V/0505/2021
Handlungsempfehlungen der Projektgruppe „Sport, Bewegung und Gesundheit“ der Kommunalen Gesundheitskonferenz Münster
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Berichtsvorlage
2958 Zeichen
V/0505/2021 V/0505/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Handlungsempfehlungen der Projektgruppe „Sport, Bewegung und Gesundheit„ der Kommunalen Gesundheitskonferenz Münster Beratungsfolge 08.09.2021 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung Bericht 22.09.2021 Sportausschuss Bericht 23.09.2021 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Bericht Bericht: Im Jahr 2018 hat der Gesundheitsausschuss des Deutschen Städtetages die Mitgliedsstädte ermun- tert, verstärkt mögliche Synergismen zwischen den verschiedenen Anbietern und Akteuren von Sportangeboten, von Gesundheitssport und von Prävention in den Kommunen aufzudecken, anzu- sprechen und umzusetzen. In der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz am 6.6.2018 wurde vereinbart, dass sich eine Projektgruppe mit dem Thema befassen, Handlungsempfehlungen entwickeln und an der Umsetzung der Empfehlungen mitwirken soll. Besondere Aufmerksamkeit solle dabei den folgenden drei Bereichen gewidmet werden: Förderung und Erhalt der Bewegungsfreude bei Kleinst- und Kleinkindern. Erhalt und Verbesserung motorischer Fähigkeiten, von körperlicher Kraft, Koordination und Gleichgewichtsvermögen im frühen Seniorenalter. Sport und Bewegung im öffentlichen Raum. Ausgehend von den aufgeführten Arbeitsschwerpunkten solle die Projektgruppe darüber hinaus Pro- jektideen nach dem Präventionsgesetz erarbeiten. Die in der Projektgruppe aufbereitete Bestandsaufnahme, die daraus abgeleiteten Bedarfe sowie die in der Projektgruppe entwickelten Handlungsempfehlungen sind dem anliegenden Bericht „Sport, Bewegung und Gesundheit – Handlungsempfehlungen der kommunalen Gesundheitskonferenz Münster“ zu entnehmen. Die Handlungsempfehlungen haben nicht den Anspruch, alle Aspekte aufzuzeigen, die zu einer Ver- besserung des Bewegungsverhaltens aller Bürger/-innen in Münster führen könnten. Vielmehr wur- den Schwerpunkte gesetzt, bei denen aus Sicht der Projektgruppe die Notwendigkeit für impulsge- Gesundheits- und Veterinäramt 03.08.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Heitkötter Telefon: 492-5388 Heitkoetter@stadt- muenster.de - 2 - V/0505/2021 bende Empfehlungen besonders hoch eingeschätzt wurde. Während der Arbeit der Projektgruppe hat sich der oben genannte dritte Punkt „Sport und Bewegung im öffentlichen Raum“ als Schwerpunkt mit besonderem Handlungsbedarf herauskristallisiert. Dieser hat entsprechend bei den Handlungsemp- fehlungen einen hohen Stellenwert. Die Handlungsempfehlungen wurden in der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz am 16.06.2021 einvernehmlich verabschiedet. Die Verwaltung wird ggf. für die Maßnahmenumsetzung notwendige Entscheidungen der politischen Gremien einholen. in Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Handlungsempfehlungen „Sport, Bewegung und Gesundheit“ der Kommunalen Gesund- heitskonferenz Münster
Anlage_2_Handlungsempfehlungen_Sport_Bewegung_und_Gesundheit
80051 Zeichen
Sport, Bewegung und Gesundheit
Handlungsempfehlungen der kommunalen
Gesundheitskonferenz Münster
verabschiedet am 16.06.2021
Anlage 2 zur Berichtsvorlage V/0505/2021
2
Inhalt
1 Mitglieder der Projektgruppe ................................................................ .......................... 4
1.1 Permanente Mitglieder ................................................................ ............................ 4
1.2 Gäste ................................................................................................ ...................... 4
1.3 Koordination und Redaktion ................................................................ .................... 4
2 Einführung ................................................................................................ ...................... 5
3 Ausgangslage ................................................................................................ ................ 6
3.1 Bewegungsverhalten und dessen Auswirkungen ................................ .................... 6
3.2 Nationale Empfehlungen für Bewegungsförderung ................................ .................. 8
3.3 Sport und Bewegung in Münster ............................................................................10
3.3.1 Akteure im Bereich Sport und Bewegung ........................................................10
3.3.2 Bewegung im öffentlichen Raum .....................................................................13
3.3.3 Zahlen zu Sport und Bewegung ......................................................................13
4 Bedarfe und Handlungsempfehlungen ..........................................................................15
4.1 Bewegung als Thema der Stadtplanung und -entwicklung .....................................15
4.1.1 Handlungsempfehlung: Bewegung im öffentlichen Raum als
institutionalisiertes, von Verwaltung und Politik getragenes Kriterium in der
Stadtplanung .............................................................................................................15
4.2 Niedrigschwellige Bewegungsangebote durch Sportboxen im öffentlichen Raum ..16
4.2.1 Handlungsempfehlung: Aufbau weiterer Sportboxen .......................................16
4.3 Animation zu mehr Alltagsbewegung .....................................................................16
4.3.1 Handlungsempfehlung: Anzeige von Fußwegezeiten an Bushaltestellen ........17
4.4 Koordination und Ausbau der Bewegungsangebote in Coerde ...............................17
4.4.1 Handlungsempfehlung: Sport- und Bewegungskoordinator/-in für Coerde ......17
4.4.2 Handlungsempfehlung: Gestaltung öffentlicher Räume als Bewegungsräume 18
4.4.3 Handlungsempfehlung: Coerde als Standort für eine Sportbox .......................18
4.4.4 Handlungsempfehlung: Stärkung der organisierten Sport- und
Bewegungsangebote ................................................................................................19
4.5 Verwaltung in Bewegung ........................................................................................19
4.5.1 Handlungsempfehlung: Fußspuren zur Treppe ...............................................19
4.5.2 Handlungsempfehlung: Aktionsmonat zum Thema Bewegung ........................19
4.6 Bewegung im Kindesalter .......................................................................................20
4.6.1 Handlungsempfehlung: Mehr anerkannte Bewegungskindergärten .................20
4.7 Bewegung im frühen Seniorenalter ........................................................................20
4.7.1 Handlungsempfehlung: Veranstaltung „Gesund & Aktiv - Älter werden in
Münster“ zum Schwerpunktthema Bewegung ...........................................................20
3
4.8 Niedrigschwellige Angebote für Menschen mit und ohne Depression .....................21
4.8.1 Handlungsempfehlung: Laufgruppe für Menschen mit und ohne Depression ..21
4.9 Transparenz über vorhandene Angebote ...............................................................21
4.9.1 Handlungsempfehlung: Navigator/ Interaktive Karte als Baustein für die
muenster:app ............................................................................................................21
5 Fazit ..............................................................................................................................22
6 Anlagen .........................................................................................................................22
7 Literaturverzeichnis .......................................................................................................23
4
1 Mitglieder der Projektgruppe
1.1 Permanente Mitglieder
Name Institution
Bahtovic, Seida Amt für Schule und Weiterbildung (6. Sitzung)
Becker, Simone Amt für Schule und Weiterbildung (1. bis 5. Sitzung)
Dieckmann, Dr. Petra Bündnis 90/Die Grünen/GAL
Heitkötter, Merle Gesundheits- und Veterinäramt
Imsieke, Thorsten Sportamt
Kempe, Brigitte Gesundheits- und Veterinäramt
Köhl, Siegfried Piraten/OEDP
König, Elisabeth Amt für Schule und Weiterbildung (1. bis 4. Sitzung)
Völker, Prof. Klaus Stadtsportbund Münster e.V. (Sprecher der Projektgruppe)
1.2 Gäste
Name Institution
Lammers, Thomas Stadtsportbund
Oldenbüttel, Ute Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Popken, Frauke Stadtplanungsamt
Röttgering, Fabian Stadtwerke Münster
Schelhorn, Dirk Schelhorn - Landschaftsarchitektur
Stoldt, Reimer Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Völker-Honscheid, Gabriele Stadtsportbund
Völlmecke, Jochen Stadtplanungsamt
1.3 Koordination und Redaktion
Ansprechpartnerin Kontaktdaten
Heitkötter, Merle
Gesundheits- und
Veterinäramt
Tel. 0251/ 492-5388; E-Mail: Heitkoetter@stadt-muenster.de
5
2 Einführung
Im Jahr 2018 hat der Gesundheitsausschuss des Deutschen Städtetages die Mitgliedsstädte
ermuntert, verstärkt mögliche Synergismen zwischen den verschiedenen Anbietern und
Akteuren von Sportangeboten, von Gesundheitssport und von Prävention in den Kommunen
aufzudecken, anzusprechen und umzusetzen.
Am 6. Juni 2018 wurde in der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz vereinbart,
dass sich eine Projektgruppe mit dem Thema „Sport, Bewegung und Gesundheit“ befassen
wird. Die Gruppe solle Handlungsempfehlungen erarbeiten und an der Umsetzung dieser
mitwirken.
Besondere Aufmerksamkeit solle dabei den folgenden drei Bereichen gewidmet werden:
Förderung und Erhalt der Bewegungsfreude bei Kleinst- und Kleinkindern. Das „frühe
Verkümmern“ des natürlichen Bewegungsdrangs des Kleinkindes ist als eine der
entscheidenden Ursachen für spätere Adipositas, Koordinations-, Sprach-, und
Entwicklungsstörungen anzusehen. Reaktive Programme sind kaum dazu in der
Lage, diese Defizite nachhaltig auszugleichen. Neue quartiersnahe und ggfs.
aufsuchende oder institutsgebundene (Kita, Kindertagespflege, Grundschule etc.)
Angebote sind daher dringend zu entwickeln.
Erhalt und Verbesserung motorischer Fähigkeiten, von körperlicher Kraft,
Koordination und Gleichgewichtsvermögen im frühen Seniorenalter können ein
entscheidender Ansatz für mehr gesundheitliches Wohlbefinden, Fitness, Sturz- und
Osteoporoseprävention für das hochaltrige Seniorenalter sein.
Wegen der stetig steigenden Lebenserwartung entsteht hier ein völlig neuer
Präventionsansatz und Auftrag mit völlig neuen zielgruppenspezifischen Angeboten.
Sport und Bewegung im öffentlichen Raum. „Livability“ und „Walkability“ sind die
wesentlichen Schlagworte einer modernen und gesunden Stadtentwicklung. Nur
wenn der öffentliche Raum grundsätzlich in allen Bereichen eine bestmögliche
Aufenthaltsqualität hat und zu fußläufiger Bewegung einlädt, wird der einzelne
Bürger/ die einzelne Bürgerin die tägliche Bewegung und Schrittzahl „automatisch im
Alltag“ steigern. Die empfohlenen 10.000 Schritte am Tag lassen sich nicht additiv zu
einem sitzenden und automobilen Lebensalltag erreichen.
Wenn der öffentliche Raum gleichzeitig „alltägliche Anreize“ für additive Bewegung
schafft (Spiel- und Sportgeräte, Trimm-Stationen etc. im öffentlichen Raum, möglichst
mit regelmäßig anwesenden und motivierenden „Sportpaten“), wird Bewegung und
Fitness im öffentlichen Raum zum Alltag vieler Bürger/-innen gehören und
letztendlich auch zusätzlich mehr Personen zu regelmäßigen Sportangeboten im
Verein motivieren.
Ausgehend von den aufgeführten Arbeitsschwerpunkten solle die Projektgruppe darüber
hinaus Projektideen nach dem Präventionsgesetz erarbeiten.
