Mandari Insight

AGS/029/2025

Kommunal geförderte Suchthilfe in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Bericht für das Jahr 2023

Informationsvorlage 12.06.2025

KI-Zusammenfassung

Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.

KI-Analyse läuft...

vergangen

Was passiert gerade?

  • 📄 Dokumente werden analysiert...
  • 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
  • ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
  • ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...

Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.

Nächste Beratung: Ausschuss für Gesundheit und Soziales, Sitzung am 24.06.2025, TOP 12

Suchthilfebericht 2023

· application/pdf

Ansehen

Informationsvorlage

· application/pdf

Ansehen

Suchthilfebericht 2023

36068 Zeichen

Kommunal geförderte Suchthilfe
Jahresbericht 2023

uchthilfe
eri

Düsseldorf
Nähe trifft Freiheit

Kommunal geförderte Suchthilfe
in der Landeshauptstadt Düsseldorf
Jahresbericht 2023

Stand 06. Juni 2025

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ........uusuursnrsnnnnnnnnnnnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnsnnnnnennnnnnennnsnnnnnnnnnnnsnnnnnnsnnnsnrsnnsnnrnnnsnnnnnn 2
Teil A...uusesessssesnennnnnnannnnnnnnnnunnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnunnnnnnnnnnnnnnnnnannnnnnnnnnnnnnnnnnnsnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 3
Überblick: Kommunal geförderte Suchthilfe ......uunununneeennnunnnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnennnnnne 3
Relevanz des gesellschaftlichen Problems ............nursusssnrsnnnnnennnnnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnann 3
Kommunale Zuschüsse .....uusssursnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnsnnnnnsnnnnnnnnnnsnnnnnnsnnnnnnnnnnnnsnnnsnrsnnnnnrnnnsnnnnnn 3
Bezuschusstes Personal .....uunsursnnennssnnennnnnnnnnnnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnsnnnnnnnnnnsnnnnnnsnnnnnnnnnnnnsnnnsnnsnnnnnrnnsnnnnnn 4
Teil B......uuerssesnennsnnnnnnnnnnnnnnunnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnunnnnnnnnnnnnnnennannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 5

Sucht-Prävention (Arbeitsfeld I)
Erbrachte Arbeitsergebnisse

Ausgewählte Themen und Entwicklungen .

Exemplarische Vertiefungsthemen der Suchtprävention ....

Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick ......uunsnsssnrsnnsnnennnnnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnann 8

Überlebenshilfen (Arbeitsfeld Il). .9
Erbrachte Arbeitsergebnisse .... 9
Ausgewählte Themen und Entwicklungen ......uusuussursnnennnennnnnnnnnnnnnnennnnnnennnnnnnnnnsnnnnnnnnnnnnnnnnsnnnnnnnnnn 9
Exemplarische Vertiefungsthemen der Überlebenshilfen .........ununu22u2u2402u20nnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 10
Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick .....unnssssnrsnnsnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 12

Teil D.....uueresesnsnnnnnannnnnnnnnnunnnennnnnnnnnnnnnunnnnnnnnunnnnnnnnunnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 13

Ausstiegsorientierte Hilfen (Arbeitsfeld Ill) ..........uuurssrsnnsnnrsnnennennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnannennn 13

Erbrachte Arbeitsergebnisse .......unussnssnnnnnnnnnnnnnnnnnnnennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnennnnnnnnnnsnnnnnnnnnannen

Ausgewählte Themen und Entwicklungen
Exemplarische Vertiefungsthemen der ausstiegsorientierten Hilfen.

Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick

Sucht-Selbsthilfe ...
Erbrachte Arbeitsergebnisse .

Exemplarische Vertiefungsthemen der Sucht-Selbsthilfe .........uuennnsrsnenennsnnnnnennnnnnennnnnnnnnnnnnnnn 20
Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick .....unnssssnrsnnsnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn 22

Teil A
Überblick: Kommunal geförderte Suchthilfe

Relevanz des gesellschaftlichen Problems

Drogen und Suchtmittel verursachen in Deutschland erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirt-
schaftliche Probleme: Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. aus 2022 sind
in Deutschland 4,4 Mio. der 18- bis 64-Jährigen abhängig von Tabak. Insgesamt 3 Millionen Erwach-
sene zwischen 18 und 64 Jahren hatten im Jahr 2018 in Deutschland eine alkoholbezogene Störung
(Alkoholmissbrauch: 1,4 Millionen; Alkoholabhängigkeit: 1,6 Millionen). Schätzungen zufolge sind etwa
1,5 bis 1,9 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig, insbesondere von Benzodia-
zepinen und Z-Substanzen' sowie opioidhaltigen Schmerzmitteln. Rund 735.000 Menschen weisen
einen problematischen und/oder abhängigen Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen auf
und gut 500.000 Menschen zeigen ein problematisches oder sogar pathologisches Glücksspielverhal-
ten.? Auch eine exzessive Internetnutzung kann zu abhängigem Verhalten führen: Es ist davon auszu-

gehen, dass in Deutschland etwa 560.000 Menschen onlineabhängig sind.°?

Kommunale Zuschüsse

Im Jahr 2023 wurden die Düsseldorfer Suchthilfeeinrichtungen sowie die Suchtselbsthilfe auf der Grund-

lage politischer Beschlüsse mit 7.487.350 Euro gefördert.

Diese Zuschüsse decken die Finanzierung der Personal-, Sach- und Verwaltungsgemein-kosten nicht
immer umfänglich. Durch Stiftungs-, Projektmittel oder Ähnliches sowie durch Eigenmittel der Träger

werden Anteile der Arbeit mitfinanziert.

Durch die Anpassung der Produkt- und Aufgabenbeschreibungen ist es seit 2018 möglich, die Finan-

zierung der einzelnen Arbeitsfelder differenziert darzustellen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung der kommunalen Zuschüsse in den letzten Jahren.
Nähere Informationen zu den Entwicklungen in den Arbeitsfeldern sind in den entsprechenden Ab-
schnitten des Jahresberichtes dargelegt.

