2036/2021
Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus dem JHA vom 27.04.2021 zu TOP 8.5.8, Vorlage 1342/2021 - Auswirkungen der Corona-Pandemie auf LSTBQI-Jugendliche
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15.06.21_JHA_Anlage der Benantwortung der Anfrage zur Situation von Kindern in der Pandemie-Krise
40193 Zeichen
512 – K. Wasser
1
Ausführliche Stellungnahme der Jugendverwaltung zur Situation der Kinder
und Jugendlichen innerhalb der Corona-Pandemie
Inhalt:
1. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Studienergebnisse
2. Empfehlungen für Maßnahmen aus den Studienergebnissen
3. Praxisberichte zur Kinder- und Jugendarbeit während der Pandemie
2.1. Jugendarbeit / Streetwork (512/2)
2.2. Jugendberufshilfe (512/4)
2.3. Jugendpflege (512/5)
2.4. Bezirksjugendämter / Allgemeiner Sozialer Dienst (515)
2.5. Schulsozialarbeit (404/6)
1. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf Kinder und
Jugendliche –Studienergebnisse
Von der Pandemie sind alle Familien betroffen, für ca. 20 – 25% der Kinder und Jugendlichen
ergeben sich dauerhafte Benachteiligungen und erhebliche gesellschaftliche Folgeprobleme.
Während Familien also ihren Alltag räumlich viel enger beieinander verbringen mussten, waren
zugleich -vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Angst um die eigene Gesundheit und die der
Familie- mehr Aufgaben zu bewältigen (Cohen 2020). Dies stellte sämtliche Familienmitglieder vor
neue Herausforderungen. Soziale Ungleichheiten und Risiken für Kinder werden durch die Krise
weiter verschärft. Kinder und Jugendliche sind von der COVID-19-Pandemie und den behördlichen
Eindämmungsmaßnahmen besonders betroffen. Bei Kindern und Jugendlichen traten neben
erheblichen Lernrückständen häufig Symptome von Angst und Depression sowie eine geminderte
Lebensqualität auf. Die Schließungen der Betreuungs- und Bildungseinrichtungen und der damit
einhergehende Verlust der gewohnten Tagesstruktur, Kontaktabbrüche und dem eigenständigen
Lernen zu Hause stellten erhebliche Herausforderungen für betroffene Kinder und deren Familien
dar. Die Zunahme von Mediennutzung seitens der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ab
Grundschulalter wurde von allen wissenschaftlichen Studien festgestellt, ebenso wie das
Stresserleben und damit einhergehende Veränderungen des Alkoholkonsumverhaltens.
Laut der COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf
wird festgestellt, dass ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie fast jedes dritte Kind unter
psychischen Auffälligkeiten leidet. Sieben von zehn Kindern geben eine geminderte Lebens-
qualität an. Während der Krise stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18
Prozent vor Corona auf 31 Prozent. Häufige Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen sind
Hyperaktivität, emotionale Probleme und Verhaltensprobleme. Ebenfalls traten vermehrt
psychosomatische Beschwerden auf. Vor allem Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungs-
abschluss beziehungsweise einen Migrationshintergrund haben, erlebten die Corona bedingten
Veränderungen als äußerst schwierig. Auch das Gesundheitsverhalten leidet mit dem
andauernden Lockdown immer stärker: Zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie und doppelt
so viele wie bei der ersten Befragung machen überhaupt keinen Sport mehr. Besonders betroffen
sind von all diesen Entwicklungen Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen
oder mit Migrationshintergrund. Obwohl die aktuelle Studienlage zeigt, dass viele Familien die
Zeit während der Eindämmungsmaßnahmen überwiegend gut meisterten, führt räumliche Enge
und fehlende Ausweichmöglichkeiten während der Eindämmungsmaßnahmen zu erhöhtem
familiärem Stress, gehäufter familiärer Aggression und zu häuslicher Gewalt. Da Freizeit- und
Bildungseinrichtungen während der Pandemie weitestgehend geschlossen sind, bleiben die
gesundheitlichen Auffälligkeiten weitestgehend unentdeckt. Daher sollte bei möglichen
zukünftigen Pandemien oder weiteren Wellen der COVID-19-Pandemie die Bedürfnisse von
Heranwachsenden und deren Familien stärker berücksichtigt werden. Im Fokus sollten hier
besonders Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien und Familien mit
Migrationshintergrund stehen.
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Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben den Alltag vieler Familien in
erheblichem Umfang verändert. Wie es Eltern und ihren Kindern damit geht, wie ihr aktuelles
Wohlbefinden ist, was ihren Alltag kennzeichnet, wie die Passung zu den Regelungen der
Kitabetreuung, Schulöffnung und auch der Arbeitgeber*innen ist – dies waren die Kernfragen der
Onlinebefragung „KiCo“, welche im Zeitraum vom 24.04.2020 bis 03.05.2020 durchgeführt
wurde. Mehr als 25.000 Eltern haben an der Befragung teilgenommen. Laut der Studie fühlen
Familien sich von der Politik alleingelassen und mit ihren Belangen nicht ernst genommen. Sie
leiden unter großen Belastungen und wünschen sich eine stabile und verlässliche Infrastruktur
zurück. Viele Mütter beschreiben ihre Situation als Bündel von Erschöpfung, Schuldgefühlen und
Existenzängsten. Bei einem direkten Vergleich zwischen Kita und Schule zeigt sich zudem, dass
die Zufriedenheit mit der Betreuungssituation bei Kitakindern niedriger ist als bei Schulkindern.
Laut der 2. Auflage der JuCo-Studie des Forschungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie
in der Corona-Zeit“ der Universität Hildesheim und Frankfurt (JuCo 2) sind die persönlichen
Zukunftsängste der jungen Generation sind im Laufe des Jahres 2020 gestiegen. Besonders
betroffen sind auch hier Jugendliche, die von Haus aus wenige Ressourcen mitbringen, sowie
junge Menschen, die am Übergang Schule/Beruf stehen. Die Studie beschreibt ein starkes
Bedürfnis sehr vieler junger Menschen, ihre individuelle Perspektiven und Sorgen mitteilen zu
wollen. Sie sich in ihren jugendlichen Interessen missachtet und auf eine Rolle – vor allem die
der/des Lernenden – reduziert. Jugendarbeit zeichnet sich dadurch aus, soziale Kompetenzen zu
fördern und zugleich junge Menschen darin zu bestärken, gesellschaftliche Verantwortung zu
übernehmen und sich in unterschiedlichen Bereichen zu engagieren. Gerade hier stecken auch
weiterhin und während der Pandemie, die viele Unsicherheiten mit sich bringt, das Potential,
junge Menschen zu unterstützen, Beteiligungsstrukturen zu etablieren und Belastungen
aufzufangen. Bewegungsangebote sind weggebrochen, nur wenige nehmen digital teil, das
Leben pausiert und dies hat Auswirkungen auf das psychosoziale Wohlbefinden. Dass viele
junge Menschen sich seit der Corona Pandemie zunehmend psychisch belastet fühlen, zeigten
bereits andere Studien.30 Die Ergebnisse der JuCo-Studie schließen sich hier an (vgl. Abbildung
8). Insgesamt fühlen sich 64,1 Prozent der Befragten 15bis 30-Jährigen teilweise bis deutlich
psychisch belastet. 60,7 Prozent stimmen zum Teil bis voll zu, sich einsam zu fühlen, und für
68,7 Prozent sind Zukunftsängste ein Thema, welches sie belastet.
Die Analysen der amtlichen Statistik werden über den Survey des DJI „Aufwachsen in
Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A) mittels detaillierte Einblicke in die Lebensbedingungen
und die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen ergänzt.
