedliche Ansätze. Diese werden hier in Kurzform vorgestellt: ZwischenZeitZentrale Bremen Die ZwischenZeitZentrale Bremen ist ein seit 2012 bestehender, aus der Kultur- szene hervorgegangener Zusammenschluss von Akteur*innen zur Förderung der Bremer Kulturlandschaft. Die ZwischenZeitZentrale versteht sich als Vermittler zwischen den beteiligten Instanzen aus Eigentümer*innen, Verwal- tung und (potenziellen) Nutzer*innen. Das Leistungsspektrum beinhaltet eine ganzheitliche Begleitung während des gesamten Zwischennutzungsprozesses: Kulturproduzent*innen erhalten sowohl bei der Entwicklung des Zwischen- nutzungskonzepts Unterstützung als auch während der tatsächlichen Zwischen- nutzungsphase. Gleichermaßen stehen sie für interessierte Eigentümer*innen, die Räume zur Verfügung stellen möchten, als Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus nehmen sie auch aktiv Leerstände/Brach昀氀ächen innerhalb Bremens auf. Zu vermietender Leerstand wird in einer Online-Datenbank zusammengetragen und zur Nutzung angeboten. Während die Position als externe Auftragnehmer 昀氀exiblere Abläufe und Handhabungen gewährleistet, schafft dies jedoch gleichermaßen auch eine Distanz zu Genehmigungsgeber*innen und anderen Akteur*innen innerhalb der Stadtverwaltung. Kultur Räume Berlin Kultur Räume Berlin wurde 2020 gegründet. Es ist ein interdisziplinäres Bündnis aus der Freien Szene, Verwaltung, gemeinwohlorientierter Immobilienwirtschaft und der Kulturraum Berlin Gmbh. Angesiedelt ist Kulturaum Berlin GmbH bei einer landeseigenen Stiftung und ist somit eine Tochtergesellschaft der Stadt Berlin. Erklärtes Ziel ist es, „Arbeitsräume für die Freie Szene fortan in einem starken Netzwerk zu sichern“. Das Tätigkeitsfeld gliedert sich in fünf Themen- bereiche: die regelmäßige Erstellung von Bedarfserhebungen in Kooperation mit Kulturproduzent*innen, die Akquise und Anmietung von Objekten, Unter- stützung beim Aufstellen von Nutzungskonzepten für Nutzer*innen, die Ver- gaben von Räumlichkeiten an Kulturproduzent*innen wie auch deren Beratung im Prozess. Im Vergleich zur ZwischenZeitZentrale tritt die Kulturraum Berlin GmbH als Generalmieterin der Objekte auf und vermietet diese ihrerseits an Künstler*innen weiter. Über ein Raumportal lassen sich aktuelle Raumangebote einsehen. Alle Angaben zu den Objekten und deren Ausstattung sind in Form von Steckbriefen aufbereitet. Raumkompass Nürnberg Angesiedelt im Amt für Kultur und Sport, liegt der Raumkompass in rein städtischer Hand. Als reine Servicestelle für Eigentümer*innen und Kultur- produzent*innen agiert sie sowohl vermittelnd als auch beratend für kurz-, mittel- oder langfristige Vermietungen. Neben dienstleisterischen Tätigkeiten bietet die interaktive Online-Karte „Offspaces“ Raumsuchenden wie Raum- bietenden eine Plattform zur direkten bilateralen Kontaktaufnahme. Kultur hat einen hohen gesellschaftlichen wie auch wirtschaftlichen Wert. Zum Erhalt dieser und der Schaffung neuer Flächen und Räume ist das Tätigwerden der öffentlichen Hand unerlässlich. Es braucht neue Wege und Strategien, um die fortschreitende Verdrängung kultureller Nutzungen im Rahmen des Strukturwandels aufzuhalten. Die Probleme sind längst bekannt und kein Kölner Spezi昀椀kum. Also stellt sich die Frage, welche Maßnahmen bereits unternommen wurden, um die Entwicklungen abzumildern? Wie gehen andere Städte damit um? ANNÄHERUNG2. 17 16 2.2 AUSGANGSLAGE IN KÖLN Die Raumsituation für kulturelle Nutzungen hat sich auch in Köln in den letzten Jahren aufgrund steigender Mieten und mangelnder Angebote zunehmend zugespitzt – nicht zuletzt auch infolge der pandemiebedingten Einschränkungen. Auf verschiedenen Ebenen wurden hierzu bereits Strategien erarbeitet, wie dem Problem begegnet und die Kulturlandschaft innerhalb Kölns erhalten und gestärkt werden kann. Kulturentwicklungsplanung, 2019 Die Kulturentwicklungsplanung (KEP) ist ein Katalog aus Entwicklungsideen, der von über 300 Personen der Freien Szene, von städtischen Institutionen und der Kulturpolitik im Verlauf von 2017 bis 2019 erarbeitet wurde. Er ist eine Weiterführung der KEP-Vorlage von 2009. Mit dem Ziel, bestehende kulturelle Angebote zu sichern, wie auch das Erschließen neuer Räume für Kulturprodu- zent*innen aller Einkommensgruppen zu fördern, wurden konkrete Forderungen an Politik und Verwaltung formuliert. Eine wichtige Rolle dabei soll die stärkere Vernetzung innerhalb der Szene spielen. Es werden drei initiale Formate beschrieben, die die Umsetzung der festgesetz- ten Ziele anstoßen sollen. Neben der Initialisierung eines Preises für Popmusik und der Schaffung eines Kulturmarketings wird dort der Bedarf eines Kultur- raummanagements benannt. Aufgabe dieser Stabsstelle des Dezernats für Kultur und Kunst soll das Identi昀椀zieren von neuen Räumen für Kultur, die Erstellung eines Kulturraumkatasters bestehender Nutzungen und das Entwickeln eines Zwischennutzungsmanagements sein. Für die weiteren Schritte werden außerdem sechs Querschnittsaufgaben beschrieben, die künftig ressortübergreifend stärker berücksichtigt werden müssten: 1. Räume Kunst und Kultur braucht Platz 2. Vielfalt Kunst und Kultur für alle in einer Stadt für alle 3. Marketing Kunst und Kultur in der Öffentlichkeit 4. Digitalisierung Köln wird präsenter 5. Öffentliche Förderung mehr Geld für Kunst und Kultur 6. Beteiligung jeder soll mitmachen können 19 18 Studie zur Integration von Kreativräumen und kulturellen Raumbedarfen in die Stadtplanung, 2022 Die vom Architekturbüro Dewey Muller durchgeführte Studie beschäftigt sich mit der Untersuchung von raumbezogenen Maßnahmen, Instrumenten und Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung zum Erhalt und Entwicklung von kulturellen Nutzungen. Diese wurden, übertragen auf die konkreten Bei- spiele in Köln, auf Plausibilität überprüft. Grundlage ist ein Ratsbeschluss vom 06. Februar 2018, in dem die Verwaltung beauftragt wurde, Voraussetzungen zur „Sicherung und Integration von Kreativräumen im Rahmen einer integrierten Stadtentwicklung“ zu schaffen. In einem interkommunalen Arbeitsprozess zwischen mehreren deutschen Städten wurden die inhaltlichen Grundlagen für die Forschungsarbeit festgelegt. Dabei wurde der wirtschaftliche Stellenwert, den die lokale Kulturlandschaft erbringt, herausgestellt und die damit einhergehende Notwendigkeit nach politischem Engagement seitens der Kommunen zum Erhalt bestehender Angebote, wie auch zur Integration in künftige Planungsprojekte. Zusätzliche Förderprogramme und das Vorhalten von entsprechenden Flächen für preis- gedrosselte Räumlichkeiten müsse von der Stadt gewährleistet werden. Darüber hinaus braucht es, so die Studie, eine stärkere Kommunikation: Besonders mit Blick auf den Austausch zu bewährten Lösungsansätzen auf interkommunaler Ebene, wie auch intern zwischen den einzelnen Verwaltungsressorts. Die in der KEP beschriebene Einrichtung eines übergeordneten Kulturraummanagements wird aufgegriffen und deren besondere Stellung als Kommunikator für die Ent- wicklung von kulturellen Angeboten unterstrichen. Auch die Kulturszene könne durch den Zusammenschluss in Form von Interessenvertretungen einen wichti- gen Beitrag leisten, um Verhandlungs- und Planungsprozesse mit den Ämtern zu vereinfachen (z.B. bei Vermietung oder Förderung). Der Erfahrungsaustausch untereinander würde zudem die Ressourcen schonen und die Verhandlungs- position gegenüber der Stadt/Vermietern stärken. Seit der Gründung 2022 ist das Kulturraummanagement eine intermediäre Stabsstelle zwischen Verwaltung, Politik, Eigentümerinnen