AN/1247/2025
Änderungsantrag der Fraktionen "Benennung einer Planstraße im Baugebiet östlich im Falkenhorst"
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Anlage zu TOP 6.9 - Hasret Gültekin
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www.aabf.de Alevitische Gemeinde Deutschland K.d.ö.R. - Stolberger Str. 317 - 50933 Köln An die Bezirksvertretung Porz Stadt Köln Bezirksrathaus Wahner Straße 183 51143 Köln Köln, 2. Juli 2025 Vorschlag zur Benennung einer Straße oder eines Platzes in Köln-Porz nach Hasret Gültekin Ein Zeichen für Kunst, Erinnerung, kulturelle Vielfalt und Humanität Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin Stiller, ich wende mich an Sie mit der Anregung, in Köln-Porz eine Straße oder einen Platz nach Hasret Gültekin (1971–1993) zu benennen, einem herausragenden Künstler, der bis zu seinem gewaltsamen Tod in Köln lebte und wirkte. Mit seiner Musik, seiner Haltung und seinem kulturellen Wirken wurde Hasret Gültekin weit über Deutschland hinaus zu einer Symbolfigur für Frieden, Gerechtigkeit und kulturelle Vielfalt. Künstler, Humanist, Vorbild Hasret Gültekin war ein außergewöhnlicher Musiker und Komponist. Als Meister der Bağlama prägte er nicht nur die anatolische Musiktradition neu, sondern begeisterte bereits in jungen Jahren tausende Menschen. Viele von ihnen entschieden sich durch ihn, dieses Instrument zu erlernen. Seine Lieder handelten nicht nur von Liebe und Kultur, sondern trugen klare gesellschaftliche Botschaften. Sie waren Aufrufe zu Freiheit, Gleichberechtigung und Menschlichkeit. In Köln-Porz fand Hasret Gültekin künstlerische Heimat. Hier lebte er, hier produzierte er Musik, hier trat er auf. Seine internationale Anerkennung verband sich mit einer tiefen Verwurzelung in dieser Stadt. Ufuk Çakır Generalsekretär Stolberger Str. 317 50933 Köln T. +49 (0)221 94 98 56–0 M. +49 (0)177 272 5773 F. +49 (0)221 94 98 56–10 E-Mail: ufuk.cakir@aabf.de www.aabf.de Das Pogrom von Sivas. Eine historische Zäsur Heute vor genau 32 Jahren, am 2. Juli 1993, versammelten sich in der türkischen Stadt Sivas zahlreiche alevitische Künstler:innen, Intellektuelle und Kulturschaffende anlässlich eines Kulturfestivals zu Ehren von Pir Sultan Abdal, einem bedeutenden Dichter und Symbolfigur des alevitischen Humanismus. Dieses Festival stand im Zeichen der kulturellen Selbstvergewisserung, des Austauschs und der friedlichen Begegnung. Was als Feier der Kultur und Vielfalt gedacht war, wurde durch einen islamistisch motivierten Brandanschlag auf das Madımak Hotel, in dem viele der Teilnehmenden untergebracht waren, in ein grausames Verbrechen verwandelt. Einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. 33 Menschen, darunter auch der in Köln lebende Künstler Hasret Gültekin, kamen ums Leben. Das Massaker von Sivas war ein gezielter Angriff auf die kulturelle Identität und das friedliche Selbstverständnis der alevitischen Gemeinschaft, ein Akt des Hasses, dem sich die Erinnerungskultur in Deutschland mit Haltung und Konsequenz entgegenstellt. Für die alevitische Gemeinschaft war dieses Verbrechen ein tiefer Einschnitt. Zugleich markierte es eine Wende: Das Bewusstsein, sichtbar und selbstbestimmt in der Gesellschaft zu wirken, gewann neue Kraft. Es kam zu einer Revitalisierung der alevitischen Community in Deutschland, zur stärkeren Organisation, zur Gründung von Gemeinden, zu einem selbstbewussten Eintreten für Toleranz, Erinnerung und Demokratie. Köln spielte dabei eine zentrale Rolle. Köln als Zentrum alevitischen Lebens in Deutschland Die Alevitische Gemeinde Deutschland K.d.