Eine eigene Studie des DJI zur Situation der Kinder im Frühjahr 2020 bestätigt die Zunahme
von emotionalen Probleme wie Niedergeschlagenheit, Ängste und Sorgen sowie mit
Hyperaktivität haben mehr Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien zu kämpfen (44
Prozent vs. 18 Prozent // 39 vs. 18 Prozent) – und zwar umso mehr, je angespannter die Eltern
ihre wirtschaftliche Situation empfinden. Auch wenn viele Kinder die mehr in den Familien
verbrachte Zeit positiv empfinden, so sind sie gleichermaßen verstärkt mit Ängsten konfrontiert,
besonders in den Familien mit chaotischer Tagesordnung und konflikthaltigem Thema, was bei
jeder 22% der teilnehmenden Familien der Fall war. Bei 37,4 % der Teilnehmer der DJI-Studie
hat sich der Alkoholkonsum erhöht, insbesondere bei denen mit niedriger Schulbildung und
weniger stabilen Tagesstruktur. Der festgestellte erhöhte Alkoholkonsum führt zu Veränderungen
in der neuroendokrinen Stressantwort mit Dysregulation der Cortisol Ausschüttung und Defiziten
in der Emotionsregulation. Neurobiologische Veränderungen im Rahmen eines chronisch
erhöhten Alkoholkonsums vermitteln in Kombination mit sozialem Stress und Ängsten die
Zunahme von Aggressionen. Infolge des Lockdowns könnte sich gerade in der Gruppe der
Studienteilnehmer mit einem niedrigen sozioökonomischen Status nicht nur die potenzielle
Gefahr für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit erhöhen, sondern auch eine damit
einhergehende Gefahr für das enge persönliche Umfeld der Konsumenten. Hilfsangebote
ausbauen,
Die Studie des DJI und eine Studie des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund weisen
zwar darauf hin, dass die Zahl der in Jugendämtern bearbeiteten Kinderschutzfälle in dieser
Phase nicht gestiegen ist. Dennoch gibt es Hinweise auf Unsicherheiten bei den Fachkräften
und letztlich auf unerkannte Gewalt (Mairhofer u.a. 2020, Mühlmann/Pothmann 2020).
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Laut Anja Stahl, Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) NRW sind
besonders Kinder von Alleinerziehenden vom Lockdown betroffen. Fast jede 5. Familie in
Deutschland ist mittlerweile eine Einelternfamilie. In diesen Familien brachen teilweise durch die
fehlende Kinderbetreuung ganze Systeme zusammen und Die Erwerbstätigkeit parallel zur
Vollzeit-Betreuung der eigenen Kinder war nicht zu leisten. Neben finanziellen Einbußen war der
Grad der Erschöpfung und Überlastung hier besonders groß, was zu Steigerung des
Konfliktpotentials und die die Verschlechterung der psychosoziale Situation der Kinder führt.
Laut der bundesweiten Corona-KiTa-Studie zur Untersuchung der Rolle der
Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung von SARSCoV-2 über das DJI und das Robert Koch-
Institut (RKI) lässt sich ableiten, dass die Übertragbarkeit des Virus über Kinder niedriger ist. (So
waren an den 108 Corona-Ausbrüchen zwischen Februar und Oktober 2020 in den bundesweit
57.600 Kitas zu etwa zwei Dritteln erkrankte Erwachsene und nur zu ungefähr einem Drittel
Kinder im Alter von unter sechs Jahren beteiligt).
Dr. Michael Hipp (Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Dozent der
Fachhochhochschule Münster und der Hochschule Bremen und Mitbegründer des Förderkreises
KIPKEL e.V. Prävention für Kinder psychisch kranker Eltern im Kreis Mettmann) kritisiert den
Wegfall sozialer Unterstützungsangebote (z.B.), die bei den Familien neben der zusätzlich
erschwerten Nähe-Distanz-Regulierung massiv das Stressniveau erhöht und damit neben
diffusen Bedrohungsgefühlen und/oder Misstrauen einem die Gefahr gewalttätiger Übergriffe
und schwerer Traumatisierung birgt. Dies fördert bei wegfallenden Hilfsangeboten zudem die
vermehrte Konsumierung von Suchtmitteln und/oder Medienkonsum als Überlebensstrategie.
Die Ergebnisse der Umfrage der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Paracelsus
Medizinischen Privatuniversität Nürnberg + Klinik für Abhängiges Verhalten und
Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim deuten darauf hin,
dass die Befürchtung hinsichtlich des Risikos einer Alkoholkonsumsteigerung in der
Allgemeinbevölkerung, wie sie von der WHO und in einem Kommentar in der Zeitschrift Lancet
Public Health geäußert worden ist, zumindest für Deutschland nicht unbegründet ist
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. Hamm, 25.05.2020 stellt fest, dass durch den
Lockdown bedingte Rückgänge bei Entzugsbehandlungen Abhängigkeitserkrankter in
psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern sowie das Fehlen von Beratungs- und Reha-
Angeboten und damit den Zusammenbruch von notwendigen Behandlungsabfolgen massive
Auswirkungen auf die neuralgische Schnittstellenarbeit und die gesamte Suchthilfe habe,
während durch die Pandemie gleichzeitig die Suchterkrankungen steigen. Die DHS hat während
der Corona-Krise auf die Systemrelevanz der Suchthilfe und Sucht Selbsthilfe hingewiesen. Die
Versorgung von Menschen mit dieser bio-psycho-sozialen Erkrankung kann genauso wenig
ausgesetzt werden, wie die Behandlung anderer somatischer und psychischer, chronischer und
lebensbedrohlicher Krankheiten.
Die Jugendämter sehen -laut einer Online-Befragung für das aktuelle „Jugendhilfe-
b@rometer“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI), an der zwei Drittel aller Jugendämter
teilgenommen haben- durch die Corona-Pandemie über alle Lebensbereiche hinweg deutlich
negative Veränderungen im Leben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen –
allerdings in unterschiedlicher Intensität. Vor allem in den Bereichen schulische Teilhabe,
Übergänge in Ausbildung, Kontakt zu Gleichaltrigen, Freizeitverhalten und Engagement in
Vereinen und ehrenamtliche Aktivitäten sehen über 80% der Befragten eine Verschlechterung
bis eine starke Verschlechterung ihrer Lebenssituation. Insgesamt geben die Jugendämter an,
dass alle Gruppen junger Menschen und Familien von den Auswirkungen der Pandemie
betroffen sind. Besonders stark seien Kinder zwischen 3 bis unter 6 Jahren und Kinder zwischen
6 bis unter 14 Jahren betroffen, aber auch Alleinerziehende und psychisch erkrankte Elternteile
sowie Familien in prekären Lebenslagen. Die geringste Veränderung sehen die Befragten
hingegen bei bildungsnahen Familien. Adressat*innen-Gruppen, die in Folge der Pandemie
zusätzlich oder verstärkt in das Blickfeld der Jugendämter rücken, sind: junge Menschen mit
psychischen Problemen und Suchterkrankungen sowie Familien mit geringen sozialen und
materiellen Ressourcen. Hierbei handelt es sich insgesamt um ca. 3 4 Millionen Kinder und
Jugendliche, die in diese Kategorien hineinfallen. Nach Einschätzung von 80-90% der befragten
Jugendämter hat sich die Erreichbarkeit von Jugendlichen zwischen 14 bis unter 18 Jahren, von
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Familien in prekären Lebenslagen und von psychisch erkrankten Eltern verschlechtert. Wenn
junge Menschen aufgrund fehlender sozialer Orte und Kontakte nicht mehr erreicht werden
können, dann gelingt auch der Einstieg in Förderprogramme und (präventive) Hilfsangebote
schlechter oder verspätet.