Das Thema Sport, Bewegung und Gesundheit betrifft letztlich die gesamte Münsteraner
Bevölkerung. Hierbei ist zu beachten, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt,
sondern um Menschen, die je nach aktueller Lebenssituation, Geschlecht oder Alter
unterschiedliche Bedarfe und Bedürfnisse haben. Hinzu kommt, dass es verschiedene
Facetten des Themas Sport und Bewegung gibt wie z.B. die Differenzierung zwischen
organisiertem und nicht organisiertem Sport oder die Differenzierung nach Alltagsbewegung,
Freizeit- und Erlebnissport, Gesundheitssport, Leistungssport etc.. Diese
Handlungsempfehlungen haben daher nicht den Anspruch, alle Aspekte aufzuzeigen, die zu
einer Verbesserung des Bewegungsverhaltens aller Bürger/-innen in Münster führen
könnten. Während der Arbeit der Projektgruppe hat sich der oben genannte dritte Punkt
„Sport und Bewegung im öffentlichen Raum“ als Schwerpunkt mit besonderem
Handlungsbedarf herauskristallisiert. Dieser hat entsprechend bei den
Handlungsempfehlungen einen hohen Stellenwert.
6
3 Ausgangslage
Seit jeher werden Sport und Bewegung vielfältige Funktionen für die Gesellschaft
zugeschrieben. So dienen Sport und Bewegung nicht nur als Möglichkeit zur Steigerung der
Leistungsfähigkeit, der Gesundheitsförderung oder der Prävention, sondern erfüllen
gleichzeitig sozialintegrative Funktionen. Sport vermittelt wichtige Werte, Orientierungs- und
Verhaltensmuster wie Teamgeist, Respekt, Solidarität, Selbstbewusstsein, Regelakzeptanz
und Fair Play.
Im Zuge des gesellschaftlichen Wandels geht der moderne Lebensstil in den westlichen
Industrienationen jedoch einher mit einem zunehmend bewegungsinaktiven Lebensstil.
Dabei geht es nicht nur um den organisierten Sport, sondern auch um Bewegung im Alltag.
Die Urbanisierung macht viele altbewährte Bewegungsvarianten unmöglich: Der Weg mit
dem Fahrrad ist zu gefährlich, der Bolzplatz um die Ecke ist einem Neubau gewichen. Umso
wichtiger könnte die Bewegung in Kita, Schule und Verein geworden sein. Doch geht dort
das Dilemma weiter. Der Sportunterricht in der Schule nimmt immer noch einen
untergeordneten Stellenwert ein und ist mit entsprechend schlechter Ausstattung versehen.
Ähnliches findet sich auch in den Vereinen, die oftmals Geldmangel beklagen. Dann fehlen
auch noch ausreichend Sporthallen und Schwimmbäder. Immerhin wurde das Thema
Bewegungsförderung beim Gute-Kita-Gesetz berücksichtigt. Die aktuelle Entwicklung der
Corona-Pandemie hat durch Homeoffice, Homeschooling, Social Distancing etc. das Leben
in Gemeinschaft und im öffentlichen Raum zusätzlich eingeschränkt, was den
bewegungsinaktiven Lebensstil weiter verstärkt hat und aktuell noch verstärkt.
3.1 Bewegungsverhalten und dessen Auswirkungen
Nicht zuletzt aufgrund der hohen Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit hat die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2010 Bewegungsempfehlungen verabschiedet,
die heute von vielen Ländern als Bezugspunkt für nationale Empfehlungen verwendet
werden, so auch von Deutschland in Form der Nationalen Empfehlungen für Bewegung und
Bewegungsförderung für die Bundesrepublik Deutschland (Rütten & Pfeifer, 2016).
Die Empfehlungen werden differenziert nach Altersgruppen: Kinder und Jugendliche (0-18
Jahre), Erwachsene (18-65 Jahre), ältere Erwachsene (ab 65). Als weitere Zielgruppe
werden Erwachsene mit nicht übertragbaren Krankheiten aufgeführt.
Säuglinge sollen sich so viel wie möglich bewegen, Kindergartenkinder sollen insgesamt
eine Bewegungszeit von 180 Minuten/Tag und mehr erreichen und Grundschulkinder und
Jugendliche eine tägliche Bewegungszeit von 90 Minuten und mehr in moderater bis hoher
Intensität. Erwachsene und ältere Erwachsene sollten möglichst mindestens 150 Minuten /
Woche ausdauerorientierte Bewegung mit moderater Intensität (z. B. 5 x 30 Minuten /
Woche) und zusätzlich muskelkräftigende körperliche Aktivitäten an mindestens zwei Tagen
pro Woche durchführen. Die detaillierten Empfehlungen für die jeweiligen Personengruppen
sind der Anlage 1 zu entnehmen.
Laut NRW-Gesundheitssurvey 2018 helfen Sport und Alltagsbewegung ungefähr 4 von 10
Erwachsenen nach eigener Angabe dabei gesund zu bleiben. 78 % der Befragten messen
Bewegung im Alltag einen hohen oder sehr hohen Beitrag zum Wohlbefinden bei und auch
Sport trägt bei den regelmäßig sportlich Aktiven in hohem oder sehr hohem Maße zum
Wohlbefinden bei (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, 2020). Das gute Gefühl
während oder nach der körperlichen Aktivität ist der Hauptmotivator für Bewegung im Alltag.
Auch das persönliche Umfeld, gesundheitliche Anreize und eine bewegungsfreundliche
Umwelt motivieren zur körperlichen Aktivität (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-
Westfalen, 2019).
Im NRW-Gesundheitssurvey 2016 wurden verschiedene Fragen an die Bürgerschaft zu
bewegungsförderlichen Umweltbedingungen gestellt. Obwohl das Umfeld für die Motivation
zu körperlicher Aktivität ausschlaggebend ist, besteht eine erhebliche Unwissenheit im
7
Hinblick auf Partizipationsmöglichkeiten bei der Gestaltung des Wohnumfelds und nur jede/-r
Sechste nutzte in der Vergangenheit oder nutzt aktuell die Chance sich auf kommunaler
Ebene einzubringen. Eine stärkere Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen, z.B. durch
gezielte Informationen über Partizipationsmöglichkeiten, bietet Chancen für eine
Verbesserung der Bewegungsfreundlichkeit und damit der körperlichen Aktivität im
Wohnumfeld (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, 2019).
Die Bewegungsfreundlichkeit und die Sportangebote am Wohnort wurden von den NRW-
Befragten mit rund 80 % mehrheitlich positiv bewertet. Ebenso ist die Mehrheit mit den
Umweltbedingungen am Wohnort zufrieden, mit den Möglichkeiten, zu Fuß zu gehen oder
mit dem Rad zu fahren und mit dem Angebot an öffentlichen Erholungsgebieten,
Parkanlagen oder anderen Freiflächen. Der Mehrheit stehen Schwimmbäder, offene
Gewässer, Parks und Grünanlagen sowie Freizeitsportanlagen in der Umgebung zur
Verfügung. Vor allem Freizeitsportanlagen werden jedoch nur wenig genutzt.
Verbesserungspotential bei Schwimmbädern besteht hinsichtlich der Gestaltung des
Eintrittspreises und der Angebote. Bei offenen Gewässern, Parks und Grünanlagen sowie
Freizeitsportanlagen könnte eine verbesserte Beleuchtung in den Abendstunden zu einer
höheren Nutzung und damit zu mehr körperlicher Aktivität führen (Landeszentrum
Gesundheit Nordrhein-Westfalen, 2019).
Obwohl offensichtlich viele Bürger/-innen aus NRW durchaus mit den Rahmenbedingungen
für eigene Bewegungsaktivitäten zufrieden sind, ist in Deutschland dennoch fast jeder Zweite
zu inaktiv und erreicht nicht die Empfehlungen der WHO. Die Deutschen sitzen zu viel. Über
sieben Stunden täglich verbringen sie durchschnittlich auf Bürostühlen, im Auto oder auf
dem heimischen Sessel vor dem Fernseher. Insbesondere unter jungen Erwachsenen und
Personen mit einem hohen Sozialstatus ist langes Sitzen weit verbreitet. Dem NRW-
Gesundheitssurvey 2016 zufolge sind jedoch 84% der Erwachsenen in NRW immerhin mehr
als drei Stunden pro Woche körperlich aktiv (Gesamtaktivität = moderate und intensive
körperliche Aktivität). 7% verzichten hingegen nach eigener Angabe auf jegliche Form von
körperlicher Aktivität (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, 2019).
Ca. drei Viertel der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in NRW sind
weniger als 60 Minuten körperlich aktiv pro Tag und erreichen damit die
Bewegungsempfehlung der WHO nicht (Finger et al., 2018). Querschnittsergebnisse der
HBSC-Studie 2017/18 zeigen für die Altersgruppe zwischen 11 und 15 Jahren, dass nur 10
% der Mädchen und ca. 17 % der Jungen die Bewegungsempfehlungen der WHO erreichen.
Das stellt den niedrigsten Wert im Vergleich der vorigen HBSC-Studien 2009/10 und 2013/14
dar. Der Erfüllungsgrad der WHO-Bewegungsempfehlungen nimmt mit steigendem Alter ab
und ist bei Jugendlichen mit einem geringen sozioökonomischen Status niedriger. Für die
Häufigkeit sportlicher Aktivitäten, die einen spezifischen Aspekt des gesamten körperlichen
Aktivitätsumfangs ausmachen, zeigen sich bessere Ergebnisse für die Jungen. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass das Sporttreiben von Jungen das Erfüllen der
Empfehlungen für gesundheitswirksame körperliche Aktivitäten insgesamt begünstigt. Eine
umfassende Bewegungsförderung für ältere Kinder wird daher nur durch eine kombinierte
Strategie zu erreichen sein, die neben einer Förderung der Teilnahme an strukturierten
Sportangeboten eine allgemeine Förderung von körperlicher Aktivität in Freizeit und Alltag
adressiert (Bucksch et al., 2020).
Bewegungsmangel erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen, u.a. für Adipositas. Im
Alter von 3 bis 17 Jahren haben 15,4 % der Kinder Übergewicht und 5,9 % Adipositas
(Schienkiewitz et al., 2018). Demnach ist ca. jedes fünfte Kind in Deutschland übergewichtig
oder adipös. Die Übergewichts- und Adipositasprävalenzen bei Heranwachsenden haben
sich in Deutschland auf diesem hohen Niveau stabilisiert. Ein wichtiges Ergebnis der KiGGS
Welle2 ist, dass von den Teilnehmenden der KiGGS Basiserhebung mit Adipositas 47%
auch gut zehn Jahre später noch von der Erkrankung betroffen sind. Dieses Ergebnis
verweist auf die Notwendigkeit für früh einsetzende Präventionsmaßnahmen, um der
8
Entstehung dieser potenziell chronisch verlaufenden Krankheit im Kindes- und Jugendalter
vorzubeugen (Krause et al., 2021).
Ebenso begünstigt Bewegungsmangel Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So kam eine Studie zu
dem Ergebnis, dass mehr als 8 Stunden Sitzen ohne Sport als Ausgleich das Risiko für
kardiovaskuläre Ereignisse um rund 80% erhöht. 5 Stunden körperliche Bewegung pro
Woche sind erforderlich, um ein tägliches Sitzen von 8 und mehr Stunden zu kompensieren
(Hollstein, 2019). Darüber hinaus erhöht Bewegungsmangel auch die Gefahr, um
beispielsweise an Diabetes oder Darmkrebs zu erkranken. Mangelnde körperliche Aktivität
beeinflusst auch die mentale und kognitive Gesundheit negativ und erhöht somit z.B. das
Risiko an einer Demenz oder Depression zu erkranken. Dabei hilft Bewegung nicht nur
präventiv, sondern zeigt auch therapeutische Wirkung, bei leichter bis mittelschwerer
Depression durchaus vergleichbar mit der Wirkung antidepressiver Medikation und
Psychotherapie (Stubbs et al., 2018).
Auch auf die Lebenserwartung hat das Bewegungsverhalten Einfluss. Weltweit sterben etwa
ähnlich so viele Menschen an den Folgen des Rauchens wie an Bewegungsmangel. Dabei
stellt sich ein erster Gesundheitsnutzen von Bewegung nicht erst durch tägliches
hochintensives Sporttreiben ein, sondern schon durch leichtes und moderates Training.
Aktivitäten wie ein paar Stunden Radfahren oder Gehen pro Woche oder regelmäßiges
Treppensteigen zeigen bei Erwachsenen bereits deutliche Effekte. Die Alltagsbewegungen
Gehen und Radfahren gehen mit bedeutsamen Reduktionen des Gesamtmortalitätsrisikos
einher (Dierker, 2018).