und der Freien Kunst- und Kulturszene Kölns. Angesiedelt im Dezernat für Kunst- und Kultur der Stadt Köln, hat die Stabstelle zum Ziel bestehende Kreativräume in der Stadtentwicklung zu sichern und gemeinsam mit Kooperationspartner*innen neue Kulturräume zu erschließen. Das Kulturraummanagement hat demnach ein aufwändiges und umfangreiches Arbeitsprogramm und eine explizite Vermitt- lungsrolle zwischen verschiedenen Akteur*innen der Kulturraumentwicklung und -sicherung (siehe Organigramm). Organigramm des Kulturraummanagements 21 20 Raumpionier*innen: Kulturelle (Zwischen-) Nutzungen in Köln Aufgrund der intermediären Rolle des KRM ist das Netzwerk, die Kenntnis der Bedarfe und Probleme und die Nähe zur Freien Kunst- und Kulturszene für die Arbeit ausschlaggebend. Hierzu veranstaltet das Team regelmäßige Dialog-, Konferenz-, Austausch-, Trialog- und Symposien-Veranstaltungen mit relevanten Akteur*innen der Kulturraumentwicklung und teilweise in Ko-Kuration mit Inte- ressenvertretungen. Im Rahmen eines Trialogformats des Kulturraummanage- ments im Dezember 2023, dem „Kulturraum-Symposium #1“, konnten einige Studierende der Fakultät für Architektur der TH einen eigenen Workshop-Tisch beitragen und in den Austausch mit Vertreter*innen der Kunst- und Kulturszene, der Verwaltung und Politik treten. Am Tisch der TH konnten Projekte aus der Kunst und Kulturszene ihre bereits vorhandenen Kulturräume in eine Matrix einordnen, die die Eigentumsverhält- nisse und den Projektstatus kartiert. Außerdem wurde die räumliche Verortung der Projekte in einer Karte festgehalten. Insgesamt haben sich etwa 25 Projekte verortet, sodass die Ergebnisse nicht repräsentativ für ganz Köln sind, sondern nur einen Ausschnitt darstellen. Zudem ist ein repräsentatives Ergebnis nur mit sehr großem Arbeitsaufwand möglich und bleibt stets ein temporärer Ausschnitt einer sehr dynamischen Szene. Die generierten Ergebnisse spiegeln jedoch ein klares Bild, ein sehr vielfältiges Spektrum von Kulturräumen in Köln wider. Darunter sind Kulturräume, die in große Stadtentwicklungsprojekte eingebet- tet sind, kleine Ladenlokale in Quartieren, Flächen in alt-industriellen Lagen, Gewerbe昀氀ächen, Ateliergemeinschaften, Clubs, Frei昀氀ächen, Umnutzungen von Werkstätten u.v.m. Die Bandbreite an kulturell genutzten Räumen scheint schier unendlich, da kulturelle Nutzungen sich scheinbar an jeglichen freien Raum anpassen. Ein klarer Anhaltspunkt ist jedoch die besondere Akkumulation von Projekten auf Flächen von Privateigentümer*innen – gerade bei gesicherten Kulturräumen und Zwischennutzungen. Die meisten Kulturräume be昀椀nden sich in Hand privater Eigentümer*innen, weniger Projekte sind auf städtischen Flächen verortet und nur punktuell in Hand Dritter. Dies lässt die einfachere und unbürokratischere Umsetzung auf privaten Flächen vermuten. Viele der anwesenden Projekte bezeichnen sich als einen gesicherten Kultur- raum, was gerade aus der Perspektive des Kulturraummanagements erfreulich ist. Ob der Status als gesicherter Kulturraum auch vertraglich und in Stadtent- wicklungsplanung festgeschrieben ist, bleibt hierbei jedoch offen. Gerade Zwischen- und Pioniernutzungen scheinen in Köln bis dato jedoch noch wenig vertreten. Dies ist womöglich auf die gering ausgeprägte „Kultur der Zwischen- nutzung“ bedingte Bereitschaft Zwischennutzungen zu ermöglichen und eine komplexe Gemengelage um die Genehmigungslage, solcher Projekte zurückzuführen. Die geringe Anzahl an Pioniernutzungen weist darauf hin, dass Kulturräume bis dato nur bedingt in die Stadtentwicklungsplanung einbezogen werden. Einige Projekte be昀椀nden sich noch in Entwicklung - gerade auch auf städtischen Flächen. In viele dieser Projekte ist das noch junge Kulturraummanagement verwickelt. Wie zu erwarten wurden auch einige Raumbedarfe kartiert, die eine ähnlich große Diversität an Anforderungen an den Raum darstellen – es bedarf an Produktionsorten als auch an Repräsentationsorten in unterschiedlichen Dimensionen. Das Spektrum der Raumbedarfe ist hierbei so vielseitig, dass sich keine klare Ideal-Typologie für Kulturräume ergibt, wobei die Dimension der Bezahlbarkeit, Erreichbarkeit, Nähe zum Zentrum und Langfristigkeit Einigkeit in die räumlichen Bedarfe bringt. Gerade jedoch lärmintensive oder andere nicht mit dichten Wohnlagen kompatible Kulturnutzungen haben große Raumbedarfe. Eine räumliche Konzentration in bestimmten Quartieren, lässt sich nur bedingt aus der Analyse der Studierenden identi昀椀zieren. Grundsätzlich zeigt sich jedoch keine klare Akkumulation über das Gesamtstadtgebiet. 23 22 Für das Kooperationsprojekt wurde, mit beteiligten Akteur*innen aus der Freien Szene, ein exemplarischer Forschungskorridor abgestimmt. Er erstreckt sich im rechtsrheinischen Köln, im Bezirk Mülheim, entlang der Bergisch Gladbacher Straße, vom Wiener Platz im Westen bis an die Stadtgrenze nach Thielenbruch im Osten. Im Süden wird dieser vom Bezirk Kalk 昀氀ankiert, im Norden schließt die Stadt Leverkusen an. Die Bergisch Gladbacher Straße verläuft durch die Stadtteile Mülheim, Buchheim, Holweide und Dellbrück. Sie stellt eine wichtige Einfallstraße von Bergisch Gladbach nach Köln dar. Dieser Korridor weist eine große stadträumliche Bandbreite auf: von urbanen Quartieren in Rheinnähe, vereinzelten Gewerbegebieten, über suburbane sowie nahezu rural anmutende Strukturen, bis hin zu 昀氀ächendeckenden Waldgebieten. 2.3 CHARAKTERISTIK DES KORRIDORS HOLWEIDE HOL WEIDE BUCHHEIM MÜLHEIM MÜLHEIM BUCHHEIM DELLBRÜCK DELLBRÜCK Der Begriff Korridor bezeichnet im Folgenden den exemplarischen Untersuchungsraum, der im Rahmen der Forschungskooperation in Zusammenarbeit mit beteiligten Akteur*innen aus der Freien Szene de昀椀niert wurde. 25 24 Die städtischen Quartiere, vornehmlich im Stadtteil Mülheim gelegen, zeichnen sich durch dichte Blockrandbebauungen aus. Mülheim ist der einwohner*innen- stärkste und einer der kulturell vielfältigsten Stadtteile Kölns. Im 19. Jahrhundert avancierte dieser zu einem überregional bedeutenden Industriestandort. Die historischen Produktionsstätten aus der Zeit existieren bisweilen noch heute und prägen besonders die an den Wiener Platz angrenzenden Quartiere. Der Wiener Platz ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt des rechtsrheinischen Kölns. Weiter stadtauswärts 昀椀nden sich zunehmend offenere Bebauungsstrukturen. Vereinzelte Gewerbenutzungen unterbrechen immer wieder die ansonsten vorwiegend von Wohnbauten geprägten Gebiete. Holweide und vor allem Dellbrück sind überwiegend von Einfamilienhaussiedlungen dominierte Stadt- teile. Entlang der Bergisch Gladbacher Straße reihen sich beidseits fast lückenlos Einzelhandel und Ladenlokale. Grün昀氀ächen 昀氀ankieren hier und da rückseitig die an der Bergisch Gladbacher Straße liegenden Reihen- und Mehrfamilienhaus- siedlungen. Gemäß den Raumbedarfen der Szene be昀椀nden sich besonders die stadtaus- wärts gelegenen Stadtteile außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Auch lässt sich hier bislang kein durch Gentri昀椀zierung begünstigter Strukturwandel beob- achten. Aufgrund seiner diversen Stadtstruktur kann der Korridor exemplarisch für das gesamte Kölner Stadtgebiet angesehen werden. Es wird angenommen, dass sich die Untersuchungsergebnisse somit auf andere Stadtteile übertragen lassen. Reihenhäuser entlang der Bergisch Gladbacher Straße, Dellbrück 27 26 Wohnbebauung Bergisch Gladbacher Straße / Mülheimer Ring Gewerbegebiet Bergisch Gladbacher Straße / Steyler Straße 29 28 Gründerzeitbauten im Blockrandverbund, Mülheim