V/0446/2017
"Vertiefung: Münsters Kulturschaffende eröffnen Willkommensräume"
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Anlage2_Bericht_Willkommenskultur_Junges_Theater_Münster
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Anlage 2 zur Vorlage V/0446/2017 1 Bericht „Willkommenskul tur“: (Junges) Theater Münster 1. Was wird gemacht? Das Theater Münster hat neben verschiedenen einmaligen und mittelfristigen Angeboten erste positive Schritte zu einer langfristigen, strukturellen Arbeit mit und für Menschen mit Fluchtge- schichte unternommen. Diese baut auf den Erfahrungswerten der folgenden Projekte und Maßnahmen auf: • Mit Nimas e.V. und Jugendkunstschule: interkulturelle Reise, Vorstellungsbesuche, Führungen, TheaterMusikWerkstatt. • Flüchtlingsunterkunft Münzstraße: Besuche in der Einrichtung, wöchentlicher Theater- kurs mit geflüchteten Kindern zwischen 6 und 10 Jahren von Oktober 2016-März 2017. • Flüchtlingsklassen: z.B. Anne-Frank Berufskolleg und Geistschule: Probenbesuche, Workshops, Mitwirkung bei THEATER MACHT AAH! • Klausurtagung des Arbeitskreises der Kinder- und Jugendtheater NRW in Münster mit Schwerpunkt auf Theater für und mit Geflüchteten im November 2016. • Theater-Paten ermöglichen kostenlose Vorstellungsbesuche für Geflüchtete aller Al- tersgruppen. Für Projekte wie die MusikTheaterWerkstatt sowie die Kontaktaufnahme und Organisation rund um Veranstaltungen und Vorstellungsbesuche mit Einrichtungen für Geflüchtete aller Art (Wohnheime, Kitas, Schulen, Vereine) hat das Theater Münster bereits in der letzten Spielzeit eine zusätzliche Bundesfreiwilligendienststelle(BFD-Stelle) geschaffen. Diese fungiert als Ansprechpartner/-in und Vermittler/-in zwischen Einrichtungen und Theater und betreut die Teilnehmenden mit Fluchtge- schichten in den angebotenen Projekten. Die Stelle soll perspektivisch mit Geflüchteten besetzt werden. 2. Mit welchem Ziel? Wir wollen das Theater öffnen für alle Menschen in Münster. Die kulturellen Angebote sollen ohne Sprachbarriere für alle Menschen offen sein. Das Theater als Ort der Begegnung will dieses durch Workshops mit gemischten Gruppen und offenen Veranstaltungen für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung ermöglichen. Zur Bedarfsermittlung wird die Frage zu beantworten sein, welche Angebote wirklich gebraucht werden oder gewünscht sind. 3. Mit welchen Mitteln? Die Klausurtagung des Arbeitskreises der Kinder- und Jugendtheater NRW in Münster konnte mit Fördermitteln des Landes NRW realisiert werden. Das Projekt „MusikTheaterWerkstatt“ wird aus Mitteln des Bundesprogramms „Kultur macht stark“ sowie über „Wege ins Theater“ von der deut- schen ASSITEJ gefördert. Die Finanzierungswege für die verschiedenen Angebote werden weiter ausgebaut. 4. Mit welchem Ergebnissen und Erfahrungswerten (auch Hindernissen / Barrieren)? Bei der vom Land geförderten Klausurtagung des Arbeitskreises der Kinder- und Jugendtheater NRW in Münster mit Schwerpunkt auf Theater für und mit Geflüchteten im November 2016 ergab sich der Wunsch nach einer längerfristigen Schulung von Theaterpädagog/-innen des Theaters sowie Freischaffenden durch Experten/-innen wie die Theatermacher/-innen vom boat people pro- jekt. Aktuell befindet sich das Theater in der Auswertung des ersten Theaterkurses für geflüchtete Kinder in der Unterkunft Münzstraße, bei der sich ebenfalls der Bedarf an gezielter Schulung ab- Anlage 2 zur Vorlage V/0446/2017 2 zeichnet. Das Theater ist interessiert, eine solche regelmäßige Förderung in seinen Räumen an- zubieten. Die „MusikTheaterWerkstatt“ wurde ebenfalls mit den Workshopleiter/-innen ausgewertet. Auf- grund der positiven Erfahrungswerte wurde im Sommer ein neuer Förderantrag gestellt, so dass im Falle der Bewilligung eine zweite Werkstatt im Herbst 2017 realisiert werden kann. Die Ansprache der Menschen mit Fluchterfahrung ist für alle Theater-Akteure eine Herausforde- rung. Gleiches gilt für den Aufbau von Kontakten. Aufgrund der Lebenssituation ist eine Kontinuität oder Verbindlichkeit in der Beteiligung erschwert; es werden eher kurze und einzelne Angebote wahrgenommen. Diesem Umstand wird bei der Konzipierung der Angebote Rechnung getragen. 5. Mit welchen Perspektiven? Langfristig und grundsätzlich sollen Angebote für Geflüchtete geschaffen werden. Diese Angebote werden sich zugleich an nicht Geflüchtete richten, so dass Austausch und Miteinander Normalität haben. 6. Mit welchen offenen Fragen, Bedarfen, Anregungen, Notwendigkeiten…. ? Um eine bessere Vernetzung mit Einrichtungen für Geflüchtete bzw. eine bessere Kommunikation über Bedürfnisse der Geflüchteten zu erreichen, sollten die genauen Interessen und zeitlichen Ka- pazitäten eruiert werden. • Ziel ist zum einen eine bessere Vernetzung und Austausch mit anderen Anbietern von kulturellen Angeboten für Geflüchtete. • Die gezielte Vernetzung mit geflüchteten Künstlern/-innen (Informationen, ob und wo diese in Münster leben, werden eruiert) ist das weitere angestrebte Ziel.
