V/0676/2016
Qualitätsmanagement in der Kita- und Schulverpflegung - Bericht 2012 - 2016
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Berichtsvorlage
7346 Zeichen
V/0676/2016 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten Betrifft Qualitätsmanagement in der Kita- und Schulverpflegung - Bericht 2012 – 2016 Beratungsfolge 14.09.2016 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung Bericht 20.09.2016 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Bericht 02.11.2016 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Bericht: 1. Einleitung Die Ganztagsbetreuung in Kindertageseinrichtungen und Schulen und damit die Notwendigkeit von qualitativ hochwertigen Verpflegungsangeboten gewinnt, insbesondere im Hinblick auf die Zunahme von ernährungsbedingten Krankheiten bereits im Kindesalter, expansiv an Bedeutung. Ernährungsgewohnheiten werden bereits ab der frühen Kindheit bis ins Jugendalter geprägt und halten oft ein Leben lang an. Immer mehr Kinder und Jugendliche essen in den städtischen Schulen und Kindertageseinrichtungen zu Mittag und greifen auf Frühstücksangebote und Zwi- schenmahlzeiten zurück. So ist allein die Zahl der Ganztagsbetreuungsplätze in den städtischen Grundschulen in den letzten 4 Schuljahren um 33% angestiegen. Aktuell werden in den 86 städ- tischen Schulen ca. 8.000 und in den 30 städtischen Kindertageseinrichtungen ca. 1.500 Mittag- essen pro Tag ausgegeben - mit weiter steigender Tendenz. Alle Kitas und Schulen, die eine Verpflegung anbieten, - und auch die Stadt als Träger der Ein- richtungen - sind Lebensmittelunternehmer im Sinne des Lebensmittelrechts. Sie müssen zahl- reiche gesetzliche, hygienerechtliche, ernährungsphysiologische und wirtschaftliche Vorgaben und Bedingungen erfüllen. Dies stellt vor allem den Schulträger und die Schulen vor große Herausforderungen. Traditionell galten sie lange Zeit als reine Bildungsinstitutionen ohne Verantwortung für die Verpflegung der Kinder und Jugendlichen. Nun müssen sich zahlreiche Personen, Ämter und Stellen unter finan- ziellem und zeitlichem Druck mit diversen Verpflegungsaspekten von der Küchen- bis hin zur Speisenplanung auseinandersetzen. In Kindertageseinrichtungen war zwar die Verpflegung von jeher ein fester Bestandteil des pädagogischen Konzeptes. Doch stoßen hier immer mehr Ein- richtungen angesichts der steigenden Nachfrage nach Ganztagsbetreuung an küchentechnische und personelle Kapazitätsgrenzen. Dennoch ist es wichtig, dass alle Beteiligten Kriterien für ein gutes Verpflegungsmanagement in allen Planungs-, Organisations- und Umsetzungsphasen definieren und dafür Sorge tragen, dass diese konsequent und kontinuierlich berücksichtigt werden. Nur so kann die Kita- und Schulver- pflegung auf Dauer gelingen und den notwendigen gesundheitlichen und ökonomischen Aspek- Vorlagen-Nr.: V/0676/2016 Auskunft erteilt: Frau Diedenhofen, Frau Stens Ruf: 492-5325 und -53 79 E-Mail: diedenhofen@stadt-muenster.de stens@stadt-muenster.de Datum: 25.08.2016 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0676/2016 ten Rechnung tragen. 2. Organisation der Kita- und Schulverpflegung bei der Stadt Münster Die Schulverpflegung gehört im Land Nordrhein-Westfalen zu den „äußeren Schulangelegenhei- ten“. Der Schulträger ist der sogenannte Sachaufwandsträger und ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die Einnahme eines Mittagessens oder eines Mittagsimbisses. Er ist damit für die Schaffung geeigneter baulicher, technischer und hygienischer Gegebenheiten verantwortlich. Weiterhin liegen alle mit der Schulverpflegung anfallenden Tätigkeiten, wie z.B. das Erstellen von Leistungsverzeichnissen und Ausschreibungen, die Verantwortlichkeit für Verträge oder die An- schaffung, Instandhaltung und Reinigung von Ausstattung und Räumlichkeiten sowie die Umset- zung der gesetzlichen Anforderungen bei Aufnahme einer Verpflegung, wie z. B. die gesetzlichen Schulungs- und Belehrungspflichten für das eingesetzte Personal, in seinem Verantwortungsbe- reich. Gleiches gilt für die Stadt in ihrer Funktion als Träger von Kindertageseinrichtungen. Innerhalb der Stadt Münster sind verschiedene Ämter und (Fach-)Abteilungen an der Bereitstel- lung der Kita- und Schulverpflegung beteiligt. Aufgrund der steigenden Herausforderungen in Bezug auf die Kita- und Schulverpflegung wurde im Jahr 2011 unter Federführung des Gesund- heitsamtes eine ämterübergreifende Projektgruppe eingerichtet, um die unterschiedlichen Orga- nisations- und Handlungsbedarfe abzustimmen und zu optimieren. Zeitgleich wurde beim Ge- sundheitsamt eine Stelle für das Qualitätsmanagement Kita- und Schulverpflegung neu geschaf- fen und mit zwei erfahrenen Dipl.