Seit dem Jahr 2021 ist ein deutlicher Anstieg der Zuschussbeträge im Arbeitsfeld II (Überlebenshilfen)
für Einrichtung und Betrieb von dezentralen Hilfezentren für Menschen mit Opioidabhängigkeit' zu ver-
zeichnen. Zudem werden Zuschüsse aus dem Bereich „medizinische Hilfen für Wohnungslose“ mit
dargestellt. Diese Mittel finden sich künftig im Berichtswesen der Suchthilfe wieder. Einzelheiten dazu

sind in diesem Bericht bei den Angaben zum Arbeitsfeld 2 in Teil C aufgeführt.

1 Als Z-Substanzen bezeichnet man eine Klasse von Arzneistoffen, die als Hypnotika eingesetzt werden und mit dem Buchsta-
ben "Z" anfangen. Dabei handelt es sich um Nicht-Benzodiazepin-Agonisten wie Zolpidem (Stilnox®), Zopiclon (Imovane®)

und Zaleplon (Sonata®).(Quelle:https://flexikon.doccheck.com/de/Z-Drug,

2 Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: DHS Jahrbuch Sucht 2023

3 Aus https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/sucht-und-drogen.html

3

Ausgabenentwicklung der kommunalen Aufwendungen für die Suchthilfe inklusive der kom-
munalisierten Landesmittel in Euro

90.505 92.199 94.005 123.725 103.110
532.350 542.281 552.410 658.142 630.844
2.551.114 2.598.078 3.713.517 3.411.570 3.703.817
3.176.319 3.038.511 2.917.146 2.972.926 3.047.556
6.350.288 6.271.069 7.277.078 7.166.363 7.487.350

Abbildung 1: Entwicklung der Ausgaben je Arbeitsfeld

Bezuschusstes Personal

Im Berichtsjahr 2023 wurden insgesamt 80,64 Vollbeschäftigtenäquivalente (VB)* in den 3 Arbeitsfel-
dern (AF1: Sucht-Prävention, AF2: Überlebenshilfen, AF3: Ausstiegsorientierte Hilfen) durch kommu-
nale Mittel bezuschusst. Die größte Berufsgruppe ist die der Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Darüber
hinaus gibt es Mitarbeitende in der Arbeitsanleitung, Krankenpflege und Rettung, Hilfs- und Service-
kräfte sowie Verwaltungskräfte.

Das nachfolgende Schaubild gibt einen Überblick über die Aufteilung des Personals in den 3 Arbeits-
feldern:

Verteilung des in den Arbeitsfeldern eingesetzen
bezuschussten Personals in 2023

in Prozent
Personal im
Arbeitsfeld 1: 6,0
Personal im VB
Arbeisfeld Ill: 8%
35,6 VB
44%
Personal im

Arbeitsfeld Il:
39,1 VB
48%

Abbildung 2: Bezuschusstes Personal in 2023 nach Arbeitsfeldern

4 Das Vollbeschäftigtenäquivalent (VB) gibt an, wie viele Vollzeitstellen sich rechnerisch bei einer gemischten
Personalbelegung mit Teilzeitbeschäftigten ergeben.

4

Teil B

vorbeugen/schützen/stärken

Sucht-Prävention (Arbeitsfeld I)

Erbrachte Arbeitsergebnisse

Zuschüsse für das Arbeitsfeld I

506.481 516.608 526.942
5,91 5,90 6,19 5,46 6,03
92 102 125 121 140
625 348 317 549 570
72 24 64 39 22
199 144 285 379 281
61 260 327 338 265
53| 51 35| 12 41

Abbildung 3: Auszug aus Datenerhebung zu Arbeitsfeld I

vorbeugen/schützen/stärken

Ausgewählte Themen und Entwicklungen

KONTROLLIERTE ABGABE VON CANNABIS

Kurz berichtet:

Sachstand zum Ende des Jahres 2023: Laut vereinbartem Koalitionsvertrag wollten SPD, FDP und
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nach Amtsantritt auf Bundesebene eine „kontrollierte Abgabe von Canna-
bis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ einführen. Einen Zeitplan zur Um-

setzung gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Vor den negativen Folgen einer Legalisierung von Cannabis für die Gesundheit, insbesondere von
Kindern und Jugendlichen, aber auch für die ambulante medizinische und psychotherapeutische Ver-
sorgung, haben am 23. Mai 2023 in Düsseldorf Vertreter der Ärzteschaft und der Psychologischen

Psychotherapeuten gewarnt.

In Erwartung der angekündigten „zweiten Säule“ der Cannabis-Legalisierung, durch die Modellpro-
jekte ermöglicht werden sollten, hat der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf 2023 beschlossen, dass
die Verwaltung Vorbereitungen für eine entsprechende Bewerbung treffen soll. Die hierfür erforderli-

che Bundesgesetzgebung liegt bislang jedoch nicht vor.

Nichtraucherschutz

Kurz berichtet:

Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf hat das Thema Nichtraucherschutz bereits seit
vielen Jahren auf seiner Agenda. Seit Ende 2023 wird das Thema im Gesundheitsamt wieder verstärkt

bearbeitet, mit dem Ziel, im Jahr 2024 weitere konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Insbesondere die Tatsache, dass in Deutschland zuletzt auch immer mehr junge Menschen zu Ziga-
retten greifen, gibt Grund zur Besorgnis. Wahrscheinlich handele es sich bei der wieder steigenden
Raucherquote allgemein um eine Auswirkung der Pandemie, so Professor Kotz vom Institut für Allge-
meinmedizin des Uniklinikums Düsseldorf. Für den Experten zum Thema Suchtforschung gilt Deutsch-
land beim Thema Nichtraucherschutz als Entwicklungsland — und ist mittlerweile das Schlusslicht un-

ter 36 untersuchten Nationen.