3.2 Nationale Empfehlungen für Bewegungsförderung
In einem oft bewegungsarmen Alltag haben die implizite und die gezielte
Gesundheitsförderung durch körperliche Aktivität eine immer größere Bedeutung:
Risikofaktoren abbauen und durch Bewegung körperliche Ressourcen fördern.
Während sich die in Kapitel 3.1. und der Anlage 1 aufgeführten Empfehlungen für Bewegung
an das Individuum richten, richten sich die Empfehlungen für Bewegungsförderung auf das
Setting, insbesondere an politische Entscheidungsträger/-innen sowie Akteure und
Organisationen der Prävention und Gesundheitsförderung. Die im folgenden aufgeführten
Empfehlungen gliedern sich zumeist nach Interventionstypen, Lebenswelten oder
Zielgruppen (Rütten & Pfeifer, 2017).
„Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche:
Familie und häusliche Lebenswelt: In den ersten Lebensjahren ist das häusliche
Umfeld für Kinder der wichtigste Impulsgeber für Bewegungsaktivitäten. Vor allem die
Eltern spielen hier eine zentrale Rolle und sollten bei Interventionen zur
Bewegungsförderung aktiv einbezogen werden. Es wird empfohlen, dass Eltern sich
gemeinsam mit den Kindern bewegen, ein bewegtes Vorbild sind,
Bewegungsimpulse der Kinder unterstützen und ihnen Materialien zur Verfügung
stellen, die Bewegungsaktivitäten fördern.
Kindergärten und Kindertagesstätten: In Einrichtungen für Bildung und Betreuung von
Kindern unter sechs Jahren, z. B. Kindergärten und Kindertagesstätten, sollte ein
geeignetes Bewegungsumfeld geschaffen werden, damit die Kinder
Bewegungsaktivitäten entwickeln können. Empfohlen werden insbesondere
Bewegungsräume zur freien Gestaltung der Kinder. Für Bewegungsförderung gut
qualifizierte pädagogische Fachkräfte sollten das Tun der Kinder begleiten. Es wird
ebenfalls empfohlen, die Eltern bzw. Bezugspersonen für eine Steigerung der
Bewegungsaktivitäten einzubinden.
Schulen: Die schulische Lebenswelt hat sich als ein zentraler Ansatzpunkt für die
Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen erwiesen. Hier gibt es eine
Reihe von Maßnahmen, die ausreichend evidenzbasiert sind. Besonders zu
empfehlen sind demnach Mehrkomponentenansätze, d. h. schulbezogene
9
Interventionen, die verschiedene Maßnahmen der Bewegungsförderung integrieren.
Als Einzelmaßnahmen und in Kombination mit anderen Maßnahmen zu empfehlen
sind:
o die quantitative Erweiterung der Bewegungszeit, d. h. mehr Sportunterricht
und mehr Bewegungsangebote außerhalb davon (z. B. Bewegungspausen),
o die qualitative Verbesserung der Bewegungsangebote (z. B. Optimierung der
Bewegungszeit im Sportunterricht durch verbesserte Angebote und
Lehrmethoden) und
o die Kompetenzentwicklung des zur Bewegungsförderung in der Schule
eingesetzten Personals (z. B. der Sportlehrerinnen und Sportlehrer).
Speziell im Rahmen von Mehrkomponentenansätzen werden darüber hinaus
empfohlen:
o die (bessere) Verankerung von Bewegungsförderung im Lehrplan der
Schulen,
o die Schaffung einer bewegungsfreundlichen Schulumwelt (z. B. durch
Bewegungsmöglichkeiten über Infrastrukturen, Geräte),
o die Einbeziehung der Eltern in die Bewegungsförderung ihrer Kinder und
o die Förderung eines bewegungsaktiven Transports von Kindern zur Schule (in
Kombination mit der Involvierung von Eltern und Gemeinde).
Bewegungsförderung für Erwachsene:
Betriebliche Lebenswelt: Als evidenzbasierte Maßnahme der Bewegungsförderung
im Betrieb werden Mehrkomponentenansätze empfohlen, die vor allem folgende
Elemente umfassen sollten:
o konkrete Kursangebote (Bewegungsprogramme) für die Belegschaft,
o die Umgestaltung betrieblicher Abläufe (z. B. Einrichtung von
Bewegungspausen) und
o die Schaffung von bewegungsförderlichen Infrastrukturen im Betrieb (z. B.
Fitnessräume, Fahrradparkplätze).
Bewegungsberatung und Bewegungsprogramme in verschiedenen Lebenswelten:
Ein häufig untersuchter Ansatz der Bewegungsförderung in unterschiedlichen
Lebenswelten ist die „Bewegungsberatung“. Diese kann die Weitergabe von
Informationen zum gesundheitlichen Nutzen von Bewegung beinhalten, gezielte
Anleitungen zur Bewegung umfassen und mit Bewegungsprogrammen verbunden
sein. Aufgrund der vorliegenden Evidenz kann Bewegungsberatung als Ansatz der
Bewegungsförderung in unterschiedlichen Lebenswelten empfohlen werden. Schon
kurze Interventionen können etwas bewirken, allerdings gelingt eine Steigerung der
Bewegung umso eher, je höher der zeitliche Umfang der Bewegungsberatung und je
länger ihr Durchführungszeitraum ist. Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang
zudem die Verbindung der Beratung mit konkreten Maßnahmen der Aktivierung,
insbesondere die Verwendung von Schrittzählern.
Bewegungsförderung für ältere Menschen:
Bewegungsberatung und Bewegungsprogramme in verschiedenen Lebenswelten:
Für Maßnahmen im häuslichen Umfeld und in der kommunalen Lebenswelt sind
individuell auf diese Zielgruppe zugeschnittene Bewegungsberatungen und
-programme empfehlenswert, die den sozialräumlichen Kontext (soziale Einbindung,
Bewegungsgelegenheiten) angemessen berücksichtigen. Diese Kriterien empfehlen
sich auch für Interventionen im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung (z. B.
„Bewegung auf Rezept“). Aufgrund der noch bestehenden Defizite ist ein prioritärer
Ausbau der Forschung zur Bewegungsförderung speziell bei älteren Menschen
empfehlenswert. Zudem können die Empfehlungen für Erwachsene (s. o.) und für die
gesamte Bevölkerung (s. u.) als Orientierung dienen.
10
Bewegungsförderung für die gesamte Bevölkerung:
Massenmediale Kampagnen: Massenmediale Kampagnen sind als Ansatz der
Bewegungsförderung dann empfehlenswert, wenn sie als Teil eines
Mehrkomponentenansatzes eingesetzt werden, der insbesondere strukturelle
Komponenten (umwelt- und politikbezogen) sowie kontextbezogene
Bewegungsangebote integriert.
Motivationale Entscheidungshilfen: Motivationale Entscheidungshilfen zur
Unterstützung der Alltagsbewegung, z. B. durch entsprechende Hinweise zur
Benutzung von Treppen anstelle von Aufzügen oder Rolltreppen, sind
empfehlenswert. Sie sind alleine aber kaum in der Lage, umfänglich ausreichende
und nachhaltige Effekte zu erzeugen. Insofern empfiehlt sich auch hier die Integration
in einen Mehrkomponentenansatz.
Umweltbezogene Ansätze: In einer Vielzahl von Studien wurden positive Wirkungen
von unterschiedlichen Aspekten der bebauten Umwelt auf das populationsbezogene
Bewegungsverhalten aufgezeigt. Empfehlenswert sind insbesondere:
o eine räumliche Nähe, Durchmischung und räumliche Vernetzung von
Wohnen, Einkaufen und Lernen/Arbeiten,
o verkehrsberuhigte, sichere und ästhetisch ansprechende Zonen im
Wohnumfeld,
o wohnungsnahe, für die ganze Bevölkerung zugängliche Sport-,
Freizeitanlagen und Parks sowie
o eine möglichst flächendeckende Fahrrad- und (Geh-) Wegeinfrastruktur.
Populationsbezogene Maßnahmen: Für viele populationsbezogene Maßnahmen der
Bewegungsförderung sind politische Entscheidungen und deren Umsetzung
erforderlich. Aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Studien ist eine
bewegungsförderliche Politik insbesondere als konstitutiver Teil der Regulierungen
für
o die Stadt- und Raumplanung (z. B. Flächennutzungspläne und deren lokale
Umsetzung),
o die Verkehrspolitik (z. B. Verkehrsberuhigung, Fahrradinfrastruktur) sowie
o die Grünflächen- und Sportraumpolitik (Einrichtung und Zugänglichkeit von
Sport-/Freizeitanlagen und Parks)
empfehlenswert.“ (Rütten & Pfeifer, 2017)
3.3 Sport und Bewegung in Münster
Münster ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl an Sport- und Bewegungsangeboten und
entsprechend durch viele Akteure, die sich diesem Thema widmen. Diese werden in den
folgenden Kapiteln dargestellt. Trotz der Angebotsvielfalt macht u.a. die in Kapitel 3.3.3
dargestellte Datenlage Handlungsbedarf deutlich.
3.3.1 Akteure im Bereich Sport und Bewegung
In Münster gibt es eine Vielzahl an Vereinen, Institutionen und Organisationen, die sich dem
Thema Sport und Bewegung widmen. Die Akteure setzen dabei unterschiedliche
Schwerpunkte. Die im Folgenden aufgeführte alphabetische Auflistung erhebt keinesfalls den
Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr soll ein erster Eindruck über die Vielzahl der Akteure
und die damit verbundene Angebotsvielfalt vermittelt werden.
Beim Amt für Schule und Weiterbildung ist das Bundesprojekt „Kommunale Koordinierung
von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte" angesiedelt. Dieses wird vom
Bundesministerium für Bildung und Familie (BMBF) gefördert. In Münster liegt der
Schwerpunkt der kommunalen Bildungskoordination auf der Verbindung der Themen "Sport,
Sprache & Integration". Gerade im und durch den Sport können sowohl informelle
Sprachbildungsprozesse ermöglicht und Sprache in sozialen Zusammenhängen erlernt
werden als auch eine gegenseitige Annäherung verschiedener Kulturen erfolgen. Der Sport
11
hat integrierendes Potential. Der kommunale Anspruch der Bildungskoordination in Münster
ist es, eine bedarfsorientierte Weiterentwicklung der Bildungs- und Sportlandschaft für (Neu-)
Zugewanderte auf Basis von gesicherten und aktuellen Daten, transparentem und
vernetztem Arbeiten und einem gemeinschaftlich betriebenem Wissens- und
Bildungsmanagement zu gestalten. Ein Ergebnis der Projektarbeit ist die Interaktive
Stadtkarte für Zugewanderte, die bei der Suche nach passenden Beratungs-, Sprach- und
Sportangeboten für Zugewanderte unterstützt. Die Karte soll stets aktuell gehalten und nach
Bedarf erweitert werden, z.B. um Sportangebote im öffentlichen Raum.
Der Frauensportverein Münster (FSV) bietet einen Raum für Frauen und Mädchen. Im FSV
kann jede Frau und jedes Mädchen Spaß an der Bewegung entdecken, die eigene Kraft
spüren, Selbstvertrauen gewinnen und ihren Körper so akzeptieren, wie er ist. Seit 2016
setzt der FSV das Projekt „Integration of Women in Sports“ (IoWiS) um. Das Projekt
ermöglicht geflüchteten Frauen die (verstärkte) soziale und kulturelle Teilhabe an der
Münsterschen Gesellschaft und bringt Frauen mit und ohne Migrationsvorgeschichte in
Kontakt. Allen Frauen in Münster, einheimischen und (neu-)zugewanderten gleichermaßen,
soll der Zugang zu Sportangeboten möglich sein. Daher werden mit IoWiS Sportangebote im
FSV geschaffen, die kostenfrei oder sehr günstig sind und eine Kinderbetreuung umfassen.
2018 wurde der FSV zu einem Stützpunktverein für Integration des Programms „Integration
durch Sport“ im Landessportbund NRW ernannt.