Anlage4_Bericht_Willkommenskultur_Kreativhaus_Münster
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Anlage 4 zur Vorlage V/0446/2017 1 Bericht „Willkommenskultur“: Kreativhaus Münster 1. Was wird gemacht? BildungsBeziehungen ist ein Kooperationsprojekt des LAAW NRW (Landesverband für andere Weiterbildung), des Weiterbildungsnetzwerkes WiM (Weiterbildung in Münster), der Fachhochschule Münster und der Weiterbildung im Kreativ-Haus. Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW. BildungsBeziehungen läuft seit September 2016 und endet voraussichtlich im Dezember 2017 Im Jahr 2015 hat sich die Zahl der im Münsterland lebenden Flüchtlinge verdreifacht. Nun steht vor allem die Frage im Raum, welche sinnvollen Integrationsleistungen die Gesellschaft anbieten kann/muss/will. Hierbei sind auch Einrichtungen der (kulturellen) Erwachsenen- bildung gefragt, sich einzubringen. Aber um diese neue Zielgruppe zu erreichen, neue Angebote und Projekte zu schaffen, mangelt es den meisten Einrichtungen an Zeit, Personal und nicht zu Letzt an Geld. Gleichzeitig fehlt es häufig an notwendigem Wissen und an funktionierenden Strukturen und Netzwerken, die Zugänge zu den geflüchteten Menschen in unserer Region ermöglichen. So gibt es viele Einrichtungen, die Kultur- und Bildungsarbeit für Erwachsenen anbieten und die sich einbringen möchten, jedoch schlicht nicht wissen wie. 2. Mit welchem Ziel? Das Projekt BildungsBeziehungen soll den Akteuren Zeit geben, Wissen zu erlangen, Angebote zu entwickeln und Netzwerke aufzubauen. Hierzu werden die Arbeitsbereiche Erwachsenenbildung, Soziale Arbeit und Ehrenamt zusammengebracht, um ihre Fragen, Idee, Informationen und Ressourcen zusammenbringen. Angesprochen sind dabei alle Akteure, die in diesen Arbeitsbereichen tätig sind – sowohl als Angestellte, Freischaffende oder Ehrenamtliche mit unterschiedlichen Schwerpunkten der Beratungs- und Bildungsarbeit. Das Projekt BildungsBeziehungen bietet hierzu vier verschiedene Veranstaltungsformate: • BildungsBeziehungen: DIALOG - Methodengeleitete, praxisorientierte Informations- und Austauschveranstaltungen, zum Kennenlernen der verschiedenen Arbeitsweisen, zur Ideen- und Themenfindung und zum Erfahrungsaustausch. • BildungsBeziehungen: THEMA - Themengeleitete Informationsveranstaltungen, wie z.B. Vorträge, Podiumsdiskussionen, Referate und Projektvorstellungen. • BildungsBeziehungen: WORKSHOP – Expertengeleitete praktische Anwendung des zusammengetragen Wissens, methodengeleitete Praxisanwendung, Struktur- und Projektentwicklung, Netzwerkbildung. • BildungsBeziehungen: INTENSIV - Expertengeleitete intensive Vertiefung bestimmter Themen in mehrtätigen Veranstaltungen. Ergänzt werden die Veranstaltungen durch regelmäßige, lockere Netzwerketreffen. Bisher wurden 6 Veranstaltungen durchgeführt, darunter interaktive Vorträge, beispielsweise zur Auseinandersetzung mit der eigenen (kulturellen) Haltung, Referate über unterschiedliche Best-Practice-Projekte im Kultur- und Bildungsbereich und Erfahrungsberichte geflüchteten Menschen aus verschiedenen Ländern u.a. 3. Mit welchen Mitteln? s.o. Anlage 4 zur Vorlage V/0446/2017 2 4. Mit welchen Ergebnissen und Erfahrungswerten? Bisher hat sich gezeigt, dass die Herausforderungen und Problemlagen, die den Teilnehmenden in der Praxis begegnen sehr ähnlich gelagert sind. Im Fokus stehen vor allem die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Identität, den Mechanismen von (auch unbewussten) Vorurteilen und Diskriminierung und Fragen nach bürokratischen und rechtlichen Gegebenheiten im Asylverfahren. Außerdem besteht ein großes Interesse an Projektarbeit. Ferner suchen viele Akteure nach Netzwerken und Kooperationen; gleichzeitig fehlt es an zeitlichen Ressourcen, um diese aktiv zu bilden und zu gestalten. Letzteres stellt auch die größte Herausforderung bei der Projektumsetzung dar. Angebote zur Netzwerkarbeit, Information und der gemeinsame Austausch müssen sehr genau auf die Arbeitsbedingungen der Teilnehmenden zugeschnitten sein, die sich allerdings sehr heterogen gestalten. Das Projektteam setzt hierbei um einen sehr engen, persönlichen Austausch mit den Teilnehmer/-innen, so dass das Angebot stets an die Bedarfe der Teilnehmer/-innen – sowohl inhaltlich, als auch organisatorisch – angepasst werden kann. Das Projekt wird durch die Fachhochschule Münster evaluiert und hinsichtlich der Zielsetzung des Projektes untersucht. 5. Mit welchen Perspektiven? Insgesamt wird das Projekt BildungsBeziehungen den Fokus in den nächsten Monaten auf die Unterstützung der Teilnehmenden beim Aufbau von Netzwerken legen. Dazu wird zur Zeit u.a. ein internes Onlinenetzwerk aufgebaut, dass auf der Projektwebsite www.bildungsbeziehungen.de für die Teilnehmer/-innen zugänglich sein wird. Dort können dann Informationen ausgetauscht, Projekte und Veranstaltungen besprochen, sowie Material abgerufen werden. Außerdem werden die am meisten nachgefragten Themen und Methoden in intensiveren Workshops aufgearbeitet und noch stärker in Bezug zur praktischen Arbeit gesetzt. Ergänzend wird das Angebot durch kulturelle Veranstaltungen erweitert, wie z.B. ein Probenbesuch mit anschließender Diskussion bei einem Theaterstück über Flucht, sowie ein multimedialer Vortrag über Syrien.