Exemplarische Vertiefungsthemen der
Suchtprävention

vorbeugen/schützen/stärken
Frau Schalow, Koordinatorin von CROSSPOINT

Ursachenorientierte Suchtprävention in Düsseldorf sichtbar machen - weil
Sucht immer eine Geschichte hat ...

Die Suchtprävention in Düsseldorf zeichnet sich durch eine sehr gute Vernetzung und eine enge Zu-
sammenarbeit aus. Angebote der universellen, der selektiven und der indizierten Prävention werden
suchtmittelspezifisch und suchtmittelübergreifend durch die Träger der Suchthilfe in Düsseldorf ange-

boten. Darüber hinaus halten auch Träger der Suchtselbsthilfe Angebote im Präventionsbereich vor.

Mit der Entscheidung für die Durchführung der sogenannten „Aktionstage“ oder „Aktionswoche‘, die
als ein zentraler Baustein der nordrheinwestfälischen Landeskampagne zur Suchtvorbeugung unter
dem Titel „Sucht hat immer eine Geschichte“ (kurz ShieG) gilt, stand CROSSPOINT als trägerüber-
greifende Suchtpräventionsstelle in der Rolle als Ausrichter und Organisator fest. Hierbei sollten
CROSSPOINT selbst, Diakonie Düsseldorf e. V., Düsseldorfer Drogenhilfe e. V., SKFM e. V., BerTha
F. e. V., ProMädchen Mädchenhaus Düsseldorf e. V. als Träger neben weiteren Kooperationspartnern
wie der Suchtselbsthilfe Angebote mit Präventionscharakter konzipieren und in der Woche vom 23.10.
bis zum 27.10.2023 durchführen. Ermöglicht, finanziell unterstützt und gerahmt wird die Durchführung
der Aktionswoche in den Kommunen in NRW dabei regelhaft von der ginko-Stiftung der Landesfach-

stelle Prävention der Suchtkooperation NRW.

Die Auftaktveranstaltung am 19.10.2023 mit Grußworten von Herrn PD Dr. Skorning als Leiter des Ge-

sundheitsamtes und Herrn Schmidt als aktuellem Sprecher der Liga Wohlfahrt konnte mit knapp 70

5 Düsseldorfer Suchtforscher: Es wird so viel geraucht wie nie (rp-online.de) (zuletzt aufgerufen am 22.03.2023)

6

angemeldeten Gästen stattfinden. Diese stand als Fachtag unter dem Titel „Suchtmechanismen im

Grenzbereich“ und beschäftigte sich mit dem Thema Medienabhängigkeit.

In der anschließenden Aktionswoche fanden knapp 100 Einzelveranstaltungen statt, darunter Veran-
staltungen in Schulen und für Schulklassen, gemeinsam mit Jugendfreizeiteinrichtungen, in der Ju-
gendbibliothek und bei CROSSPOINT selbst. Ferner wurden Veranstaltungen für die breite Öffentlich-
keit abgehalten (wie etwa Lesungen selbstbetroffener Personen oder deren Angehörigen), während
für spezifische Zielgruppen auch geschlossene Veranstaltungen stattfanden. Ergänzt wurde das Pro-
gramm durch Workshops, Fachvorträge, Theaterstücke und Kunstausstellungen. Zudem boten Sucht-
selbsthilfegruppen und Beratungsstellen niedrigschwellige Möglichkeiten zur Teilnahme und zum Ken-

nenlernen ihrer Angebote.

Die Durchführung der Aktionswoche „Sucht hat immer eine Geschichte“ kann als sehr erfolgreich an-
gesehen werden. Sowohl während der Aktionswoche als auch in deren Nachgang gab es eine insge-

samt hohe und sehr erfreuliche Resonanz.

Das vollständige Programm der Aktionswoche kann hier nachgelesen werden.

Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick

Veränderungen der Konsummuster junger Menschen und neue gesellschaftliche Entwicklungen erfor-
dern eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Suchtpräventionsangebote in Düsseldorf. Dies wird in
enger Abstimmung vom Gesundheitsamt und dem Amt für Soziales und Jugend vorangetrieben, um
Präventionsmaßnahmen bedarfsgerecht anzupassen und wirksam in den Lebenswelten junger Men-

schen zu verankern.

Während der Alkoholkonsum insgesamt rückläufig ist, steigt die Nutzung von Vapes. Zudem nimmt die
Lebenszeitprävalenz von Cannabis zu. Der steigende Medienkonsum stellt eine zusätzliche Heraus-

forderung dar, insbesondere in Bezug auf problematische Nutzungsmuster und sozialen Rückzug.

Nach den pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen Jahre haben die Präventionsmaß-
nahmen wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht. Gleichzeitig erfordert eine effektive Präventi-
onsarbeit eine kontinuierliche Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen sowie eine gezielte För-

derung von Resilienz, Risikokompetenz und Medienkompetenz.

Ein zentrales Element der Düsseldorfer Präventionsarbeit ist die Fachstelle CROSSPOINT, die sich
als guter Ansatz für eine koordinierte Suchtprävention bewährt hat. CROSSPOINT schult Multiplika-
tor*innen, bietet Frühinterventionsmaßnahmen an und unterstützt Fachkräfte mit suchtpräventivem
Wissen.

Um dem steigenden Bedarf der Schulen besser gerecht zu werden, ist die Entwicklung eines struktu-
rierten Schulkonzepts notwendig. Dieses soll von CROSSPOINT in Abstimmung mit dem Gesund-
heitsamt und dem Amt für Soziales und Jugend erarbeitet werden. Die hohe Zahl der Anfragen zeigt,

dass Schulen verstärkt Unterstützung bei der Suchtprävention benötigen.

Bestehende Angebote müssen weiterentwickelt und an neue Herausforderungen angepasst werden.
Düsseldorf verfolgt dabei einen integrativen Ansatz, der die Prävention in den Lebenswelten der Kin-

der und Jugendlichen verankert und so langfristig wirken kann.

