1458/2017
Jahresbericht 2016, Naturschutzwacht Herr Jonas, Bezirk 7 Porz
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Mitteilung BV
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/57/571 Vorlagen-Nummer 1458/2017 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Naturschutzbeirat bei der Unteren Naturschutzbehörde 29.01.2018 Bezirksvertretung 7 (Porz) 14.12.2017 Jahresbericht 2016, Naturschutzwacht Herr Jonas, Bezirk 7 Porz Im Anhang erhalten Sie den Jahresbericht 2016 des Naturschutzwarts für den Bezirk 7 Porz. Neben den grundlegenden und hilfreichen Ausführungen zu seinen Tätigkeiten hat sich Herr Jonas auch mit einem vom BUND neu herausgegebenen Grundlagenwerk „Atlas einer zweijährigen Erhe- bung zur Flora von Köln 2013 – 2015“- Projekt Köln kartiert des BUND“ beschäftigt. Herr Jonas thematisiert die Ausführungen zur Bekämpfung von Neophyten im Einleitungstext des Florenatlasses und bewertet sie für die Naturschutzarbeit und sein Handeln kritisch. Er fühlt sich durch die Ausführungen mit seiner fachlichen Arbeit in eine politisch rechte Position gestellt. In dem Einleitungstext des Florenatlasses kritisieren die Autoren im Kapitel Neophyten, die Verwen- dung von ideologisch belegten Wörtern wie “heimisch“, „Verdrängung“, „Invasive Arten“ und „Neophy- tenproblematik etc, und weisen auf die „katastrophalen Folgen“ hin, die „solche Ideologie und solcher Sprachgebrauch“ haben könnte. Hierauf aufbauend wird die durch den Menschen verursachte Verbreitung von Pflanzen und Tieren natürlichen Prozessen gleichgestellt und nicht als grundsätzlich zu bekämpfen dargestellt. Den Ausführungen im Florenatlas ist entgegen zu halten, dass die Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen und Arten durch Tiere und Pflanzen nicht heimischer oder invasiver Arten ein immer größer werdendes Problem darstellt. Insbesondere invasive Arten stellen global eine der größten Bedrohun- gen für die Biodiversität dar. Das Bundesnaturschutzgesetz gibt dementsprechend allen Beteiligten den Auftrag dem entgegen zu wirken. Hierbei ist darauf hin zu weisen, dass die Auswirkungen von nicht heimischen Arten in vielen Fällen nicht abschätzbar sind. Eine Ansiedlung oder Ausbreitung von nicht heimischen Arten ist daher aus naturschutzfachlicher Sicht grundsätzlich negativ zu bewerten. Bei der Bekämpfung von nicht heimischen Arten ist aber immer im Einzelfall abzuwägen, ob Maß- nahmen sinnvoll und verhältnismäßig sind. In diesem Sinne und in unserem Auftrag handelt auch die Naturschutzwacht der Stadt Köln und im Übrigen auch seit Jahren die anerkannten Naturschutzver- bände in zahlreichen Pflegemaßnahmen in den Schutzgebieten der Stadt Köln. Diese Pflegemaß- nahmen werden stets mit vorher genau definiertem Ziel (Erhalt und Stärkung der für ein bestimmtes Schutzgebiet definierten Leitarten) ausgeführt. Die Rücksprache mit einzelnen Mitgliedern der Arbeitsgruppe des Florenatlasses konnte bisher nicht geklärt werden, warum diese Ausführungen in das ansonsten fachlich sehr qualifizierte und mit ho- hem ehrenamtlichem Engagement entstandene Grundlagenwerk aufgenommen worden sind. Die Untere Naturschutzbehörde geht aber auch grundsätzlich davon aus, dass sich alle Beteiligten einig sind, Maßnahmen im Naturschutz rein fachlich zu bewerten sind und dass ideologische Heran- 2 gehensweisen hier fehl am Platze sind.
