2867/2023
Hinweistafeln Friedrich Ludwig Jahn
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Anlage 3- Aufstellalternative 1
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Anlage 4 - Aufstellalternative 2
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Anlage 1 - Texttafel 1
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Aaaa Anlage 1 Texttafel 1 Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) gilt als „Gründervater“ der deutschen Turnbewegung und wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung des Vereinssports. Unter seiner Leitung entstand 1811 in der Berliner Hasenheide ein öffentlicher Turnplatz, auf dem Jugendliche und Erwachsene regelmäßig zu „Leibesübungen“ zusammenkamen. Seine sportlichen Vorstellungen hielt Jahn in dem 1816 zusammen mit Ernst Eiselen verfassten Buch „Deutsche Turnkunst“ fest, das zahlreiche Anregungen von Pädagogen wie Johann GutsMuths aufgriff. Jahns Initiative stieß besonders in bürgerlichen Kreisen auf große Resonanz, in der Folge entstanden in ganz Deutschland weitere Turnplätze und -vereine. Obwohl das Turnen zwischen 1820 und 1842 in Preußen und anderen deutschen Staaten verboten war, blieb die von Jahn initiierte Turnbewegung auch im späteren 19. und gesamten 20. Jahrhundert einflussreich. Jahn betrachtete das Turnen nicht nur als körperliche „Ertüchtigung“, sondern als Kern einer deutschen Nationalerziehung. Zu seinen zentralen politischen Zielen gehörten neben der Überwindung ständisch-feudaler Beschränkungen, einer neuen Verfassung und erweiterten staatsbürgerlichen Rechten die „Einigkeit“ und „Freiheit“ Deutschlands. Dabei stand der „Kampf1 gegen die Vorherrschaft Frankreichs unter Napoleon Bonaparte im Mittelpunkt. Seine 1810 erschienene Schrift „Deutsches Volkstum“ erklärte Deutschland nicht nur zur entscheidenden Kraft der „Menschheitsgeschichte“, sie sprach sich auch für eine Stärkung des „Volksgefühls“ und die „Verbannung“ jeder „Ausländerei“ aus. Als Mittel hierfür betrachtete er neben der Brauchtumspflege das Turnen. Die Turnbewegung sollte zu Aktivität und Gemeinschaftssinn erziehen, zu „Wehrtüchtigkeit“ und „vaterländischer Gesinnung“. Jahns aggressiver Nationalismus zeigte sich in einem ausgesprochenen „Franzo- senhass“. Zudem äußerte er sich judenfeindlich. Seine Vorstellungen von „Volkstüm- lichkeit“ und „Deutschheit“ schlossen Jüdinnen und Juden aus. Auch Frauen wurde keine gleichberechtigte Rolle zugestanden. Jahns Turnbewegung verstand sich in erster Linie als „Erziehung zur Männlichkeit“.
Beschlussvorlage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle IV/52/520/3 Vorlagen-Nummer 2867/2023 Freigabedatum 28.11.2023 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Aufstellen von Hinweistexten am Jahn-Denkmal Köln-Müngersdorf Beschlussorgan Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) Gremium Datum Beschluss: Die Bezirksvertretung Lindenthal nimmt die durch die Verwaltung erstellten Texte zur Person Friedrich Ludwig Jahn gemäß Anlagen 1 und 2 zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, diese Texte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Jahndenkmal oberhalb der Jahnwiesen in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz bzw. dem Stadtkonservator gemäß Anlage 4 aufzustellen. Alternative: Die Bezirksvertretung Lindenthal nimmt die durch die Verwaltung erstellten Texte zur Person Friedrich Ludwig Jahn zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, diese Texte in unmittelba- rer Nachbarschaft zum Jahndenkmal oberhalb der Jahnwiesen in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz bzw. dem Stadtkonservator gemäß Anlage 3 aufzustellen. . Sportausschuss 30.11.2023 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 04.12.2023 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Die Bezirksvertretung Lindenthal hat die Verwaltung mit der Erstellung einer Informationstafel am Denkmal des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn an den Jahnwiesen in Köln Müngersdorf beauftragt. Die Darstellung der Ambivalenz Jahns zwischen dem Begründer der Turnbewe- gung, dem Sport als Mittel der Fitness für die deutsche Jugend, um als Soldat im Kampf ge- gen Frankreich zu gehen, seine Ausgrenzung von Frauen und Juden und sein Nationalismus und Antisemitismus sollte durch Historiker*innen erarbeitet werden. Dazu sollte die Zusam- menarbeit mit der Fachstelle im NS-Dokumentationszentrum „m² miteinander mittendrin – Für Demokratie gegen Antisemitismus und Rassismus“ erfolgen. Auf dieser Basis wurden durch das NS-Dokumentationszentrum die als Anlage angefügten Texte erarbeitet. Aus Sicht des NS-Dokumentationszentrums mit der Fachstelle m² ist es not- wendig, die historische Einordnung Friedrich Ludwig Jahns in zwei Perspektiven anzubieten. Zum einen sollte eine fundierte Information zur Person Jahns erfolgen, die sowohl sein sport- bezogenes Wirken als auch seine politische –nationalistische und judenfeindliche Haltung be- leuchtet (s. Text Anlage 1). Zum anderen erscheint es notwendig, sich am Ort des Jahn-Denk- mals mit der