-Oecotrophologinnen mit jeweils einer halben Stelle besetzt. Zusätzlich unterstützte eine beim Gesundheitsamt tätige Dipl.-Oecotrophologin mit einem über- planmäßigen 0,25 Stellenanteil das Team der Schulverpflegung bis zu einem internen Wechsel Mitte 2014, so dass nun insgesamt eine Vollzeitstelle für das Qualitätsmanagement der Kita- und Schulverpflegung für städtische Kindertageseinrichtungen und Schulen bei der Stadt installiert ist. Das Qualitätsmanagementteam Kita- und Schulverpflegung im Gesundheitsamt arbeitet seit nunmehr 4½ Jahren am Ziel einer ausgewogenen und gesundheitsförderlichen Kita- und Schul- verpflegung und an der Definition gemeinsamer Kriterien in diesem Bereich. Es wirkt an der Schnittstelle zwischen den zuständigen Ämtern, den Einrichtungen und den Catererfirmen und berät, schult und unterstützt die Verantwortlichen in allen Aspekten der Kita- und Schulverpfle- gung bei der Stadt Münster. 3. Aktueller Sachstand und Ausblick Das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten legt hiermit einen Bericht über die bisherigen Aktivitäten und Maßnahmen dieser Stelle vor. Auf die Berichtsvorlagen zur Schulverpflegung V/0657/2012 vom 25.10.2012 und V/0661/2013 vom 26.08.2013, in denen be- reits über einzelne Aktivitäten berichtet wurde, wird Bezug genommen. Der Bericht macht deutlich, dass die Qualität der Kita- und Schulverpflegung viele Facetten hat. Ziel sollte es sein, dass in den Einrichtungen Bildung und Gesundheit gleichermaßen gefördert und die notwendigen Maßnahmen in gemeinsamer Verantwortung von Einrichtungsträgern, Lehrkräften, Pädagoginnen und Pädagogen, Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Caterern und Zulieferern umgesetzt werden. Die Stadt Münster hat hier in den letzten Jahren bereits viel erreicht. Aber natürlich kann die Qualität in vielen Bereichen noch besser werden. Eine gute Zwischen- und Mittagsverpflegung ist im Kita- und Schulalltag wichtig, denn nur, wer das Richtige zur rech- ten Zeit isst, kann gesund und leistungsfähig sein. Schulen und Kitas brauchen als Lern- und Lebensorte eine verlässliche, ausgewogene und von allen akzeptierte Verpflegung. Entspre- chende Rahmenbedingungen und Maßnahmen von Politik und Verwaltung insbesondere im Hin- blick auf die Prognosen zur Stadtentwicklung, welche aller Voraussicht nach mit einem weiteren Anstieg der Essensteilnehmerinnen und -teilnehmer in den Kitas und Schulen einhergeht, sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. In Vertretung gez. Cornelia Wilkens 3 V/0676/2016 Stadträtin Anlagen: Bericht 2012 - 2016 zum Qualitätsmanagement Kita- und Schulverpflegung im Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten
0676-2016_Anlage
23039 Zeichen
Anlage zur Berichtsvorlage V/0676/2016
Bericht 2012 - 2016
zum Qualitätsmanagement Kita- und Schulverpflegung
im Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten
Inhalt:
1. Aufgabenbereiche
1.1. Lebensmittelhygiene und rechtliche Vorschriften
1.2. Qualität und Ernährungsbildung
2. Fazit
3. Anlagen
Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten
Qualitätsmanagementteam Kita- und Schulverpflegung
Jeanette Diedenhofen und Sabine Stens
Stühmerweg 8, 48127 Münster
Telefon: 492 - 5325 / - 5379
schulverpflegung@stadt-muenster.de / kitaverpflegung@stadt-muenster.de
2
1.) AUFGABENBEREIC HE
Die Stelle Qualitätsmanagement Schulverpflegung wurde im Jahr 2011 beim Gesundheitsamt
eingerichtet und mit zwei Dipl.-Oecotrophologinnen mit jeweils einer halben Stelle besetzt.
