AN/0453/2023
Spiel- und Sportplätze gendergerecht gestalten – Belange von Mädchen und weiblichen Jugendlichen mitdenken
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Linke Anfrage nach § 4
6335 Zeichen
Die Linke.-Fraktion · Postfach 103564 · 50475 Köln
An die Oberbürgermeisterin
Frau Henriette Reker
An die Ausschussvorsitzende
Frau Teresa De Bellis-Olinger
Rathaus, Spanischer Bau
50667 Köln
Postanschrift:
Postfach 103564 · 50475 Köln
Tel: 0221/221 -27840 · Fax: 0221/221-27841
E-mail: DieLinke@stadt-koeln.de
Fraktionsvorstand
Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 09.03.2023
AN/0453/2023
Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 20.03.2023
Spiel- und Sportplätze gendergerecht gestalten – Belange von Mädchen und weiblichen
Jugendlichen mitdenken
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrter Frau Ausschussvorsitzende,
die Fraktion DIE LINKE bittet Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung
des Ausschusses für Gleichstellung von Frauen und Männern zu setzen.
Die Diskussion um gendergerechte Spiel- und Sportplätze sowie Erlebnisorte ist keineswegs neu.
Bereits seit den 1990er Jahren hat es Bestrebungen gegeben, diese Plätze nicht allein bzw. primär
an den Bedürfnissen von Jungen auszurichten. Stattdessen sollen auch die lange
vernachlässigten Bedürfnisse von Mädchen in Planungen miteinbezogen werden.
Spielplätze werden von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Geschlechts unterschiedlich
viel und auf unterschiedliche Art und Weise genutzt. Beispielsweise zeigen Studien, dass Jungen
und männliche Jugendliche vermehrt in Gruppen anwesend sind und den öffentlichen Raum
stärker dominieren, wodurch Mädchen bei der Nutzung von Spiel - und Sportgeräten oftmals
Nachteile erfahren. Auch ist zu beachten, dass Mädchen und weibliche Jugendliche ein verstärktes
Sicherheitsbedürfnis im öffentlichen Raum haben und dass ab Abendanbruch deutlich mehr
männliche Jugendliche auf öffentlichen Plätzen für Spiel und Bewegung zugegen sind. Zudem
geben Mädchen teilweise in Befragungen an, sich mehr Rückzugsorte auf öffentlichen Spielplätzen
zu wünschen.
An dieser Stelle ist es wichtig zu benennen, dass Geschlechterrollen nicht naturgegeben, sondern
sozial bedingt sind. Durch eine vorausschauende Planung kann mehr Geschlechtergerechtigkeit
geschaffen werden. Hierbei geht es keinesfalls darum, Geschlechterrollen zu verstärken. Vielmehr
sollten Spiel- und Sportplätze ein breiteres Spektrum an Bedürfnissen erfüllen können. Bezüglich
Spielplätzen im Speziellen gibt es internationale Erfolgsbeispiele, wie mehr Mädchen und
weibliche Jugendliche zur Spielplatznutzung motiviert werden konnten. Das Spektrum an Ansätzen
ist groß.
Partizipationsbestrebungen in der Kinder - und Jugendarbeit dürfen keine reine Pflichtübung auf
dem Papier sein. Vor dem Hintergrund, dass gendersensible, gendertransformative un d gender-
responsive Erlebnis- und Begegnungsorte geplant werden sollten, ist es essentiell, dass Mädchen
explizit ermutigt werden, über ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen zu reflektieren. Hierfür
sollten Partizipations- und Befragungsmodelle angewendet werden, die differenziert vorgehen; bei
denen keine Konkurrenzsituationen zwischen Mädchen und Jungen geschaffen wird, so dass sich
Mädchen in geschlechterhomogenen Gruppen frei äußern können. In gemischtgeschlechtlichen
Gruppen tendieren Mädchen und weibliche Jugendliche häufiger dazu, jene Option zu wählen, die
als gesellschaftlich erwünscht empfunden wird.
Die Wahl passender Partizipationsmodelle ist für Gleichstellungsbestrebungen und für die
Geschlechtergleichstellung in der Kinder - und Jugendarbei t von nicht zu unterschätzender
Relevanz. Nur so kann die gesetzlich verbriefte Gleichstellung auch tatsächlich ins alltägliche
Leben von Kindern und Jugendlichen hineingetragen werden.
Die beschriebene Form der Gleichstellung berührt auch den Themenkompl ex des Gender
Budgeting. Größere Projekte – wie beispielsweise der Skateplatz an der Schönhauser Straße –
kosten viel Geld. Konsequent ist es daher, wenn eruiert wird, welches Publikum solche Plätze im
Regelfall nutzt, um dann von Beginn an Bedingungen daf ür zu schaffen, dass auch andere
Gruppen zur Nutzung ermutigt werden.
Bezüglich Spielplätzen liegt in Mainz bereits ein Kriterienkatalog vor, der Empfehlungen zur
Spielplatzgestaltung nach Gendermethoden1 enthält. Hiermit soll das Gender Mainstreaming, auf
welches sich auch die Stadt Köln verpflichtet hat, in tägliches Handeln übersetzt werden. Der
Kriterienkatalog bietet sinnvolle erste Ansätze, bedarf allerdings auch noch ergänzenden und
erweiternden Aspekten.
Bezüglich dem Sportbereich hat es sich di e Stadt Köln auf die Fahne geschrieben, Gender -
Belange stärker zu berücksichtigen. Dies geht aus der Sportentwicklungsplanung hervor. Hier
wurden Bedürfnisse von Männern und Frauen einzeln abgefragt. Das durchschnittliche Alter bei
der Datenerhebung war hi erbei über 40 Jahre. Es ist daher wichtig, auch die Sport - und
Spielbedürfnisse von Kindern – abhängig und unabhängig von der Geschlechtervariable –
miteinzubeziehen.
Es ergibt sich eine Reihe von Fragen:
1. Wird die Geschlechtervariable bei der Spielplatzplanung miteinbezogen, und wenn ja, inwiefern
waren Kinder unterschiedlichen Geschlechts bei diesen Befragungen prozentual beteiligt?
2. Ist es in Planung, einen eigenen Kriterienkatalog hinsichtlich Genderaspekten bei der
Spielplatzplanung zu entwickeln oder wird sich bereits an international erfolgreichen Beispielen
orientiert?
3. Welche Partizipationsmodelle, die explizit Mädchen dazu ermutigen, ihre Bedürfnisse und
Interessen zu äußern und zu erforschen, werden bei Spiel - und Sportplatzplanung bereits
angewendet bzw. sollen angewendet werden?
4. Welche Nutzer*innenzahlen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Altersgruppen – ergeben
sich für bspw. den Skatepark, die Abenteuerhallen Kalk und Kölner Spiel - und Sportplätze
allgemein?
5. Zu welchen Ergebnissen (aufgeschlüsselt nach Geschlechtervariable) kommen qualitative
Befragungen der Nutzer*innen dieser Orte bzw. falls keine solchen Befragungen durchgeführt
werden, wieso nicht?
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Michael Weisenstein, Fraktionsgeschäftsführer
1 https://www.mainz.de/medien/internet/downloads/ChecklisteSpielplaetze.PDF
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0453/2023
- Typ
- Die Linke. Anfrage nach § 4
- Datum
- 09.03.2023
- Erstellt
- 09.03.2023 10:22