ö.R., der ich vorstehe, ist der bundesweite Dachverband der alevitischen Gemeinden in Deutschland mit Sitz in Köln. Der Verband vertritt heute 165 Gemeinden bundesweit. Auch die Gemeinden in Köln-Porz und Köln-Chorweiler sind aktive Mitglieder unseres Dachverbands und unterstützen dieses Vorhaben ausdrücklich. Beide sind seit Jahrzehnten tragende Säulen des alevitischen Lebens in Köln, mit breiter Bildungsarbeit, kulturellem Engagement und sozialer Verantwortung. www.aabf.de Ein öffentlich sichtbares Zeichen der Erinnerung und Ermutigung Eine „Hasret-Gültekin-Straße“ oder ein „Hasret-Gültekin-Platz“ in Köln-Porz würde nicht nur einem bedeutenden Künstler gerecht werden. Sie wäre ein Zeichen gegen das Vergessen und zugleich ein Ausdruck städtischer Haltung: für Vielfalt, kulturelles Gedächtnis und die Würde von Minderheiten. Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung braucht es solche Zeichen im öffentlichen Raum. Wir regen an, eine neue oder unbenannte Straße in einem kulturell geprägten Viertel nach Hasret Gültekin zu benennen. Alternativ wäre auch eine Umbenennung im Rahmen stadtinterner Verfahren denkbar. Gesprächsbereitschaft Gerne würde ich Ihnen dieses Vorhaben im Rahmen eines persönlichen Gesprächs näher vorstellen und die kulturelle wie gesellschaftliche Bedeutung von Hasret Gültekin gemeinsam mit Ihnen und den zuständigen Stellen erörtern. Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass Sie diesem Anliegen offen gegenüberstehen. Mit freundlichen Grüßen Ufuk Cakir Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland K.d.ö.R. Abbas Fidan Gökhan Berk Vorsitzender Vorsitzender Alevitisches Kulturzentrum Köln-Porz Alevitische Gemeinde Köln e.V. und Umgebung e.V.
Antrag Fraktionen - Benennung Planstraße östlich im Falkenhorst
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in der Bezirksvertretung Köln-Porz, Bezirksrathaus, Friedrich-Ebert-Ufer 64- 70, 51143 Köln Gleichlautend: Frau Bezirksbürgermeisterin Sabine Stiller Friedrich-Ebert-Ufer 64 - 70 51143 Köln Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker Rathaus 50667 Köln Köln-Porz, den 31.08.2025 Antrag zur Sitzung der Bezirksvertretung Porz am 02.09.2025 hier: TOP 6.9, Benennung einer Planstraße im Baugebiet östlich im Falkenhorst in Köln- Porz/Urbach Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, wir bitten Sie, folgenden Antrag auf die nächste Tagesordnung zu setzen: Beschluss: Die Bezirksvertretung Porz beschließt, die Planstraße, die von der L84 auf Höhe der Josef-Broicher- Straße in nördliche Richtung abgeht, nach etwa 330 Metern in westliche Richtung verschwenkt und dann in einer Platzfläche mündet, in Sigrid-Volkmann-Straße zu benennen. Außerdem bittet sie die Verwaltung im Vorgriff auf zukünftige Benennungen folgende Namen zu prüfen: - Rudolf Lütz - Hasret Gültekin Stefan Götz Jutta Komorowski Dieter Redlin CDU-Fraktionsvors. SPD Fraktionsvors. Bündnis 90/ Die Grünen Fraktionsvors. - 2 - Anlagen Der fast vergessene Bürgermeister 01.02.2020, 05:36 Uhr Das Rheinufer mit Rathaus und Linden-Promenade in den 1930ern Copyright: Scholtes Porz – Mit seiner Linden-Promenade, dem Blick vom Hochufer über den Rheinbo- gen bis zum Dom und mit dem turmgekrönten