AHI/0001/2026
Gesundheit für alle-Sicherung der allgemeinmedizinischen Versorgung und Aufbau eines Gesundheitskiosks/ Stadtteilgesundheitszentrums, insbesondere in Berg Fidel
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Anregung der Bezirksvertretung Hiltrup an die Verwaltung der Stadt Münster
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Anregung der Bezirksvertretung Hiltrup an die Verwaltung der Stadt Münster Gesundheit für alle – Sicherung der allgemeinmedizinischen Versorgung und Aufbau eines Gesundheitskiosks / Stadtteilgesundheitszentrums, insbesondere in Berg Fidel Beschlusspunkte 1. Sachstandsbericht zur allgemeinmedizinischen Versorgung Die Verwaltung wird beauftragt, von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen- Lippe (KVWL) einen Sachstandsbericht zur Sicherstellung der allgemeinmedizinischen Versorgung in Berg Fidel zu fordern. Dabei ist die KVWL auf ihre gesetzliche Sicherstellungsverantwortung gemäß § 75 SGB V hinzuweisen. Zugleich ist deutlich zu machen, dass eine formale Überversorgung eines Planungsbereichs – wie der Stadt Münster – das Entstehen tatsächlicher lokaler Versorgungslücken nicht rechtfertigt. Die KVWL ist aufzufordern, o die Versorgungslage transparent und differenziert auf Stadtteilebene zu prüfen, o drohende lokale Versorgungslücken frühzeitig zu kommunizieren sowie o geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung zu entwickeln und umzusetzen, insbesondere vor dem Hintergrund der unmittelbar bevorstehenden Versorgungslücke in Berg Fidel. Im Weiteren ist darzulegen, welche Kapazitäten und Erreichbarkeiten zu einer alternativen hausärztlichen Versorgung im Umfeld des Stadtteils Berg Fidel vorhanden sind. Konzept für einen Gesundheitskiosk / ein Stadtteilgesundheitszentrum Die Bezirksvertretung Hiltrup regt an, unter Berücksichtigung des Antrags an den Rat der Stadt Münster Nr. A-R/0028/2022 ein Konzept zur Einrichtung und einer möglichen Finanzierung eines Gesundheitskiosks bzw. eines Stadtteilgesundheits- zentrums in Berg Fidel zu erstellen. Prüfenswert ist auch ein mobiler Ansatz, der auf andere Stadtteile übertragbar wäre. Die Vorlage eines Konzeptes wäre zum 3. Quartal 2026 wünschenswert. Begründung 1. Sicherung der allgemeinmedizinischen Versorgung – insbesondere in Berg Fidel Die hausärztliche Versorgung ist die zentrale erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem. Sie ist insbesondere für ältere Menschen, chronisch Erkrankte sowie sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen von grundlegender Bedeutung. In Stadtteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen wie Berg Fidel kommt ihr eine herausragende Rolle zu, da hier der Unterstützungsbedarf häufig erhöht ist und gleichzeitig Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem besonders stark wirken. In Berg Fidel ist absehbar, dass sich die allgemeinmedizinische Versorgung in naher Zukunft erheblich verschlechtern wird. Die derzeitige hausärztliche Praxis – die einzige fußläufig erreichbare hausärztliche Anlaufstelle im Quartier – wird zum 31. März 2026 schließen. Als Gründe für die Aufgabe des Standortes wurden seitens der KVWL eine geringe Patientenzahl sowie eine wirtschaftliche Unrentabilität benannt. Nach Kenntnis der Bezirksvertretung Hiltrup liegen derzeit keine Bewerbungen auf den ausgeschriebenen kassenärztlichen Sitz vor, die sich auf den Standort Berg Fidel beziehen. Alternative hausärztliche Praxen in anderen Stadtteilen sind für viele Menschen nur eingeschränkt erreichbar – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen, Menschen mit geringem Einkommen oder mit sprachlichen Barrieren. Ohne eine hausärztliche Praxis vor Ort besteht zudem die begründete Sorge, dass auch die Apotheke im Stadtteil perspektivisch nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann, was die Versorgungslage weiter verschärfen würde. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich auch in anderen Stadtteilen ab. So ist bekannt, dass beispielsweise in Coerde in den kommenden Jahren mehrere kassenärztliche Sitze frei werden. Diese Entwicklung ist insgesamt als äußerst besorgniserregend einzuschätzen. Vor diesem Hintergrund sind kurzfristig tragfähige Lösungen für Berg Fidel zu entwickeln; zugleich muss das Thema seitens der KVWL grundsätzlicher und strategischer betrachtet werden. Die Einstufung des Planungsbereichs Münster als formal überversorgt bildet die tatsächliche Versorgungssituation in einzelnen Stadtteilen wie Berg Fidel nicht hinreichend ab. Lokale Versorgungslücken können trotz rechnerischer Überversorgung entstehen und führen faktisch zu einer Unterversorgung der betroffenen Bevölkerung. Eine verlässliche Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung erfordert daher eine differenzierte Betrachtung auf Stadtteilebene sowie ein frühzeitiges Gegensteuern bei absehbaren Versorgungsengpässen. Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, die KVWL im Rahmen ihrer gesetzlichen Sicherstellungsverantwortung frühzeitig einzubinden und konkrete Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Stabilisierung der hausärztlichen Versorgung in Berg Fidel sowie in weiteren Stadtteilen mit besonderem Handlungsbedarf einzufordern. Hier sind kreative und wirksame Lösungen gefragt. Best-Practice-Beispiele aus anderen Städten können dabei als Orientierung dienen. So wurden in anderen Kommunen Anpassungen der Planungs- und Steuerungsstrukturen vorgenommen, um lokale Versorgungsbedarfe besser abzubilden. Berlin hat beispielsweise sein System neu strukturiert, um lokale Ungleichheiten zu reduzieren. Solche Ansätze sind auch für Münster – in angepasster Form – zu prüfen. 2. Warum ein Gesundheitskiosk / ein Stadtteilgesundheitszentrum? Mit dem Antrag an den Rat der Stadt Münster (Nr. A-R/0028/2022) wurde bereits das Ziel formuliert, niedrigschwellige und quartiersnahe Gesundheitsangebote insbesondere in Stadtteilen mit besonderem Handlungsbedarf zu stärken. Der vorliegende Antrag knüpft an diese Zielsetzung an und konkretisiert sie vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Versorgungslage in Berg Fidel. Gesundheitskioske bzw. Stadtteilgesundheitszentren können die hausärztliche Versorgung nicht ersetzen, stellen jedoch eine wichtige ergänzende Struktur dar. Sie bieten Orientierung im Gesundheitssystem, verbessern den Zugang zu Gesundheitsinformationen, Prävention und Beratung und können bestehende Versorgungslücken abfedern. Gerade in sozial benachteiligten Quartieren wie Berg Fidel ermöglichen solche Angebote, Zugangsbarrieren abzubauen, vulnerable Gruppen gezielt zu erreichen und die gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern. Gleichzeitig können sie die Attraktivität des Standorts für ärztliche Interessentinnen und Interessenten erhöhen und damit indirekt zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung beitragen. CDU Bündnis90 / Die Grünen SPD FDP Astrid Bühl Christiane Schwab Annette Ulrich Klaus Theißing Nicolas Fell Carsten Peters Emily Zlateva Volt Sebastian Lieske Petra Gericke Friedhelm Schade Martin Grewer Götz Raisner Dr. Hauke Enno Helling Die Linke Franjo Stemmer Andreas Harms Jürgen Krichel Melanie Haider Mark Lütke Schürmann
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- AHI/0001/2026
- Typ
- Anregung BV Hiltrup an die Verwaltung
- Datum
- 18.02.2026
- Erstellt
- 18.02.2026 08:57