Reihenhäuser nähe Bergisch Gladbacher Straße, Holweide 31 30 STADT- RAUMANALYSE MAPPING THE CITY Mit der Frage nach dem Anforderungspro昀椀l von Räumen für kulturelle Aktivitäten geht die Frage nach den Bedarfen der Kulturszene einher. In einem vom KRM initiierten Workshop mit Kulturproduzent*innen wurde diese Frage diskutiert. Es entstand eine Art Zustandsbericht der Kölner Kulturlandschaft und deren akuten Bedürfnisse. Dieser wurde als Grundlage für die Projektarbeit übernommen. Eine wesentliche Erkenntnis war die Kausalität zwischen Raum und Nutzung: nämlich, inwieweit eine Nutzung konkrete Forderungen an den Raum stellt, bzw. andererseits Nutzungsideen erst bei Betrachtung eines ganz spezi昀椀schen Raumes denkbar werden. Daraus folgte die Notwendigkeit von einheitlichen Fragestellungen zur Vergleichbarkeit von Potenzialräumen untereinander und die Schaffung einer quali昀椀zier- ten Bewertungsgrundlage. In Anbetracht begrenzter Ressourcen konnte durch die Bewertungsgrundlage auch eine für den Arbeitsprozess und die anschließenden Resultate wichtige Priorisierung vorgenommen werden, welche Räume zuerst in eine weitere Quali昀椀zierung gehen sollen. 3. 33 32 3.1 MATRIX Zur Schaffung eines handhabbaren Rahmens und um mögliche Potenzialräume zueinander ins Verhältnis zu setzen, wurden diese zunächst typologisiert. Für die Analyse der Raumtypen wurde eine eigens entwickelte Matrix mit Kriterien herangezogen (s. S. 38 - 39). Neben allgemeinen Informationen zu Lage und Erreichbarkeit erfasst diese zusätzlich die individuellen (räumlichen) Spezi昀椀ka. Begleitet durch Recherchen zu eingangs nicht ersichtlichen Daten wie bspw. Eigentumsverhältnissen wurden die Angaben vervollständigt und vorläu昀椀g getroffene Annahmen veri昀椀ziert. In Form von Steckbriefen wurden die gesam- melten Informationen zu den jeweiligen Räumen zusammengetragen und veran- schaulicht. Sie bildeten später einen Katalog aller identi昀椀zierten Raumangebote im Untersuchungsraum. Eine wichtige Rolle im Prozess nahmen wiederkehrende Veranstaltungen zusam- men mit Vertreter*innen aus Kunst und Kultur sowie dem KRM ein. Sie dienten der Überprüfung von Zwischenergebnissen bezüglich deren Praxistauglichkeit. Anmerkungen wurden direkt in die Überarbeitung aufgenommen. Dem Wunsch der Kulturszene nach mehr Einbeziehung in die Projektarbeit wurde so versucht Rechnung zu tragen. Parallel hierzu wurden auf Erkundungsgängen Potenzialorte aus昀椀ndig gemacht und kartiert. Die Kartierung ergänzte den Datensatz um die räumliche Verortung innerhalb des Untersuchungskorridors. Das vermehrte Vorkommen von Poten- zialräumen in manchen oder deren nicht Existenz in anderen Gebieten ließ sich so erfassen und quanti昀椀zieren. Bild oben: Seminaristische Arbeit am Modell | Bild unten: Steckbrief - Entwurf der erarbeiteten Matrix 35 34 GSEducationalVersion Wiener Platz B 8 Schnellstr aße A.1 MUSTER ORT BESCHREIBUNGSTEXT Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. 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(Straßenbahn) AUSSTATTUNG voll ausgestattet KATEGORIE Verwaltung/Leerstand PERSPEKTIVE Temporär/Dauerhaft FLÄCHENNUTZUNGSPLAN Kerngebiet ENTFERNUNG WOHNBEBAUUNG > 50 Meter BESONDERHEIT direkte Nähe zum Muster Platz POTENZIELLE NUTZUNG Gastronomie, Atelier ungenutzt genutzt städtisch (verpachtet) öffentlich privat angebunden (Straße) angebunden (ÖPVN) temporär langfristig saisonal Denkmalaschutz Umweltschutz B-Plan in Bearbeitung B-Plan Barrierefreiheit bauliche Entwicklung Gesetzlicher Rahmen Verfügbarkeit Anbindung Eigentums- verhältnisse Nutzung geteilt gemischt alleinig Klein Mittel Groß urban suburban Gemeinschaft Wohnen Arbeiten Grün昀氀äche Versiegelt Brachland Wasser Strom ArtAusstattung Lage Größe Nutzungs- verhältnis 37 36 3. 2 POTENZIALRÄUME IM KORRIDOR Insgesamt wurden im Zeitraum April - Juni 2023 22 Potenzialräume identi昀椀ziert. Die Erhebung stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bildet lediglich eine subjektive Auswahl ab. Darunter be昀椀nden sich zehn Gebäude (rosa), sieben Frei昀氀ächen (gelb) und sechs Mischformen (blau). Im Folgenden werden vier Potenzialräume exemplarisch genauer betrachtet. Frei昀氀äche Gebäude Mischung aus Gebäude und Frei昀氀äche HOLWEIDE HOL WEIDE BUCHHEIM MÜLHEIM MÜLHEIM BUCHHEIM DELLBRÜCK DELLBRÜCK B.2 A.1 B.4 E.3 39 38 VERWALTUNGSBAU Dieser Verwaltungsbau der Stadt Köln, der sich südlich vom Wiener Platz in Köln-Mülheim be昀椀ndet, steht derzeit in Teilen leer und wird nicht genutzt. Die zentrale Lage des Gebäu- des bietet eine günstige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die Stadtbahn-Linien 4, 13 und 18 halten an der Haltestelle Mül- heim/Wiener Platz, ebenso einige Bus-Linien. Der Leerstand be昀椀ndet sich im nordöstlichen Bereich des Gebäudes und grenzt innerhalb der Erdgeschosszone an das Kundenzentrum Mülheim der Stadt Köln. Die daraus resultie- rende hohe Frequenz an Besucher*innen und die unmittelbare Nähe zu Verwaltungsdienst- leistungen könnte positive Auswirkungen auf eine zukünftige kulturelle Nutzung des Leer- stands haben. LAGE Wiener Platz 2a, 51065 Köln FLÄCHE ca. 3.330 m2 (Gesamt) ca. 300 m2 (Leerstand) EIGENTÜMER*IN Stadt Köln Tel.: 0221 / 221-0 ERREICHBARKEIT < 5 Min. (Straßenbahn) AUSSTATTUNG voll ausgestattet KATEGORIE Verwaltung/Leerstand PERSPEKTIVE Temporär/Dauerhaft FLÄCHENNUTZUNGSPLAN Kerngebiet ENTFERNUNG WOHNBEBAUUNG > 50 Meter BESONDERHEIT direkte Nähe zum Wiener Platz POTENZIELLE NUTZUNG Erdgeschoss: Gastronomie, Atelier GSEducationalVersion Wiener Platz B 8 Sch nellstraße A.1 WIENER PLATZ ungenutzt genutzt städtisch (verpachtet) öffentlich privat angebunden (Straße) angebunden (ÖPVN) temporär langfristig saisonal Denkmalaschutz Umweltschutz B-Plan in Bearbeitung B-Plan Barrierefreiheit bauliche Entwicklung Gesetzlicher Rahmen Verfügbarkeit Anbindung Eigentums- verhältnisse Nutzung geteilt gemischt alleinig Klein Mittel Groß urban suburban Gemeinschaft Wohnen Arbeiten Grün昀氀äche Versiegelt Brachland Wasser Strom ArtAusstattung Lage Größe Nutzungs- verhältnis 41 40 B.2 TANZSTUDIO INNENHOF UND TANZSAAL Dieser grüne Innenhof inmitten einer durch Gewerbe bespielten Parzelle, nahe mehrerer Wohnsiedlungen, wird bisher als Parkplatz genutzt. In Kombination mit den umliegenden ermittelten Potenzialorten bietet er vielseitige Nutzungsmöglichkeiten. Insbesondere ein angrenzender Tanzsaal, ausgestattet mit einer Spiegelwand und Parkettböden, der bereits jetzt durch den TSC Excelsior Köln e.V. zur stundenweisen Miete angeboten wird, ist hier zu nennen. LAGE Ackerstr. 