Vor allem mit Blick auf die beiden Abschlussjahrgänge 2020/2021 drohen etwa 100.000 junge
Menschen ohne Schulabschluss den Anschluss an eine weitergehende Qualifizierung zu
verpassen. Vermutlich wird die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss deutlich
darüber liegen. Die biografischen und gesellschaftlichen Folgen sind langfristig erheblich.
Kommunikation mit Rat-und Hilfesuchenden aufgrund der Kontaktbeschränkungen erschwert.
Ein Drittel der Jugendämter musste in seinen allgemeinen Sozialen Diensten (ASD) sogar auf
direkten, persönlichen Kontakt zu seinen Adressaten verzichten. Dies hat die Unsicherheit dieser
Ämter über die tatsächliche Lage in den Familien deutlich verstärkt: Hier fanden es fast doppelt
so viele Jugendämter problematisch, Hilfebedarf festzustellen oder den Kinderschutz
aufrechtzuerhalten, als in jenen Jugendämtern, die weiterhin direkten, persönlichen Kontakt
anbieten konnten.
In einer Positionierung des Deutschen Städtetages 27. April 2021 zur Situation der Kinder
und Jugendlichen während der Corona-Pandemie wird auf den aktuell kontinuierlichen Anstieg
des Bedarfs an Beratung und Intervention und der Zunahme von hilfesuchenden jungen
Menschen hingewiesen. Der Städtetag fasst zusammen, dass die Studien bereits jetzt auf eine
massive Auswirkung des langen Ausnahmezustands durch den Wegfall von schulischen und
außerschulischen Bildungsangeboten auf die körperliche und seelische Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen hinweisen.
2. Empfehlungen / Maßnahmen aus den Studienergebnissen
Vorhaltung einer Infrastruktur gem. des Aufgabenbereiches der §§ 11 bis 14 SGB VIII im
Rahmen der kommunalen Pflichtaufgabe
Ausbau, bzw. Wiederaufnahme präventiver Angebote
Bedürfnisse von Heranwachsenden und deren Familien bei möglichen zukünftigen Pandemien
oder weiteren Wellen der COVID-19-Pandemie stärker berücksichtigen
Fokus auf Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, mit Bildungsbenachteiligung
aus bildungsfernen Familien und Familien mit Migrationshintergrund
Stärkung der Jugendsozialarbeit in der Übergangsgestaltung von der Schule in den Beruf, eine
Ausbildungsgarantie für Jugendliche, Unterstützung von Betrieben
Ausbau materieller und personeller Ressourcen für Angebote der Kinder- und Jugendarbeit
Aufbau demokratiefördernder Ansätze, von Beteiligungsstrukturen für junge Menschen, von
Zugängen zu politischen Prozessen
Finanzierung von Nachhilfeangeboten
Unterstützung von Vereinen, Engagement-Projekten, Selbstorganisationen von jungen
Menschen
„finanziertes“ freiwilliges „soziales Jahr“ für alle jungen Menschen
Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie für die Kinderund Jugendhilfe
POST-Corona-Kinder-und Jugendhilfe-Corona-Gesamtstrategie
Unterstützung von Familien bei der Schaffung einer Tagestruktur unter Wahrnehmung der
familiären Bedürfnisse zur Eskalationsprophylaxe durch Hilfen zur Erziehung
Integration der Lebenswelten der Kinder in Konzepten und Kooperation
kinder- und altersgerechte Aufklärung – Beherrschbarkeit der Gefahr vermitteln, Orientierung
geben, damit sie nicht den Mut verlieren und in Depression abrutschen
Ausbau niederschwelliger und therapeutischer Hilfen für Kinder
Dr. Michael Hipp fordert die Stärkung der Schnittstellenarbeit Gesundheitswesen und Sozialwesen,
Jugendamt, den Schutz der Kinder, durch die Stabilisierung des äußeren Rahmens und rät zu
Geduld und Akzeptanz seitens professioneller Hilfeanbieter. Laut DJI, Städtetag und Jugendämtern
benötigen Fachkräfte angemessene Ressourcen für entsprechende Beziehungsarbeit, Stellen-
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schlüssel und Fortbildung, Haltung gegenseitiger Wertschätzung und Selbstfürsorge, stabile
Position um Eltern gutes Hilfeangebot zwischen Hilfe und Kontrolle machen zu können. Die DHS
fordert zur Umsetzung durch Träger und Einrichtungen die Klarstellung der Systemrelevanz von
Leistungen der Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe auf den zuständigen Landesund kommunalen
Ebenen, wo diese Einstufung bislang noch nicht erfolgte.
3. Praxisberichte zur Kinder- und Jugendarbeit während der Pandemie
2.6. 512/2 – Jugendarbeit - Streetwork
Streetwork Köln ist ein niedrigschwelliges Angebot, welches sich an Jugendliche und junge
Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren richtet. Die Besonderheit von Streetwork liegt darin, dass
Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen sich direkt in den Lebensraum der Klienten begeben
(Lebensweltorientierung) und dort im öffentlichen Raum Kontakt aufnehmen und bei Bedarf
passende Verbindungen herstellen. Weiterführend arbeitet Streetwork Köln im Einzelkontakt
vertrauensvoll mit den jungen Menschen zusammen und schaut individuell welche Möglichkeiten für
den Jeweiligen in Frage kommen. Streetwork Köln gliedert sich in bezirkliche Teams bestehend aus
2-4 Streetworker*innen im paritätischen Geschlechter-Verhältnis (Frau/Mann).
Seit Beginn der Pandemie wird ein deutlicher Rückgang von Jugendlichen im öffentlichen Raum
beobachtet. Viele halten sich Zuhause auf und widmen sich der virtuellen Welt sowohl dem Gaming
als auch Sozialen Medien wie Instagram u.Ä. Diese Jugendlichen sind besonders schwer zu
kontaktieren, manche haben digitale Angebote der verschiedenen Akteure aus der Jugendhilfe
angenommen, jedoch bleibt eine unbestimmte Personengruppe unerreicht.
Jungen Erwachsene und Jugendliche die im öffentlichen Raum anzutreffen sind, berichten vermehrt
von angespannten Stimmungen Zuhause, bis hin zu häuslicher Gewalt. Dies treibt sie raus aus
ihren Wohnungen. Draußen gibt es kaum Orte an denen sie sich aufhalten können, zumal es für
junge Menschen aktuell eine große Herausforderung darstellt, ein Treffen unter Freunden auf eine
Haushaltsanzahl zu begrenzen. Dies führt zu sozialer Ausgrenzung. Zudem gibt es in der
Öffentlichkeit wenige Plätze an denen sie sich aufhalten können.
Beschwerden über Jugendliche und junge Erwachsene von Bürgern haben zugenommen. Häufig
erlebtes Szenario von Streetwork sind Anwohner eines Spielplatzes/Park/grün Anlage, welche in
ihrem Home Office junge Menschen beobachten wie sie sich treffen und vermeintlich „lärmen“.
Solche Situation führen zu Streitigkeiten und die jungen Menschen fühlen sich vertrieben.
Ein einhelliger Tenor aus allen Bezirken ist die Aussage von Jugendlichen, dass sie sich
ausgegrenzt und ständig vertrieben fühlen, da sie keine alternativen Orte haben an denen sie sich
aufhalten dürfen. Die Ausgangssperre hat diese Situation enorm verschlimmert, weil nun waren
junge Menschen gezwungen in die Örtlichkeiten zu kehren, in denen ihnen durch
drückende/bedrohliche Stimmung oder Gewalt zugesetzt wird. Die häusliche Atmosphäre wird
wiederum vielerorts durch verschiedene Faktoren zunehmend belastet, welche ebenfalls durch die
Pandemie verursacht wurden.