Das Gesundheitsamt berücksichtigt das Thema Bewegung in der eigenen Arbeit, so z.B. bei
den Schuleingangsuntersuchungen oder den Frühen Hilfen, und ist zugleich Fördergeber für
einzelne Angebote. Darüber hinaus werden öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zu den
Themen Sport, Bewegung und Gesundheit umgesetzt. Mit der durch die Kommunale
Gesundheitskonferenz beauftragten Projektgruppe „Sport, Bewegung und Gesundheit“, die
vom Gesundheitsamt geleitet wurde, wurde die Vernetzung verschiedener Akteure
vorangetrieben. Neue Impulse werden mit den hier vorgestellten Handlungsempfehlungen
gesetzt. Das Gesundheitsamt bringt zudem eine gesundheitswissenschaftliche Perspektive
und damit das Thema Bewegung in Stadtplanungsprozesse ein. Dies soll in Zukunft deutlich
verstärkt werden.
Kernaufgabe des Hochschulsports Münster ist die Bereitstellung eines facettenreichen,
kostengünstigen, bedarfsorientierten und qualitativ hochwertigen Bewegungsangebotes für
Studierende und Beschäftigte. Mit dem breit gefächerten Angebot ist der Hochschulsport ein
fester Bestandteil des Leistungsspektrums der folgenden Hochschulen in Münster:
Fachhochschule, Katholische Hochschule, Kunstakademie, Westfälische Wilhelms-
Universität. Das vielfältige Angebot beinhaltet neben den „klassischen" Sportarten des
Breiten- und Leistungssports auch moderne Spiel- und Bewegungsformen. Das
Angebotsspektrum umfasst in über 100 Sportarten Kurse, Sporttouren, Fortbildungen,
Turniere und internationale Sportbegegnungen. Das Programmangebot wird stetig evaluiert
und neuen Anforderungen und veränderten Bedürfnissen angepasst. Grundlage hierfür sind
wissenschaftliche Untersuchungen und regelmäßige Befragungen der Teilnehmenden.
Das Sportamt sorgt für attraktive Möglichkeiten im Freizeit-, Breiten- und Leistungssport. Es
unterstützt die lokalen Sportvereine und kümmert sich um die Qualität der Sportplätze,
Turnhallen, Bäder und Trendsportanlagen in Münster. Junge und alte Menschen finden für
ihre unterschiedlichen Interessen in allen Stadtteilen ein vielfältiges Sportangebot. Durch die
Vergabe städtischer Sportstätten an Vereine und die gute Sportinfrastruktur in der Stadt
macht das Sportamt auch Leistungssport in Münster möglich und bietet verschiedene
Förderprogramme und Entwicklungsmöglichkeiten für den vereinsgebundenen Sport. Die
dem Stadtsportbund Münster e.V. angeschlossenen Vereine erhalten auf Antragstellung
Baukostenzuschüsse für geplante Baumaßnahmen und Betriebskostenzuschüsse für den
Betrieb dieser vereinseigenen Anlagen. Neben der Planung von schulübergreifenden
Sportwettkämpfen organisiert das Sportamt zudem Lehrerfortbildungen,
Schulsportgemeinschaften und die Umsetzung von Landesprogrammen wie beispielsweise
Anfängerschwimmkurse „NRW kann Schwimmen“. Die gesamte Verwaltung und
12
Organisation sowie der Betrieb der insgesamt neun städtischen Bäder (davon sechs Hallen-
und drei Freibäder) obliegt dem Sportamt. Darüber hinaus widmet sich das Sportamt der
Sportentwicklungsplanung und bringt sich in Stadtplanungsprozesse ein. Einen weiteren
Bereich bildet das Sport- und Veranstaltungsmanagement. Jährlich werden gemeinsam mit
den Münsteraner Sportvereinen, dem Hochschulsport der Westfälischen Wilhelms-
Universität sowie mit den Fachverbänden auf lokaler, Landes- und Bundesebene
hochkarätige Projekte und Veranstaltungen organisiert und durchgeführt.
Der Stadtsportbund Münster e.V. (SSB) ist der Dachverband aller eingetragenen
Sportvereine der Stadt Münster. Der SSB vereint mehr als 90.000 organisierte Sportler/-
innen in fast 200 Mitgliedsvereinen und Betriebssportvereinen, die 30.000 Kinder und
Jugendliche betreuen. Er ist somit die kommunale Dachorganisation der
Sportselbstverwaltung. Der SSB vertritt als Bindeglied zwischen Vereinen, Politik und
Verwaltung die Interessen der Vereine. Zum Aufgabenspektrum des SSB gehören darüber
hinaus u.a. die Beratung der Vereine, die Vergabe der von der Stadt Münster übertragenen
Sportfördermittel, die Aus- und Fortbildung von Übungsleiter/-innen und Führungskräften, die
Weiterbildung im Sport, die Förderung von Bewegungs- und Gesundheitsangeboten für
Ältere und die Förderung des Leistungssports in Münster. Ebenso gehört die Umsetzung von
öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen wie „Sport im Park“ zu den Aufgaben. Mit folgenden
Projekten widmet sich der SSB spezifisch verschiedenen thematischen Schwerpunkten und
Zielgruppen:
Bewegt GESUND bleiben in NRW
Bewegt ÄLTER werden in NRW
NRW bewegt seine Kinder
SPITZENSPORT fördern in NRW
Ehrenamt im Sport
Integration im Sport
Der Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie Münster e.V. (VGS) arbeitet als
anerkannter Verein für Rehabilitations- und Gesundheitssport dafür, allen Bürger/-innen ein
vielfältiges, attraktives Sportprogramm mit immer wieder neuen Angeboten zum Thema
Sport und Gesundheit anzubieten. Der Verein verfolgt präventivmedizinische Zielsetzungen
zur Vorbeugung zivilisationsbedingter Krankheiten und Funktionsstörungen und betreut
bereits erkrankte Menschen durch gezielte bewegungs- und sporttherapeutische
Maßnahmen.
Der Verein für Mototherapie und Psychomotorische Entwicklungsförderung e.V. arbeitet mit
Kindern und Jugendlichen, die Auffälligkeiten oder Störungen in ihrer Bewegung, ihrem
sozialen Verhalten und ihrer emotionalen Befindlichkeit zeigen. Der Verein gestaltet im
Rahmen des PowerPfiff Projektes auch Angebote in Kitas in sozial schwächeren Stadtteilen.
Die Volkshochschule Münster (VHS) ist die größte kommunale Weiterbildungseinrichtung. In
ihrem Leitbild verpflichtet sie sich, mit ihren Angeboten zur beruflichen, persönlichen,
sozialen, politischen, kulturellen und allgemeinen Bildung lebensbegleitendes Lernen und
Lebensqualität unabhängig von Alter, Herkunft, Weltanschauung, sozialer Situation und
Geschlecht zu fördern. Unter den Angeboten finden sich eine Vielzahl zum Thema Sport und
Bewegung.
Zwischen diesen Anbietern und Akteuren besteht eine gute Zusammenarbeit, allerdings
besteht aus gesundheitswissenschaftlicher und präventiver Sichtweise noch Potential bei der
strukturellen, systematischen und vernetzten Entwicklung gemeinsamer strategischer Ziele.
Auch von der Wissenschaft wird das Thema Sport und Bewegung in Münster aktuell intensiv
bearbeitet. Eine Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster befasst sich damit, wie sich die Qualität
und Quantität von Bewegung in Zeiten der Corona-Pandemie verändert haben und welchen
13
Einfluss das möglicherweise auf das psychische Wohlbefinden hat. In der Studie werden
Schüler/-innen und Studierende bis zu einem Alter von 25 Jahren befragt.
3.3.2 Bewegung im öffentlichen Raum
Die Stadt Münster bietet viele Potentiale, so dass es gute Grundlagen für die Planung und
Umsetzung von bewegungsförderlichen Maßnahmen im öffentlichen Raum gibt. In Münster
liegt der Anteil der Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen mit 4,6 % über dem NRW-
Durchschnitt von 2,5 % (Stand 31.12.2018) (Information und Technik Nordrhein-Westfalen,
2019). Münster verfügt z.B. über mehrere Naherholungsgebiete, viele Grünflächen und gute
Fuß- und Radwegsysteme. Exemplarisch können hier der Aasee, der Hiltruper See, der
Kanal und die Rieselfelder genannt werden. Positiv sind auch aktuelle kleinere und größere
Maßnahmen hervorzuheben, die Bewegung im öffentlichen Raum fördern. Hierzu zählen
z.B. das Konzept der stadtregionalen Velorouten, das Aufstellen einer Sportbox oder das
Aufgreifen von Trendsportarten und den dadurch entstehenden Pumptrack- und Dirt-Bike-
Parks an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet.
Seit mehreren Jahren gilt für Münster als wachsende Stadt jedoch das Schaffen von
Wohnraum als eine wichtige Leitlinie für das Verwaltungshandeln. Nach der Postbank-Studie
"Wohnatlas 2016" führt Münster in Sachen Neubau die „Top Ten" der deutschen Großstädte
an. Auf den weiteren Plätzen folgen Potsdam, München, Frankfurt a.M., Mainz, Augsburg,
Bonn, Rostock, Köln und Hamburg. Die Studie nahm die Wohnungsmärkte in den 36 größten
Städten unter die Lupe und untersuchte die Steigerung des Wohnungsbestandes von 2000
bis 2014. In Münster stieg der Bestand in dieser Zeit um 14 %. Auch für die folgenden Jahre
lag Münster bei einem Vergleich der relativen Wohnungsbautätigkeit von 32 Großstädten in
Deutschland mit Frankfurt am Main mit je ca. 29 Wohnungen je 1.000 Einwohnern in den
Jahren 2012 bis 2017 auf dem vordersten Rang (Institut für Landes- und
Stadtentwicklungsforschung, 2019). Für 2019 wurde von Seiten der Stadt von einer neuen
Rekordmarke beim Bauüberhang gesprochen, der Aufschluss über den „Bauvorrat" in der
Stadt gibt. Diese seit Jahren geltende Vorreiterstellung ist auf städtische Bemühungen um
Nachverdichtung und das Schaffen neuer Wohnquartiere im Innen- und Außenbereich
gemäß dem Baulandprogramm zurückzuführen.
Damit Münster trotz des großen Drucks, neue Wohnungen zu schaffen, eine lebenswerte
und gesunde Stadt bleibt, muss jedoch zugleich dafür Sorge getragen werden, dass es
weiterhin viele und im Stadtgebiet gut verteilte Grün- und Erholungsflächen gibt. Das reine
Vorhandensein dieser Flächen hat bereits positive Auswirkungen auf die Gesundheit.
Letztlich sollten die Flächen jedoch auch gezielt gesundheitsförderlich gestaltet sein. Ein
zentrales Augenmerk ist hierbei auf Sport- und Bewegungsangebote im öffentlichen Raum
zu legen. Auch die Art der Gestaltung von Freiflächen und öffentlichen Plätzen sowie die
Planung als partizipativer Prozess sind ausschlaggebend dafür, ob die Angebote tatsächlich
in Anspruch genommen werden und Menschen zu mehr Bewegung animiert werden.
Münster trägt nicht ohne Grund Titel wie „Nachhaltige Stadt“, „Fahrradstadt“ oder „Gesunde
Stadt“. Ziel sollte es sein, diesen Titeln auch künftig gerecht werden zu können.
3.3.3 Zahlen zu Sport und Bewegung
Zum Gesundheits- und Entwicklungszustand von Kindern werden im Rahmen der
Schuleingangsuntersuchungen (SEU) umfassende Daten durch das Gesundheitsamt
erhoben. Anhand der Daten lassen sich Zielgruppen und Sozialräume mit besonderem
Bedarf an gesundheitsförderlichen und präventiven Angeboten identifizieren. Im Folgenden
werden dazu ausgewählte Daten der SEU der zusammengefassten Einschulungsjahrgänge
2016-2019 dargestellt, die für das Themenfeld Sport, Bewegung und Gesundheit als
besonders relevant eingeschätzt werden.