144a, 51065 Köln FLÄCHE ca. 4.500 m2 (Grund gesamt) ca. 120 m2 (Tanz昀氀äche) EIGENTÜMER*IN TSC Excelsior Köln e.V. ERREICHBARKEIT ca. 280 m (Fußläu昀椀g 3 min) Bushaltestelle Mülheimer Ring AUSSTATTUNG 120 m² Tanz昀氀äche, 9m Spiegelwand KATEGORIE Innenhof / Mitnutzung PERSPEKTIVE Temporär FLÄCHENNUTZUNGSPLAN Gewerbegebiet ENTFERNUNG WOHNBEBAUUNG < 50 m BESONDERHEIT Keine Vermietung nach 16 Uhr POTENZIELLE NUTZUNG Yoga-space, Nachbarschaftstreff, Eventlocation, Probe- /Trainingsraum ungenutzt genutzt städtisch (verpachtet) öffentlich privat angebunden (Straße) angebunden (ÖPVN) temporär langfristig saisonal Denkmalaschutz Umweltschutz B-Plan in Bearbeitung B-Plan Barrierefreiheit bauliche Entwicklung Gesetzlicher Rahmen Verfügbarkeit Anbindung Eigentums- verhältnisse Nutzung geteilt gemischt alleinig Klein Mittel Groß urban suburban Gemeinschaft Wohnen Arbeiten Grün昀氀äche Versiegelt Brachland Wasser Strom ArtAusstattung Lage Größe Nutzungs- verhältnis 43 42 B.4 FORT XI EHEM. BEFESTIGUNGSANLAGE Das Fort XI, heute auf einer Grün昀氀äche nörd- lich der Piccoloministraße und westlich der Autobahn A3 gelegen, wurde zwischen 1877 und 1880 errichtet und steht derzeit leer. Der Standort ist ca. 15 Minuten fußläu昀椀g von der Stadtbahnhaltestelle Vischeringsstraße erreich- bar. Hier halten die Linien 3, 13, und 18 sowie die Buslinie 157. Ab 1990 wurden die Räume im Fort bereits für Jugendarbeit und als Probe- räume genutzt. Das Potenzial des im Grünen liegenden, eher abgeschotteten Standorts wurde damit in Vergangenheit bereits erkannt und genutzt. Es zeigte sich, dass der Ort für höher frequentierte und laute Nutzungen geeignet ist. LAGE Piccoloministraße 1, 51063 Köln FLÄCHE ca. 6.260 m² (Gesamtes) ca. 3600 m² (Leerstand) EIGENTÜMER*IN Stadt-Köln ERREICHBARKEIT < 15 Min. (Bus) KATEGORIE ehem. Festungsanlage, Denkmal PERSPEKTIVE Temporär/Dauerhaft FLÄCHENNUTZUNGSPLAN Grün昀氀äche ENTFERNUNG WOHNBEBAUUNG > 300 Meter BESONDERHEIT bereits Räumlichkeiten als Proberäume und für Jugendarbeit genutzt, steht unter Denkmal- und Landschaftsschutz POTENZIELLE NUTZUNG Außen: Veranstaltungen/ Sportl. Aktivitäten etc.; Innen ggf. Proberäume, Events M ü lheimer Ri n g Piccoloministr a ß e TC Mülheim Bahntrasse ungenutzt genutzt städtisch (verpachtet) öffentlich privat angebunden (Straße) angebunden (ÖPVN) temporär langfristig saisonal Denkmalaschutz Umweltschutz B-Plan in Bearbeitung B-Plan Barrierefreiheit bauliche Entwicklung Gesetzlicher Rahmen Verfügbarkeit Anbindung Eigentums- verhältnisse Nutzung geteilt gemischt alleinig Klein Mittel Groß urban suburban Gemeinschaft Wohnen Arbeiten Grün昀氀äche Versiegelt Brachland Wasser Strom ArtAusstattung Lage Größe Nutzungs- verhältnis 45 44 E.3 RADIUMWERKE BRACHFLÄCHE Diese ungenutzte, rechteckige Brach昀氀äche an der Radiumstraße grenzt an zwei Seiten an einen Parkplatz des Discounters ‚Aldi‘. Gegen- überliegend begrenzen östlich Gewerbe- bebauungen und südlich Gärten von Wohn- gebäuden das Gelände. Damit ist die Fläche bis auf ihren Zugang an der Radiumstraße vollständig umbaut. Für zukünftige Nutzungen sind baurechtliche Vorgaben aufgrund der Lage innerhalb eines Gewerbegebietes zu vermuten. LAGE Radium Str. 30, 51069 Köln FLÄCHE ca. 1.800 m² (freie Fläche) EIGENTÜMER*IN Privat ERREICHBARKEIT < 10 Min. (Straßenbahn) AUSSTATTUNG Baustellen ähnlicher Anschluss an Wasser und Strom KATEGORIE Brach/Frei昀氀äche, Gewerbe PERSPEKTIVE Temporär/Dauerhaft FLÄCHENNUTZUNGSPLAN Gewerbe昀氀äche ENTFERNUNG WOHNBEBAUUNG > 50m BESONDERHEIT Kann Fußkundschaft erreichen durch Lage neben Supermarktparkplatz POTENZIELLE NUTZUNG Ort für gemeinschaftliche Events/ Veranstaltungen, keine solo Nutzung ungenutzt geteilt genutzt gemischt städtisch (verpachtet) alleinig öffentlich Klein privat Mittel angebunden (Straße) Groß angebunden (ÖPVN) urban temporär suburban langfristig Gemeinschaft saisonal Wohnen Denkmalaschutz Arbeiten Umweltschutz Grün昀氀äche B-Plan in Bearbeitung Versiegelt B-Plan Brachland Barrierefreiheit Wasser bauliche Entwicklung Strom Gesetzlicher Rahmen ArtAusstattung Verfügbarkeit Lage Anbindung Eigentums- verhältnisse Größe Nutzung Nutzungs- verhältnis 47 46 POP-UP NUTZUNGEN IMAGINE THE CITY Die installative Aneignung von Raum hat die Möglichkeit Wahrnehmungswelten zu erzeugen und zusätzlich die im Vorhinein auf Grundlage einer Fernanalyse attestierten Potenziale auf deren Umsetzbarkeit zu prüfen. Hier fungiert Architek- tur als Medium für Interaktionen – sie stellt Fragen, macht diese haptisch wahr- nehmbar und eröffnet einen kulturellen Diskurs: Prozesse werden angestoßen, Menschen ermutigt sich in die Mitgestaltung ihrer Stadt einzubringen und ihr tägliches Lebensumfeld aktiv zu gestalten und zu hinterfragen. Dies kann nicht nur Auswirkungen vor Ort haben, sondern bis in die Verwaltungs- und politische Ebene wirken. In Absprache mit dem Kulturraummanagement wurden vier rele- vante Potenzialräume für das Projekt benannt, die innerhalb der Summer School exemplarisch bespielt wurden. Zur Teilnahme eingeladen waren Studierende aller Kölner Hochschulen und Fachbereiche. Den konzeptionellen Rahmen bildete eine 昀椀ktive Raumagentur, welche in einer angemieteten Laden昀氀äche inszeniert wurde. Diese griff in ihrem Erscheinungs- bild typische Elemente klassischer Maklerbüros auf und überspitzte diese künstlerisch, verfolgte inhaltlich jedoch einen gemeinschaftlichen, kooperativen Ansatz der Projektentwicklung. Die Gestaltung und die teils negativ konnotier- ten Assoziationen mit dem Ambiente von Maklerbüros sollten sowohl einen provokanten als auch spielerischen Ansatz einstreuen: Jeder Ort wurde bereits zu Beginn mit einer inszenierten (Werbe-) Tafel mit Verweis zu Projekt und Raumagentur versehen, die Schaufenster des Büros wurden im Laufe der Woche mit Steckbriefen zu den Potenzialorten bestückt – ähnlich der von klassischen Immobilienanzeigen. Aufbauend auf den Untersuchungsergebnissen des vorausgegangenen Projektabschnitts wurde in einer einwöchigen Summer School ein künst- lerisch-experimenteller Ansatz verfolgt. Dieser behandelte die Frage, wie die kulturellen Potenziale der zuvor kartierten Orte und Flächen aussehen könn- ten und wie sich diese in konzeptionellen Szenarien ausschöpfen ließen? 4. Konzeptskizze der Raumagentur Die Räumlichkeiten der Raumagentur dienten, neben der Sichtbarmachung der Summer School im Stadtbild, den Studierenden als Basis für die inhaltliche Arbeit. Morgendliche Treffen, gemeinsame Mittagessen, externe Inputs und Abendprogramme fanden hier statt. Von dort aus starteten die Teilnehmenden zu ihren Projektorten und in die Projektarbeit. Die Aufgabe der Teilnehmenden war es, in interdisziplinären Gruppen Visionen für die Potenzialorte zu entwickeln. Grundlage stellten die aufgearbeiteten Ergebnisse aus dem ersten Projektabschnitt dar. Zum Ende der Summer School wurde eine gemeinsame Tour durch den Korridor zu allen bearbeiteten Orten durchgeführt. Die jeweilige Gruppe präsentierte ihre Konzepte im Sinne einer inszenierten Vermarktungsveranstaltung für potenzielle Interessent*innen bzw. Entwickler*innen. 49 48 Eingang zur Summer School, Dellbrücker Hauptstraße Die Ausarbeitung der Visionen sowie die Art und Umfang der Abschlussprä- sentation (keine formalen Vorgaben) sollten dabei zusammen gedacht werden und ein in sich stimmiges „Produkt“ ergeben. Es war explizit gewünscht, dass die Gruppe vor Ort arbeitet und so die Öffentlichkeit auf ihr Projekt aufmerk- sam gemacht wird. Jeder Arbeitsgruppe stand ein*e Expert*in aus der Kölner Kulturlandschaft zur Verfügung. Die Beteiligung kultureller Akteur*innen an der Projektarbeit ist als kontinuierlicher kooperativer Prozess zu verstehen, der den gesamten Verlauf des Forschungsprojekts begleitete und Erfahrungen wie Kritik aller Projektbeteiligten miteinbezog. Zu Beginn der Summer School stand die Auseinandersetzung mit dem stadt- räumlichen Kontext. In einer geführten Wanderung durch den Korridor ging es darum die Wahrnehmung für die verschiedenen Quartiere und deren indivi- duellen Charakteristika zu schärfen, räumliche Zusammenhänge zu erkennen und die Teilnehmenden durch das Einnehmen neuer Perspektiven für den Ort zu sensibilisieren. Zur stärkeren Einbeziehung bestehender Kulturangebote in der direkten Nachbarschaft wurden Räumlichkeiten in einer im Korridor tätigen kulturellen Einrichtung, dem Bürgertreff 1006 e.V, für den Zeitraum der Summer School angemietet. Sie wurden als Ausgangspunkt für mögliche Synergieeffekte betrachtet, die die Anknüpfung zum Viertel unterstützen. Methodischer Aufbau Summer School 51 50 TIMELINE SUMMER SCHOOL 