Dieses Qualitätsmanagementteam Kita- und Schulverpflegung arbeitet an der Schnittstelle zwi-
schen den zuständigen Verwaltungsämtern, den Einrichtungen und den Catererfirmen und be-
rät und unterstützt die Verantwortlichen in allen Aspekten der Kita- und Schulverpflegung bei
der Stadt Münster:
Abbildung 1: Aspekte der Kita- und Schulverpflegung
Die Arbeit des Teams für Qualitätsmanagement im Gesundheitsamt erstreckt sich dabei auf die
beiden Schwerpunktbereiche
- Sicherung der Einhaltung der rechtlichen Vorschriften zur Lebensmittelhygiene und
Kennzeichnungspflicht und
- Sicherung der ernährungsphysiologischen Wertigkeit der Verpflegung, der Ernährungs-
bildung und der Akzeptanzförderung.
3
1.1) LEBENSMITTELHYGIENE U ND RECHTLICHE VORSCHRIFTEN
Die Sicherung der Einhaltung der rechtlichen Vorschriften zur Lebensmittelhygiene und Kenn-
zeichnungspflicht stellt verschiedene Anforderungen an das Qualitätsmanagementteam. Die
damit verbundenen Aufgaben sind in der folgenden Abbildung zusammengestellt und werden
im Folgenden näher erläutert:
Abbildung2: Aufgaben Lebensmittelhygiene und rechtliche Vorschriften
Zur Sicherung der lebensmittelhygienerechtlichen Bestimmungen1 wurde als vordringliche
Maßnahme zunächst ein umfassender Qualitäts- und Hygieneleitfaden für die Schulverpfle-
gung erstellt. Der Leitfaden beinhaltet mit den zuständigen Ämtern auf der Grundlage der recht-
lichen Vorschriften abgestimmte und speziell für die städtischen Schulen in Münster konkreti-
sierte Handlungsvorgaben rund um die Schulverpflegung. Die Praxishilfe wurde allen Schulen
über das städtische Intranet und in Papierform zur Verfügung gestellt und wird vom Qualitäts-
managementteam kontinuierlich an veränderte gesetzliche oder neue wissenschaftliche Er-
kenntnisse angepasst.
Dieser in Münster erarbeitete Qualitäts- und Hygieneleitfaden gilt in NRW als „best practice“-
Beispiel. Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucher-
schutz NRW hat ihn 2014 an alle Lebensmittelüberwachungsstellen in NRW versandt.
Aktuell ist ein Qualitäts- und Hygieneleitfaden für die städtischen Kindertageseinrichtun-
gen in Arbeit. Eine „eins zu eins“ - Übertragung des Leitfadens für die Schulen auf die städti-
schen Kindertageseinrichtungen war wegen der unterschiedlichen Anforderungen für diese
Zielgruppen nicht möglich. Der Entwurf ist nunmehr fertig gestellt und befindet sich nach inten-
sivem Austausch mit dem Trägeramt im finalen Abstimmungsprozess.
Darüber hinaus konzipiert und organisiert das Qualitätsmanagementteam die jährlich vorge-
schriebenen Hygieneschulungen und Folgebelehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz
und führt diese selbst durch. Die nachfolgende Tabelle zeigt, dass der zu schulende Personen-
1 Die vom Lebensmittelunternehmer zu berücksichtigenden Gesetze und Verordnungen sind in der Anlage 1 aufge-
listet.
4
kreis und damit die Anzahl der durchzuführenden Schulungen In den letzten 4 Jahren stetig
gestiegen sind.
Jahr Anzahl der Teilnehmer Anzahl der durchgeführten Schulungstermine
2012 322 12
2013 366 14
20142 128 6
2015 457 18
2016 510 21 (plus 2 in Planung)
Durch die stark angestiegenen Zahlen der betreuten Kinder in der OGS und die damit steigende
Zahl von BetreuerInnen ist auch die Anzahl der Schulungen gestiegen. Denn anders als in den
Kitas, in denen hauswirtschaftliche Kräfte über Elternbeiträge finanziert werden, liegt die Mit-
tagsverpflegung im OGS in pädagogischen Händen.