Jahresbericht 2016 Bez. 7 Nord Herr Jonas
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1 JAHRESBERICHT LANDSCHAFTSWACHT Köln 2016 Bezirk 7 Nord Jonas Im vergangenen Jahr kontrollierte ich wieder regelmäßig meinen Bezirk. Das Fahrrad erwies sich dabei als besonders sinnvoll, weil ich so am meisten mitbekomme. Oft kümmerte ich mich um Abfälle, besonders die umweltschädlichen wie Elektrogeräte; Batterien, Salz oder anderer Sondermüll. An der Kiesgrube Alberty trug ich wieder mit Helfern mehrere Kubikmeter Freizeitabfälle (Badetücher, Luftmatratzen, Grillabfälle usw.) auf einen Haufen zusammen. Im Herbst informierte ich die AWB, so dass diese den Müll bequem abholen konnte. Ich legte im Rathaus Informationsmaterial zu Naturgärten aus. Ich kontrollierte auch wieder die Beschilderung der Schutzgebiete. Am Rheinufer und am Josef- Linden-Weg schnitt ich je ein LSG-Schild, in Westhoven ein LB-Schild von Bewuchs frei. Besondere Probleme gab es damit sonst nur an der Kiesgrube Alberty. Das NSG-Schild war endlich wieder angebracht worden, zusammen mit einem Text-Zusatzschild. Eine Woche später war das Zusatzschild wieder weg, was ich natürlich meldete. Es wurde später ersetzt. Zwei Monate danach war es wieder verschwunden. Am NSG-Schild feilte ich daher die Sechskante der Befestigungsbolzen ab, um das Abmontieren zu erschweren; vielleicht war das Schild deshalb am Jahresende noch da. Ich überzeugte einen Seebesucher, das Schild nicht schwarz einzusprühen, und wiederholt reinigte ich es je nach dem mit Brennspiritus oder Aceton von Beschmierungen. Einmal entfernte ich eine Papptafel „Party Beach“, mit der das Schild zugehängt war. Ich machte auch noch weitere Funde von Pflanzen-und Tierarten. Im NSG Albertysee fand ich erstmals den auffälligen Moschusbock, eine besonders geschützte Käferart, und noch viel mehr Exemplare des Hundsveilchens. Sehr stark haben sich die Bestände der Wasserassel im See entwickelt, was – neben anderen Indikatoren wie Grünalgen und Wasserpest – auf zunehmende Eutrophierung hindeutet. Die Fischbestände sind dementsprechend sehr reichhaltig. Hier wird alles ausgesetzt, was die Fischwelt hergibt, wie ich schon berichtete. Außer riesigen toten Karpfen entfernte ich am Ufer diesmal auch einen toten Aal aus dem Wasser. Ich kümmerte mich weiterhin um meine Nistkästen. Einen hängte ich am Verschiebebahnhof Gremberghoven um, weil Rodungsarbeiten drohten. Alte Kästen reparierte ich, einen gefundenen Kasten für Halbhöhlenbrüter setzte ich instand und brachte ihn in der Westhovener Aue an. Beim Artenschutz half ich auch wieder im Wechselkröten-Schutzprojekt eines Naturschutzverbandes aus. Die Kiesgrube Alberty wurde auch dieses Jahr für Freizeitaktivitäten genutzt, so dass ich auch dadurch öfter zu tun hatte. Ich teilte der zuständigen Mitarbeiterin immer wieder den neuesten Stand (auch hinsichtlich Artenfunden und Beschilderung) mit und erhielt von ihr Informationen. Dieses Jahr kontrollierte auch das Ordnungsamt mehrmals, was auch in der Presse Niederschlag fand. Mit Technopartys gab es keine größeren Probleme mehr. Ein Veranstalter hatte eine neue „Location“ im Süden von Porz gefunden, was ich der zuständigen Mitarbeiterin mitteilte. Eine Party fand an Fronleichnam statt, wie ich erfuhr. Ich erreichte telefonisch niemanden; ein Bürger versuchte es dann morgens und hatte zwar Erfolg, aber da war natürlich alles schon gelaufen. Ich konnte der zuständigen Mitarbeiterin aber noch zwei Autonummern mitteilen, um den Veranstalter feststellen zu können. 2 Ich führte Gespräche mit Seebesuchern und Campern und warnte vor Kontrollen des Ordnungsamtes. Einem Mitglied des Angelvereins erklärte ich den Sinn von hier durchgeführten Maßnahmen gegen Gehölzaufwuchs, weil er darüber aufgebracht war. Schließlich beteiligte ich mich noch an einigen Naturschutzaktionen. Ein Naturschutzverband entfernte aufkommende Gehölze im Ufersaum eines Gewässers, um den Röhrichtgürtel offenzuhalten, wobei ich mithalf. Auch Neophyten waren wieder zu bekämpfen. Im Bereich der Rheinufer verbreiten sie sich zunehmend: Ich stellte fest, dass sich Hochwasserspülsäume schon großteils und manchmal dominierend aus Stengeln des Staudenknöterichs zusammensetzen. Im NSG Albertysee begann ich mit dem Ausreißen eines vor nicht langer Zeit aufgekommenen Japanischen Staudenknöterichs in einer Basaltblockschüttung am Ufer. Diesen Bestand werde ich in nächster Zeit weiter im Auge behalten und gegebenenfalls nacharbeiten müssen. Ein anderer Naturschutzverband