15.08 DIENSTAG 14.08 MONTAG 9:30 Gruppenarbeit mit Pat*innen - - - - - - - - - - - - - 13:00 Gemeinsames Mittagessen - - - - - - - - - - - - - 14:00 Gruppenarbeit mit Pat*innen + Input Hopping Expert*innen - - - - - - - - - - - - - 17:30 Impulsvortr äge #03 + 04 Gemeinsames Abendessen - - - - - - - - - - - - - Open End an der Bar 9:30 Gruppenarbeit mit Pat*innen - - - - - - - - - - - - - 13:00 Gemeinsames Mittagessen - - - - - - - - - - - - - 14:00 Gruppenarbeit mit Pat*innen - - - - - - - - - - - - - 18:00 Gemeinsames Abendessen Freiluftkino 9:30 Gruppenarbeit - - - - - - - - - - - - - 13:00 Gemeinsames Mittagessen - - - - - - - - - - - - - 14:00 Gruppenarbeit - - - - - - - - - - - - 18:00 Gemeinsames Abendessen - - - - - - - - - - - - - Open End an der Bar 10:00 Abschlusspräsenta- tion: Tour zu Potenzialorten #01 13:00 Picknick im Korridor Tour zu Potenzialorten #02 - - - - - - - - - - - - - 18:00 Ausstellung + Public Dinner - - - - - - - - - - - - - Open End mit Party 9:30 Begrüßung durch KRM und TH Köln Projekteinführung Einteilung Projektgruppen - - - - - - - - - - - - - 12:30 Stadtführung #01 Picknick im Korridor Stadtführung #02 Abendessen im Korridor - - - - - - - - - - - - - Open End an der Bar 9:30 Gruppenarbeit mit Pat*innen - - - - - - - - - - - - 13:00 Gemeinsames Mittagessen - - - - - - - - - - - - - 14:00 Gruppenarbeit mit Pat*innen - - - - - - - - - - - - - 17:30 Impulsvorträge #01 + 02 Gemeinsames Abendessen - - - - - - - - - - - - - Open End an der Bar 16.08 MITTWOCH 17.08 DONNERSTAG 18.08 FREITAG 19.08 SAMSTAG = in Raumagentur (@Bürgertreff 1006 e.V.) = an Potenzialorten 53 52 Geführte Tour durch den Korridor mit Boris Sieverts 55 54 “WIR WOLLTEN VIER PHASEN: KARTENREALITÄT, UTOPIE, REALITÄT UND REALUTOPIE ERFAHRBAR MACHEN UND DAS ABSCHLIESSENDE GEFÜHL NUN WIRKLICH DEN ENTDECKTEN ORT NUTZEN ZU KÖNNEN AUFZEIGEN.“ Hannes Soballa Student, TH Köln Fakultät für Architektur 57 56 4.1 SZENARIO 2A Verortung siehe Karte Seite 36 und 37 A .1 Wienerplatz Eine leerstehende Büroeinheit am Wiener Platz im Zentrum von Mülheim. Zu Beginn stand die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Umfeld des Ortes: Der Wiener Platz bildet das Zentrum von Mülheim, ein Stadtteil, dessen Migrationsquote mit 45,3 % (vgl. Statista 2021) beinahe viermal so hoch ist wie der Kölner Durchschnitt. Es handelt sich um ein Viertel, in dem viele Kulturen aufeinandertreffen und das in den letzten Jahren großen Zuwachs, gerade im Kreativbereich, erlebt. Trotz einer stark vertretenen Kreativbranche sind nur wenige Ausstellungsräumlichkeiten vorhanden. Dieser Mangel wurde zur Basis des Projekts „Szenario 2a“. Es zielte darauf ab, die zentrale Lage des Potenzial- orts, deren Nähe zu stark frequentierten Nachbarnutzungen und der daraus resultierenden hohen Frequenz an Besucher*innen vor Ort zu nutzen, um die leer stehende Büro昀氀ächen in eine 昀椀ktive eigenständig agierende Kunstgalerie mit Co-Working-Spaces (inklusive Gastronomie) zu transformieren. Auf zwei Etagen wurde das „Szenario 2a“ zu Schauplatz, Labor und Treffpunkt zugleich: Der Schauplatz würde die Sichtbarmachung der lokalen Kulturszene, fördern indem er Raum für Ausstellungen, Workshops und Performances bieten würde. Das Labor würde sich an lokale Kulturproduzent*innen und deren Arbeit richten, indem es einen Ort zur Vernetzung und des Austauschs bieten würde. Das dazugehörige Café würde als Ort der Begegnung fungieren. Es würde einen niederschwelligen Zugang zu den Räumlichkeiten ermöglichen, den kulturellen Austausch fördern und gleichzeitig eine einladende Atmosphäre am Wiener Platz schaffen. Neben der Ausarbeitung des Nutzungsszenarios wurde zudem ein ausführlicher Finanzierungsplan des sich zum Teil 昀椀nanziell selbsttragenden Projektes erarbeitet. So entstand ein umfassendes Konzept, das den unter genutzten Wiener Platz 2a in einen multimodalen Ort kulturellen Austauschs, kreativer Entfaltung und sozialen Treffpunkt transformierte. 59 58 4.2 TANZSTUDIO Der vorliegende Steckbrief wies den Potenzialraum zunächst als Tanzstudio mit einer als Parkplatz genutzten Frei昀氀äche aus. Bei genauerer Betrachtung stellten sich die örtlichen Gegebenheiten als deutlich komplexer heraus, als es die recherchierten Informationen vermuten ließen: ungeklärte Eigentumsver- hältnisse und Zuständigkeiten, ein jahrzehntealter (Tanz-) Verein, der mit dem Überleben ringt und eine aufgegebene, kurz vor der Entwicklung stehende Gewerbeeinheit. So verwandelte sich der ursprüngliche Plan einer temporären Intervention vor Ort in eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Erfahren von Potenzial- räumen. Die Gruppe entwickelte ein Schema in vier Phasen, die sie selbst beim Entdecken des Ortes durchlaufen hatten: Die „Kartenrealität“, ein Bild des Ortes beurteilt aufgrund reiner Recherche, die „Utopie“ als erste Vision beim Besuch des Ortes und die „Realität“ bei der intensiven Auseinandersetzung, verbunden mit einem zunehmenden Gefühl der Handlungsunfähigkeit. Das Schema schloss mit der „Realutopie“ ab. Sie stellte die tatsächlichen Spielräume und Einschrän- kungen dar, innerhalb derer sich der Aktionsradius des Projekts abspielte. Eine inszenierte Performance ließ die Besucher*innen diese vier Phasen selbst erleben. Grüppchenweise wurden sie, ähnlich einer Museumsführung, über das Gelände geführt. Aufsteller konfrontierten die Besucher*innen mit Fragen zur persönlichen Wahrnehmung des Ortes, gaben Informationen zur lokalen Geschichte und damit verbundenen Schicksalen preis. Über die zugewucherte Einfahrt, den verspiegelten Tanzsaal – 昀氀ankiert von einer Tanzeinlage – wurden die markanten Raumkon昀椀gurationen erschlossen. Letztendlich sammelte man sich in einem verwinkelten Innenhof zu einer gemeinsamen Re昀氀exion der Tour. So wurde ein Projekt, das mit der Begehung eines Tanzvereins begann, zu einer Verbildlichung des bewussten Wahrnehmens von Orten, deren Historie und der Menschen, die diese Räume prägen. Verortung siehe Karte Seite 36 und 37 B.2 Tanzstudio 61 60 4.3 KULTURFESTUNG Das Fort XI war Teil des 1886 fertiggestellten Festungsrings der Preußen zur Verteidigung gegen die Franzosen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es zurück- gebaut, nur die Kehlkaserne blieb bestehen. Im Verlauf der Geschichte diente sie als Luftschutzbunker, wurde von Pfad昀椀nder*innen als Gruppenunterkunft genutzt, war Diskothek, Tonstudio und Jugendtreff. Nun steht das Fort XI seit Jahren leer, das Gebäude verfällt und die Natur erobert das Gelände zurück. Die Logik des Fort XI, als abgeschotteter Solitär, gilt dem Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall. Zukünftig, so die Idee, sollte dieser als öffentlicher Raum für Begegnung und Austausch genutzt werden. Ziel war es, einen vielfältigen Ort zu schaffen, der durch eine Mischnutzung von Veranstaltungen, Gastronomie, Kooperation und Residency erneut belebt wird. Gerade die abgeschottete Lage des Geländes inmitten von Natur wurde als Qualität für lärmintensive Nutzungen im Außenbereich herausgestellt. Zusätzlich ließen die großzügigen Innenräume diverse Szenarien zu. Obwohl sich das Gebäude im fortgeschrittenen Verfalls- stadium be昀椀ndet, wären erste Maßnahmen ohne große Investitionen durchaus vorstellbar; eine prozesshafte Entwicklungsstrategie bildete sich heraus. Zur Visualisierung des Konzepts verwandelte die Gruppe den groß昀氀ächigen Außenraum temporär in eine Open-Air-Location. Mittelfristig ließe sich dieses Konzept tragfähig ausbauen. Über eine Vermietung der Veranstaltungs昀氀äche im Außenraum wäre ein