Teil C

Überleben sichern / Grundbedürfnisse erfüllen

Überlebenshilfen (Arbeitsfeld II)

Erbrachte Arbeitsergebnisse

Folgende Tabelle zeigt eine Zusammenfassung der eingegangenen Datenerhebung zu Arbeitsfeld II

Arbeitsfeld II

2.348.214 2.470.178 3.578.372

2.597.950 2.676.975

23,19 22,70 24,11 31,68 39,05

53.143 46.877 67.399 64.642 86.163
13.446 24.299 24.537 19.510 34.494
1.598 2.056 847 1.445 1.514

1.253 1.818 7.531 7.497 8.283

Abbildung 4: Auszug aus Datenerhebung zu Arbeitsfeld II

Ausgewählte Themen und Entwicklungen

Das Gebiet um den Düsseldorfer Hauptbahnhof bleibt auch im Jahr 2023 ein zentraler Problembe-

reich, in dem eine offene Drogenkonsumentenszene präsent ist.

Die Konflikte der verschiedenen Nutzergruppen auf dem Worringer Platz verdeutlichen, wie unter-

schiedliche Interessen in einem urbanen Umfeld aufeinanderprallen.

Die Baugrube des Wohnungsprojekts Grand Central, die sich zu einem Sammelpunkt für Obdachlose
und Drogenkonsumenten entwickelt hatte, wurde im November 2023 geräumt, da die Situation auf-
grund schwerer Kriminalität nicht tolerierbar war. Die Stadt arbeitete dabei eng mit Streetworkern zu-
sammen, um individuelle Lösungen zu finden. Nach der Räumung soll das Gelände so hergerichtet
werden, dass sich keine neue „Platte“ bildet.

Laut dem Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2023 des Bundeskriminalamts steigt die Zahl der dro-
genbedingten Todesfälle seit 2017 bundesweit kontinuierlich. Im Jahr 2023 wurden 2.227 Fälle regis-
triert — ein Anstieg von 11,9 % gegenüber 2022 (1.990 Fälle). 82,8 % der Verstorbenen waren Män-
ner, 17,2 % Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 41 Jahren. Besonders besorgniserregend ist der
Anstieg der Mischintoxikationen: 1.479 Menschen starben infolge des gleichzeitigen Konsums mehre-

rer Substanzen, 34 % mehr als im Vorjahr.

Diese bundesweiten Entwicklungen spiegeln sich auch in Düsseldorf wider. Die nachfolgenden Zahlen
zeigen die lokale Entwicklung der drogenbedingten Todesfälle und verdeutlichen den Handlungsbe-
darf vor Ort.

Entwicklung
der Anzahl Drogentoter in der Landeshauptstadt

Düsseldorf
45
40
35
30
25
20
15
10
m
f)
2019 2020 2021 2022 2023

Abbildung 5: Anzahl der seitens der zuständigen Polizeibehörde in der Landeshauptstadt Düsseldorf an
das Landeskriminalamt NRW gemeldeten Drogentoten in Düsseldorf

Exemplarische Vertiefungsthemen der
Überlebenshilfen

Überleben sichern / Grundbedürfnisse erfüllen
Patrick Pincus, Bereichsleitung Überlebenshilfe, Düsseldorfer Drogenhilfe e.V.
Crackkonsum in Düsseldorf

Crack ist eine rauchbare Form von Kokain, hergestellt durch Verkochung von Kokainhy-drochlorid mit
Natron. Dieses Verfahren unterscheidet sich von der Herstellung von "Freebase", die Ammoniak erfor-
dert und kann auch in Drogenkonsumräumen durchgeführt werden. Seit 2017 vervielfachte sich die
Zahl der Crackkonsumenten, was zu neuen Bedürfnissen in der Szene und zu Anpassungen in der
Betreuung führte.

2023 machte Crack etwa 30 % der Konsumvorgänge im Drogenkonsumraum aus, jedoch ist der
Crackkonsum auch außerhalb des Konsumraums ein fester Bestandteil der Streetwork Arbeit gewor-
den.

10

Abbildung 6: Düsseldorfer Drogenhilfe e.V. - Konsumvorgänge im Drogenkonsumraum

Die Folgen des Crackkonsums sind problematisch: Crack wirkt schneller, intensiver und kürzer. Folge-
erscheinungen sind psychische Beeinträchtigungen wie Wahnvorstellungen und Angstzustände sowie
aggressives Verhalten. Das Schamgefühl, in der Öffentlichkeit zu konsumieren, und die Notwendig-
keit, einen Drogenkonsumraum aufzusuchen, nimmt ab, sodass viele nicht einmal den Weg in die Ein-
richtungen finden. Psychische Auffälligkeiten führen auch zu somatischen Beeinträchtigungen wie
dem Dermatozoenwahn®, was zu Entzündungen führt. Das Bewusstsein und die Zeit, dem Körper me-

dizinische Hilfe zukommen zu lassen, fehlen häufig.

Die veränderten Konsummuster und deren Folgen, sowie die Anforderungen an das Suchthilfesystem
bedürfen einer stetigen Überprüfung und den Mut, neue Wege zu gehen. Der Crack-Konsum ist in

Düsseldorf angekommen.

6 Dermatozoenwahn ist eine wahnhafte Störung, bei der die Betroffenen fälschlicherweise davon überzeugt sind, dass Insekten
oder andere Tiere in ihrer Haut leben. Die Störung kann mit haptischen Halluzinationen einhergehen, z.B. dem Gefühl des
"Ameisenlaufens". DocCheck (https://flexikon.doccheck.com/de/Dermatozoenwahn, letzter Zugriff 25.07.2024

r

1

Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick

Die Entwicklungen in der offenen Drogenszene in Düsseldorf und anderen deutschen Großstädten
zeigen einen besorgniserregenden Wandel: Das Konsummuster hat sich zunehmend in Richtung
Crack verschoben, was zu einer unruhigeren und aggressiveren Szene führt. Am Worringer Platz ma-
nifestieren sich diese Probleme besonders deutlich, und ein Teil der Szene hatte sich in das Areal der
Grand Central verlagert. Dort verschlechterten sich die Zustände so stark, dass das Gelände Ende

2023 geräumt werden musste.

