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AN/1054/2022

Ausstiegspfad aus Erdgas

Die Linke. Anfrage nach § 4 16.05.2022

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Nächste Beratung: Ausschuss Klima, Umwelt und Grün, Sitzung am 29.09.2022, TOP 1.3

Linke Anfrage nach § 4

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Linke Anfrage nach § 4

8040 Zeichen

Die Linke.-Fraktion · Postfach 103564 · 50475 Köln  
 
Oberbürgermeisterin 
Henriette Reker 
 
Ausschussvorsitzende 
Denis Abé  
 
Rathaus, Spanischer Bau  
 50667 Köln 
Postanschrift:  
Postfach 103564 · 50475 Köln  
Tel: 0221/221 -27840 · Fax: 0221/221-27841 
E-mail: DieLinke@stadt-koeln.de 
Fraktionsvorstand  
 
 
Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 16.05.2022 
AN/1054/2022 
Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates 
Gremium Datum der Sitzung 
Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 25.08.2022 
 
Ausstiegspfad aus Erdgas 
Sehr geehrte Frau Abé, 
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, 
bitte setzen Sie folgende Anfrage auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Ausschusses 
Klima, Umwelt und Grün: 
 
Ziel des Eckpunktepapiers „Eckpunkte einer nachhaltigen und dekarbonisierten Energieversorgung 
bis 2035“, das zwischen Klimawende Köln, der Stadt Köln und Rheinenergie ausgehandelt worden 
ist, ist eine vollständige Klimaneutralität von Rheinenergie bis 2035. In Anbetracht des Kriegs in 
der Ukraine, ist zu dem Ziel einer Minderung der Klimakatastrophe noch das Bestreben des 
schnellen Ausstiegs aus russischen Gas hinzugekommen. Das Gas anderweitig in vergleichbarer 
Menge schnell zu beschaffen, erweist sich als kaum möglich. Flüssiggas ist klimaschädlicher als 
Gas aus der Pipeline und Frackinggas ähnlich klimaschädlich wie Kohle. Dass Gas bei der 
Dekarbonisierung als Brückentechnologie fungiert, war bereits in der Vergangenheit umstritten, 
nicht zuletzt wegen des Methanschlupfs. Mittlerweile geht die Auffassung dahin, dass Gas als 
Brückentechnologie nicht mehr trägt. 
 
Das Eckpunktepapier enthält bei dem Handel mit Fremdstrom gute Ansätze aber für den selbst 
produzierten Strom gibt es wenige Ansätze zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, es sei denn, 
die Umstellung von Gas auf Wasserstoff. 
 
Rheinenergie hat 2019 ca. 5.157 GWh und 2020 ca. 4.726 MWh elektrischen Strom aus fossilen 
Brennstoffen in Köln produziert. (https://ratsinformation.stadt-
koeln.de/getfile.asp?id=862087&type=do) 
Vergleicht man diese Energiemenge mit dem gesamten Energieverbrauch von  Köln (sowohl die 
privaten Haushalte als auch die Industrie) kommt man auf einen Gesamtverbrauch von ca. 6.300 
GWh für 2015 (Entnommen aus der Energie- und Treibhausgasbilanz von 2018. 
(https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=678274&type=do&) 
 
Rheinenergie stellt so betrachtet, ca. 75 Prozent der Strommenge, die Köln verbraucht, zum 
allergrößten Teil in ihren Anlagen in Niehl und Merkenich her. Uns geht es hier nicht um die 
genaue Prozentzahl, sondern um eine Vorstellung der Menge von Strom die Rheinenergie in Köln

produziert zu gewinnen und den großen Einfluss, den Rheinenergie bei der Klimaneutralität von 
Köln hat darzustellen. 
 
Im Eckpunktepapier (https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=845902&type=do)  heißt 
es im Kapitel: Szenario 2 „Konzertierte Aktion“ auf Seite fünf viel folgt: 
„In Deutschland wird eine Wasserstoff-Infrastruktur aufgebaut und grüner Wasserstoff ab 2030 für 
den Einsatz im Bereich der Industrie (stoffliche Nutzung, Prozesswärmebereitstellung) sowie der 
Energiewirtschaft (insbesondere KWK-Anlagen) zur Verfügung stehen. Die im Jahr 2030 
einsetzbaren Mengen sind zunächst noch begrenzt, nehmen dann aber bis 2035 sehr deutlich zu 
und stehen dann nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen CO2-Preise auch konkurrenzfähig zur 
Verfügung.“ 
 
Die Vermutung liegt nahe, dass Rheinenergie bei der Transformation hin zu regenerativer Energie 
zu einem großen Teil auf grünen Wasserstoff setzt. 
Aber auch im Bundesministerium für Umwelt und Klimaschutz sieht man mittlerweile grünen 
Wasserstoff für die Erzeugung von Strom und Wärme, außer zur Überbrückung von Dunkelflauten, 
kritisch. In erster Linie soll grüner Wasserstoff für die Dekarbonisierung der Stahl- und Chemische 
Industrie zur Verfügung stehen. Wärmenetze sollen über Großwärmepumpen und mit Hilfe 
vorhandener industrieller Abwärme betrieben werden. 
 