Durch die Schwierigkeiten sich an die Zusammenkunft von Haushalten auf eine gewisse Anzahl
zu begrenzen, kam es zu diversen Verstößen gegen die bestehenden Regelungen, dies wird mit
250€ geahndet. Dieser Betrag kann von den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen
nicht beglichen werden, also geht dies zulasten der internen Familienkasse. Parallel dazu wird
viel von Arbeitslosigkeiten berichtet von Klient*innen, sowohl selbst betroffen als auch von
Familienmitgliedern. Entsprechend bedrohlich sind solche Zahlungen. Positiv zu erwähnen ist,
dass ein Großteil sich trotz Corona-Müdigkeit an die bestehenden Regeln hält.
Des Weiteren sind Ämter jeglicher Art schwer zu erreichen und haben verschiedene Barrieren
die es zu überwinden gilt. Besonders Angelegenheiten die das Ausländeramt betreffen werden
von Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders beklagt, da dies meist auch mit einer
existenziellen Angst zusammenhängt.
Die Schulsituation führt zum Teil zur Resignation. Schüler die schon vor Pandemiebeginn
Schwierigkeiten hatten berichten nun dass sie aufgegeben haben. Manche werden delinquent
und sehen darin eine finanzielle Perspektive. Schulisch und beruflich fehlt es an Unterstützung
und zum Teil auch an entsprechender Hardware. Auch die fehlenden Rhythmen und Strukturen
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durch Schulpräsenz führen zu Rückzug und Unzufriedenheit sowie fehlendem Antrieb. Wer nicht
mehr mitkommt erzählt von Überlastung und Sorge.
Ähnlich frustrierend verhält es sich auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Die Angebote sind
vermindert, entweder durch betriebliche finanzielle Schwierigkeiten wegen fehlender Einnahmen,
Schließungen oder aber durch erschwerte Bedingungen bezüglich der Einhaltung von Hygiene-
Maßnahmen. So kam es vielerorts zu Praktikumsabsagen, auch der Schulpraktika, welche im
Frühjahr anstanden. Wieder eine vermeintliche Ablehnung.
Die Ausgrenzung die Jugendliche und junge Erwachsene aktuell erleben ist Bestandteil der meisten
Rückmeldungen zur Situation. Außerdem noch die fehlenden Optionen von Sport und
Freizeitangeboten, welche einen Ausgleich bieten würden. Viele unserer Klient*innen berichten von
unaufhaltbarer Langeweile und fehlender Perspektive. Die fehlenden Perspektiven legen sich auf
jeden Themenbereich nieder – Schule, Beruf, Freunde, Familie, Freizeit, Sport, …
Insgesamt wünschen sich die Kölner Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche Streetwork
antrifft, dass sie nicht ausgegrenzt werden oder Opfer des Unmuts der „Erwachsenen“ werden.
Außerdem wollen sie wahrgenommen und ernst genommen werden in ihren Sorgen und
Bedürfnissen.
Zu diesen Äußerungen gehört der deutliche Wunsch nach Zugang zum jeweiligen Jugendzentrum
sowie zum jeweiligen Sport. Die jungen Menschen von Köln wollen und brauchen Orte an denen sie
sein dürfen und das geschützt und berechtigt. Des Weiteren müssen Perspektiven geschaffen
werden, damit sich die Resignation die bei vielen einkehrt nicht verfestigt und auflösen kann. Auch
die Berichte über psychische Belastungssymptome bis hin zu Diagnosen häufen sich stetig. Doch
geholfen werden kann nur wenigen, da auch hier die geringen Kapazitäten zu Ablehnungen führen.
2.7. Jugendberufshilfe (512/4)
Während der gesamten Zeit der Pandemie bestanden und bestehet regelmäßiger Austausch,
sowohl mit Jugendlichen direkt (über die Beratungsstelle und die Jugendberufsagentur) als auch mit
Trägern der Jugendberufshilfe, über regelmäßige digitale Austauschtreffen und Arbeitskreisen. Die
folgenden Beobachtungen wurden gemacht und können als praktischer Beleg für die Ergebnisse
der angefügten Studien dienen:
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Lernrückstände, mangelnde berufliche Orientierung, Verlust von
Tagesstruktur, Antriebslosigkeit, allgemeine Orientierungslosigkeit und Perspektivlosigkeit die
aktuelle Situation der Zielgruppe der Jugendberufshilfe kennzeichnen. Hinzukommend wurde bei
Jugendlichen mit Migrationsgeschichte festgestellt, dass durch die anhaltende Homeschooling-Zeit
der praktische Sprachgebrauch gelitten hat - eigentlich schon überwundene Sprach- und
Verständnisprobleme manifestierten sich erneut. Insgesamt wird beobachtet, dass bestimmte
Jugendliche (z. B. solche mit psychischen Vorbelastungen) vom Radar verschwinden und völlig
abtauchen, da die Erreichbarkeit über bestehende Kanäle nicht mehr gegeben ist.
Fehlender Ausstattung mit digitalen Endgeräten und fehlende digitale Kenntnisse der
Teilnehmenden; haben erschwerte Zugangsmöglichkeiten zur Folge, da digitale Formate – egal ob
im Bereich Homeschooling, zur Kontakthaltung oder zwecks Anmeldung für Schulplätze o.ä. –
oftmals große Hürden darstellen. Im Detail wurden folgende Beobachtungen gemacht:
Direkte Beratungsanfragen sind zu Beginn des Jahres eher rückläufig. Aktuell viele Ratsuchende
mit breitgefächerten Problemlagen.
Anfragen von Trägervertreter*innen / Betreuer*innen aus Jugendwohnheim o.ä. häufen sich.
Zunahme von telefonischen Kontakten besorgter Eltern: Schwerpunkthemen: ausufernde
Mediennutzung, multiple Problemlagen bei der Umsetzung des Homeschooling.
Zunahme von Beratungsanfragen von Ratsuchenden mit psychischen
Erkrankungen/Auffälligkeiten.
Anstieg psychischer Belastung auf Grund von Zukunftsängsten und Perspektivlosigkeit sowie
fehlendem Kontakt zu Gleichaltrigen
Erschwerte Vermittlungen in Ausbildungsbetriebe. Teilweise Vermittlung nicht möglich, da in
vielen eher niedrigschwellige Ausbildungsbereiche aktuell kaum Auszubildende eingestellt
werden.
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Medienkompetenzen der Teilnehmenden nur unzureichend vorhanden (E-Mail öffnen, Dateien
versenden, etc.)
Anmeldungen über Schüler-Online zu Bildungsgängen der Berufskollegs schwierig, da viele
geeignete Bildungsgänge schon voll besetzt sind.
Bildungsrückstände durch mangelnde digitale Ausstattung und fehlende Tagesstruktur zur
Umsetzung von Homeschooling.
Zu Jahresbeginn steigende Anfragen zur Aufnahme in die „Projekte zur Verhinderung
schulischen Scheiterns“ (Schulmüden-Einrichtungen); derzeit stagnierende Anfragen,
Unsichtbarkeit schulmüder Schüler*innen im System Schule durch Schulschließungen.
Aufrechterhaltung des regulären Werkbetriebes in den Jugendwerkeinrichtungen schwierig, z. T.
unmöglich.
Digitale Umsetzung des Werkbetriebes trotz kreativer Lösungsversuche nur sehr eingeschränkt
möglich.
Stark erschwerte Praktikumsplatzsuche, z. T. waren Durchführungen gar nicht möglich.
Beantragung von digitalen Endgeräten beim Jobcenter durch Träger anhaltend schwierig.
selbst bei Bereithaltung von Endgeräten scheitert eine adäquate Nutzung häufig an nicht
vorhandenem WLAN/Internetzugang zu Hause.
