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"Guter Lebensabend NRW" - Veröffentlichung des im Rahmen der Projektlaufzeit vom 01.04.2021-31.12.2022 erarbeiteten Handlungskonzeptes

Mitteilung Ausschuss 1158/2023 vom 16.05.2023

Stand: Am 17.08.2023 im Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.

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  • Anlage 1 Handlungskonzept Guter Lebensabend NRW--

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    HANDLUNGSKONZEPT ABBAU VON ZUGANGSBARRIEREN ZUM HILFE- UND PFLEGESYSTEM FÜR SENIOR*INNEN MIT INTERNATIONALER BIOGRAFIE MODELLKOMMUNE KÖLN BERATUNG UNTERSTÜTZUNG PFLEGE Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ............................................................................................................................................. 1 1.1. Begriffsklärung ............................................................................................................................. 4 2. Konzepte, Handlungsempfehlungen und Notwendigkeiten zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung von Senior*innen mit internationaler Biografie in Köln ...................................................... 5 3. Kriterien für die Projektarbeit im Bereich Migration und Alter .......................................................... 8 4. Interkulturelle Öffnung (IkÖ) und Interkulturelle Kompetenz: Anforderungen an das System der Altenhilfe und offenen Senior*innenarbeit .......................................................................................... 11 4.1. Ambulante Pflege- und Entlastungsdienste ............................................................................... 11 4.2. Offene Senior*innenarbeit ......................................................................................................... 12 4.2.1. Präventive Hausbesuche (PHB) ........................................................................................... 13 4.2.2. Senior*innenberatung ......................................................................................................... 14 4.3. Weitere Handlungsempfehlungen ............................................................................................. 15 5. Bedarfe und Kompetenzen der Migrationsarbeit ............................................................................. 15 5.1. Die Interkulturellen Zentren und Migrant*innenselbstorganisationen (MSO).......................... 16 7. Zusammenfassung, Fazit & Ausblick 2023 ........................................................................................ 18 1 1. Einleitung Im Jahr 2020 erfolgte ein Förderaufruf des Ministeriums für Kinder, Familie, Flucht und Integration (MKFFI) des Landes Nordrhein-Westfalen für Kommunen zum Thema „Guter Lebensabend NRW – Kul- tursensible Altenhilfe und Altenpflege für Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte“ . Durch geförderte Modellprojekte soll auf spezifische Bedürfnisse von Senior*innen mit internationaler Biografie in der Altenhilfe und -pflege eingegangen und für sie oftmals bestehende Zugangsbarrieren zu Regelangeboten abgebaut werden. Vor diesem Hintergrund erproben 21 Modellkommunen in NRW seit Anfang 2021 unterschiedliche innovative und praxisbezogene Ansätze zur Entwicklung einer diver- sitätssensiblen Altenhilfe und -pflege auf kommunaler Ebene. Die Arbeit in den Kommunen wird wis- senschaftlich durch das Evaluationsinstitut Univation GmbH und dem Institut für gerontologische For- schung e. V. (IFG e.V.) begleitet. Eine der am Modellvorhaben beteiligten Kommunen ist die Stadt Köln, die ihre Projektarbeit am 01.0 4.2021 aufgenommen hat. Es wurde ein Projektbeirat einberufen, der als Expert*innengremium das Projektteam seit Anfang 2022 in seiner Arbeit unterstützt und diesem beratend zur Seite steht. Der Beirat setzt sich aus politischen Vertreter*innen und Expert*innen aus den Bereichen Migration und Senior*innenarbeit zusammen. Die Interkulturelle Öffnung (IkÖ) der Senior*innenarbeit ist bei der Stadt Köln sowohl im Amt für Sozi- ales, Arbeit und Senior en als auch im Amt für Integration und Vielfalt institutionell verortet. Daher obliegt die strategische Projektsteuerung des „Guten Lebensabend“ den beiden Ämtern. Als externe Projektpartner*innen sind die AWO Bezirksverband Mittelrhein e.V., der Deutsch-Türkische Verein Köln e.V. (DTVK e.V.) sowie die SBK Sozial-Betriebe-Köln gemeinnützige GmbH (SBK gGmbH) mit der inhaltlichen Arbeit betraut . Die Projektpartner*innen bringen ihre jeweilige Expertise ein, um ein Handlungskonzept mit bedarfsorientierten Maßnahmenempfehlungen zu entwickeln. Ausgangslage Sowohl der Kölner Lebenslagenbericht von 2020 1 als auch der 2. Bericht zur kommunalen Pflegepla- nung2 von 2021 stellen fest, dass Personen mit internationaler Biografie zunehmend in die höheren Altersgruppen hineinwachsen. So lebten in Köln am Jahresende 2020 bereits 56.812 Menschen mit internationaler Biografie, die älter als 65 Jahre sind - mehr als ein Viertel der Bevölkerung in dieser Altersgruppe. Die sogenannten Gastarbeiter*innen haben das Rentenalter erreicht und kehren längst nicht alle, wie ursprünglich angenommen, in ihre Herkunftsländer zurück. Die Bedarfe der Zielgruppe ergeben sich durch  ihre Heterogenität3,  die oftmals niedrigen Haushaltseinkommen in Folge einer geringeren Qualifikation und un- günstigen Stellung am Arbeitsmarkt, 1 Dr. Dietrich Engels, Ferzaneh Fakdani, Dr. Vanita Matta, Amir Albouyeh: „1. Kölner Lebenslagenbericht 2020. Sozialbericht im Auftrag der Stadt Köln.“ (2020). Online abrufbar unter: https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/V-3/koel- ner_lebenslagenbericht2020_bfrei_.pdf [28.10.2022]. 2 SG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH: „Zweiter Bericht zur kommunalen Pflegeplanung der Stadt Köln.“ (2021). Online abrufbar unter: https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf50/zweiter_bericht_pflegepla- nung_ko%CC%88ln_druckdaten_bfrei.pdf [28.10.2022]. 3 Bezogen auf Faktoren wie Herkunft/Nationalität, Geschlecht, sexuelle Identität, Religion/Weltanschauung, körperliche und geistige Fähigkeiten, … (s. Kerndimensionen der Vielfalt: https://www.charta-der-vielfalt.de/fuer-arbeitgebende/viel- faltsdimensionen/ [19.01.23]). 2  einen vergleichsweise schlechteren Gesundheitszustand als bei älteren Menschen ohne mig- rationsbiografische Erfahrungen und einen früheren und gegebenenfalls größeren Pflegebe- darf4,  steigende Frauenerwerbsquoten und eine arbeitsmarktbedingte Ausdünnung sozialer Netz- werke, die es auch für Familien mit internationaler Biografie schwieriger machen, familiäre Unterstützungsleistungen aufrechtzuerhalten,  die Pendelmigration5 und die sich nur selten verwirkli chenden Rückkehrabsichten im Ruhe- stand sowie eine vergleichsweise geringere Auseinandersetzung mit dem Thema „Alt werden in Deutschland“,  fehlende Vorbilder älterer/pflegebedürftiger Menschen, da im Herkunftsland gebliebene El- tern und Großeltern nicht Teil des Alltags waren. Grundlage allen Handelns bilden rechtliche Vorgaben wie das Teilhabe - und Integrationsgesetz und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, in denen eine gleichberechtigte Teilhabe in allen gesell- schaftlichen Bereichen einschließlich der sozialen Dienste und Gesundheitsdienste verankert sind und nicht zuletzt Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes, d er besagt: „Niemand darf wegen seines Ge- schlechts, seiner Abstammung, [aus rassistischen Gründen], seiner Sprache, seiner Heimat und Her- kunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“. Zusätzlich zu den Regelangeboten, die die Handlungsfähigkeit und Teilhabe aller Senior*innen stärken sollen, gibt es einige Initiativen, die insbesondere die Chancengerechtigkeit von Senior*innen mit in- ternationaler Biografie zum Ziel haben. Eine dieser Initiativen ist das „Konzept zur Stärkung der Integ- rativen Stadtgesellschaft“6, das laut Koalitionsvereinbarung zwischen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt weiterentwickelt werden soll.7 Im Rahmen dieses Konzepts wurde bereits im Jahr 2013 ein Inter- kulturelles Maßnahmenprogramm entwickelt, das allen „Zugewanderten eine gleichberechtigte Teil- nahme am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellem Leben ermöglichen“ 8 soll. Schon 1999 wurde in einer Resolution auf einen dringenden Handlungsbedarf zum Abbau der Zugangs- barrieren in der Altenhilfe hingewiesen.9 Durch Angebote wie „Veedel für alle / Semtimiz Ehrenfeld“ 10 wird im Rahmen der offenen Senior*in- nenarbeit bereits an der gleichberechtigten Teilhabe gearbeitet. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, 4 zu den Gründen gehören schlechtere Arbeitsbedingungen, Armut, migrationsbiografische Erfahrungen, Diskriminierung, … 5 Pendelmigration bedeutet, dass Menschen mit internationaler Biografie einen längeren Zeitraum im Jahr in ihren Her- kunftsländern verbringen. 