Gleichzeitig deuten Entwicklungen in Deutschland und Europa auf einen Anstieg der Drogentodesfälle
hin — ein Trend, der maßgeblich durch gefährliche synthetische Opioide wie Fentanyl und Nitazene
befeuert wird. Vor diesem Hintergrund sind dringend Maßnahmen zur Schadensminderung erforder-
lich. Diese umfassen beispielsweise den Ausbau sicherer Drogenkonsumräume, Naloxon-Schulun-

gen, den Einsatz von Opioid-Schnelltests sowie eine Optimierung der Substitutionsbehandlung.

Aus Sicht der kommunalen Suchthilfekoordination ergeben diese Entwicklungen im Arbeitsfeld der
Überlebenshilfen einen doppelten Handlungsbedarf: Einerseits müssen die bestehenden Maßnahmen
verstärkt und an die veränderten Konsummuster angepasst werden, um akute Krisensituationen zu
entschärfen. Andererseits ist es unerlässlich, dass auch Bund und Land ihre Verantwortung erkennen
und schnell und umfassend die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen, um die Gesundheit und
Sicherheit opioidabhängiger Menschen nachhaltig zu schützen und die negativen Auswirkungen der

sich wandelnden Drogenszene einzudämmen.

12

Teil D

motivieren/verändern/aussteigen/stabilisieren/sichern

Ausstiegsorientierte Hilfen (Arbeitsfeld Ill)

Erbrachte Arbeitsergebnisse

Die folgende Tabelle zeigt eine Zusammenfassung der Datenerhebung. Sie zeigt die Entwicklung der
im Arbeitsfeld III Beschäftigten sowie der geführten Erstgespräche mit an Sucht erkrankten Personen
(ohne Angehörige).

13

2019 2020 2021 2022 2023

Zuschüsse aus Verträgen 2.996.119 2.910.411 | 2.789.046 | 2.844.826 | 2.918.456
VB Anteile, die über vertragliche Regelungen mit

dem Gesundheitsamt Düsseldorf refinanziert 38,23 37,75 37,29 37,34 35,56
sind

Anzahl der Erstgespräche mit eigener 2.085 1.794 1.904 1.738 1.776

Problematik

Anzahl der Fälle (ab. 2. Termin) davon mit
eigener Problematik 2.721 2.581 2.496 2.456 2.917

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 929 767 758
Alkohol

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose: 5 6 10
Tabak

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose: 242 166 187
Heroin

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 520 495 428
Substitute

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose: 7 5 15
andere Opioide

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 384 452 456
Cannabis

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 10 15 12 25 48
Sedativa/Hypnotika

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 161 170 195 220 226
Kokain

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 105 124 114 118 124
Stimulanzien

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose: 0 1 1 1 29
Halluzinogene

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose: . f) 0 f) 0 f)
Flüchtige Lösungsmittel

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose:

andere psychotrope Substanzen v 8 3 a 13
Eigene Problematik mit der
HEıspielEg meSeN 146 145 172 156 185

Essstörungen

Eigene Problematik mit der
Hauptdiagnose: 110 116 92 112 108
Pathologisches Glücksspiel

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 15 22 17 20 44
Medienabhängigkeit

Eigene Problematik mit der

Hauptdiagnose: 7 22 36 17 127
sonstige

14

Ausgewählte Themen und Entwicklungen

Weniger starker Anstieg bei den Beratungszahlen wegen Kokain. Erneuter sig-
nifikanter Anstieg der Alkohol- sowie der Cannabisproblematik.

Bewertung:
Entgegen des Trends der vergangenen Jahre zeigte sich der Anstieg des Kokainkonsums in 2023 als
weniger signifikant. Dagegen war, wie bereits in den zurückliegenden Jahren, ein weiterer drastischer

Anstieg hinsichtlich der Alkohol- und Cannabisproblematik zu verzeichnen.

929 767 758 819 969
406 336 332 347 382
523 431 426 465 574
0 3

2 2 5 7 9

2 2 4 3 4

0 0 1 4 5

0 0

49 34 42 48 67
18 10 13 19 34
31 24 29 29 32
0 1

324 248 257 308 404
127 116 109 112 131
197 132 148 196 272
0 1

463 401 361 364 367
214 173 158 173 156
249 228 203 191 210
0 1

9 82 93 92 122
45 35 48 40 57
46 47 45 52 65
0 0 0 0 0

Abbildung 8: Klientinnen und Klienten mit Hauptdiagnose Alkohol

Abbildung 9: Klientinnen und Klienten mit Hauptdiagnose Cannabis

Abbildung 10: Klientinnen und Klienten mit Hauptdiagnose Kokain

15

Abbildung 11: Klientinnen und Klienten mit Hauptdiagnose Medienabhängigkeit

Abbildung 12: Klientinnen und Klienten mit Hauptdiagnose Essstörung

motivieren/verändern/aussteigen/stabilisieren/sichern

Exemplarische Vertiefungsthemen der
ausstiegsorientierten Hilfen

motivieren/verändern/aussteigen/stabilisieren/sichern

Vanessa Buchholz & Thea Herrmann für BerTha FF. e.V.
SUCHT UND TRAUMA. Herausforderung in der Behandlung
suchtkranker Menschen

Der Zusammenhang zwischen Suchtkrankheit und Traumatisierung ist durch zahlreiche wissenschaft-
liche Studien hinreichend belegt. Es gibt allerdings bisher kein speziell für Abhängige entwickeltes In-
strument zur Erfassung von Traumafolgestörungen, wodurch die Diagnose oft unentdeckt bleibt. Auch
in der Frauensuchtberatungsstelle BerTha F. e.V. nehmen die Herausforderungen in Bezug auf diese
Personengruppe stetig zu. Als geschlechtsspezifische Einrichtung bieten wir einen besonderen
Schutzraum für Frauen mit Sucht- und Trauma-Hintergrund und erreichen dadurch diese Zielgruppe

wirksam.