Nach Abstimmung des Leitfadens für die städtischen Kindertageseinrichtungen wird das Team
für Qualitätsmanagement auch für die dort tätigen 30 Hauswirtschaftskräfte sowie die 30 Kita-
Leitungen und ggf. weitere Personen die Hygieneschulungen und Belehrungen nach dem Infek-
tionsschutzgesetz durchführen.
Die persönliche Beratung zu hygiene- und kennzeichnungsrelevanten Themen (per Tele-
fon, per E-Mail, in der Einrichtung) sowie die Kontrolle der Umsetzung der vorgeschriebenen
und festgelegten Maßnahmen in der Praxis im Rahmen von Vor-Ort-Terminen sind weitere
wichtige Aufgaben des Qualitätsmanagementteams. Hier ist nach und nach aufgrund der Etab-
lierung der Stelle und der aufgebauten Kontakte eine steigende Tendenz im Beratungsbedarf
erkennbar, der die Bedürfnisse der Beteiligten vor Ort wiederspiegelt. Das Qualitätsmanage-
mentteam arbeitet hier eng mit der Lebensmittelüberwachung der Stadt Münster (Abteilung:
53.5) zusammen, um eine einheitliche Linie bei der Festlegung der Standards und Vorgaben
und bei der Umsetzung in die Praxis zu verfolgen.
In den letzten 4 Jahren ist die Anzahl der begleiteten Schulen mit einer per Leistungsver-
zeichnis definierten Verpflegungsqualität stetig gestiegen und liegt derzeit bei 45 (Tendenz
weiter steigend).
Sukzessive wird die Verpflegung in allen städtischen Schulen und Kitas ausgeschrieben. Die
verwaltungsmäßige Abwicklung der Ausschreibungen liegt in der Verantwortung der Trägeräm-
ter.
Das Qualitätsmanagementteam ist bei der Erstellung der Leistungsverzeichnisse beratend
eingebunden. Die im Rahmen der Ausschreibungsverfahren eingereichten Unterlagen werden
von den Mitarbeiterinnen im Hinblick auf Einhaltung der Hygienebestimmungen bewertet. Sie
bewerten auch, inwieweit die eingereichten Musterspeisepläne den Vorgaben des Qualitäts-
standards Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) und weite-
ren zusätzlich definierten städtischen Anforderungen entsprechen.
2 2014 wurde der jährliche Schulungstermin in die 1. Jahreshälfte des Folgejahres verlegt
Jahr Anzahl der Schulen mit Leistungsverzeichnis
2012 1
2013 5
2014 13
2015 34
2016 1. Halbjahr: 45
5
Ergänzende Vorgaben zum Qualitätsstandard Schulverpflegung der DGE sind in Münster:
• keine Verwendung von geformtem Fleisch
• keine Eier aus Kleingruppentierhaltung
• keine gentechnisch veränderten Lebensmittel und Geschmacksverstärker, wie Glutamat,
Hefeextrakte und/ oder künstliche Aromen sowie vitaminisierte Produkte
• Tiefkühlbeeren dürfen nur nach einer vollständigen Erhitzung des Produktes auf +90°C
Kerntemperatur verwendet werden.
• Berücksichtigung des „vegetarischen Donnerstags“
Bei der Kontrolle der im Leistungsverzeichnis festgehaltenen lebensmittelrechtlichen und
qualitativen Merkmale, wie beispielsweise die maximale Warmhaltedauer von 3 Stunden bei der
Warmverpflegung, den Anteil an Convenience-Produkten3 bei der Speisenherstellung durch die
Caterer und z.T. die Allergenkennzeichnung stößt das Qualitätsmanagementteam an Grenzen.
Hier stehen die Anforderungen der Schulen (Anlieferung um 11.00 Uhr mit Ausgabezeiten bis
13.30 Uhr), die hygiene- und ernährungsphysiologischen Empfehlungen (max. 3 Stunden
Warmhaltezeit) und die Möglichkeiten der Caterer (Zubereitung von bis zu 3000 Essen/Tag,
Belieferung von 30 Schulen im ganzen Stadtgebiet, begrenzte Fahrzeug- und Personalflotte,
eng kalkulierte Verpflegungspreise) in direkter Konkurrenz. Das Qualitätsmanagementteam hat
keinen unmittelbaren Einfluss auf die Prozessabläufe bei den Caterern.