6 Online abrufbar unter: https://www.ki-koeln.de/assets/Uploads/pdf/Querschnitt/stk-integrationskonzept-2011-bf.pdf [30.03.23]. 7 Vgl. Bündnisvereinbarung „Gemeinsam für Köln. Ein Bündnis für eine nachhaltige, zukunftsgewandte und verlässliche Stadtpolitik.“ (2021): S. 70. Online abrufbar unter: https://www.gruenekoeln.de/fileadmin/user_upload/Ratsfrak- tion/Rat_2020-2025/B%C3%BCndnisvertrag21-25/210308_B%C3%BCndnisvertrag_GR%C3%9CNE_CDU_VOLT.pdf [30.03.23]. 8 Stadt Köln: „Interkulturelles Maßnahmenprogramm: Bestandsaufnahme der Maßnahmen zur Förderung der Integration, der Vielfalt und des interkulturellen Zusammenlebens in Köln.“ (2013): S. 6. Online abrufbar unter: https://www.ki- koeln.de/assets/Uploads/pdf/Interkulturelles-Massnahmenprogramm.pdf [30.03.23]. 9 Dokumentation der Fachtagung am 10. November 1999: „Alte Fremde - Fremd auch im Alter?“ - Eine neue Herausforde- rung für unsere Altenhilfe, S. 124-125. 10 Beratungs- und Unterstützungsdienst für Senior*innen aus dem Herkunftsland Türkei. Mehr Infos online unter: https://awo-koeln.de/ambulante-und-stationaere-pflege/veedel-fuer-alle-tuerkische-beratung-fuer-senioren.html [23.11.2022]. 3 „dass Senior*innen mit Migrationshintergrund mit den jetzigen Konzepten der Senior *innenpro- gramme nicht ausreichend erreicht werden“11. Die Notwendigkeit, Menschen mit internationaler Bio- grafie besser zu erreichen, ist also bekannt. Und da der Anteil älterer Menschen mit internationaler Biografie steigt, wird die Dringlichkeit, das Thema entschlossen und ganzheitlich anzugehen, ebenso steigen. Im Zuge der „Evaluation der kommunalen Programme der Senior*innenarbeit“ wird empfoh- len, die Programme regelmäßig dahingehend zu überprüfen , ob sie alle Senior*innen erreichen oder ob es für bestimmte Gruppen Zugangsbarrieren gibt.12 Schwerpunktsetzung des Kölner Projektteams Zu Projektbeginn erstellte die wissenschaftliche Begleitung für alle beteiligten Kommunen eine Stand- ortanalyse13, in der die Ausgangslage der jeweiligen Kommune und deren Zielsetzung im Hinblick auf die Entwicklung einer vielfaltsorientierten Altenhilfe und Altenpflege beschrieben wird und wichtige Daten für die zielgerichtete Ausrichtung geplanter Aktivitäten dargestellt sind. Diese Untersuchung bietet eine ausführliche Analyse der Situation in Köln und dient als Grundlage für die Arbeit des Pro- jektteams. In Anbetracht der Komplexität des Themas und aufgrund der vorerst kurzen Projektlaufzeit 14 erfolgte zu Projektbeginn eine Begrenzung der Themenschwerpunkte. Das Kölner Projektteam nahm die Ange- bote der offenen Senior*innenarbeit, vor allem die Beratungsangebote (Senior*innenberatung und präventive Hausbesuche) sowie die ambulanten Pflege- und Entlastungsdienste in den Fokus. Wei- terhin wurde eine verstärkte Vernetzung zwischen Träger*innen der Senior*innenarbeit und Mig- rant*innenselbstorganisationen (MSO) angeregt, um bestehende Schnittstellen herauszuarbeiten und besser bedienen zu können. Die Gründe für den ausgewählten Fokus waren:  Der Bericht zur Pflegeplanung des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (ISG) aus dem Jahr 2021 legt offen, dass von über 150 ambulanten Diensten lediglich drei Dienste Aspekte der „kultursensiblen Pflege“ in ihrem Leitbild führen.15  Sowohl Beratung als auch ambulante Dienste sind der stationären Pflege vorgelagert.  Aufgrund der Leitlinie „ambulant vor stationär“ empfiehlt sich die Priorisierung dieser Arbeits- bereiche. Es handelt sich um einen Grundsatz aus dem Sozialgesetzbuch, der n eben dem fi- nanziellen Aspekt vorsieht, Senior*innen so lange wie möglich das Leben in vertrauter Umge- bung zu ermöglichen.  Die Inanspruchnahme ambulanter Dienstleistungen ist insbesondere für Personen mit inter- nationaler Biografie attraktiv, da die Community als vertraute Umgebung bestehen bleibt.  Die präventiven Hausbesuche und die Senior*innenberatung sind erste Anlaufstellen und In- formationsquellen für den Zugang zum Pflegesystem. 11 ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (2022): „Evaluation der kommunalen Seniorenprogramme der Stadt Köln“ (2022), S. 161. 12 ebd. 13 siehe Anhang: Standortanalyse „Guter Lebensabend NRW - Kultursensible Altenhilfe und -pflege“ für die Stadt Köln. 14 Zum Zeitpunkt der Schwerpunktsetzung war das Projekt bis Ende 2022 befristet und keine Verlängerung vorgesehen. 15 SG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (2021): S. 47. 4  MSO haben einen guten Zugang zur Zielgruppe. Da der Projektumfang begrenzt ist, werden als Akteur*innen in der Migrationsarbeit aufgrund ihrer Organisationsstruktur insbesondere die von der Stadt Köln anerkannten Interkulturellen Zentren ins Auge gefasst. Trotz Themeneingrenzung wird im Rahmen des Handlungskonzeptes versucht, auch andere wichtige Bereiche mitzudenken. Diese können aufgrund ihrer Komplexität nicht vollumfänglich behandelt wer- den. Konkrete Zielsetzung des Modellprojekts in Köln Mit diesem Handlungskonzept hat sich das Kölner Projektteam folgende Ziele gesetzt:  Identifizierung von Zugangsbarrieren zu den Regelleistungen der Altenhilfe und -pflege ein- schließlich der Senior*innenberatung.  Evaluation und Weiterentwicklung diversitätssensibler Angebote für Senior*innen.  Konzipierung und Begleitung neuer Angebote.  Entwicklung und Erprobung neuer Formen von Beratungsstrukturen durch die Koordination und Vernetzung der Akteur*innen der Senior*innenberatung sowie der Migrationsberatung.  Unterstützung und Förder ung einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen der institutio- nellen Altenhilfe und -pflege und MSO.  Intensivierung und Unterstützung der interkulturellen Öffnung von Einrichtungen in der Alten- hilfe- und pflege.  Überprüfung der Umsetzung bereits formulierter Handlungsempfehlungen.  (Re-)Formulierung von Handlungsempfehlungen. 1.1. Begriffsklärung Mit den Begriffen „Menschen mit Einwanderungsgeschichte“ und „Menschen mit internationaler Bio- grafie“ ist die gleiche Personengruppe gemeint. Im weiterfolgenden Text wird der Begriff „internatio- nale Biografie“ genutzt. Die Begriffe „kultursensibel“ und „interkulturelle Öffnung “ werden insbesondere auf fachlicher und politischer Ebene diskutiert. Einerseits wird die Reduzierung einer Person auf die ethnische Her- kunft/Nationalität kritisiert, da vielschichtige Merkmale verschiedener Bereiche16 die individuellen Be- dürfnisse eines Menschen definieren. Andererseits jedoch bedürfen Rassismus und andere strukturelle Diskriminierungsformen sowie intersektionale Diskriminierung einem besonderen Fokus und müssen als Problem benannt und nicht hinter dem vielschichtigen Individuum „versteckt“ werden. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Begriff sollte letztendlich der Kontext ausschlaggebend sein: Handelt es sich um Situationen, in denen sich der Fokus auf die internationale Biografie einer Person nachteilig auswirkt oder die Person auf ihre internationale Biografie reduziert wird , sollte von einer Hervorhebung abgesehen werden. Kann jedoch ein Nachteil durch den Fokus auf die internationale Biografie ausgeglichen werden, sollte diese auch entsprechend betont werden.17 16 Die Kerndimensionen sind: Alter, ethnische Herkunft & Nationalität, Geschlecht & geschlechtliche Identität, körperliche und geistige Fähigkeiten, Religion & Weltanschauung, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft (vgl. Kerndimensionen der Vielfalt: https://www.charta-der-vielfalt.de/fuer-arbeitgebende/vielfaltsdimensionen/ [19.01.23]). 17 vgl. Fereidooni, Karim (2022): "Diversitätssensibilität", Vortrag zum Fachtag "Guter Lebensabend NRW - Zwischenbilanz 2022", Essen. 5 Dieses Handlungskonzept hat die Gruppe der Senior*innen mit internationaler Biografie im Fokus. Da so ohnehin die Aufmerksamkeit auf die Dimension „H erkunft/Nationalität“ gerichtet wird , dabei je- doch die Vielfalt an Faktoren , die ein Individuum ausmache n (Religion/Weltanschauung, soziale Her- kunft, etc.), nicht vergessen werden darf, wird das Projektteam im weiterfolgenden Text die Begriffe „diversitätssensibel“ oder „vielfaltsorientiert“ verwenden. In Zitaten wird der Begriff „kultursensibel“ jedoch weiterhin genutzt. „Diversitätssensible Pflege ist zu verstehen als eine personenzentrierte pfle- gerische Versorgung von Menschen unter Einbezug ihrer unterschiedlichen Diversitätsmerkmale, ihrer Biografie und ihrer individuellen Bedürfnisse.“18 Der Begriff „Interkulturelle Öffnung“ (IKÖ) ist in den meisten Kreisen und Ebenen zum aktuellen Stand verbreitet und wird auch hier verwendet. 