Die Auswertung der Gewichtsdaten zeigt, dass der Anteil an Kindern mit Übergewicht
und Adipositas in den Stadtteilen sehr unterschiedlich ist. Im städtischen Durchschnitt
14
haben 5,1 % der untersuchten Kinder Übergewicht und 3,6 % Adipositas. Im Stadtteil
Buddenturm sind keine Kinder mit Übergewicht oder Adipositas zu verzeichnen.
Coerde weist die höchsten Werte auf (Übergewicht: 8,3 %; Adipositas: 9,0 %).
Auch hinsichtlich der Schwimmfähigkeit wurden deutliche Unterschiede in den
Münsteraner Stadtteilen erkennbar. Im Münsteraner Durchschnitt haben 42,3 % der
Vorschulkinder noch kein Seepferdchen-Abzeichen erworben und haben auch noch
keinen Schwimmkurs besucht. Berg Fidel weist mit 78,3 % den schlechtesten und
das Kreuzviertel mit 18,1 % den besten Wert auf.
Zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchungen übten im städtischen Durchschnitt
45,5 % der Kinder nicht regelmäßig Sport aus (institutionalisierter Sport wie Verein,
Sportgruppen o.ä.). In Coerde ist der Anteil der Kinder, die nicht regelmäßig Sport
ausüben, mit 75,2 % am größten, in Hiltrup-Ost mit 25,7 % am geringsten.
Die Übersicht zu den Daten aller Stadtteile sind der Anlage 1 zu entnehmen.1
In allen drei Erhebungskategorien wird deutlich, dass es auch in einer Stadt wie Münster
Handlungsbedarf gibt und dieser in den einzelnen Stadtteilen sehr unterschiedlich ist.
Demnach erscheinen stadtteilbezogene Maßnahmen zielführend, stets im Kontext eines
städtischen Gesamtkonzeptes.
Die bei den SEU erhaltenen Erkenntnisse zum Thema Sport werden durch Zahlen des
Stadtsportbundes Münster bekräftigt. Die im Folgenden dargestellten Zahlen können
lediglich eine Orientierung bzgl. der unterschiedlichen Nutzung der Vereinsangebote in den
Stadtteilen bieten, sind statistisch jedoch nicht belastbar. So wurde die Mitgliederzahl des
jeweiligen Stadtteilvereins in Bezug gesetzt zur Bevölkerungszahl des Stadtteils. Inwiefern
Bürger/-innen andere Vereinsangebote im Stadtteil oder in anderen Stadtteilen nutzen, ist
nicht berücksichtigt. Im Folgenden werden die Zahlen von vier Stadtteilvereinen dargestellt:
Coerde: 3,9 % der Einwohner/-innen im SV Teutonia Coerde 60 e.V.
Kinderhaus: 11,2 % der Einwohner/-innen im SC Westfalia Kinderhaus 1920 e.V.
Hiltrup: 15,8 % der Einwohner/-innen im Turn- u. Sportverein Hiltrup 1930 e. V.
Gremmendorf: 19,9 % der Einwohner/-innen im Sportclub Gremmendorf 1946 e.V.
Trotz der statistischen Ungenauigkeiten wird deutlich, dass die Zahlen in den Stadtteilen
stark variieren, was ebenfalls eine stadtteilbezogene Maßnahmenentwicklung implizieren
würde. Selbst wenn die Bürger/-innen z.B. Angebote im Nachbarstadtteil wahrnehmen
würden, würde dies ebenfalls nicht für den Sportverein im „eigenen“ Stadtteil sprechen.
Zu berücksichtigen ist, dass neben dem durch den Stadtsportbund organisierten Sport
weitere institutionalisierte Angebote bestehen. Ebenso liegen keine Informationen über die
Inanspruchnahme von Sport- und Bewegungsangeboten im öffentlichen Raum vor. Inwiefern
diese ggf. in manchen Stadtteilen ausgleichend wirken, kann nicht eingeschätzt werden. Es
ist jedoch davon auszugehen, dass sich die stadtteilbezogenen Unterschiede bei den Daten
der SEU insgesamt in der sportlichen/ bewegungsreichen Aktivität bzw. Inaktivität
widerspiegeln.
1 Die Stadtteile Bahnhof, Überwasser, Martini und Hafen werden aufgrund zu geringer Fallzahlen nicht einzeln
aufgeführt.
15
4 Bedarfe und Handlungsempfehlungen
In den folgenden Kapiteln werden die von der Projektgruppe herausgearbeiteten Bedarfe
und entsprechend dazu entwickelten Handlungsempfehlungen dargestellt.
4.1 Bewegung als Thema der Stadtplanung und -entwicklung
Da Sport zu ca. 60% frei organisiert (außerhalb von Vereinen) betrieben wird, muss der
öffentliche Raum stärker als Sport- und Bewegungsfläche gesehen und gestaltet werden.
Ebenso ist die Gestaltung des öffentlichen Raumes für die Alltagsbewegung
ausschlaggebend. Laut den Ergebnissen des NRW-Gesundheitssurveys 2016 ist für 57%
der Befragten eine bewegungsfreundliche Umwelt (z.B. ansprechende Geh- und
Fahrradwege, Parkanlagen) ein individueller Motivator für körperliche Aktivität. Bei knapp
30% dieser Befragten besteht Unwissenheit darüber, ob sich Bürger/-innen einbringen
können, wenn es um die bewegungsfreundliche Gestaltung des Wohnortes geht.
(Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, 2019)
Wie in Kapitel 3.3.2 beschrieben, bietet die Stadt Münster viele Potentiale, so dass es gute
Grundlagen für die Planung und Umsetzung von bewegungsförderlichen Maßnahmen im
öffentlichen Raum gibt. Allerdings besteht ein Zielkonflikt mit dem Schaffen von Wohnraum,
dem Freiflächen für Bewegung und Begegnung zum Opfer fallen. Für Spielplätze bleiben
teilweise nur kleine Restflächen am Rande der Bebauungsfläche. Dies ist zwar kritisch zu
sehen, kann aber kaum beeinflusst werden, solange alle Vorschriften in der Planung
eingehalten wurden. Wichtig ist daher nicht nur Spielplätze zu planen, sondern Fläche zum
Spielen. Die öffentlichen Räume müssen als Bewegungs- und Begegnungsräume für alle
Altersgruppen gestaltet werden. So muss ein Paradigmenwechsel hin zur Stadt als
erlebbarer Raum erfolgen.
Dabei ist es wichtig, die Stadt nicht mit vielen Einzelmaßnahmen zu „möblieren“, sondern im
Sinne eines umfassenden Raumkonzeptes Orte zu identifizieren. Hierbei können die ganze
Stadt und auch einzelne Stadtteile etc. als „Raum" verstanden werden. Die Angebote sollten
in das Stadtbild integriert werden und in den Lebenswelten der Bürger/-innen verortet sein.
Ein quartiersbezogenes Vorgehen wird daher als sinnvoll erachtet.
Zielführend ist es, an bereits laufende Planungsprozesse anzudocken und sich gezielt auf
den Aspekt „Bewegung und Gesundheit“ zu fokussieren. Gute Anbindungsstellen sind z.B.
die Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepte für Coerde (s. Kapitel 4.4) und Berg Fidel
sowie Münsters Zukünfte 20/30/50.
Es ist eine übergeordnete und auch politische Entscheidung, ob neben der
Wohnraumverdichtung auch das „gesunde Wohnen“ mit Grünflächen und
Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum Ziel der Stadt Münster sein sollte.
4.1.1 Handlungsempfehlung: Bewegung im öffentlichen Raum als institutionalisiertes, von
Verwaltung und Politik getragenes Kriterium in der Stadtplanung
Bei Stadtplanungs- und -entwicklungsprozessen soll künftig eine engere Verzahnung von
Stadtplanung und Gesundheit sowohl in der Verwaltung als auch in der Politik erfolgen. Die
Fachbereiche Sport und Gesundheit werden künftig konsequent z.B. über Stellungnahmen
oder über frühzeitige gemeinsame Betrachtung und Diskussion von Bauleitplänen
eingebunden.
Darüber hinaus sollen Kriterien entwickelt werden, inwiefern Gesundheit und damit auch das
Thema Bewegung in Stadtplanungsprozessen berücksichtigt werden muss. Ziel sollte es
sein, dass auf dieser Grundlage der Grundsatz „öffentlicher Raum als Bewegungs-,
Begegnungs- und Gesundheitsraum" bei allen Auslobungen und Planungsprozessen
berücksichtigt wird.
16
Mit dieser Zielrichtung der Verankerung von gesundheitsbezogenen Themen in der
Stadtplanung und -entwicklung arbeiten das Wissenschaftsbüro von Münster Marketing, die
Westfälische Wilhelms-Universität und das Gesundheits- und Veterinäramt in dem Projekt
„Gesundheit in der nachhaltigen Stadt“ zusammen. In dem Projekt wird ein
Handlungsprogramm mit festgelegten Kriterien zur Berücksichtigung von Gesundheit in der
Stadtplanung und -entwicklung erstellt, das von den relevanten Fachbereichen der
Verwaltung und Politik beschlossen werden soll. Das Projekt hat eine Laufzeit von 5 Jahren
(01.04.2021-31.03.2026) und wird über die Gelder des Präventionsgesetzes von der
Techniker-Krankenkasse (TK) gefördert. Auf Bitte der TK wird die Förderhöhe nicht
publiziert. Eingebunden wird das Projekt in den Prozess Münsters Zukünfte 20/30/50.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Gesundheits- und Veterinäramt
Münster Marketing, Wissenschaftsbüro
Politik
Sportamt
Stadtplanungsamt
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Geografie
4.2 Niedrigschwellige Bewegungsangebote durch Sportboxen im öffentlichen Raum
Wie bereits in verschiedenen Kapiteln deutlich wurde, müssen Anreize geschaffen werden,
sich im öffentlichen Raum zu bewegen. Hierbei ist wichtig, dass die Angebote
niedrigschwellig und für alle Bürger/-innen erreichbar sind.
Als eine geeignete Maßnahme werden Sportboxen gesehen. Der Sportpark an der Sentruper
Höhe wurde als erster Standort für eine Sportbox in Münster ausgewählt. In der Sportbox ist
eine vielfältige Auswahl an Sportuntensilien zu finden, die für jeden zur Verfügung stehen.
Mit den Materialien können verschiedenste Trainingseinheiten umgesetzt werden, ob zu
zweit oder alleine, ob zur Förderung der Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit oder Koordination.
Und so funktioniert’s: Einfach über die App "SportBox- app and move" registrieren, im
digitalen Terminkalender einen freien Slot buchen, Box öffnen und lostrainieren. Wie man die
Geräte richtig benutzt, zeigen kleine Videosequenzen mit Übungsanleitungen.
4.2.1 Handlungsempfehlung: Aufbau weiterer Sportboxen
Die Erfahrungen mit der ersten Münsteraner Sportbox sind sehr positiv, viele
Sportinteressierte nutzen dieses Angebot. In den ersten sechs Monaten (1.11.2020 –
30.4.2021) haben sich rund 350 Personen registriert, welche die Sportbox insgesamt rund
870-mal genutzt haben. Weitere Sportboxen sollten in Münster aufgestellt werden. Bei der
Standortsuche sollten sozial schwächere Stadtteile bzw. Stadtteile mit einem größeren
Handlungsbedarf besondere Berücksichtigung erhalten (s. Kapitel 4.4.3).
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Sportamt
4.3 Animation zu mehr Alltagsbewegung
Wie in Kapitel 3 beschrieben, führen gesellschaftliche Entwicklungen dazu, dass die Bürger/-
innen sich zunehmend weniger bewegen, u.a. in Hinblick auf die Fortbewegung im Alltag.
Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit Bus und Bahn hat einen hohen Stellenwert
bei der aktuellen und langfristigen Verkehrsplanung der Stadt Münster. Zusammen mit dem
Fußgängerverkehr und Radverkehr bildet der ÖPNV eine wichtige Säule in Münsters
starkem Umweltverbund. Dieser weist mit 71 % aller durchgeführten Wege und Fahrten –
17
natürlich auch dank des in Münster traditionell hohen Radverkehrs – deutschlandweit einen
Spitzenwert auf. Ziel der Nahverkehrsplanung ist es, die Position des ÖPNV als
umweltverträgliches Verkehrsmittel und als Bestandteil des Umweltverbundes zu sichern und
auszubauen.