will im NSG Albertysee in Absprache mit der ULB einen Uferabschnitt vom Bewuchs mit nicht einheimischen Gehölzen (Robinien, Hybrid- und Balsampappeln) freistellen. Dadurch sollen Arten offener, trockener und nährstoffarmer Standorte gefördert werden (Zauneidechse, Heuschrecken, Schmetterlinge u.a.). Dazu fanden drei Einsätze statt, bei denen auch ich beteiligt war. Zuerst ringelten wir Robinien, später Pappeln. Dies war für uns eine neue Erfahrung. Es war interessant festzustellen, dass die Robinien sehr individuell reagierten: Es gab sofortiges Verdorren, schütter werdende Kronen oder auch vorerst gar keine Reaktion auf die Rindenverletzung. Ich regte daher an, z.B. im Rahmen eines Praktikums eine kleine Auswertung im nächsten Sommer zu machen, was nun auch beabsichtigt ist. Oberhalb des Sees befreiten wir auch noch eine ehemalige wassergefüllte Fahrspur von Gestrüpp und entschlammten sie, um einigen besonderen Arten, die früher hier vorkamen, wieder einen Lebensraum zu schaffen. Im Frühling legte ich mir noch den neuen Atlas zur Florenkartierung von Köln eines Naturschutzverbandes zu. Nun konnte ich die Seltenheit gefundener Arten in Köln besser beurteilen. Bei der Lektüre des Einführungstextes musste ich erschrocken feststellen, dass ein allgemeiner Bezug zu meiner Tätigkeit bestand, und zwar zu der vorhin beschriebenen Neophytenbekämpfung. Es wird in der Florenkartierung bedauert, dass zugewanderte Pflanzen nicht als schutzbedürftig, sondern als zu bekämpfen betrachtet werden. Wer heimische Arten vor Neophyten schützen wolle, betreibe am Ende „Legitimation für die katastrophalsten Kriege und Ungerechtigkeiten der Menschheitsgeschichte“. Die „Jagd auf Neophyten ohne konkret definiertes Ziel“ (Wo gibt es das?) sollte demnach „nach den Erfahrungen unserer Geschichte“ nicht mehr Gegenstand des Naturschutzes und „anderer gesellschaftlicher Felder“ sein. Offensichtlich steigert sich die derzeitige Hysterie in Deutschland schon so weit, dass jetzt also auch floristische Kartierungen ihre Unschuld verloren haben und für ideologische Stimmungsmache extremer Ränder des politischen Spektrums herhalten müssen. Das finde ich ärgerlich, weil auch meine Tätigkeit davon berührt wird, denn nun fühle ich mich nach den Aktionen im NSG wie ein populistischer Hetzer, der schutzsuchende Blumen ausreißt und grölend unter seinen Stiefeln zertritt. Ich musste dann aber entsetzt lesen, dass in dem gleichen Werk die Einbringung von „Pflanzen ostmediterraner oder balkanischer Herkunft“ (!!!) kritisiert wird: Sie entsprächen nicht dem „Typus regionaler naturwüchsiger Pflanzen“. Das wird zwar gut und richtig begründet, erinnert aber auch sehr an populistische Stammtischparolen und könnte, der Logik des sonstigen Textes folgend, als rassistisches Gedankengut und erster Schritt nach Auschwitz aufgefasst werden. Auch störe ich mich daran, dass Neophyten nicht „ohne konkret definiertes Ziel“ bekämpft werden sollen. Hoffentlich muss ich das nicht so verstehen, dass die Ausmerzung missliebiger Pflanzenrassen MIT einem solchen 3 Ziel (z.B. Erhöhung der Sicherheit der schon länger hier lebenden Pflanzen) durchaus erlaubt ist; ein solches Gedankengut hatten wir meines Wissens in Deutschland vor 80 Jahren auch schon mal, und wir wissen alle, wohin das geführt hat. Von solchen zynischen und pflanzenverachtenden Äußerungen in dem Werk muss ich mich ausdrücklich distanzieren, weil sie Wasser auf die Mühlen der Populistinnen und Populisten sind. Ich hoffe, dass jetzt nicht auch noch der Naturschutz irgendwelchen fanatischen Kreuzzügen für das Edle und Gute dienlich gemacht wird und ich dann in meinen Aktivitäten belästigt werde. Ich informierte die ULB auch über eine Fällungsaktion am Verschiebebahnhof Gremberghoven. Dabei ist wieder einer der wenigen Walnussbäume umgesägt worden, der für Eichhörnchen eine beliebte Nahrungsquelle gewesen war. In der Nähe am Umspannwerk sah ich im Herbst ein ausgesetztes Hauskaninchen. Der Versuch, es einzufangen, misslang leider ganz knapp. Später fand ich es trotz Suche nicht wieder. Dann gelang es mir am allerletzten Tag des Jahres noch, einen Singvogel aus der Rampe am Haltepunkt Airport Businesspark zu befreien, der aus dem verglasten Tunnel nicht mehr herausfand, und dem ich so doch noch zu einem guten Rutsch ins neue Jahr verhelfen konnte.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1458/2017
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 05.12.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27