2. Konzepte, Handlungsempfehlungen und Notwendigkeiten zur gesundheitlichen und pflege- rischen Versorgung von Senior*innen mit internationaler Biografie in Köln Seit mehr als 30 Jahren wird über die Gesundheitsversorgung von (älteren) Menschen mit internatio- naler Biografie gesprochen. Die Zugangsbarrieren zu gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung (präventive, kurative und rehabilitative Angebote) für diese Zielgruppe und die Bedarfe von älteren Menschen mit internationaler Biografie wurden vielfach eruiert und verschriftlicht.19 Auch in Köln wurden zahlreiche Empfehlungen und Notwendigkeiten formuliert, um den Zugang zu Altenhilfe- und Altenpflegeangeboten für Senior*innen mit internationaler Biografie zu verbessern. Die Umsetzung einiger Maßnahmen, darunter „ Veedel für alle / Semtimiz Ehrenfeld“ , „Brücken- bauer*innen Palliativ Care“, in einigen Senior*innennetzwerken zielgruppenspezifische Angebote (z.B. türkischer Lesekreis), muttersprachliche Beratung in der Synagogengemeinde, integratives Pflegeheim für türkischsprachige ältere Migran t*innen in Mülheim (SBK gGmbH), hat bereits dazu beigetragen, dass sich die Situation in Köln für ältere Menschen mit internationaler Biografie verbessert hat. Wei- tere diversitätssensible Angebote sind in Planung oder in der Testphase.20 Dennoch nehmen Senior*in- nen mit internationaler Biografie die kommunalen Regelangebote der Altenhilfe und -pflege sowie der offenen Senior*innenarbeit nach wie vor nicht im gleichen Maße in Anspruch wie ältere Menschen ohne internationale Biografie. Somit dient dieses Handlungskonzept auch als Überprüfung und Ergän- zung der bisher formulierten Empfehlungen. Das Projektteam hat für dieses Kapitel insbesondere die Empfehlungen und Erkenntnisse folgender Veröffentlichungen und Initiativen berücksichtigt: • das im Jahr 2010 entwickelte „Kommunale[s] Gesundheitskonzept für Menschen mit Migrationshintergrund in Köln“21 der seit 1991 bestehenden Arbeitsgruppe Migration & Gesundheit der Kommunalen Gesundheitskonferenz Köln, • das Konzept zur Stärkung der integrativen Stadtgesellschaft einschließlich des 18 Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Baden-Württemberg e.V.: „Diversitätssensible Altenhilfe: Eine Orientierungshilfe für die ambulante pflegerische Versorgung einer vielfältigen Gesellschaft.“ (2020): S. 5. Online ab- rufbar unter: https*//docplayer.org/191596086-Diversitaetssensible-altenhilfe.html [03.11.2022] 19 Auf diese wird in den Kapiteln 4 und 5 ausführlicher eingegangen. 20 Bspw. die Senior*innenberatung in Interkulturellen Zentren und anderen MSO. 21 AG Migration und Gesundheit der Kommunalen Gesundheitskonferenz Köln (Hrsg.): „Gesundheitsversorgung von Migran- tinnen und Migranten – 20 Jahre AG Migration und Gesundheit in Köln. Dokumentation.“ (2012): S. 58-67. Online abrufbar unter: https://docplayer.org/42963411-Gesundheitsversorgung-von-migrantinnen-und-migranten-20-jahre-ag-migration- und-gesundheit-in-koeln.html [23.01.2023]. 6 Interkulturellen Maßnahmenprogramms (Bestandsaufnahme und Maßnahmenempfehlungen) von 2013/2014, • der Workshop „Pflegebedürftige mit Migrationshintergrund und kultursensible Pflege“ im Juni 2020, der im Rahmen des 2. Berichts zur kommunalen Pflegeplanung durchgeführt wurde. Alle aufgeführten Veröffentlichungen schreiben vor allem anderen den Themen Sprache, bedarfsori- entierte Informationsvermittlung sowie interkulturelle Öffnung de r anbietenden Institutionen eine wichtige Bedeutung im Öffnungsprozess von Gesundheits- und Pflegeangeboten für Personen mit in- ternationaler Biografie zu und geben Handlungsempfehlungen, die ansatzweise bereits umgesetzt werden. Abbau sprachlicher Barrieren Sprachliche Barrieren werden als wesentliches Hindernis für die Teilhabe an bestehenden Angeboten identifiziert; infolgedessen wird der Einsatz mehrsprachigen Personals in allen Bereichen gefordert. Obwohl in den Ausschreibungen der Verbände Mehrsprachigke it für die Senior*innenberatung ge- wünscht wird, ist sie in der Praxis in den meisten zielgruppenrelevanten Sprachen noch nicht gegeben. Ein positives Beispiel ist die Synagogengemeinde, die zeigt, dass Sprache eine wichtige Kompetenz für das Erreichen der Menschen mit internationaler Biografie ist. Herkunftssprachliche Angebote gibt es mit den bei den Integrationsagenturen angesiedelten Integra- tionslots*innen und dem Ehrenfelder Angebot „Veedel für alle“ bereits seit 2009. Beide Angebote lau- fen auch im Jahr 2022 erfolgreich. Da die Integrationslots*innen22 jedoch beispielsweise bei den Bera- ter*innen der präventiven Hausbesuche wenig bekannt sind, werden bestehende Ressourcen nicht effizient genutzt. Informationen zu dem Angebot und den Kontaktmöglichkeiten sollten daher stärker bei hauptamtlichen Beratungsstellen wie der Senior*innen beratung und den Präventiven Hausbesu- chen verbreitet werden, um eine stärkere Inanspruchnahme zu erreichen. „Veedel für alle“ setzt auf Ehrenamtliche als Multiplikator*innen während die hauptamtlichen Koordi- nator*innen die Beratungsleistungen in türkischer Sprache übernehmen. Die ursprünglich vorgese- hene Ausweitung von „Veedel für alle“ auf weitere Bezirke steht noch aus. Auf den Bedarf, insbeson- dere in den Bezirken Kalk, Porz und Mülheim, wurde auch im Workshop „Pflegebedürftige mit Migra- tionshintergrund und kultursensible Pflege“ seitens der referierenden Expert*innen hingewiesen. Auch das Gesundheitszentrum für Migrant*innen23 bietet (hauptamtlich) mehrsprachige Beratungen zum deutschen Gesundheitssystem an. Beide Programme laufen jedoch an ihrer Kapazitätsgrenze und sind aufgrund eines festen lokalen Standorts eingeschränkt erreichbar. 22 Die Integrationslots*innen sind nicht ausschließlich für den Gesundheitsbereich zuständig. 23 Seit 1995 gibt es das Gesundheitszentrum für Migrant*innen (Trägerschaft Paritätischer Wohlfahrtsverband), welches sowohl Menschen mit Einwanderungsgeschichte als auch Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens bei ihrer Arbeit mit Personen mit Einwanderungsgeschichte unterstützt. Mehr Informationen zum Gesundheitszentrum online unter: www.gfm-koeln.de [15.11.22]. 7 Bedarfsorientierte Informationsvermittlung Zur bedarfsorientierten Informationsvermittlung zählen mehrsprachige Informationsmaterialien und - veranstaltungen, niedrigschwellige Beratungsangebote sowie Integrationsbeauftragte, die in Einrich- tungen für Fragen zur vielfaltsorientierten Pflege und interkulturellen Öffnung zuständig sind. Ein Beispiel für bedarfsorientierte Informationsvermittlung ist der Gesundheitswegweiser, der 1995 entwickelt wurde und eine Übersicht über sämtliche mehrsprachige Angebote des Kölner Gesund- heitssystems gibt. Die letzte im Internet auffindbare Aktualisierung des Wegweisers erschien 2014 24. 2019 wurde der Wegweiser „geöffnet“, Menschen mit internationaler Biografie wurden nicht mehr gezielt angesprochen. Die eingetragenen Gesundheitsangebote wurden in das erweiterte Auskunfts- tool „in.koeln - soziale Infrastruktur“25 übertragen, welches seit April 2022 für die Öffentlichkeit zu- gänglich ist und auch gesundheitliche Angebote abbildet. Menschen mit internationaler Biografie ha- ben nun durch die Filterfunktion nach Sprachen in dem Auskunftstool die Möglichkeit passgenaue An- gebote zu finden. Informationen über Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen mit mehrsprachigen Kompetenzen, wie beim ursprünglichen Gesundheitswegweiser, sind aus Datenschutzgründen nicht vorgesehen. Diese können - wenn auch deutlich weniger niedrigschwellig - inzwischen bei der Kassen- ärztlichen Vereinigung Nordrhein26 abgerufen werden. Formulierte Handlungsempfehlungen im Bereich bedarfsorientierte Informationsvermittlung bezie- hen sich auf die Etablierung mehrsprachiger Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote durch die Zusammenarbeit und Vernetzung der Regelangebote mit migrantischen Organisationen. Diese Empfehlung geht Hand in Hand mit Bestrebungen der Vernetzung zwischen Interkulturellen Zen- tren und den Systemen der ambulanten und stationären Altenpflege, um die Zugänge zum System der Altenhilfe zu erleichtern. Interkulturelle Öffnung Als dritten Punkt fordern Expert*innen seit jeher die Interkulturelle Öffnung von Angeboten der Alten- hilfe und -pflege.27 Als wichtiger Teil wird regelmäßig die Personalentwicklung genannt, entweder in Form von Fortbildungen28 zu Diversitätssensibilität oder der Forderung nach spezifischen Kompeten- zen als Schlüsselqualifikation bei der Einstellung neuer Mitarbeiter*innen. Dazu gehört auch die For- derung, interkulturelle Kompetenzen bereits in der Pflegeausbildung zu fördern. Bereits 2002 wurde durch die Neuregelung der Ausbildungs - und Prüfungsverordnung für Altenpfleger*innen, „ ethnien- spezifische und interkulturelle“ Aspekte sowie Glaubens- und Lebensfragen in die Pflege integriert. 29 Inwiefern dies im Unterricht gestaltet wird, muss überprüft werden. Eine weitere Forderung im Rahmen des Workshops „Pflegebedürftige mit Migrationshintergrund und kultursensible Pflege“ war die Anpassung der Diagnose - und Anamnesemethoden. So wurde zum ei- 24 Siehe online unter: https://www.wiku-koeln.de/fileadmin/user_upload/201405_gww_14_online-1.pdf [15.11.22]. 