Rathaus gehört das Porzer Rheinufer zu den schönsten Aufenthaltsorten am Strom, die sich in ganz Köln finden lassen. Doch keine Gedenktafel, nicht der kleinste Hinweis erinnert an den Mann, der vor gut 110 Jahren diese Visitenkarten für Porz erdachte und bauen ließ. Bürgermeister Rudolf Lütz, der 1907 sein Amt in der Bürgermeisterei Heumar (zu der Porz gehörte) antrat, hat die Geschicke von Porz und den zur Samtgemeinde gehörigen Ortsteilen in einer Weise vorangetrieben, die Stadtplanern in heutiger Zeit unvorstellbar erscheint. Im neusten Jahrbuch des Geschichts- und Heimatvereins Rechtsrheinisches Köln schildert der Heimatforscher Wolf-Dieter Raudsep, wie der aus Dattenfeld stammende Rudolf Lütz in den Jahren von 1907 bis 1918 die Zukunft nach Porz brachte. In schier atemberaubendem Tempo entwickelte der bei Amtsan- tritt erst 34-jährige Beamte damals Ideen für Porz und setzte sie um. Raudsep ist bei Recherchen zur Geschichte der evangelischen Kirche in Porz eher zufällig auf das Wirken des heute fast vergessenen Bürgermeisters gestoßen und - 2 - hat – gestützt auf Forschungen der früheren Stadtarchivare Jürgen Huck und Geb- hard Aders zur Porzer Historie vor dem Ersten Weltkrieg – die hoch spannende Ge- schichte verfolgt. Auch anhand archivierter Zeitungsberichte hat Raudsep ein facet- tenreiches Bild gezeichnet. Zudem öffnete ihm der langjährige Chefarzt des Alexia- ner-Krankenhauses, Manfred Lütz, der ein Enkel des Bürgermeisters ist, sein Fami- lienarchiv. Rudolf Lütz eilte in den ersten Jahren seiner Arbeit in Porz von Erfolg zu Erfolg und brachte Porz so einen enormen Aufschwung. Rheinufer, Anlegestelle, Rathaus, die Kanalisation bisher nicht angeschlossener Ortsteile, Verkehrsprojekte wie der Aus- bau der Hauptstraße und die Bahnunterführung an der heutigen Kaiserstraße und auch die Gründung einer Gemeindesparkasse gehören dazu. Erstaunlich kurz war die Zeit vom ersten Antrag des Bürgermeisters zur Einrichtung einer „höheren interconfessionellen Lehranstalt“ im September 1907 bis zur Umset- zung in Form einer „Höheren Knaben- und Mädchenschule der Gemeinde Heumar“ an der Porzer Hauptstraße 89 bereits zum Schuljahresbeginn 1908. Doch von 1910 an wurden dem Bürgermeister von Gegenspielern im Rat und durch öffentliche Anfeindungen in der örtlichen Presse zunehmend Steine in den Weg ge- legt. Das gipfelte in Prozessen wegen Beleidigung bis in die höchste Instanz, die Lütz gegen den Redakteur Johannes Breddemann von der Volks-Zeitung an- strengte. In den Kriegsjahren dann war Lütz’ Amtsführung von den zermürbenden Anstren- gungen ums Überleben der Bevölkerung in der Not geprägt – einem Kampf, der „zu- nehmend auch gesetzliche Vorschriften und Anordnungen der Behörden unterlief“, wie Raudsep schildert. Aus Ratsprotokollen und weiteren Quellen hat der Heimatforscher ein Zeit- und Sit- tenbild von Porz zusammengetragen– ohne das Wirken von Rudolf Lütz sähe der Stadtbezirk anders aus. Das ist sehr spannend zu lesen und wird eingebettet in wei- tere Forschungsergebnisse zum „Leben und Sterben in Porz“ vor 1920. Band 44 des Jahrbuchs ist im örtlichen Buchhandel zu beziehen oder per Mail über den Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln. h.schuetzendorf@ghv-koeln.de
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/1247/2025
- Typ
- Änderungsantrag nach § 13 der GeschO Rat
- Datum
- 02.09.2025
- Erstellt
- 02.09.2025 11:21