Eine Zertifizierung der Caterer, die städtische Schulen und Kindertageseinrichtungen mit
Speisen beliefern, über die standardisierten Kontrollen der Lebensmittelüberwachung hinaus,
ist ein mittel- bis langfristig ins Auge gefasstes Ziel des Teams für Qualitätsmanagement.
Die fachliche Beratung und Stellungnahme bei Neu- und Umbauplanungen von Kita- und
Schulküchen hinsichtlich der Küchenausstattung und aktuell bei der Festlegung eines einheitli-
chen Küchenstandards gehören auch zu den Aufgaben des Qualitätsmanagementteams.
1.2) QUALITÄT UND ERNÄHRUNGSBILDUNG
Es ist für die Stadt Münster ein grundlegendes Ziel, dass die Kita- und Schulverpflegung nicht
nur hygienisch einwandfrei sondern auch gesund und lecker ist. Durch die gesellschaftliche
Entwicklung und die Zunahme an Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen schon
im Kindesalter gewinnt der ernährungsphysiologische Aspekt zunehmend an Bedeutung. Auf-
grund der längeren Betreuungszeiten und der zunehmenden Zahl der betreuten Kinder und
Jugendlichen spielen Kindertageseinrichtungen und Schulen in Bezug auf Nährstoffversorgung
und Ernährungsbildung eine immer größere und wichtige Rolle. Für die Schulen ist dieser Bil-
dungs- und Erziehungsauftrag im Schulgesetz NRW gesetzlich verankert.4
Eine vollwertige und gesundheitsfördernde Ernährung ist wichtige Voraussetzung für die körper-
liche und geistige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Dabei geht es neben der Versor-
gung mit Nähr- und Wirkstoffen auch um die Vorbeugung ernährungsbedingter Erkrankungen
und deren Folgen. Eine ausgewogene Ernährung ist bedeutsam für die Erhaltung der Konzent-
rations- und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler im Alltag. Immer häufiger fällt auf,
dass Kinder daheim weniger frühstücken und kein hochwertiges Pausenbrot oder gar nichts zu
essen mit in die Schule bringen.5 Vor dem Hintergrund, dass die Schüler oft sechs bis acht
Zeitstunden in den Einrichtungen verbringen und dort geistig und körperlich gefordert werden,
3 arbeitserleichternde Essenszutaten oder Fertiggerichte
4 …“Schüler/innen sollen lernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln, sich gesund zu ernähren und
gesund zu leben“. (§2 Absatz 5 SchulG NRW Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule).
5 Alexy U, Wicher M, Kersting M: Breakfast trends in children and adolscents: frequency and quality, Public Health
Nutrition (13)11, 2010 / HBSC Team Deutschland: Studie Health Behavior in School - aged Children - Faktenblatt
„Häufigkeit des Frühstücks bei Kindern und Jugendlichen“, 2011
6
muss ein gut aufgestelltes Verpflegungsangebot ein wesentlicher Bestandteil des Schultages
sein. Auf diese Weise können die Schüler mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgt
werden und, wenn die Verpflegung gut gemacht ist, sich positive Ernährungsgewohnheiten an-
eignen. Stimmen auch die Rahmenbedingungen werden außerdem Esskultur, Sozialkompeten-
zen und Entspannung gefördert.6
Die folgende Übersicht zeigt, mit welchen Zielsetzungen und Maßnahmen das Qualitätsma-
nagementteam versucht, positiven Einfluss auf die Qualität der Kita- und Schulverpflegung zu
nehmen:
Abbildung 3: Aufgaben Ernährungsphysiologie
Das Qualitätsmanagementteam ist über die Beteiligung an der Gestaltung des städtischen
Leistungsverzeichnisses für die Schulverpflegung (und in Zukunft auch für die Kitaverpfle-
gung) bemüht, einen Mindeststandard für den ernährungsphysiologischen Wert der Schulver-
pflegung zu erreichen.
Schon bei Kindern spielt der individuell geprägte Geschmack, der sich im Laufe des Lebens
durch tägliches Erfahrungstraining festigt, eine große Rolle. Insofern sind Kindertageseinrich-
tungen und Schulen neben den Elternhäusern die wichtigsten „Trainingsstätten“ für eine aus-
gewogene, gesundheitsförderliche Ernährung.