Berichtsvorlage
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V/0446/2017 DER OBERBÜRGERMEISTER Kulturamt Betrifft "Vertiefung: Münsters Kulturschaffende eröffnen Willkommensräume" Beratungsfolge 07.09.2017 Kulturausschuss Bericht Bericht: In der Sitzung am 07.06.2016 wurde dem Kulturausschuss ein Bericht der Verwaltung zur Th e- matik „Münsters Kulturschaffende eröffnen Willkommensräume“ vorgelegt (V/ 0422/2016). Ziel war es, sich auf der Grundlage einer Umfrage des Kulturamts ein umfassenderes Bild über b e- reits prakt izierte und mögliche Projekte zu machen, Erfahrungen, erste Erkenntnisse, Erfolge, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu nennen. Im Ergebnis reichte das Spektrum der Herangehensweisen von einmaligen Veranstaltu ngen, auf Wiederholung und Dauer angelegten Reihen, Projekten der Vermittlung und Ve rnetzung bis hin zur kontinuierlichen Thematisierung und Programmierung. Der Bericht formulierte eine zentrale Handlungsempfehlung: Mittelfristiges Ziel sollte es sein, dass Flüchtlinge und Migranten die Angebote der Kultureinrichtungen leicht und dauerhaft nutzen können – unabhängig von Sonderprojekten. Dafür sollten entsprechende Strukturen in der Ver- mittlung und Kommunikation geschaffen werden. Integration solle dabei nicht einseitig versta n- den werden, sondern geprägt sein durch Offenheit für Neues und Anderes in der hiesigen Kultur und Gesellschaft mit wechselseitigen Begegnungen von Flüchtlingen und „Stammpublikum“. Diese Form der Inter- und Transkulturalität ist – zumal vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Voraussetzungen, Selbstverständnisse und „Arbeitsaufträge“ in den verschiedenen Kultureinrich- tungen – nicht kurzfristig flächendeckend umsetzbar. Eine erfolgreiche Antragstellung um Landes- bzw. Bundesmittel vorausgesetzt, sollten daher ers- te Ansätze mit dieser Zielsetzung bei den längerfristig angelegten Projekten der Westfälischen Schule für Musik, des Theaters Münster sowie des Kreativh auses sichtbar und ggf. in ihrer Wi r- kung überprüft werden. Die vertiefende Darstellung und Auswertung dieser Maßnahmen ist Gegenstand dieser Vorlage, erweitert um Maßnahmen der Villa ten Hompel und der Stadtbücherei (Begründung im Folge n- den). 1. Ergebnisse Vorlagen-Nr.: V/0446/2017 Auskunft erteilt: Frau Schnell Ruf: 492-4100 E-Mail: Schnell@stadt-muenster.de Datum: 18.08.2017 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0446/2017 Zentrale Voraussetzung für die Realisierung insbesondere der längerfristigen und strukt urellen Angebote war in allen Fällen die Bewilligung entsprechender – z.T. auch mehr- und überjähriger – Bundes- und/oder Landesmittel. Mit ihnen konnten fachspezifi sche Personal- und Honorarkos- ten sowie z. T. auch investive Maßnahmen getragen werden. Nach erfolgreicher Antragstellung profitieren derzeit die Westfälische Schule für Musik und das (Junge) Theater Münster von den Mitteln des Bundesprogramms „Kultur mach t stark“. Das Krea- tivhaus Münster erhält Mittel des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW für ein speziell entwickeltes Weiterbildungsangebot. Dieser Bericht wird zudem erweitert um die ebenfalls strukturell und längerfristig angelegten Akt i- vitäten der Villa ten Hompel sowie der Stadtbücherei, denen ebenfalls entsprechende längerfri s- tige Fördergelder des Landes bewilligt wurden. Das Vermittlungsprogramm „Willkommensstätten“ mit Sitz in der Villa ten Hompel wird u.a. von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Es ist damit gelungen, in den fünf verschiedenen Bereichen Musik, Theater, Literatur/Medien, Erinnerungskultur sowie Weiterbildung differenzierte Angebote zu entw ickeln und vorzuhalten. Die längeren Laufzeiten ermöglichen es, Erf ahrungen direkt umzusetzen und ggf. Angebote zu modifizieren. Entwicklungen und Bedarfe können analysiert werden und für andere Kulturträger beispielgebend sein. Eine umfänglichere Darstellung der Maßnahmen mit Auswertungen befindet sich in den anli e- genden Projektberichten. Zwei zentrale Handlungsansätze haben sich dabei herauskristallisiert: Zum einen besteht ein Bedarf an Angeboten für die Zielgruppe der Geflüchteten selbst, zum anderen benötigen die A n- bieter und Multiplikatoren Informationen und Weiterbi ldung sowie Formate, um sich auszuta u- schen. Auf Letzteres legen das Kreativhaus und die Villa ten Hompel ihren Schwerpunkt. 1.1. Angebote für die Zielgruppe der Geflüchteten In dem Anspruch, die Einrichtungen und ihre Angebote in ihren differenzierten W irkungsweisen für die Geflüchteten zu öffnen und erlebbar zu machen, gehen die Westfälische Schule für Musik, das (Junge) Theater Münster und die Stadtbücherei mehrgleisig vor: - Alle drei Einrichtungen bieten niederschwellige und kostenfreie, regelmäßige An gebote (Workshops, Kurse, Vorstellungen) vor Ort in einigen Flüchtlingseinrichtungen an. - Es bestehen Kooperationen insbesondere mit Schulen und in Stadtteilen, die einen b e- sonders hohen Anteil Geflüchteter aufweisen. Eine Besonderheit stellt hierbei die Erweite- rung des JEKISS -Projekts um das Integrationsprogramm JEKISS -DaZ (Deutsch als Zweitsprache) mit der kombinierten Deutsch- und Singlernförderung dar. - Geflüchtete werden mit den Kultureinrichtungen selbst vertraut gemacht, um den Zugang zu erleichtern, z .B. über Theater -Paten/-innen für kostenlose Vorstellungsbesuche und Führungen, mit der „interkulturellen Reise“ in Kooperation mit Nimas e.V. und der J u- gendkunstschule, kostenfreiem Instrumentalunterricht oder mit den „Willkommensräumen: Ankommen in Deuts chland“ in der Stadtbücherei mit speziellen mehrsprachigen Medien, einem neu eingerichteten Sprachlernraum, der mehrsprachigen App sowie mehrsprach i- gen Nutzungshinweisen etc. Durch diese differenzierten Angebote gelingt es allen Einrichtungen, ihre Zielgr uppen zu erre i- chen und zumindest z.T. eine gute Resonanz und hohe Teilnehmerquote zu verzeichnen. Den Geflüchteten werden damit nicht nur neue kulturelle Erfahrungen, sondern auch zwische n- menschliche Begegnungen und gemeinsame soziale Entwicklungen über et hnische Zugehörig- keiten hinaus