Der ÖPNV ist gegenüber der Nutzung von Autos, Motorrädern etc. also zu begrüßen. Aus
gesundheitlicher Sicht sind dem ÖPNV jedoch aktivere Fortbewegungsarten wie Radfahren
und Gehen vorzuziehen.
4.3.1 Handlungsempfehlung: Anzeige von Fußwegezeiten an Bushaltestellen
Das Nutzen des ÖPNV ist häufig verbunden mit Wartezeiten, die im Sinne von „Walken statt
warten“ sinnvoller genutzt werden könnten. Hierfür wäre eine Anzeige an Bushaltestellen
erforderlich, wie lange man zu Fuß zur nächsten Haltestelle braucht. So können die
Wartezeiten für Bewegung genutzt werden, indem eine oder vielleicht auch zwei Stationen
zu Fuß zurückgelegt werden.
Die Projektgruppe hat die Idee an die Stadtwerke herangetragen. Laut Auskunft der
Stadtwerke sei es aufgrund des komplexen Busliniennetzes technisch nur mit sehr viel
Aufwand umsetzbar. An Haltstellen, die von mehreren Buslinien angefahren werden, gebe
es so viele Möglichkeiten, in welcher Richtung die nächste Haltestelle liegt, dass das nicht
darstellbar sei. Zudem würde es nicht dem Ziel der Stadtwerke entsprechen, die Menschen
von der Nutzung des ÖPNV „abzuhalten“. Dennoch sei es bereits möglich bei der
muenster:app Parameter so auszuwählen, dass auch der Fußweg angezeigt wird, wenn
dieser eine Zeitersparnis gegenüber der Fahrt mit dem Bus bedeutet.
An der Umsetzung Beteiligte:
Stadtwerke Münster
4.4 Koordination und Ausbau der Bewegungsangebote in Coerde
Coerde ist ein Stadtteil, der gekennzeichnet ist durch eine besondere Sozialstruktur und
damit einhergehender gesundheitlicher Chancenungleichheit. Daten u.a. der
Schuleingangsuntersuchungen zur Gesundheit und zum Sport- und Bewegungsverhalten
zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf. Trotz verschiedenster Aktivitäten aus dem Sozial-,
Gesundheits- und Bildungssektor spezifisch für den Stadtteil Coerde, hat das Handlungsfeld
Sport und Bewegung bislang kaum Beachtung gefunden. Der durch Daten belegte, im Alltag
festgestellte und in den Stadtteil-Arbeitskreisen definierte Bedarf, wurde durch das Integrierte
Stadtteilentwicklungskonzept (InSek) Coerde bestätigt. Bewegung wurde als ein zentrales
Handlungsfeld herausgearbeitet, was nicht zuletzt zu dem Titel des InSek geführt hat:
„Coerde – ein Stadtteil in Bewegung“ (V/0224/2020).
Im InSek werden verschiedene Maßnahmen zum Thema Sport und Bewegung aufgeführt,
die zum Teil auch aus der Projektgruppe „Sport, Bewegung und Gesundheit“ resultieren. Die
im Folgenden aufgeführten Maßnahmen werden von der Projektgruppe als besonders
wichtig eingeschätzt.
4.4.1 Handlungsempfehlung: Sport- und Bewegungskoordinator/-in für Coerde
Das Gesundheits- und Veterinäramt, der Stadtsportbund Münster e.V. und der Verbund
Sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. haben sich zusammengeschlossen und beim
Landeszentrum Gesundheit NRW einen Antrag nach dem Präventionsgesetz für das Projekt
„Coerde in Bewegung“ gestellt. Das Projekt ist auf drei Jahre befristet angelegt und bezieht
sich auf den im InSek formulierten Bedarf für einen Sport- und Bewegungskoordinator.
Ziel des Projektes ist die Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit von Kindern
und Jugendlichen. In Coerde sollen bewegungs- und gesundheitsförderliche Lebenswelten
18
für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre geschaffen werden. Die im Projekt angedachten
Maßnahmen nehmen die verschiedenen Altersgruppen im Sinne einer Präventionskette und
damit verschiedene Settings in den Blick. Entsprechend stehen die folgenden Bereiche im
Fokus:
Frühkindliche Bewegungsförderung (vor der Kita)
Bewegung in den Lebenswelten Kita und Schule
Bewegung in der Freizeit, u.a. Bewegung im öffentlichen Raum
Um das Angebot an Sport- und Bewegungsangeboten bedarfsgerecht zu optimieren, die
Anbieter aus den Themenbereichen Sport, Bewegung und Gesundheit miteinander zu
vernetzen und um Synergien zu schaffen, bedarf es der Organisation durch einen Sport- und
Bewegungskoordinator. Auch die Implementierung neuer Angebote gehört zu den Aufgaben
des Koordinators. Die in den Kapiteln 4.4.2 bis 4.4.4 dargestellten Maßnahmen sollen von
dem Sport- und Bewegungskoordinator mitgestaltet werden.
Eine Entscheidung der AG Lebenswelten der gesetzlichen Krankenkassen hinsichtlich des
Präventionsgesetzantrags wird frühestens ab Mitte Juni erwartet.
An der Umsetzung Beteiligte:
Gesundheits- und Veterinäramt
Stadtsportbund Münster e.V.
Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW e.V.
4.4.2 Handlungsempfehlung: Gestaltung öffentlicher Räume als Bewegungsräume
Zentraler Ort in Coerde ist der Hamannplatz. Dieser sollte als Bewegungs- und
Begegnungsraum gestaltet werden und Aufenthaltsqualität für verschiedene Altersgruppen
bieten. Auch bei der Neu-/ Umplanung von Spielplätzen sollte dies berücksichtigt werden.
Eine abwechslungsreiche und innovative Gestaltung für alle Altersklassen losgelöst von
ausschließlich klassischen Spielplatzgeräten wie Schaukel, Rutsche und Wipptier sollte
angestrebt werden. Thematisiert wurde diesbezüglich u.a. auch ein Abenteuer-/Bauspielplatz
sowie eine Skate- oder Pumptrack-Anlage. Wichtig ist dabei ein Gesamtkonzept für Coerde
zu entwickeln. Die verschiedenen Fachbereiche aus Verwaltung und Politik sollen
einbezogen werden.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Gesundheits- und Veterinäramt
Politik
Sportamt
Stadtplanungsamt
4.4.3 Handlungsempfehlung: Coerde als Standort für eine Sportbox
Wie in Kapitel 4.2 beschrieben, wurde die erste Münsteraner Sportbox von vielen
Sportinteressierten genutzt. Der Stadtteil Coerde scheint als Standort für eine weitere
Sportbox prädestiniert zu sein. Zum einen zeigt sich im InSek der deutliche Bedarf. Zum
anderen wird Coerde derzeit an vielen Orten neu bzw. umgestaltet. Die Sportbox in das
Gesamtkonzept zu integrieren ist sinnvoll. Ein geeigneter Standort hierfür ist zu prüfen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Sportamt
19
4.4.4 Handlungsempfehlung: Stärkung der organisierten Sport- und Bewegungsangebote
Ein im InSek identifiziertes Handlungsfeld ist die mangelnde Verfügbarkeit von
Räumlichkeiten für Sport- und Bewegungsangebote. Es soll eine Optimierung der Nutzung
der Sporthallen und Prüfung neuer Bewegungsräume erfolgen. Bereits erreicht wurde, dass
bei der Planung des Integrierten Stadtteilhauses am Hamannplatz ein Bewegungsraum
berücksichtigt wird.
Darüber hinaus soll der Coerder Sportverein SV Teutonia und damit die ehrenamtliche
Vereinsarbeit gestärkt werden. Dies beinhaltet eine engere Einbindung des Sportvereins in
die Netzwerkstrukturen im Stadtteil, eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, das Schaffen neuer
bedarfsgerechter Angebote sowie die Suche nach neuen Kurs-/ Übungsleitungen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Sportamt
Stadtsportbund
4.5 Verwaltung in Bewegung
In der städtischen Verwaltung gibt es zahlreiche Berufsgruppen, die den überwiegenden Teil
sitzend am Schreibtisch verbringen. Das Personalamt mit dem Betrieblichen
Gesundheitsmanagement setzt diesbezüglich immer wieder einzelne Impulse. Dies sollte
verstärkt werden, so dass die Verwaltung als gutes Beispiel vorangeht. Denn wie die
Nationalen Empfehlungen für Bewegungsförderung zeigen, ist die betriebliche Lebenswelt
zentraler Ansatzpunkt.
4.5.1 Handlungsempfehlung: Fußspuren zur Treppe
Als motivationale Entscheidungshilfen sind Fußspuren nachweislich wirksam, die den Weg
zur Treppe leiten, ggf. gekoppelt mit motivierenden Slogans an den Treppenstufen. Hierüber
werden Menschen dazu animiert, die Treppe zu steigen statt mit dem Aufzug zu fahren. Dies
soll in städtischen Gebäuden exemplarisch umgesetzt werden. Sofern die Maßnahme
Wirkung zeigt, könnte über eine Ausweitung auf andere Orte nachgedacht werden.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Immobilienmanagement
Betriebsmedizinischer Dienst der Stadt Münster
Gesundheits- und Veterinäramt
Personalamt, Betriebliches Gesundheitsmanagement
4.5.2 Handlungsempfehlung: Aktionsmonat zum Thema Bewegung
Wie in Kapitel 3.2. erläutert sind motivationale Entscheidungshilfen alleine kaum in der Lage,
umfänglich ausreichende und nachhaltige Effekte zu erzeugen. Insofern empfiehlt sich auch
hier die Integration in einen Mehrkomponentenansatz. Denkbar wäre z.B. ein Monat mit
verschiedenen Aktionen zum Thema Bewegung für die städtischen Mitarbeiter/-innen. Diese
sind noch von den u. g. an der Umsetzung Beteiligten zu entwickeln.
An der Umsetzung Beteiligte:
Betriebsmedizinischer Dienst der Stadt Münster
Gesundheits- und Veterinäramt
Personal- und Organisationsamt, Betriebliches Gesundheitsmanagement
20
4.6 Bewegung im Kindesalter
Wie u.a. die Daten der Schuleingangsuntersuchungen zeigen (s. Kapitel 3.3.3), gibt es bei
Kindern im Kindergartenalter deutlichen Handlungsbedarf, der sich in den jeweiligen
Stadtteilen unterscheidet. Entsprechend der nationalen Empfehlungen für
Bewegungsförderung sind Kindertagesstätten ein wichtiges Setting für Bewegungsförderung.
Das Schaffen eines geeigneten Bewegungsumfeldes, die Qualifizierung pädagogischer
Fachkräfte und die Einbindung von Eltern sind dabei wichtig.
Gut geeignet ist das Programm „Anerkannter Bewegungskindergarten des
Landessportbundes NRW“. In Münster gibt es bisher nur acht anerkannte
Bewegungskindergärten. Hürden sind oftmals die Kosten, die angesammelten Überstunden
der pädagogischen Fachkräfte durch die Schulung im Programm sowie die erforderliche
Kooperation mit einem Sportverein.
4.6.1 Handlungsempfehlung: Mehr anerkannte Bewegungskindergärten
Die Zahl der anerkannten Bewegungskindergärten in Münster wird gesteigert, insbesondere
in den Stadtteilen mit besonderem Handlungsbedarf. Die Träger der Einrichtungen sollten sich
für die Programmteilnahme einsetzen und finanzielle Mittel dafür bereitstellen.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien sowie weitere Träger der Einrichtungen
Stadtsportbund Münster e.V.
4.7 Bewegung im frühen Seniorenalter
Erhalt und Verbesserung motorischer Fähigkeiten, von körperlicher Kraft, Koordination und
Gleichgewichtsvermögen im frühen Seniorenalter können ein entscheidender Ansatz für
mehr gesundheitliches Wohlbefinden, Fitness, Sturz- und Osteoporoseprävention für das
späte Seniorenalter sein.