Der menschliche Geschmack ist immer auch Träger von Emotionen, Zugehörigkeit, Identität
und Sicherheit. Damit Kita- und Schulverpflegung nicht nur gesund ist, sondern auch akzeptiert
wird, müssen also positive Assoziationen des guten Geschmacks (Image, Preis, Wohlfühlen,
Kommunikation, Mitgestaltungsmöglichkeiten, Raum- und Speiseplangestaltung, Atmosphäre,
Flexibilität, etc.) mit wünschenswerten Ernährungsgewohnheiten verbunden werden.
Leider nimmt die „Entfernung“ vom Koch zur Zielgruppe und umgekehrt in den Schulen immer
weiter zu. Dies gilt vor allem bei Warmverpflegung, bei der eine Cateringfirma das Essen anlie-
fert, das vor Ort nur noch portioniert und ausgeteilt werden muss. Diese Depersonalisation führt
zu einer Akzeptanzminderung der Schulverpflegung. Außerdem reduziert sich durch die verwal-
tungstechnisch sehr aufwendige Vergabe der Dienstleistung Mittagsverpflegung die Anzahl der
6 Verbraucherzentrale NRW (2011) Schule isst gesund – Schritt für Schritt zu einer optimalen Mittagsverpflegung
7
auf dem Markt tätigen Catererfirmen. Immer mehr kleine und mittelständige Betriebe scheuen
das sehr aufwendige Bewerbungsverfahren und ziehen sich aus der Schulverpflegung zurück.
Eine fundierte Eingliederung der Gemeinschaftsverpflegung in den Kita- und Schulalltag ist un-
erlässlich. Nur so können die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, die Interessen der El-
tern, die Ansprüche von Verwaltung und Politik sowie die Wünsche der Schulen und Pädago-
ginnen und Pädagogen vor Ort mit dem wirtschaftlichen Interesse der am Markt tätigen Caterer
vereinbar gemacht werden.
Durch Kontrollen des Speisenangebotes und der Einhaltung der festgelegten Mindest-
standards vor Ort kann nur wenig bewirkt werden, zumal dem Qualitätsmanagementteam da-
für kaum Zeitressourcen zur Verfügung stehen. Die Praxis hat gezeigt, dass die Sensibilisierung
aller Beteiligten und die gemeinsame Festlegung von Kriterien für die ernährungsphysiologische
Qualität der Verpflegung Erfolg versprechender sind.
Aus diesem Grund wirbt das Qualitätsmanagementteam regelmäßig im Rahmen von vielfältigen
Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen für eine Verbesserung der ernährungsphy-
siologischen Qualität und für Ernährungsbildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Es
organisiert Fachtagungen und erstellt Pressemitteilungen, Flyer etc.
Die Fortbildungen, Veranstaltungen und Maßnahmen sind nur durch die gute Kooperation und
Zusammenarbeit vor allem mit folgenden externen Institutionen möglich:
o Fachhochschule Münster, Fachbereich Oecotrophologie
o Verbraucherzentrale NRW
o Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW
o A´verdis, führendes Beratungsunternehmen im Bereich nachhaltige Ernährung in der
Gemeinschaftsverpflegung (vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
beauftragt, die Kampagne „Bio kann Jeder“ durchzuführen)
o Veggie-Day-Initiative Münster
o Greenpeace Münster
Eine Aufstellung der vom Qualitätsmanagementteam durchgeführten und terminierten Fortbil-
dungen, Maßnahmen und Aktionen für eine Verbesserung der Qualität der Kita- und Schulver-
pflegung ist diesem Bericht als Anlage 2 beigefügt.
2. FAZIT
Das Qualitätsmanagementteam Kita- und Schulverpflegung verfolgt seit 4 ½ Jahren das Ziel,
eine flächendeckende Zufriedenheit bei allen Beteiligten und eine nachhaltige, gute und ausge-
wogene sowie angenommene Verpflegung der Kinder und Jugendlichen in den Kitas und Schu-
len der Stadt Münster zu erreichen. Mit den vorliegenden Leitfäden, dem Schulungsprogramm,
den Beratungsleistungen und den Kooperationen sind erste wichtige Schritte unternommen
worden, um diesem Ziel näher zu kommen.