ermöglicht. Durch Kooperationen mit Kitas und Schulen ist der Kontakt mit der Zielgruppe und deren E r- reichbarkeit deutlich leichter geworden. Unter den Rahmenbedingungen dieser Einric htungen kann die kontinuierliche Teilnahme an längerfristigen kulturellen Angeboten vor Ort gewährleistet 3 V/0446/2017 werden. Auch einmalige oder mehrmalige „Ausflüge“ in die Kultureinrichtungen lassen sich real i- sieren. Die Kooperation mit den Kitas und Schulen bedeutet im positiven Sinne zudem, dass es sich nicht mehr um spezielle Angebote nur für Geflüchtete handelt, sondern um die eigentlich inte n- dierten integrativen Angebote. Ein Nachteil bleibt hier jedoch die eher geringe Ansprache erwachsener Geflüchteter, die sich maximal über ihre Kinder gestalten lässt. Die Angebote vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften richten sich ebenfalls im Schwerpunkt an Kinder und Jugendliche, es gibt aber auch spezielle Angebote für Erwachsene. Die Fragen bzgl. einer „guten“ Form der Kontaktaufnahme und Zielgruppenansprache sowie ei- ner verbindlichen Teilnahmemotivation stellen hier eine größere Herausforderung dar. Gründe für die schwierigere Erreichbarkeit könnten sein: die Priorität auf lebenspraktische Fragen des „A n- kommens“ und Orientierens im weiteren Sinne, unterschied liche kulturelle Mentalitäten und G e- pflogenheiten, das mitunter nicht konfliktfreie Miteinander verschiedener ethnischer Gruppen s o- wie die Folgen von Traumatisierungen. Hier fehlt eine zusätzliche Begleitung und Organisation. Die Kultureinrichtungen können diese aber neben der Durchführung der eigentlichen kulturellen Angebote nicht leisten. Auch den Flüchtlingseinrichtungen fehlen dafür die Ressourcen. Daneben gilt es auch, bei der Angebotsgestaltung und -realisierung vermeintlich selbstverständli- che Maßstäbe und Wertvorstellungen zu hinterfragen. Man sollte sich möglichst flexibel auf die Lebensumstände in den Einrichtungen sowie auf Bedürfnisse und Mental itäten der Geflüchteten einstellen. Offene Angebote, die nicht zwingend eine langfristige, kontinuierl iche Teilnahme v o- raussetzen sowie zeitlich begrenzte Angebote stellen sinnvolle Alternativen dar. Auch der Betreuungsaufwand für die Gewinnung und Bindung der Zielgruppe an die A ngebote in den Kultur- und Weiterbildungseinrichtungen ist hoch. In der Rege l ist dies mit den bestehenden personellen Ressourcen der Kultureinrichtungen nicht befriedigend zu lösen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat z.B. das Theater Münster in dieser Spielzeit eine zusätzliche Bundesfreiwilligendienststelle geschaffen. Die Erfahr ungen sind gut: Der/die Bunde sfreiwillige dient als Ansprechpartner /-in und Vermittler /-in und betreut die Angebote. In dem Fall war es möglich, diese Stelle aus den bewilligten Fördermitteln zu finanzieren Obwohl wünschenswert, ist dies jedoch in den meisten Förderprogrammen nicht vorgesehen. 1.2 Informations- und Weiterbildungsangebote für „Anbieter“, Multiplikatoren etc. Die globale Flüchtlingsbewegung hat bundes- und landesweit eine Vielzahl von Fort- und Weiter- bildungsmaßnahmen ausgelöst, die den hohen Bedarf deutlich machen. Neben eher allgemeinen Angeboten im Bereich der interkulturellen Kompetenzen besteht offensichtlich auch ein hoher Bedarf an fachspezifischen Maßnahmen. Dies spiegelt sich auch in den Angeboten in Münster wider: - Bei dem Proje kt „Willkommensstätten“ mit Sitz in der Villa ten Hompel liegt der Schwe r- punkt zum einen auf der Entwicklung angemessener Vermittlungsformen von Geschichts- themen auch für diejenigen Besucher/-innen, die mit Flucht und Vertreibung zu tun hatten und zum ande ren auf einer fachspezifischen Fort - und Weiterbildung für Akteure der a u- ßerschulischen Bildungsarbeit an Erinnerungsorten. - Das längerfristig angelegte Kooperationsprojekt „BildungsBeziehungen“ im Kreativhaus hat ebenfalls zum Ziel, insbesondere Einrichtun gen der Erwachsenenbildung und der s o- zialen Arbeit interkulturell zu befähigen, Informationsdefizite auszugleichen, Austausch anzuregen, Netzwerke zu knüpfen und (ggf. auch gemeinsame) Angebote zu entwickeln. Reflexionen über die eigene (kulturelle) Haltung, interaktive Vorträge und (auch mehrtägi- ge) Workshops zu relevanten Themenstellungen der Teilnehmenden, Referate über Best- Practice-Ansätze sowie Erfahrungsberichte geflüchteter Menschen sind Bausteine dieser 4 V/0446/2017 überjährigen „Vier -Phasen-Fortbildung“. Eine Öffnung und Erweiterung um Themen der Kultureinrichtungen wird z.T. bereits praktiziert und kann ggf. verstärkt werden. - In der Stadtbücherei stehen nicht nur den Geflüchteten, sondern auch den Leiter /-innen von Integrations - und Sprachkursen Materialien zu r selbständigen Erkundung und Ve r- mittlung zur Verfügung. - Im Bereich Theater zeichnet sich Bedarf und Wunsch nach einer fachspezifischen Sch u- lung von Theaterpädagog /-innen des Theaters Münster sowie der Freischaffen den ab. Dies ist das Ergebnis der praktischen Arbeit vor Ort in den Flüchtlingseinrichtungen sowie einer Klausurtagung des Arbeitskreises der Kinder - und Jugendtheater NRW im Theater Münster und im Begegnungszentrum Meerwiese. Um die Fort- und Weiterbildung entsprechend effizient und bedarfsgerecht zu gestalten, orientiert sich das Kreativhaus sehr eng an den Bedürfnissen der Teilnehmer /-innen. Es ist so gelungen, gemeinsam gewinnbringende Perspektiven und „tools“ für die weitere interkulturelle Qualifizi e- rung und Öffnung von Einrichtungen zu entwickeln (s.u.). Auch das Projekt „Willkommensstätten“ mit Sitz in der Villa ten Hompel erfährt eine ausschlie ß- lich positive Resonanz im bundesweiten und interdisziplinären Austausch. Die dokumentierten fachspezifischen Ansätze und Empfehlungen können Handlungssicherheit im Arbeitsalltag geben und damit zu einer Steigerung der Partizipation der schwer zu erreichenden Zielgruppe beitr a- gen. 2. Perspektiven, offene Fragen, Bedarfe 2.1 Verständnis von Partizipation und „Integration“ Perspektivisch besteht der Wunsch und Bedarf, Geflüchtete nicht nur an Angeboten tei lhaben zu lassen bzw. über sie zu reden und fortzubilden, sondern