wirtschaftlich agierendes Konstrukt abbildbar. Die Sanierung könnte parallel schrittweise erfolgen, die Einnahmen durch partielle Vermietungen würden in die weitere Instandsetzung 昀氀ießen. Ein Wohnmodell ergänzte das Nutzungsspektrum um eine wesentliche Komponente der Präsenz am Ort und der niederschwelligen, kontinuierlichen P昀氀ege des Innen- und Außenbereichs. Verortung siehe Karte Seite 36 und 37 B.4 Fort XI 63 62 4.4 BRACHIALE 0 Hinter einem ALDI-Parkplatz in Dellbrück, umgrenzt von Bauzäunen, liegt eine zugewucherte Brach昀氀äche. Aufgrund eines sich seit Jahren ziehenden Geneh- migungsverfahrens ist die Zukunft des Baugrunds ungewiss. Relikte aus der Vergangenheit des Ortes sind immer noch allgegenwärtig: aus seinen Anfängen als Gummifabrik sowie einer Siedlung für Zwangsarbeitende während des Zweiten Weltkriegs, als auch aus seiner jüngerer Vergangenheit als Abenteuer- spielplatz der Kindern aus der Nachbarschaft. Aus der Vielschichtigkeit des Ortes entstand das Konzept eines wandernden Kultur-Festivals, das ungenutzte Stadträume temporär bespielt und als Orte des kulturellen Austausches zwischennutzt - ausgehend von den örtlichen Ressour- cen und Gegebenheiten. Ein Autowrack verwandelte sich in ein Archiv, in dem Fotogra昀椀en vorgefundener Graf昀椀tis ausgestellt wurden. Eine alte Badewanne wurde zum Ausstellungssockel, alte Bauzäune zu einer Pop-Up-Galerie mit Bar umfunktioniert. Weithin sichtbar erinnerte ein aus Fundstücken gebauter Schornstein an die Historie des Ortes und zog gleichzeitig visuelle Aufmerksam- keit auf sich. Mit der „Brachiale 0“ wurde nicht nur Raum für Festivals geschaffen, sondern vor allem ein Format, das die Potenziale von brachliegenden Flächen und somit die gesellschaftspolitische Relevanz von Boden als wertvolles Gut in den Fokus rückt. Verortung siehe Karte Seite 36 und 37 E.3 Radiumwerke 65 64 Mona Gennies Patin Summer School, Montag Stiftung Urbane Räume "DIE SUMMER SCHOOL HAT WIEDER EINMAL GEZEIGT, WIE KLEINE INTERVENTIONEN DEN BLICK AUF SCHEINBAR ALLTÄGLICHE UND SEIT JAHREN ETABLIERTE SITUATIONEN VERÄNDERN KÖNNEN." 67 66 NEUE WERKZEUGE CONNECTING THE CITY Die Workshops und Diskussionen mit den beteiligten Akteur*innen haben die Vorteile einer stets aktuellen Potenzialraumanalyse klar benannt: „Die Suche nach Raumpotenzialen fordert Menschen dazu auf, sich mit ihrem Lebensumfeld auseinanderzusetzen und ermächtigt sie, es aktiv mitzugestalten: Als Wahrnehmende, Suchende nach Möglichkeiten oder als Ideengeber*innen (...). Potenziale zu erkennen kann eine Inspiration sein, die man als Identi昀椀kation verinnerlicht, als Wunsch formuliert oder durch die man sich selbst zum Handeln veranlasst sieht“ (Quartier^4 – Impulse für eine bedürfnisgerechte Quartiersgestaltung, S. 342). Akteur*innenge昀氀echt 5. Gleichzeitig hatte sich jedoch gezeigt, dass diese, aus nachvollziehbaren Grün- den, nicht einzig über ehrenamtliches Engagement geleistet werden kann. Eine Institutionalisierung der Aufgaben und Durchführung als Service allein durch städtische Hand ist kapazitär derzeit nicht leistbar. Bei einer zentralen Umsetzung über, beispielsweise, das Kulturraummanagement würde die lokale Expertise, die sich als ausschlaggebender Faktor in der Arbeit dieser Forschungskoope- ration erwiesen hat, außerdem in den Hintergrund rücken. Es sollte demnach als eine gemeinschaftliche Aufgabe von den beteiligten Akteur*innen gedacht werden. Anstelle der Überfrachtung eines einzelnen Formats wird das Angebot in der Breite angelegt. Über die Vernetzung einzelner, lokaler Kompetenzen und das Verteilen von Teilaufgaben auf viele Partner*innen soll die individuelle Belastung gering gehalten und zugleich der kooperative Prozess mit den Akteur*innen gefördert werden. 69 68 5.1 RAUMAGENTUR Dezentrale Anlaufstellen, sogenannte Raumagenturen (angelehnt an das bereits in der Summer School erprobte Format, s. S. 46) könnten in den Stadtteilen installiert werden. Dort würden die Raumangebote und Raumgesuche in einer Datenbank zusammengetragen werden. Sie stünden exemplarisch für kulturtrei- bende Akteur*innen, die aufgrund ihrer eigenen Arbeit gut in der Nachbarschaft vernetzt sind und sich aktiv für die Gestaltung ihres Viertels einsetzen. Diese Attribute würden sie zur Rolle als Filterinstanz zwischen Kulturproduzent*innen aus der Suche nach Räumlichkeiten und dem KRM befähigen. Angesichts der Tatsache, dass annähernd die Hälfte aller im Korridor identi- 昀椀zierten Potenzialräume „klein“ eingestufte Gewerbeeinheiten darstellen, die sich folglich ohne nennenswerten Aufwand vielseitig umnutzen ließen, wurde davon ausgegangen, dass der Anmietprozess bilateral, zwischen Vermieter*in und Interessent*in, erfolgen könnte. Hierbei müsste, je nach Lage, die Frage der 昀椀nanziellen Förderung zu einem späteren Zeitpunkt in die Überlegungen mit einbezogen werden. In der Vorbereitung dafür kämen die Raumagenturen ins Spiel. Mit ihrem lokalen Wissen wären sie in der Lage, Kontakt über Vermie- ter*innen in Erfahrung zu bringen oder Suchenden beratend zur Seite zu stehen. Vorhandenes Sozialkapital würde auf diese Weise ressourcenschonend zur Verfügung gestellt werden und zusätzlich das Gefüge innerhalb des Viertels stärken. Potenzialräume, die sich aufgrund ihrer Größe bzw. genehmigungs- technischer Komponenten nicht unmittelbar umnutzen ließen, würden von den Raumagenturen hingegen zur Betreuung an das KRM weitergeleitet werden. Erfolgreich vermittelte Kulturproduzent*innen würden sich künftig ihrerseits verp昀氀ichten, als Raumagent*innen aktiv zu werden. Als Pro昀椀teur*innen des Systems würden sie mit ihren Erfahrungen einen wichtigen Beitrag zu dessen Fortbestand leisten. Es wurde zudem angenommen, dass darüber bei den Akteur*innen vermehrt Anknüpfungspunkte untereinander entstehen würden, woraus sich potenzielle Synergieeffekte ableiten ließen und sich somit einen Mehrwert zur Entwicklung kultureller Angebote ergäbe. Kulturproduzent*innen* und alle diejenigen Bürger*innen, egal ob im kulturellen Bereich tätig oder nicht, die um Raum- potenziale wissen, diese aktiv suchen oder zufällig entdecken. Schematischer Aufbau der Raumagentur 71 70 5.2 MONITORING In einem weiteren Workshop mit Vertreter*innen aller Akteur*innengruppen sollte das Prinzip lokal agierender Raumagenturen auf seine Praxistauglichkeit überprüft werden (s. S. 72, 73). Der Runde Tisch Holweide, als ein im Korridor tätiger Akteur, nahm dabei prototypisch die Rolle der Raumagentur ein. Zur Entwicklung einer lebendigen Kulturlandschaft sind Information und Ver- netzung wichtige Faktoren. Über ein zusätzliches digitales Tool könnten Kultur- produzent*innen sich auf niederschwelligem Weg über Angebote informieren, aber auch über das Aufspüren von Leerständen aktiv mitgestalten. Diese Dualität von digitalen und analogen Angeboten würde einen vielseitigen Zugang zur Teilhabe und Identi昀椀kation im Viertel ermöglichen. Im Workshop zeigte sich, dass es im Weiteren einer Aushandlung der konkreten Tätigkeitsbeschreibung der Raumagenturen und deren Verhältnis zum KRM bedarf. Auf deren Basis ließe sich anschließend die Frage der Entlohnung für die zu erbringenden Leistungen diskutieren. Auch gilt es zu klären, welches Gremium die Raumagenturen benennen würde. Der Runde Tisch Holweide* ist ein loser Zusammenschluss von interessierten Bewohner*innen, die sich für die Entwicklung des Stadtteils und die Förderung von soziokulturellen Angeboten einsetzen. Bild oben: Vertreter des Runden Tisch Holweide, Willi Vögeli und Horst Kriebeler Bild unten: v.l.n.r. David Morsi, Jan