Die Doppeldiagnose Trauma und Sucht ist komplex und bedarf mehr Beachtung in der Suchthilfe, da-
mit die Menschen wieder eine Chance auf die soziale und wirtschaftliche Teilhabe in unserer Gesell-
schaft haben.

16

Besonderheiten in der Beratung und Behandlung

Unsere Praxis zeigt, dass es während der Suchtberatung von traumatisierten Menschen häufig zu
Komplikationen kommt. Sucht übernimmt die Funktion einer Selbstmedikation als Bewältigungsstrate-
gie erlebter Traumata. Durch eine Abstinenz treten die Beschwerden in den Vordergrund, die durch
Substanzen „gedeckelt“ wurden. Ängste, Depressionen, Schmerzen oder Symptome der Posttraumati-
schen Belastungsstörung verstärken sich (zunächst) deutlich. Der körperliche Entzug z. B. ist für Trau-
matisierte besonders herausfordernd, da neben Entzugssymptomen auch die Traumasymptome ver-

stärkt auftreten.

Ohne ein passgenaues Trauma-sensibles Beratungsangebot werden betroffene Frauen schnell wie-
der rückfällig und brechen die Beratung bzw. nachfolgende sucht- oder psychotherapeutische Hilfen
vorzeitig ab. Zu schwer ist es für sie, eine Abstinenz überhaupt „auszuhalten“. So werden traumati-
sierte Frauen oft zu so genannten „Drehtürpatientinnen‘“, die zwischen den Hilfesystemen hin- und
herpendeln. Sie werden weder von psychotherapeutischen Angeboten noch vom klassischen Sucht-
hilfesystem angemessen erreicht und fallen somit durch das Raster beider Hilfesysteme.

Menschen mit beiden Erkrankungen leiden oft zusätzlich an weiteren psychischen Störungen, gesund-
heitlichen Problemen und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten wie Vereinsamung, Vernachlässi-
gung der Kinder, häusliche Gewalt, Obdachlosigkeit und unsicherem Aufenthaltsstatus, die ihnen die

soziale und wirtschaftliche Teilhabe unmöglich machen.

Herausforderungen für Beratung und Behandlung

Die Beratung dieser beiden Störungen in Kombination erfordert spezialisierte Kenntnisse eines multi-
professionellen Teams, zusätzliche Zeit und personelle Ressourcen. Hier kommt gerade der ersten
Beratungsphase der Früherkennung eine hohe Bedeutung zu, um frühzeitig erstversorgend die Be-
troffenen so weit zu stabilisieren, dass sie in suchttherapeutische Behandlungsangebote weitervermit-
telt werden können.

Die integrative Beratung, die beide Erkrankungen in einem Setting berücksichtigt, wird bisher im am-
bulanten Bereich in Düsseldorf nicht angeboten. Die Frauenberatungsstelle Bertha F e.V. verfolgt das
Ziel, ein integratives und niedrigschwelliges Beratungsangebot anzubieten, jedoch bedarf es bis dahin

der Klärung der strukturellen Vereinbarung mit der Landeshauptstadt Düsseldorf.

17

Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick

Während Entwicklungen im Bereich der Überlebenshilfen, insbesondere der offenen Drogenszene,
stärker in der öffentlichen Wahrnehmung stehen, bleiben Bereiche der Alkoholabhängigkeit, Medien-
abhängigkeit und Glücksspielsucht eher im Verborgenen. Alkohol ist nach wie vor die am weitesten
verbreitete Sucht. Ähnliches gilt für die zunehmende Problematik der Essstörungen, der Medienab-
hängigkeit sowie der Glücksspielsucht, die noch durch die aggressiven Werbemaßnahmen der
Glücksspielindustrie befeuert wird. Die Folgen sind schwerwiegend - finanzielle Notlagen, Arbeits-
platzverluste und familiäre Zerwürfnisse sind häufige Begleiterscheinungen, die in der öffentlichen

Wahrnehmung jedoch weniger sichtbar sind.

Um diesen Entwicklungen wirksam zu begegnen, braucht es eine gezielte Stärkung der ausstiegsori-

entierten Hilfen. Dazu gehören:

«e Bessere Vernetzung der Hilfsangebote (auch mit angrenzenden Hilfesystemen wie Schuldner-
beratung oder Fachkliniken), um einen reibungslosen Übergang zwischen Beratung, Therapie
und Nachsorge zu gewährleisten.

«e  Kapazitätsausbau in Beratungsstellen, um die steigende Zahl an Betroffenen angemessen un-
terstützen zu können.

« Spezifische Beratungsangebote, die neben Alkohol- auch Medienabhängigkeit und Essstörun-

gen gezielt behandeln.

18

Teil E

motivieren/verändern/aussteigen/stabilisieren/sichern

Sucht-Selbsthilfe

Erbrachte Arbeitsergebnisse

In Düsseldorf sind derzeit etwa 75 Suchtselbsthilfegruppen im Selbsthilfe-Service-Büro des Gesund-
heitsamtes gelistet. Diese umfassen sowohl freie Gruppen als auch solche von Verbänden wie Kreuz-
bund, Guttempler-Gemeinschaft, Anonymous-Gruppen und Freundeskreise. Die meisten treffen sich
regelmäßig, meist wöchentlich, an festen Orten - teils ausschließlich für Betroffene, teils gemeinsam

mit Angehörigen oder ausschließlich für Angehörige.

