V/0661/2020
Beschluss des Rates der Stadt Münster vom 24.06.2020 "Missbrauchsfall unter die Lupe nehmen und Lehren daraus ziehen" zur Aufarbeitung des münsterschen Missbrauchskomplexes
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Anlage A
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Anlage A zur V/0661/2020 Kurzüberblick Mit der Vorlage soll das weitere Verfahren dargestellt werden, um aus dem Missbrauchskomplex in Münster zu lernen und im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses die identifi- zierten Verbesserungspotenziale für einen wirksameren Kinderschutz und eine bessere Präventi- on im Bereich des sexuellen Missbrauchs nutzbar zu machen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien richtet sein Handeln nach den zehn Amtszielen aus, die eine strategische und fachliche Orientierung für die Kinder- und Jugendhilfe in Münster darstellen; zum einen für die eigene praktische Arbeit der Fachstellen und Einrichtungen des Am- tes und zum anderen als Orientierung und gemeinsames Anliegen für die Förderung und Koope- ration mit den freien Trägern. Im Vordergrund dieser Vorlage steht das Amtsziel 4 – Schutz von Kindern und Jugendlichen „Wir wollen den Schutz von Kindern und Jugendlichen gewährleisten und sie künftig noch stärker vor schädlichen Einwirkungen bewahren.“ Finanzierung Produktgruppe: PG 0605 Erzieherische und wirtschaftliche Hilfen für Familien Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Diese Berichtsvorlage hat keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist x vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Maßnahmen des Kinderschutzes zählen zu den vollständig pflichtigen Aufgaben. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Keine unmittelbare Relevanz.
V-0661-2020-Anlage 2
3208 Zeichen
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Bahnhofstraße 9
48143 Münster
Tel. (0251) 45 314
Fax (0251) 511 750
www.spd-muenster.de
Änderungsantrag:
Missbrauchsfall in Münster unter die Lupe nehmen und Lehren
daraus ziehen
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
Münster steht seit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am 06.06.2020 im bundesweiten Fokus.
Wieder einmal ist in Nordrhein-Westfalen ein Missbr auchsfall an Kindern bekannt geworden. Jede
einzelne Tat ist abscheulich, macht fassungslos und muss rigoros aufgeklärt werden.
Der Rat dankt den zuständigen Behörden, die diese schrecklichen Taten aufklären und dafür sorgen,
dass eine umfassende Untersuchung dazu stattfindet. Zugleich stellt der Rat fest, dass die aktuellen
Ereignisse auch zur Diskussion über mögliche Konseq uenzen und weitere Maßnahmenkonzepte
anhalten müssen.
Es müssen Wege gefunden werden, wie künftig das Jug endamt diese Missbrauchsfälle möglichst
frühzeitig erkennen und die Kinder bestmöglich schützen kann. Schließlich erschüttert jeder einzelne
Fall auch das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern in die zuständigen Behörden. Hier dürfen wir
nicht wegsehen und müssen uns auch als Stadt die Fr age stellen, was wir besser machen können,
um Kindesmissbrauch zu verhindern.
Die Verwaltung wird daher aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln, wie potenziell von Missbrauch
gefährdete Kinder besser geschützt und begleitet we rden können. Eine solche Konzepterarbeitung
erfolgt unter Hinzuziehung aller relevanten Einrichtungen in Münster, die im Bereich der Kinder- und
Jugendhilfe tätig sind. Und sie erfolgt zeitnah, um eine zügige Aufarbeitung des aktuellen
Missbrauchsfalls in seinen Konsequenzen zu gewährle isten. Dabei sind insbesondere folgende
Aspekte zu berücksichtigen:
die direkte Ansprache der Kinder bzw. die regelmäß ige Kontaktaufnahme zu den
Kindern, statt lediglich Kontakt zu den Eltern zu halten
eine engmaschigere Betreuung von Familien mit Auff älligkeiten
Aufklärung der Kinder und Jugendlichen über Anspre chpartner*innen und
Hilfsangebote in den Schulen, Kitas, Jugendzentren, etc.
Erweiterung des Angebots an Anlaufstellen für Kind er und Jugendliche
Sensibilisierung und regelmäßige Weiterbildung von Fachkräften in Jugendamt,
Schulen, Kitas, Gesundheitsamt, etc.
Aufklärungskampagne über sexualisierte Gewalt für Kinder und Jugendliche in
Schulen, Kitas, Jugendtreffs und weitere Institutionen/Einrichtungen
Sensibilisierungskampagne für alle Bürgerinnen und Bürger
Die Verwaltung wird aufgefordert, ein solches Konzept kurzfristig bis zur nächsten Sitzung des Rates
im August 2020 zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.