Neumann, Yasemin Utku, Margrit Miebach, Meryem Erkus 73 72 Innerhalb des Workshops wurden verschiedene Fälle und Situationen, die sich bei der Vermittlung von Potenzialräumen ergeben können, beispielhaft durch- gespielt. Im Rahmen eines entwickelten Rollenspiels wurde die Wirksamkeit und Funktionsweise der Raumagentur, deren Verortung, Kompetenzausstattung und Akteur*inneneinbindung ausgelotet. Beispielhafte Darstellungen des Akteur*innenge昀氀echts und mögliche Vorgehensweise RAUMAGENTUR KULTUR- PRODUZENT*IN WENDET SICH AN DAS KULTURRAUMMANAGEMENT KULTURRAUM- MANAGEMENT ENDE 1 ENDE 1 EIGENTÜMER*IN WENDET SICH AN DIE RAUMAGENTUR VERWEIS T A UF DIE RA UMAGENTUR ... FINDET EIGENSTÄNDIG EINEN KLTURSCHAFFENDEN MIT RAUMBEDARF ... ERKUNDIGT SICH NACH KULTURPRODUZENT*INNEN MIT RAUMBEDARF ... FINDET GEEIGNETE KULTURPRODUZENT*INNEN FÜR EINE NUTZUNG ... STELLT IHR OBJEKT ZUR VERFÜGUNG Rollenspiel, Namensschilder + Rollenbeschreibungen / Spielkarten während des Workshops 75 74 6. RESÜMEE Der dreiphasige Aufbau des Projektes „Potenzialräume für kulturelle Aktivitäten in Köln“ hat sich nicht nur rückblickend, sondern auch während der Bearbeitung als hilfreich und sinnvoll erwiesen. So war es möglich, im Projektverlauf Anpassungen an zentrale Fragestellungen vorzunehmen. Eine wesentliche Annahme war zu Beginn des Projektes, dass es eine Art städtische Einrichtung braucht, die Räume für mögliche kulturelle Aktivi- täten koordiniert. Unklar war jedoch, um welche Räume es überhaupt geht, wie diese Einrichtung aussehen und gesteuert werden könnte und wer daran zu beteiligen wäre. Eine zentrale Schlussfolgerung aus dem Projekt bezieht sich auf mögliche und/oder erforderliche Organisationsstrukturen. Es zeichnete sich schon im Projektverlauf ab, dass es eine dezentrale Struktur für die Sichtbarmachung und Vermittlung von Potenzialräumen für kulturelle Nutzungen braucht, die in den Stadtteilen verankert ist und auf lokale Netzwerke und Kontakte zurückgreifen kann. Die Vernetzung Kulturproduzent*innenr, das „Connecting“, ist notwendig für die Kommunikation und den Austausch zu Räumen und Bedarfen. Hinzu kommt, dass eine Objektivierung der Räume sowie der Nutzungs- möglichkeiten und Bedarfe für ganz Köln kaum möglich ist und Angebote mit ihren Optionen vielfach einem subjektiven Emp昀椀nden unterliegen. Bereits bestehende Strukturen, wie beispielsweise Runde Tische, Stadtteilinitiativen oder die Sozialraumkoordinationsstellen können in den Stadtteilen und Stadtbezirken als Plattform und Raumagentur genutzt werden. Gerade ungenutzte kleinere Einheiten wie Ladenlokale oder kleine Werkstätten könnten auf kurzem Wege neuen Nutzungen zugeführt werden. Übertragbarkeit des Raumagentur-Modells auf ganz Köln Das Raumagentur-Modell Die Grundlagenerarbeitung mit dem „mappen“ eines beispielhaften Stadt- raums, also der Kartierung und „Registrierung“ von möglichen Potenzialorten für kulturelle Nutzungen in der ersten Projektphase war wichtig, um einen Überblick in das Spektrum möglicher Räume zu erlangen. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass eine Au昀氀istung von Räumen, deren Möglichkeiten und Rahmenbedingungen, ohne eine begleitende Kommunikation und Vernetzung von Akteur*innen zu einer gewaltigen Menge an Daten führen und einen hohen P昀氀ege- und Aktualisierungsaufwand nach sich ziehen würde. Gerade in einer Stadt wie Köln mit neun Stadtbezirken und über 80 Stadtteilen scheint es kaum möglich, einen dauerhaft aktuellen Stand der möglichen Potenzialorte für kulturelle Nutzungen sicherzustellen. 77 76 Pilotprojekte können aktivierend wirken, Impulse geben und die öffentliche Hand kann bei Bedarf unterstützen. Jeder Stadtteil kann mit seiner Raumagentur eigene Methoden und Verfahren für die Sichtbarmachung und Vermittlung von Kulturräumen entwickeln. Das städtische Kulturraummanagement fungiert als Ansprechpartner*in für stadtweite Fragestellungen sowie einzelne Vorhaben und ist Teil des Netzwerks der Raumagenturen. Eine weitere Erkenntnis aus dem Projekt bezieht sich auf die „Imaginierung“ von möglichen Potenzialorten. Es hat sich gezeigt, dass die explorative Feld- forschung eine entscheidende Grundlage für die Potenzialraumanalyse und damit für die „Entdeckung“ von Räumen für kulturelle Aktivitäten darstellt. Eine experimentelle Erprobung kann Optionen und Grenzen der Nutzungen aufzei- gen, Mitwirkung und Akzeptanz in der Nachbarschaft erzeugen und schließlich zu einer transparenten Ermöglichungskultur für kulturelle Aktivitäten in Köln beitragen. Dies hat auch das Projekt mitsamt der intensiven Einbindung zahlreicher Akteur*innen aus der Kulturszene Köln nachgewiesen. Die offene und unvor- eingenommene Mitwirkung von Kulturproduzent*innen in allen Phasen des Projektes, die Impulse und schließlich auch die kritische und konstruktive Re昀氀exion der Potenzialraumanalyse haben maßgeblich zum Ergebnis des Projektes beigetragen. Danke dafür. „EINE EXPERIMENTELLE ERPROBUNG KANN OPTIONEN UND GRENZEN DER NUTZUNGEN AUFZEIGEN, MITWIRKUNG UND AKZEPTANZ IN DER NACHBARSCHAFT ERZEUGEN UND SCHLIESSLICH ZU EINER TRANSPARENTEN ERMÖGLICHUNGSKULTUR FÜR KULTURELLE AKTIVITÄTEN IN KÖLN BEITRAGEN.“ Prof. Yasemin Utku Professorin für Städtebau, TH Köln Fakultät für Architektur 79 78 7. IMPRESSUM Mapping the City Hochschulsemester TH Köln Fakultät für Architektur Sommer 2023 Bachelor Leitung Jan-Philipp Neuer, Prof. Yasemin Utku Studierende Florian Nick Baumann, Tabea Eva Bender, Mark Bröring, Maya Dickhaus, Noris Milla Ermers, Egzona Grguri, Florian Hoelzer, Natalia Kaczmarczyk, Angela Kirch, Maja Kiskemper, Malik Knies, Silas Nathanael Kolb, Alina Olk, Tim Schleppegrell, Niklas Witt Geladene Gäste aus der Kulturszene Köln Meryem Erkus (KulturNetzKöln e.V.), Friederike Graben (BBK), David Nil Morsi & Benjamin Thele (Kulturraummanagement), Paulina Rduch (KLUBKOMM e.V.), Stefan Sturm (Quartiersmanagement Gladbach & Westend) Imagine the City Summer School August 2023 Studierende aller Hochschulen Kölns Leitung Studio Quack (Pauli Muszi, Jan-Philipp Neuer & Thomas Quack) Pat*innen Leonard von Brenndorf (noplace - Minha Galera), Leila Cheraghi (CO³ cologne contemporary concept), Mona Gennies (Montag Stiftung Urbane Räume), Konstanin Hehl (tunstadtmachen), David Nil Morsi (Kulturraummanagement) Urbane Stadttour Boris Sieverts (Büro für Städtereisen) Geladene Vorträge Constantin Alexander (Obsolete Stadt), Jan Neumann (Amt für Stadtentwicklung und Statistik), Jutta Pöstgen (Kunsthaus Kat18 Köln) Studierende Nima Alamolhoda, Monika Dietrich, Linda Grafers, Mona Hesselmann, Paula Hox, Leonie Paul, Katharina Pfeil, Johanna Schwärzler, Hannes Soballa, Verena Thimme Geladene Gäste aus der Kulturszene Köln Meryem Erkus (KulturNetzKöln e.V.), Friederike Graben (BBK), Jens Ponke (KLUBKOMM e.V.), Paulina Rduch (KLUBKOMM e.V.) Assistenz Felix Beuter, Clara Charlotte Grothkopp Chef de Cuisine Yüksel Demirci Logistische Unterstützung David Nil Morsi & Benjamin Thele (Kulturraummanagement), Markus Schorn Spontane Aufbauhilfe Philipp Geuenich Connecting the City Hochschulsemester TH Köln Fakultät für Architektur Sommer 2023 Master Leitung Jan-Philipp Neuer, Thomas Quack, Prof. Yasemin Utku Studierende Fela Philomena Bancken, Celia Segovia Barnert, Saliha Burçin Bozkurt, Jo Carmine Chirchietti, David Dauth, Feza Eren, Clara Charlotte Grothkopp, Kevser Gündogdu, Emanuel Hater, Lina Kasper, Daniela Martz, Finn Nelleßen, Olivia Lucy Maria Oelsen, Jonas Fridolin Radeke, Sascha Röhren, Carlotta Sandmann, Till Sebastian Sammetinger Geladene Gäste aus der Kulturszene Köln Heike