Wie gefragt diese Stelle innerhalb einer vielfältig verantwortlichen Verwaltung ist, zeigt sich
auch darin, dass zahlreiche weitere städtische und nichtstädtische Einrichtungen (Ferienbe-
treuungsträger, Jugendbildungseinrichtungen, Tages- und Großtagespflegeeltern, nicht-
städtische Kindertageseinrichtungen, Eltern etc.) immer wieder den fachlichen Rat des Quali-
tätsmanagementteams suchen. Diese Nachfrage kann angesichts der begrenzten Ressourcen
(1 Vollzeitstelle) leider nicht oder nur in Ausnahmefällen bedient werden. Die erarbeiteten Leit-
fäden werden aber auf Anforderung als PDF-Datei zur Verfügung gestellt.
8
Anlage 1
Übersicht über die von Lebensmittelunternehmern zu beachtenden lebensmittelrechtli-
chen Rechtsvorschriften
Europäisches Gemeinschaftsrecht:
• VO (EG) Nr. 178/2002
• VO (EG) Nr. 852/2004
• VO (EG) Nr. 853/2004
• VO (EG) Nr. 854/2004
• VO (EG) Nr. 2073/2005
• VO (EU) Nr. 1169/2011
• VO (EG) Nr. 1829/2003
• VO (EG) Nr. 1830/2003
Nationales Recht:
• Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)
• Infektionsschutzgesetz (IfSG)
• Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV)
• Verordnung über tiefgefrorene Lebensmittel (TLMV)
• Vorläufige Lebensmittelinformations-Ergänzungsverordnung (VorlLMIEV) vom
28.11.2014
• Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV)
• Tierische Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV)
• Tierische Lebensmittel-Überwachungs-Verordnung (Tier-LMÜV)
Sonstiges:
• Diverse DIN-Vorschriften für den Bereich „Hygiene und Küchenausstattung“
• Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)
• Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) für die Schul-
verpflegung
9
Anlage 2:
Übersicht der durchgeführten bzw. terminierten Fortbildungen/Veranstaltungen und
Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Kita- und Schulverpflegung
Monat/
Jahr Veranstaltung / Maßnahme Zielgruppe Anzahl
Personen
Juni / Juli
2012
Hygieneworkshop „Hygienestatus in
Münsters Schulen“
Schulträger, Schulleitungen, Pädago-
gische Fachkräfte, Caterer, Lieferan-
ten, Mensabeauftragte, Küchenkräfte
44
Juni 2013
Hygieneworkshop „Fachgerechte
Reinigung und Desinfektion in Küche
und Mensa“
Schulträger, Schulleitungen, Pädago-
gische Fachkräfte, Caterer, Lieferan-
ten, Mensabeauftragte, Küchenkräfte
25
April 2013 SchülerInnen-Befragung zur Schul-
verpflegung, Pascalgymnasium SchülerInnen 118
April 2013 Qualitätszirkel Schulverpflegung,
Pascalgymnasium
Schülervertretung, Eltern, Lehrperso-
nal, Trägeramt, Caterer 15
Sept 2013 Ernährungsbildung in der Schulver-
pflegung
Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte 27
Sept 2013
Leistungsverzeichnisse für Schulver-
pflegung – Informationen und Aus-
tausch für und mit Caterern
Schulleitungen, Pädagogische Fach-
kräfte, Caterer, Lieferanten, regionale
Anbieter, Verwaltung, Schulträger
20
Sept 2013 Speiseplangestaltung in der Schul-
verpflegung
Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte, Küchenkräfte 27
Sept 2013 Tag der Schulverpflegung
Schulleitungen, Pädagogische Fach-
kräfte, Caterer, Lieferanten, regionale
Anbieter, Verwaltung, Schulträger
104
Nov 2013 Probeessen Gesamtschule Münster
Mitte mit dem Caterer Eltern, SchülerInnen, Lehrpersonal ca. 100
Jan 2014
Maßnahmen zur Akzeptanzförderung
der Schulverpflegung, Fürstin von
Gallitzin-Realschule
Schulleitung, Caterer, Verwaltung,
Trägerverein für die Ganztags-
betreuung
6
Feb 2014
SchülerInnen und Elternbefragung
zur Schulverpflegung, Fürstin von
Gallitzin-Realschule
Eltern und SchülerInnen 342
April 2014
SchülerInnen und Elternbefragung
zur Schulverpflegung, Waldschule
Kinderhaus
Eltern und SchülerInnen 226
Mai 2014
Aktionswoche Salatbüffet mit perso-
neller Unterstützung Waldschule
Kinderhaus
SchülerInnen und Lehrpersonal an der
Waldschule Kinderhaus ca. 25
Mai 2014 Ernährungsbildung in der Kita Kita-Leitungen und Stellvertretungen 30
Juni 2014
SchülerInnen-Befragung zur Schul-
ver-pflegung, Freiherr-vom-Stein-
Gymn.
