Beantwortung einer Anfrage der SPD-Fraktion betreffend "Wohnraumprognosen für Köln von Land NRW und Stadt Köln"
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss) 1441/2021 vom 22.04.2021
Stand: Am 29.04.2021 im Stadtentwicklungsausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
Die KI fasst die Dokumente zusammen. Das dauert bis zu drei Minuten.
Dokumente
-
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
PDF
Automatisch aus dem PDF ausgelesen, Lesefehler sind möglich.
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VI/15/153 153 Vorlagen-Nummer 22.04.2021 1441/2021 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Stadtentwicklungsausschuss 29.04.2021 Beantwortung einer Anfrage der SPD-Fraktion betreffend "Wohnraumprognosen für Köln von Land NRW und Stadt Köln" 0258/2021 SB Frenzel fragt nach, warum die Verwaltung die Prämisse eines angespannten Wohnungsmarktes für das „emperica-Gutachten“ gesetzt habe und nicht das Ziel eines nicht mehr angespannten Wohnungsmarktes, wie offenbar des „GEWOS-Gutachtens“. Zudem weist er auf die kürzlich veröffentlichte Studie des RWI hin, der zu entnehmen sei, dass es pro Jahr den Zuzug von 220.000 bis 300.000 ausländischen Fachkräften nach Deutschland brauche, um den demografischen Aderlass der Erwerbstätigen wettzumachen. Abhängig von der Zuwanderungszahl steige damit auch der Bedarf an neuen Wohnungen auf über 450.000 Wohnungen bun-desweit pro Jahr. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gebe dagegen bislang einen bundesweiten Bedarf von 230.000 Wohnungen an. Er fragt, wie der benötigte Zuzug von Fachkräften in der städtischen Prognose berücksichtigt werde. Antwort der Verwaltung: Eine angespannte Wohnungsmarktsituation wurde für die Bedarfsberechnung der empirica AG nicht als Prämisse gesetzt. Der angespannte Wohnungsmarkt in Köln entspricht dem empirisch beobacht- baren IST-Zustand. Im Gegensatz dazu beschreibt die Prämisse eines entspannten Wohnungsmark- tes die Realisierung eines normativ definierten Idealzustandes als Ziel einer Bedarfsfestellung. Unab- hängig von der methodischen Frage, ob eine normative Zielsetzung Bestandteil einer empirischen Bedarfsberechnung sein sollte, wird in einigen Bedarfsgutachten diese Prämisse konzeptionell ledig- lich über eine quantitative Angebotserhöhung modelliert, die über einen Nachholbedarf begründet wird. Diese Herleitungen sind häufig nicht überzeugend und entsprechen eher kontrafaktischen Set- zungen – wie in der Beantwortung ausführlich erläutert. Die Setzung der Prämisse eines entspannten Wohnungsmarktes ist aber auch inhaltlich kritisch zu hinterfragen, da sie die Wirkungszusammenhänge in Wohnungsmärkten extrem vereinfacht. Implizit unterstellt die Prämisse, dass eine Entspannung der Situation auf dem Wohnungsmarkt über eine reine Erhöhung des Angebots an Wohnraum zu erreichen sei, ohne beispielsweise Nachfrageseg- mente zu identifizieren und zu quantifizieren, die Möglichkeiten der Ausweitung der Bautätigkeit zu modellieren, oder zu berücksichtigen, dass die Anspannung des Wohnungsmarktes auch eine Kon- sequenz der ökonomischen Prosperität einer Stadt ist und eine Angebotserhöhung somit auch ten- denziell neue Nachfrage generiert. Vor diesem Hintergrund hat die Verwaltung bei der Vergabe des Auftrages entschieden, keine quali- tativen, normativen Zielsetzungen vorab festzulegen. Die Verwaltung folgt hier dem Grundsatz, dass je weniger (normative) Annahmen einer Prognose zu Grunde liegen, umso belastbarer die Ergebnis- se sind. So kann empirisch fundiert, lediglich unter der Annahmen gleichbleibender Bedingungen, ein minimaler Wohnraumbedarf geschätzt und darauf aufbauend eine politische Diskussion zur qualitati- 2 ven Steuerung der Wohnraumversorgung geführt werden. Der Fachkräftemangel wird in Bevölkerungsvorausberechnungen, die basal Wohnraumbedarfsbe- rechnungen zugrunde liegen, aus methodischen Gründen nicht berücksichtigt. Die Bevölkerungsvorausberechnung, so wie sie in der amtlichen Statistik modelliert wird, basiert auf der Kohorten-Komponenten-Methode und operiert mit der Gesamtbevölkerung, unterteilt nach Ge- burtsjahren und Geschlecht – den sogenannten Kohorten. Die Kohorten werden anhand von alters- und geschlechtsspezifischen Übergangswahrscheinlichkeiten beziehungsweise Häufigkeiten von Jahr zu Jahr fortgeschrieben. Unter den Komponenten der Fortschreibung werden die demographischen Einflussfaktoren wie Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen verstanden. Zur Entwicklung dieser Komponenten im Projektionszeitraum werden detaillierte, kohorten-spezifische Annahmen ge- troffen, welche die Entwicklung in der Vergangenheit berücksichtigen und zukünftige Perspektiven in Szenarien abbilden. Im Gegensatz dazu wird der Fachkräftemangel sehr einfach geschätzt – es existieren keine alters- und geschlechtsspezifischen Verteilungen der Fachkräfte. Maximal werden branchenspezifische Wer- te im Aggregat, im Idealfall regional berichtet. Diese rudimentären Informationen lassen sich nicht in das Kohorten-Komponenten Methode integrieren. Inhaltlich kommt hinzu, dass aus einem geschätz- ten Bedarf an Fachkräften nicht ohne weiteres die zukünftige Realisierung der Nachfrage abgeleitet werden kann. Gez. Greitemann
Beratungsverlauf
-
29.04.2021
TOP 1.8, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
Zur Rückmeldung speichern wir nur Ihre Antwort, die Seite und den Tag. Eine IP-Adresse speichern wir dazu nicht, und wir setzen kein Cookie. Mehr zum Datenschutz