V/0448/2012
Dauerhafte Ausstellung der Skulptur "Krieg und Frieden" von Alexander Bourganov
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Beschlussvorlage
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V/0448/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Kulturamt Betrifft Dauerhafte Ausstellung der Skulptur "Krieg und Frieden" von Alexander Bourganov Beratungsfolge 14.06.2012 Kulturausschuss Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Der Kulturausschuss folgt der Empfehlung des künstlerischen Fachbeirates, das der Stadt Münster vom Künstler Alexander Bourganov angebotene Kunstwerk „Krieg und Frieden“ nicht im öffentl i- chen Raum in Münster aufzustellen und damit die Schenkung nicht anzunehmen. Begründung: Der russische Künstler A lexander Bourganov hat der Stadt Münster seine Skulptur „Krieg und Frieden“ als Geschenk zur Aufstellung im öffentlichen Raum in Münster angeboten (siehe Anlagen 1-3) Das Kunstwerk wurde 1980 angefertigt und existiert als Gipsmodell. Lt. Alexander Bourganov wäre ein befreundeter Unternehmer bereit, die Skulptur in Bronze gießen zu lassen (Maße: 4m hoch, 2m breit, 2m tief). Die für eine Aufstellung notwendige Fundamentierung müsste durch die Stadt Münster vorgenommen werden. Am 10. Mai 2012 befasste sich de r vom Kulturausschuss berufene künstlerische Fachbe irat mit dem Angebot Alexander Bourganovs und kam dabei zu dem im Folgenden z usammengefassten Schluss: Stellungnahme des Fachbeirats Münster ist ein Ort zeitgenössischer Kunst von herausragendem Rang, der international mit großer Aufmerksamkeit bedacht wird. Grundlegend hierfür ist eine der bedeutendsten, über Jahrzehnte gewachsenen Sam mlungen von Gegenwartskunst im urbanen Außenraum: 65 Kunstobjekte verteilen sich im innerstädtischen G e- Vorlagen-Nr.: V/0448/2012 Auskunft erteilt: Frau Dr. Kirkpatrick Herr Ermeling Ruf: 492-4191 492-4103 E-Mail: Kirkpatrick@stadt-muenster.de Ermeling@stadt-muenster.de Datum: 23.05.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0448/2012 biet, aber auch am Stadtrand oder an weniger prägnanten Bereichen des aktuellen Stadtzusa m- menhangs. Die Mehrzahl der Skulpturen geht zurück auf die seit 1977 stattfindenden Skulptur.Projekte Mün s- ter. Dieses im Zehnjahresrhythmus ausgerichtete kulturelle Große reignis hat Mü nster zu einem weltweit beachteten und in seiner Projektkonzeption häufig kopie rten Referenzort für eine kritisch reflektierte Auseinandersetzung von Kunst und Öffentlichkeit gemacht. Die Sammlung setzt sich mit den wichtigsten fortschrittlichen Tendenzen der modernen und zei t- genössischen Kunst seit Mitte der 1950er Jahre exemplarisch auseinander. Die einzelnen Positi o- nen weisen ein umfassendes Spektrum jeweils zeitgenössischer Kunst auf, das von autonomen Setzungen über ortsspezifische Arbeiten bis hin zu interventionistischen und pe rformativen bzw. partizipatorischen Ansätzen reicht – und diese zum Teil einzigartig miteinander zu verbinden ve r- mag. Ungeachtet ihrer Unterschiede zeichnet alle Kunstwerke der Sammlung eine entscheidende Quali- tät aus: Ihre Verfasstheit ist diskursiv. Das heißt: Das grundsätzlich in viele Richtungen offene Ver- ständnis ihrer formellen und ästhetischen Grundsätze setzt stets eine kritisch reflektierte Betrac h- tung voraus. Damit vermeidet die Sammlung jegliche didaktische Eindeutig keit, die mit einer all e- gorischen, ikonografischen oder gar phänomenolog ischen