SchülerInnen 423
Juni 2014 Qualitätszirkel Schulverpflegung,
Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
Verwaltung, Caterer, Küchenkraft,
Lehrpersonal, SchülervertreterInnen 8
Juni 2014
SchülerInnen- und Elternbefragung
zur Schulverpflegung, Schulzentrum
Roxel
Eltern und SchülerInnen 204
Aug 2014
Gesundes Fast Food in der Schulver-
pflegung inkl. SchülerInnen-
Befragung
SchülerInnen und Lehrpersonal am
Freiherr-von-Stein-Gymnasium 36
Okt 2014 Speiseplangestaltung mit Tiefkühl-
Mischkost
Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte, Küchenkräfte 28
10
Monat/
Jahr Veranstaltung / Maßnahme Zielgruppe Anzahl
Personen
Nov 2014
Hygieneworkshop „Hygiene in der
Schulverpflegung – Risikomanage-
ment bei nicht gegarten Lebensmit-
teln“
Schulträger, Schulleitungen, Pädago-
gische Fachkräfte, Caterer, Lieferan-
ten, Mensabeauftragte, Küchenkräfte
10
Nov 2014 Mittagessen in der Kita – Speisepla-
nung Kita-Leitungen und Stellvertretungen 25
Dez 2014 Probeessen Gesamtschule Münster
Mitte mit Caterer und Zulieferer Eltern, SchülerInnen, Lehrpersonal ca. 70
seit 2015 Newsletter Schulverpflegung
Schulleitungen, Pädagogische Fach-
kräfte, Mensabeauftragte, Küchenkräf-
te, Verwaltung
153
Feb 2015 Ernährungsbildung in der Kita –
Krümel und Klecksi Kita-Leitungen und Stellvertretungen 23
Juni /
Sept 2015
Kennzeichnung von Speiseplänen
(Zusatzstoffe und Allergene)
Hauswirtschaftskräfte, Pädagogische
Fachkräfte, Küchenkräfte 18
Nov 2015 Ernährungsbildung im OGS Pädagogische Fachkräfte 12
Nov 2015 Probeessen Gesamtschule Münster
Mitte mit Caterer und Zulieferer Eltern, SchülerInnen, Lehrpersonal ca. 50
Feb 2016 Ernährungsbildung im OGS Pädagogische Fachkräfte 7
Mai 2016 Computerunterstützte Speiseplange-
staltung
Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte, Küchenkräfte 7
Juni 2016 Infektionsschutz und Lebensmittel-
hygiene in der Großtagespflege
Großtagespflegekräfte der Stadt Müns-
ter 36
Juni 2016 Zukunft mitgestalten
Schulträger, Schulleitungen, Pädago-
gische Fachkräfte, Caterer, Lieferan-
ten, Mensabeauftragte, Küchenkräfte
57
Juni 2016 Infektionsschutz und Lebensmittel-
hygiene in der Großtagespflege
Großtagespflegekräfte der Stadt Müns-
ter 45
Juli 2016 Essen kleine Kinder anders – Spei-
seplanung
Kita-Leitungen, Träger, pädagogische
Fachkräfte 14
Sept 2016 Hygieneworkshop „Gute Hygienepra-
xis – Desserts und Rohkost“
Schulträger, Schulleitungen, Pädago-
gische Fachkräfte, Caterer, Lieferan-
ten, Mensabeauftragte, Küchenkräfte
Termin in
Planung
Sept 2016 Allergenmanagement in der Kitaver-
pflegung
Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte
Termin in
Planung
Sept 2016 Infektionsschutz und Lebensmittel-
hygiene in der Tagespflege Tagespflegekräfte der Stadt Münster
5 Termine
in Planung
Okt 2016 Speiseplanung in der Kita Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte
Termin in
Planung
Nov 2016 Ernährungsbildung in der Kita Pädagogische und hauswirtschaftliche
Fachkräfte
Termin in
Planung
Nov 2016 Vegetarisch Kochen Caterer und Dienstleister im Bereich
Schulverpflegung
Termin in
Planung
ab Ende
2016 Newsletter Kitaverpflegung Kita-Leitungen, Pädagogische Fach-
kräfte, Verwaltung
Termin in
Planung
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (2)
- Stühmerweg 8
- Kinderhaus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0676/2016
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 10.08.2016
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37