25 Siehe online unter: https://so-in.stadt-koeln.de/in.koeln [28.10.22]. 26 siehe online unter: https://patienten.kvno.de/ [27.01.2023]. 27 Siehe Dokumentation der Fachtagung „Alte Fremde – Fremd auch im Alter?“ (1999). 28 vgl. Interkulturelles Maßnahmenprogramm: Bestandsaufnahme (2013), S. 51. 29 „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für den Beruf der Altenpflegerin und des Altenpflegers (Altenpflege-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung – AltPflAPrV)“ (2002): S. 10. Online abrufbar unter: https://www.bmfsfj.de/re- source/blob/77748/ba6555c7056db46c24137ba09b7dddfe/ausbildungs-und-pruefungsverordnung-data.pdf [27.01.2023]. 8 nen die Entwicklung einer „kulturneutralen“ Diagnosemethode und zum anderen Angebote zur Diag- nostik von Demenz, welche die sprachlichen und kulturellen Besonderheiten beachten, empfohlen. Es ist bekannt, dass der „Einsatz von Screening-Instrumenten30 aufgrund sprachlicher Defizite, geringe r Bildungshintergrund und kulturellen Besonderheiten kaum möglich sind. Insbesondere fehlen Scree- ning-Instrumente zur Erfassung kog nitiver Störungen bei Migranten, die die deutsche Sprache nicht bzw. schlecht beherrschen.“31 3. Kriterien für die Projektarbeit im Bereich Migration und Alter Die Kölner Projektlandschaft der Schnittstelle Senior*innen und Migration ist nicht so vielfältig wie Köln selbst. Über die Betrachtung einzelner Maßnahmen hat das Projektteam einige Faktoren identifi- zieren können, die für das Gelingen der Vorhaben mitentscheidend sind. Diese Faktoren werden an dieser Stelle anhand von Beispielen vorgestellt . Dabei macht sich das Projektteam die „Kriterien für gute Praxis einer soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung“32, eine Publikation des Kooperations- verbunds Gesundheitliche Chancengleichheit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung , zunutze. Der Einfachheit halber bedient sich das Projektteam der Begrifflichkeiten aus dieser Publika- tion. Die Projekte und Programme, um die es an dieser Stelle geht, sind „Veedel für alle / Semtimiz Ehren- feld“, die „Brückenbauer*innen Palliativ Care“33 sowie der „Einsatz von Sprachmittler*innen im Be- zirksrathaus Mülheim“. Im Vordergrund der Projekte steht die Chancengleichheit beim Zugang zu Re- gelangeboten insbesondere der Senior *innenberatung. Zudem wird ein Blick auf die 2022 erstmalig durchgeführten „Senior*innenmessen“ in den Bezirken Chorweiler und Innenstadt geworfen, aus de- nen sich ebenfalls Erkenntnisse ergeben. Organisator*innen der „Senior*innenmesse“ in Chorweiler waren der DTVK e.V., die Synagogenge- meinde Köln, die Sozialraumkoordination Chorweiler sowie der Caritasverband für die Stadt Köln e.V.. Als Interkulturelle Zentren und MSO haben sowohl der DTVK e.V. als auch die Synagogengemeinde guten Zugang zur designierten Zielgruppe der Senior*innen mit internationaler Biografie. Die „Se- nior*innenmesse“ in Chorweiler war gut besucht und kann als best-practice Beispiel für Veranstaltun- gen, die Senior*innen mit internationaler Biografie erreichen wollen, dienen. Einer der Gründe ist der eindeutige Zielgruppenbezug, da die Veranstaltung durch den Veranstaltungsrahmen, das Programm sowie die Bewerbung klar auf Senior*innen mit internationaler Biografie ausgerichtet war. Die Ziel- gruppe ist Kern und Orientierungspunkt bei Projekten. Daher ist sie vor und während der Planung klar zu definieren. 30 „Ein Screening (englisch screen = Bildschirm, to screen im weiteren Sinne = sichtbar machen) ist in der Medizin und Pflege ein systematisches Testverfahren oder eine Früherkennungsuntersuchung. Mittels einer kurzen, leicht durchführbaren Er- hebung (Screeninginstrument) werden die Menschen ermittelt, die gefährdet sind, eine bestimmte Krankheit zu entwi- ckeln, oder die bereits davon (bisher unwissentlich) betroffen sind. Die Durchführung bestimmter Screenings (zum Beispiel das Erfassen des Ernährungsstatus) wird für alle Patienten bei Aufnahme ins Krankenhaus, alle Bewohner bei Einzug ins Pflegeheim sowie für bestimmte Patientengruppen in der Arztpraxis empfohlen.“ (s. https://pflege.fan- dom.com/de/wiki/Screening) 31 vgl. Dr. Ali Kemal Gün: „Öffnung des Gesundheits- und Pflegesystems für ältere Migranten“. Vortrag auf der 2. Sitzung des Beirats der Landesregierung für Teilhabe und Integration am 6. Februar 2019. 32 Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit: „Kriterien für gute Praxis einer soziallagenbezogenen Gesund- heitsförderung“ (2021), 4. Aufl.: https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/fileadmin/user_up- load/pdf/Good_Practice/21-08-30_Broschuere_Good_Practice-Kriterien_neu_barrierefrei_01.pdf [18.11.2022]. 33 Das von Bundesebene geförderte Modellprojekt „Brückenbauer*innen Palliativ Care“ ist ein neueres Projekt zur Mehr- sprachigkeit, das auf professionelle Strukturen setzt und in Kooperation zwischen dem Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte e.V. und dem Diakonischen Werk Köln und Region gGmbH umgesetzt wird. Das Modellprojekt endet 2024. 9 Die „Senior*innenmesse im Bezirk Innenstadt“ wurde von dem Gesundheitszentrum für Migrant*in- nen, dem Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz , der VHS Köln, sowie von den Senior*innenkoordi- nator*innen der Bezirke Innenstadt und Rodenkirchen organisiert . Durch die Vielzahl diverser Ak- teur*innen und Einrichtungen, die ihre Angebote vorstellten, waren die Rahmenbedingungen für eine Vernetzung untereinander gegeben und konnten daher intensiv genutzt werden. Neben der Vernet- zung waren Senior*innen mit internationaler Biografie ebenfalls als Zielgruppe deklariert. Da Rahmen und Programm eher auf die Vernetzung zugeschnitten waren, fanden insgesamt weniger ältere Men- schen den Weg dorthin. Da die Planung und der Ablauf einer Veranstaltung für Senior*innen mit inter- nationaler Biografie sich von einer Vernetzungsveranstaltung unterscheiden, ist eine klare Festlegung einer Zielgruppe der erste Schritt für jegliche Maßnahmen. Eine Evaluation der „Senior*innenmessen“ könnte durch ein verstärktes Qualitätsmanagement opti- miert werden. Während die Resonanz der Vernetzungsmesse in der Innenstadt über die Anmeldungen der Akteur*innen nachvollziehbar ist, blieb bei beiden Veranstaltungen eine quantitative Erfassung der Zielgruppe aus. Berichte verschiedener Teilnehmenden lassen zwar Eindrücke zu, jedoch sind die Be- richte in ihrer Wahrnehmung möglicherweise zu subjektiv, um fundierte Erkenntnisse daraus ziehen zu können. Grundsätzlich ist eine kontinuierliche Erfassung quantitativer und qualitativer Faktoren wünschenswert, um fundierte Refl exionsprozesse und Modifizierungen der Maßnahmen zu ermögli- chen. Ein weiteres wesentliches Kriterium für eine „gute Praxis“ ist die Erstellung einer Konzeption, die die ergriffenen Maßnahmen unter Anbetracht der Einflussfaktoren begründet und die theoreti sche Grundlage liefert. Im Falle der „Brückenbauer*innen“ konnte für die Konzeption beispielsweise auf Erfahrungen aus Berlin der „Interkulturellen Brückenbauer*innen in der Pflege“ (IBIP) zurückgegriffen werden. Hieraus ergab sich unter anderem die Entscheidung, das Programm auf Hospiz- und Palliativ- versorgung auszuweiten. Auch „Veedel für alle“ startete 2009 mit einer Konzeption, die nach Projektstart – unter anderem durch den Input der mehrsprachlichen Mitarbeiter*innen mit internationaler Biografie34 – sukzessive ange- passt wurde. Da „Veedel für alle “ als erstes Projekt gezielt darauf hinarbeitete , türkischstämmigen Kölner*innen den Zugang zu den Regelangeboten der Senior*innenberatung zu erleichtern, konnte auf wenig Erfahrung für die theoretische Grundlage zurückgegriffen werden. Durch die Anpassungen der Konzeption, die den Tätigkeitsbereich von Koordination und Ehrenamtlichen sowie Reaktionen auf aktuelle Bedarfslagen während der gesamten Programmlaufzeit betreffen, agiert „Veedel für alle“ seit Jahren bedarfsgerecht. Das Projekt im B ezirksrathaus Mülheim zeigt , dass eine ausreichende Vorlaufphase wichtig ist. Das dortige Angebot wurde kurzfristig als Reaktion eines akuten Bedarfes und einer temporär vorhande- nen Finanzierung ins Leben gerufen und war aus diesem Grund von Anfang an auf wenige Monate befristet. Mit einer längeren Planungsphase hätten Einflussfaktoren (wie z.B. die Sommerferienzeit) besser abgewägt und mögliche Ansprechpersonen zur Kooperation mit türkischen Communities inten- siver einbezogen werden können. So hätte auch dieses kleinere und niedriger budgetierte Projekt wir- kungsvoller gestaltet werden können. Aufgrund von Qualitätsmanagementmaßnahmen konnten je- doch einige Erkenntnisse aus dem Projekt gezogen werden. E in Kooperationsp rojekt zwischen Se- nior*innenberatung, Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz, Interkulturellen Zentren sowie MSO und „Brückenbauer*innen“ wird auf der Grundlage dieser Erkenntnisse aktuell erprobt. 