Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Volt aus der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 23.05.2023 (AN/0947/2023) betreffend
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss) 2538/2023 vom 17.08.2023
Stand: Am 29.08.2023 im Jugendhilfeausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 17.08.2023 2538/2023 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 22.08.2023 Jugendhilfeausschuss 29.08.2023 Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Volt aus der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 23.05.2023 (AN/0947/2023) betreffend aktueller Zahlen des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes Mit der Anfrage AN/0947/2023 stellen die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Volt folgende Fragen: 1. Kann der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes die Kinder und Jugendlichen, die psychisch belastet sind, tatsächlich erreichen? Ist der Zugang ausreichend niedrigschwellig bzw. wie wird dabei vorgegangen? 2. Zu wieviel Kindern und Jugendlichen pro Jahr kann Kontakt aufgebaut werden? Wie viele Kinder und Jugendliche erhalten Hilfe? 3. Welche Ergebnisse zeigen die Schuleingangsuntersuchungen 2023? Wie haben sich die Ergebnisse seit 2019 verändert? 4. Wie ist die Lage der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit Flucht- hintergrund, die in Köln leben? Werden die Zahlen erfasst? Welche Hilfemöglichkeiten stehen zur Verfügung? 5. Wie ist die Lage der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit geisti- ger Behinderung? Die Verwaltung antwortet darauf wie folgt: Zu 1: Kann der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes die Kinder und Jugendlichen, die psychisch belastet sind, tatsächlich erreichen? Ist der Zugang ausreichend niedrigschwellig bzw. wie wird dabei vorgegangen? Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst (KJPD) des Gesundheitsamtes Köln kann derzeit bereits folgende Hilfestellungen anbieten: 1. Diagnostische Ersteinschätzung betroffener Kinder und Jugendlichen vor Ort, niederschwellig und aufsuchend im Rahmen von Hausbesuchen, Schulsprech- 2 stunden, Stadtteilsprechstunden (in Meschenich, Kalk, Neubrück sowie in Chor- weiler im Organisationsrahmen der „Kümmerei“) sowie vor Ort im Gesundheits- amt am Neumarkt, in den Bezirksrathäusern Kalk und Mülheim 2. Beratung, Psychoedukation und Vermittlung von möglichen Hilfestellungen im medizinischen System der Regelversorgung sowie in der Jugendhilfe 3. Fallbezogene Beratungen von Fachkräften 4. Teilnahme an Informationskampagnen zur psychischen Gesundheit im Rahmen von Workshops an Aktionstagen von Schulen und anderen in Köln ansässigen Institutionen, Vereinen etc., Aufklärung über Prävention, (Früh-)Erkennung psy- chischer Belastungen und psychiatrischer Erkrankungen 5. Störungsbildbezogene Schulungen im Rahmen von Vorträgen, Workshops für pädagogische Fachkräfte in Schulen und Freizeiteinrichtungen sowie Schulsozi- alarbeiter*innen 6. Interdisziplinäre Vernetzungsarbeit im Gesundheitsamt (Schulärzt*innen, Kinder- schutz, Gesundheitsberichtserstattung, sozialpsychiatrischer Dienst) und Teil- nahme an vielfältigen Arbeitskreisen im Rahmen der Stadt Köln Es stellt sich heraus, dass der Weg vom Auftreten seelischer Belastungen und Störun- gen bis zum Ankommen in der medizinischen Regelversorgung rsp. notwendigen Hil- fen im Rahmen der Jugendhilfe v.a. für Familien aus sozial stark belasteten Stadtteilen ein weiter, z.T. unüberwindbarer zu sein scheint. Obwohl die Angebote bereits sehr niederschwellig sind, werden bei weitem nicht alle Kinder, Jugendlichen und Familien, für die eine kinder- und jugendpsychiatrische/-psychotherapeutische Hilfestellung (für Clearing, Erstberatung und Vermittlung) dringend erforderlich wäre, erreicht. Eine Vernetzung mit anderen niederschwellig arbeitenden Akteuren (Familienzentren, Gesundheitslotsen, Jugendfreizeiteinrichtungen etc.) vor allem aus den belasteten So- zialräumen stellt sich als unabdingbar heraus. So gelang es z.B. im Bezirk Chorweiler v.a. durch die Vernetzung mit der Kümmerei, entsprechenden Familien Beratung an- bieten zu können, welche inzwischen bei steigender Bedarfsanmeldung gut angenom- men wird. Eine Erweiterung der Tätigkeit in diesen stark belasteten Sozialräumen ist allerdings bei der derzeitigen personellen Ausstattung des KJPD (insgesamt 7 ärztliche/psycho- logische/sozialarbeiterische Mitarbeitende) kaum leistbar, zumal es sich herausstellt, dass nahezu ausschließlich die aufsuchende interdisziplinäre Arbeit vor Ort diesbezüg- lich erfolgversprechend ist. Zu 