Wegen der stetig steigenden Lebenserwartung entsteht hier ein völlig neuer
Präventionsansatz und Auftrag mit völlig neuen zielgruppenspezifischen Angeboten.
4.7.1 Handlungsempfehlung: Veranstaltung „Gesund & Aktiv - Älter werden in Münster“
zum Schwerpunktthema Bewegung
Die jährlich stattfindende, etablierte Veranstaltung „Gesund & Aktiv - Älter werden in
Münster“ hat am 15. November 2019 zum Schwerpunktthema Bewegung stattgefunden. Die
mit fast 300 Personen bestbesuchte Veranstaltung dieser Reihe hat offensichtlich die
Interessen des Publikums getroffen.
Vorträge gab es zu folgenden Themen:
Bewegung to go - Bewegung im öffentlichen Raum
Kraft- und Bewegungstraining im Alter – Erkenntnisse und Erfahrungen
Bewegt ÄLTER werden in MÜNSTER
MOVITA - das Tanz- und Bewegungsprogramm
Nach den Vorträgen konnten zwölf Infostände von Einrichtungen wie Begegnungsstätten,
Beratungsstellen, Vereinen mit Angeboten zu Sport und Selbsthilfe besucht werden.
Erstmals hatten die Besucher/-innen die Gelegenheit, verschiedene Bewegungsangebote in
kurzen Schnupperworkshops kennenzulernen:
Alltags-Fitness-Test
Kraft für den Alltag
MOVITA und Linedance
Hula-Hoop - nicht nur für Kinder
21
An der Umsetzung Beteiligte:
Gesundheits- und Veterinäramt
Kommunale Seniorenvertretung
Selbsthilfe-Kontaktstelle
Stadtsportbund Münster e.V.
Volkshochschule
4.8 Niedrigschwellige Angebote für Menschen mit und ohne Depression
Wie in Kapitel 3.1. dargestellt beeinflusst körperliche Inaktivität auch die psychische und
kognitive Gesundheit negativ und erhöht somit z.B. das Risiko an einer Depression zu
erkranken. Viele vorhandene Studien beziehen sich auf das Laufen als körperliche Aktivität,
dessen positive Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen ist.
Gute Erfahrungen wurden in Münster diesbezüglich bereits im stationären Setting gemacht.
Eine Erweiterung auf den ambulanten Bereich erscheint sinnvoll, um präventiver wirken und
einem stationären Aufenthalt vorbeugen zu können.
4.8.1 Handlungsempfehlung: Laufgruppe für Menschen mit und ohne Depression
Von verschiedenen lokalen Bündnissen gegen Depression wie zum Beispiel in Koblenz,
Ludwigshafen oder Mainz werden bereits Laufgruppen für Menschen mit Depression
angeboten. Das Bündnis gegen Depression entwickelt auf der Grundlage der dort
gemachten Erfahrungen ein niedrigschwelliges Laufangebot für Münster. Das Angebot soll
auch für Menschen ohne Depression zur Verfügung stehen. Damit wird zum einen der
präventiven Wirkung des Laufens Rechnung getragen und zum anderen einer
Stigmatisierung von Menschen mit Depression vorgebeugt.
An der Umsetzung Beteiligte:
Bündnis gegen Depression Münster
münsterAKTIV
Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie Münster e.V.
4.9 Transparenz über vorhandene Angebote
Wie bereits die exemplarische Darstellung im Kapitel 3.3.1 zeigt, gibt es viele Akteure, die in
Münster im Themenfeld Sport und Bewegung aktiv sind. Diese Akteure gestalten zahlreiche
Angebote, die für die Münsteraner Bürgerschaft nicht mehr zu erfassen sind. Demnach ist es
für die Bürger/-innen umso schwieriger, das individuell am besten geeignetste Angebot zu
finden. Hierzu zählen Angebote des organisierten Sports, aber auch Angebote im
öffentlichen Raum.
Es gibt bereits Übersichtsbroschüren, z.B. vom Sportamt „Sportvereine in Münster –
Angebote und Adressen der Sportvereine“ und die Broschüre „Gesundheitssport für Alle –
Navigator durch Münsters Bewegungsangebote“ vom Stadtsportbund. In letzterer sind in der
letzten Neuauflage erstmals auch öffentliche Trimmanlagen aufgeführt. Die Broschüren sind
eine gute Grundlage, bilden jedoch nicht alle Angebote ab und sind nicht so aufbereitet, dass
sie unkompliziert von der breiten Bürgerschaft genutzt werden.
4.9.1 Handlungsempfehlung: Navigator/ Interaktive Karte als Baustein für die muenster:app
Die vorhandenen Übersichtsbroschüren sollten als Grundlage und durch weitere Inhalte
ergänzt werden, um das Sport- und Bewegungsangebot umfassend abzubilden. Dies
beinhaltet möglichst alle institutionalisierten/ organisierten Sport- und Bewegungsangebote
sowie Bewegungsangebote im öffentlichen Raum einschließlich Wander- und Laufrouten.
Um weitere Zugangswege zu den Daten zu eröffnen und zusätzliche Nutzungsoptionen zu
22
gewährleisten, soll eine digitale interaktive Karte entwickelt werden. Die Sport- und
Bewegungsangebote sollen bürgerfreundlich nach verschiedenen Kategorien gefiltert
werden können, wie z.B. räumlicher Lage, Altersgruppen, Sportart. Um die breite Nutzung
der Karte zu gewährleisten sollte diese mit der muenster:app verknüpft werden. Die
muenster:app enthält bereits einen Stadtplan, auf dem verschiedene Dinge in der näheren
Umgebung des Handynutzers angezeigt werden können, ganz nach dem Motto „Wo bin ich
gerade und was passiert um mich herum?“. Zur Darstellung der Angebote in der Umgebung
können verschiedene Kategorien ausgewählt werden, eine könnten Sport- und
Bewegungsangebote sein.
Von dieser Idee ausgehend hat die „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für
Neuzugewanderte – Sport, Sprache, Integration“ des Amtes für Schule und Weiterbildung
mit dem Vermessungs- und Katasteramt eine interaktive Karte zu Beratungs-, Sprach- und
Sportangeboten für Zugewanderte erstellt. Diese Karte soll nun um weitere Zielgruppen
sowie um Bewegungsangebote im öffentlichen Raum ergänzt und für die muenster:app
entsprechend technisch aufbereitet werden.
An der Umsetzung Beteiligte:
Amt für Schule und Weiterbildung
Gesundheits- und Veterinäramt
Katasteramt
Sportamt
Stadtsportbund Münster e.V.
Stadtwerke Münster
5 Fazit
Münster weist bereits viele gute Strukturen für eine bewegungsreiche und damit gesunde
Lebensweise auf. Zahlreiche Akteure sind im Themenfeld „Sport und Bewegung“ aktiv. Auch
bzgl. der Planung und Umsetzung bewegungsförderlicher Maßnahmen im öffentlichen Raum
gibt es viel Potential.
Dennoch zeigen sich Handlungsbedarfe, die sich teilweise gesamtstädtisch, aber vor allem
in einzelnen Stadtteilen/-quartieren zeigen. Mit den vorgestellten Handlungsempfehlungen
werden diesbezüglich wichtige Impulse gegeben. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass
über die Präventionsmittel der Krankenkassen ein bis zwei Projekte finanziert werden, die
sich über mehrere Jahre ausschließlich oder zumindest unter anderem dem Thema Sport
und Bewegung widmen können.
Um das Thema in Münster weiter voranzubringen, ist es erforderlich, dass die von der
Umsetzung betroffenen Mitglieder der Gesundheitskonferenz den Handlungsempfehlungen
zustimmen und sich zur Umsetzung verpflichten.
6 Anlagen
Anlage 1: Nationale Empfehlungen für Bewegung
Anlage 2: Daten der Schuleingangsuntersuchungen 2016-2019
23
7 Literaturverzeichnis
Bucksch, J. et al. (2020). Bewegungs- und Ernährungsverhalten von älteren Kindern und
Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse der HBSC-Studie 2017/18 und
Trends. Journal of Health Monitoring, 5, 22-38.
Dierker, H. (2018). Gesundheitlicher Nutzen von Sport und Bewegung. Berlin:
Senatsverwaltung für Inneres und Sport.
Hollstein, T. (2019). Sport als Prävention: Fakten und Zahlen für das individuelle Maß an
Bewegung. Deutsches Ärzteblatt,116, 35-36.
Information und Technik Nordrhein-Westfalen (2019). Anteile der Sport-, Freizeit- und
Erholungsflächen in Nordrhein-Westfalen am 31.12.2018. [www.it.nrw/atom/8610/direct]
Zugriff am 15.05.2021.
Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (2019). Stadt oder Umland? Aktuelle
Trends des Bauens und Wohnens in deutschen Stadtregionen. ILS-Trends. 2/19.
Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2019). Körperliche Aktivität im Alltag.
Ergebnisse des NRW-Gesundheitssurveys 2016.
[www.lzg.nrw.de/_php/login/dl.php?u=/_media/pdf/ges_bericht/survey/koerperliche_aktiv
itaet_2016.pdf]. Zugriff am 15.05.2021.
Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2020). Ergebnisse des NRW-
Gesundheitssurveys 2018. Individuelle Gesundheitsressourcen.
[www.lzg.nrw.de/_php/login/dl.php?u=/_media/pdf/ges_bericht/survey/gesundheitsresso
urcen_2018.pdf]. Zugriff am 15.05.2021.
Krause, L. et al. (2021). Individuelle Verläufe von Asthma, Adipositas und ADHS beim
Übergang von Kindheit und Jugend ins junge Erwachsenenalter. Journal of Health
Monitoring, 6 (S5).
Finger, J. D. et al. (2018). Körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
– Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring,
3, 24-31.
Rütten, A. & Pfeifer, K. (Hrsg.) (2016). Nationale Empfehlungen für Bewegung und
Bewegungsförderung. Erlangen-Nürnberg: Friedrich-Alexander-Universität.
Schienkiewitz, A. et al. (2018). Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in
Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health
Monitoring, 3, 16-23.
Stubbs, B. et al. (2018). EPA guidance on physical activity as a treatment for severe mental
illness: a meta-review of the evidence and Position Statement from the European
Psychiatric Association (EPA), supported by the International Organization of Physical
Therapists in Mental Health (IOPTMH). European Psychiatry, 54, 124-144.
24
Anlage 1: Nationale Empfehlungen für Bewegung (Rütten & Pfeifer, 2016)
Zielgruppe Empfehlungen für Bewegung
Kinder und
Jugendliche
(0 - 18 Jahre)
Säuglinge und Kleinkinder (0 bis 3 Jahre)
Säuglinge und Kleinkinder sollten sich so viel wie möglich bewegen und
so wenig wie möglich in ihrem natürlichen Bewegungsdrang gehindert
werden; dabei ist auf sichere Umgebungsbedingungen zu achten.
Kindergartenkinder (4 bis 6 Jahre)
Für Kindergartenkinder soll insgesamt eine Bewegungszeit von 180
Minuten/Tag und mehr erreicht werden, die aus angeleiteter und
nichtangeleiteter Bewegung bestehen kann.
Grundschulkinder (6 bis 11 Jahre) und Jugendliche (12 bis 18 Jahre)
Kinder ab dem Grundschulalter und Jugendliche sollen eine tägliche
Bewegungszeit von 90 Minuten und mehr in moderater bis hoher
Intensität erreichen. 60 Minuten davon können durch Alltagsaktivitäten,
wie z. B. mindestens 12.000 Schritte/Tag, absolviert werden.
Spezifische Aspekte
o Ab dem Grundschulalter soll zur Verbesserung von Kraft und
Ausdauer an zwei bis drei Tagen pro Woche eine höherintensive
Beanspruchung der großen Muskelgruppen erfolgen, jeweils unter
Berücksichtigung des jeweiligen Entwicklungsstands.
o Besonderheiten, aber auch Neigungen, Bedürfnisse und mögliche
Barrieren der jeweiligen Zielgruppe sollen berücksichtigt werden, z. B.