sie deutlich stärker auch als Akteure einzubinden. Dies könnte z.B. durch den Einsatz als Praktikant /-in oder freier Mitarbeit er/-in bei der Entwic k- lung von Fortbildungsmaßnahmen sowie kulturellen Angeboten geschehen. Auch die gezielte Vernetzung mit geflüchteten Künstlern wird angestrebt. Dies setzt alle rdings eine bessere Möglichkeit der Identifikation und Erreichbarkeit derse lben voraus. Bei der Erstau f- nahme sowie der Erfassungen zur beruflichen Vermittlung und Qualifizierung wurde bislang nicht nach künstlerischen Qualifikationen etc. gefragt. Dies ließe sich künftig ergänzen. Diesbezügliche Maßnahmen in anderen Städten (z.B. Gelsenkirchen) waren allerdings nur begrenzt erfolgreich, so dass hier noch geeignete Formen entwickelt werden müssen. Ziel und Wunsch dabei bleibt es, „Integration“ nicht einseitig zu verstehen, sondern eine ang e- messene Wechselseitigkeit und Durchlässig keit zu entwickeln, ein selbstverständlicheres Mite i- nander und Lernen voneinander. Sowohl das „Auffinden“ und Einbinden von geflüchteten Küns t- lern als auch das Ausloten des Verständnisses von Integrat ion, Inter- und Transkultur sind auch landesweit (wieder) zentrale Themen, die diskutiert und reflektiert werden. Der Zuzug von Ei n- wanderern verändert die regionale und lokale Kultur, ohne dass derzeit klar ist, wie in der Praxis z.B. interkulturelle und die in vielen Kultureinrichtungen selbstverständliche int ernationale Arbeit ineinandergreifen. Wo liegen hier möglicherweise auch Unterschiede für die einzelnen Spa rten und Szenen und welche Austausch- und Kooperationsansätze bewähren sich? 2.2 Kommunikation und Vernetzung Kommunikation, Vernetzung mit Einrichtungen für Geflüchtete und/oder anderen Weite rbildungs- und Kulturträgern bleiben wichtige Ziele. Als Unterstützungsleistung dafür erarbeitet u.a. das 5 V/0446/2017 Kreativhaus ein internes Onlinenetzwerk, in dem Informationen ausgetauscht, Projekte und Ve r- anstaltungen besprochen sowie Materialien abgerufen werden können. Seitens des Kreativhauses besteht zudem die Bereitschaft, das Programm „BildungsBeziehu n- gen“ stärker für Kulturanbieter und Kulturschaffende zu öffnen und an deren Bedürfnissen auszu- richten. Das Kulturamt hat bereits eine en tsprechende Information samt Bewerbung über seinen Verteiler an Interessierte der Thematik „Willkommenskultur“ verschickt. Synergien lassen sich möglicherweise auch zwischen dem Programm des Kreativha uses, dem halbjährlichen Austau sch in verschiedenen Einrichtungen unter Federführung des Kulturamts sowie dem Bedarf an Fortbildungen für Theaterpädagog en/-innen des Theaters Münster und der freien Szene herstellen, für die bislang keine finanzielle Förderung besteht. Darüber hinaus b leibt der Abgleich von und die Verzahnung mit weitergehenden Information s- medien und digitalen Plattformen für Geflüchtete sowie Ehrenamtliche wichtiges Ziel, wie sie z.B. von büne e.V. entwickelt und angeboten wird. Eine Optimierung der Informations - und Kommuni- kationswege ist zudem auch Bestandteil des angelaufenen Prozesses und Fachaustausches zur Ehrenamtskoordination der FreiwilligenAgentur und der Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten, deren Ergebnisse zu berücksichtigen sind. 2.3 Ressourcenausstattung Eine große Herausforderung besteht nach wie vor in der angemessenen Ressourcenausstattung. Derzeit werden die Angebote bestritten aus: eingeworbenen Spenden, den eingebrachten pers o- nellen und z.T. auch finanziellen Eig enmitteln, den längerfristigen Pr ogrammmittel des Landes und Bundes. Bei unterschiedlich aufwändigen Antragsverfahren sichern diese über die sonst gängige projektbezogene Förderung hinaus eine umfänglichere und kontinuierlichere Basis. Die Zweckbindung der Mittel greift dabei allerdings zu kurz, da i.d.R. die Umsetzung der eigentl i- chen kulturellen Projekte und Maßnahmen, nicht aber der offensichtlich notwendige organisator i- sche Overhead gefördert wird. Es zeichnet sich deutlich ab, dass gerade für die or ganisatorische Begleitung und Ber atung der Angebote bzgl. Kontaktaufnahme, Koordination und Vermittlung, ggf. auch Transport und Fla n- kierung vor Ort entsprechendes (Overhead-)Personal fehlt. Dem Einsatz von Ehrenamtlichen sind hier Grenzen gesetzt. So bes tätigen auch die ersten E r- gebnisse des begonnenen Arbeitsprozesses „Steuerung im Ehrenamt“, dass j edes Ehrenamt auch Hauptamt benötigt. Ggf. sind nach dem Vorbild im Jugend - und Sozialbereich auch im Ku l- turbereich „Kulturmittler“ und/oder interkulturell ge schulte Abrufkräfte zu etablieren, deren Fina n- zierungsmöglichkeiten über Bundes - oder Landesprogramme oder kommunale Mittel zu prüfen und anzuregen sind. Die Abhängigkeit von den längerfristigen Sonderförderprogrammen von Bund und Land birgt z u- dem die Gef ahr, dass die Existenz der Angebote nach Auslaufen der Mittel gefährdet ist. Pla n- mäßig sind z.B. die Bundesmittel für die Projekte der Westfälischen Schule für Musik zum 31.07.2017 ausgelaufen. Eine neue fünfjährige Förderperiode b eginnt erst zum 01.01.20 18. Die Aussicht auf die weitere Bewilligung der Bundesmittel ist hoch. Der Zwischenzeitraum ist jedoch trotz Bemühungen um Sponsoring derzeit noch nicht abgesichert. Erstrebenswert erscheint die Einrichtung eines kommunalen „Feuerwehrtopfes“, um z umindest hier und für vergleichbare Fälle eine Zwischenfinanzierung zur nächsten A nschlussfinanzierung aus Landes- und Bundesmitteln absichern zu können. i.V. gez. Wilkens Stadträtin 6 V/0446/2017 Anlagen: Anlage 1: Bericht „Willkommenskultur“: Westfälische Schule für Musik Anlage 2: Bericht „Willkommenskultur“: (Junges) Theater Münster Anlage 3: Bericht „Willkommenskultur“: Stadtbücherei Anlage 4: Bericht „Willkommenskultur“: Kreativhaus Münster Anlage 5: Bericht „Willkommenskultur“: Villa ten Hompel
Anlage5_Bericht_Willkommenskultur_Villa_ten_Hompel