34 vgl. Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit (2021): Kriterium Partizipation, S.29. 10 Auf Anfrage einer MSO, die von der AG Senior*innen Liga/SBK der Wohlfahrtsverbände und dem Re- gionalbüro Alter, Pflege und Demenz aufgegriffen und weiterentwickelt wurde, bieten Senior*innen- berater*innen seit April 2022 regelmäßig Sprechstunden - bei Bedarf mit Begleitung der „Brücken- bauer*innen“ - in 7 Interkulturellen Zentren und weiteren MSO35 (Stand September 2022) an. Der Kon- zeptfokus liegt dabei vor allem auf der Vermittlung zu den Regelangeboten der Senior*innenberatung durch persönliche Ansprache. Aufgrund der erst kurzen Laufzeit kann das Projekt zu diesem Zeitpunkt noch nicht evaluiert werden. Nach Gesprächen mit einzelnen Einrichtungen zeichnet sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ab , dass Gruppenangebote (Beratung/Informationsvermittlung) schneller von der Zielgruppe angenommen werden als Einzelberatungen. Ein weiterer essenzieller Faktor für den Erfolg einer Maßnahme ist die Öffentlichkeitsarbeit. Bevor die „Brückenbauer*innen“ Anfang 2022 ihre Tätigkeit aufnahmen, hatte die Koordinatorin das Projekt in sämtlichen Gremien, Runden Tischen, Arbeitskreisen und Netzwerkveranstaltungen der Senior*innen- und Migrationsarbeit gleichermaßen vorgestellt, E -Mailverteiler g enutzt sowie Gespräche geführt. Durch den hohen Bekanntheitsgrad wurden die „Brückenbauer*innen“ bereits unmittelbar nach Pro- jektstart eingesetzt. Auch nach offiziellem Beginn des Projekts ist die Netzwerkarbeit immer noch ein wichtiger Baustein. Auch zu Beginn von „Veedel für alle “ standen die Bekanntmachung des Projekts und die Zielgruppen- ansprache im Fokus. Nachdem das Projekt im September 2009 startete, waren im April 2010 bereits die ersten ehrenamtlichen Helfer*innen ausgebildet und fungierten über die Öffentlichkeitsarbeit der Koordinator*innen hinaus als Multiplikator*innen. Anhand der beiden Projekte „Veedel für alle“ und „Brückenbauer*innen Palliativ Care“ wird die nied- rigschwellige Zielgruppenansprache sowie die Bedeutung, die ihr beigemessen wird, sichtbar. Erfah- rungen zeigen deutlich, dass die Kund*innenakquise in Form von Flyern und E-Mailverteiler bei der Zielgruppe der Senior*innen mit internationaler Biografie nicht ausreichen . Daher bewarben die je- weiligen Koordinator*innen ihre Projekte durch persönliche Ansprache der Zielgruppe und der Einrich- tungen der Communities (Setting-Ansatz als Einbindung in die Lebenswelten der Zielgruppe ). Zudem wurde die Bewerbung insgesamt über einen längeren Zeitraum intensiv aufrechterhalten (vgl. Öffent- lichkeitsarbeit). Eine persönliche Ansprache durch ausgebildete Mitglieder der Communities im Sinne eines Multiplikator*innenkonzepts ist dabei ebenfalls zielführend. Das Kriterium Empowerment (Selbstbefähigung) ist für Projekte der soziallagenbezogenen Gesund- heitsförderung ebenfalls relevant , da es die Handlungsfähigkeit der Zielgruppe anspricht und so für eine größere Chancengleichheit sorgt. Einerseits kann die Vermittlung von Informationen, wie es sich „Veedel für alle“ sowie die „Brückenbauer*innen“ zur Aufgabe gemacht haben, die individuelle Hand- lungsfähigkeit der Senior*innen in den Bereichen Gesundheit und Pflege stärken. Andererseits haben die Multiplikator*innenkonzepte der beiden Initiativen durch die Weitergabe von Wis sen einen posi- tiven Effekt auf die Handlungsfähigkeit der Communities, indem sie ihnen die Zugänge zum Altenhilfe- und Altenpflegesystem näherbringen. Durch das Empowerment der Zielgruppe soll diese in ihrer Teil- habe an den Regelangeboten so nachhaltig gestärkt werden. Die „Kriterien für gute Praxis der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung“ des Kooperationsver- bunds Gesundheitliche Chancengleichheit vervollständigen die Liste der hier angespro chenen Krite- rien. Angesichts der unterschiedlichen Erfolge der angesprochenen Projekte, die sich anhand einiger 35 Die Zentren und Organisationen sind: Gesundheitszentrum für Migrant*innen, Polnische Katholische Mission, DITIB Köln, Deutsch-Türkischer Verein e. V., Alevitisches Kulturzentrum (AKZ), Interkulturelles Zentrum Ostheim, InterKultur e.V. 11 der Kriterien erklären lassen, rät das Projektteam dringend zur deren frühzeitigen Hinzuziehung bei der Gestaltung neuer Projekte. Handlungsempfehlungen Für die Kölner Projektlandschaft an der Schnittstelle Senior*innen und Migration ist eine verstärkte Qualitätssicherung sinnvoll, um Lernprozesse anzustoßen und begrenzte Res- sourcen effizienter einzusetzen. Berücksichtigung der „Kriterien für gute Praxis zur soziallagenbezogenen Gesundheitsför- derung“ bei entsprechenden Projekten. 4. Interkulturelle Öffnung (IkÖ) und Interkulturelle Kompetenz: Anforderungen an das System der Altenhilfe und offenen Senior*innenarbeit 4.1. Ambulante Pflege- und Entlastungsdienste Ende 2021 ermittelte das Projektteam den Stand der Interkulturellen Öffnung ambulanter Pflege- und Entlastungsdienste sowie deren Bedarfe zu dem Thema durch eine Onlinebefragung36. Informationen aus Gesprächen mit relevanten Akteur*innen aus dem Bereich Migration/Integration, die Fortbildung für Betreuungsdienste 37 sowie der „Zweite Bericht zur Kommunalen Pflegeplanung der Stadt Köln “ flossen ebenfalls in die Identifizierung von Zugangsbarrieren und die daraus abgeleiteten Handlungs- empfehlungen ein. Identifizierte Zugangsbarrieren Handlungsempfehlungen 1) Sprachliche Barrieren:  Sprache schafft Vertrauen – daran ist die Be- deutung einer gemeinsamen Kommunikati- onsbasis zu erkennen. Senior*innen ohne o- der mit wenig Deutschkenntnissen brauchen entsprechend länger, um V ertrauen zu den Pflegenden/Betreuer*innen aufzubauen.  Anamnese und Pflege sind weniger individu- ell ausgerichtet und können an Qualität ein- büßen, wenn Beschwerden, Bedarfe und Empfindungen aufgrund der vorhandenen Sprachbarriere nicht hinreichend kommuni- ziert werden können.  16% der Mitarbeitenden sind mehrspra- chig.38 Erschwert wird der gezielte Einsatz der Mehrsprachigkeit durch die Tendenz, Mehrsprachigkeit als Ressource anerken- nen. Verbesserung des Arbeitsumfeldes um durch Personalkontinuität die Vertrauens- basis zu Kund*innen zu stärken und Mehr- sprachigkeit als Ressource strategisch einzu- setzen. Förderung der Anerkennung ausländischer Qualifizierungen im Pflegebereich. 36 Rücklauf: 12,6%, 33 von ca. 260 Angefragten (exklusive rückgemeldeter fehlerhafte E-Mailadressen o.ä.). 37 Am 21. Juni Mai 2022 führte das Projektteam in Kooperation mit dem Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz für Köln und das südliche Rheinland eine 2-stündige virtuelle Fortbildung zum Thema „Interkulturelle Kompetenzen“ für (Einzel-)Un- ternehmer*innen im Bereich Betreuungsdienstleistungen durch. Bei allen Teilnehmenden der Fortbildung handelt es sich um anerkannte Anbieter*innen, die die Pflichtschulung absolviert haben. Es nahmen insgesamt 12 Personen an der Fortbil- dung teil. 38 ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (2021): S. 48. 12 dass Pflegekräfte zunehmend auch über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt sind und so be- stehende sprachliche Ressourcen strategisch kaum eingeplant werden können. 2) Fehlende diversitätssensible Öffnung: Wenig vorhandene interkulturelle Kompetenz und Sensibi lität der Mitarbeitenden für vielfäl- tige Lebenswelten , sodass auf Diversität nicht bedarfsgerecht eingegangen werden kann.  Wenig Kenntnisse kultur-/religionsbedingter bzw. individueller Ausdrücke von Scham, Schmerzen, Bedarfe, etc.  Pflegende mit Zusatzqualifikation in der „kultursensiblen Pflege “ sind mit 0,9% die absolute Ausnahme.39 Stärkere Gewichtung d iversitätssensibler Pflege in den Lehrplänen der Pflegeausbil- dung  ggf. Schulung der Dozent*innen. Anreize schaffen für die interkulturelle Öff- nung ambulanter Dienste (insbesondere an- gesichts der Prämisse „ambulant vor statio- när“), bspw. durch Förderprogramme oder Aufklärung zur Notwendigkeit/zum Mehr- wert einer IKÖ Entwicklung lebenswelt- & bedarfsorientier- ter Konzepte Erarbeitung eines Wegweisers zur interkul- turellen Öffnung für ambulante Pflege- und Entlastungsdienste.40 3) Kaum niedrigschwelliger Zugang:  Komm-Struktur41 bei der Kontaktaufnahme  Bürokratische Strukturen Zielgruppenansprache Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit Vernetzung mit Interkulturellen Zentren und MSO 4) Informationsdefizit: auf Seiten der Senior*innen zu verschiedenen Gesundheitsthemen sowie zum Anspruch auf den Zugang zu Regelangeboten Öffentlichkeitsarbeit und mehrsprachige In- formationskampagnen & -veranstaltungen in Kooperation mit In terkulturellen Zentren und MSO 4.2. Offene Senior*innenarbeit Für die Analyse der Bedarfe und Ressourcen der offenen Senior*innenarbeit stand für das Projektteam die Vernetzung im Vordergrund, um für einen möglichst gesamtheitlichen Eindruck Informationen von verschiedensten Stellen einfließen zu lassen. Die an dieser Stelle präsentierten Ergebnisse zur offenen Senior*innenarbeit beziehen sich vor allem auf die Senior*innenberatung sowie die Präventiven Haus- besuche (PHB), da es sich bei diesen beiden Angeboten um die ersten Anlaufstellen zum A lten- und 39 ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (2021): S. 49. 