Alter, Geschlecht, soziokulturelle Faktoren.
o Bewegungsarme Kinder und Jugendliche sollten schrittweise an das
Ziel herangeführt werden, z. B. durch zunächst 30 Minuten Bewegung
an ein bis zwei Tagen pro Woche. Anschließend werden der zeitliche
Umfang, dann die Intensität gesteigert.
Sitzende Tätigkeiten und Nutzung von Bildschirmmedien (Fernseher,
Computer / Tablet, Smartphone etc.)
o Vermeidbare Sitzzeiten sollten auf ein Minimum reduziert werden.
Neben (motorisiertem) Transport, z. B. in Babyschale oder Kindersitz,
oder unnötig im Haus verbrachten Zeiten, betrifft dies insbesondere
die Reduktion des Bildschirmmedienkonsums auf ein Minimum:
Säuglinge und Kleinkinder: 0 Minuten
Kindergartenkinder: so wenig wie möglich, maximal 30
Minuten/Tag
Grundschulkinder: so wenig wie möglich, maximal 60
Minuten/Tag
Jugendliche: so wenig wie möglich, maximal 120 Minuten/Tag
Erwachsene
(18 - 65 Jahre)
Erwachsene sollten regelmäßig körperlich aktiv sein. Sie können dadurch
bedeutsame Gesundheitswirkungen erzielen und die Risiken der
Entstehung chronischer Erkrankungen reduzieren.
Der größte gesundheitliche Nutzen entsteht bereits dann, wenn
Personen, die gänzlich körperlich inaktiv waren, in geringem Umfang
aktiv werden. Das heißt, jede zusätzliche Bewegung ist mit
gesundheitlichem Nutzen verbunden. Jeder auch noch so kleine Schritt
weg vom Bewegungsmangel ist wichtig und fördert die Gesundheit.
Um die Gesundheit zu erhalten und umfassend zu fördern, gelten
folgende Mindestempfehlungen:
25
o Erwachsene sollten möglichst mindestens 150 Minuten/Woche
aerobe körperliche Aktivität mit moderater Intensität durchfuhren (z.
B. 5 x 30 Minuten/Woche) oder
o mindestens 75 Minuten/Woche aerobe körperliche Aktivität mit
höherer Intensität durchführen oder
o aerobe körperliche Aktivität in entsprechenden Kombinationen beider
Intensitäten durchführen
o und dabei die Gesamtaktivität in mindestens 10-minütigen einzelnen
Einheiten verteilt über Tag und Woche sammeln (z. B. mind. 3 x 10
Minuten/Tag an fünf Tagen einer Woche).
Erwachsene sollten zusätzlich muskelkräftigende körperliche Aktivitäten
an mindestens zwei Tagen pro Woche durchführen.
Erwachsene sollten lange, ununterbrochene Sitzphasen meiden und nach
Möglichkeit das Sitzen regelmäßig mit körperlicher Aktivität unterbrechen.
Erwachsene können weitere Gesundheitseffekte erzielen, wenn sie den
Umfang und / oder die Intensität der Bewegung über die
Mindestempfehlungen hinaus weiter steigern.
Diese Empfehlungen gelten jeweils unter Berücksichtigung der
schwangerschaftsspezifischen körperlichen Anpassungen auch für
schwangere Frauen bzw. Frauen nach der Entbindung.
Ältere
Erwachsene
(ab 65 Jahre)
Ältere Erwachsene sollten regelmäßig körperlich aktiv sein. Sie können
dadurch bedeutsame Gesundheitswirkungen erzielen und die Risiken der
Entstehung chronischer Erkrankungen reduzieren.
Der größte gesundheitliche Nutzen entsteht bereits dann, wenn ältere
Personen, die gänzlich körperlich inaktiv waren, in geringem Umfang
aktiv werden. Das heißt, jede zusätzliche Bewegung ist mit
gesundheitlichem Nutzen verbunden. Jeder auch noch so kleine Schritt
weg vom Bewegungsmangel ist wichtig und fördert die Gesundheit.
Um die Gesundheit zu erhalten und umfassend zu fördern, gelten für
ältere Erwachsene folgende Mindestempfehlungen:
o Ältere Erwachsene sollten möglichst mindestens 150 Minuten /
Woche ausdauerorientierte Bewegung mit moderater Intensität
durchführen (z. B. 5 x 30 Minuten / Woche), oder
o mindestens 75 Minuten / Woche ausdauerorientierte Bewegung mit
höherer Intensität durchführen, oder
o ausdauerorientierte Bewegung in entsprechenden Kombinationen
beider Intensitäten durchführen
o und dabei die Gesamtaktivität in mindestens 10-minütigen einzelnen
Einheiten
o verteilt über Tag und Woche sammeln (z. B. mindestens 3 x 10
Minuten / Tag bzw. 5 x 30 Minuten / Woche).
Ältere Erwachsene mit Mobilitätseinschränkungen sollten an mindestens
drei Tagen der Woche Gleichgewichtsübungen zur Sturzprävention
durchführen.
Ältere Erwachsene sollten muskelkräftigende körperliche Aktivitäten an
mindestens zwei Tagen pro Woche durchführen.
Ältere Erwachsene sollten lange, ununterbrochene Sitzphasen meiden
und nach Möglichkeit das Sitzen regelmäßig mit körperlicher Aktivität
unterbrechen.
Ältere Erwachsene können weitere Gesundheitseffekte erzielen, wenn sie
den Umfang und /oder die Intensität der Bewegung über die
Mindestempfehlungen hinaus weiter steigern.
26
Ältere Erwachsene, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht
entsprechend den Empfehlungen körperlich aktiv sein können, sollen sich
so viel bewegen, wie es ihre aktuelle gesundheitliche Situation zulässt.
Erwachsene
mit nicht
übertragbaren
Krankheiten
Erwachsene mit nichtübertragbaren Krankheiten sollten regelmäßig
körperlich aktiv sein. Sie erzielen dadurch bedeutsame
Gesundheitswirkungen.
Gesundheitswirkungen entstehen bereits dann, wenn Personen, die
gänzlich körperlich inaktiv waren, in geringem Umfang aktiv werden. Das
heißt, jede zusätzliche Bewegung ist mit gesundheitlichem Nutzen
verbunden. Jeder auch noch so kleine Schritt weg von der Inaktivität ist
wichtig und fördert die Gesundheit.
Um die Gesundheit zu erhalten und umfassend zu fördern, sollten
Erwachsene mit nichtübertragbaren Krankheiten sich an den
Bewegungsempfehlungen für Erwachsene ohne chronische Krankheiten
orientieren. Die meisten Erwachsenen mit nichtübertragbaren Krankheiten
können und sollten
o möglichst mindestens 150 Minuten / Woche ausdauerorientierte
Bewegung mit moderater Intensität durchführen (z. B. 5 x 30 Minuten /
Woche), oder
o mindestens 75 Minuten / Woche ausdauerorientierte Bewegung mit
höherer Intensität durchführen, oder
o ausdauerorientierte Bewegung in entsprechenden Kombinationen
beider Intensitäten durchführen,
o dabei jeweils die Gesamtaktivität in mindestens 10-minütigen
einzelnen Einheiten verteilt über Tag und Woche sammeln (z. B.
mindestens 3 x 10 Minuten / Tag an fünf Tagen einer Woche)
o und zusätzlich zweimal wöchentlich muskelkräftigende Übungen
durchführen.
Erwachsene mit nichtübertragbaren Krankheiten sollten in Phasen, in
denen sie nicht in dem Maße körperlich aktiv sein können, wie es die
Empfehlungen für gesunde Erwachsene nahelegen – z. B. aufgrund von
Krankheitsschwere, Symptomatik oder körperlicher Funktionsfähigkeit –,
so aktiv sein, wie es ihre momentane Situation zulässt.
Um die Sicherheit und Effektivität körperlicher Aktivität zu erhöhen, sollten
Erwachsene mit nichtübertragbaren Krankheiten –– beim Einstieg in einen
körperlich aktiven Lebensstil bzw. in ein körperliches Trainingsprogramm,
eine (sport-)medizinische Eingangsuntersuchung durchführen lassen,
gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt entscheiden, ob die
selbstständige Durchführung körperlicher Aktivitäten sicher und
angemessen ist oder zu Beginn eher eine professionelle Betreuung durch
Personen aus Bewegungsfachberufen angebracht ist,
gemeinsam mit einer Person aus einem Bewegungsfachberuf die Dosis
(Bewegungsart, Trainingsintensität, -dauer und -frequenz) an körperlicher
Aktivität individuell anpassen,
in Phasen der Krankheitsprogression, mangelnder Krankheitskontrolle
oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes den professionellen
Rat von Personen aus Gesundheitsfachberufen einholen, da z. B.
veränderte körperliche Aktivitäten oder sogar eine Aktivitätspause
notwendig sein können.
27
Anlage 2: Daten der Schuleingangsuntersuchungen 2016-2019 2
2 Die Stadtteile Bahnhof, Überwasser, Martini und Hafen werden aufgrund zu geringer Fallzahlen nicht einzeln
aufgeführt.
28
29
Anlage A
3248 Zeichen
Anlage A zur V/0505/2021 Kurzüberblick In der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz (KGK) am 6.6.2018 wurde vereinbart, dass sich eine Projektgruppe mit dem Thema „Sport, Bewegung und Gesundheit“ befassen, Handlungsempfehlungen entwickeln und an der Umsetzung der Empfehlungen mitwirken soll. Die in der Projektgruppe aufbereitete Bestandsaufnahme, die daraus abgeleiteten Bedarfe sowie die in der Projektgruppe entwickelten Handlungsempfehlungen sind dem anliegenden Bericht „Sport, Bewegung und Gesundheit – Handlungsempfehlungen der kommunalen Gesundheitskonferenz Münster“ zu entnehmen. Die Handlungsempfehlungen haben nicht den Anspruch, alle Aspekte aufzuzeigen, die zu einer Verbesserung des Bewegungsverhaltens aller Bürger/-innen in Münster führen könnten. Vielmehr wurden Schwerpunkte gesetzt, bei denen aus Sicht der Projektgruppe die Notwendigkeit für im- pulsgebende Empfehlungen besonders hoch eingeschätzt wurde. Während der Arbeit der Pro- jektgruppe hat sich das Thema „Sport und Bewegung im öffentlichen Raum“ als Schwerpunkt mit besonderem Handlungsbedarf herauskristallisiert. Dieser hat entsprechend bei den Handlungs- empfehlungen einen hohen Stellenwert. Die Handlungsempfehlungen wurden in der Sitzung der KGK am 16.06.2021 einvernehmlich ver- abschiedet. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit den Handlungsempfehlungen wird das ISM-Ziel „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln“ mit dem Fokus der „sozialen Balance in der Stadtgesellschaft“ verfolgt. Das Teilziel lautet „Ausbau von attraktiven Anreizen für mehr Sport und Bewegung“. Zielerreichung: Mit den Handlungsempfehlungen werden wichtige Impulse hinsichtlich des o.g. Teilziel gegeben. Für die nun anstehende Umsetzung sind die relevanten Akteure bei den jeweili- gen Handlungsempfehlungen konkret benannt. Mit der Verabschiedung der Empfehlungen haben sich die Mitglieder der KGK dazu verpflichtet, sich an der Umsetzung zu beteiligen. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienste Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2021 enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2022 enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Die Gründung der Projektgruppe „Sport, Bewegung und Gesundheit“ wurde von der KGK am 6.6.2018 beschlossen. Die Handlungsempfehlungen der Projektgruppe wurden von der KGK am 16.06.2021 einvernehmlich verabschiedet. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Mit den Handlungsempfehlungen wird mit dem Schwerpunkt „Sport und Bewegung“ die Verbes- serung der gesundheitlichen Chancengleichheit angestrebt. Manche Empfehlungen richten sich an die breite Bürgerschaft, manche beziehen sich aber auch auf einzelne Altersgruppen oder auf Stadtteile mit einer besonderen Sozialstruktur und auffälligen Gesundheitsdaten.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (2)
- Sentruper Höhe
- Kinderhaus 1920e
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0505/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 24.06.2021
- Erstellt
- 21.06.2021 16:23