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Anlage 5 zur Vorlage V/0446/2017 1 Bericht „Willkommenskultur“: Villa ten Hompel 1. Was wird gemacht? Das Projekt „Willkommensstätten“ wird seit Juli 2016 über den Förderverein Villa ten Hompel von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert und hat seinen Sitz im Geschichtsort Villa ten Hompel. Es stellt sich den Herausforderungen der angemessenen Vermittlung von Geschichtsthemen an Besuchergruppen, die durch herkömmliche Methoden nur schwer erreichbar sind. Dabei stehen vor allem Menschen im Fokus, die in ihrer Biographie mit Flucht oder Vertreibung zu tun hatten und an außerschulischen Lernorten wie der Villa ten Hompel potenziell mit Themen konfrontiert werden, die Erinnerungen aus der jüngeren Vergangenheit auffrischen. Das Team der Willkommensstätten vernetzt sich bundesweit mit interdisziplinären Kooperationspartnern, um ein flächendeckendes Monitoring für eben solche Situationen zu betreiben. Es dokumentiert Best-Practise Beispiele, Probleme sowie Potenziale und bietet Hilfestellungen für ratsuchende Institutionen und Lehrkräfte. 2. Mit welchem Ziel? Akteure aus der außerschulischen Bildung erhalten durch die Erfahrungen und Empfehlungen der Willkommensstätten idealerweise Handlungssicherheiten für ihren Arbeitsalltag. Gleichsam zielen die erstellten pädagogischen Programme auf eine Partizipationssteigerung der sonst nur schwer zu erreichenden Zielgruppen ab. 3. Mit welchen Mitteln? Gefördert wird das Projekt durch die Landeszentrale für politische Bildung sowie durch den Geschichtsort Villa ten Hompel Münster und die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund. 4. Mit welchen Ergebnissen und Erfahrungswerten? Die größte Herausforderung liegt in der Kontaktaufnahme und im Vertrauensaufbau zu den Zielgruppen. Schließlich lautet das Ziel, mit den Menschen gemeinsam Projekte und Ideen zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurden Kooperationen mit sozial engagierten Gruppen geknüpft. Sie unterstützen als Mediatoren einen wachsenden Kreis an Menschen im Bereich der Geschichtsvermittlung und bereichern unser Projekt. 5. Mit welchen Perspektiven? Das Projekt wird nur bis zum April 2018 gefördert. Da es bisher ausschließlich positive Resonanz gab und ständig neue Fragen aufgeworfen werden, ist eine Weiterarbeit über den Förderungszeitraum hinaus sinnvoll. Außerdem sind die pädagogischen „Erträge“ aus der aktuellen Arbeit wichtige Bausteine für eine zukunftsorientierte Gedenkstättenarbeit mit Zielgruppen (z.B. Geflüchtete, Integrationsgruppen, Klassen mit sehr hoher kultureller Diversität, besondere Bildungswege), die oft nur schwer einen Zugang zu Konsequenzen aus einer kritischen Zeitgeschichte finden würden. Anlage 5 zur Vorlage V/0446/2017 2 6. Mit welchen offenen Fragen, Bedarfen, Anregungen, Notwendigkeiten…? Da wir nicht nur über die Zielgruppen sprechen, sondern beispielsweise Menschen mit Fluchthintergrund auch direkt teilhaben lassen möchten, wäre es wünschenswert, jemanden als Akteur (Praktikant/-in oder freier Mitarbeiter/-in) möglichst unbürokratisch im Projekt zu beteiligen. Dies konnte bisher noch nicht realisiert werden. Weitere Informationen und aktuelle Berichte unter http://willkommensstaetten.de/
Anlage3_Bericht_Willkommenskultur_Stadtbücherei
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Anlage 3 zur Vorlage V/0046/2017 1 Bericht „Willkommenskultur “: Stadtbücherei 1. Was wird gemacht? Die Stadtbücherei hat 2016 zum einen „Offene Bücherregale“ in sieben Flüchtlingseinrichtun- gen aufgestellt und zum anderen in der Bücherei am Alten Steinweg „Willkommensräume“ ein- gerichtet. In der Eingangsetage gibt es einen Themenbereich „Ankommen in Deutschland“, in dem über 1000 Bücher und Medien präsentiert werden – speziell für zugewanderte Menschen und für alle, die beruflich, ehrenamtlich oder privat mit diesem Personenkreis zu tun haben. Auf der ersten Etage in der „Q-thek“ wurde ein Sprachlernraum eingerichtet, wo an fünf PC- Arbeitsplätzen mit Headsets der Zugriff auf das interaktive Sprachlernprogramm „Rosetta Sto- ne“ möglich ist. Hier können Zugewanderte mit Grundkenntnissen der deutschen oder der eng- lischen Sprache selbstständig ihre Deutschkenntnisse vertiefen und erweitern. Um den Flüchtlingen den Zugang zur Stadtbücherei zu erleichtern, gibt es Informationen und Nutzungshinweise in verschiedenen Sprachen. Mit einer mehrsprachigen App kann man via Smartphone auf Entdeckungsreise durch die Stadtbücherei gehen. Den Leitern/-innen von Integrations- und Sprachkursen werden Materia- lien zur Verfügung gestellt, mit denen die Gruppe die Stadtbücherei selbstständig erkunden kann. 2. Mit welchem Ziel? • Flüchtlinge willkommen heißen, • ehrenamtliche und hauptamtliche Lehrkräfte sowie Betreuer/-innen in ihrer Arbeit unter- stützen, • entsprechende Medienangebote vorhalten, • dem Angebot in der Bibliothek Raum geben. 3. Mit welchen Mitteln? Die „Offenen Bücherregale“ wurden mit gespendeten Kinderbüchern und Spielen gefüllt. Mitglieder des Freundeskreises der Stadtbücherei e. V. betreuen die Regale regelmäßig. Ein großer Teil der Bücher und Medien wurde mit Mitteln des Freundeskreises und eines Sponsors finanziert. Die Einrichtung der „Willkommensräume“ wurde vom NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport gefördert. 4. Mit welchen Ergebnissen und Erfahrungswerten? Insgesamt wurden die Ziele erreicht, das Buch- und Medienangebot wird sehr gut genutzt. Mehr als 500 Flüchtlinge haben sich als Kunden der Stadtbücherei registrieren lassen. Gruppen in Integrationskursen besuchen regelmäßig die Stadtbücherei und viele nutzen die Arbeitsplätze in der Stadtbücherei zum gemeinsamen Lernen. Die Nutzung des Sprachlernraums gelingt immer dann besonders gut, wenn ehrenamtliche Hel- fer die ersten Schritte in das Sprachlernprogramm gemeinsam mit den Lernenden machen. So- bald die Sicherheit in der Bedienung und die Nutzung vorhanden sind, können die Zugewander- ten hier selbstständig das Zertifikat bis zur Stufe B 2 erreichen. Durch die niedrigschwelligen Angebote gewinnt die Stadtbücherei weiterhin immer mehr Zuge- wanderte als Kunden. Insbesondere auch über die Schulklassen, die im Rahmen von Führun- gen die Bibliothek kennen lernen, gelingt es über die Kinder auch interessierten Erwachsenen den Weg in die Bücherei zu ebnen.