Rezeptionsgeschichte und damit mit dem Erinnern an Jahn auseinanderzuset- zen. Dazu dient der zweite Textentwurf (s. Text Anlage 2). Aus Sicht des NS-Dokumentationszentrums ist es erforderlich, das Jahn-Denkmal mit Texten zu beiden Perspektiven zu umrahmen. Dies kann in einer größeren Tafel (Anlage 4) oder in zwei gestalterisch aufeinander bezogenen Tafeln (Anlage 3) passieren. Eine ganzheitliche Kontextualisierung der Person Jahn sowie des Gedenkens an ihn bietet die Chance einer mul- tiperspektivischen Auseinandersetzung mit diesem hervorstechenden Denkmal. Eine erste Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege ergab zwei Möglichkeiten für eine Aufstellung der Informationen (Anlagen 3 und 4). Aus Sicht der Sportverwaltung bietet es sich an, die Informationen in Form eines tiefen, leicht schräg stehenden Tisches nebeneinander zu präsentieren (Anlage 4). Die endgültigen Kosten für die Umsetzung können erst nach der abschließenden Entschei- dung über die Art der Präsentation ermittelt werden. Begründung der Dringlichkeit: Aufgrund der tiefgreifenden historischen Relevanz und gesellschaftlichen Tragweite des Denkmals ist es dringend erforderlich entsprechende Hinweistafeln aufzustellen. Nur so kann auch die langfristige Erhaltung und Wertschätzung dieses bedeutenden kulturel- len Erbes mit den entsprechenden Informationen sichergestellt werden. Aufgrund umfangreicher verwaltungsinterner Vorarbeiten und Abstimmungsprozesses war eine frühere Vorlage nicht möglich. Anlagen
Anlage 2 - Texttafel 2
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Anlage 2Anla Anlage 2 Texttafel 2 Friedrich Ludwig Jahn war bereits zu Lebzeiten keineswegs unumstritten, blieb aber weit über seinen Tod hinaus in Sport, Politik und Öffentlichkeit eine wichtige Bezugsperson. Verschiedene Gruppen beriefen sich auf Jahns Ideen, wobei er vor allem in Kreisen der politischen Rechten als Vorbild betrachtet wurde. Dabei standen oft nicht seine pädagogischen Ideen und die Rolle als „Turnvater“ im Vordergrund, sondern seine politischen Äußerungen und Absichten. Betont wurde Jahns Rolle als Streiter für einen selbst- und machtbewussten Nationalstaat, „Kämpfer“ gegen „Fremdherrschaft“ und deutscher „Volkserzieher“. Im 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreich entwickelte sich ein regelrechter „Jahn- Mythos“. Mit weit über hundert Denkmälern gehörte Jahn zu den öffentlich am häufigsten geehrten Personen. Auch in der Weimarer Republik gab es - vor dem Hintergrund von Kriegsniederlage, Gebietsverlusten und Besatzungszeit - eine rege Auseinandersetzung mit seinen Ideen. Der NS-Staat knüpfte daran an, entwickelte aber ein eigenes Bild, das Jahn vor allem als Gewährsmann nationalsozialistischer Formierung und Vordenker „völkischer Weltanschauung“ präsentierte. Nach 1945 bemühte man sich in der Bundesrepublik darum, wieder an ältere Deutungen Jahns anzuknüpfen; auch die DDR nahm den „Turnvater“ in ihren Traditionsbestand auf. Eine kritischere Sichtweise Jahns entwickelte sich in Westdeutschland erst schrittweise seit Ende der 1960er-Jahre. Das Kölner Jahn-Denkmal wurde im Juli 1928, anlässlich des 150. Geburtstages Jahns, errichtet. Der Festakt bildete den Auftakt zum 14. Deutschen Turnfest und betonte Kölns Rolle als „Sportstadt“. Das vom Kölner Stadtbaudirektor Adolf Abel entworfene Denkmal wurde freistehend auf der Südseite der Jahnwiese errichtet, an herausgehobener Stelle des Kölner Stadionkomplexes. Es war in der Gestaltung durchaus modern: eine 15 Meter hohe Säule aus Eisenbeton, an der Spitze das aus vier „Fs“ zusammengesetzte Turnerkreuz, das auf das Motto der Deutschen Turnerschaft verweist - „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“. Inhaltlich blieb die Denkmalsetzung aber weitgehend traditioneller Jahn-Wahrnehmung verpflichtet. Das Turnfest war als „Kundgebung“ für den deutschen Gedanken und die deutsche Einheit“ gedacht und stand unter dem Motto „Deutsch bleibt der Rhein, frei bleibe Deutschlands Schicksalsstrom“. Bei der Einweihung des Jahndenkmals würdigte der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer Jahn als einen „Manne, der einem niedergebrochenen, am Boden liegenden Volke, einer dumpfen, untätigen Jugend neue Impulse, neues Leben, neue Ideale gab“. 1949 erhielt das Jahn-Denkmal eine ergänzende Plakette des Deutschen Arbeitsaus- schusses Turnen, der sich als Nachfolger der 1935 aufgelösten Deutschen Turnerschaft verstand und Vorläufer des 1950 gegründeten Deutschen Turner-Bundes war. Anlass war die im August 1949 in Köln veranstaltete, zum ersten Mal seit 1943 wieder ausgerichtete Deutsche Turn- und Spielmeisterschaft. Mit der Anbringung der Plakette versuchte man, wenige Monate nach Gründung der Bundesrepublik, wieder an die vermeintlich unbelastete Turn- und Sportbewegung derzeit vor 1933 anzuknüpfen.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Alternative beschlossen
Zur SitzungBeschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2867/2023
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 29.11.2023
- Erstellt
- 05.09.2023 10:39