Rheinenergie will laut Eckpunktepapier bis 2035 drei Großwärmepumpen mit einer Gesamtleistung 
von 180 MW und zwei Power-to-Heat Anlagen mit zusammen 160 MW errichten. Außerdem noch 
Solarthermie mit 5 MW, insgesamt also 345 MW. Das ist erfreulich. 
 
Aber eine der vielen Bedingungen von Rheinenergie für Szenario 2 lautet, dass mindestens 20MW 
pro Jahr an Fernwärme dazu gebaut werden. Das sind bis 2035 min. 260 MW. Damit wird ein 
großer Anteil der oben aufgeführten erneuerbaren Energien für den Zubau der Fernwärme 
benötigt. 
Die thermische Leistung beträgt zurzeit für Merkenich: ca. 285MW, für Niehl 2: 370MW und für 
Niehl 3: 265MW. In Summe sind das 920 MW. 
Dies kann RE mit dem, was sie an klimaneutraler Wärmeerzeugung dazu bauen will, nicht 
ersetzen. 
 
Experten gehen davon aus, dass ca. 5 bis 7 Prozent der benötigten Energie bei einem gut 
ausgelegten Wärmenetz über grünen Wasserstoff abgedeckt werden muss. Mit einem solchen 
Wärmenetz entfällt zum größten Teil die Kraft-Wärme-Kopplung. 
 
Aber ist es Ziel von Rheinenergie ihre Wärmenetze effizient zu betreiben oder setzt sie auch hier 
vor allem auf  Wasserstoff? 
 
Im Eckpunktepapier heißt es zu Szenario 1 (Seite 4): 
„Der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur kommt nur sehr langsam voran. Grüner Wasserstoff 
steht bis 2035 nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen versorgungssicher zur Verfügung. 
 
Quintessenz: 
Erneuerbare Energien: Der Ausbau Erneuerbarer Energien in Köln bleibt auf niedrige Niveau und 
erhöht sich gegenüber dem Trend der letzten Jahre nur geringfügig. PV-Freiflächenanlagen und 
Windenergieanlagen können aufgrund der bestehenden Hemmnisse nicht erschlossen werden. 
Fernwärme/KWK: Die RheinEnergie wird weiterhin fast ausschließlich Neubau-Quartiere an die 
Fernwärme anschließen, der große Bestand an Geschosswohnungsbau mit fossilen 
Einzelfeuerungen bleibt unberührt (Nettozuwachs < 10 MW/a). Erdgas wird der dominierende 
Energieträger in den KWK-Anlagen und somit auch für die Fernwärmebereitstellung bleiben. 
Einzelne EE-Wärmeeinbindungen (industrielle Abwärme, …) werden – soweit sie sich nach 
eingehender Prüfung als umsetzbar erweisen – realisiert.“ 
 
Bei all dem drängt sich uns die Frage auf, inwieweit Rheinenergie bei der Umstellung von Gas und 
Braunkohle auf grünen Wasserstoff setzt und damit auf das vielleicht falsche Pferd?

Durch die sogenannten Oster- und Sommerpakete aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und 
Klimaschutz wird sich die Förderlandschaft für Kraft-Wärme-Kopplung wahrscheinlich stark 
verändern. Eventuell muss sich Rheinenergie dann neu aufstellen. 
 
Weil die Zeit drängt, wollen wir bereits jetzt Fragen zur Dekarbonisierung von Rheinenergie stellen. 
Sollten einige der Fragen aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes nicht sofort beantwortet 
werden können, haben wir Verständnis dafür, dass die jeweilige Antwort unter Nennung des 
Datums der Beantwortung, zunächst verschoben wird. 
 
Unsere Fragen: 
 
1. Wie sieht der Ausstiegspfad für Erdgas bei der Strom- und Wärmeerzeugung aus? (Die 
Antwort hätten wir gerne tabellarisch nach Jahren gelistet, für die einzelnen Anlagen 
ausgewiesen, mit jährlicher Laufzeit, Verbrauch von fossilen Brennstoffen und dem Einsatz 
von regenerativer Energie und der Angabe welche Maßnahmen zur Umstellung der 
einzelnen Anlagen werden getroffen wurden/werden.) 
 
2. Bleibt es dabei, dass 2025 der Braunkohleblock in Merkenich abgeschaltet wird und am 
gleichen Standort in eine gasbetriebene GuD-Anlage investiert wird?  
(Die Antwort bitten wir zu begründen.) 
 
3. Von welchem Wasserstoffverbrauch in Köln geht Rheinenergie ab dem Jahr 2035 in etwa 
aus?  
(Bitte betrachtet vom heutigen Braunkohle und Erdgasverbrauch in Prozent und in 
absoluter Menge.) 
 
4. Muss sich die Stadt Köln darauf einstellen, dass die Rheinenergie durch gestiegene 
Energiepreise, eventuelle Engpässe bei Erdgas und dem Umbau hin zur Klimaneutralität, in 
den nächsten Jahren kaum noch Gewinne ausschütten wird? 
 
gez. 
Michael Weisenstein 
Fraktionsgeschäftsführer

Beratungsverlauf (1)

29.09.2022 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün
TOP 1.3 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: Sache ist erledigt

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
AN/1054/2022
Typ
Die Linke. Anfrage nach § 4
Datum
16.05.2022
Erstellt
16.05.2022 14:51