Wie bundesweit ist auch in Düsseldorf seit Jahren ein Mitgliederschwund zu beobachten. In den Ar-
beitskreissitzungen (AK Suchtselbsthilfe) beklagen Sprecher, dass sich immer nur dieselben Personen
treffen, während der Nachwuchs ausbleibt. Erfreulicherweise hat der Kreuzbund Kreisverband Düssel-
dorf e.V. zum Ende 2023 mit der Gründung der neuen Gruppe „Junger Kreuzbund“ einen wichtigen

Impuls gesetzt, um frischen Wind in die Selbsthilfe zu bringen.

Altersverteilung unter regelmäßigen Besucherinnen und Besucher
(Selbstbetroffene) in Sucht-SHG’s
in 2023
Angaben in %

34,9
32,6
26,2
6,4
unter 18 Jahre 18-26 Jahre 27-44 Jahre 45-60 Jahre über 60

Abbildung 13: Altersverteilung der Besucherinnen und Besucher

Die Suchtselbsthilfe in Düsseldorf nimmt jährlich an einer umfassenden Datenabfrage teil. Darin wurde

explizit nach der Art der letzten Behandlung vor dem Eintritt in eine Selbsthilfegruppe gefragt. Wäh-

19

rend in den vergangenen Jahren der Großteil der Selbstbetroffenen bereits mindestens eine Entgif-
tungsbehandlung hinter sich hatte, zeigt sich im Jahr 2023 ein signifikanter Wandel: 32,4% der neuen
Gruppenmitglieder verfügten über keinerlei vorangegangene Entwöhnungsbehandlung (im Vergleich

zu 16,5% in 2022). Dieser Anstieg deutet auf veränderte Zugangsbedingungen zur Selbsthilfe hin.

Verteilung der im Berichtsjahr 2023 neu hinzugekommenen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ...
(Angaben in %)

... noch nie eine Entwöhnungsbehandlung | 29,4

hatten (stationär oder ambulant)

... schon mindestens eine
Entwöhnungsbehandlung hatten (stationär
oder ambulant)

16,2

... schon mindestens eine
Entgiftungsbehandlung hatten

32,4

N
N
r

... noch nie eine Entgiftungsbehandlung
hatten

Abbildung 14: Behandlungs-Vorerfahrung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern 2023

Exemplarische Vertiefungsthemen der
Sucht-Selbsthilfe

Dominique, Anonyme Alkoholiker (AA) Düsseldorf
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Selbsthilfegruppen der Anony-
men Alkoholiker in Düsseldorf

Geschenke der Pandemie

Durch die Corona-Pandemie wurde das Leben vieler Menschen in der ganzen Welt auf den Kopf ge-

stellt. Auch die Anonymen Alkoholiker (AA) stellte sie vor besondere Herausforderungen.

In Düsseldorf mussten alle Meetings plötzlich abgesagt werden. Viele Betroffene berichteten von ei-
nem erhöhten Stresslevel und einem höheren Rückfallrisiko. Die Auswirkungen der Lockdowns auf die
einzelnen AA-Mitglieder waren dabei vielfältig und individuell. Hier ein Erfahrungsbericht unserer AA-

Freundin Anna:

20

„Als ich am 16.03.2020 von der Arbeit nach Hause geschickt wurde, war das surreal und ich habe die
Tragweite nicht erahnt. Zu diesem Zeitpunkt entstanden in Berlin schon neue AA-Online-Formate, da

man den Ernst der Lage dort sofort erkannt hatte.

Die Nachricht über die neuen Meetings hat sich schnell verbreitet und „DAS MITTAGSMEETING“
wurde am 17.03.2020 um 12 Uhr das erste Mal auf Zoom durchgeführt. Ich kam am 5. Tag in mein
erstes „auf-dem-Computer-Meeting“ und war verblüfft. Da waren 60 Personen in kleinen Kacheln auf
meinem Bildschirm. Die fröhliche Stimmung und das Chaos beim Gelassenheitsspruch — es war ein-
fach wunderbar.

Dort wurde eine Telefonliste angelegt und weitergegeben mit Nummern von AA-Freunden, die mit je-
dem Tag länger wurde. Das eigene Telefon klingelte öfter und unsere Teilnehmendenzahlen stiegen

täglich, bis wir an manchen Tagen über 120 Menschen waren.

Partys gab es tatsächlich auch bei den AA-Specials, während der Feiertage, an Weihnachten und Syl-
vester. Das hat die Gemeinschaft eng zusammengeschweißt. Und jetzt freuen wir uns, wenn wir uns

bei Deutschlandtreffen in den Arm nehmen können.
Das Onlineangebot auf unserer Webseite ist durch die Pandemie stark gewachsen.

Das Ganze ist so erfolgreich und bequem, dass ich mich heute manchmal ein bisschen in Vor-Ort-
Meetings zwingen muss, um dann dort das zu bekommen, was uns Zoom nicht geben kann. Nämlich
herzliche Umarmungen, gemeinsames Lachen während des Meetings, ein aufmunterndes Nicken, ein
verständnisvolles Lächeln, die gesamte nonverbale Interaktion untereinander, wenn wir gemeinsam in
einem Raum sind.

Wo einige Betroffene, wie die Freundin Anna, eine verstärkte Motivation zum Trockenbleiben zeigten,
neue Wege fanden und aus der Krise sogar Hoffnung schöpften, mussten andere von einem Rückfall
berichten. Sie fühlten sich isoliert und einsam, hatten Angst vor der Zukunft und fielen in alte Trink-

muster zurück.