Diese Beobachtungen wurden in den bestehende Strukturen/Maßnahmen der
Jugendberufshilfe/Jugendsozialarbeit wie folgt berücksichtigt:
Alle Träger entwickelten und entwickeln fortlaufend Notfallpläne, unter ständige
Berücksichtigung der jeweils aktuellen Corona-Schutz-Verordnungen. Dabei werden die
Grenzen der Möglichkeiten stets im Blick gehalten und genutzt.
Der Focus der Jugendwerkeinrichtungen lag und liegt im Bereich der Unterstützung zur
Umsetzung von Homeschooling und im Bereich Beziehungsarbeit/Teilnehmerbindung.
Die Einrichtungen versuchen die Beziehung zu Jugendlichen über praktizierbare Kanäle zu
halten (viel 1:1-Betreuung/Beratung, telefonischer Austausch und Hausbesuche, Ausbau der
Geh-Strukturen).
Vermehrter Elternkontakt durch den Ausbau von telefonischem Austausch – hier gab es viele
positive Rückmeldungen.
Umgestaltung werkpädagogischer Format hinzu Online-Einheiten (z.B. Herstellung
Garderobenhaken).
Die Beratungsangebote erfuhren eine Umstellung auf digitale (Mail) und telefonische Formate.
Wobei festzuhalten ist, dass die ebenfalls angebotene Notfallberatung in Präsenz, als
nachhaltigstes Mittel für erfolgreiche Beratung erlebt wurde.
Auf der Ebene der Koordination wurde das Beratungsformates „Beratung für unversorgte
Abgangsschüler*innen“ in 2020 und in 2021 auf Kölner Realschulen (zuvor nur Hauptschulen)
ausgeweitet.
Die Koordination der Jugendberufshilfe beteiligt sich an der AG „Abgangsschüler*innen“ von
KAoA – bestehend aus Vertreter*innen von HWK, IHK, Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter
sowie Schule - zur Entwicklung von Formaten zur Sicherstellung gelingender
Übergangsgestaltung.
Das Sachgebiet Jugendberufshilfe befindet sich überdies und pandemieunabhängig im Ausbau
rechtskreisübergreifender Zusammenarbeit, durch die Einrichtung der Jugendberufsagentur, die
Ausweitung Unversorgten-Beratung und Beteiligung an der Planung von Angeboten nach §16h
SGB II. Dieser Ausbau entspricht dem grundsätzlichen Arbeitsverständnis und kann im Blick auf
Corona-Folgen als hilfreicher Baustein zur Abmilderung von Langzeitfolgen für den
Übergangsbereich angesehen werden.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die bestehenden Strukturen der
Jugendberufshilfe/Jugendsozialarbeit, mit ihren partizipativ ausgerichteten Angeboten, wie etwa
Jugendwerkeinrichtungen, Schulmüden-Einrichtungen, Beratungsangebote und Angebote zur
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Lernförderung, von ihrer Konzeption und Zielsetzung1 her geeignet sind, negativen Langzeitfolgen,
in Bezug auf den Übergang in Ausbildung/Schule/Beruf für die Zielgruppe2, entgegen zu wirken.
Es ist bisher gelungen den Satus Quo zu halten. Im Folgenden werden theoretische Überlegungen
und Planungen zur Verringerung von Langzeitfolgen für die Zielgruppe in Bezug auf bestehende
Strukturen gelistet. Sie können dazu beitragen die bestehende Struktur bedarfsgerecht auszubauen.
Für diese gelisteten Überlegungen/Planungen gibt es derzeit keinen finanziellen Unterbau:
Wieder- Einsatz von sogenannten „Stützlehrer*innen“ in den JWE`s um die Lern- und
Sprachrückstände der Zielgruppen adäquat auszugleichen, da eine reguläre Beschulung an den
Arbeitsvorbereitungsklassen der Berufskollegs hier auf Grund der massiven Rückstände keine
ausreichende Unterstützung bieten kann.
Fortbildung / Mitarbeiterschulung zu Digitalisierung und Medienkompetenz, um diese fachlich in
die Lage zu versetzten, die Jugendlichen entsprechend zu coachen und zur Selbsthilfe
befähigen zu können.
Einrichtung niedrigschwelliger digitaler Formate / social media Kanäle, um Erstkontakt für schwer
erreichbare Jugendliche über zielgruppenrelevante Kanäle zu ermöglichen (vgl. Jugendamt
Mülheim an d. Ruhr).
Ausstattung der Mitarbeiter*innen der städt. Beratungsstelle mit Mobiltelefonen, damit diese die
Formate auch praktisch nutzen können.
Entwicklung von neuen, an die Lebenswelt der Jugendlichen angepassten, Jugendwerkstatt-
Formaten, wie etwa JWE + Wohnen, JWE für Förderschüler*innen, JWE mit angepassten
Werkbereichen (z.B. IT-Werkstatt)
Ausweitung der Unversorgten-Beratung auf Kölner Förderschulen mit den Schwerpunkt soziale
& emotionale Entwicklung.
Ausweitung unabhängiger Sozialberatung oder erhöhte Personalressource, um dem
umfangreichen Beratungsbedarf vieler Ratsuchender gerecht werden zu können.
2.8. Jugendpflege (512/5)
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie, der ersten Coronaschutzverordnung sowie erstmaligen
Schließung der Einrichtungen der Offenen Kinder und Jugendarbeit (OKJA) im März 2020 gab und
gibt es einen sehr engen Austausch zwischen den Trägern bzw. Einrichtungen und Akteuren der
OKJA und den Bezirksjugendpflegen. In bezirklichen Arbeitskreisen und Gremien-in persönlichen
Gesprächen und auch in digitalen Formaten- wurden und werden regelmäßig mit den jeweiligen
Trägern, Einrichtungen und weiteren Akteuren im Sozialraum, die aktuell gültigen Einschränkungen
und Möglichkeiten der Arbeit mit den jungen Menschen laut aktuell gültiger
Coronaschutzverordnung besprochen und diskutiert. Im Vordergrund standen stets die Bedürfnisse
und Belange der Kinder und Jugendlichen. U.A. wurde über den partizipativen Ansatz der
Befragung (per Brief, über WhatsApp-Gruppen, Facebook, Instagram, usw.) die Zielgruppen
aufgefordert ihre Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen und dementsprechend die analoge und
digitale Angebotsstruktur der Jugendzentren anzupassen. Hierauf aufbauend wurden die analog
und digital möglichen Angebote generiert und fortlaufend modifiziert.
Das dynamische Pandemiegeschehen machte mit den immer wieder veränderten
Rahmenbedingungen gem. Coronaschutzverordnung die fachliche Arbeit mit den jungen Menschen
umso herausfordernder. Die vormals verlässlichen Strukturen in Familie, Schule Sportvereinen und
den Jugendzentren brachen zeitgleich weg. Die somit zunehmende Unsicherheit, Zukunftsangst
und Sorgen spiegelten sich somit auch bei den Kindern und Jugendlichen wieder. Somit bestand die
nächste große Herausforderung darin, die jungen Menschen weiterhin zu motivieren, aktiv an der
Gestaltung der Angebote zu partizipieren. Eine zunehmende „digitale Müdigkeit“ wurde bei der
Zielgruppe wahrgenommen. Dies ist nach Befragung der Schüler*innen dem zumeist ganztägigen
Format der Online-Beschulung und anschließender Bearbeitung von Hausaufgaben im digitalen
Format geschuldet. Die meisten Kinder und Jugendlichen haben schlichtweg kein Interesse auch
1 1.: Zielsetzungen = Stabilisierung von Persönlichkeit, Training von Schlüsselkompetenzen, Schaffung von Anschlussperspektiven und gesellschaftliche Teilhabe.