40 Das GL-Projektteam arbeitet zurzeit an der Fertigstellung eines Wegweisers zur Interkulturellen Öffnung ambulanter Pflege- und Entlastungsdienste. 41 „Komm“-Struktur meint ein Setting, bei dem die Klient*innen die Einrichtung/Beratung aufsuchen; also zur/m Anbieten- den „kommen“. „Geh“-Struktur beschreibt das Setting, bei dem die*der Anbietende sich in die Lebenswelt der Klient*innen begibt; also zu den Klient*innen „geht“. 13 Pflegesystem handelt. Bei den folgenden Zugangsbarrieren, die im Rahmen von gemeinsamen Aus- tauschgesprächen diskutiert wurden, handelt es sich überwiegend um Einschätzungen der Berater*in- nen. 4.2.1. Präventive Hausbesuche (PHB) Identifizierte Zugangsbarrieren Maßnahmeempfehlungen 1) Sprachliche Barriere:  Infobrief erfüllt seinen Informationszweck nur wenig, da er nur auf Deutsch versendet wird, das Beratungsangebot bleibt vielen un- bekannt.  Existierendes mehrsprachiges Infomaterial ist zu wenigen Personen in Schlüsselpositio- nen bekannt.  Beratungen erfolgen fast ausschließlich in deutscher Sprache. Mehrsprachige Version des Anschreibens der Präventiven Hausbesuche über QR-Code im Brief abrufbar (mit Hinw eis in den fünf meistgesprochenen Sprachen z.B.). Systematische Verbreitung des mehrspra- chigen Infomaterials. Informationsveranstaltungen in I nterkultu- rellen Zentren und MSO. Fokus auf Mehrsprachigkeit und interkultu- relle Kompetenz bei Neueinstellungen (be- zirksübergreifende Tätigkeit mehrsprachi- ger Berater*innen). Enge Zusammenarbeit mit den „Brücken- bauer*innen Palliativ Care“. Liste mit Kultur - und Sprachmittler*innen42 bereitstellen. 2) Geringe Diversitätssensibilität:  Geringe interkulturelle Kompetenz und Sen- sibilität für vielfältige Lebenswelten und Ge- wohnheiten der Berater*innen.  Kultur-/religionsbedingte bzw. individuelle Ausdrücke von Scham, Schmerzen, Bedar- fen, etc. werden oft nicht als solche erkannt. Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen der Berater*innen für Diversitätssensibilität. Reflektionsräume für Berater*innen schaf- fen. 3) Fehlender niedrigschwelliger Zugang:  Keine spezifische Zielgruppenansprache.  Weitervermittlung bspw. zur Senior*innen- beratung ist nicht persönlich begleitet. So stellt die Komm -Struktur der den PHB fol- genden Angebote auch weiterhin ein Hin- dernis dar. Prozessbegleitung durch Brückenbauer*in- nen oder Integrationslots*innen und/oder durch die Berater*innen der PHB (Aufsto- cken der Stellen). 4) Informationsdefizit auf Seiten der Zielgruppe zu verschiedenen Gesundheitsthemen sowie ex- plizit zum Anspruch auf eine kostenlose, präven- tive Beratung. Mehrsprachige Informationskampagnen & - veranstaltungen in Kooperation mit I nter- kulturellen Zentren und MSO. Einsatz von Multiplikator*innen. 42 „Brückenbauer*innen Palliativ Care“, „Integrationslots*innen, Stadtteilmütter, etc. 14 4.2.2. Senior*innenberatung Identifizierte Zugangsbarriere Maßnahmeempfehlungen 1) Die Senior*innenberatung – unabhängig vom Standort und Träger – kann als Teil ei- ner Behörde/eines Amtes wahrgenommen werden. Dies kann erfahrungsbasierte Vor- behalte triggern und Unsicherheit erzeugen. Netzwerkarbeit zwischen der offenen Se- nior*innenarbeit und den I nterkulturellen Zentren und MSO intensivieren (mehr Kapa- zitäten einräumen). Informationsveranstaltungen v.a. in i nter- kulturellen Zentren und MSO , die die Ziel- gruppe ältere Menschen als Besucher*in- nen haben. Einsatz von Multiplikator*innen. 2) Aufgrund bürokratischer Prozesse sind viele Senior*innen mit und ohne internationale Bio- graphie auf Unterstützung angew iesen. Mögli- che Sprachbarrieren erschweren darüber hinaus für die Betroffenen mit internationaler Biogra- phie den Zugang zu den Regelangeboten. Sozialberatung und Betreuungsdienste niedrigschwelliger und interkulturell aus- richten, die bei bürokratischen He rausfor- derungen helfen können. Ausweitung bzw. Anschlussförderung funk- tionierender Angebote wie „Veedel für alle“, “Brückenbauer*innen Palliativ Care“, ... 3) Sprachliche Barrieren:  Beratung findet fast ausschließlich in deut- scher Sprache statt.  In den oft von der Zielgruppe bevorzugten offenen Sprechstunden fehlen Möglichkei- ten, Sprachbarrieren zu begegnen.  Terminbasiertes Format setzt deutsche Sprachkenntnisse für die Terminvereinba- rung voraus.  Für die Teilhabe der älteren Menschen ist das direkte Gespräch mit ihnen zu gesund- heitlichen Themen relevant. Der Einsatz von nicht themenspezifisch geschulten Sprach - und Kulturmittler*innen (inkl. Angehörige) kann Abhilfe schaffen, ersetzt jedoch nicht das direkte Gespräch. Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kom- petenzen bei der Einstellung von Senior*in- nenberater*innen mehr Bedeutung bei- messen. Mehrsprachige Senior*innenberatungsstel- len schaffen. Veedel für alle als offizielle Senior*innenbe- ratungsstelle anerkennen. Enge Zusammenarbeit mit den Brücken- bauer*innen Palliativ Care. 4) Fehlender niedrigschwelliger Zugang:  Komm-Struktur bei Kontaktaufnahme.  Das terminbasierte Format der Träger ist weniger niedrigschwellig, jedoch gleichzeitig besser geeignet, um Sprach- und Kulturmitt- ler*innen hinzuzuziehen.  Bezirksämter als Orte der offenen Sprech- stunden. Regelmäßige Informationsveranstaltungen in Interkulturellen Zentren und MSO , um persönlichen Erstkontakt zu ermöglichen und im selben Zuge Beratungstermine zu vereinbaren.  Handlungspotential der Zielgruppe stärken. Ausweitung von „Veedel für alle“ auf die Be- zirke Mülheim, Chorweiler, Kalk, (Porz) un- ter Berücksichtigung der me istgesproche- nen Sprachen. 15 Offene Sprechstunden an niedrigschwelli- geren Orten wie Bürgerzentren o.ä. fördern. 5) Geringe Diversitätssensibilität  Unzureichende interkulturelle Kompetenz und Sensibilität für vielfältige Lebenswelten und Gewohnheiten der Berater*innen.  Kultur-/religionsbedingte bzw. individuelle Ausdrücke von Scham, Schmerzen, Bedar- fen, etc. werden oft nicht als solche erkannt. Regelmäßige Schulungen und Fortbildun- gen zu interkulturellen und diversitätssen- siblen Kom petenzen für die Senior*innen- berater*innen etablieren. Reflektionsräume schaffen für der Bera- ter*innen. 4.3. Weitere Handlungsempfehlungen Erstellung mehrsprachiger Informationen, die systematische Sammlung von Material und de- ren niedrigschwellige, systematische Verbreitung.43 Weitergehende Kooperation zwischen dem Amt für Soziales, Arbeit und Senioren und dem Amt für Integration und Vielfalt im Sinne von Integration als Querschnittsaufgabe und der guten Verankerung beider in den jeweiligen Netzwerken und Strukturen der fachlichen Kontexte. Verstetigung des Projektes „Die Brückenbauer*innen Palliativ Care“ nach Ende der Projektlauf- zeit durch kommunale Förderung. Übersetzung der Plattform in.koeln in verschiedene Sprachen, um den gleichberechtigten Zu- gang für alle Kölner Bürger*innen (mit und ohne internationale Biografie) zu ermöglichen. Fortlaufende Schulung und Sensibilisierung der Lehrenden/ Dozent*innen in Pflegeschulen zu den Themen interkulturelle Kompetenzen und diversitätssensible Altenpflege. Ausweitung des Angebots „Veedel für alle“ auf weitere Stadtbezirke, insbesondere Porz, Kalk, Mülheim und Chorweiler. Das Fach „Interkulturelle Kompetenz“ muss als prüfungsrelevantes Querschnittsthema (wie z.B. diversitätssensitive Diagnostik, Pflege und Behandlung) in die Lehrpläne (Curricula) aller Ausbildungsinstitute der Gesundheits- und sozialen Dienste aufgenommen werden. Herkunftssprachliche Sozialberatung für Senior*innen mit internationaler Biografie. 5. Bedarfe und Kompetenzen der Migrationsarbeit Im Rahmen der letzten Fachtagung der AG Migration und Gesundheit (2012) fand ein Workshop mit dem Titel „Gesundheitliche Versorgung von älteren Migrantinnen und Migranten“ statt, der darauf abzielte, Handlungsempfehlungen für die Anpassung der Altenhilfe- und Altenpflegeangebote für Se- 43 In Kooperation mit dem IzIkÖ und dem Forum für eine kultursensible Altenhilfe entsteht zurzeit eine solche Sammlung relevanter, mehrsprachiger Informationsmaterialien zu verschiedenen gesundheitlichen Themen für Senior*innen. 