24.06.2020
2
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Fraktion im Rat der Stadt Münster
Dr. Michael Jung Stephan Brinktrine Michael Da uskardt
Doris Feldmann Philipp Hagemann Marius Herwig
Dr. Cornelia Jäger Mathias Kersting Michael Kle yboldt
Marianne Koch Thomas Kollmann Gaby Kubig-Stelti g
Hedwig Liekefedt Mustafa Schat Anne Schulze Wi ntzler
Petra Seyfferth Ludger Steinmann Beate Vilhjalm sson
Maria Winkel
V-0661-2020-Anlage 1
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FDP-Ratsfraktion
Rothenburg 20/21
48143 Münster
Tel. 0251 - 987 30 60
Email: fraktion@fdp-ms.de
www.fraktion.fdp-ms.de
Münster, 24.06.2020
Antrag zur sofortigen Beschlussfassung – Dringlichkeitsantrag
Missbrauchsfall in Münster unter die Lupe nehmen und Lehren
daraus ziehen
Der Rat möge beschließen:
Münster steht seit dem Bekanntwerden der Missbrauch sfälle am 8.6.2020 im Fokus der
gesamten Nation. Wieder einmal ist in Nordrhein-Wes tfalen ein Missbrauchsfall an
Kindern bekannt geworden. Jede einzelne Tat ist abs cheulich und muss aufgedeckt
werden. Die vermutete professionelle technische Inf rastruktur zur Dokumentation und
Verbreitung dieser Widerlichkeiten machen genauso fassungslos und ekeln genauso an
wie jede einzelne Tat selbst.
Der Rat spricht insbesondere der Polizei und den mi t den Ermittlungen betrauten
Beamtinnen und Beamten seinen Dank für die geleiste te Arbeit aus und hofft, sofern
vorhanden, dass weitere Täter entdeckt werden. Unsere Gedanken sind vor allem bei den
Opfern dieser Tat, aber auch bei all jenen Kindern, die misshandelt und missbraucht
werden, ohne dass Behörden davon wissen.
Es ist vorbildlich, dass das Jugendamt und der Deze rnent frühzeitig die ihnen bekannten
Fakten zu dem Missbrauchsfall transparent an die Öf fentlichkeit gegeben haben. Nach
aktuellem Stand haben die städtischen Behörden kein Fehlverhalten zu verantworten.
Neben Fassungslosigkeit und Ohnmacht angesichts der Taten bleiben dennoch
drängende Fragen. Sofern von Seiten der kommunalen Behörde keine Fehler gemacht
wurden, müssen Wege gefunden werden, wie künftig da s Jugendamt solche Missbräuche
überhaupt und möglichst frühzeitig erkennen und Kin der engmaschiger schützen kann.
Gleichzeitig erschüttert jeder einzelne Fall auch d as Vertrauen der Bürgerinnen und
Bürger – nicht nur in Münster – in die Behörden.
Die Verwaltung wird daher beauftragt,
1. den Fallverlauf unter Begleitung externer wissensch aftlicher Expertise aufzuarbeiten
und daraus gegebenenfalls Empfehlungen für das zukü nftige Handeln abzuleiten. Dem
Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien ist über die Ergebnisse zu berichten.
- 2 -
2. einen Runden Tisch gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen als
Fachgremium einzurichten.
Das Fachgremium soll interdisziplinär zusammengeset zt sein: Vertreter*innen der
Jugendhilfe öffentlicher und freier Träger (Kinders chutzfachkräfte), Vertreter*innen von
Fachberatungsstellen wie Zartbitter und DKSB, Vertr eter*innen der Straf-
verfolgungsbehörden und Justiz, Vertreter*innen aus Schule und Gesundheitswesen (z.B.
Kinderärzt*innen, Kinder- und Jugendpsycholog*innen), Jugendhilfefachpolitiker*innen etc.
Der Runde Tisch hat die Möglichkeit, bei Bedarf externe Expertise einzuladen.
Auftrag dieses Fachgremiums wird sein, Kooperations - und Vernetzungsstrukturen zu
hinterfragen und neu zu denken, Handlungsfelder zu identifizieren und zu bearbeiten, die
Kooperation und Kommunikation an den Verbindungsste llen zu verbessern und
verbindliche, überprüfbare Absprachen zu treffen. Dem Ausschuss für Kinder, Jugendliche
und Familien ist über die Ergebnisse zu berichten.
Begründung:
erfolgt mündlich
gez.