Ander (Art Initiative Cologne), Meryem Erkus, Margrit Miebach, David Nil Morsi & Benjamin Thele (Kulturraummanagement), Jan Neumann (Amt für Stadtentwicklung und Statistik), Willi Vögeli & Horst Kriebeler (Runder Tisch Holweide) Bildnachweise Felix Beuter: S. 25, S. 26, S. 27, S. 28, S. 29 T Hollweck S. 48, S. 54, S. 57, S. 59, S. 61, S. 65 Pauli Muszi S. 71, S. 73 Larissa Schaffrath S. 33 Hannes Soballa S. 9, S. 81 Ein Projekt der TH Köln Fakultät für Architektur und des Kulturraummanagements in Zusammenarbeit mit Studio Quack Konzeption des Gesamtprojekts David Nil Morsi, Jan-Philipp Neuer, Benjamin Thele, Prof. Yasemin Utku Kulturraummanagement der Stadt Köln David Nil Morsi & Benjamin Thele TH Köln Fakultät für Architektur Jan-Philipp Neuer (WMA), Thomas Quack (LB), Prof. Yasemin Utku Redaktion Clara Charlotte Grothkopp, Pauli Muszi, Jan-Philipp Neuer, Thomas Quack Texte Clara Charlotte Grothkopp, David Nil Morsi, Pauli Muszi, Jan-Philipp Neuer, Thomas Quack, Benjamin Thele, Prof. Yasemin Utku Studierende des B.A. Seminar 2022/23, Studierende des M.A. Seminar 23/24, Teilnehmende der Summer School August 2023 Gra昀椀k Felix Beuter, Pauli Muszi, Thomas Quack Bildbearbeitung Felix Beuter, Pauli Muszi llustrationen Thomas Quack © 2024 TH Köln Fakultät für Architektur, Kulturraummanagment der Stadt Köln, Studio Quack, Autor*innen & Fotograf*innen -
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/VII/5 Vorlagen-Nummer 02.09.2024 2306/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 17.09.2024 Sachstandsbericht Kulturraummanagement (KRM) - 04/2024 Sachstandsbericht Kulturraummanagement / KRM - 03/2024 Im Rahmen der Sitzung des Ausschusses Kunst und Kultur am 28.11.2023 wurde da- rum gebeten, zukünftig, sowohl einen mündlichen, als auch schriftlichen Statusbericht der Projekte darzustellen, die vom Kulturraummanagement (im Folgenden KRM) be- gleitet werden. Zukünftig werden jeweils nur die Änderungen gegenüber dem letzten Bericht darge- stellt. Projekte: 1. Open Air Kultur Die Beschlussvorlage 1024/2024 wurde zusammen mit dem Konzept zwischenzeitlich fertig gestellt und in der Sitzung des Ausschusses für Kunst und Kultur am 30.04.2024 beschlossen. Seither konnte eine neue Kollegin gewonnen werden, die sich dezidiert mit dem Aufbau eines Beratungsangebotes beschäftigt. Überdies konnte ein regelmäßiger ämterüber- greifender Jour fixe zur Klärung von Fragestellungen zu konkreten Open Air Veranstal- tungen initiiert werden. Neben der Implementierung der wiederkehrenden Aufgaben wird weiter aktiv an der Erschließung neuer Open Air Flächen gearbeitet. Für 2025 wird bereits jetzt unter an- deren an der Erschließung der Freifläche vor dem Fort XI gearbeitet. Ende Juli 2024 konnte die neue Open Air Fläche auf dem Osthof der Hallen Kalk eröff- net werden. Für den Herbst 2024 plant das KRM zwei größere Runden mit Szene und Verwaltung, um das bisher Geschehene zu rekapitulieren und die Strategie für 2025 ff. anzupassen. Für die Open Air Saison 2025 kann dann von Beginn an das neue Bewer- bungsverfahren angewendet werden. 2. ZAMUS 2 Parallel zu den Verhandlungen um die Anmietung und den Umbau des jetzigen Stan- dortes in der Rheinlandhalle, hat das KRM insgesamt 17 mögliche Alternativstando rte mit dem ZAMUS geprüft, von denen zwei in die engere Auswahl gekommen sind. Der- zeit untersucht das KRM tiefergehend die Rahmenbedingungen für eine Erschließung dieser Standorte. Unabhängig davon wird geprüft, inwieweit sich neue Möglichkeiten auf dem Markt ergeben. Aktuell wird daher ein weiterer Standort in Ehrenfeld in die Prüfung einbezogen. 3. Ideeninkubator Viele Immobilien sind von Leerständen und/oder Zwischenphasen des Leerstands be- troffen und bieten damit Möglichkeiten für temporäre Nutzungen. D iese „Möglichkeits- fenster“ werden in Köln bis dato nur selten genutzt, obwohl es für alle beteiligten Par- teien große Potenziale bietet. Daher plant das KRM für den 02.10.2024 die Durchführung eines sog. Ideeninkubators für Investor*innen und Projektentwickler*innen. Hierfür kooperiert das KRM mit Transit- räume als Netzwerk für temporäre Immobilien-Konzepte bundesweit. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH und dem Kölner Kul- turrat e.V. realisiert. Durch einen unentgeltlichen Input von PricewaterhouseCoopers GmbH / PwC, Sustainability Assurance (Polina Kokotov), und Referenzprojekten aus anderen Städten sollen diese Potenziale für Eigentüm er*innen und Entwickler*innen aufgezeigt und Leerstände aktiviert werden. Bauvorhaben: 1. Delmenhorster Str. 20 Derzeit werden letzte Feinarbeiten am Gebäude durchgeführt. Ende Juli hat das KRM in Zusammenarbeit mit dem künftigen Untermieter „Quartier am Hafen“ Besichtigungen durchgeführt, die auf eine große Resonanz gestoßen sind. Über 100 Künstler*innen besichtigten die neuen Räumlichkeiten. Bis zum 05.08.2024 lief die aktuelle Bewer- bungsfrist – die übersandten Bewerbungsunterlagen werden aktuell geprüft. Derzeit ist eine zweite Bewerbungsphase bis zum 09.09.2024 geplant sowie ein weiterer Besich- tigungstermin. Es ist geplant, im September 2024 mit dem sukzessiven Bezug des Gebäudes zu be- ginnen. Sonstige Sachstände: Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln (TH Köln) Bei vielen Themen hat sich das Kulturraummanagement zur Aufgabe gemacht, einen experimentellen Zugang zu entwickeln, um Projekte im Reallabor zu erforschen und hierbei Rückschlüsse auf den langfristigen Umgang mit dem Thema zu ziehen. Beispielweise zeigen die vielseitigen Anforderungen an eine Potenzialraumanalyse und die Komplexität der Transformation von Leerständen in Kulturräumen deutlich, dass es hierfür keine direkt übertragbaren Blaupausen gibt. Der stetige interkommunale A us- tausch bestätigt dies und hat das Kulturraummanagement noch einmal darin bestärkt, 3 dieses Thema mit den Mitteln eines Reallabors näher zu beleuchten. Gleichzeitig ist das Kulturraummanagement überzeugt, dass die Implementierung von Kunst und Kul- tur in die Stadtentwicklung nicht alleine gelöst werden kann, sondern grundsätzlich von Kooperationen mit anderen Partner*innen abhängig ist. Unter dem Titel „Potenzialräume für kulturelle Aktivitäten in Köln – Mapping the City“ entstand bereits im Sommer 2023 ein e erste Kooperation mit der TH Köln und Prof.in Yasemin Utku. Eine konstante Potenzialraumanalyse für kulturelle Nutzungen ist ein Novum für die Stadt Köln, hier gibt es selbst in anderen Kommunen bis dato nur verein- zelt gute Erfahrungswerte oder gut funktionierende Konzepte. Was sind eigentlich Potenzialräume? Wo befinden sich diese in Köln? Wie können sie identifiziert, kartiert, imaginiert und schlussendlich an Akteur*innen vermittelt werden? Welche Räume und welche Typologien suchen wir? Wie sieht ein sinnvolles und effizi- entes Vermittlungstool für Potenzialräume aus? Wie kommen wir grundsätzlich von der Identifikation eines Raums dazu, dass Künstler*innen dort die kulturelle Nutzung auf- nehmen kann? Um uns hier an das Thema anzunähern und Antworten zu finden, wurde mit der Fakultät für Architektur der TH Köln eine gute Partnerin gefunden. In der weiteren Forschungs- kooperation sollten diese Fragen exemplarisch angegangen, mit externer interkommu- naler Expertise versehen und anschließend immer wieder auch mit Akteur*innen aus der Freien Szene rückgekoppelt werden. Gez. Charles Anlage
Beratungsverlauf
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17.09.2024
TOP 8.6, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
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