Anlage1_Bericht_Willkommenskultur_Westf_Schule_für_Musik
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Anlage 1 zur Vorlage V/0446/2017 1 Bericht „Willkommenskultur“: Westfälische Schule für Musik 1. Was wird gemacht? • Trommelkurse Die Westfälische Schule für Musik bietet seit Mitte 2016 in 5 städtischen Flüchtlingsein- richtungen 5 Trommelkurse für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 18 Jahren mit wöchentlich jeweils 2 Unterrichtseinheiten an. In Abhängigkeit von der Teilnehmerzahl können die Kurse auch geteilt werden. Die Trommelkurse sind ohne jegliche Sprach- kenntnisse durchführbar, da zur Vermittlung der Rhythmen eine spezielle Silbensprache eingesetzt wird. Diese ist selbsterklärend und vermittelt sich im Tun. Projektpartner sind das Sozialamt und der Förderverein der WSfM. • Hauptschule Hiltrup rockt Mitte 2016 ist in Analogie zum seit 2014/15 durchgeführten Projekt „Kinderhaus rockt“ das Projekt „Hauptschule Hiltrup rockt“ gestartet worden, weil in dieser weiterführenden Schule sehr viele geflüchtete Kinder und Jugendliche eingeschult werden. Bei diesem Projekt sind ebenfalls keine musikalischen Vorkenntnisse nötig. Neben der Hauptschule Hiltrup ist der Verein Jugendhilfe direkt e.V. Kooperationspartner. • JEKISS-DaZ Das erfolgreiche „JEKISS“-Projekt ist im September 2016 um einen vorgeschalteten Integrationsbaustein erweitert worden. „JEKISS-DaZ“ (Deutsch als Zweitsprache) setzt auf Integration durch kombinierte Deutsch- und Singlernförderung. Den musikalischen Förderunterricht für in Münster lebende Flüchtlingskinder gibt es bisher an drei JEKISS- Grundschulen. Die spezialisierte Deutschlehrkraft der Grundschule und die JEKISS- Chorlehrkraft arbeiten im Tandem zusammen. • Regulärer Vokal-und Instrumentalunterricht an der WSfM Es gibt einzelne geflüchtete Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters an der WSfM, die regulären Instrumentalunterricht wahrnehmen. 2. Mit welchem Ziel? • Trommelkurse Die Trommelkurse sind langfristig angelegt, um den Teilnehmenden eine behutsame musikalische und gemeinsame soziale Entwicklung über ethnische Zugehörigkeiten hinaus zu ermöglichen. Sie führen nicht nur zum Erwerb von basismusikalischen und auch sozialen Kompetenzen, sie können darüber hinaus auch bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse helfen. • Hauptschule Hiltrup rockt Neben der Vermittlung basaler musikalischer Fähigkeiten sind beim Projekt „Hauptschule Hiltrup rockt“ auch die Stärkung des Selbstbewusstseins und Integration wichtige Ziele. • JEKISS-DaZ Die DaZ-Lehrkraft erläutert Worte und inhaltliche Zusammenhänge bildlich wie sprachlich, die JEKISS-Chorlehrkraft vertieft das Gelernte über Gesang, Rhythmus und Bewegung. Die Kinder werden gleichzeitig musikalisch und sprachlich gefördert und können am Projekt JEKISS mit großem Profit teilnehmen. 3. Mit welchen Mitteln? • Trommelkurse & Hauptschule Hiltrup rockt Die Kosten für Dozenten, Betreuung und Leihinstrumente werden zu 100 % durch Bundesmittel im Rahmen von „Kultur macht stark“ gedeckt. Anlage 1 zur Vorlage V/0446/2017 2 • JEKISS-DaZ Neben der Stadt Münster wird das Projekt JEKISS-DaZ derzeit durch Privatspenden und Zuwendungen von Charity-Organisationen aus Münster finanziert. • Regulärer Vokal-und Instrumentalunterricht an der WSfM In wenigen Fällen wird die reguläre Unterrichtsgebühr entrichtet, in den meisten Fällen werden die Gebühren von der Stiftung Mitmachkinder übernommen. 4. Mit welchem Ergebnissen und Erfahrungswerten (auch Hindernissen / Barrieren)? • Trommelkurse Die Informationen und Ankündigungen zu den Trommelkursen sind in die Sprachen, die in den Einrichtungen gesprochenen werden, übersetzt worden. In den Informationen wurde die Sinnhaftigkeit einer regelmäßigen Teilnahme thematisiert und die Eltern wurden gebeten, ihren Kindern hilfreich zur Seite zu stehen. Zudem haben die Mitarbeitenden der kooperierenden Sozialdienste im Vorfeld die Kinder, Jugendlichen und Familien in ihren Einrichtungen informiert. Das Ergebnis: Das Interesse an den Kursen war groß, die Auftaktveranstaltungen waren überwiegend überfüllt. Im Verlauf schwankten die Teilnehmerzahlen zwischen 7 bis 18 pro Kurs. Die insgesamt hohe Teilnehmerzahl ist als Erfolg des Projektes zu werten. Es gab aber auch Reibungsverluste: Fluktuationen bei den Teilnehmenden, nicht immer geregelte oder pünktliche Teilnahmen. Hierzu haben Gespräche mit den Projektpartnern stattgefunden und die Dozenten haben sich soweit wie möglich auf diese Besonderheiten eingestellt. • Hauptschule Hiltrup rockt & JEKISS-DaZ Die beiden Projekte „Hauptschule Hiltrup rockt“ und „JEKISS-DaZ“ sind sehr stark an die Schulen angebunden und bieten gute Rahmenbedingungen eine kontinuierliche Teilnahme. Die Kooperationspartner sind vom Erfolg der Maßnahmen überzeugt. Hierzu liegt ein Schreiben der Dietrich-Bonhoeffer-Schule vor. • Regulärer Vokal-und Instrumentalunterricht an der WSfM Die geflüchteten Einzelschüler nehmen ihre Unterrichte an der WSfM regelmäßig wahr. Eine Harfen-Schülerin hat ab Wintersemester 2017 einen Studienplatz an einer Musikhochschule zuerkannt bekommen. 