16 nior*innen mit internationaler Biografie herauszuarbeiten. Auch hier wurde die „Stärkung gesund- heitsförderlicher Lebenswelten, z.B. Stärkung der sozialen Netzwerke und ih rer gesundheitsfördern- den Potenziale, Ausweitung und finanzielle Förderung der Sozialräume, Begegnungsstätten oder Treff- punkte älterer Personen mit Einwanderungsgeschichte“44 empfohlen. Die Interkulturellen Zentren und MSO sind solche Begegnungsstätten und Treffpunkte für Personen mit internationaler Biografie. Für viele der in den vorherigen Kapiteln genannten Empfehlungen bieten sich die Interkulturellen Zen- tren als Kooperationspartner*innen und Akteur*innen an. So wurde, wie bereits im zweiten Kapitel erwähnt, in den Maßnahmenempfehlungen des Interkulturellen Maßnahmenprogramms von 2014 die „Öffnung der Zentren zu den sozialen Diensten im Bereich der Pflege und offenen Altenarbeit“ 45 als Empfehlung formuliert und auch die Fachverwaltung beschrieb in diesem Zusammenhang, dass die „Interkulturellen Zentren […] als ‚Experten‘ der Lebenslagen von Kölner/-innen mit Zuwanderungsge- schichte wichtige Partner für Soziale Dienste [sind].“46 Bis heute gibt es aber noch zu wenige Zentren, die an den Programmen der städtisch geförderten offenen Senior*innenarbeit teilhaben. Nach der Kommunalwahl im Jahr 2020 haben die Kreisverbände von Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt Deutschland unter dem Titel „Gemeinsam für Köln - Ein Bündnis für eine nachhaltige, zukunftsge- wandte und verlässliche Stadtpolitik“47 eine Koalitionsvereinbarung für den Zeitraum 2020 - 2025 ab- geschlossen. Hervorgehoben wird in der Vereinbarung, dass der Integrationsrat als politisches Beteili- gungsorgan der Menschen mit internationaler Biografie in Köln weiter gestärkt und das „Konzept zur Stärkung der Integrativen Stadtgesellschaft“ durch den Integrationsrat und die Integrationskonferenz begleitet und weiterentwickelt werden soll. Dort wurde bereits beschlossen, die MSO finanziell und personell zu stärken und das 2015 beschlossene Integrationsbudget bedarfsgemäß anzupassen. 5.1. Die Interkulturellen Zentren und Migrant*innenselbstorganisationen (MSO) Seit über 40 Jahren fördert die Stadt Köln Interkulturelle Zentren, die von gemeinnützigen Vereinen und Wohlfahrtsverbänden geführt werden und ein wesentliches Element der interkulturellen Arbeit in allen Stadtbezirken von Köln ausmachen. Die Zentren haben unterschiedliche Organisationsstrukturen und Kompetenzen, Arbeitsweisen und Ansätze, mit denen sie einen wesentlichen Beitrag zur fachli- chen Qualität in allen Bereichen der Sozialarbeit, der Jugendarbeit, der Bildungsarbeit und der Integ- rationsarbeit in der Stadt Köln leisten. Als Verbund, aber auc h einzeln, haben sie als Alleinstellungs- merkmal die Mehrsprachigkeit. Ihre haupt - und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sprechen über 43 Sprachen. Als Orte für alle Generationen haben einige der Interkulturellen Zentren einen langjährigen Schwerpunkt in der Senior*innenarbeit - allerdings bislang ohne eine strukturelle Verbindung mit dem Regelsystem. Neben den von der Stadt anerkannten und geförderten Zentren gibt es zahlreiche weitere MSO , die ihren Tätigkeitsschwerpunkt auch in der Senior*innenarbeit sehen. Auch sie bieten gute Zugänge zur Zielgruppe und stellen einen Anknüpfungspunkt einer besseren Informationenvermittlung für ältere 44 Vgl. AG Migration und Gesundheit der Kommunalen Gesundheitskonferenz Köln (Hrsg.) (2012): S. 52. 45 „Interkulturelles Maßnahmenprogramm – Maßnahmenempfehlungen: Maßnahmenempfehlungen der Expertengruppe des Integrationsrates und Kommentierung durch die Verwaltung“ (2014): S. 19. Online abrufbar unter: https://www.stadt- koeln.de/mediaasset/content/pdf-dezernat5/interkulturelles-referat/interkulturelles_ma%C3%9Fnahmenprogramm_- _ma%C3%9Fnahmenempfehlungen.pdf [04.11.2022]. 46 ebd. S. 19 47 Bündnisvereinbarung (2021): S. 70. 17 Menschen mit internationaler Biografie dar. Vorrangig wurde in diesem Konzept auf die Interkulturel- len Zentren zugegangen, da sie mit dem vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) geführten Arbeits- kreis eine professionelle Struktur haben und als geförderte Zentren ein Qualitätsmanagement vorwei- sen können. Im Zuge einer Befragung der 43 städtisch anerkannten und mit unterschiedlichen Summen geförderten Zentren erfragte das Projektteam Ressourcen und Bedarfen in Bezug auf die Arbeit mit Senior*innen. Zudem wurden von 23 Zentren, die Angebote von und mit älteren Menschen haben, telefonisch Infor- mationen über deren Arbeit mit Senior*innen mit internationaler Biografie eingeholt. Drei Einrichtun- gen gaben an, wegen fehlender Ressourcen keine Angebote machen zu können. Anderen haben viel- fältige Angebote, finanziert durch diverse Ressourcen (häufig ehrenamtliche Strukturen), und beinhal- ten u.a. Kulturveranstaltungen, Beratungen (auch in Kooperation mit anderen Trägern), Ausflüge, Er- innerungswerkstätten, Informationsveranstaltungen, Senior*innencafés, Gruppenan gebote für Frauen und Männer. Bedarfe der Interkulturellen Zentren in Hinblick auf Senior*innenarbeit  Beratungsangebote, vor allem in der Herkunftssprache,  Begleitung durch die Brückenbauer*innen,  Unterstützung bei der Durchführung von (Info-)Veranstaltungen,  Unterstützung bei der Suche nach Referent*innen für (Info -)Veranstaltungen für Senior*in- nen,  Zugang zu Informationsmaterial in leichter Sprache,  und vor allem Unterstützung für Personal, Räume und Angebote. Vorhandene Ressourcen der Interkulturellen Zentren  Zugang zur Zielgruppe,  Räume für Veranstaltungen und Aktivitäten,  ehrenamtliche Strukturen,  Übersetzung / Sprachmittlung,  bei größeren Trägern teilweise Personal / Honorarkräfte  und Öffentlichkeitsarbeit. Nur sehr wenige Zentren profitieren von der Förderung der offenen Senior*innenarbeit (DTVK e.V. und die Synagogengemeinde). Andere bieten - finanziert über ihre Träger oder Stiftungen - Projekte zum Thema Senior*innenarbeit an. Handlungsempfehlungen Förderung der Vernetzung von Interkulturellen Zentren mit den Beratungs- und Unterstüt- zungsangeboten im Bereich der Senior*innenarbeit und Altenhilfe (z.B. in Form von Infor- mationsveranstaltungen, Durchführung von Regelangeboten, Vernetzungsveranstaltun- gen). Stärkung von Interkulturellen Zentren und MSO durch die Bereitstellung von Ressourcen. Teilhabe Interkultureller Zentren und MSO an der Trägerschaft von Ang eboten der Se- nior*innenarbeit. 18 7. Zusammenfassung, Fazit & Ausblick 2023 Die Anzahl der Menschen mit internationaler Biografie mit Bedarfen in der offenen Senior*innenarbeit sowie der Altenhilfe und -pflege wird analog ihres Anteils an der Bevölkerung kontinuierlich steigen. Konkrete Bedarfe werden bereits bei der sogenannten ersten Generation der „Gastarbeiter*innen“ deutlich, deren Betreuung und Pflege nicht allein durch Angehörige zu bewältigen ist. Doch auch, wenn durch Einrichtungen und Projekte wie die Interkulturellen Zentren, „Veedel für alle “ oder die „Brü- ckenbauer*innen“ gute und sinnvolle Ansätze vorhanden sind, so werden von präventiven und infor- mierenden Stellen noch immer nicht flächendeckende Senior*innen mit internationaler Biografie er- reicht. Gleichzeitig wird - unter anderem aufgrund des zunehmenden Pflegenotstands - in den Ange- boten der ambulanten Dienste nicht ausreichend auf die Bedarfe der heterogenen Zielgruppe einge- gangen. Zu diesen Ergebnissen haben die Befragungen des Projektteams geführt, die durch die Evalu- ation der Programme der offenen Senior*innenarbeit bestätigt werden. Im vorliegenden Handlungskonzept werden Bedarfe, Zugangsbarrieren und Handlungsempfehlungen für eine diversitätssensible Öffnung der offenen Senior*innenarbeit sowie der ambulanten Altenhilfe und -pflege formuliert. Ein vorrangiges Ergebnis des Kölner Projektteams ist, dass es weniger weitere Studien, Konzepte und Handlungsempfehlungen braucht als den klaren Willen und Entscheidungen auf der Leitungsebene (d.h. alle entscheidungsbefugten Akteur*innen), die von vielen Expert*innen in den letzten 30 Jahren zahlreich erarbeiteten Empfehlungen umzusetzen. Die zur Verfügung gestellten Mit- tel müssen aufgestockt werden, denn ein System, das bereits heute überlastet ist und die Nachfrage nicht befriedigen kann, wird sich ohne zusätzliche Ressourcen nicht für bisher vernachlässigte Zielgrup- pen öffnen können. Es bedarf also finanzieller und personeller Ressourcen, um eine strukturelle und nachhaltige Veränderung zu bewirken. Das betrifft Beratungsstellen, Pflegeeinrichtungen und -dienste gleichermaßen wie Verwaltungsbereiche, deren Entscheidungsprozesse und Entscheidungen Einfluss auf den operativen Bereich haben. Eine interkulturelle Öffnung in der Altenhilfe und Senior*innenarbeit ist notwendig, um der steigenden Nachfrage zu begegnen und die bestehenden Versorgungslücken zu schließen. So gibt es bereits erste Ansätze aus migrantischen Strukturen und Verbänden, Angebote für die Zielgruppe zu entwickeln. Diese an sich positiven Entwicklungen laufen Gefahr, Parallelstrukturen zu erzeugen, solange die Re- gelangebote nicht auf die Bedarfe der Zielgruppe ausgerichtet sind. So gibt es bereits private Anbie- tende, die Menschen mit internationaler Biografie gut erreichen. Grundsätzlich wird die Interkulturelle Öffnung von Regelangeboten dadurch erschwert, dass die „Re- gel“ nicht alle Zielgruppen im Blick hat. Menschen, deren Lebensrealitäten nicht der „Regel“ entspre- chen, bleiben oft ohne passendes Angebot außen vor. So geht die Vision einer interkulturellen Öffnung Hand in Hand mit der diversitätssensiblen Öffnung. Solange Sensibilität gegenüber Interkulturalität und Diversität einen „Zusatz“ und nicht die Regel selbst bedeutet, werden Senior*innen mit internati- onaler Biografie Zugänge zur eigenen Handlungsfähigkeit und Teilhabe erschwert. Interkulturelle Öff- nung konsequent, unmissverständlich und bewusst betreiben und gefördert wird, „Interkulturelle Öff- nung ist ein Prozess, an der alle Organisationsebenen beteiligt sein müssen. Es reicht nicht aus, wenn dies von der Führungsebene gewollt ist. Es bedarf einer konsequenten und kontinuierlichen Begleitung von „Oben“ und einer ebenso kontinuierlichen Mitarbeit von „Unten“.