2 2.: Zielgruppe der JBH = Jugendliche mit multiple Problemlagen (vgl. §13 SGB VIII)
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noch am Nachmittag oder Abend mit den Jugendzentren digital in Kontakt zu treten. Ältere
Jugendliche und junge Erwachsene waren und sind aktuell durch die Regelungen gem. der
Coronaschutzverordnungen benachteiligt. Einzige Ausnahme zur persönlichen Kontaktaufnahme
war und ist der zulässige 1:1-face-to-face-Notkontakt seitens der Mitarbeiter*innen der
Jugendzentren Somit suchten sich diese im Verlauf der Pandemie ihre eigenen unbeobachteten
Nischen und sind für die Fachkräfte der OKJA und Streetwork Köln kaum noch erreichbar.
Die Fachkräfte der OKJA sowie die Bezirksjugendpfleger*innen nehmen eine Zunahme der
psychischen Belastung bei den Kindern und Jugendlichen jedoch auch bei den Eltern und
Sorgeberechtigten wahr. Hier wurde sichtbar, dass Jugendliche und Kinder die bereits vor der
Corona-Pandemie unter benachteiligten Umständen aufwuchsen weitaus größere Defizite, wie im
schulischen Bereich, zu erwarten haben. Hierauf wurde reagiert und zusätzliche Angebote wie z. B.
telefonische „Seelsorge“- Angebote via Telefon oder WhatsApp sowie zusätzliche Angebote im 1:1-
Kontakt im öffentlichen Raum eingerichtet. Dies entspricht der vermehrten Forderung der jungen
Menschen, die sich in der Coronaschutzverordnung nicht mehr ausreichend berücksichtigt finden.
Somit finden fortwährend Anpassungen gemäß den Wünschen und (vermuteten) Bedarfen der
Kinder und Jugendlichen statt.
Aus dieser Ausgangslage resultierende Bedarfe der jungen Menschen sind z. B.
Mehr Sport- und Bewegungsangebote
Öffnung des offenen Bereichs in den Kinder- und Jugendzentren
Mehr mobile Angebote –auch als weiteres Kontaktangebot im Bezirk
Mehr Unterstützung im Übergang Schule-Beruf (Praktika und Ausbildungsplatzsuche)
Kompensation schulischer Defizite
Mehr Elternarbeit, da auch hier die Belastungen stark zunehmen
Maßnahmen in diesem Sinne wären (auch im Hinblick auf die Maßnahmenplanung der
Bundesregierung)
der Ausbau der vorhandenen Sport-Bewegungs-sowie Ernährungsprogrammen wie z. B. „Gut
drauf“
Ausbau der Schulsozialarbeit
Erhöhte Unterstützung von Familiengrundschulen in ihrer Lots*innen-Funktion für die Familien
Mehr niedrigschwellige Angebotsstrukturen
2.9. Allgemeiner Sozialer Dienst (515)
Direkt mit Beginn des ersten Lock Downs im Frühjahr 2020 hat das Amt für Kinder, Jugend und
Familie Vorkehrungen getroffen, den Schutz der Kinder und Jugendlichen soweit es eben ging
sicherzustellen.
Dazu zählte
die Abstimmung mit allen Kindertagesstätten und Schulen in Köln zur Aufnahme von
„gefährdeten Kindern“ im Rahmen der Notbetreuung, die ursprünglich nur für die Betreuung von
Kindern deren Eltern im Bereich der „kritischen Infrastruktur“ tätig waren, vorgesehen war. Diese
Kölner Lösung wurde später auch landesweit umgesetzt.
Festlegung von Mindestarbeitsstandards für die Bereiche des Allgemeinen Sozialen Dienstes,
des Pflegekinderdienstes, JGH, UMA-Erstaufnahme und Amtsvormundschaft, um den Kontakt
zu den dem Jugendamt bekannten Familien aufrechtzuerhalten. Hausbesuche wurden und
werden dabei oftmals durch Treffen im Freien oder Video – bzw. Telefonkonferenzen ersetzt.
Prioritäre Ausstattung des Gefährdungsmeldung-Sofort-Dienstes (GSD) des Jugendamtes mit
Schutzausrüstung, um einen nahtlosen „Rund um die Uhr Dienst“ ohne Einschränkung
aufrechtzuerhalten.
Bewilligung von Helferstunden für Integrationshelfer an Schulen, damit diese die Kinder beim
Homeschooling unterstützen.
Schaffung einer zusätzlichen Notaufnahmegruppe um auch an Covid 19 erkrankte bzw. unter
Quarantäne stehende Kinder und Jugendliche in Krisensituationen aufnehmen und betreuen zu
können.
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Absprachen mit den Fach- und Familienberatungsstellen zur Umstellung der Arbeitsabläufe auf
Online-Kontakte um den Kontakt zu Eltern und deren Kinder aufrechtzuerhalten.
Je nachdem wie sich die Vorgaben des durch den Bund angekündigten Aktionsprogramms
ausgestalten, ist die Jugendverwaltung interessiert, auch den Bereich der Beratungsarbeit zu
intensivieren um möglichst jeden bestehenden oder kommenden Unterstützungsbedarf von
Familien und deren Kindern abzudecken.
2.10. Schulsozialarbeit (404/6)
Mittlerweile sind an über 150 Schulen aller Schulformen in Köln Schulsozialarbeitende tätig. Die
Schulsozialarbeit setzt sich aufgrund ihres Berufsethos generell für Vielfalt und Toleranz ein. Die
sozialpädagogischen Angebote richten sich an alle Kinder und Jugendlichen und verfolgen das Ziel,
Verschiedenheit wahrzunehmen und anzuerkennen, Diskriminierungen und sozialen Ausschlüssen
entgegen- und auf eine inklusive Gesellschaft hinzuwirken. Sie sorgt für eine Sensibilisierung
bezüglich LSBTI-Themen in der Schule. Fachkräfte sind mit den entsprechenden Fachdienststellen
vernetzt und erhalten Fortbildungsangebote zu „Sexueller Vielfalt“ und sind in schulische
Programme, wie z. B. „Schule ohne Rassismus“ involviert.
In Zeiten des Distanzunterrichts und des Lockdowns gehört es zu den primären Aufgaben der
Schulsozialarbeit, Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu halten. Neben Einzelgesprächen bei
Spaziergängen oder vom Fenster zur Straße und vielen auf Flexibilität basierenden Maßnahmen,
wurden die Fachkräfte mit Diensthandys ausgestattet, um auf digitalem Weg Beziehungen aufrecht
zu erhalten. Insgesamt ist jedoch noch nicht abzusehen, wie sich die Pandemie auf Kinder und
Jugendliche tatsächlich auswirkt. Da erst jetzt der Unterricht wieder in Präsenz stattfinden wird, gilt
es wahrzunehmen, wie und ob Schüler*innen in den Schulalltag zurückkehren und Angebote zu
gestalten, die auf deren Bedürfnisse eingehen.