Von den rund 40 Gruppen in Düsseldorf sind die meisten kleinen Meetings mit fünf bis sieben Teilneh-
merinnen und Teilnehmern, wieder zur Normalität zurückgekehrt und die Freundinnen und Freunde
kommen wöchentlich wieder zusammen. Manche haben es leider nicht geschafft: Vermieter kündig-
ten, Besucher blieben aus, die Spenden fehlten. Andere Gruppen haben die Vorzüge der interaktiven
Onlineübertragungen zu schätzen gelernt und technisches Equipment angeschafft, um in neuen Räu-
men hybride Meetings abzuhalten, was die Hürde, in ein Meeting zu kommen, senkt. Die Online-Tref-
fen sind kein vollständiger Ersatz, aber auch keine vorübergehende Lösung, sondern eine tolle Ergän-
zung zu den persönlichen Treffen. Die Corona-Pandemie war eine große Herausforderung für alle AA-
Gruppen, aber auch eine Chance, ihre Stärke und Solidarität zu entfalten. Es war eine harte, aber
auch eine unglaublich lehrreiche Zeit. Sie hat gezeigt, wie stark AA ist, wie stark Gemeinschaft sein
kann und wieviel sie noch lernen kann. Sie hat gezeigt, wie wichtig die Treffen für jeden einzelnen
sind, wie sehr sie vermisst wurden, wie sehr sich gefreut wurde, als man sich wieder umarmen konnte.
Sie hat gezeigt, dass wir immer einen Weg finden, nüchtern zu leben, solange wir bereit sind, uns

Hilfe zu suchen und sie anzunehmen.

21

Herausforderungen, Empfehlungen, Ausblick

Die Suchtselbsthilfe ist ein zentraler Bestandteil des kommunalen Suchthilfesystems. Durch den regel-
mäßigen Austausch in den Gruppen erhalten Betroffene nicht nur individuelle Unterstützung, sondern
auch die Möglichkeit, sich gegenseitig zu motivieren und Abstinenz zu erreichen und zu erhalten. Die
Zusammenarbeit in diesen Gruppen stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Widerstandsfähig-

keit — wichtige Faktoren, die den Weg aus der Sucht unterstützen.

Jeder investierte Euro in die Suchtselbsthilfe erweist sich als besonders wirkungsvoll. Der enge Aus-
tausch in den Gruppen erleichtert den Zugang zu weiteren Unterstützungsangeboten und trägt lang-
fristig zu einer verbesserten Lebensqualität bei, während gleichzeitig Kosten im Gesundheits- und So-
zialwesen eingespart werden können. Insgesamt unterstreicht der nachhaltige Erfolg der Selbsthilfe-

gruppen deren hohe Bedeutung für das gesamte Suchthilfesystem.

22

u

Landeshauptstadt Düsseldorf
Gesundheitsamt
NS

Herausgegeben von der
Landeshauptstadt Düsseldorf

Der Oberbürgermeister
Gesundheitsamt

Kölner Straße 180, 40227 Düsseldorf

Verantwortlich PD Dr. med. Max Skorning

V1/25-.025
www.duesseldorf.de

Informationsvorlage

2090 Zeichen

AGS/029/2025 
 
 X  öffentlich      nicht öffentlich   
Informationsvorlage 
Betrifft: 
Kommunal geförderte Suchthilfe in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Bericht für das 
Jahr 2023 
Fachbereich: 
53 - Gesundheitsamt   
Dezernentin / Dezernent: 
Beigeordneter  Christian Zaum   
Beratungsfolge: 
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität 
Ausschuss für Gesundheit und 
Soziales 23.09.2025 Kenntnisnahme 
 
Sachdarstellung: 
Mit Beschluss des AGS vom  18.03.2015 wurde die Verwaltung beauftragt, ein 
Berichtswesen für die Suchthilfe zu entwickeln. Das Berichtswesen soll, die 
vielfältigen Angebote und Ergebnisse des Suchthilfesystems in Düsseldorf darstellen. 
Veränderte Bedarfe sollen frühzeitig erkannt w erden und die erhobenen Daten eine 
Basis für Entscheidungen über einen bedarfsgerechten Mitteleinsatz bilden. 
 
Der Bericht bezieht sich im Schwerpunkt auf die Aktivitäten der überwiegend mit 
kommunalen Mitteln geförderten Einrichtungen der Düsseldorfer Suc hthilfe im 
Zeitraum 01.01.2023 bis 31.12.2023.  
 
Bei der Erstellung des Berichtes haben mitgewirkt: 
 Aidshilfe Düsseldorf e. V. 
 BerTha F. e. V. 
 Caritasverband Düsseldorf e. V. 
 Diakonie Düsseldorf e. V. 
 Düsseldorfer Drogenhilfe e. V. 
 Flingern mobil e. V. 
 ProMädchen e. V. 
 Psychosoziale Betreuung des Gesundheitsamtes 
 SKFM Düsseldorf e. V.  
 Suchtkoordination des Gesundheitsamtes 
 
 
Der Bericht „Kommunal geförderte Suchthilfe in der Landeshauptstadt Düsseldorf - 
Jahresbericht 2023“ bietet einen kompakten Überblick über die Entwicklungen in der 
Suchthilfeplanung und die kommunal geförderte Suchthilfe.

Seite 2 
 
Darüber hinaus enthält der Bericht exemplarische Schwerpunktthemen zu jedem 
Arbeitsfeld. 
 
Arbeitsfeld I (Prävention): 
 Ursachenorientierte Suchtprävention in Düsseldor f sichtbar machen – weil 
Sucht immer eine Geschichte hat … 
 
Arbeitsfeld II (Überlebenshilfen):  
 Crackkonsum in Düsseldorf 
 
Arbeitsfeld III (Ausstiegsorientierte Hilfen):  
 SUCHT UND TRAUMA. Herausforderung in der Behandlung suchtkranker 
Menschen 
 
 
 
Anlagen: 
Suchthilfebericht 2023

Beratungsverlauf (1)

24.06.2025 Ausschuss für Gesundheit und Soziales
TOP 12 Kenntnisnahme Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
AGS/029/2025
Typ
Informationsvorlage
Datum
12.06.2025
Erstellt
12.06.2025 08:31