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V/0254/2017

SPD Antrag an den Rat Nr. A-R/0044/2016 Anne Henscheid ehren, eine frühe Kämpferin für lesbische Frauen, eine vergessene Tochter unserer Stadt

Vorlagen 10.04.2017

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Nächste Beratung: Ausschuss für Gleichstellung, Sitzung am 30.05.2017, TOP 8

Beschlussvorlage

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a-r-0044-2016-Anne_Henscheidt

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Beschlussvorlage

7876 Zeichen

V/0254/2017 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Frauenbüro 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
SPD Antrag an den Rat Nr. A-R/0044/2016 Anne Henscheid ehren, eine frühe Kämpferin für 
lesbische Frauen, eine vergessene Tochter unserer Stadt 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
25.04.2017 Ausschuss für Gleichstellung Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
Die Stadt Münster bewahrt Anne Henscheid ein ehrendes Angedenken mit folgenden Maß-
nahmen 
1.  Das Stadtmuseum sammelt und dokumentiert Daten und Materialien über das Leben 
und Wirken von wichtigen Bürgerinnen und Bürgern Münsters. Eine Ausstellung wird 
ab 2018 ff vorbereitet und realisiert. Ggfs. können Exponate zu Anne Henscheid er-
worben werden. 
2.  Der Name Anne Henscheids ist aufgrund des Antrags in die Vorschlagsliste für Stra-
ßenbenennungen beim Vermessungs- und Katasteramt aufgenommen worden und 
wird zu einem geeigneten Zeitpunkt für eine Straßenbenennung verwendet. 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
 
Die benötigten Haushaltsmittel sind in der mittelfristigen Ergebnisplanung für das Jahr 2018 wie folgt 
veranschlagt: 
 
Teilergebnisplan 
 
 Nr. Bezeichnung Haush.- 
jahr 
Betrag 
€ 
Bemerkungen 
 
Produktgruppe 0405 Stadtmuseum 2018    
Zeile 16 Sonstige ordentliche Au f-
wendungen 
 700  
 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0254/2017 
Auskunft erteilt: 
Frau Arndts-Haupt 
Ruf: 
492 17 00 
E-Mail: 
ArndtsHM@stadt-muenster.de  
Datum: 
20.03.2017 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
V/0254/2017 
 
 
Begründung: 
 
Zu 1. 
 
Über das Leben der Westfälin Anne Henscheid (1945–2009) sind nur wenige Details bekannt – sie 
wurde 1945 in einem Dorf in Westfalen geboren und kam mit etwa 20 Jahren nach Münster. Doch 
lässt sie sich als Protagonistin der frühen Lesben-Bewegung in Deutschland fassen. Anne Henscheid 
arbeitete als Sekretärin in Münster und lebte offen lesbisch, was zu diesem Zeitpunkt viel Mut erfor-
derte. Sie gehörte zu den ersten und wichtigsten Akteurinnen der Lesbenbewegung in Münster und 
wurde auch überregional zu einer Schlüsselfigur. Anne Henscheid lebte später in Osnabrück und 
starb dort im Jahr 2009. Ein persönlicher Nachlass konnte nicht ermittelt werden. 
Unter der Voraussetzung, dass das Engagement Anne Henscheids für die Homosexuellen Bewegung 
im Mittelpunkt steht, lässt sich eine kleine Präsentation verwirklichen, die über die Präsentation des 
so wichtigen Interviews von Alice Schwarzer in der Brigitte und das Foto im Katalog des Stadtmuse-
ums „Die wilden Jahre“ aus dem Jahr 2008 hinausgeht. 
 
Anne Henscheid in der HSM und bei der ersten schwulen Demonstration Deutschlands  
 
Als sich im April 1971 an der Westfälischen Wilhelms-Universität die studentische Aktionsgruppe 
Homosexualität (HSM) gründete, wurde sie dort aktiv. Als einzige Frau unterzeichnete sie die Sat-
zung des HSM und war im siebenköpfigen Vorstand für die Frauengruppe zuständig. Anne Henscheid 
versuchte, lesbische Frauen zur Mitarbeit im HSM zu bewegen, was aber kaum gelang. 
 
Zum ersten Jahrestag seiner Gründung lud der HSM zu einer zweitägigen Veranstaltung nach Müns-
ter ein. Am 29. April 1972 versammelten sich etwa 200 Männer und einige Frauen vor dem Hauptge-
bäude der Universität und zogen durch die münsterische Innenstadt. Zahlreiche Fotos dokumentieren 
die Demonstrierenden und die Reaktionen münsterischer Bürgerinnen und Bürger auf diese erste 
schwule Demonstration in der Bundesrepublik. Ein Foto zeigt Anne Henscheid in Großaufnahme mit 
einem Protestplakat „Homos raus aus den Löchern“.  
 