Jörg Berens Stefan Weber Otto Reiners
und Fraktion und Fraktion und Fraktion
Berichtsvorlage
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V/0661/2020 V/0661/2020 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Beschluss des Rates der Stadt Münster vom 24.06.2020 "Missbrauchsfall unter die Lupe nehmen und Lehren daraus ziehen" zur Aufarbeitung des münsterschen Missbrauchskomplexes Beratungsfolge 19.08.2020 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Bericht: In seiner Sitzung am 24.06.2020 hat der Rat der Stadt Münster vor dem Hintergrund des münste r- schen Missbrauchskomplexes den Antrag z ur sofortigen Beschlussfassung der FDP -Fraktion, der CDU-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL „Missbrauchsfall unter die Lupe ne h- men und Lehren daraus ziehen“ sowie einen Ergänzungsantrag der SPD -Fraktion beschlossen. Da- mit wurde die Verwaltung beauftragt, 1. den Fallverlauf unter Beteiligung externer wissenschaftlicher Expertise aufzuarbeiten und da r- aus gegebenenfalls Empfehlungen für das zukünftige Handeln abzuleiten. Dem Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien ist über die Ergebnisse zu berichten. 2. Einen Runden Tisch gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen als Fachgrem i- um einzurichten. zu 1. Im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster gehört es zum Standard, Fallverläufe kritisch zu reflektieren und aus ihnen zu lernen. Natürlich wird insbesondere dieser Fall zum Anlass genommen, den Verlauf auf verschiedenen Ebenen der Verwaltung mit heutigem Blick nachzuvollzie- hen, und daraus Handlungsalternativen für die Zukunft zu entwickeln. Es muss unser Ziel sein, Ve r- besserungspotenziale im Bereich der Prävention sexuellen Missbrauchs und des Kinderschutzes zu identifizieren und Maßnahmen zur Weit erentwicklung des Handlungsfeldes auf allen Ebenen ausz u- arbeiten. Zur Vermeidung blinder Flecken werden hierfür sachverständige externe Experten diesen Prozess begleiten. Ziel ist es hierbei, exemplarisch aus dem damaligen Fallgeschehen für die Bewe r- tung z ukünftiger Gefährdungsmomente zu lernen. Die in dieser Auseinandersetzung gewonnenen Hinweise werden dann in der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Prozesses der „Fallbearbeitung bei Kindeswohlgefährdungen“ ihren Niederschlag finden. Als mögliche externe Experten für eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsfalls in Müns- ter wurde bereits das Institut für soziale Arbeit (ISA), unter Beteiligung des zum Vorstand des ISA gehörenden Prof. Christian Schrapper, angefragt. Im Fokus der Arbeit des ISA stehen der Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen, wozu sie seit Jahren, Verwaltungen, Freie Träger und Poli- tik beraten. Aktuell ist das ISA auch Mitglied der Kinderschutzkommission des Landtags NRW, die auf parlamentarischer Ebene die Interessenvertretung für alle Kinder und Jugendlichen in NRW sein soll und als Konsequenz aus den Missbrauchsfällen in Lügde gegründet wurde. Amt für Kinder, Jugendliche und Familien 08.07.2020 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Lütke Glanemann Telefon: 492-5600 LuetkeGlanemann@stadt- muenster.de - 2 - V/0661/2020 Zu 2. Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien plant aktuell die Einberufung eines Arbeitsgremiums, um die Kooperations- und Vernetzungsstrukturen im Kinderschutz neu bzw. umfassender zu beleuch- ten und konkrete Handlungsfelder einer zukünftigen Zusammenarbeit zu identifizieren. Hierfür ist die Beteiligung aller in Münster bereits am Kinderschutz beteiligten Institution en (öffentliche Jugendhilfe, Freie Träger, Fachberatungsstellen, Gesundheitswesen, Schule , etc.), politischen Vertreter sowie Staatsanwaltschaft und Polizei, vorgesehen. Die Expertise bereits vorhandener Gremien, wie z.B. des „Beirats der Kinderschutzambul anz“, oder auch des „AK - 8a der insoweit erfahrenen Fachkräfte“, könnte hierbei zur Findung einer Zielrichtung, der möglichen inhaltlichen Ausgestaltung sowie der notwendigen personellen Zusammensetzung genutzt werden. Aktuell werden im Landesjugendamt, a ufgrund der Initiative des Landes NRW im Nachgang zu den Missbrauchsfällen von Lügde, Fachberatungsstrukturen aufgebaut, welche die Freien Träger und die Jugendämter des Einzugsgebietes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Hinblick auf Vernetzungsstrukturen im Kinderschutz beraten und qualifizieren sollen. Diesbezüglich hat das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien erste Gespräche mit dem LWL g e- führt, in wie weit diese Fachberatungen die Gestaltung und Durchführung eines Runden Tisches g e- gen sexuellen Missbrauch begleiten und moderieren könnten. Hierzu werden weitere Gespräche fo l- gen. Zum weiteren Vorgehen und den erzielten Ergebnissen wird das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien in regelmäßigen Abständen dem Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien berichten. In Vertretung gez. Thomas Paal Stadtdirektor Anlagen: Anlage A Antrag der FDP-Fraktion, der CDU-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL „Missbrauchsfall unter die Lupe nehmen und Lehren daraus ziehen“ Ergänzungsantrag der SPD-Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (2)
- Bahnhofstraße 9
- Rothenburg 20
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Details
- Aktenzeichen
- V/0661/2020
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 30.07.2020
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37