2: Zu wieviel Kindern und Jugendlichen pro Jahr kann Kontakt aufgebaut werden? Wie viele Kinder und Jugendliche erhalten Hilfe? Jahr Fallzahl 2017 569 2018 386 2019 416 2020 381 2021 304 2022 754 bis Juli 2023 457 3 Es ist eine deutliche Steigerung der Zahlen v.a. durch die Erweiterung der aufsuchen- den Arbeit sichtbar. Zu 3: Welche Ergebnisse zeigen die Schuleingangsuntersuchungen 2023? Wie haben sich die Ergebnisse seit 2019 verändert? Eine statistische Auswertung der psychischen Gesundheit bzw. der psychischen Belas- tungen / Erkrankungen bei Einschülern bzw. Einschülerinnen erfolgt nicht, Zahlen wer- den nicht erhoben. Sollte der Verdacht auf eine psychische Belastung / Erkrankung im Rahmen der Einschulungsuntersuchung entstehen, so erfolgt die Weitervermittlung an den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. Zu 4: Wie ist die Lage der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund, die in Köln leben? Werden die Zahlen erfasst? Welche Hilfe- möglichkeiten stehen zur Verfügung? Die Zahlen der in ihrer psychischen Gesundheit beeinträchtigten Kinder und Jugendli- chen mit Fluchthintergrund werden im KJPD nicht systematisch erfasst. In Kooperation mit der flüchtlingsmedizinischen Abteilung des Gesundheitsamtes wurden im Jahr 2022 67 Klient*innen gemeldet, im Jahr 2023 bisher 15, die anschließend weiter versorgt wur- den. Die Flüchtlingsmedizin ist allerdings ausschließlich für die Familien zuständig, die in städtischen Einrichtungen untergebracht wurden, insofern können aufgrund dieser Zahlen keine allgemeinen Aussagen getroffen werden. Im „klinischen Eindruck“ der Untersuchungen ist von einer erhöhten KJP-Krankheitslast der geflüchteten Kinder und Jugendlichen auszugehen. Aufgrund der Sprachbarrieren (in niedergelassenen Praxen ist die Finanzierung eines Sprachmittlers extrem schwierig) kommen diese Kinder/Jugendlichen häufig in der Regelversorgung erst an, wenn die Störungen ein erhebliches Ausmaß angenommen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass – obwohl Köln im bundesweiten Vergleich als kinder- und jugendpsychiatrisch/-psychotherapeutisch gut versorgte Stadt gesehen werden kann - es aktuell (verstärkt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie) einen erheb- lichen Mangel an Psychotherapie-Plätzen bereits für deutschsprachige Kinder und Ju- gendliche gibt. Zu 5: Wie ist die Lage der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung? Zahlen können mangels separater Erfassung nicht benannt werden. Aus der Arbeit vor Ort in den Schulen, v.a. in den Förderschulen für Kinder mit geistiger Entwicklungsstö- rungen stellen sich erhebliche Versorgungsprobleme wie folgt dar: Betroffene Kinder und Jugendliche zeigen v.a. in der Pubertät häufig Probleme mit ex- pansivem Verhalten, was nicht selten zu Kurzbeschulung rsp. zum Schulausschluss führt. Diese Jugendlichen bleiben zuhause und sind im Anschluss häufig auch nicht „werkstattfähig“, so dass die gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr gegeben ist. Die Probleme können sowohl der Grunderkrankung als auch der (mangelnden) Sozialisa- tion geschuldet sein. Offenbar gibt es eine inzwischen bundesweit wahrnehmbare Zunahme von Autis- musspektrumsstörungen (ASS); betroffene Kinder (v.a. mit frühkindlichem Autismus) sind extrem reizempfindlich und häufig nicht sprechfähig. Da der Anteil der Kinder mit ASS in den Klassen z.T. über 50% liegt, ist eine adäquate pädagogische Betreuung (sowohl personell als auch räumlich) sehr erschwert, wenn nicht unmöglich (was wie- derum zu Kurzbeschulung und Schulausschluss führen kann). Die Wartezeiten auf entsprechende Therapieplätze liegen z.T. bei mehr als einem Jahr. 4 Es gibt nahezu keine spezialisierte psychotherapeutische Versorgung (eine speziali- sierte Kindertherapeutin im Stadtgebiet Köln; seitens der KV wird diese Spezialisierung nicht erfasst). Es gibt im Stadtgebiet Köln keine spezialisierte vollstationäre Versorgung. Die einzige spezialisierte Klinik in NRW befindet sich in Viersen, Köln ist für Viersen kein Einzugs- gebiet. Insoweit kann in den Kölner Kliniken im Wesentlichen eine reine Notfallversor- gung stattfinden. Die Schulen verfügen über wenige bis keine Schulsozialarbeiter*innen, die v.a. für die erforderlichen Gespräche mit Eltern auch zur Vermittlung von Hilfsangeboten dringend erforderlich wären/sind. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf
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29.08.2023 zuletzt
TOP 8.5.4, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
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