“48 Dafür ist eine Veränderung 48 Gün, Ali Kemal: Interkulturelle therapeutische Kompetenz. Möglichkeiten und Grenzen psychotherapeutischen Handelns. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 2018: S. 144. 19 der Strukturen, Prozesse und Ergebnisse notwendig. „Die Interkulturelle Öffnung ist eine Querschnitts- aufgabe und gehört daher in alle internen Gremien und Arbeitskreise in denen Pläne und Konzepte zur Zukunft der Einrichtung behandelt und thematisiert werden. “49 Interkulturelle Öffnung darf nicht als Abbau der einzelnen Zugangsbarrieren verstanden werden, sondern als Gesamtstrategie für den lang- fristigen Prozess der Organisations- und der Personalentwicklung. Ausblick 2023 Vor dem Hintergrund des Projektumfangs und der eigenen Handlungsspielräume fasst das Projekt- team bei der unmittelbaren Umsetzung der erstellten Handlungsempfehlungen die Säulen Vernetzung und Empowerment, Fortbildungen sowie Unterstützungsleistungen ins Auge: 1. Vernetzung und Empowerment: Die bestehenden Senior*innennetzwerke in der Stadt sollen in einer stetigen Zusammenarbeit mit den Interkulturellen Zentren und den Migrant *innenselbstorganisationen unterstützt werden, damit alle Akteur*innen gegenseitig voneinander lernen und profitieren können und so die Schnittstelle der Be- reiche Senior*innenarbeit und Migration/Integration stärker bedient wird. Zudem ist die Organisation und Durchführung gemeinsamer Informationsveranstaltungen mit Anbietenden von Senior*innenbe- ratung, präventiven Hausbesuchen, den Brückenbauer*innen, ambulanten Diensten und dem Regio- nalbüro für Alter, Pflege und Demenz zu senior*innenspezifischen Themen in den Interkulturellen Zen- tren und MSO angedacht, um das Handlungspotenzial der Zielgruppe zu stärken. Gleichzeitig sollen die MSO und auch die Interkulturellen Zentren der Stadt in ihrer Teilhabe gestärkt sowie dabei unterstützt werden, selbst Träger von Regelangeboten zu werden. Zu diesem Punkt kann auf die Expertise der Integrationsagenturen zurückgegriffen werden, zu d eren Aufgabenschwerpunkten Interkulturelle Öffnung und Antidiskriminierungsarbeit gehören. 2. Fortbildungen: Um im Sinne einer diversitätssensiblen Altenhilfe und -pflege zu sensibilisieren, sollen passgenaue Mo- dule für Interkulturelle Trainings für Mitarbeitende ambulanter Dienste und der offenen Senior*innen- arbeit entwickelt und durchgeführt werden. 3. Unterstützungsleistungen: Zur allgemeinen, aber auch zur vertieften Information, erarbeitet das Projektteam einen Wegweiser zur interkulturellen Öffnung a mbulanter Pflege - und Entlastungsdienste, der in der nächsten Pro- jektphase auf andere Angebote der Senior*innenarbeit erweitert werden soll. 49 Gün, Ali Kemal: Interkulturelle therapeutische Kompetenz. Möglichkeiten und Grenzen psychotherapeutischen Handelns. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 2018: S. 152.
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    Dezernat, Dienststelle V/503/1 Vorlagen-Nummer 16.05.2023 1158/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Integrationsrat 23.05.2023 Gesundheitsausschuss 23.05.2023 Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 25.05.2023 Finanzausschuss 12.06.2023 "Guter Lebensabend NRW" - Veröffentlichung des im Rahmen der Projektlaufzeit vom 01.04.2021-31.12.2022 erarbeiteten Handlungskonzeptes Das (vormalige) Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nord- rhein-Westfalen hat am 01.09.2020 ein Modellprojekt für Kommunen ins Leben gerufen, um kultursensible Altenhilfe und –pflege für Senior*innen mit Einwanderungsgeschichte verstärkt zu etablieren und nachhaltig zu sichern. Die Stadt Köln wurde im Rahmen dieses Modellpro- jektes mit dem Titel „Guter Lebensabend NRW“ auf Basis einer erstellten Interessensbekun- dung, das Programm in Köln umsetzen zu wollen, als Modellkommune ausgewählt. Der Rat stimmte in seiner Sitzung am 23.03.2021 der Teilnahme der Stadt Köln am Landes- programm „Guter Lebensabend NRW“ für den Projektzeitraum vom 01.04.2021 bis 31.12.2022 (0373/2021) zu und beauftragte die Verwaltung mit der Erarbeitung eines inte- grierten Handlungskonzeptes für die Stadt Köln. Seit Projektbeginn erfolgt die Projektsteuerung auf Basis einer Kooperationsvereinbarung gemeinsam durch das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren und das Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Köln. Projektbezogen wurde ein kultursensibel agierendes Team bei den ausgewählten externen Projektpartner*innen der Stadt Köln, dem Deutsch-Türkischen Verein Köln e.V., dem AWO Bezirksverband Mittelrhein e.V. und der Sozial-Betriebe-Köln gGmbH eingerichtet und mit der inhaltlichen Projektarbeit betraut. Des Weiteren wurde ein Projektbeirat aus Akteur*innen der Stadtgesellschaft mit besonde- rem Expert*innenwissen einberufen, der sich besonders bei der Erarbeitung des Handlungs- konzeptes eingebracht hat und mit dem die jeweiligen Arbeitsschritte und deren Ergebnisse detailliert diskutiert und abgestimmt wurden. Die Arbeit in den Kommunen wird zudem wissenschaftlich durch das Evaluationsinstitut Univation GmbH und dem Institut für gerontologische Forschung e. V. (IFG e.V.) begleitet. Zwischenzeitlich wurde das beauftragte Handlungskonzept für die Stadt Köln in enger Zu- sammenarbeit der vorgenannten Akteur*innen fertiggestellt. Das vorliegende Handlungskonzept enthält bedarfsorientierte Maßnahmenempfehlungen; hierbei wurden als Themenschwerpunkte die Angebote der offenen Senior*innenarbeit, vor allem die Beratungsangebote (Senior*innenberatung und präventive Hausbesuche) sowie die ambulanten Pflege- und Entlastungsdienste in den Fokus genommen. Dies mit der Zielsetzung, Strukturen der Regelversorgung in Köln bedarfsorientiert auf die 2 demographische und interkulturelle Entwicklung der Stadtgesellschaft auszurichten und nachhaltig zu verstetigen. So sollen nach Abschluss des Projektes die Akteur*innen / Organisationen der Altenhil- fe und –pflege in der Stadt Köln befähigt sein, den Prozess der interkulturellen Öffnung weiterhin aktiv zu gestalten und fortzuführen. Anmerkung: In dem vorgegebenen Zeitraum war die Umsetzung des geplanten Projektvorhabens stark durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, der Hochwasserkatastrophe und des Ukraine- Krieges erschwert, woraufhin das Ministerium am 20.05.2022 die Option einer Projektverlän- gerung vom 01.01.2023 -31.12.2023 einräumte. Der Rat der Stadt Köln stimmte in seiner Sitzung am 10.11.2022 einer Verlängerung der Teil- nahme der Stadt Köln am Landesprogramm „Guter Lebensabend NRW“ (2913/2022) für die Zeit vom 01.01.2023 - 31.12.2023 zu und beauftragt die Verwaltung, die entwickelten Ansätze zur interkulturellen Öffnung der Altenhilfe und –pflege auf Basis des erarbeiteten Handlungs- konzepts weiterzuführen. Die in der 1. Projektphase bewährte Zusammenarbeit und Bündelung der Erfahrungswerte aller beteiligten Akteur*innen wird weitergeführt. Auch der Projektbeirat hat sich einstimmig für die Projektverlängerung und seiner weiteren Beteiligung am Projekt ausgesprochen. Der Fokus einer Umsetzung des Handlungskonzeptes soll – wie vom Rat beschlossen – auf einer Realisierung der Angebote und Aktivitäten auf den drei Säulen „Vernetzung und Em- powerment“, „Fortbildungen“ sowie „Unterstützungsleistungen“ liegen. Anlage: Handlungskonzept Guter Lebensabend für die Stadt Köln Gez. Dr. Rau

Beratungsverlauf

  1. 23.05.2023

    Gesundheitsausschuss

    TOP 6.3, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  2. 12.06.2023

    Finanzausschuss

    TOP 2.4, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  3. 15.08.2023

    Integrationsrat

    TOP 5.2, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  4. 17.08.2023 zuletzt

    Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren

    TOP 12.1, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen

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