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
14500 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle IV/51/512 1342/2021 Vorlagen-Nummer 10.06.2021 2036/2021 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Jugendhilfeausschuss 15.06.2021 Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus dem JHA vom 27.04.2021 zu TOP 8.5.8, Vorlage 1342/2021 - Auswirkungen der Corona-Pandemie auf LSTBQI-Jugendliche Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen merkt an und fragt: Die psychische Belastung nimmt in der Pandemie mit den damit verbundenen Maßnahmen beson- ders bei Kindern und Jugendlichen stark zu. Das zeigt nicht zuletzt die Mitteilung des Anyway (1342/2021) beispielhaft. Fehlende Freiräume, kaum Möglichkeiten sich auszuprobieren, Rückzugsor- te außerhalb der Wohnung, Treffen mit Gleichaltrigen und Einsamkeit sind nur einige Punkte, unter denen Kinder und Jugendliche derzeit leiden. Dadurch, dass sie andere Bedürfnisse als Erwachsene haben, sind Kinder und Jugendliche anders von den Corona-Maßnahmen getroffen. 1. Bestand bisher ein Austausch mit Kinder und Jugendlichen und/oder Jugendverbänden über den Einfluss der Pandemie und der damit verbundenen Maßnahmen? Wenn ja, wie wurde dies mit bei den derzeitigen Maßnahmen berücksichtigt? Wenn nein, ist eine partizipativer Austausch mit Kin- der und Jugendlichen sowie den Jugendverbänden geplant? 2. Wie plant die Verwaltung, die besonderen psychischen Belastungen von Kindern und Jugendli- chen bei allen schützenden Maßnahmen mit abzuwägen? 3. Was plant die Verwaltung, um Jugendliche bei der Bewältigung der besonderen psychischen Be- lastung zu unterstützen und die Langzeitfolgen durch die Einschränkungen möglichst gering zu halten? Stellungnahme der Verwaltung: Die Situation der psychischen Verfassung von Kindern durch die Corona-Pandemie wird derzeit bun- desweit beleuchtet, so dass etliche Studien bei Kindern und Jugendlichen auftretende psychische Auffälligkeiten bestätigen und dauerhafte Benachteiligungen sowie erhebliche gesellschaftliche Fol- geprobleme prognostizieren (zu nennen sind hier: COPSY-Studie, Studie des DJI und eine Studie des For- schungsverbundes DJI/TU Dortmund, Corona-KiTa-Studie, Onlinebefragung „KiCo“ , JuCo-Studie des For- schungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“, Umfrage der Klinik für Psychiatrie und Psy- chotherapie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg + Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim, „Jugendhilfeb@rometer“ des Deut- schen Jugendinstituts (DJI)). Besonders betroffen sind laut wissenschaftlicher Erkenntnisse Kinder im Kindergartenalter von 3-6 Jahren sowie die Altersgruppe von 7-14 Jahren, dies betrifft bis zu 4 Millio- nen Kinder und Jugendliche in der BRD. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen alleinerziehen- der Mütter und aus sozial benachteiligten Familien in prekären Lebenslagen bei wegfallenden Hilfs- angeboten wurden schulische Probleme, Angst, Depression, Anstieg häuslicher Gewalt und damit einhergehende Traumatisierungen, Suchtproblematiken und Steigerung von Suchterkrankungen fest- gestellt. Mit Blick auf die aktuellen Abschlussjahrgänge drohen einer Vielzahl von jungen Menschen ein fehlender Schulabschluss sowie das Verpassen eines Anschlusses an eine weitergehende Quali- fizierung, so dass langfristig erhebliche biografische und gesellschaftliche Folgen zu erwarten sind. Zwei Drittel aller Jugendämter berichten von deutlich negativen Veränderungen in allen Lebensberei- chen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch die Pandemie. Die seitens der bun- desweiten Studien geforderten Empfehlungen sind -mit dem Fokus auf Kinder und Jugendliche mit 2 psychischen Erkrankungen, mit Bildungsbenachteiligung aus bildungsfernen Familien sowie auf Fa- milien mit Migrationshintergrund- folgende: Ausbau materieller und personeller Ressourcen für Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, Ausbau der vorhandenen Sport-, Bewegungs- sowie Ernährungsprogramme, Ausbau mobiler An- gebote –auch als weiteres Kontaktangebot im jeweiligen Bezirk, erhöhte Unterstützung von Familiengrundschulen in ihrer Lotsen-Funktion für die Familien, Nach- hilfeangebote und Lernförderung, verstärkte Elternarbeit, Stärkung der Jugendsozialarbeit in der Übergangsgestaltung von der Schule in den Beruf, eine Ausbildungsgarantie für Jugendliche, Unterstützung von Betrieben, Ausbau der Schulsozialarbeit und/oder sonstige schulische Lernunterstützung, mehr Unterstützung im Übergang Schule-Beruf (Praktika und Ausbildungsplatzsuche). Seitens des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln werden die beschriebenen Studien- ergebnisse in der Praxisarbeit bestätigt. In Köln leben rund 65.000 Kinder im Alter von 0-6 Jahren und rund 57.000 Kinder im Alter von 6-18 Jahren. Die Fachkräfte des Kinder- und Jugendhilfesystems nehmen in allen Bereichen eine Zunahme der psychischen Belastung bei den Kindern und Jugendli- chen -jedoch auch bei den Sorgeberechtigten- wahr. Dadurch wurde sichtbar, dass die Kinder und Jugendlichen, die bereits vor der Corona-Pandemie unter benachteiligten Umständen aufwuchsen, weitaus größere Defizite als nur im schulischen Bereich zu erwarten haben. Die häusliche Atmosphä- re wird vielerorts durch die Folgen der Pandemie als belastend beschrieben, u.a. weil Ausbildungs- plätze, Praktika, schulische Angebote sowie Therapieplätze bei psychischen Belastungen fehlen und notwendige Bewegungs- und Hilfsangebote durch die Corona-Schutzverordnungen wegfallen muss- ten. Analog zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Studien wurde aus allen Bereichen der Jugend- verwaltung eine psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen aufgrund folgender Schwer- punkthemen beschrieben: Ausgrenzung von Jugendlichen, fehlender Kontakt zu Gleichaltrigen, Ver- lust von Tagesstruktur, Antriebslosigkeit, allgemeine Orientierungslosigkeit und Perspektivlosigkeit, multiple Problemlagen bei der Umsetzung des Homeschooling, Bildungs- und Lernrückstände, man- gelnde berufliche Orientierung, erschwerte Vermittlungen in Ausbildungsbetriebe, Sprach- und Ver- ständnisprobleme bei Jugendlichen mit Migrationsgeschichte und ausufernde Mediennutzung. Dies führte zu einer Zunahme von telefonischen Kontakten besorgter Eltern sowie einer steigenden Anzahl von Beratungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen/Auffälligkeiten in den entspre- chenden Fachbereichen. Vormals verlässliche Strukturen in Familie, Schule, Sportvereinen und den Jugendzentren brachen weg. Die somit zunehmende Unsicherheit, Zukunftsangst und Sorgen spiegelten sich somit auch bei den Kindern und Jugendlichen. Das dynamische Pandemiegeschehen gestaltete die fachliche Arbeit mit den jungen Menschen mit den immer wieder veränderten Rahmenbedingungen gem. Corona- Schutzverordnung extrem herausfordernd. Eine umfassende Beantwortung aus den verschiedenen Bereichen findet sich in der beigefügten An- lage, auf die vorliegenden Fragen wird zusammenfasst Stellung genommen. 1. Frage: Der partizipative Austausch mit Kindern und Jugendlichen ist ein gelebtes Grundprinzip der Arbeit in allen Bereichen der Kölner Kinder- und Jugendhilfe. Es bestanden in allen Bereichen weiterhin Kon- taktangebote, die aufgrund pandemiebedingter Vorgaben teilweise nur digital möglich waren. Vormals bereits schwer erreichbare Kinder und Jugendliche haben diese Angebote jedoch nicht angenommen, zumal durch digitalen Unterricht aus verschiedenen Bereichen eine Art medialer Überdruss festge- stellt wurde. 