5. Mit welchen Perspektiven? • Trommelkurse & Hauptschule Hiltrup rockt Von den insgesamt fünf Trommelkursen wurden drei zu den Sommerferien bedarfsgerecht beendet, da die Einrichtungen aufgelöst werden. Die noch in den verbleibenden Einrichtungen lebenden Kinder und Jugendlichen haben inzwischen über die Schulen einen Zugang zu integrativen Kooperationsprojekten wie JEKISS, JeKits, OKUBU und „Kinderhaus rockt“, „Hauptschule Hiltrup rockt“, RockKidz (Gesamtschule Münster Mitte) Band Kids (Primusschule) bekommen. Die Bundesmittel, mit denen die Trommelkurse und „Hauptschule Hiltrup rockt“ finanziert werden, sind planmäßig zum 31.07.2017 ausgelaufen. Eine neue fünfjährige Förderperiode beginnt zum 01.01.2018. Die Wahrscheinlichkeit, auf Antrag erneut Förderung zu erhalten, ist sehr hoch. Für den Zwischenzeitraum fehlen die Mittel bisher. Sollten sie nicht durch Sponsoring oder städtische Sondermittel aufgebracht werden, müssen die Maßnahmen ausgesetzt werden. Dies hätte zur Folge, dass zum 01.01.2018 die zur Durchführung notwendigen erfahrenen Dozenten nicht mehr zur Verfügung stünden. Damit wäre eine erfolgreiche Weiterführung der Projekte gefährdet. Anlage 1 zur Vorlage V/0446/2017 3 • JEKISS-DaZ Die Durchführung der „JEKISS-DaZ“-Kurse ist davon abhängig, ob genügend Spendengelder fließen. Der notwendige Umfang ist auch hier davon abhängig wie viele geflüchtete Kinder in Münster in Zukunft Aufnahmen finden werden. 6. Mit welchen offenen Fragen, Bedarfen, Anregungen, Notwendigkeiten…. ? • Trommelkurse, Hauptschule Hiltrup rockt, JEKISS-DaZ & Regulärer Vokal-und Instrumentalunterricht an der WSfM Es sollte ein verlässlicher finanzieller und organisatorischer Rahmen geschaffen werden, damit die geflüchteten Kinder und Jugendlichen die europäische Kultur und den Lebensraum, in dem sie voraussichtlich für einen längeren Zeitraum leben werden, vertiefend kennenlernen können. Hier vorausschauend genügend Mittel einzusetzen, beugt dem Entstehen von Parallelgesellschaften vor. Dank der Bereitstellung von Bundesmitteln sind große Teile der musikalischen Integrationsprojekte für geflüchtete Kinder und Jugendliche überhaupt erst und in einem so zeitnahen Rahmen möglich geworden. Die Beantragung dieser Mittel und die verwaltungstechnische Abwicklung der Projekte sind allerdings extrem aufwendig. Es ist daher dringend notwendig, dass diese Mittel in Zukunft weniger aufwendig zur Verfügung gestellt werden können, denn es gibt hierfür keine zusätzlichen Stellen oder Stellenanteile an der WSfM. Die Arbeit wird on top durchgeführt. • Trommelkurse Die Teilnehmenden der Trommelgruppen kommen aus verschiedenen Herkunftsländern und bringen unterschiedliche Welt- und Werteanschauungen mit, aus denen immer wieder Konflikte entstehen. Die projektseitige Betreuungsperson versucht hier zu vermitteln. Wichtig wäre allerdings eine zusätzliche weitere Betreuungsperson aus dem sozialen Umfeld der Teilnehmenden, also etwa ein Sozialarbeiter der Unterkunft oder eine Person, die dort bekannt ist. • Hauptschule Hiltrup rockt & Regulärer Vokal - und Instrumentalunterricht an der WSfM Wünschenswert wäre es, geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die absehbar in Deutschland bleiben, zu weiterführendem Vokal- und Instrumentalunterricht zu verhelfen. Allgemeinbildende Schulen könnten hier über die Stiftung Mitmachkinder tätig werden. Es macht wenig Sinn, Kindern und Jugendlichen mit viel Einsatz und Engagement niederschwellige und sinnvolle Angebote zu ermöglichen und sie im Anschluss, wenn differenziertere und leider auch teurere Angebote nötig wären, ins Leere laufen zu lassen. Besonders der Zeitraum vor der Pubertät sollte für eine Stabilisierung der Heranwachsenden genutzt werden. Jüngere Forschungen haben unter anderem gezeigt, dass aktives Musizieren und Musikhören zur (Wieder-) Herstellung des emotionalen Gleichgewichts der Persönlichkeit beitragen können.
Beratungsverlauf (1)
Orte (2)
- Münzstraße
- Kinderhaus
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Details
- Aktenzeichen
- V/0446/2017
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 24.05.2017
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37