Festschreibung einhergehen könnte. Zudem wurde bei der Zusammenstellung der Sammlung auf Werke verzichtet, denen zu sehr u n- zeitgemäße Charekteristika wie zum Beispiel der Topos Erhabenheit oder eine idealisierende Zeit- losigkeit anhaftet. Dieses reflexive Potential der Sammlung und ihr innewohnende Dynamik in der gegenwä rtigen Auseinandersetzung – kurz: ihre drängende Aktualität - hatte der künstlerische Fachbeirat im Blick, als er über die Aufstellung der Arbeit „Krieg und Frieden“ von Alexander Bourganov im Öffentlichen Raum in Münster diskutierte. Nach intensiver Auseinandersetzung mit diesem Kunstwerk hat sich der Fachbeirat ei nstimmig gegen eine Aufstellung im öffentlichen Raum in Münster ausgesprochen. Er sah die entscheidenden ästhetischen und künstlerisch formellen Kriterien für eine Au fnahme in die international anerkannte Sammlung als nicht erfüllt. Im Sinn eines sich beständig erneuernden, herausfordernden Dialoges mit dem Betrachter biete die Plastik „Krieg und Frieden“ keinen hinre i- chenden diskursiven Ansatzpunkt. Die Experten befanden, dass der Anspruch, eine eigene Wegmarke im Kontext des Vo rhandenen zu setzen, nicht erfüllt wird. Auch die Auseinandersetzung mit der Stadtidentität, die die Sammlung vor allem auch durch die Skulptur.Projekte bietet, fehlt dem Kunstwerk. Darüber hinaus war man sich einig, dass die Arbeit durch ihre schwer einzuordnende Gegenständlichkeit in ihrer Forme n- sprache hinter den heutigen Ansprüchen zeitgenössischer Kunst zurück bleibt. Laut Fachbeirat steht die Skulptur „Krieg und Frieden“ von Alexander Bourganov in ihrem inhaltl i- chen Anspruch nicht im Einklang mit dem Selbstverständnis Münsters als Stadt des westfälischen Friedens. Ein Gegenbeispiel ist die bereits existierende Skulptur von Eduardo Chillida „Toleranz durch Di a- log“, die als eine ästhetische Huldigung an den Westfälischen Frieden von 1648 zu verstehen ist. In Anspielung auf die historischen Ereignisse bringt diese Arbeit die s cheinbar unvereinbare G e- gensätze von Materialität und Leere, Schwergewicht und Leichtgewicht, Horizontalität und Vertik a- lität, Offenheit und Geschlossenheit in eine ha rmonische Übereinkunft und damit in ein Verhältnis gegenseitigen Tolerierens. Diese bis in den politischen Kontext reichende Dialektik der Thematik „Krieg und Frieden“ e r- scheint in der bildhaften Festschreibung der Plastik von Bourganov vordergründig dida ktisch und erstarrt. - 3 - V/0448/2012 Letztlich kam der Fachbeirat aufgrund dieser Erwägungen überein, da ss „Krieg und Frieden“ nicht in das Profil der Kunstsammlung im öffentlichen Raum Münster passt, und empfiehlt auch im Hi n- blick auf die Verantwortung der Stadt für das Gesamtensemble der derzeitigen Sammlung ei n- stimmig, die Skulptur „Krieg und Frieden“ nic ht anzunehmen und nicht im öffentlichen Raum in Münster zu realisieren. Aufgrund der großen Einigkeit im Fachbeirat, der sich aus unabhängigen Experten / Expertinnen zusammensetzt, kann dem Kulturausschuss auch von Seiten der Fachverwaltung keine andere Beschlussempfehlung gemacht werden, als das Geschenk der Skulptur „Krieg und Frieden“ abz u- lehnen. I. V. gez. Dr. Hanke Stadträtin Anlagen: 1. Anschreiben Bourganov 2. Informationen zum Künstler 3. Foto des Kunstwerks
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0448/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 25.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37