3 Über Mitarbeiter*innen des Gefährdungsmeldungs-Sofort-Dienstes und in Jugendzentren bestand neben den digitalen Angeboten aller Einrichtungen im Rahmen der geschützten und genehmigten Ausnahme im Rahmen des Kinderschutzes face-to-face-Kontaktmöglichkeiten in Notfällen. Neben Einzelgesprächen im Freien oder „Fenstergesprächen“ sowie weiteren auf Flexibilität basierenden Maßnahmen, wurden etliche Fachkräfte des Allgemeinen Sozialen Dienstes und in der Kinder- und Jugendarbeit mit Diensthandys ausgestattet, um auf digitalem Weg Beziehungen aufrecht zu erhal- ten. Familienhebammen und weitere Fachkräfte der Frühen Hilfen haben einen engen Kontakt per Telefon gehalten und versucht, Treffen im Freien zu organisieren. In den Bereichen der Jugendberufshilfe bestand während der gesamten Zeit ein regelmäßiger telefo- nischer sowie digitaler Austausch mit Jugendlichen und Trägern der Jugendberufshilfe. Seitens der an über 150 Schulen tätigen Schulsozialarbeitender wurde trotz Zeiten des Distanzunter- richts der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen gehalten; die Aufgabe der hierzu geschulten Fachkräfte ist es, eine Sensibilisierung bezüglich LSBTI-Themen in der Schule herbeizuführen. Neben fest verorteten Angeboten bestand über das aufsuchende Streetwork-Angebot Kontakt zur Zielgruppe mittels partizipativer Einzelgespräche innerhalb des Lebensraumes de Kinder- und Ju- gendlichen. Jedoch wurde seitens der Streetwork-Mitarbeiter*innen in Köln ein deutlicher Rückgang von Jugendlichen im öffentlichen Raum zugunsten eines verstärkten medialen Konsums zu Hause in einer virtuellen Welt festgestellt. Trotz der allerseits erlebten Schockstarre reagierten alle Akteure in der Kölner Kinder- und Jugendhil- fe-landschaft mit einer schnellen Anpassung und Umstellung Ihrer Angebote. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie, der ersten Corona-Schutzverordnung sowie erstmaliger Schließung der Einrich- tungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) im März 2020 besteht ein enger Austausch zwischen den jeweiligen Akteuren und Bezirksjugendpflegern, über den mit den jeweiligen Akteuren im Sozialraum die aktuell gültigen Einschränkungen und Möglichkeiten der Arbeit diskutiert werden. Dabei standen die Bedürfnisse und Belange der Kinder und Jugendlichen stets im Vordergrund und sie wurden über den partizipativen Ansatz der Befragung (per Brief, über WhatsApp-Gruppen, Face- book, Instagram, usw.) aufgefordert, ihre Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen, damit die Jugend- zentren ihre analoge und digitale Angebotsstruktur angleichen konnten. Die daraus generierten An- gebote wurden fortlaufend modifiziert und angepasst. Aufgrund der beschriebenen Problematiken und der „digitalen Müdigkeit“ stellt es derzeit eine große Herausforderung dar, die jungen Menschen weiterhin zu motivieren, aktiv an der Gestaltung der An- gebote zu partizipieren. Dennoch ist es weiterhin Ziel und Aufgabe der Fachkräfte, dies in allen Berei- chen weiterhin zu ermöglichen. 2. Frage: Aufgabe der Kinder- und Jugendarbeit ist es, in einem stetigen Prozess aktuellen Themen und Le- bensbedingungen zu begegnen, um den Belastungen von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwir- ken. In den bestehenden Strukturen/Maßnahmen wurde dies in der aktuellen Pandemie-Situation durch bestmögliche Anpassungen berücksichtigt. Direkt mit Beginn des ersten Lockdown hat das Amt für Kinder, Jugend und Familie Vorkehrungen getroffen, den Schutz der Kinder und Jugendlichen -soweit es eben ging- sicherzustellen. Dazu zählte u.a.: - Abstimmung mit allen Kindertagesstätten und Schulen in Köln zur Aufnahme von „gefährdeten Kindern“ im Rahmen der Notbetreuung, - Festlegung von Mindestarbeitsstandards für die Bereiche des Allgemeinen Sozialen Dienstes, des Pflegekinderdienstes, JGH, UMA-Erstaufnahme und Amtsvormundschaft, um den Kontakt zu den dem Jugendamt bekannten Familien aufrechtzuerhalten, - Ausstattung des Gefährdungsmeldung-Sofort-Dienstes (GSD) mit Schutzausrüstung, um einen nahtlosen „Rund um die Uhr - Dienst“ ohne Einschränkung aufrechtzuerhalten, - Bewilligung von Helferstunden für Integrationshelfer an Schulen, - Schaffung einer zusätzlichen Notaufnahmegruppe, um auch an Covid 19 erkrankte bzw. unter Quarantäne stehende Kinder und Jugendliche in Krisensituationen betreuen zu können, - Absprachen mit den Fach- und Familienberatungsstellen zur Umstellung der Arbeitsabläufe auf Online-Kontakte, um den Kontakt zu Eltern und deren Kindern aufrecht zu erhalten, 4 - Beziehungsarbeit und Teilnehmerbindung, Beratungsangebote und Umsetzung von Homeschoo- ling über zusätzliche Angebote und Formate, - Umstellung der Angebote zum Beziehungserhalt über 1.1-Kontakte im Freien, Video– bzw. Tele- fonkonferenzen und WhatsApp-Austausch in den möglichen Bereichen, - Fortlaufende Entwicklung und Anpassung von Notfallplänen zur Nutzung aller Möglichkeiten und Anpassung von Angeboten unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Corona-Schutz- Verordnungen, - verstärkter Fachkräfteaustausch und Gestaltung von Kooperationsbeziehungen. Der vermehrten Forderung der jungen Menschen, die sich in der Corona-Schutzverordnung nicht mehr ausreichend berücksichtigt finden, wird durch fortwährende Anpassungen gemäß den Wün- schen und (vermuteten) Bedarfen der Kinder und Jugendlichen Folge geleistet. Nach aktuell wieder- einsetzendem Präsenzunterricht ist es Aufgabe der Schulsozialarbeit, wahrzunehmen, wie und ob Schüler*innen in den Schulalltag zurückkehren und Angebote zu gestalten, die auf deren Bedürfnisse eingehen. 3. Frage Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die bestehenden Strukturen gem. des Aufgabenbereiches der §§ 11-14 SGB VIII der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Streetwork, Schulsozialarbeit und Jugendbe- rufshilfe/ Jugendsozialarbeit sowie der Hilfen zur Erziehung der Kinder- und Jugendhilfe gem.§§ 27 ff. mit ihren partizipativ ausgerichteten Angeboten bereits die beschriebene Zielgruppe in ihren Aufga- benbereichen im Blick haben und im Rahmen ihrer Ressourcen daran arbeiten, weiteren negativen Langzeitfolgen entgegenzuwirken. Daher gilt es diese Ressourcen zu stärken und insbesondere den Ausbau bzw. die Wiederaufnahme präventiver Angebote zu fördern, um die Beratungsarbeit in den vorhandenen Strukturen zu intensi- vieren und um dem Unterstützungsbedarf von Familien und deren Kindern entsprechen zu können. Notwendig ist dafür vor allem die aktuelle Öffnung des offenen Bereichs in den Kinder- und Jugend- zentren. Die vorhandenen Strukturen sind insgesamt als gut zu bewerten und konnten die aktuellen Probleme weitestgehend auffangen. Perspektivisch sollten die Verlinkungen und Kooperation mit Spezialdiens- ten für psychische Unterstützung und Diagnostik sowie allen entsprechenden Stellen im Hinblick einer besseren Gestaltung von Übergängen betrachtet werden. Gez. Voigtsberger
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2036/2021
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 10.06.2021
- Erstellt
- 27.05.2021 13:41