Gründung der ersten lesbischen Gruppe in Münster 
 
Noch im Frühsommer 1972 verließ Anne Henscheid den HSM. Es gab anschließend noch Versuche, 
die „Frauenemanzipationsgruppe“ des HSM zu aktivieren, doch letztlich trennten sich die Wege der 
männlichen und weiblichen Homosexuellen Bewegung. Während sich die Schwulenbewegung zum 
Beispiel auf die Abschaffung des Paragrafen 175 konzentrierte, orientierten sich politisch aktive Les-
ben eher an der Frauenbewegung. Ihnen ging es um die Nichtdiskriminierung von lesbischen Frauen 
ebenso wie um die Emanzipation der Frau im Allgemeinen. Die Ereignisse in Münster spiegelten die 
Entwicklung dieser sozialen und politischen Bewegungen in der Bundesrepublik wider.  
Anne Henscheid vernetzte sich überregional und gründete im November 1973 zusammen mit fünf 
weiteren Frauen die Homosexuelle Frauengruppe Münster (HFM). Anfang 1974 trafen sich bereits 20 
Frauen regelmäßig. Im Jahr 1974 entstand das erste Frauenzentrum in Münster in der Magdalenen-
straße 9, in dem man sich regelmäßig traf, zwei Jahre später gab es ein neues Frauenzentrum in der 
Friedrich-Ebert-Straße 114. Von Anfang an informierten Rundbriefe die lesbische Community; 1975 
erschien erstmals als erste Publikation die „Lesbeninfo“. 
 
Deutschlandweites Outing von Anne Henscheid 
 
Aus ihrer Beziehung zu einer Frau, mit der sie auch zusammenlebte, machte Anne Henscheid im 
Privat- und Arbeitsleben kein Geheimnis. Als eine der ersten Frauen oder vielleicht sogar als erste 
Frau in der Bundesrepublik outete sie sich auch in den Medien. Dafür ließ sie sich von der Journalis-
tin Alice Schwarzer interviewen. Der Artikel „Die Heimlichtuerei macht einen kaputt“ erschien am 27. 
März 1975 in der „Brigitte“ mit dem Namen und einem Foto von Anne Henscheid. Das Outing in einer 
der auflagenstärksten und wichtigsten deutschen Frauenzeitschriften wurde in der Lesbenbewegung

- 3 - 
V/0254/2017 
als enorm mutig und wichtig angesehen. Alice Schwarzer veröffentlichte das Interview mit Anne Hen-
scheid in erweiterter Form auch in ihrem Buch „Der kleine Unterschied“.  
 
Die Stadt Münster und die HFM vor Gericht  
 
Im Mai 1975 beantragte die Homosexuelle Frauengruppe Münster (HFM) bei den zuständigen Stellen 
der Stadt Münster, einen Infostand in der Fußgängerzone aufstellen zu dürfen. Während die Geneh-
migung für die Verteilung von Flugblättern sofort erteilt wurde, lehnte das Liegenschaftsamt die Ein-
richtung eines Infostands ab („die Stadt kann derartige Informationen auf stadteigenen Plätzen nicht 
zulassen“). Im Sommer 1975 legte die HFM Widerspruch gegen diesen Bescheid ein und begnügte 
sich fürs Erste damit, Informationszettel in der Fußgängerzone zu verteilen. Wegen der Ablehnung 
des Infostands kam es am 20. August 1976 zu einem Prozess vor dem Verwaltungsgericht, den die 
HFM gewann. Daraufhin ging die Stadt Münster in Berufung, die vom Oberverwaltungsgericht am 29. 
November 1977 zurückgewiesen wurde. Im darauffolgenden Jahr konnte die HFM mit Genehmigung 
der Stadt einen eigenen Informationsstand in Münster aufstellen. 
 
 
Zu 2. 
 
Straßenbenennungen stehen derzeit nicht an. Es kann auch keine Aussage gemacht werden, wann 
und in welchem Stadtbezirk eine Straße nach Anne Henscheid benannt werden kann. Von daher ist 
das Vorhaben nicht zeitnah zu realisieren. 
Für Straßenbenennungen wird beim Vermessungs- und Katasteramt eine Vorschlagsliste geführt. Bei 
der Benennung neuer Straßen wird regelmäßig geprüft, ob ein Name aus der Vorschlagsliste ver-
wendet werden kann. Der Vorschlag für eine Straßenbenennung nach Anne Henscheid steht nun-
mehr in dieser Liste. 
Gleichwohl bemüht sich die Verwaltung eine geeignete Straße zur Benennung nach Anne Henscheid 
zu finden. Evtl. ergibt sich die Möglichkeit diese Straßenbenennung im Zusammenhang mit einer 
Straßenbenennung nach Rainer Plein (1948-1976, politisches Engagement für die Homosexualität in 
der Gesellschaft) in einem neuen Baugebiet oder in einigen Jahren mit neuen Nutzungen in der York-
Kaserne am Gremmendorfer Weg und der Oxford-Kaserne an der Roxeler Straße zu realisieren. 
 
Für die spätere Straßenbenennung entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. 
 
 
 
Gez. 
Markus Lewe 
 
 
 
Anlagen: 
 
SPD Antrag an den Rat Nr. A-R/0044/2016 
Anne Henscheid ehren, eine frühe Kämpferin für lesbische Frauen, eine vergessene Tochter unserer 
Stadt

a-r-0044-2016-Anne_Henscheidt

3049 Zeichen

Antrag an den Rat Nr. A-R/0044/2016  
 
SPD -Fraktion  
im Rat der Stadt Münster 
 
Bahnhofstraße 9 
48143 Münster 
Tel. (0251) 45 314 
Fax (0251) 511 750 
www.spd-muenster.de 
 
 
Anne Henscheidt ehren 
eine frühe Kämpferin für lesbische Frauen 
eine vergessene Tochter unserer Stadt 
 
Antrag an den Rat der Stadt Münster zur Verweisung an den 
Ausschuss für Gleichstellung 
Kulturausschuss 
 
 
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 
 
I.  Die Stadt Münster bewahrt Anne Henscheidt ein ehrendes Andenken. 
II.  Das Stadtmuseum wird gebeten, in geeigneter Weise das Leben und Wirken 
Anne Henscheidts zu erforschen und zu dokumentieren. 
III.  In der Stadt Münster wird ein geeigneter Platz oder eine Straße nach der 
Münsteranerin Anne Henscheid benannt. 
 
Begründung: 
 
Die Münsteranerin Anne Henscheid ist die Mitbegründerin der ersten westdeutschen 
Lesbengruppe.  
 
Im Jahr 1975 gibt sie der Journalistin Alice Schwarzer ein Interview für die Zeitschrift 
„Brigitte“ und tritt damit als erste lesbische Frau mit Foto und Namen in die Öffentlich- 
keit. In dieser Zeit erforderte ein solcher Schritt sehr viel Mut. Gleichgeschlechtliche Se- 
xualität wurde noch kriminalisiert, als „krankhaft“ bewertet. Es drohte die gesellschaftli- 
che Ausgrenzung. Anne Henscheid hat sich dem entgegengestellt und durch ihren 
Schritt einen wesentlichen Beitrag zur Emanzipation lesbischer Frauen und Homosexuel- 
ler geleistet. 
 
Seit dieser Zeit hat es viele – vor allem rechtliche Verbesserungen – gegeben. Ein wichti- 
ger Meilenstein ist zum Beispiel die rechtliche Annäherung von eingetragenen Lebens- 
partnerschaften und Ehe. Vorurteile gegen gleichgeschlechtliche Sexualität und auch 
gegen nonkonforme / nichtstandardisierte Geschlechtsidentitäten leben jedoch fort.  
 
Münster war schon früher ein wichtiger Ausgangspunkt für die Bewegung Homosexuel- 
ler. Im Jahr 1972 gab es hier die erste Demonstration für Schwulenrechte in der Bundes- 
05.10.2016

2 
 
 
 
republik Deutschland. Dieser Aspekt soll im Rahmen einer Ausstellung oder einer ande- 
ren geeigneten Darstellungsweise im Stadtmuseum dokumentiert werden. 
Diesem Anspruch sollte Münster gerecht werden. Die Benennung einer Straße oder ei- 
nes Platzes nach einer wichtigen Aktivistin der Frauen- und Homosexuellen-Bewegung 
würde nicht nur das persönliche mutige Engagement Anne Henscheids ehren. Münster 
kann damit gleichzeitig ein Zeichen setzen, um ein Klima von Toleranz und Akzeptanz 
gegenüber allen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten und unterschiedlichen 
sexuellen Orientierungen in der Stadt zu schaffen.  
 
 
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 
Fraktion im Rat der Stadt Münster 
 
Dr. Michael Jung   Thomas Fastermann   Doris Feldma nn 
Philipp Hagemann   Marius Herwig   Dr. Cornelia Jäg er 
Mathias Kersting   Michael Kleyboldt   Marianne Koc h 
Katharina Köhnke   Thomas Kollmann   Gaby Kubig-Ste ltig 
Hedwig Liekefedt   Anne Schulze Wintzler  Petra Sey fferth 
Ludger Steinmann   Beate Vilhjalmsson   Robert von Olberg 
     Maria Winkel

Beratungsverlauf (1)

30.05.2017 Ausschuss für Gleichstellung
TOP 8 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: mehrheitlich beschlossen

Zur Sitzung

Orte (4)

  • Friedrich-Ebert-Straße 114
  • Roxeler Straße
  • Bahnhofstraße 9
  • Gremmendorfer Weg

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Details

Aktenzeichen
V/0254/2017
Typ
Vorlagen
Datum
10.04.2017
Erstellt
06.10.2020 14:37